SARMs, Wachstumshormon und Fitness-Wirkstoffe · Kapitel 2 von 20

Aufbau und Methodik dieser Studie

Fragestellung und Abgrenzung

Die Leitfrage lautet: Was ist über die Wirkung von SARMs, Wachstumshormon, IGF-1, Peptiden und weiteren Fitness-Wirkstoffen auf die männliche Spermienqualität veröffentlicht, und wie belastbar ist es? Weil die Literatur zu den neueren Stoffen sehr dünn ist, wurde sie um benachbarte Fragen erweitert, die als Analogie dienen: anabole androgene Steroide (AAS), exogenes Testosteron, Mittel der sogenannten Nachbehandlung (hCG, selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren wie Clomifen, Aromatasehemmer), Nahrungsergänzungsmittel sowie Training und Lebensstil als Störgrößen. Diese Erweiterung ist methodisch heikel, denn AAS sind keine SARMs. Eine kritische Übersicht hält fest, dass die behauptete Gewebeselektivität der SARMs präklinisch zum großen Teil auf dem fehlenden Steroidstoffwechsel beruhen könnte und Vergleichsstudien gegen klassische Androgene fehlen [s38]. Wo im Text AAS-Daten stehen, sind sie deshalb ausdrücklich als Analogie gekennzeichnet und nicht als SARM-Befund zu lesen.

Suchwege

Die Recherche lief in drei Teilen nach Sprachgruppen, jeweils am 4. Oktober 2026. Gruppe A deckte Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch ab, Gruppe B Chinesisch, Japanisch und Koreanisch, Gruppe C Russisch, Arabisch und Türkisch. Insgesamt sind es zwölf Sprachen.

Hauptquelle war in allen Gruppen die REST-Schnittstelle von Europe PMC, die die PubMed-Datensätze mit Abstract und Affiliation liefert. Die Webseite von PubMed war gesperrt und wurde nicht als Quelle genutzt. Gruppe A führte über 70 Abfragen in Englisch und fünf weiteren Sprachen durch, teils mit Sprachfiltern, ergänzt um die NCBI-E-utilities für Zeitschriftennamen und Autorenlisten, die französische Archivplattform HAL (zehn Abfragen, drei einschlägige Einträge) und die online abrufbaren Volltexte der Leitlinien von AUA/ASRM und EAU. Gruppe B suchte zusätzlich über die Schnittstellen von J-STAGE und CiNii Research und per Formularabruf im koreanischen KCI-Portal, Gruppe C über CyberLeninka, TR Dizin und eMarefa sowie mit Affiliationsfiltern für die Türkei, Russland und arabische Länder in Europe PMC.

Die Suchbegriffe umfassten die SARM-Namen (Ostarin/Enobosarm, Ligandrol/LGD-4033, RAD-140, Andarin, Testolon, Cardarin), Wachstumshormon, IGF-1, GH-Sekretagoga und Peptidnamen (Ipamorelin, CJC-1295, Tesamorelin, BPC-157, Thymosin, Melanotan, MK-677, Kisspeptin), AAS-Wirkstoffe (Nandrolon, Stanozolol, Trenbolon, Boldenon, Oxandrolon), Clenbuterol, hCG, Clomifen, Tamoxifen, Kreatin und DHEA, jeweils kombiniert mit Begriffen für Spermien, Samen, Hoden, Spermatogenese und Fertilität; in den Fremdsprachen wurden die entsprechenden Fachbegriffe verwendet. Die englische Kernabfrage zu SARM-Begriffen in Verbindung mit Spermien-, Samen-, Spermatogenese- und Fertilitätsbegriffen lieferte 233 Treffer. Heruntergeladen und nach Stichwörtern vorgefiltert wurden bis zu 100 Treffer je Abfrage; die Titel- und Abstractdurchsicht ergab keine Studie mit Samenparametern beim Menschen unter SARM-Einnahme. Gruppe B fand mit Länderfilter für China, Japan und Korea null Treffer und ohne Länderfilter 24, die nicht aus diesen Sprachräumen stammten.

Auswahl und Zusammenführung

Aufgenommen wurde eine Quelle, wenn mindestens ihr Abstract tatsächlich abgerufen wurde und sie einen Wirkstoff der gesuchten Gruppen, eine eng verwandte Exposition (exogene Androgene, GH und IGF-1) oder Training und Lebensstil mit einem Endpunkt an Spermien, Hoden oder Fruchtbarkeit behandelt. Ausgeschlossen wurden unter anderem Veröffentlichungen ohne Abstract, reine Krebs- und Umweltstudien, Arbeiten, die nur durch Zufallsübereinstimmung eines Suchbegriffs auftauchten, sowie SARM-Studien zu Stoffwechsel und Nachweis ohne Reproduktionsendpunkt. Sechs iranische Studien wurden aufgenommen, obwohl Iran zu keinem der drei Zielsprachräume der Gruppe C gehört, weil sie thematisch eng anschließen.

Die Teilrecherchen nahmen 115 (Gruppe A), 69 (Gruppe B) und 46 (Gruppe C) Quellen auf. Zwölf Quellen standen in mehr als einer Gruppe und wurden zusammengeführt; daraus entstanden 218 Quellen mit den Kennungen s01 bis s218, die in dieser Studie ausschließlich als Beleg dienen. Einige Einträge sind verschiedene Veröffentlichungen derselben Studie und dürfen nicht doppelt gezählt werden, etwa die chinesische und die englische Fassung einer Studie mit Testosteronundecanoat und Depot-Medroxyprogesteronacetat [s201, s196] sowie zwei überlappende Auswertungen zum Ansprechen auf Testosteronundecanoat [s188, s187].

Zusammensetzung der Quellenbasis

Die Quellen stammen aus den Jahren 1989 bis 2026. Sieben erschienen vor 2000, 148 seit 2020 und 67 seit 2025; das Feld ist also jung und wächst schnell. Nach den Sprachangaben in den Datensätzen sind 183 Quellen ausschließlich englisch; 35 tragen mindestens eine weitere Sprachangabe (russisch 15, chinesisch 5, französisch 5, arabisch 2, japanisch 2, deutsch 2, italienisch 2, portugiesisch 1, spanisch 1). Das beschreibt die Sprache der Veröffentlichung, nicht die Herkunft der Autoren: Studien aus Ägypten, Irak, Saudi-Arabien oder Korea erscheinen überwiegend auf Englisch.

Nach dem Designfeld der Datensätze und einer groben stichwortbasierten Zählung (jede Quelle nur einmal) verteilen sich die Quellen so: 58 Tierversuche, 53 Übersichtsarbeiten, 18 Fallberichte oder Fallserien, 15 systematische Übersichten oder Metaanalysen, 13 Leitlinien, Konsensus- und Positionspapiere, 9 randomisierte Studien und 52 weitere (Kohorten, Querschnitte, Befragungen, Laboranalysen und andere). Die Zahlen sind Näherungen; sie zeigen die Größenordnung, nicht eine exakte Klassifikation. Randomisierte Studien mit Samenendpunkten sind demnach eine kleine Minderheit, und keine betrifft SARMs.

Bewertung der Einzelstudien

Jede Studie wurde in den Teilrecherchen nach demselben Raster beschrieben: Design, Population, Methodik, Ergebnisse, Stärken, Schwächen. Ein formales Bewertungsinstrument für das Verzerrungsrisiko wurde nicht angewandt; wo Übersichtsarbeiten selbst solche Instrumente nennen, etwa die Newcastle-Ottawa-Skala, ist das als Aussage der Autoren wiedergegeben [s102]. Die Evidenzstärke und die Gewissheit in dieser Studie sind eigene, qualitative Einstufungen nach Studiendesign, Fallzahl, Konsistenz und Übertragbarkeit.

Zahlenregel, Zitierweise und Sprache

Jede Zahl der Studie steht in einem der Abstracts, einem abgerufenen Volltext oder einer eigens für das Hintergrundkapitel abgerufenen Quelle; nichts wurde aus dem Gedächtnis ergänzt. Fehlt eine Zahl im Abstract, steht das im Text. Widersprüche innerhalb eines Abstracts sind nicht geglättet, sondern benannt: In der Pilotstudie zu Testosteronundecanoat nennt der Abstract für dieselbe Gruppe 12 und 13 Teilnehmer [s215]; bei der Studie mit rhGH bei Asthenospermie stehen 40 Patienten gegen 18 plus 18 [s190]; in einer Netzwerk-Metaanalyse widerspricht sich der Abstract bei der Aussage zur Spermiendichte und zur Signifikanz [s59]; ein russischer Rattenversuch nennt für die Dosis drei verschiedene Werte [s139]. Solche Studien sind nur qualitativ verwertet.

Zitiert wird mit den Kennungen in eckigen Klammern, etwa [s176] oder [s166, s102]. Originaltitel bleiben im Original, bei nicht englischen und nicht deutschen Titeln folgt die deutsche Übersetzung in Klammern. Für das Hintergrundkapitel wurden sechs Arbeiten zusätzlich über Europe PMC und die NCBI-E-utilities abgerufen (zur WHO-Handbuchausgabe 2021, zu Trends der Spermienzahl und zur Bewertung der Referenzwerte); sie stehen nicht in der Quellenliste und werden im Text mit Autorennamen und Jahr genannt und ausdrücklich als zusätzlich abgerufen gekennzeichnet.

Zugriffsgrenzen

Mehrere Datenbanken waren nicht oder nur teilweise nutzbar, und das begrenzt die Aussagen für einzelne Sprachräume. Für die französisch-, portugiesisch-, spanisch- und italienischsprachige Literatur scheiterte der Zugriff auf Cairn (Bot-Prüfung), SciELO und das LILACS-Portal (Sicherheitsabfrage), Dialnet (Fehlerseite) und die Seite der Società Italiana di Andrologia (keine Verbindung); die dortige Primärliteratur außerhalb von PubMed konnte nicht durchsucht werden. Für den ostasiatischen Raum waren CNKI, Wanfang, DBpia und KoreaMed nicht auswertbar, bei KoreaMed lieferte schon der Kontrollbegriff „sperm“ keine Treffer. Für das Russische fiel eLIBRARY.ru aus (HTTP 403), für das Türkische DergiPark, für das Arabische Arab World Research Source und Mandumah (Anmeldung nötig). Das AWMF-Register war als Startseite erreichbar; eine Volltextsuche wurde nicht durchgeführt, und über Europe PMC fand sich keine AWMF-Leitlinie zur männlichen Infertilität mit Anabolikabezug. Die Cochrane-Reviews wurden über Europe PMC erfasst, weil die Cochrane-Suchseite ihre Inhalte dynamisch nachlädt.

Grenzen der Studie

Erstens liegt für die meisten Studien nur der Abstract vor. Volltexte wurden gelesen, wo sie frei zugänglich waren, etwa die Leitlinientexte von AUA/ASRM und EAU oder offene Arbeiten aus Europe PMC und CyberLeninka. Details, Konfidenzintervalle und Ausschlusskriterien, die nur im Volltext stehen, fehlen deshalb. Zweitens besteht ein Berichtsbias: Fallberichte und Klinikserien zeigen eher Männer mit Problemen, und die Anwender ohne Beschwerden tauchen nicht auf; die Übersicht zur Reversibilität sagt das für ihre 4 von 38 Fälle ausdrücklich [s136]. Drittens sind Anwender von Fitness-Wirkstoffen selten Einzelstoffnutzer; Mischkonsum, selbst bestimmte Dosen und unbekannte Produktzusammensetzung verwischen jede Zuordnung [s56, s157, s78]. Viertens stammt ein großer Teil der Befunde aus Tierversuchen mit hohen Dosen, deren Übertragbarkeit auf Männer offen ist. Fünftens ist die nicht englische Literatur nur über PubMed-Einträge mit Abstract zugänglich; chinesisch-, russisch- oder arabischsprachige Arbeiten, die dort nicht geführt werden, fehlen womöglich. Eine Netzwerk-Metaanalyse zeigt, dass chinesischsprachige Trainingsstudien existieren, die in englischsprachigen Datenbanken fehlen [s59].

Schließlich ist diese Studie eine Literaturauswertung. Sie rechnet keine eigene Metaanalyse, mischt keine Studien verschiedener Substanzen zu einem Effektschätzer und gibt keine Therapieempfehlung. Wo Übersichtsarbeiten Behandlungsansätze beschreiben, ist das als Inhalt der Quelle wiedergegeben.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Einordnung und Abgrenzung bis Übersichten zu Wachstumshormon, IGF-1 und Peptiden
  5. Metaanalysen zu Behandlungen bei subfertilen Männern als Vergleichsmaßstab und Metaanalysen und Übersichten zu Training und Lebensstil
  6. Einordnung und Abgrenzung bis Testosteron-Fehlanwendung: Fallserien und Kohorten aus Korea, Japan und China
  7. Wachstumshormon-Achse beim Menschen: Beobachtungsstudien bis Gesamteinschätzung der Beobachtungsstudien
  8. Wie belastbar ist die Literatur überhaupt? bis Wachstumshormon, IGF-1 und Ghrelin
  9. Weitere Wirkstoffe, Nahrungsergänzung und Training und Leitlinien und Konsensdokumente
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Spanisch
  13. Chinesisch bis Arabisch
  14. Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen s01–s113
  23. Quellen s114–s218
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle