Vorbemerkung zu Grundlage und Grenzen
Dieses Kapitel stellt die Arbeiten einzeln dar, soweit sie für die Frage nach hormonellen Behandlungen beim Mann (Clomifen und andere selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren, Aromatasehemmer wie Letrozol und Anastrozol, hCG, FSH und menotrope Gonadotropine) und der Spermienqualität etwas aussagen. Alle Zahlen stammen aus den Rechercheberichten, die ihrerseits auf Abstracts (bei den Leitlinien der AUA/ASRM und der EAU auf dem abgerufenen Webtext) beruhen. Volltexte der Einzelstudien wurden nicht ausgewertet. Was ein Abstract nicht nennt, etwa Konfidenzintervalle, p-Werte oder Gruppengrößen je Arm, steht hier nicht. Die Einordnung von Stärken und Schwächen folgt den im Abstract erkennbaren Designmerkmalen und ersetzt keine formale Verzerrungsbewertung. Das Kapitel enthält keine Therapieempfehlung. Wo Leitlinien etwas empfehlen, wird das als Inhalt der Leitlinie wiedergegeben.
Zwei Grundprobleme prägen die Lage und werden im Text immer wieder auftauchen. Erstens schwanken Spermienparameter beim selben Mann von Probe zu Probe stark. Vorher-nachher-Vergleiche ohne Kontrollgruppe können deshalb eine Behandlungswirkung vortäuschen (Regression zur Mitte). Wie groß der Spontanverlauf sein kann, zeigt eine koreanische Beobachtungsstudie ohne Behandlung: Von 65 Männern mit schwerer idiopathischer Oligozoospermie entwickelten 16 (24,6 %) innerhalb der Nachbeobachtung eine Azoospermie, von den Männern mit moderater Oligozoospermie 2 (3,1 %), von denen mit milder keiner [s236]. Zweitens sind die meisten Endpunkte Ersatzmaße (Konzentration, Beweglichkeit, Hormonwerte, Hodenvolumen, „Spermien im Ejakulat“). Lebendgeburten werden selten berichtet.
Abkürzungen: SERM selektiver Östrogenrezeptor-Modulator; AI Aromatasehemmer; HH hypogonadotroper Hypogonadismus; CHH angeborener HH; NOA nicht-obstruktive Azoospermie; TESE bzw. Mikro-TESE (mikrochirurgische) Hodenspermienextraktion; TMSC Gesamtzahl beweglicher Spermien; SDF bzw. DFI Spermien-DNA-Fragmentation; T Testosteron; E2 Estradiol; MD mittlere Differenz; OR Odds Ratio; CI 95-%-Konfidenzintervall; IE internationale Einheiten.
Leitlinien und Konsenspapiere
AUA/ASRM-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der Infertilität des Mannes (Teil I und II, 2020/2021; Aktualisierung 2024) [s138, s137, s74]. Die Leitlinie der American Urological Association und der American Society for Reproductive Medicine erschien in zwei Teilen (Diagnostik [s137], Behandlung [s138]). Die Literatursuche lief über ein Evidenzzentrum in PubMed, Embase und Medline für den Zeitraum Januar 2000 bis Mai 2019; die Evidenzstärke wird mit A bis C angegeben, die Empfehlungen als stark, moderat oder bedingt, daneben „Clinical Principle“ und „Expert Opinion“. Die Aktualisierung von 2024 prüfte 4093 neue Abstracts, 125 erfüllten die Einschlusskriterien, 22 Studien gingen in die Änderungen ein; die im Abstract genannten Neuerungen betreffen Y-Chromosom-Mikrodeletionen, MRT-Indikationen und Hodenspermien bei nicht-azoospermen Männern, nicht Hormontherapien [s74]. Zu Hormonen enthält der Behandlungsteil sinngemäß folgende Aussagen [s138]. Bei hypogonadotropem Hypogonadismus soll die Ursache abgeklärt und diagnosebezogen behandelt werden (Clinical Principle). Aromatasehemmer, hCG, SERMs oder Kombinationen „können“ bei infertilen Männern mit niedrigem Serumtestosteron eingesetzt werden (bedingte Empfehlung, Evidenz C); exogenes Testosteron soll bei Kinderwunsch nicht verordnet werden (Clinical Principle). Männer mit idiopathischer Infertilität sollen informiert werden, dass SERMs im Vergleich mit den Ergebnissen der assistierten Reproduktion nur begrenzten Nutzen haben (Expert Opinion). Bei idiopathischer Infertilität „kann“ ein FSH-Analogon erwogen werden, mit dem Ziel, Konzentration, Schwangerschafts- und Lebendgeburtenrate zu verbessern (bedingte Empfehlung, Evidenz B). Bei NOA „kann“ über die begrenzte Datenlage zur pharmakologischen Beeinflussung vor einem Eingriff informiert werden (bedingte Empfehlung, Evidenz C).
In der Diskussion nennt die Leitlinie Zahlen, die für die Einordnung wichtig sind [s138]. Für SERMs verweist sie auf eine Metaanalyse mit 11 Studien (Clomifen oder Tamoxifen gegen Placebo oder keine Behandlung bei Oligozoospermie oder Asthenoteratozoospermie), die mögliche Verbesserungen von Konzentration, Beweglichkeit und spontaner Schwangerschaftsrate fand, und auf eine systematische Übersicht von 2019 mit 16 Studien, die Verbesserungen von Morphologie und Schwangerschaftsrate, aber keinen einheitlichen Effekt auf andere Parameter fand; beide enthielten Studien variabler Qualität. Für FSH wird eine Metaanalyse mit 15 Studien zitiert (spontane Schwangerschaften: 9 Studien, 389 behandelte gegen 308 Kontrollmänner, OR 4,50, CI 2,17 bis 9,33, P < 0,001; Schwangerschaften nach assistierter Reproduktion: 322 gegen 275, OR 1,60, CI 1,08 bis 2,37). Eine weitere systematische Übersicht mit 6 randomisierten Studien (225 FSH, 231 Kontrollen) fand keinen eindeutigen Einfluss auf die Schwangerschaftsraten vor IUI oder IVF/ICSI, und eine randomisierte Studie von 2015 mit vier FSH-Dosen gegen Placebo bei 354 Männern war für spontane und ART-Schwangerschaften nicht eindeutig. Als typische Dosis nennt die Leitlinie 150 IE täglich über 12 Wochen; FSH sei für Männer nicht von der FDA zugelassen, das Kosten-Nutzen-Verhältnis fraglich. Bei NOA berichtet sie: Von 372 Männern unter Clomifen hatten 11 % Spermien im Ejakulat, bei den übrigen 331 betrug die Gewinnungsrate 57,7 % gegen 33,6 % bei Kontrollen; in einer doppelblinden multizentrischen randomisierten Studie von 2013 (Letrozol gegen Placebo) hatten alle NOA-Männer im Behandlungsarm Spermien im Ejakulat, keiner im Placeboarm, aber es gab in beiden Armen keine unassistierten Schwangerschaften; hCG gegenüber keiner Behandlung (34 gegen 49 Männer) ergab keinen signifikanten Unterschied bei Gewinnungsrate, Schwangerschafts- und Lebendgeburtenrate; FSH gegenüber keiner Medikation (108 Männer) 64 % gegen 33 % Gewinnungsrate. Die Leitlinie nennt die Datenlage für NOA ausdrücklich gering. Stärken der Leitlinie: systematische Suche, Evidenzgraduierung, Aktualisierungsverfahren. Schwächen: Suchzeitraum bis Mai 2019, viele Aussagen beruhen auf Expertenmeinung oder Evidenz C.
EAU-Leitlinie Sexual and Reproductive Health (Webfassung 2026), Abschnitt 11.5.3 „Hormonal therapy“ [s12]. Auch hier wurde der Webtext gelesen, nicht eine PDF-Fassung. Für den sekundären (postpubertären) Hypogonadismus nennt der Text hCG zuerst, Startdosis 250 IE zweimal wöchentlich, steigerbar bis 2000 IE zweimal wöchentlich bei normalen Testosteronwerten, Spermiogramm alle drei Monate; bei ausbleibender Stimulation FSH 75 IE dreimal wöchentlich, steigerbar auf 150 IE; die kombinierte Gabe von Beginn an sei möglich; zwischen urinärem hochgereinigtem und rekombinantem FSH bestehe kein Unterschied. Ein größeres Hodenvolumen gelte als guter prognostischer Faktor; ein negativer Einfluss früherer Testosterontherapie sei durch eine Metaanalyse nicht bestätigt. Beim primären Hypogonadismus gebe es keine wesentliche Evidenz für Gonadotropine und keine Daten für andere Hormontherapien einschließlich SERMs oder Aromatasehemmer. Bei idiopathischer Infertilität steigere FSH die Spermienparameter bei Oligozoospermie mit FSH im Normbereich (genannt 1,5 bis 8 mIE/ml); zitiert werden eine Metaanalyse mit 12 Studien und 924 Patienten (bessere Spermienparameter und SDF), eine Cochrane-Übersicht mit sechs randomisierten Studien und 456 Teilnehmern (höhere Lebendgeburten- und Schwangerschaftsraten gegenüber Placebo oder keiner Behandlung, ohne signifikanten Unterschied bei ICSI oder IUI) und eine Metaanalyse mit 15 Studien und mehr als 1200 Patienten. Bei NOA habe die Kombination hCG/FSH die Gewinnungsrate nur in einer Studie erhöht, hCG allein vor TESE habe keinen Nutzen gezeigt. Das Fazit des Abschnitts: Die Evidenz für Hormontherapie vor operativer Spermiengewinnung sei begrenzt, die Behandlung solle auf klinische Studien beschränkt bleiben. Bei Anabolika-Missbrauch: erst Absetzen, nach 6 bis 12 Monaten bei anhaltender Störung hCG mit oder ohne FSH. In der Empfehlungstabelle erscheinen, jeweils mit Stärkegrad: Spermatogenese bei angeborenem oder erworbenem HH mit hCG, HMG, rekombinantem oder hochgereinigtem FSH induzieren (stark); FSH bei idiopathischer Oligozoospermie mit normalem FSH (schwach); idiopathische Infertilität nicht mit hochdosiertem FSH behandeln (schwach); keine Hormonstimulation vor TESE bei NOA außerhalb klinischer Studien (schwach); Testosterontherapie nicht zur Behandlung männlicher Infertilität (stark); Dopaminagonisten bei nachgewiesener Hyperprolaktinämie (schwach); Anabolika 6 bis 12 Monate absetzen, bevor SERMs oder Gonadotropine erwogen werden (schwach). Im Abschnitt zum Testosteronmangel steht, dass bei hohem Fertilitätswunsch SERMs (z. B. Clomifen) oder Gonadotropin-Analoga (z. B. hCG) erwogen werden könnten, dies aber Off-Label-Behandlungen seien. Auffällig ist, dass SERMs in der Empfehlungstabelle zur idiopathischen Infertilität nicht auftauchen [s12].
WHO-Leitlinie zur Infertilität 2025 und drei Einordnungen [s33, s16, s01]. Die WHO-Leitlinie (GRADE-Ansatz, 40 Empfehlungen und sechs Good-Practice-Statements) nennt im abgerufenen Abstract für Männer nur Empfehlungen zur Wiederholung des Spermiogramms und zur unerklärten Infertilität; Hormontherapien beim Mann werden dort nicht aufgeführt [s33]. Esteves 2026 fasst die männerbezogenen Empfehlungen zusammen (Lebensstil, Infektionen, standardisierte Spermaanalyse, unerklärte Infertilität, Antioxidantien, Varikozelenkorrektur) und benennt Evidenzlücken bei klinisch bedeutsamen Endpunkten [s16]. Der Vergleich von Achermann et al. mit AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE stellt fest, AUA/ASRM und EAU böten spezialistenorientierte Empfehlungen einschließlich Endokrinologie, ESHRE und NICE einen paarzentrierten Ansatz mit wenigen männerspezifischen Pfaden, die WHO eine selektivere Haltung; ausdrücklich als Lücke genannt wird die schwache Evidenz für häufig angewendete Interventionen einschließlich Hormontherapien [s01]. Für die vorliegende Frage geben die drei Abstracts nichts Konkretes zu Clomifen, Letrozol, FSH oder hCG her; ein Volltextabruf der WHO-Leitlinie war nicht Teil der Recherche.
Weitere Leitlinien und Konsenspapiere. Das Global Andrology Forum legte 2026 einen Delphi-Konsens von 48 Fachleuten aus 25 Ländern zur NOA vor (49 Empfehlungen, davon 21 zur Diagnostik und 28 zur Therapie; Zustimmung von mindestens 80 % gilt als stark); Inhalte zur Hormontherapie nennt der Abstract nicht [s19]. Die französischen AFU/SALF-Empfehlungen von 2021 betreffen die Abklärung des infertilen Mannes (endokrine Abklärung mit mindestens Testosteron und FSH; Literatursuche bis 01.01.2020) und enthalten im Abstract keine Therapieempfehlungen [s131]. Das brasilianische Konsenspapier von SBEM, SBU und ABEMSS (2026) zum männlichen Hypogonadismus nennt fertilitätserhaltende Strategien (SERMs, hCG, Aromatasehemmer) „wenn indiziert“, ohne Details im Abstract [s20]. Die deutschsprachige S2k-Leitlinie von DGGG, OEGGG und SGGG „Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktiven Behandlung“, Teil 2 (2019, AWMF 015-085), behandelt Hämostaseologie, Andrologie, Genetik und frühere Tumorerkrankungen; der abgerufene Abstract enthält keine Aussagen zu Hormontherapien beim Mann, der Volltext war nicht auswertbar [s176]. Das italienische Positionspapier der SIAMS (2022) fordert eine paarorientierte, stufenweise Behandlung aus Lebensstiländerung, ätiologischer Therapie, empirischen Behandlungen und assistierter Reproduktion; endokrine Abklärung sei bei den meisten Männern empfohlen oder bei Risikofaktoren angezeigt; Einzelheiten zu den Wirkstoffen stehen nicht im Abstract [s110]. Die Zusammenfassung der Leitlinie der Japanischen Urologischen Gesellschaft (2024, zusammengefasst 2025) nennt Gonadotropintherapie bei HH mit Grad A, Clomifencitrat bei Oligozoospermie mit niedrigem Testosteron mit Grad B und antioxidative Therapie mit Grad C; bei den chirurgischen Verfahren erhalten Varikozelenoperation bei tastbarer Varikozele und Mikro-TESE bei NOA Grad A; die Evidenzgrundlage der einzelnen Aussagen steht nicht im Abstract [s64]. In Russland erschienen zwei Übersichtsarbeiten zu Leitlinienfragen: ein Algorithmusvorschlag für Urologen (Bozhedomov et al. 2024) und eine Diskussion terminologischer Streitfragen mit Vorschlägen zur Überarbeitung der klinischen Leitlinien einschließlich Überweisungsalgorithmus (Korneev et al. 2024); der Wortlaut einer russischen Leitlinie wurde nicht abgerufen, die Abstracts nennen keine Wirkstoffaussagen [s73, s82].
Bewertung der Leitlinienqualität. Li et al. (2025) bewerteten zehn chinesische und internationale Leitlinien zur männlichen Unfruchtbarkeit mit dem Instrument AGREE II; nur eine wurde als „empfehlenswert“ eingestuft, die übrigen als „bedingt empfehlenswert“ oder „nicht empfehlenswert“. Schwachstellen lagen bei der Entwicklungsgenauigkeit (Domäne III: 34,4 %), der Anwendbarkeit (Domäne V: 48,3 %) und der redaktionellen Unabhängigkeit (Domäne VI: 23,5 %); chinesische Leitlinien legten Interessenkonflikte weniger transparent offen. Es wurden 18 Kernempfehlungen identifiziert [s50]. Das erinnert daran, dass auch die Leitlinienaussagen oben auf schwacher Evidenz beruhen.
Was die Leitlinien gemeinsam haben. Alle ausgewerteten Texte, die sich konkret äußern, trennen scharf zwischen drei Konstellationen: (1) Gonadotropinmangel (HH), wo Gonadotropine die Standardbehandlung sind [s138, s12, s64]; (2) idiopathische Infertilität mit normalen Gonadotropinen, wo nur schwache oder bedingte Aussagen zu FSH und SERMs stehen [s138, s12]; (3) NOA vor Spermiengewinnung, wo die EAU von Hormonstimulation außerhalb von Studien abrät [s12] und die AUA/ASRM nur von einer Aufklärung über die begrenzte Datenlage spricht [s138]. Für Aromatasehemmer und SERMs bei idiopathischer Infertilität gibt es in der EAU-Tabelle keine Empfehlung, in der AUA/ASRM eine bedingte Aussage bei niedrigem Testosteron [s138, s12].
Übergreifende Übersichten und Metaanalysen zur idiopathischen Infertilität
Konnyu et al. 2026 (J Clin Endocrinol Metab) [s24]. Zwei verknüpfte systematische Übersichten mit Metaanalyse (Suche in MEDLINE, Embase, Cochrane bis Februar 2025) zu normogonadotropen Männern mit abnormen Spermaparametern, eine zur Spermaqualität, eine zur Schwangerschaft nach assistierter Reproduktion. Eingeschlossen wurden neun Studien mit 735 Männern, Vergleich mit Placebo oder keiner Behandlung. FSH: Spermienzahl MD 11,0 (CI 7,2 bis 14,8), Konzentration MD 5,6 (CI 1,9 bis 9,3), Beweglichkeit MD 3,4 (CI 0,7 bis 6,0), Morphologie MD 4,7 (CI −0,8 bis 10,3, nicht signifikant). Die Kombination aus hCG und menopausalem Gonadotropin sowie Tamoxifen zeigten keinen Nutzen; zwei kleine Studien berichteten nicht signifikante Schwangerschaftsanstiege unter FSH. Für Aromatasehemmer oder Clomifen fanden sich keine geeigneten Studien. Die Autoren sehen eine mögliche selektive Rolle von FSH, aber einen „bescheidenen und kurzfristigen“ Nutzen; die Übertragung auf Schwangerschaft oder Lebendgeburt sei unsicher. Stärken: doppeltes Screening, Cochrane-Werkzeug plus ROBUST-RCT, getrennte Auswertung von Qualität und Schwangerschaft. Schwächen: nur neun Studien, kurze Nachbeobachtung.
Melhem et al. 2026 (Andrology) [s27]. Systematische Übersicht und Metaanalyse von 41 randomisierten Studien (3615 Männer, Suche Januar 2010 bis Januar 2026), PROSPERO-registriert, GRADE. Antioxidantien verbesserten Konzentration (SMD 1,09; CI 0,10 bis 2,08), progressive Beweglichkeit (SMD 1,11; CI 0,32 bis 1,90), Gesamtbeweglichkeit (SMD 0,69; CI 0,26 bis 1,13) und Normalmorphologie (SMD 0,43; CI 0,05 bis 0,82), die Prädiktionsintervalle schlossen aber die Null ein (I² über 80 %). Hormonelle Substanzen und klinische Schwangerschaft wurden nur narrativ ausgewertet, ohne Zahlen im Abstract. Für die vorliegende Frage liefert diese Arbeit also keine quantitative Aussage.
Santi et al. 2025 (Eur J Endocrinol), Netzwerk-Metaanalyse [s57]. 24 kontrollierte Studien mit 1676 Männern mit idiopathischer Oligo- und/oder Asthenozoospermie; FSH, SERMs und Aromatasehemmer gegen Placebo oder aktive Vergleicher; frequentistisches Random-Effects-Modell mit P-Scores. Clomifen 25 mg jeden zweiten Tag: größte Verbesserung der Konzentration (MD 22,00; CI 14,75 bis 29,25; P-Score 99 %) und der Gesamtzahl (MD 66,70; CI 27,53 bis 105,87); FSH 300 IE jeden zweiten Tag: Konzentration MD 9,34 (CI 5,14 bis 13,53); kein Wirkstoff mit signifikantem Effekt auf die progressive Beweglichkeit. Die Autoren sehen eine Dosis-Wirkungs-Tendenz direkt bei FSH und invers bei SERMs. Stärken: gemeinsame Rangordnung, Inkonsistenzprüfung. Schwächen: Es wurden kontrollierte, nicht nur randomisierte Studien eingeschlossen; Schätzer für einzelne Dosisstufen beruhen auf wenigen kleinen Studien; Schwangerschaftsergebnisse stehen nicht im Abstract.
Al Wattar et al. 2024 (BMC Urol), Netzwerk-Metaanalyse [s71]. 14 randomisierte oder quasi-randomisierte Studien mit 1342 Männern (Clomifen, Tamoxifen, Aromatasehemmer, Antioxidantien, Kombinationen), Suche bis Oktober 2023, PROSPERO-registriert; Studienqualität insgesamt niedrig. Spermienkonzentration unter Clomifen gegenüber Antioxidantien SMD 2,15 (CI 0,78 bis 3,52), gegenüber Aromatasehemmer SMD 2,93 (CI 1,23 bis 4,62), gegenüber Tamoxifen SMD −1,96 (CI −3,57 bis −0,36; Vorzeichen wie im Abstract), nicht aber gegenüber Placebo (SMD −1,53; CI −3,52 bis 0,47); SUCRA für Clomifen 97,4. Beweglichkeit, Volumen und Normalmorphologie waren in allen Armen ähnlich. Die Netzwerke für LH und Testosteron zeigten deutliche Inkonsistenz (p = 0,01). Die Autoren sehen unzureichende Evidenz für den routinemäßigen Einsatz von Clomifen, Tamoxifen und Aromatasehemmern zur Optimierung der Spermaparameter. Stärke: nur randomisierte Studien; Schwäche: niedrige Qualität, Placebovergleich ohne Signifikanz.
Ye et al. 2024 (Asian J Androl), Umbrella-Review [s95]. 18 Metaanalysen (Suche bis Oktober 2023) mit 90 zusammenfassenden Effekten auf Konzentration (36), Morphologie (26) und Beweglichkeit (28) bei 28 Interventionen; methodisch hochwertig 12 (66,7 %), mittel 6 (33,3 %). Keiner der 90 Effekte wurde mit hoher Evidenzqualität bewertet; 48 (53,3 %) mittel, 23 (25,6 %) niedrig, 19 (21,1 %) sehr niedrig. Signifikante Verbesserungen sahen die Autoren unter pharmakologischen Interventionen (unter anderem Aromatasehemmer, SERMs und Hormone) und nach Varikozelenoperation, bei Vitaminpräparaten nicht; insgesamt bewerten sie die Evidenz als schwach. Schwäche: „Hormone“ sind im Abstract nicht nach Wirkstoffen aufgeschlüsselt.
Weitere Übersichten ohne eigene Zahlen: Wang et al. 2026, Scoping Review mit 28 klinischen Studien zur Samenqualität bei Fettleibigkeit, nennt SERMs, Testosteron und Aromatasehemmer neben Operation, Lebensstil, GLP-1-Rezeptoragonisten und traditioneller chinesischer Medizin; quantitative Befunde fehlen [s32]. Methorst et al. 2023 (französisch, Prog Urol) halten stimulierende Hormontherapien bei Oligoasthenozoospermie für nützlich, bei NOA hänge der Nutzen von FSH und Testosteron ab; ihre Suche war auf englischsprachige Literatur bis Mai 2023 beschränkt, der Abstract nennt keine Zahlen [s101]. Sarıer et al. 2024 (türkisch, Androloji Bülteni) geben einen Überblick über die empirische Therapie und halten die Evidenz wegen weniger randomisierter Studien für begrenzt; neuere Übersichten deuteten an, dass Gonadotropine, Antiöstrogene und Antioxidantien die Lebendgeburtenrate verbessern; der Abstract nennt keine Zahlen [s89]. Epanchintseva und Selyatitskaya 2025 (russisch, Urologiia) schließen, Hormontherapie habe „in bestimmten Fällen“ einen positiven Effekt auf Spermatogeneseparameter und erhöhe die Schwangerschaftschance; ohne Zahlen [s39]. Kalkanli et al. 2021 (türkisch, narrative Übersicht zum hypergonadotropen Hypogonadismus, MEDLINE 1980 bis 2019): FSH erhöhe die spontane Schwangerschaftsrate, die Evidenz für Lebendgeburten sei niedrig, Aromatasehemmer seien bei niedrigem T/E2-Verhältnis Optionen, SERMs würden bei Konzentrationen von 10 bis 20 Millionen empfohlen; Gonadotropine, SERMs, Aromatasehemmer und Kombinationen hätten „einen gewissen Effekt“, seien aber nicht Hauptstrom der Behandlung [s133]. Die Formulierung „empfohlen“ wird hier nur referiert.
Clomifen, Tamoxifen und Enclomiphen
Metaanalysen und Übersichten.
Chua et al. 2013 (Andrology) [s220]. Metaanalyse von 11 randomisierten Studien (Suche bis März 2013, PRISMA). Die Schwangerschaftsrate war unter Antiöstrogenen höher als in den Kontrollen (gepoolte OR 2,42; CI 1,47 bis 3,94; p = 0,0004; Peto-Methode, Fixed-Effect-Modell). Weitere Effekte: Konzentration WMD 5,24 (der Abstract druckt das Intervall als „2,12, 88,37“; die obere Grenze ist offensichtlich ein Druckfehler und wird hier nicht verwendet; p = 0,001), Beweglichkeit WMD 4,55 (CI 0,73 bis 8,37; p = 0,03), FSH WMD 4,19 (CI 2,05 bis 6,34), Testosteron WMD 54,59 (CI 15,92 bis 93,27; p = 0,006); kein signifikanter Unterschied bei unerwünschten Ereignissen. Stärken: nur randomisierte Studien, fremdsprachige Datenbanken. Schwächen: älter als zwölf Jahre, Fixed-Effect-Modell für die Schwangerschaft; die AUA/ASRM-Leitlinie bewertet die Qualität der Einzelstudien als variabel [s138].
Cannarella et al. 2019 (Expert Opin Pharmacother) [s167]. Systematische Übersicht und Metaanalyse von 16 kontrollierten und unkontrollierten Studien an normogonadotropen Männern mit idiopathischer Oligozoospermie. Gegenüber dem Ausgangswert stiegen Konzentration, Gesamtzahl, LH, FSH und Gesamttestosteron; gegenüber Kontrollen fand sich kein signifikanter Effekt auf Konzentration und Beweglichkeit, aber eine höhere Gesamtzahl, bessere Morphologie und höhere Schwangerschaftsrate. Schwäche: Vermischung kontrollierter und unkontrollierter Studien; die Autoren sehen die Datenlage als nicht ausreichend.
Khashaba et al. 2025 (Asian J Urol) [s49]. Metaanalyse von 10 randomisierten Studien mit Schwangerschaft als primärem Endpunkt: Clomifen 10,4 % gegenüber Placebo 7,1 % (OR 1,30; CI 0,27 bis 6,17; p = 0,74); für Tamoxifen war keine Metaanalyse möglich. Die Wirkung auf die Schwangerschaftsrate bleibe unsicher. Das Intervall ist sehr breit, die Studien sind klein.
Puia und Pricop 2022 (Cureus) [s117]. Von 4017 Treffern gingen acht Artikel (1983 bis 2020) mit 616 Patienten ein. Clomifen verbesserte die Konzentration gegenüber Placebo oder Ausgangswert (p < 0,00001); bei 369 von 616 Männern (59,90 %) wurde eine Verbesserung berichtet; I² = 97 %. Schwächen: sehr hohe Heterogenität, Mischung aus Vorher-nachher- und Placebovergleichen, keine Schwangerschaftsdaten.
Gundewar et al. 2021 (Andrologia) [s130]. Systematische Übersicht zu Verschlechterungen unter Clomifen: 11 Studien, 384 Männer. Es nahmen ab: Spermienzahl bei 19 %, Konzentration bei 21 %, Beweglichkeit bei 17 %, Gesamtzahl beweglicher Spermien bei 24 %; bei bis zu 17 % erholten sich die Werte nach dem Absetzen nicht. Ohne Kontrollgruppe lassen sich Spontanschwankungen nicht abgrenzen, und nur wenige Studien berichten diesen Aspekt.
Hohl et al. 2025 (Arch Endocrinol Metab) [s44]. Systematische Übersicht und Metaanalyse randomisierter Studien zu Clomifen oder Enclomiphen bei funktionellem Hypogonadismus (Suche bis Juli 2024). Gegenüber Placebo: Gesamttestosteron MD 273,76 ng/dl (CI 191,87 bis 355,66; I² = 89 %), LH MD 4,66 IE/l (CI 3,37 bis 5,94), FSH MD 4,59 IE/l (CI 2,88 bis 6,30); kein signifikanter Testosteronunterschied zwischen SERM und Testosterongel. Die Testosteronwerte lagen unter SERM bei 158, unter SERM plus hCG bei 153 und unter hCG allein bei 134 ng/dl (p < 0,002 für beide Vergleiche). Keine Spermaendpunkte. Die Arbeit belegt den Gonadotropinanstieg unter SERMs.
Constantinou et al. 2026 (Eur J Clin Pharmacol) [s10]. Elf Studien mit 1512 Patienten (764 Clomifen, 748 Testosteron). Gesamttestosteron ohne signifikanten Unterschied (MD 6,64 ng/dl; CI −35,35 bis 48,63; I² = 80,6 %); injizierbares Testosteron höher als Clomifen (MD −290,50; CI −518,78 bis −62,22; eine Studie, 62 Patienten); Gel kein Unterschied (acht Studien, 1012 Patienten); Libido (ADAM-Fragebogen, drei Studien, 199 Patienten) unter Clomifen niedriger (MD −0,54; CI −0,87 bis −0,21). Die Autoren sprechen von vorläufigen Ergebnissen mit Bedenken bis hohem Verzerrungsrisiko; Fertilitätsendpunkte fehlen.
Wu und Sung 2024 (Pharmaceuticals, Taiwan) [s92]. Die narrative Übersicht beschreibt Clomifen als Alternative zur Testosteronersatztherapie bei Hypogonadismus, auch bei Kinderwunsch, nennt Kombinationen mit Anastrozol oder hCG und stellt fest, dass Langzeitwirksamkeit und -sicherheit unzureichend bekannt seien; Zahlen enthält der Abstract nicht.
Randomisierte und kontrollierte Studien zu Clomifen und Tamoxifen.
Shukla et al. 2025 (Clin Exp Reprod Med) [s60]. Randomisierte kontrollierte Studie, 50 Männer mit idiopathischer Oligoasthenozoospermie, normalem Testosteron und FSH; Clomifen 50 mg täglich über drei Monate (n = 25) gegen Placebo (n = 25). In der Clomifengruppe stieg die Konzentration von 9,17 ± 4,11 auf 13,88 ± 7,27 Mio./ml, die progressive Beweglichkeit von 14,67 ± 7,03 auf 21,42 ± 11,9, die TMSC von 3,53 ± 3,08 auf 7,81 ± 7,10 Mio. und das Testosteron von 371,97 ± 88,51 auf 805,94 ± 290,77 ng/dl; im Placeboarm keine signifikanten Änderungen. Schwere Oligozoospermie nach Behandlung war unter Clomifen seltener (OR 0,31); die Hälfte der Clomifengruppe stieg in der WHO-Konzentrationskategorie auf, gegenüber 27,3 % unter Placebo. Stärken: Placebo, definierte Einschlusskriterien. Schwächen: n = 50, keine Schwangerschaftsdaten, hohe Aufstiegsrate auch unter Placebo.
Ghanem et al. 2010 (Fertil Steril) [s238]. Prospektive, randomisierte, placebokontrollierte Studie (Universität Kairo), 60 Männer mit idiopathischer Oligoasthenozoospermie: Clomifencitrat 25 mg/Tag plus Vitamin E 400 mg/Tag (n = 30) gegen Placebo (n = 30) über sechs Monate. Schwangerschaftsrate 36,7 % (11 von 30) gegenüber 13,3 % (4 von 30); OR 3,76 (CI 1,03 bis 13,64). Spermienzahl und Vorwärtsbeweglichkeit stiegen in der Kombinationsgruppe signifikant stärker; Gesamtbeweglichkeit, abnorme Formen und Volumen änderten sich nicht signifikant. Das untere Konfidenzintervall liegt knapp über 1; Clomifen und Vitamin E sind kombiniert, der Clomifenanteil ist nicht trennbar.
ElSheikh et al. 2015 (Andrology) [s201]. Randomisierte vergleichende Studie (Kairo), 90 Männer mit idiopathischer Oligoasthenozoospermie in drei Gruppen zu je 30: Vitamin E 400 mg/Tag, Clomifen 25 mg/Tag oder beides, sechs Monate. In der Vitamin-E-Gruppe war die Konzentrationszunahme nicht signifikant; in den beiden anderen stieg sie signifikant, am deutlichsten in der Kombination (p = 0,001). Gesamtbeweglichkeit: Vitamin E 28,07 ± 9,65 %, Clomifen 33,33 ± 14,10 %, Kombination 40,50 ± 17,54 %. Der Abstract lässt offen, ob dies Zuwachs oder Wert nach Therapie ist. Keine Placebogruppe, keine Schwangerschaftsendpunkte.
Bozhedomov et al. 2017 (Urologiia) [s185]. Prospektive randomisierte Studie, 173 Männer (25 bis 45 Jahre), Studiengruppe n = 88, Kontrolle n = 85. Beide Arme erhielten Clomifencitrat 25 mg zweimal täglich und einen Vitaminkomplex; die Studiengruppe zusätzlich L-Carnitin (1 g) und Acetyl-L-Carnitin (0,5 g) zweimal täglich. Das Carnitin hatte laut Abstract einen gewissen Zusatzeffekt auf die Konzentration, nicht auf Morphologie, Vorwärtsbeweglichkeit oder Schwangerschaftsraten. Der Abstract enthält keine Zahlen. Über Clomifen selbst sagt die Studie nichts, weil es in beiden Armen gegeben wurde.
Tang et al. 2011 (Zhonghua Nan Ke Xue) [s235]. Randomisierte Studie mit drei Armen bei 183 Männern: Tamoxifen plus Coenzym Q10 (n = 63), Tamoxifen allein (n = 61), Coenzym Q10 allein (n = 59). FSH, LH, Testosteron und Konzentration stiegen in beiden Tamoxifengruppen signifikant, nicht unter Coenzym Q10 allein; Beweglichkeit und Normalformen stiegen in der Kombination und unter Coenzym Q10 allein, unter Tamoxifen allein nur leicht und nicht signifikant. Verblindung und Placebo sind nicht ersichtlich.
Fünf kleine chinesische Studien in Zhonghua Nan Ke Xue [s231, s188, s166, s162, s91]. Tamoxifen oder Clomifen werden hier mit traditionellen Rezepturen, Akupunktur oder Aminosäuren kombiniert oder dienen als Vergleichsarm. Zhang et al. 2012: 120 Männer, Kompakt-Xuanju-Kapsel plus Tamoxifen gegen Tamoxifen allein, drei Monate; Konzentration und Gesamtzahl stiegen in beiden Gruppen, in der Kombination stärker; bei kürzerer Unfruchtbarkeitsdauer war die Wirksamkeit besser als bei mehr als drei Jahren; Zahlen nennt der Abstract nicht [s231]. Li et al. 2017: 120 Männer, acht Wochen Tamoxifen, elektrische Akupunkturpunkt-Stimulation (TEAS) oder beides. Unter Tamoxifen allein stieg die Konzentration von 12,15 ± 2,51 auf 24,31 ± 2,59 × 10⁶/ml, die Gesamtbeweglichkeit (21,78 ± 8,81 auf 22,61 ± 5,75 %) aber nicht signifikant; in der Kombination Konzentration 12,78 ± 2,41 auf 27,28 ± 1,98 und Gesamtbeweglichkeit 23,89 ± 9,05 auf 37,12 ± 5,33 %; die selbst definierte Gesamtwirksamkeitsrate lag bei 97,5 % gegenüber 72,5 % (Tamoxifen) und 75,0 % (TEAS) [s188]. Bao et al. 2019: 104 Männer mit schwerer Oligozoospermie, Aminosäurekapseln plus Clomifen (n = 60) gegen Clomifen allein (n = 44), zwölf Wochen; unter Clomifen allein stieg die Konzentration von 3,27 ± 1,46 auf 10,21 ± 2,35, 19,89 ± 2,74 und 25,23 ± 3,69 × 10⁶/ml nach 4, 8 und 12 Wochen (Kombination: 3,13 ± 1,29 auf 12,06, 22,10 und 28,13). Die berichteten Schwangerschaftsraten (8,32 % gegenüber 6,32 % nach zwölf Wochen) lassen sich aus der Gruppengröße von 44 nicht als ganze Fälle herleiten, die Signifikanzangaben sind nicht nachvollziehbar [s166]. Xie et al. 2020: 42 Männer mit erhöhtem DFI; traditionelle Rezeptur (n = 22) gegen Tamoxifen plus Vitamin E (n = 20), drei Monate; im Tamoxifenarm Konzentration 34,56 ± 37,03 auf 40,72 ± 47,37 × 10⁶/ml, DFI 24,43 ± 8,46 auf 18,53 ± 10,44 %; natürliche Schwangerschaft 18,2 % gegenüber 15 %, Lebendgeburt 18,2 % gegenüber 10 %, jeweils ohne Signifikanz [s162]. Wu et al. 2024: 72 Männer, zwölf Wochen; im Clomifenarm (50 mg zweimal täglich) stieg die Konzentration von 11,31 ± 2,08 auf 19,56 ± 5,24 × 10⁶/ml, während progressive Beweglichkeit (20,05 ± 4,67 auf 21,75 ± 5,93 %) und DFI (15,51 ± 4,35 auf 15,11 ± 4,76 %) sich nicht signifikant änderten [s91]. Gemeinsam sind diesen Studien kleine Gruppen, fehlende unbehandelte Kontrolle oder Placebo und teils auffällig kleine Standardabweichungen. Die Aussage, eine Rezeptur könne „Erstlinientherapie“ sein, ist durch einen Vergleich gegen Tamoxifen allein nicht gedeckt [s231].
Tang et al. 2015 (J Zhejiang Univ Sci B) [s208]. Kohortenstudie mit pharmakogenetischer Analyse (CYP2D6*10): 230 Männer mit idiopathischer Oligozoospermie, 147 Kontrollen, Tamoxifen plus Testosteronundecanoat. FSH, LH, Testosteron, Konzentration und Beweglichkeit stiegen nach drei Monaten, nach sechs Monaten signifikant; die Werte waren im Wildtyp (C/C) höher als bei C/T oder T/T; die Spontanschwangerschaftsrate war bei C/C höher (P < 0,01). Die Kombination mit Testosteron verwischt die Tamoxifenwirkung; es gibt keine unbehandelte Vergleichsgruppe.
Cakan et al. 2009 (Urol Int) [s242]. Prospektive kontrollierte Studie ohne Placebo (Ankara), 127 normogonadotrope Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie; 103 erhielten Tamoxifen 10 mg zweimal täglich, 25 waren unbehandelte Kontrollen (die Summe 128 weicht von 127 ab). Nach drei Monaten wurde bei 42 Männern mit normalem T/E-Verhältnis Tamoxifen fortgeführt (Gruppe 1A); von 61 mit niedrigem Verhältnis blieben 30 bei Tamoxifen, 31 erhielten zusätzlich Anastrozol 1 mg/Tag. Im sechsten Monat war das T/E-Verhältnis in 1A und in der Anastrozolgruppe normal, in der Tamoxifengruppe mit niedrigem Verhältnis niedriger als normal; Konzentration und Beweglichkeit stiegen in 1A und in der Anastrozolgruppe signifikant. Die Untergruppen wurden nach dem Verhältniswert gebildet, nicht zufällig zugeteilt; Zahlenwerte stehen nicht im Abstract.
Gamidov et al. 2012 (Terapevticheskii arkhiv) [s227]. Vergleichende Kohortenstudie bei 1127 Männern mit Varikozele (nach Ausschluss von 193): 728 mikrochirurgische Operation, 107 empirische medikamentöse Stimulation über 3 bis 6 Monate (Clomifencitrat zusammen mit Vitaminen A und E, Selen, L-Carnitin, Pentoxifyllin und Antioxidantien), 56 unbehandelt (die Gruppen ergeben 891, nicht 934). Höhere Konzentration nach Operation bei 69,9 %, nach medikamentöser Stimulation bei 29,9 %; spontane Konzeption 47,1 % nach Operation, 21,5 % nach medikamentöser Stimulation, 3,6 % ohne Behandlung. Clomifen ist nur eine von mehreren gleichzeitig gegebenen Substanzen; die Zuteilung war nicht randomisiert.
Beobachtungsstudien ohne Kontrollgruppe zu Clomifen.
Roque et al. 2026 (Can Urol Assoc J) [s29]. Retrospektiv, 60 Männer mit idiopathischer Infertilität, mittlere Behandlungsdauer 12,9 ± 6,1 Monate. Die TMSC stieg im Mittel um 13,1 Mio. (p = 0,005); Testosteron +9,9 nmol/l, FSH +4,9 IE/l, LH +4,8 IE/l, Estradiol +53,9 pmol/l (alle p < 0,001); die TMSC-Änderung war unabhängig von Alter, BMI, Ausgangshormonen und Behandlungsdauer; Männer mit primärer (n = 46) und sekundärer Infertilität (n = 14) sprachen ähnlich an.
Pozzi et al. 2026 (World J Mens Health) [s28]. Retrospektiv, 166 hypogonadale oligozoosperme Männer (Testosteron unter 3,5 ng/ml, Konzentration unter 15 Mio./ml), Clomifen 50 mg täglich für mindestens drei Monate. Testosteron normalisierte sich bei 151 (91 %), Median 2,9 auf 4,6 ng/ml. Die Konzentration stieg bei 118 Männern (71 %) von 4,0 auf 5,6 Mio./ml (Median), aber 48 Männer (29 %) zeigten einen paradoxen Rückgang (Median −3,3 Mio./ml). Ausgangs-Estradiol sagte das Testosteron-Ansprechen voraus (OR 1,06; CI 1,01 bis 1,35), eine niedrigere Ausgangskonzentration eine stärkere Verbesserung (OR 0,84; CI 0,70 bis 0,99). Die Autoren bewerten die klinische Relevanz als bescheiden.
Jiang et al. 2022 (Transl Androl Urol) [s113]. Retrospektiv, 234 Männer mit Clomifen, 137 mit passenden Kontrolluntersuchungen. Nach drei Monaten: 34 % bessere Konzentration, 13 % schlechter, 53 % unverändert. Niedrigere Ausgangsgonadotropine (Schwelle 7 mIE/ml) gingen mit stärkerer Besserung einher; multivariat war das Ausgangs-FSH negativ mit der Konzentrationsänderung korreliert (OR 0,22; CI 0,057 bis 0,848); Azoospermie profitierte nicht.
Liao et al. 2022 (PLoS One) [s114]. Prospektive Serie, 24 eugonadale Männer mit idiopathischer Infertilität, Clomifen 25 mg/Tag über vier Wochen. Das Gesamt-T/E2 stieg nicht signifikant; nur in der Untergruppe mit Ausgangsquotient unter 200 stieg es („Deckeneffekt“). Samenparameter nennt der Abstract nicht.
Keihani et al. 2020 (Urology) [s157]. Retrospektiv, 332 hypogonadale Männer unter Clomifen: Gesamttestosteron im Mittel +329,2 ng/dl (CI 307,4 bis 351,0), bei 73 % um mindestens 200 ng/dl; Ausgangs-LH und -FSH sagten das Ansprechen nicht voraus. Testosteron- statt Spermienendpunkt.
Çelebi et al. 2000 [s251] und Takagi et al. 1990 [s261] (ältere Serien). Çelebi et al.: 24 Männer, Clomifen 50 mg/Tag über sechs Monate; bei 13 besserten sich die Spermienparameter (die Zahl entspricht rechnerisch 54,2 %, der Abstract nennt 51,4 %); Zahl allein bei 2, Beweglichkeit allein bei 7, beides bei 4; die Autoren sehen Clomifen nicht als erste Wahl [s251]. Takagi et al. (japanisch): 22 Männer mit Oligozoospermie und 14 mit „subnormaler“ Zahl (20 bis 30 Mio/ml), Clomifen 25 mg täglich, mindestens drei Monate; das Transferrin im Seminalplasma stieg bei 6 Männern (16,7 %) auf mehr als das 1,5-Fache; das Serum-FSH der Männer mit anhaltend erhöhtem Transferrin lag bei 32,8 ± 18,0 mIE/ml gegenüber 14,4 ± 11,7 in der übrigen Gruppe [s261]. Beide ohne Kontrollgruppe.
Anno et al. 2026 (Int J Urol) [s04] und Wren et al. 2025 [s66]. Anno et al.: retrospektive japanische Kohorte, 54 Männer (44,2 ± 0,9 Jahre) mit Symptomen eines Spätformhypogonadismus, Clomifencitrat 50 mg jeden zweiten Tag bis zu einem Jahr; das Testosteron stieg und blieb über das Jahr erhöht, die Symptomwerte sanken, keine Nebenwirkungen; Samenparameter wurden nicht berichtet [s04]. Wren et al.: zehn Männer mit symptomatischem Hypogonadismus nach Chemotherapie bei Hodentumor; Clomifen war mit einem mittleren Testosteronanstieg von 273 ng/dl bei mittlerer Nachbeobachtung von 52,5 Monaten verbunden, ohne Nebenwirkungen, Rezidiv oder falsch positives beta-hCG [s66].
Enclomiphen. Enclomiphen (der trans-Isomer des Clomifens) wurde vor allem bei sekundärem Hypogonadismus untersucht, mit Spermienzahlen als Sicherheitsmaß. Kaminetsky et al. 2013 (randomisiert, offen, zwei Zentren, 12 Männer): nur unter Enclomiphen stiegen LH und FSH, die Spermienzahlen lagen bei 7 von 7 Männern nach drei Monaten bzw. 6 von 6 nach sechs Monaten bei 75 bis 334 Mio./ml; unter Testosterongel hob die Konzentration bei keinem von fünf Männern nach drei Monaten über 20 Mio./ml [s223]. Wiehle et al. 2013: einfachblinde Phase-II-Studie, 48 Männer, drei Enclomiphen-Dosen (6,25, 12,5, 25 mg) gegen Testosterongel; nach sechs Wochen mittleres Testosteron 604 ± 160 ng/dl unter 25 mg gegenüber 500 ± 278 ng unter Gel (p = 0,23) [s225]. Wiehle et al. 2014: randomisierte Phase-II-Studie; Enclomiphen erhöhte Testosteron, E2 und LH ähnlich wie Gel, die Spermienzahlen blieben erhalten [s214]. Kim et al. 2016: zwei parallele randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-III-Studien an übergewichtigen Männern (18 bis 60 Jahre) mit sekundärem Hypogonadismus (Testosteron höchstens 300 ng/dl, LH unter 9,4 IE/l), 16 Wochen: Testosteron stieg in allen Gruppen, FSH und LH stiegen unter Enclomiphen und sanken unter Gel; unter Enclomiphen blieb die Konzentration im Normbereich, unter Gel kam es zu deutlicher Abnahme der Spermatogenese [s195]. Thomas et al. 2023 (retrospektiv, 46 Männer unter Enclomiphen, 32 unter Clomifen, mindestens drei Monate): Testosteron stieg in beiden, FSH und LH nur unter Enclomiphen; Volumen und Konzentration änderten sich in keiner Gruppe signifikant; die TMSC stieg nur unter Enclomiphen [s103]. Saffati et al. 2024 (retrospektiv, 66 Männer, erst Clomifen, dann Enclomiphen): Testosteronanstieg 166 gegenüber 98 ng/dl (P = 0,20), Estradiol-Änderung −5,92 gegenüber +17,50 pg/ml (P = 0,001), seltenere unerwünschte Wirkungen unter Enclomiphen (OR 0,18; CI 0,07 bis 0,44) [s88]. Übersichten von Earl und Kim 2019 [s169] und Hochu et al. 2025 [s43] beschreiben Enclomiphen als Option mit Erhalt der Fertilität bei Testosteronmangel und weisen auf Zulassungsprobleme bzw. fehlende Langzeitdaten hin; ein Autor von [s169] war an Enclomiphen-Studien beteiligt (vgl. [s195]). Für die Einordnung wichtig: Diese Studien belegen den Erhalt von Spermienzahlen gegenüber Testosterongel, nicht eine Verbesserung bei infertilen Männern.
Sicherheitsbefunde zu SERMs. Sun et al. 2020 beschreiben einen 32-jährigen Mann mit NOA, der vier Monate lang täglich 20 mg Tamoxifen genommen hatte und eine tiefe Beinvenenthrombose bekam; der Fallbericht belegt keine Häufigkeit [s161]. Fietz et al. 2020: Fallbericht eines 33-jährigen azoospermen Mannes nach wiederholter TESE und Clomifen 50 mg/Tag über sechs Monate mit ungewöhnlicher Histologie (linksseitig in über 70 % der Tubuli kein Lumen, zahlreiche spermatogonienähnliche proliferierende Zellen, gestörte Blut-Hoden-Schranke); die Autoren vermuten einen Zusammenhang mit der Clomifenvorbehandlung, ein Beleg ist das nicht [s155]. Tadisina et al. 2026 (US-Veteranenverwaltung, 364 976 Patienten mit Hypogonadismus oder Infertilität, nach Matching je 2518 mit Clomifen oder Testosteron): unter Clomifen seltener neue Diagnosen von Hypertonie (6,04 % gegenüber 10,48 %), Schlaganfall (0,52 % gegenüber 1,43 %) und Polyzythämie (1,07 % gegenüber 2,22 %), Gesamtmortalität 1,83 % gegenüber 10,13 %; wegen Indikationsverzerrung und der Größe des Mortalitätsunterschieds ist das als Assoziation zu lesen, ein Fertilitätsendpunkt fehlt [s31]. Clift et al. 2026: 6999 Männer mit Testosteronmangel unter fertilitätsschonenden Strategien (6364 hCG plus Testosteron, 552 Clomifen plus Testosteron, 83 Clomifen allein); Testosteron stieg in allen Gruppen, Clomifen allein erhöhte LH und FSH nach sechs Monaten; keine Spermaendpunkte, sehr ungleiche Gruppen [s09].
Verordnungspraxis. Eine nationale Online-Befragung türkischer Urologen (1558 eingeladen, 421 antworteten, 402 ausgewertet) ergab, dass 39,3 % Clomifen verwenden (Privatpraxis OR 2,90, Berufserfahrung OR 2,18, höheres Infertilitätsvolumen OR 2,27); Patientenauswahl, Dosierung, Überwachung und Erfolgsdefinition waren sehr uneinheitlich, 31,6 % klärten nicht routinemäßig über Risiken auf; die Antwortquote lag bei 27,0 % [s05]. Die Studie sagt etwas über die Praxis, nichts über die Wirksamkeit. Eine taiwanische Kohorte von 3147 infertilen Männern mit normaler Konzentration zeigt eine Diagnostiklücke: 77,2 % erhielten keine Hormonuntersuchung (100 % bei Urologen mit Fellowship in männlicher Unfruchtbarkeit, 23,2 % bei allgemeinen Urologen, 1,2 % bei Gynäkologen); von 718 untersuchten Männern hatten 24,1 % ein niedriges Testosteron (unter 300 ng/dl), prädiktiv waren höherer BMI (OR 1,083) und niedrigeres Estradiol (OR 0,956) [s26].