Aromatasehemmer (Letrozol, Anastrozol, Testolacton)
Metaanalysen und Übersichten. Del Giudice et al. 2020 (Metaanalyse über acht Originalarbeiten der letzten 30 Jahre): Steroidale (Testolacton) und nichtsteroidale Hemmer (Anastrozol, Letrozol) verbesserten nach Aussage der Autoren alle bewerteten Hormon- und Spermaparameter bei sicherem Verträglichkeitsprofil; Zahlen nennt der Abstract nicht, die Autoren fordern prospektive placebokontrollierte multizentrische Studien [s153]. Guo et al. 2022 (Andrology; zehn Studien, 666 Patienten mit niedrigem T/E2-Quotienten; Suche auch in CNKI, VIP, CBM und Wanfang bis August 2021): Gegenüber dem Ausgangswert stiegen Konzentration, Gesamtzahl, LH, FSH, Testosteron und T/E2, E2 sank; gegenüber Kontrollen (SERM oder hCG) fand sich kein signifikanter Effekt auf Konzentration, Beweglichkeit oder Morphologie, nur eine geringere Wirkung auf die Beweglichkeit (WMD −2,55; CI −4,11 bis −1,00; p = 0,001). Die Autoren erwähnen, dass ein Absetzen 2 bis 7 Tage vor der Spermiengewinnung die Befruchtungsrate erhöhen könne. Die Studien sind überwiegend Vorher-nachher-Vergleiche und klein [s111]. Dutta et al. 2022 (Hypogonadismus bei Adipositas und Alter, nicht bei Infertilität): drei randomisierte Studien (118 Patienten) und drei unkontrollierte (52 Patienten); Gesamttestosteron stieg stärker nach drei Monaten (MD 7,08 nmol/l; CI 5,92 bis 8,24), sechs Monaten (MD 6,61) und zwölf Monaten (MD 5,20); Estradiol sank, LH stieg; unerwünschte Ereignisse RR 1,48 (CI 0,47 bis 4,66), schwere RR 2,48 (CI 0,42 bis 14,66); die Knochendichte der Lendenwirbelsäule war nach sechs Monaten niedriger (MD −0,04 g/cm²; CI −0,08 bis −0,01; P = 0,03), nicht an Hüfte und Schenkelhals. Keine Spermaendpunkte [s109]. Yang et al. 2021 (Hum Reprod Update, narrative Übersicht): Nichtsteroidale Hemmer hemmten Estradiol und dessen Rückkopplung, erhöhten Testosteron und FSH und verbesserten Samenparameter; Polymorphismen von CYP19A1 beeinflussten Hormonprofile und Erfolg; Nebenwirkungen meist mild; die Anwendung erfolge seit Jahrzehnten off-label und empirisch, große randomisierte Studien fehlten [s144]. Çayan et al. 2024: Aromatasehemmer könnten bei einem Testosteron/Estradiol-Verhältnis (ng/ml zu pg/ml) unter 0,10 die Spermatogenese verbessern [s76]. Bandura et al. 2026: Testosteronanstiege unter Aromatasehemmern entwickelten sich rasch, erreichten eine Obergrenze und kehrten meist nach dem Absetzen zurück; Aromatasehemmer sollten nicht als allgemeine Testosteron-Wiederhersteller betrachtet werden [s06]. Zwei weitere Übersichten bleiben ohne neue Zahlen: Die eine bezeichnet die Literatur zu SERMs und Aromatasehemmern bei funktionellem Hypogonadismus als „eher spärlich“ [s67], die andere (überwiegend zu Frauen) nennt Letrozol als möglichen Ansatz bei männlicher Infertilität unbekannter Ursache [s115].
Randomisierte und kontrollierte Studien.
Sun et al. 2026 (JAMA Netw Open) [s30]. Multizentrische (10 chinesische Zentren), offene, bewerterverblindete randomisierte Studie, Juli 2023 bis März 2024; Männer mit spermatogenem Versagen (NOA, Kryptozoospermie oder schwere Oligozoospermie), 296 Teilnehmer (30,2 ± 3,9 Jahre; 218 [73,6 %] NOA). 147 erhielten Letrozol 2,5 mg täglich plus Vitamine C und E, 149 Vitamine C und E allein, drei Monate; 247 (83,4 %) beendeten die Studie, alle 296 gingen in die Primäranalyse. Primärer Endpunkt, der Aufstieg in eine höhere WHO-Konzentrationskategorie nach drei Monaten: 14,3 % (21/147) gegenüber 5,4 % (8/149); Risikodifferenz 9,2 % (CI 2,5 % bis 15,8 %; P = 0,01); gemeinsame OR 2,65 (CI 1,28 bis 5,47; P = 0,008); ebenso häufiger der Aufstieg in der niederländischen TMSC-Kategorie. Letrozol erhöhte Gonadotropine und Testosteron und senkte Estradiol; ein signifikanter Gruppenunterschied bei den Spermaparametern selbst bestand nicht. Verminderte Libido trat unter Letrozol häufiger auf (18 [12,2 %] gegenüber 8 [5,4 %]; P = 0,04). Registrierung ChiCTR2300073861. Stärken: größte randomisierte Studie zu Aromatasehemmern am Mann, multizentrisch, registriert, bewerterverblindet, Intention-to-treat. Schwächen: offene Gabe, aktiver Kontrollarm (Vitamine statt Placebo), nur drei Monate, kein Schwangerschafts- oder Lebendgeburtsendpunkt, überwiegend NOA, bei sehr niedrigen Ausgangswerten verschieben schon kleine absolute Änderungen die Kategorie, 16,6 % ohne Studienabschluss.
Ullur et al. 2025 (J Hum Reprod Sci) [s65]. Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie (August 2021 bis Juli 2023, tertiäres Zentrum), Männer von 21 bis 45 Jahren mit mittel- bis schwergradiger Oligoasthenoteratozoospermie; 54 randomisiert (im Abstract 28 Letrozol, 24 Placebo, zusammen 52). Nach drei Monaten stieg gegenüber Placebo die Gesamtzahl um 4,4 (2,8; 8,8) Mio. pro Ejakulat, die Konzentration um 3,2 (1; 4,4) Mio./ml, die progressive Beweglichkeit um 5,8 ± 7,3 % (P = 0,001); FSH +6,8 ± 5,5 mIE/ml, LH +6,3 ± 3,3 IE/l, Testosteron +193,3 ± 130 ng/dl, Estradiol −17,6 ± 7,9 pg/ml, T/E-Verhältnis +18,4 ± 8,8; leichte Nebenwirkungen (Kopfschmerz, Übelkeit). Ein Zentrum, drei Monate, keine Schwangerschaften berichtet, absolute Änderungen klein.
Fadhil et al. 2023 (F1000Research, Irak) [s97]. Randomisierte, offene Zweiarmstudie (NCT05847257), 67 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie: Letrozol 2,5 mg zweimal wöchentlich (n = 29) gegen Letrozol plus Coenzym Q10 400 mg täglich (n = 38), drei Monate. In beiden Gruppen stiegen Konzentration, Normalmorphologie, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Testosteron, FSH und T/E2, Estradiol sank; das Volumen änderte sich nur in Gruppe A; im Gruppenvergleich unterschieden sich alle Parameter außer Beweglichkeit und FSH. Ohne Placebo- oder Nullgruppe ist die Verbesserung unter Letrozol allein nicht vom Spontanverlauf trennbar; ungleiche Gruppen; keine Schwangerschaftsdaten; der Abstract nennt keine Zahlenwerte.
Cavallini et al. 2011 (Asian J Androl) [s232]. Kurzbericht: Vier NOA-Männer mit normalem FSH, ohne Varikozele oder Chromosomenveränderung, erhielten Letrozol 2,5 mg/Tag für drei Monate; alle hatten während der Gabe Spermien im Ejakulat, erhöhte Gonadotropine und Testosteron, niedrigeres Estradiol. n = 4, keine Kontrolle. Die AUA/ASRM-Leitlinie erwähnt eine spätere doppelblinde randomisierte Studie mit Spermien im Ejakulat bei allen Letrozol-Männern, aber bei keinem Placebo-Mann [s138]; diese Studie wurde nicht einzeln abgerufen.
Beobachtungsstudien zu Anastrozol und Letrozol.
Naelitz et al. 2023 (Fertil Steril) [s102]. Multizentrische retrospektive Kohorte, 90 infertile Männer, Anastrozol (mediane Dosis 3 mg/Woche). 46 % (41/90) stiegen in der WHO-Konzentrationskategorie auf, 12 % (11/90) fielen ab; 29 % (26/90) wurden normozoosperm; 31 % (20/64) der zuvor nicht IUI-fähigen Männer erreichten IUI-Eignung. Responder hatten niedrigeres LH (4,7 gegenüber 8,3 IE/l) und FSH (4,7 gegenüber 6,7 IE/ml), höheres Testosteron (356 gegenüber 265 ng/dl), höhere Ausgangskonzentration (3,6 gegenüber 0,3 Mio./ml) und TMSC (3,7 gegenüber 0,1 Mio.). BMI, Ausgangs-E2 und E2-T-Quotient waren nicht mit dem Aufstieg verbunden; multivariat: T-LH-Quotient OR 1,02 (CI 1,00 bis 1,03), Nicht-Azoospermie bei Beginn OR 9,4 (CI 1,1 bis 78,9); AUC 0,77. Azoosperme Männer sprachen selten an. Keine Kontrollgruppe.
Yang et al. 2022 (Transl Androl Urol) [s121]. Retrospektiv, 105 subfertile Männer, Anastrozol 1 mg täglich über drei Monate; 62 mit T/E2 unter 10, 43 mit T/E2 über 10. In beiden Gruppen stiegen FSH, LH, Testosteron, T/E2, Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, progressive Beweglichkeit und die Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien; die Änderungen waren zwischen den Gruppen vergleichbar, auch bei Übergewicht kein Unterschied; einzelne azoosperme und kryptozoosperme Männer besserten sich. Dass Männer mit normalem T/E2 gleich reagieren, stellt die Auswahl nach T/E2 infrage, bleibt ohne Kontrolle aber unbelegt.
Shah et al. 2021 (Transl Androl Urol) [s139]. Retrospektiv, 30 hypogonadale, subfertile Männer mit BMI von mindestens 25 kg/m² unter Anastrozol 1 mg täglich; nach fünf Monaten FSH 4,8 → 7,6 IE/l, LH 3,4 → 5,4 IE/l, Testosteron 270,6 → 412 ng/dl, T/E2 9 → 26,5, E2 32 → 15,9 pg/ml, Konzentration 7,8 → 14,2 Mio./ml, TMC 12,6 → 17,7 Mio., strikte Morphologie 3,0 → 3,5 %; klinische Schwangerschaftsrate 46,6 % (14/30), davon 71,4 % (10/14) per IVF, 14,2 % (2/14) per IUI und 14,2 % (2/14) natürlich. Keine Kontrolle; die Schwangerschaften entstanden überwiegend nach assistierter Reproduktion.
Osadchiy et al. 2024 (Transl Androl Urol) [s87]. Multizentrisch retrospektiv: 21 Männer unter Anastrozol plus Clomifen, 69 unter Anastrozol allein, mediane Nachbeobachtung 91 Tage. Normozoospermie nach Behandlung 43 % gegenüber 25 %; TMSC 11,3 gegenüber 2,1 Mio. (P = 0,03); keine signifikanten Hormonunterschiede. Kleine Kombinationsgruppe, nicht randomisiert; die Autoren selbst sprechen von „bescheidenen Vorteilen“.
Başar und Tuğlu 2009 (Turk J Med Sci) [s241]. Einarmige Vorher-nachher-Studie (Türkei), 32 Männer mit Spermienzahl über 5 Mio./ml und T/E unter 0,14, Anastrozol 1 mg zweimal täglich, Kontrolle nach zwei Monaten: Spermienzahl 12,4 ± 4,1 → 22,3 ± 5,7 Mio./ml, Beweglichkeit 33,4 ± 4,2 → 47,6 ± 7,4 %, Normalmorphologie 5,4 ± 1,3 → 8,9 ± 2,7 % (jeweils P < 0,05). Keine Kontrolle, zwei Monate, keine Schwangerschaftsdaten.
Saylam et al. 2011 (Fertil Steril) [s234]. Klinische Studie zu Letrozol bei infertilen Männern mit erniedrigtem T:E2; im Abstract nur: Alle Spermaparameter stiegen, Letrozol könne bei niedrigem T:E2 wirksam sein; keine Zahlen.
Ahmadi-Asrbadr et al. 2022 (Tabriz) [s106]. 15 adipöse Männer mit idiopathischer Infertilität, drei Gruppen (Letrozol 2,5 mg täglich, hCG 5000 IE zweimal wöchentlich, Kombination); alle Werte änderten sich gegenüber vorher, die Kombination „deutlich günstiger“; fünf Männer pro Gruppe, keine Zahlen im Abstract.
Fallberichte und Serien bei Jugendlichen. Ein Mann mit kleinen Hoden, erhöhtem FSH und per Biopsie gesicherter Hypospermatogenese zeigte nach drei Monaten Letrozol eine normale Spermatogenese (Einzelfall) [s216]. Yu et al. 2020: 12 männliche Jugendliche mit Störungen der Geschlechtsentwicklung, Letrozol 1,25 bis 2,5 mg täglich; nach einem halben Jahr stiegen LH, FSH und Testosteron; bei 8 Patienten wurde Samen untersucht, bei 3 mit Hypospadie fanden sich Spermien [s163]. Dai et al. 2026: zehn Männer, die als Jugendliche wegen Kleinwuchses mit einem Aromatasehemmer behandelt worden waren (medianes Alter bei Beginn 12,7 Jahre, mediane Dauer 1,93 Jahre); neun gaben Proben ab: mediane Konzentration 78,99 Mio/ml (Spanne 16,93 bis 223,88), mediane Akrosomintegrität 75,71 %, medianer DFI 15,39 %, alle Hormonwerte normal [s11]. Das ist eine Sicherheitsfrage (Fruchtbarkeit nach Aromatasehemmer im Jugendalter), keine Behandlung der Unfruchtbarkeit; zehn Teilnehmer, keine Kontrolle, Selbstauswahl.
FSH und menotrope Gonadotropine bei idiopathischer Infertilität
Metaanalysen.
Santi, Granata und Simoni 2015 (Endocr Connect) [s205]. Metaanalyse kontrollierter Studien (Randomisierung war kein Einschlusskriterium) zu FSH gegen Placebo oder keine Behandlung: 15 Studien mit 614 behandelten und 661 Placebo- oder unbehandelten Männern (acht rekombinantes, sieben gereinigtes FSH). Spontane Schwangerschaften (neun Studien): OR etwa 4,5 (CI 2,17 bis 9,33); Schwangerschaft nach assistierter Reproduktion (acht Studien): OR 1,60 (CI 1,08 bis 2,37); beide Teilgruppen blieben nach FSH-Präparat signifikant. Konzentration (elf Studien) +2,66 Mio./ml (CI 0,47 bis 4,84); Konzentration progressiv beweglicher Spermien +1,22 Mio./ml (CI −0,07 bis 2,52, nicht signifikant); Hodenvolumen +1,35 ml (CI −0,44 bis 3,14, nicht signifikant). Stärke: Schwangerschaft als klinischer Endpunkt. Schwächen: Heterogenität, hohes Verzerrungsrisiko, keine genauen Kriterien für den FSH-Einsatz (so die Autoren), nicht randomisierte Studien eingeschlossen.
Attia, Abou-Setta und Al-Inany 2013 (Cochrane) [s217] und Attia et al. 2007 [s245]. Sechs randomisierte Studien mit 456 Teilnehmern (Suche ohne Sprachbeschränkung bis 14. Januar 2013). Lebendgeburtenrate pro Paar 27 % gegenüber 0 % (Peto-OR 9,31; CI 1,17 bis 73,75; eine Studie, 30 Teilnehmer; Evidenz sehr niedriger Qualität); spontane Schwangerschaftsrate pro Paar 16 % gegenüber 7 % (Peto-OR 4,94; CI 2,13 bis 11,44; fünf Studien, 412 Teilnehmer; I² = 0 %; Evidenz mäßiger Qualität). Bei ICSI oder IUI kein signifikanter Unterschied. Fehlgeburtsraten wurden nicht berichtet, Daten zu unerwünschten Ereignissen waren spärlich. Die Autoren sehen ermutigende vorläufige Daten, aber unzureichende Evidenz. Die Vorgängerfassung von 2007 fand in vier randomisierten Studien mit 278 Teilnehmern eine Schwangerschaft innerhalb von drei Monaten nach Therapieende mit OR 4,17 (CI 1,30 bis 7,09); keine Studie berichtete Lebendgeburten oder Fehlgeburten [s245]. Die Lebendgeburt stützt sich auf eine einzige Studie, das Intervall reicht über fast zwei Größenordnungen.
Zhang et al. 2022 (Andrologia) [s123]. Metaanalyse aus China: 12 randomisierte Studien und eine retrospektive Fall-Kontroll-Studie, zusammen 924 Personen mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie. FSH gegenüber keiner FSH-Gabe: Gesamtspermienzahl MD 17,75 (CI 11,53 bis 23,98), Konzentration MD 4,52 (CI 1,46 bis 7,58), Normalformen MD 2,87 (CI 0,19 bis 5,56), DFI MD −12,62 (CI −19,27 bis −5,97); übrige Parameter nicht signifikant. Heterogenität, Dosis, Dauer und Einheiten sind aus dem Abstract nicht ersichtlich, Schwangerschaftsraten fehlen.
Szabó et al. 2025 (Sci Rep) [s63]. Metaanalyse zur Spermien-DNA-Fragmentation nach Interventionen: 86 Arbeiten mit mehr als 8000 Patienten. Unter FSH sank die SDF nach drei Monaten um −6,66 Prozentpunkte (CI −9,64 bis −3,69); zum Vergleich Varikozelenoperation −6,74, Antioxidantien −4,27, Lebensstil −3,24. Gepoolt wurden Änderungen gegenüber dem Ausgangswert, nicht nur Vergleiche mit Kontrollgruppen.
Narrative Übersichten. Grande et al. 2024: Die FSH-Therapie sei an FSH-Werte unter 8 IE/l und nicht obstruktive Verhältnisse gebunden; die Wirksamkeit sei begrenzt, etwa 10 bis 18 Männer müssten behandelt werden, um eine Schwangerschaft zu erreichen, etwa 50 % seien Nichtresponder [s79]. Santi et al. 2022: 21 klinische Studien und vier Metaanalysen zeigten insgesamt höhere Schwangerschaftsraten unter FSH, eine pauschale Verordnung sei aber nicht durch klinische Evidenz gedeckt; eine landesweite italienische Praxisbefragung zeige die Neigung zur FSH-Verordnung bei beeinträchtigtem Sperma [s118]. Santi et al. 2025 und Graziani et al. 2026: Die genetische Bestimmung von FSHB und FSHR wird nur für Forschungszwecke empfohlen, die Daten seien nicht schlüssig und teils widersprüchlich [s56, s18]. Esteves und Humaidan 2026 plädieren dafür, die empirische Verordnung oraler Substanzen durch phänotypbasierte Gonadotropintherapie (APHRODITE-Schema) zu ersetzen, und beschreiben die Wirksamkeit von SERMs und Aromatasehemmern als „begrenzt“ [s13]. Fast alle diese Arbeiten stammen aus zwei Forschergruppen (um Esteves bzw. Santi und Ferlin); Interessenerklärungen stehen nicht in den Abstracts. Weitere französische und italienische Übersichten: Gulino et al. 2014 sehen Antiöstrogene als früher wichtigste Option bei idiopathischer Infertilität [s210]; Coppola 1997 sah bei Clomifen und Tamoxifen „keinen besonderen Vorteil“ und zufriedenstellende Ergebnisse der Gonadotropine nur bei sekundärem Hypogonadismus [s255].
Randomisierte und kontrollierte Studien.
Ding et al. 2015 (Clin Endocrinol) [s200]. Prospektive, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an drei medizinischen Zentren in China, 354 Männer mit idiopathischer Oligozoospermie; rhFSH in vier Dosierungen (50, 100, 200, 300 IE), Auswertung nach 2, 3, 4 und 5 Monaten und nach Inhibin-B-Gruppen. Die Spermienzahl stieg bei Dosen von mindestens 200 IE ab dem dritten Monat; Morphologie und Vorwärtsbeweglichkeit besserten sich ab dem fünften Monat. 300 IE über fünf Monate erhöhten die spontane Schwangerschaftsrate (12 von 40 gegenüber 2 von 29 unter Placebo) und die Schwangerschaftsrate nach assistierter Reproduktion (14 von 28 gegenüber 5 von 27). Die Parameter besserten sich bei normalem und niedrigem Inhibin B, nicht bei hohem. Stärken: größte placebokontrollierte FSH-Studie im Material, Dosis- und Zeitabhängigkeit, Schwangerschaftsendpunkt. Schwächen: Untergruppen klein, viele Vergleiche ohne genannte Korrektur, keine Lebendgeburten; die AUA/ASRM bewertete die Studie für Schwangerschaftsraten als „nicht eindeutig“ [s138].
Zhao et al. 2019 (Andrologia) [s178]. Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie bei idiopathischer Oligozoospermie, hCG/hMG oder Placebo für drei Monate (Gruppengröße im Abstract nicht genannt). Konzentration, Vorwärtsbeweglichkeit, TMSC, Normalformen und spontane Schwangerschaftsrate besserten sich bei mittlerem und höherem Inhibin B, DFI und Spermatidenkonzentration sanken dort; bei niedrigem Inhibin B zeigten sich keine Unterschiede. Die Inhibin-B-Untergruppen könnten nachträglich definiert sein.
Verdi et al. 2021 (Int J Fertil Steril) [s142]. Randomisierte Studie (IRCT20170923036334N2), 40 oligozoosperme Männer vor ICSI: 20 rhFSH für drei Monate, 20 ohne Behandlung. Unter rhFSH stiegen FSH, LH, Testosteron und Prolaktin, die Spermaparameter waren gegenüber der Kontrolle besser, DNA-Schädigung, Protamindefizit und Chromatinunreife geringer; mehr Embryonen der Qualität A; die höhere Schwangerschaftsrate war nicht signifikant. Offen, ohne Zahlen im Abstract.
Tahmaz et al. 2001 (Türk Üroloji Dergisi) [s250]. Kontrollierte Studie, 61 Männer mit idiopathischer Oligozoospermie (Kandidaten für assistierte Reproduktion) gegen 45 Kontrollen; FSH 150 IE dreimal wöchentlich über zwei Monate. Bei allen Behandelten besserten sich die Parameter, signifikant Zahl und Morphologie. Schwangerschaft bei 15 von 61 Männern, davon drei spontan und zwölf durch assistierte Reproduktion; in der Kontrollgruppe sieben Schwangerschaften durch assistierte Reproduktion, zwei davon endeten mit Abort. Ein p-Wert ist nicht genannt, das Zuteilungsverfahren unklar.
Zagarskikh et al. 2014 (Urologiia) [s215]. Männer mit normogonadotroper Infertilität (Zahl im Abstract nicht genannt): Standardbehandlung mit Multivitaminen plus Follitropin alfa (Gonal-f) und UV-Blutbestrahlung gegen Standardbehandlung; Testosteron stieg, Prolaktin und FSH fielen, signifikant mehr aktive Spermien; die Vermengung zweier Interventionen verhindert eine Aussage zum FSH-Anteil.
Zhao et al. 2023 (Zhonghua Nan Ke Xue) [s105]. 114 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie, Xuanju-Kompaktkapsel plus Urofollitropin (75 IE alle drei Tage; n = 53) gegen Urofollitropin allein (n = 61), zwölf Wochen. In beiden Gruppen stiegen Konzentration, progressive Beweglichkeit, Testosteron, FSH und LH signifikant, in der Kombination zusätzlich stärker. Es fehlt eine unbehandelte oder Placebo-Kontrolle, die Zuteilung ist nicht als randomisiert beschrieben.
Varikozele-Studien mit Gonadotropinen. Amirzargar et al. 2012: 113 Männer nach Varikozelenoperation, vier Gruppen über drei Monate: hCG 5000 IE wöchentlich (A), HMG 75 IE dreimal wöchentlich (B), rhFSH 75 IE dreimal wöchentlich (C), keine Behandlung (D). Schwangerschaftsraten 32 % (A), 57 % (B), 62,5 % (C), keine in D; nur unter rhFSH Konzentrationen über 20 Mio./ml (p = 0,027) [s226]. Babak et al. 2018: 188 infertile Männer mit Varikozele nach offener Operation, hCG 5000 IE wöchentlich für drei Monate (n = 91) gegen Operation allein; die Spermaparameter besserten sich nach sechs Monaten in beiden Gruppen ohne Überlegenheit, die Schwangerschaft nach zwei Jahren lag bei 56 Paaren (61,5 %) mit hCG gegenüber 22 Paaren (22,7 %) ohne (P = 0,0001) [s179]. Beide Studien haben kleine Gruppen bzw. keine Verblindung im Abstract; Schwangerschaften hängen von der Partnerin und assistierter Reproduktion ab. Die Metaanalyse von Shoaib et al. 2025 (sieben randomisierte Studien, 926 Männer, Suche bis Dezember 2019) berechnet für hCG nach Varikozelenoperation eine Schwangerschafts-OR von 34,49 (CI 1,88 bis 632,45), für hCG-Kombinationen bei Oligospermie 2,91 (CI 1,57 bis 5,38) und bei schwerer Hodenschädigung 5,13 (CI 0,27 bis 98,56); für HH wurde keine Schwangerschaftsrate berichtet; begrenzte Evidenz für hCG, keine überzeugende für Kombinationen [s59].
Beobachtungsstudien zu FSH. Aljuhayman et al. 2020 (retrospektiv, 32 Männer mit schwerer Oligospermie unter 5 Mio./ml): 75 IE (n = 16) oder 150 IE (n = 16) zweimal wöchentlich über vier Monate; mittlere Zahl 1,235 → 4,745 Mio./ml bzw. 0,578 → 1,516 Mio./ml, Ausgangswerte unterschiedlich, kein Kontrollarm [s147]. De Rocco Ponce et al. 2020 (retrospektive Fall-Kontroll-Studie, 147 asthenozoosperme Männer): 97 mit Biosimilar-FSH 150 IE dreimal wöchentlich über drei Monate, 50 ohne Behandlung; höhere Konzentration, Gesamtzahl, TMSC und Beweglichkeit, geringere DNA-Fragmentation und höhere Schwangerschaftsrate (sechs Monate Nachbeobachtung) unter Behandlung, Zahlen fehlen im Abstract [s152]. Condorelli et al. 2021 (retrospektiv, 48 Männer): 75 IE täglich (n = 24) gegen 150 IE dreimal wöchentlich (n = 24) über drei Monate; beide Schemata verbesserten konventionelle Parameter und senkten die DNA-Fragmentation, die Konzentration stieg nur in Gruppe A signifikant, Responderanteil 8/24 gegenüber 6/24 [s128]. Mongioì et al. 2020 (prospektiv, 42 Männer, Urofollitropin 150 IE dreimal wöchentlich über 16 Wochen): FSH habe die Parameter „bei etwa der Hälfte“ verbessert; die FSHR-Genotypen unterschieden Responder und Nichtresponder nicht [s159]. Cannarella et al. 2024 (prospektiv kontrolliert, 74 normogonadotrope oligozoosperme Nichtresponder, Wechsel zwischen hochgereinigtem und rekombinantem FSH nach drei Monaten Pause): Schwangerschaften nach dem zweiten Zyklus in Gruppe 1 acht Paare (36,4 %), Gruppe 2 vier (18,2 %), Gruppe 3 eines (6,7 %), Gruppe 4 zwei (13,3 %); p = 0,04; die Teilnehmer waren Nichtresponder (Regression zur Mitte möglich) [s75]. Guedes et al. 2025 (randomisierte Mechanismusstudie, 33 vorübergehend medikamentös kastrierte junge Männer, 16 mit rekombinantem FSH 300 IE dreimal wöchentlich über fünf Wochen): unter FSH höhere Entzündungs- und Immunproteine, niedrigere Apolipoproteine, höheres Cholesterin und Glycerophospholipide; ein Hinweis auf extragonadale FSH-Effekte ohne Fertilitätsendpunkt [s41]. Namiki et al. 1988 (japanisch): Bei 14 Männern ohne nachweisbare hochaffine FSH-Rezeptoren im Hoden stieg die Spermienzahl nach hMG-hCG meist nicht, von 34 Männern mit Rezeptoren sprachen 23 an; Männer mit mittlerem oder hohem Johnsen-Score sprachen häufiger an [s262].
hCG, Testosteron und Wiederherstellung nach Testosterongabe
hCG bei Hypogonadismus und Oligozoospermie. Andrabi et al. 2022 (einarmig, 56 hypogonadale oligozoosperme Männer, hCG 250 µg wöchentlich subkutan, ca. 6500 IE, 3 bis 6 Monate): 47 (83,93 %) sprachen an, 9 nicht; höherer BMI bei Respondern (28,09 ± 3,48 gegenüber 25,33 ± 3,06), längere Therapiedauer bei Nichtrespondern; Konzentration (p = 0,006) und Zahl (p = 0,005) stiegen nach drei Monaten, die Beweglichkeit nicht signifikant; die Responderdefinition („positive Änderung“) ist niedrigschwellig [s107]. Aydogdu et al. 2013 [s218], Çelik et al. 2021 [s126] und Shiraishi et al. 2021 [s140] berichten hCG-Behandlung bei HH mit Endpunkten Stoffwechsel, Erektion und Lebensqualität statt Spermien: unter hCG stieg das Hodenvolumen, unter Testosteron verursachte die Behandlung in [s140] fortschreitende Hodenatrophie.
Erholung nach Testosteron oder Anabolika. Kohn et al. 2017 (retrospektiv, 66 Männer mit Infertilität nach Testosteron, Absetzen, hochdosiertes hCG plus SERM): 46 (70 %) erreichten innerhalb von 12 Monaten eine TMC über 5 Mio.; höheres Alter und längere Testosterondauer verzögerten die Erholung; nur 64,8 % der azoospermen gegenüber 91,7 % der kryptozoospermen Männer erreichten nach 12 Monaten eine TMC über 5 Mio.; die spontane Erholung nach dem Absetzen ist Teil des Effekts [s187]. Stocks et al. 2025 (retrospektiv, 77 Männer mit früherer Testosterontherapie, hCG 3000 IE plus FSH 75 IE dreimal wöchentlich): 74 % verbesserten die Konzentration, ohne Unterschied zwischen Männern ohne (n = 50) und mit weitergeführter Testosterontherapie (n = 27) [s62]. Smit et al. 2025 (19 Männer in einer Harm-Reduction-Klinik, die nicht verschriebene Androgene weiter nahmen und hCG erhielten, 3 bis 6 Monate): mittlere Gesamtzahl 18,0 → 146,9 Mio.; TMSC 1,1 → 66,9 Mio.; Anteil mit normaler TMSC 5 % → 58 %; einige blieben oligo- oder azoosperm [s61]. Bang et al. 2013 (acht Männer nach Testosteronundecanoat, Azoospermie nach median 8 Monaten): nach dem Absetzen normalisierten sich Konzentration und FSH nach median 8,5 Monaten [s219]. Song et al. 2019 (20 Männer, davon 8 azoosperm, 9 kryptozoosperm; drei ART-Programme mussten abgebrochen werden): Normalisierung nach Absetzen nach median 8 Monaten [s175]. Rozhivanova et al. 2025 (russisch, 53 Männer mit Hypogonadismus, über fünf Jahre beobachtet; 19 Androgenersatz, 34 Testosteron plus Choriongonadotropin): Unter Androgenersatz sank die Konzentration signifikant, unter Testosteron/hCG nicht; Beweglichkeit und Morphologie verschlechterten sich in beiden Gruppen [s55]. Übersichten: Liberto et al. 2025 [s51], Hashimi et al. 2025 (Absetzen und Beobachtung, bei persistierender Azoospermie hCG, FSH und SERMs; kontrollierte Langzeitstudien fehlten) [s42], Fink et al. 2021 und 2024 [s129, s78], El Meliegy et al. 2018 (PRISMA-Übersicht, 56 Arbeiten; Testosteron hemme die Spermatogenese; SERMs oder Testosteron plus niedrig dosiertes hCG als Alternativen) [s180].
hCG-Salvage nach negativer erster Mikro-TESE und Mechanismusstudien. Siehe unten im Abschnitt zur nicht-obstruktiven Azoospermie.
Hypogonadotroper Hypogonadismus: Gonadotropine und GnRH-Pumpe
Der HH ist die Konstellation, in der Gonadotropine als Standard gelten [s12, s77, s22]. Die Evidenz besteht überwiegend aus unkontrollierten Kohorten mit schlechter Qualität [s21].
Metaanalysen. Huijben et al. 2026 (Andrology): 50 Studien, 1583 Männer mit HH und Azoospermie (Suche bis 16.05.2025, PROSPERO). Gepoolte Erfolgsrate der Spermatogenese-Induktion 74 % (CI 66 bis 82 %), mittlere Zeit bis zur Spermatogenese 11,8 Monate; Schwangerschaftsrate bei Paaren mit Kinderwunsch 52 % (CI 42 bis 62 %), mittlere Zeit bis zur Schwangerschaft 19 Monate; mittlere Konzentration nach Behandlung 9,8 Mio./ml (CI 8,6 bis 11,0); Spontanschwangerschaften auch bei unterschwelligen Spermawerten; die Kombination beider Gonadotropine war wirksamer als hCG allein; die Qualität der meisten Studien war nach EPHPP schlecht [s21]. Alexander et al. 2024 (Pubertätsinduktion bei HH): 103 Studien mit 5328 Patienten aus 21 Ländern; hCG in 93 Studien, hMG in 42, FSH in 37, GnRH in 29; mediane Dauer 18 Monate; Hodenvolumen, Penisgröße und Testosteron stiegen in über 98 % der Auswertungen signifikant; Spermatogeneseraten 86 % (CI 82 bis 91 %) unter hCG plus FSH gegenüber 40 % (CI 25 bis 56 %) unter hCG allein; Behandlungsvariabilität hoch [s72]. Wei et al. 2021 (Metaanalyse GnRH-Pumpe gegen Gonadotropine, sieben Studien, 420 Patienten): GnRH war mit größerem Hodenvolumen (SMD −1,43) und früherer Spermatogenese (WMD −5,30 Monate) verbunden, nicht aber mit Unterschieden bei Spermiennachweisrate (p = 0,08), Konzentration (p = 0,37) und Schwangerschaftsrate (p = 0,11) [s143]. Dwyer et al. 2024: pulsatiles GnRH und kombinierte Gonadotropine induzierten die Spermatogenese bei 75 bis 80 % der Männer mit angeborenem HH, das Ejakulat erreiche aber meist nicht normale WHO-Werte [s77].
Kohorten und kleine randomisierte Studien aus Europa, Nordamerika und Westasien.
Huijben et al. 2026 (Reprod Fertil) [s22]. Monozentrisch retrospektiv, 35 Männer mit HH und Azoospermie. Spermatogenese bei 74 %; mit hCG plus FSH 78 % gegenüber 33 % unter hCG-Monotherapie; von den Männern mit Spermien stiegen 69 % in eine höhere WHO-Kategorie auf, 29 % erreichten Normozoospermie; mediane maximale Konzentration 8,3 Mio./ml; Schwangerschaft bei 68 % (39 % spontan); mediane Zeit bis zur ersten Spermatogenese 7 Monate, bis zur Schwangerschaft 21 Monate; milde Nebenwirkungen bei 16 %; größeres Ausgangshodenvolumen ging mit höherer Erfolgsrate einher.
Gialouris et al. 2026 (J Clin Endocrinol Metab) [s17]. Konsekutive Kohorte, 99 infertile Männer mit angeborenem oder erworbenem Gonadotropinmangel, hCG und FSH nach Protokoll (1983 bis 2024, 160 Zyklen). Kaplan-Meier: Konzentration über 0 Mio./ml bei 78 % (mediane Zeit 5 Monate), über 2: 56 % (12 Monate), über 5: 49 % (14 Monate), über 10: 37 % (21 Monate), über 20: 24 % (nicht bestimmbar). Wichtigster Schwangerschaftsfaktor waren ungünstige weibliche Fertilitätsfaktoren (HR 0,20; CI 0,10 bis 0,40); Zeit bis zur Schwangerschaft 15 gegenüber 43 Monaten; Konzentration bei Schwangerschaft median 2,8 Mio./ml ohne und 35,4 Mio./ml mit weiblichen Faktoren. Langer Rekrutierungszeitraum, Protokolle änderten sich.
Zachariou et al. 2026 (J Clin Med) [s34]. Retrospektiv, 35 Männer 2010 bis 2022, hCG mit oder ohne FSH, mittlere Dauer 12,0 Monate; Spermien im Ejakulat bei 27 von 35 (77 %); alle acht übrigen erhielten Mikro-TESE, Gewinnung bei 7 von 8 (88 %); sieben Paare mit IVF/ICSI (11 Zyklen, 6 klinische Schwangerschaften, 5 Lebendgeburten); 13 natürliche Schwangerschaften mit 13 Lebendgeburten; insgesamt 18 von 35 (51 %) wurden biologische Väter.
Kaur et al. 2025 (Indian J Endocrinol Metab) [s48]. Prospektive randomisierte Pilotstudie, 24 azoosperme Männer mit angeborenem HH: Gruppe A (n = 12) sofort hCG plus FSH, Gruppe B (n = 12) drei Monate FSH, dann hCG. Gesamterfolg 91,3 % (21/23); A 100 % (12/12) gegenüber B 81,8 % (9/11); mediane Zeit 10,5 gegenüber 15 Monaten (P = 0,007); maximale Konzentration 30 gegenüber 20 Mio./ml (P = 0,292). Offen, Pilotstudie.
Konsam et al. 2026 (Front Endocrinol) [s25]. Offene randomisierte Studie (1:1:1), 45 Männer mit angeborenem HH: Dreifachtherapie (hCG, FSH, Testosteron), hCG plus FSH von Beginn, hCG-Monotherapie mit späterer Kombination. Spermatogenese 84,6 % gegenüber 69,2 % und 75 % (p = 0,648); mediane hCG-Dosis bei Spermatogenese 7500 gegenüber 9000 IE/Woche (p = 0,016); Zeit 12 gegenüber 15 Monaten (p = 0,345); Prädiktoren waren eine Hodenvolumen-Schwelle von 1,97 ml, die hCG-Dosis und eine Inhibin-B-Schwelle von 66,8 pg/ml (Sensitivität 92,6 %, Spezifität 100 %). Subgruppen klein.
Chen et al. 2019 (Asian J Androl) [s168]. Retrospektiv, 107 Männer mit isoliertem HH: hCG plus orales Testosteronundecanoat (n = 54) gegenüber hCG allein (n = 53), mediane Nachbeobachtung 29 Monate. Die Kombination normalisierte das Testosteron schneller (P < 0,001), aber Spermienauftreten, Konzentration und Zeit bis zu Schwellenwerten unterschieden sich nicht; die Zuteilung ist nicht erklärt.
Trinh et al. 2021 (Res Rep Urol, Vietnam) [s141]. Prospektiv, 19 Männer mit HH, hCG alle drei Tage plus Clomifen 25 mg/Tag (mittlere hCG-Dosis 5579 ± 1773,7 IE); nach 12 Monaten hatten 9 (47,4 %) Spermien, fast alle morphologisch fehlgeformt (unter 1 % normal); keine Nebenwirkungen; einarmig.
Konstellationen mit Hodenhochstand. Siehe die Subgruppentabellen im Kapitelteil zu Dosis-Wirkung.
Historische Berichte. Lunenfeld 1984 (deutsch): Von 49 Patienten mit Gonadotropintherapie hatten 29 ein FSH unter 1,5 mIE/ml, 20 darüber; Erfolgsrate nach Spermiogramm 86 % (25 Patienten, 22 von ihnen zeugten Kinder) gegenüber 5 % (ein Patient); mittleres FSH bei Ansprechern 0,9 mIE/ml, bei Nichtansprechern 2 mIE/ml [s263]. Conte et al. 1990 (italienisch) berichten persönliche Daten zur Gonadotropintherapie bei idiopathischer sekretorischer Oligozoospermie mit niedriger biologischer LH-Aktivität [s260]. Methodisch haben beide heute begrenzte Aussagekraft.
Kohorten aus der Türkei. Ortaç et al. 2019 (Asian J Androl; Haseki, Istanbul): 112 Männer mit idiopathischem HH, LH- und FSH-Analoga; 96 (85,7 %) hatten Spermien im Ejakulat; von 72 verheirateten Männern mit Kinderwunsch erreichten 48 (66,7 %) natürliche Konzeption; mittlere Zeit bis zu Spermien 9,48 Monate; günstig waren höheres Alter, größeres Hodenvolumen und geringer Anteil nicht deszendierter Hoden; bei früherem Hodenhochstand Spermien in 73,7 %, bei deszendierten Hoden in 87,6 % (p = 0,261) [s172]. Ortaç et al. 2020 (Turkish J Urol): 112 Männer mit angeborenem HH, 70 hMG und 42 rekombinantes FSH nach vorheriger hCG-Gabe; Spermien bei 85,7 % (96 von 112) in beiden Gruppen; Schwangerschaftsraten 38,6 % (n = 27) gegenüber 51,2 % (n = 21), p = 0,314; 21 von 42 ergeben 50,0 %, der Abstract erklärt die Abweichung nicht; die Gruppe überlappt wahrscheinlich mit [s172] [s160]. Yılmazel et al. 2021 (81 Männer, zunächst Testosteronersatz, dann hCG und FSH; Schwangerschaften spontan 64,6 %, nach IUI 12,3 %, nach IVF 15,3 %, nach Mikro-TESE/ICSI 4,6 %) [s145]. İbiş und Aydos 2021 (60 Männer, hCG/hMG; Spermien bei 83,3 %, klinische Schwangerschaft bei 76,7 %, davon 66,7 % spontan und 10 % nach IVF; Konzentration bei Schwangerschaft durch assistierte Reproduktion 3,4 ± 1,04, bei spontaner 12,2 ± 0,68 Mio./ml) [s132]. Resorlu et al. 2009 (17 Männer, hCG plus FSH für 4 bis 24 Monate; Spermien ab dem dritten Monat; sechs Männer mit erworbenem HH konzipierten natürlich, bei elf Männern mit idiopathischem HH war nach erfolgloser Gonadotropintherapie ICSI nötig) [s243]. Demirel et al. 2005 (12 Männer mit partiellem isoliertem FSH-Mangel; acht erhielten hMG, zwei Tamoxifen; drei Schwangerschaften) [s246]. Die hohen Schwangerschaftsraten in [s132] stehen im Kontrast zu [s160]; unterschiedliche Nenner oder Auswahl sind möglich. Jugendliche: Kokoreva et al. 2023 (acht Jungen mit angeborenem HH, hCG 500 IE und rFSH 37,5 IE pro Woche, nach sechs Monaten doppelte Dosis, zwölf Monate): Testosteron von 0,44 auf 4,39 nmol/l, Anti-Müller-Hormon von 35,70 auf 14,41 ng/ml, keine Spermienparameter [s99].
Kohorten aus China, Japan, Korea und Taiwan.
Liu et al. 2016 (Medicine) [s196]. Retrospektiv, 223 azoosperme Männer mit angeborenem HH ohne Pubertätsentwicklung, hCG plus hMG, über sechs Monate beobachtet. Hodenvolumen 2,1 ± 1,6 → 8,1 ± 4,6 ml; Gesamttestosteron 0,9 ± 0,5 → 15,1 ± 8,2 nmol/l. 64 % (143 von 223) bildeten Spermien, im Mittel nach 14 ± 8 Monaten; Konzentration 11,7 (2,1; 24,4) Mio/ml und progressive Beweglichkeit 36,9 ± 20,2 % blieben deutlich unter WHO-Normwerten. Von 34 Männern mit Kinderwunsch machten 19 ihre Partnerin schwanger. Prädiktoren eines früheren Spermienauftretens: größeres Ausgangshodenvolumen und fehlender Hodenhochstand.
Weitere chinesische Kohorten. Hao et al. 2020: 122 compliante Männer ohne Kryptorchismus (aus 587 behandelten), hCG plus hMG über 24 Monate; Spermatogeneserate 92,3 % bei partiellem CHH (Hodenvolumen ab 4 ml) gegenüber 74,7 % bei komplettem; Zeit 11,7 gegenüber 17,8 Monaten; hoher Auswahlverlust [s156]. Ma et al. 2021: 160 HH-Patienten, wöchentliche Gonadotropingabe, Spermatogenese bei 74 % (119 von 160), mediane Zeit 13 Monate, sechs spontane Schwangerschaften; im Vergleich Wochenschema gegen Zweimal-wöchentlich-Schema bei CHH Erfolgsrate 78 % (74 von 95) gegenüber 64 % (143 von 223), Signifikanztests fehlen [s136]. Zhang et al. 2015 (randomisierte offene Nichtunterlegenheitsstudie, neun Zentren, 67 Männer, 18 Monate): fortlaufend uFSH 75 E dreimal wöchentlich plus hCG 2000 E zweimal wöchentlich (n = 33) gegen uFSH nur in jedem dritten Monat (n = 34); Konzentration von mindestens 1,0 Mio/ml bei 17 von 33 (51,5 %) gegenüber 19 von 34 (55,9 %), Nichtunterlegenheit festgestellt (P = 0,008) [s209]. Chen et al. 2020 (110 CHH-Männer unter hCG allein): 94,55 % mit normalem Testosteron, 54,55 % mit Spermien; Sequenzvarianten bei 30 % (33 von 110), am stärksten verzögert bei PROKR2 (48 Monate) [s151]. Zhang et al. 2021: 73 CHH-Männer wählten selbst eine von vier Behandlungen; unter pulsatiler Pumpe oder zyklischen Gonadotropinen 70,2 % Spermatogenese innerhalb von drei Jahren [s146]. Chengdu 2012: 242 Männer mit HH in drei Gruppen (hCG n = 84, hCG plus hMG n = 74, Testosteron n = 84); Hodenvolumen wuchs bei 50,0 % bzw. 75,7 %, unter Testosteron nur bei sechs Männern; Spermatogenese bei 34 (hCG) und 48 (hCG plus hMG) Männern [s230]. Weitere kleinere Berichte: Hongkong 1994 (17 Männer, 12 wurden fruchtbar) [s259]; Nanjing 2005 (64 Männer, hCG 1500 IE zweimal wöchentlich allein oder mit hMG 75 IE, Hodenvolumen 3,08 ± 2,44 → 8,92 ± 5,37 ml) [s247]; Kallmann-Syndrom, 12 Männer [s222]; sekundärer Hypogonadismus nach Sella-Läsionen, 22 Männer, hCG bei 7 von 15 mit Spermien, Andriol ohne Spermatogenese [s197]; sechs Männer mit HH mit Erwachsenenbeginn [s183]; Übersicht zum idiopathischen HH [s184]; 51 Männer mit idiopathischem HH, Genetik im Vordergrund [s58]; 41 Jugendliche, hCG/hMG gegen GnRH-Pumpe [s135]. Chen et al. 2010 (Bericht über 1027 Azoospermiefälle, 29 Männer mit HH erhielten Hormontherapie, Ausgang nicht angegeben) [s237].
Japan. Fuse et al. 1996 (16 HH-Patienten; Hodenvolumen ab 4 ml mit höheren Spermienzahlen; hCG- und LH-RH-Test sagten den Erfolg voraus) [s256]; Tachiki et al. 1995 (25 Patienten, nach Reifungsgrad eingeteilt; bei leichtem HH reichte hCG allein, bei mittlerem und schwerem HH war hMG-hCG nötig) [s257]; Tachiki et al. 1998 (21 Männer mit erworbenem HH, schlechte Erholung bei zwei Jahren oder mehr zwischen Diagnose und Behandlung) [s254]; Kobori et al. 2015 (sieben Männer mit idiopathischem HH mit Erwachsenenbeginn, rhFSH 150 IE und hCG 5000 IE je zweimal wöchentlich, Spermatogenese bei 5 von 7) [s203]; Nariyoshi et al. 2025 (zehn Männer, Spermien bei 9; verdickte Samenkanälchen im Ultraschall vor dem ersten Nachweis) [s52]; Fallberichte (Wechsel von hMG auf rhFSH [s240], Germinom [s81]); Erhebung zu 55 Kindern und Jugendlichen mit HH (76 % der mit hCG-rFSH Behandelten mit positiver Spermatogenese) [s206].
Korea, Taiwan. Cho et al. 2025 (Seoul): 65 Männer mit prepubertär beginnendem HH, 50 ausgewertet; Spermatogenese bei 41 (82,0 %), mediane Zeit 7,5 Monate, mediane Konzentration 5,2 Mio/ml; von sechs Männern mit Kinderwunsch erzielten vier eine Empfängnis; einziger Prädiktor das Ausgangshodenvolumen [s38]. Yoo et al. 2025: 70 Jugendliche, Gonadotropine (n = 56) gegen Testosteron (n = 14); Hodenvolumina wuchsen nur unter Gonadotropinen, Spermien bei 72,0 % (18 von 25) der Gonadotropingruppe [s68]. Chen et al. 2021 (Taipei): 17 azoosperme HH-Männer, nach im Mittel 11,1 Monaten Gonadotropinen 7 (41 %) mit Spermien; die zehn weiterhin azoospermen erhielten Mikro-TESE, bei 9 (90,0 %) wurden Spermien gewonnen; nach 11 TESE-ICSI-Zyklen 6 Schwangerschaften, 5 Lebendgeburten [s127]. Huang und Huang 1994 (drei Männer, Fruchtbarkeit in allen drei Fällen wiederhergestellt) [s258].
Vergleiche GnRH-Pumpe gegen Gonadotropine (alle nicht randomisiert). Huang et al. 2015 (92 Männer mit Selbstwahl der Therapie): Spermatogenese bei 50,0 % (20 von 40) gegenüber 28,8 % (15 von 52) (P = 0,038), Zeit 6,5 ± 3,1 gegenüber 10,8 ± 3,7 Monaten [s202]. Mao et al. 2017 (202 Männer, 20 GnRH, 182 hCG/hMG): erste Spermien nach median 6 gegenüber 18 Monaten, Testosteron unter GnRH niedriger [s189]. Lin et al. 2019 (220 Männer; Gruppengrößenangaben im Abstract widersprüchlich): GnRH mit kürzerer Zeit (6,2 ± 3,8 gegenüber 10,9 ± 3,5 Monaten) [s170]. Zhang et al. 2019 (28 Männer): 6 gegenüber 14 Monate, Spermatogenese 90 % gegenüber 83,3 % [s177]. Zheng et al. 2025 (155 Männer, retrospektiv): Erfolg 82,1 % gegenüber 75,8 % (P = 0,356), Dauer 12,34 gegenüber 14,74 Monaten (P = 0,038) [s69]. Zhang et al. 2024 (119 Männer mit Hypophysenstiel-Unterbrechungssyndrom): Erfolg 51,67 % (31 von 60) unter hMG/hCG gegenüber 33,90 % (20 von 59) unter GnRH, im GnRH-Arm kürzere Zeit (8 gegenüber 15 Monate); bei Berücksichtigung der Dauer HR 1,97 (CI 1,08 bis 3,57) zugunsten GnRH [s96]. Huang et al. 2024 (28 CHH-Männer mit schlechtem Ansprechen auf hCG/hMG, Umstellung auf GnRH): Spermien bei 17 von 28 (60,7 %) [s80]. Jiang et al. 2025 (54 Männer unter GnRH-Pumpe: von 45 Männern mit über 0,5 Jahren Behandlung gaben 34 Sperma ab, 27 hatten Spermien) [s46]. Fallbericht eines Mannes mit Hypophysenstiel-Unterbrechungssyndrom [s93]. Gemeinsam: früherer Spermienbeginn unter GnRH, keine gesicherten Unterschiede bei Spermatogeneserate oder Schwangerschaft; Selbstauswahl der Therapie und unterschiedliche Beobachtungszeiten verzerren die Vergleiche. Die GnRH-Pumpe gehört nicht zu den sechs im Titel genannten Substanzen und wird hier nur als Vergleichsarm geführt.
Tiefe der Evidenz für HH. Die Gonadotropintherapie bei HH ist nicht placebokontrolliert untersucht (bei Fehlen jeder Eigenproduktion ist ein Placeboarm wenig sinnvoll); die Aussagen beruhen auf Kohorten, wenigen kleinen randomisierten Vergleichen von Schemata [s48, s25, s209] und Metaanalysen schwacher Studien [s21, s72]. Die Ergebnisse der Kohorten sind jedoch in Richtung und Größenordnung ähnlich: Spermien im Ejakulat bei etwa 50 bis über 80 % der Männer, Zeit bis zu den ersten Spermien meist 7 bis 15 Monate, Konzentrationen häufig unter WHO-Normwerten [s21, s22, s17, s196, s38, s172, s160, s132].