Weitere Wirkstoffe, Nahrungsergänzung und Training
DHEA. Bei adipösen Ratten (4 Gruppen à 7, 6 Wochen) erhöhten DHEA und Training Plasma-DHEA und Dihydrotestosteron; Prokathepsin L (Spermienreifung) war niedriger, die Autoren deuten dies als mögliche Verbesserung; Spermienzahl und Fertilität wurden nicht berichtet [s156]. Im Mausmodell aktivierte DHEA den Rezeptor ADGRG2 in den Ductuli efferentes und selektiv die Motilität X-chromosomaler Spermien über Gs-cAMP, ohne Anwendung beim Mann [s15].
Kreatin. Knockout-Mäuse ohne Kreatinsynthese (Gamt) hatten verminderte Spermienzahl, Motilität und Befruchtungsrate sowie gestörte Tight Junctions; Kreatinsupplementation besserte Spermienzahl und Befruchtungsrate [s86]. Die Studie belegt die physiologische Rolle des testikulären Kreatins, nicht die Wirkung einer Supplementation beim gesunden Menschen.
Verzweigtkettige Aminosäuren und Antioxidanzien. Bei 50 Mäusen senkte nur Valin Spermienkonzentration und Vitalität signifikant [s49]. Das Cochrane-Review „Antioxidants for male subfertility“ (2022; 67 Studien) fand bei subfertilen Männern Lebendgeburt OR 1,43 (95-%-KI 1,07 bis 1,91; 12 RCTs, 1283 Männer; sehr niedrige Sicherheit), nach Ausschluss von Studien mit hohem Verzerrungsrisiko aber Peto-OR 1,22 (0,85 bis 1,75), klinische Schwangerschaft OR 1,89 (1,45 bis 2,47) und leichte Magen-Darm-Beschwerden OR 2,70 (1,46 bis 4,99) [s114]. Eine randomisierte, doppelblinde Studie bei 80 Fußballspielern mit auffälligem Samen (Antioxidanzien- und Mikronährstoffpräparat, 3 Monate) fand signifikante Verbesserungen von Beweglichkeit (p = 0,014 beziehungsweise 0,02) und Morphologie (p = 0,01), nicht der Konzentration; die Ausgangswerte der Gruppen unterschieden sich [s57]. Das sind Antioxidanzien bei Sportlern, keine Leistungsmittel.
Training als Störgröße. Wirkstoffvergleiche sind ohne Berücksichtigung des Trainings nicht deutbar. Ein Umbrella-Review von 13 Metaanalysen (8.068 Männer) fand bei Männern bessere Spermienkonzentration, Morphologie, Spermienzahl und Samenvolumen mit Bewegung, meist bei niedriger oder sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit [s18]. Moderate körperliche Aktivität war bei 1.316 Männern mit auffälligem Samen mit besseren Parametern verbunden (Normalisierung niedriger Konzentration OR 2,32; 95-%-KI 1,12 bis 4,81) [s31]; bei 746 Spendern lag die progressive Motilität in der höchsten gegenüber der niedrigsten Quartile um 16,1 % (6,4 bis 26,8 %) höher [s155], und bei 323 Japanern war der DNA-Fragmentationsindex in der höchsten Aktivitätsquartile 29 % niedriger (12 bis 43 %) [s53]. Eine spanische Querschnittsstudie (324 Männer) fand mit selbstberichteter Fitness höhere Spermienzahlen (44,315 Mio. je Ejakulat; 95-%-KI 7,699 bis 80,931), bei objektiv gemessener Handkraft keinen Zusammenhang [s28]. In einer Netzwerk-Metaanalyse von 35 Nagetierstudien verminderte hochintensives kontinuierliches Training die normale Morphologie gegenüber moderatem Training (−17,25; −32,17 bis −2,33) [s46]. Bei Ausdauersportlern wird ein „Exercise-Hypogonadal Male Condition“ beschrieben [s150]. Diese Arbeiten sind überwiegend Querschnitts- und Beobachtungsstudien mit Selbstauskunft; ein ursächlicher Beleg liegt nicht vor.
Leitlinien und Konsensdokumente
AUA/ASRM. Die Leitlinie (Online-Volltext) fasst zu Lebensstilfaktoren zusammen: „low quality evidence for no impact of anabolic steroids/exogenous testosterone on permanent infertility (not reversible); however, current use has a major impact on current fertility and spermatogenesis“. Bei Männern mit aktuellem oder künftigem Kinderwunsch solle Testosteron nicht verordnet werden. Bedingt empfohlen (Evidenzgrad C) ist der Einsatz von Aromatasehemmern, hCG, SERMs oder Kombinationen bei infertilen Männern mit niedrigem Testosteron. Im abgerufenen Text kommen die Begriffe „selective androgen receptor modulator“ und „growth hormone“ nicht vor [s141]. Teil I der Leitlinie und die Aktualisierung 2024 (22 Studien aus 4093 neuen Abstracts) nennen im Abstract keine AAS-Aussage [s135, s72].
EAU. Das Kapitel „Male Infertility“ (Online-Volltext) empfiehlt bei Oligo- oder Azoospermie durch Anabolika zunächst das Absetzen; es gebe keine allgemeine Behandlungsindikation, das Vorgehen beruhe auf Fallberichten und klinischer Erfahrung, Spermienzahl und -qualität besserten sich meist innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach dem Absetzen, bei Fortbestehen könne hCG allein oder mit FSH als Alternative zu Clomifen zur Stimulation der Spermatogenese eingesetzt werden. SARM- oder Wachstumshormon-Begriffe kommen im abgerufenen Text nicht vor [s42]. Die Kurzfassung 2025 nennt als Neuerungen Exomsequenzierung und Probiotika, die Fassung zu Hypogonadismus die Indikation zur Testosterontherapie bei spätem Hypogonadismus [s55, s58].
Weitere Dokumente. Die Endocrine-Society-Leitlinie verlangt für die Diagnose Symptome und eindeutig niedrige Testosteronwerte (morgendlich, nüchtern); der Abstract nennt keine AAS-Aussage [s161]. Die Leitlinienvergleichsarbeit zu WHO 2025, AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE hält fest, die WHO-Leitlinie nehme eine neutrale Haltung zu Antioxidanzien ein [s01]. Die ESHRE-Empfehlungen zu Zusatzverfahren (42 Empfehlungen; keine konnte auf hochwertiger Evidenz beruhen, nur vier auf moderater; 95 % stützen sich auf Studien niedriger Qualität, Beobachtungsdaten, Erfahrung oder Konsens) nennen im Abstract weder GH noch männliche Zusatzverfahren [s93]. Die AFU/SALF-Empfehlungen 2021 verlangen eine systematische Anamnese mit Lebensgewohnheiten und Behandlungen [s130]; französische Übersichten führen Anabolika unter den Lebensstilfaktoren, die „nachweislich“ Spermiogramm-Parameter beeinflussen [s99]. Das brasilianische Positionspapier (SBEM, SBU, ABEMSS 2026) hält fest, Anabolikagebrauch habe die Häufigkeit des funktionellen Hypogonadismus in Brasilien erhöht, und nennt fruchtbarkeitserhaltende Strategien (SERMs, hCG, Aromatasehemmer) [s13]. Die japanische Leitlinie (Zusammenfassung 2025) nennt Gonadotropintherapie bei hypogonadotropem Hypogonadismus (Grad A), Clomifencitrat bei Oligozoospermie mit niedrigem Testosteron (Grad B) und Antioxidanzien (Evidenzgrad C); der Abstract erwähnt weder SARMs noch GH noch Peptide noch AAS [s60]. Der koreanische Konsens betont die Behandlung modifizierbarer Risikofaktoren, empirische Pharmakotherapie nur als phänotypgesteuerte, zeitlich begrenzte Versuche und Endpunkte wie Lebendgeburt; auch er enthält keine wirkstoffspezifischen Aussagen im Abstract [s25]. Die schweizerische Übersicht (Praxis, 2022) nennt als häufige Folgen des nichtmedizinischen Gebrauchs bild- und leistungsverbessernder Mittel Libidoabnahme, Oligo- oder Azoospermie und erektile Dysfunktion [s118].
Es wurde keine Leitlinie gefunden, die SARMs oder Wachstumshormon in Bezug auf die Spermienqualität behandelt. Eine deutsche AWMF-Leitlinie zu Anabolika und Fertilität wurde nicht gefunden; der AWMF-Zugang wurde nur auf Registerebene geprüft, eine Volltextsuche erfolgte nicht, und die Zugriffe auf Cairn, SciELO, LILACS, Dialnet und die Società Italiana di Andrologia scheiterten. Die spanisch-, portugiesisch- und italienischsprachige Primärliteratur außerhalb von PubMed und Europe PMC konnte deshalb nicht durchsucht werden.