Krebserkrankungen und Fruchtbarkeit · Kapitel 8 von 22 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Samenbankserien ohne Kontrollgruppe und Kinder und Jugendliche

Samenbankserien ohne Kontrollgruppe

Der größte Teil der Literatur besteht aus Auswertungen von Samenbanken, die absolute Werte nach Krebsart berichten, aber keine Vergleichsgruppe haben. Sie sind für die Frage der Ausgangsqualität nur beschreibend; ihr Wert liegt in der Größe und im Querschnitt über Tumorarten und Länder.

Wang et al. 2023 (Guangdong) [s87]. Titel: A retrospective study on sperm cryopreservation in 1034 patients diagnosed with cancer in southern China. (Asian journal of andrology, 2023, PMID 36537378). Land: China (Guangzhou). Design: retrospektive Querschnittsstudie der Samenbank der Provinz Guangdong, 2010 bis 2021. Population: Von 1.194 neu diagnostizierten Männern mit Wunsch nach Fertilitätserhalt wurden 160 ausgeschlossen (8 konnten keine Probe durch Masturbation abgeben, 25 hatten nach der Krebstherapie eine Azoospermie, 127 lehnten die Kryokonservierung azoospermer oder extrem schlechter Proben nach Aufklärung ab). Ausgewertet wurden 1.034 Patienten: 302 mit Tumoren des Fortpflanzungssystems (99,0 % Hodentumoren, etwa 70 % davon Seminome) und 732 mit anderen Tumoren (Lymphome 33,1 %, Magen-Darm-Tumoren 16,3 %, Nasopharynxkarzinom 15,7 %, Leukämien 7,7 %, Sarkome 3,6 %, Schilddrüse 2,5 %, Lunge 2,5 %, Leber 2,0 %). Ergebnisse (Volltext): Die mediane Spermienkonzentration lag insgesamt bei 46,0 Mio/ml (Spanne 0 bis 413), bei Nicht-Fortpflanzungstumoren bei 56,0 und bei Fortpflanzungstumoren bei 21,0 Mio/ml (p < 0,001). Eine Konzentration von mindestens 15 Mio/ml hatten 85,8 % der Nicht-Fortpflanzungstumoren, aber nur 59,9 % der Fortpflanzungstumoren (p < 0,001); unter 2 Mio/ml lagen 4,4 % gegenüber 10,3 %, zwischen 2 und 14 Mio/ml 9,8 % gegenüber 29,8 %. Die vorgefrorene Progressivmotilität betrug im Median 43,0 % gegenüber 40,0 % (p < 0,001), die Progressivmotilität nach dem Auftauen 24,0 % gegenüber 20,0 % (p < 0,001), die Gesamtbeweglichkeit nach dem Auftauen 28,0 % gegenüber 24,0 % (p < 0,001). Kein Unterschied (p > 0,05) bestand bei Gesamtspermienzahl pro Ejakulat (176,9 gegenüber 70,0 Mio.), vorgefrorener Gesamtbeweglichkeit (47,0 gegenüber 46,0 %) und Anteil normaler Formen (7,8 gegenüber 7,1 %). Schlechte Spermienqualität wurde insgesamt bei 21,8 % festgestellt. Wer vor dem Einfrieren bereits operiert worden war (n = 293, gegenüber 741 ohne Operation), hatte eine niedrigere mediane Konzentration (33,0 gegenüber 51,0 Mio/ml; p < 0,05) und niedrigere Beweglichkeitswerte. Zum Stichtag 30. April 2022 lagen 943 Proben (91,2 %) weiter im Lager, 63 Patienten (6,1 %) hatten sie genutzt, es waren 39 Schwangerschaften erreicht worden. Stärken: große Fallzahl, ein Zentrum, einheitliche Methodik. Schwächen: keine gesunde Kontrollgruppe, Erfassung nur der Männer, die gekommen sind (die Ausschlusszahlen zeigen, dass die Kryokonservierung bei 160 von 1.194 Männern gar nicht zustande kam), Tumorgruppen sehr unterschiedlich groß, Operation und Tumor nicht trennbar.

Liu et al. 2021 (Chengdu) [s116]. Titel: Male cancer patient sperm cryopreservation for fertility preservation: 10-year monocentric experience. (Basic and clinical andrology, 2021, PMID 34525944). Land: China (Chengdu, Sichuan). Design: retrospektive monozentrische Auswertung der Samenbank, 2010 bis 2019. Population: 339 Männer (Alter 26,7 ± 6,8 Jahre, 31 oder 9,9 % unter 18 Jahren). Tumorgruppen: Keimzelltumoren 26 %, hämatologische Neoplasien 28 %, Kopf-Hals-Tumoren 19 %, Thoraxtumoren 4 %, Bauchtumoren 10 %, Sonstige 13 %. Ergebnisse: Gesamt betrug die mediane Konzentration vor dem Einfrieren 47 Mio/ml, die Progressivmotilität 49 %; nach dem Auftauen 30 Mio/ml und 28 %. Tabelle 1 (mediane Konzentration vor dem Einfrieren): Keimzelltumoren 26 (Spanne 0,9 bis 159), hämatologisch 41 (0,7 bis 222), Kopf-Hals 64 (0,4 bis 620), Thorax 47,5, Bauch 64, Sonstige 54,5 Mio/ml; p = 0,0015; Gesamtzahl pro Ejakulat p < 0,0001; Konzentration nach Auftauen p = 0,0041; Progressivmotilität vor dem Einfrieren p = 0,2334; Wiederfindungsrate p = 0,8639. Tabelle 2 (Hodentumor n = 68, Leukämie n = 18, Lymphom n = 65): mediane Konzentration 30, 18,5 und 48 Mio/ml (p = 0,0020), Gesamtzahl 81, 52 und 172 Mio. (p = 0,0130); Progressivmotilität nach dem Auftauen 28, 18,5 und 30 % (p = 0,0563). Leukämiepatienten hatten die schlechteste Probenqualität und mit 46,2 % den höchsten Anteil von Patienten, bei denen keine Spermien eingefroren werden konnten. 58 % ließen die Proben weiter lagern, 31 % verwerfen, 13 Patienten (4 %) nutzten sie. Die Autoren schließen, die Spermienqualität könne schon vor der Antitumortherapie vermindert gewesen sein. Stärken: Vergleich mehrerer Tumorgruppen mit Angabe der Spanne. Schwächen: Gruppenzahlen in Tabelle 1 summieren sich zu 313 statt 339; kleine Leukämiegruppe (n = 18); keine Kontrolle.

Liu et al. 2024 (national, 16 Regionen) [s60]. Titel: Fertility preservation in males with cancer of trends, region development, and efficacy in mainland China from 16 regions Chinese sperm banks (J Assist Reprod Genet, 2024, PMID 38676843). Land: China (Chengdu und 16 Regionen). Design: retrospektive multizentrische Studie, 2010 bis 2020. Ergebnisse: Die Zahl kryokonservierender Krebspatienten stieg insgesamt; die Entwicklung in östlichen, zentralen und westlichen Regionen war ungleichmäßig. Im Jahr 2020 betrug der Anteil kryokonservierender Männer in der Altersgruppe 15 bis 39 Jahre bei Hodentumoren 5,55 %, bei Lymphomen 1,29 % und bei Leukämien 0,39 %. Bei Hodentumoren waren Konzentration vor dem Einfrieren, Gesamtzahl und Konzentration nach dem Auftauen signifikant niedriger. Eine Azoospermie fand sich bei 22,2 % der Leukämiepatienten, die die Autoren auf den dringlichen Behandlungsbeginn vor der Kryokonservierung zurückführen. Verbleib der Proben: weiter gelagert 47,2 %, verworfen 9 %, Tod 0,9 %, genutzt 3,7 %. Das Nasopharynxkarzinom gehört zu den häufigsten zehn Tumorarten der Spermabanking-Patienten. Schwächen: Der Abstract nennt keine Fallzahl und keine Konfidenzintervalle; die Azoospermie bei Leukämie ist mit dem Zeitpunkt der Probe vermischt.

Fu et al. 2019 (Peking) [s145]. Titel: Sperm Cryopreservation for Male Cancer Patients: More than 10 Years of Experience, in Beijing China. (Medical science monitor : international medical journal of experimental and clinical research, 2019, PMID 31048670). Land: China (Peking). Design: retrospektive Studie. Population: 145 Männer (Alter 29,3 ± 6,9 Jahre), 2006 bis 2017; 9 (6,2 %) waren unter 18. Ergebnisse: Männer mit Hodentumor oder Leukämie hatten niedrigere Gesamtspermienzahlen und eine niedrigere Wiederfindungsrate progressiv beweglicher Spermien als Männer mit anderen Tumoren; Sarkompatienten hatten die niedrigste Progressivmotilität (Zahlen im Abstract nicht angegeben). 14 (9,7 %) nutzten ihre Proben bis Juni 2018; von 33 Zyklen führten 17 (51,5 %) zu Empfängnis; 10 von 14 Patienten (71,4 %) bekamen ein Kind. Schwächen: Zahlen zur Ausgangsqualität fehlen im Abstract, keine Kontrollgruppe.

Huang et al. 2021 [s114] und Wang et al. 2021 [s126]. Titel zu [s114]: [Characterization of the men undergoing autologous sperm preservation in Chongqing Human Sperm Bank] (Merkmale der Männer, die die Eigenspermakonservierung in der Humanspermabank Chongqing nutzen) (Zhonghua Nan Ke Xue, 2021, PMID 34914290). Titel zu [s126]: [Causes of failure in autologous sperm preservation in the human sperm bank and countermeasures] (Ursachen für das Scheitern der Eigenspermakonservierung in der Humanspermabank und Gegenmaßnahmen) (Zhonghua Nan Ke Xue, 2021, PMID 34914212). Land: China (Chongqing; Guangzhou). Design: zwei retrospektive Beschreibungen chinesischer Spermabanken (Originaltitel chinesisch, nur englische Übersetzung abgerufen). Huang: 76 Männer 2016 bis 2019, 63,2 % aus Chongqing, 52,6 % im Alter von 20 bis 30, 61,9 % unverheiratet, fast 80 % auf ärztlichen Rat, 59,2 % wegen Erkrankungen (vor allem Hodenkrebs, Lymphom, Darmkrebs vor Strahlen- oder Chemotherapie); 355 Ejakulatproben: 83,1 % mit normalen Parametern, 60,5 % erfolgreich eingefroren, 4,3 % der eingefrorenen Proben für assistierte Reproduktion genutzt. Der Abstract nennt außerdem eine erfolgreiche Hodenbiopsie-Spermiengewinnung bei 61 Männern (80,3 %); der Zusammenhang zu den Ejakulatproben bleibt unklar. Wang: Von 1.156 Männern 2016 bis 2019 hatten 857 (74,1 %) Erfolg, 299 (25,9 %) keinen; die Misserfolgsrate betrug in der Mikro-TESE-Gruppe 56,1 % (96 von 171), bei der „Fertilitätsversicherung“ 29,9 % (67 von 224), bei Nicht-Tumor-Erkrankungen 21,2 % (27 von 100) und in der Tumorgruppe 17,2 % (109 von 525); Chi-Quadrat = 109,926; p < 0,01. Gründe des Misserfolgs: Samengewinnung misslang bei 14,0 % (42), der Standard der Kryokonservierung wurde nicht erreicht bei 67,6 % (202), Verzicht wegen schlechter Samenqualität bei 7,4 % (22), andere Gründe bei 11,0 % (33). Schwächen: Abstracts mit teilweise schwer zuordenbaren Zahlen, keine Kontrollgruppen.

Ping et al. 2010 [s244]. Titel: Sperm banking for male reproductive preservation: a 6-year retrospective multi-centre study in China. (Asian journal of andrology, 2010, PMID 20348941). Land: China (Shanghai, Renji-Krankenhaus und weitere Zentren). Design: retrospektive multizentrische Studie. Population: 1.548 Männer mit Samenbank (2003 bis 2008); nur 1,9 % (30 von 1.548) der Proben stammten von Krebspatienten. Ergebnisse: Die Gesamtnutzungsrate betrug 22,7 % (352) mit 119 Lebendgeburten; in der Krebsgruppe 6,7 % (2 von 30) mit einer Lebendgeburt nach ICSI. Die Krebs- und Infertilitätsgruppen hatten schlechte Samenqualität. Als Gründe für die niedrige Inanspruchnahme nennen die Autoren Informationsmangel, Dringlichkeit der Krebsbehandlung und finanzielle Zwänge. Schwächen: Nur 30 Krebspatienten, daher kaum Aussagekraft für die Ausgangsqualität.

Chung et al. 2013 [s219]. Titel: Sperm cryopreservation for Chinese male cancer patients: a 17-year retrospective analysis in an assisted reproductive unit in Hong Kong (Hong Kong Med J, 2013, PMID 24141859). Land: Hongkong. Design: retrospektive Fallserie, Januar 1995 bis Januar 2012. Population: 130 chinesische Patienten (medianes Alter 27 Jahre, 15 bis 43; 85 % ledig; 51 % Hodenkrebs). Ergebnisse: 5 lehnten nach Beratung ab; von den übrigen 125 konnten 122 Samen durch Masturbation gewinnen, 12 hatten eine Azoospermie, 110 ließen einfrieren. Zwischen den Krebsarten fanden sich keine signifikanten Unterschiede der Samenparameter. Nach der gonadotoxischen Behandlung verschlechterte sich die Samenanalyse bei bis zu 32 % (11 von 34), bei 4 Patienten lag dann eine Azoospermie vor. 4 Patienten (4 %, 4 von 110) nutzten das aufgetaute Material für ICSI, mit drei Einlingsschwangerschaften. Die Autoren nennen das Verfahren „unterausgeschöpft“. Schwächen: kleine Gruppen, keine Kontrolle.

Bizet et al. 2012 [s227]. Titel: Sperm cryopreservation before cancer treatment: a 15-year monocentric experience. (Reproductive biomedicine online, 2012, PMID 22285245). Land: Frankreich (Marseille). Design: retrospektive monozentrische Kohorte. Population: 1.080 überwiesene Patienten; 1.007 mit Hodentumor (41,7 %), Lymphom (26 %), anderen hämatologischen Krebsarten (9,4 %) oder anderen Tumoren (22,8 %); 29 gaben keine Probe ab, bei 67 war die Kryokonservierung unmöglich. Ergebnisse: Vor Behandlung lagen die Samenmerkmale im Normbereich außer einer mäßigen Asthenospermie; die Konzentration war bei Hodentumor signifikant niedriger als bei den übrigen. Straws von 57 Patienten (6,3 %) wurden in assistierter Reproduktion genutzt (kumulative Geburtenrate 46,8 %); für 170 Patienten (18,7 %) wurden sie vernichtet; 140 Patienten ließen nach der Behandlung eine Samenanalyse machen, von denen nach durchschnittlich 22,5 Monaten 43 (30,7 %) azoosperm waren. Stärken: große Serie. Schwächen: Der Abstract nennt keine Kontrollen und keine absoluten Konzentrationen.

Freour et al. 2012 [s229]. Titel: Sperm banking and assisted reproductive outcome in men with cancer: a 10 years' experience. (International journal of clinical oncology, 2012, PMID 21979750). Land: Frankreich (Nantes). Design: retrospektive Auswertung eines Kryokonservierungsprogramms. Population: 1.042 Männer (1997 bis 2007): 438 Hodentumor, 184 sonstige solide Tumoren, 278 Lymphom, 142 sonstige hämatologische Tumoren; 2.577 Ejakulate von 1.009 Männern ausgewertet. Ergebnisse: Spermienmerkmale und Empfindlichkeit gegenüber dem Einfrieren hingen von der Krebsart ab. Der gefrorene Samen wurde bei 82 Patienten genutzt (112 IVF- und 66 IUI-Zyklen); die klinische Schwangerschaftsrate pro Zyklus betrug 23,2 % beziehungsweise 12 %. Stärken: Frisch- und Auftauwerte nach Entität. Schwächen: Der Abstract nennt keine Zahlen zu Samenmerkmalen und keine Kontrollen.

Kobayashi et al. 2017 [s179]. Titel: Semen cryopreservation as an oncofertility treatment in 122 Japanese men with cancer: A decade-long study. (Reproductive medicine and biology, 2017, PMID 29259484). Land: Japan (Tokio, Toho-Universität). Design: retrospektive Aktenauswertung. Population: 122 Männer (2006 bis 2015), mittleres Alter 33,6 Jahre; Hodentumor 44,3 %, hämatologisch 31,1 %, Verdauungstrakt 8,2 %, andere 16,4 %. Ergebnisse: mittlere Spermienkonzentration 30,5 × 10^6/ml (Hoden), 45,0 (hämatologisch), 40,5 (Verdauung), 68,4 (andere); mittlere Beweglichkeit 59,6 %, 50,1 %, 43,0 % und 44,8 %. Zwölf Männer (9,8 %) nutzten den Samen, fünf klinische Schwangerschaften (41,7 %). Bemerkenswert: Die Hodentumor-Gruppe hatte die niedrigste Konzentration, aber die höchste mittlere Beweglichkeit. Schwächen: keine Kontrollgruppe, Streuungsmaße nicht im Abstract.

Negoro et al. 2018 [s164]. Titel: Sperm cryopreservation: Clinical and fertility outcomes in male oncological patients with germ cell tumors or hematological disorders. (Reproductive medicine and biology, 2018, PMID 30377406). Land: Japan (Kyoto). Design: retrospektive Aktenauswertung. Population: 257 Patienten, ausgewertet 113 Männer mit Keimzelltumoren und 111 mit hämatologischen Erkrankungen. Ergebnisse (Keimzelltumor gegenüber hämatologisch): Alter 28 gegenüber 27 Jahre, Konzentration 32,6 gegenüber 46,1 Mio/ml (p < 0,05), Beweglichkeit 42,2 % gegenüber 41,0 %, Kryokonservierung vor Chemotherapie 90 % gegenüber 59 % (p < 0,0001). Erfolgreiche Schwangerschaften hingen vom Alter bei Kryokonservierung (30,0 gegenüber 35,3 Jahre; p < 0,05) und von der Krankheitsart (12 von 16 gegenüber 3 von 9; p < 0,05) ab; Patienten mit hämatologischen Erkrankungen hatten trotz besserer Samenqualität niedrigere Schwangerschafts- und Geburtenraten. Schwächen: kleine Zahl erfolgreicher Verläufe; die Gruppen unterscheiden sich im Anteil der Proben nach Chemotherapie (59 % gegenüber 90 % vor Chemotherapie).

Song et al. 2019 (Seoul) [s152]. Titel: Long-Term Experience of Sperm Cryopreservation in Cancer Patients in a Single Fertility Center. (The world journal of men's health, 2019, PMID 30588786). Land: Korea (Seoul, CHA Gangnam). Design: retrospektive monozentrische Studie. Population: 721 Krebspatienten (1996 bis 2016); Leukämie 28,4 %, Lymphom 18,3 %, Hodentumor 10,0 %; mittleres Alter 27,0 Jahre; 111 (15,4 %) kryokonservierten während oder nach der Krebsbehandlung. Ergebnisse: mittlere Konzentration 66,7 ± 66,3 × 10^6/ml, mittlere Beweglichkeit 33,8 ± 16,3 %. Bei medianer Nachbeobachtung von 75 Monaten (1 bis 226) nutzten 44 (6,1 %) ihren Samen, 9 (1,2 %) übertrugen ihn in ein anderes Zentrum; mediane Zeit bis zur Nutzung 51 Monate (1 bis 158). Stärken: größte koreanische Kohorte. Schwächen: keine Aufschlüsselung der Samenqualität nach Tumorart im Abstract.

Takeshima et al. 2019 [s155]. Titel: Sperm cryopreservation for fertility preservation in male patients with cancer at a single-center in Japan (Global Reproductive Health, 2019). Land: Japan (Yokohama). Design: retrospektive Kohortenstudie (CiNii-Eintrag, englischer Abstract). Population: 235 Männer 2012 bis 2017 (medianes Alter 31, Spanne 13 bis 65); hämatologische Neoplasien 38,7 %, Hodentumor 32,3 % (einschließlich extragonadaler Keimzelltumoren), Knochen- und Weichteilsarkome 8,5 %, Lungenkrebs 4,7 %, Prostatakrebs 4,3 %, Hirntumoren 2,6 %. Ergebnisse: mittlere Spermiendichte 28,54 ± 30,25 Mio/ml, mittlere Beweglichkeit 20,38 ± 20,62 %. Kryokonservierung gelang bei 195 (83,0 %); bei 36 (15,3 %) scheiterte sie, hauptsächlich wegen Azoospermie oder schlechter Qualität; bei 4 weiteren (1,7 %) gelang das Einfrieren chirurgisch gewonnener Hodenspermien. Unter den 36 Misserfolgen waren 23 (63,9 %) erst nach Behandlungsbeginn überwiesen worden, 17 aus Hämatologie und Onkologie. Die Spermiendichte war bei bereits Behandelten signifikant niedriger als bei Unbehandelten (p = 0,003). Aus 18 Patienten wurden 23 IVF-Zyklen mit einer klinischen Schwangerschaftsrate von 56,5 % pro Zyklus. Schwächen: keine Kontrollgruppe; die sehr niedrige mittlere Beweglichkeit von 20,4 % ist wahrscheinlich durch den hohen Anteil bereits Behandelter mitbedingt (der Abstract trennt die Gruppen bei den Mittelwerten nicht).

Ordoqui et al. 2018 [s165]. Titel: A retrospective study on sperm banking: a Uruguayan experience. (JBRA assisted reproduction, 2018, PMID 29727140). Land: Uruguay (Montevideo). Design: retrospektive Studie. Population: 623 kryokonservierte Proben (2013 bis 2015), 324 ausgewertet; 190 (58,64 %) wegen assistierter Reproduktion, 113 (34,88 %) onkologisch; in der Krebsgruppe 70 (61,95 %) Hodentumor. Ergebnisse: Die Mediane beider Gruppen lagen über den unteren Referenzgrenzen; bei Frischproben war die Progressivmotilität bei Krebspatienten niedriger (47 % gegenüber 56 %); nach dem Auftauen unterschieden sich Gesamtbeweglichkeit (27 % gegenüber 32 %), Progressivmotilität (19 % gegenüber 22 %) und Vitalität (48 % gegenüber 56 %). Die Autoren nennen die Samenparameter der Krebsgruppe überraschend fast normal. Schwächen: Vergleichsgruppe sind Männer in assistierter Reproduktion, die Krebsgruppe wird nicht nach Entität aufgeschlüsselt.

Ishikawa et al. 2007 [s260], Saito et al. 2003 [s273], Soda et al. 2009 [s249], Taniguchi et al. 2011 [s239], Ando et al. 2021 [s110]. Titel zu [s260]: Cryopreservation of human sperm in patients with malignancy: First 2 years' experience (Reprod Med Biol, 2007, PMID 29699271). Titel zu [s273]: 精子凍結保存10年間の経験 その現状と問題点 (Zehn Jahre Erfahrung mit Spermienkryokonservierung: Stand und Probleme) (日本泌尿器科学会雑誌, 2003). Titel zu [s249]: [Sperm cryopreservation for cancer patients: 5-year experience in a private hospital in Japan] (Spermienkryokonservierung bei Krebspatienten: Fünfjahreserfahrung in einer Privatklinik in Japan) (Hinyokika kiyo. Acta urologica Japonica, 2009). Titel zu [s239]: 当科における悪性腫瘍患者の精子凍結保存の現状と保存システムに関する検討 (Untersuchung zum Stand der Spermienkryokonservierung bei Patienten mit malignen Tumoren in unserer Abteilung und zum Aufbewahrungssystem) (泌尿器科紀要, 2011). Titel zu [s110]: Current status of sperm cryopreservation for fertility preservation prior to cancer treatment at Jichi Medical University Hospital (自治医科大学紀要, 2021). Land: Japan. Design: fünf kleinere Einzelzentrumsserien. Ishikawa: 130 Patienten (Hodentumor 53, Leukämie 43, malignes Lymphom 13); bei Leukämie lagen alle Samenparameter in der unbehandelten Gruppe näher an der Norm als in der behandelten, bei den Unbehandelten war die Konzentration bei Hodentumor niedriger als bei Leukämie oder Lymphom; vier Paare nutzten das Material, drei Kinder von zwei Paaren. Saito 2003: 152 Krebspatienten; von 35 Hodentumor-Patienten, die vor der Chemotherapie kamen, erreichten 7 (20 %) die WHO-Referenzwerte, von 20 Leukämie- oder Lymphom-Patienten vor Chemotherapie 10 (50 %); von 69 Patienten, die nach Beginn der Chemotherapie kamen, erreichten 9 (13 %) die Referenzwerte, 29 (42 %) hatten eine Azoospermie; nicht chemotherapeutisch Vorbehandelte konnten zu 96,1 % Sperma einfrieren, nach Chemotherapie nur zu 45,3 %. Soda: 88 Onkologiepatienten in fünf Jahren; fast 90 % der Hodentumor-Patienten gegenüber 53 % der hämatologischen Patienten hatten vor Therapiebeginn eingefroren; bei Hodentumor sei schon vor der Therapie Oligozoospermie häufig; 5 nutzten Proben, 3 wurden Väter. Taniguchi: 41 Patienten 2000 bis 2010, mittleres Alter 27,7 Jahre, Hodentumor 44 %, hämatologisch 44 %, sonstige 12 %; Fokus auf Lagerorganisation. Ando: 32 Patienten (Mai 1997 bis Januar 2019), mediane Alter 32 Jahre (15 bis 52); 9 Patienten (28,1 %) nutzten ihre Spermien für ICSI, alle ohne Lebendgeburt. Schwächen: kleine Serien, kaum Streuungsmaße, kein Vergleich mit Gesunden. Einordnung: Saito 2003 ist wegen der Aufteilung nach Zeitpunkt vor und nach Chemotherapie die wichtigste dieser Serien und zeigt, wie stark der Zeitpunkt der Probe die Ausgangswerte bestimmt (50 % gegenüber 13 % Normalwerte bei Leukämie und Lymphom).

Dahar (Sanada) et al. 2019 [s159]. Titel: 当院でのがん患者の妊孕性温存を目的とした精子凍結保存法の実態と同法を用いた不妊治療成績の検討 (Aktuelle Praxis der Spermienkryokonservierung zum Fertilitätserhalt bei Krebspatienten an unserer Klinik und Ergebnisse der Kinderwunschbehandlung mit diesem Verfahren) (産婦人科の進歩, 2019). Land: Japan. Design: retrospektive Studie (japanischsprachig). Population: 369 Krebspatienten 2001 bis Februar 2018 (14 bis 53 Jahre): Hodentumor 217 (58,8 %), Bluterkrankungen 89 (24,1 %), andere 63 (17,1 %); 41 Fälle nutzten das Material und bilden die Auswertungsgruppe. Ergebnisse: Bei Überweisung aus der Urologie waren nur 7,1 % nach Chemotherapie, bei Überweisung aus anderen Fächern 53,8 %; alle Fälle nach Chemotherapie hatten Samenbefunde unter dem Normwert. 49,9 % der Proben wurden weiter gelagert, 50,1 % nicht erneuert und verworfen. 41 Paare (11,1 %) nutzten das Sperma für assistierte Reproduktion, 40 mit ICSI: mittlere Befruchtungsrate 79,4 %, Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer 47,6 %, Lebendgeburtenrate pro Transfer 46,7 %, pro Patient 70,7 %; bis April 2018 erhielten 29 Paare 42 Kinder. Schwächen: Der Abstract nennt keine absoluten Samenparameter; die Auswertungsgruppe sind nur die 41 Nutzer. Einordnung: Die Zahl 7,1 % gegenüber 53,8 % vorbehandelter Patienten je nach überweisendem Fach zeigt anschaulich, wie stark die Ausgangswerte von der Überweisungspraxis abhängen.

Marchiani et al. 2023 [s81]. Titel: Semen Cryopreservation for Men Banking for Oligozoospermia, Cancers, and Other Conditions: 24 Years' Experience of an Italian Bank. (Journal of clinical medicine, 2023, PMID 37510772). Land: Italien (Florenz). Design: Auswertung einer Samenbank über 24 Jahre. Population: 1.973 Sammelproben von Patienten mit verschiedenen medizinischen Indikationen und 67 Spenderproben (zusammen 2.040). Ergebnisse: Die Wiedergewinnung von Beweglichkeit und Vitalität hing stark von der Ausgangsqualität ab und unterschied sich zwischen Krebs und anderen Indikationen, unabhängig von Lagerdauer und Alter; bei Proben mit weniger als 2 × 10^6 Spermien/ml ging die Wiedergewinnung gegen null; am höchsten war sie bei Spendern. Die Autoren bestimmten Grenzwerte für die Wiedergewinnung von mindestens 1 % beweglicher Spermien. Stärken: sehr viele Proben, Grenzwerte aus eigenen Daten. Schwächen: Der Abstract nennt weder Grenzwerte noch Zahlen nach Krebsart.

Stigliani et al. 2021 [s124], Chen et al. 2024 [s47], Bitan et al. 2024 [s45], Fernández-González et al. 2023 und 2024 [s80, s53]. Titel zu [s124]: Fifteen Year Regional Center Experience in Sperm Banking for Cancer Patients: Use and Reproductive Outcomes in Survivors. (Cancers, 2021, PMID 33401381). Titel zu [s47]: Twenty-year oncology sperm banking experience at a Canadian academic fertility centre: a retrospective study examining the usage and reproductive outcomes from oncology patients. (BMJ open, 2024, PMID 39142683). Titel zu [s45]: Non-used cryopreserved sperm among oncological patients: extra-long-term follow-up and analysis. (Journal of assisted reproduction and genetics, 2024, PMID 39412622). Titel zu [s80]: Sperm and testicular tissue cryopreservation and assisted reproductive technology outcomes in male cancer patients: a 15-year experience. (Journal of cancer research and clinical oncology, 2023, PMID 36418559). Titel zu [s53]: An Assessment of Cryopreserved Semen and Testicular Tissue Collected Before and After Cancer Treatment Initiation. (Cancer management and research, 2024, PMID 39077055). Diese fünf Serien (Italien, Genua; Kanada, Toronto; Israel, Zerifin; Deutschland, Berlin) berichten vor allem Nutzung und Verbleib der Proben und werden hier nur kurz wiedergegeben. Stigliani: 682 onkologische Patienten (2004 bis 2019), nur 26 (4 %) nutzten ihren Samen (Leukämie und Lymphome 52 %, Hodentumor 20 %, andere 28 %); 45 Zyklen (34 ICSI, 11 Embryotransfers), 13 Kinder, kumulative Lebendgeburtenrate 35 % pro Paar. Chen: 2.504 Patienten, 4.521 Proben (2001 bis 2020); Hodentumor 29,5 %, Lymphom 26,9 %; 81 (3,2 %) nutzten ihre Proben, 62 (2,5 %) übertrugen sie in ein anderes Zentrum; klinische Schwangerschaft bei 53,7 %; höhere Konzentration oder Gesamtzahl beweglicher Spermien ging nicht mit höherer Schwangerschaftschance einher. Bitan: 445 Patienten (1993 bis 2021), 55 nutzten den Samen, 65 beantragten Vernichtung, 325 weder noch; die jüngste Altersgruppe (unter 25 Jahre) hatte eine signifikant niedrigere Nutzungs- und Vernichtungsrate. Fernández-González 2023: 506 Krebspatienten der Kryobank der Charité (2004 bis 2019), davon 53 (10,5 %) unter 18 Jahren; 46 (9,1 %) nutzten ihre Proben, Schwangerschaftsrate 51,4 % (19 von 37 Zyklen). Fernández-González 2024: 601 Proben von 506 Patienten; 460 von 600 (77 %) vor Behandlung (median 5 Tage davor), 140 (23 %) nach Behandlungsbeginn (median 84 Tage); bei Jugendlichen mit Hodentumor oder hämatologischen Malignomen war die Samenqualität bereits vermindert; der Anteil mit Oligoasthenozoospermie war in den Proben vor Behandlung und in Proben innerhalb eines Jahres gleich (45,5 % gegenüber 45,5 %), danach stieg er (von 9,1 % auf 90,9 % nach 1 bis 2 Jahren; von 50,0 % auf 100,0 % nach 2 bis 3 Jahren). Schwächen: Es handelt sich um Nutzungs- und Verlaufsstudien; Aussagen zur Ausgangsqualität sind begrenzt (keine Kontrollen, überwiegend ohne Aufschlüsselung nach Krebsart im Abstract).

Yumura et al. 2018 (landesweite Erhebung) [s169]. Titel: Current status of sperm banking for young cancer patients in Japanese nationwide survey. (Asian journal of andrology, 2018, PMID 29405167). Land: Japan (Yokohama). Design: Fragebogenerhebung bei 695 Einrichtungen; 92 hatten vor Chemotherapie Samen eingelagert. Population: 820 Patienten (237 Hodentumor, 383 hämatologisch, 46 Knochen/Weichteil, 20 Hirntumor, 134 andere); etwa 20 % der Patienten mit anderen Tumoren als Hodentumor hatten schon Chemotherapie erhalten. Ergebnisse: Der Erfolg der Kryokonservierung war bei hämatologischen Krebsarten mit 82,5 % signifikant niedriger als bei Hodentumor (93,6 %) und anderen (95,6 %; p < 0,05). Hauptgründe für Misserfolg waren Azoospermie und schlechte Samenqualität. Schwächen: Fragebogendaten aus Einrichtungen mit Samenbank (Selektion), keine Spermienwerte.

Ukita et al. 2018 [s167], Hoshi et al. 2014 [s207] und Takeshima et al. 2023 [s85] (Knochen- und Weichteiltumoren, junge Erwachsene). Titel zu [s167]: Fertility preservation and pregnancy outcomes in adolescent and young adult male patients with cancer (Reprod Med Biol, 2018, PMID 30377398). Titel zu [s207]: Pre-chemotherapy preservation of fertility in male patients with high-grade malignant bone and soft tissue tumors (Mol Clin Oncol, 2014, PMID 25279207). Titel zu [s85]: Pre- and post-chemotherapy spermatogenesis in male patients with malignant bone and soft tissue tumors. (Frontiers in pharmacology, 2023, PMID 38143498). Land: Japan. Ukita (Nishinomiya): 31 junge Männer 2004 bis 2017; die mittlere Spermienkonzentration der Gruppe vor Behandlung war signifikant höher als die der Gruppe nach Behandlung; Normozoospermie bei 8 (vor) gegenüber 3 (nach) Therapie (nicht signifikant); Azoospermie bei 1 (vor) gegenüber 5 (nach). Hoshi (Osaka): Fallserie von 14 männlichen Patienten unter 45 Jahren mit hochgradigen Knochen- und Weichteiltumoren (mediane Alter bei Diagnose 23,0 ± 12,0 Jahre, Spanne 8 bis 42), denen vor der Chemotherapie Fertilitätserhalt angeboten wurde; 4 (28,5 %) wählten die Spermakryokonservierung, 1 (7,1 %) die Erhaltung von Hodengewebe; verheiratete Patienten und solche mit Kindern wünschten keinen Erhalt. Takeshima 2023 (Yokohama): 34 Männer mit malignen Knochen- und Weichteiltumoren, mittleres Alter 22,8 Jahre; Medianwerte vor Therapie: Volumen 2,5 ml, Konzentration 32,6 Mio/ml, Beweglichkeit 38,5 %; nach Chemotherapie (überwiegend Ifosfamid) wurde bei 12 Patienten eine Samenanalyse durchgeführt: 8 hatten noch Spermien, 2 erreichten spontane Schwangerschaften mit Lebendgeburt, bei einem von vier Azoospermen gelang eine Lebendgeburt per ICSI mit kryokonserviertem Samen. Schwächen: sehr kleine Zahlen; Nachuntersuchung nur bei 12 von 34. Einordnung: Die Daten zu Sarkomen sind die einzigen speziellen Zahlen zu dieser Gruppe und beruhen auf wenigen Männern.

Navarro Medina et al. 2010 [s242], Elrhaffouli et al. 2026 [s07], Weibring et al. 2024 [s64]. Titel zu [s242]: [An analysis of our experience in cryopreservation of semen from cancer patients]. (Analyse unserer Erfahrungen mit der Kryokonservierung von Sperma von Krebspatienten) (Actas urologicas espanolas, 2010, PMID 20223140). Titel zu [s07]: Sperm Cryopreservation Activity and Quality Assurance of Cryogenic Storage at a University Hospital in Oujda, Morocco. (Cureus, 2026, PMID 42670474). Titel zu [s64]: Parenthood in a Swedish prospective cohort of 1,378 adolescents and young adults banking semen for fertility preservation at time of cancer diagnosis. (Frontiers in endocrinology, 2024, PMID 39720258). Land: Spanien (Las Palmas), Marokko (Oujda), Schweden (Stockholm). Design: Samenbank- und Verlaufsserien. Navarro Medina: 101 Krebspatienten (April 1992 bis Oktober 2007); 80 % telefonisch erreicht; mittleres Einfrieralter 25 Jahre; 41 % Hodentumor; 33 % ohne leibliche Kinder; nur 1 % der Proben waren ungeeignet; 4 % nutzten die Proben. Elrhaffouli: 59 Verfahren (März 2022 bis November 2025), mittleres Alter 31,1 ± 9,2 Jahre; Hodentumoren überwogen, danach hämatologische Malignome; Patienten mit onkologischer Indikation waren signifikant jünger (p < 0,001) und unterschieden sich in der Spermienkonzentration (p = 0,028) und in der Zahl der eingefrorenen Pailletten (p = 0,015), wobei der Abstract die Richtung des Konzentrationsunterschieds nicht nennt; zwischen Konzentration und Beweglichkeit bestand eine positive Korrelation (ρ = 0,373; p = 0,004). Weibring: 1.378 Jugendliche und junge Erwachsene, die 1988 bis 2020 in Stockholm Samen einlagerten; 493 Männer wurden nach der Krebsbehandlung Väter (399 [81 %] natürlich, 87 [18 %] per assistierter Reproduktion, 7 [1 %] durch Adoption); von 92 Patienten, die ihren kryokonservierten Samen nutzten, wurden 34 (37 %) Väter. Schwächen: Ausgangswerte der Samenqualität fehlen in den Abstracts; die schwedische Kohorte schließt Kinder ein, die schon vor der Einlagerung geboren sein konnten.

Ältere französische und deutschsprachige Samenbankberichte (1982 bis 1996). Titel zu [s303]: [Autopreservation of semen prior to sterilizing treatment]. (Eigenkonservierung von Sperma vor sterilisierender Behandlung) (La Nouvelle presse medicale, 1982, PMID 7145665). Titel zu [s290]: [Conservation of sperm before cancer therapy. An efficient measure for preserving chances of future conception]. (Spermienkonservierung vor Krebstherapie. Eine wirksame Maßnahme zum Erhalt der Chancen auf eine spätere Empfängnis) (Contraception, fertilite, sexualite (1992), 1993, PMID 8269023). Titel zu [s287]: [Evolution of the practice of sperm cryopreservation and fate of the preserved specimens : retrospective study of testicular cancer]. (Entwicklung der Praxis der Spermienkryokonservierung und Verbleib der eingelagerten Proben: retrospektive Studie zum Hodenkrebs) (Contraception, fertilite, sexualite (1992), 1996, PMID 8924962). Titel zu [s292]: [Is the cryopreservation of sperm of young tumor patients reasonable?]. (Ist die Kryokonservierung von Spermien junger Tumorpatienten sinnvoll?) (Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 1992, PMID 1547931). Titel zu [s294]: [Use of sperm cryopreservation by tumor patients]. (Nutzung der Spermienkryokonservierung durch Tumorpatienten) (Der Hautarzt; Zeitschrift fur Dermatologie, Venerologie, und verwandte Gebiete, 1990, PMID 2162809). Titel zu [s295]: [Cryopreservation of human spermatozoa--evaluation of 93 semen depots]. (Kryokonservierung menschlicher Spermatozoen - Auswertung von 93 Samendepots) (Andrologia, 1990, PMID 2264619). Ozyglik et al. 1982 [s303] berichten aus einer französischsprachigen Studie, dass von 511 Kandidaten eine zufriedenstellende Konservierung bei 40 % der Patienten mit Hodgkin-Krankheit und bei 15 % der Patienten mit Hodenkarzinom möglich war; bei 9 % wurde der Samen zur Insemination genutzt, 95 % wünschten die Fortführung der Lagerung. Auger et al. 1993 [s290] (Paris-Bicêtre) sehen in der Kryokonservierung vor Therapie die einzige vernünftige Chance auf eine spätere Schwangerschaft, ohne Zahlen im Abstract; Moutel et al. 1996 [s287] (Paris) werteten die Hodentumor-Kryokonservierung in 17 CECOS retrospektiv aus und beschreiben ihre regelmäßige Zunahme. Hänggi et al. 1992 [s292] (Bern, 39 Patienten) verweisen auf die oft schon vor dem Einfrieren verminderte Qualität und die Minderung der Beweglichkeit durch das Einfrieren. Holland-Moritz und Krause 1990 [s294] (Marburg, 47 Patienten 1983 bis 1988) berichten, dass 20 Männer innerhalb von zwei Jahren nicht mehr an der Lagerung interessiert waren und keine der 27 verbleibenden Proben für Insemination oder IVF genutzt worden war. Kolodziej et al. 1990 [s295] (93 Samendepots, zwei Drittel onkologische Patienten, mittlere Lagerdauer 44 Monate): nur 20 % der Ejakulate waren normozoosperm und zeigten Beweglichkeit nach dem Auftauen über 20 %; die mittlere Wiedergewinnungsrate nach langer Lagerung betrug 28 %, mit signifikantem Rückgang um etwa 20 % über die Zeit; bei Hodentumorpatienten lag die Konzentration beweglicher Spermien im Mittel bei 2,1 Mio/ml, sodass die Autoren in den meisten Fällen keine Schwangerschaftschance annahmen. Diese Arbeiten stammen aus der Zeit vor der ICSI und sind nur als historischer Hintergrund zu lesen; die Land-Angabe fehlt im Abstract von [s295] und [s303]. Hallak et al. 1998 [s281] (USA, Cleveland Clinic) beschreiben zehn Krebspatienten, deren Proben in externe IVF-Programme übertragen wurden (Lagerdauer 14 bis 135 Monate): mediane Beweglichkeit vor dem Einfrieren 44 % (Interquartilsabstand 36 bis 55) und mediane Gesamtzahl 31,1 × 10^6 (6,3 bis 53,9); 24 Stunden nach dem Einfrieren 11 % (6 bis 35) und 6,6 × 10^6 (1,2 bis 17,1); 18 Zyklen bei 10 Paaren; Schwangerschaftsrate 50 % pro Paar, 36,4 % pro IVF- oder ICSI-Zyklus, Implantationsrate 13 %.

Kinder und Jugendliche

Bei Jugendlichen kommen zwei Fragen zusammen: wie gut die Ausgangsqualität ist und wie häufig überhaupt eine Probe abgegeben werden kann. Mit zunehmendem Alter steigt in den großen Serien die Spermienzahl, und bei jüngeren Patienten ist der Anteil derer, die keine Probe abgeben können, höher.

Daudin et al. 2015 (CECOS Frankreich) [s199]. Titel: Sperm cryopreservation in adolescents and young adults with cancer: results of the French national sperm banking network (CECOS). (Fertility and sterility, 2015, PMID 25527232). Land: Frankreich (23 Zentren des CECOS-Netzes). Design: große retrospektive multizentrische Studie über 34 Jahre. Population: 4.345 Jungen und junge Männer von 11 bis 20 Jahren. Ergebnisse: Die Zahl der überwiesenen Patienten stieg zwischen 1973 und 2007 um durchschnittlich 9,5 % pro Jahr (95-%-Konfidenzintervall 9,1 bis 9,8 %). Der Anteil jüngerer Krebspatienten, die Samen einlagerten, stieg bei den 11- bis 14-Jährigen von 1 % im Jahr 1986 auf 9 % im Jahr 2006. 4.314 Patienten versuchten eine Probe abzugeben, 4.004 gelang dies, bei 3.616 wurde Samen eingelagert. Die mittlere Gesamtspermienzahl betrug 61,75 × 10^6 in der Altersgruppe von 11 bis 14 Jahren und 138,81 × 10^6 in der Altersgruppe von 18 bis 20 Jahren. Zwischen den Zentren bestanden deutliche Unterschiede in der Praxis. Stärken: größte Jugendserie der Recherche, nationales Netz, lange Beobachtung. Schwächen: Der Abstract nennt weder Aufschlüsselung der Spermienwerte nach Krebsart noch Konfidenzintervalle der Spermienwerte; der Zeitraum von 34 Jahren umfasst vermutlich Änderungen von Methodik und Referenzwerten.

DiNofia et al. 2017 [s176]. Titel: Analysis of semen parameters in a young cohort of cancer patients. (Pediatric blood & cancer, 2017, PMID 27621105). Land: USA (Philadelphia). Design: retrospektive Studie. Population: Von 399 angesprochenen pubertären Patienten (mindestens Tanner-Stadium III) mit neu diagnostiziertem Krebs versuchten 339 (85 %) Samen einzulagern, 265 (78 %) erfolgreich, 60 (15 %) lehnten ab. Methodik: Erfolg und Qualität der Proben im Verhältnis zu Vorbehandlung, Alter und Diagnose. Ergebnisse: Eine Vorbehandlung beeinträchtigte die erfolgreiche Abgabe signifikant (p < 0,01): Nur 16,9 % der unbehandelten, aber 84,0 % der behandelten Patienten waren azoosperm. Ältere Patienten waren seltener azoosperm und hatten eine bessere Probenqualität (p < 0,01); 65 % der jüngsten Patienten konnten dennoch Samen einlagern. Zwischen den Diagnosegruppen unterschied sich die Azoospermierate nicht (p = 0,35), die Qualität der Parameter dagegen schon. Stärken: Vorbehandlungsstatus wird getrennt ausgewertet, Kinderonkologie-Kohorte. Schwächen: Konfidenzintervalle und absolute Parameter nach Diagnose nicht im Abstract. Einordnung: Das Ergebnis 16,9 % gegenüber 84,0 % Azoospermie ist die deutlichste Zahl der Literatur zur Frage, wie stark eine vorangegangene Therapie die Ausgangsqualität verfälscht.

Bahadur et al. 2002 [s274]. Titel: Semen quality and cryopreservation in adolescent cancer patients. (Human reproduction (Oxford, England), 2002, PMID 12456617). Land: Vereinigtes Königreich (London). Design: retrospektive Studie. Population: 238 Jugendliche (1991 bis 2000); Kryokonservierung bei 205 (86,1 %). Ergebnisse: Mittlere Spermienzahlen waren über die Krankheitsgruppen und Altersgruppen ähnlich, außer bei akuter myeloischer Leukämie; das Volumen war bei akuter lymphatischer Leukämie niedriger und beim Ewing-Sarkom höher. Die Autoren schreiben, die Samenqualität sei in allen Fällen potenziell für assistierte Reproduktion nutzbar gewesen. Schwächen: Der Abstract nennt keine Zahlen zu den Parametern und keine Konfidenzintervalle.

Keene et al. 2012 [s230]. Titel: Sperm banking in the United Kingdom is feasible in patients 13 years old or older with cancer. (The Journal of urology, 2012, PMID 22704091). Land: Vereinigtes Königreich (Manchester). Design: retrospektive Studie. Population: 180 Patienten (mittleres Alter 16,1 Jahre; 13,2 bis 17,9): Lymphom 64, Leukämie 50, Knochentumoren 18, Hodentumoren 13, Weichteilsarkome 13, Hirntumoren 6, Keimzelltumoren 6, andere 10. Ergebnisse: 119 (66 %) lagerten Samen erfolgreich ein; 26 erschienen nicht; von den Erschienenen konnten 15 (10 %) keine Probe abgeben und 20 (13 %) waren azoosperm; 20 Patienten starben nach der Einlagerung. Schwächen: Der Abstract nennt keine Parameter der Samenqualität.

Liu et al. 2024 (Jugendliche, 16 Spermabanken) [s59]. Titel: Fertility preservation in male adolescents with cancer (2011-2020): A retrospective study in China. (Cancer medicine, 2024, PMID 38872364). Land: China (Chengdu und 16 Spermabanken). Design: retrospektive Studie 2011 bis 2020. Population: 275 männliche Jugendliche (0 bis 19 Jahre; Mittel 17,39 ± 1,46); 13 (4,7 %) im Alter von 13 bis 14 Jahren und 262 (95,3 %) von 15 bis 19 Jahren; Leukämie 55, Lymphome 76, Keim- und Gonadentumoren 65, epitheliale Tumoren 37, Weichteilsarkome 14, Osteosarkome 7, Hirntumoren 5, andere 16. Ergebnisse: Die Tumorart beeinflusste die Samenqualität, das Alter das Volumen. Konzentration und Progressivmotilität unterschieden sich vor und nach Behandlung signifikant (p < 0,001). 90,5 % hatten Spermien im Ejakulat; bei 244 (88,7 %) gelang das Einfrieren. Schwächen: Der Vergleich „vor und nach Behandlung“ ist im Abstract nicht näher beschrieben; die jüngsten Altersgruppen sind kaum vertreten (13 Patienten unter 15 Jahren).

Park et al. 2025 [s33]. Titel: Does a specific age group impact sperm cryobanking efficiency among adolescent and young adult cancer patients? (Obstetrics & gynecology science, 2025, PMID 40499583). Land: Korea (Seoul National University Hospital). Design: retrospektive Studie. Population: 298 Patienten im Alter von 11 bis 25 Jahren (mittleres Alter 16,0 Jahre); Leukämie 22,5 %, Sarkom 22,1 %, Lymphom 17,1 %. Ergebnisse: 72,1 % versuchten die Kryokonservierung; in den Altersgruppen von 11 bis 15, 16 bis 20 und 21 bis 25 Jahren waren es 59,6 %, 82,2 % und 88,2 %. Jüngeres Alter sagte „nicht versuchen“ voraus (adjustiertes Odds Ratio 5,059; p = 0,001; das Konfidenzintervall steht nicht im Abstract). Der Erfolg bei Versuch war altersunabhängig. 77,2 % der Proben blieben im Lager, 16,2 % wurden verworfen, meist aufgrund von Familienentscheidungen; keine signifikanten Prädiktoren des Verwerfens. Schwächen: keine Spermienwerte im Abstract.

Japanische Kinder- und Jugendserien: Tsunoda et al. 2015 [s202], Umeda et al. 2018 [s172], Takenaka et al. 2023 [s90], Tomita et al. 2018 [s171]. Titel zu [s202]: 一小児専門病院における最近24年間での精子凍結保存の経験 治療関連不妊が予測される思春期男児に対して―その現状と問題― (Erfahrungen mit Spermienkryokonservierung in den letzten 24 Jahren an einer Kinderklinik: Jungen in der Pubertät mit erwarteter therapiebedingter Unfruchtbarkeit, Stand und Probleme) (日本小児血液・がん学会雑誌, 2015). Titel zu [s172]: 同種造血幹細胞移植を計画した小児・若年成人患者に対する精子保存の現状 (Aktueller Stand der Spermienkonservierung bei Kindern und jungen Erwachsenen mit geplanter allogener Stammzelltransplantation) (日本小児血液・がん学会雑誌, 2018). Titel zu [s90]: 東海北陸地方における小児・思春期血液がん患者のがん・生殖相談外来受診状況に対する多機関共同・後ろ向き観察研究 (Multizentrische retrospektive Beobachtungsstudie zur Inanspruchnahme der Sprechstunde für Krebs und Fortpflanzung durch Kinder und Jugendliche mit Blutkrebs in der Region Tokai-Hokuriku) (日本小児血液・がん学会雑誌, 2023). Titel zu [s171]: 化学療法開始前に精巣内精子採取を行った仙骨部ユーイング肉腫の一例 (Ein Fall von sakralem Ewing-Sarkom mit testikulärer Spermienentnahme vor Beginn der Chemotherapie) (日本小児血液・がん学会雑誌, 2018). Land: Japan. Design: vier kleine Serien aus der pädiatrischen Onkologie. Tsunoda: 15 Jugendliche an einer Kinderklinik; 11 wurden aufgeklärt, 2 wegen Dringlichkeit nicht, 2 durch Versehen nicht; von den 11 lehnten 4 ab; von 7 Kryokonservierungen: 2 verheiratet, einer erzielte ein Kind durch assistierte Reproduktion, ein weiterer eine natürliche Schwangerschaft nach Erholung. Umeda: 19 männliche Patienten (10 bis 27 Jahre, Median 15) mit geplanter allogener Stammzelltransplantation; 10 erhielten Aufklärung, 7 versuchten die Konservierung, 5 führten sie aus. Takenaka: 115 Patienten (71 männlich) mit Blutkrebs in neun Zentren 2013 bis 2021; von 66 Patienten mit Wunsch nach Spermakryokonservierung konnten 13 sie nicht abschließen, überwiegend wegen Azoospermie. Tomita: Fallbericht eines 17-jährigen Patienten mit sakralem Ewing-Sarkom, bei dem die Ejakulation wegen Nervenkompression nicht möglich war und zwei Tage später eine testikuläre Spermienentnahme vor Chemotherapiebeginn erfolgte. Schwächen: sehr kleine Zahlen, keine Spermienwerte, Fallbericht ohne Verallgemeinerbarkeit. Einordnung: Die Serien belegen, dass bei Jugendlichen mit Blutkrebs ein erheblicher Teil an Azoospermie oder Zeitdruck scheitert; sie ergänzen die Befunde aus [s176] und [s199].

Alle Kapitel und Anhänge (26)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Hodgkin-Lymphom bis Leukämien und hämatologische Neoplasien
  6. Hodentumoren
  7. Mischkollektive mit Vergleichsgruppen
  8. Samenbankserien ohne Kontrollgruppe und Kinder und Jugendliche
  9. Überlebende nach Behandlung: Befunde zur Abgrenzung bis Einordnung der Beobachtungsstudien
  10. Vorbemerkung zur Evidenzbasis bis Kinder und Jugendliche
  11. Metaanalysen und systematische Übersichten bis Tierversuche
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Chinesisch
  15. Japanisch bis Türkisch
  16. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  22. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  23. Diagramme
  24. Quellen s01–s153
  25. Quellen s154–s303
  26. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle