SARMs, Wachstumshormon und Fitness-Wirkstoffe · Kapitel 17 von 20

Offene Forschungsfragen

Die folgenden Fragen ergeben sich aus den Lücken, die die Quellen selbst benennen oder die in der Zusammenschau sichtbar werden. Sie sind keine Aussage darüber, was untersucht werden sollte oder wird, sondern eine Beschreibung dessen, was nicht beantwortet ist.

  1. Samenanalyse unter SARM-Einnahme beim Menschen. Es fehlt eine kontrollierte Studie, die Spermienkonzentration, Beweglichkeit, Morphologie und idealerweise DNA-Fragmentierung unter einem SARM misst, mit Nachbeobachtung nach dem Absetzen. Die Studie mit LGD-4033 maß Hormone über 21 Tage und 5 Wochen Nachbeobachtung, aber nach Abstract keine Samenanalyse [s176]. Offen ist, ob die dort beobachtete Absenkung von FSH bei 1,0 mg eine messbare Wirkung auf die Spermatogenese hat. Dieser Schritt ist eine eigene Ableitung, kein Studienbefund.
  2. Hochdosierte Selbstanwendung. Die klinischen SARM-Studien untersuchten ältere oder erkrankte Personen (mittleres Alter 57,1 Jahre in der Übersicht von Wen et al.) [s63], die Anwender dagegen sind überwiegend junge Männer, die nach Berichten deutlich höhere Dosen nehmen als in klinischen Studien geprüft wurden [s62]. Die Verhältnisse in der Praxis sind damit nicht abgebildet.
  3. Erholungsverlauf nach SARM. Es gibt keine Daten, wie lange es dauert, bis Hormone und Samenparameter zurückkehren, und ob sie es bei jedem tun. Bei LGD-4033 kehrten Hormon- und Lipidwerte nach dem Absetzen auf den Ausgangswert zurück [s176]; für Samenparameter fehlt jede Angabe.
  4. Kombinationen. Die Praxis besteht aus Kombinationen (AAS mit Nachbehandlung, GH mit Testosteron, Mischpräparate) [s157, s56, s75]. Es fehlen Studien, die Kombinationen systematisch erfassen und Einzelwirkungen trennen.
  5. Wachstumshormon, IGF-1 und Sekretagoga bei Gesunden. Offen ist, ob Zufuhr bei normaler GH-Achse die Spermienparameter verändert und in welche Richtung. Die Befunde bei Mangel, Überschuss und Zusatz zu Gonadotropinen [s39, s138, s143, s123] lassen keine Aussage zu. Ob die Beziehung nicht linear ist, wie oben als Deutung formuliert, wurde in keiner Studie geprüft.
  6. Peptide. Für BPC-157, TB-500, Melanotan II und die GHRH-Analoga fehlen Humansicherheitsprofile [s24, s07]; Spermiendaten fehlen ganz. Die Ghrelin-Arbeiten untersuchen Energiemangel oder Chemotherapieschäden, nicht Rezeptoragonisten bei Gesunden [s48, s105].
  7. Dosis-Wirkung bei AAS. Die Petersburger Verlaufsstudie deutet auf Zusammenhänge zwischen Dauer, Dosis, Präparatezahl und schlechter Erholung hin [s148]; ob sie sich in größeren Gruppen mit Samenanalyse bestätigen, ist offen. Tierstudien fanden schon bei niedriger Dosis einen Hypogonadismus [s85].
  8. Wie viele erholen sich nicht? Die Häufigkeit der unvollständigen Erholung in der Gesamtheit der Anwender ist nicht bekannt [s136, s98, s112]. Dazu bräuchte es prospektive Kohorten, die nicht in Kinderwunschkliniken rekrutieren, mit Ausgangswerten vor dem Zyklus, wie sie nur in der Studie von İbis et al. teilweise vorliegen [s14]. Ob Alter, Dauer oder andere Faktoren eine Rolle spielen, ist offen; ein Prädiktor wurde in der Kohorte von Ledesma et al. nicht gefunden [s98].
  9. Wirksamkeit der Nachbehandlung. Es fehlen randomisierte Studien zu Clomifen, hCG, Aromatasehemmern und Kombinationen, ebenso Studien mit Schwangerschaft und Lebendgeburt als Endpunkt [s14, s29, s04, s89]. Das Protokoll einer offenen Pilotstudie zu Clomifen bei AAS-Absetzern (16 Wochen) wurde veröffentlicht, Ergebnisse liegen in dem abgerufenen Abstract nicht vor [s81].
  10. Qualität der Spermien jenseits der Konzentration. Ein Einzelfall mit hoher Häufigkeit von XY-Disomie in Spermien nach AAS-Missbrauch [s192] und Tierbefunde zu DNA-Fragmentierung [s184, s84] werfen die Frage nach Genomschäden auf. Systematische Humandaten fehlen. Ebenso unbekannt ist, ob die Qualität der Spermien nach formal erholter Konzentration voll normal ist.
  11. Übertragung über Samenflüssigkeit. Wirkstoffe können im Ejakulat nachweisbar sein (Bishydroxy-Ligandrol im Haar des Ehemannes einer Sportlerin [s51], GW1516 erstmals im menschlichen Ejakulat [s73]). Ob solche Reste für die Partnerin oder Nachkommen eine Bedeutung haben, wurde nicht untersucht; die Quellen sagen dazu nichts.
  12. Interaktion mit Training. Mehrere Tierstudien kombinieren Wirkstoff und Training mit uneinheitlichem Ergebnis (Schwimmtraining milderte die Schäden durch Stanozolol und Cannabis nur teilweise [s41]; Ligandrol senkte die submaximale Ausdauer [s61]; Laufbandtraining schützte teilweise [s27]). Ob Training die Wirkung von Wirkstoffen auf die Spermien beim Menschen verändert, ist offen.
  13. Reine Trainingseffekte. Der Umbrella-Review nennt die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz meist niedrig oder sehr niedrig [s18]; die Rolle von Intensität und Dauer ist ungeklärt [s40, s150, s163].
  14. Produktvielfalt und Exposition. Wenn Etiketten unzuverlässig sind [s78, s37, s02], bräuchten Studien eine analytische Prüfung der tatsächlich genommenen Substanz, wie sie nur in Einzelfällen erfolgte [s75, s131].
  15. Nicht erfasste Sprachräume und Datenbanken. Die portugiesisch-, spanisch- und italienischsprachige Literatur sowie chinesische und koreanische Datenbanken konnten nicht durchsucht werden (siehe Limitationen). Möglicherweise vorhandene Studien dort sind unbekannt.
Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Einordnung und Abgrenzung bis Übersichten zu Wachstumshormon, IGF-1 und Peptiden
  5. Metaanalysen zu Behandlungen bei subfertilen Männern als Vergleichsmaßstab und Metaanalysen und Übersichten zu Training und Lebensstil
  6. Einordnung und Abgrenzung bis Testosteron-Fehlanwendung: Fallserien und Kohorten aus Korea, Japan und China
  7. Wachstumshormon-Achse beim Menschen: Beobachtungsstudien bis Gesamteinschätzung der Beobachtungsstudien
  8. Wie belastbar ist die Literatur überhaupt? bis Wachstumshormon, IGF-1 und Ghrelin
  9. Weitere Wirkstoffe, Nahrungsergänzung und Training und Leitlinien und Konsensdokumente
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Spanisch
  13. Chinesisch bis Arabisch
  14. Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen s01–s113
  23. Quellen s114–s218
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle