SARMs, Wachstumshormon und Fitness-Wirkstoffe · Kapitel 8 von 20 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

Wie belastbar ist die Literatur überhaupt? bis Wachstumshormon, IGF-1 und Ghrelin

Wie belastbar ist die Literatur überhaupt?

Die Frage dieser Studie hat drei sehr unterschiedlich gut belegte Teile, und die Kapitelstruktur folgt diesem Gefälle. Für selektive Androgenrezeptor-Modulatoren (SARMs) liegt nach der durchgeführten Recherche keine einzige Studie vor, die beim Menschen Spermienkonzentration, Beweglichkeit oder Morphologie unter SARM-Einnahme misst. Die Europe-PMC-Kernabfrage zu SARM-Begriffen in Kombination mit Spermien-, Samen-, Spermatogenese- und Fertilitätsbegriffen lieferte 233 Treffer; in der Titel- und Abstractdurchsicht fand sich keine Humanstudie mit Samenparametern unter SARM. Die Teilrecherchen im chinesischen, japanischen und koreanischen Sprachraum sowie im russischen, arabischen und türkischen Sprachraum erbrachten ebenfalls keine Studie, die ein SARM mit Spermien-, Hoden- oder Fertilitätsendpunkt untersucht; eine russische Übersicht hält ausdrücklich fest, der Einfluss der SARM-Einnahme auf Testosteron und männliche Fortpflanzung sei in evidenzbasierten klinischen Studien praktisch nicht untersucht [s111]. Das ist eine Lücke und kein Beleg für Unbedenklichkeit. Wo im Folgenden Aussagen zu SARMs und Spermien getroffen werden, sind sie Ableitungen aus Hormondaten, aus Tierversuchen mit einzelnen Substanzen oder aus der Pharmakologie verwandter Wirkstoffe, und sie werden als solche gekennzeichnet.

Die nächstliegende, gut untersuchte Wirkstoffklasse sind die klassischen anabol-androgenen Steroide (AAS) und das exogene Testosteron. Hier gibt es Metaanalysen, Kohortenstudien, eine randomisierte Nachbeobachtung, große Datensätze zur Hemmung der Spermatogenese durch Testosteronundecanoat aus der Verhütungsforschung und viele Tierversuche. Diese Arbeiten sind keine SARM-Evidenz, sondern eine Analogie: Beide Wirkstoffgruppen wirken über den Androgenrezeptor und greifen in die Achse aus Hypothalamus, Hypophyse und Hoden ein [s137, s115]. Ob und wie weit die Befunde übertragbar sind, ist offen, denn SARMs haben keine östrogene Aktivität, und ihre behauptete Gewebeselektivität ist nach kritischer Prüfung nicht sicher belegt [s38].

Für Wachstumshormon (GH), IGF-1 und Peptide gibt es keine kontrollierte Studie zur Einnahme durch gesunde Fitnessanwender mit Spermienendpunkt. Die Literatur besteht aus Studien an Erkrankten (Akromegalie, GH-Mangel, kombinierter Hypophysenmangel), Fallberichten, In-vitro-Arbeiten und Tierversuchen; die Befunde sind widersprüchlich [s110, s76, s123, s39, s138, s143]. Für die meisten der hier berücksichtigten Studien lag bei der Recherche nur der Abstract vor; Zahlen, die dort fehlen, wurden nicht ergänzt. Eine Therapieempfehlung enthält dieses Kapitel nicht.

SARMs: Präklinik und Humanpharmakologie

Chen et al. 2005 (Ratte, Substanz C-6). Die einzige gefundene Arbeit, die die Spermatogenese direkt unter einem SARM beschreibt, ist eine präklinische In-vitro- und In-vivo-Charakterisierung der nichtsteroidalen Substanz C-6, die als Mittel zur männlichen Hormonkontrazeption entwickelt wurde [s195]. C-6 war ein Androgenrezeptor-Agonist mit hoher Bindungsaffinität (Ki = 4,9 nM) und höherer anaboler als androgener Aktivität; die Dosen, bei denen Prostata, Samenblasen und Musculus levator ani zur Hälfte des Maximaleffekts erhalten blieben (ED50), betrugen 0,78 ± 0,06, 0,88 ± 0,1 und 0,17 ± 0,04 mg/Tag. Anders als bei anderen SARMs lagen die Gonadotropine in den C-6-Gruppen signifikant unter den Kontrollwerten. C-6 senkte das Serumtestosteron intakter Ratten nach 2 Wochen signifikant, und nach 10 Wochen Behandlung wurde eine deutliche Hemmung der Spermatogenese beobachtet. Die orale Bioverfügbarkeit lag bei 76 %, die Halbwertszeit bei 6,3 Stunden (10 mg/kg). Die Grenzen sind erheblich: eine einzige Substanz, die Hemmung der Spermatogenese war hier das Entwicklungsziel, im Abstract fehlen Spermienzahlen, Gruppengrößen und Angaben zur Reversibilität. Die Übertragbarkeit auf Handelspräparate ist offen. Das Ergebnis zeigt aber, dass ein SARM bei Ratten die Spermatogenese unterdrücken kann, wenn die Gonadotropine fallen.

Basaria et al. 2013 (Phase 1, LGD-4033, Mensch). Die wichtigste Humanstudie zu einem SARM ist eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 76 gesunden Männern im Alter von 21 bis 50 Jahren, die täglich Placebo oder 0,1, 0,3 oder 1,0 mg LGD-4033 (Ligandrol) über 21 Tage erhielten; Blutbild, Chemie, Lipide, PSA, EKG, Hormone, Magermasse und Muskelkraft wurden während und über 5 Wochen nach der Intervention gemessen [s176]. Die Substanz wurde gut vertragen, die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse war in Verum- und Placebogruppen ähnlich, Hämoglobin, PSA, AST, ALT und QT-Zeit änderten sich nicht signifikant. LGD-4033 unterdrückte dosisabhängig Gesamttestosteron, SHBG, HDL-Cholesterin und Triglyzeride; FSH und freies Testosteron wurden nur bei 1,0 mg signifikant gesenkt. Die Magermasse stieg dosisabhängig, die Fettmasse nicht signifikant. Hormon- und Lipidwerte kehrten nach dem Absetzen auf den Ausgangswert zurück. Stärken sind Randomisierung, Placebokontrolle und die Nachbeobachtung. Schwächen: nur 21 Tage, Dosen von höchstens 1,0 mg, keine Samenanalysen im Abstract. Die FSH-Absenkung bei der höchsten Dosis ist ein Hinweis auf eine Rückkopplung auf die Hypophyse; ob daraus eine messbare Wirkung auf die Spermatogenese folgt, wurde nicht untersucht (eigene Ableitung, kein Studienbefund).

Vasilev et al. 2025 (Ligandrol, Ratte) und Vasilev et al. 2024 (Ostarin, Ratte). Beide Tierversuche stammen aus derselben Arbeitsgruppe und prüften die Wirkung auf Ausdauer, Hormone und Organe. Im Ligandrol-Versuch erhielten männliche Ratten (14 Wochen alt, vier Gruppen, davon zwei mit Ausdauertraining, je n = 10) 0,4 mg/kg Körpergewicht an 5 Tagen pro Woche über 8 Wochen; Ligandrol senkte submaximale Ausdauer, maximale Sauerstoffaufnahme sowie die Konzentrationen von Glukose, FSH und Testosteron und erhöhte Griffkraft, Triglyzeride und Gesamtcholesterin [s61]. Im Ostarin-Versuch (n = 40, geschlechtsreife Wistar-Ratten, trainiert oder sitzend, 8 Wochen) hatte Ostarin dagegen keinen signifikanten Effekt auf Serum-LH, -FSH und -Testosteron, und weder Ostarin noch Training veränderten Hoden-, Leber- und Herzgewicht signifikant [s91]. Die beiden Studien kommen bei den Gonadenhormonen also zu unterschiedlichen Ergebnissen; Substanz, Dosis und Design unterscheiden sich, ein direkter Vergleich ist nicht möglich. In beiden fehlen Hodenhistologie beziehungsweise Samenparameter im Abstract.

Gadallah et al. 2026 (Ostarin, diabetische Ratten). In einem Versuch mit 48 Ratten in sechs Gruppen (Ostarin 0,4 mg/kg täglich oral über 8 Wochen, Streptozotocin-Diabetes) steigerte Ostarin Körper-, Muskel- und Knochengewicht, senkte Glukose und Blutfette und verbesserte die Knochenstruktur; Hoden-, Hormon- oder Spermienendpunkte wurden nicht berichtet [s09]. Der einzige SARM-Beitrag aus dem arabischen Raum betrifft also Stoffwechsel und Knochen, nicht die Fruchtbarkeit.

SARMs: Übersichtsarbeiten, Fallberichte und Produktqualität

Systematische Übersichten. Vignali et al. (2023) schlossen 33 Studien (15 Fallberichte oder Fallserien, 18 klinische Studien) mit insgesamt 2136 Personen ein, davon 1447 SARM-exponiert; berichtet wurden 15 Fälle arzneimittelbedingter Leberschädigung, ein Fall von Achillessehnenruptur, ein Fall von Rhabdomyolyse und ein Fall mit milder reversibler Leberenzymerhöhung; in den klinischen Studien war die ALT im Mittel bei 7,1 % der SARM-exponierten Personen erhöht [s107]. Ein Fertilitäts- oder Samenendpunkt wird im Abstract nicht genannt. Leciejewska et al. (2024) werteten 20 seit 2020 veröffentlichte Berichte über unerwünschte Ereignisse aus, überwiegend Leberschädigung; Angaben zu Dosierung und Reinheit seien spärlich [s88]. Vasireddi et al. (2025) schlossen 72 Artikel aus den Jahren 2003 bis 2022 ein: Die Prävalenz der SARM-Anwendung unter Athleten werde auf 1 bis 3 % geschätzt, berichtet wurden Zunahme der Magermasse sowie Nebenwirkungen einschließlich Knochenumbau, Testosteronsuppression und Vergrößerung von Niere, Leber und Prostata; 13 Fallberichte beschrieben 15 Fälle (alle Männer, Medianalter 32 Jahre, mehr als die Hälfte Athleten, oral über im Mittel 8 Wochen), und Athleten gaben deutlich höhere Dosen an, als in klinischen Studien geprüft wurden [s62]. Die Autoren stufen die Evidenz als Stufe 4 ein.

Wen et al. (2025) fassten neun randomisierte Studien mit 970 Patienten (mittleres Alter 57,1 Jahre, mittlere Nachbeobachtung 80 Tage) zu sechs SARMs zusammen und berichteten Mittelwerte vor und nach der Intervention (etwa Magermasse 49,46 kg auf 50,86 kg, Beinpresse 1822,77 N auf 2191,27 N) sowie mäßige Raten leichter bis mäßiger und geringe Raten schwerer unerwünschter Ereignisse [s63]. Für die Spermienfrage ist die Arbeit ohne Aussagekraft, aber sie zeigt, dass die klinischen Studien ältere, erkrankte Populationen untersuchten und nicht junge Fitnessanwender. Bond et al. (2025) argumentieren, die präklinisch scheinbare Gewebeselektivität könne zu einem großen Teil auf dem fehlenden Steroidstoffwechsel (5α-Reduktion, 3α/β-Reduktion) beruhen, direkte Vergleichsstudien gegen klassische Androgene fehlten, und als klinisches Problem nennen sie die fehlende östrogene Aktivität, insbesondere für Knochengesundheit und Sexualfunktion beim Mann [s38]. Weitere narrative Übersichten (Solomon 2019, Christiansen 2020, Giagulli 2020, Kang 2022, Mohideen 2023, Whitaker 2021, Desai 2022) berichten nach Abstract keine Samendaten [s153, s144, s145, s119, s101, s137, s115]. Kang et al. nennen die beeinträchtigte Spermatogenese als bekannte Nebenwirkung der Testosteronersatztherapie und beschreiben SARMs als eine der neuen Androgentherapien [s119]; Giagulli et al. halten fest, die Studien zu SARMs als Alternative bei männlichem Hypogonadismus seien in einer frühen Phase [s145].

Fallberichte. Chong et al. (2024) beschrieben einen 40-jährigen Mann mit beidseitiger Gynäkomastie und biochemisch hypogonadotropem Hypogonadismus nach 6 Monaten Einnahme handelsüblicher Leistungssteigerungsmittel; die Präparate enthielten RAD-140 (SARM), MK-677 (GH-Sekretagogum) und Cardarin sowie in vitro nachgewiesen nicht deklariertes Testosteron, Östradiol und GH. Nach dem Absetzen bildeten sich die Beschwerden vollständig zurück, und der hypogonadotrope Hypogonadismus normalisierte sich [s75]. Die Hormonwirkung kann nicht dem SARM allein zugeschrieben werden, eine Samenanalyse fehlt im Abstract. Weitere Berichte betreffen die Leber: Rhabdomyolyse und Leberschädigung nach Cardarin mit Ostarin bei einem 43-Jährigen (ALT bis 922 UI/L, AST bis 2558 UI/L, CPK bis 86435 UI/L; vollständige Erholung nach 6 Wochen) [s131], cholestatische Schädigung unter Ostarin [s126], ein 52-Jähriger nach 3 Monaten hoch dosiertem LGD-4033 [s87], ein 40-Jähriger nach Stenabolic [s44] und ein jugendlicher Patient mit überwiegend hepatozellulärem Muster [s50]. Diese Berichte sind für die Spermienqualität nicht aussagekräftig, dokumentieren aber, dass SARM-Anwender klinisch auffällig werden; Fruchtbarkeitsendpunkte nennt keiner der Abstracts.

Produktqualität. Gaudiano et al. (2024) untersuchten 13 online aus Italien bezogene SARM-Produkte mit Massenspektrometrie und quantitativer Kernspinresonanz: Etwa 70 % enthielten das deklarierte SARM, in 23 % wurde stattdessen ein anderes SARM gefunden, in einer Probe kein SARM; in 30 % wurden nicht deklarierte Arzneistoffe gemessen (Tamoxifen, Clomifen, Testosteron, Epimethandienon, Tadalafil), bei mehr als 60 % lag mehr als ein Wirkstoff vor, und der Gehalt betrug 30 bis 90 % der Angabe [s78]. Testosteron, Clomifen und Tamoxifen beeinflussen die hormonelle Achse unmittelbar; eine Wirkung auf die Samenqualität kann deshalb auch ohne das deklarierte SARM auftreten (Ableitung). Błażewicz et al. (2025) analysierten 601 beschlagnahmte Proben: 411 (68,4 %) als AAS deklariert, 63 (10,5 %) als Mittel der Nachbehandlung, 127 (21,1 %) andere; bei den Nachbehandlungsproben war der deklarierte Wirkstoff in 65,1 % vorhanden und in 34,9 % nicht, und 20,6 % aller Nachbehandlungsproben enthielten überhaupt keinen Wirkstoff [s37]. Eine systematische Übersicht zu nicht deklarierten Stoffen in Nahrungsergänzungsmitteln (12 031 Datensätze, 44 Studien) fand, dass etwa 9 bis 15 % der getesteten handelsüblichen Präparate mit verbotenen Stoffen und nicht zugelassenen Wirkstoffen verunreinigt waren, überwiegend Stimulanzien und anabole Substanzen, am häufigsten Pre-Workout-, Abnehm- und Muskelaufbauprodukte [s02]. Eine Exposition gegenüber anabolen Stoffen ist damit auch ohne bewusste Einnahme möglich. Daten zu Spermienfolgen fehlen.

SARM-Reste im Ejakulat. Handelsman et al. (2022) untersuchten, wie viel Urin in Samenproben enthalten ist, weil das den Wirkstoffnachweis im Ejakulat verfälschen kann [s117]. Kintz und Gheddar (2025) beschrieben den Fall einer Sportlerin mit bishydroxy-Ligandrol im Urin (etwa 90 pg/mL in Probe A, 200 pg/mL in Probe B), deren Haar nach 7 Wochen negativ war, während das ihres Ehemannes 7 und 8 pg/mg in zwei 2,5-cm-Segmenten enthielt; das Sportschiedsgericht akzeptierte die Erklärung einer Übertragung durch Körperflüssigkeiten [s51]. Breuer et al. (2024) berichteten zum PPARδ-Agonisten GW1516 (kein SARM) erstmals Konzentrationen im menschlichen Ejakulat [s73]. Diese Arbeiten belegen, dass Wirkstoffreste im Ejakulat übertragen werden können; über die Spermienqualität der Anwender sagen sie nichts.

Anabol-androgene Steroide als Vergleichsbasis: Metaanalysen und systematische Übersichten

Christou et al. 2017. Die Metaanalyse mit den klarsten Effektgrößen schloss 33 Studien (3 randomisierte Studien, 11 Kohortenstudien, 18 Querschnittsstudien, 1 nichtrandomisierte Parallelstudie) mit 3879 Teilnehmern ein (1766 AAS-Anwender, 2113 Nichtanwender); die Gonadotropin- und Testosteronanalyse beruht auf 11 Studien [s166]. Während der AAS-Einnahme sanken LH (gewichtete mittlere Differenz −3,37 IU/L; 95-%-KI −5,05 bis −1,70), FSH (−1,73 IU/L; −2,67 bis −0,79) und endogenes Testosteron (−10,75 nmol/L; −15,01 bis −6,49), jeweils p < 0,001. Nach dem Absetzen kehrten die Gonadotropine innerhalb von 13 bis 24 Wochen zum Ausgangswert zurück, während das Testosteron niedriger blieb als zu Beginn (−9,40 nmol/L; −14,38 bis −4,42) und noch 16 Wochen nach dem Absetzen vermindert war. Der Missbrauch führte zu strukturellen und funktionellen Spermienveränderungen und zu einer Verkleinerung des Hodenvolumens. Schwächen: kleine Teilstichproben (etwa 65 AAS-Anwender in der Analyse vor und während der Einnahme), Mischung von Substanzen und Dosen, überwiegend nichtrandomisierte Daten; der Abstract nennt keine gepoolten Spermienwerte.

Mulawkar et al. 2023. Diese Übersicht mit Metaanalyse umfasste 32 Studien (12 Kohorten-, 5 Fall-Kontroll-, 9 Querschnittsstudien, 6 Fallberichte) mit 9371 Personen, davon 2671 AAS-Anwender [s102]. FSH und LH waren bei Anwendern niedriger als bei Nichtanwendern und blieben 3 bis 6 Monate nach dem Absetzen niedrig; ein Jahr nach dem Absetzen bestanden keine signifikanten Unterschiede mehr. Das Gesamttestosteron war bei Studienbeginn, nach 3 und nach 6 Monaten vergleichbar, nach einem Jahr bei Anwendern niedriger. Die Spermienkonzentration unterschied sich zwischen Anwendern und Nichtanwendern nicht, die Beweglichkeit war bei Anwendern niedriger, das Hodenvolumen kleiner. Libido und Erektionsfunktion nahmen nach dem Absetzen ab. Die Autoren nennen kleine Stichproben, Polypharmazie, fehlende Dosisangaben und hohe Heterogenität. Der Befund einer unveränderten Konzentration widerspricht dem Bild einer regelhaften Azoospermie; er bildet vermutlich die Mischung aus Anwendern mit gleichzeitiger hCG-Einnahme und solchen in verschiedenen Absetzphasen ab (Deutung, im Abstract nicht belegt).

Esposito et al. 2023 und Vilar Neto et al. 2021. Esposito et al. schlossen 62 Artikel ein (Recherche bis 31. Dezember 2021): AAS-Gebrauch führe zu Hodenatrophie und Azoospermie; die Spermienqualität erhole sich in den meisten Fällen innerhalb von 4 Monaten nach dem Absetzen, die negativen Folgen für die Spermatogenese könnten jedoch bis zu 3 Jahre anhalten [s94]. Vilar Neto et al. werteten 179 Fälle aus; bei 168 war der Hypogonadismus eindeutig auf AAS zurückzuführen, nur bei 38 war der Ausgang vollständig bekannt, und nur bei 4 davon war der Hypogonadismus vollständig reversibel (2 davon unter medikamentöser Therapie) [s136]. Die Autoren schließen, das Problem sei erheblich unterschätzt. Wegen des Berichtsbias der Fallliteratur sind die 4 von 38 keine Häufigkeit in der Anwenderpopulation.

Weitere Übersichten. Rajmil und Moreno-Sepúlveda (2024) werteten 13 Studien mit Protokollen zur Wiederherstellung der Spermatogenese aus: Injizierbare Gonadotropine, selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs) und Aromatasehemmer zeigten eine Wiederherstellung, ihr Einsatz sei aber nur dürftig beschrieben; die Erholung könne länger als ein Jahr dauern [s89]. Corona et al. (2022) kombinierten eine Metaanalyse mit der Reanalyse eigener Tiermodelldaten und fanden eine klar verminderte endogene Testosteronproduktion sowie ungünstigere Blutfettwerte und häufiger Bluthochdruck, ohne dass der Abstract Zahlen nennt [s113]. McBride und Coward (2016) beschreiben spontane Erholung bei einer „angemessenen Zahl“ von Patienten, aber nicht bei allen [s170]; Rahnema et al. (2014) planten eine Metaanalyse, aber keine Studie erfüllte die Qualitätskriterien [s174]. Weitere narrative Zusammenfassungen kommen zum gleichen Bild: Suppression der Achse, beeinträchtigte Spermatogenese, möglicher oxidativer Stress und DNA-Schaden der Spermien, verlängerte und teils unvollständige Erholung [s169, s163, s71, s52, s17, s45, s147, s106]. Lane et al. (2019) beschreiben bei Ausdauersportlern ein „Exercise-Hypogonadal Male Condition“ mit dauerhaft niedrigem Testosteron ohne LH-Anstieg, mit Hinweisen auf Spermatogenesestörungen, aber begrenzten Daten [s150]. Russischsprachige Übersichten nennen Erholungszeiten von 4 bis 12 Monaten (dauerhafte Störungen bis zu 3 bis 6 Jahren beschrieben), 6 bis 24 Monaten und „meist vier Monaten“; sie zitieren überwiegend englischsprachige Literatur und sind keine eigenständigen Datensätze [s158, s67, s140]. Eine Übersicht aus Katar betont, endokrine Parameter normalisierten sich oft früher als Samenparameter, und bei langer oder hoch dosierter Anwendung bleibe die Erholung bei einem klinisch bedeutsamen Teil verzögert oder unvollständig [s23].

Anabol-androgene Steroide: Humanstudien

Knuth, Maniera, Nieschlag 1989. 41 Bodybuilder (Alter 26,7 ± 0,7 Jahre) wurden mit 41 gesunden Freiwilligen ohne Steroide verglichen; die Dosen lagen bis zum 40-Fachen der klinisch üblichen [s218]. Nur 5 der Freiwilligen, aber 24 der Bodybuilder hatten Spermienzahlen unter 20 × 10^6/mL; Anteil beweglicher und normal geformter Spermien waren je nach Dauer der Einnahme und Abstand zur letzten Einnahme signifikant verringert. Bei Bodybuildern, die mehr als 4 Monate zuvor aufgehört hatten, lagen die Zahlen im Normbereich. Schwächen: retrospektive Erfassung der Einnahme, nichtrandomisierte Gruppenbildung, nur Abstract.

Torres-Calleja et al. 2001. 30 Bodybuilder (15 mit, 15 ohne AAS-Anamnese): Bei den Anwendern hatten 8 Spermienzahlen unter 20 × 10^6/mL, 3 eine Azoospermie, 2 eine Polyzoospermie und 2 normale Zahlen; nur 17,7 % der Spermien hatten normale Form [s209]. FSH (1,5 ± 3,2 gegenüber 5,0 ± 1,6; p < 0,001) und Prolaktin waren erniedrigt, LH, Testosteron, Östradiol und DHEA unverändert (Einheiten im Abstract nicht angegeben).

Karila, Hovatta, Seppälä 2004. 18 gesunde Kraftsportler mit massiven AAS-Dosen und gleichzeitigem hCG: Die Spermienkonzentration lag am Zyklusende bei 33 ± 49 × 10^6/mL (nur ein Teilnehmer azoosperm), 1,5 Monate danach bei 30 ± 42 und nach 6 Monaten bei 77 ± 70 × 10^6/mL (p ≤ 0,05 gegenüber den beiden früheren Proben) [s198]. Die hCG-Dosis korrelierte positiv mit dem Anteil morphologisch abnormer Spermien (r = 0,60; p < 0,01). Die Autoren folgern, gleichzeitiges hCG erhalte die Spermatogenese trotz massiver AAS-Dosen, die Samenqualität sei aber vorübergehend beeinträchtigt. Die Streuung ist groß (zu zwei von drei Zeitpunkten ist die Standardabweichung größer als der Mittelwert).

Hormonstudien bei aktuellen Anwendern. Jambi et al. (2024) verglichen 10 AAS-Anwender mit 6 Nichtanwendern (Anwendungsdauer 6 bis 13 Wochen): LH 0,1 gegenüber 2,7 mIU/mL, FSH 0,05 gegenüber 2,71 mIU/mL, Gesamttestosteron 89,9 gegenüber 20,5 nmol/L, ALT 69 gegenüber 22,5 U/L (alle p < 0,05) [s83]. In der türkischen Querschnittsanalyse von 161 Freizeitsportlern galten 57 (35,4 %) mit unterdrückten Gonadotropinen als Anwender (Median LH 0,12 IE/L, FSH 0,17 IE/L); die Definition ist zirkulär, und der Anteil gilt nur für Personen, die zur Hormonmessung kamen [s08]. Eine saudische Fallserie (31 Männer, 18 mit Blutuntersuchung) berichtete niedrige LH- und FSH-Werte; Testosteron nahmen 90 %, Wachstumshormon 81 % und Insulin sowie Erythropoetin je etwa 20 % der Teilnehmer, am häufigsten Testosteron plus GH (45 %); eine Infertilität war bei einem Teilnehmer (3 %) ärztlich diagnostiziert [s56]. Ein irakischer Fall-Kontroll-Vergleich (29 Bodybuilder mit AAS, 20 ohne) fand signifikante Unterschiede bei Testosteron, LH, FSH und Prolaktin, die Zuordnung der Zahlen im Abstract ist jedoch unklar [s183]. Keine dieser Studien enthält ein Spermiogramm. Ein japanischer Fallbericht schildert einen 32-Jährigen nach 7 Jahren AAS-Missbrauch mit Hodenvolumen 13 mL beidseits und niedrigen LH-, FSH- und Gesamttestosteronwerten; auch etwa einen Monat nach Beginn von hCG-Injektionen besserte sich nichts [s189].

Ledesma et al. 2023. In dieser retrospektiven Kohorte (2018 bis 2022) wurden 45 Männer (Median 37 Jahre) mit Azoospermie oder schwerer Oligozoospermie nach früherer Testosteronanwendung (Median 4 Jahre) mit Absetzen plus Clomifen und hCG behandelt (mindestens 3 bis 6 Monate, Median 5 Monate) [s98]. Die mediane Anfangskonzentration lag bei 0 Mio./mL; 23 Männer waren azoosperm, von denen 5 verloren gingen. Nach 6 Monaten erreichten 6 (33,3 %) eine schwere Oligozoospermie (< 5 Mio./mL), 6 (33,3 %) eine Oligozoospermie (< 15 Mio./mL), 1 (5,6 %) eine Normozoospermie, und 5 (27,8 %) blieben azoosperm. Von 24 antwortenden Paaren erzielten 9 (37,5 %) eine Schwangerschaft, 3 davon mit assistierter Reproduktion. Die logistische Regression fand keine signifikanten Prädiktoren. Es gab keine Kontrollgruppe, und es handelt sich um Männer mit Infertilitätsbeschwerden, nicht um Anwender allgemein.

White et al. 2023. Von 94 Männern mit Infertilität durch chronischen AAS-Gebrauch (2012 bis 2022) nahmen 31 (33,0 %) AAS innerhalb von 8 Monaten wieder auf; wer wieder begann, hatte zuvor länger angewendet (60 gegenüber 17 Monate) [s109]. Ein Drittel dieser Männer kehrte damit zu den Substanzen zurück, was eine Erholung der Spermatogenese möglicherweise verhindert (Ableitung).

Al Hashimi et al. 2022 (prospektiv, Randomisierung nach 3 Monaten). 520 Patienten mit bestätigter AAS-Anamnese innerhalb eines Jahres: 84 % kamen mit kombinierten sexuellen Beschwerden, 18 % mit Infertilität; bei 90 % waren LH, FSH und Gesamttestosteron niedrig [s112]. Nach 3 Monaten Beobachtung der spontanen Erholung begannen 89 % eine Behandlung, 11 % blieben in Beobachtung; Behandelte besserten sich schneller bei IIEF, Hormonen, Hodengröße und Samenparametern (p < 0,005). Unter den 94 infertilen Patienten (61 Oligozoospermie, 33 Azoospermie) erreichten nur 14 (15 %) eine Schwangerschaft innerhalb von 12 Monaten, und alle Azoospermiepatienten blieben am Ende der Nachbeobachtung infertil. Einzelzentrum, Randomisierung erst nach Selektion der Nichterholten, keine Angaben zu Dosen und Substanzen. In einer Ärztebefragung (151 Befragte) gaben 90,73 % eine Zunahme des AAS-Missbrauchs an; erwartet wurde eine Erholungszeit von 6 bis 12 Monaten und bei einem Drittel ein Rückfall; das sind Wahrnehmungen von Ärzten, keine Patientendaten [s92].

İbis et al. 2026 (Nachbehandlung nach kurzer AAS-Anwendung). Die retrospektive Zwei-Zentren-Kohorte umfasst 79 Männer mit höchstens 6 Monaten AAS und dokumentiert normalen Hormon- und Samenwerten vor dem Zyklus; die Gruppen waren keine Behandlung, Clomifen 25 mg/Tag oder Clomifen plus hCG 1500 IE dreimal pro Woche [s14]. Zu Beginn hatten 89,9 % eine erektile Dysfunktion und 69,7 % eine Azoospermie oder schwere Oligozoospermie; die Hormone normalisierten sich in allen Gruppen bis Monat 6. Normozoospermie nach 12 Monaten: 87,5 % (Clomifen plus hCG), 69,2 % (Clomifen), 58,6 % (keine Behandlung). Eine Hodenvolumen-Zunahme von mindestens 20 % fand sich bei 70,8 % unter Clomifen plus hCG gegenüber 6,9 % ohne Behandlung. Die Kombination sagte Normozoospermie unabhängig voraus (OR 6,23; 95-%-KI 1,32 bis 29,4) und ebenso die Wiederkehr der Beweglichkeit (OR 4,85; 1,27 bis 18,4); alle 5 Männer mit rekombinantem FSH erreichten bis Monat 12 eine Normozoospermie. Schwächen: retrospektiv, nichtrandomisiert, weite Konfidenzintervalle, nicht zufällige Behandlungswahl. Bemerkenswert ist, dass auch ohne Behandlung 58,6 % nach 12 Monaten normozoosperm waren.

Lichonossow et al. (russische Verlaufsstudie, 2020). 44 AAS-Anwender (Median 29 Jahre, Anwendungsdauer Median 6 Monate) wurden unter AAS und 3 Monate nach dem Absetzen mit einheitlicher Nachsorgetherapie untersucht: LH stieg von 0,2 auf 4,12 mIU/mL, Gesamttestosteron von 4,34 auf 4,55 ng/mL; eine zufriedenstellende Erholung hatten 35 Männer (79,5 %), eine schlechte 9 (20,5 %) [s148]. Die Korrelationen der Testosteron-Erholung mit der Anwendungsdauer (−0,857), der Dosis (−0,7825) und der Zahl der Präparate (−0,443) sind bei n = 44 vorsichtig zu lesen. Ein Spermiogramm wurde nicht erhoben. Dieselbe Arbeitsgruppe fand in einer Befragung in Fitnessstudios (550 auswertbare von 1815 Fragebögen) eine AAS-Anwendung bei 30,4 %, Injektionsdosen von 500 bis 2000 mg pro Woche und mehr (am häufigsten 1000 mg) und den Einsatz von Anastrozol (55 %), hCG (51,3 %), Clomifen (41,3 %) und Tamoxifen (30,5 %) in der Erholungsphase [s157]; die Selbstangaben sind nicht validiert.

Weitere Humandaten. Coward et al. (2013) fanden unter 6033 Männern in Hypogonadismus-Behandlung bei 97 einen ausgeprägten Hypogonadismus (Testosteron höchstens 50 ng/dL), dessen häufigste Ursache frühere AAS-Exposition war (42 Männer, 43 %); in einer Befragung von 382 behandelten Männern hatten 80 (20,9 %) frühere AAS-Exposition, und hypogonade Männer unter 50 Jahren hatten eine mehr als zehnfach höhere Wahrscheinlichkeit dafür (OR 10,16; 95-%-KI 4,90 bis 21,08) [s177]. Die Erhebung ist einrichtungsbasiert, Fertilität wurde nur über die Kinderzahl erfasst. Fallberichte belegen Möglichkeit und Reversibilität im Einzelfall, aber keine Häufigkeit: Azoospermie bei einem Bodybuilder mit Konzeption 3 Monate nach Gonadotropinbeginn [s216]; persistierende Azoospermie trotz 1 Jahr Absetzen, nach 3 Monaten hCG plus hMG normalisiert, Spontanschwangerschaft 7 Monate später [s203]; Spermatogenese nach 6 Monaten zurückgekehrt, mit hoher Häufigkeit von XY-Disomie in den Spermien, was die Autoren als mögliche Beziehung zwischen gestörter meiotischer Segregation und AAS-Missbrauch deuten [s192]; fast 16 Mio./mL in unter 4 Monaten nach Spermienzahl null [s97]. In einer Umfrage unter 470 Anwendern hatten 65,1 % das Absetzen versucht, 95,1 % davon mit mindestens einem Symptom [s96].

Anabol-androgene Steroide: Tierversuche

Die Tierversuche stützen die Humanbefunde, haben aber unterschiedliche Dosen (oft supraphysiologisch), Wirkstoffe und kurze Laufzeiten. Rattendosen in mg/kg sind nicht ohne weiteres auf menschliche Anwendungsmuster übertragbar, die Gruppen sind klein, und die Autoren sind teils nicht unabhängig voneinander.

  • Sustanon (Ratte, 8 Wochen, 10, 20, 30 mg/kg, je 6 Tiere): Hodengewicht 1,482 g gegenüber 0,732, 0,672 und 0,675 g; Spermienzahl 39,333 gegenüber 24,033, 16,65 und 15,3 (Einheit nicht angegeben); normale Spermien 87 % gegenüber 37, 29 und 22 %; fehlendes Flagellum 7 % gegenüber 25, 26 und 29 %; BCL2 in allen Gruppen niedriger (p < 0,001) [s84]. In einer irakischen Arbeit (100 Ratten, 5, 10, 20 mg/kg wöchentlich über 60 Tage) bestanden die Hodenveränderungen 30 Tage nach der letzten Dosis fort und waren „fortschreitend“ [s180].
  • Nandrolondecanoat: 10 mg/kg/Woche über 8 Wochen (n = 16): geringere Keimepithelhöhe, weniger normale Spermienparameter, aber nach Titel keine Beeinträchtigung der Embryorate in der In-vitro-Fertilisation [s70]. Nach hohen Dosen waren 12 Wochen nach Behandlungsende Hodengewicht, -volumen und Tubulusfläche vermindert und nach Angabe der Autoren „noch schlimmer“ als unmittelbar nach der Behandlung (n = 25) [s43]. In einer Dosis-Zeit-Studie (1, 3, 9 mg/kg/Woche) zeigte sich Hypogonadismus schon bei niedriger Dosis, mit histologischen Defekten und verzögertem Zyklus des Samenepithels [s85]. Bei 3 und 10 mg/kg stiegen oxidativer Stress, Spermien-DNA-Fragmentierung und der Anteil von Samenkanälchen mit Reifungsstopp [s184]; bei Ratten sanken Hodengewicht und Zellschichthöhe, die Prostata- und Samenblasengewichte stiegen [s134].
  • Stanozolol (Ratte, 5, 10, 15 mg/kg über 60 Tage, je 5 Tiere): signifikante, dosisabhängige Abnahme von Hodengewicht, Spermienkonzentration, Vitalität und Beweglichkeit (p < 0,001), mehr Fehlbildungen; Höhe des Keimepithels 95,43 ± 2,15 gegenüber 68,15 ± 2,13, 65,21 ± 2,21 und 61,71 ± 2,20 µm [s11]. Stanozolol mit Cannabis erhöhte die Hodenschädigung; Schwimmtraining milderte sie nur teilweise [s41].
  • Boldenon, Trenorol, Oxymetholon: Boldenon senkte in drei Rattenstudien aus Ägypten Hodengewicht, Gonadotropine, Testosteron und Androgenrezeptor-Expression und erhöhte oxidative und entzündliche Marker, wobei Spermienparameter nur in einer Studie gemessen wurden [s03, s12, s26]; Trenorol senkte Spermienzahl, Vitalität und Beweglichkeit und erhöhte DNA-Schäden [s68]; Oxymetholon verursachte histologische Schäden mit geschwollenen Mitochondrien [s104]. Diese Arbeiten testen vor allem „Schutzsubstanzen“; für die Folgen der AAS selbst zählt nur der Vergleich mit der Kontrollgruppe.
  • Gegenbefund: Bei jungen Mäusen (35 Tiere, Nandrolon 10 mg/kg/Woche, 32 Tage) erhöhte Nandrolon allein Hodengewicht und gonadosomatischen Index; die Autoren schließen, es beeinträchtige die Fruchtbarkeit in der pubertären Reifung möglicherweise nicht, doch ein höheres Hodengewicht belegt keine bessere Spermatogenese [s33].
  • Japan, Korea: Bei Hengsten sanken nach 800 mg Nandrolondecanoat alle 3 Wochen über 3 Monate LH, Inhibin und Testosteron, mit Stillstand der fortgeschrittenen Spermatogenese und starker Verarmung an Leydig-Zellen [s213]. Bei Ratten fand sich nach einem Kombinationsregime mit mehreren AAS eine schwere Schädigung von Herz, Hoden und Nebenniere [s200]. Nandrolon senkte dosis- und zeitabhängig die Steroidsynthese-Enzyme im Rattenhoden [s162], und nach 12 Wochen Erholung waren P450scc und 17α-Hydroxylase in beiden Dosisgruppen noch signifikant niedriger als in der Kontrolle [s133]; im Nebenhoden veränderten sich die Aquaporine 1 und 9 segmentabhängig uneinheitlich [s132].

Testosteronundecanoat in der Verhütungsforschung (China)

Die chinesischen Studien zu Testosteronundecanoat (TU) sind keine Fitnessstudien. Sie sind aufgenommen, weil sie beim Menschen dokumentieren, wie stark, wie schnell und wie reversibel injiziertes Testosteron die Spermatogenese unterdrückt (Rückkopplungshemmung von LH und FSH). Die Übertragung auf andere Wirkstoffe und Dosierungen im Fitnessumfeld ist nicht belegt. Zitzmann (2026) beschreibt im Bundesgesundheitsblatt, dass die hormonelle Kontrazeption beim Mann auf der Suppression der Spermatogenese durch Testosteron plus Gestagen beruht und dass die WHO-Studie wegen Nebenwirkungen (Libidoverlust, Stimmung, Gewicht) abgebrochen wurde [s34].

  • Pilotstudie 1999 (32 Männer): 500 mg TU (n = 13), 1.000 mg TU (n = 12) oder Placebo (n = 7) monatlich; in der 500-mg-Gruppe wurden 11 von 12 Männern azoosperm (der Abstract nennt in diesem Satz 12 statt 13 Teilnehmer), in der 1.000-mg-Gruppe alle; LH und FSH fielen unter beiden Dosen bis Woche 16 auf nicht nachweisbare Werte; die Suppression war bei 1.000 mg schneller [s215].
  • Phase-II-Studie 2003 (308 Männer, sechs Zentren): 9 von 308 Männern erreichten in der Suppressionsphase keine Azoospermie oder schwere Oligozoospermie (< 3 × 10^6/mL); methodische Versagerrate 2,9 pro 100 Paarjahre (95-%-KI 1,0 bis 4,8), sekundäre Versagerrate durch Spermien-Rebound 2,3 pro 100 Paarjahre (0,5 bis 4,2), Gesamtversagerrate 5,2 %. Die Spermatogenese kehrte bei allen Teilnehmern in den Referenzbereich zurück. Mittleres Serumtestosteron +131 %, LH −72 %, FSH −70 %, HDL-Cholesterin −14 %, Hämatokrit +6 % gegenüber dem Ausgangswert [s202].
  • Phase-III-Studie 2009 (1.045 Männer): 500 mg TU monatlich über 30 Monate; 43 Teilnehmer (4,8 %) erreichten in der 6-monatigen Suppressionsphase keine Azoospermie oder schwere Oligozoospermie (≤ 1 × 10^6/mL), die kombinierte Methodenversagerrate betrug 6,1 % (4,8 % unzureichende Suppression, 1,3 % Rebound). Die Spermatogenese kehrte bei allen außer zwei Teilnehmern in den Referenzbereich zurück; 855 traten in die Wirksamkeitsphase ein, 733 beendeten sie [s185].
  • Randomisierte Studie mit Levonorgestrel (62 Männer): Azoospermie in 62 % (500 mg TU plus Implantate), 90 % (1.000 mg TU plus Implantate) und 67 % (1.000 mg TU allein), Unterschied nicht signifikant (P = 0,09); die Spermatogenese kehrte bei allen nach Entfernung der Implantate in den Normbereich zurück [s197]. Die Kombination mit Depot-Medroxyprogesteronacetat (30 Männer, je 10 pro Gruppe) unterdrückte die Spermatogenese bis zur Azoospermie; zwei Männer der TU-Gruppe hatten einen Rebound [s201, s196].
  • Ansprechen: Bei 16 Männern unter Levonorgestrel plus TU hatten die 7 Responder niedrigeres FSH als die 9 Non-Responder, und Spermiendichte, Motilität und Vitalität korrelierten positiv mit dem Serum-FSH (r zwischen 0,219 und 0,326) [s199]. In der geschachtelten Fall-Kontroll-Studie waren Ausgangs-LH, LH- und FSH-Unterdrückung bei den 43 partiellen Suppressoren schwächer; der CAG-Polymorphismus des Androgenrezeptors und FSH-Rezeptor-Varianten unterschieden sich nicht [s188, s187]. Beide Aussagen sind schwach gestützt, und die zwei Arbeiten überlappen wohl in der Population.
  • Mechanismus am Menschen: Nach vier TU-Injektionen sanken bei 20 fertilen Männern Spermiendichte und Keimzellzahl im Ejakulat signifikant (P < 0,01), und der Anteil apoptotischer Spermatozyten und Spermatiden stieg (P < 0,01) [s212]; in menschlichen Hodenbiopsien änderten sich 17 (TU allein) und 46 (TU plus Levonorgestrel) Proteinspots signifikant [s186].
  • Tiermodelle: In einer Rhesusaffen-Serie stiegen Keimzellapoptose und Fas/FasL-Expression zeitabhängig mit Maximum an Tag 30, Bcl-2 stieg früh, Bax blieb unverändert, Hsp70-2 fiel erst an Tag 60 stark ab [s210, s207, s208, s204]; Fallzahlen und Dosen fehlen in den Abstracts, und die Publikationen stammen wohl aus demselben Versuchsansatz. Bei Ratten (je 5 Tiere) war 8 mg/kg ohne Wirkung, 19 mg/kg unterdrückte nach 60 Tagen leicht und nach weiteren 70 Tagen stark, mit vollständiger Erholung; die sehr hohe Dosis von 625 mg/kg beeinträchtigte die Spermatogenese nicht signifikant (nicht monotoner Befund, im Abstract nicht erklärt) [s211]. Bei Depotimplantaten waren nach 3 Monaten die mit 270 und 135 mg/kg behandelten Ratten zu 100 % infertil, während einige Männchen der 540-mg/kg- und der Injektionsgruppe fertil blieben [s171]. Nach 130 Tagen TU waren Leydig-Zellen atrophiert, und in 11,5 % der Samenkanälchen-Profile fand sich eine lockerere Anordnung der Keimzellen [s194, s181].
  • Gegenläufige Befunde: In einem Oligoasthenospermie-Modell der Ratte (40 Tiere, chemisch erzeugte Hodenschädigung) verbesserten zwei TU-Injektionen Spermienkonzentration und Motilität nach 8 Wochen signifikant [s142], und nach Busulfan-Schädigung förderte Testosteron-Enanthat die Regeneration (erholte Samenkanälchen bis zu 37,1 ± 20,5 % gegenüber 10,3 ± 7,8 %) [s193]. Die Wirkung exogenen Testosterons hängt also vom Ausgangszustand des Hodens und von der Dosierung ab; für gesunde Männer folgt daraus nichts.

Fehlangewendeter Testosteronersatz

Aus Korea und Japan liegen Fallserien zu Männern vor, die Testosteron wegen Androgenmangelsymptomen erhielten und dann in Kinderwunschambulanzen vorstellig wurden. Bang et al. (2013, 8 Männer): mediane Dauer bis zur Azoospermie 8 Monate (Spanne 4 bis 12), nach dem Absetzen Normalisierung von Spermienkonzentration und FSH nach median 8,5 Monaten [s175]. Song et al. (2019, 20 Männer): 8 Azoospermie, 9 Kryptozoospermie, 3 schwere Oligozoospermie, FSH meist unter 1,0 mIU/mL; drei laufende Programme der assistierten Reproduktion wurden abgebrochen; nach dem Absetzen Normalisierung nach median 8 Monaten [s154]. Sukegawa und Tsuji (2020): 6 von 4.375 Patienten einer Infertilitätsklinik hatten wegen Late-onset-Hypogonadismus Testosteron erhalten (3 bis 12 Monate); bei 5 von 6 waren die Gonadotropine stark unterdrückt, und die Erholungszeit war von Patient zu Patient sehr unterschiedlich [s146]. Weitere Übersichten und Daten zur Fertilität unter Testosteronersatz bestätigen die Rückkopplungshemmung [s77, s115, s42]. Alle drei Serien sind klein, selektiert und ohne Kontrollgruppe. Eine russische Übersicht zitiert, 75 bis 100 mg Testosteron pro Woche lösten keinen Hypogonadismus aus, 200 bis 250 mg pro Woche verursachten Oligospermie und Dopingdosen von 1000 mg pro Woche unterdrückten die Achse „garantiert“; das sind zitierte Angaben ohne eigene Daten [s158].

Wachstumshormon, IGF-1 und Ghrelin

Studien an Erkrankten. Zhu et al. (2022) verglichen bei 60 Männern mit kongenitalem kombiniertem Hypophysenhormonmangel Gonadotropine allein (n = 29) mit rhGH plus Gonadotropinen (n = 31): Spermatogenese bei 96,77 % (30/31) gegenüber 62,07 % (18/29), P < 0,001; erste Spermien nach 14 gegenüber 23 Monaten; Testosteron 4,79 gegenüber 3,38 ng/mL; nach Adjustierung HR 2,294 (95-%-KI 1,143 bis 4,604; P = 0,019) [s123]. Die Studie ist retrospektiv und nicht randomisiert, gilt für Menschen mit angeborenem Mangel und nicht für Männer mit normaler GH-Achse. Bei GH-Mangel nach der Pubertät (26 Patienten, 25 Kontrollen) fanden Cannarella et al. (2025) bei unveränderten LH-, FSH- und Testosteronwerten ein geringeres Ejakulatvolumen, eine geringere Gesamtspermienzahl, geringere Beweglichkeit und häufiger Oligozoospermie, bei unveränderter Konzentration und Morphologie [s39]. Bei 93 Kindern mit GH-Mangel unter rhGH stieg das mittlere Tanner-Stadium von 1,19 auf 4,05 [s128]; die Übersicht zum Laron-Syndrom (125 Männer) fand keine Arbeit mit Spermienparametern [s127].

GH-Überschuss. Bei Akromegalie sind die Ergebnisse widersprüchlich. Yilmaz et al. (2021; 24 aktive, 22 in Remission, 10 Kontrollen, 10 mit hormoninaktivem Adenom) fanden stärker gestörte Testosteronwerte und Samenparameter, am stärksten bei aktiver Erkrankung [s138]; Andreassen et al. (2020; je 10 Patienten) fanden bei hypogonadalen Akromegalen einen höheren Anteil progressiv beweglicher Spermien (62 gegenüber 47 %; p = 0,04; Gesunde 57 %) und schlossen, ihre Daten stützten eine verminderte Samenqualität bei Akromegalie nicht [s143]. Sahin et al. (2024; 22 Patienten, 14 Kontrollen) fanden im Samen eine höhere Gesamtoxidantienkapazität, die negativ mit Spermienzahl und -konzentration korrelierte [s90]. Corona et al. (2024) fassen zusammen, GH-Überschuss beeinträchtige direkt die Fruchtbarkeit mit sekundärem Hypogonadismus, zur Wirkung von GH-Mangel sei die Datenlage unklar [s76]. Akromegalie ist ein Krankheitszustand und kein Modell für die Anwendung durch Gesunde.

Therapeutische Einzelbefunde. Ein Fallbericht (1 Mann, 47 Jahre) berichtet unter 1,5 IE IGF-1 täglich intradermal über 2 Monate einen Anstieg der Spermienkonzentration von 1,1 auf 18,3 Mio./mL und der progressiven Beweglichkeit von 2 auf 43 % [s151]; n = 1, unkontrolliert, nicht auf Anwender mit anderen Dosen übertragbar. In einer randomisierten chinesischen Studie bei idiopathischer Asthenospermie (laut Abstract 40 Patienten, Gruppengrößen 18 und 18) stieg die Spermienvitalität unter rhGH um (28,60 ± 32,89) % gegenüber (8,42 ± 25,87) % in der Kontrollgruppe (P < 0,01) und die Motilität (a + b) um (18,56 ± 21,19) % gegenüber (8,12 ± 24,34) % (P < 0,05); die Standardabweichungen sind größer als die Mittelwerte, und die Zahlen sind im Abstract inkonsistent [s190]. Ein GHRH-Test bei Reifungsarrest (9 Infertile, 8 Fertile) zeigte ein niedriges GH-Ansprechen und deutet auf eine relative GH-Insuffizienz; die Richtung des Zusammenhangs bleibt offen [s205].

Tierversuche und Mechanismusstudien. Bei GH-defizienten Ratten verbesserte GH nach Cyclophosphamid Spermatozytenzahl und Motilität (Tag 28), nicht aber bei Vorbehandlung [s206]; unter GnRH-Agonist erhöhte GH Spermiendichte und Motilität bei unreifen Ratten [s214]. Bei präpubertären Ratten führte rhGH (1 oder 2 IE/kg/Tag) zu frühzeitigerer Pubertät, höherem Testosteron und höherem testikulärem Igf1, nicht aber zirkulierendem IGF1 [s122, s129]. IGF-1 erhöhte in der Hodenorgankultur der Maus den Anteil runder und elongierter Spermatiden [s168] und milderte bei Mäusen mit fettreicher Kost die Funktionsstörungen [s54]. Eine Übersicht fasst zusammen, GH könne die Gonadotropinempfindlichkeit steigern und möglicherweise die Spermatogenese beeinflussen, IGF-1 sei Hauptvermittler [s110]. In-vitro-Studien mit Wachstumsfaktoren in der Spermienaufbereitung sind keine systemische Exposition [s116].

Ghrelin und Sekretagoga. Ratten unter Futterrestriktion hatten höheres Ghrelin und niedrigeres FSH, LH und Testosteron bei schlechterer Samenqualität (Energiemangel und Ghrelin nicht trennbar) [s48]; exogenes acyliertes Ghrelin (40 nmol/kg/Tag) schützte im Doxorubicin-Modell Hoden und Spermien [s105]; intrazerebroventrikuläres Ghrelin hemmte die Testosteronsekretion adulter Ratten [s182]; im menschlichen Hoden korrelierte die Ghrelin-Expression der Leydig-Zellen negativ mit dem Serumtestosteron (r = −0,50) [s191]. Das GH-Sekretagogum Ipamorelin erhöhte bei Tilapia dosisabhängig (5 oder 30 µg über 21 Tage) die Zahl primärer und sekundärer Spermatozyten und früher Spermatiden sowie LH und 11-Ketotestosteron [s79]; das ist ein Fischmodell ohne belegte Übertragung. Das mitochondriale Peptid MOTS-c war bei Patienten mit Oligoasthenozoospermie im Serum erniedrigt und linderte im Mausmodell Ferroptose [s21].

Peptide im engeren Sinn. Zu Sermorelin, CJC-1295, GHRP-2/-6, Hexarelin, BPC-157, TB-500 und Melanotan II liegt keine Studie mit Spermienendpunkt vor. Übersichten beschreiben Nebenwirkungen wie erhöhtes Prolaktin und Kortisol, Dysglykämie, Flüssigkeitsretention und Injektionsreaktionen [s07], fehlende Humansicherheitsprofile und Risiken durch Verunreinigung und falsche Dosierung [s24] sowie den Graumarkt [s10]; eine russische Übersicht behandelt GH-freisetzende Peptide ohne Erwähnung der Fortpflanzung [s179]. Kisspeptin- und GnRH-basierte Strategien bei Testosteron-induzierter Suppression sind medizinische Prüfansätze, und es fehlen gut konzipierte klinische Studien [s06]. Anwender nehmen GH nicht isoliert: In der saudischen Serie nahmen 81 % GH und 45 % die Kombination Testosteron plus GH, sodass sich eine GH-Wirkung auf Spermien daraus nicht ableiten lässt [s56].

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Einordnung und Abgrenzung bis Übersichten zu Wachstumshormon, IGF-1 und Peptiden
  5. Metaanalysen zu Behandlungen bei subfertilen Männern als Vergleichsmaßstab und Metaanalysen und Übersichten zu Training und Lebensstil
  6. Einordnung und Abgrenzung bis Testosteron-Fehlanwendung: Fallserien und Kohorten aus Korea, Japan und China
  7. Wachstumshormon-Achse beim Menschen: Beobachtungsstudien bis Gesamteinschätzung der Beobachtungsstudien
  8. Wie belastbar ist die Literatur überhaupt? bis Wachstumshormon, IGF-1 und Ghrelin
  9. Weitere Wirkstoffe, Nahrungsergänzung und Training und Leitlinien und Konsensdokumente
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Spanisch
  13. Chinesisch bis Arabisch
  14. Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen s01–s113
  23. Quellen s114–s218
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle