Dieses Kapitel fragt nicht, was die Hormontherapien beim Mann bewirken (das behandeln die anderen Kapitel der Studie), sondern wo die Literatur herkommt, in welcher Sprache sie erscheint, wer sie trägt und wie gut man sie erreicht. Die Frage hat Gewicht, weil sich Aussagen über „die Literatur“ je nach durchsuchter Sprache und Datenbank verschieben: Wer nur in englischsprachigen Datenbanken sucht, sieht vor allem englischsprachige Arbeiten, auch wenn sie aus Indien, China, Iran, der Türkei oder Ägypten stammen. Die zwölf Abschnitte folgen der Reihenfolge Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch.
Zur Lesart der Zahlen: Die Quellendatei dieser Studie umfasst 263 Quellen mit je einer oder mehreren Sprachraum-Kennungen. Die Kennung „en“ führen 222 Quellen, „tr“ 21, „zh“ 17, „ar“ 15, „ru“ 12, „fr“ 4, „it“ 4, „de“ 3, „ja“ 3, „pt“ 2 und „es“ 2 (eigene Zählung aus der Quellendatei). Mehrfachzuordnungen kommen vor (eine italienische Konsensschrift in englischer Sprache trägt zum Beispiel „en“ und „it“). Koreanisch hat keine eigene Kennung, weil alle erfassten koreanischen Arbeiten englisch erschienen sind; sie werden hier nach ihrer Herkunft behandelt. Alle Zahlen der Einzelstudien stammen aus Abstracts (bei den Leitlinien von AUA/ASRM und EAU aus dem abgerufenen Leitlinientext); Volltexte der Einzelstudien wurden nicht ausgewertet. Eine Therapieempfehlung gibt dieses Kapitel nicht ab. Wo Leitlinien etwas empfehlen, wird das als Inhalt der Leitlinie berichtet.
Englisch
Stellung im Gesamtbild. Die moderne Primärliteratur (Studien ab etwa 2005) ist praktisch vollständig englischsprachig, auch wenn die Studien laut Abstracts unter anderem aus China, Indien, Iran, Irak, den Niederlanden, Saudi-Arabien, der Türkei, den USA und Vietnam stammen [s30, s36, s106, s97, s61, s125, s05, s31, s141]. Die häufigsten Fachzeitschriften unter den englischsprachigen Quellen sind Andrology (10 Quellen), Fertility and Sterility (8), das Journal of Clinical Medicine (8), Cureus (7) und Translational Andrology and Urology (7), danach Asian Journal of Andrology (5), Andrologia (4) und das World Journal of Men's Health (3) (eigene Zählung aus der Quellendatei). Die Mischung zeigt ein Merkmal dieser Literatur: Neben etablierten Fachblättern tragen auch Zeitschriften wie Cureus (zum Beispiel Übersichten, Kohorten und eine einarmige Beobachtungsstudie mit 20 Männern [s117, s59, s103, s36, s66]) und das Journal of Clinical Medicine (zum Beispiel mehrere retrospektive FSH-Studien [s34, s159, s152, s128, s75]) einen erheblichen Teil der Studien; über deren Gewicht sagt die Zeitschrift allein nichts.
Leitlinien und Konsenspapiere. Fünf Dokumente prägen die englischsprachige Debatte; sie werden hier nach Inhalt zur Hormontherapie des Mannes wiedergegeben.
- AUA/ASRM (USA), Teil I und II 2020/2021, Aktualisierung 2024 [s138, s137, s74]. Die Literatursuche lief in PubMed, Embase und Medline von Januar 2000 bis Mai 2019; die Evidenzstärke reicht von A bis C. Die Aktualisierung 2024 prüfte 4093 neue Abstracts, 125 erfüllten die Einschlusskriterien, 22 Studien gingen in die Änderungen ein; die im Abstract genannten Neuerungen betreffen aber Y-Chromosom-Mikrodeletionen, MRT-Indikationen und Hodenspermien bei nicht-azoospermen Männern, nicht die Hormontherapien [s74]. Zu Hormonen enthält die Leitlinie unter anderem folgende Aussagen: Bei hypogonadotropem Hypogonadismus soll die Ursache abgeklärt und diagnosebezogen behandelt werden (Clinical Principle). Aromatasehemmer, hCG, selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs) oder Kombinationen „können“ bei infertilen Männern mit niedrigem Serumtestosteron eingesetzt werden (bedingte Empfehlung, Evidenz C); Männer mit idiopathischer Infertilität sollen darüber informiert werden, dass SERMs im Vergleich zu den Ergebnissen der assistierten Reproduktion nur begrenzten Nutzen haben (Expert Opinion); bei idiopathischer Infertilität „kann“ ein FSH-Analogon erwogen werden (bedingte Empfehlung, Evidenz B); bei nicht-obstruktiver Azoospermie (NOA) „kann“ über die begrenzte Datenlage zur pharmakologischen Beeinflussung vor einem Eingriff informiert werden (bedingte Empfehlung, Evidenz C) [s138]. Die Diskussion der Leitlinie nennt FSH nicht von der FDA für Männer zugelassen und das Kosten-Nutzen-Verhältnis fraglich; die Datenlage zur NOA nennt sie ausdrücklich gering [s138]. Auffällig ist der Suchzeitraum bis Mai 2019: Viele der in diesem Kapitel aufgeführten Studien (zum Beispiel die Letrozol-Studie mit 296 Männern von 2026 [s30]) ist jünger als der Evidenzkörper der Leitlinie.
- EAU (Europa), Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Webfassung 2026, Abschnitt 11.5.3 [s12]. Die Leitlinie trennt klar zwischen hypogonadotropem Hypogonadismus (hCG zuerst, bei ausbleibender Stimulation FSH; Empfehlungsstärke „stark“ für die Spermatogenese-Induktion), idiopathischer Oligozoospermie mit normalem FSH (FSH, Stärke „schwach“; hochdosiertes FSH bei idiopathischer Infertilität nicht empfohlen, „schwach“) und NOA (keine Hormonstimulation vor der operativen Spermiengewinnung außerhalb klinischer Studien, „schwach“). Für primären Hypogonadismus nennt sie keine wesentliche Evidenz für Gonadotropine, SERMs oder Aromatasehemmer. SERMs werden in der Empfehlungstabelle zur Hormontherapie bei idiopathischer Infertilität nicht genannt; im Abschnitt zum Testosteronmangel steht, bei Männern mit hohem Fertilitätswunsch könnten SERMs oder hCG erwogen werden, dies seien aber Off-Label-Behandlungen [s12]. Der Abruf erfolgte als Webtext, nicht als zitierfähige PDF-Fassung.
- WHO-Leitlinie zur Infertilität 2025 [s33, s16, s01]. Die Leitlinie umfasst 40 Empfehlungen und sechs Good-Practice-Statements (GRADE-Ansatz, Leitliniengruppe mit 30 Mitgliedern) [s33]. Nach den abgerufenen Abstracts fehlen konkrete Aussagen zu Clomifen, Letrozol, FSH oder hCG; Esteves nennt als Evidenzlücke ausdrücklich fehlende Daten zu klinisch bedeutsamen Behandlungsergebnissen [s16], und der vergleichende Artikel von Achermann und Kollegen stellt fest, dass die Evidenz für häufig angewendete Interventionen einschließlich Hormontherapien gestärkt werden müsse; AUA/ASRM und EAU seien spezialistenorientiert, ESHRE und NICE paarzentriert, die WHO selektiver in ihrer Behandlungshaltung [s01]. Ein Volltextabruf der WHO-Leitlinie war nicht Teil der Recherche.
- Global Andrology Forum (GAF) zur NOA, 2026 [s19]: ein Delphi-Konsens von 48 Fachleuten aus 25 Ländern mit 49 Empfehlungen (21 zur Diagnostik, 28 zur Therapie); Statements ab 80 % Zustimmung gelten als stark. Die Inhalte zur Hormontherapie stehen nicht im Abstract.
- Japanische Leitlinie (Zusammenfassung 2025) und chinesische Leitlinienbewertung erscheinen ebenfalls auf Englisch und werden in den Abschnitten Japanisch und Chinesisch behandelt [s64, s50].
Dass die Leitlinienlage uneinheitlich ist, belegt auch eine Bewertung mit dem AGREE-II-Instrument: Von zehn chinesischen und internationalen Leitlinien zur männlichen Unfruchtbarkeit wurde nur eine als „empfehlenswert“ eingestuft; Schwächen lagen in der Entwicklungsgenauigkeit (Domäne III: 34,4 %), der Anwendbarkeit (48,3 %) und der redaktionellen Unabhängigkeit (23,5 %) [s50].
Zusammenfassende Literatur. Das englischsprachige Schrifttum enthält fast alle Übersichten und Metaanalysen, deren Ergebnisse sich teils widersprechen:
- Zu FSH bei idiopathischer Infertilität fand die Cochrane-Übersicht von 2013 (sechs randomisierte Studien, 456 Teilnehmer) eine spontane Schwangerschaftsrate von 16 % gegenüber 7 % (Peto-OR 4,94; 95-%-Konfidenzintervall 2,13 bis 11,44; Evidenz mäßiger Qualität) und eine Lebendgeburtenrate von 27 % gegenüber 0 % (Peto-OR 9,31; 1,17 bis 73,75) in einer einzigen Studie mit 30 Teilnehmern (Evidenz sehr niedriger Qualität) [s217]. Die Vorgängerfassung von 2007 (vier Studien, 278 Teilnehmer) berichtete OR 4,17 (1,30 bis 7,09) für Schwangerschaft innerhalb von drei Monaten, ohne Lebend- oder Fehlgeburten [s245]. Die Metaanalyse von Santi und Kollegen 2015 (15 Studien; 614 behandelte, 661 unbehandelte Männer) fand OR etwa 4,5 (2,17 bis 9,33) für spontane Schwangerschaften und OR 1,60 (1,08 bis 2,37) nach assistierter Reproduktion [s205]. Die jüngste Übersicht (Konnyu et al. 2026; neun Studien, 735 Männer) nannte den Nutzen von FSH „bescheiden und kurzfristig“ (Konzentration MD 5,6; 1,9 bis 9,3) und konnte für Clomifen und Aromatasehemmer keine geeigneten kontrollierten Studien einschließen [s24].
- Zu SERMs liegen widersprüchliche Bilanzen vor: OR 2,42 (1,47 bis 3,94) für Schwangerschaft [s220], OR 1,30 (0,27 bis 6,17) in einer Metaanalyse von zehn Studien [s49], und eine Netzwerk-Metaanalyse mit Clomifen 25 mg jeden zweiten Tag als wirksamster Option für die Konzentration (MD 22,00; 14,75 bis 29,25), dort aber nur auf „kontrollierten“, nicht nur randomisierten Studien beruhend [s57]. Eine auf randomisierte Studien beschränkte Netzwerkanalyse (14 Studien, 1342 Männer; niedrige Studienqualität) fand keinen Vorteil von Clomifen gegenüber Placebo (SMD −1,53; −3,52 bis 0,47) [s71].
- Zur Vorbehandlung vor Spermiengewinnung bei NOA fand die Metaanalyse von Tharakan et al. (22 Studien, 1706 Teilnehmer; nur englischsprachige Studien) eine höhere Gewinnungsrate (OR 1,96; 1,08 bis 3,56), die bei normogonadotropen Männern bestand (OR 2,13; 1,10 bis 4,14), bei hypergonadotropen aber nicht (OR 1,73; 0,44 bis 6,77); die Autoren stuften die Evidenz als niedrig ein [s119].
- Zum hypogonadotropen Hypogonadismus (HH) bündeln zwei Metaanalysen die Erfahrung: 50 Studien mit 1583 Männern, gepoolte Erfolgsrate 74 % (66 bis 82 %), mittlere Zeit bis zur Spermatogenese 11,8 Monate, Schwangerschaftsrate 52 % bei Paaren mit Kinderwunsch, Studienqualität überwiegend schlecht [s21]; und 103 Studien mit 5328 Patienten zur Pubertätsinduktion, bei der hCG plus FSH 86 % (82 bis 91 %) gegenüber hCG allein 40 % (25 bis 56 %) Spermatogenese ergab [s72].
- Zu Aromatasehemmern: Ein systematischer Review mit acht Originalarbeiten ohne Zahlen im Abstract [s153], eine Metaanalyse mit zehn Studien und 666 Patienten (Anstiege gegenüber dem Ausgangswert, aber kein Vorteil gegenüber SERM oder hCG als Kontrolle) [s111] und eine Metaanalyse zu Aromatasehemmern bei Hypogonadismus durch Adipositas und Alter, die eine niedrigere Lendenwirbel-Knochendichte nach sechs Monaten fand (MD −0,04 g/cm²; −0,08 bis −0,01) [s109].
- Zur Gegenseite der Wirkung: Eine Übersicht zu Verschlechterungen unter Clomifen (11 Studien, 384 Männer) berichtet, dass je nach Parameter bei 17 bis 24 % die Werte abnahmen [s130].
Eigene Kohorten. Englischsprachige Zentren liefern die größten Kohorten. Zur HH-Behandlung: ein niederländisches Universitätsklinikum mit 35 Männern (Spermatogenese 74 %; mit hCG plus FSH 78 % gegenüber 33 % bei hCG allein) [s22], eine Einzentrumskohorte mit 99 Männern und 160 Behandlungszyklen über vier Jahrzehnte (1983 bis 2024; Spermien bei 78 %, mediane Zeit 5 Monate) [s17] und eine Kohorte mit 35 Männern, von denen 18 (51 %) biologische Väter wurden [s34]. Zur NOA: eine Kohorte mit 1256 ausgewählten NOA-Männern aus 3086 Mikro-TESE-Patienten (2010 bis 2024), in der eine fertilitätserhaltende Hormontherapie das Serumtestosteron hob, die Gewinnungsrate aber in keiner Untergruppe verbesserte (Gesamtrate 32,4 %) [s03]; eine Serie mit 152 Männern aus Jordanien (Gewinnung 50 % ohne gegenüber 45 % mit Clomifen plus hCG; p = 0,53) [s02] und eine in der Canadian Journal of Urology veröffentlichte Studie mit 77 Männern, in der der Testosteronanstieg den Erfolg vorhersagte (ROC-Fläche 0,785) [s07]. Zu idiopathischer Infertilität: Anastrozol-Kohorte aus zwei akademischen Zentren mit 90 Männern (46 % stiegen in der WHO-Konzentrationskategorie auf, 12 % fielen ab) [s102]; drei Clomifen-Kohorten: 60 Männer mit einem Anstieg der Gesamtzahl beweglicher Spermien um im Mittel 13,1 Mio. [s29]; 166 hypogonadale oligozoosperme Männer, von denen bei 71 % die Konzentration stieg und bei 29 % paradox sank [s28]; und 234 Männer, von denen bei 137 mit passenden Kontrolluntersuchungen 34 % eine bessere, 13 % eine schlechtere und 53 % eine unveränderte Konzentration hatten [s113]. Zur Sicherheit: Auswertung der US-Veteranenverwaltung mit 364 976 Patienten mit Hypogonadismus oder Infertilität, nach Propensity-Matching je 2518 mit Clomifen oder Testosteronersatz; neue Diagnosen unter Clomifen seltener, die Gesamtmortalität 1,83 % gegenüber 10,13 %, von den Autoren als Assoziation formuliert und ohne Fertilitätsendpunkt [s31]; und eine Kohorte mit 6999 Männern mit Testosteronmangel (91 % hCG plus Testosteron, 8 % Clomifen plus Testosteron, 1 % Clomifen allein), bei der der Erstautor einer Londoner Firma (Menwell Ltd.) zugeordnet ist und die keine Spermienendpunkte erhob [s09]. Zu Missbrauch und Testosteron-bedingter Suppression: 77 Männer unter hCG plus FSH mit 74 % besserer Konzentration (kein Unterschied mit oder ohne weitergeführtes Testosteron) [s62], 19 Männer aus einer niederländischen Harm-Reduction-Klinik (Gesamtzahl der Spermien 18,0 auf 146,9 Mio.) [s61] und 66 Männer, von denen 70 % innerhalb von 12 Monaten eine Gesamtzahl beweglicher Spermien über 5 Mio. erreichten [s187].
Register. Krankheits- oder Behandlungsregister im engeren Sinn (zum Beispiel ein nationales Register der Spermatogenese-Induktion) fanden sich in den abgerufenen Quellen nicht. Die großen Datenbasen sind klinikinterne Aktenanalysen und die Verwaltungsdaten der US-Veteranenverwaltung [s31]. Studienregistrierungen dagegen sind dokumentiert: das Protokoll einer multizentrischen randomisierten Studie zur Gonadotropin-Optimierung bei idiopathischer NOA mit biochemischem Hypogonadismus (NCT07540611; es berichtet keine Ergebnisse, die Frage ist also randomisiert noch nicht beantwortet) [s08], die Registrierung der Letrozol-Studie (ChiCTR2300073861) [s30], einer indischen HH-Studie (CTRI) [s25] und einer iranischen FSH-Studie (IRCT) [s142]. Eine Studie zu Pumpen-GnRH wurde erst im Juli 2024 rückwirkend registriert [s69].
Regionale Besonderheiten. Drei Cluster fallen auf. Erstens die Gruppe um Esteves, die ein phänotypbasiertes Schema (APHRODITE) vorschlägt, die empirische Verordnung oraler Substanzen durch eine auf Hormonstatus gestützte Gonadotropintherapie zu ersetzen, und die Wirksamkeit von SERMs und Aromatasehemmern als „begrenzt“ beschreibt [s13, s14, s15]; das Protokoll von Chandra, Esteves und Sanagoudar wird derzeit randomisiert geprüft [s08]. Zweitens die Gruppen um Santi und Ferlin (Italien) zu FSH, von denen viele Arbeiten englisch erscheinen (siehe Italienisch). Drittens Cluster kleiner Studien aus Indien, Iran und Irak, mit Fallzahlen von 15 bis 188 Männern [s36, s48, s25, s106, s142, s179, s226, s97]. Interessenerklärungen stehen nicht in den Abstracts und wurden nicht geprüft; dass einige Übersichten von denselben Forschergruppen stammen, ist aber für die Gewichtung der Evidenz relevant.
Erreichbarkeit. Die PubMed-Webseite war für diese Recherche gesperrt; die NCBI-E-utilities und die Europe-PMC-REST-Schnittstelle antworteten dagegen und lieferten Titel, Abstract, Sprache und Publikationstyp. Die Cochrane Library lieferte auf der Suchseite nur ein Skript-Gerüst und auf der Reviewseite HTTP 412; die Cochrane-Reviews wurden deshalb über Europe PMC gefunden [s217, s245]. AUA und EAU waren als Webtext lesbar; das ESHRE-Portal war erreichbar, ein männerspezifischer Hormonabschnitt wurde aber nicht ausgewertet. Der englischsprachige Raum ist damit der am besten erreichbare, zugleich aber der Raum, in dem die Abstracts am wenigsten über Verblindung, Randomisierungsverfahren und Ausfälle verraten.
Deutsch
Umfang. Der deutschsprachige Raum steuert in der Quellendatei drei Arbeiten bei: einen Übersichtsartikel von Kliesch (2010, Der Urologe) [s239], eine Fallserie von Lunenfeld (1984, Wiener Medizinische Wochenschrift) [s263] und die S2k-Leitlinie von DGGG, OEGGG und SGGG zur Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktiven Behandlung (2019, Teil 2) [s176]. Eine deutschsprachige randomisierte Studie, eine Kohorte oder ein Register zu Clomifen, Letrozol, Anastrozol, hCG oder FSH beim Mann fand sich nicht. Das ist ein Befund über die durchsuchten Datenbanken, kein Beweis, dass es solche Arbeiten nicht gibt; die Europe-PMC-Suche mit deutschen Begriffen lieferte vor allem Treffer ohne Bezug zum Thema (Kongressbände, Pädiatrie, Arzneimittel in der Schwangerschaft).
Inhalt der drei Arbeiten.
- Kliesch beschreibt FSH als Schlüsselhormon der intakten Spermatogenese und Testosteron als wichtigen, unterschätzten Modifikator. Exogenes Testosteron unterdrücke die Spermatogenese und sei bei gleichzeitigem Hypogonadismus und Infertilität nicht indiziert. Bei Männern mit normalen bis erhöhten Gonadotropinen und symptomatischem Testosteronmangel sei die Behandlung schwierig, evidenzbasierte Empfehlungen fehlten; bei sekundärem hypogonadotropem Hypogonadismus (HH) kämen pulsatiles GnRH oder subkutane Gonadotropine zum Einsatz, nach erfolgreicher Fertilitätsbehandlung weiter Testosteron [s239]. Das entspricht inhaltlich der englischsprachigen Grundlinie, dass bei HH Gonadotropine die Standardindikation sind [s12].
- Lunenfeld wertet 49 Patienten unter Gonadotropintherapie (hMG/hCG) aus: 29 hatten ein FSH unter 1,5 mIE/ml, 20 darüber. Die Erfolgsrate nach Spermiogramm betrug 86 % (25 Patienten, von denen 22 Kinder zeugten) gegenüber 5 % (ein Patient); das mittlere FSH lag bei Ansprechern bei 0,9, bei Nichtansprechern bei 2 mIE/ml [s263]. Die Arbeit ist historisch: Sie dokumentiert, dass der Zusammenhang zwischen niedrigem Ausgangs-FSH und Ansprechen schon vor 40 Jahren beschrieben wurde, hat aber wegen Design und Alter begrenzte methodische Aussagekraft.
- Die S2k-Leitlinie (AWMF-Register 015-085) ist laut ihrem Abstract die erste deutschsprachige interdisziplinäre S2k-Leitlinie zu diesem Thema; sie entstand im Leitlinienprogramm der DGGG in Zusammenarbeit mit den Schweizer und österreichischen Fachgesellschaften in einem strukturierten Konsensverfahren. Teil 2 behandelt Hämostaseologie, Andrologie, Genetik und frühere Tumorerkrankungen. Der abgerufene Abstract enthält keine Aussagen zu Hormontherapien beim Mann; der Volltext auf der AWMF-Seite war nicht auswertbar, weil die Seite nur ein Skript-Gerüst lieferte. Was die Leitlinie zu Clomifen, Gonadotropinen oder Aromatasehemmern sagt, bleibt deshalb in dieser Recherche ungeprüft [s176].
Eigenheiten. Der deutschsprachige Beitrag ist leitlinien- und übersichtsgeprägt. Der paarzentrierte Ansatz der Leitlinie (Diagnostik und Therapie vor assistierter Reproduktion, mit Andrologie als einem von mehreren Teilen) erinnert an die Einordnung, die der Vergleich von WHO-, AUA/ASRM-, EAU-, ESHRE- und NICE-Leitlinien für ESHRE und NICE trifft: paarzentriert, mit wenigen männerspezifischen Pfaden [s01]. Ob das auch für die deutsche S2k-Leitlinie gilt, lässt sich aus dem Abstract nicht entscheiden.
Erreichbarkeit. AWMF: Registerseite erreichbar, aber ohne extrahierbaren Leitlinientext [s176]. Die deutschsprachige Literatur ist über PubMed und Europe PMC auffindbar, soweit sie dort indexiert ist; eine direkte Suche in deutschen Fachdatenbanken (zum Beispiel für Kongressbeiträge oder Zeitschriften ohne PubMed-Indexierung) war nicht Teil der Recherche.
Französisch
Umfang. Vier Quellen tragen die Kennung „fr“: zwei Übersichten in Gynécologie, Obstétrique & Fertilité (Bertrand-Delépine und Kollegen 2016 [s192]; Lejeune und Kollegen 2014 [s213]), eine Übersicht in Progrès en Urologie (Methorst, Faix und Huyghe 2023 [s101]) und die gemeinsamen Empfehlungen von AFU (Association Française d'Urologie) und SALF (Société d'Andrologie de Langue Française) zur Abklärung des infertilen Mannes (2021) [s131]. Ein französischsprachiger Primärstudienkörper zur Hormontherapie des Mannes (Kohorte, Register, randomisierte Studie) fand sich nicht.
Inhalt.
- AFU/SALF 2021: Es ist eine Diagnostikleitlinie. Sie empfiehlt für den infertilen Mann unter anderem zwei Spermiogramme nach WHO-Vorgaben, wenn das erste abnorm ist, und eine endokrine Abklärung mit mindestens Testosteron und FSH im Serum; Karyotyp bei Spermienkonzentration bis 10 Mio./ml, Y-Mikrodeletionen bei bis 1 Mio./ml. Die Literatursuche lief in PubMed, beschränkt auf klinische Artikel in Englisch und Französisch bis 1. Januar 2020; der Evidenzgrad folgt dem HAS-System von 2013. Therapieempfehlungen zu den Hormonen enthält der Abstract nicht [s131]. Der Datensatz ist zugleich im französischen Archiv HAL verzeichnet.
- Bertrand-Delépine 2016: Die Stimulation der Spermatogenese sei die beste Behandlung der Infertilität bei HH; am häufigsten werde mit rekombinantem FSH und/oder hCG behandelt, möglich seien auch pulsatile GnRH-Therapie oder Clomifen; spontane Schwangerschaften würden beschrieben, aber oft nach vielen Monaten Behandlung [s192].
- Lejeune 2014 (englischer Titel in PubMed: Medical optimisation of sperm retrieval in non obstructive azoospermia; der französische Originaltitel wurde nicht abgerufen): Bei HH liefere Gonadotropintherapie in etwa 90 % Spermien im Ejakulat, sofern lange genug behandelt werde; bei persistierender Azoospermie nach zwei Jahren kontinuierlicher Behandlung sei die testikuläre Spermienextraktion (TESE) angezeigt. Bei primärem Spermatogeneseversagen berichteten einzelne Publikationen eine mögliche Wirkung von FSH, hCG, Antiöstrogenen und Aromatasehemmern, vor allem bei günstiger Histologie und normalen Hormonwerten; bei unselektierten Fällen bleibe die Wirkung zweifelhaft, während der Effekt einer Varikozelenbehandlung signifikant sei [s213].
- Methorst und Kollegen 2023: Stimulierende Hormontherapien seien bei Oligoasthenozoospermie nützlich; bei NOA hänge der Nutzen vom FSH- und Testosteronwert ab; für Antioxidantien nennt der Abstract Verbesserungen einzelner Spermiogrammparameter und Einfluss auf Schwangerschafts- und Lebendgeburtraten. Zahlen enthält der Abstract nicht [s101].
Besonderheiten. Die französischsprachigen Beiträge sind Übersichten und Leitlinien. Bemerkenswert ist die Selbstbeschränkung der Suche: Methorst und Kollegen suchten in englischsprachiger Literatur bis Mai 2023, AFU/SALF in Englisch und Französisch [s101, s131]. Die Cochrane-Reviews und die Metaanalyse von Chua und Kollegen suchten dagegen ohne Sprachbeschränkung beziehungsweise in fremdsprachigen Datenbanken [s217, s245, s220]; die Metaanalyse von Tharakan und Kollegen schloss nur englischsprachige Studien ein [s119]. Der französische Raum liefert in diesem Material damit eher Einordnung als Daten.
Erreichbarkeit. Das französische Archiv HAL war über seine Programmschnittstelle erreichbar. Die Suche „infertilité masculine“ mit Hormonbegriffen ergab fünf Treffer, darunter die Spermatogenese-Übersicht (HAL-Kennung hal-02313874) und die AFU/SALF-Empfehlungen (hal-03184036); zwei weitere Treffer (ein Fallbericht zu isoliertem FSH-Mangel aus den Annales d'Endocrinologie 2019 und eine Arbeit zu Faktoren der chirurgischen Spermiengewinnung bei 209 Patienten, Université de Lorraine 2010) wurden nicht ausgewertet. Cairn.info lieferte HTTP 403 und war nicht durchsuchbar.
Italienisch
Umfang. Vier Quellen tragen die Kennung „it“: zwei Übersichten (Gulino und Kollegen 2014 in Urologia [s210]; Coppola 1997 in Minerva Medica [s255]), eine Übersicht beziehungsweise ein Erfahrungsbericht (Conte, Romanelli und Isidori 1990 in Minerva Endocrinologica [s260]) und das Positionspapier der Società Italiana di Andrologia e Medicina della Sessualità (SIAMS) von 2022 [s110]. Das SIAMS-Papier trägt zugleich die Kennung „en“, weil es in englischer Sprache im Journal of Endocrinological Investigation erschien.
Inhalt.
- Gulino 2014 (nicht-chirurgische Therapie): gezielte Hormontherapie bei veränderten Androgen-, Prolaktin- oder TSH-Spiegeln; Fertilität bei HH durch GnRH oder Gonadotropine; Antiöstrogene seien früher die Hauptoption bei idiopathischer Infertilität gewesen (sie erhöhten FSH, LH und Testosteron); Aromatasehemmer senkten die Umwandlung von Androgenen in Östrogene; Oxytocin und Gentherapie als Zukunftsfelder [s210].
- Coppola 1997: FSH sei der wichtigste klinische und prognostische Parameter; bei primärem Hypogonadismus sei Androgenbehandlung rein substitutiv und ohne Wirkung auf die Spermatogenese; bei sekundärem Hypogonadismus zeigten Gonadotropine zufriedenstellende Ergebnisse; Clomifen und Tamoxifen schienen „keinen besonderen Vorteil“ zu bieten; Dopaminagonisten verbesserten das Sperma bei Hyperprolaktinämie [s255]. Diese frühe Bewertung der SERMs steht im Kontrast zur Netzwerk-Metaanalyse von 2025, die die größte Konzentrationszunahme unter Clomifen fand [s57]. Die Netzwerkanalyse beruht allerdings auf kleinen kontrollierten Studien, und andere Übersichten kommen zu anderen Ergebnissen [s71, s49], sodass der Kontrast nicht als Auflösung der Frage zu lesen ist.
- Conte 1990: persönliche Daten zur Gonadotropintherapie bei idiopathischer sekretorischer Oligozoospermie mit niedriger biologischer LH-Aktivität; historisch, mit begrenzter methodischer Aussagekraft [s260].
- SIAMS 2022 (Ferlin und Kollegen, mit Unterstützung der italienischen Gesellschaft für Embryologie, Reproduktion und Forschung SIERR): Die Behandlung solle paarorientiert sein und Lebensstiländerungen, ätiologische Therapien, empirische Behandlungen und assistierte Reproduktion stufenweise kombinieren; endokrine Abklärung sei bei den meisten Männern vorgeschlagen und bei Risikofaktoren oder auffälligen Erstbefunden empfohlen; die Unterscheidung prätestikulärer, testikulärer und posttestikulärer Formen sei wesentlich. Als Ausgangszahl nennt der Abstract, dass 15 bis 20 % der Paare unfruchtbar sind und männliche Faktoren in etwa der Hälfte der Fälle vorliegen. Einzelheiten zu den hormonellen Substanzen stehen im Abstract nicht [s110].
Die italienische Besonderheit: englischsprachige FSH-Forschung. Der italienische Beitrag liegt weniger in italienischsprachigen Texten als in einer Forschungsrichtung, die auf Englisch publiziert: Metaanalyse zu FSH 2015 (Santi, Granata, Simoni) [s205], Netzwerk-Metaanalyse zu FSH, SERMs und Aromatasehemmern 2025 [s57], die Analyse zur Praxis („Real-world evidence“) 2022 [s118], Beiträge zur Pharmakogenetik von FSH [s18] und zu Grenzen und Perspektiven von Diagnostik und Therapie [s56], Studien zum Wechsel von FSH-Präparaten [s75], zu Biosimilar-FSH [s152], zu FSH bei idiopathischer Infertilität und zu Dosierschemata [s159, s128] sowie eine Metaanalyse zu SERMs [s167]. Nach den Autorenlisten stammen viele dieser Arbeiten von Gruppen um Santi, Ferlin, Calogero, La Vignera und Cannarella. Die Praxisanalyse von Santi und Kollegen stützt sich auf eine landesweite italienische Befragung und beschreibt die Neigung der Kliniker, bei beeinträchtigtem Sperma FSH zu verordnen, mit einer deutlichen Verbesserung der Spermaparameter; sie hält zugleich fest, dass eine pauschale Verordnung durch klinische Evidenz nicht gedeckt ist (21 klinische Studien und vier Metaanalysen zeigten insgesamt höhere Schwangerschaftsraten) [s118]. Die Autoren dieser Gruppe sind zugleich Urheber großer Teile der Evidenz, die sie bewerten; das erschwert eine unabhängige Einordnung, ohne dass die Abstracts Interessenkonflikte nennen.
Die Studien dieser Gruppen sind zum Teil klein und retrospektiv: 48 Männer im Vergleich zweier FSH-Schemata [s128], 147 asthenozoosperme Männer mit Biosimilar-FSH gegen 50 Unbehandelte in einem retrospektiven Fall-Kontroll-Design [s152], 42 Männer ohne Kontrollgruppe [s159] und 74 Nichtresponder, die auf das jeweils andere FSH-Präparat wechselten (Schwangerschaften zwischen 6,7 % und 36,4 % je Gruppe, p = 0,04) [s75].
Erreichbarkeit. Die Webseiten der italienischen Andrologie-Gesellschaften (siams.info, andrologiaitaliana.it) waren erreichbar; auf siams.info fand sich der Hinweis auf das Positionspapier 2022, dessen Volltext nicht ausgewertet wurde. Die Seite siaonline.it betrifft die Arthroskopie und wurde nicht verwendet. Die italienische Primärliteratur im eigentlichen Sinn (zum Beispiel Kongressberichte, Zeitschriften ohne PubMed-Indexierung) wurde nicht systematisch durchsucht [s110].
Portugiesisch
Umfang. Zwei Quellen tragen die Kennung „pt“: eine Querschnittsstudie von de Souza und Kollegen (2003, Revista da Associação Médica Brasileira) [s249] und das gemeinsame brasilianische Konsenspapier zur Versorgung von Männern mit Hypogonadismus (SBEM, SBU, ABEMSS; 2026) [s20]. Das Konsenspapier ist auf Englisch in der International Braz J Urol erschienen und trägt deshalb auch die Kennung „en“. Eine portugiesischsprachige Therapiestudie zu Clomifen, Letrozol, Anastrozol, hCG oder FSH beim Mann fand sich nicht. Aus Portugal selbst liegt keine Quelle vor.
Inhalt.
- de Souza 2003: 60 azoosperme Patienten (45 mit NOA). FSH unter 16,05 IE/l sagte bewegliche Spermien in der Hodenbiopsie voraus (Sensitivität 76,2 %, Spezifität 67,7 %; P = 0,037). Es ist keine Therapiestudie, zeigt aber, wie FSH als Prognosemarker diente; Schwächen sind die kleine Stichprobe und die fehlende Behandlung [s249].
- Brasilianisches Konsenspapier 2026: Es nennt steigende Adipositasraten, das metabolische Syndrom und die Anwendung anabol-androgener Steroide als Gründe für eine zunehmende Häufigkeit des funktionellen Hypogonadismus in Brasilien, beschreibt die Praxis als uneinheitlich und den Zugang zu standardisierten Empfehlungen als begrenzt und versteht sich als erste multidisziplinäre brasilianische Leitlinie, die endokrinologische, urologische und sexualmedizinische Sicht vereint. Zu den Therapieaussagen zählen Testosteronersatz bei bestätigtem organischem Hypogonadismus und fertilitätserhaltende Strategien (SERMs, hCG, Aromatasehemmer) „wenn indiziert“; Einzelheiten stehen nicht im Abstract [s20].
Brasilianische Beiträge in englischer Sprache. Das aktivste portugiesischsprachige Forschungsfeld, Brasilien, publiziert zum Thema überwiegend auf Englisch: die Metaanalyse zu Clomifen und Enclomifen bei funktionellem Hypogonadismus (Hohl und Kollegen 2025, Archives of Endocrinology and Metabolism, einer brasilianischen Zeitschrift; Gesamttestosteron gegenüber Placebo MD 273,76 ng/dl; 191,87 bis 355,66; hohe Heterogenität I² = 89 %; keine Spermaendpunkte im Abstract) [s44] und die Übersicht von Esteves zur WHO-Leitlinie, erschienen in der International Braz J Urol [s16]. Die Arbeiten von Esteves zur Hormontherapie vor Spermiengewinnung und zu APHRODITE sind in anderen Zeitschriften erschienen (siehe Englisch) [s14, s15].
Erreichbarkeit. SciELO und LILACS (BVS-Portal) lieferten HTTP 403 und waren nicht durchsuchbar; erreichbar waren nur die in Europe PMC indexierten Zeitschriften. Der Befund „keine portugiesischsprachige Therapiestudie“ ist deshalb kein Nachweis, dass es keine gibt: Gerade für die lateinamerikanische Literatur ist eine Lücke wahrscheinlich.
Spanisch
Umfang. Zwei Quellen tragen die Kennung „es“: eine Übersicht von Cruz-Navarro (2013, Archivos Españoles de Urología) [s221] und eine Querschnittsstudie von Devoto, Madariaga und Lioi (2000, Revista Médica de Chile) [s252]. Weitere spanischsprachige Therapiestudien zu den sechs Substanzen wurden nicht aufgenommen; eine spanischsprachige Kohorte, ein Register oder eine Leitlinie zum Thema fand sich nicht.
Inhalt.
- Cruz-Navarro 2013 (Testosteronmangel bei fertilen oder subfertilen Männern): Bei HH mit Priorität auf Fertilität erfordere die Normalisierung der Spermatogenese exogene Gonadotropine; die Behandlung müsse mindestens 12 bis 18 Monate dauern; 95 % der Fälle hätten eine günstige Antwort (Spermien im Ejakulat). Beim Patienten unter Testosterontherapie liege die Lage entgegengesetzt [s221]. Der Wert von 95 % liegt über den Raten der modernen Kohorten (zum Beispiel 74 % in einer Metaanalyse von 50 Studien [s21]); er ist eine Aussage einer Übersichtsarbeit, keine eigene Datenerhebung.
- Devoto 2000: Querschnittsstudie an 257 Männern mit abnormem Spermiogramm in einer Andrologie-Ambulanz. Die Ursache war bei 3,5 % prätestikulär (hypothalamisch und hypophysär), bei 66,9 % testikulär, bei 15,6 % posttestikulär und bei 14 % nicht klassifiziert; 30 % waren idiopathisch, 17,9 % mit Varikozele, 12,8 % mit Kryptorchismus, 8,9 % mit Klinefelter-Syndrom und 6,6 % mit Toxinexposition; zwei Drittel der Klinefelter-Männer seien hypoandrogen, und primär hypoandrogene testikuläre Insuffizienz müsse mit Hormonersatz behandelt werden. Es ist keine Therapiestudie mit den sechs Substanzen, aber ein Kontext: In dieser Ambulanz hatten nur 3,5 % einen prätestikulären Befund, also den Kernbereich der Gonadotropin-Indikation [s252].
Erreichbarkeit. Dialnet lieferte in einer ersten Abfrage Titel spanischer und englischer Arbeiten (unter anderem zu FSH bei Oligozoospermie, zur Spermatogenese-Erholung nach Anabolika-Missbrauch und zu Clomifen im Rattenhoden), danach die Meldung, die zulässige Zugriffsrate sei überschritten; Abstracts waren nicht mehr abrufbar, deshalb wurden diese Arbeiten nicht aufgenommen. LILACS und SciELO waren nicht erreichbar (HTTP 403). Für den spanischen Sprachraum fehlt damit der direkte Zugang; der Befund „kaum eigene Literatur“ beschreibt die erreichbare Datenlage, nicht die tatsächliche.
Chinesisch
Umfang und Zusammensetzung. Der chinesische Raum ist nach dem englischen der umfangreichste: Der Rechercheteil für China, Japan und Korea enthält 99 Quellen, davon 59 aus Festlandchina, 27 aus Japan, 6 aus Taiwan, 6 aus Korea und 1 aus Hongkong. Von allen 99 sind 79 englischsprachig, 17 chinesischsprachig (dort stand nur der englische Abstract im PubMed-Datensatz zur Verfügung, nicht der chinesische Volltext) und 3 japanischsprachig. Rund 40 Quellen betreffen den hypogonadotropen Hypogonadismus (HH). Deutlich dünner ist die Datenlage für die idiopathische Infertilität und die nichtobstruktive Azoospermie (NOA).
Zwei Schwerpunkte.
Erstens: HH mit sehr großen Kohorten. Chinesische Zentren (Peking Union Medical College Hospital, Wuhan, Chengdu, Guangzhou, Shanghai) berichten die größten Kohorten zu Gonadotropin- und GnRH-Behandlung. Die Fallzahlen dürfen allerdings nicht addiert werden, weil sich die Patientengruppen mehrerer Veröffentlichungen aus dem Peking Union Medical College Hospital möglicherweise überschneiden und die Abstracts das nicht erklären [s196, s156, s171, s136]. Zahlen: 223 azoosperme Männer mit angeborenem HH unter hCG plus hMG, von denen 64 % Spermien bildeten (nach im Mittel 14 Monaten) und 19 von 34 Männern mit Kinderwunsch ihre Partnerin schwanger machten; unabhängige Prädiktoren waren das Ausgangshodenvolumen und das Fehlen eines Hodenhochstands [s196]. Bei 122 compliant behandelten Männern lag die Spermatogeneserate bei „partiellem“ CHH (Hodenvolumen ab 4 ml) bei 92,3 % und bei „komplettem“ CHH bei 74,7 % [s156], wobei von 587 behandelten Männern 465 ausgeschlossen wurden. Bei Hodenhochstand bildeten 20 von 40 Männern (50 %) Spermien, im Mittel nach 19 Monaten [s171]. Eine wöchentliche Gonadotropingabe führte bei 74 % von 160 Männern zur Spermatogenese [s136]. Eine offene Nichtunterlegenheitsstudie in neun Zentren mit 67 Männern (fortlaufendes gegenüber sequenziellem uFSH, jeweils mit hCG) fand Konzentrationen von mindestens 1,0 Mio./ml bei 51,5 % (17 von 33) beziehungsweise 55,9 % (19 von 34) und stellte Nichtunterlegenheit fest (P = 0,008) [s209]. Eine Kohorte mit 110 Männern unter hCG allein fand bei 30 % pathogene oder wahrscheinlich pathogene seltene Sequenzvarianten, die mit verzögertem Spermienauftreten verbunden waren [s151]. Mehrere kleine Arbeiten analysieren Subgruppen (FGFR1, PROKR2) [s158, s134, s94].
Ein spezifisch chinesischer Strang ist der Vergleich der pulsatilen GnRH-Pumpe mit hCG/hMG. Mehrere, überwiegend retrospektive und nicht randomisierte Studien berichten übereinstimmend einen früheren Spermienbeginn unter der Pumpe (zum Beispiel 6,5 gegenüber 10,8 Monaten bei 92 Männern, die ihre Therapie selbst wählten; im Median 6 gegenüber 18 Monaten bei 202 Männern) [s202, s189, s177]; die Metaanalyse mit sieben Studien und 420 Patienten fand frühere Spermatogenese (gewichtete Mittelwertdifferenz −5,30 Monate; p = 0,004), aber keine Unterschiede bei der Rate des Spermiennachweises, der Konzentration und der Schwangerschaftsrate [s143]. Bei Männern mit Hypophysenstiel-Unterbrechungssyndrom waren die rohen Erfolgsraten unter hMG/hCG höher (51,67 % gegenüber 33,90 %), die Zeit unter GnRH kürzer [s96]. Wegen Selbstauswahl der Therapie und unterschiedlicher Beobachtungszeiten sind diese Vergleiche stark verzerrungsanfällig. Die GnRH-Pumpe gehört nicht zu den sechs Substanzen der Fragestellung, ist in China aber der wichtigste Vergleichsarm.
Zweitens: idiopathische Oligoasthenozoospermie mit Tamoxifen oder Clomifen als westlichem Standardarm. Eine Besonderheit der chinesischen Literatur sind zahlreiche, meist kleine, überwiegend in Zhonghua Nan Ke Xue veröffentlichte Studien, in denen Tamoxifen oder Clomifen mit Coenzym Q10, traditionellen chinesischen Rezepturen, Akupunktur oder Aminosäuren kombiniert oder gegen sie verglichen wird. Beispiele: eine dreiarmige Studie an 183 Männern (Tamoxifen plus Coenzym Q10, Tamoxifen allein, Coenzym Q10 allein; Tamoxifen hob Konzentration und Gonadotropine, Coenzym Q10 Beweglichkeit und Morphologie) [s235]; 120 Männer mit Tamoxifen, transkutaner Akupunkturpunkt-Stimulation oder beidem über acht Wochen [s188]; 104 Männer mit schwerer Oligozoospermie unter Clomifen mit oder ohne Aminosäurekapseln (die Berechnung der Schwangerschaftsraten ist aus dem Abstract nicht nachvollziehbar) [s166]; 72 Männer mit Clomifen 50 mg zweimal täglich gegen eine traditionelle Rezeptur (Clomifen hob die Konzentration von 11,31 auf 19,56 Mio./ml, aber nicht Beweglichkeit oder DNA-Fragmentierungsindex) [s91]. Dort dient der SERM häufig als aktive Kontrolle für die Rezeptur; eine Placebo- oder unbehandelte Kontrolle fehlt meist. Eine placebokontrollierte Studie zu Clomifen oder Tamoxifen allein mit Spermiogramm-Endpunkt aus China, Japan oder Korea wurde nicht gefunden. Charakteristisch ist auch die Verwendung von aus Urin gewonnenen Gonadotropinen (Urofollitropin, hMG) [s105, s186, s116, s209].
Aromatasehemmer, FSH und NOA. Die größte randomisierte Studie zu Aromatasehemmern am Mann stammt aus China: Sun und Kollegen (JAMA Network Open 2026) verglichen in zehn Zentren 147 Männer mit Letrozol 2,5 mg plus Vitamin C und E mit 149 Männern mit den Vitaminen allein (296 Männer mit Spermatogenesestörung, 73,6 % davon NOA; drei Monate). Die Konzentrationskategorie stieg bei 14,3 % gegenüber 5,4 % (Risikodifferenz 9,2 %; 2,5 bis 15,8 %; OR 2,65; 1,28 bis 5,47); die Spermienparameter selbst unterschieden sich nicht signifikant; verminderte Libido trat unter Letrozol häufiger auf (12,2 % gegenüber 5,4 %). Die Studie ist offen, hat einen aktiven statt eines Placebo-Kontrollarms und berichtet keine Schwangerschaften [s30]. Hinzu kommen eine Metaanalyse mit zehn Studien und 666 Patienten, die auch in den chinesischen Datenbanken CNKI, VIP, CBM und Wanfang suchte [s111], und eine retrospektive Anastrozol-Kohorte mit 105 Männern ohne Kontrollgruppe [s121]. Zu FSH liegen eine Metaanalyse aus Yantai (12 randomisierte Studien plus eine Fall-Kontroll-Studie, 924 Personen; Gesamtspermienzahl MD 17,75; DNA-Fragmentierungsindex MD −12,62) [s123], die placebokontrollierte, doppelblinde Dosisstudie mit 354 Männern aus drei Zentren (300 IE über fünf Monate; spontane Schwangerschaften 12 von 40 gegenüber 2 von 29 unter Placebo) [s200] und eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit hCG/hMG vor, bei der die Wirksamkeit vom Inhibin-B-Spiegel abhing [s178]. Zur NOA: Eine retrospektive Kohorte mit 569 Männern fand eine Spermiengewinnungsrate bei der Mikro-TESE von 31,2 % (115 von 368) mit gegenüber 19,5 % (34 von 174) ohne Gonadotropin-Vorbehandlung (P = 0,006; OR nach Gewichtung 1,59; 1,02 bis 2,52), aber keinen Unterschied bei klinischer Schwangerschafts-, Lebendgeburten- und Fehlgeburtenrate [s116]; in einer Fallserie mit 282 Männern und gemischter Behandlung (hMG, hCG, Vitamin E, Levocarnitin, Tamoxifen) fanden sich bei 64 (25,1 %) Spermien im Samen oder bei der Biopsie [s186].
Leitlinien und Evidenzbewertung. Die chinesische Bewertung mit dem AGREE-II-Instrument (zehn chinesische und internationale Leitlinien, nur eine „empfehlenswert“) kritisiert für chinesische Leitlinien weniger transparente Offenlegung von Interessenkonflikten und weniger interdisziplinäre Arbeit [s50]. Ein Umbrella-Review aus Chengdu (18 Metaanalysen, 90 zusammenfassende Effekte) stuft keinen der 90 Effekte mit hoher Evidenzqualität ein (48 mittel, 23 niedrig, 19 sehr niedrig) [s95].
Hongkong und Taiwan. Aus Hongkong stammt ein früher Bericht von 1994 über 17 Männer mit HH unter hCG, bei Bedarf mit hMG; 12 Männer wurden fruchtbar [s259]. Aus Taiwan kommen Studien zu Clomifen und dem Testosteron-Östradiol-Verhältnis (24 Männer, 4 Wochen) [s114], zu HH mit anschließender testikulärer Spermienextraktion (17 Männer; bei 9 der 10 weiter azoospermen Männer wurden Spermien gewonnen; 6 Schwangerschaften nach 11 Zyklen) [s127], zum intratestikulären Testosteron [s45] und zu einer Diagnostiklücke: In einer Kohorte mit 3147 infertilen Männern mit normaler Spermienkonzentration erhielten 77,2 % keine Hormonuntersuchung (je nach Fachrichtung 100 % bei Urologen mit Fellowship in männlicher Unfruchtbarkeit, 1,2 % bei Gynäkologen); bei den 718 untersuchten Männern hatten 24,1 % ein niedriges Testosteron [s26].
Qualität und Grenzen. Mehrere chinesischsprachige Studien berichten sehr kleine Standardabweichungen und statistische Signifikanz bei kleinen Stichproben ohne Placebo [s188, s166]; ohne Volltexte ist die Verlässlichkeit solcher Angaben nicht zu beurteilen. Der Abruf der chinesischen Literatur ist eingeschränkt: Die Suche mit chinesischen Schriftzeichen in Europe PMC lieferte kaum Treffer, weil diese Datenbank überwiegend englische Titel und Abstracts erfasst.
Erreichbarkeit. CNKI antwortete nicht (Verbindung nicht aufgebaut). Wanfang lud die Seite, erzeugt die Ergebnislisten aber dynamisch per Skript; sie waren mit curl nicht auswertbar, und es wurden keine Treffer übernommen. Zugänglich waren daher nur die in PubMed indizierten Arbeiten mit englischem Abstract. Kleine, nicht in PubMed indizierte inländische Studien, Dissertationen und Kongressberichte sind vermutlich unterrepräsentiert; besonders chinesische Studien zu Clomifen, Tamoxifen und Letrozol in nicht indizierten Zeitschriften dürften zahlreicher sein, als hier gezeigt.