Chinesisch
Umfang und Schwerpunkt. Der chinesische Sprachraum (Festlandchina, Taiwan, Hongkong) ist mit fünf chinesischsprachigen Quellen aus der Zeitschrift Zhonghua Nan Ke Xue (National Journal of Andrology) vertreten, mit englischem Abstract [s181, s187, s190, s194, s201], und mit einer größeren Zahl englischsprachiger Arbeiten chinesischer Gruppen. Zu der gestellten Frage ist die Literatur dünn und sehr ungleich verteilt: Keine Studie aus China, Taiwan oder Hongkong untersucht ein SARM (Ostarin, Ligandrol, RAD140, Andarin, Testolon und andere) mit Spermien-, Hoden- oder Fertilitätsendpunkt. Die Europe-PMC-Suche nach SARM-Begriffen mit Spermien- und Hodenbegriffen ergab mit Länderfilter 0 Treffer; ohne Länderfilter 24 Treffer, die nicht aus dem Sprachraum stammen und nicht ausgewertet wurden. Ebenso fehlt jede Studie an Männern, die Wachstumshormon, GH-Sekretagoga, BPC-157 oder verwandte Peptide als Fitnessmittel anwenden.
Der große Datenbestand: Testosteronundecanoat als männliches Verhütungsmittel. Das Besondere des chinesischen Raums ist eine Forschungslinie, die aus der Familienplanung kommt: die Unterdrückung der Spermatogenese beim Mann durch Injektion von Testosteronundecanoat (TU). Das ist keine Fitnessforschung. Sie ist für die Frage dieser Studie aber wertvoll, weil sie am Menschen dokumentiert, wie stark, wie schnell und wie reversibel injiziertes Testosteron die Spermatogenese unterdrückt. Die Übertragung auf andere Wirkstoffe und Dosierungen im Fitnessumfeld ist nicht belegt. Die Studien kommen aus dem Nationalen Forschungsinstitut für Familienplanung in Peking, aus Shanghai, Nanjing, Liaoning und Sichuan:
- Pilotstudie, 1999 (Peking): 32 gesunde Männer, randomisiert auf 500 mg TU (n = 13), 1000 mg TU (n = 12) oder Placebo (n = 7), monatlich injiziert. In der 500-mg-Gruppe wurden 11 von 12 Männern azoosperm (der Abstract nennt in diesem Satz 12 statt 13 Teilnehmer; die Differenz ist nicht aufgeklärt), in der 1000-mg-Gruppe alle. LH und FSH fielen bis Woche 16 auf nicht nachweisbare Werte; das Serum-Testosteron blieb im Normbereich; es gab keine schweren Nebenwirkungen [s215].
- Phase-II-Studie, 2003 (sechs Zentren): 308 gesunde Männer, 12 Monate Behandlung mit 1000 mg TU als Startdosis, dann 500 mg monatlich, danach 12 Monate Erholung. 9 von 308 Männern erreichten in der Suppressionsphase keine Azoospermie oder schwere Oligozoospermie (< 3 x 10^6/mL); die methodische Versagerrate betrug 2,9 pro 100 Paarjahre (95-%-KI 1,0 bis 4,8), die Gesamtwirksamkeit 94,8 %. Die Spermatogenese kehrte bei allen Teilnehmern in den Referenzbereich zurück; mittleres Serum-Testosteron +131 %, LH -72 %, FSH -70 %, HDL-Cholesterin -14 %, Hämatokrit +6 % [s202].
- Phase-III-Studie, 2009: 1045 gesunde fertile Männer, 500 mg TU in Teesamenöl monatlich über 30 Monate. 43 Teilnehmer (4,8 %) erreichten in der Suppressionsphase keine Azoospermie oder schwere Oligozoospermie (hier definiert als höchstens 1 x 10^6/mL); in 1554,1 Personenjahren der Wirksamkeitsphase gab es neun Schwangerschaften, die kombinierte Methodenversagerrate betrug 6,1 %. Die Spermatogenese kehrte bei allen außer zwei Teilnehmern in den normalen fertilen Referenzbereich zurück; der Verlauf dieser zwei ist im Abstract nicht berichtet. 855 von 1045 traten in die Wirksamkeitsphase ein, 733 beendeten sie [s185].
- Kombinationen mit Gestagenen: Eine randomisierte Studie an 62 Männern verglich vier Levonorgestrel-Stäbchen plus 500 mg oder 1000 mg TU mit 1000 mg TU allein: Azoospermie bei 90 % (Gruppe mit 1000 mg plus Implantaten) gegenüber 62 % und 67 %, der Unterschied verfehlte mit P = 0,09 die Signifikanz; die Spermatogenese kehrte bei allen in den Normbereich zurück [s197]. Die Studie mit Depot-Medroxyprogesteronacetat (30 Männer, je 10 pro Gruppe) liegt in chinesischer [s201] und englischer Fassung [s196] vor und darf nicht doppelt gezählt werden: Bei allen blieb die Spermatogenese unterdrückt, außer bei zwei Männern der reinen TU-Gruppe mit Rebound. Eine Studie an 16 Freiwilligen (Fudan-Universität) fand, dass das Serum-FSH bei den Respondern niedriger war und Spermiendichte, Motilität und Vitalität mit dem FSH positiv korrelierten (r zwischen 0,219 und 0,326) [s199].
- Mechanismus und Prädiktoren: Eine geschachtelte Fall-Kontroll-Studie in der 500-mg-Studie verglich 43 partielle mit 855 vollständigen Suppressoren: Das Ausgangs-LH war bei den partiellen Suppressoren höher, LH und FSH waren weniger stark unterdrückt; der CAG-Polymorphismus des Androgenrezeptors unterschied sich nicht [s188]. Dieselbe Population liegt in chinesischer Fassung vor (29 Non-Responder und 34 Responder; mittlere CAG-Repeat-Zahl 23,62 gegenüber 22,97, P > 0,05) [s187]; beide sind nicht unabhängig. Bei 20 fertilen Männern sanken unter TU Spermiendichte und Keimzellzahl im Ejakulat, der Anteil apoptotischer Keimzellen stieg [s212]; die proteomische Analyse menschlicher Hodenbiopsien nach TU allein oder mit Levonorgestrel fand Änderungen in 17 beziehungsweise 46 Proteinspots [s186].
Tierversuche. Aus den chinesischen Instituten stammen auch Tierversuche, die die Mechanismen untersuchen: vier Veröffentlichungen aus dem Institut für Zoologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften zu Rhesusaffen nach hoher TU-Dosis (Apoptose der Keimzellen, Fas/FasL, Bcl-2, Bax, Hsp70-2, P16(INK4a); Fallzahlen und Dosen nennen die Abstracts nicht; vermutlich aus demselben Versuchsansatz und nicht unabhängig) [s210, s204, s208, s207]; eine Rattenstudie mit TU in drei Dosen (8, 19 oder 625 mg/kg alle 15 Tage), bei der 8 mg/kg ohne Wirkung blieb, 19 mg/kg die Spermatogenese hemmte und nach der Erholungsphase vollständige Erholung eintrat; die sehr hohe Dosis von 625 mg/kg beeinträchtigte die Spermatogenese nicht signifikant, ein nicht monotoner Befund, den der Abstract nicht erklärt (n = 5 je Gruppe) [s211]; zwei chinesischsprachige Histologiestudien zu TU bei Ratten, die die lockerere Anordnung der Keimzellen (in 11,5 % der Samenkanälchen-Profile) [s181] und die Expression von alpha-Catenin [s194] untersuchen; eine Studie mit injizierbaren Depotimplantaten, in der nach 3 Monaten die mit 270 und 135 mg/kg behandelten Ratten zu 100 % infertil waren, einige Männchen der höchsten Dosis und der Injektionsgruppe aber fertil blieben [s171]; und ein Versuch, in dem TU im Modell der Oligoasthenospermie (40 Ratten, durch Tripterygium-Glykoside erzeugt) Spermienkonzentration und Motilität verbesserte [s142]. Der letzte Befund steht in scheinbarem Gegensatz zu den Suppressionsstudien und zeigt, dass die Wirkung exogenen Testosterons vom Ausgangszustand und von der Dosierung abhängt. Für alle gilt: Nagetier oder Primat, hohe Dosen, kleine Gruppen.
Fitness-nahe Befunde. Der Fitnesskontext erscheint im chinesischen Raum fast nur am Rand. Eine narrative Übersicht aus China zu AAS bei Sportlern nennt Hodenfunktionsstörung, Akne, Gynäkomastie, neuropsychiatrische Störungen und Hypogonadismus nach dem Absetzen, enthält aber keine Zahlen [s108]. Eine Übersicht zu Gesundheitsrisiken von Sportergänzungsmitteln (Chengdu) nennt im Abstract keine Fertilitätsdaten [s05]. Für Wachstumshormon und IGF-1 liegen vor: eine retrospektive Kohorte aus Peking mit 60 Männern mit kongenitalem kombiniertem Hypophysenhormonmangel (Spermatogenese 96,77 % gegenüber 62,07 % mit und ohne rhGH; HR 2,294; 95-%-KI 1,143 bis 4,604), die für Männer mit normaler GH-Achse nicht gilt [s123]; eine kleine randomisierte Studie bei idiopathischer Asthenospermie (Shanghai; Spermienvitalität stieg um 28,60 % gegenüber 8,42 %, die Zahlenangaben im Abstract zur Gruppengröße sind widersprüchlich: 40 gegenüber 18 plus 18) [s190]; eine Übersicht zu GH und IGF-1 an adulten Gonaden [s110]; eine Querschnittsstudie zu IGF2 im Seminalplasma bei 320 Männern (IGF2 ist nicht IGF-1) [s64]; Tier- und Organkulturstudien zu IGF-1 [s54, s168]; Ghrelin bei der Ratte [s182]; und eine Studie zum mitochondrial codierten Peptid MOTS-c, das im Serum von Patienten mit Oligoasthenozoospermie erniedrigt war und im Mausmodell Oxidationsstress und Ferroptose milderte [s21]. DHEA aktivierte in einem Mausmodell den Rezeptor ADGRG2 und die Motilität X-chromosomaler Spermien; das betrifft nicht den Fitnessgebrauch [s15].
Training und Lebensstil. Der größte Teil der neueren chinesischen Literatur betrifft Training und Lebensstil. Ein Umbrella-Review aus Hongkong (13 Metaanalysen randomisierter Studien, 8068 Männer) fand bei Männern, dass Bewegung mit besserer Spermienkonzentration, Morphologie, Spermienzahl und Samenvolumen einherging; die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war meist niedrig oder sehr niedrig [s18]. Eine Netzwerk-Metaanalyse mit 14 Studien und 1079 Probanden durchsuchte unter anderem CNKI, Wanfang und VIP; der Abstract enthält einen inneren Widerspruch zwischen Ergebnis- und Schlussteil, weshalb die Aussagen mit Vorsicht zu behandeln sind [s59]. Weitere Arbeiten: eine Netzwerk-Metaanalyse von Nagetierstudien zur Trainingsintensität [s46]; eine prospektive Kohorte mit 1316 Männern mit auffälligem Samen, in der moderate Aktivität mit besseren Werten verbunden war (progressiv motile Gesamtzahl 51,01 % höher; 95-%-KI 18,03 bis 93,64 %) [s31]; eine Kohorte von 746 Spermienspendern (höchste gegenüber niedrigster Aktivitätsquartile: progressive Motilität +16,1 %) [s155]; Querschnittsstudien an 3302 Männern [s22] und an 587 Studenten (geringe Aktivität und hohe Depressionswerte mit niedrigeren Spermienzahlen) [s164]; mechanistische Studien zu erschöpfungsbedingter Spermienschädigung [s30]; und Studien zu Rauchen, Alkohol, Kaffee und Bewegungsmangel [s20, s32]. Zugleich erscheinen in dieser Reihe Querschnittsdaten aus Taiwan: Von 3147 infertilen Männern mit normaler Spermienkonzentration erhielten 77,2 % keine Hormonabklärung, und von 718 Untersuchten hatten 24,1 % ein niedriges Testosteron [s19]; eine Pilotstudie aus Taipei bestimmte intratestikuläre Hormone bei Azoospermie [s47]. Diese Studien betreffen keine Wirkstoffe; sie sind Kontext, weil Wirkstoffvergleiche ohne Berücksichtigung von Training und Lebensstil nicht deutbar wären.
Leitlinien und Register. Eine chinesische Leitlinie zur männlichen Infertilität oder zu Anabolika und Fertilität lag der Recherche nicht vor. Ein Register zu AAS-, SARM- oder GH-Anwendern wurde nicht gefunden. In den abgerufenen Quellen ist der Fitnesskontext in China kaum Gegenstand klinischer Kohorten.
Fachzeitschriften und Erreichbarkeit. Die fünf chinesischsprachigen Arbeiten erschienen in Zhonghua Nan Ke Xue; über Europe PMC sind sie mit englischem Abstract auffindbar. Chinesische Suchbegriffe in Europe PMC lieferten kaum Treffer, weil überwiegend englische Abstracts indexiert werden. CNKI war nicht erreichbar: Die Startseite leitete weiter (HTTP 302), die Suchadresse lieferte einen Verbindungsfehler. Bei Wanfang lud die Seite (HTTP 200), die Trefferliste wurde aber im abgerufenen HTML nicht ausgeliefert; ausgewertet wurde nichts. Für CNKI und Wanfang ist deshalb keine Aussage möglich. Chinesischsprachige Originalpublikationen in diesen Datenbanken sind nur insoweit erfasst, als sie über PubMed gelistet sind. Das kann die nur auf Chinesisch publizierte Literatur zu Training, Nahrungsergänzung und traditioneller Medizin unterschätzen. Dass solche Literatur existiert, zeigt die Netzwerk-Metaanalyse, die CNKI, Wanfang und VIP durchsuchte [s59]; ihr Inhalt war über diese Recherche nicht zugänglich.
Einordnung. Der chinesische Raum liefert den weltweit größten Datenbestand zur reversiblen Suppression der Spermatogenese durch Injektionstestosteron (bis zu 1045 Männer [s185]); er stammt aus verhütungswilligen Paaren, nicht aus dem Fitnessumfeld. Zu SARMs, GH-Sekretagoga und Fitness-Peptiden gibt es keine Spermiendaten.
Japanisch
Umfang und Schwerpunkt. Der japanische Sprachraum ist mit zwei Quellen vertreten: einem japanischsprachigen Fallbericht zu AAS-Missbrauch mit englischem Abstract [s189] und einer japanischsprachigen Fallserie zu fehlangewendetem Testosteronersatz [s146]. Daneben stehen mehrere englischsprachige Arbeiten japanischer Gruppen. Die Beiträge stammen aus der Urologie (Kobe, Sapporo, Yokohama, Osaka, Juntendo), der Pädiatrie (Yamanashi) und der Sportwissenschaft (Kobe, Budo-Universität). Zu SARMs, GH-Sekretagoga und Peptiden mit Spermienendpunkt gibt es keine japanische Studie. Japanische SARM-Übersichten in der Zeitschrift Clinical Calcium (zu Sarkopenie und Osteoporose) wurden nur an Titeln erkannt und nicht aufgenommen.
Japanischsprachige Quellen.
- Takayanagi und Mitarbeitende 2008, Sapporo: „[Case of androgenic anabolic steroid abuse caused hypogonadotropic hypogonadism]“ (Fall von Missbrauch androgen-anaboler Steroide mit hypogonadotropem Hypogonadismus; Nihon Hinyokika Gakkai Zasshi). Ein 32-jähriger Mann kam nach sieben Jahren AAS-Missbrauch mit Libidoverlust und Hodenvolumenminderung; Hodenvolumen beidseits 13 ml; LH, FSH und Gesamttestosteron niedrig, freies Testosteron hoch, SHBG und berechnetes bioverfügbares Testosteron niedrig. Nach dem Verbot weiterer AAS besserten sich Symptome und Hormonwerte nicht; auch etwa einen Monat nach Beginn von hCG-Injektionen keine Besserung. Die Autoren verweisen darauf, dass sich die Hormonfunktion üblicherweise nach dem Absetzen erholt, aber nicht immer [s189]. Einzelfall; Nachbeobachtung nur etwa einen Monat; keine Samenanalyse im Abstract.
- Sukegawa und Tsuji 2020, Ebisu Tsuji Clinic: „LOH症候群に対するテストステロン補充療法に起因した男性不妊症“ (Risiko der männlichen Unfruchtbarkeit durch Testosteronersatz bei LOH-Syndrom; Acta Urologica Japonica). Von 4375 Patienten, die zur Infertilitätsabklärung kamen, hatten 6 wegen Late-onset-Hypogonadismus Testosteron erhalten (3 bis 12 Monate). Bei 5 von 6 waren die Gonadotropine stark unterdrückt; die Samenbefunde reichten von Azoospermie bis schwerer Oligospermie. Das Testosteron wurde abgesetzt; drei Patienten, die eine rasche Erholung benötigten, erhielten hCG (2) oder Clomifen (1). Die Samenbefunde besserten sich bei allen, außer bei einem mit nur einem Monat hCG; die Erholungszeit war sehr unterschiedlich [s146]. Die Quelle nennt mit 6 von 4375 eine grobe Häufigkeitsvorstellung in der Infertilitätsklinik. Schwächen: n = 6, keine Kontrollen, Abstract ohne Einzelwerte.
Englischsprachige Arbeiten japanischer Gruppen.
- Tiere und Doping: Hengste unter Nandrolon-Decanoat (800 mg alle 3 Wochen über 3 Monate; Labor für Rennsport-Chemie) zeigten einen Stillstand der fortgeschrittenen Spermatogenese und eine starke Verarmung an Leydig-Zellen [s213]. In einer Rattenstudie mit Kombinationsregimen (37 Tiere) waren Herz, Hoden und Nebenniere „schwer geschädigt“ (Wortlaut des Abstracts); Spermienzahlen fehlen [s200]. Testosteron nach Busulfan-Schädigung förderte in einer Rattenstudie (n = 5 je Gruppe) die Regeneration [s193]; Testosteron und FSH stellten nach medikamentöser Hypophysektomie die Spermatogenese her [s217].
- Wachstumshormon: Ein GHRH-Test bei 9 Männern mit Reifungsarrest und 8 fertilen Männern fand ein niedriges GH-Ansprechen in der azoospermen Gruppe (relative GH-Insuffizienz; Richtung des Zusammenhangs offen) [s205]. Tierversuche zu GH nach Cyclophosphamid [s206] und unter GnRH-Agonist [s214] zeigten bessere Keimzellzahlen; Zwergratten und unreife Tiere sind keine Modelle für gesunde Erwachsene.
- Ghrelin, DHEA, Kreatin: Ghrelin war im menschlichen Hodengewebe nachweisbar und korrelierte negativ mit dem Serum-Testosteron (r = -0,50) [s191]; DHEA plus Training erhöhte bei adipösen Ratten Steroidhormone, ohne dass Spermienzahl oder Fertilität berichtet wurden [s156]; Gamt-Knockout-Mäuse mit fehlender Kreatinsynthese hatten verminderte Spermienzahl, Beweglichkeit und Befruchtungsrate, was sich durch Kreatinsupplementation korrigieren ließ [s86]. Das sagt nichts über Kreatin-Supplemente bei gesunden Männern.
- Training: Eine Querschnittsstudie an 323 Männern (20 bis 39 Jahre, Hokkaido) fand mit höherer Gesamtaktivität einen niedrigeren DNA-Fragmentationsindex (viertes gegenüber erstem Aktivitätsquartil 29 % niedriger; 95-%-KI 12 bis 43 %), aber keine Zusammenhänge mit konventionellen Samenparametern [s53].
Leitlinien. Die Zusammenfassung der Leitlinie 2024 der Japanischen Urologischen Gesellschaft (mit Unterstützung der Japanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin) nennt, dass Samenfaktoren zu etwa 50 % der Infertilitätsfälle beitragen und die Spermatogenesestörung mit 82,4 % die häufigste Ursache ist; aufgelistet sind unter anderem Gonadotropintherapie bei hypogonadotropem Hypogonadismus (Grad A), Clomifencitrat bei Oligozoospermie mit niedrigem Testosteron (Grad B) und Antioxidanzien (Evidenzgrad C) [s60]. Der Abstract erwähnt weder SARMs noch GH noch Peptide noch AAS. Eine Übersicht zum Late-onset-Hypogonadismus in Japan [s36] erwähnt eine Leitlinie der Japanischen Gesellschaft für Endokrinologie zur männlichen Gonadeninsuffizienz von 2022 (142 Seiten, J-STAGE); dort war kein Abstract abrufbar, sie wurde nicht ausgewertet. Eine Übersicht aus Juntendo beschreibt, dass klassischer Testosteronersatz durch negative Rückkopplung zu männlicher Infertilität führen kann und dass neuere Applikationsformen die Achse unterschiedlich stark unterdrücken [s77].
Fachzeitschriften und Erreichbarkeit. J-STAGE war über die Programmierschnittstelle erreichbar (viele unspezifische Treffer, mehrere Abstracts nur als Titel). CiNii Research zeigte in der Weboberfläche eine Prüfseite; die OpenSearch-Schnittstelle funktionierte, Abstracts waren nur für einzelne Datensätze vorhanden. Japanischsprachige Quellen in J-STAGE und CiNii sind überwiegend Konferenzabstracts ohne verwertbares Abstract. Drei Titel wurden gefunden, aber ohne abrufbaren Abstract nicht als Quelle aufgenommen; ihr Inhalt ist unbekannt und nicht zitierbar: ein Beitrag von 2002 zur Rolle des Wachstumshormons und des Clonidin-Tests für die Spermatogenese in der Japanischen Urologischen Zeitschrift, 93(2): 202; ein Fallbericht von 2021 zu Azoospermie durch ein testosteronhaltiges Nahrungsergänzungsmittel zur Kraftsteigerung (Zeitschrift der Japanischen Gesellschaft für Befruchtung und Einnistung, 38(1): 117-121); und ein Bericht von 2005 über Missbrauch von Androgenen und Anabolika im Sport (Zeitschrift der Japanischen Gesellschaft für Endokrinologie, 81(3): 671). Dass es solche Beiträge gibt, spricht dafür, dass es japanischsprachige Literatur zum Thema gibt, die hier nicht sichtbar wurde.
Einordnung. Der japanische Beitrag besteht aus zwei klinischen Berichten zu den Folgen androgener Substanzen für Hormonachse und Samen [s189, s146], Tierversuchen und einer Leitlinie ohne Aussagen zu Fitness-Wirkstoffen. Aus dem Fitnesskontext selbst liegen nur Einzelfälle vor.
Koreanisch
Eigene Literatur: keine koreanischsprachige Quelle. Die Studie enthält keine koreanischsprachige Quelle. Die Forschung aus Korea ist ausschließlich über englischsprachige Veröffentlichungen vertreten, und sie fällt in drei Gruppen.
Tierversuche zu Nandrolon (Jeju, Eulji). Eine Gruppe der Jeju National University untersuchte an Ratten die Wirkung von Nandrolon-Decanoat auf die Hodensteroidogenese: 2 oder 10 mg/kg pro Woche über 2 oder 12 Wochen führten zu Leydig-Zell-Verarmung und Ablösung von Keimzellen und zu einem signifikanten Abfall der Steroidsynthese-Enzyme StAR, P450scc, 17alpha-Hydroxylase, 3beta-HSD und Aromatase, stärker bei höherer Dosis und längerer Behandlung [s162]. In einer Absetz- und Erholungsstudie (12 Wochen Behandlung, danach 2, 6 und 12 Wochen Erholung) war StAR nach 12 Wochen wieder auf Kontrollniveau, P450scc und 17alpha-Hydroxylase blieben in beiden Dosisgruppen niedriger als die Kontrolle, die Aromatase war schon nach 2 Wochen zurück; die Autoren schließen, dass ein relativ langer Erholungszeitraum im Vergleich zur Expositionsdauer nötig sei [s133]. Eine Studie der Eulji University an den Nebenhodenabschnitten fand segmentabhängig uneinheitliche Veränderungen der Aquaporine 1 und 9 [s132]. Alle drei messen mRNA und Gewebeveränderungen, nicht Spermien oder Fertilität, und nennen keine Gruppengrößen im Abstract.
Klinische Fallserien (CHA-Universität). Zwei Serien aus dem CHA Gangnam Medical Center in Seoul betreffen fehlangewendeten Testosteronersatz bei infertilen Paaren. Bei 8 Männern mit Azoospermie oder schwerer Oligozoospermie nach mehreren TU-Injektionen betrug die mediane Dauer des Androgenersatzes vor der Azoospermie 8 Monate, und nach dem Absetzen normalisierten sich Spermienkonzentration und FSH nach median 8,5 Monaten (Spanne 7 bis 10) [s175]. Bei 20 aufeinanderfolgenden Männern (mittleres Alter 37 Jahre) mit Azoospermie oder schwerer Oligozoospermie unter Testosteronersatz hatten 8 bei Vorstellung eine Azoospermie, 9 eine Kryptozoospermie und 3 eine schwere Oligozoospermie; drei laufende Programme der assistierten Reproduktion mit weiblichem Faktor wurden wegen der männlichen Spermatogenesestörung abgebrochen; nach Absetzen normalisierten sich Hormone und Spermienkonzentration nach median 8 Monaten [s154]. Die Autoren der zweiten Serie bezeichnen Testosteronersatz bei Paaren mit Kinderwunsch als kontraindiziert; das ist ihre Schlussfolgerung, keine Aussage dieses Kapitels. Beide Serien sind klein, retrospektiv, ohne Kontrollgruppe und über eine Kinderwunschambulanz selektiert.
Wachstumshormon und Pubertät (Hanyang, Inje). Zwei Tierversuche an präpubertären männlichen Ratten untersuchten rekombinantes Wachstumshormon: Es führte zu früherer Pubertät, höheren Hodengewichten, höherem Serum-Testosteron und mehr Leydig-Zellen [s129], und lokales testikuläres IGF1 wurde als Mediator der Gonadenreifung vorgeschlagen [s122]. Spermienzahlen wurden nicht berichtet; für erwachsene Männer sind die Befunde nicht übertragbar.
Leitlinie. Die Konsensus-Empfehlung der Koreanischen Gesellschaft für Sexualmedizin und Andrologie (KSSMA) zur männlichen Infertilität (World Journal of Men's Health 2026) ist paarzentriert; sie betont die Behandlung modifizierbarer Risikofaktoren als Basis, empirische Pharmakotherapie nur als phänotypgesteuerte, zeitlich begrenzte Versuche und Endpunkte wie die Lebendgeburt statt Zwischenparameter [s25]. Wirkstoffspezifische Aussagen zu SARMs, GH oder Peptiden enthält der Abstract nicht.
Erreichbarkeit der Datenbanken. Die Suche in der Datenbank KCI (per Formularabruf) lieferte keine Treffer zur Fragestellung; die Treffer waren Zufallsübereinstimmungen aus anderen Fächern, weil die Suche Begriffe nicht streng verknüpft. KoreaMed war über die Startseite erreichbar, die Suchabfrage per Adresse lieferte aber selbst für den Kontrollbegriff „sperm“ keine Treffer; die Datenbank konnte deshalb nicht ausgewertet werden. Zu DBpia war keine Verbindung möglich. Europe PMC lieferte mit koreanischen Begriffen zu Steroiden 0 Treffer. Ob es koreanischsprachige Originalarbeiten zum Thema gibt, ist daher offen.
Einordnung. Korea steuert Tierversuche zur Hodensteroidogenese unter Nandrolon, zwei kleine Serien zu fehlangewendetem Testosteronersatz mit Erholungszeiten von rund 8 Monaten und einen Konsensus zur männlichen Infertilität bei. Zu SARMs und Peptiden liegen keine Spermiendaten vor; zum Fitnessumfeld liegen keine klinischen Studien vor.
Russisch
Umfang und Charakter. Der russische Sprachraum ist mit 15 Quellen vertreten. Er umfasst Russland, Kasachstan und Turkmenistan, soweit die Arbeiten auf Russisch erscheinen. Die Literatur besteht fast ausschließlich aus Übersichtsarbeiten; die Primärdaten am Menschen stammen fast alle aus Sankt Petersburg (Pawlow-Universität), dazu kommt eine kleine Fallserie aus Rostow am Don. Zu SARMs ist keine russischsprachige Studie mit Spermien-, Hoden- oder Gonadotropin-Endpunkt gefunden worden. Zu Wachstumshormon und Peptiden gibt es Übersichten ohne Spermiendaten.
Die Petersburger Arbeitsgruppe. Die Gruppe um Lichonossow und Babenko (Pawlow-Universität Sankt Petersburg) liefert vier Arbeiten, erschienen in „Проблемы эндокринологии“ (Problemy Endokrinologii; in PubMed mit englischen Abstracts):
- Übersicht 2019: „Распространенность использования андрогенных анаболических стероидов, их влияние на систему гипофиз-гонады у мужчин и возможности репродуктивной реабилитации“ (Verbreitung der Anwendung androgener anabolischer Steroide, ihr Einfluss auf das Hypophysen-Gonaden-System beim Mann und Möglichkeiten der reproduktiven Rehabilitation) [s158]. Narrative Übersicht (Suche in eLIBRARY.RU, PubMed, Google Scholar und Cochrane Library; Quellenzahl nicht genannt). Zitiert werden eine weltweite AAS-Prävalenz von 6,4 % bei Männern und 1,6 % bei Frauen und der Hinweis, mehr als 50 % der Patienten mit Hypogonadismus und AAS-Vorgeschichte verbärgen die Anwendung. Für Russland fehlten Prävalenzdaten. Testosteron-Ersatz mit 75 bis 100 mg pro Woche löse keinen Hypogonadismus aus, 200 bis 250 mg pro Woche verursachten Oligospermie, Dopingdosen von 1000 mg pro Woche und mehr unterdrückten die Achse; eine Azoospermie trete bei 40 % der Männer unter Testosteron-Ersatztherapie auf (alles Zitate, keine eigenen Daten). Die Erholung der Achse dauere 4 bis 12 Monate, dauerhafte Fruchtbarkeitsstörungen seien bis zu 3 bis 6 Jahren beschrieben. Als Besonderheit nennt der Text die „Dopingpolypragmasie“: AAS zusammen mit Wachstumshormon, Clenbuterol, Ephedrin, Insulin, Thyroxin, IGF-1, Amphetaminen und Diuretika; in 15 % der Fälle würden AAS in Sporternährung gefunden. SARMs werden in einem Satz erwähnt: Sie seien entwickelt worden, um den androgenen Effekt zu verringern. Zur Nachsorge gebe es kein einheitliches Protokoll und keine randomisierten Studien zu Clomifen; „zuverlässige Methoden zur Wiederherstellung der Spermatogenese gibt es nicht“ (Schlussfolgerung der Autoren).
- Befragung 2019: „Медицинский аспект использования анаболических андрогенных стероидов у мужчин, посещающих тренажерные залы Санкт-Петербурга“ (Medizinischer Aspekt der Anwendung anabolischer androgener Steroide bei Männern, die Fitnessstudios in Sankt Petersburg besuchen) [s157]. Von 1815 verschickten Fragebögen kamen 762 zurück, 550 waren auswertbar; mittleres Alter 29,3 +/- 7,4 Jahre. 30,4 % gaben AAS-Anwendung an; häufigstes Präparat war Testosteronpropionat (51,5 %), oft mit Oxandrolon (19,7 %); die Injektionsdosen lagen bei 500 bis 2000 mg pro Woche und mehr, am häufigsten 1000 mg (23,9 %). In der „Erholungsphase“ wurden Anastrozol (55 %), hCG (51,3 %), Clomifen (41,3 %) und Tamoxifen (30,5 %) eingesetzt; wichtigste Informationsquelle war das Internet (48,7 %). Das sind die ersten russischen Prävalenzdaten. Schwächen: Rücklauf rund 42 % (762 von 1815) mit Selbstselektion, Selbstangaben, keine Laborwerte, kein Spermiogramm. Die Praxis „Kur, danach Gonadotropin, Antiöstrogen und Aromatasehemmer“ macht aus den Nutzern eine Gruppe mit Mehrfachexposition, in der sich einzelne Stoffe kaum trennen lassen.
- Verlaufsstudie 2020: „Особенности восстановления системы гипофиз-гонады у мужчин после использования андрогенных анаболических стероидов“ (Besonderheiten der Erholung des Hypophysen-Gonaden-Systems bei Männern nach Anwendung androgener anabolischer Steroide) [s148]. Monozentrische, prospektive, offene, unkontrollierte Beobachtungsstudie (Januar bis August 2019) an 44 AAS-Nutzern (Alter im Median 29 Jahre, Anwendungsdauer im Median 6 Monate). Gemessen wurden unter AAS und drei Monate nach Absetzen (einheitliche Nachsorgetherapie) LH, FSH, Gesamttestosteron, Prolaktin, Östradiol, Inhibin B und TSH. Unter AAS lag LH im Median bei 0,2 mIU/ml (Spanne 0,04 bis 0,47); LH war bei 84 % unter 1,24 mIU/ml. Nach drei Monaten lag LH bei 4,12 mIU/ml; zufriedenstellende Erholung bei 35 Männern (79,5 %), schlechte bei 9 (20,5 %). Die Erholung des Testosterons korrelierte mit Anwendungsdauer (-0,857), Dosis (-0,7825), Zahl der Präparate (-0,443) und Art der AAS (-0,698); Inhibin B wird als Marker für das Keimepithel vorgeschlagen. Stärken: Verlaufsmessung bei aktuellen Nutzern. Schwächen: kein Spermiogramm (Spermienqualität nur über Inhibin B erschlossen), keine Kontrollgruppe, Nachsorgetherapie im Abstract nicht benannt, hohe Korrelationen bei n = 44 vorsichtig zu lesen, weil Dauer, Dosis und Präparatezahl vermutlich zusammenhängen.
- Motivierter Verzicht 2019: „Частота формирования мотивированного отказа от использования андрогенных анаболических стероидов среди мужчин, занимающихся рекреационной активностью“ (Häufigkeit der Entstehung einer begründeten Ablehnung der weiteren Einnahme androgener anabolischer Steroide bei Männern mit Freizeitsport) [s159]. Dieselben 44 Freiwilligen mit Interview und Fragebogenskalen: Von mehr als 105 Reagierenden willigten 54 (51,4 %) ein, 44 (41,9 %) schlossen ab. Hypogonadismus-Symptome nach dem Absetzen (Libidoverlust, Erektionsstörung) nannten 25 % (n = 11), was ein Grund für die Fortsetzung der Einnahme war; zum vollständigen Absetzen bereit waren 31,8 % (n = 14). Für die Spermienfrage ein Randbefund (keine Fortpflanzungsdaten).
Weitere Übersichten und Beiträge.
- Merzlowa und Mitarbeitende 2025 (Samara) „Анаболические андрогенные стероиды: оказываемый эффект и сопутствующие риски“ (Anabolische androgene Steroide: Wirkung und begleitende Risiken; narrative Übersicht): Die Spermatogenese benötige einen intratestikulären Testosteronspiegel, physiologisch etwa 50- bis 100-mal höher als im Blut; unter AAS gehe dieses Verhältnis verloren. Die Normalisierung der Spermatogenese dauere meist 6 bis 24 Monate, Einzelfälle bis zu 3 bis 6 Jahren; hCG könne nach Berichten auch bei jahrelanger Azoospermie die Fruchtbarkeit verbessern; zu Clomifen, Tamoxifen und Anastrozol seien die Daten begrenzt [s67]. Keine erkennbare Suchmethodik, keine eigenen Daten.
- Nysanbajewa und Mitarbeitende 2021 (Almaty, Kasachstan, russischsprachig) „Неконтролируемое применение анаболических андрогенных стероидов - растущая проблема общественного здравоохранения. Обзор литературы“ (Unkontrollierte Anwendung anabolischer androgener Steroide: ein wachsendes Problem des öffentlichen Gesundheitswesens. Literaturübersicht), 55 Quellen: Die Spermienzahl kehre nach dem Absetzen meist innerhalb von vier Monaten zur Norm zurück, könne aber mehr als ein Jahr brauchen; Jüngere erholten sich schneller [s140]. Die Aussage „meist vier Monate“ steht im Spannungsverhältnis zu 6 bis 24 Monaten [s67] und 4 bis 12 Monaten [s158]; die Übersichten stützen sich überwiegend auf englischsprachige Literatur.
- Nysanbajewa und Mitarbeitende 2022 „Некоторые вопросы оказания медицинской помощи профессиональным спортсменам и спортсменам любителям в контексте антидопинговой программы“ (Einige Fragen der medizinischen Betreuung von Profi- und Freizeitsportlern im Kontext von Antidoping-Programmen): GH, IGF-1 und Insulin würden von Sportlern missbraucht; zitiert wird die größte Studie an Freizeitsportlern (Placebo, GH 2 mg/Tag, Testosteron 250 mg/Woche oder Kombination), in der GH die Fettmasse verringerte und die Muskelmasse über extrazelluläres Wasser erhöhte; IGF-1-Doping werde bei 16 % der Patienten einer schwedischen Suchtklinik berichtet (Zitate). Fertilität wird für GH und IGF-1 nicht behandelt; der Beitrag belegt vor allem die Lücke [s125].
- Tjusikow und Mitarbeitende 2023 „Фармакологические варианты тестостерон-ресторативной терапии мужского гипогонадизма в современной клинической практике (обзор литературы)“ (Pharmakologische Varianten der Testosteron-restaurativen Therapie des männlichen Hypogonadismus in der modernen klinischen Praxis, Literaturübersicht) [s111]: Die russischsprachige Quelle, die SARMs am ausführlichsten behandelt. SARMs seien bei Brustkrebs, Osteoporose und Kachexie untersucht und als Fettverbrenner und zur Steigerung von Muskel-, Knochenmasse und Leistung „insbesondere im Sport“ angewendet worden; es gebe keine von der FDA zugelassenen Indikationen. Zentraler Satz: Der Einfluss der SARM-Einnahme auf den Testosteronspiegel beim Mann und auf die männliche Fortpflanzung sei in evidenzbasierten klinischen Studien „praktisch nicht untersucht“. Das benennt die Evidenzlücke, ist aber eine Zitatübersicht ohne SARM-Spermienbefund.
- Ibischew und Mitarbeitende 2022 (Rostow am Don) „Симптомы нижних мочевых путей как следствие отмены препаратов тестостерона, длительно применявшихся в немедицинских целях“ (Symptome der unteren Harnwege als Folge des Absetzens von Testosteronpräparaten, die lange zu nicht medizinischen Zwecken angewendet wurden): 31 Männer (22 bis 46 Jahre) mit Testosteronanwendung in Fitnessstudios, die wegen Harnwegssymptomen zum Urologen kamen; Gesamttestosteron bei 41,9 % 8 bis 11 nmol/l, bei 58,1 % unter 8 nmol/l [s124]. Spermiendaten fehlen; selektierte Patienten ohne Kontrolle.
- Berdysch und Mitarbeitende 2021 (Krasnodar) „Стероидный гипогонадизм в эксперименте“ (Steroid-Hypogonadismus im Experiment): Rattenversuch (50 Wistar-Ratten, 40 Versuchs- und 10 Kontrolltiere) mit Testosteronpropionat über 60 Tage; nach den Angaben der Autoren Azoospermie nach 60 Tagen und Testosteron von 11,2 (Kontrolle) auf 5,8 ng/ml nach zehn Wochen [s139]. Die Angaben sind widersprüchlich (drei verschiedene Dosisangaben in Abstract, Methodenteil und späterem Satz; drei Versuchsgruppen im Text gegenüber vier Zeilen in den Tabellen; in den Tabellen durchgehend „p > 0,05“ trotz beschriebener großer Unterschiede). Die Aussage zur Irreversibilität ist durch den Versuch nicht gedeckt. Verwertbar nur als qualitativer Hinweis, nicht für Zahlenvergleiche.
- Moskauer Übersicht 2013 zu GH-freisetzenden Peptiden „Пептиды, повышающие секрецию соматотропного гормона, и их влияние на сердечно-сосудистую систему“ (Peptide, die die Sekretion des Wachstumshormons erhöhen, und ihr Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System; Sechenov-Universität): behandelt namentlich Somatotropin, IGF-1 und IGF-2, Sermorelin, CJC-1295, GHRP-1, GHRP-2, GHRP-6, Hexarelin, Ipamorelin und Ghrelin; zu Fortpflanzung, Gonaden, Spermien oder Fruchtbarkeit steht im Text nichts (Volltextsuche ohne Treffer) [s179]. Es ist die einzige gefundene russischsprachige Übersicht, die GH-freisetzende Peptide namentlich behandelt; sie hat einen kardiologischen Schwerpunkt und beschreibt keine Anwendung durch Gesunde.
- Kurze Beiträge von Studierenden und Dozenten ohne eigene Daten: Betilmersajew und Weliew 2025 „Влияние стероидов на молодой организм“ (Einfluss von Steroiden auf den jungen Organismus) nennen ohne Primärangabe, die WHO habe einen Abfall der Spermienzahl innerhalb von 90 Tagen nach AAS festgestellt [s65]; Ossipow 2018 „Побочные эффекты андрогенных анаболических стероидов“ (Nebenwirkungen androgener anabolischer Steroide) erwähnt, AAS verstärkten die Wirkung des körpereigenen Somatotropins [s165]; Mammetmyradowa 2025 (Turkmenistan, russischsprachig) „Диуретики, пептидные и гликопротеиновые гормоны: физиологические эффекты и вред в спорте“ (Diuretika, Peptid- und Glykoprotein-Hormone: physiologische Wirkungen und Schaden im Sport) schreibt, hCG, TSH und LH würden „nicht selten“ nach AAS-Kuren eingesetzt, ohne Daten [s66]; Sulima und Mitarbeitende 2019 (Krim) listen in einer Auswertung aus einer Kinderwunschklinik AAS und testosteronhaltige Nahrungsergänzung als Ursache von Hypogonadismus und Spermatogenesestörungen, ohne eigene Daten zum Thema [s160]. Sie sind nur als Hinweis auf die Rezeption zu werten.
Fachsprache. Die Fachsprache weicht ab: ААС steht für anabolische androgene Steroide, ПКТ („Послекурсовая терапия“) für die Nachsorge nach einer Kur, СМАР für selektive Modulatoren der Androgenrezeptoren, also SARMs [s111]; „допинговая полипрагмазия“ bezeichnet Mehrpräparate-Doping [s158]. Die Suche nach der lateinischen Abkürzung „SARMs“ brachte in CyberLeninka fast nur Treffer zu Sarkopenie, Brustkrebs und fachfremden Themen.
Leitlinien und Register. Eine russische oder kasachische Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden. Ein Register zu AAS-, SARM- oder GH-Anwendern wurde nicht gefunden; die Petersburger Befragung ist die einzige Prävalenzquelle [s157] und erfasst nur Besucher von Fitnessstudios mit Selbstangabe.
Erreichbarkeit der Datenbanken. CyberLeninka war erreichbar; die Trefferliste wird per Skript nachgeladen, die Suchschnittstelle lieferte Treffer, Artikelseiten enthalten Abstract und OCR-Volltext; bei schnellen Folgeabrufen kam HTTP 503, mit Pausen von sechs Sekunden gelang der Abruf von 17 Artikeln. eLIBRARY.ru war nicht erreichbar (HTTP 403 auf die Suchseite, später Weiterleitung auf eine Fehlerseite); Inhalte sind nur indirekt über Literaturlisten sichtbar. Weil eLIBRARY.ru ausfiel, bleibt offen, ob dort einschlägige Primärstudien liegen. Die Abdeckung stützt sich damit auf PubMed und CyberLeninka. Mehrere der Übersichten stützen sich ihrerseits überwiegend auf englischsprachige Quellen.
Einordnung. Die russischsprachige Literatur ist durch eine einzige Arbeitsgruppe geprägt und liefert die einzigen Daten zur Anwendungspraxis (Dosen, Präparate, Nachsorgemittel [s157]) und zur Erholung der Hypophysen-Gonaden-Achse bei aktuellen Nutzern [s148]. Spermiendaten enthalten diese Arbeiten nicht. Zu SARMs stellt eine Übersicht fest, dass die Datenlage praktisch fehlt [s111].
Arabisch
Umfang und Charakter. Der arabische Sprachraum ist in der Studie mit zwei arabischsprachigen Quellen vertreten, beide aus dem Irak, beide in lokalen Zeitschriften [s180, s183]. Daneben steht eine große Zahl englischsprachiger Arbeiten aus Ägypten, Irak, Saudi-Arabien, Jordanien, Palästina, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Schwerpunkt liegt auf drei Gebieten: kleine Befragungen und Querschnittsstudien zur Anwendung von AAS, Tierversuche zu AAS-bedingter Hodenschädigung mit anschließender Prüfung einer Schutzsubstanz und Übersichtsarbeiten. Zu SARMs gibt es eine einzige Arbeit, einen Rattenversuch zu Ostarin bei Diabetes, der keine Fortpflanzungsendpunkte berichtet [s09]. Zu Wachstumshormon und Peptiden gibt es keine Spermienstudie.
Arabischsprachige Quellen.
- Al-Muhaisen und Mitarbeitende 2011 (Maysan, Irak) „تأثير تعاطي السترويدات البنائية (المنشطات) في العوامل المناعية و الهرمونات لدى رياضي بناء الأجسام“ (Wirkung des Konsums anabolischer Steroide (Dopingmittel) auf Immunfaktoren und Hormone bei Bodybuildern; Maysan Journal of Physical Education Sciences): Fall-Kontroll-Studie mit 49 Athleten (18 bis 28 Jahre), 29 mit AAS und 20 ohne. IgG, IgM, C3 und C4 waren erhöht; für die Fruchtbarkeitshormone berichten die Autoren signifikante Unterschiede zur Kontrolle, als Werte der Versuchsgruppe nennt der Abstract aber 8,174 +/- 0,171, 6,734 +/- 0,428 und 8,244 +/- 0,645 ohne eindeutige Zuordnung und Einheiten, und einen deutlichen Anstieg des Prolaktins (24,836 +/- 1,9; abgeschnitten) [s183]. Schwächen: Zuordnung der Zahlen unklar, keine Angabe zu Art, Dosis und Dauer der AAS, keine Spermienparameter. Der Beitrag zeigt, dass im arabischen Raum bereits 2009 Hormonmessungen bei Bodybuildern durchgeführt wurden, bleibt aber für die Spermienfrage ohne Aussagekraft.
- Al-Kinani und Al-Hamdani 2013 (Mossul, Irak) „التأثيرات المرضية للستيرويد البنائي سستانون في خصى الجرذان“ (Pathologische Wirkungen des anabolen Steroids Sustanon auf die Hoden von Ratten; Iraqi Journal of Veterinary Sciences): 100 Ratten in fünf Gruppen zu je 20 (Kontrollen, Sesamöl, Sustanon 5, 10, 20 mg/kg wöchentlich über 60 Tage), Hodenentnahme nach 15, 30 und 60 Tagen, dazu je fünf Tiere nach 30 Tagen ohne Behandlung. In allen Sustanon-Gruppen zeigten sich Hodenschwund, Degeneration, gestörte Anordnung der Samenkanälchen, degenerierte Spermien, Entzündungszellen und Ödem, am stärksten nach 60 Tagen; die Veränderungen bestanden nach 30 Tagen ohne Behandlung fort [s180]. Nur qualitative Beschreibung, keine Spermienzahlen, keine Hormone.
Klinische Daten und Befragungen (englischsprachig). Die klinischen Daten sind klein und stammen überwiegend aus Saudi-Arabien; keine der Studien enthält ein Spermiogramm:
- 16 saudische Athleten (10 AAS-Nutzer, 6 Nichtnutzer; Dauer vor der Blutentnahme 6 bis 13 Wochen): LH 0,1 gegenüber 2,7 mIU/ml und FSH 0,05 gegenüber 2,71 mIU/ml, Gesamttestosteron 89,9 gegenüber 20,5 nmol/l, ALT 69 gegenüber 22,5 U/l (alle p < 0,05) [s83]. Die fast vollständige Unterdrückung von LH und FSH passt zu einer unterdrückten Spermatogenese zum Messzeitpunkt, belegt sie aber nicht; Nutzer waren älter und schwerer.
- 31 Männer aus Mekka (Fragebogen), 18 davon mit Blutuntersuchung: 94 % nutzten AAS ohne medizinische Indikation, 81 % (25) Wachstumshormon, 90 % Testosteron; 96 % kombinierten mehrere Mittel, am häufigsten Testosteron plus GH (14 Teilnehmer, 45 %); Hodenverkleinerung bei 19 %, eine ärztlich diagnostizierte Infertilität („oder geringe Spermienproduktion“) bei 1 (3 %) [s56]. Weil GH fast immer mit Testosteron kombiniert wurde, lässt sich daraus nichts zur GH-Wirkung auf Spermien ableiten; Rekrutierung über soziale Medien und Trainer, teils inkonsistente Prozentwerte (7 von 31 sind 23 %, nicht 20 %).
- Befragungen: 121 von 150 männlichen Athleten in Medina antworteten, 32 % gaben AAS-Nutzung an, am häufigsten auf Rat von Trainern (46,1 %) [s69]; in 24 Fitnessstudios in Al-Qassim gaben von 415 Nutzern 19,5 % eigene Nutzung zu, und nur 13,3 % wussten, dass AAS eine Brustvergrößerung verursachen können [s35]; unter 380 Sportstudierenden in Palästina betrug der Wissensscore 2,95 von 8, aktuelle Nutzung bejahten 11 (2,9 %) [s80]. Fruchtbarkeit wurde nicht erhoben.
- Aus den Emiraten: eine prospektive Studie mit 520 Patienten nach AAS-Gebrauch, in der nur 14 von 94 infertilen Patienten innerhalb von 12 Monaten eine Schwangerschaft erreichten [s112], und eine Befragung von 151 Ärzten [s92]. Aus Katar: eine sexualmedizinische Übersicht, nach der sich endokrine Parameter oft früher normalisierten als Samenparameter und die Erholung bei einem klinisch bedeutsamen Teil verzögert oder unvollständig bleibe [s23], und eine systematische Übersicht (44 Studien) zu verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln [s02].
Tierversuche aus dem arabischen Raum. Aus Ägypten, dem Irak, Saudi-Arabien und Jordanien stammt eine auffallend große Zahl von Rattenstudien, in denen ein AAS (Nandrolon, Stanozolol, Boldenon, Trenbolon, Oxymetholon, Sustanon) eine Hodenschädigung auslöst und anschließend ein „Schutzstoff“ getestet wird (Ginseng, Nanopartikel, Thymochinon, Vitamin B17, plättchenreiches Plasma). Für die Frage nach den Folgen der AAS selbst zählt jeweils nur der Vergleich der AAS-Gruppe mit der Kontrollgruppe. Beispiele: Stanozolol (5, 10, 15 mg/kg über 60 Tage, n = 20) senkte Hodengewicht, Spermienkonzentration, Vitalität und Beweglichkeit und erhöhte Anomalien [s11]; Nandrolondecanoat (3 und 10 mg/kg) erhöhte den Anteil der Spermien mit DNA-Fragmentierung [s184]; Trenorol senkte Hodengewicht, Testosteron, FSH, LH, Spermienzahl und Vitalität [s68]; drei ägyptische Studien mit Boldenon fanden niedrigeres Testosteron beziehungsweise niedrigere Gonadotropine und mehr oxidativen Stress; nur eine berichtet auch eine geringere Spermienqualität [s03], die beiden anderen berichten keine Spermienendpunkte [s12, s26]; Oxymetholon führte histologisch zu Hodenveränderungen [s104]; Stanozolol plus Cannabis verstärkte die Hodenschädigung [s41]; Nandrolon veränderte Gewicht und Histologie der Samenbläschen [s167]. Zu Ghrelin liegen zwei Studien vor: Erhöhtes körpereigenes Ghrelin bei Futterrestriktion ging bei Ratten mit niedrigerem FSH, LH und Testosteron und schlechterer Samenqualität einher [s48], und exogenes acyliertes Ghrelin schützte im Doxorubicin-Modell [s105]. Gemeinsame Schwächen: kleine Gruppen, hohe Dosen und Applikationswege, die nicht auf Männer übertragbar sind, meist keine Konfidenzintervalle, und teils das Ziel, die Schutzsubstanz zu bewerben. Die Studien sind einheitlich im Ergebnis, erlauben aber keinen Zahlenvergleich mit Männern.
Iranische Studien als Nachbarraum. Sechs weitere Arbeiten stammen aus Iran, das zu keinem der drei Sprachräume Russisch, Türkisch oder Arabisch gehört, aber wegen der thematischen Nähe aufgenommen wurde: Sustanon bei Ratten (Hodengewicht 1,482 g gegenüber 0,732, 0,672 und 0,675 g; normale Spermien 87 % gegenüber 37, 29 und 22 %; Spermien ohne Flagellum 7 % gegenüber 25, 26 und 29 %) [s84]; Nandrolon und Testosteronenantat, Dosis und Zeit [s85]; Nandrolon und Gelée royale bei jungen Mäusen, wo Nandrolon allein Hodengewicht und gonadosomatischen Index erhöhte [s33]; Schwarzkümmelöl-Nanoemulsion bei Testosteron-Schaden [s27]; verzweigtkettige Aminosäuren bei Mäusen (nur Valin senkte Spermienkonzentration und Vitalität) [s49]; und die einzige randomisierte Humanstudie in diesem Teil der Recherche, eine doppelblinde Studie, die Antioxidanzien bei 80 Fußballspielern mit abnormem Spermiogramm prüfte (Beweglichkeit und Morphologie verbesserten sich, die Konzentration nicht signifikant; Ausgangsunterschiede zwischen den Gruppen) [s57].
Leitlinien und Register. Eine arabische Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden. Ein Register zu AAS-, SARM- oder GH-Anwendern wurde nicht gefunden. Die Befragungen zeigen ein erhebliches Wissensdefizit zu AAS [s35, s80].
Erreichbarkeit der Datenbanken. eMarefa war erreichbar (Suche über Formularparameter; Detailseiten mit arabischem und englischem Abstract; kurze, unvollständige Trefferlisten). Die arabischen Schreibweisen variieren („السترويدات البنائية“ gegenüber „الستيرويدات الابتنائية“) und führten zu unterschiedlichen Trefferlisten; Suchen nach Stanozolol, Nandrolon und Boldenon in arabischer Schrift lieferten nur wenige einschlägige Treffer (für Boldenon keinen), Peptidnamen keinen. Arab World Research Source war nicht erreichbar (HTTP-Code 000), Mandumah leitete auf eine Anmeldeseite weiter und ist ohne Konto nicht nutzbar. Für Arabisch wurden damit nur eMarefa und PubMed tatsächlich durchsucht.
Einordnung. Die arabische Literatur trägt vor allem Tierversuche und Befragungen bei. Die klinischen Daten bestätigen die Unterdrückung von LH und FSH bei aktuellen Nutzern [s83, s56], enthalten aber keine Spermiendaten. Zu SARMs und Peptiden gibt es keine Spermiendaten.