Nur in diesen Studien lässt sich die Ausgangsqualität gegen Gesunde oder Fertile abgrenzen. Die Kontrollgruppen sind allerdings nicht einheitlich, und jede hat eigene Verzerrungen: Spender sind besonders fertil, Partner Schwangerer ebenfalls selektiert, Männer aus Kinderwunschsprechstunden oder Vasektomiekohorten sind nicht dasselbe.
Auger et al. 2016 (4.480 Patienten) [s189]. Titel: Semen quality of 4480 young cancer and systemic disease patients: baseline data and clinical considerations. (Basic and clinical andrology, 2016, PMID 26893905). Land: Frankreich (Paris, CECOS). Design: retrospektive Studie in einem einzigen Labor mit denselben Methoden für alle Proben. Population: Hodenkeimzelltumor (n = 2.315), Hodgkin-Lymphom (n = 1.175), Non-Hodgkin-Lymphom (n = 439), Leukämie (n = 360), Sarkom (n = 208), Hirntumor (n = 40), Morbus Behçet (n = 68) und multiple Sklerose (n = 73), verglichen mit 1.448 fertilen Spenderkandidaten und 208 Partnern Schwangerer. Methodik: Spermiogramm vor der Behandlung und Auftautest. Ergebnisse: Nur 37 % der Leukämiepatienten und weniger als 60 % bei Keimzelltumor, Non-Hodgkin-Lymphom, Sarkom und Hirntumor waren normozoosperm. Die Spermienproduktion war je nach Erkrankung unterschiedlich stark vermindert; die mediane Gesamtspermienzahl war bei Hodentumor und Leukämie viermal niedriger (p < 0,01 gegenüber beiden Kontrollgruppen). Der geringste Anteil progressiv beweglicher Spermien fand sich bei Leukämie und Hirntumor (jeweils p < 0,01). Der Anteil morphologisch normaler Spermien war bei Krebspatienten vermindert, besonders bei Hirntumor. Nach dem Auftauen war die Progressivmotilität etwa halb so hoch wie bei Spenderkandidaten; bei fast der Hälfte der Proben von Patienten mit Hodentumor oder Leukämie lag die Zahl beweglicher Spermien je Pailette unter 0,5 × 10^6, gegenüber 4,3 × 10^6 bei Spenderkandidaten. Die Autoren schließen, dass für die Mehrzahl der Patienten ICSI nötig wäre, wenn die Spermatogenese nach der Behandlung nicht wieder einsetzt. Stärken: größte Serie der gesamten Recherche, ein Labor, zwei Kontrollgruppen, Auftaudaten, seltene Krebsarten (Hirntumor, Sarkom) einzeln. Schwächen: keine Aufschlüsselung nach Fieber oder Stadium im Abstract, Selektion durch die Samenbank (nur Männer, die eine Probe abgeben konnten und wollten), Abstract ohne Konfidenzintervalle. Einordnung: Diese Studie liefert die belastbarste Rangfolge der Ausgangsqualität nach Krebsart (Leukämie und Hodentumor am niedrigsten); die Zahlen zu Hirntumor beruhen auf nur 40 Männern.
Fan et al. 2022 (Guangdong) [s93]. Titel: Association of malignant neoplasms with semen quality in Guangdong province, China: A propensity score matching analysis. (Andrology, 2022, PMID 34339597). Land: China (Guangzhou, Sun-Yat-sen-Universität). Design: Querschnittsstudie mit Propensity-Score-Matching. Population: 445 Patienten mit bösartigen Neubildungen, die 2016 bis 2019 Samen einlagerten; Vergleichsgruppe aus 9.170 Samenspendern; 413 Patienten (92,8 %) wurden 798 Spendern zugeordnet. Methodik: multivariate lineare Regression. Ergebnisse: Bösartige Neubildungen waren mit folgenden Verminderungen verbunden: Volumen 0,3 ml, Konzentration 17,1 × 10^6/ml, Gesamtzahl 67,6 × 10^6, Gesamtbeweglichkeit 9,8 %, Progressivmotilität 10,2 %, Normalformen 6,4 %. Hodentumor, Tumoren des Nasopharynx und der Verdauungsorgane, Hodgkin-Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphom und Leukämie waren signifikant mit verminderter Beweglichkeit und weniger Normalformen assoziiert; Hodentumor, Hodgkin-Lymphom und Leukämie zusätzlich mit niedrigerer Konzentration oder Gesamtzahl. Die Verminderung von Konzentration und Gesamtzahl war bei unter 30-Jährigen größer. Stärken: gematchte Kontrollgruppe aus großer Spenderbasis, multivariate Regression, Aufgliederung nach Entität. Schwächen: Konfidenzintervalle und p-Werte der einzelnen Koeffizienten stehen nicht im Abstract; Spender sind eine selektierte, besonders fertile Gruppe, was Unterschiede vergrößern kann; Querschnitt; Abstinenzzeit und akute Erkrankungsfolgen nur begrenzt kontrollierbar. Einordnung: Für das Hodgkin-Lymphom ist dies die einzige Effektschätzung gegenüber Gesunden aus dem asiatischen Raum; die Aussage unterscheidet sich von Studien, in denen Lymphompatienten überwiegend normale Werte hatten (etwa [s195, s120]), kann aber durch die besonders günstige Spenderkontrolle mitbedingt sein.
Shrem et al. 2022 [s102]. Titel: Effect of Malignancy on Semen Parameters. (Life (Basel, Switzerland), 2022, PMID 35743953). Land: Israel (Rehovot, Ariel) und Kanada (Montreal, McGill). Design: Vergleichsstudie. Population: 313 Krebspatienten vor gonadotoxischer Behandlung (PG-Tx-Gruppe); Kontrollgruppe (a) Männer einer Fertilitätsabklärung mit Werten oberhalb der Untergrenze der WHO-2010-Referenz (ARL-Gruppe), Kontrollgruppe (b) fertile Männer aus dem Datensatz des WHO-Handbuchs 2020. Ergebnisse: Gegenüber der ARL-Gruppe war die Konzentration um 65,6 % niedriger, das Volumen um 12,1 %, die Gesamtzahl um 72,7 %, die Gesamtbeweglichkeit um 33,0 %, die rasche Beweglichkeit um 22,2 % und die Progressivbeweglichkeit um 24,7 %. Das stärkste Defizit bei Beweglichkeit und Konzentration zeigte sich bei Keimzelltumoren, das geringste bei hämatologischen Tumoren. Gegenüber fertilen Männern waren alle Parameter signifikant niedriger (p < 0,0001). Die Mediane lagen bei den meisten Parametern noch im WHO-Normbereich, die fünfte Perzentile entspreche jedoch Männern mit verlängerter Zeit bis zur Schwangerschaft. Stärken: zwei verschiedene Kontrollgruppen, Aufteilung nach Histologie. Schwächen: Eine Kontrollgruppe ist ein Selektionskollektiv aus einer Fertilitätsklinik (ARL), die andere ein Referenzdatensatz statt einer parallel erhobenen Kohorte; Konfidenzintervalle nennt der Abstract nicht. Einordnung: Auffällig ist, dass die Autoren ihren Befund selbst mit der Aussage „die Wirkung der Erkrankung ist umstritten“ einleiten und trotzdem bei allen untersuchten Krebsarten eine signifikante Verminderung finden.
Song et al. 2023 [s84]. Titel: Semen quality and sperm DNA fragmentation in cancer patients undergoing sperm cryopreservation. (Investigative and clinical urology, 2023, PMID 37668205). Land: Korea (Seoul, CHA Fertility Center Gangnam). Design: prospektive Vergleichsstudie, Mai 2019 bis Februar 2021. Population: 132 Männer, davon 65 Krebspatienten und 67 Kontrollen, die Sperma für assistierte Reproduktion einfrieren ließen. Krebsarten (Volltext): Leukämie 17 (26,2 %), Hodenkrebs 15 (23,1 %), Lymphom 13 (20,0 %), schwere aplastische Anämie 7 (10,8 %), Rektumkrebs 3, Schilddrüsenkrebs 3, Sarkom 2, Lungenkrebs 2, je ein Magen-, Mediastinal- und Wilms-Tumor. Ergebnisse: Das Alter der Krebspatienten betrug 28,38 ± 5,67, das der Kontrollen 32,27 ± 3,24 Jahre (p < 0,001). Volumen 3,36 ± 1,75 gegenüber 3,29 ± 2,04 ml (p = 0,819). Konzentration 67,76 ± 59,50 gegenüber 95,52 ± 69,61 Mio/ml (p = 0,015; der Abstract gibt p < 0,015 an). Gesamtbeweglichkeit 35,84 ± 11,13 gegenüber 41,58 ± 11,61 % (p = 0,004), Progressivbeweglichkeit 32,06 ± 11,63 gegenüber 38,33 ± 11,82 % (p = 0,003). Spermien-DNA-Fragmentierungsindex (DFI) 24,32 ± 15,69 gegenüber 19,11 ± 11,63 % (p = 0,033). Nach Ausschluss von 8 Krebspatienten, die schon vor dem Einfrieren Chemotherapie erhalten hatten (4 Leukämie, 3 Lymphom, 1 aplastische Anämie), blieben Konzentration (70,56 ± 61,60 Mio/ml; p = 0,038), Gesamtbeweglichkeit (p = 0,009) und Progressivbeweglichkeit (p = 0,006) signifikant niedriger, der DFI aber nicht (23,14 ± 12,79 gegenüber 19,11 ± 11,63 %; p = 0,069). Nach Tumorart: Hodenkrebs hatte die niedrigste mittlere Konzentration (33,14 ± 24,88 Mio/ml), Lymphom die höchste (90,00 ± 43,00 Mio/ml, vor Chemotherapie-Ausschluss), Leukämie 80,47 ± 75,82 Mio/ml bei einem DFI von 29,06 ± 20,43 %; zwischen den Untergruppen fanden sich keine signifikanten DFI-Unterschiede. Stärken: prospektiv, Kontrollgruppe, DNA-Fragmentierung gemessen, Analyse mit und ohne vorbehandelte Patienten. Schwächen: kleine Untergruppen (7 bis 17), Kontrollen sind Männer mit Kryokonservierung für assistierte Reproduktion (Altersunterschied von etwa vier Jahren, keine Gesunden), große Streuung, mehrere Vergleiche ohne Korrektur für multiples Testen. Einordnung: Interessant ist, dass die Leukämiegruppe hier eine hohe mittlere Konzentration, aber den höchsten DFI hatte; die Studie widerspricht damit nicht der Rangfolge in [s189], weil sie mit nur 17 Leukämiepatienten wenig Teststärke hat.
Caponecchia et al. 2016 [s190]. Titel: Do malignant diseases affect semen quality? Sperm parameters of men with cancers. (Andrologia, 2016, PMID 26173956). Land: Italien (Latina). Design: Fall-Kontroll-Studie. Population: 236 Krebspatienten verschiedener Entitäten, die zur Kryokonservierung vorgestellt wurden, und 102 fertile gesunde Männer als Kontrollen. Ergebnisse: Die medianen Basiswerte aller Patienten lagen oberhalb der 5. Perzentile der WHO-Referenz; bei Hodentumoren und Hodgkin-Lymphom war die Konzentration statistisch niedriger als bei Fertilen, bei anderen Krebsarten nicht; keine Korrelation mit dem Stadium; 86 % der Patienten hatten noch keine Kinder. Stärken: gesunde fertile Kontrollen, Stadiumsanalyse. Schwächen: Der Abstract nennt keine absoluten Zahlen, keine Konfidenzintervalle und keine Fallzahlen je Entität. Einordnung: Ob die fehlenden Unterschiede bei den übrigen Krebsarten auf kleine Gruppen zurückgehen, lässt sich aus dem Abstract nicht beurteilen.
Williams et al. 2009 [s252]. Titel: Pretreatment semen parameters in men with cancer. (The Journal of urology, 2009, PMID 19091343). Land: USA. Design: retrospektive Auswertung der Kryokonservierungsdatenbank eines Zentrums. Population: Akten von 409 von 1.409 Patienten, 717 Proben (45 % Hodentumor, 10 % Hodgkin-Lymphom, 7 % Non-Hodgkin-Lymphom, 6 % Sarkom, 6 % Prostatakrebs, 5 % Leukämie, 3 % gastrointestinale Tumoren, 2 % ZNS-Tumoren, 16 % unspezifizierte oder seltene Malignome). Methodik: Vergleich mit Werten fertiler und subfertiler Männer des Netzwerks National Cooperative Reproductive Medicine Network und einer lokalen Vasektomiekohorte. Ergebnisse: Mittleres Alter 29,9 Jahre (11,9 bis 87,7), mittleres Volumen 2,8 ml, mittlere Dichte 47,4 × 10^6/ml, mittlere Beweglichkeit 50,0 %. Bei Hodentumor lagen Dichte und Beweglichkeit im mittleren Bereich; bei allen anderen Malignomen lag die Dichte im fertilen und die Beweglichkeit im mittleren Bereich. Männer mit Hodentumor hatten statistisch eine geringere Samenqualität als Männer mit anderen Malignomen. Stärken: mehrere Referenzkollektive, Berücksichtigung geografischer Unterschiede. Schwächen: Es waren nur 409 von 1.409 Akten verfügbar (Selektion); die Kontrollen sind Referenzwerte, keine parallele Kohorte. Einordnung: Die Autoren leiten daraus die Wichtigkeit der Einlagerung vor Therapie ab; die Zahlen stützen eher ein „im Mittel kaum beeinträchtigt, mit Ausnahme der Hodentumoren“ als eine generelle Minderung.
Bussen et al. 2004 [s267]. Titel: Semen parameters in patients with unilateral testicular cancer compared to patients with other malignancies. (Archives of gynecology and obstetrics, 2004, PMID 12898144). Land: Deutschland (Würzburg). Design: Vergleichsstudie. Population: 16 Patienten mit einseitigem Hodentumor (Gruppe 1) und 21 mit anderen Malignomen (Gruppe 2: Non-Hodgkin-Lymphom n = 7, Hodgkin-Krankheit n = 6, Leukämie n = 3, Osteosarkom n = 2, Rektumkarzinom n = 2, Schilddrüsenkarzinom n = 1); Samenanalyse nach WHO vor Behandlung. Ergebnisse: Normozoospermie bei keinem Hodentumorpatienten, aber bei fünf Patienten der Gruppe 2 (p = 0,047). Konzentration 18,7 ± 22,3 × 10^6/ml gegenüber 35,6 ± 31,3 × 10^6/ml (p = 0,03); rasch progressive Spermien (WHO-Kategorie a) 1,1 ± 2,0 % gegenüber 4,7 ± 5,6 % (p = 0,02); normale Morphologie 16,2 ± 6,0 % gegenüber 26,1 ± 18,0 % (p = 0,03). Stärken: Direktvergleich im selben Zentrum. Schwächen: sehr kleine Gruppen, Gruppe 2 sehr heterogen, keine gesunde Kontrollgruppe, keine Konfidenzintervalle.
Agarwal et al. 1996 [s283]. Titel: Value of clinical diagnosis in predicting the quality of cryopreserved sperm from cancer patients. (The Journal of urology, 1996, PMID 8583611). Land: USA (Cleveland Clinic). Design: vergleichende klinische Studie. Population: 30 gesunde Männer, 34 mit Hodentumor, 39 mit Hodgkin-Krankheit und 19 mit Leukämie oder Lymphom (Überweisungen über fünf Jahre). Ergebnisse: Beweglichkeit, Bewegungsindex und Gesamtzahl beweglicher Spermien waren vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen bei Patienten signifikant niedriger als bei Gesunden (p < 0,01); zwischen den Patientengruppen gab es keine signifikanten Unterschiede, auch nicht in der Veränderung durch die Kryokonservierung. Die Autoren folgern, dass die klinische Diagnose die Wirkung des Einfrierens nicht vorhersagt. Schwächen: kleine Gruppen; keine absoluten Werte im Abstract. Einordnung: Die fehlenden Unterschiede zwischen den Diagnosen gelten bei kleinen Gruppen mit geringer Teststärke nur eingeschränkt.
Hotaling et al. 2013 [s222]. Titel: Raw and test-thaw semen parameters after cryopreservation among men with newly diagnosed cancer. (Fertility and sterility, 2013, PMID 23103020). Land: USA (Seattle, University of Washington). Design: retrospektive Kohorte. Population: 1.010 Proben (1994 bis 2010) von Männern mit neu diagnostiziertem Krebs gegenüber Männern ohne Krebs („procreative management“). Hauptmaße: mittlere Gesamtzahl beweglicher Spermien (TMC), Änderung der Beweglichkeit und Überleben nach dem Auftauen (100 × Beweglichkeit nach dem Auftauen geteilt durch Rohbeweglichkeit); Anteil der Proben mit TMC über 5 × 10^6 nach dem Auftauen. Ergebnisse: Die Gruppe ohne Krebs hatte die beste Samenqualität vor und nach dem Auftauen; unter den Krebsgruppen die beste bei Prostatakrebs (TMC 155,1 beziehungsweise 53,2 × 10^6), die schlechteste bei Leukämien. Lymphatische Leukämien zeigten die schlechteste TMC im Rohzustand (26,8 × 10^6), myeloische die schlechteste nach dem Auftauen (6,9 × 10^6). Nur die Hodentumorgruppe hatte eine signifikant geringere Chance auf TMC über 5 × 10^6 nach dem Auftauen. Stärken: Aufteilung nach Krebsart, Auftauwerte, Kontrollgruppe ohne Krebs. Schwächen: Die Kontrollgruppe ist ein Fertilitätskollektiv (Männer, die Samen für assistierte Reproduktion einfrieren), im Abstract keine Konfidenzintervalle. Einordnung: Die Daten zeigen, dass die Reihenfolge der Krebsarten im Rohzustand und nach dem Auftauen nicht identisch ist; der Hodentumor fällt erst im Auftautest statistisch heraus.
Pening et al. 2022 [s98]. Titel: Impact of cancer on cryopreserved sperm quality and fertility: A cohort study. (Health science reports, 2022, PMID 35873394). Land: Belgien (Brüssel, Erasme-Krankenhaus). Design: retrospektive Kohorte. Population: Alle Krebspatienten, die 1999 bis 2019 am Erasme-Krankenhaus Samen einlagerten; 111 hämatologische, 104 Hoden-, 19 Prostata-, 28 gastrointestinale und 16 neurologische Tumoren (erste Proben). Ergebnisse: Oligoasthenozoospermie in 30 % der Proben, davon 19,33 % schwere Oligozoospermie (unter 5 Mio/ml). Bei Hodentumor war die Konzentration signifikant vermindert (p < 0,01); Beweglichkeit, Volumen und Zahl der Pailletten unterschieden sich nicht signifikant. Die Konzentration hing mit der Krebsart und dem Alter zusammen (jeweils p < 0,01). 28 Überlebende (9,33 %) nutzten die Proben; Befruchtungsrate 60,5 %, Implantationsrate 29,6 %; kein Zusammenhang zwischen Konzentration und Behandlungserfolg. Stärken: 20 Jahre Beobachtung, Verknüpfung von Samenqualität und Behandlungserfolg. Schwächen: Gruppen klein (Prostata 19, Neurologie 16), keine gesunde Kontrolle.
Ku et al. 2015 [s200]. Titel: Semen Analysis in Cancer Patients Referred for Sperm Cryopreservation before Chemotherapy over a 15-Year Period in Korea. (The world journal of men's health, 2015, PMID 25927057). Land: Korea (Busan, Pusan National University). Design: retrospektive Studie. Population: 66 Patienten, die zwischen 1999 und 2014 vor Chemotherapie Sperma einfrieren ließen; wer zuvor Chemo- oder Strahlentherapie hatte, war ausgeschlossen. Mittleres Alter 32,0 ± 7,9 Jahre (19 bis 58); 48 (72,7 %) ledig. Tumorarten: Hodenkrebs 31 (47,0 %), Non-Hodgkin-Lymphom 10 (15,1 %), Hodgkin-Lymphom 5 (7,6 %), Leukämie 8 (12,1 %), Magen-Darm 5 (7,6 %), muskuloskelettal 5 (7,6 %). Ergebnisse (Volltext): mittleres Intervall zwischen Diagnose und Überweisung 4 Monate (1 bis 18); 3 Patienten (4,5 %) hatten eine Hodenatrophie (Volumen unter 12 ml); beim Hodentumor Seminom 13 (41,9 %), Nicht-Seminom 12 (36,4 %). Signifikante Unterschiede zwischen den Krebsarten bei Konzentration und Vitalität, nicht bei Volumen, Beweglichkeit und Morphologie. Post-hoc-Tests: Konzentration Hodenkrebs gegenüber Non-Hodgkin-Lymphom p = 0,019, gegenüber muskuloskelettalen Tumoren p = 0,025, gegenüber Magen-Darm-Tumoren p = 0,057; Vitalität Hodenkrebs gegenüber muskuloskelettal p = 0,003, Non-Hodgkin-Lymphom gegenüber Magen-Darm p = 0,011. Die mittlere Beweglichkeit lag bei 30,2 %, am niedrigsten bei Non-Hodgkin-Lymphom (28,4 ± 19,4 %) und Leukämie (28,7 ± 15,4 %). Die Autoren schließen, die Spermienqualität könne schon vor der Chemotherapie sinken; sie nennen die Studie die erste zur Kryokonservierung vor Krebstherapie in Korea. Schwächen laut Autoren: Einzelzentrum, retrospektiv; die Hodgkin-Gruppe umfasst nur 5 Patienten, sodass für Hodgkin-Lymphome keine eigene Aussage möglich ist; keine Kontrollgruppe. Die Richtung des Konzentrationsunterschieds Hodenkrebs gegenüber Non-Hodgkin-Lymphom ist im abgerufenen Text nicht angegeben.
Zhou et al. 2019 (Peking) [s157]. Titel: [Status quo of autologous sperm preservation in the human sperm bank in Beijing] (Stand der Eigenspermakonservierung in der Humanspermabank Peking) (Zhonghua Nan Ke Xue, 2019, PMID 32227715). Land: China (Peking). Design: retrospektive Studie der Eigenspermabank (Originaltitel chinesisch, im Abstract nur als englische Übersetzung abgerufen). Population: 251 Männer, Juli 2006 bis Dezember 2016; 204 (81,27 %) waren 20 bis 39 Jahre alt, 223 (88,84 %) kinderlos; Hauptgrund war Krebs (55,78 %, n = 140; Blutkrebs 22,31 %, im Abstract mit n = 66 angegeben, was rechnerisch nicht zu 22,31 % von 251 passt; Hodenkrebs 13,15 %, n = 33; andere 16,33 %, n = 41). Ergebnisse: Krebspatienten hatten gegenüber Männern ohne Krebs eine niedrigere mittlere Konzentration (60,53 gegenüber 90,45 Mio/ml; p < 0,05), Gesamtzahl (175,8 gegenüber 311,3 Mio.), Progressivmotilität (43,55 gegenüber 49,21 %) und Wiederfindungsrate (52,17 gegenüber 68,13 %). In den Gruppen Hoden, Blut und andere betrug die Konzentration 37,68, 57,98 und 90,69 Mio/ml, die Gesamtzahl 93,29, 158,41 und 349,49 Mio.; bei Hodentumoren waren Konzentration und Gesamtzahl signifikant niedriger (p < 0,05). Die Nutzungsrate lag bei 5,58 % (n = 14). Schwächen: Vergleichsgruppe sind Männer mit anderen Gründen für die Einlagerung, kein Konfidenzintervall, Unstimmigkeit bei der Zahl der Blutkrebspatienten.
Tang et al. 2022 (Peking) [s104]. Titel: An evaluation of the population characteristics, semen quality, and utilization status of autologous sperm cryopreservation and fertility preservation in for 662 patients: a 6-year monocentric retrospective study. (Basic and clinical andrology, 2022, PMID 36324079). Land: China (Peking, Universität Peking Dritte Klinik). Design: retrospektive monozentrische Studie. Population: 662 Männer (15 bis 65 Jahre, Mittel 33,49 ± 8,79), 351 Krebspatienten (53,02 %; 31,14 ± 7,32 Jahre) und 311 Männer ohne Krebs (46,98 %; 36,14 ± 9,54 Jahre). Ergebnisse: Die Krebsgruppe hatte signifikant niedrigere Konzentration, Anteil progressiver Spermien nach dem Auftautest, Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien nach dem Auftauen und Wiederfindungsrate progressiv beweglicher Spermien (alle p < 0,05). Zahlenbezogene Parameter waren vor allem bei Hodentumor, bewegungsbezogene Parameter vor allem bei Leukämie verändert. Nutzungsrate 6,34 % bei 6 bis 78 Monaten Nachbeobachtung; klinische Schwangerschaftsrate 56,76 % (Frischtransfer) beziehungsweise 50,00 % (Kryotransfer), Lebendgeburtenrate 24,32 % beziehungsweise 21,43 %. Schwächen: Die Vergleichsgruppe waren Männer mit anderen Gründen für die Kryokonservierung (zum Beispiel Oligozoospermie), nicht gesunde Männer; Altersunterschied von fünf Jahren; Konfidenzintervalle nicht im Abstract.
Liu et al. 2025 (Nasopharynxkarzinom) [s29]. Titel: Fertility, gonadal and sexual function in survivors of nasopharyngeal carcinoma patients (BMC Cancer, 2025, PMID 41094411). Land: China (Chengdu, Sichuan). Design: retrospektive Studie zum Nasopharynxkarzinom (Inzidenz in Sichuan 9,5 pro 100.000). Ergebnisse: Vor der Behandlung waren 79,4 % normozoosperm; die Gesamtspermienzahl war gegenüber gesunden Kontrollen niedriger. Nach Therapie sank die Gesamtspermienzahl zu den Zeitpunkten T0, T3 und T6 und lag bei 12 Monaten wieder auf dem früheren Niveau. Von 44 Patienten mit Fertilitätsdaten wünschten 7 (15,9 %) Kinder; 6 wurden Väter (4 natürlich, 2 nach assistierter Reproduktion). Die Autoren schätzen, dass die Erholung der Spermatogenese 1 bis 2 Jahre dauern kann. Schwächen: kleine Zahl mit Kinderwunsch, Kontrollgruppe nicht näher beschrieben, Gesamtzahl der Patienten im Abstract nicht genannt. Einordnung: Das Nasopharynxkarzinom ist in Südchina häufig und hier mit 79,4 % Normozoospermie ähnlich unauffällig wie die Non-Hodgkin-Lymphome in Rom [s120].