Krebserkrankungen und Fruchtbarkeit · Kapitel 20 von 22

Glossar

Aktuarielle Rate. Statistisch geschätzter Anteil eines Ereignisses (zum Beispiel Nutzung der Probe) über einen Zeitraum, der Patienten mit unterschiedlich langer Nachbeobachtung berücksichtigt (zum Beispiel Blackhall: 27 % nach 10 Jahren [s275]).

Alkylanzien. Gruppe von Chemotherapeutika (zum Beispiel Cyclophosphamid), die in den Studien mit stärkerer Schädigung der Spermatogenese verbunden werden [s86, s256].

Asthenozoospermie. Verminderter Anteil beweglicher Spermien im Ejakulat.

Azoospermie. Keine Spermien im Ejakulat (nach üblicher Untersuchung). Sie kann durch eine Störung der Spermienbildung (nichtobstruktiv) oder durch einen Verschluss der Samenwege bedingt sein; in den Studien dieses Kapitels geht es überwiegend um die nichtobstruktive Form.

B-Symptome. Allgemeinsymptome bei Lymphomen (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust). In der EORTC-Auswertung waren sie mit schlechter Spermienqualität verbunden [s251].

BEACOPP, ABVD, COPP, MOPP, CHOP, BEP. Bezeichnungen von Chemotherapieschemata. BEACOPP steht für Bleomycin, Etoposid, Doxorubicin, Cyclophosphamid, Vincristin, Procarbazin und Prednison [s257]; CHOP für Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednison [s67]. Die Schemata unterscheiden sich in der berichteten Schädigung der Spermatogenese; ABVD gilt in den Studien als weniger schädlich als BEACOPP oder MOPP-haltige Schemata [s195, s225].

Beta-hCG, Alpha-Fetoprotein (AFP). Tumormarker im Blut, die bei Keimzelltumoren erhöht sein können. In den Studien waren hohe Werte mit schlechterer Samenqualität verbunden [s196, s271].

CECOS. Französisches Netz von Zentren zur Untersuchung und Aufbewahrung von Eizellen und Samen (Centres d'Étude et de Conservation des Œufs et du Sperme humains) [s83, s235].

Cyclophosphamid-Äquivalentdosis (CED). Rechengröße, mit der Alkylanziendosen verschiedener Medikamente vergleichbar gemacht werden [s86, s184].

DNA-Fragmentierung, DNA-Fragmentierungsindex (DFI). Anteil der Spermien mit Brüchen im Erbgut. Gemessen wird sie mit verschiedenen Verfahren (zum Beispiel Sperm Chromatin Structure Assay, TUNEL, Halosperm); die Werte unterschiedlicher Verfahren sind nicht direkt vergleichbar [s51, s95, s250].

Flagellum. Das Spermienende, das den Antrieb liefert; in der Morphologiebeurteilung wird es neben Kopf und Mittelstück bewertet. Auffälligkeiten des Flagellums können die Beweglichkeit beeinträchtigen.

FSH, LH, Inhibin B, AMH, Testosteron. Hormone der Hoden-Hypophysen-Achse und Marker der Hodenfunktion. FSH steigt bei gestörter Spermienbildung typischerweise an; in mehreren Studien war es nach der Behandlung erhöht [s14, s256, s257].

Gesamtzahl beweglicher Spermien (TMC). Produkt aus Volumen, Konzentration und Anteil beweglicher Spermien; wird für die Einschätzung der Eignung zur assistierten Reproduktion verwendet [s181, s222].

Hodgkin-Lymphom (Hodgkin-Krankheit). Bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems; in Studien häufig unterteilt in Frühstadium und fortgeschrittene Stadien sowie nach Vorliegen von B-Symptomen.

Hodentumor, Keimzelltumor, Seminom, Nicht-Seminom (NSGCT). Bösartige Hodengeschwülste; Keimzelltumoren werden in Seminome und Nicht-Seminome unterteilt, die sich in Histologie und Marker unterscheiden.

Hypospermatogenese. Verminderte Spermienbildung im Hodengewebe bei noch vorhandener Reifung (Gewebebefund) [s48].

ICSI, IVF, IUI. Verfahren der assistierten Reproduktion: intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ein einzelnes Spermium wird in die Eizelle eingebracht), In-vitro-Fertilisation, intrauterine Insemination. Die Metaanalyse von Li fand die höchste Schwangerschaftsrate pro Zyklus für ICSI [s58].

Intraklassen-Korrelationskoeffizient (ICC). Maß dafür, wie ähnlich wiederholte Messungen derselben Person im Vergleich zu den Unterschieden zwischen Personen sind; hohe Werte bedeuten stabile Messgrößen [s95, s208].

Konfidenzintervall. Bereich, in dem der wahre Wert mit der angegebenen Sicherheit (meist 95 %) liegt; breite Intervalle bedeuten große Unsicherheit.

Kryokonservierung, Paillette. Einfrieren und Lagerung der Samenprobe in flüssigem Stickstoff; die Probe wird auf mehrere dünne Röhrchen (Pailletten) verteilt [s45, s189].

Normozoospermie, Oligozoospermie, Teratozoospermie, Kryptozoospermie. Befundbezeichnungen: Normalbefund nach der verwendeten WHO-Auflage; verminderte Spermienkonzentration; erhöhter Anteil auffällig geformter Spermien; Spermien nur nach Zentrifugation nachweisbar. Die Abgrenzung hängt von der Auflage der WHO-Referenzwerte ab (1992, 1999, 2010, 2021).

Odds Ratio (OR). Verhältnis der Chancen für ein Ereignis zwischen zwei Gruppen; ein Wert über 1 bedeutet erhöhte Chance, nicht ein entsprechend erhöhtes Risiko.

Orchiektomie. Operative Entfernung eines Hodens, beim Hodentumor üblicher erster Schritt [s235].

Perzentile. Wert, unterhalb dessen ein bestimmter Anteil der Vergleichsgruppe liegt; die 5. Perzentile der WHO-Referenz dient als unterer Referenzbereich [s102].

Propensity-Score-Matching. Statistisches Verfahren, bei dem Patienten mit Vergleichspersonen ähnlicher Merkmale gepaart werden [s93].

Retroperitoneale Lymphknotenausräumung (RPLND). Operation am Bauchraum beim Hodentumor; kann die Ejakulation beeinträchtigen [s22, s297].

Selektionsverzerrung. Systematische Verzerrung, weil nur bestimmte Personen in die Studie gelangen, zum Beispiel nur Männer, die eine Probe abgeben konnten [s87, s251].

Sekundärangabe. Zahl oder Aussage, die ein Beitrag aus einer anderen Quelle zitiert, ohne sie selbst erhoben zu haben.

TESE, Mikro-TESE, Onko-TESE. Gewinnung von Spermien aus dem Hodengewebe; mikrochirurgisch (mTESE) oder bei Krebspatienten gleichzeitig mit der Orchiektomie oder vor der Behandlung (Onko-TESE) [s57, s112, s197].

WHO-Referenzwerte. Vom Handbuch der Weltgesundheitsorganisation festgelegte Referenzbereiche für Samenparameter; es gibt mehrere Auflagen (1992, 1999, 2010, 2021), die die Ergebnisse verschiedener Studien nur eingeschränkt vergleichbar machen [s24, s102].

Alle Kapitel und Anhänge (26)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Hodgkin-Lymphom bis Leukämien und hämatologische Neoplasien
  6. Hodentumoren
  7. Mischkollektive mit Vergleichsgruppen
  8. Samenbankserien ohne Kontrollgruppe und Kinder und Jugendliche
  9. Überlebende nach Behandlung: Befunde zur Abgrenzung bis Einordnung der Beobachtungsstudien
  10. Vorbemerkung zur Evidenzbasis bis Kinder und Jugendliche
  11. Metaanalysen und systematische Übersichten bis Tierversuche
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Chinesisch
  15. Japanisch bis Türkisch
  16. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  22. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  23. Diagramme
  24. Quellen s01–s153
  25. Quellen s154–s303
  26. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle