SARMs, Wachstumshormon und Fitness-Wirkstoffe · Kapitel 19 von 20

Glossar

AAS (anabol-androgene Steroide): Künstliche Abkömmlinge des Testosterons mit muskelaufbauender (anaboler) und vermännlichender (androgener) Wirkung. Beispiele in den Quellen: Nandrolon, Stanozolol, Boldenon, Oxymetholon, Sustanon (Mischung verschiedener Testosteronester).

Akromegalie: Krankheit mit chronischem Überschuss an Wachstumshormon, meist durch einen Hypophysentumor. Dient hier als Krankheitsmodell für zu viel GH, nicht als Modell für die Einnahme durch Gesunde [s138, s143, s90].

Aromatasehemmer: Arzneimittel, die die Umwandlung von Testosteron in Östradiol hemmen. In der Nachbehandlung nach Steroiden oft eingesetzt (zum Beispiel Anastrozol) [s157].

Asthenozoospermie: Verminderte Beweglichkeit der Spermien.

Azoospermie: Keine Spermien im Ejakulat nachweisbar. Prätestikulär, testikulär oder posttestikulär bedingt [s45].

Berichtsbias (Reporting Bias): Verzerrung dadurch, dass auffällige Fälle eher veröffentlicht werden als unauffällige [s136].

Confounding (Störgröße): Ein dritter Faktor, der sowohl Ursache als auch Wirkung beeinflusst und einen Zusammenhang vortäuschen oder verdecken kann. Residualconfounding: Störgrößen, die trotz Adjustierung übrig bleiben [s31].

DFI (DNA-Fragmentationsindex): Anteil der Spermien mit geschädigter Erbsubstanz [s53].

Evidenzgrad: Einstufung der Verlässlichkeit einer Aussage in Leitlinien, etwa Grad A bis C in den japanischen und AUA/ASRM-Leitlinien [s60, s141].

Flagellum (Geißelfaden der Spermie): Der Faden, mit dem sich die Spermie bewegt. Ein fehlendes oder fehlgebildetes Flagellum ist ein Morphologiebefund; im Rattenversuch mit Sustanon stieg der Anteil der Spermien ohne Flagellum von 7 % auf 25 bis 29 % [s84].

FSH (follikelstimulierendes Hormon): Hypophysenhormon, das im Hoden die Sertoli-Zellen und damit die Spermienbildung unterstützt.

GH (Wachstumshormon, Somatotropin): Hypophysenhormon; wirkt zum Teil über IGF-1. rhGH ist rekombinant hergestelltes Wachstumshormon.

GHRH, Sekretagoga: GHRH (Wachstumshormon-Releasing-Hormon) regt die Freisetzung von GH an; GH-Sekretagoga (zum Beispiel Ipamorelin, GHRP-6, MK-677) wirken über den Ghrelin-Rezeptor ähnlich. Sie sind keine Wachstumshormone, sondern sollen körpereigenes freisetzen [s07, s179].

Ghrelin: Magenhormon, das auch im Hoden vorkommt und die GH-Freisetzung anregt [s191, s48].

GnRH, Kisspeptin: Hormone des Hypothalamus, die die Hypophyse zur Ausschüttung von LH und FSH steuern. Kisspeptin ist ein vorgeschaltetes Steuerpeptid [s06].

hCG (humanes Choriongonadotropin): Hormon mit LH-ähnlicher Wirkung; stimuliert die Testosteronbildung im Hoden. In der Nachbehandlung nach Steroiden eingesetzt [s14].

HHG-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse): Regelkreis aus Hypothalamus, Hypophyse und Hoden, der Testosteron und Spermienbildung steuert. Exogene Androgene unterdrücken ihn durch negative Rückkopplung [s77].

Hypogonadismus: Unterfunktion der Hoden mit zu wenig Testosteron und/oder gestörter Spermienbildung. Hypogonadotrop: wegen zu wenig LH und FSH. AAS-induziert: durch Steroidanwendung [s177].

Hodenvolumen: Gemessene Größe der Hoden; unter AAS kleiner [s102, s166].

IGF-1: Insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1; wichtigster Vermittler der GH-Wirkung [s110]. IGF-1-Analoga (IGF-1 LR3, PEG-MGF) werden als Fitnessmittel angeboten [s07].

Inhibin B: Hormon der Sertoli-Zellen; in der Petersburger Studie als möglicher Marker für das Keimepithel vorgeschlagen [s148].

Johnsen-Score: Histologischer Punktwert für die Spermatogenese in einer Hodenprobe [s11].

Kryptozoospermie: Spermien nur nach Zentrifugation nachweisbar [s154].

Leydig-Zellen: Zellen im Hoden, die Testosteron bilden.

LH (luteinisierendes Hormon): Hypophysenhormon, das die Testosteronbildung in den Leydig-Zellen anregt.

Metaanalyse: Statistische Zusammenfassung mehrerer Studien. WMD: gewichtete mittlere Differenz. OR (Odds Ratio): Chancenverhältnis. HR (Hazard Ratio): Verhältnis der Ereignisraten. 95-%-KI (Konfidenzintervall): Bereich, in dem der wahre Wert mit der angegebenen Sicherheit liegt; ein Intervall, das 1 (bei OR und HR) einschließt, bedeutet keinen gesicherten Unterschied.

Morphologie: Form der Spermien; Anteil normal geformter Spermien.

Normozoospermie: Samenparameter im Referenzbereich.

Oligozoospermie: Verminderte Spermienkonzentration; schwere Oligozoospermie: sehr niedrige Konzentration (Grenzwerte hängen von der WHO-Ausgabe und der Studie ab, zum Beispiel unter 5 Mio./mL bei Ledesma et al. [s98]).

Oxidativer Stress: Ungleichgewicht zwischen aggressiven Sauerstoffverbindungen und Schutzsystemen; schädigt Spermien und Hodengewebe [s90, s134].

PCT (Post-Cycle-Therapy, Nachbehandlung): Von Anwendern gewählte Bezeichnung für die Medikation nach einer Steroidkur (zum Beispiel SERMs, hCG, Aromatasehemmer) [s29, s96].

PRISMA: Berichtsstandard für systematische Übersichtsarbeiten.

Randomisierung: Zufällige Zuteilung zu Gruppen; schaltet Auswahlverzerrung aus.

Rebound: Wiederkehr der Spermienproduktion trotz fortgesetzter Hormongabe, in den Verhütungsstudien als Versagensursache [s185].

Sertoli-Zellen: Stützzellen im Hoden, die die Keimzellen ernähren und von FSH gesteuert werden [s67].

SERM (selektiver Östrogenrezeptor-Modulator): Zum Beispiel Clomifen und Tamoxifen; hebt die Rückkopplung der Östrogene auf die Hypophyse auf und steigert so LH und FSH [s74].

SHBG: Sexualhormon-bindendes Globulin; transportiert Testosteron im Blut [s176].

SARM (selektiver Androgenrezeptor-Modulator): Substanz, die den Androgenrezeptor in Muskel und Knochen stärker als in anderen Geweben aktivieren soll. Beispiele: Ostarin (Enobosarm, MK-2866), Ligandrol (LGD-4033), RAD-140. Keine zugelassene Indikation [s111]. Die Gewebeselektivität ist umstritten [s38].

Spermatogenese: Bildung der Spermien im Hoden.

Spermiogramm (Samenanalyse): Laboruntersuchung von Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration, Beweglichkeit und Morphologie.

Surrogatendpunkt: Ersatzmessgröße (zum Beispiel Spermienzahl), die für den eigentlich interessierenden Endpunkt (Schwangerschaft, Lebendgeburt) steht, ohne ihn zu messen [s25].

TRT (Testosteronersatztherapie): Ärztlich verordnete Testosterongabe bei nachgewiesenem Mangel; unterdrückt die Spermienbildung und gilt bei Kinderwunsch als ungeeignet [s154, s141].

TU (Testosteronundecanoat): Langwirksamer Testosteronester; in China als Grundlage hormoneller Verhütung beim Mann untersucht [s202, s185].

XY-Disomie: Genetische Auffälligkeit; beschreibt Spermien mit zwei Geschlechtschromosomen und wurde in einem Einzelfall nach AAS-Missbrauch gefunden [s192].

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Einordnung und Abgrenzung bis Übersichten zu Wachstumshormon, IGF-1 und Peptiden
  5. Metaanalysen zu Behandlungen bei subfertilen Männern als Vergleichsmaßstab und Metaanalysen und Übersichten zu Training und Lebensstil
  6. Einordnung und Abgrenzung bis Testosteron-Fehlanwendung: Fallserien und Kohorten aus Korea, Japan und China
  7. Wachstumshormon-Achse beim Menschen: Beobachtungsstudien bis Gesamteinschätzung der Beobachtungsstudien
  8. Wie belastbar ist die Literatur überhaupt? bis Wachstumshormon, IGF-1 und Ghrelin
  9. Weitere Wirkstoffe, Nahrungsergänzung und Training und Leitlinien und Konsensdokumente
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Spanisch
  13. Chinesisch bis Arabisch
  14. Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen s01–s113
  23. Quellen s114–s218
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle