Hormonelle Fertilitätstherapie beim Mann · Kapitel 20 von 22

Glossar

Aromatasehemmer (AI). Substanzen, die das Enzym Aromatase blockieren und damit die Umwandlung von Androgenen in Östrogene verringern; Beispiele Letrozol und Anastrozol (nichtsteroidal) sowie Testolacton (steroidal). Folge ist meist ein niedrigeres Estradiol und ein höheres Testosteron, LH und FSH [s144, s153].

Anastrozol. Nichtsteroidaler Aromatasehemmer; in den Studien meist 1 mg täglich [s121, s139].

APHRODITE. 2025/26 vorgeschlagenes Schema zur Einteilung infertiler Männer nach Hormonstatus, um Kandidaten für eine Gonadotropintherapie zu identifizieren [s13, s14, s15].

Asthenozoospermie. Verminderte Spermienbeweglichkeit.

Azoospermie. Keine Spermien im Ejakulat. Obstruktiv: Verschluss der ableitenden Samenwege. Nicht-obstruktiv (NOA): Störung der Spermienbildung im Hoden.

CHH / HH. (Angeborener) hypogonadotroper Hypogonadismus: fehlende oder unzureichende Gonadotropin-Sekretion aus der Hypophyse, mit niedrigem Testosteron und niedrigem oder normalem LH und FSH; schließt Kallmann-Syndrom, normosmischen CHH und erworbene Formen ein [s77, s136].

Clomifen (Clomifencitrat). Selektiver Östrogenrezeptor-Modulator (SERM), der die Östrogen-Rückkopplung im Gehirn blockiert und dadurch LH, FSH und Testosteron anhebt [s44]. Für die männliche Infertilität Off-Label.

Cochrane-Übersicht. Systematische Übersicht nach einem standardisierten Verfahren, hier zu FSH bei idiopathischer männlicher Subfertilität [s217, s245].

DFI / SDF. DNA-Fragmentierungsindex bzw. Spermien-DNA-Fragmentation: Anteil von Spermien mit geschädigter DNA [s63, s123].

Enclomifen. Trans-Isomer des Clomifens, ebenfalls ein SERM [s169, s88].

FSH. Follikelstimulierendes Hormon; wirkt auf die Sertoli-Zellen des Hodens und unterstützt die Spermienbildung. Therapeutisch als urinäres (hochgereinigtes, uFSH) oder rekombinantes (rFSH, rhFSH) Präparat [s12, s14].

Flagellum. Geißel der Spermienzelle, ihr beweglicher Anteil; Fehlbildungen des Flagellums gehören zur Morphologiebeurteilung.

Gonadotropine. Hormone der Hypophyse (LH und FSH) und ihre Präparate: hCG (wirkt wie LH), hMG (enthält LH- und FSH-Aktivität), FSH [s12].

GnRH-Pumpe (pulsatile GnRH-Therapie). Pumpengesteuerte, pulsartige Gabe von Gonadotropin-Releasing-Hormon; keine der sechs Hauptsubstanzen, aber häufiger Vergleichsarm bei HH [s143].

hCG. Humanes Choriongonadotropin; wirkt am LH-Rezeptor und regt die Testosteronbildung in den Leydig-Zellen an [s14, s15].

hMG. Humanes Menopausengonadotropin mit LH- und FSH-Aktivität.

Hodenvolumen. Volumen des Hodens, meist in ml; bei HH wichtiger Prädiktor des Ansprechens [s156, s136, s69].

Hypergonadotroper Hypogonadismus. Primäre Hodenschwäche mit niedrigem Testosteron und erhöhten Gonadotropinen [s133].

Hypogonadismus. Testosteronmangel; primär (Hodenursache) oder sekundär (Hypophyse/Hypothalamus). Funktioneller Hypogonadismus: niedriges Testosteron ohne feste strukturelle Ursache, etwa bei Adipositas [s44, s109].

Idiopathische Infertilität. Unfruchtbarkeit ohne identifizierte Ursache bei auffälligem Spermiogramm.

Inhibin B. Von Sertoli-Zellen gebildetes Hormon; in mehreren Studien Prädiktor des Ansprechens [s200, s178, s25].

Intratestikuläres Testosteron (ITT). Testosteron im Hodengewebe, deutlich höher als im Blut [s191, s224].

Klinefelter-Syndrom. Chromosomenstörung mit kleinen Hoden und häufig NOA [s54].

Letrozol. Nichtsteroidaler Aromatasehemmer; in Studien meist 2,5 mg täglich [s30, s232].

LH. Luteinisierendes Hormon, regt die Testosteronbildung an.

Lebendgeburtenrate. Anteil der Paare mit Geburt eines lebenden Kindes; der für Paare entscheidende Endpunkt, in den hier ausgewerteten Hormonstudien kaum berichtet [s217].

Metaanalyse / Netzwerk-Metaanalyse. Statistische Zusammenfassung mehrerer Studien; die Netzwerkform vergleicht mehrere Behandlungen gleichzeitig, auch indirekt [s57, s71].

Micro-TESE. Mikrochirurgische testikuläre Spermienextraktion: operative Suche nach Spermien im Hodengewebe [s119].

MD / SMD / WMD. Mittlere, standardisierte bzw. gewichtete mittlere Differenz.

Morphologie. Gestalt der Spermien; Anteil normal geformter Zellen.

OR (Odds Ratio), HR, CI. Verhältnismaße der Chancen bzw. des Ereignisrisikos; CI: 95-%-Konfidenzintervall. Ein Intervall, das die 1 einschließt, spricht gegen einen gesicherten Unterschied.

Off-Label. Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation [s12].

Oligozoospermie / OAT. Verminderte Spermienkonzentration; Oligoasthenoteratozoospermie: zugleich verminderte Zahl, Beweglichkeit und Morphologie.

PSIS. Hypophysenstiel-Unterbrechungssyndrom, eine Ursache des HH [s96].

Regression zur Mitte. Statistischer Effekt: Extreme Messwerte liegen bei erneuter Messung im Mittel näher am Durchschnitt, auch ohne Behandlung.

SERM. Selektiver Östrogenrezeptor-Modulator (Clomifen, Tamoxifen, Enclomifen).

Sertoli-Zell-Only (SCO). Hodenbefund ohne Keimzellen; nur Stützzellen [s165].

Spermatogenese. Bildung der Spermien im Hoden.

Tamoxifen. SERM; in einigen Studien zu idiopathischer Oligozoospermie eingesetzt [s208, s235].

T/E2-Verhältnis. Verhältnis von Testosteron zu Estradiol; niedrige Werte gelten als Hinweis auf erhöhte Aromataseaktivität [s76, s121].

TMSC. Gesamtzahl beweglicher Spermien im Ejakulat [s29, s60].

WHO-Kategorie der Spermienkonzentration (WHO-SCC). Einteilung der Konzentration in Stufen; Aufstieg in eine höhere Stufe war Endpunkt in [s30, s60, s102].

Alle Kapitel und Anhänge (26)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Übersicht der Metaanalysen und systematischen Übersichten bis Hypogonadotroper Hypogonadismus (HH)
  5. Hypogonadismus (Testosteronmangel) und SERM: indirekt fertilitätsrelevante Übersichten bis Zusammenschau der Metaanalysen und Übersichten
  6. Hypogonadotroper Hypogonadismus: westliche, australische und türkische Kohorten bis Hypogonadotroper Hypogonadismus: Japan, Korea, Taiwan und weitere Länder
  7. Nicht-obstruktive Azoospermie: Hormonvorbehandlung und Salvage-Therapie bei Beobachtungsstudien bis Idiopathische und unerklärte Oligo-, Astheno- und Teratozoospermie: Aromatasehemmer
  8. Idiopathische Oligo-, Astheno- und Teratozoospermie: FSH, hMG, hCG und Kombinationen bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  9. Vorbemerkung zu Grundlage und Grenzen bis Clomifen, Tamoxifen und Enclomiphen
  10. Aromatasehemmer (Letrozol, Anastrozol, Testolacton) bis Hypogonadotroper Hypogonadismus: Gonadotropine und GnRH-Pumpe
  11. Nicht-obstruktive Azoospermie: Hormonvorbehandlung vor der Spermiengewinnung bis Einordnung der Studienlage und Besonderheiten der Quellenräume
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Chinesisch
  15. Japanisch bis Türkisch
  16. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  22. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  23. Diagramme
  24. Quellen s01–s133
  25. Quellen s134–s263
  26. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle