Hormonelle Fertilitätstherapie beim Mann · Kapitel 8 von 22 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Idiopathische Oligo-, Astheno- und Teratozoospermie: FSH, hMG, hCG und Kombinationen bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien

Idiopathische Oligo-, Astheno- und Teratozoospermie: FSH, hMG, hCG und Kombinationen

Mongioì et al. 2020, Journal of Clinical Medicine [s159] (Italien, Catania). Prospektive Längsschnittstudie an 42 Männern mit idiopathischer Infertilität, hochgereinigtes Urofollitropin 150 IE dreimal wöchentlich über 16 Wochen. Responder (Gesamtzahl mindestens verdoppelt) zeigten höheres Volumen, höhere Konzentration, mehr Spermatiden und Leukozyten; bei Nichtrespondern sank der Anteil früh apoptotischer Spermien; Oxidative-Stress-Indizes blieben unverändert; FSHR-Genotypen (c.2039 A/G, c.-29 G/A) unterschieden Responder und Nichtresponder nicht. FSH habe die Spermaparameter „bei etwa der Hälfte“ der Behandelten verbessert. Schwächen: keine Kontrollgruppe, n = 42, Genotypisierung nur bei 23.

Aljuhayman et al. 2020, Urology Annals [s147] (Saudi-Arabien, Riad). Retrospektive Studie in einem tertiären Zentrum (Januar 2016 bis Januar 2018) an 32 Männern mit schwerer idiopathischer Oligospermie (< 5 × 10⁶/ml): Menogon (im Abstract als FSH bezeichnet; die Bezeichnung wird hier ohne Prüfung übernommen) 75 IE (n = 16) oder 150 IE (n = 16) zweimal wöchentlich über vier Monate. Mittlere Spermienzahl in Gruppe 1: 1,235 → 4,745 × 10⁶/ml; in Gruppe 2: 0,578 → 1,516 × 10⁶/ml; mittlere Gesamtbeweglichkeit 20,3 % beziehungsweise 27,5 %. Die Autoren folgern, bereits 75 IE könnten die Spermienzahl signifikant verbessern. Schwächen: retrospektiv, keine Kontrolle, Ausgangswerte der Gruppen verschieden (Gruppe 2 niedriger), keine Tests im Abstract.

De Rocco Ponce et al. 2020, Journal of Clinical Medicine [s152] (Italien, Padua). Retrospektive multizentrische Fall-Kontroll-Studie, 147 asthenozoosperme Männer (18 bis 45 Jahre): 97 erhielten Biosimilar-FSH 150 IE dreimal wöchentlich für drei Monate, 50 keine Behandlung. Unter Behandlung: signifikant höhere Konzentration, Gesamtzahl, TMSC, progressive und nicht progressive Beweglichkeit und signifikant geringere DNA-Fragmentation; die Kontrollen blieben ohne Änderung; höhere Schwangerschaftsrate unter den Behandelten (sechs Monate Nachbeobachtung). Stärken: Kontrollgruppe, mehrere Zentren. Schwächen: retrospektive, nicht randomisierte Zuordnung, Zahlen fehlen im Abstract.

Condorelli et al. 2021, Journal of Clinical Medicine [s128] (Italien, Catania). Retrospektive monozentrische Studie, 48 Männer, FSH täglich 75 IE (n = 24, Gruppe A) gegenüber 150 IE dreimal wöchentlich (n = 24) für drei Monate. Beide Schemata verbesserten konventionelle Parameter und senkten die DNA-Fragmentation; die Konzentration stieg nur in Gruppe A signifikant, Testosteron und Hodenvolumen nur in Gruppe A; Responderanteil 8/24 gegenüber 6/24. Die Autoren sehen das tägliche Schema als wirksamer, aber mit mehr Injektionen und etwas höheren Kosten. Schwächen: retrospektive Gruppenzuordnung, kein Placebo-Arm, kleine Gruppen; der Responderunterschied (8/24 gegenüber 6/24) ist klein.

Cannarella et al. 2024, Journal of Clinical Medicine [s75] (Italien, Catania; weitere Affiliation USA). Prospektive kontrollierte Studie, 74 normogonadotrope oligozoosperme Nichtresponder auf hochgereinigtes oder rekombinantes FSH; nach drei Monaten Pause Wechsel auf das jeweils andere Präparat (Gruppen 1 und 4 rhFSH, 2 und 3 hpFSH). Schwangerschaften nach dem zweiten Zyklus: Gruppe 1 acht Paare (36,4 %), Gruppe 2 vier (18,2 %), Gruppe 3 eines (6,7 %), Gruppe 4 zwei (13,3 %); p = 0,04. Schwächen: kleine Gruppen, die Teilnehmer waren Nichtresponder (Regression zur Mitte), Autoren aus einer Gruppe, die auch frühere FSH-Studien veröffentlicht hat.

Tahmaz, Kilciler, Özgök, Erduran, Durmuş und Soydan 2001, Türk Üroloji Dergisi [s250] (Türkei), Titel „Oligospermik hastalarda yardımcı üreme teknikleri öncesinde sperm fonksiyonlarının düzenlenmesi / Improving the sperm parameters before assisted reproductive techniques for oligosoospermic patients (deutsch: Verbesserung der Spermienparameter vor assistierten Reproduktionstechniken bei Patienten mit Oligozoospermie)“. Kontrollierte Behandlungsstudie an 61 Männern mit idiopathischer Oligozoospermie (2 Oligozoospermie, 10 Oligoasthenozoospermie, 11 Oligoteratozoospermie, 38 Oligoasthenoteratozoospermie), die Kandidaten für assistierte Reproduktion waren, und 45 Kontrollen; FSH 150 IE dreimal wöchentlich über zwei Monate. Bei allen behandelten Männern verbesserten sich die Spermienparameter; signifikant seien Zahl und Morphologie. Nach FSH kam es bei 15 von 61 Männern zu einer Schwangerschaft, davon drei spontan; zwölf Schwangerschaften entstanden durch assistierte Reproduktion. In der Kontrollgruppe gab es sieben Schwangerschaften durch assistierte Reproduktion, zwei davon endeten mit einem Abort. Der Unterschied der Schwangerschaftsrate wird als „bedeutsam“ bezeichnet; ein p-Wert ist nicht genannt. Schwächen: Zuteilungsverfahren unklar, ältere Studie, Schwangerschaften teils durch ART entstanden (Partnerin nicht kontrolliert), keine p-Werte im Abstract.

Andrabi et al. 2022, Clinical and Experimental Reproductive Medicine [s107] (Indien, Lucknow). Einarmige Interventionsstudie, 56 hypogonadale oligozoosperme oder schwer oligozoosperme Männer, hCG 250 µg wöchentlich subkutan (ca. 6500 IE) für 3 bis 6 Monate. 47 (83,93 %) sprachen an, 9 (16,07 %) nicht; höherer BMI bei Respondern (28,09 ± 3,48 gegenüber 25,33 ± 3,06; p = 0,042), längere Therapiedauer bei Nichtrespondern (p = 0,020); Konzentration (p = 0,006) und Zahl (p = 0,005) stiegen nach drei Monaten, die Beweglichkeit nicht signifikant. Schwächen: einarmig, Responder-Definition nach „positiver Änderung“ (niedrige Schwelle).

Namiki et al. 1988, Hinyokika Kiyo [s262] (Japan, Osaka), japanisch, Titel „[Testicular follicle-stimulating hormone receptors and effectiveness of human menopausal gonadotropin-human chorionic gonadotropin treatment in idiopathic male infertility]. (deutsch: Testikuläre FSH-Rezeptoren und Wirksamkeit der Behandlung mit humanem Menopausengonadotropin und hCG bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit)“. Klinische Studie mit Rezeptor- und Histologie-Analyse an 48 unfruchtbaren Männern mit idiopathischer Infertilität. Bei 14 Männern ohne nachweisbare hochaffine FSH-Rezeptoren im Hoden stieg die Spermienzahl nach hMG-hCG-Behandlung in den meisten Fällen nicht; von 34 Männern mit Rezeptoren sprachen 23 an. Bei vorhandenen Rezeptoren sprachen Männer mit mittlerem oder hohem Johnsen-Score häufiger an als jene mit niedrigem. Die Autoren schließen, sowohl das Vorhandensein testikulärer FSH-Rezeptoren als auch das histologische Bild der Spermatogenese sagten das Ansprechen vorher. Stärke: frühe Verknüpfung von Rezeptorstatus und Ansprechen. Schwächen: Hodenbiopsie nötig, keine Kontrollgruppe, kleine Zahl; Therapiedetails stehen nicht im Abstract.

Rozhivanov, Kravtsova und Kurbatov 2016, Urologiia [s198] (Russland), Titel „[Stimulation of a spermatogenesis in men at a pathospermia and infertility]. (deutsch: Stimulation der Spermatogenese bei Männern mit Pathospermie und Infertilität)“. Klinische Studie (Vergleich von Behandlungsschemata; im Abstract keine Randomisierungsangabe) an 60 infertilen Männern: Clomifen oder die Kombination aus rekombinantem FSH und hCG. Clomifen als Monotherapie war bei 20 % der Männer mit Konzeption und bei 63 % mit einer Verbesserung der Oligoteratozoospermie verbunden; die Kombination ergab 40 % Konzeption und 87 % Verbesserung. Bei Männern, bei denen eine frühere Monotherapie mit hCG oder Clomifen unwirksam gewesen war, lag die Verbesserung unter der Kombination bei 65 %. Beide Schemata seien sicher gewesen, Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten. Schwächen: Der Abstract nennt keine Gruppengrößen je Arm, keine Definition von „Verbesserung“, keine Konfidenzintervalle und keine p-Werte; ob die Zuteilung zufällig war, ist unklar; die Aussage, die Kombination sei „am wirksamsten“, beruht auf einem Vergleich ohne erkennbare Kontrolle für Ausgangsunterschiede.

Zagarskikh, Labygina und Kurashova 2014, Urologiia [s215] (Russland), Titel „[Experience in the treatment of normogonadotropic infertility in men]. (deutsch: Erfahrung mit der Behandlung normogonadotroper Infertilität bei Männern)“. Klinische Studie mit Vergleichsgruppe an Männern mit normogonadotroper Infertilität (Zahl im Abstract nicht angegeben): Die Studiengruppe erhielt Standardbehandlung mit Multivitaminen, zusätzlich Follitropin alfa und UV-Blutbestrahlung; die Vergleichsgruppe die Standardbehandlung. Anstieg des Testosterons, Abfall von Prolaktin und FSH sowie eine „deutliche Stimulation der Spermatogenese“ mit signifikant mehr aktiven Spermien; eine Zahl nennt der Abstract nicht. Schwächen: Vermengung zweier Interventionen (FSH und UV-Blutbestrahlung), sodass der FSH-Anteil nicht isoliert werden kann; ohne Zahlen nicht einzuordnen.

Zhao et al. 2023, Zhonghua Nan Ke Xue [s105] (China, Shenyang), Titel „[Clinical efficacy of Xuanju compound capsule combined with urofollitropin in the treatment of patients with idiopathic oligoasthenozoospermia]. (deutsch: Klinische Wirksamkeit der Xuanju-Kompaktkapsel kombiniert mit Urofollitropin bei idiopathischer Oligoasthenozoospermie)“. Kontrollierte klinische Studie an 114 Männern mit idiopathischer OAT, 53 in der Gruppe Xuanju-Kompaktkapsel (3 Kapseln dreimal täglich) plus Urofollitropin (75 IE alle drei Tage) und 61 in der Gruppe nur Urofollitropin, zwölf Wochen. In beiden Gruppen stiegen Spermienkonzentration, progressive Beweglichkeit, Testosteron, FSH und LH signifikant, Samenvolumen und Leberwerte änderten sich nicht; die Kombinationsgruppe zeigte darüber hinaus höhere Konzentration, Beweglichkeit, Testosteron-, FSH-, LH-Werte und T/E2-Verhältnis (P < 0,05). Schwächen: Es fehlt eine unbehandelte oder Placebo-Kontrolle; die Gruppenzuteilung ist im Abstract als „nach Unterschied der Behandlung“ beschrieben, nicht als randomisiert; der Vergleich prüft den Zusatz der Kapsel, nicht Urofollitropin.

Gamidov, Ovchinnikov, Popova und Tkhagapsoeva 2012, Terapevticheskii arkhiv [s227] (Russland), Titel „[Current approach to therapy for male infertility in patients with varicocele]. (deutsch: Aktuelle Therapieansätze bei männlicher Infertilität mit Varikozele)“. Vergleichende Kohortenstudie zur Varikozele: 1127 infertile Männer mit Varikozele, 22 bis 52 Jahre, nach Ausschluss von 193 Patienten mit anderen Ursachen. 728 erhielten eine mikrochirurgische Varikozelenoperation, 107 eine medikamentöse Spermatogenesestimulation für 3 bis 6 Monate (Clomifen, Vitamine A und E, Selen, L-Carnitin, Pentoxifyllin, Antioxidantien), 56 blieben unbehandelt; die Gruppengrößen ergeben zusammen 891 und damit nicht die nach dem Ausschluss verbleibenden 934, der Abstract erklärt die Differenz nicht. Nach der Operation stieg die Spermienkonzentration von 8,8 ± 7,2 auf 23,2 ± 7,9 × 10⁶/ml, die aktive Beweglichkeit (Kategorie A) von 7,2 ± 5,4 auf 31,2 ± 5,2 %; der Anteil abnormer Formen nach Kruger sank von 95,4 ± 5 auf 87,8 ± 8,3 %. Bei Azoospermie (n = 39) erschienen Spermien in 46,2 %. Eine höhere Spermienkonzentration beobachtete man nach Operation in 69,9 % und nach empirischer Stimulation in 29,9 %. Spontane Konzeption: 47,1 % nach Operation, 21,5 % nach medikamentöser Stimulation, 3,6 % ohne Behandlung. Einordnung: Clomifen ist nur eine von mehreren gleichzeitig gegebenen Substanzen; die Hormonwirkung ist nicht isolierbar; die Zuteilung war nicht randomisiert, der chirurgische Arm sehr viel größer. Die Studie ist dennoch lesenswert, weil sie in einem Register die medikamentöse Stimulation neben Beobachtung ohne Behandlung stellt.

Demirel, Altuğ, Çakan und Aldemir 2005, Türk Fertilite Dergisi [s246] (Türkei), Titel „Partial isolated FSH deficiency / Parsiyel izole FSH eksikliği (İFDS) (deutsch: Partieller isolierter FSH-Mangel)“. Fallserie: 12 von 1426 infertilen Patienten einer Ambulanz mit partiellem isoliertem FSH-Mangel, mittleres Alter 29,1 Jahre, mittlere Infertilitätsdauer 3,8 Jahre, mittlere Beobachtung 21,4 Monate; FSH im Mittel 0,92 mIE/ml (0,1 bis 1,3). Zwei Patienten brachen die Nachbeobachtung ab; von den verbleibenden zehn erhielten acht hMG und zwei Tamoxifen. Das FSH normalisierte sich bei allen nach sechs Monaten. Eine Verbesserung des Spermiogramms sahen die Autoren bei 6 von 8 Männern unter hMG; es kam zu drei Schwangerschaften (eine endete mit gesunder Geburt, eine mit Abort, eine bestand zum Zeitpunkt der Publikation im siebten Monat). Bei beiden Tamoxifen-Patienten besserte sich das Spermiogramm, bisher ohne Schwangerschaft. Schwächen: zwölf Fälle, keine Kontrolle, Selektionsverzerrung.

Bak et al. 2010, International Journal of Urology [s236] (Korea, Seoul). Retrospektive Kohorte zum natürlichen Verlauf der idiopathischen Oligozoospermie; kein Therapiebericht, aber ein Maßstab für den unbehandelten Verlauf. 208 Männer (29 bis 47 Jahre) mit milder, moderater und schwerer idiopathischer Oligozoospermie wurden mindestens sechs Monate beobachtet. Von 65 Männern mit schwerer Oligozoospermie entwickelten 16 (24,6 %) eine Azoospermie, von den Männern mit moderater 2 (3,1 %), von denen mit milder keiner. Ausgangs-FSH und Hodenvolumen unterschieden sich zwischen den Gruppen (P = 0,0071 und 0,0039). Die Gruppe, die azoosperm wurde (n = 18), unterschied sich im Body-Mass-Index und im Prolaktin (P = 0,0086 und 0,0154) von der übrigen (n = 190). Je Prozentpunkt Vitalität verringerte sich das Risiko des Übergangs in die Azoospermie um das 0,892-Fache (Cox-Modell); die ROC-Analyse ergab eine Fläche unter der Kurve von 0,755 mit einem Grenzwert von 3 bis 5 × 10⁶/ml (Sensitivität 0,746, Spezifität 0,711; P = 0,01). Die Autoren raten, bei schwerer Oligozoospermie frühzeitig Spermien einzufrieren. Einordnung: zeigt, dass sich der unbehandelte Verlauf in beide Richtungen bewegen kann, und mahnt zur Vorsicht bei der Deutung von Vorher-nachher-Vergleichen.

Devoto, Madariaga und Lioi 2000, Revista Médica de Chile [s252] (Chile), Titel „[Causes of male infertility. The contribution of the endocrine factor] (deutsch: Ursachen männlicher Infertilität. Der Beitrag des endokrinen Faktors)“. Querschnittsstudie an 257 Männern mit abnormem Spermiogramm in einer Andrologie-Ambulanz: Die Ursache war bei 3,5 % prätestikulär (hypothalamisch und hypophysär), bei 66,9 % testikulär, bei 15,6 % posttestikulär und bei 14 % unklassifiziert; 30 % idiopathisch, 17,9 % mit Varikozele, 12,8 % mit Kryptorchismus, 8,9 % mit Klinefelter, 6,6 % mit Toxinexposition; zwei Drittel der Klinefelter-Männer seien hypoandrogen; primär hypoandrogene testikuläre Insuffizienz müsse mit Hormonersatz behandelt werden. Einordnung: keine Therapiestudie mit den sechs Substanzen; der Beitrag liefert den Kontext, dass nur 3,5 % der Männer einen behandelbaren prätestikulären Befund hatten.

Testosteron-bedingte Suppression der Spermatogenese und Fertilitätserhalt

Stocks et al. 2025, Fertility and Sterility [s62] (USA, Baylor College of Medicine, Houston). Retrospektive Kohorte, 77 Männer mit früherer Testosterontherapie unter hCG 3000 IE plus FSH 75 IE dreimal wöchentlich: 74 % verbesserten die Spermienkonzentration; kein signifikanter Unterschied zwischen Männern ohne (n = 50, 74 % besser) und mit weitergeführter Testosterontherapie (n = 27, 74 % besser). Schwächen: retrospektiv, keine Kontrollgruppe ohne Behandlung, „Verbesserung“ im Abstract nicht an eine Schwelle gebunden, die Spontanerholung nach Absetzen ist Teil des Effekts (bei Männern, die das Testosteron absetzten).

Kohn et al. 2017, Fertility and Sterility [s187] (USA, Houston). Retrospektive klinische Studie, 66 Männer mit Infertilität nach Testosterongabe; Testosteron abgesetzt, hochdosiertes hCG plus SERM. 46 (70 %) erreichten innerhalb von 12 Monaten eine TMC > 5 × 10⁶; höheres Alter und längere Testosterondauer verzögerten die Erholung; nur 64,8 % der azoospermen Männer gegenüber 91,7 % der kryptozoospermen erreichten nach 12 Monaten TMC > 5 × 10⁶. Schwächen: keine Kontrollgruppe ohne Behandlung, spontane Erholung nach dem Absetzen nicht abgrenzbar.

Smit, Verdegaal, Bond et al. 2025, F&S Reports [s61] (Niederlande, Utrecht). Retrospektive Analyse von 19 Männern in einer Harm-Reduction-Klinik, die nicht verschriebene Androgene weiter einnahmen und hCG erhielten (3 bis 6 Monate). Mittlere Gesamtspermienzahl 18,0 → 146,9 × 10⁶; TMSC 1,1 → 66,9 × 10⁶; Anteil mit normaler TMSC 5 % → 58 %; einige blieben oligo- oder azoosperm. Die Autoren fordern individuelle Beratung. Schwächen: n = 19, keine Kontrolle, selbstberichtete Androgeneinnahme.

Rozhivanova, Rozhivanov, Andreeva und Mel'nichenko 2025, Problemy endokrinologii [s55] (Russland), Titel „[Restoration of ejaculate quality following androgen replacement and combined therapy for hypogonadism]. (deutsch: Wiederherstellung der Ejakulatqualität nach Androgenersatz und nach kombinierter Therapie bei Hypogonadismus)“. Prospektive Beobachtungsstudie an 53 Männern mit Hypogonadismus, mehr als fünf Jahre beobachtet. 19 Männer erhielten Androgenersatz (AZT), 34 einen Behandlungszyklus mit Testosteron und Choriongonadotropin (AZT/HG), jeweils gefolgt von stimulierender Gonadotropintherapie. In der AZT-Gruppe sank die Spermienkonzentration statistisch signifikant, in der AZT/HG-Gruppe gab es keine signifikante Veränderung; der Unterschied der Veränderung zwischen den Gruppen war signifikant. Bei Beweglichkeit und Morphologie zeigte sich in beiden Gruppen eine signifikante Verschlechterung ohne Gruppenunterschied. Der Abstract nennt keine Zahlenwerte, nur das Signifikanzniveau von 0,05. Die Autoren folgern, die kombinierte Therapie sei bei der Wiederherstellung der Konzentration besser als Androgenersatz allein, beide Verfahren seien bei Beweglichkeit und Morphologie nicht zufriedenstellend. Stärken: prospektiv, mehrjährige Beobachtung, klinisch relevante Vergleichsfrage. Schwächen: nicht randomisiert, ungleiche Gruppengrößen, Grund der Zuteilung im Abstract nicht genannt, keine Effektgrößen.

Song et al. 2019, Clinical and Experimental Reproductive Medicine [s175] (Korea, CHA Gangnam, Seoul). Retrospektive Fallserie an 20 Männern mit Azoospermie oder schwerer Oligozoospermie (unter 5 × 10⁶/ml) nach Testosteronersatz (Undecanoat oder Enantat) bei Erektionsstörung oder Androgenmangel: bei Vorstellung 8 azoosperm, 9 kryptozoosperm, 3 mit schwerer Oligozoospermie; Serum-FSH meist unter 1,0 mIE/ml; drei laufende ART-Programme mussten abgebrochen werden, bei zwei dieser Männer waren die Samenwerte im vorherigen Zyklus normal gewesen; nach Absetzen der Testosterontherapie normalisierten sich Hormone und Spermienkonzentration nach median 8 Monaten. Die Autoren sehen Testosteron bei Paaren mit Kinderwunsch als kontraindiziert. Schwächen: Fallserie ohne Kontrollen; die Erholung nach Absetzen stützt die Hemmung durch Testosteron plausibel, kann aber den Anteil des Zeitverlaufs nicht trennen.

Bang et al. 2013, Yonsei Medical Journal [s219] (Korea, CHA Gangnam, Seoul). Fallserie an acht Männern, die wegen Azoospermie oder schwerer Oligozoospermie überwiesen wurden und zuvor mehrere Injektionen von Testosteronundecanoat in einer externen Praxis erhalten hatten (Dauer bis zur Azoospermie median 8 Monate, Spanne 4 bis 12). Nach dem Absetzen normalisierten sich Spermienkonzentration und FSH nach median 8,5 Monaten (7 bis 10). Schwächen: n = 8, keine Kontrolle.

Einordnung dieser Gruppe. Alle Studien zeigen, dass die Hemmung der Spermatogenese unter Testosteron beim Absetzen rückbildungsfähig ist und dass hCG mit oder ohne FSH oder SERM die Erholung begleitet; ob die Medikamente die Erholung gegenüber bloßem Absetzen beschleunigen, ist mit diesen Designs nicht prüfbar (keine Kontrollen). Die Übersichten dazu [s42, s43, s51] sagen übereinstimmend, dass kontrollierte Langzeitstudien fehlen.

Sicherheit, Großkohorten und Versorgungsrealität

Clift, Johnson, Huang und Ramasamy 2026, World Journal of Men's Health [s09] (Großbritannien, Menwell Ltd., London). Retrospektive Kohorte mit 6999 erwachsenen Männern mit Testosteronmangel unter fertilitätsschonenden Strategien: 6364 (91 %) hCG plus Testosteron, 552 (8 %) Clomifen plus Testosteron, 83 (1 %) Clomifen allein. Änderungen von LH, FSH, Gesamt- und freiem Testosteron und der Lebensqualität (QADAM) von Beginn bis sechs Monate wurden mit gemischten Modellen berechnet. hCG plus Testosteron senkte LH und FSH (p < 0,05); Clomifen plus Testosteron nur FSH (p = 0,02); Clomifen allein erhöhte LH und FSH nach sechs Monaten (p < 0,001). Gesamt- und freies Testosteron stiegen in allen Gruppen (23,58 bis 26,52 nmol/l), die Lebensqualität verbesserte sich ähnlich (7,86 bis 9,50 Punkte, alle p < 0,001). Die Autoren fordern, Hormonverläufe künftig mit Spermaparametern zu verknüpfen. Schwächen: keine Spermaendpunkte, sehr ungleiche Gruppengrößen (83 gegenüber 6364), retrospektiv. Interessenlage: Die Interessenerklärung nennt drei Autoren als Angestellte der Menwell Limited, eines Anbieters von Testosterontherapie in Großbritannien; ein vierter Autor hat keine Konflikte angegeben.

Tadisina, Cristiano, Wiegmann et al. 2026, Andrology [s31] (USA, Kansas City; US-Veteranenverwaltung). Retrospektive Auswertung von Daten der Veterans Administration Informatics and Computing Infrastructure: 364 976 Patienten mit Hypogonadismus oder Infertilität; nach Eins-zu-eins-Propensity-Matching je 2518 mit Clomifen oder mit Testosteronersatz. Neue Diagnosen unter Clomifen seltener: Hypertonie 6,04 % gegenüber 10,48 %, Schlaganfall 0,52 % gegenüber 1,43 %, koronare Herzkrankheit 1,51 % gegenüber 2,26 %, Polyzythämie 1,07 % gegenüber 2,22 %, Osteoporose 1,15 % gegenüber 2,07 %; Gesamtmortalität 1,83 % gegenüber 10,13 %. Clomifen hob das Testosteron „physiologisch“ gegenüber dem Ausgangswert. Stärke: sehr große Datenbasis, Propensity-Matching, Überlebensanalyse (Kaplan-Meier). Schwächen: Beobachtungsdaten mit Verzerrung durch Indikation und Patientenauswahl; der Mortalitätsunterschied (1,83 % gegenüber 10,13 %) ist für eine Arzneimittelwirkung ungewöhnlich groß, die Autoren formulieren ihn als Assoziation; Veteranenpopulation (Zusammensetzung im Abstract nicht beschrieben); die Studie betrifft das Sicherheitsprofil gegenüber Testosteron, keinen Fertilitätsendpunkt, und Konfidenzintervalle fehlen im Abstract.

Wren et al. 2025, Cureus [s66] (USA, Boston). Retrospektive Aktenanalyse: Von 476 radikalen Orchiektomien erfüllten 10 Männer mit symptomatischem Hypogonadismus nach Chemotherapie die Kriterien; Clomifen war mit einem mittleren Testosteronanstieg von 273 ng/dl (215 bis 486) bei mittlerer Nachbeobachtung von 52,5 Monaten verbunden, ohne Nebenwirkungen, Rezidiv oder falsch positives beta-hCG. Schwächen: n = 10, retrospektiv; die Aussage zur Tumormarker-Sicherheit stützt sich auf zehn Männer.

Lin et al. 2026, Frontiers in Endocrinology [s26] (Taiwan, Taipei). Retrospektive Kohorte mit 3147 unfruchtbaren Männern mit normaler Spermienkonzentration (mindestens 15 × 10⁶/ml): 77,2 % (2429) erhielten keine Hormonuntersuchung; der Anteil hing von der Fachrichtung ab (100 % bei Urologen mit Fellowship-Ausbildung in männlicher Unfruchtbarkeit, 23,2 % bei allgemeinen Urologen, 1,2 % bei Gynäkologen). Von 718 untersuchten Männern hatten 24,1 % ein niedriges Testosteron (unter 300 ng/dl); unabhängige Prädiktoren waren höherer Body-Mass-Index (OR 1,083; KI 1,031 bis 1,136; p = 0,001) und niedrigeres Estradiol (OR 0,956; KI 0,937 bis 0,976; p < 0,001). Bei 66 behandelten Männern stieg das Testosteron zu allen Kontrollzeitpunkten (alle p ≤ 0,001), sechs erzielten eine natürliche Schwangerschaft; welche Therapie gegeben wurde, nennt der Abstract nicht. Einordnung: belegt vor allem eine Lücke bei der Diagnostik, nicht die Wirksamkeit einer Hormontherapie.

Bahceci, Çeker, Ceyhan et al. 2026, Journal of Clinical Medicine [s05] (Türkei, Aydın). Nationale Querschnittsumfrage (Online-Befragung, November und Dezember 2025) unter türkischen Urologen: Von 1558 Eingeladenen antworteten 421 (27,0 %), 402 gingen in die Auswertung ein. Clomifen verwendeten 39,3 %; unabhängig damit verbunden waren Privatpraxis (OR 2,90; p < 0,001), größere Berufserfahrung (OR 2,18; p = 0,002) und höhere Fallzahl (OR 2,27; p = 0,001). Patientenauswahl, Dosierung, Überwachung und Erfolgsdefinition waren sehr uneinheitlich; Erfolgsziele waren überwiegend Laborendpunkte (Spermienparameter, Testosteron), seltener schwangerschaftsbezogen; Lebendgeburt wurde nicht gesondert erfragt. 31,6 % gaben an, nicht routinemäßig über Risiken aufzuklären. Als „Indikationsparadox“ beschreiben die Autoren den Befund beim HH. Stärken: nationale Befragung, aus EAU- und AUA-Leitlinien abgeleiteter und pilotgetesteter Fragebogen, multivariable Analyse. Schwächen: Antwortquote 27,0 % (Selektionsverzerrung), Selbstauskunft; Konfidenzintervalle der Odds Ratios nennt der Abstract nicht; die Studie sagt etwas über die Praxis, nichts über die Wirksamkeit.

Zusammenschau der Beobachtungsstudien

Hypogonadotroper Hypogonadismus. Über Länder und Jahrzehnte hinweg berichten die Kohorten, dass ein Teil der Männer unter Gonadotropinen Spermien im Ejakulat bildet. Die Anteile liegen in den größeren Serien zwischen 50 und über 85 %: 74 % [s22], 78 % für Spermien über null in [s17], 77 % [s34], 85,7 % [s172, s160], 83,3 % [s132], 64 % [s196], 74 % [s136], 82 % [s38] und 82,1 % beziehungsweise 75,8 % unter GnRH-Pumpe und hCG/hMG [s69]; als niedrigere Anteile erscheinen 47,4 % unter hCG plus Clomifen [s141], 54,55 % unter hCG allein [s151] und 50 % bei Hodenhochstand [s171]. Bis zum ersten Spermiennachweis dauert es je nach Studie im Median oder Mittel 5 bis 15 Monate [s17, s22, s196, s38, s172]; die Schwelle von 5 × 10⁶/ml wurde in [s17] nach median 14 Monaten erreicht, in [s189] unter GnRH nach 14 und unter hCG/hMG nach 27 Monaten. Wiederkehrende Prädiktoren sind ein größeres Ausgangshodenvolumen [s196, s156, s136, s172, s22, s38, s69] und das Fehlen eines Hodenhochstands [s196, s171]. Die Kombination aus hCG und FSH schneidet in den Vergleichen mit hCG allein besser ab [s22, s21, s72]. Die Partnerin beeinflusst den Schwangerschaftserfolg stark [s17]. Wichtig für die Einordnung: Viele der Kohorten stammen aus denselben Zentren (PUMCH, Istanbul), sodass die Zahlen nicht als unabhängige Bestätigungen zählen.

Nicht-obstruktive Azoospermie. Kleine japanische Studien berichten eine Spermiengewinnung bei 10 bis 21 % nach hCG-basierter Salvage-Therapie, die große chinesische Kohorte [s116] einen Vorteil von 31,2 % gegenüber 19,5 % ohne Effekt auf die Geburt, die deutsche [s03], die ägyptische [s165], die jordanische [s02], die saudische [s125] und die türkische [s194] Studie keinen Unterschied. Gründe für die Diskrepanz sind in den Abstracts nicht aufgelöst: Unterschiede in der Auswahl der Männer, der Hormonklasse, der Dosis und der Definition von Erfolg; Zahlen der Spontanbefunde fehlen.

Idiopathische Infertilität. Nahezu alle Beobachtungsstudien zu Clomifen, Anastrozol, Letrozol, FSH und hCG berichten Verbesserungen von Konzentration oder Beweglichkeit gegenüber dem Ausgangswert. Gleichzeitig zeigen die Studien mit Verschlechterungsangaben, dass eine Minderheit sich verschlechtert (29 % [s28], 13 % [s113], 12 % [s102]), und eine Kohorte zum natürlichen Verlauf [s236] belegt Veränderungen auch ohne Therapie. Die nicht randomisierten Vergleiche mit Kontrollgruppe zu FSH sind positiv, aber klein [s152, s250]; [s227] stellt eine gemischte medikamentöse Stimulation neben Operation und Beobachtung. Die Aromatasehemmer-Studien sind durchweg unkontrolliert [s102, s121, s139, s87, s241] oder Fallberichte [s232, s216].

Offene Lücken. Erstens fehlen in fast allen Beobachtungsstudien unbehandelte Kontrollgruppen und Lebendgeburtsendpunkte. Zweitens sind die Interessenerklärungen in den Abstracts meist nicht ausgewiesen; nur bei [s09] steht ein Hinweis auf eine Anbieterbeziehung. Drittens stammen die wenigen Sicherheitsdaten (Thrombose [s161], Chromatinbefund [s155], Tumormarker [s66], Mortalität und Herz-Kreislauf [s31], Knochendichte [s109]) aus Einzelfällen, kleinen Serien oder indikationsverzerrten Registerdaten.

Alle Kapitel und Anhänge (26)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Übersicht der Metaanalysen und systematischen Übersichten bis Hypogonadotroper Hypogonadismus (HH)
  5. Hypogonadismus (Testosteronmangel) und SERM: indirekt fertilitätsrelevante Übersichten bis Zusammenschau der Metaanalysen und Übersichten
  6. Hypogonadotroper Hypogonadismus: westliche, australische und türkische Kohorten bis Hypogonadotroper Hypogonadismus: Japan, Korea, Taiwan und weitere Länder
  7. Nicht-obstruktive Azoospermie: Hormonvorbehandlung und Salvage-Therapie bei Beobachtungsstudien bis Idiopathische und unerklärte Oligo-, Astheno- und Teratozoospermie: Aromatasehemmer
  8. Idiopathische Oligo-, Astheno- und Teratozoospermie: FSH, hMG, hCG und Kombinationen bis Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  9. Vorbemerkung zu Grundlage und Grenzen bis Clomifen, Tamoxifen und Enclomiphen
  10. Aromatasehemmer (Letrozol, Anastrozol, Testolacton) bis Hypogonadotroper Hypogonadismus: Gonadotropine und GnRH-Pumpe
  11. Nicht-obstruktive Azoospermie: Hormonvorbehandlung vor der Spermiengewinnung bis Einordnung der Studienlage und Besonderheiten der Quellenräume
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Chinesisch
  15. Japanisch bis Türkisch
  16. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  22. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  23. Diagramme
  24. Quellen s01–s133
  25. Quellen s134–s263
  26. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle