Dieses Kapitel ordnet die Literatur nicht nach Wirkstoffen, sondern nach Sprachräumen. Das hat einen praktischen Grund: Wer die Frage nach SARMs (selektiven Androgenrezeptor-Modulatoren), Wachstumshormon, Peptiden und weiteren Fitness-Wirkstoffen und der Spermienqualität in einem einzigen Sprachraum sucht, findet ein verzerrtes Bild. Die Datenbanken, die Fachgesellschaften und die Fachzeitschriften sind je nach Sprache unterschiedlich gut erreichbar, und in jedem Raum liegen die Schwerpunkte woanders. Für das englischsprachige Schrifttum liegt vieles offen in Europe PMC und PubMed. Für die russische, arabische, chinesische oder koreanische Fachliteratur liegt ein erheblicher Teil in Datenbanken, die sich per Skript nicht oder nur eingeschränkt abfragen ließen. Was fehlt, ist deshalb nicht notwendig nicht vorhanden. Es ist nur in dieser Recherche nicht sichtbar geworden.
Zwei Bedeutungen von Sprachraum. Die Quellenliste der Studie ordnet jede Arbeit einem oder mehreren Sprachräumen zu, und zwar nach der Sprache der Veröffentlichung beziehungsweise der Zeitschrift. Das ist nicht dasselbe wie die Herkunft der Forschenden. Eine ägyptische Arbeitsgruppe, die in einer amerikanischen Zeitschrift auf Englisch publiziert, zählt sprachlich zum englischen Raum und regional zum arabischen. In den folgenden Abschnitten werden beide Perspektiven genannt, wo sie auseinanderfallen. Das ändert die Zahlen erheblich: Wer nur nach der Veröffentlichungssprache zählt, sieht in den meisten Sprachräumen fast nichts. Wer die Herkunft der Forschenden dazunimmt, sieht, dass in vielen Ländern durchaus gearbeitet wird, nur eben auf Englisch.
Verteilung der 218 Quellen der Studie nach Sprachzuordnung.
| Sprachraum | Quellen mit dieser Zuordnung (ohne Mehrfachzählung) |
|---|---|
| Englisch (nur englisch) | 183 |
| Russisch | 15 |
| Chinesisch | 5 |
| Französisch (mit englischem Abstract) | 5 |
| Deutsch (mit englischem Abstract) | 2 |
| Italienisch (mit englischem Abstract) | 2 |
| Japanisch | 2 |
| Arabisch | 2 |
| Portugiesisch (mit englischem Abstract) | 1 |
| Spanisch (mit englischem Abstract) | 1 |
| Koreanisch | 0 |
| Türkisch | 0 |
Zwei Befunde fallen sofort auf. Erstens stammen 183 von 218 Quellen aus dem englischen Sprachraum; wo die Sprachräume deutsch, französisch, italienisch, portugiesisch, spanisch oder japanisch zugeordnet sind, handelt es sich in aller Regel um Zeitschriften dieser Länder, deren Abstracts auf Englisch vorliegen. Zweitens gibt es weder eine koreanischsprachige noch eine türkischsprachige Quelle in der Studie. Die Forschung aus Korea und der Türkei ist in der Studie ausschließlich über englischsprachige Veröffentlichungen vertreten. Weil die Datenbanken dieser beiden Länder (KoreaMed, DBpia, DergiPark) nicht abgefragt werden konnten oder bei Kontrollsuchen keine Treffer lieferten, ist offen, ob einschlägige Originalarbeiten in der Landessprache existieren.
Was in allen Sprachräumen gleich ist. Über alle zwölf Räume hinweg bleibt die zentrale Lücke bestehen: Für SARMs liegt keine Studie vor, die Spermienkonzentration, Beweglichkeit oder Morphologie bei Männern unter SARM-Einnahme misst. Dasselbe gilt für Wachstumshormon, GH-Sekretagoga und die gängigen Fitness-Peptide bei gesunden Anwendern. Die Daten, die vorliegen, betreffen die Stoffklasse der anabolen androgenen Steroide (AAS), Testosteron als Arzneimittel, Erkrankte mit gestörter GH-Achse, Tierversuche und Trainingsstudien. Wo dieses Kapitel von Befunden aus anderen Wirkstoffklassen berichtet, wird das ausdrücklich gesagt; sie sind als Analogie zu lesen, nicht als SARM-Evidenz. Es folgt keine Empfehlung zur Anwendung, zum Absetzen oder zur Behandlung. Aussagen von Leitlinien werden nur als Inhalt der jeweiligen Quelle wiedergegeben.
Englisch
Umfang und Charakter. Der englische Sprachraum trägt die Hauptmenge der Literatur. 183 der 218 Quellen sind rein englisch, und auch die meisten Arbeiten aus Ländern anderer Sprachen sind auf Englisch erschienen. Das gilt ebenso für die Leitlinien der großen Fachgesellschaften. Der englische Teil der Literatur ist deshalb zugleich der am besten durchsuchbare und der heterogenste: Er enthält eine große Metaanalyse zu AAS und Gonadotropinen, eine randomisierte Phase-1-Studie zu einem SARM an gesunden jungen Männern, mehrere klinische Kohorten aus Kinderwunschzentren, Dutzende Tierversuche und eine auffallend große Zahl von Fallberichten.
SARMs: die Lücke. Die Europe-PMC-Kernabfrage zu SARM-Begriffen in Kombination mit Spermien-, Samen-, Spermatogenese- und Fertilitätsbegriffen lieferte nach den Rechercheprotokollen 233 Treffer. Bei der Titel- und Abstractdurchsicht der heruntergeladenen Treffer (bis zu 100 je Abfrage, nach Stichwörtern vorgefiltert) fand sich keine Studie mit Messung von Samenparametern beim Menschen unter SARM-Einnahme. Das ist eine Lücke und kein Beleg für Unbedenklichkeit. Was an direkten Befunden vorliegt, ist schnell aufgezählt:
- Die einzige gefundene Arbeit, die die Spermatogenese unter einem SARM untersucht, ist ein präklinischer Rattenversuch von 2005 zu einer Substanz namens C-6, die als Mittel zur männlichen Hormonkontrazeption entwickelt wurde [s195]. Der Abstract nennt eine hohe Bindungsaffinität am Androgenrezeptor (Ki = 4,9 nM), niedrigere Gonadotropine als bei den Kontrollen und nach 10 Wochen Behandlung eine deutliche Hemmung der Spermatogenese; Spermienzahlen, Gruppengrößen und Angaben zur Reversibilität fehlen im Abstract. Weil die Hemmung hier das Entwicklungsziel war, ist die Übertragung auf Handelspräparate offen.
- Die gefundene randomisierte, placebokontrollierte Studie am Menschen mit hormonellen Endpunkten ist die Phase-1-Studie zu LGD-4033 (Ligandrol) an 76 gesunden Männern im Alter von 21 bis 50 Jahren, die 21 Tage lang 0,1, 0,3 oder 1,0 mg täglich erhielten [s176]. Gesamttestosteron, SHBG, HDL-Cholesterin und Triglyzeride sanken dosisabhängig; FSH und freies Testosteron wurden nur bei 1,0 mg signifikant unterdrückt; die Werte kehrten nach dem Absetzen zum Ausgangswert zurück. Samenanalysen werden im Abstract nicht berichtet. Dass die FSH-Absenkung bei der höchsten Dosis eine Rückkopplung auf die Hypophyse anzeigt, ist eine Ableitung der Recherche, kein Studienbefund.
- Zwei Rattenstudien einer bulgarischen Arbeitsgruppe (Plovdiv) kommen bei den Gonadenhormonen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Ligandrol (0,4 mg/kg, 5 Tage pro Woche, 8 Wochen, n = 40) senkte FSH und Testosteron [s61], Ostarin ebenfalls an n = 40 Ratten hatte keinen signifikanten Effekt auf LH, FSH und Testosteron [s91]. Beide berichten weder Hodenhistologie noch Spermien im Abstract. Dosis, Substanz und Design unterscheiden sich; ein direkter Vergleich ist nicht möglich.
- Die übrigen SARM-Veröffentlichungen betreffen Sicherheit, Leber und Produktqualität. Eine systematische Übersicht mit 33 Studien und 2136 Personen (1447 SARM-exponiert) fand 15 Fälle arzneimittelbedingter Leberschädigung und keinen Fertilitätsendpunkt [s107]. Eine weitere systematische Übersicht (72 Artikel, 2003 bis 2022) schätzt die Prävalenz der SARM-Anwendung unter Athleten auf 1 bis 3 % und stuft die Evidenz als Stufe 4 ein; Athleten gaben deutlich höhere Dosen an, als in klinischen Studien geprüft wurden, und die meisten online gekauften Produkte waren verunreinigt [s62]. Eine systematische Übersicht randomisierter Studien zur körperlichen Leistungsfähigkeit schloss neun Studien mit 970 Patienten ein (mittleres Alter 57,1 Jahre), also ältere und kranke Menschen, keine jungen Fitnessanwender [s63]. Eine kritische Bewertung argumentiert, dass die scheinbare Gewebeselektivität präklinisch zum großen Teil auf dem fehlenden Steroidstoffwechsel beruhen könnte, und hält fest, dass direkte Vergleichsstudien gegen klassische Androgene fehlen [s38].
- Fallberichte dokumentieren Leberschädigungen unter Ostarin [s126], LGD-4033 [s87], Stenabolic [s44] und bei einem Jugendlichen [s50]. Ein 40-jähriger Mann entwickelte nach sechs Monaten Einnahme handelsüblicher Leistungssteigerungsmittel, die RAD-140, MK-677 und Cardarin sowie, nachgewiesen in vitro, nicht deklariertes Testosteron, Östradiol und Wachstumshormon enthielten, eine beidseitige Gynäkomastie und einen hypogonadotropen Hypogonadismus; beides bildete sich nach dem Absetzen zurück [s75]. Die Hormonwirkung lässt sich dort nicht dem SARM allein zuschreiben.
Produktqualität als Störgröße. Der englischsprachige Raum liefert auch die Arbeiten, die erklären, warum Befunde aus der Selbstanwendung schwer zuzuordnen sind. Von 13 online aus Italien bezogenen SARM-Produkten enthielten etwa 70 % das deklarierte SARM, in 23 % fand sich ein anderes SARM, und in 30 % der Proben wurden nicht deklarierte Arzneistoffe gemessen (Tamoxifen, Clomifen, Testosteron, Epimethandienon, Tadalafil) [s78]. Von 601 beschlagnahmten Proben waren 63 (10,5 %) als Mittel der Nachbehandlung nach Anabolikazyklen angeboten worden; in diesen enthielten 34,9 % den deklarierten Wirkstoff nicht [s37]. Eine systematische Übersicht aus Doha beziffert den Anteil verunreinigter Nahrungsergänzungsmittel in empirischen Studien auf etwa 9 bis 15 % [s02]. Für die Spermienfrage folgt daraus: Eine Wirkung auf die Samenqualität kann bei solchen Produkten auch von nicht deklarierten Hormonwirkstoffen ausgehen (Ableitung).
Eigene Kohorten zu AAS als nächstliegender Wirkstoffklasse. Weil SARMs fehlen, stützt sich das englischsprachige Schrifttum auf Kohorten zu AAS. Die wichtigsten, nach Herkunft geordnet:
- Metaanalysen und Übersichten. Eine griechische Arbeitsgruppe (Ioannina) wertete 33 Studien mit 3879 Teilnehmern aus (1766 AAS-Anwender, 2113 Nichtanwender) [s166]. Während der AAS-Einnahme sanken LH (gewichtete mittlere Differenz -3,37 IU/L; 95-%-KI -5,05 bis -1,70), FSH (-1,73 IU/L; -2,67 bis -0,79) und endogenes Testosteron (-10,75 nmol/L; -15,01 bis -6,49). Nach dem Absetzen kehrten die Gonadotropine innerhalb von 13 bis 24 Wochen zum Ausgangswert zurück, das Testosteron blieb zunächst niedriger. Eine indische Metaanalyse mit 32 Studien und 9371 Personen (2671 Anwender) fand niedrigere Gonadotropine bei Anwendern und eine niedrigere Beweglichkeit, aber keinen Unterschied in der Spermienkonzentration [s102]. Eine systematische Übersicht mit 62 Artikeln aus Catania kommt zu dem Schluss, dass sich die Spermienqualität in den meisten Fällen innerhalb von 4 Monaten nach dem Absetzen erholt, die Folgen aber bis zu 3 Jahre anhalten können [s94]. Eine brasilianische systematische Übersicht zählt 179 Fälle; nur bei 4 der 38 Fälle mit bekanntem Ausgang war der Hypogonadismus vollständig reversibel [s136]. Diese 4 von 38 sind wegen des Berichtsbias keine Häufigkeit in der Anwenderpopulation.
- Kliniksammlungen aus den USA. Eine retrospektive Datenbankanalyse bei 6033 Patienten, die wegen Hypogonadismus behandelt wurden, fand bei Männern unter 50 Jahren mehr als zehnfach häufiger eine frühere AAS-Exposition (OR 10,16; 95-%-KI 4,90 bis 21,08) [s177]. Aus Miami stammen eine Kohorte von 45 Männern mit Azoospermie oder schwerer Oligozoospermie, von denen 23 anfangs azoosperm waren; nach sechs Monaten Behandlung blieben von den 18 nachbeobachteten Männern 5 (27,8 %) azoosperm [s98], und eine Kohorte von 94 Männern, von denen 31 (33,0 %) die AAS innerhalb von 8 Monaten wieder aufnahmen [s109].
- Kohorten aus dem Vereinigten Königreich und dem Golf. Eine Zwei-Zentren-Kohorte (London, Ankara) mit 79 Männern nach höchstens sechs Monaten AAS verglich keine Behandlung, Clomifen und Clomifen plus hCG: Nach 12 Monaten waren 58,6 %, 69,2 % beziehungsweise 87,5 % normozoosperm (retrospektiv, nicht randomisiert, weite Konfidenzintervalle) [s14]. Eine prospektive Studie aus Abu Dhabi mit 520 Patienten fand, dass nur 14 der 94 infertilen Patienten (15 %) innerhalb von 12 Monaten eine Schwangerschaft erreichten und alle Azoospermiepatienten am Ende der Nachbeobachtung infertil blieben [s112]; eine Befragung von 151 Ärzten derselben Arbeitsgruppe berichtet, 90,73 % hätten eine Zunahme des AAS-Missbrauchs beobachtet [s92]. Das sind Wahrnehmungen von Ärzten, keine Patientendaten.
- Befragungen von Anwendern und Behandlern. Eine anonyme Befragung von 470 Männern fand, dass 65,1 % das Absetzen versucht hatten und 56,5 % Nachbehandlung (PCT) nutzten; Sorgen um die Erholung von Testosteron beziehungsweise Fruchtbarkeit bestanden bei 52,4 % [s96]. Eine Umfrage unter mehr als 100 Endokrinologen berichtet, dass die meisten zum Abwarten rieten und rund 20 % Medikamente zur Anhebung des Testosterons verordneten [s95]. Beide Arbeiten stützen sich auf Selbstangaben.
- Mechanistische und frühe Studien. Eine prospektive Beobachtung an 18 Kraftsportlern aus Helsinki fand bei gleichzeitigem hCG am Zyklusende eine mittlere Spermienkonzentration von 33 x 10^6/mL, nach 6 Monaten 77 x 10^6/mL, mit sehr großer Streuung [s198]. Eine Fallstudie aus Siena beschreibt nach Erholung der Spermatogenese eine hohe Häufigkeit der XY-Disomie in den Spermien [s192]. Solche Einzelfälle zeigen Möglichkeiten, aber keine Häufigkeiten.
Wachstumshormon, IGF-1, Peptide. Für gesunde Fitnessanwender wurde auch im englischen Raum keine Studie mit Spermienendpunkt gefunden. Die verfügbare Literatur beschreibt Menschen mit krankhaft veränderter GH-Achse: Akromegalie [s138, s143, s90], GH-Mangel nach der Pubertät (26 Patienten und 25 Kontrollen, geringeres Ejakulatvolumen und geringere Beweglichkeit bei unverändertem LH, FSH und Testosteron) [s39] und kombinierten Hypophysenmangel (rhGH plus Gonadotropine: Spermatogenese bei 30 von 31 gegenüber 18 von 29 Männern ohne rhGH) [s123]. Die Befunde zur Akromegalie sind widersprüchlich: Eine türkische Studie fand stärker gestörte Samenparameter bei aktiver Erkrankung [s138], eine dänische bei hypogonadalen Akromegalen einen höheren Anteil progressiv beweglicher Spermien (62 gegenüber 47 %) und schloss, die Daten stützten eine verminderte Samenqualität nicht [s143]. Ein Fallbericht berichtet unter täglicher intradermaler Gabe von 1,5 IE IGF-1 bei einem 47-jährigen Mann mit schwerer Oligoasthenoteratozoospermie einen Anstieg der Konzentration von 1,1 auf 18,3 Mio./mL; er ist unkontrolliert und nicht auf Fitnessanwender übertragbar [s151]. Zu Peptiden wie Sermorelin, CJC-1295, Ipamorelin, BPC-157 oder Melanotan II liegen Übersichten zu Risiken und Qualität vor [s07, s24, s10], jedoch keine Spermiendaten; der einzige Hinweis auf Spermatogenese ist ein Versuch mit Ipamorelin an Tilapia, ein Fischmodell [s79]. Eine Übersicht zu Kisspeptin- und GnRH-basierten Strategien bei testosteroninduzierter Suppression betrifft medizinische Prüfansätze, nicht frei verkaufte Fitness-Peptide, und hält fest, dass gut konzipierte klinische Studien fehlen [s06].
Leitlinien. Die maßgeblichen Leitlinien sind englischsprachig und enthalten zu SARMs und Wachstumshormon keine Aussage zur Spermienqualität.
- AUA/ASRM. Im abgerufenen Online-Volltext steht in der Zusammenfassung zu Lebensstilfaktoren, es gebe „low quality evidence for no impact of anabolic steroids/exogenous testosterone on permanent infertility (not reversible); however, current use has a major impact on current fertility and spermatogenesis“ [s141]. Als klinisches Prinzip ist festgehalten, dass Männern mit aktuellem oder künftigem Kinderwunsch kein exogenes Testosteron verordnet werden solle. Die Begriffe „selective androgen receptor modulator“ und „growth hormone“ finden sich im abgerufenen Text nicht. Teil I der Leitlinie [s135] und die Aktualisierung 2024 [s72] nennen im Abstract keine AAS-Aussage.
- EAU. Im Kapitel „Male Infertility“ (Online-Volltext) steht, die Oligo- oder Azoospermie durch Anabolika solle zunächst durch Absetzen behandelt werden; es bestehe keine allgemeine Behandlungsindikation, das Vorgehen beruhe auf Fallberichten und klinischer Erfahrung, und Spermienzahl und -qualität besserten sich meist innerhalb von sechs bis zwölf Monaten [s42]. SARM- und Wachstumshormonbegriffe finden sich im abgerufenen Kapiteltext nicht. Die Kurzfassung 2025 [s55] und die Fassung zu Hypogonadismus [s58] nennen im Abstract keine AAS-Aussage zur Spermienqualität.
- Weitere. Die Leitlinie der Endocrine Society zur Testosterontherapie verlangt Symptome und eindeutig niedrige Testosteronwerte für die Diagnose [s161]; ein Leitlinienvergleich stellt WHO 2025, AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE gegenüber [s01]; die ESHRE-Empfehlungen zu Zusatzverfahren zeigen vor allem, wie dünn die Evidenz in der Reproduktionsmedizin insgesamt ist: Keine der 42 Empfehlungen konnte auf hochwertiger Evidenz beruhen [s93].
Register und Überwachung. Ein Patienten- oder Anwenderregister zu SARMs oder GH, aus dem sich Häufigkeiten ableiten ließen, wurde nicht gefunden. Als Ersatzquellen dienen: Dopingstatistiken, nach denen die positiven Befunde mit Ostarin und Ligandrol in den WADA-Statistiken 2015 bis 2019 zunahmen [s120]; Auswertungen von Suchinteressen, die einen Anstieg des Interesses an SARMs bei stagnierendem Interesse an Anabolika zeigen [s82]; eine Auswertung von 20 Berichten über Verdachtsfälle unerwünschter Ereignisse seit 2020, überwiegend Leberschädigung [s88]. Keine dieser Quellen enthält Fruchtbarkeitsdaten.
Fachzeitschriften. Der englischsprachige Teil verteilt sich auf andrologische und urologische Zeitschriften (zum Beispiel Andrology [s01, s04], Fertility and Sterility [s98, s174], The Journal of Urology [s177, s72], The World Journal of Men's Health [s113, s147]), endokrinologische (Endocrine Connections [s29, s106], Frontiers in Endocrinology [s07, s17]), toxikologisch-analytische und eine große Zahl von Open-Access-Zeitschriften mit Fallberichten (Cureus [s44, s87, s109, s10, s82]). Das erklärt, warum die Fallberichte zu SARMs zahlreich sind, aber kaum Endpunkte der Fortpflanzung enthalten: Sie stammen überwiegend aus internistischer und hepatologischer Sicht.
Erreichbarkeit. Europe PMC (REST) und die NCBI-E-utilities waren erreichbar und lieferten Abstracts und Metadaten; die PubMed-Webseite war auftragsgemäß nicht Quelle. Die Volltexte der AUA-Leitlinie (auanet.org) und des EAU-Kapitels (uroweb.org) waren erreichbar und wurden ausgewertet. Die Cochrane Library lädt Inhalte dynamisch nach; die Cochrane-Reviews wurden daher über Europe PMC erfasst [s114, s152]. Für die meisten Studien lag nur der Abstract vor; Volltexte wurden nur in Einzelfällen gelesen. Zahlen, die im Abstract fehlen, sind nicht ergänzt worden.
Einordnung. Der englische Sprachraum ist der Ort, an dem man die Evidenz zur Frage der AAS am besten prüfen kann, und der Raum, in dem die Lücke zu SARMs und Peptiden am klarsten benennbar ist. Die belastbarste Aussage lautet: Unter LGD-4033 sinken Testosteron, SHBG und bei 1,0 mg FSH, nach dem Absetzen kehren die Werte zurück [s176]. Ob Samenparameter betroffen sind, ist nicht gemessen worden.
Deutsch
Eigene Literatur: sehr wenig. Im deutschsprachigen Raum liegen der Studie nur zwei Quellen zugeordnet vor, beide mit englischem Abstract: ein Übersichtsartikel aus der Schweiz zum Erkennen des Gebrauchs bild- und leistungsverbessernder Mittel in der Praxis und ein Beitrag aus dem Bundesgesundheitsblatt zur männlichen Kontrazeption. Eigene deutschsprachige Kohorten, Register oder Primärstudien zu SARMs, Wachstumshormon oder Peptiden und Spermienqualität wurden nicht gefunden. Das ist auffällig, spiegelt aber das Bild der übrigen Sprachräume wider: Die Primärforschung zum Thema findet überwiegend auf Englisch statt.
Iff und Mitarbeitende 2022: Erkennen des Gebrauchs in der Praxis. Die Übersichtsarbeit „Recognizing IPED Use in Clinical Practice“ (in der Quelle mit englischem Titel geführt; Zeitschrift Praxis, Schweiz; erstgenannte Affiliation: Psychiatrische Universitätsklinik Zürich) beschreibt den nicht medizinischen Gebrauch bild- und leistungsverbessernder Mittel (IPED) als in der Fitness- und Bodybuildingszene verbreitet; die Gründe seien oft hedonistisch, die Mittel würden in „Zyklen“ über mehrere Wochen genommen [s118]. Als häufigste Nebenwirkungen nennt der Abstract Hodenatrophie, Akne, Hypersexualität, Bluthochdruck, Gynäkomastie, Fettstoffwechselstörungen, Stimmungsschwankungen, Haarausfall und Polyglobulie. Als häufige Folgen nach dem Gebrauch werden verminderte Libido, Oligo- oder Azoospermie und erektile Dysfunktion genannt. Außerdem weist der Abstract darauf hin, dass Anwender zur Minderung unerwünschter Folgen Medikamente zur Selbstbehandlung nehmen und gelegentlich in der Hausarztpraxis danach fragen. Die Quelle enthält keine Zahlen; sie ist der einzige deutschsprachige Beitrag der Studie, der den Fitnesskontext ausdrücklich benennt. Ihr Gewicht liegt im Praxisbezug, nicht in neuen Daten.
Zitzmann 2026: Männliche Kontrazeption. Der Beitrag „Männliche Kontrazeption – wissenschaftliche Grundlagen und aktuelle Fortschritte“ stammt aus Münster (Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz) [s34]. Er ist kein Fitnessbeitrag, aber für die Spermienfrage ein nützlicher Rahmen: Die hormonelle Kontrazeption beim Mann beruhe auf der Unterdrückung der Spermatogenese durch exogenes Testosteron in Kombination mit Gestagenen. Multizentrische Studien mit Testosteronundecanoat und Norethisteronenanthat hätten eine kontrazeptive Wirksamkeit gezeigt, die mit den oralen Kontrazeptiva der Frau vergleichbar sei; Nebenwirkungen (verminderte Libido, dysphorische Stimmung, Gewichtszunahme) führten jedoch zum Abbruch der von der WHO geleiteten Studie. Neuere transdermale Kombinationen (Testosteron mit Nestoron) und neuartige orale Androgene hätten eine ermutigende Verträglichkeit gezeigt. Dieser Rahmen erklärt, warum die Unterdrückung der Spermatogenese bei androgen wirksamen Substanzen ein erwartbarer Effekt ist, und er steht in Verbindung mit den chinesischen Studien zum injizierbaren Testosteronundecanoat (siehe Chinesisch). Die Aussage betrifft Arzneimittel unter ärztlicher Kontrolle; auf SARMs aus dem Graumarkt lässt sie sich nicht übertragen.
Deutsche Beiträge in englischsprachigen Zeitschriften. Zwei Arbeiten aus deutschen Einrichtungen sind für die Frage wichtig, obwohl sie auf Englisch erschienen:
- Die Münsteraner Gruppe (Max Planck Clinical Research Unit for Reproductive Medicine; Knuth, Maniera, Nieschlag) veröffentlichte 1989 in Fertility and Sterility eine Studie, die Bodybuilder mit steroidfreien gesunden Freiwilligen verglich: 41 Bodybuilder (Alter 26,7 +/- 0,7 Jahre) und 41 konsekutiv rekrutierte Freiwillige; die Einnahme wurde retrospektiv erfasst, die Dosen lagen bis zum 40-Fachen der klinisch üblichen. Nur 5 der Freiwilligen, aber 24 der Bodybuilder hatten Spermienzahlen unter 20 x 10^6/mL; bei Bodybuildern, die mehr als 4 Monate zuvor aufgehört hatten, lagen die Zahlen im Normbereich [s218]. Die Studie ist früh und nichtrandomisiert; es lag nur der Abstract vor. Sie gehört trotzdem zu den ältesten Belegen zur Reversibilität nach Absetzen.
- Eine Arbeitsgruppe der Deutschen Sporthochschule Köln beschrieb 2024 zwei Dopingbefunde mit dem PPARδ-Agonisten GW1516, einer im Sport verbotenen Substanz, und berichtete erstmals Konzentrationen im menschlichen Ejakulat; die Werte nennt der Abstract nicht [s73]. Der Beitrag belegt, dass Reste einer solchen Substanz im Ejakulat übertragbar sind, und sagt nichts über die Spermienqualität des Anwenders.
Leitlinien. Eine deutsche AWMF-Leitlinie zu Anabolika und Fertilität wurde über Europe PMC nicht gefunden. Die Startseite des AWMF-Registers war erreichbar (HTTP 200); eine Volltextsuche im Register wurde nicht durchgeführt. Das ist eine Lücke dieser Recherche. Ob es im Register Leitlinien gibt, die die Frage berühren, ist deshalb offen. Ergänzend nennt Europe PMC unter deutschsprachigen Treffern mit Anabolika- oder GH-Begriffen weitere Kapitel aus Lehrbüchern ohne Studiendaten, die nicht aufgenommen wurden. Die große Menge „deutscher“ Treffer bei den Sprachfiltern bestand außerdem überwiegend aus COVID-19-Fertilitätsarbeiten und Lehrbuchkapiteln.
Fachzeitschriften und Erreichbarkeit. Genannt sind Praxis (Schweiz) [s118] und das Bundesgesundheitsblatt [s34]. Beide sind über Europe PMC auffindbar, ihre Abstracts liegen auf Englisch vor; Volltexte wurden nicht ausgewertet. Für den deutschsprachigen Raum wurden keine eigenen Register oder Überwachungsdaten zu SARM- oder GH-Anwendern gefunden.
Einordnung. Der deutschsprachige Beitrag zur Frage besteht aus einem klinischen Hinweis (Oligo- oder Azoospermie als bekannte Folge des Gebrauchs bild- und leistungsverbessernder Mittel [s118]), einem Rahmenbeitrag zur Suppression der Spermatogenese durch Androgene [s34] und zwei Studien aus deutschen Einrichtungen, die auf Englisch erschienen sind [s218, s73]. Zu SARMs, GH und Peptiden gibt es aus diesem Sprachraum keine Spermiendaten.
Französisch
Eigene Literatur: Leitlinie, Übersichten und forensische Toxikologie. Der französische Sprachraum ist in der Studie mit fünf Quellen vertreten. Drei sind Veröffentlichungen aus Progrès en Urologie, dem Organ der französischen urologischen Gesellschaft, mit englischem Abstract [s130, s99, s100]; zwei sind Arbeiten von Kintz (Institut de médecine légale, Straßburg), die auch über das Archivportal HAL zugänglich sind [s131, s120]. Primärstudien mit Spermiendaten zu SARMs, Wachstumshormon oder Peptiden wurden nicht gefunden.
Die AFU/SALF-Empfehlungen 2021. Die gemeinsamen Empfehlungen der Association Française d'Urologie und der Société d'Andrologie de Langue Française zur Abklärung der männlichen Infertilität [s130] beruhten auf einer PubMed-Recherche (Stichwörter „male infertility“, „diagnosis“, „management“, „evaluation“; klinische Artikel in Englisch und Französisch bis 1. Januar 2020) und wendeten das Bewertungssystem der Haute Autorité de Santé (2013) an. Sie empfehlen laut Abstract unter anderem eine systematische Anamnese, die Familien- und Fertilitätsanamnese, Lebensgewohnheiten, Behandlungen, Symptome und mögliche sexuelle Schwierigkeiten des Paares erfasst; eine allgemeine und eine Skrotaluntersuchung; zwei Samenanalysen nach WHO-Vorgaben, wenn die erste mindestens einen auffälligen Wert zeigt; eine Skrotalsonographie; eine endokrine Abklärung mit mindestens Testosteron und FSH im Serum; einen Karyotyp bei einer Spermienkonzentration von höchstens 10 x 10^6/mL und eine Prüfung auf Yq-Mikrodeletionen bei höchstens 1 x 10^6/mL. Der Abstract nennt weder SARMs noch Wachstumshormon noch Anabolika namentlich. Die Bedeutung für die Frage liegt in der Anamnese: Lebensgewohnheiten und Behandlungen gehören zur systematischen Erhebung. Das ist ein Leitlinieninhalt, keine Aussage dieser Studie.
Methorst und Mitarbeitende 2023. Zwei Übersichtsarbeiten derselben Pariser Arbeitsgruppe (Service de médecine de la reproduction, Hôpital des 4 Villes, Saint-Cloud) behandeln Umwelt und Lebensstil [s99] und medizinische Behandlungen [s100]. Die erste Arbeit stützt sich auf eine Literaturrecherche, die auf englische und französische Literatur bis Juli 2023 beschränkt war und unter anderem Tabak, Betäubungsmittel, Cannabis, Alkohol, Gewicht, Sport, Bewegungsmangel, Schlaf und Anabolika einschloss. Der Abstract hält fest, dass die tiefgreifenden Veränderungen der Lebensweise in den vergangenen 50 Jahren (weniger Schlaf, Bewegungsmangel, veränderte Ernährung, Tabakkonsum, Gebrauch von Betäubungsmitteln und Anabolika) einen nachgewiesenen Einfluss auf Spermiogramm-Parameter hätten. Die zweite Arbeit beschränkte die Literatursuche auf englischsprachige Veröffentlichungen bis Mai 2023 und beschreibt, dass bei der Oligoasthenozoospermie bestimmte hormonelle Behandlungen nützlich seien und dass der Wert einer Behandlung bei nicht obstruktiver Azoospermie vom FSH- und Testosteronspiegel abhänge; Zahlen nennt der Abstract nicht. Für die Frage dieser Studie sind beide Arbeiten Übersichten ohne eigene Daten; sie belegen, dass Anabolika in der französischen urologischen Fachliteratur als Lebensstilfaktor mit nachgewiesenem Einfluss auf das Spermiogramm geführt werden. Eine Aussage zu SARMs, GH oder Peptiden enthalten die Abstracts nicht.
Forensische Toxikologie aus Straßburg (HAL). Die HAL-Suche mit zehn Begriffskombinationen (französisch und englisch) erbrachte zu SARMs nur toxikologisch-forensische Arbeiten von Kintz. Sie sind keine Fruchtbarkeitsstudien, haben aber Bezug zur Exposition:
- Ein 43-jähriger Trainer kam mit Oberbauchschmerz, Muskelschmerz und Kopfschmerz in die Notaufnahme, nachdem er einige Tage Cardarin (GW1516) mit Ostarin (MK2866) eingenommen hatte: ALT bis 922 UI/L, AST bis 2558 UI/L, CPK bis 86435 UI/L (ausgeprägte Rhabdomyolyse). Im Blut wurden Cardarin mit 403 ng/mL und Ostarin mit 1 ng/mL gemessen, im Urin Ostarin mit 88 ng/mL, im Haar 146 und 1105 pg/mg für Cardarin beziehungsweise Ostarin; die Erholung war nach 6 Wochen vollständig [s131]. Fruchtbarkeit wurde nicht untersucht.
- Ein Fallbericht von 2025 beschreibt, dass bei einer Sportlerin bishydroxy-Ligandrol im Urin gefunden wurde (etwa 90 pg/mL in Probe A, 200 pg/mL in Probe B); ihr Haar war nach 7 Wochen negativ, das ihres Ehemannes enthielt 7 und 8 pg/mg in zwei 2,5-cm-Segmenten, und das Sportschiedsgericht akzeptierte die Erklärung einer Übertragung durch Körperflüssigkeiten [s51].
- Eine weitere Arbeit dokumentiert die forensische Aufarbeitung eines Dopingbefunds mit einem SARM und verweist auf die Zunahme positiver Befunde mit Ostarin und Ligandrol in den WADA-Statistiken 2015 bis 2019 [s120].
Diese Arbeiten belegen, dass Substanzreste im Ejakulat übertragen werden können (siehe auch [s117] zur Frage, wie viel Urin in Samenproben enthalten ist, und [s73] zu GW1516). Sie sagen nichts über die Spermienqualität des Anwenders. Eine weitere französische Arbeit ist die Übersicht aus Nancy zu Anabolika und männlicher Infertilität, die transiente anabolikainduzierte Hypogonadismen und neuere experimentelle Berichte zu strukturellen und genetischen Spermienschäden beschreibt [s169].
Erreichbarkeit der Datenbanken. HAL (API) war erreichbar: Von zehn Abfragen blieben drei relevante Einträge [s131, s120, s99]; [s99] ist dort zweisprachig hinterlegt. Cairn leitete weiter und wurde durch eine Bot-Prüfung (Captcha) blockiert; die Plattform ist nicht auswertbar. Deshalb ist offen, ob dort Beiträge zu AAS im Sport erschienen sind, die für die Spermienfrage von Belang wären.
Einordnung. Der französische Raum liefert eine Leitlinie zur Abklärung, die die Erhebung von Lebensgewohnheiten und Behandlungen verlangt [s130], Übersichten, die Anabolika als Einflussfaktor führen [s99, s100], und forensische Daten zum Nachweis von SARMs [s131, s51, s120]. Zu Spermiendaten unter SARMs, GH oder Peptiden liefert er nichts.
Italienisch
Eigene Literatur: eine italienischsprachige Übersicht und viel italienische Forschung auf Englisch. Der italienische Sprachraum ist mit zwei Quellen vertreten: einer Übersicht in der italienischen Zeitschrift Urologia (2014) und einer Produktanalyse aus dem Istituto Superiore di Sanità in Rom. Zugleich gehören italienische Forschungsgruppen zu den produktivsten Urhebern der englischsprachigen Literatur der Studie. Das sollte man trennen: In italienischer Sprache liegt fast nichts vor, in italienischer Verantwortung aber viel.
Gulino und Mitarbeitende 2014 in Urologia. Die Übersicht „[Male infertility: non-surgical therapy]“ (Universität Cattolica, Policlinico Gemelli, Rom) beschreibt nach dem Abstract, dass Infertilität etwa 15 % der Paare betreffe und der männliche Anteil bei 50 % liege [s173]. Gezielte Hormontherapien stünden für Patienten zur Verfügung, deren Infertilität durch veränderte Androgen-, Prolaktin- oder TSH-Spiegel bedingt sei; die Hauptbehandlungen zielten darauf, die Sexualfunktion durch Testosteron wiederherzustellen und die Spermatogenese mit pulsatilem GnRH zu steigern. Bei hypogonadotropem Hypogonadismus könne die Fruchtbarkeit durch GnRH oder Gonadotropine wiederhergestellt werden; früher hätten bei idiopathischer Infertilität vor allem Antiöstrogene gedient, daneben werden Oxytocin und Aromatasehemmer beschrieben; als Zukunftsperspektiven nennt der Abstract Gentherapie und die Transplantation spermatogonialer Stammzellen. Der Abstract nennt keine Anabolika, keine SARMs und kein Wachstumshormon. Die Arbeit ist daher nur als Rahmen zur nicht chirurgischen Therapie von Bedeutung, nicht als Beitrag zur Frage.
Gaudiano und Mitarbeitende 2024: SARM-Produkte aus Italien. Die Analyse von 13 online aus Italien bezogenen Produkten (Massenspektrometrie, quantitative Kernspinresonanz, dazu Web-Analyse) ist die wichtigste italienische Arbeit der Studie zu SARMs [s78]. Etwa 70 % der Proben enthielten das deklarierte SARM, in 23 % fand sich ein anderes SARM, in einer Probe kein SARM. In 30 % wurden nicht deklarierte Arzneistoffe gemessen (Tamoxifen, Clomifen, Testosteron, Epimethandienon, Tadalafil), bei mehr als 60 % lag mehr als ein Wirkstoff vor, und der Gehalt betrug 30 bis 90 % der Angabe. Stärken: Kombination aus Analytik und Web-Recherche. Schwächen: nur 13 Produkte, nur frei zugängliches Internet. Für die Fruchtbarkeit ist bedeutsam, dass Testosteron, Clomifen und Tamoxifen die hormonelle Achse unmittelbar beeinflussen; eine Wirkung auf die Samenqualität kann deshalb auch ohne das deklarierte SARM auftreten (Ableitung).
Italienische Gruppen in englischsprachigen Zeitschriften. Die Forschungsbeiträge aus Italien sind in der Studie breit gestreut:
- Catania (Cannarella und andere): eine prospektive kontrollierte Studie zu GH-Mangel nach der Pubertät (26 Patienten, 25 Kontrollen; geringeres Ejakulatvolumen, geringere Gesamtspermienzahl und Beweglichkeit, häufiger Oligozoospermie, bei unverändertem LH, FSH und Testosteron) [s39]; eine retrospektive Studie an 93 Kindern mit GH-Mangel unter rhGH, bei der Behandlungsdauer und mittlere Dosis die Hodenvolumenzunahme voraussagten [s128]; eine systematische Übersicht zum Laron-Syndrom (17 Artikel, 125 männliche Patienten; keine Arbeit berichtete Spermienparameter oder Fruchtbarkeit) [s127]; und die systematische Übersicht zu AAS und männlicher Sexual- und Fortpflanzungsfunktion (62 Artikel) [s94].
- Bologna und Florenz (Corona und andere): eine Übersicht mit Metaanalyse und Tiermodell-Reanalyse zu den Folgen des AAS-Missbrauchs [s113] und eine Übersicht zu GH-Mangel und GH-Überschuss und männlicher Sexualgesundheit [s76].
- Rom, Bari, Ancona, Mailand, Siena: eine Übersicht zu Sport, Doping und männlicher Fruchtbarkeit [s163], die Diskussion von SARMs und SERMs als mögliche Alternativen bei männlichem Hypogonadismus [s145], eine Übersicht zu Akromegalie und männlicher Sexualgesundheit [s121], die EAU-Leitlinie zu Hypogonadismus [s58] und ein Fallbericht zu Spermatogenese-Erholung mit Spermienstruktur- und Aneuploidie-Befunden [s192].
Die Belastbarkeit dieser Arbeiten ist unterschiedlich. Die GH-Mangel-Studien sind klein und betreffen Erkrankte [s39, s128]. Die Übersichten enthalten überwiegend keine Zahlenwerte im Abstract.
Leitlinien und Register. Die Seite der Società Italiana di Andrologia (sia-andrologia.it) war nicht erreichbar (keine Verbindung, HTTP-Code 000); die Domain siaonline.it leitete nur weiter. Leitlinien dieser Gesellschaft konnten deshalb nicht geprüft werden. Ein italienisches Register zu SARM- oder GH-Anwendern wurde nicht gefunden.
Erreichbarkeit. Italienische Treffer ließen sich nur über Europe PMC und NCBI abfragen; die Sprachfilter für Italienisch lieferten überwiegend COVID-19-Fertilitätsarbeiten und Lehrbuchkapitel. Italienischsprachige Zeitschriften außerhalb von PubMed konnten nicht durchsucht werden.
Einordnung. Italien trägt zur Frage vor allem durch die Analyse von Graumarktprodukten [s78] und durch eine breite endokrinologisch-andrologische Forschung auf Englisch bei. In italienischer Sprache liegt fast nichts vor, das die Spermienfrage bei Fitness-Wirkstoffen berührt.
Portugiesisch
Eigene Literatur: ein Positionspapier, sonst englischsprachige Arbeiten aus Brasilien. Der portugiesische Sprachraum ist mit einer Quelle vertreten, dem gemeinsamen Positionspapier brasilianischer Fachgesellschaften zur Versorgung von Männern mit Hypogonadismus [s13]. Es erschien in der International Braz J Urol; die Sprache laut PubMed ist Englisch. Portugiesischsprachige Originaltexte zu Anabolika, SARMs, GH oder Peptiden und Spermien wurden nicht gefunden. Brasilianische Gruppen sind jedoch mit mehreren englischsprachigen Arbeiten vertreten, die für die Frage von Belang sind.
Das Positionspapier von SBEM, SBU und ABEMSS 2026. Verfasst von der Abteilung für weibliche Endokrinologie, Andrologie und Transgender-Gesundheit (DEFAT) der Brasilianischen Gesellschaft für Endokrinologie und Metabologie (SBEM), der Brasilianischen Gesellschaft für Urologie (SBU) und der Brasilianischen Vereinigung für Sexualmedizin und Gesundheit (ABEMSS), ist es nach eigener Aussage die erste multidisziplinäre brasilianische Leitlinie, die endokrine, urologische und sexualmedizinische Sichtweisen vereint [s13]. Der Abstract hält fest, dass zunehmende Adipositas, das metabolische Syndrom und der Gebrauch anabol-androgener Steroide die Häufigkeit des funktionellen Hypogonadismus in Brasilien erhöht hätten. Er beschreibt als Diagnosekriterien die Bestätigung des morgendlichen Gesamttestosterons und die Bewertung der Gonadotropine, betont die Erkennung funktioneller Ursachen wie adipositasbedingten Hypogonadismus und nennt unter den therapeutischen Inhalten des Papiers die Testosterontherapie bei bestätigtem organischem Hypogonadismus sowie fruchtbarkeitserhaltende Strategien (SERMs, hCG, Aromatasehemmer), wenn indiziert. Das ist der Inhalt des Papiers; dieses Kapitel macht daraus keine Empfehlung. Spermiendaten oder eine Aussage zu SARMs und Peptiden enthält der Abstract nicht. Es ist die einzige Quelle eines brasilianischen Fachverbands in der Studie.
Brasilianische Forschung auf Englisch. Aus Brasilien stammen vor allem Tierversuche und Übersichten zu Nandrolon und AAS:
- Ein Tierexperiment an Ratten (n = 25; Universidade Federal Fluminense) untersuchte unmittelbare und späte Wirkungen supraphysiologischer Nandrolondosen auf den Hoden und fand 12 Wochen nach Behandlungsende verminderte Hodengewichte und Hodenvolumen sowie verminderte Tubulusfläche und Epithelhöhe; die Veränderungen waren zu diesem Zeitpunkt nach Schluss der Autoren noch ausgeprägter als unmittelbar nach der Behandlung [s43]. Die Arbeit erschien in der Acta Cirúrgica Brasileira, die Sprache ist Englisch.
- Ein weiteres Tierexperiment (n = 16; Universidade Estadual do Ceará, Fortaleza) fand unter Nandrolondecanoat 10 mg/kg/Woche über 8 Wochen weniger normale Spermienparameter und eine geringere Keimepithelhöhe; die Embryorate bei In-vitro-Fertilisation war nach dem Titel nicht beeinflusst [s70].
- Eine Arbeitsgruppe aus Fortaleza (Universidade Federal do Ceará) erstellte die systematische Übersicht zur Reversibilität des anabolika-induzierten Hypogonadismus (179 Fälle) [s136]. Eine Übersicht aus São Paulo (Medizinische Fakultät der Universität São Paulo) behandelt Missbrauch von AAS, männliche Sexualfunktionsstörung und Infertilität [s71]; eine Übersicht aus Rio de Janeiro (Universidade Estácio de Sá) nennt frühe pharmakologische Ansätze zur Vermeidung anabolikainduzierter Infertilität und führt Dosisbereiche von hCG (125 bis 500 IE jeden zweiten Tag), Clomifen (12,5 bis 50 mg/Tag) und rekombinantem LH und FSH (75 bis 150 IE ein- bis dreimal pro Woche) als in der Literatur beschriebene Ansätze an; die Autoren fordern eine Standardisierung [s103].
- Das aus einer Klinik in Campinas stammende Vergleichspapier zur WHO-Leitlinie 2025 gegenüber AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE gehört in dieselbe Reihe: Die WHO-Leitlinie nehme eine neutrale Haltung zu Antioxidanzien ein [s01].
Erreichbarkeit und Lücken. Der Zugriff auf SciELO und LILACS war nur über die Startseiten möglich; die Suchfunktion von SciELO war durch eine Sicherheitsprüfung blockiert, das Suchportal der BVS durch eine Challenge. Portugiesischsprachige Originalartikel in diesen Datenbanken wurden deshalb nicht gefunden und konnten auch nicht ausgeschlossen werden. Falls es dort einschlägige Studien gibt, fehlen sie in der Studie. Ein brasilianisches Register zu SARM- oder GH-Anwendern wurde nicht gefunden.
Einordnung. Die brasilianische Literatur der Studie besteht aus einem Positionspapier, das den Anabolikagebrauch als Faktor des funktionellen Hypogonadismus nennt [s13], und englischsprachigen Tierversuchen und Übersichten. Zu SARMs, GH und Peptiden liegen aus diesem Raum keine Spermiendaten vor.
Spanisch
Eigene Literatur: eine systematische Übersicht aus Spanien, einige mexikanische Arbeiten. Der spanische Sprachraum ist mit einer Quelle vertreten, der systematischen Übersicht von Rajmil und Moreno-Sepúlveda zur Wiederherstellung der Spermatogenese nach AAS-Missbrauch [s89], erschienen in den Actas Urológicas Españolas. Das PubMed-Sprachfeld nennt Englisch und Spanisch; der Abstract liegt auf Englisch vor. Eine Suche in Europe PMC mit spanischen Begriffen lieferte keine weiteren Studien zu Anabolika und Spermien. Weitere Arbeiten aus spanischsprachigen Ländern sind englischsprachig oder stammen aus Zeitschriften dieser Länder.
Rajmil und Moreno-Sepúlveda 2024. Die PRISMA-konforme Übersicht (Affiliationen in Barcelona, unter anderem Instituto de Investigaciones Biomédicas Sant Pau) schloss 13 Studien ein, die Protokolle zur Wiederherstellung der Spermatogenese nach AAS-Missbrauch verglichen [s89]. Als Wirkstoffe, die eine Wiederherstellung zeigten, nennt der Abstract injizierbare Gonadotropine, selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs) und Aromatasehemmer; ihr Einsatz sei in der Literatur aber nur dürftig beschrieben. Die Autoren halten fest, AAS-assoziierte Infertilität könne reversibel sein, die Spermienproduktion könne aber länger als ein Jahr brauchen, um sich zu normalisieren; sowohl zurückhaltende als auch aggressive Behandlung könne die Spermatogenese verbessern, und es fehlten hochwertige Daten. Sie ist die einzige spanischsprachige Quelle der Studie, die Anabolika und Spermatogenese ausdrücklich verbindet.
Spanische Forschung auf Englisch. Eine Querschnittsstudie an 324 Männern ohne bekannte Fortpflanzungsstörung aus Granada (Universität Granada; Reproductive BioMedicine Online) fand, dass selbstberichtete kardiorespiratorische Fitness und Muskelkraft mit höheren Spermienzahlen einhergingen (adjustierte Differenz 44,315 x 10^6 [95-%-KI 7,699 bis 80,931] beziehungsweise 42,766 x 10^6 [6,215 bis 79,316] Spermien je Ejakulat); objektiv gemessene Handkraft war mit keinem Parameter assoziiert [s28]. Das Ergebnis betrifft Training, nicht Wirkstoffe. Es beruht auf Selbstangaben; die weiten Konfidenzintervalle gehören zum Befund.
Lateinamerika. Zwei Arbeiten stammen aus Mexiko. Torres-Calleja und Mitarbeitende (Instituto Mexicano del Seguro Social) verglichen 2001 in Life Sciences 30 freiwillige Bodybuilder, 15 mit AAS-Anamnese und 15 ohne [s209]: Bei den Anwendern hatten 8 Spermienzahlen unter 20 x 10^6/mL, 3 eine Azoospermie, 2 eine Polyzoospermie und 2 normale Zahlen; der Anteil morphologisch normaler Spermien war mit 17,7 % signifikant erniedrigt; FSH und Prolaktin waren erniedrigt, LH, Testosteron, Östradiol und DHEA unverändert. Schwächen: kleine Stichprobe, im Abstract keine Angaben zu Dosis und Abstand zur letzten Einnahme, keine Einheiten der Hormonwerte. Ein Fallbericht aus Mexiko-Stadt (Ingenes, 2019) beschreibt die Gabe von 1,5 IE IGF-1 täglich intradermal über zwei Monate bei einem 47-Jährigen mit schwerer Oligoasthenoteratozoospermie, mit einem Anstieg der Konzentration von 1,1 auf 18,3 Mio./mL, des Volumens von 0,7 auf 1,2 mL und der progressiven Beweglichkeit von 2 auf 43 % [s151]; er ist unkontrolliert und nicht auf Fitnessanwender übertragbar. Außerdem erschien in der Zeitschrift Archivos de medicina del deporte (Publikation der Federación Española de Medicina del Deporte) eine Kurzübersicht zur „Exercise-Hypogonadal Male Condition“ von Autoren der University of North Carolina: Bei Ausdauersportlern gebe es dauerhaft niedrige Testosteronwerte ohne LH-Anstieg und Hinweise auf Spermatogenesestörungen, aber begrenzte Daten und nur bei lang andauerndem Ausdauertraining [s150].
Leitlinien, Datenbanken, Register. Spanische oder lateinamerikanische Leitlinien zu Anabolika und Fertilität wurden nicht gefunden. Dialnet lieferte eine Fehlerseite (später HTTP 503), Redalyc lud die Suchseite, ohne dass Ergebnisse ausgewertet wurden, SciELO und LILACS waren blockiert. Die spanischsprachige Primärliteratur außerhalb von PubMed und Europe PMC konnte deshalb nicht durchsucht werden.
Einordnung. Spanischsprachig liegt eine systematische Übersicht vor, die AAS-bedingte Infertilität als potenziell reversibel mit Erholungszeiten von mehr als einem Jahr beschreibt [s89]; Kohorten, Register und SARM- oder GH-Daten gibt es aus diesem Raum nicht. Die beiden mexikanischen Arbeiten [s209, s151] stammen aus den Jahren 2001 und 2019 und sind klein.