# Krebserkrankungen (Leukämie, Lymphome, Hodgkin, andere Tumoren) vor der Behandlung und die Spermienqualität, Kryokonservierung: eine mehrsprachige Gesamtstudie der Literatur

Quelle: https://bosslevel.eu/recherche/krebs-fertilitaet.html · Stand 22. Oktober 2026 · Redaktion: Bernd Peter (bosslevel.eu) · 75.688 Wörter, 303 Quellen

> Mit KI-Unterstützung aus Fachliteratur in zwölf Sprachräumen zusammengestellt. Zahlen stammen überwiegend aus Abstracts. Keine individuelle Diagnose, keine Therapieempfehlung.

## Kurzantwort

Vor der Behandlung ist die Spermienqualität bei vielen Krebspatienten gegenüber Gesunden vermindert, besonders bei Hodentumor und Leukämie. Die Richtung dieses Befunds gilt als gut gesichert, sein Ausmaß dagegen als unsicher, weil überwiegend retrospektive Samenbankdaten und nur wenige gesunde Vergleichsgruppen vorliegen. Beim Hodgkin-Lymphom schwankt der Anteil normaler Befunde je nach Studie und Definition zwischen 14 und 75 Prozent.

## Häufige Fragen

### Beeinträchtigt Krebs die Spermienqualität schon vor der Behandlung?

In vielen Studien sind Konzentration, Gesamtzahl oder Beweglichkeit der Spermien vor der Therapie gegenüber Gesunden vermindert, besonders bei Hodentumor und Leukämie. Die Richtung des Befunds gilt als gesichert, das Ausmaß nicht, weil Vergleichsgruppen oft ausgewählte Spender oder Männer aus Kinderwunschkliniken sind. Die Mediane liegen häufig noch im Normbereich; ein Einzelbefund lässt sich daraus nicht ableiten.

### Wie ist die Spermienqualität bei Hodentumor?

Beim Hodentumor ist die Beeinträchtigung am gleichmäßigsten beschrieben: Eine systematische Übersicht fand in allen sechs Studien schon vor der Entfernung des Hodens auffällige Samenwerte. Im nicht tumorösen Hodengewebe zeigte nur bei 22,5 Prozent von 454 Patienten die Spermienbildung ein normales Bild. Ob Seminome besser oder schlechter abschneiden als Nicht-Seminome, ist uneinheitlich. Die Ursachen sind weiter Hypothese.

### Wie gut ist die Spermienqualität bei Hodgkin-Lymphom?

Der Anteil von Männern mit normalem Befund vor der Therapie reicht je nach Studie von 14 bis 75 Prozent. Ein wichtiger Grund sind unterschiedliche Definitionen und Referenzwerte, dazu kommt die Auswahl der Untersuchten. B-Symptome wie Fieber und Nachtschweiß gingen in mehreren Studien mit schlechterer Qualität einher. Ob die Erkrankung selbst oder Fieber überwiegt, ist nicht sicher geklärt.

### Warum haben Leukämiepatienten oft die schlechtesten Werte?

Mehrere große Serien berichten bei Leukämien die niedrigste Ausgangsqualität und den höchsten Anteil nicht einfrierbarer Proben. Ein erheblicher Teil des Unterschieds hängt mit dem Zeitpunkt zusammen: Wer erst nach Beginn der Chemotherapie kommt, hat deutlich schlechtere Werte. Ob die Leukämie selbst die Spermien zusätzlich beeinträchtigt, lässt sich aus den Serien nicht sicher trennen.

### Wie sicher sind die Studienergebnisse?

Die Evidenz wird überwiegend als mäßig eingestuft. Es gibt viele große, aber retrospektive Auswertungen von Samenbanken, kaum randomisierte Daten und selten gesunde Vergleichsgruppen. Fast alle Zahlen stammen aus Abstracts, nicht aus Volltexten. Bei Sarkomen, Hirntumoren und anderen Tumorarten ist die Datenlage sehr dünn. Zahlen verschiedener Studien sind selten direkt vergleichbar.

### Was leistet das Einfrieren von Samenproben nach den Studien?

In einer Metaanalyse über 69 Studien scheiterte das Einfrieren in 10 Prozent der Fälle, 9 Prozent der Proben wurden später genutzt. Die gepoolte Geburtenrate lag bei 20 Prozent. Nach dem Auftauen sinkt die Beweglichkeit, auch bei Gesunden; bei Krebspatienten ist der Ausgangswert niedriger. Eine niedrige Nutzungsrate belegt nicht, dass das Einfrieren entbehrlich wäre.

### Wie ist die Lage bei Jugendlichen mit Krebs?

Bei Jugendlichen gelingt die Samenabgabe meist: In einer Kinderklinik war die Einlagerung bei 78 Prozent der Versuche erfolgreich. Nach einer Vorbehandlung waren 84 Prozent azoosperm, ohne Vorbehandlung 16,9 Prozent. In Frankreich stieg bei 4.345 Jugendlichen die mittlere Gesamtspermienzahl von 61,75 Millionen im Alter von 11 bis 14 Jahren auf 138,81 Millionen mit 18 bis 20 Jahren.

*Stand 4. Oktober 2026*

## Kurzfassung

**Fragestellung.** Diese Studie fragt, wie es um die Spermienqualität von Männern mit Krebs steht, bevor eine gonadotoxische, also keimzellschädigende Behandlung begonnen hat, und was die Kryokonservierung (das Einfrieren) der Samenprobe in der Praxis leistet. Grundlage sind 303 Quellen aus zwölf Sprachräumen, überwiegend auf der Ebene von Abstracts gelesen. Die Studie fasst Befunde zusammen und enthält keine Therapieempfehlung; wo Leitlinien oder Autoren Empfehlungen aussprechen, werden sie dem jeweiligen Gremium zugeschrieben.

**Hodentumoren.** Die Beeinträchtigung vor der Behandlung ist hier am gleichmäßigsten beschrieben. Eine systematische Übersicht fand in allen sechs eingeschlossenen Studien Samenauffälligkeiten schon vor der Orchiektomie [s206]. In einer Pariser Serie mit 4.480 Patienten war die mediane Gesamtspermienzahl bei Hodentumor und bei Leukämie viermal niedriger als bei Vergleichsgruppen [s189]; eine gematchte Studie aus Guangdong bestätigte den Befund für Hodentumor, Hodgkin-Lymphom und Leukämie [s93]. Histologisch hatten nur 22,5 % von 454 Patienten in Istanbul im nicht tumorösen Hodengewebe eine normale Spermatogenese [s48]. Ob Seminome besser oder schlechter abschneiden als Nicht-Seminome, ist nicht einheitlich.

**Hodgkin-Lymphom.** Der Anteil normozoospermer Männer vor Therapie reicht je nach Studie und Definition von 14 % [s228] über 20 % [s256] und 66 % [s275] bis 75 % [s195]. Fieber, Nachtschweiß und andere B-Symptome sind in mehreren Studien mit schlechterer Qualität verbunden; in der EORTC-GELA-Auswertung lag die Odds Ratio für schlechte Qualität bei Nachtschweiß bei 3,78 [s251]. Die Streuung ist wahrscheinlich zum Teil Folge von Definitionen, Selektion und Fieber, nicht nur von der Erkrankung.

**Non-Hodgkin-Lymphome und Leukämien.** Beim Non-Hodgkin-Lymphom waren in der größten Serie (n = 222) mehr als 80 % vor Therapie normozoosperm [s120]. Bei Leukämien berichten mehrere große Serien die niedrigste Ausgangsqualität und den höchsten Anteil nicht einfrierbarer Proben [s189, s222, s116, s169]. Ein erheblicher Teil dieses Unterschieds hängt mit dem Zeitpunkt zusammen: Wer erst nach Beginn der Chemotherapie kommt, hat deutlich schlechtere Werte [s273, s155].

**Andere Tumoren.** Für Sarkome, Hirntumoren, Magen-Darm-, Kopf-Hals- und andere Tumoren gibt es fast nur gemischte Samenbankserien; eine systematische Übersicht zu 102 Studien nennt die Evidenz uneinheitlich und lückenhaft [s19].

**Kryokonservierung.** In einer Metaanalyse über 69 Studien scheiterte das Einfrieren in 10 %, 23 % der Proben wurden vernichtet und 9 % genutzt; die gepoolte Geburtenrate betrug 20 %, pro Zyklus 23 % nach ICSI und 5 % nach intrauteriner Insemination [s58]. Nach dem Auftauen sinkt die Beweglichkeit auch bei gesunden Spendern; bei Krebspatienten ist der Ausgangswert niedriger [s189, s222].

**Kinder und Jugendliche, Tiermodelle.** Bei 4.345 Jugendlichen in Frankreich stieg die mittlere Gesamtspermienzahl von 61,75 Mio. (11 bis 14 Jahre) auf 138,81 Mio. (18 bis 20 Jahre) [s199]. Tierstudien zur Wirkung der Erkrankung selbst gibt es nur zwei [s148, s121].

**Datenlage der Sprachräume.** Die Hauptmasse stammt aus englischsprachigen Zeitschriften und Samenbanken in China, Japan, Frankreich, Italien und Nordamerika. Aus dem russischen, türkischen und arabischen Raum liegen nur wenige prätherapeutische Samendaten vor; arabischsprachige Primärstudien waren nicht auffindbar. Gesunde Parallelkontrollen fehlen in den meisten Studien, Zahlen sind selten über Studien hinweg vergleichbar.

## Das Wichtigste in Kürze

Die Einstufung folgt keinem formalen Instrument wie GRADE. Sie beschreibt, was die Studiendesigns tragen können. **Evidenzstärke** bezeichnet Design, Fallzahl und Vorhandensein einer Vergleichsgruppe (hoch, mäßig, gering, sehr gering). **Gewissheit** unterscheidet, ob nur die Richtung eines Befunds gesichert wirkt oder auch sein Ausmaß.

1. **Vor der Therapie ist die Spermienqualität bei vielen Krebspatienten gegenüber Gesunden vermindert, besonders bei Hodentumor und Leukämie.** Belege: [s189, s93, s102, s84, s206]. Evidenzstärke: mäßig (viele große, aber retrospektive Samenbankstudien, wenige Vergleichsgruppen). Gewissheit: Richtung hoch, Ausmaß gering, weil Kontrollen häufig ausgewählte Spender oder Männer einer Kinderwunschklinik sind [s93, s102].

2. **Beim Hodentumor ist die Beeinträchtigung am konsistentesten.** Alle sechs Studien einer systematischen Übersicht [s206]; mittlere Konzentration 18,7 gegenüber 35,6 Mio./ml bei anderen Malignomen [s267]; Histologie: normale Spermatogenese bei 22,5 % von 454 Patienten [s48]. Evidenzstärke: mäßig. Gewissheit: Richtung hoch; Ursachen (Dysgenesie, kontralaterale Störung, Tumoreffekte) bleiben Hypothese [s13].

3. **Seminom gegenüber Nicht-Seminom: uneinheitlich.** Niedrigere Werte bei Seminomen [s235], bessere bei Seminomen [s271, s266, s196]. Evidenzstärke: gering. Gewissheit: gering; unterschiedliche Messzeitpunkte (vor oder nach Orchiektomie) erklären einen Teil.

4. **Der Zeitpunkt der Probe in Bezug auf die Orchiektomie ist unklar.** Rives et al. bevorzugen die Einlagerung vor der Orchiektomie [s235]; Buonacquisto et al. fanden nach der Orchiektomie sinkende Gesamtspermienzahl, aber sinkende DNA-Fragmentierung [s04]. Evidenzstärke: gering. Gewissheit: gering.

5. **Beim Hodgkin-Lymphom schwankt der Anteil normozoospermer Männer zwischen 14 % und 75 %.** [s228, s256, s257, s278, s275, s195]. Evidenzstärke: mäßig (viele Serien, bis n = 519), aber heterogen. Gewissheit: Richtung (häufig auffällig) mäßig; das Ausmaß ist definitionsabhängig.

6. **B-Symptome, Fieber und Blutsenkung gehen beim Hodgkin-Lymphom mit schlechterer Qualität einher.** Odds Ratio 2,77 für B-Symptome, 3,22 für Fieber, 3,78 für Nachtschweiß [s251]; bei Jungen adjustierte OR 2,3 [s49]; ältere Fallserie: Fieber als Erklärung [s301]. Evidenzstärke: mäßig (n = 474 und n = 101, multivariat). Gewissheit: mäßig; die Stadienabhängigkeit ist widersprüchlich [s278, s251, s271].

7. **Non-Hodgkin-Lymphome scheinen günstiger zu liegen, die Datenbasis ist aber dünner.** Mehr als 80 % Normozoospermie bei n = 222 [s120]; Normozoospermie nur bei 25 % in einer sehr kleinen Gruppe [s228]; erhöhte DNA-Fragmentierung gegenüber Kontrollen [s51]. Evidenzstärke: gering bis mäßig. Gewissheit: gering.

8. **Leukämien haben in mehreren Serien die ungünstigsten Werte, vor allem wenn nach Therapiebeginn eingelagert wurde.** Nur 37 % normozoosperm [s189]; 46,2 % ohne einfrierbare Spermien in einer hämatologischen Gruppe [s116]; Einfriererfolg bei hämatologischen Krebsarten 82,5 % gegenüber 93,6 % bei Hodentumor [s169]; vor Chemotherapie 96,1 % einfrierbar, danach 45,3 % [s273]. Evidenzstärke: mäßig. Gewissheit: Richtung mäßig; Zeitpunkt und Erkrankung sind kaum zu trennen.

9. **Für Sarkome, Hirntumoren, Magen-Darm-, Kopf-Hals- und andere Tumoren ist die Datenlage dünn.** [s19, s58, s85]. Evidenzstärke: sehr gering. Gewissheit: sehr gering.

10. **Das Einfrieren senkt die Beweglichkeit, auch bei Gesunden.** Bei Krebspatienten ist der Ausgangswert niedriger; bei fast der Hälfte der Proben von Hodentumor- oder Leukämiepatienten lag die Zahl beweglicher Spermien je Pailette unter 0,5 Mio. [s189, s222, s283]. Evidenzstärke: mäßig. Gewissheit: Richtung hoch, Ausmaß mäßig.

11. **Die Nutzungsrate eingelagerter Proben ist niedrig, die Erfolgsrate bei Nutzung erheblich.** Gepoolt 8 % [s191] beziehungsweise 9 % [s58]; Einzelstudien 2,2 % bis 28,1 % [s181, s110]; 49 % der Nutzer wurden Eltern [s191]. Evidenzstärke: mäßig (Metaanalysen aus nicht randomisierten Studien). Gewissheit: Ausmaß gering wegen Heterogenität und kurzer Nachbeobachtung.

12. **Die Erfolgsrate hängt stark vom Verfahren ab.** Klinische Schwangerschaft je Zyklus: ICSI 34 %, IVF 24 %, IUI 9 % [s58]. Evidenzstärke: mäßig. Gewissheit: mäßig.

13. **Die Spermien-DNA-Fragmentierung ist vor der Behandlung in mehreren Studien erhöht, nicht in allen.** Erhöht [s250, s76, s204]; nach Ausschluss vorbehandelter Patienten nicht mehr signifikant [s84]. Evidenzstärke: gering bis mäßig (kleine Gruppen, wechselnde Methoden). Gewissheit: gering.

14. **Bei Jugendlichen gelingt die Samenabgabe meist, bei Vorbehandlung deutlich seltener.** 78 % erfolgreiche Einlagerung bei 339 Versuchen; nach Vorbehandlung 84,0 % azoosperm gegenüber 16,9 % ohne [s176]; 4.345 Fälle in Frankreich [s199]. Evidenzstärke: mäßig. Gewissheit: Richtung hoch.

15. **Die Versorgung bleibt hinter dem Angebot zurück.** Jordanien: Spermabanking bei 33,1 % [s133]; Saudi-Arabien: 6,7 % der Männer [s92]; Frankreich: etwa 41 % bei Hodentumor [s83]. Evidenzstärke: gering bis mäßig (Befragungen, Registerschätzungen). Gewissheit: Gefälle hoch, Zahlen schlecht vergleichbar.

16. **Zur Wirkung der Erkrankung selbst fehlen Tierstudien weitgehend.** Mausmodell der akuten myeloischen Leukämie: schlechtere Spermienparameter und verminderte Fertilität schon durch die Erkrankung [s148]; Walker-256-Tumor bei Ratten: Veränderungen der Hodenmorphologie [s121]. Evidenzstärke: sehr gering für Menschen. Gewissheit: sehr gering.

17. **Umgekehrt ist verminderte Fertilität mit späterem Krebsrisiko assoziiert.** Gepoolte OR 1,43 für alle Krebsarten, 1,91 für Hodentumor [s111]; Hodentumor-Hazard Ratio 3,3 [s193]. Evidenzstärke: mäßig. Gewissheit: Richtung mäßig; für die Frage nach der Wirkung des Tumors auf das Sperma nur als Deutungshilfe relevant.

## Aufbau und Methodik dieser Studie

### Wie recherchiert wurde

Die Studie beruht auf drei parallelen Teilrecherchen, die am 4. Oktober 2026 abgeschlossen wurden, jeweils nach Sprachgruppen getrennt. Gruppe a umfasste Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch (147 geführte Quellen), Gruppe b Chinesisch, Japanisch und Koreanisch (121 Quellen), Gruppe c Russisch, Arabisch und Türkisch (55 Quellen). Zusammen ergibt das 323 Einträge. Nach Abgleich von PMID und DOI wurden 20 Dubletten zusammengeführt; es bleiben 303 Quellen mit den Kennungen s01 bis s303. Zitiert wird in dieser Studie ausschließlich mit diesen Kennungen in eckigen Klammern; die Zuordnung zu den früheren Kennungen der Teilrecherchen ist in einer eigenen Übersicht hinterlegt (synthese_zuordnung.md).

Als Hauptzugang dienten die REST-Schnittstelle von Europe PMC und die E-utilities der US-amerikanischen National Library of Medicine (esearch, esummary, efetch). Die PubMed-Webseite war laut Auftrag gesperrt; die Gruppe a verzeichnet allerdings, dass eine Stichprobe dennoch HTTP 200 lieferte, und nutzte trotzdem die Schnittstellen. Für die französischsprachige Literatur kam die Archivschnittstelle HAL hinzu (Hochschulschriften und Kongressbeiträge). Gruppe b nutzte zusätzlich J-STAGE und CiNii Research für japanische Arbeiten; Gruppe c nutzte CyberLeninka für russische Arbeiten (mit auslesbarem Volltext) und die JSON-Schnittstelle von TR Dizin für türkische.

Aufgenommen wurden nur Arbeiten, deren Titel und Abstract (bei HAL-Hochschulschriften der HAL-Abstract) tatsächlich abgerufen und gelesen wurden. In Gruppe a wurden mehrere Tausend Treffer gesichtet, von denen nach Titel und Abstract etwa 540 einen Bezug zu Spermien oder Fruchtbarkeit und Krebs hatten.

### Nicht erreichbare Quellen

Mehrere für die Sprachräume wichtige Datenbanken ließen sich nicht auswerten. Gruppe a meldet Cairn (Schutzseite, HTTP 403), SciELO und LILACS (HTTP 403) sowie Dialnet (HTTP 503) als nicht durchsuchbar; OpenAlex antwortete wiederholt mit HTTP 429. Gruppe b erhielt aus CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed und DBpia keine auswertbaren Treffer. Gruppe c konnte eLIBRARY.ru, DergiPark, die Weboberfläche von TR Dizin, die Plattform Arab World Research Source (Dar Almandumah) und die algerische Plattform ASJP nicht nutzen. Diese Lücken wirken sich ungleich aus: Portugiesisch, Italienisch und Spanisch sind durch die fehlenden Portale unterrepräsentiert, Koreanisch ist nur über englischsprachige Zeitschriften erfasst (keine koreanischsprachige Quelle), und arabischsprachige Primärliteratur ließ sich überhaupt nicht finden. Alle „arabischen“ Quellen sind englischsprachige Veröffentlichungen aus arabischsprachigen Ländern. Ein Fehlen von Treffern ist deshalb ein Zugangsbefund und kein Beleg dafür, dass die Literatur nicht existiert; die Teilrecherchen nennen selbst Beispiele für vorhandene, aber nicht lesbare Arbeiten.

### Lesetiefe: überwiegend Abstracts

Fast alle Zahlen dieser Studie stammen aus Abstracts. Volltexte wurden nicht systematisch gelesen. Ausnahmen sind vier Arbeiten aus Gruppe b, bei denen der Volltext über Europe PMC gelesen wurde [s87, s116, s84, s200], sowie die russischen Quellen aus CyberLeninka, bei denen ein OCR-Volltext vorlag. Wo ein Abstract eine Angabe nicht enthält (Konfidenzintervalle, Gruppengrößen, Zahlenwerte), wird sie in dieser Studie nicht ergänzt. Mehrere Abstracts enthalten innere Unstimmigkeiten, etwa Prozentwerte, die sich nicht aus den genannten Zahlen ergeben [s157, s112, s125, s236]; solche Stellen werden in den Teilrecherchen vermerkt und hier, wo sie relevant sind, als Einschränkung genannt.

Die Bewertung der Einzelstudien („Stärken“, „Schwächen“) beruht auf dem Design, den im Abstract genannten Einschränkungen und allgemeinen methodischen Merkmalen. Sie ist kein formal bewertetes Verfahren und keine Risk-of-Bias-Analyse. Es wurde keine eigene Metaanalyse gerechnet; wo gepoolte Zahlen stehen, stammen sie aus veröffentlichten Metaanalysen [s58, s191, s111] und werden als solche ausgewiesen. Die 33 Diagramme der Gesamtstudie zeigen ausschließlich Zahlen, die in den Abstracts stehen, mit Quellenkennung je Datenpunkt.

### Zusammensetzung der Quellenbasis

Nach der formalen Zuordnung tragen 195 Einträge den Sprachraum Englisch, 29 Französisch, 21 Italienisch, 21 Türkisch, 19 Russisch, 18 Deutsch, 15 Arabisch, 14 Japanisch, 8 Spanisch, 7 Chinesisch, 3 Portugiesisch und 1 Ungarisch (48 Einträge tragen zwei Räume, die Summe übersteigt deshalb 303). Die Zuordnung folgt der Publikationssprache und dem Land der Erstaffiliation und besagt nichts über die Sprache der untersuchten Personen. Der Schwerpunkt liegt zeitlich im 21. Jahrhundert: 24 Quellen stammen aus den Jahren bis 1999, 33 aus 2000 bis 2009, 103 aus 2010 bis 2019, 101 aus 2020 bis 2024 und 42 aus 2025 und 2026. Nach dem Studiendesign (grob nach dem Designfeld ausgezählt) überwiegen retrospektive Auswertungen mit etwa 108 Einträgen; hinzu kommen etwa 62 Übersichtsarbeiten, 42 Befragungen, 19 Fallberichte oder Fallserien, 15 Leitlinien oder Konsensdokumente, 14 prospektive Studien, 14 Tierversuche und 6 systematische Übersichten oder Metaanalysen. Diese Auszählung ist eine Größenordnung, keine formale Klassifikation, denn manche Arbeiten tragen mehrere Merkmale.

Die Evidenzbasis ist damit strukturell verzerrt. Retrospektive Samenbankdaten erfassen nur Männer, die eine Probe abgeben konnten und wollten. Wer wegen eines raschen Therapiebeginns nicht kam, fehlt; wer schon behandelt war, ist mit schlechteren Werten vertreten. Kontrollgruppen sind selten und häufig keine gesunden Männer, sondern Männer aus Kinderwunschkliniken oder ausgewählte Spender. Eine randomisierte Studie zur Ausgangsqualität gibt es nicht, da die Frage nicht randomisierbar ist. Randomisierte Studien erscheinen in der Quellenbasis nur als Rahmen: als Sekundäranalyse mit Befunden nach der Behandlung (HD21 [s25]), als Auswertung von Studienteilnehmern ohne Ausgangsspermiogramme (GHSG HD13 bis HD15 [s218]) oder als prospektive Zusatzstudie zu einem Phase-3-Protokoll [s49].

### Zusätzlich abgerufene Quellen für den Hintergrund

Für die Referenzwerte der Weltgesundheitsorganisation und für eine Angabe zur Dauer der Spermatogenese wurden in diesem Kapitel drei Veröffentlichungen eigens über Europe PMC und die E-utilities abgerufen. Sie sind nicht Teil der Masterliste mit den Kennungen s01 bis s303 und werden deshalb im Text mit Autor, Jahr und PMID genannt, nicht mit einer Kennung: Campbell et al. 2021, Andrology (PMID 33528873); Boitrelle et al. 2021, Life (PMID 34947899, Tabelle 2 aus dem frei zugänglichen Volltext); Hwang und Clark 2025, Fertility and Sterility (PMID 40398716, Volltext). Eine weitere Veröffentlichung wurde nur für einen Überblick über die Entstehung der Handbücher herangezogen: Wang et al. 2022, Fertility and Sterility (PMID 34996596).

### Grenzen

Die Studie ist eine Literaturübersicht und keine Anleitung zu einer Behandlung. Aussagen von Leitlinien oder Autoren werden den jeweiligen Urhebern zugeschrieben. Wegen der Abstractebene können Gewichtungen fehlen, die nur im Volltext stehen. Mehrfachveröffentlichungen derselben Zentren (zum Beispiel drei überlappende Veröffentlichungen einer Moskauer Hodgkin-Kohorte [s238, s236, s225], zwei Sichuaner Studien [s116, s115] oder zwei Berliner Auswertungen [s80, s53]) wurden benannt, aber nicht rechnerisch bereinigt; in Vergleichen werden sie nur einmal gezählt. Zwei in Gruppe c als zurückgezogen erkannte Veröffentlichungen (PMID 35707706 und PMID 36653814) wurden ausgeschlossen. Die Wiedergabe der WHO-Referenzwerte erfolgt nach den genannten Sekundärveröffentlichungen, nicht nach dem Handbuch selbst.

## Hintergrund

### Spermatogenese in Kürze

Die Bildung reifer Spermien (Spermatogenese) findet in den Hodenkanälchen statt. Nach Hwang und Clark (Fertility and Sterility 2025, PMID 40398716) dauert sie beim Menschen etwa 74 Tage, setzt zahlreiche Zell-Zell-Wechselwirkungen innerhalb der Hodenkanälchen voraus und braucht eine genaue hormonelle Steuerung. Zwei Folgerungen sind für diese Studie wichtig. Erstens spiegelt ein Samenbefund immer den Zustand mehrerer Wochen vor der Probe wider: Ein Fieberschub, eine Operation oder ein Therapiebeginn wirken sich verzögert aus. Zweitens liegt zwischen einer Schädigung der Keimzellen und ihrer Erholung ein Zeitraum von Monaten bis Jahren; die Studien der Quellenbasis berichten Erholungszeiten, die von wenigen Monaten bis zu drei bis fünf Jahren reichen [s195, s204]. Diese Verzögerungen sind einer der Gründe, warum der Zeitpunkt der Probe in Bezug auf die Therapie in der Literatur so oft die entscheidende Störgröße ist.

Für die Beurteilung der Hodenfunktion werden neben dem Spermiogramm Hormone herangezogen. In den Quellen kommen das follikelstimulierende Hormon (FSH), das luteinisierende Hormon (LH), Testosteron, Inhibin B und das Anti-Müller-Hormon (AMH) vor. Eine Hodgkin-Kohorte zeigte bei unbehandelten Patienten normale basale FSH- und LH-Werte, aber niedrige Testosteronwerte [s302]. Bei Überlebenden einer kindlichen akuten lymphatischen Leukämie sagte eine FSH-Schwelle von 3,55 mIU/ml abnorme Spermaparameter voraus (AUC 0,88), während AMH keinen Vorhersagewert hatte [s14]. Eine Moskauer Arbeit nennt FSH, Inhibin B und AMH als mögliche Prädiktoren bei nicht obstruktiver Azoospermie [s186]. Solche Hormonwerte beschreiben eher die Funktion der Hoden-Hypophysen-Achse als die Zahl der Spermien; sie sind in den meisten Studien dieser Quellenbasis Zusatzinformation.

### Wie Krebs die Spermienqualität schon vor der Behandlung beeinflussen könnte

Dass die Qualität vor der Behandlung vermindert sein kann, ist in der Literatur seit den 1980er-Jahren beschrieben. Warum, ist bis heute offen. Die Quellen nennen mehrere Erklärungen, die hier als Hypothesen der jeweiligen Autoren wiedergegeben werden und sich nicht gegenseitig ausschließen.

**Systemische Wirkungen der Erkrankung.** Eine Übersicht nennt bereits bestehende Keimzelldefekte, systemische Krebswirkungen sowie endokrine und immunologische Störungen als mögliche Ursachen schlechter Samenqualität [s264]. Für Fieber gibt es einen konkreten Befund: Bei 57 Hodgkin-Patienten war das Spermiogramm bei 19 auffällig, und bei zwölf von ihnen bestand aktuell oder kürzlich Fieber; unter 38,5 Grad Celsius zeigte sich nur eine Asthenozoospermie, bei höherer Temperatur schwerere Veränderungen bis zur Azoospermie [s301]. Die Autoren deuteten die Auffälligkeiten bei etwa einem Drittel der Patienten als Folge von Fieber, nicht als erkrankungsspezifische Hodenveränderung. Dazu passt, dass B-Symptome, Fieber, Nachtschweiß und erhöhte Blutsenkung in großen späteren Serien mit schlechterer Qualität verbunden waren [s251, s49, s96]. Eine Moskauer Übersicht nennt Subfebrilität, Gewichtsverlust und hohe Tumorlast [s201]; die Autoren einer Moskauer Kohorte verweisen auf Zytokine des Tumors [s225]. Ein unsigniertes Kongressabstract ohne Literaturangaben, dessen Beweiswert die Teilrecherche als niedrig einstuft, nennt außerdem parakrine Mediatoren (TNF, Interleukine), paraneoplastische Hyperthermie, Leydig-Zell-Zerstörung und Antispermien-Antikörper [s211]. Eine ältere Studie mit Messung der LH-Pulsatilität bei 20 unbehandelten Hodgkin-Patienten fand mehr LH-Impulse als bei Kontrollen und bei etwa zwei Dritteln auffällige Spermienbewegung, wenn Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Linearität berücksichtigt wurden [s286]. Dem Befund von Ragni et al., ein auffälliges Ejakulat sei ein spezifisches Symptom der Hodgkin-Krankheit infolge funktioneller Unzulänglichkeit der Hypothalamus-Hypophysen-Achse [s302], steht die Fieberdeutung von Marmor et al. [s301] gegenüber. Beide Arbeiten sind klein und ohne Kontrollgruppe oder mit kleiner Kontrollgruppe; die Frage ist damit nicht entschieden.

**Lokale Wirkungen beim Hodentumor.** Eine Übersicht von 2026 zählt als mögliche Beiträge testikuläre Dysgenesie, Beeinträchtigung des gegenseitigen Hodens, Keimzellneoplasie in situ, lokale Tumoreffekte sowie oxidative oder proteomische Veränderungen auf und betont, die Evidenz sei unterschiedlich; tumorbedingtes hCG könne zudem eine verminderte Leydig-Reserve verdecken [s13]. Zu diesen Erklärungen passen Einzelbefunde: Bei Kryptorchismus in der Vorgeschichte entstand der Tumor bevorzugt im nicht herabgestiegenen Hoden, und die Samenparameter waren schwerer beeinträchtigt [s235]; in einer Fallserie hatten fünf von neun Patienten mit früherem Kryptorchismus eine Azoospermie [s113]. In einer kleinen Querschnittsstudie war das Volumen des verbleibenden Hodens bei vier von fünf azoospermen Patienten vermindert, und die Biopsie zeigte ein Sertoli-Zell-Syndrom bei vier und einen Reifungsstopp bei einem; die Autoren deuten dies als zufällige Erkrankung des gegenseitigen Hodens [s266]. Histologisch fand sich im nicht tumorösen Gewebe nur bei 22,5 % von 454 Patienten eine normale Spermatogenese [s48]. Diese Studie untersucht Gewebe, nicht Ejakulat, und erlaubt keinen Rückschluss auf die Samenqualität einzelner Männer.

**Molekulare Befunde.** Mehrere kleine Studien zeigen Veränderungen, die Standardparameter nicht erfassen: erhöhte Spermien-DNA-Fragmentierung und verminderte Chromatinverdichtung vor der Chemotherapie bei Hodentumor und Hodgkin-Lymphom [s255, s243, s250], sehr hohen oxidativen Stress in der vitalen Spermienfraktion bei Krebspatienten gegenüber Kontrollen [s76], Veränderungen des Spermien-Proteoms [s137, s150], des Methyloms [s77] und kleiner nichtkodierender RNA [s79]. Diese Arbeiten haben meist kleine oder im Abstract nicht genannte Fallzahlen, und die Befunde zur DNA-Fragmentierung sind nicht einheitlich: Sie ist erhöht in mehreren Studien, war aber bei Hodentumor und Hodgkin-Lymphom in einer anderen Kohorte nicht von Kontrollen verschieden [s245] und nach Ausschluss bereits chemotherapeutisch behandelter Männer nicht mehr signifikant [s84].

**Hinweise aus Tierversuchen und Biopsien.** Nur zwei Tierstudien betrachten die Wirkung einer Tumorerkrankung selbst. In einem Mausmodell der akuten myeloischen Leukämie verschlechterten sich Spermienkonzentration und Beweglichkeit, die Morphologie wurde auffälliger, die spontane Akrosomreaktion nahm zu, und Fertilität und Nachkommenzahl sanken, schon durch die Erkrankung allein [s148]. Bei pubertierenden Ratten mit Walker-256-Tumor veränderten sich die Hodenmorphologie und die Zellzahlen von Sertoli- und Leydig-Zellen; das Modell ist ein Kachexiemodell, und eine Samenanalyse wurde nicht berichtet [s121]. Bei Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie fanden japanische Autoren in Hodenbiopsien am Therapieende in allen 14 Biopsien Gewebeschäden, wobei die Infiltration mit Leukämiezellen der wichtigste Faktor gewesen sei; das Bild bildet allerdings Erkrankung und Therapie zusammen ab [s285].

**Die umgekehrte Richtung.** Eine Gruppe von Studien fragt, ob eine verminderte Fertilität dem Krebs vorausgeht. Eine Metaanalyse von acht Kohorten fand für Männer mit Infertilitätsdiagnose eine gepoolte Odds Ratio von 1,43 (95-%-KI 1,25 bis 1,64) für alle Krebsarten und 1,91 (1,52 bis 2,42) für Hodentumor [s111]; eine Kohorte aus Utah mit 20.433 Männern mit Samenanalyse fand eine Hazard Ratio von 3,3 für Hodentumor [s193]; eine Fall-Kontroll-Studie fand dagegen nur für die Kinderzahl und die Geschwisterzahl, nicht für ärztlich diagnostizierte Infertilität, einen Zusammenhang [s192]. Diese Arbeiten beantworten die Frage nach der Samenqualität nach der Diagnose nicht, sind aber wichtig, weil eine schon vor dem Tumor bestehende Hodenfunktionsstörung die Befunde bei Hodentumorpatienten teilweise erklären könnte.

### Definitionen und Messgrößen

Die Studien der Quellenbasis arbeiten mit einem gemeinsamen Satz von Messgrößen, wenden sie aber nicht einheitlich an. Das Standardspermiogramm erfasst das Ejakulatvolumen, die Spermienkonzentration (Millionen pro Milliliter), die Gesamtspermienzahl pro Ejakulat, die Beweglichkeit (gesamt und progressiv, also vorwärts gerichtet), die Vitalität (Anteil lebender Spermien) und die Morphologie (Anteil normal geformter Spermien). Eine für Krebspatienten häufig verwendete Kombination ist die Gesamtzahl beweglicher Spermien (total motile count, TMC) vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen [s222]. Auch die Streuung zwischen Proben desselben Mannes spielt eine Rolle. In einer koreanischen Studie mit bis zu fünf aufeinanderfolgenden Ejakulaten bei 86 Krebspatienten lagen die Intraklassen-Korrelationskoeffizienten für das Volumen bei 0,76 (95-%-KI 0,52 bis 0,89), für die Gesamtzahl beweglicher Spermien bei 0,71 (0,30 bis 0,89) und für die Bahnschwankung der Spermien („Wobble“) nur bei 0,14 (−0,13 bis 0,51) [s208]; in einer Folgestudie mit 81 Patienten und drei Tagen lag der Wert für die DNA-Fragmentierung bei 0,68 (0,45 bis 0,84) und für das Volumen bei 0,67 (0,45 bis 0,84) [s95]. Die Autoren folgern, dass wiederholte Ejakulate keine wesentliche Variation der Samenqualität zeigen; die Intervalle sind wegen der kleinen Zahlen weit.

**Begriffe nach Befundmuster.** In den Studien kommen folgende Bezeichnungen vor: Normozoospermie (Parameter im Referenzbereich), Oligozoospermie (zu geringe Konzentration oder Gesamtzahl), Asthenozoospermie (zu geringe Beweglichkeit), Teratozoospermie (zu wenige normal geformte Spermien), Oligoasthenoteratozoospermie als Kombination, Kryptozoospermie (Spermien nur im Zentrifugat) und Azoospermie (keine Spermien im Ejakulat). Von der Azoospermie unterscheidet die Literatur obstruktive und nicht obstruktive Formen; die nicht obstruktive Azoospermie ist hier die relevante, weil sie auf einer gestörten Spermienbildung beruht. Mehrere Studien wählen eigene Grenzen, und genau das macht Vergleiche schwierig. Einige Beispiele: Oligozoospermie als weniger als 20 Mio. Spermien pro Milliliter [s275]; niedrige Konzentration als weniger als 15 Mio. pro Milliliter [s49]; „gute“ Qualität als Konzentration von mindestens 20 Mio. pro Milliliter bei mindestens 50 % Beweglichkeit [s251]; schwere Oligozoospermie als weniger als 5 Mio. pro Milliliter [s98]; Gesamtspermienzahl von weniger als 40 Mio. pro Ejakulat als verminderte Qualität [s271]; eine Konzentration von mindestens 15 Mio. pro Milliliter als Auswertungsschwelle [s87]; Spermien-DNA-Fragmentierung als „schwer“ oberhalb der 95. Perzentile der Kontrollen, hier 50 % [s51]. Die Teilrecherche der Gruppe a weist darauf hin, dass die Studien zudem verschiedene Auflagen der WHO-Referenzwerte (1992, 1999, 2010 und 2021) verwenden. Prozentangaben zur „Normozoospermie“ sind deshalb zwischen Studien nicht ohne Weiteres vergleichbar; dies ist der Hauptgrund für die große Spannweite beim Hodgkin-Lymphom (14 % bis 75 %).

**Erweiterte Untersuchungen.** Neben dem Spermiogramm kommen Tests der Spermien-DNA-Integrität zum Einsatz. Die Quellen nennen die TUNEL-Methode mit Durchflusszytometrie an frischen Proben [s51], den Halosperm-Test [s95], den DNA-Fragmentierungsindex (DFI) [s245, s250, s84] und Färbungen der Chromatinverdichtung wie CMA3 [s255]. Die computergestützte Spermienanalyse (CASA) erfasst Bewegungsmerkmale feiner als die Routineanalyse [s286]. Solche Verfahren sind in dieser Quellenbasis fast durchweg an kleinen Gruppen angewandt.

**Begriffe der Kryokonservierung.** Die Quellen messen den Erfolg des Einfrierens an mehreren Größen, die nicht austauschbar sind. Misserfolg des Einfrierens bedeutet, dass keine einfrierbare Probe entstand (gepoolt 10 % [s58]). Die Wiederfindungsrate gibt an, welcher Anteil beweglicher Spermien nach dem Auftauen erhalten ist; bei Proben mit weniger als 2 Mio. Spermien pro Milliliter ging sie in einer Florentiner Auswertung gegen null [s81]. Die Nutzungsrate ist der Anteil der Patienten, die ihre Probe später einsetzen; ihr Nenner (alle Überwiesenen, alle Einlagerer, nur Kinderwunschpatienten) und die Nachbeobachtungsdauer unterscheiden sich stark. Die Vernichtungsrate bezeichnet den Anteil verworfener Proben. Als Verfahren nach dem Auftauen werden die intrauterine Insemination (IUI), die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) unterschieden. Bei Azoospermie oder schwerer Oligozoospermie kommt die Gewinnung von Spermien aus dem Hodengewebe in Betracht: die testikuläre Spermienextraktion (TESE), in mikrochirurgischer Form (mTESE) und, wenn sie vor der Behandlung am Tumorhoden oder zeitgleich mit der Orchiektomie erfolgt, als Onko-TESE [s235, s221, s57]. Für die Beschreibung der Gonadotoxizität einer Chemotherapie wird die Cyclophosphamid-Äquivalentdosis (CED) benutzt; in zwei taiwanischen Auswertungen hatte kein Mann mit einer CED über 4.000 mg/m² lebensfähige Spermien im Hoden [s86, s55]. Dies betrifft allerdings die Zeit nach der Behandlung und ist nur als Kontext für die Frage nach dem Wert der Einlagerung vor der Behandlung relevant.

### Die WHO-Referenzwerte 2021

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht seit 1980 ein Handbuch zur Untersuchung und Aufbereitung menschlichen Ejakulats; nach Boitrelle et al. (Life 2021, PMID 34947899) erschien das erste Handbuch 1980, auf das fünf weitere Auflagen folgten, die sechste im Juli 2021. Die sechste Auflage kann frei von der Webseite der WHO heruntergeladen werden (Wang et al., Fertility and Sterility 2022, PMID 34996596). Die Referenzwerte der fünften (2010) und sechsten Auflage (2021) sind untere fünfte Perzentilen von Männern, deren Partnerinnen innerhalb von zwölf Monaten ohne Verhütung auf natürlichem Weg schwanger wurden. Die folgende Tabelle gibt die Werte nach Tabelle 2 bei Boitrelle et al. wieder, mit dem 95-%-Konfidenzintervall in Klammern.

| Messgröße | WHO 2010 (5. Auflage) | WHO 2021 (6. Auflage) |
|---|---|---|
| Ejakulatvolumen (ml) | 1,5 (1,4 bis 1,7) | 1,4 (1,3 bis 1,5) |
| Gesamtspermienzahl (Mio. pro Ejakulat) | 39 (33 bis 46) | 39 (35 bis 40) |
| Gesamtbeweglichkeit (%) | 40 (38 bis 42) | 42 (40 bis 43) |
| Progressivbeweglichkeit (%) | 32 (31 bis 34) | 30 (29 bis 31) |
| Vitalität (%) | 58 (55 bis 63) | 54 (50 bis 56) |
| Normalformen (%) | 4 (3 bis 4) | 4 (3,9 bis 4) |

Die Konzentration fehlt in dieser Tabelle. Campbell et al. (Andrology 2021, PMID 33528873), die Datenanalyse für die Neufassung, die mehr als 3.500 Männer aus zwölf Ländern und fünf Kontinenten umfasste, nennen als fünfte Perzentile für die Konzentration 16 Mio. pro Milliliter, für die Progressivbeweglichkeit 30 % (Gesamtbeweglichkeit 42 %) und für die Normalformen 4 %. Für den Wert 2010 wurde in dieser Studie keine eigene Angabe abgerufen.

Drei Einschränkungen sind für die Deutung der Befunde dieser Studie wichtig. Erstens betonen Campbell et al. selbst, die Werte stellten keine klaren Grenzen zwischen fruchtbaren und subfertilen Männern dar; Boitrelle et al. berichten, die sechste Auflage stelle ausdrücklich klar, dass die fünfte Perzentile nur ein Weg sei, Befunde einzuordnen, und für sich allein nicht ausreiche, um männliche Infertilität zu diagnostizieren. Zweitens hat die sechste Auflage nach Boitrelle et al. die Begriffe Normozoospermie, Asthenozoospermie, Nekrozoospermie und Teratozoospermie im gesamten Handbuch nicht mehr verwendet und den Gedanken fester Referenzgrenzen zugunsten von „Entscheidungsgrenzen“ verlassen, ohne solche Grenzen für Basisparameter oder erweiterte Parameter vorzuschlagen. Damit hat die Literatur der Quellenbasis, die fast ausschließlich in den Kategorien von 2010 oder früher denkt, keinen gleichwertigen neuen Maßstab; eine Studie von 2025 ordnet Krebspatienten ausdrücklich nach den Perzentilen von 2021 ein und fand die Parameter der Patienten bei der 25. Perzentile und die Beweglichkeit unter der 5. [s24]. Drittens betonen Shrem et al., die Mediane vieler Krebspatienten lägen noch im Normbereich der WHO, die fünfte Perzentile entspreche aber Männern mit verlängerter Zeit bis zur Schwangerschaft [s102]. Ein Medianwert im Referenzbereich schließt also eine Beeinträchtigung eines Teils der Patienten nicht aus.

### Störgrößen: Warum „vor der Behandlung“ schwer zu messen ist

Die Frage, wie gut die Spermienqualität vor der Behandlung ist, wird in der Quellenbasis nur selten sauber beantwortet. Fünf Störgrößen kehren in den Studien wieder.

**Zeitpunkt der Probe zur Behandlung.** In Samenbankserien stammen nicht alle Proben aus der Zeit vor der Therapie. In Berlin entstanden 23 % der Proben nach Behandlungsbeginn [s53]; in Seoul froren 15,4 % während oder nach der Behandlung ein [s152]; in Yokohama waren 23 von 36 gescheiterten Versuchen erst nach Behandlungsbeginn überwiesen worden, und die Spermiendichte war bei bereits Behandelten signifikant niedriger (p = 0,003) [s155]. In einer japanischen Kohorte konnten Männer ohne Chemotherapie zu 96,1 % Sperma einfrieren, nach Chemotherapie nur zu 45,3 % [s273].

**Zeitpunkt zur Orchiektomie.** Bei Hodentumoren werden Proben vor und nach der Entfernung des Tumorhodens gewonnen. Die französische CECOS-Serie fand, dass Konzentration und Gesamtzahl vor der Orchiektomie bei Seminomen niedriger waren als bei Nicht-Seminomen, während nach der Orchiektomie die Parameter bei Nicht-Seminomen abnahmen [s235]; Höppner et al. fanden bei 19 Patienten keinen offensichtlichen Unterschied vor und nach der Orchiektomie [s300]; Buonacquisto et al. fanden nach der Orchiektomie weniger Spermien, aber weniger DNA-Fragmentierung [s04]. Deshalb sind Studien, die alle Proben nach der Operation untersuchen, mit denen vor der Operation nur eingeschränkt vergleichbar.

**Fieber und akute Erkrankung.** Siehe oben [s301]; fast keine Samenbankstudie dokumentiert Fieber zum Zeitpunkt der Probe.

**Auswahl.** Es sind nur Männer erfasst, die eine Probe abgeben konnten und wollten. In einer südchinesischen Auswertung kam die Einlagerung bei 160 von 1.194 Männern gar nicht zustande, davon lehnten 127 die Kryokonservierung azoospermer oder extrem schlechter Proben nach Aufklärung ab [s87]. In einer Moskauer Hodgkin-Kohorte lagen Spermiogramme vor der Therapie nur für 21 von 63 Männern vor [s225].

**Vergleichsgruppen.** Gesunde Parallelkontrollen sind selten. Die Studien vergleichen mit fertilen Spendern [s93, s189, s190], mit Männern einer Fertilitätsabklärung oder Kinderwunschklinik [s102, s84, s24], mit Partnern Schwangerer [s189] oder mit Referenzdatensätzen [s102]. Spender sind eine besonders fertile Gruppe; das kann Unterschiede vergrößern, ohne dass die Abstracts dies ausdrücklich sagen.

### Krebsarten im Blick

Die Studie betrachtet die in der Fragestellung genannten Krebsarten. Nach den Autoren einer türkischen Übersicht ist Hodenkrebs bei Männern zwischen 15 und 44 Jahren die häufigste solide Krebserkrankung [s09]. Für Frankreich schätzt eine nationale Studie auf Basis von Daten von 2018 für Männer von 15 bis 49 Jahren 2.630 Hodentumoren und 3.913 Lymphome (943 Hodgkin-Lymphome, 2.970 Non-Hodgkin-Lymphome) und nennt geschätzte Einlagerungsraten von 41 % bei Hodentumor, 40 % bei Hodgkin-Lymphom und 7 % bei Non-Hodgkin-Lymphom [s83]; ein Kongressabstract derselben Arbeitsgruppe nennt für ein anderes Altersfenster 41 % bei Hodentumor und 28 % bei Lymphomen insgesamt [s91]. Diese Schätzungen zeigen, dass die Inanspruchnahme je nach Krebsart weit auseinanderliegt. Leukämien, Lymphome und Hodentumoren machen in vielen Samenbankserien der Quellenbasis den größten Teil der Patienten aus [s47, s116, s152, s159]; Sarkome, Hirntumoren, Magen-Darm-Tumoren, Kopf-Hals-Tumoren und Nasopharynxkarzinome treten als kleinere Gruppen auf, das Nasopharynxkarzinom in chinesischen Serien als eigene größere Gruppe [s60, s87, s93, s29].

### Geschichte der Forschungsfrage

Die Frage, ob Männer vor einer Krebsbehandlung Sperma einlagern sollten und wie gut dessen Qualität ist, hat sich in vier Phasen entwickelt, wie sich an den Quellen ablesen lässt.

**Erste Phase, 1980er-Jahre: Hodgkin-Krankheit und die ersten Samenbanken.** Ältere Quellen im Bestand stammen aus Frankreich und Deutschland. Aus dem französischen CECOS-Netz berichten Ozyglik et al. 1982 über 511 Kandidaten: Eine zufriedenstellende Konservierung war bei 40 % der Patienten mit Hodgkin-Krankheit und bei 15 % der Patienten mit Hodenkarzinom möglich, bei 9 % wurde der Samen zur Insemination genutzt, 95 % wünschten die Fortführung der Lagerung [s303]. 1985 beschrieben Ragni et al. bei 35 unbehandelten Hodgkin-Patienten 65 % Asthenozoospermie, 46 % Teratozoospermie und 28 % Oligozoospermie [s302]. 1986 zeigten Marmor et al., dass die Auffälligkeiten bei etwa einem Drittel von 57 Patienten wahrscheinlich auf Fieber zurückgehen [s301]. Köhn und Schill berichteten 1988 über die Münchner Samenbank seit 1974 [s299]. Höppner et al. fanden 1986 bei Hodentumorpatienten, dass 17 von 29 (58,6 %) die damaligen Annahmekriterien (mehr als 10 Mio. pro Milliliter und mehr als 30 % Beweglichkeit) für das Einfrieren erfüllten [s300].

**Zweite Phase, 1989 bis 1998: Skepsis vor der ICSI und erste ICSI-Berichte.** Fosså et al. stellten 1989 fest, dass die Fertilität nach der Behandlung bei Patienten mit und ohne Kryokonservierung in gleichem Maß zu beobachten war, und zweifelten an der klinischen Bedeutung der routinemäßigen Einlagerung bei Hodentumor [s296]. Deutsche Erfahrungsberichte der Jahre 1988 bis 1992 beschrieben Vernichtungen nach wenigen Jahren und eine niedrige Wiedergewinnung [s292, s299, s295, s294, s297]; Kolodziej et al. meldeten 1990 bei Hodentumorpatienten eine mittlere Konzentration beweglicher Spermien von 2,1 Mio. pro Milliliter und sahen in den meisten Fällen keine Schwangerschaftschance [s295]. Sanger et al. fassten 1992 in einer Übersicht mit Umfrage in neun Samenbanken 117 dokumentierte Schwangerschaften und 115 Lebendgeburten zusammen, mit Empfängnissen nach IVF bei weniger als 1 Mio. beweglichen Spermien, und titelten, die Kriterien änderten sich [s293]. 1996 berichteten Chen et al. eine Schwangerschaft nach ICSI mit zuvor eingefrorenem Sperma eines Mannes mit Seminom, bei dem drei intrauterine Inseminationen erfolglos geblieben waren [s284]. Damit geriet die Annahmeschwelle der 1980er-Jahre in Frage (mehr als 10 Mio. pro Milliliter und mehr als 30 % Beweglichkeit [s300, s297]). Hallak et al. berichteten 1998 in einer Fallserie von 10 Paaren eine Schwangerschaftsrate von 50 % pro Paar mit aufgetautem Sperma [s281] und hielten 1999 in einem Fall-Kontroll-Vergleich bei Leukämie die Menge nach dem Auftauen für ICSI ausreichend [s280]. Die späteren großen Serien beschreiben, dass für die Mehrzahl der Patienten ICSI nötig wäre, weil bei fast der Hälfte der Proben von Hodentumor- oder Leukämiepatienten die Zahl beweglicher Spermien je Pailette unter 0,5 Mio. lag [s189].

**Dritte Phase, 2000 bis 2015: große Serien, DNA-Qualität, Kinder.** Seit der Jahrtausendwende erscheinen große Auswertungen: Fitoussi et al. 2000 mit 94 Hodgkin-Patienten [s278], Blackhall et al. 2002 mit 122 [s275], Gandini et al. 2003 mit 342 [s271], Agarwal und Allamaneni 2005 mit dem Überblick über mögliche Mechanismen [s264], Sieniawski et al. 2008 für die German Hodgkin Study Group [s256], Ståhl et al. und van der Kaaij et al. 2009 [s250, s251]. Die Gruppe um O'Flaherty zeigte 2008 bis 2012 erhöhte DNA-Schäden vor der Chemotherapie bei Hodentumor und Hodgkin-Lymphom [s255, s243, s234]. Große Samenbankberichte aus Asien, Frankreich und den USA folgten [s244, s227, s229, s235]. Eine systematische Übersicht fand 2014 in allen sechs Studien Samenauffälligkeiten vor der Orchiektomie [s206]. Daudin et al. werteten 2015 bei 4.345 Jungen und jungen Männern von 11 bis 20 Jahren die französischen Daten über 34 Jahre aus [s199]; Jugendliche werden in eigenen Serien untersucht [s274, s230, s176, s199].

**Vierte Phase, 2016 bis 2026: Metaanalysen, Leitlinien, Strukturen und molekulare Befunde.** Ferrari et al. fassten 2016 30 Studien mit 11.798 Patienten zusammen (Nutzungsrate 8 %) [s191]; Li et al. legten 2024 eine Metaanalyse über 69 Studien mit 32.234 Patienten vor [s58]. Auger et al. veröffentlichten 2016 die größte Einzelserie der Quellenbasis mit 4.480 Patienten und Kontrollgruppen [s189]. In derselben Zeit erschienen Leitlinien: die japanische der JSCO 2017 [s94, s105], die deutsche S2k-Leitlinie von 2018 [s162] mit Fassung 2025 [s15], die französische von 2021 [s99], die spanische von 2022 [s101], der italienische Konsensus für Lymphome 2023 [s82] und das ASCO-Update 2025 [s37]. Molekulare Arbeiten (Proteom, Methylom, kleine RNA) erscheinen in der Quellenbasis ab 2019 [s150, s137, s77, s79]; 2023 bis 2026 kamen Arbeiten zu oxidativem Stress [s76], zur Samenqualität in Bezug auf die Orchiektomie [s04, s13] und zu Fehlgeburten nach ICSI mit Sperma von Hodentumorpatienten hinzu [s10].

**Strukturelle Entwicklungen.** Neben der Wissenschaft ändern sich die Rahmenbedingungen und mit ihnen, wer überhaupt eine Probe abgibt. Das französische Bioethikgesetz soll seit 2011 den kostenfreien Zugang zum Fertilitätserhalt empfehlen und garantieren (so ein Kongressabstract) [s91]. In Deutschland hat die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung nach Angabe der Berliner Gruppe die Inanspruchnahme in ihrem Zentrum erhöht [s80]. In Japan besteht seit April 2021 ein landesweites Förderprogramm, das als Forschungsförderung zum Aufbau von Evidenz positioniert ist [s65]. In Russland gilt seit dem 1. Januar 2021 ein Erlass des Gesundheitsministeriums, der nach Angabe von Mamizhev et al. die Kryokonservierung biologischen Materials für onkologische Patienten vor Chemo- und Strahlentherapie vorsieht [s89]. In der Türkei übernimmt die nationale Krankenversicherung nach Yildirim et al. Verfahren und Lagerung bei Jugendlichen; nach der Einführung lehnte keiner der 17 Patienten ab [s66]. Hongkong wertet ein öffentliches Programm ab 2020 aus [s46]. Solche Rahmenbedingungen erklären einen Teil der Unterschiede in den Nutzungs- und Erfolgsraten zwischen den Sprachräumen.

**Offene Fragen.** Aus dieser Geschichte bleiben vier Fragen, die der Rest der Gesamtstudie nach Krebsart und Sprachraum aufschlüsselt: das Ausmaß der Beeinträchtigung vor der Behandlung gegenüber gesunden Männern, die Rolle des Zeitpunkts der Probe (vor oder nach Orchiektomie, vor oder nach Therapiebeginn), der Beitrag von Fieber und Allgemeinsymptomen und schließlich der tatsächliche Nutzen der Einlagerung gemessen an Geburten, wenn man die niedrige Nutzungsrate berücksichtigt. Die Antworten der folgenden Kapitel sind auf den Abstract-Ebenen der Quellenbasis begrenzt.

# Kapitel 02: Krebserkrankungen vor der Behandlung und die Spermienqualität

**Abgrenzung dieses Kapitels.** Dieses Kapitel fragt, wie es um die Spermienqualität von Männern mit Leukämie, Hodgkin-Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphom, Hodentumoren und anderen Krebserkrankungen steht, bevor eine gonadotoxische Behandlung begonnen hat, und was Samenbankdaten darüber verraten. Behandelt werden Metaanalysen, systematische und erzählende Übersichten sowie Beobachtungsstudien (Kohorten, Fall-Kontroll-Studien, Querschnittsstudien, Fallserien). Bewusst nicht in diesem Kapitel stehen Leitlinien und Konsensusdokumente, Befragungen von Ärztinnen und Ärzten, qualitative und bibliometrische Arbeiten sowie Tierversuche zu Schutzstoffen; sie gehören thematisch in andere Kapitel der Gesamtstudie. Patientenbefragungen erscheinen nur dort, wo sie die Selektion der Samenbankkohorten belegen. Die Kryokonservierung selbst (Auftauqualität, Nutzungsraten, Schwangerschaftsraten) kommt hier nur vor, soweit die Studien daran die Ausgangsqualität messen oder die Aussage der Studie ohne sie nicht verständlich wäre. Das Kapitel enthält keine Therapieempfehlung; wo Autoren Empfehlungen aussprechen, wird dies als deren Aussage kenntlich gemacht.

**Wie die Zahlen zu lesen sind.** Alle Zahlen stammen aus den in der Quellenliste geführten Arbeiten. Für die große Mehrheit lag nur der Abstract vor; wo der Abstract eine Angabe nicht enthält (Konfidenzintervall, Fallzahl einer Untergruppe, Maß der Heterogenität), wird sie nicht ergänzt, sondern ausdrücklich als fehlend benannt. Mehrere Kernstudien wurden für dieses Kapitel am Original-Abstract in PubMed gegengeprüft. Prozentwerte für die „Normozoospermie“ sind zwischen Studien nur eingeschränkt vergleichbar, weil die Arbeiten verschiedene Auflagen der WHO-Referenzwerte (1992, 1999, 2010, 2021), verschiedene Kontrollgruppen (fertile Spender, Partner Schwangerer, Männer mit abgeklärter Unfruchtbarkeit, Männer vor Vasektomie, Kinderwunschpaare mit weiblichem Faktor), verschiedene Messzeitpunkte (vor oder nach der Orchiektomie, mit oder ohne Fieber, Zahl und Abstand der Proben) und verschiedene Selektionsmechanismen nutzen. Wo Zahlen in einem Abstract in sich widersprüchlich sind, werden sie wortgetreu wiedergegeben und der Widerspruch benannt, nicht aufgelöst. Originaltitel stehen im Original; bei nicht englischen und nicht deutschen Titeln folgt die deutsche Übersetzung in Klammern, soweit die Quellenliste sie führt. Zitiert wird ausschließlich mit den Kennungen der Master-Quellenliste, zum Beispiel [s189] oder [s189, s93].

## Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

Die Literatur zur Spermienqualität vor der Krebsbehandlung ist überwiegend beschreibend. Quantitativ zusammenfassende Arbeiten sind selten, und unter den in der Quellenliste geführten Arbeiten poolt keine einzige Metaanalyse die Spermienparameter von Krebspatienten im Vergleich zu Gesunden. Die größte Metaanalyse im Themenfeld (Li 2024) poolt Raten der Kryokonservierung, nicht die Spermienqualität, und sagt das selbst. Ob die Samenqualität schon vor der Therapie vermindert ist, muss deshalb aus Einzelstudien erschlossen werden; die Übersichten helfen vor allem bei der Einordnung der Studienlage und ihrer Verzerrungen.

### Systematische Übersichten und Metaanalysen

**Li et al. 2024 [s58].** Titel: *Fertility preservation in adult male patients with cancer: a systematic review and meta-analysis.* (Human reproduction open, 2024, PMID 38389980). Land: China (Nanchang und Changsha). Design: systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse, registriert bei PROSPERO (CRD42022314460). Suche bis zum 31. Dezember 2021 in CENTRAL, CNKI, Cochrane Systematic Reviews, EMBASE, MEDLINE, PubMed und Web of Science. Population: erwachsene männliche Krebspatienten, die vor oder während der Krebsbehandlung eine Spermienkryokonservierung angeboten bekamen oder versuchten; ausgeschlossen waren Kinder und Jugendliche, Studien ohne Angabe der Nutzung eingelagerter Proben, Studien mit experimentellen Verfahren (Hodengewebe, spermatogoniale Stammzellen), Dubletten, Abstracts, Fallberichte, Kommentare und Übersichten. Die Studienqualität wurde mit der Newcastle-Ottawa-Skala und dem Methodological Index for Non-Randomized Studies bewertet. Eingeschlossen wurden 69 nicht randomisierte Studien mit 32.234 zur Spermaanalyse überwiesenen Patienten, von denen 23.178 mindestens eine Probe einlagerten. Gepoolte Ergebnisse (jeweils mit 95-%-Konfidenzintervall): Rate gescheiterter Kryokonservierung 10 % (8 bis 12 %), Verwerfungsrate 23 % (16 bis 30 %), Nutzungsrate 9 % (8 bis 10 %), Schwangerschaftsrate 28 % (22 bis 33 %), Fehlgeburtsrate 13 % (10 bis 17 %), Geburtenrate 20 % (15 bis 25 %). Die klinische Schwangerschaftsrate pro Zyklus betrug bei ICSI 34 % (27 bis 41 %), bei IVF 24 % (14 bis 35 %) und bei intrauteriner Insemination 9 % (5 bis 15 %); die Geburtenrate pro Zyklus 23 % (17 bis 30 %), 18 % (11 bis 26 %) beziehungsweise 5 % (1 bis 9 %). Untergruppenanalysen zeigten in neueren Studien höhere Schwangerschafts- und Geburtenraten sowie weniger Misserfolge als in Studien von vor einem Jahrzehnt; Studien aus Asien berichteten höhere Verwerfungs- und Schwangerschaftsraten als Studien anderer Kontinente. Heterogenität: Der Abstract beziffert sie nicht (kein I² genannt), die Untergruppenanalysen deuten aber auf deutliche Unterschiede nach Zeitraum und Region hin. Stärken: sieben Datenbanken einschließlich der chinesischen CNKI, formale Qualitätsbewertung, Registrierung. Schwächen (von den Autoren genannt): Datenspanne von 36 Jahren mit mehrfach geänderten WHO-Standards, kleine Studien und fehlende Kontrollgruppen in älteren Arbeiten, keine Berücksichtigung des Schweregrads der Erkrankung, Verwendung von Studienmittelwerten statt Patientendaten, und vor allem keine Analyse des Zusammenhangs zwischen Krebsart und Samenqualität. Einordnung: Für die Frage dieses Kapitels liefert die Metaanalyse den Rahmen, nicht die Antwort. Die Autoren kritisieren selbst, dass die meisten eingeschlossenen Studien nicht zwischen Tumorarten unterschieden, sondern verallgemeinerten, und fordern Studien nach Krebsart und Schweregrad. Die gepoolte Nutzungsrate von 9 % könnte nach Aussage der Autoren die tatsächliche Nutzung unterschätzen, weil die Nachbeobachtung kurz ist.

**Ferrari et al. 2016 [s191].** Titel: *Sperm cryopreservation and reproductive outcome in male cancer patients: a systematic review.* (Reproductive biomedicine online, 2016, PMID 27156003). Land: Italien (Mailand). Design: systematische Übersichtsarbeit mit aggregierten Raten, ohne eigene Heterogenitätsstatistik im Abstract. Population: 30 Studien mit zusammen 11.798 männlichen Krebspatienten in Samenbankprogrammen. Ergebnisse: Die gepoolte Nutzungsrate kryokonservierten Samens betrug 8 % (95-%-Konfidenzintervall 8 bis 9 %). Zwischen der mittleren beziehungsweise medianen Nachbeobachtungsdauer und der Nutzungsrate zeigte sich eine statistisch signifikante Korrelation (R² = 0,46; p = 0,03). Der Anteil der Patienten, die ihre Probe verwarfen, wurde in 11 Studien berichtet und lag gepoolt bei 16 % (15 bis 17 %). Der Anteil der Nutzer, die Eltern wurden, wurde in 19 Arbeiten berichtet und betrug gepoolt 49 % (44 bis 53 %). Die Autoren halten die Rate der Vaterschaften durch Tiefkühlsamen für niedrig und stellen die ökonomische Effektivität von Samenbankprogrammen zur Diskussion; zugleich werten sie den niedrigen Anteil verworfener Proben und die Korrelation mit der Nachbeobachtungsdauer als Hinweis darauf, dass die 8 % die kumulative Nutzung unterschätzen. Stärken: Aggregation mit Konfidenzintervallen. Schwächen: Heterogenität der Einzelstudien (Nachbeobachtung, Bezugsgrößen, Zeiträume), im Abstract keine Aussage zur Ausgangsqualität der Samenproben. Einordnung: Die Arbeit zeigt, dass die Nutzungsrate vom Beobachtungszeitraum abhängt; sie sagt nichts darüber, wie gut die Samenqualität vor der Therapie war.

**Behboudi-Gandevani et al. 2021 [s111].** Titel: *A Systematic Review and Meta-Analysis of Male Infertility and the Subsequent Risk of Cancer.* (Frontiers in oncology, 2021, PMID 34722244). Land: Norwegen und Iran (Autorenschaft). Design: systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse; dieses Design betrachtet die umgekehrte Richtung, nämlich ob Unfruchtbarkeit einer späteren Krebserkrankung vorausgeht. Die Arbeit ist für das Kapitel wichtig, weil eine bereits vor dem Tumor bestehende Hodenfunktionsstörung die niedrigen Spermienwerte bei Hodentumorpatienten teilweise erklären könnte. Suche in PubMed (einschließlich Medline), Scopus und Web of Science nach englischsprachigen Beobachtungsstudien vom 1. Januar 1990 bis zum 28. Februar 2021. Eingeschlossen wurden acht Kohortenstudien mit 168.327 Männern mit der Diagnose Unfruchtbarkeit und 2.252.806 Männern ohne. Methodik: Fixed- oder Random-Effects-Modelle je nach Heterogenität, gepoolte Odds Ratios nach DerSimonian und Laird beziehungsweise nach der Methode der inversen Varianz; Publikationsbias wurde mit Harbord-, Egger- und Begg-Test und Trichterdiagramm geprüft, die Studienqualität mit standardisierten Instrumenten. Ergebnisse: Die Gesamtzahl der Krebsfälle betrug 1.551 bei infertilen und 12.164 bei fertilen Männern; für Prostatakrebs 324 und 3.875, für Hodenkrebs 183 und 849, für Melanom 121 und 450. Das gepoolte Odds Ratio für alle Krebsarten betrug 1,43 (95-%-Konfidenzintervall 1,25 bis 1,64), für Hodentumor 1,91 (1,52 bis 2,42), für Prostatakrebs 1,48 (1,05 bis 2,08) und für Melanom 1,31 (1,06 bis 1,62). Heterogenität: Der Abstract nennt keine I²-Werte, erwähnt aber die Wahl zwischen Fixed- und Random-Effects-Modellen je nach Heterogenität. Stärken: sehr große Zahl von Männern, mehrere Tests auf Publikationsbias. Schwächen: nur englischsprachige Beobachtungsstudien, nur acht Kohorten, die Definition der Unfruchtbarkeit unterscheidet sich zwischen den Studien (im Abstract nicht näher beschrieben); die Autoren fordern prospektive Studien. Einordnung: Das erhöhte Odds Ratio von 1,91 für Hodentumor passt zur Vorstellung, dass ein Teil der niedrigen Spermienwerte vor der Behandlung schon vor dem Tumor angelegt war; Kausalität lässt sich aus der Metaanalyse nicht ableiten.

**Djaladat et al. 2014 [s206].** Titel: *The Association Between Testis Cancer and Semen Abnormalities Before Orchiectomy: A Systematic Review.* (Journal of adolescent and young adult oncology, 2014, PMID 25538860). Land: USA (University of Southern California, Los Angeles). Design: systematische Übersichtsarbeit nach Qualitäts- und Verzerrungsbewertung, ohne Metaanalyse. Fragestellung: Besteht schon vor der Orchiektomie, also ohne Einfluss von Operation, Strahlen- oder Chemotherapie, ein Zusammenhang zwischen Hodenkeimzelltumor und Samenauffälligkeiten? Methodik: MeSH-Suche in vier Datenbanken (PubMed, Cochrane Reviews, Web of Science, Ovid) mit 701 potenziell relevanten Zitaten, dreistufiges Screening, sechs eingeschlossene Arbeiten. Ergebnis: Alle sechs Studien zeigten Samenauffälligkeiten (Zahl, Beweglichkeit, Morphologie) bei Männern mit Hodenkeimzelltumor vor der Orchiektomie. Die Autoren schließen, dass der Hodenkeimzelltumor mit Samenauffälligkeiten schon vor der Orchiektomie verbunden sei. Stärken: Eingeschlossen wurden nur Studien mit Spermiogrammen vor der Orchiektomie, sodass Behandlungseffekte weitgehend ausgeschlossen sind; formale Bewertung von Verzerrung. Schwächen: nur sechs Studien; der Abstract nennt weder gepoolte Effektschätzer noch Konfidenzintervalle noch Heterogenitätsmaße, und auch die Fallzahlen der sechs Arbeiten werden nicht genannt. Einordnung: Das Ergebnis „alle sechs Studien“ ist qualitativ einheitlich, aber quantitativ unbestimmt; es trägt die Aussage, dass die Auffälligkeit bei Hodentumoren nicht allein durch die Behandlung entsteht.

**Shirron et al. 2026 [s19].** Titel: *Oncofertility outcomes in early-onset patients with non-breast solid malignancies: a systematic review.* (EClinicalMedicine, 2026, PMID 42306492). Land: Israel (Haifa) und Italien (Genua). Design: systematische Übersichtsarbeit nach PRISMA, registriert bei PROSPERO (CRD42024557875), mit ergänzenden explorativen Metaanalysen. Population: Erwachsene mit gastrointestinalen Tumoren, Sarkomen, Lungenkrebs und Melanom; schwangerschaftsassoziierte und pädiatrische Studien waren ausgeschlossen. Methodik: Suche in PubMed und Embase bis 1. Juni 2025, 3.337 geprüfte Datensätze, zwei unabhängige Prüfende, Qualitätsbewertung mit dem JBI-Instrument; ein formaler Test auf Publikationsbias erfolgte wegen der geringen Zahl von Studien je Endpunkt nicht. Primäre Endpunkte schlossen Azoospermie und Erholung der Spermatogenese bei der Nachbeobachtung ein. Ergebnisse: 102 Studien wurden eingeschlossen, nämlich 33 fallbasierte Veröffentlichungen (30 Fallberichte, 3 Fallserien) und 69 analytische Studien (64 Beobachtungsstudien, davon 6 prospektiv und 58 retrospektiv, sowie 5 andere analytische Designs). Die Evidenz sei in Design, Behandlungsexposition und Endpunktdefinition stark heterogen gewesen. Beim Melanom behielten die meisten Überlebenden ihre Fruchtbarkeit, mit seltenen Fällen von Orchitis oder Azoospermie unter Checkpoint-Inhibitoren. Sarkomschemata mit Alkylanzien und Platinverbindungen trügen das höchste Risiko eines anhaltenden Gonadenversagens bei beiden Geschlechtern, bei teils möglicher Teilerholung der Spermien. Bei gastrointestinalen Tumoren sei die chemotherapiebedingte Gonadenfunktionsstörung bei jüngeren Patienten oft vorübergehend, die Beckenbestrahlung führe beim Mann zu langfristigem Hypogonadismus. Beim Lungenkrebs seien Beratung und Fertilitätserhalt selten angeboten worden. Heterogenität: Sie wurde mit I² bewertet; die explorativen Metaanalysen waren nach Aussage der Autoren unpräzise und durch erhebliche Heterogenität begrenzt, Zahlenwerte stehen nicht im Abstract. Stärken: breite Suche, zwei Prüfende, offene Benennung der Grenzen. Schwächen: Es handelt sich um Behandlungsfolgen, nicht um Ausgangswerte vor der Therapie; die Arbeit enthält nach dem Abstract keine zusammenfassende Aussage zur prätherapeutischen Spermienqualität dieser Tumorarten. Einordnung: Sie belegt vor allem eine Lücke, denn die Autoren sprechen von einem Mangel an belastbarer Evidenz für Tumoren, die bei jungen Menschen zunehmen.

**Weitere Übersichten, die dem Kapitel zugeordnet, aber hier nicht einzeln dargestellt werden.** Übersichten zu Barrieren des Fertilitätserhalts, zu reproduktiven Sorgen, zu Leitlinien und zu bibliometrischen Fragen messen keine Spermienqualität. Dazu gehören die Scoping-Reviews und systematischen Übersichten von Matua 2026 [s16] und Niu 2026 [s17], die Evidenzzusammenfassung von Fu 2025 [s26], die Leitlinienvergleiche von Bhinder 2026 [s03], die bibliometrischen Arbeiten von Huang 2024 [s54] und Nasrallah 2025 [s32] sowie das Scoping Review zur Hodentoxizität von Imatinib von Ji 2026 [s12]. Sie gehören thematisch zu Versorgung, Leitlinien und Behandlungsfolgen.

### Erzählende Übersichten mit Aussagen zur Ausgangsqualität

**Agarwal und Allamaneni 2005 [s264].** Titel: *Disruption of spermatogenesis by the cancer disease process.* (Journal of the National Cancer Institute. Monographs, 2005, PMID 15784813). Land: USA (Cleveland Clinic Foundation). Design: erzählende Übersicht. Inhalt: Die Autoren fassen zusammen, was über die Ursachen schlechter Samenqualität bei Krebspatienten bekannt ist. Mehrere Faktoren seien wahrscheinlich beteiligt: bereits vorbestehende Keimzelldefekte, systemische Wirkungen der Krebserkrankung sowie endokrine und immunologische Störungen. Der Schwerpunkt liegt auf Hodentumor und Hodgkin-Lymphom. Als einfaches und praktikables Verfahren für alle Krebspatienten mit Wunsch nach Erhalt des Befruchtungspotenzials nennen sie die Kryokonservierung. Stärken: früher Systematisierungsversuch der Mechanismen. Schwächen: Der Abstract nennt weder Suchstrategie noch Zahlen; die Mechanismen sind Hypothesen, die Arbeit stammt von 2005 und kennt die neueren Daten zu DNA-Fragmentierung und Proteom nicht.

**Agarwal 2000 [s276].** Titel: *Semen banking in patients with cancer: 20-year experience.* (International journal of andrology, 2000, PMID 10849486). Land: USA (Cleveland Clinic). Design: Erfahrungsbericht und Übersicht über 20 Jahre Samenbank. Die Autoren halten drei Befunde fest: Erstens war die Samenqualität bei Krebspatienten vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen schlechter als bei gesunden Spendern; zweitens war der prozentuale Rückgang durch die Kryokonservierung ähnlich wie bei gesunden Spendern; drittens hatte das Stadium bei Hodentumor und Hodgkin-Krankheit keinen Bezug zur Samenqualität. Der Abstract nennt keine Zahlen. Stärken: sehr lange Erfahrung eines großen Zentrums. Schwächen: Erfahrungsübersicht ohne Methodendetails und ohne Effektschätzer im Abstract; keine Aussage zu Tumorarten außerhalb von Hodentumor und Hodgkin.

**Xavier et al. 2021 [s127].** Titel: *Semen quality from patients affected by seminomatous and non-seminomatous testicular tumor.* (International braz j urol : official journal of the Brazilian Society of Urology, 2021, PMID 32459453). Land: Brasilien (São Paulo). Design: erzählende Übersicht auf der Grundlage von PubMed mit den Suchbegriffen Seminom, Nicht-Seminom, männliche Unfruchtbarkeit, Keimzelltumor, Chemotherapie und Strahlentherapie; berücksichtigt wurden nur englischsprachige Artikel. Inhalt: Hodenkeimzelltumoren betreffen vor allem Männer zwischen 15 und 40 Jahren und haben eine Heilungsrate von über 95 %. Die Übersicht bündelt Daten zu Spermienparametern vor und nach der Krebstherapie nach histologischem Subtyp. Ergebnis laut Abstract: Beide Subtypen der Keimzelltumoren verschlechterten die Samenqualität (verminderte Konzentration, verminderte Gesamtbeweglichkeit, vermehrte Morphologieveränderungen), die Wirkung des Nicht-Seminoms erscheine jedoch ausgeprägter. Schwächen: nicht systematisch, nur englische Literatur, keine Zahlen im Abstract. Einordnung: Das Ergebnis steht im Gegensatz zu der CECOS-Studie von Rives 2012 [s235], in der Seminome die Spermienproduktion vor der Orchiektomie stärker beeinträchtigten; die Übersicht löst diesen Widerspruch nicht auf.

**Kaltsas et al. 2026 [s13].** Titel: *Before Orchiectomy: Gonadal Function in Testicular Germ Cell Tumors-A Narrative Review.* (Journal of clinical medicine, 2026, PMID 42739861). Land: Griechenland (Athen und Ioannina). Design: erzählende Übersicht zur Gonadenfunktion vor der Orchiektomie bei Hodenkeimzelltumoren. Aussage: Studien vor der Orchiektomie zeigten im Allgemeinen verminderte Spermienkonzentration, verminderte Gesamtzahl und verminderte Progressivmotilität sowie eine gestörte Funktion von Sertoli- und Leydig-Zellen; tumorbedingtes hCG könne eine verminderte Leydig-Reserve maskieren. Als mögliche Beiträge werden testikuläre Dysgenesie, kontralaterale Beeinträchtigung, Keimzellneoplasie in situ, lokale Tumoreffekte sowie oxidative und proteomische Veränderungen genannt, wobei die Evidenz unterschiedlich sei. Schwächen: narrativ, ohne systematische Suche, ohne Zahlenangaben im Abstract.

**Poorvu et al. 2019 [s151].** Titel: *Cancer Treatment-Related Infertility: A Critical Review of the Evidence.* (JNCI cancer spectrum, 2019, PMID 31360893). Design: kritische Übersicht, die Fertilitätsrisiken moderner Krebsbehandlungen bei Kindern und Erwachsenen abschätzt. Der Abstract betont, dass die Fähigkeit, das Fertilitätsrisiko genau zu beurteilen, durch die Heterogenität von Patientenpopulationen, Behandlungen und Endpunktmaßen der Literatur begrenzt sei. Die Arbeit ist behandlungsbezogen und enthält im Abstract keine Zahlen zur Ausgangsqualität.

**Prusak et al. 2025 [s34].** Titel: *Male infertility as a late side effect of oncological treatment of Hodgkin lymphoma in childhood and adolescents and the possible prevention.* (Frontiers in oncology, 2025, PMID 41220951). Land: Polen (Posen). Design: Übersicht zur männlichen Unfruchtbarkeit als Spätfolge der Behandlung des Hodgkin-Lymphoms im Kindes- und Jugendalter. Die Spermienkryokonservierung wird dort als Standardverfahren bezeichnet. Die Arbeit ist behandlungsbezogen; Daten zur Ausgangsqualität nennt der Abstract nicht.

**Kawai und Nishiyama 2019 [s147].** Titel: *Preservation of fertility of adult male cancer patients treated with chemotherapy* (Int J Clin Oncol, 2019, PMID 30353257). Land: Japan (Tsukuba). Design: Übersicht zum Fertilitätserhalt bei erwachsenen Krebspatienten unter Chemotherapie. Nach der Zusammenfassung deuten mehrere Studien darauf hin, dass der Krebs selbst, nicht allein die Behandlung, die Samenqualität verschlechtern kann; schlechte Vorbehandlungsqualität werde bei Hodentumor, Leukämie, Hirntumor und Sarkom berichtet. Schwächen: Übersicht ohne eigene Datenerhebung und ohne Zahlen im Abstract.

**Yumura et al. 2022 und 2023 [s106, s88] sowie 2022 (japanisch) [s107].** Titel zu [s88]: *Long-Term Fertility Function Sequelae in Young Male Cancer Survivors* (World J Mens Health, 2023, PMID 36593712). Titel zu [s106]: *Fertility and sexual dysfunction in young male cancer survivors* (Reprod Med Biol, 2022, PMID 35949642). Titel zu [s107]: *がん治療による造精機能障害とその対応 (Durch Krebstherapie bedingte Spermatogenesestörung und der Umgang damit)* (AYAがんの医療と支援, 2022). Land: Japan (Yokohama). Design: drei Übersichten derselben Gruppe zu Fruchtbarkeit und sexueller Dysfunktion bei jungen männlichen Krebsüberlebenden, eine davon in japanischer Sprache mit gleichem Abstractinhalt. Nach Angabe der Autoren verlieren 15 bis 30 % der Krebsüberlebenden ihr Fertilitätspotenzial; der Schweregrad hänge von Medikamentenkombination, Kumulativdosis und Strahlendosis ab. Die Übersichten sind behandlungsbezogen und enthalten keine prätherapeutischen Daten.

**Sanger et al. 1992 [s293].** Titel: *Semen cryobanking for men with cancer--criteria change.* (Fertility and sterility, 1992, PMID 1426353). Land: USA (Omaha, Nebraska). Design: Übersichtsarbeit mit Literaturrecherche und Umfrage in neun Samenbanken. Population: Männer mit Hodentumor, Hodgkin-Krankheit, Non-Hodgkin-Lymphom und anderen Krebsarten, die vor der Therapie Samen einlagerten. Berichtet werden 117 dokumentierte Schwangerschaften und 115 Lebendgeburten nach Nutzung kryokonservierten Samens (Insemination durch den Ehemann oder andere assistierte Reproduktion) sowie Empfängnisse nach IVF mit weniger als 1 × 10^6 beweglichen Spermien. Die Zahl der Versuche (Nenner) fehlt im Abstract, sodass aus der Arbeit keine Erfolgsrate berechnet werden kann. Die Autoren folgern, die bis dahin üblichen Aufnahmekriterien der Samenbanken sollten angesichts erfolgreicher Schwangerschaften auch mit Samen niedriger Dichte und Beweglichkeit überarbeitet werden. Schwächen: Literatur- und Umfragedaten ohne Methodik im Abstract, Berichtsverzerrung zugunsten erfolgreicher Verläufe nicht auszuschließen. Einordnung: Die Arbeit ist weniger eine Aussage über die Ausgangsqualität als ein früher Beleg dafür, dass auch niedrige Ausgangswerte nicht von vornherein zum Ausschluss führten.

**Kryokonservierungs- und Samenbankübersichten aus dem französischen, spanischen und italienischen Sprachraum.** Mehrere Übersichten aus Frankreich und der Schweiz fassen den Wissensstand zusammen, ohne eigene Zahlen zur Ausgangsqualität: Bringer-Deutsch 2010 [s240] verlangt laut Abstract, die Spermienkryokonservierung müsse systematisch allen Männern, auch Jugendlichen, angeboten werden, die eine möglicherweise fertilitätsschädigende Krebsbehandlung erhalten, unabhängig von der Spermienqualität; Leyvraz 2012 [s233] nennt die Kryokonservierung das derzeit einzige erwiesene Verfahren; Chaput 2018 [s161] und Courbiere 2023 [s78] sind Praxisübersichten (Letztere bezieht sich auf Empfehlungen des französischen Krebsinstituts INCa); Laverdure 2012 [s232] beschreibt am Beispiel eines Elfjährigen die Frage nach dem Mindestalter und die großen Unterschiede zwischen den Zentren. Aus Spanien stammen González Casbas 2004 [s269], die jedem Mann im zeugungsfähigen Alter mit möglichem späteren Vaterschaftswunsch das Angebot zur Einlagerung zusprechen, mit Ausnahme von Patienten mit Azoospermie bei Diagnose, sowie die Übersichten zu Kindern und Jugendlichen von Andrés 2009 [s247] und Medrano 2020 [s138]. Colpi 2000 [s277] (Italien) behandelt die Unfruchtbarkeit nach Hodentumorbehandlung: Heilung sei bei 84 % der Fälle innerhalb von zehn Jahren erreichbar, ein Ejakulationsverlust nach retroperitonealer Lymphknotenausräumung komme in 23,5 bis 80 % der Fälle vor, und die Erfolgsrate chirurgischer oder mikrochirurgischer Gewinnung von Hodenspermien bei fehlender Kryokonservierung liege bei etwa 50 %. Diese Zahlen sind Angaben der Übersichtsautoren; welche Primärstudien sie belegen, nennt der Abstract nicht. Die Übersichten nennen Krebs, Tumorlast und Fieber als Ursachen der Ausgangsstörung nur in allgemeiner Form.

**Französische Hochschulschriften zur Wirkung der Erkrankung auf die Gametenqualität.** Drei Dokumente der französischen Archivplattform HAL beschreiben die Ausgangsqualität ohne peer-reviewte Veröffentlichung. Eine Literaturübersicht von 2021 [s108] („Cancer et reproduction masculine : impact de la maladie sur la qualité des gamètes“; deutsch: Krebs und männliche Fortpflanzung, Auswirkung der Erkrankung auf die Gametenqualität) kommt als Ergebnis ihrer Literaturrecherche zu dem Schluss, dass die Krebserkrankung selbst die Gametenqualität beeinflusse, insbesondere den Kerninhalt und die Chromatinkondensation. Eine Arbeit aus der Andrologie-Abteilung in Nancy von 2012 [s226] („Tumeurs testiculaires germinales et fertilité“; deutsch: Hodenkeimzelltumoren und Fertilität) beobachtete laut Abstract eine wichtige Veränderung der Spermienparameter vor der Behandlung und deren möglichen Zusammenhang mit bestimmten Faktoren. Eine Marseiller Hochschulschrift von 2017 [s174] („Préservation de la fertilité masculine dans le cadre du cancer“, mit Umfrage in allen 27 CECOS und einer 20-Jahres-Auswertung in Marseille) stellt eine signifikante Veränderung der Spermienparameter vor der Behandlung fest. Alle drei Dokumente enthalten im abgerufenen Abstract keine Zahlen und sind nicht begutachtet; sie werden deshalb nur als Hinweis auf die in Frankreich vertretene Sichtweise gewertet.

**Übersichten aus Russland, der Türkei und China.** Aus dem russischsprachigen Raum liegen mehrere Übersichten und Kongressbeiträge vor, die zum Teil unbelegte Sekundärzahlen enthalten. Vinokurov et al. 2015 [s201] schreiben, initiale Spermatogenesestörungen kämen bei 25 bis 70 % der Patienten mit Hodgkin-Lymphom und anderen Tumoren vor, und nennen als Ursachen Subfebrilität, Gewichtsverlust, hohe Tumorlast und andere systemische Störungen. Kuleva et al. 2019 [s158] berichten für das Hodgkin-Lymphom, Studien hätten bei 20 bis 70 % der Patienten schon vor der Therapie Oligo-, Terato- oder Asthenozoospermie gezeigt, andere Studien hätten keinen Unterschied zu Gesunden gefunden, und Marmor 1986 [s301] habe die Verschlechterung bei Fieber über 38,5 Grad Celsius beschrieben. Startsev und Korneev 2016 [s198] schreiben, die Ejakulatqualität bei Keimzelltumoren sinke bereits vor der Diagnose, und zitieren, nach dem Auftauen sänken laut einer ihrer Quellen die progressiv beweglichen Spermien um 31 %, die normale Morphologie um 37 % und die mitochondriale Aktivität um 36 %. Der unsignierte Kongressabstract des Berufsverbands der Andrologen Russlands von 2014 [s211] behauptet ohne Literaturangabe, etwa die Hälfte der Patienten mit Hodentumor und 70 % der Hodgkin-Patienten hätten schon bei Vorstellung eine beeinträchtigte Spermatogenese; nennt als Mechanismen parakrine Mediatoren (TNF, Interleukine), paraneoplastische Hyperthermie, Leydig-Zell-Zerstörung und Störung der Blut-Hoden-Schranke; und führt Strahlendosen in Einheiten an, die für die Gonadendosis nicht plausibel sind. Der Beweiswert dieser Quelle ist niedrig. Korshunov et al. 2017 [s185], Akopyan et al. 2008 [s258] und Kulchenko 2017 [s187] sind Übersichten zu Strahlendosen und Erholungszeiten nach Therapie und enthalten keine Daten zur Ausgangsqualität; Mamizhev et al. 2023 [s89] behandelt onkologische, rechtliche und religiöse Aspekte beim Hodenkeimzelltumor und zitiert sekundär, 10 % der Männer mit Infertilitätszeichen hätten einen Maldescensus in der Vorgeschichte und das relative Risiko für Hodentumoren sei in dieser Gruppe vier- bis neunfach erhöht. Astaf'eva et al. 2019 [s144] fassen Fortpflanzungsstörungen bei Männern mit Hirntumoren zusammen. Aus der Türkei stammen die Übersichten von Taşkapu 2026 [s09] (nach den Autoren werde die Kryokonservierung nur bei etwa 30 bis 40 % der Hodenkrebspatienten angewendet), Avcı 2020 [s132] (bei einem erheblichen Teil der Patienten bestehe eine Azoospermie oder Kryptozoospermie, dann sei die Spermiensuche per Mikrodissektion nötig) und Shehata 2017 [s183]. Aus China liegen Übersichten von Dong 2017 [s177] und Fu 2017 [s178] vor, die Gonadenschäden durch Therapie beschreiben und Schutzstrategien nennen; in Japan fassen Chiba 2014 [s205], Yamaguchi 2011 [s237], Fujita 2010 [s241] und Okada 2019 [s149] die Gonadotoxizität zusammen. Keine dieser Übersichten bringt für das Kapitel neue Zahlen zur Ausgangsqualität; sie spiegeln aber die Sichtweise ihrer Sprachräume und sind in der Gesamtschau (Abschnitt „Einordnung der Übersichten“) berücksichtigt.

### Einordnung der Übersichten

Aus den Übersichten ergibt sich ein einheitliches, aber dünn belegtes Bild. Erstens: Dass Hodentumoren schon vor der Orchiektomie mit Samenauffälligkeiten einhergehen, ist in der einzigen systematischen Übersicht dazu (sechs Studien) durchgehend bestätigt [s206]; die Metaanalyse zur umgekehrten Richtung (Unfruchtbarkeit und späteres Hodenkrebsrisiko, gepooltes Odds Ratio 1,91; 95-%-KI 1,52 bis 2,42) legt nahe, dass ein Teil davon bereits vor dem Tumor besteht [s111]. Zweitens: Für alle anderen Tumorarten fehlt eine quantitative Zusammenfassung; die größte Metaanalyse der Kryokonservierung [s58] hat die Krebsart nicht ausgewertet, und die jüngste systematische Übersicht zu Sarkom, Magen-Darm-Tumoren, Lungenkrebs und Melanom [s19] bestätigt die Lücke. Drittens: Die Mechanismen (vorbestehende Keimzelldefekte, systemische Entzündung, Fieber, endokrine und immunologische Störungen, Tumormarker wie hCG) sind in den Übersichten Hypothesen, die in einzelnen Beobachtungsstudien gestützt werden, aber nirgends in kontrollierten Studien am Menschen bewiesen wurden [s264, s13]. Viertens: Zahlen, die in Übersichten ohne Primärquelle stehen (zum Beispiel „70 % der Hodgkin-Patienten“ [s211] oder „20 bis 70 %“ [s158]), sind Sekundärangaben und werden in diesem Kapitel nicht als eigener Befund gewertet.

## Studienlage: Beobachtungsstudien

Die Beobachtungsstudien lassen sich nach der Frage ordnen, die sie beantworten können. Die erste Gruppe enthält Studien, die Samenproben von Patienten vor jeder Behandlung mit Vergleichsgruppen Gesunder oder Fertiler untersuchten; nur sie erlauben, die Ausgangsqualität in Relation zu setzen. Die zweite Gruppe sind Samenbankserien ohne Kontrollgruppe, die absolute Werte nach Krebsart berichten. Die dritte Gruppe sind Studien mit Vorher-Nachher-Design, die die Ausgangswerte vor Behandlung als Teil einer Verlaufsbeobachtung berichten. Die vierte Gruppe befasst sich mit Mechanismen (Chromatin, DNA-Fragmentierung, Proteom, Hormone). Die Gliederung folgt zuerst der Krebsart, dann den Querschnittsfragen (Mischkollektive mit Kontrollen, Kinder und Jugendliche, Zeitpunkt der Probe, Reproduzierbarkeit, umgekehrte Kausalrichtung) und endet mit einer Gesamteinordnung. Jede Studie ist einzeln dargestellt; Studien, die in mehreren Abschnitten relevant sind, werden an der Stelle ihres Schwerpunkts ausführlich besprochen und an anderer Stelle nur kurz erwähnt. Mehrfachveröffentlichungen derselben Kohorte sind ausdrücklich als solche gekennzeichnet.

### Hodgkin-Lymphom

Das Hodgkin-Lymphom ist die Krebsart, bei der die Frage nach einer erkrankungsbedingten Beeinträchtigung der Spermien am längsten und am widersprüchlichsten diskutiert wird. Die Anteile normozoosperm untersuchter Männer reichen in den Studien dieses Abschnitts von 14 % bis 75 %; wesentliche Gründe sind unterschiedliche Definitionen, unterschiedliche Selektion und der Einfluss von Fieber und Allgemeinsymptomen.

**Ragni et al. 1985 [s302].** Titel: *Evaluation of semen and pituitary gonadotropin function in men with untreated Hodgkin's disease.* (Fertility and sterility, 1985, PMID 3922808). Land: im Abstract nicht angegeben. Design: Fallserie mit endokrinologischer Testung. Population: 35 unbehandelte Patienten mit Hodgkin-Krankheit. Methodik: Samenanalyse, Basalwerte von FSH, LH und Testosteron sowie Stimulationstest mit 100 Mikrogramm GnRH. Ergebnisse: 65 % der Patienten hatten eine Asthenozoospermie, 46 % eine Teratozoospermie, 28 % eine Oligozoospermie. Normale Samenproben fanden sich häufiger bei asymptomatischen (7 von 18) als bei symptomatischen Patienten (2 von 15). Alle Patienten hatten normale basale FSH- und LH-Werte, aber signifikant niedrige Testosteronwerte (p < 0,01); die LH-Antwort auf GnRH war erniedrigt (relativer Anstieg 28,4 ± 18,7 % gegenüber 52,4 ± 25,3 %, p < 0,005; Spitzenwerte 36,7 ± 20,7 gegenüber 59,4 ± 26,4 mIU/ml, p < 0,01). Die Autoren sehen im auffälligen Ejakulat ein spezifisches Symptom der Hodgkin-Krankheit infolge funktioneller Unzulänglichkeit der Hypothalamus-Hypophysen-Achse. Stärken: Kombination von Samen- und Hormonbefund bei unbehandelten Patienten. Schwächen: kleine Fallzahl, frühe Methodik, kein Kontrollkollektiv im Abstract genannt; die Deutung als erkrankungsspezifisch wird schon von der folgenden Studie in Frage gestellt.

**Marmor et al. 1986 [s301].** Titel: *Semen analysis in Hodgkin's disease before the onset of treatment.* (Cancer, 1986, PMID 3955503). Land: im Abstract nicht angegeben. Design: Fallserie. Population: 57 junge Patienten mit Hodgkin-Krankheit vor Behandlung. Ergebnisse: Die mittleren Werte lagen im Normbereich und ähnelten denen fertiler Populationen. Neunzehn Patienten hatten ein auffälliges Spermiogramm; bei zwölf von ihnen bestand kürzlich oder aktuell Fieber. Bei Temperaturen unter 38,5 Grad Celsius zeigte sich nur eine Asthenozoospermie, bei höherer Temperatur schwerere Veränderungen bis hin zu Oligoasthenozoospermie oder Azoospermie. Nur fünf fiebernde Männer hatten ein normales Spermiogramm, alle mit leichtem Fieber. Schlussfolgerung der Autoren: Die Auffälligkeiten bei etwa einem Drittel der Patienten seien wahrscheinlich nicht auf eine erkrankungsspezifische Hodenveränderung, sondern auf Fieber zurückzuführen. Stärken: Der Fiebereinfluss wird konkret aufgeschlüsselt. Schwächen: keine Kontrollgruppe, kein Vergleich mit anderen Erkrankungen, kleine Fallzahl, Abstract ohne Konfidenzintervalle. Einordnung: Die Arbeit liefert die früheste Erklärung für die Streuung der Ausgangsbefunde und wird in späteren Übersichten zitiert (zum Beispiel [s158]); sie ist mit der späteren Beobachtung vereinbar, dass B-Symptome die Qualität vorhersagen [s251].

**Magnanti et al. 1996 [s286].** Titel: *Luteinizing hormone pulsatility and computer-assisted analysis of sperm features in patients with Hodgkin's disease.* (Journal of cancer research and clinical oncology, 1996, PMID 8690752). Land: Italien (Rom). Design: Querschnittsstudie mit Kontrollpersonen. Population: 20 erwachsene Patienten mit gesichertem Hodgkin-Lymphom vor jeder Therapie. Methodik: Messung der LH-Pulsatilität und computergestützte Spermienanalyse (CASA). Ergebnisse: Die Pulszahl von LH war gegenüber den Kontrollen erhöht (p < 0,05). Bei einem Drittel der Patienten war die Spermienzahl vermindert; berücksichtigte man Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Linearität der Bewegung, stieg der Anteil mit Auffälligkeiten auf zwei Drittel. Geschwindigkeit und Linearität waren schon in den Stadien I und II beeinträchtigt, die Spermienzahl erst im Stadium III. Symptomatische Patienten zeigten unabhängig vom Stadium eine deutliche Verschlechterung aller Parameter. Stärken: CASA erfasst Bewegungsmerkmale feiner als die Routineanalyse; Kontrollgruppe. Schwächen: kleine Fallzahl; die Pathogenese bleibt nach Angabe der Autoren offen; keine Konfidenzintervalle im Abstract.

**Fitoussi et al. 2000 [s278].** Titel: *Semen analysis and cryoconservation before treatment in Hodgkin's disease.* (Annals of oncology : official journal of the European Society for Medical Oncology, 2000, PMID 10942055). Land: Frankreich (Pessac). Design: retrospektive Kohorte. Population: Von 316 Männern, denen eine Spermakonservierung vorgeschlagen wurde, erfüllten 94 die Einschlusskriterien (Alter über 16 und unter 50 Jahre, Hodgkin-Krankheit jeden Stadiums, Aufklärung über die drohende Sterilität, Einwilligung); mittleres Alter 27,5 Jahre (16 bis 48); je 38 Patienten im Stadium I und II, 14 im Stadium III, 4 im Stadium IV. Ergebnisse: 53 % (50 Fälle) hatten einen normalen oder subnormalen Befund. Es fand sich keine Korrelation zwischen Samenqualität beziehungsweise Spermienmenge und Stadium, B-Symptomen, Alter oder Laborwerten (LDH, Leukozyten, Thrombozyten, Blutsenkung). Die Verwendung der kryokonservierten Proben verlangten 13 Patienten; 88 Inseminationen führten zu 9 Schwangerschaften und 2 Geburten. Stärken: Verknüpfung von Ausgangsqualität und späterem Nutzungserfolg. Schwächen: Selektion (nur 94 von 316 erfüllten die Kriterien), Inseminationen als Methode (ICSI im Abstract nicht beschrieben), keine Vergleichsgruppe, keine Konfidenzintervalle. Einordnung: Das Fehlen jeder Korrelation mit B-Symptomen steht im Gegensatz zu den EORTC-Daten [s251]; die Gruppe der Männer mit B-Symptomen war hier vermutlich zu klein, um einen Zusammenhang zu zeigen (der Abstract macht dazu keine Angabe).

**Blackhall et al. 2002 [s275].** Titel: *Semen cryopreservation, utilisation and reproductive outcome in men treated for Hodgkin's disease.* (British journal of cancer, 2002, PMID 12177773). Land: Vereinigtes Königreich (Manchester). Design: retrospektive Kohorte. Population: 122 Männer, die zwischen 1978 und 1990 vor sterilisierender Chemotherapie bei Hodgkin-Krankheit ein Spermiogramm erhielten. Ergebnisse: 81 (66 %) lagen im Normbereich, 25 waren oligozoosperm (weniger als 20 × 10^6 Spermien/ml), 5 azoosperm. Bei 115 Männern wurde Samen kryokonserviert; nach einer medianen Nachbeobachtung von 10,1 Jahren nutzten 33 Männer die gelagerte Probe (aktuarielle Rate 27 %); neun Partnerinnen wurden schwanger, mit 11 Lebendgeburten und einem Schwangerschaftsabbruch wegen fetaler Fehlbildung. Die aktuariellen 10-Jahres-Raten für Vernichtung vor Tod oder Nutzung beziehungsweise Tod vor Nutzung betrugen 19 % und 13 %. Stärken: lange Nachbeobachtung. Schwächen: Zeitraum 1978 bis 1990 (frühe Verfahren), retrospektiv, keine Kontrollgruppe, Fieber und Symptome nicht aufgeschlüsselt.

**Gandini et al. 2003 [s271].** Titel: *Testicular cancer and Hodgkin's disease: evaluation of semen quality.* (Human reproduction (Oxford, England), 2003, PMID 12660273). Land: Italien (Rom). Design: retrospektive Querschnittsstudie, die Hodenkrebs und Hodgkin-Krankheit vergleicht. Population: 342 Patienten mit Hodentumor (n = 232) oder Hodgkin-Krankheit (n = 110), die vor Chemo- oder Strahlentherapie Samen einlagerten; die Hodenkrebspatienten wurden etwa einen Monat nach der Orchiektomie untersucht. Ergebnisse: 14 Patienten waren azoosperm oder kryptozoosperm. In der Hodentumorgruppe (n = 222) lagen die Mittelwerte im Normbereich nach WHO 1992; unterteilt nach Gesamtspermienzahl von mindestens beziehungsweise unter 40 × 10^6 pro Ejakulat zeigten 35,5 % eine verminderte Qualität. Seminome hatten bessere Parameter als die übrigen histologischen Gruppen. Zwischen Patienten mit pathologischem (über 5 mIU/ml) und normalem beta-hCG zeigte sich ein signifikanter Unterschied in allen Samenvariablen; die Stadien I und II unterschieden sich nicht. In der Hodgkin-Gruppe (n = 106) war die Spermatogenese im Wesentlichen normal, nur 24,5 % hatten eine Gesamtspermienzahl unter 40 × 10^6 pro Ejakulat; in den Stadien III und IV war die Samenqualität signifikant geringer. Die Autoren folgern, die Samenqualität sei bei Hodgkin-Patienten besser als bei Hodentumorpatienten gewesen und beide Gruppen schnitten besser ab als in früheren Berichten. Stärken: direkter Vergleich zweier Erkrankungen im selben Labor, Berücksichtigung des beta-hCG. Schwächen: Hodentumorproben nach der Orchiektomie, keine gesunde Vergleichsgruppe laut Abstract, keine Konfidenzintervalle.

**Hallak et al. 2000 [s279].** Titel: *Characteristics of cryopreserved semen from men with lymphoma.* (Journal of assisted reproduction and genetics, 2000, PMID 11209541). Land: Brasilien (São Paulo). Design: retrospektive Fall-Kontroll-Studie. Population: 89 Patienten mit Hodgkin-Krankheit, 18 mit Non-Hodgkin-Lymphom und 50 gesunde Spender. Ergebnisse: Bei Hodgkin-Patienten waren die Samenmerkmale vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen signifikant niedriger als bei Spendern; ähnlich bei Non-Hodgkin-Lymphomen. Zwischen den Krankheitsstadien bestand vor dem Einfrieren kein signifikanter Unterschied. Zahlenwerte nennt der Abstract nicht. Stärken: Kontrollgruppe, Messung vor und nach Kryokonservierung. Schwächen: im Abstract keine absoluten Werte, keine Konfidenzintervalle; kleine Non-Hodgkin-Gruppe.

**Sieniawski et al. 2008 (GHSG-Studien) [s256].** Titel: *Assessment of male fertility in patients with Hodgkin's lymphoma treated in the German Hodgkin Study Group (GHSG) clinical trials.* (Annals of oncology : official journal of the European Society for Medical Oncology, 2008, PMID 18544558). Land: Deutschland (Köln). Design: Auswertung von Patienten, die zwischen 1988 und 2003 in Studien der German Hodgkin Study Group behandelt wurden. Population: Vor Behandlung lagen Daten von 202 Patienten vor, nach Behandlung von 112. Ergebnisse vor Behandlung: 20 % Normozoospermie, 11 % Azoospermie, 69 % andere Dyspermie. Nach der Behandlung: 64 % Azoospermie, 30 % andere Dyspermie, 6 % Normozoospermie (p < 0,001). Azoospermie trat bei 90 % der ausschließlich mit Chemotherapie Behandelten auf, bei 67 % nach kombinierter Behandlung und bei 11 % nach alleiniger Strahlentherapie (p < 0,001). Nach 4 Zyklen COPP/ABVD 91 %, nach 8 Zyklen BEACOPP (Basis) 93 %, nach 8 Zyklen BEACOPP eskaliert 87 %, nach 2 Zyklen COPP/ABVD 56 % (p = 0,003). Der FSH-Wert nach Behandlung unterschied sich signifikant zwischen Männern mit und ohne Azoospermie (p = 0,001). Stärken: große multizentrische Basis, Vorher-Nachher-Vergleich. Schwächen: Die Gruppen vor und nach Behandlung sind nicht identisch (202 gegenüber 112), keine Kontrollgruppe. Einordnung: Der niedrige Normozoospermieanteil von 20 % weicht stark von den Befunden aus Rom [s195] ab; der Abstract macht zu möglichen Gründen (Selektion, Definition, Laborunterschiede) keine Angabe.

**Sieniawski et al. 2008 (BEACOPP) [s257].** Titel: *Fertility in male patients with advanced Hodgkin lymphoma treated with BEACOPP: a report of the German Hodgkin Study Group (GHSG).* (Blood, 2008, PMID 17890456). Land: Deutschland (Köln). Design: Auswertung von Teilnehmern randomisierter GHSG-Studien mit fortgeschrittenem Hodgkin-Lymphom. Population: 38 Männer. Ergebnisse: Vor Behandlung waren 6 (23 %) normozoosperm und 20 (77 %) dysperm. Nach Behandlung waren 34 (89 %) azoosperm, 4 (11 %) anders dysperm, keiner normozoosperm. Zwischen BEACOPP Basis und eskaliert unterschied sich die Azoospermierate nicht (93 % gegenüber 87 %, p > 0,999). Nach Behandlung hatten 93 % abnorme FSH-Werte; abnorme Testosteron- und LH-Werte fanden sich bei 57 % beziehungsweise 21 %. In univariater Analyse war kein Risikofaktor (Alter, Stadium, Blutsenkung, B-Symptome, große Mediastinalmasse, extranodaler Befall, drei oder mehr Lymphknotenregionen) signifikant. Stärken: einheitliches Protokoll. Schwächen: sehr kleine Gruppe; der Abstract nennt die Teilnehmerzahl der Vorbehandlungsanalyse nicht gesondert (rechnerisch ergeben 6 Patienten = 23 % und 20 Patienten = 77 % eine Basis von 26), kein Kontrollkollektiv. Hinweis: Die beiden Veröffentlichungen [s256] und [s257] stammen aus derselben Studiengruppe und können sich überschneiden; die Abstracts geben darüber keine Auskunft.

**van der Kaaij et al. 2009 [s251].** Titel: *Sperm quality before treatment in patients with early stage Hodgkin's lymphoma enrolled in EORTC-GELA Lymphoma Group trials.* (Haematologica, 2009, PMID 19850901). Land: Niederlande (Groningen) mit EORTC-GELA-Beteiligung. Design: Auswertung von Teilnehmern der EORTC-GELA-Studien H6 bis H9 bei unbehandelten Patienten mit Hodgkin-Lymphom im Frühstadium; logistische Regression. Population: Von 2.362 Männern lagen für 474 (20 %) Daten vor. Methodik: Spermienqualität nach WHO-Kriterien, gut definiert als Konzentration von mindestens 20 × 10^6/ml und Beweglichkeit von mindestens 50 %. Ergebnisse: Die mediane Spermienkonzentration betrug 40 × 10^6/ml (Spanne 0 bis 345), die mediane Beweglichkeit 50 % (0 bis 90 %). Gute Spermienqualität hatten 41 %, intermediäre (Konzentration mindestens 5 × 10^6/ml) 49 %, schlechte (unter 5 × 10^6/ml, aber über null) 7 %; 3 % waren azoosperm. Kein Zusammenhang mit Alter oder klinischem Stadium; B-Symptome und erhöhte Blutsenkung sagten eine schlechte Qualität voraus. Odds Ratios für schlechte Qualität: B-Symptome 2,77 (95-%-Konfidenzintervall 1,50 bis 5,12; p = 0,001), Blutsenkung von mindestens 50 mm/h 2,35 (1,24 bis 4,43; p = 0,009), Fieber 3,22 (1,41 bis 7,33; p = 0,005), Nachtschweiß 3,78 (1,97 bis 7,26; p < 0,001); kein Zusammenhang mit dem FSH-Wert vor Behandlung. Die Autoren folgern, dass bei den meisten Patienten mit frühem Hodgkin-Lymphom die Spermienqualität vor Behandlung für eine spätere Vaterschaft mit modernen Verfahren ausreiche (90 % gute oder intermediäre Qualität). Stärken: größte Datenbasis unter den Hodgkin-Studien mit Konfidenzintervallen, standardisierte Studienpopulation. Schwächen: nur 20 % der Teilnehmer hatten Daten (Selektionsverzerrung möglich), nur frühe Stadien, keine gesunde Kontrollgruppe. Einordnung: Der Kernbefund ist, dass Allgemeinsymptome, nicht das Stadium, die Spermienqualität vorhersagen; das passt zu [s301].

**Paoli et al. 2016 [s195].** Titel: *Spermatogenesis in Hodgkin's lymphoma patients: a retrospective study of semen quality before and after different chemotherapy regimens.* (Human reproduction (Oxford, England), 2016, PMID 26705149). Land: Italien (Rom). Design: retrospektive Studie mit Längsschnittteil. Population: 519 Patienten (504 mit Spermien, 15 azoosperm); längsschnittlich 202 Patienten vor und nach ABVD (Zeitpunkte T0, T6, T12, T24 Monate) und 42 Patienten vor und nach BEACOPP, COPP/ABVD, OPP/ABVD oder MOPP mit inguinaler Bestrahlung. Methodik: WHO-Kriterien 2010, ein einziges Labor. Ergebnisse: 75 % der Hodgkin-Patienten waren vor Behandlung normozoosperm. Nach ABVD gab es signifikante Abnahmen von Spermienkonzentration und Gesamtzahl bei T6 und T12 (p < 0,001 beziehungsweise p < 0,01), einen Abfall der Progressivmotilität (p < 0,001) und einen Anstieg abnormer Formen (p < 0,01) bei T6; zwischen T0 und T24 bestand kein signifikanter Unterschied. Sechs oder mehr Zyklen BEACOPP, COPP/ABVD, OPP/ABVD oder MOPP führten zu dauerhafter Azoospermie, auch bei weniger als sechs Zyklen kehrte die Spermatogenese erst nach 3 bis 5 Jahren zurück. Die Autoren schließen, dass das Hodgkin-Lymphom selbst nicht die Hauptursache der Beeinträchtigung sei. Stärken: größte berichtete Fallzahl, einheitliche Laboranalyse. Schwächen (nach eigener Angabe): retrospektiv, geringe Fallzahl und unterschiedliche Nachbeobachtung in den Untergruppen der Kombinationstherapien; keine gesunde Kontrollgruppe und keine Konfidenzintervalle im Abstract. Einordnung: Die Autoren selbst halten ihre Vorbehandlungswerte für besser als einen Teil der Literatur; sie stehen zu den GHSG-Daten [s256] im Gegensatz.

**Laddaga et al. 2022 [s96].** Titel: *In male Hodgkin lymphoma patients, impaired fertility may be improved by non-gonadotoxic therapy.* (British journal of haematology, 2022, PMID 34462914). Land: Italien (Bari). Design: retrospektive Kohorte. Population: 46 männliche Hodgkin-Patienten mit verfügbarem Spermiogramm (Behandlung 2008 bis 2016). Ergebnisse bei Diagnose: Die Spermienzahl war in den Stadien III und IV vermindert; Beweglichkeit und Vitalität waren in den Stadien III und IV und bei B-Symptomen vermindert; abnorme Formen waren bei erhöhter Blutsenkung und niedrigem Albumin vermehrt. Nach Stammzelltransplantation bestand eine schwere Beeinträchtigung der Beweglichkeit; ohne Transplantation verbesserte sich die Beweglichkeit nach der Erstlinienbehandlung statistisch signifikant. Zahlenangaben (p-Werte) enthält der Abstract nicht. Stärken: Verknüpfung von Prognosemerkmalen mit Samenbefund. Schwächen: kleine Serie, nach Angabe der Autoren sind größere Serien nötig. Einordnung: Die Befunde zu B-Symptomen und Blutsenkung bestätigen [s251], die Verschlechterung in den Stadien III und IV stimmt mit [s271] überein.

**Drechsel et al. 2024 (EuroNet-PHL-C2) [s49].** Titel: *Semen analysis and reproductive hormones in boys with classical Hodgkin lymphoma treated according to the EuroNet-PHL-C2 protocol.* (Human reproduction (Oxford, England), 2024, PMID 39256932). Land: Niederlande, Deutschland, Belgien, Tschechische Republik und Österreich (18 Zentren; Erstautorenschaft Amsterdam). Design: prospektive internationale multizentrische Kohorte, Zusatzstudie zu einem randomisierten Phase-3-Protokoll bei Jungen mit klassischem Hodgkin-Lymphom bis 18 Jahre. Population: 101 Jungen, davon 73 (post)pubertäre (medianes Alter 15,4 Jahre) und 28 präpubertäre (9,6 Jahre). Methodik: Spermienparameter bei Diagnose und zwei Jahre danach, FSH und Inhibin B zu mehreren Zeitpunkten. Ergebnisse bei Diagnose: 48 (post)pubertäre Jungen gaben Samen zur Kryokonservierung ab; 19 (40 %) Proben waren oligozoosperm und 4 (8 %) azoosperm. Eine niedrige Spermienkonzentration (unter 15 Mio/ml) hing offenbar mit der Erkrankung selbst zusammen und kam bei Jungen mit B-Symptomen häufiger vor (76 % gegenüber 26 %, adjustiertes Odds Ratio 2,3; 95-%-Konfidenzintervall laut Quelle 1,0 bis 3,8; p = 0,001). Zwei Jahre nach Diagnose lieferten 31 Jungen Proben: 12 (39 %) waren oligozoosperm, 4 (13 %) azoosperm, insgesamt hatten 52 % (16 von 31) eine Oligozoospermie oder Azoospermie, und 22 (71 %) hatten eine niedrige gesamte bewegliche Spermienzahl (unter 20 Mio); besonders Jungen mit fortgeschrittenem Stadium hatten niedrige Zahlen und eingeschränkte Beweglichkeit. Stärken: prospektiv, standardisiertes Protokoll, Hormonverlauf. Schwächen: begrenzte Aussagekraft der Spermienanalysen nach zwei Jahren (31 Proben), Nachbeobachtung nur bis zwei Jahre, keine gesunde Kontrollgruppe; die Intervallangabe 1,0 bis 3,8 für ein Odds Ratio von 2,3 und den Wert p = 0,001 gibt der Abstract in dieser Form an. Einordnung: Die Studie bestätigt bei Jugendlichen das Muster der Erwachsenenstudien (B-Symptome als Marker) und zeigt, dass auch in der modernen, strahlenarmen Behandlung ein erheblicher Teil nach zwei Jahren auffällige Werte hat.

**Vinokurov et al. 2011, 2012 und 2013 (Moskauer Hodgkin-Kohorte) [s238, s236, s225].** Titel zu [s238]: *Оценка гонадотоксичности терапии по схеме ВЕАСОРР-14 у молодых мужчин, излеченных от лимфомы Ходжкина (Bewertung der Gonadotoxizität der BEACOPP-14-Therapie bei jungen, vom Hodgkin-Lymphom geheilten Männern)* (Клиническая онкогематология, 2011). Titel zu [s236]: *Фертильность подростков и молодых мужчин, излеченных от лимфомы Ходжкина (Fruchtbarkeit von Jugendlichen und jungen Männern, die vom Hodgkin-Lymphom geheilt wurden)* (Злокачественные опухоли, 2012). Titel zu [s225]: *Фертильность подростков и молодых мужчин, излеченных от лимфомы Ходжкина (Fruchtbarkeit von Jugendlichen und jungen Männern, die vom Hodgkin-Lymphom geheilt wurden)* (Гематология и трансфузиология, 2013). Land: Russland (Moskau, Hämatologisches Forschungszentrum). Design: drei überlappende Veröffentlichungen derselben retrospektiven Kohorte; sie werden in einer Synthese nur einmal gezählt. Population und Fassungen: [s238] umfasst 30 Männer (18 bis 35 Jahre, nachgewiesene Fertilität), die zwischen 2006 und 2011 behandelt wurden (28 mit BEACOPP-14, 2 mit BEACOPP-14 plus ABVD; 23 mit Strahlentherapie; Stadien IIA bis B 6, IIIA bis B 13, IVA bis B 11; B-Symptome 21), mediane Nachbeobachtung 10 Monate. Voraussetzung war eine Spermakryokonservierung oder eine nachgewiesene Vaterschaft. [s236] und [s225] umfassen 63 Patienten (19 bis 37 Jahre; Behandlung 1993 bis 2011), eingeteilt in ABVD (n = 11), BEACOPP-14 (n = 30), MOPP/ABVD (n = 15) und BEACOPP eskaliert (n = 7). Prätherapeutische Daten: In [s238] wurde das Ejakulat bei 12 der 30 Männer (40 %) vor der Therapie untersucht; bei 6 (50 %) bestanden kombinierte Veränderungen der Spermatogeneseparameter. Die mittlere Konzentration betrug vor der Therapie 50,0 Mio/ml (Spanne 8,1 bis 100,0) und danach 20,8 Mio/ml (0,2 bis 150,0); mittleres Ejakulatvolumen 2,6 ml vor und nach der Therapie; mittlere Beweglichkeit A plus B 51,0 % (12 bis 89) vor und 24,8 % nach der Therapie; Beweglichkeit der Kategorie A 27,8 % (3 bis 87) vor und 6,2 % (1 bis 28) nach der Therapie. Der Text bezeichnet den Konzentrationsabfall als statistisch signifikant, die angegebene Statistik (p = 0,094) erreicht die Schwelle von 0,05 aber nicht; die Spanne „27 bis 79“ der Tabelle zur Beweglichkeit A plus B ist mit dem Mittelwert unvereinbar und wird deshalb nicht verwendet. In [s236] werden initiale Spermatogenesestörungen bei 48 % (10 von 21) der prätherapeutisch untersuchten Männer genannt; in [s225] lagen Ejakulatparameter vor der Therapie nur bei 21 von 63 (33 %) vor, obwohl bei 58 von 63 (92 %) vor der Therapie Sperma kryokonserviert worden war. Nach Gruppen in [s225]: ABVD 4 untersucht, 2 mit initialen Störungen; BEACOPP-14 13 untersucht, 9 (69 %) mit initialen Störungen (in [s238] waren es 6 von 12 [50 %] in derselben Gruppe); MOPP/ABVD 2 untersucht; BEACOPP eskaliert 2 untersucht, beide mit initialen Störungen. Von den 9 Männern der BEACOPP-14-Gruppe mit initialen Störungen entwickelten 6 (67 %) nach der Therapie eine Azoospermie. Behandlungsfolgen (nur zur Einordnung): Azoospermie nach der Therapie bei ABVD 0 von 11, BEACOPP-14 13 von 30 (43 %), MOPP/ABVD 6 von 15 (40 %), BEACOPP eskaliert 4 von 7 (57 %); die Summe von 23 von 63 (36,5 %) weicht von den 42 % ab, die der Abstract von [s236] nennt, sodass die Fassungen nicht deckungsgleich sind. Stärken: einzige regionale Serie mit Samenanalyse vor Therapie bei Hodgkin-Patienten im russischsprachigen Raum und mit Therapieschema-Vergleich. Schwächen: nur 33 % beziehungsweise 40 % mit prätherapeutischem Spermiogramm, unterschiedliche Laborstandards, Selektion (nur Patienten mit Kryobank-Probe oder Vaterschaft), kleine Gruppen, abweichende Zahlen zwischen den Fassungen, kein Kontrollkollektiv. Einordnung: Die Autoren zitieren aus der Literatur initiale Störungen bei 59 bis 70 % und führen sie auf Zytokine des Tumors zurück; die eigenen 48 bis 69 % beruhen auf sehr wenigen Männern.

### Non-Hodgkin-Lymphome und gemischte Lymphomkohorten

**Pallotti et al. 2021 [s120].** Titel: *Semen quality in non-Hodgkin lymphoma survivors: a monocentric retrospective study.* (Human reproduction (Oxford, England), 2021, PMID 33257989). Land: Italien (Rom, Samenbank „Loredana Gandini“). Design: retrospektive monozentrische Kohorte. Population: 222 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom, die von 2002 bis 2017 vor jeder antineoplastischen Behandlung Samen einlagerten; Ausschluss von Komorbiditäten, die die Spermienparameter beeinflussen; mediane Nachbeobachtung 47,5 Monate (28 bis 140). Methodik: Untersuchung bei Kryokonservierung (T0) und mindestens einmal bei 6, 12, 18, 24 Monaten oder später; Fertilitätsfragebogen. Ergebnisse vor Behandlung: Mehr als 80 % waren normozoosperm; 15,9 % hatten bereits ein Kind. Aggressive Lymphome gingen mit schlechterem Ausgangsvolumen und geringerer Gesamtspermienzahl einher als indolente (p < 0,05). Nach Behandlung kehrte die Gesamtspermienzahl nach Standard-Erstlinientherapie zu nahezu den Ausgangswerten zurück (T0 195,0 ± 189,8 gegenüber T18 113,4 ± 103,1; p = 0,278), bei 7,7 % Azoospermie nach zwei Jahren. Bestrahlung des Beckens gegenüber anderen „hohen“ Regionen war in der Standardgruppe mit erhöhtem Azoospermierisiko verbunden (Odds Ratio 4,29; 95-%-Konfidenzintervall 1,81 bis 10,14; p = 0,001). Zwei Drittel der Patienten mit Rezidiv und Salvage-Therapie (gegebenenfalls mit Stammzelltransplantation) wurden azoosperm. Von 176 Patienten mit Fertilitätsdaten wünschten 22 (12,5 %) Kinder; 14 wurden Väter (12 natürlich, 2 per assistierter Reproduktion). Stärken: größte NHL-Serie, einheitliche Laboranalyse, Fertilitätsfragebogen (Rücklauf über 80 %). Schwächen laut Autoren: keine Hormonwerte, mehrere Patienten ohne vollständige Nachuntersuchung, wenige Patienten mit aktivem Kinderwunsch; keine gesunde Kontrollgruppe. Einordnung: Beim Non-Hodgkin-Lymphom lag der Anteil normozoosperm vor Therapie nach dieser Studie deutlich über den in anderen Serien für Hodentumor und Leukämie berichteten Werten (etwa [s189]); die kleinere Serie aus Triest [s228] fand dagegen nur bei 25 % der Non-Hodgkin-Patienten eine Normozoospermie.

**Naccache et al. 1996 [s288].** Titel: *[Semen preservation and gonadal toxicity in the treatment of non Hodgkin lymphoma. Experience at the Gustave-Roussy Institute from 1980 to 1993]. (Konservierung von Sperma und Gonadentoxizität bei der Behandlung des Non-Hodgkin-Lymphoms. Erfahrungen am Institut Gustave-Roussy von 1980 bis 1993)* (Bulletin du cancer, 1996, PMID 8680082). Land: Frankreich (Villejuif, Institut Gustave-Roussy). Design: retrospektive Analyse (Bulletin du Cancer, französischsprachig). Population: 213 männliche NHL-Patienten, behandelt von 1980 bis 1993, mittleres Alter 30 Jahre (15 bis 42). Ergebnisse: Ein Ausgangsspermiogramm samt Kryokonservierung gab es nur bei 24 Patienten (die Hälfte zwischen 1991 und 1993); 11 waren normal, 13 auffällig (Oligospermie n = 7, Asthenospermie n = 7, Teratospermie n = 8). Zwischen dem Zustand vor der Therapie und der Qualität der Probe fand sich kein Zusammenhang. Die Kryokonservierung war nur in 22 Fällen möglich; von 16 Überlebenden hatten zwei inseminiert. FSH war bei 48 Patienten erhoben; bei einer Schwelle von 8 g/m² Cyclophosphamid hatten 86 % erhöhte Werte (p < 10^-6). Fünf Patienten bekamen nach der Behandlung Kinder. Stärken: Langzeitbeobachtung, Erfahrung eines großen Zentrums. Schwächen: nur 24 von 213 Patienten mit Ausgangsspermiogramm (starke Selektion), alte Daten, keine Kontrollgruppe.

**Bujan et al. 2014 (CECOS) [s204].** Titel: *Impact of lymphoma treatments on spermatogenesis and sperm deoxyribonucleic acid: a multicenter prospective study from the CECOS network.* (Fertility and sterility, 2014, PMID 25044088). Land: Frankreich (Toulouse, CECOS-Verband). Design: prospektive multizentrische Längsschnittstudie. Population: 75 Patienten mit Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Lymphom und 257 fertile Kontrollmänner; Analysen vor Behandlung und nach 3, 6, 12 und 24 Monaten. Methodik: Samenanalysen, Spermien-DNA- und Chromatinuntersuchungen (TUNEL und Sperm Chromatin Structure Assay). Ergebnisse: Schon vor der Lymphombehandlung waren die Spermienmerkmale verändert, ohne identifizierten Risikofaktor. Die Werte fielen nach Behandlung mit Tiefpunkt nach 3 und 6 Monaten. Nach 12 Monaten erreichte die mittlere Spermienzahl nach ABVD oder ABVD plus Strahlentherapie wieder den Ausgangswert, nach CHOP oder MOPP nicht; 7 % blieben nach 24 Monaten azoosperm. Kaplan-Meier-Schätzung: Mehr als 90 % erholen sich nach ABVD oder ABVD plus Strahlentherapie, 61 % nach CHOP. In der multivariaten Analyse war nur die Gesamtspermienzahl vor Behandlung mit der Erholung verbunden. Gegenüber den Kontrollen zeigten die Lymphompatienten schon vor Behandlung mehr Chromatinveränderungen und DNA-Fragmentierung; nach der Behandlung nahm die Fragmentierung ab (TUNEL ab 3 Monaten, Sperm Chromatin Structure Assay ab 6 Monaten), blieb aber während der Nachbeobachtung höher als bei den Kontrollen. Stärken: prospektiv, Kontrollgruppe, DNA- und Chromatinanalyse. Schwächen: Der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle und keine absoluten Ausgangswerte; die Gruppen nach Therapieschema sind klein. Einordnung: Die Studie ist neben Farnetani [s51] eine der wenigen prospektiven Arbeiten mit gesunder Kontrollgruppe und stützt eine Ausgangsstörung bei Lymphomen, die in den retrospektiven Serien nur teilweise sichtbar ist.

**de Luyk et al. 2012 [s228].** Titel: *Pre-treatment and post-treatment fertility in young male patients affected by Hodgkin and non-Hodgkin lymphoma.* (Archivio italiano di urologia, andrologia : organo ufficiale [di] Societa italiana di ecografia urologica e nefrologica, 2012, PMID 23210406). Land: Italien (Triest, Samenbank Pordenone). Design: retrospektive und prospektive Studie. Population: retrospektiv 28 Patienten mit Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Lymphom (11 mit Samenanalyse, mittleres Alter 31,55 Jahre); prospektiv 61 Patienten mit Leukämie oder Lymphom (mittleres Alter 29,08 ± 9,5 Jahre) mit Proben vor Therapie (WHO 1999). Ergebnisse: Im prospektiven Teil war die Samenqualität vor Behandlung bei den meisten Proben schlecht; Normozoospermie bei 14 % der Hodgkin-Patienten und 25 % der Non-Hodgkin-Patienten. Im retrospektiven Teil waren alle Proben der 11 Patienten verändert, sechs nach hochdosierten Alkylanzien plus abdominaler oder Beckenbestrahlung azoosperm. Die Autoren halten die Vorbehandlungsqualität für ausreichend zur Kryokonservierung. Stärken: Samenbankdaten. Schwächen: sehr kleine Gruppen, im Abstract keine Angaben zu Subgruppengrößen, Mischung von Leukämie und Lymphom, keine Kontrollgruppe. Einordnung: Mit 14 % Normozoospermie beim Hodgkin-Lymphom ist dies der niedrigste Wert unter den hier dargestellten Studien zum Hodgkin-Lymphom (zur Spannweite siehe [s195] mit 75 %).

**Di Bisceglie et al. 2013 [s220].** Titel: *Effects of oncological treatments on semen quality in patients with testicular neoplasia or lymphoproliferative disorders.* (Asian journal of andrology, 2013, PMID 23542137). Land: Italien (Turin). Design: retrospektive Kohorte. Population: 261 Patienten mit Hodentumoren und 219 mit lymphoproliferativen Erkrankungen, die vor Chemo- oder Strahlentherapie Samen kryokonservieren ließen. Ergebnisse: Zum Zeitpunkt der Samenentnahme waren die FSH-Werte und die Spermienkonzentration bei Hodentumorpatienten stärker beeinträchtigt als bei Lymphompatienten. Nach der Behandlung zeigte sich eine Toxizität nach 6 und 12 Monaten und eine Besserung nach 18 Monaten; die Autoren halten fest, dass der Verlauf im Einzelfall nicht vorhersagbar sei. Stärken: zwei große Gruppen im selben Zentrum, Hormonwerte. Schwächen: Der Abstract nennt keine absoluten Ausgangswerte und keine Konfidenzintervalle; keine gesunde Kontrollgruppe.

**Smit et al. 2010 [s245].** Titel: *Sperm DNA integrity in cancer patients before and after cytotoxic treatment.* (Human reproduction (Oxford, England), 2010, PMID 20551071). Land: Niederlande (Rotterdam). Design: prospektive Kohorte. Population: 127 Patienten mit Hodentumoren, Hodgkin-Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphom und verschiedenen Krebsarten; nach der Behandlung hatten 52 eine Nachuntersuchung. Methodik: DNA-Fragmentierungsindex (DFI). Ergebnisse: Bei Hodentumor, Hodgkin und gemischten Malignomen unterschied sich der DFI vor Behandlung nicht signifikant von bewiesen fertilen Kontrollen; bei Non-Hodgkin-Patienten war er erhöht. Insgesamt nahm der DFI nach Behandlung ab (13,2 % [Spanne 5,0 bis 70,5] gegenüber 17,1 % [5,1 bis 66,6]; p = 0,040). Nach Strahlentherapie war er bei Hodentumorpatienten höher (16,9 %) als nach Chemotherapie allein (10,9 %); p = 0,037. Stärken: prospektiv, Kontrollen. Schwächen: Die Nachuntersuchten waren laut Abstract meist weniger schwer erkrankt (Selektion). Einordnung: Das Ergebnis steht im Gegensatz zu [s250], wo der DFI bei Hodentumor und Hodgkin vor Behandlung erhöht war.

**Farnetani et al. 2024 [s51].** Titel: *Severe sperm DNA fragmentation may persist for up to 3 years after cytotoxic therapy in patients affected by Hodgkin lymphoma and non-Hodgkin lymphoma.* (Human reproduction (Oxford, England), 2024, PMID 38177083). Land: Italien (Florenz). Design: prospektive Kohorte mit Kontrollen. Population: 53 Hodgkin- und 25 Non-Hodgkin-Patienten (postpubertär; Rekrutierung 2012 bis 2022), 18 mit gepaarten Proben zu drei Zeitpunkten; 79 gesunde fertile Normozoosperme über 18 Jahre als Kontrollen. Methodik: Spermien-DNA-Fragmentierung (TUNEL mit Durchflusszytometrie) an frischen Proben, vor der Behandlung (T0) und 2 und 3 Jahre nach deren Ende; schwere DNA-Schädigung wurde als Wert über der 95. Perzentile der Kontrollen (50 %) definiert. Ergebnisse: Vor Behandlung war die mediane Fragmentierung bei Patienten höher als bei Kontrollen, signifikant in der NHL-Gruppe (40,5 % [Interquartilsabstand 31,3 bis 52,6] gegenüber 28 % [22 bis 38]; p < 0,05). Bei Hodgkin-Patienten blieben die Mediane über die drei Zeitpunkte ähnlich, bei NHL waren sie drei Jahre nach Behandlung signifikant niedriger (29,2 % [22 bis 38] gegenüber 40,5 %; p < 0,05). Der Anteil mit schwerem Schaden zwei Jahre nach Behandlung betrug 11,6 % bei Hodgkin- und 13,3 % bei NHL-Patienten; nach drei Jahren hatte nur noch einer von 16 NHL-Patienten einen schweren Schaden. Stärken: frische Proben (nicht aufgetaut), Kontrollkohorte, gepaarte Analyse. Schwächen laut Autoren: Ausschluss stark oligozoospermer Männer (TUNEL benötigt mindestens 5 Millionen Spermien), kleine Zahl gepaarter Proben.

**van der Kaaij et al. 2014 [s214].** Titel: *Cryopreservation, semen use and the likelihood of fatherhood in male Hodgkin lymphoma survivors: an EORTC-GELA Lymphoma Group cohort study.* (Human reproduction (Oxford, England), 2014, PMID 24345581). Land: Niederlande (Amsterdam). Design: Kohortenstudie mit geschachtelter Fall-Kontroll-Analyse (EORTC-GELA), Fragebogen an 1.849 männliche Überlebende, behandelt 1974 bis 2004. Population: 902 auswertbare Antworten, mittleres Alter bei Behandlung 31 Jahre, mediane Nachbeobachtung nach Kryokonservierung 13 Jahre (5 bis 36). Ergebnisse: 363 von 902 (40 %) hatten vor der Behandlung Samen kryokonserviert; 78 von 363 (21 %) nutzten ihn. Männer, die 1994 bis 2004 behandelt wurden, hatten signifikant geringere Chancen auf Nutzung als früher Behandelte; Alkylanzien oder Zweitlinientherapie erhöhten die Chance. Für eine Vaterschaft nach der Behandlung ergab sich bei erfolgter Kryokonservierung ein adjustiertes Odds Ratio von 2,03 (95-%-Konfidenzintervall 1,11 bis 3,73; p = 0,02). 48 von 258 (19 %) Männern mit Kindern nach Hodgkin-Behandlung wurden mit kryokonserviertem Samen Vater. Schwächen laut Autoren: Fragebogendaten (Antwortverzerrung), keine Korrektur für die Nachbeobachtungsdauer, keine Angaben zu Technik und Zyklenzahl. Einordnung: Die Studie misst keine Samenqualität vor der Behandlung; sie zeigt, welchen Nutzen eine Einlagerung bei Hodgkin-Lymphom im Vaterschaftsergebnis hatte.

**Minoia et al. 2023 [s82] und Behringer et al. 2013 [s218] sowie Ferdinandus et al. 2025 [s25].** Titel zu [s82]: *Fertility preservation and monitoring in adult patients diagnosed with lymphoma: consensus-based practical recommendations by the Fondazione Italiana Linfomi & Società Italiana della Riproduzione Umana.* (Frontiers in oncology, 2023, PMID 37766870). Titel zu [s218]: *Gonadal function and fertility in survivors after Hodgkin lymphoma treatment within the German Hodgkin Study Group HD13 to HD15 trials.* (Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology, 2013, PMID 23150709). Titel zu [s25]: *Fertility in patients with advanced-stage classic Hodgkin lymphoma treated with BrECADD versus eBEACOPP: a secondary analysis of the multicentre, randomised, parallel, open-label, phase 3 HD21 trial.* (The Lancet. Oncology, 2025, PMID 40652943). Diese drei Arbeiten sind behandlungsbezogen und enthalten im Abstract keine Ausgangswerte der Spermienqualität. Minoia et al. (Italien, Bari) ist ein Konsensusdokument der Fondazione Italiana Linfomi und der Società Italiana della Riproduzione Umana mit Delphi-Verfahren (elf Experten, 78 Fragen oder Aussagen, Gwets AC zwischen 0,649 und 0,958). Behringer et al. (Deutschland, Köln) werteten 1.323 (55 %) der 2.412 kontaktierten Überlebenden der GHSG-Studien HD13 bis HD15 aus; FSH, AMH und Inhibin B korrelierten signifikant mit der Therapieintensität (p < 0,001), die Geburtenraten nach fortgeschrittener Behandlung waren niedrig (Frauen 6,5 %, Männer 3,3 %). Ferdinandus et al. (Deutschland) analysierten in der randomisierten HD21-Studie 1.183 Patienten im gebärfähigen Alter (darunter 692 Männer); die Vier-Jahres-Erholung der Gonadenfunktion bei Männern betrug 85,6 % (95-%-Konfidenzintervall 80,8 bis 90,8) nach BrECADD gegenüber 39,7 % (33,6 bis 46,9) nach eBEACOPP (Hazard Ratio 3,28; 2,51 bis 4,30), die Fünf-Jahres-Vaterschaftsrate 9,3 % (6,0 bis 14,5) gegenüber 3,3 % (1,7 bis 6,5); p = 0,014. Diese Zahlen betreffen die Behandlungsfolge und sind hier nur zur Orientierung genannt.

### Leukämien und hämatologische Neoplasien

Bei Leukämien ist die Datenlage schmaler als bei Hodentumor und Hodgkin-Lymphom. Mehrere große Mischserien berichten für Leukämien die niedrigste Ausgangsqualität (siehe Abschnitt „Mischkollektive mit Vergleichsgruppen“); spezifische Studien nur zu Leukämien sind klein. Ein Teil der Unterschiede zwischen den Studien geht auf den Zeitpunkt der Probe zurück, weil bei akuten Leukämien die Therapie oft ohne Aufschub beginnt (siehe Abschnitt „Zeitpunkt der Probe“).

**Hallak et al. 1999 [s280].** Titel: *Cryopreservation of sperm from patients with leukemia: is it worth the effort?* (Cancer, 1999, PMID 10223238). Land: USA (Cleveland Clinic). Design: retrospektive Fall-Kontroll-Studie. Population: 25 Männer mit akuter (n = 13) oder chronischer (n = 12) Leukämie, die vor Chemotherapie Samen einlagerten; 50 gesunde Spender als Kontrollen. Methodik: Samenanalyse vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen einschließlich Bewegungsparametern. Ergebnisse: Signifikant niedrigere Gesamtzahl beweglicher Spermien vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen (p = 0,0001), geringere Beweglichkeit (p < 0,05) und geringere Geschwindigkeit der Kurvenbewegung (VCL; p < 0,05) als bei Spendern. Die prozentuale Veränderung von Einfrieren zu Auftauen bei beweglicher Spermienzahl und Beweglichkeit war bei Patienten stärker (p < 0,05). Der Leukämietyp beeinflusste die Qualität nicht. Die Autoren halten die Menge nach dem Auftauen für ICSI ausreichend. Stärken: Kontrollgruppe, Bewegungsparameter. Schwächen: kleine Fallzahl, nur Samen vor Behandlung ohne späteren Verlauf, keine absoluten Werte und Konfidenzintervalle im Abstract.

**Cariati et al. 2025 [s24].** Titel: *Semen Quality in Patients with Hematological Malignancies: A Retrospective Monocentric Study in the Perspective of Personalized Oncofertility Medicine.* (Journal of personalized medicine, 2025, PMID 41590504). Land: Italien (Neapel). Design: retrospektive monozentrische Studie. Population: 247 Patienten mit hämatologischer Neoplasie (158 Hodgkin-Lymphom, 54 Non-Hodgkin-Lymphom, 35 Leukämie), die von Januar 2017 bis Dezember 2024 am Onkofertilitätszentrum Samen einlagerten, und 63 Männer ohne Krebs (In-vitro-Fertilisation wegen eines tubaren Faktors der Partnerin) als Kontrollen. Methodik: Vergleich von Ejakulatvolumen, Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie zwischen Patienten und Kontrollen und danach zwischen den drei Entitäten; WHO 2021. Ergebnisse: Insgesamt lagen die Parameter der Patienten bei der 25. Perzentile der WHO-Referenz, die Beweglichkeit unter der 5. Perzentile. Signifikante Unterschiede gegenüber den Kontrollen bestanden bei Konzentration (p = 0,0004), Gesamtzahl (p = 0,0003) und Gesamtbeweglichkeit (p < 0,0001). Für das Hodgkin-Lymphom unterschieden sich Konzentration (p = 0,003) und Gesamtzahl (p = 0,001) von den Kontrollen. Die Gesamtbeweglichkeit war bei allen Untergruppen vermindert (Hodgkin p = 0,001; Non-Hodgkin p = 0,004; Leukämie p < 0,001), am stärksten bei Leukämie. Stärken: Kontrollgruppe, Aufgliederung nach Entität, aktuelle WHO-Referenz. Schwächen: Die Kontrollen stammen aus einem Paarkollektiv mit Kinderwunsch (keine gesunden Spender, vermutlich selbst selektiert); die Leukämiegruppe ist mit 35 Männern klein; der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle und keine absoluten Zahlen. Einordnung: Die Beweglichkeitsstörung auch bei Lymphomen deckt sich mit der Studie aus Guangdong [s93].

**Buonacquisto et al. 2025 [s23].** Titel: *Semen quality in acute leukemia patients: a retrospective study.* (Annals of hematology, 2025, PMID 40707629). Land: Italien (Rom). Design: retrospektive Studie bei Patienten mit akuter Leukämie. Population: Die Zahl der Patienten steht nicht im abgerufenen Abstract. Ergebnisse: Die medianen Samenmerkmale lagen vor Behandlung oberhalb der 25. Perzentile (die Bezugswerte sind im Abstract nicht spezifiziert); nach der Therapie stieg der Anteil azoospermer Männer nach einem Jahr; vier Patienten wurden über mindestens einen Zyklus assistierter Reproduktion Väter. Stärken: aktuelle Daten zur Machbarkeit der Kryokonservierung bei akuter Leukämie. Schwächen: Der Abstract nennt keine Fallzahl, keine Kontrollgruppe und keine Konfidenzintervalle. Einordnung: Das Ergebnis, dass die medianen Werte über der 25. Perzentile lagen, steht scheinbar im Kontrast zu den Mischserien [s189, s222], ist aber wegen der fehlenden Bezugsgröße nicht direkt vergleichbar.

**Reschini et al. 2025 [s35].** Titel: *Natural and Assisted Conceptions in Male Patients With Blood Cancers Who Stored Their Semen for Fertility Preservation.* (JCO oncology practice, 2025, PMID 40198873). Land: Italien (Mailand). Design: retrospektive Kohorte mit Nachbeobachtung. Population: 464 Patienten mit hämatologischer Krebserkrankung, die zwischen 1987 und 2018 Samen einlagerten und mindestens fünf Jahre nach Therapie überlebten; 407 überlebten. Ergebnisse: 255 (63 %) hatten eine Samenanalyse nach Behandlung, davon 37 % azoosperm; schwere oder sehr schwere Spermatogenesestörungen waren bei Leukämien häufiger als bei Lymphomen. Rund die Hälfte der Überlebenden (n = 200) suchte Vaterschaft; 73 erreichten eine natürliche Lebendgeburt (37 %); 46 % der Kinderwunschpatienten nutzten kryokonservierten Samen, davon 52 % mit mindestens einer Lebendgeburt. Insgesamt hatten 120 von 200 Männern (60 %; 95-%-Konfidenzintervall 53 bis 67) eine Lebendgeburt. Stärken: sehr lange Nachbeobachtung. Schwächen: Überlebensselektion (nur mindestens fünf Jahre Überlebende), Ausgangsqualität im Abstract nicht berichtet. Die Studie gehört zur Behandlungsfolge und wird hier wegen ihrer Differenzierung nach Leukämie und Lymphom aufgenommen.

**Meguro et al. 2008 [s253].** Titel: *Sperm cryopreservation in patients with hematologic malignancies* (Int J Hematol, 2008, PMID 18696184). Land: Japan (Jichi Medical University). Design: retrospektive Studie. Population: 38 Patienten mit hämatologischen Neoplasien, 1999 bis 2007. Ergebnisse: Bei den vor Beginn der Ersttherapie eingefrorenen Proben (medianes Alter 27,5 Jahre) hatten bis auf zwei Patienten alle eine normale Konzentration und Beweglichkeit; einer hatte normale Konzentration bei verschlechterter Beweglichkeit, einer eine extreme Oligozoospermie. Die Gruppe nach Therapie (medianes Alter 32 Jahre) umfasste 7 AML, 3 ALL, 1 CML, 2 NHL und 3 lymphoblastische Lymphome; ihre Konzentrationen liegen im abgerufenen Text nicht vor (es ist ein Artikelauszug, kein strukturierter Abstract). Schwächen: kleine Zahl, kein Kontrollkollektiv, die Zahlen zur Nachtherapiegruppe fehlen. Einordnung: Anders als die großen Mischserien zeigt diese kleine japanische Serie fast durchweg normale Ausgangswerte vor der Erstbehandlung.

**Chang et al. 2006 [s263].** Titel: *Initial 10-year experience of sperm cryopreservation services for cancer patients* (J Formos Med Assoc, 2006, PMID 17185246). Land: Taiwan (Taipeh). Design: retrospektive Beschreibung der ersten zehn Jahre. Population: 75 Onkologiepatienten (mittleres Alter 25,7 Jahre; Leukämie 35 %, Lymphom 25 %, Hodenkrebs 13 %). Ergebnisse: Bei chronisch-myeloischer Leukämie war die Spermienzahl signifikant niedriger; die Autoren deuten dies als Hinweis auf eine Sammlung nach Therapiebeginn. Die Lagerung wurde bei 13 (17 %) beendet; 3 (4 %) nutzten das Material, es gab keine klinische Schwangerschaft und eine biochemische Schwangerschaft. Schwächen: keine Kontrollgruppe, sehr kleine Untergruppen.

### Hodentumoren

Beim Hodentumor ist die Besonderheit, dass das tumortragende Organ selbst Keimzellen bildet und dass zusätzlich der Messzeitpunkt (vor oder nach der Orchiektomie) wesentlich ist. Die Studien dieses Abschnitts messen die Ausgangsqualität mit unterschiedlichem Zeitbezug; das ist bei jeder Zahl zu beachten.

**Rives et al. 2012 (französisches CECOS-Netz) [s235].** Titel: *The semen quality of 1158 men with testicular cancer at the time of cryopreservation: results of the French National CECOS Network.* (Journal of andrology, 2012, PMID 22837112). Land: Frankreich (Rouen und zehn weitere CECOS-Laboratorien). Design: retrospektive multizentrische Studie. Population: 1.158 Männer mit Hodentumor, die zwischen 1999 und 2003 in 11 CECOS-Laboratorien Samen einlagerten. Methodik: Auswertung der Parameter vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen nach Vorgeschichte, histologischem Typ und Stadium. Ergebnisse: Reine Seminome fanden sich bei 48 %; die Diagnose wurde meist im Stadium I gestellt. Bei Kryptorchismus in der Vorgeschichte trat der Tumor bevorzugt im nicht herabgestiegenen Hoden auf. Die Proben wurden überwiegend nach der Orchiektomie gewonnen. Spermienkonzentration und Gesamtzahl waren vor der Orchiektomie bei Seminomen signifikant niedriger als bei Nicht-Seminomen (p < 0,001); nach der Orchiektomie nahmen diese Parameter bei Nicht-Seminomen ab, bei Seminomen nicht. Schwerer beeinträchtigt waren die Parameter bei Stadium III, bei Kryptorchismus in der Vorgeschichte und bei einem Alter unter 20 Jahren. Azoospermie war vor der Orchiektomie häufiger als danach. Die Autoren folgern, dass die Kryokonservierung vorzugsweise vor der Orchiektomie stattfinden solle und dass bei schwerer Spermatogenesestörung eine Hodenspermienextraktion zeitgleich mit der Orchiektomie genutzt werden könne; Seminome beeinträchtigten die Spermienproduktion stärker als Nicht-Seminome, offenbar bevorzugt im tumortragenden Hoden. Stärken: sehr große Serie, histologische Aufschlüsselung, Vorher-Nachher-Orchiektomie-Vergleich. Schwächen: Proben überwiegend nach der Orchiektomie, retrospektiv, keine Kontrollgruppe, Abstract ohne absolute Werte. Einordnung: Der Befund steht im Gegensatz zu Gandini 2003 [s271], Vicari 2005 [s266] und Tovar-Rodríguez 2014 [s213], in denen Seminompatienten bessere Werte hatten, und zu Xavier 2021 [s127], die die Wirkung beim Nicht-Seminom ausgeprägter sehen; die Studien messen zu verschiedenen Zeitpunkten und in verschiedenen Populationen.

**MacKenna et al. 2017 [s181].** Titel: *Semen quality before cryopreservation and after thawing in 543 patients with testicular cancer.* (JBRA assisted reproduction, 2017, PMID 28333030). Land: Chile (Santiago). Design: retrospektive Studie. Population: 589 Proben von 543 Patienten mit Hodentumor (1995 bis 2015). Methodik: WHO-Kriterien 2010, Auftautest an einer Portion je Patient. Ergebnisse: Hypospermie in 28,7 % der Proben, mediane Spermienkonzentration 18 Mio/ml, 35 % Oligozoospermie, 22 Patienten (4,1 %) azoosperm, 12,7 % schwere Oligozoospermie, mediane Spermienzahl 31,3 Mio, 261 Proben (44,3 %) in allen Parametern normal. Die Gesamtzahl beweglicher Spermien betrug vor der Kryokonservierung 12 Mio (Spanne 0 bis 412,2) und nach dem Auftauen 7 Mio (0 bis 303,9; p < 0,00001; 95-%-Konfidenzintervall der Differenz 5,48 bis 14,91), das entspricht einer Verminderung um 32 %. Nur zwölf Patienten (2,2 %) nutzten ihren Samen. Stärken: große Einzelzentrumsserie mit Auftautest. Schwächen: Auftautest nur an einer Portion je Patient, keine Kontrollgruppe, der Messzeitpunkt zur Orchiektomie wird im Abstract nicht angegeben.

**Badia et al. 2023 [s74].** Titel: *Impact of testicular cancer stage on semen parameters in patients before orchiectomy.* (Urologic oncology, 2023, PMID 36697315). Land: USA (Dallas). Design: retrospektive Studie, ausschließlich Proben vor der Orchiektomie (2006 bis 2018). Population: 38 Patienten mit Hodentumor, mittleres Alter 27 Jahre (Interquartilsabstand 23 bis 32). Ergebnisse: Vier (11 %) waren azoosperm; kein signifikanter Unterschied zwischen Stadium I und II/III oder zwischen Seminom und Nicht-Seminom. Nach WHO 2010 hatten 7 (18 %) ein abnormes Volumen, 18 (47 %) eine abnorme Gesamtspermienzahl und 9 (24 %) eine abnorme Beweglichkeit. Stärken: Proben ausschließlich vor der Orchiektomie, also ohne Operationseffekt. Schwächen: nur 38 Patienten, keine Kontrolle, keine Konfidenzintervalle; die Aussage „kein Unterschied nach Stadium oder Histologie“ beruht auf kleinen Gruppen mit geringer Teststärke.

**Buonacquisto et al. 2026 (Zeitpunkt der Kryokonservierung) [s04].** Titel: *Semen Cryopreservation in Testicular Cancer: Before or After Orchidectomy?* (Andrology, 2026, PMID 41664519). Land: Italien (Rom). Design: retrospektive Studie zur Samenqualität vor und nach der Orchiektomie; die Fallzahl nennt der Abstract nicht. Ergebnisse: Proben nach der Orchiektomie zeigten einen signifikanten Rückgang von Gesamtspermienzahl und Progressivmotilität sowie mehr morphologische Auffälligkeiten; zugleich sank die Spermien-DNA-Fragmentierung nach der Operation signifikant, was die Autoren als verbesserte Chromatinintegrität nach Tumorentfernung deuten. Erhöhtes präoperatives FSH und höherer BMI waren Risikofaktoren für eine postoperative Oligozoospermie; FSH und LH stiegen nach der Operation, Gesamttestosteron sank leicht. Zwischen dem Volumen des gegenseitigen Hodens und der Änderung der DNA-Fragmentierung bestand ein signifikanter Zusammenhang. Die Autoren halten die Probe nach der Orchiektomie wegen besserer DNA-Integrität für möglicherweise besser geeignet für die assistierte Reproduktion. Schwächen laut Abstract: Nicht alle Teilnehmer erhielten die vollständige Diagnostik, was einzelne Analysen einschränkt; keine Zahlen im Abstract. Einordnung: Das Ergebnis steht in Spannung zu Rives [s235], der die Einlagerung vor der Orchiektomie bevorzugt, weil dort die Konzentration höher ist; beide Befunde betreffen unterschiedliche Parameter (Menge gegenüber DNA-Integrität).

**Fosså et al. 1989 [s296].** Titel: *Is routine pre-treatment cryopreservation of semen worthwhile in the management of patients with testicular cancer?* (British journal of urology, 1989, PMID 2611625). Land: Norwegen (Oslo, Norwegian Radium Hospital). Design: retrospektive Kohorte. Population: 147 Patienten mit Hodentumor, die zwischen 1979 und 1987 nach der Orchiektomie vor Behandlung ein Spermiogramm erhielten. Ergebnisse: Kryokonservierung wurde von 91 Patienten gewünscht, war aber bei 38 wegen schlechter Parameter unmöglich. Von 99 auswertbaren Patienten hatten 44 nach der Behandlung eine Spermienzahl von mindestens 10 × 10^6/ml, und 22 von ihnen wurden Väter. Die Fertilität nach der Behandlung war bei Patienten mit und ohne Kryokonservierung in gleichem Maß zu beobachten; vier von 53 nutzten ihren Tiefkühlsamen, es entstand eine Schwangerschaft. Die Autoren halten die klinische Bedeutung der routinemäßigen Kryokonservierung für zweifelhaft (so im Titel als Frage formuliert). Stärken: Vergleich mit und ohne Kryokonservierung. Schwächen: alte Daten (vor ICSI), kleine Gruppen, Auswahlverzerrung. Einordnung: Der Anteil von 38 unmöglichen Einlagerungen unter 91 Wünschen (rund 42 %) ist wegen der damaligen Aufnahmekriterien nicht mit heutigen Zahlen vergleichbar.

**Záková et al. 2014 [s215].** Titel: *Sperm cryopreservation before testicular cancer treatment and its subsequent utilization for the treatment of infertility.* (TheScientificWorldJournal, 2014, PMID 24587730). Land: Tschechische Republik (Brno). Design: kontrollierte klinische Studie beziehungsweise Kohorte. Population: kryokonservierter Samen von 523 Männern mit Hodentumor (1995 bis 2012); 557 entschieden sich zum Einfrieren; Azoospermie bei 34 (6,1 %); Samen von 532 Patienten wurde kryokonserviert; 283 (54,1 %) hatten ein Seminom, 240 (45,9 %) ein Nicht-Seminom. 34 Männer (6,5 %) nutzten den Samen: 57 Behandlungszyklen mit kryokonserviertem, frischem oder Spendersamen; 16 Schwangerschaften bei 46 Zyklen mit kryokonserviertem Samen, entsprechend 34,8 %. Hinweis: Die Zahlenangaben im Abstract sind teils uneinheitlich (523 gegenüber 532 und 557 Patienten) und werden hier wortgetreu übernommen. Schwächen: keine Kontrollgruppe im Abstract, Zahlenangaben unstimmig.

**Vicari et al. 2005 [s266].** Titel: *[Unilateral testicular cancer: incidence and effects of a contralateral testiculopathy on the sperm output]. (Einseitiger Hodenkrebs: Häufigkeit und Auswirkungen einer kontralateralen Hodenerkrankung auf die Spermienleistung)* (Minerva urologica e nefrologica = The Italian journal of urology and nephrology, 2005, PMID 15944521). Land: Italien (Catania). Design: Querschnittsstudie (italienischsprachig). Population: 24 Patienten (mittleres Alter 26 Jahre, 19 bis 38) mit Hodenkeimzelltumor (10 Seminome, 14 Nicht-Seminome) nach Orchiektomie und vor Strahlen- oder Chemotherapie. Ergebnisse: Seminompatienten hatten signifikant höhere Konzentration, Gesamtzahl und Vorwärtsbeweglichkeit als Nicht-Seminompatienten. Fünf von 24 (20,8 %) waren azoosperm, 10 (41,7 %) hatten ein oligo-, astheno- oder teratozoosperme Muster, 9 (37,5 %) waren normal. Das Volumen des verbleibenden Hodens war bei 4 von 5 azoospermen Patienten (80 %) und bei 7 von 10 oligoasthenoteratozoospermen (70 %) vermindert (unter 12 ml), bei normozoospermen nie; die Biopsie bei fünf Azoospermen zeigte Sertoli-Zell-Syndrom bei vieren und Reifungsstopp bei einem. Die Autoren deuten dies als zufällige kontralaterale primäre Hodenerkrankung. Stärken: Verbindung von Samen, Ultraschall und Histologie. Schwächen: kleine Zahl, nach Orchiektomie untersucht, keine Kontrollgruppe, keine Konfidenzintervalle.

**Tovar-Rodríguez et al. 2014 [s213].** Titel: *[Serum hormones that regulate the reproductive axis in men with testicular germ cell cancer and its impact on fertility]. (Serumhormone der Reproduktionsachse bei Männern mit Hodenkeimzelltumor und ihre Auswirkung auf die Fertilität)* (Cirugia y cirujanos, 2014, PMID 25510790). Land: Mexiko (Mexiko-Stadt). Design: Vergleichsstudie mit Kontrollen (spanischsprachig). Population: 37 Patienten mit Keimzelltumor (15 Seminom, 22 Nicht-Seminom) und 35 Kontrollen; Hormone per Radioimmunoassay. Ergebnisse: Bei Nicht-Seminomen waren LH, FSH und Testosteron erniedrigt, Estradiol und Prolaktin erhöht im Vergleich zu Seminomen. Von den Nicht-Seminom-Patienten hatten 5 eine Oligozoospermie, 3 eine Azoospermie, 6 eine normale Konzentration und 8 gaben keine Probe ab; in der Seminomgruppe war einer azoosperm, 9 hatten eine normale Konzentration und 5 gaben keine Probe ab. Die Autoren folgern, dass die Beeinträchtigung der Fertilität bei Nicht-Seminomen größer sei. Stärken: Hormon- und Samenbefund, Kontrollgruppe. Schwächen: kleine Fallzahlen, viele Patienten ohne Probe (13 von 37), keine Konfidenzintervalle.

**Molnár et al. 2014 [s209].** Titel: *[Influence of malignant tumors occurring in the reproductive age on spermiogenesis: studies on patients with testicular tumor and lymphoma]. (Einfluss bösartiger Tumoren im reproduktionsfähigen Alter auf die Spermiogenese: Untersuchungen an Patienten mit Hodentumor und Lymphom)* (Orvosi hetilap, 2014, PMID 25109916). Land: Ungarn (Debrecen). Design: retrospektive Analyse (ungarischsprachig; Ungarisch gehört nicht zu den ursprünglich angefragten Sprachräumen, die Studie wird wegen ihres Inhalts geführt). Population: Spermiogramme von 68 Männern mit Hodentumor, 37 mit Hodgkin-Krankheit und 14 mit Non-Hodgkin-Lymphom (zusammen 119) vor Kryokonservierung. Ergebnisse: Azoospermie bei 11,8 % (14 Männer), Oligozoospermie bei 58,8 % (70 Männer) schon vor Behandlung; die Spermienkonzentration sei bei Hodentumor signifikant niedriger als bei Lymphomen, angegeben als „32,8 gegenüber 24,9 Mio/ml; p = 0,03“. Hinweis zur Konsistenz: Die Richtung der angegebenen Mittelwerte (32,8 bei Hodentumor, 24,9 bei Lymphomen) widerspricht der Aussage, die Konzentration sei bei Hodentumor niedriger; der Abstract (auch die ungarische Fassung) wird hier wörtlich wiedergegeben, ohne den Widerspruch aufzulösen. Zwischen Hodgkin und Non-Hodgkin bestand kein Unterschied. Schwächen: Abstract ohne Streuungsmaße, Widerspruch in den Zahlen, keine Kontrollgruppe.

**Höppner et al. 1986 [s300].** Titel: *[Examination of the fertility of patients with malignant testicular cancer at the time of orchiectomy. The question of the opinion on cryopreservation]. (Untersuchung der Fertilität von Patienten mit bösartigem Hodentumor zum Zeitpunkt der Orchiektomie. Die Frage der Stellungnahme zur Kryokonservierung)* (Andrologia, 1986, PMID 3752544). Land: im Abstract nicht angegeben (deutschsprachig, Zeitschrift Andrologia). Design: Querschnittsstudie. Population: 29 Patienten mit Hodentumor; bei 19 wurde vor und nach der Orchiektomie, aber vor jeder weiteren Behandlung, eine Samenanalyse gemacht. Ergebnisse: ohne offensichtlichen Unterschied zwischen beiden Zeitpunkten. Nach den damals üblichen Annahmekriterien (mehr als 10 Mio/ml und mehr als 30 % Beweglichkeit) erfüllten 17 von 29 (58,6 %) die Bedingungen für das Einfrieren. Schwächen: sehr kleine Zahlen, Untersuchung vor Einführung der ICSI, keine Kontrollgruppe. Einordnung: Die fehlende Differenz vor und nach der Orchiektomie in dieser kleinen Serie steht im Gegensatz zu [s235] und [s04].

**Schubert et al. 1989 [s297].** Titel: *[Autologous frozen sperm--an alternative in infertility in the patient with invasively treated testicular tumor?]. (Autologes Gefrierejakulat - eine Alternative bei Infertilität des Patienten mit invasiv behandeltem Hodentumor?)* (Zeitschrift fur Urologie und Nephrologie, 1989, PMID 2741565). Land: Deutschland (Dresden). Design: retrospektive Studie. Population: Patienten mit Hodentumor; bei 70 % (n = 30) fand sich vor der Behandlung ein abnormes Spermiogramm; nach retroperitonealer Lymphknotenausräumung bei 71 % (n = 45) ein vollständiger oder teilweiser Ejakulationsverlust; von 22 Patienten mit Kryosamen erfüllten nur diejenigen mit mehr als 10 Mio Spermien/ml, mehr als 30 % beweglichen Spermien und mehr als 30 % Beweglichkeit nach dem Auftauen die Anforderungen; unter diesen Bedingungen seien nur 25 % der Hodentumorpatienten für eine langfristige Konservierung geeignet. Schwächen: Gesamtzahl der Patienten im Abstract nicht genannt, damalige strenge Kriterien, keine Kontrollgruppe.

**Barth und Schönfelder 1988 [s298], Joos et al. 1993 [s291], Köhn und Schill 1988 [s299].** Titel zu [s298]: *[Fertility studies in malignancy (tumors of the testicle, malignant melanomas, cancer of the thyroid gland)]. (Fertilitätsuntersuchungen bei Malignomen (Hodentumoren, maligne Melanome, Schilddrüsenkarzinom))* (Andrologia, 1988, PMID 3369711). Titel zu [s291]: *[Endocrinology and fertility in stage I testicular tumor]. (Endokrinologie und Fertilität beim Hodentumor im Stadium I)* (Helvetica chirurgica acta, 1993, PMID 7509783). Titel zu [s299]: *[The Munich cryopreserved sperm bank--intermediate 1974-1986 evaluation]. (Die Münchner Kryosamenbank - Zwischenauswertung 1974-1986)* (Der Hautarzt; Zeitschrift fur Dermatologie, Venerologie, und verwandte Gebiete, 1988, PMID 3360601). Diese drei deutschsprachigen Arbeiten bleiben zahlenarm. Barth (Aue, damalige DDR) berichtet über 83 Patienten (78 Hodentumoren, 4 Melanoblastome, 1 Schilddrüsenkarzinom); Einschränkungen der Fertilität traten bei Gonadentumoren deutlicher auf als bei extragonadalen Tumoren; ein Ejakulationsverlust nach retroperitonealer Lymphknotenausräumung wird als die stärkste Fertilitätsstörung bezeichnet. Joos (Salzburg, Österreich) untersuchte 54 Patienten mit Hodentumor im Stadium I, bei 37 lag ein Spermiogramm vor der Semikastration vor; das beta-hCG im peripheren Serum sei für die Beurteilung der Hormone von großer Bedeutung. Köhn (München) berichtet über die Münchner Samenbank seit 1974 mit überwiegend Hodentumorpatienten, ohne Zahlen im Abstract.

**Culpan et al. 2024 [s48].** Titel: *The Status of Spermatogenesis in Germ Cell Tumor Bearing Testis and Its Association with Metastatic Disease.* (Clinical genitourinary cancer, 2024, PMID 38728792). Land: Türkei (Istanbul Medeniyet-Universität und weitere Zentren). Design: retrospektive histologische Kohorte (multizentrisch). Population: 454 Patienten mit testikulärem Keimzelltumor nach Orchiektomie; 195 mit Seminom, 259 mit nicht seminomatösem Keimzelltumor (NSGCT); 306 hatten bei Diagnose eine lokalisierte Erkrankung; medianes Alter 31 Jahre (Interquartilsabstand 26 bis 38). Methodik: Alle nicht tumorösen Areale des Orchiektomiepräparats wurden histologisch auf Spermatogenese untersucht; multivariate logistische Regression für die Faktoren einer metastasierten Erkrankung. Ergebnisse: 102 Patienten (22,5 %) hatten eine normale Spermatogenese, 177 (39,0 %) eine Hypospermatogenese und 175 (38,5 %) keine reifen Spermien. Mit metastasiertem NSGCT waren assoziiert: Embryonalkarzinom über 50 % (Effektmaß 1,944; 95-%-Konfidenzintervall 1,054 bis 3,585; p = 0,033), Hypospermatogenese (2,796; 1,251 bis 6,250; p = 0,012) und das Fehlen reifer Spermien (3,907; 1,692 bis 9,021; p = 0,001); für Seminome fand sich keine signifikante Variable. Der Abstract nennt das Effektmaß ohne Bezeichnung (vermutlich Odds Ratio). Stärken: große Fallzahl, Konfidenzintervalle berichtet, Histologie als Direktmaß der Spermatogenese. Schwächen: Histologie statt Ejakulatanalyse, retrospektiv, kein Vergleich mit gesunden Kontrollen, Heterogenität nicht berichtet. Einordnung: Die Studie zeigt, dass beim Hodentumor schon im Gewebe des erkrankten Hodens vor jeder Systemtherapie ein verbreiteter Schaden besteht; sie erlaubt keinen Rückschluss auf die Ejakulatqualität einzelner Patienten.

**Topuz et al. 2021 [s125].** Titel: *Examination of clinical data and semen analysis results of patients undergoing orchiectomy for testicular tumor.* (Revista da Associacao Medica Brasileira (1992), 2021, PMID 34495064). Land: Türkei (Ankara, Gülhane-Klinik). Design: retrospektive monozentrische Fallserie. Population: 53 Männer mit Orchiektomie wegen Hodentumor (2016 bis 2019), mittleres Alter 33,51 ± 12,86 Jahre. Ergebnisse: Die mittleren Spiegel aller Tumormarker lagen über den Referenzwerten; mittlere Tumorgröße 34,68 ± 23,32 mm; multiple Lokalisationen in 11,3 %, Mikrolithiasis in 13,2 %. Ein Spermiogramm samt Kryokonservierung wurde bei 29 der 53 Patienten (54,7 %) vor der Operation durchgeführt; die mittlere Spermienkonzentration vor der Orchiektomie betrug 24,21 × 10^6/ml. Die Beweglichkeit nach Kategorien lautet im Abstract wörtlich: Gruppe A 0,79 %, Gruppe B 39,10 %, Gruppe C 9,83 %, Gruppe D 22,69 %. Die Autoren schließen, die Spermatogenese sei vor der Behandlung durch lokale und systemische Effekte des Hodenkrebses beeinträchtigt. Stärken: Spermiogramme vor jeder Therapie. Schwächen: nur 29 von 53 mit Spermiogramm, keine Kontrollgruppe, keine Konfidenzintervalle, keine Streuungsmaße der Spermienwerte. Hinweise auf interne Unstimmigkeiten im Abstract: Die Beweglichkeitswerte der vier Kategorien summieren sich nicht auf 100 %, und der Wert von 0,79 % für Kategorie A ist ungewöhnlich niedrig; die Zahlen werden unverändert wiedergegeben.

**Tangal und Yığman 2021 [s123].** Titel: *Frequency of Testicular Tumor in Patients with a Diagnosis of Infertility and Asymptomatic Male Applied to a University Hospital* (Acıbadem Üniversitesi Sağlık Bilimleri Dergisi, 2021). Land: Türkei (Istanbul, Acıbadem-Universität). Design: retrospektive Auswertung bei Männern mit Kinderlosigkeit oder Männerfaktor, also in umgekehrter Fragerichtung (Tumor bei Infertilen). Population: 954 Männer (August 2015 bis August 2018), mittleres Alter 31,6 Jahre. Ergebnisse: Bei fünf Männern (vier rechts, einer links; rechnerisch 0,5 % der Gruppe) wurde ein Hodentumor festgestellt; alle fünf hatten ein reines Seminom, keiner hatte einen Maldescensus testis in der Vorgeschichte, die Tumormarker waren normal, Metastasen fehlten. Drei dieser fünf hatten eine Oligospermie, zwei eine Azoospermie. Die Autoren raten, bei infertilen Männern auf Hodentumoren zu achten. Schwächen: nur fünf Fälle, keine Kontrollgruppe, Auswahl durch Kinderwunschsprechstunde. Einordnung: Die Studie liefert fünf Spermiogramm-Befunde vor einer Tumorbehandlung und ist mit der Annahme vereinbar, dass niedrige Spermienwerte dem Tumor vorausgehen können.

**Kostin et al. 2017 [s186] und Kulchenko 2018 [s170].** Titel zu [s186]: *Оценка перспективности адекватного сперматогенеза у пациентов с опухолями яичка (Bewertung der Aussichten auf angemessene Spermatogenese bei Patienten mit Hodentumoren)* (Research'n Practical Medicine Journal, 2017). Titel zu [s170]: *Мужское бесплодие и опухоли яичка (Männliche Unfruchtbarkeit und Hodentumoren)* (Research'n Practical Medicine Journal, 2018). Land: Russland (Moskau). Design: zwei Kongressbeiträge zur Hormonlage bei nicht obstruktiver Azoospermie. Population: Kulchenko untersuchte 197 Patienten mit Azoospermie (Hormonprofil, Skrotalsonographie, bei Indikation Mikro-TESE mit Histologie). Ergebnisse: TSH, LH, Testosteron, Prolaktin und SHBG unterschieden sich nicht (p > 0,05); FSH (2,3 bis 26,8 mIE/l), Inhibin B (88,4 ± 7,8 pg/ml) und AMH (3,2 ± 1,4 ng/ml) veränderten sich signifikant (p < 0,05). Bei der Hodenbiopsie wurde bei 7 Männern (3,5 %) ein Hodenkrebs entdeckt, 4 Seminome und 3 gemischte Tumoren. Kostin nennt als häufigste Indikationen zur Spermakonservierung bei Hodentumoren Seminom (27,18 %), gemischten Hodenkrebs (14,98 %) und Tumoren des Keimepithels (12,34 %) und zitiert ohne Quellenangabe Werte „europäischer Forscher“. Schwächen: Kongressbeiträge ohne vollständige Methodik, Sekundärzahlen ohne Beleg, keine prätherapeutische Samenanalyse im eigentlichen Sinn; die Befunde bleiben in diesem Kapitel nachrangig.

**Hagiuda et al. 2021 [s113].** Titel: *Frequent azoospermia in patients with testicular germ cell cancer and a history of cryptorchidism: a report of nine cases and review of the literature* (Syst Biol Reprod Med, 2021, PMID 33630670). Land: Japan (Ichikawa). Design: Fallserie. Population: 9 Patienten mit Hodenkeimzelltumor und früherem Kryptorchismus. Ergebnisse: 5 hatten eine Azoospermie; bei dreien davon wurde das Sperma vor der Orchiektomie gewonnen. Die Autoren sehen die Spermatogenese bei diesen Patienten schwer gestört. Schwächen: neun Fälle, keine Kontrollgruppe; Aussage zur Häufigkeit nicht möglich.

**Pong et al. 2016 [s196].** Titel: *The Biochemical and Pathological Correlates of Successful Semen Cryopreservation From Patients With Testicular Cancer: A Single Tertiary Center Experience* (Urology, 2016, PMID 26610675). Land: Taiwan (Taipeh und Taoyuan). Design: retrospektive Studie mit Marker- und Pathologiekorrelaten. Population: 50 Männer (16 bis 36 Jahre) mit Hodentumor. Ergebnisse: Die Erfolgsrate der Kryokonservierung betrug 52 %. Alpha-Fetoprotein (4.113,1 gegenüber 81,2 ng/ml) und Tumorvolumen (77,7 gegenüber 25,5 ml) waren in der Misserfolgsgruppe höher als in der Erfolgsgruppe; das Verhältnis Seminom zu Nicht-Seminom betrug 9/17 gegenüber 3/21 (p = 0,066; die Zuordnung zu Erfolgs- und Misserfolgsgruppe ergibt sich rechnerisch aus 26 Erfolgen bei 52 %). Alpha-Fetoprotein über 1.000 ng/ml ergab den höchsten Youden-Index (0,689) bei einer Sensitivität von 0,625 und einer Spezifität von 1,0 für ein schlechtes Ergebnis. In der multivariaten Analyse waren Alpha-Fetoprotein (p = 0,013), Tumorvolumen (p = 0,047) und Alpha-Fetoprotein über 1.000 ng/ml (p = 0,010) mit schlechter Samenqualität und Misserfolg verbunden. Seminome hatten eine höhere Konzentration als Nicht-Seminome (21,5 gegenüber 11,8 Mio/ml; p < 0,027). Stärken: Tumormarker als objektive Kovariate. Schwächen: 50 Männer, Konfidenzintervalle fehlen, Zahlen im Abstract teils schwer zuzuordnen.

**Hamano et al. 2018 [s163].** Titel: *Differences in semen characteristics between patients with testicular cancer and other malignancies using various cut-off values* (Int J Urol, 2018, PMID 29963714). Land: Japan (Hirosaki). Design: retrospektive Studie. Population: 117 Patienten (111 ausgewertet), die zwischen November 1999 und Mai 2016 vor der Krebsbehandlung Sperma einfrieren ließen: 29 (26 %) mit Hodentumor, 82 (74 %) mit anderen Tumoren. Ergebnisse: Bei Hodentumor war die Gesamtspermienkonzentration signifikant niedriger. Den WHO-Grenzwert für die Konzentration erreichten 41 % der Hodentumor- und 66 % der Nicht-Hodentumor-Patienten. Seminom gegenüber Nicht-Seminom und Stadium I gegenüber II/III unterschieden sich nicht. Pretherapeutische Samenparameter korrelierten nicht mit den ICSI-Ergebnissen. Die Autoren halten die ICSI-Ergebnisse für akzeptabel. Schwächen: kleine Hodentumorgruppe, keine Kontrollen, im Abstract keine Konfidenzintervalle.

**Liu et al. 2021 (Hoden- gegen extragonadale Keimzelltumoren) [s115].** Titel: *The effect of gonadal and extragonadal malignant cancers on sperm quality.* (Translational cancer research, 2021, PMID 35116368). Land: China (Chengdu, Sichuan). Design: retrospektive Vergleichsstudie. Population: Patienten mit testikulären (83,9 %) und extragonadalen (16,1 %) Keimzelltumoren; die absoluten Zahlen nennt der Abstract nicht. Ergebnisse: Kein signifikanter Unterschied bei Volumen, Konzentration und Beweglichkeit vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen sowie in der Wiederfindungsrate; beide Gruppen hatten niedrige Konzentrationen. Patienten mit Seminom hatten im Median eine höhere Beweglichkeit nach dem Auftauen als Patienten mit Nicht-Seminom. 67 % (testikulär) beziehungsweise 72 % (extragonadal) ließen die Proben eingelagert. Die Autoren folgern ein hohes Risiko für beeinträchtigte Samenqualität auch bei extragonadalen Tumoren. Schwächen: Fallzahlen im Abstract nicht genannt; die Deutung als Gonadenfunktionsstörung ist ohne Hormondaten nicht belegt. Einordnung: Das Ergebnis passt zu einem systemischen oder von der Tumorart unabhängigen Einfluss, nicht zu einem rein lokalen Tumoreffekt im Hoden; die Aussage ist aber auf einem kleinen extragonadalen Anteil aufgebaut.

**Giwerc et al. 2021 [s112].** Titel: *[Onco-TESE and testicular cancer]. (Onko-TESE und Hodenkrebs)* (Progres en urologie : journal de l'Association francaise d'urologie et de la Societe francaise d'urologie, 2021, PMID 33612443). Land: Frankreich (Paris). Design: retrospektive Studie zur Onko-TESE (französischsprachig). Population: 24 Patienten mit Hodentumor (1996 bis 2019), mittleres Alter 26,6 ± 5,29 Jahre. Ergebnisse: 58,34 % schwere Spermienveränderung und 41,36 % Misserfolg der Spermiengewinnung (die Summe der beiden Prozentwerte übersteigt 100 %; der Abstract wird wörtlich wiedergegeben); mittlere Dauer des Eingriffs 71 Minuten (± 30,7), Krankenhausaufenthalt 3,75 Tage (± 2,83); positive Biopsien 58,33 % insgesamt und 66,67 % bei Biopsie des Tumorhodens; eine Komplikation Clavien-Dindo III; mittlere Zahl eingelagerter Pailletten 14,28 (± 15,34) bei 7,14 % Nutzung. Schwächen: 24 Patienten, Zahlen in sich widersprüchlich, keine Kontrollgruppe. Einordnung: Die Studie ergänzt, dass bei schwerer Störung vor der Orchiektomie Spermien aus dem Hodengewebe gewonnen werden können; sie misst die Ejakulatqualität nicht.

**Hamada et al. 2026 [s10].** Titel: *Spontaneous miscarriage after intracytoplasmic sperm injection with frozen sperm of patients with testicular germ cell tumour* (BJU Int, 2026, PMID 42233170). Land: Japan (Yokohama). Design: retrospektive Studie zu Fehlgeburten nach ICSI mit kryokonserviertem Sperma. Population: 12 Hodentumor- und 25 andere Krebspatienten (April 2014 bis März 2023); 198 beziehungsweise 480 Eizellen. Ergebnisse: Die Fehlgeburtenrate war nach ICSI mit Sperma von Hodentumor-Patienten höher (43,8 gegenüber 9,1 %; p < 0,05), ohne Unterschied der Schwangerschaftsrate; in der Hodentumor-Gruppe traten drei Fälle wiederholter Schwangerschaftsverluste und Implantationsversagen auf. Die Autoren führen dies auf Chromosomenveränderungen oder DNA-Fragmentierung zurück und erwägen, dass Sperma nach der Behandlung weniger betroffen sein könnte. Schwächen: sehr kleine Gruppe; die Ursache ist im Abstract nicht gemessen, sondern vermutet; keine Konfidenzintervalle. Einordnung: Der Befund passt zu den erhöhten DNA-Fragmentierungswerten bei Hodentumorpatienten [s250], beweist aber keinen Kausalzusammenhang.

**Ping et al. 2014 [s210].** Titel: *Fertility outcome of patients with testicular tumor: before and after treatment.* (Asian journal of andrology, 2014, PMID 24369141). Land: China (Shanghai). Design: retrospektive Kohorte mit Befragung. Population: 125 Patienten mit einseitigem Hodentumor (1996 bis 2010; 18 bis 54 Jahre); 117 (93,6 %) waren erreichbar. Ergebnisse: Von 81 vor der Diagnose Verheirateten hatten 21 bereits ein Kind gezeugt, 6 berichteten eine Azoospermie. Von den 96 Männern, die vor der Behandlung noch nicht gezeugt hatten, ließen 21,9 % (21 von 96) Sperma einfrieren, 23,8 % davon (5 von 21) nutzten es später. Nach der Behandlung versuchten 73 Männer eine Zeugung: 16 natürlich, 19 durch assistierte Reproduktion, zusammen 37 gesunde Kinder ohne angeborene Fehlbildungen. Retroperitoneale Lymphknotendissektion, Chemotherapie und Strahlentherapie hingen am stärksten mit ausbleibender Zeugung zusammen. Schwächen: Fragebogen- und Telefonerhebung (Erinnerungsfehler), keine Kontrolle. Einordnung: Die Arbeit liefert nur die Angabe von 6 Männern mit berichteter Azoospermie vor der Diagnose als Hinweis auf eine Ausgangsstörung.

### Mischkollektive mit Vergleichsgruppen

Nur in diesen Studien lässt sich die Ausgangsqualität gegen Gesunde oder Fertile abgrenzen. Die Kontrollgruppen sind allerdings nicht einheitlich, und jede hat eigene Verzerrungen: Spender sind besonders fertil, Partner Schwangerer ebenfalls selektiert, Männer aus Kinderwunschsprechstunden oder Vasektomiekohorten sind nicht dasselbe.

**Auger et al. 2016 (4.480 Patienten) [s189].** Titel: *Semen quality of 4480 young cancer and systemic disease patients: baseline data and clinical considerations.* (Basic and clinical andrology, 2016, PMID 26893905). Land: Frankreich (Paris, CECOS). Design: retrospektive Studie in einem einzigen Labor mit denselben Methoden für alle Proben. Population: Hodenkeimzelltumor (n = 2.315), Hodgkin-Lymphom (n = 1.175), Non-Hodgkin-Lymphom (n = 439), Leukämie (n = 360), Sarkom (n = 208), Hirntumor (n = 40), Morbus Behçet (n = 68) und multiple Sklerose (n = 73), verglichen mit 1.448 fertilen Spenderkandidaten und 208 Partnern Schwangerer. Methodik: Spermiogramm vor der Behandlung und Auftautest. Ergebnisse: Nur 37 % der Leukämiepatienten und weniger als 60 % bei Keimzelltumor, Non-Hodgkin-Lymphom, Sarkom und Hirntumor waren normozoosperm. Die Spermienproduktion war je nach Erkrankung unterschiedlich stark vermindert; die mediane Gesamtspermienzahl war bei Hodentumor und Leukämie viermal niedriger (p < 0,01 gegenüber beiden Kontrollgruppen). Der geringste Anteil progressiv beweglicher Spermien fand sich bei Leukämie und Hirntumor (jeweils p < 0,01). Der Anteil morphologisch normaler Spermien war bei Krebspatienten vermindert, besonders bei Hirntumor. Nach dem Auftauen war die Progressivmotilität etwa halb so hoch wie bei Spenderkandidaten; bei fast der Hälfte der Proben von Patienten mit Hodentumor oder Leukämie lag die Zahl beweglicher Spermien je Pailette unter 0,5 × 10^6, gegenüber 4,3 × 10^6 bei Spenderkandidaten. Die Autoren schließen, dass für die Mehrzahl der Patienten ICSI nötig wäre, wenn die Spermatogenese nach der Behandlung nicht wieder einsetzt. Stärken: größte Serie der gesamten Recherche, ein Labor, zwei Kontrollgruppen, Auftaudaten, seltene Krebsarten (Hirntumor, Sarkom) einzeln. Schwächen: keine Aufschlüsselung nach Fieber oder Stadium im Abstract, Selektion durch die Samenbank (nur Männer, die eine Probe abgeben konnten und wollten), Abstract ohne Konfidenzintervalle. Einordnung: Diese Studie liefert die belastbarste Rangfolge der Ausgangsqualität nach Krebsart (Leukämie und Hodentumor am niedrigsten); die Zahlen zu Hirntumor beruhen auf nur 40 Männern.

**Fan et al. 2022 (Guangdong) [s93].** Titel: *Association of malignant neoplasms with semen quality in Guangdong province, China: A propensity score matching analysis.* (Andrology, 2022, PMID 34339597). Land: China (Guangzhou, Sun-Yat-sen-Universität). Design: Querschnittsstudie mit Propensity-Score-Matching. Population: 445 Patienten mit bösartigen Neubildungen, die 2016 bis 2019 Samen einlagerten; Vergleichsgruppe aus 9.170 Samenspendern; 413 Patienten (92,8 %) wurden 798 Spendern zugeordnet. Methodik: multivariate lineare Regression. Ergebnisse: Bösartige Neubildungen waren mit folgenden Verminderungen verbunden: Volumen 0,3 ml, Konzentration 17,1 × 10^6/ml, Gesamtzahl 67,6 × 10^6, Gesamtbeweglichkeit 9,8 %, Progressivmotilität 10,2 %, Normalformen 6,4 %. Hodentumor, Tumoren des Nasopharynx und der Verdauungsorgane, Hodgkin-Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphom und Leukämie waren signifikant mit verminderter Beweglichkeit und weniger Normalformen assoziiert; Hodentumor, Hodgkin-Lymphom und Leukämie zusätzlich mit niedrigerer Konzentration oder Gesamtzahl. Die Verminderung von Konzentration und Gesamtzahl war bei unter 30-Jährigen größer. Stärken: gematchte Kontrollgruppe aus großer Spenderbasis, multivariate Regression, Aufgliederung nach Entität. Schwächen: Konfidenzintervalle und p-Werte der einzelnen Koeffizienten stehen nicht im Abstract; Spender sind eine selektierte, besonders fertile Gruppe, was Unterschiede vergrößern kann; Querschnitt; Abstinenzzeit und akute Erkrankungsfolgen nur begrenzt kontrollierbar. Einordnung: Für das Hodgkin-Lymphom ist dies die einzige Effektschätzung gegenüber Gesunden aus dem asiatischen Raum; die Aussage unterscheidet sich von Studien, in denen Lymphompatienten überwiegend normale Werte hatten (etwa [s195, s120]), kann aber durch die besonders günstige Spenderkontrolle mitbedingt sein.

**Shrem et al. 2022 [s102].** Titel: *Effect of Malignancy on Semen Parameters.* (Life (Basel, Switzerland), 2022, PMID 35743953). Land: Israel (Rehovot, Ariel) und Kanada (Montreal, McGill). Design: Vergleichsstudie. Population: 313 Krebspatienten vor gonadotoxischer Behandlung (PG-Tx-Gruppe); Kontrollgruppe (a) Männer einer Fertilitätsabklärung mit Werten oberhalb der Untergrenze der WHO-2010-Referenz (ARL-Gruppe), Kontrollgruppe (b) fertile Männer aus dem Datensatz des WHO-Handbuchs 2020. Ergebnisse: Gegenüber der ARL-Gruppe war die Konzentration um 65,6 % niedriger, das Volumen um 12,1 %, die Gesamtzahl um 72,7 %, die Gesamtbeweglichkeit um 33,0 %, die rasche Beweglichkeit um 22,2 % und die Progressivbeweglichkeit um 24,7 %. Das stärkste Defizit bei Beweglichkeit und Konzentration zeigte sich bei Keimzelltumoren, das geringste bei hämatologischen Tumoren. Gegenüber fertilen Männern waren alle Parameter signifikant niedriger (p < 0,0001). Die Mediane lagen bei den meisten Parametern noch im WHO-Normbereich, die fünfte Perzentile entspreche jedoch Männern mit verlängerter Zeit bis zur Schwangerschaft. Stärken: zwei verschiedene Kontrollgruppen, Aufteilung nach Histologie. Schwächen: Eine Kontrollgruppe ist ein Selektionskollektiv aus einer Fertilitätsklinik (ARL), die andere ein Referenzdatensatz statt einer parallel erhobenen Kohorte; Konfidenzintervalle nennt der Abstract nicht. Einordnung: Auffällig ist, dass die Autoren ihren Befund selbst mit der Aussage „die Wirkung der Erkrankung ist umstritten“ einleiten und trotzdem bei allen untersuchten Krebsarten eine signifikante Verminderung finden.

**Song et al. 2023 [s84].** Titel: *Semen quality and sperm DNA fragmentation in cancer patients undergoing sperm cryopreservation.* (Investigative and clinical urology, 2023, PMID 37668205). Land: Korea (Seoul, CHA Fertility Center Gangnam). Design: prospektive Vergleichsstudie, Mai 2019 bis Februar 2021. Population: 132 Männer, davon 65 Krebspatienten und 67 Kontrollen, die Sperma für assistierte Reproduktion einfrieren ließen. Krebsarten (Volltext): Leukämie 17 (26,2 %), Hodenkrebs 15 (23,1 %), Lymphom 13 (20,0 %), schwere aplastische Anämie 7 (10,8 %), Rektumkrebs 3, Schilddrüsenkrebs 3, Sarkom 2, Lungenkrebs 2, je ein Magen-, Mediastinal- und Wilms-Tumor. Ergebnisse: Das Alter der Krebspatienten betrug 28,38 ± 5,67, das der Kontrollen 32,27 ± 3,24 Jahre (p < 0,001). Volumen 3,36 ± 1,75 gegenüber 3,29 ± 2,04 ml (p = 0,819). Konzentration 67,76 ± 59,50 gegenüber 95,52 ± 69,61 Mio/ml (p = 0,015; der Abstract gibt p < 0,015 an). Gesamtbeweglichkeit 35,84 ± 11,13 gegenüber 41,58 ± 11,61 % (p = 0,004), Progressivbeweglichkeit 32,06 ± 11,63 gegenüber 38,33 ± 11,82 % (p = 0,003). Spermien-DNA-Fragmentierungsindex (DFI) 24,32 ± 15,69 gegenüber 19,11 ± 11,63 % (p = 0,033). Nach Ausschluss von 8 Krebspatienten, die schon vor dem Einfrieren Chemotherapie erhalten hatten (4 Leukämie, 3 Lymphom, 1 aplastische Anämie), blieben Konzentration (70,56 ± 61,60 Mio/ml; p = 0,038), Gesamtbeweglichkeit (p = 0,009) und Progressivbeweglichkeit (p = 0,006) signifikant niedriger, der DFI aber nicht (23,14 ± 12,79 gegenüber 19,11 ± 11,63 %; p = 0,069). Nach Tumorart: Hodenkrebs hatte die niedrigste mittlere Konzentration (33,14 ± 24,88 Mio/ml), Lymphom die höchste (90,00 ± 43,00 Mio/ml, vor Chemotherapie-Ausschluss), Leukämie 80,47 ± 75,82 Mio/ml bei einem DFI von 29,06 ± 20,43 %; zwischen den Untergruppen fanden sich keine signifikanten DFI-Unterschiede. Stärken: prospektiv, Kontrollgruppe, DNA-Fragmentierung gemessen, Analyse mit und ohne vorbehandelte Patienten. Schwächen: kleine Untergruppen (7 bis 17), Kontrollen sind Männer mit Kryokonservierung für assistierte Reproduktion (Altersunterschied von etwa vier Jahren, keine Gesunden), große Streuung, mehrere Vergleiche ohne Korrektur für multiples Testen. Einordnung: Interessant ist, dass die Leukämiegruppe hier eine hohe mittlere Konzentration, aber den höchsten DFI hatte; die Studie widerspricht damit nicht der Rangfolge in [s189], weil sie mit nur 17 Leukämiepatienten wenig Teststärke hat.

**Caponecchia et al. 2016 [s190].** Titel: *Do malignant diseases affect semen quality? Sperm parameters of men with cancers.* (Andrologia, 2016, PMID 26173956). Land: Italien (Latina). Design: Fall-Kontroll-Studie. Population: 236 Krebspatienten verschiedener Entitäten, die zur Kryokonservierung vorgestellt wurden, und 102 fertile gesunde Männer als Kontrollen. Ergebnisse: Die medianen Basiswerte aller Patienten lagen oberhalb der 5. Perzentile der WHO-Referenz; bei Hodentumoren und Hodgkin-Lymphom war die Konzentration statistisch niedriger als bei Fertilen, bei anderen Krebsarten nicht; keine Korrelation mit dem Stadium; 86 % der Patienten hatten noch keine Kinder. Stärken: gesunde fertile Kontrollen, Stadiumsanalyse. Schwächen: Der Abstract nennt keine absoluten Zahlen, keine Konfidenzintervalle und keine Fallzahlen je Entität. Einordnung: Ob die fehlenden Unterschiede bei den übrigen Krebsarten auf kleine Gruppen zurückgehen, lässt sich aus dem Abstract nicht beurteilen.

**Williams et al. 2009 [s252].** Titel: *Pretreatment semen parameters in men with cancer.* (The Journal of urology, 2009, PMID 19091343). Land: USA. Design: retrospektive Auswertung der Kryokonservierungsdatenbank eines Zentrums. Population: Akten von 409 von 1.409 Patienten, 717 Proben (45 % Hodentumor, 10 % Hodgkin-Lymphom, 7 % Non-Hodgkin-Lymphom, 6 % Sarkom, 6 % Prostatakrebs, 5 % Leukämie, 3 % gastrointestinale Tumoren, 2 % ZNS-Tumoren, 16 % unspezifizierte oder seltene Malignome). Methodik: Vergleich mit Werten fertiler und subfertiler Männer des Netzwerks National Cooperative Reproductive Medicine Network und einer lokalen Vasektomiekohorte. Ergebnisse: Mittleres Alter 29,9 Jahre (11,9 bis 87,7), mittleres Volumen 2,8 ml, mittlere Dichte 47,4 × 10^6/ml, mittlere Beweglichkeit 50,0 %. Bei Hodentumor lagen Dichte und Beweglichkeit im mittleren Bereich; bei allen anderen Malignomen lag die Dichte im fertilen und die Beweglichkeit im mittleren Bereich. Männer mit Hodentumor hatten statistisch eine geringere Samenqualität als Männer mit anderen Malignomen. Stärken: mehrere Referenzkollektive, Berücksichtigung geografischer Unterschiede. Schwächen: Es waren nur 409 von 1.409 Akten verfügbar (Selektion); die Kontrollen sind Referenzwerte, keine parallele Kohorte. Einordnung: Die Autoren leiten daraus die Wichtigkeit der Einlagerung vor Therapie ab; die Zahlen stützen eher ein „im Mittel kaum beeinträchtigt, mit Ausnahme der Hodentumoren“ als eine generelle Minderung.

**Bussen et al. 2004 [s267].** Titel: *Semen parameters in patients with unilateral testicular cancer compared to patients with other malignancies.* (Archives of gynecology and obstetrics, 2004, PMID 12898144). Land: Deutschland (Würzburg). Design: Vergleichsstudie. Population: 16 Patienten mit einseitigem Hodentumor (Gruppe 1) und 21 mit anderen Malignomen (Gruppe 2: Non-Hodgkin-Lymphom n = 7, Hodgkin-Krankheit n = 6, Leukämie n = 3, Osteosarkom n = 2, Rektumkarzinom n = 2, Schilddrüsenkarzinom n = 1); Samenanalyse nach WHO vor Behandlung. Ergebnisse: Normozoospermie bei keinem Hodentumorpatienten, aber bei fünf Patienten der Gruppe 2 (p = 0,047). Konzentration 18,7 ± 22,3 × 10^6/ml gegenüber 35,6 ± 31,3 × 10^6/ml (p = 0,03); rasch progressive Spermien (WHO-Kategorie a) 1,1 ± 2,0 % gegenüber 4,7 ± 5,6 % (p = 0,02); normale Morphologie 16,2 ± 6,0 % gegenüber 26,1 ± 18,0 % (p = 0,03). Stärken: Direktvergleich im selben Zentrum. Schwächen: sehr kleine Gruppen, Gruppe 2 sehr heterogen, keine gesunde Kontrollgruppe, keine Konfidenzintervalle.

**Agarwal et al. 1996 [s283].** Titel: *Value of clinical diagnosis in predicting the quality of cryopreserved sperm from cancer patients.* (The Journal of urology, 1996, PMID 8583611). Land: USA (Cleveland Clinic). Design: vergleichende klinische Studie. Population: 30 gesunde Männer, 34 mit Hodentumor, 39 mit Hodgkin-Krankheit und 19 mit Leukämie oder Lymphom (Überweisungen über fünf Jahre). Ergebnisse: Beweglichkeit, Bewegungsindex und Gesamtzahl beweglicher Spermien waren vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen bei Patienten signifikant niedriger als bei Gesunden (p < 0,01); zwischen den Patientengruppen gab es keine signifikanten Unterschiede, auch nicht in der Veränderung durch die Kryokonservierung. Die Autoren folgern, dass die klinische Diagnose die Wirkung des Einfrierens nicht vorhersagt. Schwächen: kleine Gruppen; keine absoluten Werte im Abstract. Einordnung: Die fehlenden Unterschiede zwischen den Diagnosen gelten bei kleinen Gruppen mit geringer Teststärke nur eingeschränkt.

**Hotaling et al. 2013 [s222].** Titel: *Raw and test-thaw semen parameters after cryopreservation among men with newly diagnosed cancer.* (Fertility and sterility, 2013, PMID 23103020). Land: USA (Seattle, University of Washington). Design: retrospektive Kohorte. Population: 1.010 Proben (1994 bis 2010) von Männern mit neu diagnostiziertem Krebs gegenüber Männern ohne Krebs („procreative management“). Hauptmaße: mittlere Gesamtzahl beweglicher Spermien (TMC), Änderung der Beweglichkeit und Überleben nach dem Auftauen (100 × Beweglichkeit nach dem Auftauen geteilt durch Rohbeweglichkeit); Anteil der Proben mit TMC über 5 × 10^6 nach dem Auftauen. Ergebnisse: Die Gruppe ohne Krebs hatte die beste Samenqualität vor und nach dem Auftauen; unter den Krebsgruppen die beste bei Prostatakrebs (TMC 155,1 beziehungsweise 53,2 × 10^6), die schlechteste bei Leukämien. Lymphatische Leukämien zeigten die schlechteste TMC im Rohzustand (26,8 × 10^6), myeloische die schlechteste nach dem Auftauen (6,9 × 10^6). Nur die Hodentumorgruppe hatte eine signifikant geringere Chance auf TMC über 5 × 10^6 nach dem Auftauen. Stärken: Aufteilung nach Krebsart, Auftauwerte, Kontrollgruppe ohne Krebs. Schwächen: Die Kontrollgruppe ist ein Fertilitätskollektiv (Männer, die Samen für assistierte Reproduktion einfrieren), im Abstract keine Konfidenzintervalle. Einordnung: Die Daten zeigen, dass die Reihenfolge der Krebsarten im Rohzustand und nach dem Auftauen nicht identisch ist; der Hodentumor fällt erst im Auftautest statistisch heraus.

**Pening et al. 2022 [s98].** Titel: *Impact of cancer on cryopreserved sperm quality and fertility: A cohort study.* (Health science reports, 2022, PMID 35873394). Land: Belgien (Brüssel, Erasme-Krankenhaus). Design: retrospektive Kohorte. Population: Alle Krebspatienten, die 1999 bis 2019 am Erasme-Krankenhaus Samen einlagerten; 111 hämatologische, 104 Hoden-, 19 Prostata-, 28 gastrointestinale und 16 neurologische Tumoren (erste Proben). Ergebnisse: Oligoasthenozoospermie in 30 % der Proben, davon 19,33 % schwere Oligozoospermie (unter 5 Mio/ml). Bei Hodentumor war die Konzentration signifikant vermindert (p < 0,01); Beweglichkeit, Volumen und Zahl der Pailletten unterschieden sich nicht signifikant. Die Konzentration hing mit der Krebsart und dem Alter zusammen (jeweils p < 0,01). 28 Überlebende (9,33 %) nutzten die Proben; Befruchtungsrate 60,5 %, Implantationsrate 29,6 %; kein Zusammenhang zwischen Konzentration und Behandlungserfolg. Stärken: 20 Jahre Beobachtung, Verknüpfung von Samenqualität und Behandlungserfolg. Schwächen: Gruppen klein (Prostata 19, Neurologie 16), keine gesunde Kontrolle.

**Ku et al. 2015 [s200].** Titel: *Semen Analysis in Cancer Patients Referred for Sperm Cryopreservation before Chemotherapy over a 15-Year Period in Korea.* (The world journal of men's health, 2015, PMID 25927057). Land: Korea (Busan, Pusan National University). Design: retrospektive Studie. Population: 66 Patienten, die zwischen 1999 und 2014 vor Chemotherapie Sperma einfrieren ließen; wer zuvor Chemo- oder Strahlentherapie hatte, war ausgeschlossen. Mittleres Alter 32,0 ± 7,9 Jahre (19 bis 58); 48 (72,7 %) ledig. Tumorarten: Hodenkrebs 31 (47,0 %), Non-Hodgkin-Lymphom 10 (15,1 %), Hodgkin-Lymphom 5 (7,6 %), Leukämie 8 (12,1 %), Magen-Darm 5 (7,6 %), muskuloskelettal 5 (7,6 %). Ergebnisse (Volltext): mittleres Intervall zwischen Diagnose und Überweisung 4 Monate (1 bis 18); 3 Patienten (4,5 %) hatten eine Hodenatrophie (Volumen unter 12 ml); beim Hodentumor Seminom 13 (41,9 %), Nicht-Seminom 12 (36,4 %). Signifikante Unterschiede zwischen den Krebsarten bei Konzentration und Vitalität, nicht bei Volumen, Beweglichkeit und Morphologie. Post-hoc-Tests: Konzentration Hodenkrebs gegenüber Non-Hodgkin-Lymphom p = 0,019, gegenüber muskuloskelettalen Tumoren p = 0,025, gegenüber Magen-Darm-Tumoren p = 0,057; Vitalität Hodenkrebs gegenüber muskuloskelettal p = 0,003, Non-Hodgkin-Lymphom gegenüber Magen-Darm p = 0,011. Die mittlere Beweglichkeit lag bei 30,2 %, am niedrigsten bei Non-Hodgkin-Lymphom (28,4 ± 19,4 %) und Leukämie (28,7 ± 15,4 %). Die Autoren schließen, die Spermienqualität könne schon vor der Chemotherapie sinken; sie nennen die Studie die erste zur Kryokonservierung vor Krebstherapie in Korea. Schwächen laut Autoren: Einzelzentrum, retrospektiv; die Hodgkin-Gruppe umfasst nur 5 Patienten, sodass für Hodgkin-Lymphome keine eigene Aussage möglich ist; keine Kontrollgruppe. Die Richtung des Konzentrationsunterschieds Hodenkrebs gegenüber Non-Hodgkin-Lymphom ist im abgerufenen Text nicht angegeben.

**Zhou et al. 2019 (Peking) [s157].** Titel: *[Status quo of autologous sperm preservation in the human sperm bank in Beijing] (Stand der Eigenspermakonservierung in der Humanspermabank Peking)* (Zhonghua Nan Ke Xue, 2019, PMID 32227715). Land: China (Peking). Design: retrospektive Studie der Eigenspermabank (Originaltitel chinesisch, im Abstract nur als englische Übersetzung abgerufen). Population: 251 Männer, Juli 2006 bis Dezember 2016; 204 (81,27 %) waren 20 bis 39 Jahre alt, 223 (88,84 %) kinderlos; Hauptgrund war Krebs (55,78 %, n = 140; Blutkrebs 22,31 %, im Abstract mit n = 66 angegeben, was rechnerisch nicht zu 22,31 % von 251 passt; Hodenkrebs 13,15 %, n = 33; andere 16,33 %, n = 41). Ergebnisse: Krebspatienten hatten gegenüber Männern ohne Krebs eine niedrigere mittlere Konzentration (60,53 gegenüber 90,45 Mio/ml; p < 0,05), Gesamtzahl (175,8 gegenüber 311,3 Mio.), Progressivmotilität (43,55 gegenüber 49,21 %) und Wiederfindungsrate (52,17 gegenüber 68,13 %). In den Gruppen Hoden, Blut und andere betrug die Konzentration 37,68, 57,98 und 90,69 Mio/ml, die Gesamtzahl 93,29, 158,41 und 349,49 Mio.; bei Hodentumoren waren Konzentration und Gesamtzahl signifikant niedriger (p < 0,05). Die Nutzungsrate lag bei 5,58 % (n = 14). Schwächen: Vergleichsgruppe sind Männer mit anderen Gründen für die Einlagerung, kein Konfidenzintervall, Unstimmigkeit bei der Zahl der Blutkrebspatienten.

**Tang et al. 2022 (Peking) [s104].** Titel: *An evaluation of the population characteristics, semen quality, and utilization status of autologous sperm cryopreservation and fertility preservation in for 662 patients: a 6-year monocentric retrospective study.* (Basic and clinical andrology, 2022, PMID 36324079). Land: China (Peking, Universität Peking Dritte Klinik). Design: retrospektive monozentrische Studie. Population: 662 Männer (15 bis 65 Jahre, Mittel 33,49 ± 8,79), 351 Krebspatienten (53,02 %; 31,14 ± 7,32 Jahre) und 311 Männer ohne Krebs (46,98 %; 36,14 ± 9,54 Jahre). Ergebnisse: Die Krebsgruppe hatte signifikant niedrigere Konzentration, Anteil progressiver Spermien nach dem Auftautest, Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien nach dem Auftauen und Wiederfindungsrate progressiv beweglicher Spermien (alle p < 0,05). Zahlenbezogene Parameter waren vor allem bei Hodentumor, bewegungsbezogene Parameter vor allem bei Leukämie verändert. Nutzungsrate 6,34 % bei 6 bis 78 Monaten Nachbeobachtung; klinische Schwangerschaftsrate 56,76 % (Frischtransfer) beziehungsweise 50,00 % (Kryotransfer), Lebendgeburtenrate 24,32 % beziehungsweise 21,43 %. Schwächen: Die Vergleichsgruppe waren Männer mit anderen Gründen für die Kryokonservierung (zum Beispiel Oligozoospermie), nicht gesunde Männer; Altersunterschied von fünf Jahren; Konfidenzintervalle nicht im Abstract.

**Liu et al. 2025 (Nasopharynxkarzinom) [s29].** Titel: *Fertility, gonadal and sexual function in survivors of nasopharyngeal carcinoma patients* (BMC Cancer, 2025, PMID 41094411). Land: China (Chengdu, Sichuan). Design: retrospektive Studie zum Nasopharynxkarzinom (Inzidenz in Sichuan 9,5 pro 100.000). Ergebnisse: Vor der Behandlung waren 79,4 % normozoosperm; die Gesamtspermienzahl war gegenüber gesunden Kontrollen niedriger. Nach Therapie sank die Gesamtspermienzahl zu den Zeitpunkten T0, T3 und T6 und lag bei 12 Monaten wieder auf dem früheren Niveau. Von 44 Patienten mit Fertilitätsdaten wünschten 7 (15,9 %) Kinder; 6 wurden Väter (4 natürlich, 2 nach assistierter Reproduktion). Die Autoren schätzen, dass die Erholung der Spermatogenese 1 bis 2 Jahre dauern kann. Schwächen: kleine Zahl mit Kinderwunsch, Kontrollgruppe nicht näher beschrieben, Gesamtzahl der Patienten im Abstract nicht genannt. Einordnung: Das Nasopharynxkarzinom ist in Südchina häufig und hier mit 79,4 % Normozoospermie ähnlich unauffällig wie die Non-Hodgkin-Lymphome in Rom [s120].

### Samenbankserien ohne Kontrollgruppe

Der größte Teil der Literatur besteht aus Auswertungen von Samenbanken, die absolute Werte nach Krebsart berichten, aber keine Vergleichsgruppe haben. Sie sind für die Frage der Ausgangsqualität nur beschreibend; ihr Wert liegt in der Größe und im Querschnitt über Tumorarten und Länder.

**Wang et al. 2023 (Guangdong) [s87].** Titel: *A retrospective study on sperm cryopreservation in 1034 patients diagnosed with cancer in southern China.* (Asian journal of andrology, 2023, PMID 36537378). Land: China (Guangzhou). Design: retrospektive Querschnittsstudie der Samenbank der Provinz Guangdong, 2010 bis 2021. Population: Von 1.194 neu diagnostizierten Männern mit Wunsch nach Fertilitätserhalt wurden 160 ausgeschlossen (8 konnten keine Probe durch Masturbation abgeben, 25 hatten nach der Krebstherapie eine Azoospermie, 127 lehnten die Kryokonservierung azoospermer oder extrem schlechter Proben nach Aufklärung ab). Ausgewertet wurden 1.034 Patienten: 302 mit Tumoren des Fortpflanzungssystems (99,0 % Hodentumoren, etwa 70 % davon Seminome) und 732 mit anderen Tumoren (Lymphome 33,1 %, Magen-Darm-Tumoren 16,3 %, Nasopharynxkarzinom 15,7 %, Leukämien 7,7 %, Sarkome 3,6 %, Schilddrüse 2,5 %, Lunge 2,5 %, Leber 2,0 %). Ergebnisse (Volltext): Die mediane Spermienkonzentration lag insgesamt bei 46,0 Mio/ml (Spanne 0 bis 413), bei Nicht-Fortpflanzungstumoren bei 56,0 und bei Fortpflanzungstumoren bei 21,0 Mio/ml (p < 0,001). Eine Konzentration von mindestens 15 Mio/ml hatten 85,8 % der Nicht-Fortpflanzungstumoren, aber nur 59,9 % der Fortpflanzungstumoren (p < 0,001); unter 2 Mio/ml lagen 4,4 % gegenüber 10,3 %, zwischen 2 und 14 Mio/ml 9,8 % gegenüber 29,8 %. Die vorgefrorene Progressivmotilität betrug im Median 43,0 % gegenüber 40,0 % (p < 0,001), die Progressivmotilität nach dem Auftauen 24,0 % gegenüber 20,0 % (p < 0,001), die Gesamtbeweglichkeit nach dem Auftauen 28,0 % gegenüber 24,0 % (p < 0,001). Kein Unterschied (p > 0,05) bestand bei Gesamtspermienzahl pro Ejakulat (176,9 gegenüber 70,0 Mio.), vorgefrorener Gesamtbeweglichkeit (47,0 gegenüber 46,0 %) und Anteil normaler Formen (7,8 gegenüber 7,1 %). Schlechte Spermienqualität wurde insgesamt bei 21,8 % festgestellt. Wer vor dem Einfrieren bereits operiert worden war (n = 293, gegenüber 741 ohne Operation), hatte eine niedrigere mediane Konzentration (33,0 gegenüber 51,0 Mio/ml; p < 0,05) und niedrigere Beweglichkeitswerte. Zum Stichtag 30. April 2022 lagen 943 Proben (91,2 %) weiter im Lager, 63 Patienten (6,1 %) hatten sie genutzt, es waren 39 Schwangerschaften erreicht worden. Stärken: große Fallzahl, ein Zentrum, einheitliche Methodik. Schwächen: keine gesunde Kontrollgruppe, Erfassung nur der Männer, die gekommen sind (die Ausschlusszahlen zeigen, dass die Kryokonservierung bei 160 von 1.194 Männern gar nicht zustande kam), Tumorgruppen sehr unterschiedlich groß, Operation und Tumor nicht trennbar.

**Liu et al. 2021 (Chengdu) [s116].** Titel: *Male cancer patient sperm cryopreservation for fertility preservation: 10-year monocentric experience.* (Basic and clinical andrology, 2021, PMID 34525944). Land: China (Chengdu, Sichuan). Design: retrospektive monozentrische Auswertung der Samenbank, 2010 bis 2019. Population: 339 Männer (Alter 26,7 ± 6,8 Jahre, 31 oder 9,9 % unter 18 Jahren). Tumorgruppen: Keimzelltumoren 26 %, hämatologische Neoplasien 28 %, Kopf-Hals-Tumoren 19 %, Thoraxtumoren 4 %, Bauchtumoren 10 %, Sonstige 13 %. Ergebnisse: Gesamt betrug die mediane Konzentration vor dem Einfrieren 47 Mio/ml, die Progressivmotilität 49 %; nach dem Auftauen 30 Mio/ml und 28 %. Tabelle 1 (mediane Konzentration vor dem Einfrieren): Keimzelltumoren 26 (Spanne 0,9 bis 159), hämatologisch 41 (0,7 bis 222), Kopf-Hals 64 (0,4 bis 620), Thorax 47,5, Bauch 64, Sonstige 54,5 Mio/ml; p = 0,0015; Gesamtzahl pro Ejakulat p < 0,0001; Konzentration nach Auftauen p = 0,0041; Progressivmotilität vor dem Einfrieren p = 0,2334; Wiederfindungsrate p = 0,8639. Tabelle 2 (Hodentumor n = 68, Leukämie n = 18, Lymphom n = 65): mediane Konzentration 30, 18,5 und 48 Mio/ml (p = 0,0020), Gesamtzahl 81, 52 und 172 Mio. (p = 0,0130); Progressivmotilität nach dem Auftauen 28, 18,5 und 30 % (p = 0,0563). Leukämiepatienten hatten die schlechteste Probenqualität und mit 46,2 % den höchsten Anteil von Patienten, bei denen keine Spermien eingefroren werden konnten. 58 % ließen die Proben weiter lagern, 31 % verwerfen, 13 Patienten (4 %) nutzten sie. Die Autoren schließen, die Spermienqualität könne schon vor der Antitumortherapie vermindert gewesen sein. Stärken: Vergleich mehrerer Tumorgruppen mit Angabe der Spanne. Schwächen: Gruppenzahlen in Tabelle 1 summieren sich zu 313 statt 339; kleine Leukämiegruppe (n = 18); keine Kontrolle.

**Liu et al. 2024 (national, 16 Regionen) [s60].** Titel: *Fertility preservation in males with cancer of trends, region development, and efficacy in mainland China from 16 regions Chinese sperm banks* (J Assist Reprod Genet, 2024, PMID 38676843). Land: China (Chengdu und 16 Regionen). Design: retrospektive multizentrische Studie, 2010 bis 2020. Ergebnisse: Die Zahl kryokonservierender Krebspatienten stieg insgesamt; die Entwicklung in östlichen, zentralen und westlichen Regionen war ungleichmäßig. Im Jahr 2020 betrug der Anteil kryokonservierender Männer in der Altersgruppe 15 bis 39 Jahre bei Hodentumoren 5,55 %, bei Lymphomen 1,29 % und bei Leukämien 0,39 %. Bei Hodentumoren waren Konzentration vor dem Einfrieren, Gesamtzahl und Konzentration nach dem Auftauen signifikant niedriger. Eine Azoospermie fand sich bei 22,2 % der Leukämiepatienten, die die Autoren auf den dringlichen Behandlungsbeginn vor der Kryokonservierung zurückführen. Verbleib der Proben: weiter gelagert 47,2 %, verworfen 9 %, Tod 0,9 %, genutzt 3,7 %. Das Nasopharynxkarzinom gehört zu den häufigsten zehn Tumorarten der Spermabanking-Patienten. Schwächen: Der Abstract nennt keine Fallzahl und keine Konfidenzintervalle; die Azoospermie bei Leukämie ist mit dem Zeitpunkt der Probe vermischt.

**Fu et al. 2019 (Peking) [s145].** Titel: *Sperm Cryopreservation for Male Cancer Patients: More than 10 Years of Experience, in Beijing China.* (Medical science monitor : international medical journal of experimental and clinical research, 2019, PMID 31048670). Land: China (Peking). Design: retrospektive Studie. Population: 145 Männer (Alter 29,3 ± 6,9 Jahre), 2006 bis 2017; 9 (6,2 %) waren unter 18. Ergebnisse: Männer mit Hodentumor oder Leukämie hatten niedrigere Gesamtspermienzahlen und eine niedrigere Wiederfindungsrate progressiv beweglicher Spermien als Männer mit anderen Tumoren; Sarkompatienten hatten die niedrigste Progressivmotilität (Zahlen im Abstract nicht angegeben). 14 (9,7 %) nutzten ihre Proben bis Juni 2018; von 33 Zyklen führten 17 (51,5 %) zu Empfängnis; 10 von 14 Patienten (71,4 %) bekamen ein Kind. Schwächen: Zahlen zur Ausgangsqualität fehlen im Abstract, keine Kontrollgruppe.

**Huang et al. 2021 [s114] und Wang et al. 2021 [s126].** Titel zu [s114]: *[Characterization of the men undergoing autologous sperm preservation in Chongqing Human Sperm Bank] (Merkmale der Männer, die die Eigenspermakonservierung in der Humanspermabank Chongqing nutzen)* (Zhonghua Nan Ke Xue, 2021, PMID 34914290). Titel zu [s126]: *[Causes of failure in autologous sperm preservation in the human sperm bank and countermeasures] (Ursachen für das Scheitern der Eigenspermakonservierung in der Humanspermabank und Gegenmaßnahmen)* (Zhonghua Nan Ke Xue, 2021, PMID 34914212). Land: China (Chongqing; Guangzhou). Design: zwei retrospektive Beschreibungen chinesischer Spermabanken (Originaltitel chinesisch, nur englische Übersetzung abgerufen). Huang: 76 Männer 2016 bis 2019, 63,2 % aus Chongqing, 52,6 % im Alter von 20 bis 30, 61,9 % unverheiratet, fast 80 % auf ärztlichen Rat, 59,2 % wegen Erkrankungen (vor allem Hodenkrebs, Lymphom, Darmkrebs vor Strahlen- oder Chemotherapie); 355 Ejakulatproben: 83,1 % mit normalen Parametern, 60,5 % erfolgreich eingefroren, 4,3 % der eingefrorenen Proben für assistierte Reproduktion genutzt. Der Abstract nennt außerdem eine erfolgreiche Hodenbiopsie-Spermiengewinnung bei 61 Männern (80,3 %); der Zusammenhang zu den Ejakulatproben bleibt unklar. Wang: Von 1.156 Männern 2016 bis 2019 hatten 857 (74,1 %) Erfolg, 299 (25,9 %) keinen; die Misserfolgsrate betrug in der Mikro-TESE-Gruppe 56,1 % (96 von 171), bei der „Fertilitätsversicherung“ 29,9 % (67 von 224), bei Nicht-Tumor-Erkrankungen 21,2 % (27 von 100) und in der Tumorgruppe 17,2 % (109 von 525); Chi-Quadrat = 109,926; p < 0,01. Gründe des Misserfolgs: Samengewinnung misslang bei 14,0 % (42), der Standard der Kryokonservierung wurde nicht erreicht bei 67,6 % (202), Verzicht wegen schlechter Samenqualität bei 7,4 % (22), andere Gründe bei 11,0 % (33). Schwächen: Abstracts mit teilweise schwer zuordenbaren Zahlen, keine Kontrollgruppen.

**Ping et al. 2010 [s244].** Titel: *Sperm banking for male reproductive preservation: a 6-year retrospective multi-centre study in China.* (Asian journal of andrology, 2010, PMID 20348941). Land: China (Shanghai, Renji-Krankenhaus und weitere Zentren). Design: retrospektive multizentrische Studie. Population: 1.548 Männer mit Samenbank (2003 bis 2008); nur 1,9 % (30 von 1.548) der Proben stammten von Krebspatienten. Ergebnisse: Die Gesamtnutzungsrate betrug 22,7 % (352) mit 119 Lebendgeburten; in der Krebsgruppe 6,7 % (2 von 30) mit einer Lebendgeburt nach ICSI. Die Krebs- und Infertilitätsgruppen hatten schlechte Samenqualität. Als Gründe für die niedrige Inanspruchnahme nennen die Autoren Informationsmangel, Dringlichkeit der Krebsbehandlung und finanzielle Zwänge. Schwächen: Nur 30 Krebspatienten, daher kaum Aussagekraft für die Ausgangsqualität.

**Chung et al. 2013 [s219].** Titel: *Sperm cryopreservation for Chinese male cancer patients: a 17-year retrospective analysis in an assisted reproductive unit in Hong Kong* (Hong Kong Med J, 2013, PMID 24141859). Land: Hongkong. Design: retrospektive Fallserie, Januar 1995 bis Januar 2012. Population: 130 chinesische Patienten (medianes Alter 27 Jahre, 15 bis 43; 85 % ledig; 51 % Hodenkrebs). Ergebnisse: 5 lehnten nach Beratung ab; von den übrigen 125 konnten 122 Samen durch Masturbation gewinnen, 12 hatten eine Azoospermie, 110 ließen einfrieren. Zwischen den Krebsarten fanden sich keine signifikanten Unterschiede der Samenparameter. Nach der gonadotoxischen Behandlung verschlechterte sich die Samenanalyse bei bis zu 32 % (11 von 34), bei 4 Patienten lag dann eine Azoospermie vor. 4 Patienten (4 %, 4 von 110) nutzten das aufgetaute Material für ICSI, mit drei Einlingsschwangerschaften. Die Autoren nennen das Verfahren „unterausgeschöpft“. Schwächen: kleine Gruppen, keine Kontrolle.

**Bizet et al. 2012 [s227].** Titel: *Sperm cryopreservation before cancer treatment: a 15-year monocentric experience.* (Reproductive biomedicine online, 2012, PMID 22285245). Land: Frankreich (Marseille). Design: retrospektive monozentrische Kohorte. Population: 1.080 überwiesene Patienten; 1.007 mit Hodentumor (41,7 %), Lymphom (26 %), anderen hämatologischen Krebsarten (9,4 %) oder anderen Tumoren (22,8 %); 29 gaben keine Probe ab, bei 67 war die Kryokonservierung unmöglich. Ergebnisse: Vor Behandlung lagen die Samenmerkmale im Normbereich außer einer mäßigen Asthenospermie; die Konzentration war bei Hodentumor signifikant niedriger als bei den übrigen. Straws von 57 Patienten (6,3 %) wurden in assistierter Reproduktion genutzt (kumulative Geburtenrate 46,8 %); für 170 Patienten (18,7 %) wurden sie vernichtet; 140 Patienten ließen nach der Behandlung eine Samenanalyse machen, von denen nach durchschnittlich 22,5 Monaten 43 (30,7 %) azoosperm waren. Stärken: große Serie. Schwächen: Der Abstract nennt keine Kontrollen und keine absoluten Konzentrationen.

**Freour et al. 2012 [s229].** Titel: *Sperm banking and assisted reproductive outcome in men with cancer: a 10 years' experience.* (International journal of clinical oncology, 2012, PMID 21979750). Land: Frankreich (Nantes). Design: retrospektive Auswertung eines Kryokonservierungsprogramms. Population: 1.042 Männer (1997 bis 2007): 438 Hodentumor, 184 sonstige solide Tumoren, 278 Lymphom, 142 sonstige hämatologische Tumoren; 2.577 Ejakulate von 1.009 Männern ausgewertet. Ergebnisse: Spermienmerkmale und Empfindlichkeit gegenüber dem Einfrieren hingen von der Krebsart ab. Der gefrorene Samen wurde bei 82 Patienten genutzt (112 IVF- und 66 IUI-Zyklen); die klinische Schwangerschaftsrate pro Zyklus betrug 23,2 % beziehungsweise 12 %. Stärken: Frisch- und Auftauwerte nach Entität. Schwächen: Der Abstract nennt keine Zahlen zu Samenmerkmalen und keine Kontrollen.

**Kobayashi et al. 2017 [s179].** Titel: *Semen cryopreservation as an oncofertility treatment in 122 Japanese men with cancer: A decade-long study.* (Reproductive medicine and biology, 2017, PMID 29259484). Land: Japan (Tokio, Toho-Universität). Design: retrospektive Aktenauswertung. Population: 122 Männer (2006 bis 2015), mittleres Alter 33,6 Jahre; Hodentumor 44,3 %, hämatologisch 31,1 %, Verdauungstrakt 8,2 %, andere 16,4 %. Ergebnisse: mittlere Spermienkonzentration 30,5 × 10^6/ml (Hoden), 45,0 (hämatologisch), 40,5 (Verdauung), 68,4 (andere); mittlere Beweglichkeit 59,6 %, 50,1 %, 43,0 % und 44,8 %. Zwölf Männer (9,8 %) nutzten den Samen, fünf klinische Schwangerschaften (41,7 %). Bemerkenswert: Die Hodentumor-Gruppe hatte die niedrigste Konzentration, aber die höchste mittlere Beweglichkeit. Schwächen: keine Kontrollgruppe, Streuungsmaße nicht im Abstract.

**Negoro et al. 2018 [s164].** Titel: *Sperm cryopreservation: Clinical and fertility outcomes in male oncological patients with germ cell tumors or hematological disorders.* (Reproductive medicine and biology, 2018, PMID 30377406). Land: Japan (Kyoto). Design: retrospektive Aktenauswertung. Population: 257 Patienten, ausgewertet 113 Männer mit Keimzelltumoren und 111 mit hämatologischen Erkrankungen. Ergebnisse (Keimzelltumor gegenüber hämatologisch): Alter 28 gegenüber 27 Jahre, Konzentration 32,6 gegenüber 46,1 Mio/ml (p < 0,05), Beweglichkeit 42,2 % gegenüber 41,0 %, Kryokonservierung vor Chemotherapie 90 % gegenüber 59 % (p < 0,0001). Erfolgreiche Schwangerschaften hingen vom Alter bei Kryokonservierung (30,0 gegenüber 35,3 Jahre; p < 0,05) und von der Krankheitsart (12 von 16 gegenüber 3 von 9; p < 0,05) ab; Patienten mit hämatologischen Erkrankungen hatten trotz besserer Samenqualität niedrigere Schwangerschafts- und Geburtenraten. Schwächen: kleine Zahl erfolgreicher Verläufe; die Gruppen unterscheiden sich im Anteil der Proben nach Chemotherapie (59 % gegenüber 90 % vor Chemotherapie).

**Song et al. 2019 (Seoul) [s152].** Titel: *Long-Term Experience of Sperm Cryopreservation in Cancer Patients in a Single Fertility Center.* (The world journal of men's health, 2019, PMID 30588786). Land: Korea (Seoul, CHA Gangnam). Design: retrospektive monozentrische Studie. Population: 721 Krebspatienten (1996 bis 2016); Leukämie 28,4 %, Lymphom 18,3 %, Hodentumor 10,0 %; mittleres Alter 27,0 Jahre; 111 (15,4 %) kryokonservierten während oder nach der Krebsbehandlung. Ergebnisse: mittlere Konzentration 66,7 ± 66,3 × 10^6/ml, mittlere Beweglichkeit 33,8 ± 16,3 %. Bei medianer Nachbeobachtung von 75 Monaten (1 bis 226) nutzten 44 (6,1 %) ihren Samen, 9 (1,2 %) übertrugen ihn in ein anderes Zentrum; mediane Zeit bis zur Nutzung 51 Monate (1 bis 158). Stärken: größte koreanische Kohorte. Schwächen: keine Aufschlüsselung der Samenqualität nach Tumorart im Abstract.

**Takeshima et al. 2019 [s155].** Titel: *Sperm cryopreservation for fertility preservation in male patients with cancer at a single-center in Japan* (Global Reproductive Health, 2019). Land: Japan (Yokohama). Design: retrospektive Kohortenstudie (CiNii-Eintrag, englischer Abstract). Population: 235 Männer 2012 bis 2017 (medianes Alter 31, Spanne 13 bis 65); hämatologische Neoplasien 38,7 %, Hodentumor 32,3 % (einschließlich extragonadaler Keimzelltumoren), Knochen- und Weichteilsarkome 8,5 %, Lungenkrebs 4,7 %, Prostatakrebs 4,3 %, Hirntumoren 2,6 %. Ergebnisse: mittlere Spermiendichte 28,54 ± 30,25 Mio/ml, mittlere Beweglichkeit 20,38 ± 20,62 %. Kryokonservierung gelang bei 195 (83,0 %); bei 36 (15,3 %) scheiterte sie, hauptsächlich wegen Azoospermie oder schlechter Qualität; bei 4 weiteren (1,7 %) gelang das Einfrieren chirurgisch gewonnener Hodenspermien. Unter den 36 Misserfolgen waren 23 (63,9 %) erst nach Behandlungsbeginn überwiesen worden, 17 aus Hämatologie und Onkologie. Die Spermiendichte war bei bereits Behandelten signifikant niedriger als bei Unbehandelten (p = 0,003). Aus 18 Patienten wurden 23 IVF-Zyklen mit einer klinischen Schwangerschaftsrate von 56,5 % pro Zyklus. Schwächen: keine Kontrollgruppe; die sehr niedrige mittlere Beweglichkeit von 20,4 % ist wahrscheinlich durch den hohen Anteil bereits Behandelter mitbedingt (der Abstract trennt die Gruppen bei den Mittelwerten nicht).

**Ordoqui et al. 2018 [s165].** Titel: *A retrospective study on sperm banking: a Uruguayan experience.* (JBRA assisted reproduction, 2018, PMID 29727140). Land: Uruguay (Montevideo). Design: retrospektive Studie. Population: 623 kryokonservierte Proben (2013 bis 2015), 324 ausgewertet; 190 (58,64 %) wegen assistierter Reproduktion, 113 (34,88 %) onkologisch; in der Krebsgruppe 70 (61,95 %) Hodentumor. Ergebnisse: Die Mediane beider Gruppen lagen über den unteren Referenzgrenzen; bei Frischproben war die Progressivmotilität bei Krebspatienten niedriger (47 % gegenüber 56 %); nach dem Auftauen unterschieden sich Gesamtbeweglichkeit (27 % gegenüber 32 %), Progressivmotilität (19 % gegenüber 22 %) und Vitalität (48 % gegenüber 56 %). Die Autoren nennen die Samenparameter der Krebsgruppe überraschend fast normal. Schwächen: Vergleichsgruppe sind Männer in assistierter Reproduktion, die Krebsgruppe wird nicht nach Entität aufgeschlüsselt.

**Ishikawa et al. 2007 [s260], Saito et al. 2003 [s273], Soda et al. 2009 [s249], Taniguchi et al. 2011 [s239], Ando et al. 2021 [s110].** Titel zu [s260]: *Cryopreservation of human sperm in patients with malignancy: First 2 years' experience* (Reprod Med Biol, 2007, PMID 29699271). Titel zu [s273]: *精子凍結保存10年間の経験 その現状と問題点 (Zehn Jahre Erfahrung mit Spermienkryokonservierung: Stand und Probleme)* (日本泌尿器科学会雑誌, 2003). Titel zu [s249]: *[Sperm cryopreservation for cancer patients: 5-year experience in a private hospital in Japan] (Spermienkryokonservierung bei Krebspatienten: Fünfjahreserfahrung in einer Privatklinik in Japan)* (Hinyokika kiyo. Acta urologica Japonica, 2009). Titel zu [s239]: *当科における悪性腫瘍患者の精子凍結保存の現状と保存システムに関する検討 (Untersuchung zum Stand der Spermienkryokonservierung bei Patienten mit malignen Tumoren in unserer Abteilung und zum Aufbewahrungssystem)* (泌尿器科紀要, 2011). Titel zu [s110]: *Current status of sperm cryopreservation for fertility preservation prior to cancer treatment at Jichi Medical University Hospital* (自治医科大学紀要, 2021). Land: Japan. Design: fünf kleinere Einzelzentrumsserien. Ishikawa: 130 Patienten (Hodentumor 53, Leukämie 43, malignes Lymphom 13); bei Leukämie lagen alle Samenparameter in der unbehandelten Gruppe näher an der Norm als in der behandelten, bei den Unbehandelten war die Konzentration bei Hodentumor niedriger als bei Leukämie oder Lymphom; vier Paare nutzten das Material, drei Kinder von zwei Paaren. Saito 2003: 152 Krebspatienten; von 35 Hodentumor-Patienten, die vor der Chemotherapie kamen, erreichten 7 (20 %) die WHO-Referenzwerte, von 20 Leukämie- oder Lymphom-Patienten vor Chemotherapie 10 (50 %); von 69 Patienten, die nach Beginn der Chemotherapie kamen, erreichten 9 (13 %) die Referenzwerte, 29 (42 %) hatten eine Azoospermie; nicht chemotherapeutisch Vorbehandelte konnten zu 96,1 % Sperma einfrieren, nach Chemotherapie nur zu 45,3 %. Soda: 88 Onkologiepatienten in fünf Jahren; fast 90 % der Hodentumor-Patienten gegenüber 53 % der hämatologischen Patienten hatten vor Therapiebeginn eingefroren; bei Hodentumor sei schon vor der Therapie Oligozoospermie häufig; 5 nutzten Proben, 3 wurden Väter. Taniguchi: 41 Patienten 2000 bis 2010, mittleres Alter 27,7 Jahre, Hodentumor 44 %, hämatologisch 44 %, sonstige 12 %; Fokus auf Lagerorganisation. Ando: 32 Patienten (Mai 1997 bis Januar 2019), mediane Alter 32 Jahre (15 bis 52); 9 Patienten (28,1 %) nutzten ihre Spermien für ICSI, alle ohne Lebendgeburt. Schwächen: kleine Serien, kaum Streuungsmaße, kein Vergleich mit Gesunden. Einordnung: Saito 2003 ist wegen der Aufteilung nach Zeitpunkt vor und nach Chemotherapie die wichtigste dieser Serien und zeigt, wie stark der Zeitpunkt der Probe die Ausgangswerte bestimmt (50 % gegenüber 13 % Normalwerte bei Leukämie und Lymphom).

**Dahar (Sanada) et al. 2019 [s159].** Titel: *当院でのがん患者の妊孕性温存を目的とした精子凍結保存法の実態と同法を用いた不妊治療成績の検討 (Aktuelle Praxis der Spermienkryokonservierung zum Fertilitätserhalt bei Krebspatienten an unserer Klinik und Ergebnisse der Kinderwunschbehandlung mit diesem Verfahren)* (産婦人科の進歩, 2019). Land: Japan. Design: retrospektive Studie (japanischsprachig). Population: 369 Krebspatienten 2001 bis Februar 2018 (14 bis 53 Jahre): Hodentumor 217 (58,8 %), Bluterkrankungen 89 (24,1 %), andere 63 (17,1 %); 41 Fälle nutzten das Material und bilden die Auswertungsgruppe. Ergebnisse: Bei Überweisung aus der Urologie waren nur 7,1 % nach Chemotherapie, bei Überweisung aus anderen Fächern 53,8 %; alle Fälle nach Chemotherapie hatten Samenbefunde unter dem Normwert. 49,9 % der Proben wurden weiter gelagert, 50,1 % nicht erneuert und verworfen. 41 Paare (11,1 %) nutzten das Sperma für assistierte Reproduktion, 40 mit ICSI: mittlere Befruchtungsrate 79,4 %, Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer 47,6 %, Lebendgeburtenrate pro Transfer 46,7 %, pro Patient 70,7 %; bis April 2018 erhielten 29 Paare 42 Kinder. Schwächen: Der Abstract nennt keine absoluten Samenparameter; die Auswertungsgruppe sind nur die 41 Nutzer. Einordnung: Die Zahl 7,1 % gegenüber 53,8 % vorbehandelter Patienten je nach überweisendem Fach zeigt anschaulich, wie stark die Ausgangswerte von der Überweisungspraxis abhängen.

**Marchiani et al. 2023 [s81].** Titel: *Semen Cryopreservation for Men Banking for Oligozoospermia, Cancers, and Other Conditions: 24 Years' Experience of an Italian Bank.* (Journal of clinical medicine, 2023, PMID 37510772). Land: Italien (Florenz). Design: Auswertung einer Samenbank über 24 Jahre. Population: 1.973 Sammelproben von Patienten mit verschiedenen medizinischen Indikationen und 67 Spenderproben (zusammen 2.040). Ergebnisse: Die Wiedergewinnung von Beweglichkeit und Vitalität hing stark von der Ausgangsqualität ab und unterschied sich zwischen Krebs und anderen Indikationen, unabhängig von Lagerdauer und Alter; bei Proben mit weniger als 2 × 10^6 Spermien/ml ging die Wiedergewinnung gegen null; am höchsten war sie bei Spendern. Die Autoren bestimmten Grenzwerte für die Wiedergewinnung von mindestens 1 % beweglicher Spermien. Stärken: sehr viele Proben, Grenzwerte aus eigenen Daten. Schwächen: Der Abstract nennt weder Grenzwerte noch Zahlen nach Krebsart.

**Stigliani et al. 2021 [s124], Chen et al. 2024 [s47], Bitan et al. 2024 [s45], Fernández-González et al. 2023 und 2024 [s80, s53].** Titel zu [s124]: *Fifteen Year Regional Center Experience in Sperm Banking for Cancer Patients: Use and Reproductive Outcomes in Survivors.* (Cancers, 2021, PMID 33401381). Titel zu [s47]: *Twenty-year oncology sperm banking experience at a Canadian academic fertility centre: a retrospective study examining the usage and reproductive outcomes from oncology patients.* (BMJ open, 2024, PMID 39142683). Titel zu [s45]: *Non-used cryopreserved sperm among oncological patients: extra-long-term follow-up and analysis.* (Journal of assisted reproduction and genetics, 2024, PMID 39412622). Titel zu [s80]: *Sperm and testicular tissue cryopreservation and assisted reproductive technology outcomes in male cancer patients: a 15-year experience.* (Journal of cancer research and clinical oncology, 2023, PMID 36418559). Titel zu [s53]: *An Assessment of Cryopreserved Semen and Testicular Tissue Collected Before and After Cancer Treatment Initiation.* (Cancer management and research, 2024, PMID 39077055). Diese fünf Serien (Italien, Genua; Kanada, Toronto; Israel, Zerifin; Deutschland, Berlin) berichten vor allem Nutzung und Verbleib der Proben und werden hier nur kurz wiedergegeben. Stigliani: 682 onkologische Patienten (2004 bis 2019), nur 26 (4 %) nutzten ihren Samen (Leukämie und Lymphome 52 %, Hodentumor 20 %, andere 28 %); 45 Zyklen (34 ICSI, 11 Embryotransfers), 13 Kinder, kumulative Lebendgeburtenrate 35 % pro Paar. Chen: 2.504 Patienten, 4.521 Proben (2001 bis 2020); Hodentumor 29,5 %, Lymphom 26,9 %; 81 (3,2 %) nutzten ihre Proben, 62 (2,5 %) übertrugen sie in ein anderes Zentrum; klinische Schwangerschaft bei 53,7 %; höhere Konzentration oder Gesamtzahl beweglicher Spermien ging nicht mit höherer Schwangerschaftschance einher. Bitan: 445 Patienten (1993 bis 2021), 55 nutzten den Samen, 65 beantragten Vernichtung, 325 weder noch; die jüngste Altersgruppe (unter 25 Jahre) hatte eine signifikant niedrigere Nutzungs- und Vernichtungsrate. Fernández-González 2023: 506 Krebspatienten der Kryobank der Charité (2004 bis 2019), davon 53 (10,5 %) unter 18 Jahren; 46 (9,1 %) nutzten ihre Proben, Schwangerschaftsrate 51,4 % (19 von 37 Zyklen). Fernández-González 2024: 601 Proben von 506 Patienten; 460 von 600 (77 %) vor Behandlung (median 5 Tage davor), 140 (23 %) nach Behandlungsbeginn (median 84 Tage); bei Jugendlichen mit Hodentumor oder hämatologischen Malignomen war die Samenqualität bereits vermindert; der Anteil mit Oligoasthenozoospermie war in den Proben vor Behandlung und in Proben innerhalb eines Jahres gleich (45,5 % gegenüber 45,5 %), danach stieg er (von 9,1 % auf 90,9 % nach 1 bis 2 Jahren; von 50,0 % auf 100,0 % nach 2 bis 3 Jahren). Schwächen: Es handelt sich um Nutzungs- und Verlaufsstudien; Aussagen zur Ausgangsqualität sind begrenzt (keine Kontrollen, überwiegend ohne Aufschlüsselung nach Krebsart im Abstract).

**Yumura et al. 2018 (landesweite Erhebung) [s169].** Titel: *Current status of sperm banking for young cancer patients in Japanese nationwide survey.* (Asian journal of andrology, 2018, PMID 29405167). Land: Japan (Yokohama). Design: Fragebogenerhebung bei 695 Einrichtungen; 92 hatten vor Chemotherapie Samen eingelagert. Population: 820 Patienten (237 Hodentumor, 383 hämatologisch, 46 Knochen/Weichteil, 20 Hirntumor, 134 andere); etwa 20 % der Patienten mit anderen Tumoren als Hodentumor hatten schon Chemotherapie erhalten. Ergebnisse: Der Erfolg der Kryokonservierung war bei hämatologischen Krebsarten mit 82,5 % signifikant niedriger als bei Hodentumor (93,6 %) und anderen (95,6 %; p < 0,05). Hauptgründe für Misserfolg waren Azoospermie und schlechte Samenqualität. Schwächen: Fragebogendaten aus Einrichtungen mit Samenbank (Selektion), keine Spermienwerte.

**Ukita et al. 2018 [s167], Hoshi et al. 2014 [s207] und Takeshima et al. 2023 [s85] (Knochen- und Weichteiltumoren, junge Erwachsene).** Titel zu [s167]: *Fertility preservation and pregnancy outcomes in adolescent and young adult male patients with cancer* (Reprod Med Biol, 2018, PMID 30377398). Titel zu [s207]: *Pre-chemotherapy preservation of fertility in male patients with high-grade malignant bone and soft tissue tumors* (Mol Clin Oncol, 2014, PMID 25279207). Titel zu [s85]: *Pre- and post-chemotherapy spermatogenesis in male patients with malignant bone and soft tissue tumors.* (Frontiers in pharmacology, 2023, PMID 38143498). Land: Japan. Ukita (Nishinomiya): 31 junge Männer 2004 bis 2017; die mittlere Spermienkonzentration der Gruppe vor Behandlung war signifikant höher als die der Gruppe nach Behandlung; Normozoospermie bei 8 (vor) gegenüber 3 (nach) Therapie (nicht signifikant); Azoospermie bei 1 (vor) gegenüber 5 (nach). Hoshi (Osaka): Fallserie von 14 männlichen Patienten unter 45 Jahren mit hochgradigen Knochen- und Weichteiltumoren (mediane Alter bei Diagnose 23,0 ± 12,0 Jahre, Spanne 8 bis 42), denen vor der Chemotherapie Fertilitätserhalt angeboten wurde; 4 (28,5 %) wählten die Spermakryokonservierung, 1 (7,1 %) die Erhaltung von Hodengewebe; verheiratete Patienten und solche mit Kindern wünschten keinen Erhalt. Takeshima 2023 (Yokohama): 34 Männer mit malignen Knochen- und Weichteiltumoren, mittleres Alter 22,8 Jahre; Medianwerte vor Therapie: Volumen 2,5 ml, Konzentration 32,6 Mio/ml, Beweglichkeit 38,5 %; nach Chemotherapie (überwiegend Ifosfamid) wurde bei 12 Patienten eine Samenanalyse durchgeführt: 8 hatten noch Spermien, 2 erreichten spontane Schwangerschaften mit Lebendgeburt, bei einem von vier Azoospermen gelang eine Lebendgeburt per ICSI mit kryokonserviertem Samen. Schwächen: sehr kleine Zahlen; Nachuntersuchung nur bei 12 von 34. Einordnung: Die Daten zu Sarkomen sind die einzigen speziellen Zahlen zu dieser Gruppe und beruhen auf wenigen Männern.

**Navarro Medina et al. 2010 [s242], Elrhaffouli et al. 2026 [s07], Weibring et al. 2024 [s64].** Titel zu [s242]: *[An analysis of our experience in cryopreservation of semen from cancer patients]. (Analyse unserer Erfahrungen mit der Kryokonservierung von Sperma von Krebspatienten)* (Actas urologicas espanolas, 2010, PMID 20223140). Titel zu [s07]: *Sperm Cryopreservation Activity and Quality Assurance of Cryogenic Storage at a University Hospital in Oujda, Morocco.* (Cureus, 2026, PMID 42670474). Titel zu [s64]: *Parenthood in a Swedish prospective cohort of 1,378 adolescents and young adults banking semen for fertility preservation at time of cancer diagnosis.* (Frontiers in endocrinology, 2024, PMID 39720258). Land: Spanien (Las Palmas), Marokko (Oujda), Schweden (Stockholm). Design: Samenbank- und Verlaufsserien. Navarro Medina: 101 Krebspatienten (April 1992 bis Oktober 2007); 80 % telefonisch erreicht; mittleres Einfrieralter 25 Jahre; 41 % Hodentumor; 33 % ohne leibliche Kinder; nur 1 % der Proben waren ungeeignet; 4 % nutzten die Proben. Elrhaffouli: 59 Verfahren (März 2022 bis November 2025), mittleres Alter 31,1 ± 9,2 Jahre; Hodentumoren überwogen, danach hämatologische Malignome; Patienten mit onkologischer Indikation waren signifikant jünger (p < 0,001) und unterschieden sich in der Spermienkonzentration (p = 0,028) und in der Zahl der eingefrorenen Pailletten (p = 0,015), wobei der Abstract die Richtung des Konzentrationsunterschieds nicht nennt; zwischen Konzentration und Beweglichkeit bestand eine positive Korrelation (ρ = 0,373; p = 0,004). Weibring: 1.378 Jugendliche und junge Erwachsene, die 1988 bis 2020 in Stockholm Samen einlagerten; 493 Männer wurden nach der Krebsbehandlung Väter (399 [81 %] natürlich, 87 [18 %] per assistierter Reproduktion, 7 [1 %] durch Adoption); von 92 Patienten, die ihren kryokonservierten Samen nutzten, wurden 34 (37 %) Väter. Schwächen: Ausgangswerte der Samenqualität fehlen in den Abstracts; die schwedische Kohorte schließt Kinder ein, die schon vor der Einlagerung geboren sein konnten.

**Ältere französische und deutschsprachige Samenbankberichte (1982 bis 1996).** Titel zu [s303]: *[Autopreservation of semen prior to sterilizing treatment]. (Eigenkonservierung von Sperma vor sterilisierender Behandlung)* (La Nouvelle presse medicale, 1982, PMID 7145665). Titel zu [s290]: *[Conservation of sperm before cancer therapy. An efficient measure for preserving chances of future conception]. (Spermienkonservierung vor Krebstherapie. Eine wirksame Maßnahme zum Erhalt der Chancen auf eine spätere Empfängnis)* (Contraception, fertilite, sexualite (1992), 1993, PMID 8269023). Titel zu [s287]: *[Evolution of the practice of sperm cryopreservation and fate of the preserved specimens : retrospective study of testicular cancer]. (Entwicklung der Praxis der Spermienkryokonservierung und Verbleib der eingelagerten Proben: retrospektive Studie zum Hodenkrebs)* (Contraception, fertilite, sexualite (1992), 1996, PMID 8924962). Titel zu [s292]: *[Is the cryopreservation of sperm of young tumor patients reasonable?]. (Ist die Kryokonservierung von Spermien junger Tumorpatienten sinnvoll?)* (Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 1992, PMID 1547931). Titel zu [s294]: *[Use of sperm cryopreservation by tumor patients]. (Nutzung der Spermienkryokonservierung durch Tumorpatienten)* (Der Hautarzt; Zeitschrift fur Dermatologie, Venerologie, und verwandte Gebiete, 1990, PMID 2162809). Titel zu [s295]: *[Cryopreservation of human spermatozoa--evaluation of 93 semen depots]. (Kryokonservierung menschlicher Spermatozoen - Auswertung von 93 Samendepots)* (Andrologia, 1990, PMID 2264619). Ozyglik et al. 1982 [s303] berichten aus einer französischsprachigen Studie, dass von 511 Kandidaten eine zufriedenstellende Konservierung bei 40 % der Patienten mit Hodgkin-Krankheit und bei 15 % der Patienten mit Hodenkarzinom möglich war; bei 9 % wurde der Samen zur Insemination genutzt, 95 % wünschten die Fortführung der Lagerung. Auger et al. 1993 [s290] (Paris-Bicêtre) sehen in der Kryokonservierung vor Therapie die einzige vernünftige Chance auf eine spätere Schwangerschaft, ohne Zahlen im Abstract; Moutel et al. 1996 [s287] (Paris) werteten die Hodentumor-Kryokonservierung in 17 CECOS retrospektiv aus und beschreiben ihre regelmäßige Zunahme. Hänggi et al. 1992 [s292] (Bern, 39 Patienten) verweisen auf die oft schon vor dem Einfrieren verminderte Qualität und die Minderung der Beweglichkeit durch das Einfrieren. Holland-Moritz und Krause 1990 [s294] (Marburg, 47 Patienten 1983 bis 1988) berichten, dass 20 Männer innerhalb von zwei Jahren nicht mehr an der Lagerung interessiert waren und keine der 27 verbleibenden Proben für Insemination oder IVF genutzt worden war. Kolodziej et al. 1990 [s295] (93 Samendepots, zwei Drittel onkologische Patienten, mittlere Lagerdauer 44 Monate): nur 20 % der Ejakulate waren normozoosperm und zeigten Beweglichkeit nach dem Auftauen über 20 %; die mittlere Wiedergewinnungsrate nach langer Lagerung betrug 28 %, mit signifikantem Rückgang um etwa 20 % über die Zeit; bei Hodentumorpatienten lag die Konzentration beweglicher Spermien im Mittel bei 2,1 Mio/ml, sodass die Autoren in den meisten Fällen keine Schwangerschaftschance annahmen. Diese Arbeiten stammen aus der Zeit vor der ICSI und sind nur als historischer Hintergrund zu lesen; die Land-Angabe fehlt im Abstract von [s295] und [s303]. Hallak et al. 1998 [s281] (USA, Cleveland Clinic) beschreiben zehn Krebspatienten, deren Proben in externe IVF-Programme übertragen wurden (Lagerdauer 14 bis 135 Monate): mediane Beweglichkeit vor dem Einfrieren 44 % (Interquartilsabstand 36 bis 55) und mediane Gesamtzahl 31,1 × 10^6 (6,3 bis 53,9); 24 Stunden nach dem Einfrieren 11 % (6 bis 35) und 6,6 × 10^6 (1,2 bis 17,1); 18 Zyklen bei 10 Paaren; Schwangerschaftsrate 50 % pro Paar, 36,4 % pro IVF- oder ICSI-Zyklus, Implantationsrate 13 %.

### Kinder und Jugendliche

Bei Jugendlichen kommen zwei Fragen zusammen: wie gut die Ausgangsqualität ist und wie häufig überhaupt eine Probe abgegeben werden kann. Mit zunehmendem Alter steigt in den großen Serien die Spermienzahl, und bei jüngeren Patienten ist der Anteil derer, die keine Probe abgeben können, höher.

**Daudin et al. 2015 (CECOS Frankreich) [s199].** Titel: *Sperm cryopreservation in adolescents and young adults with cancer: results of the French national sperm banking network (CECOS).* (Fertility and sterility, 2015, PMID 25527232). Land: Frankreich (23 Zentren des CECOS-Netzes). Design: große retrospektive multizentrische Studie über 34 Jahre. Population: 4.345 Jungen und junge Männer von 11 bis 20 Jahren. Ergebnisse: Die Zahl der überwiesenen Patienten stieg zwischen 1973 und 2007 um durchschnittlich 9,5 % pro Jahr (95-%-Konfidenzintervall 9,1 bis 9,8 %). Der Anteil jüngerer Krebspatienten, die Samen einlagerten, stieg bei den 11- bis 14-Jährigen von 1 % im Jahr 1986 auf 9 % im Jahr 2006. 4.314 Patienten versuchten eine Probe abzugeben, 4.004 gelang dies, bei 3.616 wurde Samen eingelagert. Die mittlere Gesamtspermienzahl betrug 61,75 × 10^6 in der Altersgruppe von 11 bis 14 Jahren und 138,81 × 10^6 in der Altersgruppe von 18 bis 20 Jahren. Zwischen den Zentren bestanden deutliche Unterschiede in der Praxis. Stärken: größte Jugendserie der Recherche, nationales Netz, lange Beobachtung. Schwächen: Der Abstract nennt weder Aufschlüsselung der Spermienwerte nach Krebsart noch Konfidenzintervalle der Spermienwerte; der Zeitraum von 34 Jahren umfasst vermutlich Änderungen von Methodik und Referenzwerten.

**DiNofia et al. 2017 [s176].** Titel: *Analysis of semen parameters in a young cohort of cancer patients.* (Pediatric blood & cancer, 2017, PMID 27621105). Land: USA (Philadelphia). Design: retrospektive Studie. Population: Von 399 angesprochenen pubertären Patienten (mindestens Tanner-Stadium III) mit neu diagnostiziertem Krebs versuchten 339 (85 %) Samen einzulagern, 265 (78 %) erfolgreich, 60 (15 %) lehnten ab. Methodik: Erfolg und Qualität der Proben im Verhältnis zu Vorbehandlung, Alter und Diagnose. Ergebnisse: Eine Vorbehandlung beeinträchtigte die erfolgreiche Abgabe signifikant (p < 0,01): Nur 16,9 % der unbehandelten, aber 84,0 % der behandelten Patienten waren azoosperm. Ältere Patienten waren seltener azoosperm und hatten eine bessere Probenqualität (p < 0,01); 65 % der jüngsten Patienten konnten dennoch Samen einlagern. Zwischen den Diagnosegruppen unterschied sich die Azoospermierate nicht (p = 0,35), die Qualität der Parameter dagegen schon. Stärken: Vorbehandlungsstatus wird getrennt ausgewertet, Kinderonkologie-Kohorte. Schwächen: Konfidenzintervalle und absolute Parameter nach Diagnose nicht im Abstract. Einordnung: Das Ergebnis 16,9 % gegenüber 84,0 % Azoospermie ist die deutlichste Zahl der Literatur zur Frage, wie stark eine vorangegangene Therapie die Ausgangsqualität verfälscht.

**Bahadur et al. 2002 [s274].** Titel: *Semen quality and cryopreservation in adolescent cancer patients.* (Human reproduction (Oxford, England), 2002, PMID 12456617). Land: Vereinigtes Königreich (London). Design: retrospektive Studie. Population: 238 Jugendliche (1991 bis 2000); Kryokonservierung bei 205 (86,1 %). Ergebnisse: Mittlere Spermienzahlen waren über die Krankheitsgruppen und Altersgruppen ähnlich, außer bei akuter myeloischer Leukämie; das Volumen war bei akuter lymphatischer Leukämie niedriger und beim Ewing-Sarkom höher. Die Autoren schreiben, die Samenqualität sei in allen Fällen potenziell für assistierte Reproduktion nutzbar gewesen. Schwächen: Der Abstract nennt keine Zahlen zu den Parametern und keine Konfidenzintervalle.

**Keene et al. 2012 [s230].** Titel: *Sperm banking in the United Kingdom is feasible in patients 13 years old or older with cancer.* (The Journal of urology, 2012, PMID 22704091). Land: Vereinigtes Königreich (Manchester). Design: retrospektive Studie. Population: 180 Patienten (mittleres Alter 16,1 Jahre; 13,2 bis 17,9): Lymphom 64, Leukämie 50, Knochentumoren 18, Hodentumoren 13, Weichteilsarkome 13, Hirntumoren 6, Keimzelltumoren 6, andere 10. Ergebnisse: 119 (66 %) lagerten Samen erfolgreich ein; 26 erschienen nicht; von den Erschienenen konnten 15 (10 %) keine Probe abgeben und 20 (13 %) waren azoosperm; 20 Patienten starben nach der Einlagerung. Schwächen: Der Abstract nennt keine Parameter der Samenqualität.

**Liu et al. 2024 (Jugendliche, 16 Spermabanken) [s59].** Titel: *Fertility preservation in male adolescents with cancer (2011-2020): A retrospective study in China.* (Cancer medicine, 2024, PMID 38872364). Land: China (Chengdu und 16 Spermabanken). Design: retrospektive Studie 2011 bis 2020. Population: 275 männliche Jugendliche (0 bis 19 Jahre; Mittel 17,39 ± 1,46); 13 (4,7 %) im Alter von 13 bis 14 Jahren und 262 (95,3 %) von 15 bis 19 Jahren; Leukämie 55, Lymphome 76, Keim- und Gonadentumoren 65, epitheliale Tumoren 37, Weichteilsarkome 14, Osteosarkome 7, Hirntumoren 5, andere 16. Ergebnisse: Die Tumorart beeinflusste die Samenqualität, das Alter das Volumen. Konzentration und Progressivmotilität unterschieden sich vor und nach Behandlung signifikant (p < 0,001). 90,5 % hatten Spermien im Ejakulat; bei 244 (88,7 %) gelang das Einfrieren. Schwächen: Der Vergleich „vor und nach Behandlung“ ist im Abstract nicht näher beschrieben; die jüngsten Altersgruppen sind kaum vertreten (13 Patienten unter 15 Jahren).

**Park et al. 2025 [s33].** Titel: *Does a specific age group impact sperm cryobanking efficiency among adolescent and young adult cancer patients?* (Obstetrics & gynecology science, 2025, PMID 40499583). Land: Korea (Seoul National University Hospital). Design: retrospektive Studie. Population: 298 Patienten im Alter von 11 bis 25 Jahren (mittleres Alter 16,0 Jahre); Leukämie 22,5 %, Sarkom 22,1 %, Lymphom 17,1 %. Ergebnisse: 72,1 % versuchten die Kryokonservierung; in den Altersgruppen von 11 bis 15, 16 bis 20 und 21 bis 25 Jahren waren es 59,6 %, 82,2 % und 88,2 %. Jüngeres Alter sagte „nicht versuchen“ voraus (adjustiertes Odds Ratio 5,059; p = 0,001; das Konfidenzintervall steht nicht im Abstract). Der Erfolg bei Versuch war altersunabhängig. 77,2 % der Proben blieben im Lager, 16,2 % wurden verworfen, meist aufgrund von Familienentscheidungen; keine signifikanten Prädiktoren des Verwerfens. Schwächen: keine Spermienwerte im Abstract.

**Japanische Kinder- und Jugendserien: Tsunoda et al. 2015 [s202], Umeda et al. 2018 [s172], Takenaka et al. 2023 [s90], Tomita et al. 2018 [s171].** Titel zu [s202]: *一小児専門病院における最近24年間での精子凍結保存の経験 治療関連不妊が予測される思春期男児に対して―その現状と問題― (Erfahrungen mit Spermienkryokonservierung in den letzten 24 Jahren an einer Kinderklinik: Jungen in der Pubertät mit erwarteter therapiebedingter Unfruchtbarkeit, Stand und Probleme)* (日本小児血液・がん学会雑誌, 2015). Titel zu [s172]: *同種造血幹細胞移植を計画した小児・若年成人患者に対する精子保存の現状 (Aktueller Stand der Spermienkonservierung bei Kindern und jungen Erwachsenen mit geplanter allogener Stammzelltransplantation)* (日本小児血液・がん学会雑誌, 2018). Titel zu [s90]: *東海北陸地方における小児・思春期血液がん患者のがん・生殖相談外来受診状況に対する多機関共同・後ろ向き観察研究 (Multizentrische retrospektive Beobachtungsstudie zur Inanspruchnahme der Sprechstunde für Krebs und Fortpflanzung durch Kinder und Jugendliche mit Blutkrebs in der Region Tokai-Hokuriku)* (日本小児血液・がん学会雑誌, 2023). Titel zu [s171]: *化学療法開始前に精巣内精子採取を行った仙骨部ユーイング肉腫の一例 (Ein Fall von sakralem Ewing-Sarkom mit testikulärer Spermienentnahme vor Beginn der Chemotherapie)* (日本小児血液・がん学会雑誌, 2018). Land: Japan. Design: vier kleine Serien aus der pädiatrischen Onkologie. Tsunoda: 15 Jugendliche an einer Kinderklinik; 11 wurden aufgeklärt, 2 wegen Dringlichkeit nicht, 2 durch Versehen nicht; von den 11 lehnten 4 ab; von 7 Kryokonservierungen: 2 verheiratet, einer erzielte ein Kind durch assistierte Reproduktion, ein weiterer eine natürliche Schwangerschaft nach Erholung. Umeda: 19 männliche Patienten (10 bis 27 Jahre, Median 15) mit geplanter allogener Stammzelltransplantation; 10 erhielten Aufklärung, 7 versuchten die Konservierung, 5 führten sie aus. Takenaka: 115 Patienten (71 männlich) mit Blutkrebs in neun Zentren 2013 bis 2021; von 66 Patienten mit Wunsch nach Spermakryokonservierung konnten 13 sie nicht abschließen, überwiegend wegen Azoospermie. Tomita: Fallbericht eines 17-jährigen Patienten mit sakralem Ewing-Sarkom, bei dem die Ejakulation wegen Nervenkompression nicht möglich war und zwei Tage später eine testikuläre Spermienentnahme vor Chemotherapiebeginn erfolgte. Schwächen: sehr kleine Zahlen, keine Spermienwerte, Fallbericht ohne Verallgemeinerbarkeit. Einordnung: Die Serien belegen, dass bei Jugendlichen mit Blutkrebs ein erheblicher Teil an Azoospermie oder Zeitdruck scheitert; sie ergänzen die Befunde aus [s176] und [s199].

### Überlebende nach Behandlung: Befunde zur Abgrenzung

Studien an Überlebenden messen den Zustand nach Behandlung. Sie beantworten die Frage dieses Kapitels nicht, werden aber aufgeführt, weil sie zeigen, wie leicht Ausgangs- und Behandlungseffekte vermischt werden und welche Zahlen in der Literatur kursieren.

**Yoon et al. 2017 [s184].** Titel: *Gonadal and Sexual Dysfunction in Childhood Cancer Survivors* (Cancer Res Treat, 2017, PMID 28161937). Land: Korea (Goyang). Design: Querschnittsstudie. Population: 105 Überlebende nach Krebs im Kindesalter (15 bis 29 Jahre, Therapieende über 2 Jahre; 57 Männer). Ergebnisse: Bei 5 Männern (8,8 %) bestand Verdacht auf Hypogonadismus; von 27 Samenproben zeigten 14 eine Azoospermie oder Oligozoospermie; der Anteil mit Normozoospermie war in der Gruppe mit hoher Cyclophosphamid-Äquivalentdosis (mindestens 8.000 mg/m²) niedriger als in der Gruppe mit niedriger Dosis (27,3 % gegenüber 62,5 %; p = 0,047). Schwächen: Von 57 Männern lagen nur 27 Samenproben vor (selektive Teilgruppe).

**Karakaş et al. 2026 [s14], Cakmakci et al. 2026 [s05], Devecioğlu et al. 2003 [s272].** Titel zu [s14]: *Long-term endocrine and testicular outcomes in male survivors of childhood acute lymphoblastic leukemia.* (Journal of endocrinological investigation, 2026, PMID 41511747). Titel zu [s05]: *High prevalence of gonadal dysfunction in pediatric sarcoma survivors: insights from hormonal and clinical markers.* (Frontiers in pediatrics, 2026, PMID 42769405). Titel zu [s272]: *Gonadal dysfunction after treatment for childhood heamatological malignancy* (Çocuk Dergisi, 2003). Land: Türkei (Istanbul-Cerrahpaşa, Ankara, Istanbul). Design: drei Überlebendenstudien. Karakaş: 54 männliche Überlebende einer akuten lymphoblastischen Leukämie im Kindesalter (Behandlung 2000 bis 2020; Alter 17,5 ± 5,9 Jahre); endokrine Störungen bei 40,7 %; Samenanalyse bei 33 Männern: 42,4 % abnorm, 24,2 % Azoospermie; die Häufigkeit gonadaler Dysfunktion stieg von der Standard- zur Hochrisikogruppe; eine FSH-Schwelle von 3,55 mIU/ml sagte abnorme Spermaparameter voraus (Fläche unter der Kurve 0,88). Cakmakci: 38 Überlebende kindlicher Knochen- und Weichteilsarkome (17 Männer, 21 Frauen), gonadale Dysfunktion bei 18 (47,4 %); bei Männern war Azoospermie die häufigste Auffälligkeit. Devecioğlu: 50 Langzeitüberlebende (33 Jungen) einer akuten Leukämie oder eines Lymphoms; LH war bei 83 % der Leukämie- und 78 % der Lymphomfälle, FSH bei 79 % beziehungsweise 91 % erhöht; das Spermiogramm war bei 66 % abnorm; die Hodenbiopsie ergab bei 6 von 10 Leukämie-Patienten Keimzellschäden. Schwächen: Behandlungsfolgen, keine Ausgangswerte, Samenanalyse nur bei einem Teil, keine Konfidenzintervalle im Abstract.

**Şalvarcı et al. 2022 [s100], Sahin et al. 2025 [s36], Zhang et al. 2024 [s67], Altan et al. 2025 [s22].** Titel zu [s100]: *Ten-year outcomes of patients who developed persistent azoospermia following chemotherapy associated with different oncological diagnoses: A retrospective cohort study from a different perspective.* (Turkish journal of medical sciences, 2022, PMID 36326321). Titel zu [s36]: *The effect of intravesical Bacillus Calmette-Guerin (BCG) treatment on sperm parameters in non-muscle-invasive bladder cancer patients.* (Basic and clinical andrology, 2025, PMID 40375148). Titel zu [s67]: *Prediction model of male reproductive function damage caused by CHOP chemotherapy regimen for non-Hodgkin's lymphoma* (BMC Cancer, 2024, PMID 39533240). Titel zu [s22]: *Long-Term Sexual Dysfunction and Fertility Outcomes Following Post-Chemotherapy Retroperitoneal Lymph Node Dissection in Testicular Cancer Patients* (Research Square, 2025). Land: Türkei (Konya; Istanbul; mehrere Zentren) und China (Xi'an). Design: vier Studien zur Behandlungsfolge. Şalvarcı: 63 Männer (mittleres Alter 30,16 ± 4,91 Jahre), die 11 ± 5 Jahre zuvor eine Chemotherapie erhalten hatten und anhaltend azoosperm waren; Spermiennachweis per Mikro-TESE bei 34,9 %, Schwangerschaft bei 20,63 %, Lebendgeburt bei 12,7 %; ohne prätherapeutische Daten. Sahin: 23 Männer mit nicht muskelinvasivem Harnblasenkarzinom unter intravesikaler BCG-Therapie; Konzentration, Gesamtzahl, Progressivbeweglichkeit und normale Morphologie sanken drei Monate nach der Induktionsphase (jeweils p < 0,05), FSH stieg (p < 0,05); die Ausgangswerte stehen nicht im Abstract. Zhang: 52 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom plus Mausmodell; nach CHOP „signifikante“ Schädigung des Reproduktionssystems; im Vorhersagemodell war Östradiol die wichtigste Variable mit einer Fläche unter der Kurve von 1, was bei kleiner Stichprobe auf Überanpassung hinweist; die Patientendaten sind im Abstract nicht von den Mausdaten getrennt. Altan: nicht begutachteter Preprint zu Patienten nach Post-Chemotherapie-RPLND bei fortgeschrittenem Hodentumor; 38,5 % hatten vor der Behandlung Sperma kryokonserviert; der Vaterschaftsstatus war der einzige Prädiktor der Kryokonservierung (Odds Ratio 0,186; 95-%-Konfidenzintervall 0,062 bis 0,552; p = 0,002). Schwächen: keine Ausgangsparameter; bei Altan Preprint ohne Begutachtung und ohne Fallzahl im Abstract.

**Gubernatorova et al. 2014 [s216], Zenkova et al. 2010 [s246], Kobayashi et al. 1996 [s285], Akisada et al. 2023 [s71].** Titel zu [s216]: *Эндокринные и репродуктивные нарушения у мужчин, получавших лечение по поводу медуллобластомы и острого лимфобластного лейкоза в детстве (Endokrine und reproduktive Störungen bei Männern, die in der Kindheit wegen Medulloblastom und akuter lymphoblastischer Leukämie behandelt wurden)* (Проблемы эндокринологии, 2014). Titel zu [s246]: *Состояние репродуктивной системы у мужчин больных гемобластозами на различных этапах индукции ремиссии (Zustand des Fortpflanzungssystems bei Männern mit Hämoblastosen in verschiedenen Phasen der Remissionsinduktion)* (Journal of Siberian Medical Sciences, 2010). Titel zu [s285]: *Testicular morphological changes in children with acute lymphoblastic leukemia following chemotherapy* (Acta Paediatr Jpn, 1996, PMID 9002301). Titel zu [s71]: *Endocrine late effects in survivors of infantile acute lymphoblastic leukemia* (Clin Pediatr Endocrinol, 2023, PMID 37020698). Land: Russland (Moskau; Nowosibirsk) und Japan (Tokio; Nara). Design: vier kleine Studien zu Hormonen und Gewebe. Gubernatorova: 23 erwachsene Männer nach Kindheitstherapie (17 nach Medulloblastom oder Hirntumoren der hinteren Schädelgrube, 6 nach ALL); kleines Hodenvolumen und niedriges Inhibin B vor allem in der Medulloblastom-Gruppe; LH median 4,545 gegenüber 2,86 IU/l (p = 0,063), FSH 11,5 gegenüber 4,115 IU/l (p = 0,21), keine signifikanten Unterschiede. Zenkova: 54 Männer mit Lymphogranulomatose (65 %) oder Non-Hodgkin-Lymphom (35 %), Kontrollen 20 Gesunde; Hormone, keine Samenanalyse; vor und zu Beginn der Therapie bei der Mehrheit keine pathologischen Veränderungen; während der Induktionsphase gegenüber Kontrolle: LH 7,05 ± 0,74 gegenüber 3,25 ± 0,66 IU/l (p < 0,004), FSH 18,97 ± 2,92 gegenüber 5,07 ± 0,78 IU/l (p < 0,001); der Schluss „keine Veränderung vor Therapie“ beruht auf etwa 10 Männern. Kobayashi 1996: Biopsiestudie bei 12 Kindern mit ALL (14 Hodenbiopsien am Therapieende); in allen Fällen Gewebeschäden, der tubuläre Fertilitätsindex lag 0 bis 42,8 % (Mittel 33,4 %) unter dem Normalwert; Leukämiezellinfiltration war der wichtigste Faktor; Spermienbildung in 6 Fällen. Akisada: 6 Überlebende einer Säuglings-ALL (Alter 12 bis 26) mit Cyclophosphamid-Äquivalentdosen von 3, 9 bis 11 und 24 g/m²; der Junge mit 24 g/m² hatte erhöhtes LH und FSH. Schwächen: sehr kleine Gruppen; Hormone und Gewebe sind Surrogatparameter für die Samenqualität.

### DNA-Fragmentierung, Chromatin, oxidativer Stress, Epigenom und Proteom vor der Behandlung

Neben dem Spermiogramm untersuchen mehrere Arbeiten die Qualität des Erbguts der Spermien vor der Behandlung. Die Studienlage ist uneinheitlich: Einige finden erhöhte DNA-Fragmentierung bei Krebspatienten, andere nicht, und die Ergebnisse hängen von der Methode (TUNEL, Sperm Chromatin Structure Assay, Comet-Test), von der Krebsart und davon ab, ob frische oder aufgetaute Proben untersucht wurden.

**Ståhl et al. 2009 [s250].** Titel: *Sperm DNA integrity in cancer patients: the effect of disease and treatment.* (International journal of andrology, 2009, PMID 19178596). Land: Schweden (Lund). Design: Kohorte mit gepaarter Vorher-Nachher-Analyse und Kontrollen. Population: kryokonservierter Samen von 121 Krebspatienten (vorwiegend Keimzelltumor und Hodgkin-Lymphom); bei 58 zusätzlich Proben nach Behandlung (mediane Nachbeobachtung 3 Jahre); 137 fertile Kontrollmänner (der Abstract nennt später 143 Kontrollen, ohne die Abweichung zu erklären). Methodik: Sperm Chromatin Structure Assay, angegeben als DNA-Fragmentierungsindex (DFI). Ergebnisse: Vor Behandlung hatten Keimzelltumorpatienten (n = 84) und Hodgkin-Patienten (n = 18) einen höheren DFI als Kontrollen mit mittleren Differenzen von 7,7 (95-%-Konfidenzintervall 3,2 bis 8,8) beziehungsweise 7,0 (2 bis 12). Bei anderen Diagnosen war der Unterschied nicht signifikant (3,6; −1,2 bis 8,4). Kein Anstieg des DFI nach Behandlung, unabhängig von der Behandlungsart. Hinweis: Der Punktschätzer 7,7 liegt nahe der Obergrenze des angegebenen Intervalls 3,2 bis 8,8; die Angaben werden wortgetreu wiedergegeben. Stärken: gepaarte Analyse, Kontrollgruppe. Schwächen: Die Hodgkin-Gruppe ist klein (n = 18); Kryoproben statt frischer Proben; Gruppengrößen nur zum Teil ausgewiesen. Einordnung: Bemerkenswert ist, dass dieselbe Studie keine Zunahme der DNA-Schäden nach der Therapie fand; in [s204] sank die Fragmentierung nach Behandlung ebenfalls zunächst.

**O'Flaherty et al. 2008 [s255], 2010 [s243] und 2012 [s234].** Titel zu [s255]: *Characterization of sperm chromatin quality in testicular cancer and Hodgkin's lymphoma patients prior to chemotherapy.* (Human reproduction (Oxford, England), 2008, PMID 18346994). Titel zu [s243]: *Impact of chemotherapeutics and advanced testicular cancer or Hodgkin lymphoma on sperm deoxyribonucleic acid integrity.* (Fertility and sterility, 2010, PMID 19591994). Titel zu [s234]: *Sperm chromatin structure components are differentially repaired in cancer survivors.* (Journal of andrology, 2012, PMID 22052778). Land: Kanada (Montreal, McGill-Universität). Design: drei Arbeiten derselben Gruppe zu Spermienchromatin bei Hodgkin-Lymphom und fortgeschrittenem Hodenkrebs; die Veröffentlichungen können sich überschneiden. 2008: Fall-Kontroll-Studie; Patienten mit Hodentumor und Hodgkin-Lymphom vor Chemotherapie gegenüber Gemeinschaftsfreiwilligen und idiopathisch Infertilen; DNA-Schaden mit Sperm Chromatin Structure Assay, TUNEL und Comet-Test, reaktive Thiole (mBBr) und DNA-Verdichtung (CMA3). Ergebnis: Sowohl Hodentumor-Patienten (37 %) als auch Hodgkin-Patienten (81 %) hatten normospermische Proben mit erhöhtem DNA-Schaden gegenüber Kontrollen; Krebspatienten hatten außerdem mehr reaktive Thiole und stärkere CMA3-Färbung (geringere DNA-Verdichtung); die Prozentangaben beziehen sich laut Abstract auf normospermische Proben mit erhöhtem Schaden. 2010: prospektive Längsschnittstudie mit altersgleichen Gemeinschaftsfreiwilligen; vor der Chemotherapie hatten beide Krebsgruppen eine schlechtere Samenqualität als die Freiwilligen, und die DNA-Schäden waren höher; nach der Chemotherapie hatten 6 Monate später 67 % (Hodentumor) beziehungsweise 60 % (Hodgkin) weniger als 5 × 10^6 Spermien/ml, nach 24 Monaten hatten 60 % beziehungsweise 57 % normale Konzentrationen. 2012: 16 Männer mit Hodentumor, 15 mit Hodgkin-Lymphom, 11 Freiwillige und 11 idiopathisch Infertile; hohe DNA-Schäden vor der Chemotherapie, die bei Hodentumorpatienten im Beobachtungszeitraum hoch blieben; Konzentration und Beweglichkeit waren 6 bis 18 Monate nach Chemotherapie dramatisch vermindert und nach 24 Monaten nicht mehr von den Freiwilligen verschieden. Stärken: mehrere komplementäre Chromatinassays, Kontrollgruppen. Schwächen: kleine Fallzahlen (der Abstract der Arbeit von 2008 nennt keine), keine Konfidenzintervalle.

**Calamai et al. 2023 [s76].** Titel: *Testicular and Haematological Cancer Induce Very High Levels of Sperm Oxidative Stress.* (Antioxidants (Basel, Switzerland), 2023, PMID 37371875). Land: Italien (Florenz). Design: Vergleichsstudie. Population: Krebspatienten gemischter Entitäten, normozoosperme subfertile Patienten (n = 52) und gesunde Spender (n = 19). Ergebnisse: Die Spermien-DNA-Fragmentierung betrug bei Krebspatienten (n = 85) 22,50 % (Interquartilsbereich 17,00 bis 26,75) gegenüber 12,75 % (8,63 bis 14,88) bei normozoospermen subfertilen Patienten (p < 0,001) und 8,50 % (7,00 bis 14,00) bei gesunden Spendern (p < 0,001). Der oxidative Stress in der vitalen Fraktion (n = 96) war bei Krebspatienten mit 36,60 % (24,05 bis 58,65) deutlich höher als bei subfertilen Patienten (11,10 %; 8,63 bis 14,90) und Spendern (9,60 %; 8,00 bis 14,03), jeweils p < 0,001. Die Korrelation von Fragmentierung und oxidativem Stress betrug bei allen Personen r = 0,591 (p < 0,001; n = 134), bei Krebspatienten allein nur r = 0,200 (p > 0,05; n = 63). Die Autoren vermuten zusätzliche Mechanismen neben dem oxidativen Angriff. Stärken: zwei Kontrollgruppen, Angabe als Median mit Quartilen. Schwächen: kleine Gruppen (19 Spender); Krebsarten gemischt; ob die Proben vor jeder Behandlung entstanden, geht aus dem Abstract nicht klar hervor.

**Martins et al. 2020 [s137].** Titel: *Alterations of Spermatozoa Proteomic Profile in Men with Hodgkin's Disease Prior to Cancer Therapy.* (The world journal of men's health, 2020, PMID 31385466). Land: USA (Cleveland Clinic). Design: Fall-Kontroll-Studie mit Proteomik. Population: 38 Patienten mit Hodgkin-Krankheit vor Krebstherapie und 42 gesunde fertile Spender; für die Massenspektrometrie je drei Proben. Ergebnisse: Es wurden 1.169 Proteine identifiziert; Proteine für Kapazitation, Akrosomreaktion, Bindung an die Zona pellucida, Beweglichkeit, Regulation von DNA-Schäden und Apoptose waren bei Patienten herunterreguliert. Peroxiredoxin 2 war unterexprimiert (p = 0,015), Transferrin (p = 0,045) und SERPIN A5 (p = 0,010) überexprimiert. Stärken: molekulare Deutung der niedrigen Qualität vor Therapie. Schwächen: Proteomik an je drei Proben, Validierung nur für wenige Proteine, die Spermienparameter der 38 Patienten stehen nicht im Abstract.

**Panner Selvam et al. 2019 [s150].** Titel: *Altered Molecular Pathways in the Proteome of Cryopreserved Sperm in Testicular Cancer Patients before Treatment.* (International journal of molecular sciences, 2019, PMID 30764484). Land: USA (Cleveland Clinic). Design: Proteomstudie an gepoolten Proben von Patienten mit Hodentumor vor Therapie. Population: 20 normozoosperme und 11 asthenozoosperme Hodentumorpatienten sowie 9 infertile Männer ohne Krebs als Kontrolle (Pools). Ergebnisse: 1.085, 846 und 982 identifizierte Proteine; mitochondriale Dysfunktion und veränderte Zellwege bei beiden Tumorgruppen; NDUFS1 unterexprimiert, CD63 überexprimiert. Kein signifikanter Unterschied fertilitätsassoziierter Proteine zwischen normozoospermen Tumorpatienten und infertilen Männern. Schwächen: gepoolte Proben, kleine Gruppen, keine Einzelpatientendaten.

**Dupont et al. 2023 [s79] und Chan et al. 2023 [s77].** Titel zu [s79]: *Impact of testicular cancer on sperm small non-coding RNA signature: a pilot study.* (Epigenetics, 2023, PMID 37515809). Titel zu [s77]: *Sperm DNA methylome abnormalities occur both pre- and post-treatment in men with Hodgkin disease and testicular cancer.* (Clinical epigenetics, 2023, PMID 36611168). Land: Frankreich (Paris) und Kanada (Montreal). Design: zwei kleine Studien zu Spermien-RNA und Methylom bei Hodentumor und Hodgkin-Lymphom. Dupont: Pilotstudie mit 25 Männern von 19 bis 42 Jahren (16 mit, 9 ohne Hodenkeimzelltumor); die primäre Analyse zeigte keinen signifikanten Unterschied in der Population kleiner RNA, bei Berücksichtigung der Spermienparameter ließen sich 11 differenziell exprimierte kleine RNA nachweisen. Chan: prospektive Längsschnittstudie mit Kontrollpersonen aus der Gemeinschaft und Männern mit Hodgkin-Krankheit oder Hodentumor; die Methylierung geprägter Gene war nicht verändert; vor der Behandlung unterschied eine Teilmenge von 500 Sonden Proben von Hodentumor-, Hodgkin- und Kontrollpersonen; bei Hodentumorpatienten waren doppelt so viele Stellen betroffen wie bei Hodgkin-Patienten, überwiegend hypomethyliert; die größte Region differenzieller Methylierung lag im Promotor von GDF2; einige Patienten zeigten bis zu 2 bis 3 Jahre nach Chemotherapie vermehrte Veränderungen. Schwächen: Fallzahlen bei Chan im Abstract nicht ausgewiesen, Pilotcharakter bei Dupont, keine Konfidenzintervalle.

**Li et al. 2020 (Sichuan) [s136].** Titel: *Importance and safety of autologous sperm cryopreservation for fertility preservation in young male patients with cancer* (Medicine (Baltimore), 2020, PMID 32282708). Land: China (Sichuan). Design: Befragung (332 Patienten, 103 Mitarbeitende) mit prospektivem Vergleich; hier nur der experimentelle Teil: 30 Krebspatienten gegen 30 Normalspender. Ergebnisse: Die Spermienqualität war bei Krebspatienten nach Strahlen- oder Chemotherapie weiter verschlechtert; die DNA-Fragmentierung änderte sich durch das Einfrieren nicht, obwohl sich die übrigen Qualitätsparameter vor und nach dem Einfrieren in beiden Gruppen signifikant unterschieden. Schwächen: Der Abstract trennt nicht klar zwischen Proben vor und nach Behandlung (die Aussage betrifft zum Teil bereits Behandelte), nennt keine Zahlenwerte und keine Konfidenzintervalle; die Patientenzahl 332 ist mit der Befragung von Zhang 2020 [s143] identisch, ob dieselbe Stichprobe vorliegt, lässt sich aus den Abstracts nicht sicher sagen.

**Zusammenfassung der Befunde zur DNA-Integrität.** Erhöhte DNA-Fragmentierung oder Chromatinschäden vor der Behandlung fanden Ståhl [s250], O'Flaherty [s255, s243, s234], Bujan [s204], Calamai [s76], Song 2023 [s84] (nur vor Ausschluss vorbehandelter Patienten signifikant) und bei Non-Hodgkin-Lymphomen Smit [s245] sowie Farnetani [s51]. Keinen signifikanten Unterschied bei Hodentumor und Hodgkin gegenüber fertilen Kontrollen fand Smit [s245]. Die Studien sind nicht direkt vergleichbar, weil sie verschiedene Assays, unterschiedliche Kontrollen und gefrorene beziehungsweise frische Proben verwenden; ob die Befunde mit Fieber oder Stadium zusammenhängen, wird in den abgerufenen Abstracts nicht berichtet.

### Stabilität aufeinanderfolgender Ejakulate

Für die Praxis der Samenbank ist von Bedeutung, ob eine einzelne Probe die Ausgangsqualität repräsentiert.

**Kim et al. 2014 [s208].** Titel: *Semen quality of consecutive ejaculates from cancer patients for fertility preservation* (Fertil Steril, 2014, PMID 25108463). Land: Korea (Bundang). Design: retrospektive Studie. Population: 86 Krebspatienten, 2004 bis 2013, bis zu fünf aufeinanderfolgende Tage lang Samenabgabe. Ergebnisse: Nur das Volumen der Tage 1 und 3 war gegenüber der ersten Probe signifikant geringer; fast alle Parameter hatten hohe Intraklassen-Korrelationskoeffizienten (ICC): Volumen 0,76 (95-%-Konfidenzintervall 0,52 bis 0,89), Gesamtzahl beweglicher Spermien 0,71 (0,30 bis 0,89), „Wobble“ am niedrigsten mit 0,14 (−0,13 bis 0,51). Schwächen: Die ICC-Intervalle sind wegen der kleinen Zahlen weit; für Männer mit sehr schlechter Qualität oder dringlichem Behandlungsbeginn sagt der Abstract nichts.

**Kim et al. 2022 [s95].** Titel: *Sperm DNA fragmentation in consecutive ejaculates from patients with cancer for sperm cryopreservation.* (Clinical and experimental reproductive medicine, 2022, PMID 36097735). Land: Korea (Bundang). Design: prospektive Studie. Population: 81 Patienten mit verschiedenen Krebsarten, drei aufeinanderfolgende Tage lang Samenabgabe vor Krebsbehandlung. Methodik: Halosperm-Test. Ergebnisse: Das Volumen war am zweiten und dritten Tag signifikant geringer als am ersten. Die höchsten ICC fanden sich für die DNA-Fragmentierung (0,68; 95-%-Konfidenzintervall 0,45 bis 0,84) und das Volumen (0,67; 0,45 bis 0,84). Die Autoren folgern, dass wiederholte Ejakulate stabile Fragmentierungswerte zeigen. Stärken: Reproduzierbarkeit wird quantifiziert, prospektiv. Schwächen: Keine Kontrollgruppe; Männer mit dringendem Behandlungsbeginn sind kaum vertreten. Einordnung: Die ICC-Werte bedeuten, dass die Unterschiede zwischen Personen größer sind als die Schwankungen zwischen den Proben derselben Person; für einzelne Patienten bleiben die Intervalle weit.

### Zeitpunkt der Probe: vor oder nach Orchiektomie, vor oder nach Behandlungsbeginn

Mehrere Studien dieses Kapitels zeigen, dass die Ausgangswerte vom Zeitpunkt der Probe abhängen. Bei Hodentumoren kann der Zeitpunkt der Orchiektomie wesentlich sein: Rives [s235] fand vor der Orchiektomie bei Seminomen niedrigere Konzentrationen als bei Nicht-Seminomen und danach eine Abnahme bei Nicht-Seminomen, Höppner [s300] bei 19 Männern keinen offensichtlichen Unterschied zwischen vor und nach der Orchiektomie, Buonacquisto 2026 [s04] nach der Orchiektomie einen Rückgang von Gesamtzahl und Progressivmotilität bei zugleich sinkender DNA-Fragmentierung, und Wang [s87] bei bereits Operierten eine niedrigere mediane Konzentration (33,0 gegenüber 51,0 Mio/ml). Beim Beginn der Chemotherapie gilt: Saito [s273] fand bei Hodentumor, Leukämie und Lymphom vor Chemotherapie bei 20 beziehungsweise 50 % Werte im WHO-Referenzbereich, nach Beginn der Chemotherapie nur bei 13 % (bei 42 % Azoospermie); Takeshima [s155] nennt eine signifikant niedrigere Dichte bei bereits Behandelten (p = 0,003) und dass 63,9 % der gescheiterten Einlagerungen erst nach Behandlungsbeginn überwiesen worden waren; DiNofia [s176] fand 84,0 % Azoospermie bei vorbehandelten gegenüber 16,9 % bei unbehandelten Jugendlichen; Ukita [s167] fand Azoospermie bei 5 nach gegenüber 1 vor Therapie; Dahar [s159] berichtet, dass bei Überweisung aus der Urologie nur 7,1 %, bei Überweisung aus anderen Fächern aber 53,8 % der Patienten schon Chemotherapie erhalten hatten; Fernández-González [s53] fanden bei 23 % der Proben einen Entnahmezeitpunkt nach Behandlungsbeginn und einen steigenden Anteil mit Oligoasthenozoospermie ab einem Jahr nach der Behandlung; Song 2019 [s152] nennen 15,4 % Einlagerung während oder nach der Behandlung, Song 2023 [s84] 8 von 65 Patienten mit Chemotherapie vor dem Einfrieren. Der Grad der Vermischung von Ausgangs- und Behandlungseffekt unterscheidet sich also erheblich zwischen den Studien; nur in wenigen ist der Anteil vorbehandelter Männer angegeben.

### Umgekehrte Richtung: Subfertilität und späteres Krebsrisiko

Diese Studien beantworten nicht, wie die Samenqualität nach der Krebsdiagnose ist, helfen aber bei der Deutung: Eine schon vor dem Tumor bestehende Hodenfunktionsstörung könnte die Befunde bei Hodentumorpatienten teilweise erklären.

**Hanson et al. 2016 [s193].** Titel: *Subfertility increases risk of testicular cancer: evidence from population-based semen samples.* (Fertility and sterility, 2016, PMID 26604070). Land: USA (Utah). Design: retrospektive Kohorte. Population: 20.433 Männer mit Samenanalyse und 20.433 nach Alter und Geburtsjahr gematchte fertile Kontrollen. Ergebnisse: Männer mit Samenanalyse hatten ein erhöhtes Hodentumorrisiko (Hazard Ratio 3,3). Bei Oligozoospermie nach Konzentration betrug die Hazard Ratio 11,9, nach Spermienzahl 10,3. Das unterste Quartil von Beweglichkeit (4,1), Vitalität (6,6), Morphologie (4,2) oder Gesamtzahl beweglicher Spermien (6,9) war mit höherem Hodentumorrisiko verbunden. Für Melanom fanden sich erhöhte Risiken bei sehr hohen Konzentrationen und Zahlen (Hazard Ratio 2,1, 2,7 und 2,0). Kein Unterschied bestand zwischen azoospermen und fertilen Männern. Stärken: große Kohorte, differenzierte Parameter. Schwächen: Männer mit Samenanalyse sind eine Auswahl; Konfidenzintervalle stehen nicht im Abstract.

**Grasso et al. 2016 (EPSAM-Studie) [s192].** Titel: *Subfertility and Risk of Testicular Cancer in the EPSAM Case-Control Study.* (PloS one, 2016, PMID 28036409). Land: Italien (Turin). Design: Fall-Kontroll-Studie. Population: 245 Fälle von Hodentumor (1997 bis 2008) und 436 Kontrollen im Alter ab 20 Jahren; Genotypisierung des KITLG-Polymorphismus rs995030 bei 202 Fällen und 329 Kontrollen. Ergebnisse: Das Odds Ratio für Hodentumor betrug pro zusätzlichem gezeugten Kind (fünf Jahre vor Diagnose) 0,78 (95-%-Konfidenzintervall 0,58 bis 1,04) und pro zusätzlichem Geschwister 0,76 (0,66 bis 0,88). Ein Versuch zu empfangen von mindestens 12 Monaten, assistierte Reproduktion und eine ärztlich gestellte Infertilitätsdiagnose waren nicht mit dem Risiko verbunden. Die KITLG-Variante war stark mit dem Risiko verbunden (pro Allel 1,83; 1,26 bis 2,64). Schwäche: selbstberichtete Angaben. Einordnung: Das Ergebnis stützt die Assoziation zwischen Kinderzahl und Hodentumorrisiko, nicht aber eine Verbindung mit anderen Indikatoren der Subfertilität.

### Versorgungsbezogene Beobachtungsstudien ohne Ausgangswerte der Samenqualität

Mehrere Beobachtungsstudien erfassen Beratung und Inanspruchnahme der Kryokonservierung, nicht die Samenqualität; sie werden der Vollständigkeit halber genannt. Uçar et al. 2020 [s141] (Türkei, Antalya): 110 Männer mit Hodenkrebs (2000 bis 2016), 42,7 % ließen nach der Diagnose Sperma einfrieren, 74,5 % waren beraten worden, 33 Patienten (30 %) wurden nach der Behandlung Väter. Abdel-Razeq et al. 2020 [s133] (Jordanien, Amman): 186 junge männliche Patienten mit potenziell kurativer Chemotherapie (Non-Hodgkin-Lymphom 31,7 %, Leukämie 25,8 %, Hodgkin-Lymphom 14,0 %); Beratung bei 75,0 %, Spermabanking bei 33,1 %, häufiger bei Ledigen (53,4 gegenüber 17,7 %), bei Kinderlosen (51,8 gegenüber 14,3 %) und bei hoch Gebildeten (47,6 gegenüber 17,1 %). Abusanad et al. 2022 [s92] (Saudi-Arabien, Dschidda): 135 Patienten im reproduktionsfähigen Alter, 39,3 % Männer, nur 37,8 % erhielten Fertilitätsberatung. Yildirim et al. 2024 [s66] (Türkei, Istanbul): 17 männliche Jugendliche (Median 15 Jahre), keine Ablehnungen, 11 konnten eine Probe abgeben. Menzel et al. 2024 [s61] (Deutschland, Dresden): 279 Überlebende eines Hodentumors, 33 % hatten Samen eingelagert, 11 % davon nutzten ihn; Alter von mindestens 37 Jahren (Odds Ratio 13,1) und niedrigere Bildung (3,3) waren mit Verzicht verbunden. Prades et al. 2023 [s83] und Walschaerts et al. 2018 [s168] (Frankreich) schätzen aus nationalen Daten, dass 41 % der Männer mit Hodentumor und 40 % mit Hodgkin-Lymphom, aber nur 7 % mit Non-Hodgkin-Lymphom Samen einlagerten, und dass die Einlagerungsinzidenz bei Hodentumor von 1,73 pro 100.000 Personenjahre im Jahr 1990 auf 5,57 im Jahr 2013 stieg. Diese Zahlen betreffen die Versorgung; sie zeigen aber, dass die untersuchten Samenbankkohorten je nach Krebsart nur einen Teil aller Erkrankten abbilden und daher selektiert sind.

### Onko-TESE und Hodenspermiengewinnung vor und nach Chemotherapie

Wenn im Ejakulat keine Spermien vorhanden sind, kann Samen aus dem Hodengewebe gewonnen werden. Die Studien dieses Abschnitts zeigen indirekt, wie häufig die Ausgangsstörung so schwer ist, dass eine Ejakulatprobe nicht genügt; die Serien nach Chemotherapie betreffen dagegen die Behandlungsfolge und werden nur zur Abgrenzung genannt.

**Karibe et al. 2024 [s57].** Titel: *Testicular sperm extraction for fertility preservation in young patients with cancer* (Transl Androl Urol, 2024, PMID 39280651). Land: Japan (Yokohama). Design: retrospektive Studie zur Onko-TESE bei jungen Krebspatienten. Population: 17 Männer. Ergebnisse: Bewegliche Hodenspermien fanden sich bei 9 von 17; bei bereits begonnener Chemotherapie bei 3 von 9, bei chemotherapienaiven Männern bei 6 von 8. Kryokonservierung gelang bei 10; 2 nutzten die Proben, beide mit Lebendgeburt nach ICSI. Schwächen: sehr kleine Gruppen; die Zahlen 3 von 9 gegenüber 6 von 8 sind ohne Konfidenzintervalle nicht belastbar, deuten aber in dieselbe Richtung wie die Ergebnisse zum Zeitpunkt der Probe.

**Furuhashi et al. 2013 [s221].** Titel: *Onco-testicular sperm extraction: testicular sperm extraction in azoospermic and very severely oligozoospermic cancer patients* (Andrologia, 2013, PMID 22690948). Land: Japan (Kobe). Design: Fallserie zur Onko-TESE. Population: 6 Männer nach Orchiektomie (4 mit Azoospermie, 2 mit sehr schwerer Oligozoospermie). Ergebnisse: Bei 4 fanden sich Spermien, bei einem ein Sertoli-Zell-Only-Syndrom, bei einem ein Reifungsstopp; es entstanden 2 klinische Schwangerschaften. Schwächen: sechs Fälle ohne Kontrollgruppe.

**Ito et al. 2020 [s135].** Titel: *Barriers for sperm cryopreservation in advanced germ cell tumor patients: a 20-year experience* (Int J Clin Oncol, 2020, PMID 31894434). Land: Japan (Kyoto). Design: retrospektive Studie zu Hindernissen der Spermienkryokonservierung bei fortgeschrittenen Keimzelltumoren (1996 bis 2016). Population: 91 Patienten. Ergebnisse: 43 (47 %) schlossen die Kryokonservierung ab; 30 (33 %) wurden nicht informiert, 9 (9,9 %) lehnten ab, 9 (9,9 %) konnten wegen Azoospermie (5) oder Anejakulation (4) keine Probe abgeben. Von den 43 nutzten 10 (23 %) ihre Proben in 21 IVF-Zyklen (10 Schwangerschaften, 7 Vaterschaften); 13 (30 %) verwarfen die Proben, 20 (47 %) lagerten weiter (Median 12,5 Jahre). Schwächen: Der Abstract nennt keine Spermienparameter; die Studie betrifft die Versorgung bei fortgeschrittener Erkrankung. Einordnung: Bei fortgeschrittenen Keimzelltumoren scheiterte die Einlagerung in 9,9 % an einer Azoospermie oder Anejakulation, in einem Drittel vor allem daran, dass die Patienten nicht informiert wurden.

**Mikrochirurgische TESE nach Chemotherapie (Behandlungsfolge).** Titel zu [s197]: *Microdissection testicular sperm extraction in Japanese patients with persistent azoospermia after chemotherapy* (Int J Clin Oncol, 2016, PMID 27306218). Titel zu [s212]: *Microdissection testicular sperm extraction and salvage hormonal treatment in patients with postchemotherapy azoospermia* (Urology, 2014, PMID 24269225). Titel zu [s86]: *Prediction of microdissection testicular sperm extraction outcomes of azoospermic patients post-chemotherapy using cyclophosphamide equivalent dose* (J Assist Reprod Genet, 2023, PMID 37368159). Titel zu [s55]: *Association of the minimal cyclophosphamide equivalent dose and outcome of microdissection testicular sperm extraction in patients with persistent azoospermia after chemotherapy* (F S Rep, 2024, PMID 38524218). Vier Serien aus Japan und Taiwan zur mikrochirurgischen Hodenspermiengewinnung bei Männern, die nach einer Chemotherapie anhaltend azoosperm waren, geben Einblick, wie viele dieser Männer noch Spermien im Gewebe hatten. Shin et al. 2016 [s197] (Koshigaya, Japan): 66 Patienten mit persistierender Azoospermie nach Chemotherapie, häufigste Diagnose Hodentumor (21), danach akute lymphatische Leukämie und Hodgkin-Lymphom (zusammen 9); Spermiengewinnung gelang bei 31 (47 %), klinische Schwangerschaft bei 23 (35 %), Lebendgeburtenrate 27 %; kein signifikanter Unterschied zwischen Hodentumor, Hodgkin-Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphom, ALL, AML und Sarkom. Shiraishi und Matsuyama 2014 [s212] (Ube, Japan): 26 Patienten, mittleres Alter 34,6 Jahre, mittleres Intervall 14,8 Jahre; Spermien bei 11 (42 %), nach Hodentumor-Behandlung bei 75 %; Alkylanzien senkten die Gewinnungsrate; 7 (27 %) Schwangerschaften und 5 (19 %) Lebendgeburten. Tsai et al. 2023 [s86] (Taipeh): unter 1.098 Männern mit nichtobstruktiver Azoospermie hatten 23 eine frühere Chemotherapie; bei 11 (47 %) wurden Spermien gewonnen; bei Alkylanzien-Exposition 1 von 9 (11 %), ohne Alkylanzien 10 von 14 (71 %; p = 0,009); kein Mann mit einer Cyclophosphamid-Äquivalentdosis über 4.000 mg/m² (n = 6) hatte lebensfähige Spermien im Hoden. Huang et al. 2024 [s55] (Taipeh): 28 azoosperme Männer nach Chemotherapie (2002 bis 2017); Spermien bei 11 (39,3 %); bei einer minimalen Cyclophosphamid-Äquivalentdosis unter 4.000 mg/m² 10 von 14 (71,4 %), darüber 0 von 8. Beide Taipeh-Studien stammen aus derselben Klinik; ob Patienten in beiden Kohorten vorkommen, lässt sich aus den Abstracts nicht entscheiden. Weitere Kleinstserien: Hibi 2007 [s259] (Nagoya; 5 Männer mit früherer Chemotherapie unter 74 Patienten mit nichtobstruktiver Azoospermie, alle mit histologischem Sertoli-Zell-Only-Syndrom, bei dreien wurden Spermien gewonnen), Sakamoto 2007 [s261] (zwei Patienten nach Hodentumor-Chemotherapie), Sasaki 2004 [s270] (drei Fallberichte erfolgreicher Schwangerschaften), Hibi 2020 [s134] (Nagoya; 56 Krebsüberlebende unter 1.525 Männern einer Infertilitätssprechstunde, Azoospermie bei 26 [81,3 %] mit gegenüber 14 [58,3 %] ohne Antitumorbehandlung, Kryokonservierung vor der Behandlung nur bei 4). Schwächen: nur Männer mit persistierender Azoospermie, Auswahl, kleine Untergruppen. Einordnung: Diese Studien beschreiben die Behandlungsfolge, nicht die Ausgangsqualität; sie zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, nach Chemotherapie noch Spermien zu finden, wesentlich von Alkylanzien und kumulativer Dosis abhängt.

**Vaterschaft und Beschwerden nach Hodentumor und Kinderwunsch nach Krebs (Behandlungsfolge).** Titel zu [s128]: *Fertility and reproductive technology use in testicular cancer survivors in Japan: A multi-institutional, cross-sectional study* (Int J Urol, 2021, PMID 34278620). Titel zu [s282]: *Sexuality and fertility in long-term survivors of testicular cancer* (J Clin Oncol, 1997, PMID 9193338). Titel zu [s203]: *Male infertility and androgen replacement therapy for subjects with bilateral testicular tumors* (Reprod Med Biol, 2014, PMID 29699154). Yamashita et al. 2021 [s128] (Sendai, Japan): Befragung von 567 Überlebenden eines Hodentumors (mediane Alter 43 Jahre); 398 erhielten Chemotherapie; von 153 Überlebenden, die eine Kryokonservierung versuchten, hatten 133 (87 %) Erfolg; von 28 mit Nutzung zeugten 17 (61 %) Kinder; ohne Chemotherapie zeugten 33 von 169 (20 %) ohne gefrorenes Sperma Kinder, mit Chemotherapie 39 von 398 (10 %; p < 0,05); die Vaterschaftsrate betrug nach drei Zyklen 12 % und nach vier Zyklen 5 % (p < 0,05); Schwächen: Erinnerungs- und Antwortverzerrung, unterschiedlich lange Nachbeobachtung, im Abstract ist nicht angegeben, wie viele Männer überhaupt versuchten, Kinder zu zeugen. Arai et al. 1997 [s282] (Kyoto): Fragebogen bei 85 Langzeitüberlebenden nach Hodentumor; rund 70 % der Männer nach Lymphknotendissektion konnten nicht ejakulieren. Amano et al. 2014 [s203] (Nagano): fünf Männer mit bilateralen Hodentumoren, bei denen Androgenersatz wirksam, die Infertilitätsbehandlung aber unzureichend war.

**Einzelfallberichte und kleinere Programmauswertungen.** Titel zu [s284]: *Pregnancy achieved by intracytoplasmic sperm injection using cryopreserved semen from a man with testicular cancer* (Hum Reprod, 1996, PMID 9021367). Titel zu [s268]: *Successful spouse pregnancy of male patients with severe aplastic anemia and chronic myelogenous leukemia using spermatozoa banked prior to bone marrow transplantation and using the ICSI procedure: case reports* (J Assist Reprod Genet, 2004, PMID 15186024). Titel zu [s40]: *Successful fatherhood of males with tyrosine kinase inhibitor-resistant chronic myeloid leukemia taking olverembatinib* (Ann Hematol, 2025, PMID 41236637). Titel zu [s46]: *Public fertility preservation programme for cancer patients in Hong Kong* (Hong Kong Med J, 2024, PMID 39686560). Titel zu [s43]: *Évaluation des paramètres spermatiques conventionels et des altérations nucléaires spermatiques chez de jeunes adultes guéris d'un cancer pédiatrique (Bewertung der konventionellen Spermienparameter und der Kernveränderungen der Spermien bei jungen Erwachsenen nach überstandener Krebserkrankung im Kindesalter)* (2024). Titel zu [s188]: *Cryoconservation spermatique dans le cadre d’un cancer masculin : incidence sur le déroulement de la grossesse, l’accouchement et l’état néonatal : étude comparative au centre de Procréation Médicalement Assistée du Centre Hospitalier Universitaire de Grenoble (Kryokonservierung von Sperma im Rahmen einer Krebserkrankung beim Mann: Auswirkung auf Schwangerschaftsverlauf, Entbindung und Neugeborenenzustand; Vergleichsstudie am Zentrum für Reproduktionsmedizin des Universitätsklinikums Grenoble)* (2016). Chen et al. 1996 [s284] (Taipeh) berichten eine Schwangerschaft nach ICSI mit zuvor kryokonserviertem Sperma eines Mannes mit Seminom (nach Orchiektomie und Strahlentherapie Azoospermie; drei intrauterine Inseminationen erfolglos; 8 von 12 injizierten Eizellen normal befruchtet; Geburt eines gesunden Jungen in der 39. Woche). Cho et al. 2004 [s268] (Seoul) beschreiben zwei erfolgreiche Schwangerschaften von Partnerinnen mit lange kryokonservierten Spermien, die vor einer Knochenmarktransplantation (chronische myeloische Leukämie; schwere aplastische Anämie) gewonnen worden waren. Yu et al. 2025 [s40] (Peking) berichten über zwei Männer mit TKI-resistenter chronischer myeloischer Leukämie unter Olverembatinib, die gesunde Kinder zeugten; dies ist eine Einzelfallbeobachtung und kein Beleg für Fertilitätssicherheit. Chan et al. 2024 [s46] (Hongkong) werteten das öffentliche Programm aus (August 2020 bis Februar 2023): 58 Konsultationen von Männern, mediane Zeit von der Überweisung bis zur Konsultation 4 Tage, 55 Männer (94,8 %) versuchten die Kryokonservierung, 49 (84,5 %) gelang sie. Die französische Hochschulschrift aus Rouen von 2024 [s43] (56 Patienten nach pädiatrischer Krebserkrankung, 30 Spender als Kontrollen) betrifft Befunde nach der Behandlung: 78,5 % mit deutlich verminderter Spermienzahl, 48 % nichtobstruktive Azoospermie, DNA-Fragmentierung 7,2 gegenüber 4,4 % bei den Spendern (p = 0,0444); sie ist nicht begutachtet. Eine nicht begutachtete Hochschulschrift aus Grenoble von 2016 [s188] (Vergleichsstudie am Zentrum für Reproduktionsmedizin des Universitätsklinikums) fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen einer Schwangerschaft nach Fertilitätserhalt und dem Auftreten einer Schwangerschaftserkrankung; mütterliches Alter, Entbindungsmodus und Geburtsgewicht unterschieden sich statistisch. Die Einzelfälle belegen Machbarkeit, nicht Häufigkeit.

### Tierexperimentelle Hinweise auf eine Wirkung der Erkrankung selbst

Tierversuche zu Schutzstoffen gegen Chemotherapie gehören nicht in dieses Kapitel. Zwei Arbeiten untersuchen jedoch den Einfluss der Tumorerkrankung selbst und liefern damit mechanistische Hinweise.

**Michailov et al. 2019 [s148].** Titel: *Acute Myeloid Leukemia Affects Mouse Sperm Parameters, Spontaneous Acrosome Reaction, and Fertility Capacity.* (International journal of molecular sciences, 2019, PMID 30626098). Land: Israel (Ben-Gurion-Universität des Negev). Design: Tierversuch im Mausmodell der akuten myeloischen Leukämie. Modell: Mäuse, denen C1498-Leukämiezellen verabreicht wurden und die dadurch eine Leukämie entwickelten; anschließend Behandlung mit Cytarabin. Ergebnisse: signifikante Abnahme von Spermienkonzentration und Beweglichkeit, Zunahme abnormer Morphologie und spontaner Akrosomreaktion nach Leukämie und nach Chemotherapie jeweils allein und in Kombination; verminderte Fertilität und weniger Nachkommen. Die Autoren sehen darin die erstmalige Darstellung, dass die Leukämie die spontane Akrosomreaktion erhöht und die Fertilitätskapazität sowie die Zahl der Nachkommen vermindert. Stärken: Trennung von Krankheits- und Chemotherapieeffekt durch Gruppen mit Krankheit allein, Chemotherapie allein und Kombination. Schwächen: ein einziges Leukämiemodell, Übertragbarkeit auf Menschen offen, der Abstract nennt keine Fallzahlen oder Effektstärken.

**Rocha et al. 2021 [s121].** Titel: *Testicular morphometry of rats with Walker 256 tumor supplemented with L-glutamine.* (Animal reproduction, 2021, PMID 34306213). Land: Brasilien (Natal). Design: Tierversuch an 40 pubertierenden Wistar-Ratten in vier Gruppen (Kontrolle; Kontrolle mit L-Glutamin; Walker-256-Tumorzellen; Tumorzellen mit L-Glutamin). Methodik: histomorphometrische Analyse der Hoden. Ergebnisse: Der Tumor verursachte quantitative Veränderungen der tubulären und intertubulären Kompartimente und der Tunica albuginea, mit verminderten Anteilen von Lumen und Tunica albuginea, geringerer Zahl der Sertoli-Zellen pro Gramm Hoden, geringerer Zahl der Leydig-Zellen und verminderten Anteilen von Blutgefäßen und Bindegewebe im Intertubulärraum. Die Glutaminzufuhr verhinderte einen Teil dieser Veränderungen. Stärken: vier Gruppen mit Kontrollen, morphometrische Endpunkte. Schwächen: Es wurde keine Samenanalyse berichtet, das Modell ist ein Kachexiemodell; der Abstract nennt keine Zahlen zu Effektgrößen. Einordnung: Beide Tierarbeiten stützen die Möglichkeit, dass die Erkrankung die Hodenfunktion unabhängig von der Therapie beeinträchtigen kann; sie erlauben keine Aussage über die Größe des Effekts beim Menschen.

### Einordnung der Beobachtungsstudien

**Was die Studien gemeinsam tragen.** Erstens: Bei Hodentumoren ist eine verminderte Ausgangsqualität der am häufigsten und am konsistentesten beschriebene Befund. Die systematische Übersicht [s206], die großen Serien [s235, s189, s93, s87, s222] und kleinere Vergleiche [s267, s271] stimmen darin überein, dass Konzentration oder Gesamtzahl niedriger sind als bei anderen Krebsarten oder bei Kontrollen; ob Seminome oder Nicht-Seminome stärker betroffen sind, ist ungeklärt [s235 gegenüber s271, s266, s213]. Zweitens: Bei Leukämien berichten mehrere große Serien die niedrigste Ausgangsqualität oder den höchsten Anteil nicht einlagerbarer Proben [s189, s222, s116, s60, s145]; kleinere Serien zeigen dagegen überwiegend normale Werte vor der Erstbehandlung [s253, s23], und ein erheblicher Teil der Unterschiede geht auf den Zeitpunkt der Probe zurück [s273, s155]. Drittens: Beim Hodgkin-Lymphom reichen die Anteile normozoosperm untersuchter Männer von 14 % [s228] über 20 % [s256] und 23 % [s257], 53 % (normal oder subnormal) [s278] und 66 % [s275] bis 75 % [s195]; Fieber, B-Symptome und Blutsenkung sagen eine schlechte Qualität voraus [s251, s301, s96, s49], das Stadium dagegen nicht durchgängig [s251, s278 gegenüber s271, s286, s96]. Viertens: Beim Non-Hodgkin-Lymphom liegen die Anteile normozoosperm in der größten Serie bei über 80 % [s120] und in der kleinsten bei 25 % [s228]; aggressive Lymphome hatten schlechtere Ausgangswerte als indolente [s120]. Fünftens: Zu Sarkomen, Hirntumoren, Magen-Darm-Tumoren, Kopf-Hals-Tumoren und Nasopharynxkarzinom liegen nur wenige Zahlen vor, überwiegend aus gemischten Samenbankserien [s189, s179, s87, s116, s29, s85]. Sechstens: Marker für eine Ausgangsstörung, die nicht das Spermiogramm betreffen (DNA-Fragmentierung, oxidativer Stress, Chromatin, Proteom), sind bei Krebspatienten in mehreren, aber nicht allen Studien verändert [s250, s255, s204, s76, s137].

**Wesentliche Schwächen der Literatur.** (a) Die meisten Studien sind retrospektive Samenbankauswertungen ohne gesunde Parallelkontrolle; (b) Selektion: Nur Männer, die eine Probe abgeben konnten und wollten, gehen ein; die Ausschlusszahlen von [s87] (160 von 1.194) und [s199] (4.345 gegenüber 3.616 mit Einlagerung) machen den Effekt sichtbar; (c) Messzeitpunkt (vor oder nach Orchiektomie, vor oder nach Behandlungsbeginn, mit oder ohne Fieber) und WHO-Referenzauflage sind uneinheitlich; (d) bei Tumorarten außer Hoden, Hodgkin und Leukämie fehlen große Einzelserien; (e) viele Abstracts nennen keine Konfidenzintervalle oder Fallzahlen je Untergruppe; (f) Mehrfachveröffentlichungen derselben Kohorte kommen vor ([s238, s236, s225]; [s256, s257]; [s116, s115]; Sichuan-Arbeiten [s59, s60, s29]) und können in einer Synthese zu Doppelzählungen führen; (g) die Kontrollgruppen unterscheiden sich so stark (Spender, Partner Schwangerer, Männer aus Kinderwunschsprechstunde, Referenzdatensatz), dass die Größe des Unterschieds nicht zwischen Studien vergleichbar ist [s189, s93, s102, s84, s222]; (h) in keiner Studie wird zwischen Wirkung der Erkrankung selbst und Wirkung eines vorbestehenden Hodenschadens getrennt, außer indirekt über die Subfertilitätsstudien [s193, s192, s111].

**Was offen bleibt.** Es liegt keine Studie vor, die bei verschiedenen Krebsarten die Samenqualität vor Behandlung gegen eine nach Alter, Abstinenz und Fieber gematchte gesunde Parallelkohorte mit denselben Methoden untersucht und dabei Stadium, Tumorlast und Allgemeinsymptome erfasst. Ebenso fehlen Daten zu Immuntherapien und zu den meisten selteneren Tumorarten. Ob die gemessene Verminderung die Zeugungsfähigkeit im Einzelfall beeinträchtigt, lässt sich aus den Querschnittsdaten nicht ableiten: Mehrere Autoren betonen, dass die Mediane vieler Parameter noch im WHO-Normbereich liegen [s102, s190, s252, s251] und dass die Ausgangsqualität bei der Mehrzahl der Patienten für eine spätere Vaterschaft mit modernen Verfahren ausreichen könne (so die Autoren der EORTC-Auswertung für das frühe Hodgkin-Lymphom [s251]); die Autoren der großen Pariser Serie halten dagegen für die Mehrzahl der Patienten nach dem Auftauen eine ICSI für nötig [s189].

## Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

### Vorbemerkung zur Evidenzbasis

Die folgende Darstellung stützt sich auf Quellen der Master-Quellenliste, deren Abstract (in wenigen Fällen auch der Volltext) tatsächlich abgerufen wurde; zitiert wird mit den Kennungen dieser Liste. Alle Zahlen stammen aus diesen Abstracts oder Volltexten. Wo ein Abstract eine Angabe nicht enthält, etwa Konfidenzintervalle oder Teilnehmerzahlen einzelner Untergruppen, wird sie nicht ergänzt. Es handelt sich ganz überwiegend um retrospektive Auswertungen von Samenbanken. Das hat Folgen, die für das ganze Kapitel gelten. Erfasst sind nur Männer, die eine Probe abgeben konnten und wollten. Kontrollgruppen fehlen meist oder sind selbst ausgewählt (Samenspender, Männer in der Kinderwunschabklärung). Die Messzeitpunkte unterscheiden sich (vor oder nach Orchiektomie, mit oder ohne Fieber, vor oder nach Beginn einer Chemotherapie), ebenso die Auflagen der WHO-Referenzwerte (1992, 1999, 2010, 2021). Prozentangaben zur „Normozoospermie“ sind deshalb zwischen Studien nicht ohne Weiteres vergleichbar. Gepoolt oder umgerechnet wurde in diesem Kapitel nichts; wo eine Studie Zahlen nennt, die in sich nicht stimmig sind, werden sie wörtlich wiedergegeben und der Widerspruch wird benannt, ohne ihn aufzulösen.

Empfehlungen, die hier vorkommen, sind ausschließlich Aussagen der jeweiligen Autorengruppen oder Fachgesellschaften. Dieses Kapitel enthält keine Therapieempfehlung.

### Hodgkin-Lymphom

Das Hodgkin-Lymphom ist die am besten untersuchte hämatologische Erkrankung in diesem Zusammenhang. Die Ergebnisse streuen stark: Der Anteil normozoospermer Männer vor Therapie reicht in den einzelnen Studien von 14 % bis 75 %.

**Ragni et al. 1985 [s302]** untersuchten 35 unbehandelte Männer mit Hodgkin-Krankheit (Fallserie mit Samenanalyse und Hormonbestimmung, FSH, LH, Testosteron, dazu GnRH-Stimulation mit 100 Mikrogramm). Es fanden sich 65 % Asthenozoospermie, 46 % Teratozoospermie und 28 % Oligozoospermie. Normale Samenproben hatten 7 von 18 asymptomatischen, aber nur 2 von 15 symptomatischen Patienten. Basales FSH und LH waren normal, Testosteron signifikant niedrig (p < 0,01), und die LH-Antwort auf GnRH war erniedrigt (Anstieg 28,4 % ± 18,7 % gegenüber 52,4 % ± 25,3 % bei Kontrollen, p < 0,005). Die Autoren deuten das auffällige Ejakulat als spezifisches Symptom der Erkrankung infolge einer funktionellen Unzulänglichkeit der Hypothalamus-Hypophysen-Achse. Grenzen: kleine Fallzahl, frühe Methodik.

**Marmor et al. 1986 [s301]** stellten diese Deutung infrage. Bei 57 jungen Patienten vor Behandlung lagen die Mittelwerte im Normbereich und ähnelten denen fertiler Populationen. Neunzehn Patienten hatten ein auffälliges Spermiogramm, bei zwölf von ihnen bestand kürzlich oder aktuell Fieber. Bei Temperaturen unter 38,5 Grad Celsius zeigte sich nur eine Asthenozoospermie, bei höherer Temperatur schwerere Veränderungen bis zu Oligoasthenozoospermie oder Azoospermie; nur fünf fiebernde Männer hatten ein normales Spermiogramm, alle mit leichtem Fieber. Die Autoren führen die Auffälligkeiten bei etwa einem Drittel der Patienten auf Fieber zurück und nicht auf eine erkrankungsspezifische Hodenveränderung. Grenzen: keine Kontrollgruppe, kleine Fallzahl.

**Magnanti et al. 1996 [s286]** verglichen 20 erwachsene Patienten mit Hodgkin-Lymphom vor jeder Therapie mit Kontrollpersonen (LH-Pulsatilität, computergestützte Spermienanalyse). Die Pulszahl von LH war erhöht (p < 0,05). Bei einem Drittel war die Spermienzahl vermindert; berücksichtigte man Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Linearität der Bewegung, stieg der Anteil mit Auffälligkeiten auf zwei Drittel. Geschwindigkeit und Linearität waren schon in den Stadien I und II beeinträchtigt, die Spermienzahl erst im Stadium III; symptomatische Patienten zeigten unabhängig vom Stadium eine deutliche Verschlechterung aller Parameter. Die Pathogenese blieb nach Angabe der Autoren offen.

**Fitoussi et al. 2000 [s278]** (retrospektive Kohorte, Annals of Oncology): Von 316 Männern, denen eine Samenkonservierung vorgeschlagen wurde, erfüllten 94 die Einschlusskriterien (Alter über 16 und unter 50 Jahre; mittleres Alter 27,5 Jahre; Stadium I 40 %, II 38 %, III 15 %, IV 4 %). 53 % (50 Fälle) hatten einen normalen oder subnormalen Befund. Es fand sich keine Korrelation zwischen Samenqualität und Stadium, B-Symptomen, Alter oder Laborwerten (LDH, Leukozyten, Thrombozyten, Blutsenkung). Die Verwendung der Proben wurde von 13 Patienten verlangt; 88 Inseminationen führten zu 9 Schwangerschaften und 2 Geburten. Grenzen: Selektion (nur 94 von 316), Inseminationen als Methode, keine Vergleichsgruppe.

**Blackhall et al. 2002 [s275]** (retrospektive Kohorte, British Journal of Cancer) werteten 122 Männer aus, die zwischen 1978 und 1990 vor sterilisierender Chemotherapie bei Hodgkin-Krankheit ein Spermiogramm erhielten: 81 (66 %) lagen im Normbereich, 25 waren oligozoosperm (unter 20 × 10^6 Spermien/ml), 5 azoosperm. Bei 115 wurde Samen eingelagert; nach einer medianen Nachbeobachtung von 10,1 Jahren nutzten 33 Männer die Probe (aktuarielle Rate 27 %), neun Partnerinnen wurden schwanger, mit 11 Lebendgeburten und einem Abbruch wegen fetaler Fehlbildung. Die aktuariellen Zehn-Jahres-Raten für Vernichtung vor Tod oder Nutzung beziehungsweise Tod vor Nutzung betrugen 19 % und 13 %. Grenzen: frühe Verfahren, retrospektiv, keine Kontrollen.

**Gandini et al. 2003 [s271]** verglichen im selben Labor 232 Männer mit Hodentumor und 110 mit Hodgkin-Krankheit (Samen vor Chemo- oder Strahlentherapie; Hodentumorpatienten rund einen Monat nach Orchiektomie). In der Hodgkin-Gruppe (n = 106) war die Spermatogenese im Wesentlichen normal; nur 24,5 % hatten eine Gesamtspermienzahl unter 40 × 10^6 pro Ejakulat, in den Stadien III und IV war die Samenqualität jedoch signifikant geringer. Bei Hodentumor (n = 222) lagen die Mittelwerte im Normbereich nach WHO 1992, 35,5 % hatten eine verminderte Qualität. Die Autoren schließen, bei Hodgkin-Patienten sei die Samenqualität besser gewesen als bei Hodentumorpatienten, und beide Gruppen hätten besser abgeschnitten als in früheren Berichten.

**Hallak et al. 2000 [s279]** (Fall-Kontroll-Studie): 89 Männer mit Hodgkin-Krankheit, 18 mit Non-Hodgkin-Lymphom und 50 gesunde Spender. Die Samenmerkmale der Patienten waren vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen signifikant niedriger als bei Spendern; zwischen den Krankheitsstadien bestand vor dem Einfrieren kein signifikanter Unterschied. Zahlenwerte nennt der Abstract nicht.

**Sieniawski et al. 2008 [s256, s257]** werteten Patienten der German Hodgkin Study Group aus. In der ersten Auswertung (Studien 1988 bis 2003) hatten vor der Behandlung 202 Patienten Befunde: 20 % Normozoospermie, 11 % Azoospermie, 69 % andere Dyspermie [s256]. In der zweiten Arbeit, die 38 Männer mit fortgeschrittenem Hodgkin-Lymphom aus randomisierten Studien betrifft, waren vor Behandlung 6 (23 %) normozoosperm und 20 (77 %) dysperm; der Abstract nennt die Basis der Vorbehandlungsanalyse nicht gesondert, aus den Prozentwerten ergibt sich eine Basis von 26 [s257]. Der niedrige Anteil von 20 % weicht stark von anderen Serien ab; ob Selektion oder methodische Unterschiede dafür verantwortlich sind, sagt der Abstract nicht. Die Befunde nach Therapie sind im Abschnitt zu Dosis und Reversibilität dargestellt.

**van der Kaaij et al. 2009 [s251]** (EORTC-GELA-Studien H6 bis H9, logistische Regression) hatten Daten zu 474 von 2.362 Männern (20 %) mit Hodgkin-Lymphom im Frühstadium. Die mediane Spermienkonzentration betrug 40 × 10^6/ml (Spanne 0 bis 345), die mediane Beweglichkeit 50 % (0 bis 90). Gute Qualität (Konzentration mindestens 20 × 10^6/ml und Beweglichkeit mindestens 50 %) hatten 41 %, intermediäre 49 %, schlechte 7 %; 3 % waren azoosperm. Alter und klinisches Stadium zeigten keinen Zusammenhang; B-Symptome und erhöhte Blutsenkung sagten dagegen eine schlechte Qualität voraus. Die Odds Ratios für schlechte Qualität lagen bei 2,77 für B-Symptome (95-%-Konfidenzintervall 1,50 bis 5,12), 2,35 für eine Blutsenkung von mindestens 50 mm/h (1,24 bis 4,43), 3,22 für Fieber (1,41 bis 7,33) und 3,78 für Nachtschweiß (1,97 bis 7,26). Das FSH vor Behandlung hing nicht zusammen. Die Autoren folgern, bei den meisten Patienten mit frühem Hodgkin-Lymphom reiche die Spermienqualität vor Behandlung für eine spätere Vaterschaft aus. Grenzen: nur 20 % der Teilnehmer hatten Daten, nur frühe Stadien.

**Paoli et al. 2016 [s195]** (retrospektiv mit Längsschnittteil, Human Reproduction) analysierten 519 Patienten (504 mit Spermien, 15 azoosperm), WHO-Kriterien 2010, ein Labor. 75 % der Hodgkin-Patienten waren vor Behandlung normozoosperm. Die Autoren schließen, das Hodgkin-Lymphom selbst sei nicht die Hauptursache der Beeinträchtigung. Grenzen: retrospektiv, unterschiedliche Nachbeobachtung in den Untergruppen.

**Laddaga et al. 2022 [s96]** (retrospektive Kohorte, 46 Männer, Behandlung 2008 bis 2016): Bei Diagnose waren die Spermienzahl in den Stadien III und IV, Beweglichkeit und Vitalität in den Stadien III und IV und bei B-Symptomen vermindert; abnorme Formen waren häufiger bei erhöhter Blutsenkung und niedrigem Albumin. Zahlenangaben nennt der Abstract nicht.

**Drechsel et al. 2024 [s49]** (EuroNet-PHL-C2, prospektive internationale Kohorte, 101 Jungen mit klassischem Hodgkin-Lymphom, davon 73 (post)pubertär): Von 48 (post)pubertären Jungen, die Samen abgaben, waren 19 (40 %) oligozoosperm und 4 (8 %) azoosperm. Eine niedrige Konzentration (unter 15 Mio/ml) kam bei Jungen mit B-Symptomen häufiger vor (76 % gegenüber 26 %; adjustierte Odds Ratio 2,3; 95-%-Konfidenzintervall 1,0 bis 3,8; p = 0,001). Zwei Jahre nach Diagnose lieferten 31 Jungen Proben: 12 (39 %) oligozoosperm, 4 (13 %) azoosperm. Die Autoren betonen, der Gesamtzustand der Erkrankung und das entzündliche Milieu könnten die Spermienqualität beeinträchtigen. Grenzen: begrenzte statistische Power bei der Spermienanalyse nach zwei Jahren.

**Moskauer Kohorte, Vinokurov et al. 2011, 2012, 2013 [s238, s236, s225].** Diese drei Veröffentlichungen betreffen überlappende Patienten derselben Arbeitsgruppe und werden hier als eine Datenquelle behandelt. Eingeschlossen wurden Männer mit Hodgkin-Lymphom, die vor der Chemotherapie Sperma eingefroren hatten oder bei denen eine Vaterschaft nachgewiesen war. Ejakulatparameter vor der Therapie lagen nur für einen Teil vor. Der Anteil mit Spermatogenesestörung vor Therapie wird je nach Veröffentlichung unterschiedlich angegeben: 6 von 12 (50 %) in der BEACOPP-14-Teilkohorte der Arbeit von 2011 [s238], 10 von 21 (48 %) in der Gesamtkohorte von 2012 [s236] und 9 von 13 (69 %) in der BEACOPP-14-Gruppe der Arbeit von 2013 [s225] (63 Männer, davon 21 mit Vorbehandlungsparametern). Tabelle 3 der Arbeit von 2011 nennt für vor der Therapie untersuchte Männer eine mittlere Konzentration von 50,0 Mio/ml (Spanne 8,1 bis 100,0) und eine mittlere Beweglichkeit der Kategorie A von 27,8 % (3 bis 87) [s238]. Auch die Zahlen nach Therapie weichen zwischen den Fassungen ab (Azoospermie nach Therapie 42 % im Abstract von [s236], dagegen 23 von 63 oder 36,5 % bei Addition der Gruppen in [s225]). Die Zahlen werden nicht addiert oder umgerechnet. Grenzen laut den Recherchenberichten: Spermiogramme vor der Therapie nur bei 12 bis 21 Männern, nicht standardisierte Laborverfahren, Selektion, kein Kontrollkollektiv, kurze mediane Nachbeobachtung (10 Monate in der Arbeit von 2011).

**Weitere Hodgkin-bezogene Arbeiten.** Eine Fall-Kontroll-Studie mit Proteomik (Martins et al. 2020 [s137]) und die Chromatinuntersuchungen von O'Flaherty et al. [s255, s243, s234] sind im Kapitel zu den Mechanismen dargestellt. Eine Sekundärübersicht berichtet, in der Literatur sei bei 20 bis 70 % der Hodgkin-Patienten schon vor der Therapie Oligo-, Terato- oder Asthenozoospermie beschrieben worden, andere Studien hätten aber keinen Unterschied zu Gesunden gefunden [s158]; ein unsigniertes Kongressabstract nennt ohne Beleg 70 % [s211] (Beweiswert gering).

**Einordnung.** Für das Hodgkin-Lymphom ergibt sich kein einheitliches Bild. Mehrere unabhängige Studien beschreiben Zusammenhänge mit B-Symptomen, Fieber und Entzündungszeichen [s301, s251, s49, s96, s286]; einige finden keinen Zusammenhang mit dem Stadium [s278, s251], andere eine Verschlechterung in den Stadien III und IV [s286, s271, s96]. Aus China, Korea und Japan gibt es keine Studie, die Hodgkin-Lymphome allein untersucht; sie erscheinen nur als Untergruppen [s93, s200, s197].

### Non-Hodgkin-Lymphome und gemischte Lymphomkohorten

**Pallotti et al. 2021 [s120]** (retrospektive monozentrische Kohorte, Human Reproduction) werteten 222 Männer mit Non-Hodgkin-Lymphom aus, die von 2002 bis 2017 vor jeder Behandlung Samen einlagerten (Ausschluss von Komorbiditäten mit Einfluss auf die Spermienparameter; mediane Nachbeobachtung 47,5 Monate). Mehr als 80 % waren vor Behandlung normozoosperm; 15,9 % hatten bereits ein Kind. Aggressive Lymphome gingen mit schlechterem Volumen und geringerer Gesamtspermienzahl einher als indolente (p < 0,05). Nach Standard-Erstlinientherapie kehrte die Gesamtspermienzahl nahezu zum Ausgangswert zurück (T0 195,0 ± 189,8 gegenüber T18 113,4 ± 103,1, p = 0,278; der Abstract nennt keine Einheit), bei 7,7 % Azoospermie nach zwei Jahren. Von 176 Patienten mit Fertilitätsdaten wünschten 22 (12,5 %) Kinder; 14 wurden Väter (12 natürlich, 2 per assistierter Reproduktion). Grenzen laut Autoren: keine Hormonwerte, unvollständige Nachuntersuchungen, wenige Patienten mit aktivem Kinderwunsch.

**Naccache et al. 1996 [s288]** (Institut Gustave-Roussy, französischsprachig, 213 Männer mit Non-Hodgkin-Lymphom, behandelt 1980 bis 1993): Ein Ausgangsspermiogramm samt Kryokonservierung gab es nur bei 24 Patienten; 11 waren normal, 13 auffällig. Zwischen dem Zustand vor der Therapie und der Qualität der Probe fand sich kein Zusammenhang. Die starke Selektion (24 von 213) und das Alter der Daten schränken die Aussagekraft ein.

**Farnetani et al. 2024 [s51]** (prospektive Kohorte mit Kontrollen, Human Reproduction): 53 Männer mit Hodgkin- und 25 mit Non-Hodgkin-Lymphom (Rekrutierung 2012 bis 2022), 79 gesunde fertile Kontrollen; Spermien-DNA-Fragmentierung (TUNEL) an frischen Proben. Vor Behandlung war die mediane Fragmentierung bei Patienten höher als bei Kontrollen, signifikant in der Non-Hodgkin-Gruppe (40,5 % [Interquartilsabstand 31,3 bis 52,6] gegenüber 28 % [22 bis 38], p < 0,05). Bei Hodgkin-Patienten blieben die Mediane über drei Zeitpunkte ähnlich; bei Non-Hodgkin war sie drei Jahre nach Behandlung signifikant niedriger (29,2 % gegenüber 40,5 %, p < 0,05). Der Anteil mit schwerem Schaden zwei Jahre nach Behandlung lag bei 11,6 % (Hodgkin) und 13,3 % (Non-Hodgkin). Grenzen laut Autoren: stark oligozoosperme Männer ausgeschlossen, kleine Zahl gepaarter Proben.

**Bujan et al. 2014 [s204]** (CECOS, prospektive multizentrische Längsschnittstudie): 75 Hodgkin- und Non-Hodgkin-Patienten und 257 fertile Kontrollmänner. Schon vor der Lymphombehandlung waren die Spermienmerkmale verändert, ohne identifizierten Risikofaktor; gegenüber Kontrollen zeigten die Patienten schon vor Behandlung mehr Chromatinveränderungen und DNA-Fragmentierung. Die Verlaufsdaten stehen im Abschnitt zur Reversibilität.

**de Luyk et al. 2012 [s228]** (Samenbank Pordenone; retrospektiv 28, prospektiv 61 Patienten mit Hodgkin-Lymphom, Non-Hodgkin-Lymphom oder Leukämie): Im prospektiven Teil war die Samenqualität vor Behandlung bei den meisten Proben schlecht; Normozoospermie bestand bei 14 % der Hodgkin- und 25 % der Non-Hodgkin-Patienten. Die Autoren halten die Vorbehandlungsqualität dennoch für ausreichend zur Kryokonservierung. Grenzen: sehr kleine Gruppen, Mischung von Leukämie und Lymphom.

**Smit et al. 2010 [s245]** (prospektive Kohorte, 127 Patienten, DNA-Fragmentierungsindex) fanden bei Hodentumor, Hodgkin-Lymphom und gemischten Malignomen vor Behandlung keinen signifikanten Unterschied zu bewiesen fertilen Kontrollen, bei Non-Hodgkin-Patienten dagegen einen erhöhten Index. **Ståhl et al. 2009 [s250]** (kryokonservierter Samen von 121 Krebspatienten, vorwiegend Keimzelltumor und Hodgkin-Lymphom; 137 fertile Kontrollen) berichteten vor Behandlung einen höheren Index bei Keimzelltumoren (n = 84) und Hodgkin-Lymphom (n = 18) gegenüber Kontrollen (n = 143) mit mittleren Differenzen von 7,7 (95-%-Konfidenzintervall 3,2 bis 8,8) beziehungsweise 7,0 (2 bis 12) Prozentpunkten; bei anderen Diagnosen war der Unterschied nicht signifikant (3,6; −1,2 bis 8,4). Der Punktschätzer 7,7 liegt nahe der Obergrenze des genannten Intervalls; die Angabe wurde am Abstract überprüft und wird wörtlich wiedergegeben. Nach Behandlung war kein Anstieg des Index festzustellen.

**Di Bisceglie et al. 2013 [s220]** (261 Männer mit Hodentumor, 219 mit lymphoproliferativen Erkrankungen): Zum Zeitpunkt der Samenentnahme waren FSH-Werte und Spermienkonzentration bei Hodentumor stärker beeinträchtigt als bei Lymphomen. Absolute Ausgangswerte nennt der Abstract nicht.

**Molnár et al. 2014 [s209]** (ungarisch, Spermiogramme vor Kryokonservierung bei 68 Männern mit Hodentumor, 37 mit Hodgkin- und 14 mit Non-Hodgkin-Lymphom): Azoospermie bei 11,8 % und Oligozoospermie bei 58,8 % aller 119 Patienten schon vor Behandlung. Die Konzentration bei Hodentumor sei signifikant niedriger als bei Lymphomen, angegeben als „32,8 gegenüber 24,9 Mio/ml; p = 0,03“. Die Richtung der Mittelwerte widerspricht dieser Aussage; der Abstract wurde bei PubMed erneut abgerufen und enthält den Widerspruch tatsächlich, er wird hier nicht aufgelöst. Zwischen Hodgkin und Non-Hodgkin bestand kein Unterschied.

Der Konsensus FIL/SIRU 2023 [s82] steht im Abschnitt Leitlinien, die Verlaufsdaten nach Therapie stehen im Kapitelteil zur Reversibilität.

### Leukämien

Zu Leukämien liegen deutlich weniger prätherapeutische Samendaten vor als zu Hodgkin-Lymphom und Hodentumor. Aus den russischen, türkischen und arabischen Sprachräumen gibt es keine einzige Studie, die Ejakulatparameter bei Leukämie vor Therapie berichtet.

**Hallak et al. 1999 [s280]** (Fall-Kontroll-Studie, Cancer): 25 Männer mit akuter (n = 13) oder chronischer (n = 12) Leukämie, die vor Chemotherapie Samen einlagerten, gegen 50 gesunde Spender. Die Gesamtzahl beweglicher Spermien war vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen signifikant niedriger (p = 0,0001), ebenso Beweglichkeit (p < 0,05) und Geschwindigkeit der Kurvenbewegung (p < 0,05). Die prozentuale Veränderung vom Einfrieren zum Auftauen war bei Patienten stärker (p < 0,05). Der Leukämietyp beeinflusste die Qualität nicht. Die Autoren halten die Menge nach dem Auftauen für ICSI ausreichend.

**Buonacquisto et al. 2025 [s23]** (retrospektiv, akute Leukämie; Fallzahl im Abstract nicht genannt): Die medianen Samenmerkmale lagen vor Behandlung oberhalb der 25. Perzentile (Bezugswerte im Abstract nicht spezifiziert); nach Therapie stieg der Azoospermieanteil nach einem Jahr; vier Patienten wurden Väter über mindestens einen Zyklus assistierter Reproduktion.

**Cariati et al. 2025 [s24]** (retrospektiv, 247 Patienten mit hämatologischer Neoplasie, davon 158 Hodgkin, 54 Non-Hodgkin, 35 Leukämie; 63 Männer ohne Krebs als Kontrollen): Nach WHO 2021 lagen die Parameter der Patienten bei der 25. Perzentile, die Beweglichkeit unter der 5. Perzentile. Unterschiede zur Kontrolle: Konzentration p = 0,0004, Gesamtzahl p = 0,0003, Gesamtbeweglichkeit p < 0,0001. Die Gesamtbeweglichkeit war in allen Untergruppen vermindert (Hodgkin p = 0,001; Non-Hodgkin p = 0,004; Leukämie p < 0,001), am stärksten bei Leukämie. Kontrollen stammen aus einem Kinderwunschkollektiv.

**Reschini et al. 2025 [s35]** (464 Patienten mit hämatologischer Krebserkrankung, Einlagerung 1987 bis 2018, Überleben mindestens fünf Jahre): Von 255 Überlebenden mit Samenanalyse nach Behandlung waren 37 % azoosperm; schwere oder sehr schwere Spermatogenesestörungen waren bei Leukämien häufiger als bei Lymphomen. Rund die Hälfte der Überlebenden (n = 200) suchte Vaterschaft; 73 erreichten eine natürliche Lebendgeburt, insgesamt hatten 120 von 200 Männern (60 %; 95-%-Konfidenzintervall 53 bis 67) eine Lebendgeburt. Überlebensselektion ist zu beachten.

Die großen gemischten Serien zeigen für Leukämie überwiegend die ungünstigsten Werte: In der größten Serie des Pariser CECOS (4.480 Patienten) waren nur 37 % der Leukämiepatienten normozoosperm, und die mediane Gesamtspermienzahl war bei Leukämie und Hodentumor viermal niedriger als bei Kontrollen [s189]. In einer Kohorte aus Chengdu hatten Leukämiepatienten die schlechteste Probenqualität und mit 46,2 % den höchsten Anteil von Patienten, bei denen keine Spermien eingefroren werden konnten (Leukämie n = 18) [s116]. In einer landesweiten Erhebung in Japan lag der Erfolg der Kryokonservierung bei hämatologischen Neoplasien mit 82,5 % signifikant niedriger als bei Hodentumor (93,6 %) und anderen Tumoren (95,6 %; p < 0,05) [s169]. In einer anderen japanischen Serie war die Samenqualität bei vor Therapiebeginn eingefrorenen hämatologischen Patienten dagegen fast durchweg normal (38 Patienten) [s253]. Ein Teil der Unterschiede zwischen den Kohorten dürfte vom Zeitpunkt der Probengewinnung abhängen (siehe unten, vorbehandelte Patienten).

### Hodentumoren

Beim Hodentumor ist die Datenlage umfangreich und weitgehend einheitlich in der Richtung (eingeschränkte Spermatogenese schon vor Behandlung), uneinheitlich bei der Frage Seminom gegenüber Nicht-Seminom und bei der Wirkung der Orchiektomie.

**Djaladat et al. 2014 [s206]** (systematische Übersicht mit Qualitätsbewertung; vier Datenbanken, 701 Zitate, sechs Arbeiten eingeschlossen): Alle sechs Studien zeigten Samenabnormitäten (Zahl, Beweglichkeit, Morphologie) bei Männern mit Hodentumor vor der Orchiektomie. Gepoolte Effektschätzer nennt der Abstract nicht. **Xavier et al. 2021 [s127]** (nicht systematische Übersicht, nur englischsprachige PubMed-Artikel) berichten, beide Subtypen der Keimzelltumoren verschlechterten die Samenqualität und der Effekt erscheine bei Nicht-Seminomen ausgeprägter. **Kaltsas et al. 2026 [s13]** (narrative Übersicht) fassen zusammen, Studien vor der Orchiektomie zeigten allgemein reduzierte Konzentration, Gesamtzahl und Progressivmotilität sowie gestörte Sertoli- und Leydig-Zell-Funktion; tumorbedingtes hCG könne eine verminderte Leydig-Reserve maskieren.

**Rives et al. 2012 [s235]** (französisches CECOS-Netz, 1.158 Männer, 11 Laboratorien, 1999 bis 2003): Reine Seminome 48 %, Diagnose meist im Stadium I. Konzentration und Gesamtzahl waren vor der Orchiektomie bei Seminomen signifikant niedriger als bei Nicht-Seminomen (p < 0,001); nach der Orchiektomie nahmen diese Parameter bei Nicht-Seminomen ab, bei Seminomen nicht. Stärker beeinträchtigt waren die Parameter bei Stadium III, bei Kryptorchismus in der Vorgeschichte und bei Alter unter 20 Jahren; Azoospermie war vor der Orchiektomie häufiger als danach. Die Autoren folgern, die Einlagerung solle vorzugsweise vor der Orchiektomie stattfinden, und Seminome beeinträchtigten die Spermienproduktion offenbar bevorzugt im tumortragenden Hoden. Dieser Befund steht im Gegensatz zu [s271] und [s266], wo Seminompatienten bessere Werte hatten.

**Gandini et al. 2003 [s271]** (siehe oben): bei Hodentumor 35,5 % mit verminderter Qualität; Seminome hatten bessere Parameter als die übrigen Histologien; zwischen Patienten mit pathologischem (über 5 mIU/ml) und normalem beta-hCG zeigte sich ein signifikanter Unterschied in allen Samenvariablen. **Vicari et al. 2005 [s266]** (italienisch, 24 Männer nach Orchiektomie und vor Therapie, 10 Seminome, 14 Nicht-Seminome): Seminompatienten hatten signifikant höhere Konzentration, Gesamtzahl und Vorwärtsbeweglichkeit. Fünf von 24 (20,8 %) waren azoosperm, 10 (41,7 %) hatten ein oligo-, astheno- oder teratozoospermes Muster, 9 (37,5 %) waren normal. Das Volumen des verbleibenden Hodens war bei 4 von 5 azoospermen Patienten und 7 von 10 oligoasthenoteratozoospermen vermindert (unter 12 ml), bei normozoospermen nie; die Biopsie bei fünf Azoospermen zeigte Sertoli-Zell-Syndrom bei vier und Reifungsstopp bei einem. Die Autoren deuten dies als zufällige kontralaterale primäre Hodenerkrankung.

**Tovar-Rodríguez et al. 2014 [s213]** (Mexiko, spanischsprachig, 37 Keimzelltumoren und 35 Kontrollen): Bei Nicht-Seminomen waren LH, FSH und Testosteron niedriger, Estradiol und Prolaktin höher als bei Seminomen. In der Nicht-Seminom-Gruppe hatten 5 Oligozoospermie, 3 Azoospermie, 6 normale Konzentration, 8 gaben keine Probe ab; bei Seminomen war nur einer azoosperm, 9 hatten normale Konzentration, 5 gaben keine Probe ab. Die Autoren folgern, die Beeinträchtigung der Fertilität sei bei Nicht-Seminomen größer.

**MacKenna et al. 2017 [s181]** (Chile, 589 Proben von 543 Patienten, 1995 bis 2015): Hypospermie in 28,7 % der Proben, mediane Konzentration 18 Mio/ml, 35 % Oligozoospermie, 22 Patienten (4,1 %) azoosperm, 261 Proben (44,3 %) in allen Parametern normal nach WHO 2010. Die Gesamtzahl beweglicher Spermien betrug vor dem Einfrieren 12 (0 bis 412,2) und nach dem Auftauen 7 (0 bis 303,9) Mio, eine Verminderung um 32 % (p < 0,00001). Nur zwölf Patienten (2,2 %) nutzten ihren Samen.

**Badia et al. 2023 [s74]** (38 Patienten, Kryokonservierung vor Orchiektomie, 2006 bis 2018): Vier (11 %) azoosperm; kein signifikanter Unterschied zwischen Stadium I und II/III oder Seminom und Nicht-Seminom; nach WHO 2010 hatten 7 (18 %) abnormes Volumen, 18 (47 %) abnorme Gesamtspermienzahl und 9 (24 %) abnorme Beweglichkeit. Nur Proben vor der Orchiektomie, aber nur 38 Patienten.

**Buonacquisto et al. 2026 [s04]** (Samenqualität vor und nach Orchiektomie, Fallzahl im Abstract nicht genannt): Proben nach der Orchiektomie zeigten einen signifikanten Rückgang von Gesamtspermienzahl und Progressivmotilität und mehr morphologische Auffälligkeiten; zugleich sank die Spermien-DNA-Fragmentierung nach der Operation signifikant, was die Autoren als verbesserte Chromatinintegrität nach Tumorentfernung deuten. Erhöhtes präoperatives FSH und höherer BMI waren Risikofaktoren für postoperative Oligozoospermie. Die Autoren halten die Probe nach der Orchiektomie wegen besserer DNA-Integrität möglicherweise für besser geeignet für assistierte Reproduktion. Das steht in Spannung zu [s235].

**Weitere Hodentumor-Serien.** Fosså et al. 1989 [s296]: 147 Patienten; Kryokonservierung war bei 38 von 91 Wunschpatienten wegen schlechter Parameter unmöglich, und die Fertilität nach der Behandlung war bei Patienten mit und ohne Kryokonservierung in gleichem Maß zu beobachten; die Autoren halten die klinische Bedeutung für zweifelhaft. Bussen et al. 2004 [s267]: Bei 16 Hodentumorpatienten fand sich keine Normozoospermie, bei fünf von 21 Patienten mit anderen Malignomen (p = 0,047); Konzentration 18,7 ± 22,3 gegenüber 35,6 ± 31,3 × 10^6/ml (p = 0,03). Hotaling et al. 2013 [s222] fanden bei Hodentumor als einziger Krebsgruppe eine signifikant geringere Chance auf mehr als 5 × 10^6 bewegliche Spermien nach dem Auftauen. Záková et al. 2014 [s215]: Samen von 523 Männern mit Hodentumor (die Angaben im Abstract sind uneinheitlich, 523 gegenüber 532 Patienten, und werden hier wörtlich übernommen); 34 (6,5 %) nutzten den Samen, 16 Schwangerschaften bei 46 Zyklen (34,8 %). Hagiuda et al. 2021 [s113]: Von 9 Hodentumorpatienten mit früherem Kryptorchismus hatten 5 eine Azoospermie. Culpan et al. 2024 [s48] (Istanbul, 454 Orchiektomiepräparate): Im nicht tumorösen Hodengewebe fand sich bei 22,5 % normale Spermatogenese, bei 39,0 % Hypospermatogenese und bei 38,5 % keine reifen Spermien; Hypospermatogenese und fehlende reife Spermien waren mit metastasiertem Nicht-Seminom verbunden (Effektmaß 2,796; 95-%-Konfidenzintervall 1,251 bis 6,250 beziehungsweise 3,907; 1,692 bis 9,021; im Abstract ohne Bezeichnung, vermutlich Odds Ratios). Topuz et al. 2021 [s125] (Ankara, 53 Männer, Spermiogramm vor Orchiektomie bei 29): mittlere Konzentration 24,21 × 10^6/ml; die Beweglichkeitskategorien sind wörtlich als 0,79 %, 39,10 %, 9,83 % und 22,69 % (Kategorien A bis D) angegeben; sie summieren sich nicht auf 100 %, und der Wert für Kategorie A ist ungewöhnlich niedrig. Tangal und Yığman 2021 [s123]: Unter 954 Männern in der Kinderwunschabklärung fanden sich fünf Hodentumoren (alle Seminome), drei mit Oligospermie, zwei mit Azoospermie.

Pong et al. 2016 [s196] (Taiwan, 50 Männer): Die Kryokonservierung gelang in 52 %. Alpha-Fetoprotein (4113,1 gegenüber 81,2 ng/ml) und Tumorvolumen (77,7 gegenüber 25,5 ml) waren in der Misserfolgsgruppe höher; Seminome hatten eine höhere Konzentration als Nicht-Seminome (21,5 gegenüber 11,8 Mio/ml; p < 0,027). Hamano et al. 2018 [s163]: Den WHO-Grenzwert für die Konzentration erreichten 41 % der Hodentumor- und 66 % der Nicht-Hodentumor-Patienten; Seminom und Nicht-Seminom unterschieden sich nicht.

**Deutschsprachige Arbeiten.** Aus dem deutschsprachigen Raum stammen ausschließlich ältere Berichte zur Zeit vor der ICSI: Höppner et al. 1986 [s300] (29 Patienten mit Hodentumor; nach den damaligen Annahmekriterien von mehr als 10 Mio/ml und mehr als 30 % Beweglichkeit erfüllten 17 von 29 die Bedingungen für das Einfrieren; bei 19 war vor und nach der Orchiektomie kein offensichtlicher Unterschied), Barth und Schönfelder 1988 [s298] (83 Patienten; Einschränkungen der Fertilität deutlicher bei Gonadentumoren als bei extragonadalen Tumoren), Schubert et al. 1989 [s297] (bei 70 % von 30 Patienten abnormes Spermiogramm; nach retroperitonealer Lymphknotenausräumung bei 71 % von 45 vollständiger oder teilweiser Ejakulationsverlust; unter den genannten Kriterien seien nur 25 % der Hodentumorpatienten für eine langfristige Konservierung geeignet), Kolodziej et al. 1990 [s295] (93 Samendepots, nur 20 % der Ejakulate normozoosperm und mit Beweglichkeit nach dem Auftauen über 20 %), Holland-Moritz und Krause 1990 [s294] (20 von 47 Männern innerhalb von zwei Jahren nicht mehr an der Lagerung interessiert; keine der 27 verbleibenden Proben bis dahin genutzt), Hänggi et al. 1992 [s292] und Köhn und Schill 1988 [s299]. Neuere deutsche Beiträge betreffen die Nutzung und nicht die Ausgangsqualität (Menzel et al. 2024 [s61]; Fernández-González et al. 2023 und 2024 [s80, s53]).

### Gemischte Krebskollektive und andere Tumorarten

Der größte Teil der Literatur zur Spermienqualität vor Behandlung stammt aus Auswertungen von Samenbanken mit gemischten Diagnosen. Das ist zugleich Stärke (große Zahlen, einheitliche Laborverfahren) und Schwäche (Selektion; meist keine Kontrolle für Fieber, Abstinenzzeit oder Zeitpunkt zur Orchiektomie).

**Studien mit Vergleichsgruppen.** **Auger et al. 2016 [s189]** (Pariser CECOS, ein Labor, 4.480 Patienten: Hodenkeimzelltumor 2.315, Hodgkin 1.175, Non-Hodgkin 439, Leukämie 360, Sarkom 208, Hirntumor 40, Morbus Behçet 68, Multiple Sklerose 73; Vergleich mit 1.448 fertilen Spenderkandidaten und 208 Partnern Schwangerer): Nur 37 % der Leukämiepatienten und weniger als 60 % bei Keimzelltumor, Non-Hodgkin, Sarkom und Hirntumor waren normozoosperm. Die mediane Gesamtspermienzahl war bei Hodentumor und Leukämie viermal niedriger (p < 0,01 gegenüber beiden Kontrollgruppen); der geringste Anteil progressiv beweglicher Spermien fand sich bei Leukämie und Hirntumor, der Anteil morphologisch normaler Spermien war bei Patienten vermindert, besonders bei Hirntumor. Nach dem Auftauen war die Progressivmotilität etwa halb so hoch wie bei Spenderkandidaten; bei fast der Hälfte der Proben von Patienten mit Hodentumor oder Leukämie lag die Zahl beweglicher Spermien je Pailette unter 0,5 × 10^6, gegenüber 4,3 × 10^6 bei Spenderkandidaten. Die Autoren schließen, für die Mehrzahl der Patienten wäre ICSI nötig.

**Fan et al. 2022 [s93]** (Guangdong, Propensity-Score-Matching, 445 Patienten gegen 9.170 Spender, 413 Patienten mit 798 Spendern gematcht): Bösartige Neubildungen waren mit folgenden Verminderungen verbunden: Volumen 0,3 ml, Konzentration 17,1 × 10^6/ml, Gesamtzahl 67,6 × 10^6, Gesamtbeweglichkeit 9,8 %, Progressivmotilität 10,2 %, Normalformen 6,4 %. Hodentumor, Nasopharynx- und Verdauungstumoren, Hodgkin, Non-Hodgkin und Leukämie waren signifikant mit verminderter Beweglichkeit und Normalformen assoziiert; Hodentumor, Hodgkin und Leukämie zusätzlich mit verminderter Konzentration oder Gesamtzahl. Die Verminderung war bei unter 30-Jährigen größer. Spender sind eine ausgewählte, besonders fertile Gruppe, was Unterschiede vergrößern kann; Konfidenzintervalle nennt der Abstract nicht.

**Shrem et al. 2022 [s102]** (313 Krebspatienten vor gonadotoxischer Behandlung gegen Männer einer Fertilitätsabklärung mit Werten oberhalb der WHO-2010-Untergrenze und gegen fertile Männer aus dem Datensatz des WHO-Handbuchs): Gegenüber der Abklärungsgruppe war die Konzentration um 65,6 % niedriger, das Volumen um 12,1 %, die Gesamtzahl um 72,7 %, die Gesamtbeweglichkeit um 33,0 % und die Progressivbeweglichkeit um 24,7 %. Das stärkste Defizit bei Beweglichkeit und Konzentration zeigte sich bei Keimzelltumoren, das geringste bei hämatologischen Tumoren. Gegenüber fertilen Männern waren alle Parameter signifikant niedriger (p < 0,0001). Die Mediane lagen bei den meisten Parametern noch im WHO-Normbereich, die fünfte Perzentile entspreche jedoch Männern mit verlängerter Zeit bis zur Schwangerschaft.

**Song et al. 2023 [s84]** (Seoul, prospektiv, 65 Krebspatienten gegen 67 Kontrollen mit Kryokonservierung für assistierte Reproduktion; Volltext): Konzentration 67,76 ± 59,50 gegenüber 95,52 ± 69,61 Mio/ml (p = 0,015), Gesamtbeweglichkeit 35,84 ± 11,13 gegenüber 41,58 ± 11,61 % (p = 0,004), Progressivbeweglichkeit 32,06 ± 11,63 gegenüber 38,33 ± 11,82 % (p = 0,003), DNA-Fragmentierungsindex 24,32 ± 15,69 gegenüber 19,11 ± 11,63 % (p = 0,033). Nach Ausschluss von 8 Patienten mit Chemotherapie vor dem Einfrieren blieben die drei Spermienparameter signifikant niedriger, der Index aber nicht (23,14 ± 12,79 gegenüber 19,11 ± 11,63 %; p = 0,069). Nach Tumorart hatte Hodenkrebs die niedrigste mittlere Konzentration (33,14 ± 24,88 Mio/ml); zwischen den Untergruppen fanden sich keine signifikanten Unterschiede im Index. Grenzen: Untergruppen mit 7 bis 17 Patienten; Kontrollen sind keine Gesunden, sondern Männer, die für assistierte Reproduktion einfroren (Altersunterschied von etwa vier Jahren).

**Tang et al. 2022 [s104]** (Peking, 351 Krebspatienten und 311 Männer ohne Krebs, die aus anderen Gründen einfroren): Die Krebsgruppe hatte niedrigere Konzentration, geringeren Anteil progressiver Spermien nach dem Auftautest, geringere Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien und geringere Wiedergewinnungsrate (alle p < 0,05). Zahlenbezogene Parameter waren vor allem bei Hodentumor, bewegungsbezogene vor allem bei Leukämie verändert. **Zhou et al. 2019 [s157]** (Peking, 251 Männer, davon 140 mit Krebs): Krebspatienten hatten gegenüber Männern ohne Krebs niedrigere mittlere Konzentration (60,53 gegenüber 90,45 Mio/ml; p < 0,05), Gesamtzahl (175,8 gegenüber 311,3 Mio.), Progressivmotilität (43,55 gegenüber 49,21 %) und Wiederfindungsrate (52,17 gegenüber 68,13 %); bei Hodentumoren waren Konzentration und Gesamtzahl signifikant niedriger. Die Abstract-Angabe zu Blutkrebs (22,31 %, n = 66) passt rechnerisch nicht zusammen und wird nur als gedruckt wiedergegeben. **Caponecchia et al. 2016 [s190]** (236 Krebspatienten, 102 fertile Männer): Die medianen Basiswerte lagen insgesamt oberhalb der 5. Perzentile der WHO-Referenz; bei Hodentumoren und Hodgkin-Lymphom war die Konzentration statistisch niedriger als bei Fertilen, bei anderen Krebsarten nicht; keine Korrelation mit dem Stadium. **Agarwal et al. 1996 [s283]** (30 Gesunde, 34 Hodentumor, 39 Hodgkin, 19 Leukämie oder Lymphom): Beweglichkeit, Bewegungsindex und Gesamtzahl beweglicher Spermien waren vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen bei Patienten signifikant niedriger (p < 0,01); zwischen den Patientengruppen bestanden keine signifikanten Unterschiede. **Agarwal 2000 [s276]** (Erfahrungsübersicht der Cleveland Clinic): Die Samenqualität war bei Krebspatienten vor Behandlung schlechter als bei Spendern; der prozentuale Rückgang durch die Kryokonservierung war ähnlich wie bei gesunden Spendern; das Stadium bei Hodentumor und Hodgkin-Krankheit hatte keinen Bezug zur Samenqualität (Zahlen nennt der Abstract nicht).

**Auswertungen nach Krebsart ohne gesunde Kontrolle.** Hotaling et al. 2013 [s222] (1.010 Proben): Die Gruppe ohne Krebs hatte die beste Qualität; unter den Krebsgruppen die beste bei Prostatakrebs (Gesamtzahl beweglicher Spermien 155,1 vor dem Einfrieren und 53,2 × 10^6 nach dem Auftauen), die schlechteste bei Leukämien (lymphatische 26,8 × 10^6 im Rohzustand, myeloische 6,9 × 10^6 nach dem Auftauen). Williams et al. 2009 [s252] (Houston, 717 Proben aus 409 Akten): Bei Hodentumor lagen Dichte und Beweglichkeit im mittleren Bereich, bei allen anderen Malignomen die Dichte im fertilen und die Beweglichkeit im mittleren Bereich; es waren nur 409 von 1.409 Akten verfügbar. Pening et al. 2022 [s98] (Brüssel, 111 hämatologische, 104 Hoden-, 19 Prostata-, 28 gastrointestinale und 16 neurologische Tumoren): Oligoasthenozoospermie in 30 % der Proben, davon 19,33 % schwere Oligozoospermie; bei Hodentumor war die Konzentration signifikant vermindert (p < 0,01). Freour et al. 2012 [s229] (Nantes, 1.042 Männer) und Bizet et al. 2012 [s227] (Marseille, 1.080 überwiesene Patienten; Konzentration bei Hodentumor signifikant niedriger als bei den übrigen): Spermienmerkmale und Empfindlichkeit gegenüber dem Einfrieren hingen von der Krebsart ab. Ordoqui et al. 2018 [s165] (Uruguay, 113 onkologische Proben): Die Progressivmotilität bei Frischproben war niedriger als bei der Vergleichsgruppe für assistierte Reproduktion (47 % gegenüber 56 %); die Autoren nennen die Parameter der Krebsgruppe überraschend fast normal. Kobayashi et al. 2017 [s179] (Tokio, 122 Männer): mittlere Konzentration 30,5 (Hoden), 45,0 (hämatologisch), 40,5 (Verdauungstrakt) und 68,4 Mio/ml (andere), mittlere Beweglichkeit 59,6 %, 50,1 %, 43,0 % und 44,8 %. Negoro et al. 2018 [s164] (Kyoto): Konzentration 32,6 (Keimzelltumor) gegenüber 46,1 Mio/ml (hämatologisch; p < 0,05). Ku et al. 2015 [s200] (Pusan, 66 Patienten ohne Vorbehandlung): signifikante Unterschiede in Konzentration und Vitalität zwischen den Krebsarten, nicht aber in Volumen, Beweglichkeit und Morphologie; die mittlere Beweglichkeit war bei Non-Hodgkin-Lymphom (28,4 ± 19,4 %) und Leukämie (28,7 ± 15,4 %) am niedrigsten; die Hodgkin-Gruppe umfasste nur 5 Patienten. Wang et al. 2023 [s87] (Guangdong, 1.034 Patienten, Volltext): Patienten mit Tumoren des Fortpflanzungssystems (99,0 % Hodentumoren) hatten eine mediane Konzentration von 21,0 gegenüber 56,0 Mio/ml bei den übrigen (p < 0,001); mindestens 15 Mio/ml erreichten 59,9 % gegenüber 85,8 %. Liu et al. 2021 [s116] (Chengdu, 339 Männer): mediane Konzentration vor dem Einfrieren bei Keimzelltumoren 26, hämatologisch 41, Kopf-Hals 64 Mio/ml (p = 0,0015); Hodentumor 30, Leukämie 18,5 und Lymphom 48 Mio/ml (p = 0,0020). Liu et al. 2021 [s115]: Hoden- und extragonadale Keimzelltumoren unterschieden sich nicht. Song et al. 2019 [s152] (Seoul, 721 Patienten): mittlere Konzentration 66,7 ± 66,3 × 10^6/ml. Takeshima et al. 2019 [s155] (Yokohama, 235 Männer): Die Spermiendichte war bei bereits Behandelten signifikant niedriger als bei Unbehandelten (p = 0,003). Liu et al. 2025 [s29] (Nasopharynxkarzinom, Sichuan): Vor Behandlung waren 79,4 % normozoosperm, die Gesamtspermienzahl war gegenüber gesunden Kontrollen niedriger.

**Sarkome, Hirntumoren und weitere Entitäten.** Für diese Gruppen gibt es keine großen Einzelserien. Takeshima et al. 2023 [s85] (34 Männer mit Knochen- und Weichteiltumoren): Medianwerte vor Behandlung Volumen 2,5 ml, Konzentration 32,6 Mio/ml, Beweglichkeit 38,5 %. Fu et al. 2019 [s145] (145 Patienten): Sarkompatienten hatten die niedrigste Progressivmotilität (Zahl nicht angegeben). Hoshi et al. 2014 [s207] (14 Patienten mit Knochen- und Weichteiltumoren): 4 wählten die Spermakryokonservierung. Eine systematische Übersicht von 2026 zu nicht-Brust-soliden Tumoren (Magen-Darm, Sarkom, Lunge, Melanom) fand 102 Studien (33 Fallberichte oder Fallserien, 69 analytische Studien) und beschreibt sie als in Design, Behandlung und Ergebnisgrößen stark uneinheitlich [s19]; Li et al. 2024 [s58] weisen darauf hin, dass die meisten Studien nicht zwischen Tumorarten unterschieden. Zu Hirntumoren liegt eine russische Übersicht ohne Primärdaten vor [s144]. Zu Blasenkrebs unter intravesikaler BCG-Therapie sank nach der Behandlung die Spermienqualität bei 23 Männern (Ausgangs- und Folgewerte nicht im Abstract) [s36]. Zur Frage, wie Immuntherapien die männliche Fertilität beeinflussen, ist nach einer bibliometrischen Analyse weitere Klärung nötig [s54].

### Kinder und Jugendliche

**DiNofia et al. 2017 [s176]** (Philadelphia): Von 399 angesprochenen pubertären Patienten versuchten 339 (85 %) die Einlagerung, 265 (78 %) erfolgreich. Eine Vorbehandlung beeinträchtigte die erfolgreiche Abgabe signifikant (p < 0,01): Nur 16,9 % der unbehandelten, aber 84,0 % der behandelten Patienten waren azoosperm. **Daudin et al. 2015 [s199]** (CECOS, 4.345 Jungen und junge Männer von 11 bis 20 Jahren, 23 Zentren, 34 Jahre): 4.314 versuchten eine Probe, 4.004 gelang sie, bei 3.616 wurde Samen eingelagert; mittlere Gesamtspermienzahl 61,75 × 10^6 (11 bis 14 Jahre) beziehungsweise 138,81 × 10^6 (18 bis 20 Jahre). **Bahadur et al. 2002 [s274]** (238 Jugendliche, Einlagerung bei 205): Mittlere Spermienzahlen waren über Krankheits- und Altersgruppen ähnlich, außer bei akuter myeloischer Leukämie. **Keene et al. 2012 [s230]** (180 Patienten, mittleres Alter 16,1 Jahre): 119 (66 %) lagerten erfolgreich ein; von den Erschienenen konnten 15 (10 %) keine Probe abgeben und 20 (13 %) waren azoosperm. **Liu et al. 2024 [s59]** (275 Jugendliche aus 16 Samenbanken): 90,5 % hatten Spermien im Ejakulat, bei 244 (88,7 %) gelang die Einlagerung. **Park et al. 2025 [s33]** (298 Patienten von 11 bis 25 Jahren): 72,1 % versuchten die Einlagerung; jüngeres Alter sagte den Verzicht voraus (adjustierte Odds Ratio 5,059; p = 0,001), der Erfolg bei Versuch hing nicht vom Alter ab. **Fernández-González et al. 2024 [s53]** (Berlin, 601 Proben von 506 Patienten): 77 % vor Behandlung; bei Jugendlichen mit Hodentumor oder hämatologischen Malignomen war die Samenqualität bereits vermindert. **Drechsel et al. 2024 [s49]** siehe oben. Weitere Übersichten betreffen präpubertäre Jungen, bei denen Samenbanking nicht möglich ist [s138, s247, s63]. Yildirim et al. 2024 [s66] berichten für 17 türkische Jugendliche nach Einführung der Kostenübernahme keine Ablehnung; 11 konnten eine Probe abgeben. Eine französische Hochschulschrift (56 Patienten nach pädiatrischer Krebserkrankung, Befunde nach der Behandlung) fand 78,5 % mit deutlich verminderter Spermienzahl und 48 % nicht obstruktive Azoospermie [s43].

### Metaanalysen und systematische Übersichten

**Li et al. 2024 [s58]** (Human Reproduction Open; 69 nicht randomisierte Studien, 32.234 überwiesene Patienten, 23.178 mit mindestens einer eingelagerten Probe): gepoolte Rate gescheiterter Kryokonservierung 10 % (95-%-Konfidenzintervall 8 bis 12), Vernichtung 23 % (16 bis 30), Nutzung 9 % (8 bis 10), Schwangerschaft 28 % (22 bis 33), Fehlgeburt 13 % (10 bis 17), Geburt 20 % (15 bis 25). Klinische Schwangerschaftsrate pro Zyklus: ICSI 34 % (27 bis 41), IVF 24 % (14 bis 35), IUI 9 % (5 bis 15); Geburtenrate pro Zyklus 23 % (17 bis 30), 18 % (11 bis 26) und 5 % (1 bis 9). Neuere Studien berichteten günstigere Raten, asiatische Studien höhere Vernichtungs- und Schwangerschaftsraten. Grenzen laut Autoren: 36 Jahre Daten, wechselnde WHO-Standards, kleine Studien ohne Kontrollgruppe, keine Analyse nach Krebsart und Schweregrad, Studienmittelwerte statt Patientendaten, pädiatrische und jugendliche Patienten ausgeschlossen. **Ferrari et al. 2016 [s191]** (30 Studien, 11.798 Patienten): gepoolte Nutzungsrate 8 % (8 bis 9), Anteil verworfener Proben 16 % (15 bis 17), Anteil der Nutzer, die Eltern wurden, 49 % (44 bis 53); die Nutzungsrate korrelierte mit der Dauer der Nachbeobachtung (R² = 0,46; p = 0,03), die Autoren halten sie für möglicherweise unterschätzt. **Behboudi-Gandevani et al. 2021 [s111]** (acht Kohortenstudien, 168.327 Männer mit Infertilitätsdiagnose gegen 2.252.806 ohne): gepoolte Odds Ratio für alle Krebsarten 1,43 (1,25 bis 1,64), Hodentumor 1,91 (1,52 bis 2,42), Prostatakrebs 1,48 (1,05 bis 2,08), Melanom 1,31 (1,06 bis 1,62); diese Arbeit betrifft die umgekehrte Richtung (Subfertilität vor der Krebsdiagnose). Zu den Übersichten [s206] und [s19] siehe oben.

Nach dem Auftauen sinkt die Beweglichkeit in nahezu allen Serien, in der Regel auch bei gesunden Spendern; Krebspatienten starten aber von einem niedrigeren Ausgangswert [s189, s222, s283, s181]. Marchiani et al. 2023 [s81] (Florenz, 1.973 Sammelproben): Die Wiedergewinnung von Beweglichkeit und Vitalität hing stark von der Ausgangsqualität ab; bei Proben mit weniger als 2 × 10^6 Spermien/ml ging sie gegen null.

### Versorgungs-, Befragungs- und qualitative Studien

Eine große Zahl von Arbeiten misst keine Spermienparameter, sondern Beratung, Inanspruchnahme und Hindernisse. Sie erklären, warum viele Proben erst nach Therapiebeginn gewonnen werden. Beispiele: Abdel-Razeq et al. 2020 [s133] (Jordanien, 186 Patienten; Spermabanking bei 33,1 %, häufiger bei Ledigen, Kinderlosen und hoch Gebildeten), Abusanad et al. 2022 [s92], Almajed et al. 2025 [s21], Arafa et al. 2023 [s73], Al Ghaithi et al. 2023 [s72], Agha und Aladul 2026 [s01], Darif et al. 2026 [s06], Gharaibeh et al. 2026 [s08], das Scoping Review von Matua et al. 2026 [s16], Topçu et al. 2013 [s223], İncesoy Özdemir et al. 2026 [s20], Zhang et al. 2020 [s143], Li et al. 2020 [s136], Hu et al. 2025 und 2026 [s27, s11] sowie die japanischen Befragungen [s169, s156, s119, s254, s262]. In der japanischen Befragung von 2018 gingen bei Nicht-Hodentumoren etwa 20 % der Patienten vor der Kryokonservierung in Chemotherapie [s169]. Zur Nutzung der eingelagerten Proben liegen Zahlen zwischen 2,2 % und 27 % vor (Hodentumor in Chile 2,2 % [s181], Kanada 3,2 % [s47], China, 16 Regionen, 3,7 % [s60], gepoolt 8 % [s191] und 9 % [s58], Hodgkin nach 10 Jahren aktuariell 27 % [s275]); sie hängen von Nachbeobachtung und Bezugsgröße ab.

### Leitlinien und Konsensusdokumente

Die folgenden Angaben geben ausschließlich wieder, was die Gremien in den abgerufenen Abstracts aussagen.

- **ASCO-Leitlinie, Update 2025 [s37]** (Evidenzbasis 166 Studien; am Abstract überprüft): Personen mit Krebs sollten bei Diagnose und im Verlauf zu Fortpflanzungsrisiken beraten werden; Spermienkryokonservierung solle Männern vor krebsgerichteter Behandlung angeboten werden, mit testikulärer Spermienextraktion, wenn keine Samenprobe abgegeben werden kann; die Kryokonservierung von Hodengewebe bei präpubertären Jungen sei experimentell und solle nur in einer klinischen Studie angeboten werden; Männer sollten auf möglicherweise höhere genetische Schädigungsrisiken in kurz nach Therapiebeginn oder -ende gewonnenen Spermien hingewiesen werden; die Onkologie-Teams sollten raschen Zugang zu einem multidisziplinären Fertilitätserhaltungsteam sicherstellen.
- **Französische Leitlinien 2021 [s99]** (400 Artikel aus PubMed, 1987 bis 2019; am Abstract überprüft): Jedes Kind, jeder Jugendliche und Erwachsene im fortpflanzungsfähigen Alter solle über das Risiko der Gonadentoxizität informiert werden. Bei pubertären Männern müsse die Spermienkryokonservierung jedem Mann angeboten werden, der eine Krebsbehandlung erhält, unabhängig von der Toxizität; Hodengewebekryokonservierung solle Männern vorgeschlagen werden, die keine Spermien einlagern können und eine Behandlung mit mittlerem oder schwerem Gonadotoxizitätsrisiko erhalten. Bei präpubertären Jungen wird Hodengewebe bei einer Cyclophosphamid-Äquivalentdosis von mindestens 7.500 mg/m² oder Strahlentherapie von mindestens 3 Gy auf beide Hoden empfohlen und bei mindestens 5.000 mg/m² beziehungsweise mindestens 2 Gy vorgeschlagen; bei mehreren Strategien treffe der Patient die Entscheidung.
- **AWMF-S2k-Leitlinie 2018 [s162]** (DGGG, DGU, DGRM): Der Abstract hält ausdrücklich fest, Aussagen für Jungen und Männer seien nicht der Schwerpunkt dieser Leitlinie. Die **Fassung von Mai 2025 [s15]** (Titel: DGGG, OEGGG, SGGG; laut Abstract koordiniert von der DGGG gemeinsam mit DGU und DGRM) formuliert als Ziel konsensbasierte Empfehlungen zur Beratung und Anwendung fertilitätserhaltender Maßnahmen bei präpubertären Mädchen und Jungen und bei Patienten im reproduktionsfähigen Alter, unter Berücksichtigung von Lebensumständen, geplanter onkologischer Therapie und individuellem Risikoprofil sowie des Vorgehens bei ausgewählten Tumorentitäten; Einzelempfehlungen nennt der Abstract nicht.
- **Spanischer multidisziplinärer Konsens 2022 [s101]** (fünf Fachgesellschaften): Der Abstract nennt keine Einzelempfehlungen zu Spermien.
- **Italienischer Konsensus FIL/SIRU 2023 [s82]** (Fondazione Italiana Linfomi und Società Italiana della Riproduzione Umana): Delphi-Verfahren mit elf Experten, 78 Fragen oder Aussagen in sechs Bereichen, zwei Runden; die Übereinstimmung nach Gwets AC lag zwischen 0,649 und 0,958; behandelt Fertilitätserhalt und -überwachung bei erwachsenen Lymphompatienten, konkrete Samenwerte nennt der Abstract nicht.
- **Japanische Leitlinie der JSCO [s94, s105]** (Teil 1 und 2 der Leitlinie von 2017, veröffentlicht 2022; dazu [s153]): Teil 1 enthält Grundlagen, Wirkung der Krebstherapie auf die Gonaden nach Geschlecht und Behandlungsart sowie Empfehlungen zu vier klinischen Fragen, Teil 2 Einzelheiten für acht Tumorbereiche; Empfehlungsgrade stehen nicht in den Abstracts. Die **Leitlinie der Japanischen Urologischen Gesellschaft 2024 [s38]** zur männlichen Infertilität hebt den Fertilitätserhalt vor einer Krebsbehandlung hervor; nichtobstruktive Azoospermie wird mit Mikro-TESE behandelt (Grad A).
- **Vergleich von NCCN (2025), ASCO (2025), COSA (2022) und ESMO (2020) [s03]**: Spermienkryokonservierung werde stark empfohlen; ASCO und NCCN unterstützten zusätzlich die testikuläre Spermienextraktion für den Fertilitätserhalt nach der Behandlung.
- **Ohne einschlägige Aussage in den abgerufenen Abstracts:** Die EAU-Leitlinie zur männlichen sexuellen und reproduktiven Gesundheit (Update 2025) [s31] äußert sich im Abstract nicht zur Spermienkryokonservierung vor Krebsbehandlung; ebenso der Abstract der AUA/ASRM-Leitlinie (Teil I, 2021) [s122]. Die abgerufene ESHRE-Leitlinie betrifft ausschließlich die weibliche Fertilitätsprotektion [s131], die einzige abgerufene Cochrane-Übersicht ebenfalls Frauen (23 randomisierte Studien, 2.647 Frauen) [s39]. Eine ESHRE-Leitlinie oder Cochrane-Übersicht zum männlichen Fertilitätserhalt bei Krebs wurde nicht gefunden. Die Leitlinienportale selbst wurden nicht durchsucht, nur die Zeitschriftenfassungen.
- **Übersichten und Positionen:** Poorvu et al. 2019 [s151] schätzen das Fertilitätsrisiko moderner Krebsbehandlungen und weisen auf Heterogenität der Literatur hin. Prusak et al. 2025 [s34] bezeichnen die Spermienkryokonservierung bei Hodgkin-Lymphom im Kindes- und Jugendalter als Standardverfahren. Die Autoren von Bringer-Deutsch et al. 2010 [s240] formulieren, die Kryokonservierung müsse systematisch allen Männern angeboten werden, die eine möglicherweise fertilitätsschädigende Behandlung erhalten, unabhängig von der Spermienqualität. In Russland gilt laut Mamizhev et al. seit 1. Januar 2021 der Erlass Nr. 803n, nach dem für onkologische Patienten vor Chemo- und Strahlentherapie die Kryokonservierung biologischen Materials angezeigt sei [s89].

### Tierversuche

Die Recherche fand nur zwei Tierstudien, die den Einfluss einer Tumorerkrankung selbst auf Hoden oder Spermien untersuchen.

**Michailov et al. 2019 [s148]** (Mausmodell der akuten myeloischen Leukämie, International Journal of Molecular Sciences): Mäuse mit C1498-Leukämiezellen, anschließend Behandlung mit Cytarabin; Gruppen mit Krankheit allein, Chemotherapie allein und kombiniert. Es zeigten sich signifikante Abnahmen von Spermienkonzentration und Beweglichkeit, Zunahme abnormer Morphologie und spontaner Akrosomreaktion nach Leukämie und nach Chemotherapie jeweils allein und in Kombination, außerdem verminderte Fertilität und weniger Nachkommen. Die Autoren sehen darin die erstmalige Darstellung, dass die Leukämie selbst die spontane Akrosomreaktion erhöht und Fertilitätskapazität sowie Zahl der Nachkommen vermindert. Grenzen: ein einziges Leukämiemodell; Übertragbarkeit offen; Fallzahlen und Effektstärken nennt der Abstract nicht.

**Rocha et al. 2021 [s121]** (40 pubertierende Wistar-Ratten, vier Gruppen: Kontrolle, Kontrolle mit L-Glutamin, Walker-256-Tumorzellen, Tumorzellen mit L-Glutamin; Histomorphometrie der Hoden): Der Tumor verursachte quantitative Veränderungen der tubulären und intertubulären Kompartimente, mit verminderten Anteilen von Lumen und Tunica albuginea, geringerer Zahl der Sertoli-Zellen pro Gramm Hoden, geringerer Zahl der Leydig-Zellen und verminderten Anteilen von Blutgefäßen und Bindegewebe im Intertubulärraum; die Glutaminzufuhr verhinderte einen Teil dieser Veränderungen. Es wurde keine Samenanalyse berichtet; das Modell ist ein Kachexiemodell.

Alle weiteren Tierarbeiten der Sammlung sind Modelle der Toxizität von Chemotherapeutika oder Schutzstudien und sagen nichts über den Zustand vor Behandlung. Aus ihnen stammen Hinweise auf Schädigungsmechanismen: Cyclophosphamid plus Busulfan bei Mäusen führte zu ausgeprägter Teratozoospermie mit Kopfdefekten bei erhaltener Konzentration und Beweglichkeit, verminderter Befruchtungsrate und gestörter früher Embryonalentwicklung [s28]; eine Busulfan-Studie an vier Wochen alten Mäusen untersuchte Riluzol [s56], eine weitere NAD+-Vorstufen [s52]; Nme8-Knockout-Mäuse waren unter Cisplatin empfindlicher [s68]; ein Busulfanmodell mit zwei Injektionen im Abstand von drei Stunden diente Transplantationsstudien [s142]; neonatale Mäusehoden in Organkultur reagierten dosisabhängig auf Cisplatin [s97]; bei Ratten unter BEP verminderte Glutathion die DNA-Fragmentierung [s75]; CHOP bei Ratten senkte Spermienzahl und -beweglichkeit [s118], die Spermienzahl im Nebenhodenabstrich betrug 120,01 gegenüber 190,34 Mio/ml bei Kontrollen (n = 18 Tiere) [s69]; Cisplatin bei Mäusen senkte dosisabhängig das Hodengewicht um 44 % und 54 % und die Spermienzahl um 53 % und 71 % [s248]; Doxorubicin und Cisplatin wurden an Ratten und Mäusen als Modelle geprüft [s129]; unter Nilotinib blieb bei Mäusen die Spermatogenese erhalten, während die Follikelzahl der Weibchen sank [s175]. Dosen und Zeitverläufe entsprechen nicht klinischen Schemata; die Übertragbarkeit auf den Menschen ist offen.

## Mechanismen und biologische Plausibilität

Die Frage, warum die Spermienqualität bei einem Teil der Krebspatienten schon vor jeder Behandlung eingeschränkt ist, lässt sich mit den vorliegenden Studien nur teilweise beantworten. Fast alle Befunde sind Assoziationen in Beobachtungsstudien; ein Nachweis der Ursache liegt für keinen der genannten Wege vor. Die folgende Einteilung entspricht den Stufen bewiesen, plausibel und spekulativ und unterscheidet: (1) beim Menschen als Zusammenhang gut belegt (hier die höchste erreichbare Stufe, da fast nur Assoziationen vorliegen), (2) biologisch plausibel, aber nur indirekt oder in kleinen Studien gestützt, (3) spekulativ. Die Einstufung ist eine Einordnung des Textes nach Art und Umfang der Belege, keine Aussage der Studien selbst.

### Stufe 1: Beim Menschen belegte Zusammenhänge

**Fieber, Allgemeinsymptome und Entzündungszeichen beim Hodgkin-Lymphom.** Dies ist der am besten gestützte Zusammenhang. Marmor et al. fanden bei 19 von 57 Patienten ein auffälliges Spermiogramm, bei zwölf von ihnen mit aktuellem oder kürzlichem Fieber, und beobachteten bei Temperaturen unter 38,5 Grad Celsius nur eine Asthenozoospermie, bei höherer Temperatur schwerere Veränderungen [s301]. In den EORTC-GELA-Studien waren B-Symptome (Odds Ratio 2,77), Fieber (3,22), Nachtschweiß (3,78) und eine erhöhte Blutsenkung (2,35) mit schlechter Spermienqualität verbunden, nicht aber Alter, Stadium oder FSH [s251]. Bei Jungen mit Hodgkin-Lymphom hing eine niedrige Konzentration mit B-Symptomen zusammen (adjustierte Odds Ratio 2,3) [s49]; in einer weiteren Serie waren abnorme Formen bei erhöhter Blutsenkung und niedrigem Albumin häufiger [s96]. Die Kombination spricht dafür, dass der Zustand der Allgemeinerkrankung eine Rolle spielt und nicht eine hodenspezifische Wirkung des Tumors. Offen bleibt, welche Mechanismen im Einzelnen wirken (Temperatur, Entzündungsbotenstoffe, Gewichtsverlust, Ernährungszustand); die Studien messen sie nicht. Die Autoren von [s49] sprechen vom entzündlichen Milieu als möglichem Faktor.

**Hodentumor: Beeinträchtigung schon im Hoden vor jeder Therapie.** Alle sechs Studien einer systematischen Übersicht fanden Samenabnormitäten vor der Orchiektomie [s206]. Histologisch fand sich im nicht tumorösen Gewebe von 454 Präparaten nur bei 22,5 % normale Spermatogenese [s48]. In der CECOS-Serie waren Parameter bei Stadium III, bei Kryptorchismus in der Vorgeschichte und bei Alter unter 20 Jahren stärker beeinträchtigt [s235]; bei Hodentumorpatienten mit früherem Kryptorchismus fanden sich in einer kleinen Serie fünf Azoospermien bei neun Männern [s113]. Beim Hodentumor überlagern sich damit mehrere Effekte, die sich in Querschnittsstudien kaum trennen lassen: die Erkrankung selbst, eine möglicherweise vorbestehende Hodenfunktionsstörung und der Eingriff der Orchiektomie (siehe Stufe 2). In der Studie von Vicari et al. (24 Männer) war das Volumen des verbleibenden Hodens bei 4 von 5 azoospermen Patienten vermindert, und die Biopsie zeigte Sertoli-Zell-Syndrom bei vier und Reifungsstopp bei einem; die Autoren deuten dies als zufällige kontralaterale primäre Erkrankung [s266].

**Tumorbezogene Marker und Tumorlast.** Bei Hodentumoren hing in der Serie von Gandini et al. ein pathologisches beta-hCG (über 5 mIU/ml) mit einem signifikanten Unterschied in allen Samenvariablen zusammen [s271]. In der taiwanesischen Serie waren Alpha-Fetoprotein und Tumorvolumen mit Misserfolg der Kryokonservierung verbunden (multivariat Alpha-Fetoprotein p = 0,013, Tumorvolumen p = 0,047); ein Alpha-Fetoprotein über 1000 ng/ml hatte bei einer Sensitivität von 0,625 eine Spezifität von 1,0 für ein schlechtes Ergebnis, bei nur 50 Männern [s196]. Dies ist ein Zusammenhang zwischen Tumorbiologie und Samenqualität, aber noch keine Erklärung des Mechanismus.

**Spermien-DNA-Fragmentierung: häufig erhöht, aber uneinheitlich.** In mehreren Kohorten war die DNA-Fragmentierung vor der Behandlung höher als bei Kontrollen: bei Keimzelltumor und Hodgkin-Lymphom um 7,7 und 7,0 Prozentpunkte [s250], bei Lymphompatienten gegenüber Fertilen mit mehr Chromatinveränderungen [s204], bei Non-Hodgkin-Lymphom mit 40,5 % gegenüber 28 % [s51], in der Gruppe der Krebspatienten mit 22,50 % gegenüber 12,75 % bei normozoospermen subfertilen Männern und 8,50 % bei Spendern [s76], in einer koreanischen Kohorte mit 24,32 % gegenüber 19,11 % [s84] und in mehreren Chromatinstudien bei Hodgkin-Lymphom und fortgeschrittenem Hodenkrebs [s255, s243, s234]. Dem stehen Befunde ohne Unterschied gegenüber: In einer prospektiven Studie unterschied sich der Index bei Hodentumor, Hodgkin und gemischten Malignomen vor Behandlung nicht von Kontrollen und war nur bei Non-Hodgkin-Patienten erhöht [s245]; in [s84] war der Unterschied nach Ausschluss vorbehandelter Patienten nicht mehr signifikant (p = 0,069). Mehrere Ejakulate derselben Männer zeigten stabile Fragmentierungswerte (Intraklassen-Korrelationskoeffizient 0,68; 95-%-Konfidenzintervall 0,45 bis 0,84) [s95]. Der Gesamtbefund ist also: häufig erhöht, aber abhängig von Entität, Kontrollgruppe und Vorbehandlung. Eine Studie fand nach der Orchiektomie eine signifikant niedrigere DNA-Fragmentierung als davor, bei zugleich schlechterer Zahl und Beweglichkeit [s04]; die Autoren deuten dies als verbesserte Chromatinintegrität nach Tumorentfernung.

### Stufe 2: Biologisch plausible Wege

**Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse.** Bei unbehandelten Hodgkin-Patienten fanden sich niedriges Testosteron und eine erniedrigte LH-Antwort auf GnRH [s302] sowie eine erhöhte LH-Pulszahl [s286]. Beide Arbeiten sind klein und alt (35 und 20 Patienten), und die Deutung als erkrankungsspezifische zentrale Störung ist durch die Fieberbefunde [s301] infrage gestellt. Bei Hodentumoren waren LH, FSH und Testosteron bei Nicht-Seminomen niedriger und Estradiol und Prolaktin höher als bei Seminomen (37 Patienten) [s213]. Eine russische Hormonstudie bei Lymphomen fand vor der Therapie bei der Mehrheit keine Abweichung, aber unter Chemo- und Strahlentherapie erhöhtes LH und FSH; sie misst keine Samenparameter, und der Schluss zum Zustand vor Therapie beruht auf rund zehn Männern [s246]. Tumorbedingtes hCG kann nach einer Übersicht eine verminderte Leydig-Zell-Reserve maskieren [s13].

**Vorbestehende Hodenfunktionsstörung (testikuläre Dysgenesie) und Subfertilität.** Die umgekehrte Richtung ist für den Hodentumor gut untersucht: Männer mit auffälliger Samenanalyse hatten ein erhöhtes Hodentumorrisiko (Hazard Ratio 3,3 in einer Kohorte mit 20.433 Männern; bei Oligozoospermie 11,9 nach Konzentration) [s193]; in einer Metaanalyse von acht Kohortenstudien lag die gepoolte Odds Ratio für Hodentumor nach Infertilitätsdiagnose bei 1,91 (1,52 bis 2,42) [s111]. In einer italienischen Fall-Kontroll-Studie waren eine ärztlich gestellte Infertilitätsdiagnose und assistierte Reproduktion nicht mit dem Risiko verbunden, wohl aber die Zahl der Geschwister (Odds Ratio 0,76 je Geschwister) und eine KITLG-Variante (1,83 je Allel) [s192]. Das stützt die Annahme, dass bei einem Teil der Hodentumorpatienten die eingeschränkte Spermatogenese schon vor dem Tumor bestand. Es erklärt aber nicht, warum auch Patienten mit anderen Krebsarten betroffen sind, und lässt sich mit den Querschnittsdaten der Samenbanken nicht gegen eine Wirkung des Tumors abgrenzen.

**Lokale Tumoreffekte und Wirkung der Orchiektomie.** Dass Seminome bevorzugt im tumortragenden Hoden die Spermienproduktion beeinträchtigen, ist eine Deutung der Autoren der CECOS-Studie [s235]; andere Serien fanden bei Seminomen bessere Werte [s271, s266, s196]. Nach der Orchiektomie nahmen Zahl und Beweglichkeit bei Nicht-Seminomen ab [s235] beziehungsweise insgesamt [s04]. Die widersprüchlichen Befunde sprechen dagegen, dass sich ein einheitlicher lokaler Effekt aus den vorhandenen Studien ableiten lässt.

**Oxidativer Stress.** In einer Florentiner Studie war der oxidative Stress in der vitalen Fraktion bei Krebspatienten höher (Median 36,60) als bei normozoospermen subfertilen Männern (11,10) und Spendern (9,60); die Korrelation zwischen Fragmentierung und oxidativem Stress betrug bei allen Personen r = 0,591, aber nur r = 0,200 bei Krebspatienten allein (nicht signifikant). Die Autoren vermuten zusätzliche Mechanismen neben oxidativem Angriff [s76]. Oxidativer Stress ist damit plausibel beteiligt, erklärt die Fragmentierung bei Krebspatienten aber nicht allein.

### Stufe 3: Spekulative oder nur vorläufig gestützte Annahmen

**Proteom.** Bei 38 Hodgkin-Patienten gegen 42 Gesunde wurden in der Massenspektrometrie (je drei Proben) 1.169 Proteine identifiziert; Proteine für Kapazitation, Akrosomreaktion, Zona-Bindung, Beweglichkeit, DNA-Schadensregulation und Apoptose waren herunterreguliert, Peroxiredoxin 2 unterexprimiert (p = 0,015), Transferrin und SERPIN A5 überexprimiert [s137]. Bei Hodentumorpatienten zeigten gepoolte Proben mitochondriale Dysfunktion; zwischen normozoospermen Tumorpatienten und infertilen Männern ohne Krebs bestand kein signifikanter Unterschied fertilitätsassoziierter Proteine [s150]. Beide Arbeiten beruhen auf gepoolten oder sehr wenigen Proben; sie liefern Hypothesen, keine Mechanismen.

**Epigenom und kleine RNA.** Das Spermienmethylom unterschied vor Behandlung Hodentumor-, Hodgkin- und Kontrollproben anhand einer Teilmenge von 500 Sonden; bei Hodentumorpatienten waren doppelt so viele Stellen betroffen wie bei Hodgkin-Patienten, überwiegend hypomethyliert; die Methylierung geprägter Gene war nicht verändert, Fallzahlen nennt der Abstract nicht [s77]. In einer Pilotstudie mit 16 Hodentumorpatienten und 9 Kontrollen zeigte die primäre Analyse kleiner RNA keinen Unterschied; erst unter Berücksichtigung der Spermienparameter ließen sich 11 differenziell exprimierte kleine RNA nachweisen [s79]. Beide Befunde sind vorläufig.

**Zytokine, Hyperthermie, Blut-Hoden-Schranke.** Als Mechanismen der tumorbedingten Fertilitätsstörung werden in der Literatur parakrine Mediatoren (TNF, Interleukine), paraneoplastische Hyperthermie, Leydig-Zell-Schäden und eine Störung der Blut-Hoden-Schranke mit Antispermien-Antikörpern genannt; die Quelle ist ein unsigniertes Kongressabstract ohne Literaturangaben und ohne erkennbare Begutachtung [s211]. Auch russische Übersichten nennen Subfebrilität, Gewichtsverlust und hohe Tumorlast [s201] und führen initiale Störungen auf Zytokine des Tumors zurück [s225]; eine mechanistische Übersicht nennt bereits bestehende Keimzelldefekte, systemische Wirkungen sowie endokrine und immunologische Störungen als mögliche Ursachen [s264]. Eine Marseiller Literaturübersicht kommt zu dem Ergebnis, die Krebserkrankung beeinflusse die Gametenqualität, besonders Kerninhalt und Chromatinkondensation [s108]. Eine Übersicht aus Japan hält fest, mehrere Studien deuteten darauf hin, dass der Krebs selbst und nicht die Behandlung die Samenqualität verschlechtern könne [s147]. Eigene Messungen von Zytokinen im Ejakulat oder Serum von Patienten vor Therapie, die einen Zusammenhang mit der Spermienqualität zeigen würden, liegen in den abgerufenen Quellen nicht vor.

**Folgen für die Nachkommen.** Eine kleine japanische Serie fand nach ICSI mit Sperma von Hodentumorpatienten eine höhere Fehlgeburtenrate (43,8 % gegenüber 9,1 %; p < 0,05; 12 Hodentumor- und 25 andere Krebspatienten); die Autoren vermuten Chromosomenveränderungen oder DNA-Fragmentierung, gemessen wurde die Ursache nicht [s10]. Die Aussage stützt sich auf eine sehr kleine Gruppe. Die ASCO-Leitlinie weist auf möglicherweise höhere genetische Schädigungsrisiken in kurz nach Beginn und Ende der Therapie gewonnenen Spermien hin [s37]; diese Aussage betrifft nicht den Zustand vor der Behandlung.

### Was die Tierversuche zeigen

Zwei Modelle untersuchen die Erkrankung selbst. Im Mausmodell der akuten myeloischen Leukämie verminderte die Leukämie allein Spermienkonzentration und Beweglichkeit, erhöhte abnorme Formen und spontane Akrosomreaktion und verminderte Fertilität und Zahl der Nachkommen [s148]. Im Rattenmodell mit Walker-256-Tumor fanden sich quantitative Veränderungen der Hodenkompartimente (Sertoli- und Leydig-Zellen, Blutgefäße), ohne Samenanalyse; das Modell ist ein Kachexiemodell, und Glutamin verhinderte einen Teil der Veränderungen [s121]. Beide Modelle sprechen für eine Wirkung des Tumors auf den Hoden, die unabhängig von einer Chemotherapie auftreten kann, sind aber je ein einzelnes Modell. Alle übrigen Tierarbeiten (Busulfan, Cisplatin, CHOP, BEP, Doxorubicin, Nilotinib [s28, s56, s52, s68, s142, s97, s75, s118, s69, s248, s129, s175]) untersuchen Chemotherapeutika und sagen nichts über den Zustand vor Behandlung.

## Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

Dieser Abschnitt ordnet die Befunde nach drei Fragen: Wie hängt das Ausmaß der Schädigung von Behandlungsschema und Dosis ab? Welche Untergruppen schneiden besser oder schlechter ab? Und wie vollständig und wie schnell erholt sich die Spermatogenese? Die Fragestellung des Kapitels ist die Spermienqualität vor der Behandlung; Dosis und Erholung betreffen die Zeit danach und werden hier aufgenommen, weil sie begründen, warum der Zeitpunkt der Probe (vor oder nach Behandlungsbeginn) in den Studien so großes Gewicht hat. Die Tabellen geben die Zahlen der jeweiligen Studien nebeneinander wieder; sie sind nicht gepoolt, nicht umgerechnet und nicht vergleichbar im Sinn einer Metaanalyse. Gemeint sind Konzentrationen in Millionen pro Milliliter (Mio/ml) beziehungsweise Prozentangaben, wie von den Studien berichtet.

### Behandlungsschema, Dosis und Schädigung

Die Gonadotoxizität hängt in den Studien vom Schema, von alkylierenden Substanzen, von der kumulativen Dosis und von der Strahlendosis ab. Eine sehr gut belegte Linie betrifft das Hodgkin-Lymphom (Vergleich von ABVD, BEACOPP und älteren Schemata); für andere Entitäten beruhen die Aussagen auf kleineren Serien.

| Therapie / Dosisgröße | Befund (wörtlich nach Studie) | Quelle |
|---|---|---|
| Hodgkin-Lymphom, GHSG-Studien, nach Behandlung (n = 112) | 64 % Azoospermie, 30 % andere Dyspermie, 6 % Normozoospermie (vor Behandlung, 202 Patienten: 11 % Azoospermie, 69 % andere Dyspermie, 20 % Normozoospermie; die Gruppen sind nicht identisch); Azoospermie bei 90 % nach alleiniger Chemotherapie, 67 % nach kombinierter Behandlung, 11 % nach alleiniger Strahlentherapie (p < 0,001) | [s256] |
| Hodgkin-Lymphom, GHSG, nach Zahl der Zyklen | Azoospermie nach 2 Zyklen COPP/ABVD 56 %, nach 4 Zyklen COPP/ABVD 91 %, nach 8 Zyklen BEACOPP Basis 93 %, nach 8 Zyklen BEACOPP eskaliert 87 % (p = 0,003) | [s256] |
| Fortgeschrittenes Hodgkin-Lymphom, BEACOPP-Studien (38 Männer) | nach Behandlung 34 (89 %) azoosperm, keiner normozoosperm; Basis gegenüber eskaliert 93 % gegenüber 87 % (p > 0,999); abnorme FSH-Werte bei 93 %, Testosteron bei 57 %, LH bei 21 %; kein Risikofaktor (Alter, Stadium, Blutsenkung, B-Symptome, Mediastinalmasse, extranodaler Befall, Zahl der Regionen) in univariater Analyse signifikant | [s257] |
| Hodgkin-Lymphom, ABVD (202 Patienten, Verlauf T0, T6, T12, T24 Monate) | signifikante Abnahme von Konzentration und Gesamtzahl bei T6 und T12 (p < 0,001; p < 0,01), Abfall der Progressivmotilität (p < 0,001) und Anstieg abnormer Formen (p < 0,01) bei T6; zwischen T0 und T24 kein signifikanter Unterschied | [s195] |
| Hodgkin-Lymphom, 6 oder mehr Zyklen BEACOPP, COPP/ABVD, OPP/ABVD oder MOPP (42 Patienten, mit inguinaler Bestrahlung) | dauerhafte Azoospermie; auch bei weniger als sechs Zyklen kehrte die Spermatogenese erst nach 3 bis 5 Jahren zurück | [s195] |
| Hodgkin-Lymphom, Moskau, Azoospermie nach Therapie (63 Männer) | ABVD 0 von 11; BEACOPP-14 13 von 30 (43 %); MOPP/ABVD 6 von 15 (40 %); BEACOPP eskaliert 4 von 7 (57 %); innerhalb der BEACOPP-14-Gruppe keine Abhängigkeit von der Zahl der Zyklen (p = 0,65) oder vom Alter (p = 0,65) | [s225] |
| Hodgkin-Lymphom, Verlauf der FSH-, AMH- und Inhibin-B-Werte (HD13 bis HD15) | signifikante Korrelation mit der Therapieintensität (p < 0,001); niedrige Geburtenraten nach fortgeschrittener Behandlung (Männer 3,3 %) | [s218] |
| Fortgeschrittenes Hodgkin-Lymphom, BrECADD gegenüber eBEACOPP (HD21, 692 Männer) | Erholung der Gonadenfunktion nach 4 Jahren 85,6 % (95-%-KI 80,8 bis 90,8) gegenüber 39,7 % (33,6 bis 46,9), Hazard Ratio 3,28 (2,51 bis 4,30); Vaterschaft nach 5 Jahren 9,3 % (6,0 bis 14,5) gegenüber 3,3 % (1,7 bis 6,5), p = 0,014 | [s25] |
| Non-Hodgkin-Lymphom, Strahlenregion | Beckenbestrahlung gegenüber anderen „hohen“ Regionen: Odds Ratio für Azoospermie 4,29 (95-%-KI 1,81 bis 10,14; p = 0,001) in der Standardgruppe | [s120] |
| Non-Hodgkin-Lymphom, Rezidiv und Salvage-Therapie | zwei Drittel der Patienten wurden azoosperm | [s120] |
| Non-Hodgkin-Lymphom, Cyclophosphamid | bei der Schwelle 8 g/m² hatten 86 % erhöhte FSH-Werte (p < 10^-6; 48 Patienten mit FSH) | [s288] |
| Persistierende Azoospermie nach Chemotherapie, mikrochirurgische TESE (23 von 1.098) | Spermiengewinnung bei 11 (47 %); mit Alkylanzien 1 von 9 (11 %), ohne 10 von 14 (71 %; p = 0,009); kein Mann mit Cyclophosphamid-Äquivalentdosis über 4.000 mg/m² (n = 6) mit lebensfähigen Spermien | [s86] |
| Azoospermie nach Chemotherapie, Taipeh (28 Männer) | Spermiengewinnung bei 11 (39,3 %); minimale Äquivalentdosis unter 4.000 mg/m² 10 von 14 (71,4 %), darüber 0 von 8 | [s55] |
| Überlebende nach Krebs im Kindesalter (Samenproben von 27 von 57 Männern) | Normozoospermie bei hoher Dosis (Äquivalentdosis mindestens 8.000 mg/m²) 27,3 % gegenüber 62,5 % bei niedriger (p = 0,047) | [s184] |
| Säuglings-ALL, 6 Überlebende | Äquivalentdosen von 3, 9 bis 11 und 24 g/m²; der Junge mit 24 g/m² hatte erhöhtes LH und FSH | [s71] |
| Hodentumor, Cisplatin-basierte Chemotherapie (567 Überlebende) | Vaterschaft ohne eingefrorenes Sperma: ohne Chemotherapie 33 von 169 (20 %), mit Chemotherapie 39 von 398 (10 %; p < 0,05); nach drei Zyklen 12 %, nach vier Zyklen 5 % (p < 0,05); die Fragebogenstudie nennt nicht, wie viele Männer überhaupt Kinder zeugen wollten | [s128] |
| Hodentumor, Post-Chemotherapie-Lymphknotenausräumung | Ejakulationsstörungen bei 28,4 %, bei vollständiger bilateraler Schablone 67,9 % gegenüber 14,8 % bei modifizierter (p < 0,001; nicht begutachteter Preprint) | [s22] |
| Hodentumor, retroperitoneale Lymphknotenausräumung (ältere deutsche und japanische Serien) | vollständiger oder teilweiser Ejakulationsverlust bei 71 % (n = 45) beziehungsweise rund 70 % nach Lymphknotenausräumung | [s297, s282] |
| Sarkome, überwiegend Ifosfamid | 8 von 12 nachuntersuchten Männern hatten noch Spermien; 2 spontane Schwangerschaften | [s85] |
| Blasenkrebs, intravesikale BCG-Therapie (23 Männer) | nach Induktionsphase Konzentration, Gesamtzahl, Progressivbeweglichkeit und Normalformen jeweils vermindert (p < 0,05); FSH erhöht | [s36] |

**Strahlendosis.** Zwei russische Übersichten und ein Kongressabstract enthalten Dosisangaben, die ohne Primärquelle übernommen sind und deshalb mit Vorsicht zu lesen sind. Korshunov et al. nennen für die paraaortale Bestrahlung eine Hodendosis von etwa 0,1 bis 0,2 Gy und für die Beckenbestrahlung von 0,5 bis 2,0 Gy; unter 0,8 Gy komme es zu Oligozoospermie, bei 0,8 bis 2 Gy zu vorübergehender, über 2 Gy möglicherweise zu irreversibler Azoospermie; die Erholung dauere 10 bis 24 Monate, und strukturelle Chromosomenschäden der Gameten könnten bis zu fünf Jahre nach Therapie auftreten [s185]. Eine Übersicht in der älteren Einheit rad nennt: unter 10 rad schwacher Effekt, 10 bis 50 rad mäßige Oligospermie mit Erholung nach 6 Monaten, 50 bis 75 rad schwere Oligozoospermie, 75 bis 100 rad Azoospermie für 6 Monate, 200 bis 300 rad Azoospermie für 1 bis 2,5 Jahre, über 300 rad etwa 5 Jahre oder keine Erholung; nach Ganzkörperbestrahlung vor Knochenmarktransplantation erhole sich die Fertilität bei weniger als 20 % [s258]. Das Kongressabstract des russischen Andrologenverbandes nennt „300 Gy“ als Schwelle potenziell reversibler Azoospermie und „1200 Gy“ für irreversible Störungen; diese Einheiten sind für die Gonadendosis nicht plausibel (verglichen mit [s258], „über 300 rad“) und werden nur wörtlich berichtet, bei geringem Beweiswert [s211]. Dasselbe Abstract nennt ohne Beleg, Schemata ohne Alkylanzien senkten die Rate irreversibler Spermienschäden von 60 % auf 8 % [s211]. Bei Hodentumorpatienten war der DNA-Fragmentierungsindex nach Strahlentherapie höher (16,9 %) als nach Chemotherapie allein (10,9 %; p = 0,037) [s245].

**Gewebeschäden als Dosisanzeichen bei Überlebenden.** Bei Überlebenden einer kindlichen ALL (33 Samenanalysen) waren 42,4 % abnorm und 24,2 % azoosperm; die Häufigkeit gonadaler Dysfunktion stieg von der Standard- zur Hochrisikogruppe, und eine FSH-Schwelle von 3,55 mIU/ml sagte abnorme Spermienparameter voraus (Fläche unter der Kurve 0,88) [s14]. Bei Überlebenden einer akuten Leukämie oder eines Lymphoms im Kindesalter waren infradiaphragmale Bestrahlung, Doxorubicin und kumulative Cyclophosphamiddosis die wichtigsten Prädiktoren; das Spermiogramm war bei 66 % abnorm [s272]. Diese Arbeiten betreffen die Zeit nach der Behandlung und sagen nichts über den Ausgangszustand.

**Schwellenwerte in Leitlinien.** Die französische Leitlinie legt für präpubertäre Jungen Äquivalentdosen von mindestens 7.500 mg/m² oder eine Bestrahlung beider Hoden mit mindestens 3 Gy als Empfehlungsschwelle für Hodengewebekryokonservierung fest und mindestens 5.000 mg/m² beziehungsweise mindestens 2 Gy als Schwelle für einen Vorschlag [s99]. Diese Schwellen sind Konsensaussagen eines Gremiums, keine Ergebnisse einer einzelnen Studie.

### Subgruppen vor der Behandlung

Die Unterschiede zwischen Subgruppen sind teils konsistent, teils widersprüchlich. Die folgende Tabelle stellt die Befunde nach dem Merkmal zusammen; bei widersprüchlichen Merkmalen sind beide Richtungen aufgeführt.

| Merkmal | Befunde | Quelle |
|---|---|---|
| Krebsart: Hodentumor gegenüber anderen Malignomen | Konzentration 18,7 ± 22,3 gegenüber 35,6 ± 31,3 Mio/ml (n = 16 gegenüber 21) | [s267] |
| | mediane Konzentration 21,0 gegenüber 56,0 Mio/ml; mindestens 15 Mio/ml bei 59,9 % gegenüber 85,8 % (1.034 Patienten) | [s87] |
| | mittlere Konzentration 30,5 (Hoden), 45,0 (hämatologisch), 40,5 (Verdauungstrakt), 68,4 (andere); mittlere Beweglichkeit 59,6 %, 50,1 %, 43,0 %, 44,8 % | [s179] |
| | Konzentration 32,6 (Keimzelltumor) gegenüber 46,1 Mio/ml (hämatologisch; p < 0,05) | [s164] |
| | mediane Konzentration 30 (Hodentumor), 18,5 (Leukämie), 48 (Lymphom) Mio/ml (p = 0,0020); Leukämie mit 46,2 % ohne einfrierbare Probe | [s116] |
| | mittlere Konzentration 37,68 (Hoden), 57,98 (Blut), 90,69 (andere) Mio/ml (Peking, 251 Männer) | [s157] |
| | WHO-Grenzwert der Konzentration erreicht von 41 % (Hodentumor) und 66 % (andere) | [s163] |
| Krebsart: Leukämie | nur 37 % normozoosperm; Gesamtzahl viermal niedriger als bei Kontrollen | [s189] |
| | Gesamtbeweglichkeit am stärksten vermindert (p < 0,001); Hodgkin p = 0,001, Non-Hodgkin p = 0,004 | [s24] |
| | Leukämie ohne Unterschied zwischen akuter und chronischer Form; Gesamtzahl beweglicher Spermien niedriger als bei Spendern (p = 0,0001) | [s280] |
| Alter | Rückgang von Konzentration und Gesamtzahl bei unter 30-Jährigen größer | [s93] |
| | Parameter stärker beeinträchtigt bei Alter unter 20 Jahren (Hodentumor) | [s235] |
| | mittlere Gesamtspermienzahl 61,75 × 10^6 (11 bis 14 Jahre) gegenüber 138,81 × 10^6 (18 bis 20 Jahre) | [s199] |
| | ältere Jugendliche seltener azoosperm (p < 0,01); 65 % der jüngsten konnten einlagern | [s176] |
| Stadium: kein Zusammenhang | Hodgkin: keine Korrelation mit Stadium (n = 94; n = 474) | [s278, s251] |
| | Hodentumor und Hodgkin: Stadium ohne Bezug zur Samenqualität | [s276] |
| | Krebspatienten: keine Korrelation mit dem Stadium | [s190] |
| | Hodentumor: kein Unterschied zwischen Stadium I und II/III | [s74] |
| Stadium: Verschlechterung | Hodgkin: Spermienzahl erst ab Stadium III, Geschwindigkeit und Linearität schon in Stadium I und II | [s286] |
| | Hodgkin: Samenqualität in Stadium III und IV signifikant geringer | [s271] |
| | Hodgkin: Zahl, Beweglichkeit und Vitalität in Stadium III und IV vermindert | [s96] |
| | Hodentumor: stärker beeinträchtigt bei Stadium III | [s235] |
| Allgemeinsymptome (Hodgkin) | schlechte Qualität bei B-Symptomen Odds Ratio 2,77 (1,50 bis 5,12), Fieber 3,22, Nachtschweiß 3,78; Jungen: niedrige Konzentration 76 % gegenüber 26 % | [s251, s49] |
| Seminom besser als Nicht-Seminom | Seminome mit besseren Parametern; Seminome signifikant höhere Konzentration, Gesamtzahl und Vorwärtsbeweglichkeit; Konzentration 21,5 gegenüber 11,8 Mio/ml; bessere Beweglichkeit nach dem Auftauen | [s271, s266, s196, s115] |
| | Hormonwerte und Azoospermien bei Nicht-Seminomen ungünstiger (3 Azoospermien gegenüber 1) | [s213] |
| Seminom schlechter als Nicht-Seminom | vor der Orchiektomie Konzentration und Gesamtzahl bei Seminomen signifikant niedriger (p < 0,001) | [s235] |
| Seminom und Nicht-Seminom ohne Unterschied | Stadium und Histologie ohne signifikanten Unterschied | [s74, s163] |
| | Effekt bei Nicht-Seminomen nach einer Übersicht ausgeprägter | [s127] |
| Zeitpunkt zur Orchiektomie | vor Orchiektomie Azoospermie häufiger als danach; nach Orchiektomie bei Nicht-Seminomen Rückgang | [s235] |
| | nach Orchiektomie signifikanter Rückgang von Zahl und Progressivmotilität, aber niedrigere DNA-Fragmentierung | [s04] |
| | bei 19 Patienten vor und nach Orchiektomie kein offensichtlicher Unterschied | [s300] |
| | vor dem Einfrieren Operierte: mediane Konzentration 33,0 gegenüber 51,0 Mio/ml (293 gegenüber 741; p < 0,05) | [s87] |
| Vorbehandlung zum Zeitpunkt der Einlagerung | nach Chemotherapie Einfrieren nur bei 45,3 %, ohne Chemotherapie bei 96,1 %; Referenzwerte erreicht von 13 % der nach Beginn der Chemotherapie Überwiesenen (9 von 69; Azoospermie 29 von 69, 42 %), gegenüber 20 % (Hodentumor) und 50 % (Leukämie, Lymphom) der vor Chemotherapie Untersuchten | [s273] |
| | Azoospermie 84,0 % bei Behandelten gegenüber 16,9 % bei Unbehandelten | [s176] |
| | 63,9 % der gescheiterten Einlagerungen betrafen erst nach Behandlungsbeginn Überwiesene; Dichte signifikant niedriger (p = 0,003) | [s155] |
| | Azoospermie bei 1 Patienten vor, bei 5 nach Behandlung (31 Männer) | [s167] |
| | Leukämie: alle Parameter in der unbehandelten Gruppe näher an der Norm | [s260] |
| | Einlagerung erst während oder nach Behandlung bei 15,4 % (111 von 721) [s152]; Chemotherapie vor dem Einfrieren bei 12,3 % (8 von 65) [s84]; rund 20 % der Patienten mit Nicht-Hodentumoren bereits in Chemotherapie [s169] | [s152, s84, s169] |

**Lesehinweis.** Die Auflistung zeigt, dass sich in den vorhandenen Studien drei Gruppen von Merkmalen unterscheiden lassen. Gut und mehrfach gestützt ist der Zusammenhang mit Allgemeinsymptomen beim Hodgkin-Lymphom [s301, s251, s49], die niedrigere Konzentration bei Hodentumor in Studien mit Tumorvergleich und der Unterschied zwischen vor und nach Behandlungsbeginn eingelagerten Proben. Widersprüchlich sind Stadium und Seminom gegenüber Nicht-Seminom. Das Alter wirkt je nach Studie in unterschiedliche Richtung (stärkerer Rückgang bei Jüngeren in [s93] und [s235], aber auch eine niedrigere mittlere Gesamtzahl bei 11- bis 14-Jährigen als bei 18- bis 20-Jährigen [s199], wobei diese Zahlen nicht mit Gesunden verglichen wurden). Die Zusammenhänge sind adjustiert nur in wenigen Studien [s93, s251, s49]; die meisten Tabellenwerte sind unadjustierte Vergleiche.

### Reversibilität und Erholung

Die Erholung der Spermatogenese nach Behandlung ist in mehreren Studien beschrieben. Sie betrifft die Zeit nach der Therapie; sie wird hier aufgenommen, weil sie bestimmt, wie lange eine vor Behandlung eingelagerte Probe die einzige Quelle bleibt. Die Zeitangaben stammen aus unterschiedlichen Schemata und Studienpopulationen.

| Gruppe / Schema | Erholung (wörtlich nach Studie) | Quelle |
|---|---|---|
| Hodgkin und Non-Hodgkin, ABVD, CHOP, MOPP (CECOS, 75 Patienten, 24 Monate) | Tiefpunkt nach 3 und 6 Monaten; nach 12 Monaten erreichte die mittlere Spermienzahl nach ABVD oder ABVD plus Strahlentherapie wieder den Ausgangswert, nach CHOP oder MOPP nicht; 7 % nach 24 Monaten azoosperm; Kaplan-Meier: mehr als 90 % Erholung nach ABVD oder ABVD plus Strahlentherapie, 61 % nach CHOP; multivariat nur die Gesamtspermienzahl vor Behandlung mit Erholung verbunden | [s204] |
| Hodgkin, ABVD (Paoli) | zwischen T0 und T24 kein signifikanter Unterschied | [s195] |
| Hodgkin, Moskau, ABVD gegenüber MOPP/ABVD | nach ABVD Erholung im Median in 2 Monaten (1 bis 83), bei 7 von 11 (64 %) innerhalb von 1 bis 6 Monaten; nach MOPP/ABVD mediane Erholungszeit 110 Monate (1 bis 156), mediane Azoospermiedauer 126 Monate (102 bis 180); BEACOPP-14: mediane Dauer der Azoospermie 4 Monate (3 bis 29) bei 6 Männern | [s225] |
| Hodgkin, Moskau, BEACOPP-14 (Arbeit von 2011) | bei 17 von 30 (57 %) Erholung der Spermatogenese; mediane Dauer der Azoospermie 22 Monate; mediane Nachbeobachtung nur 10 Monate | [s238] |
| Hodgkin, fortgeschritten, HD21 | Erholung der Gonadenfunktion nach 4 Jahren 85,6 % (BrECADD) gegenüber 39,7 % (eBEACOPP) | [s25] |
| Hodgkin, Frühstadium, Jungen (EuroNet-PHL-C2) | zwei Jahre nach Diagnose 39 % oligozoosperm, 13 % azoosperm (31 Jungen) | [s49] |
| Non-Hodgkin, Standardtherapie (Pallotti) | Gesamtzahl nach 18 Monaten nahezu Ausgangswert (T0 195,0, T18 113,4; p = 0,278); 7,7 % Azoospermie nach zwei Jahren; bei Rezidiv und Salvage zwei Drittel azoosperm | [s120] |
| Lymphom, DNA-Fragmentierung | Non-Hodgkin: drei Jahre nach Behandlung 29,2 % gegenüber 40,5 % vor Behandlung; Hodgkin: Mediane über drei Zeitpunkte ähnlich; schwerer Schaden zwei Jahre nach Behandlung 11,6 % (Hodgkin), 13,3 % (Non-Hodgkin) | [s51] |
| Mischkollektiv, DNA-Fragmentierung | nach Behandlung insgesamt niedriger (13,2 % gegenüber 17,1 %; p = 0,040); kein Anstieg nach Behandlung | [s245, s250] |
| Lymphom und Hodentumor (Di Bisceglie) | Toxizität nach 6 und 12 Monaten, Besserung nach 18 Monaten; Verlauf im Einzelfall nicht vorhersagbar | [s220] |
| Nasopharynxkarzinom | Gesamtzahl nach Therapie bei T0, T3 und T6 niedriger, nach 12 Monaten wieder auf früherem Niveau; Autoren: 1 bis 2 Jahre | [s29] |
| Akute Leukämie | Azoospermieanteil nach einem Jahr erhöht | [s23] |
| Hodentumor, Chemotherapie (Sekundärangabe) | Azoospermie meist nach 3 Monaten, 6 bis 9 Monate; nach 9 bis 12 Monaten bei 40 % einzelne Keimzellen; nach 24 Monaten bei 15 % Konzentration nahe der Norm; nach Strahlentherapie nach 6 Monaten fast alle azoosperm | [s187] |
| Sarkome, Ifosfamid | 8 von 12 Nachuntersuchten mit Spermien | [s85] |
| Nach Chemotherapie mit persistierender Azoospermie, mTESE | Gewinnung bei 31 von 66 (47 %), klinische Schwangerschaft 23 (35 %), Lebendgeburtenrate 27 % | [s197] |
| | Gewinnung bei 11 von 26 (42 %), nach Hodentumorbehandlung 75 %, Alkylanzien senkten sie; 7 (27 %) Schwangerschaften, 5 (19 %) Lebendgeburten | [s212] |
| | Gewinnung bei 11 von 23 (47 %), 11 von 28 (39,3 %) | [s86, s55] |
| | Gewinnung bei 34,9 % (63 Männer, im Mittel 11 ± 5 Jahre nach Chemotherapie); Schwangerschaft 20,63 %, Lebendgeburt 12,7 % | [s100] |
| Onko-TESE vor oder zu Beginn der Chemotherapie | bewegliche Hodenspermien bei 9 von 17; bei bereits begonnener Chemotherapie 3 von 9, bei chemotherapienaiven 6 von 8 | [s57] |

**Lesehinweis.** Die Zahlen zeigen, dass das Schema die Erholung stark bestimmt: Nach ABVD erholte sich die Spermatogenese in den dafür vorliegenden Serien meist in Monaten bis zwei Jahren [s204, s195, s225], nach Schemata mit Alkylanzien in Jahren oder gar nicht [s195, s225, s256]. Bei vielen Männern bleibt die Frage der Reversibilität im Einzelfall offen; die Autoren von [s220] halten den Verlauf im Einzelfall für nicht vorhersagbar. Für die Frage dieses Kapitels, die Qualität vor Behandlung, ist zweierlei wichtig: Erstens ist die Erholung vom Ausgangswert vor Behandlung abhängig (nur die Gesamtspermienzahl vor Behandlung war in der multivariaten Analyse mit der Erholung verbunden [s204]); zweitens wird der Nutzen der Einlagerung für die spätere Vaterschaft unterschiedlich beschrieben: Bei Hodgkin-Überlebenden war die Vaterschaft nach Behandlung bei erfolgter Kryokonservierung häufiger (adjustierte Odds Ratio 2,03; 95-%-Konfidenzintervall 1,11 bis 3,73) [s214], während sich bei Hodentumorpatienten die Fertilität nach Behandlung bei Patienten mit und ohne Kryokonservierung in gleichem Maß zeigte [s296]. Beide Arbeiten betreffen unterschiedliche Erkrankungen und Zeiträume (1989 gegenüber 2014), und Fragebogenstudien sind durch Erinnerungs- und Antwortverzerrung begrenzt.

### Gesamtbewertung der Belege

Aus den Studien lässt sich zusammengefasst festhalten: Beim Hodentumor ist eine eingeschränkte Spermienqualität vor jeder Behandlung am konsistentesten beschrieben [s206, s235, s189, s93, s267, s271]. Bei Leukämien berichten mehrere große Serien niedrigere Ausgangsqualität oder niedrigere Einlagerungserfolge [s189, s222, s116, s145, s169, s280], während eine Serie zur akuten Leukämie Mediane oberhalb der 25. Perzentile fand [s23]. Beim Hodgkin-Lymphom reicht der Anteil der Normozoospermie von 14 % bis 75 %; die Streuung hängt vermutlich zum Teil von Fieber und Allgemeinsymptomen ab [s301, s251, s49, s96, s256, s195]. Beim Non-Hodgkin-Lymphom ist die Ausgangsqualität nach den größten Serien eher günstiger als beim Hodentumor, die Daten sind aber spärlich [s120, s220, s209]. Für andere Tumorarten (Sarkome, Hirntumoren, gastrointestinale, Kopf-Hals-Tumoren) fehlen große Einzelserien [s19, s58]. Die Kryokonservierung vermindert die Beweglichkeit auch bei gesunden Spendern, aber Krebspatienten starten von einem niedrigeren Wert; die tatsächliche Nutzung eingelagerter Proben liegt in der Metaanalyse bei 9 % [s58, s191].

Die wesentlichen Schwächen der Literatur sind: retrospektive Samenbankserien ohne gesunde Parallelkontrolle; Selektion auf Männer, die eine Probe abgeben konnten; uneinheitliche Messzeitpunkte und WHO-Auflagen; fehlende große Serien für die selteneren Tumorarten; wenige Konfidenzintervalle in den Abstracts; und sehr wenige Tierversuche, die die Erkrankung selbst untersuchen (nur [s148] und [s121]). Die Literatur bleibt in diesem Sinn dünn für die Frage nach kausalen Mechanismen und für Subgruppen jenseits von Hodentumor, Hodgkin-Lymphom und Leukämie, und dies wird hier ausdrücklich so benannt. Die Auswertung beruht auf Abstracts und wenigen Volltexten; Cairn, SciELO, LILACS, Dialnet, CNKI, Wanfang, eLIBRARY.ru und arabischsprachige Plattformen waren nicht abrufbar, so dass die Literatur in diesen Sprachräumen unterrepräsentiert sein dürfte; arabischsprachige Primärstudien wurden nicht gefunden.

## Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Die Frage dieser Studie, wie es um die Spermienqualität von Männern mit Leukämie, Lymphomen, Hodgkin-Lymphom und anderen Tumoren vor der Behandlung steht und was die Kryokonservierung leistet, wurde in zwölf Sprachräumen gesucht: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch. Dieses Kapitel beschreibt je Sprachraum, welche eigenen Kohorten, Register, Leitlinien und Fachzeitschriften es gibt, welche regionalen Besonderheiten die Studien prägen und wie weit die Datenbanken des jeweiligen Raums erreichbar waren. Es sagt auch offen, wo es kaum eigene Literatur gibt. Medizinische Aussagen zu den Spermienwerten selbst stehen in den übrigen Kapiteln; hier geht es um die Verteilung der Evidenz.

Vorab drei Hinweise zum Lesen. Erstens: Die Zuordnung einer Studie zu einem Sprachraum folgt in den Teilrecherchen nicht überall derselben Regel. In der Gruppe der europäischen Sprachen wurde sowohl die Publikationssprache als auch das Land der Erstautorin oder des Erstautors gezählt; die Kennzeichnung „en/fr“ oder „en/it“ in der Quellenliste bedeutet deshalb meist: englischsprachiger Artikel aus Frankreich beziehungsweise Italien. In der Gruppe Chinesisch, Japanisch, Koreanisch trägt fast jede Arbeit die Kennzeichnung „en“, weil sie in englischsprachigen Zeitschriften erschien. Die Zählung der Master-Quellenliste (303 Quellen) lautet nach diesen Kennzeichnungen: Englisch 195, Französisch 29, Italienisch 21, Türkisch 21, Deutsch 18, Russisch 19, Arabisch 15, Japanisch 14, Spanisch 8, Chinesisch 7, Portugiesisch 3, Ungarisch 1 (Mehrfachnennungen möglich). Diese Zahlen sind keine Zahl „muttersprachlicher Studien“. Zweitens: Fast alle Angaben beruhen auf Abstracts; Volltexte wurden nur ausnahmsweise gelesen. Drittens: Die Titel nicht englischer und nicht deutscher Arbeiten stehen in PubMed meist nur als englische Übersetzung in eckigen Klammern; wo der Originaltitel nicht abrufbar war, wird das gesagt.

### Englisch

**Eigene Kohorten und Register.** Englisch ist die Sprache, in der der größte Teil der Literatur erscheint, auch aus Ländern mit anderer Landessprache. Die Studien lassen sich in drei Gruppen ordnen.

Die erste Gruppe sind Arbeiten zum Hodgkin-Lymphom. Frühe Fallserien zeigen die Spannweite der Deutungen: Ragni und Mitarbeiter fanden 1985 bei 35 unbehandelten Patienten 65 % Asthenozoospermie, 46 % Teratozoospermie und 28 % Oligozoospermie und deuteten das als erkrankungsspezifisch [s302]. Marmor und Mitarbeiter sahen 1986 bei 57 Patienten Mittelwerte im Normbereich und führten die Auffälligkeiten bei etwa einem Drittel auf Fieber zurück; bei zwölf der 19 Patienten mit auffälligem Spermiogramm bestand Fieber [s301]. Magnanti und Mitarbeiter untersuchten 1996 an 20 Patienten die Spermienbewegung computergestützt; bei einem Drittel war die Spermienzahl vermindert, unter Berücksichtigung von Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Linearität stieg der Anteil mit Auffälligkeiten auf zwei Drittel [s286]. Die mittleren und großen Serien streuen stark: Normozoospermie vor Therapie bei 20 % in den Studien der German Hodgkin Study Group (202 Patienten vor Behandlung) [s256] und 23 % in einer BEACOPP-Teilgruppe [s257], 53 % „normal oder subnormal“ bei Fitoussi [s278], 66 % bei Blackhall (122 Männer) [s275] und 75 % bei Paoli (519 Patienten) [s195]. Die Studien der EORTC-GELA-Gruppe (474 von 2.362 Männern mit Daten) fanden gute Qualität bei 41 %, intermediäre bei 49 %, schlechte bei 7 % und Azoospermie bei 3 %; B-Symptome, Fieber, Nachtschweiß und erhöhte Blutsenkung sagten eine schlechte Qualität voraus [s251]. Bei Jungen mit klassischem Hodgkin-Lymphom (EuroNet-PHL-C2, 101 Jungen) waren 40 % der 48 abgegebenen Proben oligozoosperm und 8 % azoosperm [s49].

Die zweite Gruppe sind große Samenbankserien mit gemischten Tumorarten. Die größte der gesamten Recherche stammt aus dem Pariser CECOS-Labor: 4.480 Patienten mit Hodenkeimzelltumor (2.315), Hodgkin-Lymphom (1.175), Non-Hodgkin-Lymphom (439), Leukämie (360), Sarkom (208) und weiteren Diagnosen, verglichen mit 1.448 Spenderkandidaten und 208 Partnern Schwangerer; nur 37 % der Leukämiepatienten waren normozoosperm [s189]. Aus Houston liegt eine Auswertung von 717 Proben vor (409 von 1.409 Akten verfügbar) [s252], von der Cleveland Clinic eine Erfahrungsübersicht über 20 Jahre [s276], aus Brüssel eine Kohorte aus 20 Jahren [s98], aus Kanada eine Auswertung mit 2.504 Patienten und 4.521 Proben [s47], aus Stockholm eine Kohorte mit 1.378 Jugendlichen und jungen Erwachsenen [s64] und aus der Gruppe um Hotaling 1.010 Proben mit Aufschlüsselung nach Krebsart und Auftauwerten [s222]. Gemeinsam ist diesen Serien das Selektionsproblem: Nur Männer, die eine Probe abgeben konnten und wollten, gehen ein.

Die dritte Gruppe umfasst molekulare Studien, Tierversuche und Studien zur umgekehrten Richtung. Zur DNA-Fragmentierung vor Behandlung liegen mehrere Arbeiten vor, deren Befunde nicht einheitlich sind [s250, s245, s255, s243, s234]; im Proteom bei Hodgkin-Patienten fanden sich herunterregulierte Proteine für Beweglichkeit und Kapazitation [s137]. Ein Mausmodell der akuten myeloischen Leukämie zeigte schlechtere Spermienparameter und verminderte Fertilität schon durch die Erkrankung allein [s148]. Zur Frage, ob schlechte Samenqualität dem Krebs vorausgeht, stehen eine große Kohorte [s193] und eine Metaanalyse mit gepoolter Odds Ratio von 1,91 für Hodentumor bei Infertilitätsdiagnose [s111] zur Verfügung. Zusammenfassende Arbeiten sind eine systematische Übersicht mit Metaanalyse (69 Studien, 32.234 Patienten; gepoolte Nutzungsrate 9 %) [s58] und eine systematische Übersicht mit 30 Studien und 11.798 Patienten (gepoolte Nutzungsrate 8 %) [s191]; eine weitere systematische Übersicht von 2026 zu nicht-Brust-soliden Tumoren fand 102 uneinheitliche Studien [s19].

Ein nationales Register der englischsprachigen Länder wurde in den abgerufenen Abstracts nicht beschrieben. Genannt wird lediglich ein Netzwerk von Zentren (NCRMN), mit dessen Werten die Houstoner Gruppe verglich [s252].

**Leitlinien und Konsensus.** Die ASCO-Leitlinie von 2025 (Evidenzbasis: 166 Studien) formuliert nach dem Abstract, die Spermienkryokonservierung solle Männern vor krebsgerichteter Behandlung angeboten werden; bei fehlender Probe wird die testikuläre Spermienextraktion genannt, und Hodengewebe präpubertärer Jungen sei experimentell [s37]. Ein Vergleich von NCCN (2025), ASCO (2025), COSA (2022) und ESMO (2020) kommt zu dem Schluss, dass die Spermienkryokonservierung in allen stark empfohlen wird [s03]. Die EAU-Leitlinie zur männlichen sexuellen und reproduktiven Gesundheit (Update 2025) enthält im abgerufenen Abstract keine Aussage zur Kryokonservierung vor Krebsbehandlung [s31]. Gleiches gilt für den abgerufenen Abstract von Teil I der AUA/ASRM-Leitlinie von 2021 [s122]. Die abgerufene ESHRE-Leitlinie betrifft nur Frauen [s131], ebenso die einzige gefundene Cochrane-Übersicht (23 randomisierte Studien, 2.647 Frauen) [s39]. Eine ESHRE-Leitlinie oder Cochrane-Übersicht zum männlichen Fertilitätserhalt bei Krebs wurde nicht gefunden. Keine dieser Aussagen ist hier als Empfehlung an Leserinnen und Leser zu verstehen; sie geben wieder, was die Gremien schreiben.

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Die Arbeiten erscheinen in andrologischen und reproduktionsmedizinischen Zeitschriften (Human Reproduction, Fertility and Sterility, International Journal of Andrology, Journal of Andrology, Andrology, Basic and Clinical Andrology), in der Urologie (Journal of Urology) und in der Onkologie (Annals of Oncology, Blood, Haematologica, British Journal of Cancer, Journal of Clinical Oncology, JCO Oncology Practice). Die Frühphase der Literatur reicht bis 1982 zurück, die jüngsten Quellen stammen aus 2026.

**Regionale Besonderheiten.** Da „Englisch“ hier eine Verkehrssprache ist, gibt es keine einheitliche regionale Besonderheit. Sichtbar sind Unterschiede im Versorgungsmodell: In den Kohorten aus Kanada, Schweden und Belgien wird die Nutzung der Proben über Jahrzehnte verfolgt, mit Nutzungsraten von 3,2 % [s47], 9,33 % [s98] und, bei den von Stockholm erfassten Männern, mit 493 Vaterschaften nach der Krebsbehandlung (81 % natürlich, 18 % assistiert) [s64]. Die gepoolte Nutzungsrate von 8 % bis 9 % [s191, s58] gilt als möglicherweise zu niedrig, weil die Nachbeobachtung oft kurz ist.

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** Europe PMC und die NCBI-E-utilities waren erreichbar und ersetzten die gesperrte PubMed-Webseite. Für den englischsprachigen Raum gibt es damit keine Zugangslücke; die Grenze liegt bei den Abstracts, weil Volltexte nicht systematisch gelesen wurden. Eine Stichprobe der PubMed-Webseite lieferte nach dem Teilbericht zwar HTTP 200, wurde aber nicht genutzt.

### Deutsch

**Eigene Kohorten und Register.** Die deutschsprachige Originalliteratur mit lesbarem Abstract ist klein und alt: Alle acht deutschsprachigen Quellen der Teilrecherche stammen aus den Jahren 1986 bis 1993, sie beschreiben Samenbanken aus der Zeit vor der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) [s300, s298, s297, s295, s294, s292, s299, s291]. Höppner und Mitarbeiter untersuchten 1986 29 Patienten mit Hodentumor; 17 von 29 (58,6 %) erfüllten die damals üblichen Annahmekriterien für das Einfrieren (mehr als 10 Mio/ml und mehr als 30 % Beweglichkeit) [s300]. Barth und Schönfelder berichteten 1988 über 83 Patienten, überwiegend mit Hodentumor, und bezeichneten den Ejakulationsverlust nach retroperitonealer Lymphknotenausräumung als stärkste Fertilitätsstörung [s298]. Schubert und Mitarbeiter fanden 1989 bei 70 % von 30 Patienten vor der Behandlung ein abnormes Spermiogramm und bei 71 % (n = 45) nach der Lymphknotenausräumung einen vollständigen oder teilweisen Ejakulationsverlust; nach ihren Kriterien seien nur 25 % der Hodentumorpatienten für eine langfristige Konservierung geeignet [s297]. Kolodziej und Mitarbeiter werteten 1990 93 Samendepots mit einer mittleren Lagerdauer von 44 Monaten aus: Nur 20 % der Ejakulate waren normozoosperm und zeigten nach dem Auftauen eine Beweglichkeit über 20 %, die mittlere Wiedergewinnungsrate betrug 28 % [s295]. Holland-Moritz und Krause berichteten über 47 Patienten, von denen 20 binnen zwei Jahren kein Interesse an der Lagerung mehr hatten; keine der 27 verbleibenden Proben war bis dahin genutzt worden [s294]. Hänggi und Mitarbeiter (39 Patienten) verwiesen auf die oft schon vor dem Einfrieren verminderte Qualität [s292]; Köhn und Schill beschrieben die Münchner Samenbank seit 1974, ohne Zahlen im Abstract [s299]; Joos und Mitarbeiter untersuchten 1993 54 Patienten mit Hodentumor im Stadium I, davon 37 mit Spermiogramm vor der Semikastration [s291]. Weitere deutschsprachige Titel, so ein Beitrag von Adler (2003), von Keck und Nieschlag (1993) und von Köhn und Schuppe (2016), lagen nur als Titel ohne Abstract vor und wurden nicht als Quellen geführt; es existiert also Literatur, die über die genutzten Schnittstellen nicht inhaltlich lesbar war.

Für die Zeit danach stützt sich der deutsche Sprachraum auf englischsprachige Veröffentlichungen. Die German Hodgkin Study Group veröffentlichte ihre Auswertungen zur Samenqualität vor und nach der Behandlung auf Englisch: Von 202 Patienten vor Behandlung waren 20 % normozoosperm und 11 % azoosperm [s256]; in den BEACOPP-Studien waren es 6 (23 %) von rechnerisch 26 Patienten [s257]. Zur Therapiefolge liegen Auswertungen der Studien HD13 bis HD15 (1.323 von 2.412 kontaktierten Überlebenden; Geburtenrate nach fortgeschrittener Behandlung bei Männern 3,3 %) [s218] und der Studie HD21 vor (1.183 Patienten, 692 Männer; Erholung der Gonadenfunktion nach vier Jahren 85,6 % gegenüber 39,7 %) [s25]. Beide enthalten keine Ausgangsspermiogramme. Das Zentrum der Charité Berlin wertete 506 Krebspatienten der Kryobank (2004 bis 2019) aus; 46 (9,1 %) nutzten ihre Proben, die Schwangerschaftsrate betrug 51,4 % (19 von 37 Zyklen) [s80]; bei Jugendlichen mit Hodentumor oder hämatologischen Malignomen war die Samenqualität schon vor Behandlung vermindert [s53]. Menzel und Mitarbeiter befragten 279 Überlebende eines Hodentumors (Rücklauf 64 %): 33 % hatten Samen eingelagert, 11 % von ihnen nutzten ihn; höheres Alter (mindestens 37 Jahre) und niedrigere Bildung gingen mit dem Verzicht auf die Kryokonservierung einher [s61]. Zur Hodgkin-Lymphom-Studie bei Jungen siehe oben [s49]; der Vergleich von 16 Patienten mit Hodentumor und 21 mit anderen Malignomen [s267] trägt in der Quellenliste die Kennzeichnung „en/de“; der Abstract nennt keine nähere Herkunft, daher wird er hier nicht als deutsche Kohorte gewertet.

Ein deutsches Register für Fertilitätserhalt bei Männern wurde in den abgerufenen Abstracts nicht beschrieben; eine Aussage über das Fehlen eines solchen Registers folgt daraus nicht.

**Leitlinien und Konsensus.** Die S2k-Leitlinie der DGGG, DGU und DGRM (2017, veröffentlicht 2018) stellt im Abstract ausdrücklich fest, Aussagen für Jungen und Männer seien nicht ihr Schwerpunkt [s162]. Die Fassung vom Mai 2025 (DGGG, OEGGG, SGGG; veröffentlicht 2026) nennt als Ziel Empfehlungen zur Beratung und Anwendung fertilitätserhaltender Maßnahmen bei präpubertären Mädchen und Jungen und bei Patienten im reproduktionsfähigen Alter; der Abstract nennt keine Einzelheiten [s15]. Was die Leitlinien im Volltext zu Männern sagen, wurde nicht ausgewertet.

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Die älteren Arbeiten erschienen in Andrologia, in der Zeitschrift für Urologie und Nephrologie, in Der Hautarzt (zwei Samenbankberichte), in Geburtshilfe und Frauenheilkunde und in Helvetica Chirurgica Acta [s300, s298, s297, s295, s294, s292, s299, s291]. Die neueren Arbeiten erscheinen auf Englisch, etwa im Journal of Cancer Research and Clinical Oncology [s61, s80], im Journal of Clinical Oncology [s218] und in The Lancet Oncology [s25]. Die Leitlinien erscheinen in Geburtshilfe und Frauenheilkunde [s162, s15].

**Regionale Besonderheiten.** Die Berliner Gruppe berichtet, seit der Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung sei die Inanspruchnahme in ihrem Zentrum gestiegen [s80]; die Befragung von Menzel nennt, dass die Kosten vor 2021 von den Patienten getragen wurden [s61]. In den Berliner Daten fällt auf, dass 71,5 % der Anforderungen eingelagerter Proben (28 von 39) innerhalb der ersten drei Jahre kamen und dass bei 44,8 % der Lagerverträge (269 von 601) die Lagerung beendet war [s80].

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** Europe PMC und die NCBI-E-utilities erreichten die deutschsprachigen Zeitschriften. Die Portale der Fachgesellschaften und der AWMF wurden nicht direkt abgerufen; die Leitlinien wurden über ihre Zeitschriftenfassungen in Geburtshilfe und Frauenheilkunde erreicht [s162, s15].

### Französisch

**Eigene Kohorten und Register.** Der französische Sprachraum ist durch das nationale CECOS-Netz (Centres d'Étude et de Conservation des Œufs et du Sperme humains) am besten dokumentiert. Mehrere der größten Studien der gesamten Recherche nutzen Daten dieses Netzes [s235, s199, s83, s168, s189, s204]. Die Titel der französischsprachigen Artikel führt PubMed nur in englischer Übersetzung; die Originaltitel waren über die genutzten Schnittstellen nicht abrufbar.

Die älteste Arbeit ist eine retrospektive Studie von Ozyglik und Mitarbeitern von 1982 mit 511 Kandidaten: Eine zufriedenstellende Konservierung war bei 40 % der Patienten mit Hodgkin-Krankheit und bei 15 % der Patienten mit Hodenkarzinom möglich; bei 9 % wurde der Samen zur Insemination genutzt, 95 % wünschten die Fortführung der Lagerung [s303]. Auger und Mitarbeiter (CECOS Paris-Bicêtre) schrieben 1993, die Kryokonservierung vor der Therapie biete die einzige vernünftige Chance auf eine spätere Schwangerschaft, ohne Zahlen im Abstract [s290]. Eine nationale retrospektive Studie von 17 CECOS zur Hodentumor-Kryokonservierung von 1996 beschreibt eine regelmäßige Zunahme [s287]. Naccache und Mitarbeiter werteten 213 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom des Instituts Gustave-Roussy (1980 bis 1993) aus; nur bei 24 gab es ein Ausgangsspermiogramm (11 normal, 13 auffällig), die Kryokonservierung war nur in 22 Fällen möglich [s288]. Die Gruppe von Fitoussi (Hodgkin-Krankheit, 94 von 316 Männern erfüllten die Einschlusskriterien; 53 % normaler oder subnormaler Befund; 88 Inseminationen führten zu 9 Schwangerschaften und 2 Geburten) trägt in der Quellenliste die Kennzeichnung „en/fr“; die Arbeit erschien auf Englisch [s278].

Die großen Auswertungen des Netzes sind englischsprachig. Rives und Mitarbeiter analysierten 1.158 Männer mit Hodentumor aus elf CECOS-Laboratorien (1999 bis 2003): Reine Seminome machten 48 % aus, die Konzentration war vor der Orchiektomie bei Seminomen signifikant niedriger als bei Nicht-Seminomen, und die Autoren folgerten, die Kryokonservierung solle vorzugsweise vor der Orchiektomie stattfinden [s235]. Bujan und Mitarbeiter verfolgten 75 Patienten mit Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Lymphom und 257 fertile Kontrollen prospektiv über 24 Monate; die Spermienmerkmale waren schon vor der Behandlung verändert, ohne identifizierten Risikofaktor [s204]. Auger und Mitarbeiter (CECOS Paris) werteten 4.480 Patienten und Vergleichsgruppen aus [s189]. Daudin und Mitarbeiter erfassten 4.345 Jungen und junge Männer von 11 bis 20 Jahren aus 23 Zentren über 34 Jahre: 4.314 versuchten eine Probe, 4.004 gelang sie, bei 3.616 wurde Samen eingelagert; die mittlere Gesamtspermienzahl betrug 61,75 × 10^6 bei 11- bis 14-Jährigen und 138,81 × 10^6 bei 18- bis 20-Jährigen, der Anteil der 11- bis 14-jährigen Patienten, die Samen einlagerten, stieg von 1 % (1986) auf 9 % (2006) [s199]. Walschaerts und Mitarbeiter beschrieben für den Hodentumor einen Anstieg der Einlagerungsinzidenz von 1,73 auf 5,57 pro 100.000 Personenjahre zwischen 1990 und 2013 und eine seit 2005 offenbar abflachende Rate [s168]. Prades und Mitarbeiter schätzten aus den INCa-Daten 2018 und den CECOS-Aktivitätsberichten (26 von 27 Zentren antworteten) für Männer von 15 bis 49 Jahren Einlagerungsraten von 41 % beim Hodentumor, 40 % beim Hodgkin-Lymphom und 7 % beim Non-Hodgkin-Lymphom [s83]; ein Kongressabstract derselben Gruppe nennt andere Quoten (41 % Hodentumor, 28 % Lymphome insgesamt, bei einem anderen Altersfenster von 0 bis 59 Jahren) [s91]. Aus den regionalen Zentren stammen Auswertungen aus Nantes (1.042 Männer, 1997 bis 2007) [s229], Marseille (1.080 überwiesene Patienten; nach durchschnittlich 22,5 Monaten waren 43 von 140 nachuntersuchten Männern azoosperm) [s227] und, auf Französisch, aus dem Kreis der Urologie die Studie zur Onko-TESE mit 24 Patienten [s112]. Die Zahlenangaben dieser letzten Studie sind im Abstract nicht in sich schlüssig (58,34 % und 41,36 % ergeben zusammen mehr als 100 %), sie werden hier nicht weiter ausgewertet.

Hinzu kommen Hochschulschriften und Berichte aus dem französischen Archiv HAL: eine Studie der Andrologie-Abteilung in Nancy (2000 bis 2004), die eine wichtige Veränderung der Spermienparameter vor Behandlung beobachtete [s226]; eine Marseiller Arbeit mit einer Umfrage in allen 27 CECOS im Jahr 2015 [s174]; eine Marseiller Literaturübersicht [s108]; eine Rouener Arbeit mit 56 Patienten nach pädiatrischer Krebserkrankung und 30 Spendern, die Befunde nach der Behandlung berichtet [s43]; und eine Grenobler Arbeit zu Schwangerschaften nach Fertilitätserhalt [s188]. Eine Befragung in La Presse Médicale (1994) stellte fest, dass die Informationen von Onkologen und CECOS-Ärzten von den Patienten nicht richtig aufgenommen würden [s289]. Eine Online-Umfrage unter 228 europäischen Urologen (englisch und französisch gekennzeichnet) ergab, dass 74 % gewöhnlich eine Kryokonservierung vor der Orchiektomie anbieten; vor einer Prostatakrebsbehandlung bieten sie 48,17 % nie an [s44]. Die Hochschulschriften haben einen niedrigeren Beweiswert als begutachtete Artikel; über ihre Qualitätssicherung sagen die Abstracts nichts.

**Leitlinien und Konsensus.** Die französischen Leitlinien von 2021 (Rives und Mitarbeiter, European Journal of Cancer) sagen laut Abstract, bei pubertären Jungen müsse die Spermienkryokonservierung jedem Mann angeboten werden, der eine Krebsbehandlung erhält, unabhängig von der Toxizität; für Hodengewebe bei präpubertären Jungen nennen sie eine Cyclophosphamid-Äquivalentdosis von mindestens 7.500 mg/m² oder eine Strahlendosis von mindestens 3 Gy beider Hoden [s99]. Courbiere und Mitarbeiter beschreiben in La Revue du Praticien Empfehlungen des Krebsinstituts INCa [s78]. Bringer-Deutsch und Mitarbeiter formulieren, die Kryokonservierung müsse allen Männern angeboten werden, auch Jugendlichen, unabhängig von der Spermienqualität [s240]; Leyvraz und Mitarbeiter (Revue médicale suisse) nennen sie das derzeit einzige erwiesene Verfahren [s233]. Zum Mindestalter beschreibt der Fallbericht von Laverdure und Mitarbeitern große Unterschiede zwischen den Zentren [s232]. Diese Sätze sind Aussagen der Autorengruppen, keine Empfehlung dieser Studie.

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Französischsprachige Beiträge erschienen im Bulletin du Cancer [s288, s232, s161], in Contraception, Fertilité, Sexualité [s290, s287], in La Nouvelle Presse Médicale [s303], im Journal de Gynécologie, Obstétrique et Biologie de la Reproduction [s240], in Progrès en Urologie [s112], in La Revue du Praticien [s78] und in der Revue médicale suisse [s233]. Die CECOS-Auswertungen erschienen in Basic and Clinical Andrology, Fertility and Sterility und Journal of Andrology.

**Regionale Besonderheiten.** Nach dem Kongressabstract von Prades empfehle und garantiere das französische Bioethikgesetz seit 2011 den kostenfreien Zugang zum Fertilitätserhalt [s91]. Die Nutzung der Strukturen ist trotzdem begrenzt: Weniger als die Hälfte der Männer mit Hodentumor oder Lymphom lagerte vor der gonadotoxischen Behandlung Samen ein, wie der Titel des Abstracts sagt [s91]; im CECOS-Netz sind Männer, die informiert wurden, aber keine Probe abgaben, auf rund 10 % geschätzt, und sie sind in der Schätzung nicht berücksichtigt [s83].

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** Europe PMC, die NCBI-E-utilities und die Programmierschnittstelle von HAL waren erreichbar. Cairn lieferte nach einer Weiterleitung HTTP 403 mit einer Bot-Schutzseite und war nicht durchsuchbar. Für Französisch trugen damit HAL und Europe PMC einen Teil der Lücke.

### Italienisch

**Eigene Kohorten und Register.** Der italienische Raum trägt sehr viele Kohorten bei, aber fast alle erschienen auf Englisch; die Kennzeichnung „en/it“ der Quellenliste bezeichnet englischsprachige Arbeiten italienischer Zentren. Muttersprachliche Artikel mit Abstract fanden sich nur zwei: Vicari und Mitarbeiter (2005, Minerva Urologica e Nefrologica) und Colpi und Mitarbeiter (2000, Archivio Italiano di Urologia e Andrologia) [s266, s277]. Vicari und Mitarbeiter untersuchten 24 Patienten mit Hodenkeimzelltumor nach Orchiektomie und vor Strahlen- oder Chemotherapie: 5 von 24 (20,8 %) waren azoosperm, 10 (41,7 %) hatten ein oligo-, astheno- oder teratozoospermes Muster, 9 (37,5 %) waren normal; Seminompatienten hatten höhere Konzentration, Gesamtzahl und Vorwärtsbeweglichkeit als Nicht-Seminompatienten, und bei den azoospermen Patienten war das Volumen des verbleibenden Hodens meist vermindert [s266]. Colpi und Mitarbeiter geben eine Übersicht zur Behandlung der Unfruchtbarkeit nach Hodentumorbehandlung, unter anderem mit einem Ejakulationsverlust nach retroperitonealer Lymphknotenausräumung in 23,5 % bis 80 % der Fälle [s277].

Die großen italienischen Kohorten sind englischsprachig. Das römische Zentrum (so benennt es der Teilbericht) untersuchte 519 Patienten mit Hodgkin-Lymphom (75 % normozoosperm vor der Behandlung; längsschnittlich 202 Patienten vor und nach ABVD) [s195]. Eine monozentrische Kohorte mit 222 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom (2002 bis 2017) fand mehr als 80 % Normozoospermie vor der Behandlung und berichtete, dass 14 von 22 Männern mit Kinderwunsch Väter wurden [s120]. Ein Vergleich von 261 Patienten mit Hodentumor und 219 mit lymphoproliferativen Erkrankungen [s220], eine Kohorte aus Genua mit 682 onkologischen Patienten (2004 bis 2019; 4 % nutzten ihren Samen, kumulative Lebendgeburtenrate 35 % pro Paar) [s124], aus Florenz eine Auswertung von 1.973 Sammelproben über 24 Jahre [s81] sowie Studien zu DNA-Fragmentierung und oxidativem Stress [s76]. Weitere Arbeiten betreffen Proben vor und nach Orchiektomie [s04], hämatologische Neoplasien [s24, s23] und eine Kohorte mit 464 Patienten, die mindestens fünf Jahre überlebten (37 % der 255 Nachuntersuchten azoosperm) [s35]. Weitere Kohorten sind eine Fall-Kontroll-Studie mit 236 Krebspatienten und 102 fertilen Männern [s190], eine prospektive Studie mit 78 Lymphompatienten und 79 Kontrollen (TUNEL) [s51], die Untersuchung von 20 Hodgkin-Patienten vor der Therapie mit LH-Pulsatilität und computergestützter Spermienanalyse [s286] und eine italienische Fall-Kontroll-Studie zur Frage, ob schlechte Samenqualität dem Hodentumor vorausgeht (EPSAM-Studie, Turin) [s192]. Nach dem Teilbericht liegen die Referenzzentren in Rom, Genua, Florenz, Neapel und Mailand; welche der genannten Arbeiten aus welchem dieser Zentren stammt, nennen die Abstracts nicht durchgehend, deshalb sind nur die im Teilbericht ausdrücklich benannten Orte angegeben.

Ein nationales italienisches Register wurde in den abgerufenen Abstracts nicht beschrieben.

**Leitlinien und Konsensus.** Der Konsensus der Fondazione Italiana Linfomi und der Società Italiana della Riproduzione Umana (2023, Delphi-Verfahren, elf Experten, 78 Fragen oder Aussagen in sechs Bereichen, zwei Runden; Übereinstimmung nach Gwets AC zwischen 0,649 und 0,958) behandelt Fertilitätserhalt und Fertilitätsüberwachung bei erwachsenen Lymphompatienten; der Abstract nennt keine Samenwerte [s82]. Es ist ein Expertenkonsens, keine Bewertung der Studienqualität. Ein Dokument der Società Italiana di Andrologia konnte nicht abgerufen werden.

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Italienischsprachige Arbeiten erschienen in Minerva Urologica e Nefrologica und im Archivio Italiano di Urologia e Andrologia [s266, s277]. Die Kohorten erschienen in Human Reproduction [s195, s120, s271], in Antioxidants [s76], im Journal of Personalized Medicine [s24], in JCO Oncology Practice [s35] und anderen englischsprachigen Zeitschriften.

**Regionale Besonderheiten.** Als Besonderheit fällt die Dichte großer Referenzzentren auf; die Zahlen zur Hodgkin-Normozoospermie reichen von 14 % in der Samenbank Pordenone (Hodgkin) bis 75 % im römischen Zentrum [s228, s195]. Die Pordenone-Studie mischte Leukämie und Lymphom und hatte sehr kleine Gruppen. Solche Spannweiten können auf Selektion oder methodische Unterschiede hindeuten; die Abstracts machen dazu keine Angabe, und die Werte sind wegen unterschiedlicher Definitionen nicht ohne Weiteres vergleichbar [s256].

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** Europe PMC und NCBI waren erreichbar. Die italienischen Fachgesellschaftsseiten und die Zeitschriften der Società Italiana di Andrologia waren nicht lesbar; die Startseite der Gesellschaft war erreichbar, eine Suche nach Leitlinien oder Positionspapieren ergab keine lesbaren Treffer. Deshalb ist der italienische Raum bei muttersprachlichen Arbeiten unterrepräsentiert; das ist eine Lücke des Zugangs, kein Beleg für fehlende Literatur.

### Portugiesisch

**Eigene Kohorten und Register.** Es wurde keine portugiesischsprachige Originalstudie zu Samenqualität oder Kryokonservierung bei Krebs mit lesbarem Abstract gefunden. Der einzige portugiesischsprachige Treffer der Recherche (ein Beitrag von Ferreira und Mitarbeitern von 2011 in der Revista Brasileira de Ginecologia e Obstetrícia zum Fertilitätserhalt bei Krebs) ist ein Editorial ohne Abstract und bezieht sich nach seinem Titel auf Frauen; er ist keine Quelle dieser Studie. Die drei Einträge der Quellenliste mit der Kennzeichnung „pt“ sind englischsprachige Arbeiten, die nach der Erstautor-Affiliation Brasilien oder Portugal zugeordnet wurden: eine retrospektive Fall-Kontroll-Studie von Hallak und Mitarbeitern (2000, University of São Paulo) mit 89 Patienten mit Hodgkin-Krankheit, 18 mit Non-Hodgkin-Lymphom und 50 gesunden Spendern, in der Samenmerkmale vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen bei den Patienten signifikant niedriger waren als bei den Spendern [s279]; eine Übersichtsarbeit von Xavier und Mitarbeitern (2021, International Braz J Urol) zu Seminom und Nicht-Seminom, die berichtet, beide Subtypen verschlechterten die Samenqualität, bei Nicht-Seminomen offenbar stärker, und die ausdrücklich nur englische PubMed-Artikel einbezog [s127]; und ein Tierversuch von Rocha und Mitarbeitern (2021, Animal Reproduction) an 40 pubertierenden Wistar-Ratten mit Walker-256-Tumor, der quantitative Hodenveränderungen zeigte, aber keine Samenanalyse berichtet [s121]. Eine frühere Arbeit desselben Erstautors wie [s279], zu 25 Männern mit akuter oder chronischer Leukämie und 50 gesunden Spendern (1999), trägt in der Quellenliste keine Kennzeichnung „pt“; sie fand niedrigere Gesamtzahlen beweglicher Spermien vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen [s280]. Ein brasilianisches oder portugiesisches Register wurde nicht beschrieben.

**Leitlinien und Konsensus.** Aus dem portugiesischsprachigen Raum wurde keine Leitlinie und kein Konsensus gefunden, die sich abrufen ließ.

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Die portugiesischsprachige Forschung erscheint nach diesen Funden in englischsprachigen Zeitschriften (Journal of Assisted Reproduction and Genetics, International Braz J Urol, Animal Reproduction) [s279, s127, s121]. Die Zeitschrift JBRA Assisted Reproduction erscheint in der Quellenliste mit Arbeiten aus Chile und Uruguay (siehe Spanisch) [s181, s165].

**Regionale Besonderheiten.** Aus diesen drei Arbeiten lassen sich keine regionalen Besonderheiten ableiten; sie sind eine Fall-Kontroll-Studie, eine nichtsystematische Übersicht und ein Tierversuch.

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** SciELO und LILACS (BVS), die für diesen Sprachraum am ergiebigsten wären, waren nicht abrufbar: Die Suche von SciELO und die Seite von LILACS lieferten HTTP 403 mit einer Schutzseite, nur die SciELO-Startseite war erreichbar. Das Fehlen portugiesischsprachiger Studien ist daher eine Lücke des Zugangs und kein Beleg dafür, dass es solche Literatur nicht gibt.

### Spanisch

**Eigene Kohorten und Register.** Der spanischsprachige Raum ist mit fünf muttersprachlichen Quellen und drei weiteren Einträgen dünn belegt: fünf muttersprachliche Arbeiten [s242, s269, s247, s138, s213], dazu die Leitlinie [s101] und zwei lateinamerikanische englischsprachige Kohorten [s181, s165]. Die größte eigene Kohorte ist die Studie von Navarro Medina und Mitarbeitern (2010, Actas Urológicas Españolas, Las Palmas): 101 Krebspatienten, die von April 1992 bis Oktober 2007 Samen einlagerten, 80 % telefonisch erreicht, mittleres Einfrieralter 25 Jahre, 41 % Hodentumor, 33 % ohne leibliche Kinder; 67 % waren vom Behandlungsteam auf die Möglichkeit einer Infertilität hingewiesen worden, nur 1 % der Proben waren ungeeignet, 4 % nutzten die Proben, 63 % wollten die Lagerung fortsetzen [s242]. Tovar-Rodríguez und Mitarbeiter (2014, Cirugía y Cirujanos, Mexiko) verglichen 37 Patienten mit Keimzelltumor (15 Seminom, 22 Nicht-Seminom) mit 35 Kontrollen: Bei Nicht-Seminomen waren LH, FSH und Testosteron erniedrigt, Estradiol und Prolaktin erhöht; fünf von ihnen hatten Oligozoospermie, drei Azoospermie, acht gaben keine Probe ab [s213]. Aus Lateinamerika stammen außerdem zwei englischsprachige Kohorten: 589 Proben von 543 Patienten mit Hodentumor (Chile, 1995 bis 2015; 44,3 % der Proben in allen Parametern normal nach WHO 2010, Verminderung der Gesamtzahl beweglicher Spermien durch das Auftauen um 32 %, nur 12 Patienten oder 2,2 % nutzten den Samen) [s181] und 324 ausgewertete Proben aus Uruguay, in der Krebsgruppe 113 Proben, davon 61,95 % Hodentumor; die Autoren nennen die Samenparameter der Krebsgruppe überraschend fast normal [s165]. Spanischsprachige Übersichten betreffen Kinder und Jugendliche (Andrés und Castel 2009, Anales de Pediatría; Medrano und Mitarbeiter 2020, Revista Internacional de Andrología) [s247, s138] und die Einlagerung bei erwachsenen Männern (González Casbas und Calderay Domínguez 2004, Archivos Españoles de Urología) [s269]. Ein spanisches Register wurde in den Abstracts nicht beschrieben. Ein spanischsprachiger Beitrag von Villavicencio (1990, 1991) lag nur als Titel ohne Abstract vor und wurde nicht geführt.

**Leitlinien und Konsensus.** Santaballa und Mitarbeiter (2022, Clinical & Translational Oncology) veröffentlichten die erste spanische multidisziplinäre Leitlinie, getragen von fünf Fachgesellschaften (Onkologie, Fertilität, Hämatologie, pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Strahlenonkologie); der Abstract nennt keine Einzelempfehlungen zu Spermien [s101]. González Casbas und Calderay Domínguez schreiben, jeder Mann im zeugungsfähigen Alter, der künftige Vaterschaft wünschen könnte, solle laut den Autoren das Angebot der Einlagerung erhalten, mit Ausnahme von Patienten mit Azoospermie bei der Diagnose [s269]. Das ist die Aussage der Autoren, keine Empfehlung dieser Studie.

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Spanischsprachige Arbeiten erschienen in Actas Urológicas Españolas, Archivos Españoles de Urología, Anales de Pediatría, der Revista Internacional de Andrología und in Cirugía y Cirujanos [s242, s269, s247, s138, s213]. Die lateinamerikanischen Kohorten erschienen in JBRA Assisted Reproduction auf Englisch [s181, s165]. Die Leitlinie erschien in einer englischsprachigen Zeitschrift der spanischen Onkologiegesellschaften [s101].

**Regionale Besonderheiten.** Die spanischsprachige Literatur ist stärker von Übersichten und kleinen Einzelzentrumsstudien geprägt als von großen Kohorten. Ein Hinweis auf die Versorgungslage ist der Befund aus Las Palmas, dass nach den Angaben der Patienten nur zwei Drittel vom Behandlungsteam auf die mögliche Infertilität hingewiesen worden waren [s242].

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** Dialnet lieferte HTTP 503 mit einer Skript-Schutzseite und war nicht durchsuchbar; SciELO und LILACS waren gesperrt (HTTP 403). Spanischsprachige Literatur wurde daher nur über Europe PMC und PubMed erreicht und ist vermutlich unterrepräsentiert.

### Chinesisch

**Eigene Kohorten und Register.** Aus dem chinesischen Raum (Festland, Hongkong, Taiwan; klinisch getrennte Versorgungssysteme) stammen die größten Samenbank-Auswertungen der gesamten Recherche. Nur sieben Quellen sind chinesischsprachige Artikel, deren englischer Abstract abgerufen wurde, alle in der Zeitschrift Zhonghua Nan Ke Xue (Nationale Zeitschrift für Andrologie) [s157, s114, s126, s27, s26, s177, s178]; die Zahlen stammen aus diesen englischen Abstracts, die Volltexte konnten nicht gelesen werden. Die Originaltitel waren nicht abrufbar; bekannt ist nur die englische Übersetzung des Titels.

Die zentralen Kohorten: Aus Guangdong stammt die Auswertung von Wang und Mitarbeitern (1.034 Patienten, 2010 bis 2021). 302 Patienten hatten Tumoren des Fortpflanzungssystems (99,0 % Hodentumoren), 732 andere Tumoren; die mediane Konzentration lag bei 21,0 gegenüber 56,0 Mio/ml (p < 0,001), und mindestens 15 Mio/ml hatten 59,9 % gegenüber 85,8 %. Von 1.194 zunächst erfassten Männern kam bei 160 die Kryokonservierung nicht zustande; 63 Patienten (6,1 %) hatten bis zum 30. April 2022 ihre Proben genutzt [s87]. Ebenfalls aus Guangdong stammt die einzige Studie mit gematchter Vergleichsgruppe: 445 Krebspatienten gegenüber 9.170 Samenspendern, 413 Patienten wurden 798 Spendern zugeordnet; Krebserkrankungen insgesamt waren mit niedrigerer Konzentration, geringerer Beweglichkeit und weniger Normalformen verbunden, Hodentumor, Hodgkin-Lymphom und Leukämie mit niedrigerer Konzentration oder Gesamtzahl [s93]. Die Spender sind eine selektierte, besonders fertile Gruppe, was die Unterschiede vergrößern kann. Eine weitere Guangdong-Arbeit (1.156 Männer, 2016 bis 2019) berichtet, 857 (74,1 %) hätten Erfolg gehabt und 299 (25,9 %) nicht; die Misserfolgsrate lag in der Tumorgruppe bei 17,2 % und in der Mikro-TESE-Gruppe bei 56,1 % [s126]. Aus Chengdu (Sichuan-Spermabank) stammen eine Auswertung mit 339 Männern, in der Leukämiepatienten (n = 18) die niedrigste mediane Konzentration (18,5 Mio/ml) hatten und bei 46,2 % der hämatologischen Patienten keine Spermien einfrierbar waren [s116], sowie weitere Arbeiten zu Keimzelltumoren [s115], zu 275 Jugendlichen aus 16 Spermabanken (88,7 % erfolgreiche Kryokonservierung) [s59] und zum Nasopharynxkarzinom (79,4 % vor der Behandlung normozoosperm) [s29]. Die multizentrische Erhebung aus 16 Regionen (2010 bis 2020) berichtet, dass im Jahr 2020 der Anteil kryokonservierender Männer von 15 bis 39 Jahren bei Hodentumoren 5,55 %, bei Lymphomen 1,29 % und bei Leukämien 0,39 % betrug und dass 22,2 % der Leukämiepatienten azoosperm waren, was die Autoren auf den dringlichen Behandlungsbeginn zurückführen [s60]. Aus Peking stammen 145 Männer (nur 9,7 % nutzten ihre Proben) [s145], 662 Männer mit 351 Krebspatienten und 311 Männern ohne Krebs (Nutzungsrate 6,34 %) [s104] und eine Auswertung zur Eigenspermakonservierung (251 Männer, Nutzungsrate 5,58 %) [s157]. Aus Chongqing stammen 76 Männer mit Eigenspermakonservierung [s114]. Eine multizentrische Untersuchung von 1.548 Männern, in der nur 1,9 % der Proben von Krebspatienten stammten [s244], und eine Nachbefragung von 125 Patienten mit einseitigem Hodentumor [s210] ergänzen das Bild.

Hongkong ist mit 130 Patienten (1995 bis 2012; 4 % der 110 Eingefrorenen nutzten das Material) [s219] und mit einer Auswertung des öffentlichen Programms (August 2020 bis Februar 2023; mediane Zeit von der Überweisung bis zur Konsultation 4 Tage; bei 84,5 % gelang die Kryokonservierung) vertreten [s46]. Taiwan ist vertreten mit einer Zehnjahres-Erfahrung aus Taipeh [s263], einer Studie mit 50 Männern mit Hodentumor (Erfolgsrate der Kryokonservierung 52 %, Zusammenhang mit α-Fetoprotein und Tumorvolumen) [s196], zwei Studien zur mikrochirurgischen Hodenspermiengewinnung nach früherer Chemotherapie (Gewinnungsrate 47 % beziehungsweise 39,3 %; bei Cyclophosphamid-Äquivalentdosis über 4000 mg/m² keine lebensfähigen Spermien) [s86, s55] und einem frühen Fallbericht einer Schwangerschaft nach ICSI mit kryokonserviertem Samen bei Seminom [s284]. Studien zu Hodgkin-Lymphomen allein liegen aus dem chinesischen Raum nicht vor; das Hodgkin-Lymphom erscheint nur als Untergruppe, etwa in [s93]. Ein zentrales Register der Spermabanken wurde in den Abstracts nicht beschrieben; die Daten stammen aus einzelnen „Humanen Spermabanken“.

**Leitlinien und Konsensus.** Eine chinesische Leitlinie wurde nicht als Quelle gefunden. Fu und Mitarbeiter (Zhonghua Nan Ke Xue, 2025) fassten aus 21 Arbeiten (darunter acht Leitlinien und vier Expertenkonsense) 33 Evidenzaussagen zum Fertilitätsmanagement bei Hodenkrebs in sechs Bereichen zusammen; der Abstract nennt keine einzelnen Empfehlungen [s26]. Die Metaanalyse von Li und Mitarbeitern (69 Studien, 32.234 Patienten; gepoolte Nutzungsrate 9 %, Vernichtungsrate 23 %) durchsuchte unter anderem CNKI; wie viele chinesischsprachige Studien eingeschlossen wurden, nennt der Abstract nicht [s58]. Fachübersichten sind Dong und Mitarbeiter sowie Fu und Mitarbeiter von 2017 [s177, s178], Ma und Xi 2025 [s30], eine bibliometrische Analyse von 3.201 Artikeln [s54] und Sung und Mitarbeiter 2024 zur Kryokonservierung unreifen Hodengewebes [s63].

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Ein Teil der Evidenz erscheint in Zhonghua Nan Ke Xue mit englischem Abstract [s157, s114, s126, s27, s26, s177, s178]; die übrigen Arbeiten erschienen in englischsprachigen Zeitschriften wie Asian Journal of Andrology [s87, s244, s210], Andrology [s93], Basic and Clinical Andrology [s116, s104], Cancer Medicine [s59], Medical Science Monitor [s145] und Human Reproduction Open [s58].

**Regionale Besonderheiten.** Erstens ist das Tumorspektrum ein anderes als in Japan: Das Nasopharynxkarzinom tritt als eigene große Gruppe auf (15,7 % der Nicht-Fortpflanzungstumoren bei Wang) [s87, s93, s60, s29]. Zweitens beschreibt die multizentrische Erhebung ein Gefälle zwischen östlichen, zentralen und westlichen Regionen [s60]. Drittens tauchen soziokulturelle Faktoren auf: In einer qualitativen Studie mit 18 Hodenkrebs-Patienten erscheinen „traditionelle Vorstellungen zur Fortpflanzung“, Unterstützung durch die Familie und Kosten als Einflussfaktoren auf die Entscheidung zum Fertilitätserhalt [s27]. Eine Befragung von 332 männlichen Krebspatienten ergab, dass nur 10,6 % vor der Behandlung Fertilitätserhalt gewählt hatten und 68,7 % während der Therapie mehr Information wünschten [s143]; eine parallele Arbeit mit 103 medizinischen Mitarbeitenden fand bei 70 % bis 80 % beider Gruppen fehlendes Wissen [s136]. Ob beide Arbeiten dieselbe Stichprobe von 332 Patienten verwenden, lässt sich aus den Abstracts nicht sicher sagen. Viertens fallen niedrige Nutzungsraten auf (3,7 % bis 9,7 % in den Serien [s60, s145, s104, s157, s87]) bei verbreitetem Zeitdruck: Bei Leukämie erfolgte die Probengewinnung häufig erst nach Therapiebeginn [s60, s263]. Fünftens liegen aus China auch Tierversuche zu Chemotherapeutika vor (Busulfan, Cyclophosphamid, Cisplatin), die Mechanismen betreffen, aber nichts über Patienten vor der Behandlung aussagen [s28, s56, s68, s52, s142]. Eine kombinierte Studie an 52 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom und an Mäusen (CHOP) nennt für Östradiol eine Fläche unter der Kurve von genau 1, was bei kleiner Stichprobe eher auf Überanpassung des Modells hindeutet [s67].

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** Europe PMC und die NCBI-E-utilities waren erreichbar. CNKI lieferte nur eine Weiterleitungsseite und auf die Suchanfrage keine Antwort; Wanfang antwortete mit HTTP 200, die Suchseite enthielt aber keine auswertbaren Treffer, weil der Inhalt per Skript nachgeladen wird. Die chinesische Inlandsliteratur dürfte deshalb unterrepräsentiert sein; wie viel sie enthält, lässt sich aus diesen Abrufen nicht sagen.

### Japanisch

**Eigene Kohorten und Register.** Die japanische Literatur liegt in drei Schichten vor: englischsprachige Arbeiten in PubMed-indizierten Zeitschriften, japanischsprachige Arbeiten bei J-STAGE (Abstracts über die Artikelseiten abgerufen) und Einträge über CiNii. Es sind 14 Quellen mit der Kennzeichnung „ja“. Japanische Titel stehen im Original mit deutscher Übersetzung in Klammern, soweit sie im Teilbericht vorlagen; bei den übrigen genügt hier die Nennung der Autoren.

Die Einzelzentrumsserien sind klein bis mittelgroß. Negoro und Mitarbeiter (Kyoto, 257 Patienten, ausgewertet 113 Männer mit Keimzelltumoren und 111 mit hämatologischen Erkrankungen) fanden eine mittlere Konzentration von 32,6 gegenüber 46,1 Mio/ml (p < 0,05); die Kryokonservierung vor der Chemotherapie gelang bei 90 % gegenüber 59 % (p < 0,0001) [s164]. Hamano und Mitarbeiter (Hirosaki, 111 ausgewertete Patienten) fanden bei Hodentumor eine niedrigere Konzentration; den WHO-Grenzwert erreichten 41 % der Hodentumor- und 66 % der übrigen Patienten [s163]. Kobayashi und Mitarbeiter (Tokio, 122 Männer) berichteten die niedrigste mittlere Konzentration bei Hodentumor (30,5 Mio/ml), aber die höchste mittlere Beweglichkeit (59,6 %) [s179]. Takeshima und Mitarbeiter (Yokohama) werteten 235 Männer aus (Kryokonservierung gelang bei 83,0 %; bei 36 Männern scheiterte sie, 23 davon waren erst nach Behandlungsbeginn überwiesen worden) [s155] und 34 Männer mit Knochen- und Weichteilsarkomen [s85]. Das Zentrum Ichikawa berichtete 130 Patienten (Hodentumor 53, Leukämie 43, malignes Lymphom 13) [s260] und die Arbeit von Hagiuda neun Hodentumor-Patienten mit früherem Kryptorchismus, von denen fünf azoosperm waren [s113]. Die Arbeit aus Jichi mit 38 hämatologischen Patienten fand bei vor der Ersttherapie eingefrorenen Proben bis auf zwei Patienten normale Konzentration und Beweglichkeit [s253]. Japanischsprachige Kohorten sind unter anderem die Zehnjahres-Erfahrung von Saito und Mitarbeitern (2003, Nihon Hinyokika Gakkai Zasshi; Titel 精子凍結保存10年間の経験 その現状と問題点, deutsch: „Zehn Jahre Erfahrung mit Spermakryokonservierung: Stand und Probleme“): Von 35 Patienten mit Hodentumor erreichten vor der Chemotherapie 7 (20 %) die WHO-Referenzwerte, von 20 Patienten mit Leukämie oder Lymphom 10 (50 %), von 69 Patienten, die erst nach Beginn der Chemotherapie kamen, 9 (13 %) bei 42 % Azoospermie; nicht chemotherapeutisch Vorbehandelte konnten zu 96,1 % einfrieren, nach Chemotherapie nur zu 45,3 % [s273]. Dahar (Sanada) und Mitarbeiter (2019, Sanka to Fujinka no Shinpo; Titel 当院でのがん患者の妊孕性温存を目的とした精子凍結保存法の実態と同法を用いた不妊治療成績の検討, deutsch: „Realität der Spermakryokonservierung zum Fertilitätserhalt bei Krebspatienten an unserer Klinik und Behandlungsergebnisse bei Nutzung“) berichteten 369 Krebspatienten (2001 bis 2018), von denen 41 Paare (11,1 %) das Material nutzten; bei Überweisung aus der Urologie waren nur 7,1 % nach Chemotherapie, bei Überweisung aus anderen Fächern 53,8 % [s159]. Weitere kleinere Arbeiten sind eine Serie aus Nishinomiya [s167], eine Serie aus Kyoto [s249], Taniguchi und Mitarbeiter (2011; Titel 当科における悪性腫瘍患者の精子凍結保存の現状と保存システムに関する検討, deutsch: „Stand der Spermakryokonservierung bei Krebspatienten in unserer Abteilung und Untersuchung des Aufbewahrungssystems“) [s239], Ando und Mitarbeiter (2021) [s110] und kinder- und jugendbezogene Arbeiten [s202, s172, s90]. Landesweit erhob die Befragung von Yumura und Mitarbeitern 695 Einrichtungen; 92 hatten vor Chemotherapie Samen eingelagert, in der Auswertung von 820 Patienten war der Erfolg der Kryokonservierung bei hämatologischen Krebsarten mit 82,5 % signifikant niedriger als bei Hodentumor (93,6 %) und anderen Tumoren (95,6 %) [s169].

Zur Hodenspermiengewinnung nach Chemotherapie gibt es mehrere Serien: 66 Patienten mit persistierender Azoospermie (Gewinnung bei 31, 47 %; klinische Schwangerschaft bei 23, 35 %) [s197], 26 Patienten (Gewinnung 42 %) [s212], 17 Männer (Onko-TESE; bewegliche Hodenspermien bei 9) [s57] und weitere [s221, s259, s261, s270]. Zur Vaterschaft nach Hodentumor-Chemotherapie liegt eine multizentrische Befragung mit 567 Überlebenden vor: Ohne Chemotherapie zeugten 20 % ohne gefrorenes Sperma Kinder, mit Chemotherapie 10 %; die Vaterschaftsrate betrug nach drei Zyklen 12 % und nach vier Zyklen 5 % (p < 0,05) [s128]. Eine Auswertung von Fehlgeburten nach ICSI mit kryokonserviertem Sperma ergab bei 12 Hodentumor-Patienten eine höhere Fehlgeburtenrate (43,8 % gegenüber 9,1 %; p < 0,05); die Ursache ist im Abstract nicht gemessen, sondern vermutet, und die Gruppe ist sehr klein [s10].

Ein Register: Seit April 2021 besteht ein landesweites Förderprogramm; teilnehmende Einrichtungen müssen einem Onkofertilitätsnetz ihrer Präfektur angehören und Daten im Japanischen Onkofertilitätsregister (JOFR) erfassen [s65]. Das Register wird im Abstract als Voraussetzung der Förderung beschrieben, Ergebnisse daraus liegen in den abgerufenen Quellen nicht vor.

**Leitlinien und Konsensus.** Die Leitlinien der Japan Society of Clinical Oncology (JSCO) von 2017 sind die erste japanische Leitlinie zur Onkofertilität; Teil 1 enthält allgemeine Grundlagen und Empfehlungen zu vier klinischen Fragen, Teil 2 Einzelheiten für acht Tumorbereiche; Zahlen oder Empfehlungsgrade stehen nicht in den Abstracts [s94, s105, s153]. Die Leitlinie der Japanischen Urologischen Gesellschaft von 2024 zur männlichen Infertilität hebt nach dem Abstract den Fertilitätserhalt vor einer Krebsbehandlung hervor und nennt für die nichtobstruktive Azoospermie die Mikro-TESE (Grad A) [s38]. Übersichten von Yumura und Mitarbeitern nennen, 15 % bis 30 % der Krebsüberlebenden verlören ihr Fertilitätspotenzial [s88, s106, s107]; Kawai und Nishiyama weisen darauf hin, dass mehrere Studien nahelegten, der Krebs selbst, nicht die Behandlung, könne die Samenqualität verschlechtern [s147]. Das sind Aussagen der Autoren.

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Japanischsprachige Arbeiten erschienen unter anderem in Nihon Hinyokika Gakkai Zasshi, Nihon Shoni Ketsueki Gan Gakkai Zasshi, Sanka to Fujinka no Shinpo und Hinyokika Kiyo (Acta Urologica Japonica) [s273, s202, s172, s90, s159, s239, s249]. Die englischsprachigen Arbeiten erschienen unter anderem in Reproductive Medicine and Biology [s164] und International Journal of Clinical Oncology [s94]; in der japanischen Zeitschrift Gan to Kagaku Ryoho erschienen Arbeiten mit englischem Abstract [s65, s62].

**Regionale Besonderheiten.** Erstens zeigen wiederholte Befragungen, dass viele Einrichtungen keine eigene Spermabank haben und an Privatkliniken verweisen: Von 92 antwortenden hämatologischen Einrichtungen hatten 17 eine eigene Spermabank, 69 arbeiteten mit einer zusammen, und nur 38 % informierten alle Patienten [s156]; bei der urologischen Befragung von 2008 führten 24 von 90 Abteilungen (26,7 %) die Kryokonservierung selbst durch [s254]. Bei einer Befragung von Hämatologen informierten 54 von 144 (37,5 %) immer über das Risiko der Unfruchtbarkeit [s262]. Zweitens ist die Aufklärung oft verspätet: In den hämatologischen Serien kamen viele Patienten erst nach Behandlungsbeginn [s155, s273, s172]. Drittens liefern die Zentren der Region und der Pädiatrie Daten, die in englischen Zeitschriften fehlen. Viertens ist die Hodentumor-Nachsorge mit der Beobachtung drei gegenüber vier Zyklen Cisplatin-basierter Chemotherapie eine japanische Besonderheit [s128]. Fünftens werden Spermien- und Eizellkryokonservierung nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen; seit April 2021 besteht ein Förderprogramm, das als Forschungsförderung zum Aufbau von Evidenz positioniert ist [s65]. Sechstens weisen mehrere Arbeiten darauf hin, dass für junge Männer vor der Stammzelltransplantation oft keine rechtzeitige Aufklärung stattfand [s172, s90].

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** J-STAGE war erreichbar; 17 Artikelseiten wurden abgerufen, 13 aufgenommen (drei enthielten keinen Abstract-Text). CiNii Research war erreichbar; acht Einträge mit Abstract wurden aufgenommen, viele andere hatten keinen Abstract. Die japanische Inlandsliteratur ist damit besser erreichbar als die chinesische und die koreanische, aber nur auf Abstract-Ebene.

### Koreanisch

**Eigene Kohorten und Register.** Es wurde keine koreanischsprachige Quelle gefunden, die sich abrufen und auswerten ließ; in der Master-Quellenliste trägt keine Quelle die Kennzeichnung „ko“. Die koreanische Evidenz stammt aus zehn englischsprachigen PubMed-Arbeiten, überwiegend aus drei Zentren: CHA Gangnam (Seoul), Seoul National University Bundang Hospital und Pusan National University Hospital [s84, s200, s152, s95, s208, s33, s184, s224, s268, s97]. Das ist ein kleiner Fund; ob die koreanische Inlandsliteratur mehr enthält, lässt sich aus den Abrufen nicht sagen.

Die wichtigste Arbeit ist die prospektive Vergleichsstudie von Song und Mitarbeitern (CHA Gangnam, 2019 bis 2021): 65 Krebspatienten gegenüber 67 Kontrollen, die Samen für assistierte Reproduktion einfrieren ließen. Die Konzentration betrug 67,76 ± 59,50 gegenüber 95,52 ± 69,61 Mio/ml, die Gesamtbeweglichkeit 35,84 ± 11,13 gegenüber 41,58 ± 11,61 %; der DNA-Fragmentierungsindex lag bei 24,32 ± 15,69 gegenüber 19,11 ± 11,63 % (p = 0,033). Nach Ausschluss von acht Patienten, die schon vor dem Einfrieren Chemotherapie erhalten hatten, blieben Konzentration und Beweglichkeit signifikant niedriger, der Unterschied im DNA-Fragmentierungsindex aber nicht mehr (p = 0,069) [s84]. Die Untergruppen sind klein (7 bis 17 Patienten), die Kontrollen sind keine Gesunden, sondern Männer mit Einlagerung für assistierte Reproduktion, und der Altersunterschied beträgt etwa vier Jahre. Ku und Mitarbeiter (Pusan) werteten 66 Patienten aus, die vor Chemotherapie Sperma einfrieren ließen: Hodenkrebs 31, Non-Hodgkin-Lymphom 10, Hodgkin-Lymphom 5, Leukämie 8; die Konzentration und die Vitalität unterschieden sich signifikant zwischen den Krebsarten, nicht aber Volumen, Beweglichkeit und Morphologie. Die Autoren nennen die Studie die erste zur Kryokonservierung vor Krebstherapie in Korea; für das Hodgkin-Lymphom (n = 5) ist keine eigene Aussage möglich [s200]. Song und Mitarbeiter werteten 721 Krebspatienten (1996 bis 2016) aus, von denen 111 (15,4 %) erst während oder nach der Krebsbehandlung einfroren; 44 (6,1 %) nutzten ihr Material [s152]. Kim und Mitarbeiter (Bundang) untersuchten die Stabilität aufeinanderfolgender Ejakulate vor der Behandlung (86 Patienten retrospektiv, 81 Patienten prospektiv); die Intraklassen-Korrelation für die DNA-Fragmentierung betrug 0,68 (95 %-KI 0,45 bis 0,84) [s208, s95]. Park und Mitarbeiter (Seoul National University Hospital) werteten 298 Patienten von 11 bis 25 Jahren aus: 72,1 % versuchten die Einlagerung, in der jüngsten Altersgruppe nur 59,6 % [s33]. Yoon und Mitarbeiter (Goyang) untersuchten 105 Überlebende nach Krebs im Kindesalter; diese Arbeit zeigt Spermienbefunde nach, nicht vor der Therapie [s184]. Ein koreanisches Register zum Fertilitätserhalt wurde in den Abstracts nicht beschrieben; die Befragung von Takae und Mitarbeitern nennt aber für Korea (wie für Japan und Australien) eine eigene Fachgesellschaft oder Organisation für Fertilitätserhalt [s154].

**Leitlinien und Konsensus.** Eine koreanische Leitlinie wurde nicht als Quelle gefunden.

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Die Arbeiten erschienen in World Journal of Men's Health, Investigative and Clinical Urology, Clinical and Experimental Reproductive Medicine, Obstetrics & Gynecology Science und anderen englischsprachigen PubMed-indizierten Zeitschriften [s84, s200, s152, s95, s33]. Koreanischsprachige Zeitschriften wurden nicht erreicht.

**Regionale Besonderheiten.** Mehrere koreanische Kohorten weisen Männer aus, die erst während oder nach der Behandlung einfroren (15,4 %) [s152] oder bei denen vor dem Einfrieren Chemotherapie stattgefunden hatte (12,3 %) [s84]. Alle drei Zentren sind Universitätskliniken; die Zahl der Patienten ist klein, und die Arbeiten sind keine Register.

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** Die koreanischen Portale lieferten kein auswertbares Ergebnis: KCI war erreichbar, die Suche funktionierte aber nur per POST, die Detailseiten zeigten per curl keinen Abstract, und die Suche nach Krebs und Spermien ergab kaum einschlägige Titel; KoreaMed lieferte nur eine Rahmenseite ohne Trefferliste, eine zweite Adresse war nicht erreichbar; DBpia war nicht erreichbar. Die koreanische Literatur wurde ausschließlich über PubMed-indizierte Zeitschriften erreicht.

### Russisch

**Eigene Kohorten und Register.** Die russischsprachigen Quellen (19 Einträge) stammen aus CyberLeninka (Volltext durch Texterkennung) und aus Europe-PMC-Einträgen russischer Arbeiten mit englischem Abstract. Die Literatur ist dünn und besteht zu großen Teilen aus Kongressbeiträgen und Übersichten ohne eigene Primärdaten. Echte prätherapeutische Samenwerte liefert im Kern eine einzige Moskauer Arbeitsgruppe um Vinokurov, die dieselbe Kohorte von Männern mit Hodgkin-Lymphom in drei Veröffentlichungen beschreibt [s238, s236, s225]; sie zählt in einer Synthese nur einmal.

Die erste Fassung (2011) umfasst 30 Männer von 18 bis 35 Jahren mit nachgewiesener Fertilität (28 mit BEACOPP-14; Voraussetzung war Spermakryokonservierung oder nachgewiesene Vaterschaft). Vor der Therapie wurde das Ejakulat bei 12 der 30 Männer untersucht: Bei 6 (50 %) bestanden kombinierte Veränderungen der Spermatogeneseparameter; die mittlere Konzentration betrug 50,0 Mio/ml vor und 20,8 Mio/ml nach der Therapie, wobei der Konzentrationsabfall mit p = 0,094 das Niveau von 0,05 nicht erreichte, obwohl der Text ihn als signifikant bezeichnet [s238]. Die zweite Fassung (2012) umfasst 63 Patienten (1993 bis 2011); initiale Spermatogenesestörungen wurden bei 48 % (10 von 21) der prätherapeutisch untersuchten Männer gefunden, eine Azoospermie nach der Therapie bei 42 % (25 von 63); der Abstract nennt „Norm“ bei 12 % (19 von 63), was rechnerisch 30 % entspräche [s236]. Die dritte Fassung (2013) nennt für dieselben 63 Patienten nach Schema: ABVD 0 von 11, BEACOPP-14 13 von 30 (43 %), MOPP/ABVD 6 von 15 (40 %), BEACOPP eskaliert 4 von 7 (57 %); zusammen 23 von 63 (36,5 %), während die Fassung von 2012 42 % nennt, die Angaben sind also nicht deckungsgleich. Ejakulatparameter vor der Therapie lagen nur für 21 der 63 Männer (33 %) vor; in der BEACOPP-14-Gruppe hatten 9 von 13 (69 %) initiale Störungen, im Papier von 2011 waren es 6 von 12 (50 %) in derselben Gruppe [s225]. Die Serie hat Stärken (einzige regionale Serie mit Samenanalyse vor Therapie und Schemavergleich) und deutliche Schwächen: nur 33 % bis 40 % mit prätherapeutischem Spermiogramm, unterschiedliche Laborstandards, Selektion durch die Einschlussbedingung, kleine Gruppen.

Weitere Quellen: Zenkova und Mitarbeiter (Nowosibirsk, 2010) untersuchten 54 Männer mit Lymphogranulomatose oder Non-Hodgkin-Lymphom und 20 Gesunde, aber nur Hormone und keine Samenanalyse; vor und zu Beginn der Therapie fand die Gruppe bei der Mehrheit keine pathologischen Veränderungen, wobei nur etwa zehn Männer vor der Therapie untersucht wurden [s246]. Kostin, Kulchenko und Moskvichev (2017) und Kulchenko (2018) behandeln Hormone bei Azoospermie [s186, s170]; bei der Hodenbiopsie von 197 azoospermen Männern wurde bei 7 (3,5 %) ein Hodenkrebs entdeckt [s170]. Weitere Beiträge sind eine Übersicht zur Erholung nach Hodenkrebstherapie [s187], zur Gonadentoxizität [s185], zur Ejakulatqualität bei Keimzelltumoren [s198] und zu Strahlendosen am Hoden [s258]. Zu Kindern und Jugendlichen berichtet das Rogatschow-Zentrum, dass seit 2012 von 30 überwiesenen Patienten (mittleres Alter 16 Jahre) bei 24 (80 %) die Kryokonservierung durchgeführt wurde [s201]; weitere Übersichten betreffen Jungen mit Hodgkin-Lymphom [s158], die Hodengewebe-Kryokonservierung bei Jungen (Studienprotokoll ohne Ergebnisse) [s41] und Hirntumoren [s144]. Gubernatorova und Mitarbeiter untersuchten 23 Männer nach Kindheitstherapie (Medulloblastom oder ALL), mit Gonadotropinwerten ohne signifikante Gruppenunterschiede [s216]. Tierversuche betreffen CHOP bei Ratten und Cisplatin und Doxorubicin [s69, s129]. Zu Leukämien liegt aus dem russischsprachigen Raum keine Studie vor, die Ejakulatparameter vor der Therapie berichtet. Ein Register wurde nicht beschrieben.

**Leitlinien und Konsensus.** Eine russische Leitlinie wurde nicht als Quelle gefunden. Das nächstliegende Dokument ist ein unsigniertes Kongressabstract des Berufsverbands der Andrologen Russlands (2014), das ohne Literaturangaben schreibt, etwa die Hälfte der Patienten mit Hodentumor habe eine beeinträchtigte Spermatogenese und 70 % der Hodgkin-Patienten schon bei Vorstellung; die dort genannten Strahlendosen „300 Gy“ und „1200 Gy“ sind für die Gonadendosis nicht plausibel (die Übersicht [s258] nennt „über 300 rad“) und werden nur wörtlich berichtet; der Beweiswert ist niedrig [s211]. Rechtlich gilt seit dem 1. Januar 2021 nach Mamizhev und Mitarbeitern der Erlass Nr. 803n des Gesundheitsministeriums vom 31. Juli 2020, der die Kryokonservierung biologischen Materials für onkologische Patienten vor Chemo- und Strahlentherapie vorsieht [s89].

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Die russischsprachigen Arbeiten erschienen unter anderem in Klinische Onkohämatologie [s238], Maligne Tumoren [s236], Hämatologie und Transfusiologie [s225] und Onkourologie [s89]; der Verbandsabstract erschien in Translational Andrology and Urology [s211]. Kongressbeiträge und Übersichten überwiegen.

**Regionale Besonderheiten.** Erstens bietet das Rogatschow-Zentrum ein seit 2012 bestehendes Überweisungsprogramm mit kostenloser, schneller Abgabe (1 bis 2 Tage Dauer) [s201]. Zweitens liegt der Forschungsschwerpunkt auf hormonellen Prädiktoren der Spermatogenese (FSH, Inhibin B, AMH) [s186, s170]. Drittens ist das Schema BEACOPP-14 in der Moskauer Kohorte verbreitet, und die Autoren schließen, es sei weniger gonadotoxisch als die Literaturangaben zu BEACOPP (Azoospermie 87 % bis 93 %), mit 43 % Azoospermie [s238]. Viertens werden Strahlendosen teils in rad, teils in Gy angegeben, in einem Kongressabstract offenbar in fehlerhaften Einheiten [s211, s258]. Fünftens widmet eine Übersicht der Haltung von Islam, Judentum und anderen Religionen zur assistierten Reproduktion ein eigenes Kapitel [s89]. Sekundärangaben ohne eigene Daten (etwa 25 % bis 70 % initiale Spermatogenesestörungen bei Hodgkin-Lymphom und anderen Tumoren nach Vinokurov 2015, sowie 20 % bis 70 % in einer Übersicht über Jungen mit Hodgkin-Lymphom) sind als solche zu lesen [s201, s158].

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** CyberLeninka war erreichbar (zeitweise HTTP 503 bei schneller Abfolge) und lieferte Volltexte; eLIBRARY.ru war nicht nutzbar, die Abfrage wurde auf eine Sitzungsseite umgeleitet. Europe PMC fand mit dem Sprachfilter für Russisch mehr als 1.600 Treffer zur Samenanalyse allgemein, aber nur wenige zu Krebs.

### Arabisch

**Eigene Kohorten und Register.** Arabischsprachige Primärliteratur zu Krebs, Spermienqualität und Kryokonservierung wurde in keiner erreichbaren Datenbank gefunden: Die Abfrage von Europe PMC mit dem Sprachfilter für Arabisch lieferte auf allen Suchen null Treffer. Alle 15 Quellen mit der Kennzeichnung „ar“ sind englischsprachige Veröffentlichungen aus arabischsprachigen Ländern oder Mehrländerstudien. Prätherapeutische Samenqualität wird in ihnen fast nie gemessen; berichtet werden Beratung, Inanspruchnahme der Spermakryokonservierung und Barrieren. Ejakulatdaten vor einer Krebstherapie fehlen in dieser Gruppe weitgehend. Eine Ausnahme ist ein Laborbericht aus Oujda, Marokko (59 Verfahren, 2022 bis 2025): Onkologische Indikationen überwogen, vor allem Hodentumoren, danach hämatologische Malignome; die Richtung des Konzentrationsunterschieds zwischen onkologischen und anderen Patienten nennt der Abstract nicht [s07].

Die Befragungen: In Amman (Jordanien) wurden 186 junge Männer mit neu diagnostiziertem Krebs und geplanter potenziell kurativer Chemotherapie untersucht; häufigste Tumoren waren Non-Hodgkin-Lymphom (31,7 %), Leukämie (25,8 %) und Hodgkin-Lymphom (14,0 %). Beraten wurden 75,0 %, Spermabanking erfolgte bei 33,1 %, häufiger bei Ledigen (53,4 % gegenüber 17,7 %), Kinderlosen (51,8 % gegenüber 14,3 %) und hoch Gebildeten (47,6 % gegenüber 17,1 %); als Gründe für den Verzicht nannten die Patienten fehlende Information über das Unfruchtbarkeitsrisiko (26,2 %), Unkenntnis des Angebots (25,4 %) und Angst vor Behandlungsverzögerung (20,0 %) [s133]. Das ist die einzige regionale Studie mit nennenswertem Leukämie- und Lymphomanteil, die Spermakonservierung quantifiziert; Spermaparameter werden nicht berichtet. In Dschidda (Saudi-Arabien) erhielten von 135 Patienten im reproduktionsfähigen Alter 37,8 % eine Fertilitätsberatung, nur 17 % sahen einen Fertilitätsspezialisten; 87,4 % nutzten keine Methode zum Fertilitätserhalt, und Männer sind nicht getrennt ausgewertet [s92]. Eine qualitative Studie in Jordanien mit 15 Patienten fand „verweigerte Fruchtbarkeitsrechte“ und soziokulturelle und religiöse Einflüsse; Teilnehmer erfuhren oft erst nach Behandlungsbeginn davon [s08]. Aus der Sicht der Behandelnden: Unter 76 Onkologen in Saudi-Arabien hatten 40,8 % eine Schulung zum Fertilitätserhalt erhalten, 85,5 % äußerten Schulungsbedarf, 18,4 % überwiesen stets an Fertilitätsspezialisten [s21]; eine weitere Umfrage in Riad nennt, die meisten Onkologen zeigten gute Kenntnisse, die Teilnehmerzahl nennt der Abstract nicht [s73]; in Oman wünschten rund 94 % mehr Wissen [s72]; in Mosul (Irak) wurden 27 Gesundheitsfachkräfte interviewt [s01]; in Tanger (Marokko) kannten von 70 Onkologen nur 37 bestehende Zentren für Fertilitätserhalt, 38 % sprachen das Thema systematisch an [s06]. Ein Scoping Review zu Barrieren in der MENA-Region (22 Artikel eingeschlossen) ist die einzige systematische Zusammenfassung; sie wertet keine Spermadaten aus [s16]. Eine Umfrage unter Onkofertilitätszentren in 14 Ländern mit eingeschränkten Ressourcen (darunter Ägypten, Tunesien, Saudi-Arabien) hat eine Leitung in den USA und ist nur teilweise regional [s140]. Zur chronischen myeloischen Leukämie liegt eine Übersicht aus Katar vor [s50], zur Hodenkrebsforschung der MENA-Region eine bibliometrische Analyse (462 von 1.026 Publikationen; Türkei 56,7 %; häufigster Studientyp Fallberichte 48,3 %) [s32]. Tierversuche (Cisplatin bei Mäusen aus Kuwait, CHOP bei Ratten aus Kairo) sind Schutzstudien [s248, s118]. Zwei Veröffentlichungen aus der Region sind als zurückgezogen markiert und wurden nicht als Evidenz verwendet. Ein Register wurde nicht beschrieben.

**Leitlinien und Konsensus.** Es wurde keine arabischsprachige und keine regionale Leitlinie als Quelle gefunden. Mehrere Studien beklagen das Fehlen nationaler Leitlinien und Überweisungswege [s21, s73, s06].

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Die Arbeiten erschienen in englischsprachigen Zeitschriften wie Asia-Pacific Journal of Clinical Oncology [s01], Discover Oncology [s16], Journal of Assisted Reproduction and Genetics [s140] und Annals of Medicine and Surgery [s32]. Arabischsprachige Fachzeitschriften wurden nicht erreicht. Vom Teilbericht wird ein arabischsprachiger Artikel von Al-Baz (2014) über die Gefrierung von Spermien und Eizellen aus islamrechtlicher und medizinischer Sicht als vorhanden gemeldet, aber nur mit Titel und Schlagwörtern, ohne Abstract; er erfüllt das Kriterium „mindestens Abstract“ nicht und ist keine Quelle dieser Studie. Er zeigt aber, dass arabischsprachige Literatur zum Thema aus der Perspektive des islamischen Rechts existiert.

**Regionale Besonderheiten.** Erstens spielen Religion und Kultur in den Studien eine eigene Rolle: Ein saudischer Bericht nennt die Billigung bestimmter Einfrierverfahren für Eierstockgewebe, Eierstöcke und Eizellen durch einen Rat hoher Religionsgelehrter [s73]; die jordanischen Interviews berichten von einer „Kultur des Schweigens“ und der Vorstellung, Fertilitätserhalt sei „nur für Männer“ [s08]. Zweitens nennen die irakischen Interviewten die Scheu, im konservativen Umfeld über Fortpflanzung zu sprechen [s01]. Drittens verweisen die marokkanischen Autoren darauf, dass in Marokko wie in vielen arabischen Ländern ein relativ hoher Anteil der Krebspatienten junge Erwachsene sind [s06]. Viertens variieren die Barrieren nach Land [s16]. Fünftens gaben die Befragten in Oman an, bei Spermakryokonservierung kenntnisreich zu sein, nicht bei anderen Verfahren [s72], und in Saudi-Arabien bestanden Lücken besonders bei der Hodengewebe-Kryokonservierung [s21].

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** Europe PMC war erreichbar (null Treffer für Arabisch). Arab World Research Source und Dar Almandumah waren nicht erreichbar (Umleitung auf eine Anmeldeseite), ASJP lieferte einen Zertifikatsfehler, Al Manhal führte auf eine Vorschauseite ohne Abstract, Crossref lieferte keine einschlägigen medizinischen Treffer. Die arabischsprachige Literatur ist daher nicht beurteilbar: Ob sie existiert und was sie enthält, ließ sich nicht prüfen.

### Türkisch

**Eigene Kohorten und Register.** In der Master-Quellenliste tragen 21 Einträge die Kennzeichnung „tr“: Der gemeinsame Teilbericht für Russisch, Arabisch und Türkisch führt 55 Quellen, darunter 8 aus TR Dizin. Rein türkischsprachige Primärdaten zum Thema fanden sich nicht; die TR-Dizin-Datensätze enthalten türkische und englische Abstracts, die Originalarbeiten erscheinen überwiegend auf Englisch in internationalen Zeitschriften. Echte prätherapeutische Befunde liefern nur wenige Arbeiten.

Zum Hodentumor: Topuz und Mitarbeiter (Gülhane-Klinik Ankara) untersuchten 53 Männer mit Orchiektomie (2016 bis 2019); bei 29 (54,7 %) wurde vor der Operation ein Spermiogramm samt Kryokonservierung durchgeführt, die mittlere Konzentration betrug 24,21 Mio/ml. Der Abstract ist in sich nicht schlüssig: Die Beweglichkeitswerte der vier Kategorien (A 0,79 %, B 39,10 %, C 9,83 %, D 22,69 %) summieren sich nicht auf 100 %, und 47 von 53 entsprechen rechnerisch 88,7 %, nicht den im Text genannten 81 %; die Zahlen werden unverändert wiedergegeben [s125]. Culpan und Mitarbeiter (Istanbul und weitere Zentren) untersuchten bei 454 Patienten mit Keimzelltumor die nicht tumorösen Areale des Orchiektomiepräparats histologisch: 102 (22,5 %) hatten normale Spermatogenese, 177 (39,0 %) eine Hypospermatogenese und 175 (38,5 %) keine reifen Spermien; mit metastasiertem nicht seminomatösem Tumor waren Hypospermatogenese (Effektmaß 2,796; 95 %-KI 1,251 bis 6,250) und fehlende reife Spermien (3,907; 1,692 bis 9,021) verbunden. Das ist eine Histologie, keine Ejakulatanalyse, und erlaubt keinen Rückschluss auf einzelne Patienten [s48]. Tangal und Yığman (954 Männer mit Kinderlosigkeit, Acıbadem-Universität) fanden bei fünf Männern einen Hodentumor (alle Seminom; drei Oligospermie, zwei Azoospermie) [s123]. Uçar und Mitarbeiter befragten 110 Männer nach Hodenkrebstherapie (Antalya): 42,7 % hatten Sperma einfrieren lassen, 30 % wurden Väter [s141]. Altan und Mitarbeiter (nicht begutachteter Preprint) befragten Patienten nach retroperitonealer Lymphknotenausräumung: 38,5 % hatten Sperma kryokonserviert [s22].

Zu hämatologischen Erkrankungen und anderen Tumoren gibt es nur Befunde nach der Therapie: Karakaş und Mitarbeiter (Istanbul-Cerrahpaşa) untersuchten 54 männliche Überlebende einer kindlichen akuten lymphoblastischen Leukämie; bei 33 Männern mit Samenanalyse waren 42,4 % abnorm und 24,2 % azoosperm [s14]. Cakmakci und Mitarbeiter (Ankara) berichten bei 17 Männern von 38 Überlebenden kindlicher Sarkome, dass Azoospermie die häufigste Auffälligkeit war [s05]. Devecioğlu und Mitarbeiter (2003, Universität Istanbul, TR Dizin) untersuchten 50 Langzeitüberlebende einer Leukämie oder eines Lymphoms; bei 66 % war das Spermiogramm abnorm [s272]. Şalvarcı und Mitarbeiter (Konya) untersuchten 63 Männer mit persistierender Azoospermie nach Chemotherapie; Spermien wurden per Mikro-TESE bei 34,9 % gefunden [s100]. Sahin und Mitarbeiter (Istanbul) beschrieben bei 23 Männern mit Harnblasenkarzinom unter intravesikaler BCG-Therapie sinkende Spermienkonzentration und Beweglichkeit drei Monate nach der Induktion [s36]. Yildirim und Mitarbeiter (Onkologisches Institut der Universität Istanbul) beobachteten 17 männliche Jugendliche nach Einführung der Kostenübernahme: keine Ablehnung, 11 gaben eine Probe ab [s66]. Dazu kommen Tierversuche (Nilotinib bei Mäusen, BEP bei Ratten) [s175, s75], und eine Befragung von Ärzten und Pflegekräften der onkologischen Kliniken der Gesundheitsdirektion Istanbul [s223]. Ein türkisches Register wurde in den Abstracts nicht beschrieben.

**Leitlinien und Konsensus.** Eine türkische Leitlinie wurde nicht als Quelle gefunden. Die Befragung von 23 Kinderhämatoonkologen nennt, dass nur 43,47 % der ASCO-Leitlinie von 2006 folgten und 60,86 % das Fehlen institutioneller oder nationaler Standards als Hindernis nannten [s20]. Die Übersichten erscheinen in türkischen Zeitschriften und fassen die internationale Literatur zusammen: zur Hodenkrebs-Kryokonservierung (Taşkapu 2026; sie werde nach den Autoren nur bei etwa 30 % bis 40 % der Patienten angewendet) [s09], zur Onko-TESE (Avcı und Başar 2020) [s132], zur Fertilitätserhaltung bei Männern unter Chemotherapie (Shehata 2017) [s183] und zu Kindern, hämatologischen Erkrankungen und Fertilität [s117, s231, s139]. Das sind Aussagen der Autoren, keine Empfehlungen dieser Studie.

**Fachzeitschriften und Publikationswege.** Türkische Zeitschriften sind Androloji Bülteni [s09, s132], Gazi Medical Journal [s20], Güncel Pediatri [s223], Turkish Journal of Haematology [s231], Turkish Journal of Obstetrics and Gynecology [s183] und The Journal of Pediatric Academy [s117]. Die Originalarbeiten erschienen überwiegend auf Englisch in internationalen Zeitschriften.

**Regionale Besonderheiten.** Erstens übernimmt die nationale Krankenversicherung nach Yildirim Verfahren und Lagerung bei Jugendlichen; nach der Einführung lehnte keiner der 17 Patienten ab [s66]. Zweitens stellt die Türkei 56,7 % (262 Beiträge) der Hodenkrebs-Publikationen der MENA-Region, meist Fallberichte und Diagnostik [s32]. Drittens berichteten 70 % der Ärzte und 42 % der Pflegekräfte Istanbuler onkologischer Kliniken über fehlende schriftliche Regeln zur Spermakonservierung; als Einflussfaktoren werden Kultur, religiöse Überzeugungen und Arbeitsbelastung genannt [s223]. Viertens nennen Kinderhämatoonkologen Therapiedringlichkeit (78,26 %), Kosten und Versicherungshürden (60,86 %) und fehlende Standards (60,86 %) als Hindernisse; die türkischsprachige Fassung desselben Abstracts nennt teils andere Prozentwerte [s20]. Fünftens fällt die Rolle der Beratung auf: Vom Hodenkrebs-Kollektiv waren 74,5 % beraten worden [s141].

**Erreichbarkeit der Datenbanken.** Europe PMC war erreichbar. Die TR-Dizin-Weboberfläche war gesperrt (HTTP 403), die JSON-Schnittstelle antwortete aber und lieferte Titel, Zeitschrift und Abstracts; die Treffermengen waren klein (zum Beispiel 47 für „sperm kanser“). DergiPark war nicht nutzbar (Weiterleitung auf eine Bestätigungsseite gegen automatisierte Abfragen). Mit dem Sprachfilter für Türkisch fanden sich 7 beziehungsweise 41 Treffer ohne einschlägige Arbeit.

Dieses Kapitel führt die Befunde der übrigen Kapitel zusammen und fragt, wo sich die Studien widersprechen, woran das liegen kann und was die Literatur insgesamt tragen kann. Es enthält keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnostik. Alle Zahlen stammen aus den Rechercheberichten zu dieser Studie oder aus Abrufen der PubMed-Datensätze über die NCBI-E-utilities; sie beruhen in der großen Mehrzahl auf Abstracts, nicht auf Volltexten. Wo eine Erklärung nur eine Vermutung ist, wird sie so bezeichnet. Wo Autorinnen und Autoren eine Empfehlung aussprechen, wird sie ihnen zugeschrieben.

## Widersprüche und ihre mögliche Erklärung

Die Literatur zur Spermienqualität vor der Behandlung ist nicht deshalb widersprüchlich, weil einzelne Studien fehlerhaft wären, sondern weil sie verschiedene Fragen mit verschiedenen Messzeitpunkten, Vergleichsgruppen und Definitionen beantworten. Die folgenden Abschnitte stellen die wichtigsten Widersprüche nebeneinander. Jeder Abschnitt nennt zuerst die Befunde, dann die Erklärungen, die sich aus den Studien selbst ableiten lassen, und zuletzt, was offen bleibt.

### Wie viele Männer mit Hodgkin-Lymphom sind vor der Therapie normozoosperm?

Der Anteil normozoospermer Männer mit Hodgkin-Lymphom reicht in den Studien von 14 % bis 75 %. In der Samenbank Pordenone waren es im prospektiven Teil 14 % der Hodgkin-Patienten [s228]. In den Studien der German Hodgkin Study Group fanden Sieniawski und Mitarbeiter vor der Behandlung 20 % Normozoospermie, 11 % Azoospermie und 69 % andere Dyspermie bei 202 Patienten [s256]; in der Teilgruppe der BEACOPP-Studien waren es 6 von 26 (23 %) [s257]. Fitoussi und Mitarbeiter fanden bei 94 Männern in 53 % einen normalen oder subnormalen Befund [s278], Blackhall und Mitarbeiter bei 122 Männern in 66 % einen Befund im Normbereich [s275], und Paoli und Mitarbeiter bei 519 Patienten in 75 % Normozoospermie [s195]. In der EORTC-GELA-Auswertung von 474 Männern mit Hodgkin-Lymphom im Frühstadium hatten 41 % eine gute, 49 % eine intermediäre und 7 % eine schlechte Spermienqualität, 3 % waren azoosperm [s251]. Gandini und Mitarbeiter berichteten, dass nur 24,5 % der Hodgkin-Patienten eine Gesamtspermienzahl unter 40 × 10^6 pro Ejakulat hatten [s271]. Die Moskauer Kohorte berichtet über Störungen der Spermatogeneseparameter bei 48 % bis 69 % der vor der Therapie Untersuchten, abhängig von der Veröffentlichung [s225, s236, s238].

Mögliche Erklärungen, die sich aus den Studien ergeben:

- **Definition und Referenzwerte.** Die Studien nutzen unterschiedliche Auflagen der WHO-Referenzwerte (1992, 1999, 2010, 2021) und unterschiedliche Kategorien. „Normal oder subnormal“ [s278], „im Normbereich“ [s275], „Normozoospermie“ [s195, s256] und „gute Qualität“ nach Konzentration und Beweglichkeit [s251] sind verschiedene Endpunkte. Der Bericht zur Recherche hält ausdrücklich fest, dass Prozentangaben zur Normozoospermie zwischen Studien nicht ohne Weiteres vergleichbar sind.
- **Selektion.** Von 2.362 Männern der EORTC-Studien lagen nur für 474 (20 %) Daten vor [s251]; Fitoussi erfüllten 94 von 316 vorgeschlagenen Männern die Einschlusskriterien [s278]. Wer in eine Auswertung eingeht, ist bereits durch Beratung, Bereitschaft und Möglichkeit zur Probenabgabe vorsortiert.
- **Stadium, Symptome und Fieber.** Die Studien mischen Früh- und Spätstadien unterschiedlich (EORTC nur Frühstadien [s251]; GHSG-BEACOPP fortgeschrittene Stadien [s257]). Mehrere Studien verknüpfen die Qualität mit Fieber und B-Symptomen (siehe unten).
- **Zeitraum.** Blackhall untersuchte Männer von 1978 bis 1990 [s275], Paoli ein einzelnes Labor mit WHO 2010 [s195]. Labortechnik, Abstinenzzeiten und Beurteilungskriterien haben sich in dieser Zeit verändert; die Berichte sagen dazu im Einzelnen nichts.
- **Bezug zur Fertilität.** Auch der Befund „subnormal“ schließt nicht aus, dass eine Probe für eine assistierte Befruchtung ausreicht; mehrere Autorengruppen halten die Ausgangsqualität trotz Einschränkungen für ausreichend [s228, s251, s274].

Offen bleibt, ob die Streuung eher Messartefakte und Selektion abbildet oder echte Unterschiede zwischen Patientengruppen. Eine gemeinsame Auswertung mit einheitlicher Definition liegt nicht vor.

### Hängt die Qualität vom Stadium und von Allgemeinsymptomen ab?

Hier widersprechen sich die Studien in beide Richtungen. Keine Korrelation mit dem Stadium fanden Fitoussi [s278], van der Kaaij [s251] und Hallak vor dem Einfrieren [s279]; auch Agarwal berichtet für Hodentumor und Hodgkin-Krankheit keinen Bezug des Stadiums zur Samenqualität [s276]. Eine Verschlechterung in den Stadien III und IV berichten dagegen Gandini [s271] und Laddaga (zusätzlich bei B-Symptomen) [s96]; Magnanti fand Geschwindigkeit und Linearität schon in den Stadien I und II beeinträchtigt, die Spermienzahl erst im Stadium III, symptomatische Patienten unabhängig vom Stadium schwer betroffen [s286].

Bei den Allgemeinsymptomen ist das Bild ebenfalls uneinheitlich. In der EORTC-GELA-Auswertung sagten B-Symptome (Odds Ratio 2,77; 95-%-Konfidenzintervall 1,50 bis 5,12), eine Blutsenkung von mindestens 50 mm/h (2,35; 1,24 bis 4,43), Fieber (3,22; 1,41 bis 7,33) und Nachtschweiß (3,78; 1,97 bis 7,26) eine schlechte Spermienqualität voraus [s251]. Bei Jungen mit Hodgkin-Lymphom kam eine niedrige Spermienkonzentration bei B-Symptomen häufiger vor (76 % gegenüber 26 %, adjustierte Odds Ratio 2,3) [s49]. Fitoussi dagegen fand keine Korrelation mit B-Symptomen, Alter oder Laborwerten [s278], und in der kleinen BEACOPP-Gruppe war in der univariaten Analyse kein Risikofaktor signifikant [s257].

Mögliche Erklärungen: Die Studien mit negativem Befund sind klein oder durch die Auswahl begrenzt (94 Männer [s278]; 38 Männer, davon rechnerisch 26 mit Vorbehandlungsbefund [s257]), sodass ein mittlerer Effekt unentdeckt bleiben kann; die große EORTC-Studie hatte die Aussagekraft, ein Konfidenzintervall anzugeben, und fand den Zusammenhang, aber nur bei den Allgemeinsymptomen und nicht beim Stadium. Das passt zu der Deutung, dass nicht die anatomische Ausbreitung, sondern die systemische Entzündung (Fieber, Nachtschweiß, Blutsenkung) das Ejakulat beeinflusst. Diese Deutung ist eine Hypothese; die Autoren von [s49] betonen den Gesamtzustand und das entzündliche Milieu, messen es aber nicht direkt.

### Ist die Krankheit selbst, ist Fieber oder ist ein Messartefakt verantwortlich?

Die älteste Kontroverse der Literatur betrifft die Frage, ob eine verminderte Spermienqualität vor der Behandlung ein eigenes Krankheitszeichen ist. Ragni und Mitarbeiter fanden 1985 bei 35 unbehandelten Hodgkin-Patienten 65 % Asthenozoospermie, 46 % Teratozoospermie und 28 % Oligozoospermie, dazu niedrige Testosteronwerte und eine erniedrigte LH-Antwort auf GnRH, und sahen darin ein spezifisches Symptom infolge einer Funktionsstörung der Hypothalamus-Hypophysen-Achse [s302]. Marmor und Mitarbeiter fanden 1986 bei 57 Patienten Mittelwerte im Normbereich; von 19 Patienten mit auffälligem Spermiogramm hatten zwölf kürzlich oder aktuell Fieber, und bei Temperaturen unter 38,5 Grad Celsius fand sich nur eine Asthenozoospermie, bei höherer Temperatur schwerere Veränderungen. Sie schlossen, die Auffälligkeiten seien wahrscheinlich nicht erkrankungsspezifisch, sondern fieberbedingt [s301]. Magnanti und Mitarbeiter fanden bei 20 unbehandelten Patienten eine erhöhte LH-Pulszahl gegenüber Kontrollen; die Pathogenese lassen die Autoren offen [s286].

Neuere Studien stützen weder die eine noch die andere Seite vollständig. Paoli und Mitarbeiter folgern aus ihren Daten, das Hodgkin-Lymphom selbst sei nicht die Hauptursache der Beeinträchtigung [s195]. Drechsel und Mitarbeiter sehen bei Jungen die niedrige Konzentration offenbar mit der Erkrankung selbst verbunden [s49]. Proteomdaten zeigen bei 38 Hodgkin-Patienten vor der Therapie herunterregulierte Proteine für Kapazitation, Akrosomreaktion, Beweglichkeit und DNA-Schadensregulation gegenüber 42 gesunden Spendern, allerdings an je drei Proben in der Massenspektrometrie [s137]. Im Mausmodell der akuten myeloischen Leukämie verschlechterte die Erkrankung allein die Spermienparameter und die Fertilität [s148]. Eine Übersicht nennt als mögliche Beiträge beim Hodentumor testikuläre Dysgenesie, kontralaterale Beeinträchtigung, Keimzellneoplasie in situ, lokale Tumoreffekte sowie oxidative und proteomische Veränderungen, wobei die Evidenz unterschiedlich sei [s13].

Die plausibelste Lesart, die sich aus den Daten ableiten lässt, ist keine Entweder-oder-Antwort: Fieber erklärt einen Teil der Auffälligkeiten beim Hodgkin-Lymphom, und der Anteil, der darüber hinausgeht, ist nicht sicher bestimmt. Ein unsigniertes Kongressabstract russischer Andrologen nennt paraneoplastische Hyperthermie, Zytokine und eine Störung der Blut-Hoden-Schranke als Mechanismen [s211]; es nennt keine Belege und gilt in den Berichten als Quelle mit niedrigem Beweiswert. Die Zahlen und Aussagen aus dieser Quelle werden deshalb hier nicht als Befund verwendet.

### Verglichen womit? Die Wahl der Kontrollgruppe entscheidet über die Aussage

Fast alle Studien mit Kontrollgruppe finden bei Krebspatienten niedrigere Werte; zugleich liegen die Mediane häufig im Normbereich. Beides ist kein Widerspruch, sondern eine Folge der Vergleichsgruppen.

- Fan und Mitarbeiter verglichen 413 Patienten mit 798 gematchten Samenspendern aus 9.170 und fanden bei Krebs im Mittel eine Verminderung von 17,1 × 10^6/ml in der Konzentration, 67,6 × 10^6 in der Gesamtzahl, 9,8 % in der Gesamtbeweglichkeit und 6,4 % bei den Normalformen [s93]. Spender sind eine besonders fruchtbare Auswahl, was Unterschiede vergrößern kann.
- Shrem und Mitarbeiter verglichen 313 Patienten mit Männern einer Fertilitätsabklärung (Konzentration 65,6 % niedriger) und mit fertilen Männern aus einem Referenzdatensatz (alle Parameter signifikant niedriger); die Mediane lagen bei den meisten Parametern dennoch im WHO-Normbereich [s102].
- Cariati und Mitarbeiter nutzten als Kontrollen 63 Männer ohne Krebs aus einem IVF-Paarkollektiv; die Gesamtbeweglichkeit der Patienten lag unter der 5. Perzentile [s24].
- Tang und Mitarbeiter verglichen mit Männern, die aus anderen Gründen einfroren, zum Beispiel wegen Oligozoospermie [s104]; Song und Mitarbeiter mit Männern mit Kryokonservierung für assistierte Reproduktion, bei einem Altersunterschied von etwa vier Jahren [s84].
- Williams fand bei Hodentumor Dichte und Beweglichkeit im mittleren Bereich der Referenzkollektive und bei allen anderen Malignomen eine Dichte im fertilen Bereich [s252]; Caponecchia berichtete mediane Basiswerte oberhalb der 5. Perzentile der WHO-Referenz [s190]; Ordoqui nannte die Werte der Krebsgruppe überraschend fast normal [s165].

Aus den Studien folgt, dass die Aussage „vermindert“ und die Aussage „im Normbereich“ meist beide zutreffen: Die Verteilung der Patienten ist gegenüber Gesunden nach unten verschoben, aber ein großer Teil liegt weiterhin über den unteren Referenzgrenzen. Shrem und Mitarbeiter weisen zusätzlich darauf hin, dass die fünfte Perzentile Männern mit verlängerter Zeit bis zur Schwangerschaft entspreche [s102]. Das bedeutet für die Einzelperson: Aus einem Gruppenmittelwert lässt sich weder ein normaler noch ein auffälliger Befund ableiten. Die Bandbreite innerhalb einer Studie ist groß; in der EORTC-Auswertung reichte die Konzentration von 0 bis 345 × 10^6/ml [s251].

### Hodentumor: Seminom oder Nicht-Seminom, und vor oder nach der Orchiektomie?

Beim Hodentumor widersprechen sich zwei Fragen. Die erste lautet, welche Histologie die Spermienproduktion stärker beeinträchtigt. Rives und Mitarbeiter fanden im französischen CECOS-Netz bei 1.158 Männern vor der Orchiektomie bei Seminomen eine signifikant niedrigere Konzentration und Gesamtzahl als bei Nicht-Seminomen (p < 0,001) und folgerten, Seminome beeinträchtigten die Spermienproduktion stärker, offenbar bevorzugt im tumortragenden Hoden [s235]. Gandini und Mitarbeiter [s271], Vicari und Mitarbeiter [s266] und Pong und Mitarbeiter [s196] fanden das Gegenteil: Seminompatienten hatten bessere Parameter; bei Pong lag die Konzentration bei Seminomen bei 21,5 gegenüber 11,8 × 10^6/ml bei Nicht-Seminomen (p < 0,027). Tovar-Rodríguez und Mitarbeiter sahen bei Nicht-Seminomen veränderte Hormonwerte und mehr Oligo- oder Azoospermie [s213]; eine Übersicht berichtet einen ausgeprägteren Effekt bei Nicht-Seminomen [s127]. Keinen signifikanten Unterschied fanden Badia [s74] und Hamano [s163]; Liu und Mitarbeiter fanden nach dem Auftauen bei Seminomen eine höhere Beweglichkeit [s115].

Mögliche Erklärungen aus den Studien: (1) Der Messzeitpunkt. Rives betont, dass nach der Orchiektomie die Parameter bei Nicht-Seminomen abnahmen, bei Seminomen nicht; die Proben der übrigen Studien wurden überwiegend nach der Orchiektomie gewonnen [s235, s266, s271]. (2) Tumormarker: Gandini fand einen signifikanten Unterschied aller Samenvariablen zwischen Männern mit erhöhtem und normalem beta-hCG [s271]; bei Pong waren ein hohes Alpha-Fetoprotein und ein großes Tumorvolumen mit schlechter Samenqualität und Misserfolg der Kryokonservierung verbunden (Alpha-Fetoprotein über 1.000 ng/ml: p = 0,010 in der multivariaten Analyse) [s196]. Sollten Nicht-Seminome häufiger mit hohen Markerwerten einhergehen, wäre die Histologie möglicherweise nur ein Stellvertreter; das ist eine Vermutung, die die Berichte nicht belegen. (3) Das verbleibende Gewebe: Vicari fand bei azoospermen Patienten ein vermindertes Volumen des verbleibenden Hodens und deutete dies als zufällige kontralaterale Erkrankung [s266]. (4) Kleine Gruppen: Vicari 24 Patienten, Tovar-Rodríguez 37, Pong 50. Auf Gewebeebene fanden Culpan und Mitarbeiter bei 454 Orchiektomiepräparaten nur in 22,5 % eine normale Spermatogenese im nicht tumorösen Gewebe, in 39,0 % eine Hypospermatogenese und in 38,5 % keine reifen Spermien [s48]; das beschreibt Gewebe, nicht das Ejakulat.

Die zweite Frage lautet, ob der Samen vor oder nach der Orchiektomie eingelagert werden sollte. Rives und Mitarbeiter sprechen sich für die Einlagerung vorzugsweise vor der Orchiektomie aus [s235]. Buonacquisto und Mitarbeiter fanden 2026 nach der Orchiektomie einen Rückgang von Gesamtspermienzahl und Progressivmotilität und mehr Morphologieauffälligkeiten, zugleich aber eine signifikant sinkende Spermien-DNA-Fragmentierung, und halten die Probe nach der Orchiektomie wegen der besseren DNA-Integrität für möglicherweise besser geeignet für assistierte Reproduktion [s04]. Höppner und Mitarbeiter sahen bei 19 Patienten vor und nach der Orchiektomie keinen offensichtlichen Unterschied [s300]. Hamada und Mitarbeiter berichteten bei sehr kleinen Gruppen (12 Hodentumor-Patienten, 25 mit anderen Tumoren) nach ICSI mit eingelagertem Samen eine höhere Fehlgeburtenrate beim Samen von Hodentumor-Patienten (43,8 gegenüber 9,1 %; p < 0,05) ohne Unterschied der Schwangerschaftsrate; sie führen dies auf Chromosomenveränderungen oder DNA-Fragmentierung zurück und erwägen, Samen nach der Behandlung könnte weniger betroffen sein, messen dies aber nicht [s10]. Die Aussagen sind nicht miteinander vereinbar und auch nicht direkt widerlegbar: Zahl und Beweglichkeit sprechen für den früheren Zeitpunkt, DNA-Integrität in einer einzelnen Studie für den späteren, und die klinische Bedeutung der DNA-Fragmentierung in diesem Zusammenhang ist unbewiesen.

### Ist die Spermien-DNA schon vor der Behandlung geschädigt?

Die Befunde zur DNA-Fragmentierung vor der Behandlung sind nicht einheitlich. Erhöhte Werte berichten O'Flaherty und Mitarbeiter bei Hodentumor und Hodgkin-Lymphom [s234, s243, s255], Ståhl und Mitarbeiter bei Keimzelltumor (mittlere Differenz zu Kontrollen 7,7 Prozentpunkte) und Hodgkin-Lymphom (7,0) [s250], Bujan und Mitarbeiter bei Lymphomen im Vergleich zu 257 fertilen Männern [s204], Calamai und Mitarbeiter bei Krebspatienten (22,50 % gegenüber 12,75 % bei normozoospermen subfertilen Patienten und 8,50 % bei gesunden Spendern) [s76] sowie Farnetani und Mitarbeiter beim Non-Hodgkin-Lymphom (40,5 % gegenüber 28 % bei Kontrollen) [s51]. Smit und Mitarbeiter fanden dagegen bei Hodentumor, Hodgkin-Lymphom und gemischten Malignomen keinen signifikanten Unterschied zu Kontrollen, nur beim Non-Hodgkin-Lymphom [s245]. Song und Mitarbeiter sahen bei 65 Patienten einen höheren Index (24,32 % gegenüber 19,11 %; p = 0,033), der nach Ausschluss von acht Patienten mit Chemotherapie vor dem Einfrieren nicht mehr signifikant war (p = 0,069), während Konzentration und Beweglichkeit signifikant niedriger blieben [s84].

Erklärungsansätze: (1) Andere Verfahren und Einheiten (Sperm Chromatin Structure Assay, TUNEL mit Durchflusszytometrie, Halosperm) sowie frische oder aufgetaute Proben, die sich nicht direkt vergleichen lassen; die Studie von Ståhl untersuchte kryokonservierte Proben [s250], die von Farnetani frische [s51]. (2) Vorbehandlung: Das Beispiel von Song zeigt, dass schon eine kleine Zahl chemotherapeutisch vorbehandelter Männer ein Ergebnis kippen kann [s84]. (3) Fallzahl: Ståhl hatte nur 18 Hodgkin-Patienten [s250]. (4) Ausschlusskriterien: Farnetani schloss stark oligozoosperme Männer aus, weil TUNEL mindestens fünf Millionen Spermien benötigt [s51]. Nach der Behandlung widersprechen sich die Daten ebenfalls: Ståhl sah keinen Anstieg [s250], Smit eine Abnahme [s245], Farnetani bei Non-Hodgkin-Lymphom niedrigere Werte nach drei Jahren, aber bei 11,6 % beziehungsweise 13,3 % der Patienten mit Hodgkin- beziehungsweise Non-Hodgkin-Lymphom einen schweren Schaden zwei Jahre nach der Behandlung [s51]. Calamai fand die Korrelation von Fragmentierung und oxidativem Stress über alle Personen mit r = 0,591, bei Krebspatienten allein nur mit r = 0,200 [s76], was nach Ansicht der Autoren für zusätzliche Mechanismen neben oxidativem Angriff spricht. Für die Planung relevant: Kim und Mitarbeiter fanden bei drei aufeinanderfolgenden Ejakulaten von 81 Patienten für die DNA-Fragmentierung einen Intraklassen-Korrelationskoeffizienten von 0,68 (95-%-Konfidenzintervall 0,45 bis 0,84) [s95]; der Wert ist innerhalb einer Person relativ stabil, das Intervall wegen der kleinen Zahl aber breit.

### Leukämie: schlechteste Ausgangsqualität oder nahezu normal?

Mehrere große Serien nennen für Leukämien die ungünstigsten Werte. Auger und Mitarbeiter fanden bei 4.480 Patienten nur 37 % der Leukämiepatienten normozoosperm und bei Hodentumor und Leukämie eine viermal niedrigere mediane Gesamtspermienzahl als bei Kontrollen [s189]. Hotaling und Mitarbeiter fanden die schlechteste Gesamtzahl beweglicher Spermien bei Leukämien (lymphatisch vor dem Einfrieren 26,8 × 10^6, myeloisch nach dem Auftauen 6,9 × 10^6) [s222]. Cariati und Mitarbeiter fanden die Gesamtbeweglichkeit bei Leukämie am stärksten vermindert [s24], Liu und Mitarbeiter in Chengdu bei 18 Leukämiepatienten eine mediane Konzentration von 18,5 × 10^6/ml und den höchsten Anteil von Männern ohne einfrierbare Spermien (46,2 %, bezogen auf hämatologische Neoplasien) [s116]; im japanischen Landesvergleich lag die Erfolgsrate der Kryokonservierung bei hämatologischen Neoplasien bei 82,5 % gegenüber 93,6 % bei Hodentumor [s169]. Dem stehen andere Befunde gegenüber: Buonacquisto und Mitarbeiter berichteten für akute Leukämie mediane Werte oberhalb der 25. Perzentile [s23], Meguro und Mitarbeiter bei vor Therapiebeginn eingefrorenen Proben fast aller 38 hämatologischen Patienten normale Konzentration und Beweglichkeit [s253], und Bahadur und Mitarbeiter fanden bei Jugendlichen über die Krankheitsgruppen ähnliche Spermienzahlen außer bei akuter myeloischer Leukämie [s274].

Die wichtigste Erklärung aus den Studien ist der Zeitpunkt der Probe. Saito und Mitarbeiter fanden, dass von 20 Leukämie- oder Lymphompatienten vor Chemotherapie 10 (50 %) die WHO-Referenzwerte erreichten, von 69 Patienten, die erst nach Beginn der Chemotherapie kamen, nur 9 (13 %), bei 42 % Azoospermie [s273]. Takeshima und Mitarbeiter fanden bei bereits Behandelten eine signifikant niedrigere Spermiendichte (p = 0,003); 63,9 % der gescheiterten Kryokonservierungen betrafen Männer, die erst nach Behandlungsbeginn überwiesen worden waren [s155]. Liu und Mitarbeiter führen eine Azoospermie bei 22,2 % der Leukämiepatienten auf den dringlichen Behandlungsbeginn vor der Kryokonservierung zurück [s60]; Chang und Mitarbeiter deuten eine niedrigere Spermienzahl bei chronischer myeloischer Leukämie als Hinweis auf eine Sammlung nach Therapiebeginn [s263]. Ob akute Erkrankung und Zeitdruck selbst eine Rolle spielen, ist in den Abstracts nicht gemessen. In den Serien mit überwiegend vorbehandelten Männern erscheint Leukämie daher möglicherweise „schlechter“, als es die Spermienproduktion vor jeder Therapie wäre. Ob die Leukämie darüber hinaus die Spermienqualität senkt, kann aus den Serien nicht getrennt werden; das einzige Modell, das Krankheit und Chemotherapie trennt, ist ein Mausversuch [s148].

### Non-Hodgkin-Lymphom: günstig oder ungünstig?

Pallotti und Mitarbeiter berichteten bei 222 Männern mit Non-Hodgkin-Lymphom, die vor jeder Behandlung einlagerten, mehr als 80 % Normozoospermie [s120]. Dem stehen 25 % Normozoospermie in der Pordenone-Serie [s228], 11 von 24 Männern mit normalem Spermiogramm bei Naccache und Mitarbeitern [s288], ein erhöhter DNA-Fragmentierungsindex bei Non-Hodgkin-Patienten in der Studie von Smit [s245] und eine signifikante Verminderung der Gesamtbeweglichkeit bei Cariati (p = 0,004) [s24] gegenüber. Erklärungen: unterschiedliche Fallzahlen (222 gegenüber 24 und 25 Männern), unterschiedliche Definitionen und der Ausschluss von Komorbiditäten bei Pallotti, der die Gruppe bereinigt [s120]. Innerhalb der Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome war die Qualität bei aggressiven Verläufen schlechter als bei indolenten (p < 0,05) [s120]. Die Datenlage ist hier deutlich dünner als beim Hodgkin-Lymphom, sodass die Frage nicht entschieden ist.

### Hämatologische Patienten: bessere Samenqualität, aber geringere Schwangerschaftsraten?

Negoro und Mitarbeiter fanden bei Männern mit hämatologischen Erkrankungen eine höhere Konzentration als bei Keimzelltumoren (46,1 gegenüber 32,6 × 10^6/ml), aber niedrigere Schwangerschafts- und Geburtsraten nach Nutzung (3 von 9 gegenüber 12 von 16 erfolgreichen Verläufen) [s164]. Hier steht ein Befund gegen die Erwartung, dass bessere Ausgangsqualität zu besseren Ergebnissen führt. Weitere Studien finden eine schwache oder keine Verbindung zwischen Ausgangsqualität und Behandlungserfolg: Hamano fand keine Korrelation der Parameter vor der Therapie mit den ICSI-Ergebnissen [s163]; Pening und Mitarbeiter keinen Zusammenhang zwischen Konzentration und Erfolg [s98]; Chen und Mitarbeiter in Kanada ebenfalls keinen [s47]. Dagegen fanden Marchiani und Mitarbeiter, dass die Wiedergewinnung von Beweglichkeit und Vitalität nach dem Auftauen stark von der Ausgangsqualität abhängt und bei Proben unter 2 × 10^6 Spermien/ml gegen null geht [s81].

Die Studie von Negoro nennt selbst Faktoren, die nicht mit der Samenqualität zusammenhängen: Das Alter bei der Kryokonservierung unterschied sich zwischen erfolgreichen und nicht erfolgreichen Verläufen (30,0 gegenüber 35,3 Jahre; p < 0,05), und nur 59 % der hämatologischen Patienten kryokonservierten vor der Chemotherapie (Keimzelltumor 90 %) [s164]. Weitere denkbare Einflüsse, etwa das Alter der Partnerin oder die Zahl der Behandlungszyklen, werden in den Abstracts nicht berichtet. Zugleich unterscheiden sich die Endpunkte: Die Zahl der Spermien nach dem Auftauen, die Befruchtung unter ICSI und die Geburt sind drei verschiedene Ebenen. Auger und Mitarbeiter folgern, für die Mehrzahl der Patienten wäre ICSI nötig [s189]; die Metaanalyse von Li fand pro Zyklus eine klinische Schwangerschaftsrate von 34 % bei ICSI, 24 % bei IVF und 9 % bei IUI [s58]. Wenn überwiegend ICSI eingesetzt wird, ist es plausibel, dass die Ausgangskonzentration das Ergebnis weniger bestimmt als bei Inseminationen; die Studien prüfen dies nicht direkt.

### Verliert die Kryokonservierung bei Krebspatienten mehr als bei Gesunden?

Agarwal fasste die Erfahrung der Cleveland Clinic so zusammen, der prozentuale Rückgang durch das Einfrieren sei ähnlich wie bei gesunden Spendern, nur der Ausgangswert sei niedriger [s276]; Agarwal und Mitarbeiter fanden 1996 keine Unterschiede im Einfriereffekt zwischen den Patientengruppen [s283]. Hallak und Mitarbeiter fanden dagegen 1999 bei Leukämiepatienten einen stärkeren prozentualen Rückgang von beweglicher Spermienzahl und Beweglichkeit gegenüber Spendern (p < 0,05) [s280]. Auger und Mitarbeiter fanden nach dem Auftauen eine Progressivmotilität von etwa der Hälfte der Spenderkandidaten und bei fast der Hälfte der Proben von Hodentumor- oder Leukämiepatienten weniger als 0,5 × 10^6 bewegliche Spermien je Paillette gegenüber 4,3 × 10^6 bei Spenderkandidaten [s189]. MacKenna und Mitarbeiter fanden bei 543 Hodentumorpatienten eine Verminderung der Gesamtzahl beweglicher Spermien um 32 % durch Einfrieren und Auftauen [s181]; bei Hotaling hatte nur die Hodentumorgruppe eine signifikant geringere Chance auf mehr als 5 × 10^6 bewegliche Spermien nach dem Auftauen [s222].

Der scheinbare Widerspruch löst sich teilweise auf, wenn relativer und absoluter Verlust unterschieden werden: Der relative Verlust kann ähnlich sein, der absolute Verlust bleibt bei niedriger Ausgangszahl für die Verwendbarkeit entscheidend. Ob die Leukämie darüber hinaus die Empfindlichkeit gegenüber dem Einfrieren erhöht, stützt sich auf die Studie von Hallak mit nur 25 Patienten [s280]; die Studien von Freour und Mitarbeitern [s229] und Marchiani [s81] sprechen allgemein für eine Abhängigkeit von Krebsart und Ausgangsqualität, die Abstracts nennen aber keine Zahlen dazu.

### Wie oft werden eingelagerte Proben genutzt? Von 2 % bis 27 %

Die Nutzungsrate eingelagerter Proben reicht in den Einzelstudien von 2,2 % (Hodentumor, Chile [s181]) über 3,2 % (Kanada [s47]), 3,7 % (16 Regionen in China [s60]) und 4 % (Italien [s124], Südchina [s116]) bis 9,8 % (Japan [s179]), 21 % (EORTC-GELA, Hodgkin-Lymphom [s214]) und 27 % (aktuarielle 10-Jahres-Rate bei Hodgkin-Krankheit [s275]). Gepoolt liegt sie bei 8 % [s191] beziehungsweise 9 % (95-%-Konfidenzintervall 8 bis 10 %) [s58]. Ferrari und Mitarbeiter fanden eine Korrelation zwischen Nachbeobachtungsdauer und Nutzungsrate (R² = 0,46; p = 0,03) und halten die Rate wegen kurzer Nachbeobachtung für möglicherweise unterschätzt [s191].

Gründe für die Spannweite: (1) Nachbeobachtung: Die Rate wächst mit der Zeit; die mediane Zeit bis zur Nutzung betrug 18 Monate (Spanne 1 bis 131) in Kanada [s47], 51 Monate (1 bis 158) in Korea [s152]. (2) Bezugsgröße: Ping und Mitarbeiter fanden bei den vor der Behandlung kinderlosen Hodentumorpatienten, die Samen eingelagert hatten, 23,8 % Nutzung [s210]; bezogen auf alle eingelagerten Proben liegen die Zahlen niedriger. Pallotti fand, dass von 176 Männern mit Fertilitätsdaten nur 22 (12,5 %) Kinder wünschten [s120]. (3) Population: Hodgkin-Überlebende nutzen häufiger [s214, s275]; in Hongkong, Taiwan und China werden Raten von etwa 4 % bis 6 % berichtet [s104, s219, s263]. (4) Struktur: Jordanien zeigte, dass Ledige, Kinderlose und Hochgebildete häufiger Samen einlagern (53,4 %, 51,8 % und 47,6 % gegenüber 17,7 %, 14,3 % und 17,1 %) [s133]. (5) Sterblichkeit: Blackhall fand eine aktuarielle 10-Jahres-Rate von 13 % für Tod vor Nutzung [s275]; Saito fand unter 60 Patienten mit Nicht-Keimzelltumoren 13 (22 %) Todesfälle im Verlauf [s273].

Auch der Ertrag pro Nutzer wird unterschiedlich angegeben: 49 % der Nutzer wurden Eltern (gepoolt, 19 Arbeiten) [s191]; 37 % (34 von 92) in Stockholm [s64]; 60 % der Männer mit Kinderwunsch unter Einschluss natürlicher Konzeption bei Überlebenden hämatologischer Krebserkrankungen [s35]; 70,7 % pro Patient in einer japanischen Kohorte [s159]. Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Nenner (Nutzer, Paare, Männer mit Kinderwunsch) und sind nicht poolbar. Die Metaanalyse beschreibt zudem, dass die Raten in neueren Studien günstiger waren und asiatische Studien höhere Verwerfungs- und Schwangerschaftsraten berichteten [s58]. Daraus folgt, dass eine geringe Nutzungsrate nicht belegt, dass die Kryokonservierung entbehrlich wäre; sie kann auch Folge von Überleben ohne Fertilitätsverlust, fehlendem Kinderwunsch oder kurzer Nachbeobachtung sein, und die Studien trennen diese Ursachen nicht.

### Zahlen, die sich innerhalb einer Quelle oder zwischen Fassungen widersprechen

Mehrere Berichte weisen auf interne Unstimmigkeiten hin. Vier davon wurden an den PubMed-Datensätzen nachgeprüft:

- **Ståhl 2009 [s250].** Der Abstract nennt für Keimzelltumoren eine mittlere Differenz von 7,7 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,2 bis 8,8; der Punktschätzer liegt damit nahe der Obergrenze, nicht in der Mitte. Der Abstract wurde erneut abgerufen und ist wortgleich; der Widerspruch bleibt ungeklärt (ein Druck- oder Rundungsfehler ist eine Vermutung, kein Befund).
- **Molnár 2014 [s209].** Der Abstract (ungarisch, mit englischer Fassung) nennt eine signifikant niedrigere Konzentration bei Hodentumor gegenüber Lymphomen, gibt aber 32,8 gegenüber 24,9 × 10^6/ml an; die Zahlen laufen entgegen der Aussage. Der erneut abgerufene Abstract bestätigt diese Angaben; der Widerspruch bleibt ungeklärt.
- **Sieniawski 2008, BEACOPP [s257].** Der Abstract nennt 38 Männer; die Vorbehandlungsangaben (6 normozoosperm = 23 %, 20 dysperm = 77 %) entsprechen rechnerisch einer Basis von 26, die Zahl der vor der Behandlung Untersuchten wird nicht gesondert genannt (bestätigt).
- **Topuz 2021 [s125].** Die Beweglichkeitskategorien A bis D (0,79 %, 39,10 %, 9,83 % und 22,69 %) ergeben zusammen 72,41 % und nicht 100 %; der Wert für Kategorie A ist ungewöhnlich niedrig; auch „hypervaskulär n = 47 (81 %)“ entspricht rechnerisch 88,7 % von 53 (der Abstract wurde erneut abgerufen und ist in dieser Form gedruckt).

Weitere Unstimmigkeiten wurden in den Berichten festgestellt, aber nicht gesondert überprüft, weil keine zugänglichen Primärdaten abgerufen wurden: Die Moskauer Hodgkin-Kohorte ist in drei überlappenden Veröffentlichungen enthalten [s225, s236, s238]; die Azoospermierate nach der Therapie wird in der Fassung von 2012 mit 42 % (25 von 63), in der Fassung von 2013 aus den Gruppenwerten mit 23 von 63 (36,5 %) angegeben; der Anteil mit initialen Störungen in der BEACOPP-14-Gruppe beträgt 6 von 12 (50 %) in der Fassung von 2011 und 9 von 13 (69 %) in der Fassung von 2013. Bei Prades und Mitarbeitern weichen die geschätzten Einlagerungsraten für Lymphome zwischen Artikel (Hodgkin 40 %, Non-Hodgkin 7 %, Männer von 15 bis 49 Jahren) und Kongressabstract (Hodgkin 51 %, Non-Hodgkin 15 %, Männer von 0 bis 59 Jahren) ab, vermutlich wegen des Altersfensters [s83, s91]. Zhou und Mitarbeiter geben für Blutkrebs 22,31 % mit n = 66 an, was rechnerisch nicht zu 251 Männern passt [s157]. Bei der Hochschulschrift aus Rouen nennt die Recherche zu den englisch- und europäischsprachigen Quellen 56 Patienten [s43], der Datensatz der Master-Quellenliste dagegen n = 86; ob es sich um unterschiedliche Teilgruppen handelt, wurde nicht geklärt, und die Fallzahl dieser Quelle wird in diesem Kapitel nicht verwendet. Bei Liu und Mitarbeitern in Chengdu summieren sich die Gruppenzahlen der Tabelle 1 zu 313 statt 339 [s116]. Solche Abweichungen entwerten keine einzelne Aussage, zeigen aber, wie vorsichtig Abstract-Zahlen zu behandeln sind.

### Weitere Spannungen in kürzerer Form

- **Hodentumor: Zahl und Beweglichkeit.** Kobayashi und Mitarbeiter fanden bei Hodentumor die niedrigste Konzentration (30,5 × 10^6/ml), aber die höchste mittlere Beweglichkeit (59,6 %) [s179]. Bussen fand bei Hodentumor 18,7 gegenüber 35,6 × 10^6/ml bei anderen Malignomen und bei keinem der 16 Hodentumorpatienten Normozoospermie [s267]. MacKenna fand dagegen bei 44,3 % der Proben alle Parameter normal [s181]. Die Beweglichkeit scheint weniger betroffen als die Zahl; die Gruppen sind sehr verschieden groß (16 gegenüber 543 Patienten).
- **Ejakulationsfunktion nach Lymphknotenausräumung.** Nach retroperitonealer Lymphknotenausräumung wurde vollständiger oder teilweiser Ejakulationsverlust bei 71 % [s297], in einer Übersicht bei 23,5 bis 80 % der Fälle [s277] und bei rund 70 % der Männer in einer japanischen Befragung [s282] berichtet; bei einem modifizierten Verfahren trat in einer türkischen Preprint-Studie eine Ejakulationsstörung bei 14,8 % auf, bei der vollständigen bilateralen Schablone bei 67,9 % [s22]. Diese Zahlen betreffen die Zeit nach der Behandlung, nicht die Ausgangsqualität; sie werden hier genannt, weil sie in der Literatur als Argument für die frühe Einlagerung dienen, ohne es allein zu beweisen.
- **Hodgkin-Behandlung.** Die Azoospermierate nach Behandlung wird für BEACOPP-14 niedriger angegeben als in den GHSG-Daten (43 % [s225] gegenüber 87 % bis 93 % [s256, s257]); die Autoren der Moskauer Serie schließen daraus, BEACOPP-14 sei weniger gonadotoxisch [s238]. Die Gruppen sind nicht vergleichbar (30 gegenüber 38 Männern, mediane Nachbeobachtung in der Moskauer Serie 10 Monate [s238]). Diese Frage betrifft die Folgen der Behandlung und liegt außerhalb des Schwerpunkts „vor der Behandlung“.

## Limitationen der Evidenz

### Studiendesign und Datengrundlage

Die große Mehrheit der Studien sind retrospektive Auswertungen einzelner Samenbanken oder Kliniken. Das ist zugleich Stärke (große Zahlen, einheitliche Laborverfahren, zum Beispiel 4.480 Patienten in einem Labor [s189] oder 1.034 in einem Zentrum [s87]) und Schwäche. Prospektive Studien mit Kontrollgruppe sind selten; genannt werden in den Berichten etwa die prospektive Kohorte von Bujan mit 75 Lymphompatienten und 257 Kontrollen [s204], die EuroNet-PHL-C2-Zusatzstudie mit 101 Jungen [s49], die Studie von Farnetani mit 78 Patienten und 79 Kontrollen [s51] und die Studie von Song mit 65 Patienten und 67 Kontrollen [s84]. Randomisierte Studien zur Frage der Spermienqualität vor der Behandlung gibt es naturgemäß nicht; die Behandlungsstudien (zum Beispiel HD21 mit 1.183 Patienten im gebärfähigen Alter, davon 692 Männer [s25]) liefern keine Ausgangsspermiogramme. Die Aussagekraft der Metaanalysen ist durch die Ausgangsstudien begrenzt: Li und Mitarbeiter fassten 69 nicht randomisierte Studien zusammen und nennen selbst 36 Jahre Datenspanne mit wechselnden WHO-Standards, kleine Studien ohne Kontrollgruppe und fehlende Auswertung nach Tumorart und Schweregrad; sie arbeiteten mit Studienmittelwerten statt mit Patientendaten [s58].

### Selektion: Wer gelangt überhaupt in die Auswertung?

Nur Männer, die Samen abgeben konnten und wollten und rechtzeitig überwiesen wurden, gehen in die Serien ein. Die Zahlen zeigen die Größenordnung: In Guangdong kam von 1.194 Männern bei 160 die Kryokonservierung nicht zustande (acht konnten keine Probe abgeben, 25 hatten nach der Krebstherapie eine Azoospermie, 127 lehnten die Einlagerung azoospermer oder extrem schlechter Proben ab) [s87]. Fitoussi schloss 94 von 316 Männern ein [s278], die EORTC-Auswertung hatte Daten von 474 von 2.362 Männern [s251], und Naccache hatte bei 213 Non-Hodgkin-Patienten nur bei 24 ein Ausgangsspermiogramm [s288]. Fernández-González berichteten, dass 23 % der Proben erst nach Behandlungsbeginn gewonnen wurden (median 84 Tage danach) [s53]. Bei Jugendlichen erschweren Alter und Entwicklungsstand: In einer Kinderklinik versuchten 85 % der pubertären Patienten die Einlagerung, 78 % erfolgreich [s176], in Korea war jüngeres Alter mit dem Verzicht auf den Versuch verbunden [s33]. Männer, die wegen eines raschen Therapiebeginns nicht kommen konnten, fehlen in den Daten; die Studien haben keine Möglichkeit, ihre Samenqualität zu erfassen.

### Messzeitpunkt und Störgrößen

Die Spermienqualität hängt vom Zeitpunkt relativ zur Orchiektomie, zu einem Fieberschub, zur Abstinenzzeit und zum Behandlungsbeginn ab. Die Berichte halten mehrfach fest, dass viele Serien diese Größen nicht kontrollieren [s87, s189, s245]. In Guangdong waren Operation und Tumorart nicht trennbar: Wer vor dem Einfrieren operiert worden war, hatte eine niedrigere mediane Konzentration (33,0 gegenüber 51,0 × 10^6/ml; p < 0,05) [s87]. Die Probenzahl pro Patient ist uneinheitlich; Kim und Mitarbeiter zeigten, dass das Volumen an Folgetagen niedriger war, andere Parameter aber stabil blieben [s95, s208]. Die Stichprobe von 81 und 86 Männern erlaubt nur breite Intervalle, und sie sagt nichts über Männer mit sehr schlechter Qualität oder dringlichem Behandlungsbeginn.

### Vergleichsgruppen, Referenzwerte und Endpunkte

Gesunde Parallelkontrollen mit identischer Methodik fehlen in fast allen Serien. Die verwendeten Vergleichsgruppen (Samenspender, Männer einer Fertilitätsabklärung, Partner Schwangerer, Männer einer Vasektomiekohorte) decken unterschiedliche Teile der Verteilung ab, und Spender sind besonders fruchtbar ausgewählt [s24, s93, s102, s104, s252]. Die Studien nutzen verschiedene Auflagen der WHO-Referenzwerte; die Angaben zur „Normozoospermie“ lassen sich nicht poolen. Konfidenzintervalle fehlen in der Mehrzahl der Abstracts; berichtet werden sie vor allem von [s48, s58, s191, s251]. Die Endpunkte reichen von der Zahl (Konzentration, Gesamtzahl) über die Funktion (Beweglichkeit, Vitalität, Morphologie) und das Chromatin (DNA-Fragmentierung) bis zum klinischen Ergebnis (Schwangerschaft, Geburt); gerade die für Betroffene wichtigen patientenzentrierten Endpunkte hängen von der Nachbeobachtungsdauer ab [s58, s191].

### Tumorarten mit dünner Datenlage

Für Sarkome, Hirntumoren, gastrointestinale, Kopf-Hals- und andere Tumoren stehen überwiegend gemischte Samenbankserien zur Verfügung [s85, s87, s93, s102, s116, s145, s169, s189, s252]. Die Metaanalyse von Li weist darauf hin, dass die meisten Studien nicht zwischen Tumorarten unterschieden [s58]; eine systematische Übersicht zu nicht-Brust-soliden Tumoren fand 102 Studien (33 Fallberichte oder Fallserien, 69 analytische Studien), die in Design, Behandlung und Ergebniskriterien stark uneinheitlich waren [s19]. Zu Prostatakrebs gibt es nur kleine Gruppen (19 Patienten in Brüssel [s98]) oder eine einzelne Auswertung, in der diese Gruppe die beste Samenqualität hatte [s222]; zu Brustkrebs bei Männern fand die Recherche zu Chinesisch, Japanisch und Koreanisch keine Daten. Für das Hodgkin-Lymphom allein gibt es in den chinesischen, japanischen und koreanischen Sprachräumen keine eigenständige Studie; die Aussagen beruhen auf Untergruppen (in Korea fünf Patienten) [s93, s197, s200]. In den russisch-, türkisch- und arabischsprachigen Räumen fehlen Daten zu Leukämien, Non-Hodgkin-Lymphomen und anderen Tumoren vor der Therapie vollständig; die prätherapeutischen Samendaten stammen dort aus Hodentumorserien und einer einzigen Moskauer Hodgkin-Arbeitsgruppe [s48, s125, s225, s236, s238].

### Was die Zeit und das Verfahren verändert

Ein Teil der deutschsprachigen Arbeiten stammt aus den Jahren 1986 bis 1993 und beschreibt Samenbanken vor der ICSI (Höppner [s300], Barth [s298], Schubert [s297], Kolodziej [s295], Holland-Moritz [s294], Hänggi [s292], Köhn [s299], Joos [s291]). Ihre Kriterien (zum Beispiel mehr als 10 × 10^6 Spermien/ml und mehr als 30 % Beweglichkeit für die Annahme der Probe [s297, s300]) gelten heute nicht mehr in dieser Form; Sanger berichtete Empfängnisse nach IVF mit weniger als 1 × 10^6 beweglichen Spermien [s293], und Auger folgert, dass für die Mehrzahl der Patienten ICSI nötig wäre [s189]. Die Berichte zeigen, dass in neueren Serien die Raten günstiger sind [s58]. Auch die Behandlungsschemata haben sich verändert (zum Beispiel BrECADD gegenüber eBEACOPP [s25]), sodass Folgedaten älterer Kohorten nicht ohne Weiteres auf heutige Therapien übertragbar sind.

### Überschneidende Kohorten, Mehrfachveröffentlichungen und Umfang der Master-Liste

Mehrere Arbeiten stammen aus denselben Zentren und überlappen möglicherweise: Sichuan [s29, s59, s60, s115, s116], Guangdong [s87, s93, s126], CHA Gangnam [s84, s152], Bundang [s95, s208], Yokohama [s10, s57, s85, s88, s106, s155, s156, s169], Taipei Veterans General [s55, s86], Sichuan Cancer Hospital [s136, s143] und die Moskauer Hodgkin-Kohorte in drei Fassungen [s225, s236, s238]. Aus 323 Einträgen der Teilrecherchen wurden 20 Dubletten (gleiche PMID oder DOI) zusammengeführt; 303 Quellen bleiben. Diese Zusammenführung betrifft die identische Veröffentlichung, nicht die inhaltliche Überschneidung verschiedener Veröffentlichungen derselben Kohorte; deshalb darf die Zahl der Quellen nicht mit der Zahl unabhängiger Patientengruppen gleichgesetzt werden. Die Recherche zu den russisch-, türkisch- und arabischsprachigen Quellen schloss zudem zwei in Europe PMC als zurückgezogen markierte Veröffentlichungen aus.

### Abstractebene, Sprache und Datenbankzugang

Alle Zahlen stammen überwiegend aus Abstracts. Volltexte wurden nach Angabe der Berichte nur für wenige Arbeiten gelesen: vier Arbeiten aus dem chinesisch-japanisch-koreanischen Teil [s84, s87, s116, s200] und die Volltext-OCR der russischen Quellen aus CyberLeninka. Die Rubriken zu Stärken und Schwächen beruhen auf Design, den im Abstract genannten Einschränkungen und allgemeinen methodischen Merkmalen; sie sind keine Bewertung mit einem formalen Instrument, und eine eigene Metaanalyse wurde nicht gerechnet. Bei nicht englischen Quellen wurden häufig nur die englischen Abstracts gelesen (laut Recherchebericht sieben chinesischsprachige und 14 japanischsprachige Artikel, null koreanischsprachige). Mehrere Datenbanken waren nicht erreichbar oder lieferten keine auswertbaren Treffer: Cairn, SciELO, LILACS und Dialnet (Recherche zu Englisch und den europäischen Sprachen), CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed und DBpia (Recherche zu Chinesisch, Japanisch und Koreanisch), eLIBRARY.ru, DergiPark und arabische Plattformen (Recherche zu Russisch, Arabisch und Türkisch). Für Arabisch gab es keinen erreichbaren Zugang; alle „arabischen“ Quellen sind englischsprachige Veröffentlichungen aus arabischsprachigen Ländern. Ein arabischsprachiger Artikel zur Spermien- und Eizellgefrierung aus islamrechtlicher und medizinischer Sicht war nur als Vorschauseite ohne Abstract erreichbar und wurde nicht aufgenommen. Die Abwesenheit portugiesischsprachiger Originalstudien ist deshalb eine Lücke des Zugangs und kein Beleg für das Fehlen solcher Literatur.

### Sekundärangaben und Quellen mit niedrigem Beweiswert

Einige russischsprachige Übersichten und Kongressbeiträge nennen Zahlen, die ihre Autoren ohne Quellenangabe oder aus nicht abgerufenen Quellen zitieren (Anteile von 20 bis 70 % Auffälligkeiten beim Hodgkin-Lymphom, Verluste durch das Einfrieren [s158, s186, s198, s201]); sie sind Sekundärangaben und wurden in diesem Kapitel nicht als Befund verwendet. Ein unsigniertes Kongressabstract nennt Strahlendosen in Einheiten, die für die Gonadendosis nicht plausibel sind, und wurde nur zur Beschreibung angeführt [s211]. Auch einige Studien aus dem arabischen Raum messen keine Samenparameter, sondern Beratung und Praxis [s21, s92, s133].

### Tierversuche

Die Tierstudien zur Wirkung der Erkrankung allein sind sehr selten: das Mausmodell der akuten myeloischen Leukämie [s148] und das Walker-256-Modell an Ratten ohne Samenanalyse [s121]. Die übrigen Tierarbeiten betreffen überwiegend Chemotherapeutika und Schutzstoffe (zum Beispiel Busulfan, Cisplatin, CHOP) [s28, s52, s56, s68, s69, s75, s97, s118, s129, s142, s175, s248]. Sie liefern Mechanismen, keine Aussagen über Patienten vor der Behandlung; Dosen und Zeitverläufe entsprechen nicht klinischen Schemata, und die Gruppen sind klein (zum Beispiel 18 Tiere [s69], je 2 bis 8 Ratten [s129]).

### Die umgekehrte Richtung

Studien, in denen Subfertilität dem Krebs vorausgeht, deuten darauf hin, dass ein Teil der Auffälligkeiten bei Hodentumorpatienten schon vor der Erkrankung bestanden haben könnte. Hanson und Mitarbeiter fanden bei 20.433 Männern mit Samenanalyse ein erhöhtes Hodentumorrisiko (HR 3,3; Konfidenzintervalle im Abstract nicht genannt) [s193], die Metaanalyse von Behboudi-Gandevani fand eine gepoolte Odds Ratio von 1,91 (95-%-Konfidenzintervall 1,52 bis 2,42) für Hodentumor bei Männern mit Infertilitätsdiagnose [s111], während die EPSAM-Fall-Kontroll-Studie keinen Zusammenhang zwischen ärztlich gestellter Infertilitätsdiagnose oder einem Versuch zu empfangen über mindestens 12 Monate und dem Risiko fand [s192]. Diese Befunde machen es schwer, bei Hodentumorpatienten zwischen Tumoreffekt und vorbestehender Hodenfunktionsstörung zu unterscheiden; keine der Studien zur Samenqualität vor der Behandlung löst dieses Problem.

## Offene Forschungsfragen

Aus den Widersprüchen und Grenzen der Evidenz ergeben sich Fragen, die die vorliegende Literatur nicht beantwortet. Sie sind als Fragen formuliert und nicht als Empfehlung an Forschende oder Betroffene.

1. **Wie groß ist der Anteil des Fiebers, der systemischen Entzündung und der Krankheit selbst?** Die Daten von Marmor [s301], van der Kaaij [s251] und Drechsel [s49] sprechen für einen Beitrag von Fieber und Allgemeinsymptomen. Eine prospektive Studie, die Körpertemperatur, Entzündungsmarker (zum Beispiel Blutsenkung) und Samenparameter bei derselben Person im Verlauf misst, liegt nicht vor.
2. **Wie verhält sich die Samenqualität vor der Behandlung bei Leukämien, Non-Hodgkin-Lymphomen und seltenen Tumoren?** Die Daten sind durch den Probenzeitpunkt verzerrt [s155, s273]; Serien mit Proben ausschließlich vor jeder Therapie und mit Parallelkontrolle sind selten. Für Sarkome, Hirntumoren, gastrointestinale und Kopf-Hals-Tumoren fehlen große Einzelserien [s19, s58].
3. **Welche Rolle spielt die DNA-Fragmentierung für das Ergebnis assistierter Reproduktion bei Krebspatienten?** Die Messungen vor der Behandlung sind uneinheitlich [s84, s245, s250], und die Beziehung zu Fehlgeburten beruht bisher auf einer sehr kleinen Gruppe [s10]. Ob frische Proben nach der Behandlung oder eingelagerte Proben vor der Behandlung günstiger sind [s04, s250], ist nicht entschieden.
4. **Wann ist beim Hodentumor der günstigste Einlagerungszeitpunkt relativ zur Orchiektomie?** Zahl und Beweglichkeit sprechen in einer Studie für vorher [s235], DNA-Integrität in einer anderen für nachher [s04]. Eine Studie, die beide Zeitpunkte bei denselben Patienten mit Geburtsendpunkt vergleicht, fehlt.
5. **Wie lässt sich die Nutzung eingelagerter Proben vorhersagen und wie hoch ist der tatsächliche Bedarf?** Raten von 2,2 % bis 27 % [s181, s275] sind ohne einheitliche Nenner (alle Einlagerer, Männer mit Kinderwunsch, Überlebende) nicht vergleichbar [s191]. Langfristige, standardisierte Registerdaten mit Angabe von Überleben, Kinderwunsch und natürlicher Zeugung wären nötig; als Ansatz gelten Registerverknüpfungen wie in Stockholm [s64] und das japanische Onkofertilitätsregister [s65].
6. **Verlieren Krebspatienten beim Einfrieren relativ mehr als Gesunde?** Die Befunde von Agarwal und Hallak widersprechen sich [s276, s280]; Studien mit gleicher Ausgangszahl und parallelem Auftautest in gesunden und Krebsgruppen mit genügender Fallzahl fehlen. Unklar ist auch, ab welchen Ausgangswerten die Wiedergewinnung für assistierte Reproduktion praktisch zu klein wird; Marchiani bestimmten dafür Grenzwerte, die der Abstract nicht nennt [s81].
7. **Gibt es erkrankungsspezifische molekulare Muster?** Proteom-, Methylom- und kleine-RNA-Studien liegen vor [s77, s79, s137, s150], aber an kleinen oder gepoolten Gruppen; größere Studien sind nötig, wie die Autoren selbst schreiben [s79].
8. **Welche Wirkungen haben neuere Therapien?** Tyrosinkinasehemmer (zum Beispiel Imatinib [s12], Nilotinib im Mausmodell [s175]), Immuntherapien und Checkpoint-Inhibitoren sind kaum untersucht [s54]; auch Daten zu Nachkommen sind spärlich (zum Beispiel keine Fehlbildungen bei 37 gesunden Kindern in einer Befragung [s210]).
9. **Wie unterscheiden sich Hodgkin-Lymphome und Non-Hodgkin-Lymphome in Kohorten mit einheitlichen Methoden?** Studien zum Hodgkin-Lymphom allein fehlen in den ostasiatischen Sprachräumen (Befund der Recherche zu Chinesisch, Japanisch und Koreanisch), zum Non-Hodgkin-Lymphom ist die Datenlage dünn [s120, s288].
10. **Wie lässt sich die Versorgung unabhängig vom Land und von Kosten gestalten?** Kostenübernahme und strukturierte Wege veränderten in einzelnen Berichten die Inanspruchnahme [s65, s66, s80]; kontrollierte Studien zu dieser Frage liegen nicht vor. Die Hindernisse sind in vielen Ländern vergleichbar (Zeitdruck, fehlende Information, Kosten, fehlende Überweisungswege [s01, s06, s20, s21, s72]).
11. **Wie geht man mit der Altersgrenze bei Kindern und jungen Jugendlichen um?** Für präpubertäre Jungen ist die Hodengewebe-Kryokonservierung nach dem Abstract der ASCO-Leitlinie 2025 experimentell und solle nur in einer klinischen Studie angeboten werden [s37]; die Ergebnisse dazu sind nicht abgeschlossen (zum Beispiel ein Studienprotokoll [s41]). Die Daten zu jungen Jugendlichen sind dünn: In einer chinesischen Serie waren nur 13 von 275 Jugendlichen 13 bis 14 Jahre alt [s59].
12. **Wie sollten Studien berichten, damit sie vergleichbar werden?** Einheitliche Definition der Normozoospermie (welche WHO-Auflage), Angabe von Zeitpunkt der Probe relativ zu Therapie, Operation und Fieber, Konfidenzintervalle, Fallzahlen aller Untergruppen und eindeutige Nenner für Nutzungsraten würden viele Widersprüche in diesem Kapitel entschärfen.

## Praktische Einordnung

Dieser Abschnitt fasst zusammen, was die Literatur für das Verständnis der eigenen Situation hergibt. Er ist keine Therapieempfehlung und kein Ersatz für Diagnostik, ärztliche Beratung oder die Abstimmung mit dem behandelnden Team. Wo Fachgesellschaften etwas empfehlen, ist es ihre Aussage, wie sie in den abgerufenen Abstracts steht.

### Was die Studien über Einzelfälle sagen und nicht sagen

Gruppenwerte lassen keine Aussage über den Einzelnen zu. Die Bandbreite ist groß: In der EORTC-Auswertung lag die Konzentration zwischen 0 und 345 × 10^6/ml bei einem Median von 40 [s251]; bei Hodentumoren hatten 22,5 % der Patienten in der Gewebeuntersuchung eine normale Spermatogenese und 38,5 % keine reifen Spermien [s48]. Die meisten Serien berichten, dass ein erheblicher Teil der Männer vor der Behandlung Werte im Normbereich hat (zum Beispiel 66 % bei Blackhall [s275], mehr als 80 % bei Pallotti zum Non-Hodgkin-Lymphom [s120]), und dass ein anderer Teil niedrige oder keine Spermien hat (zum Beispiel 11 % Azoospermie bei Sieniawski [s256], 22,2 % Azoospermie bei Leukämiepatienten in einer chinesischen Erhebung, die die Autoren auf den dringlichen Behandlungsbeginn zurückführen [s60]). Ein Blick auf diese Spannen macht deutlich, dass nur die Untersuchung der eigenen Probe Auskunft über den eigenen Befund gibt; sie kann durch Fieber, Abstinenzzeit und Zeitpunkt der Probe beeinflusst sein (siehe oben). Die Studien von Kim zeigen, dass Ejakulate derselben Person an aufeinanderfolgenden Tagen in vielen Parametern ähnlich ausfallen (Intraklassen-Korrelationskoeffizienten von 0,67 bis 0,76 für Volumen, DNA-Fragmentierung und Gesamtzahl beweglicher Spermien), während das Volumen an den Folgetagen niedriger war [s95, s208].

### Was Fachgesellschaften und Leitlinien aussagen

Nach dem Abstract der ASCO-Leitlinie von 2025 solle Männern vor krebsgerichteter Behandlung die Spermienkryokonservierung angeboten werden, mit testikulärer Spermienextraktion, wenn keine Probe abgegeben werden kann; Hodengewebe bei präpubertären Jungen sei experimentell und nur in klinischen Studien anzubieten; auf möglicherweise höhere genetische Schädigungsrisiken in Spermien, die kurz nach Therapiebeginn oder -ende gewonnen werden, solle hingewiesen werden; die Evidenzbasis umfasst 166 Studien [s37]. Die französischen Leitlinien (Veröffentlichung 2022) formulieren laut Abstract, bei pubertären Jungen müsse die Spermienkryokonservierung jedem Mann angeboten werden, der eine Krebsbehandlung erhält, unabhängig von der Toxizität [s99]. Ein Vergleich von NCCN (2025), ASCO (2025), COSA (2022) und ESMO (2020) stellt fest, dass die Spermienkryokonservierung stark empfohlen werde [s03]. Die japanische JSCO-Leitlinie von 2017 und die Leitlinie der Japanischen Urologischen Gesellschaft von 2024 behandeln den Fertilitätserhalt ebenfalls; die Abstracts nennen keine Einzelempfehlungen zu Spermien [s38, s94, s105]. Ein italienischer Konsensus (FIL/SIRU, 2023) und ein spanischer multidisziplinärer Konsens (2022) liegen vor, die Abstracts nennen keine konkreten Samenwerte [s82, s101]. In Russland ist nach Angaben einer Übersicht seit 1. Januar 2021 die Kryokonservierung biologischen Materials für onkologische Patienten vor Chemo- und Strahlentherapie als angezeigt festgelegt [s89]. Nicht alle Gremien äußern sich: Die abgerufenen Abstracts der EAU-Leitlinie 2025 und der AUA/ASRM-Leitlinie (Teil I, 2021) nennen keine Aussage zur Spermienkryokonservierung bei Krebs [s31, s122]; die ESHRE-Leitlinie betrifft nur die weibliche Fertilitätsprotektion [s131], und die Cochrane-Übersicht zum Thema betrifft Frauen [s39]. Die AWMF-Leitlinie von 2017 (veröffentlicht 2018) hat Aussagen zu Jungen und Männern nach eigener Angabe nicht zum Schwerpunkt [s162], die Fassung vom Mai 2025 (veröffentlicht 2026) nennt als Ziel Empfehlungen für präpubertäre Mädchen und Jungen und für Patienten im reproduktionsfähigen Alter [s15].

### Was die Literatur zu Zeitpunkt und Ablauf zeigt

Mehrere Studien zeigen, dass der Zeitpunkt der Einlagerung die Ausgangslage bestimmt: Proben nach Behandlungsbeginn haben niedrigere Dichte und mehr Azoospermie [s53, s155, s273], und die Einlagerung vor der Therapie gelingt in Serien mit höherer Rate [s273]. Eine französische Auswertung schätzt die Einlagerungsraten auf 41 % (Hodentumor), 40 % (Hodgkin-Lymphom) und 7 % (Non-Hodgkin-Lymphom) [s83]. In einer Studie zur Versorgung betrug die Zeit von der Überweisung bis zur Konsultation im Median 4 Tage [s46], in einem anderen Zentrum im Median 2 Tage [s02], und die Einlagerung in einem russischen Kinderzentrum dauerte nach Angaben der Autoren 1 bis 2 Tage und verzögere die Krebstherapie kaum [s201]. Kostenübernahme veränderte in einzelnen Berichten die Inanspruchnahme: In Berlin stieg sie nach der Übernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung [s80], bei 17 türkischen Jugendlichen gab es nach der Kostenübernahme keine Ablehnung [s66], und Menzel und Mitarbeiter berichten, dass die Kosten vor 2021 von den Patienten getragen wurden und höheres Alter sowie niedrigere Bildung mit dem Verzicht auf die Einlagerung verbunden waren [s61]. In Japan besteht seit April 2021 ein nationales Förderprogramm, das als Forschungsförderung positioniert ist [s65]. Gründe, nicht einzulagern, waren in einer jordanischen Studie vor allem fehlende Information über das Infertilitätsrisiko (26,2 %), unbekannte Dienstleistung (25,4 %) und Angst vor Behandlungsverzögerung (20,0 %) [s133]. Diese Befunde beschreiben Versorgung; sie sind keine Aufforderung an den Einzelnen.

### Was Nutzung und Erfolg nach der Einlagerung zeigen

Die Metaanalyse von Li und Mitarbeitern nennt gepoolt eine Nutzungsrate von 9 %, eine Schwangerschaftsrate von 28 % und eine Geburtenrate von 20 %; pro Behandlungszyklus eine klinische Schwangerschaftsrate von 34 % bei ICSI, 24 % bei IVF und 9 % bei IUI [s58]. Ferrari und Mitarbeiter nennen, dass 49 % der Nutzer Eltern wurden [s191]. Eine Aussage, ob die Einlagerung im Einzelfall „nötig“ war, lässt sich daraus nicht ableiten: Nach einer Hodgkin-Behandlung waren natürliche Vaterschaften häufig (zum Beispiel wurden von 258 Männern mit Kindern 48 [19 %] mit kryokonserviertem Samen Vater [s214]), und bei Überlebenden hämatologischer Krebserkrankungen war ein Teil der Geburten auf natürliche Zeugung zurückzuführen [s35]. Umgekehrt nennt eine Studie nach Hodentumor, dass 17 von 28 Männern mit Nutzung (61 %) Kinder zeugten und dass ohne gefrorenes Sperma 20 % der Männer ohne Chemotherapie, aber 10 % der Männer mit Chemotherapie Väter wurden [s128]. Solche Zahlen zeigen die Spannbreite der Verläufe, nicht eine individuelle Prognose.

### Wo die Literatur schweigt oder zur Vorsicht mahnt

Zur Samenqualität bei vielen Tumorarten, zur Wirkung moderner Therapien und zu den Folgen für Nachkommen ist die Datenlage dünn (siehe oben). Die Ergebnisse stammen überwiegend aus Abstracts und Selbstberichten, und mehrere Zahlen sind in sich widersprüchlich. Für Entscheidungen im Einzelfall, etwa zur Einlagerung, zur Wahl des Zeitpunkts oder zur Frage der Hodengewebe-Gewinnung, gehört die Abstimmung mit dem behandelnden Team und einem Zentrum für Reproduktionsmedizin, das die individuelle Lage kennt. Dieses Kapitel liefert dafür Hintergrund, keine Entscheidung.

## Glossar

**Aktuarielle Rate.** Statistisch geschätzter Anteil eines Ereignisses (zum Beispiel Nutzung der Probe) über einen Zeitraum, der Patienten mit unterschiedlich langer Nachbeobachtung berücksichtigt (zum Beispiel Blackhall: 27 % nach 10 Jahren [s275]).

**Alkylanzien.** Gruppe von Chemotherapeutika (zum Beispiel Cyclophosphamid), die in den Studien mit stärkerer Schädigung der Spermatogenese verbunden werden [s86, s256].

**Asthenozoospermie.** Verminderter Anteil beweglicher Spermien im Ejakulat.

**Azoospermie.** Keine Spermien im Ejakulat (nach üblicher Untersuchung). Sie kann durch eine Störung der Spermienbildung (nichtobstruktiv) oder durch einen Verschluss der Samenwege bedingt sein; in den Studien dieses Kapitels geht es überwiegend um die nichtobstruktive Form.

**B-Symptome.** Allgemeinsymptome bei Lymphomen (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust). In der EORTC-Auswertung waren sie mit schlechter Spermienqualität verbunden [s251].

**BEACOPP, ABVD, COPP, MOPP, CHOP, BEP.** Bezeichnungen von Chemotherapieschemata. BEACOPP steht für Bleomycin, Etoposid, Doxorubicin, Cyclophosphamid, Vincristin, Procarbazin und Prednison [s257]; CHOP für Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednison [s67]. Die Schemata unterscheiden sich in der berichteten Schädigung der Spermatogenese; ABVD gilt in den Studien als weniger schädlich als BEACOPP oder MOPP-haltige Schemata [s195, s225].

**Beta-hCG, Alpha-Fetoprotein (AFP).** Tumormarker im Blut, die bei Keimzelltumoren erhöht sein können. In den Studien waren hohe Werte mit schlechterer Samenqualität verbunden [s196, s271].

**CECOS.** Französisches Netz von Zentren zur Untersuchung und Aufbewahrung von Eizellen und Samen (Centres d'Étude et de Conservation des Œufs et du Sperme humains) [s83, s235].

**Cyclophosphamid-Äquivalentdosis (CED).** Rechengröße, mit der Alkylanziendosen verschiedener Medikamente vergleichbar gemacht werden [s86, s184].

**DNA-Fragmentierung, DNA-Fragmentierungsindex (DFI).** Anteil der Spermien mit Brüchen im Erbgut. Gemessen wird sie mit verschiedenen Verfahren (zum Beispiel Sperm Chromatin Structure Assay, TUNEL, Halosperm); die Werte unterschiedlicher Verfahren sind nicht direkt vergleichbar [s51, s95, s250].

**Flagellum.** Das Spermienende, das den Antrieb liefert; in der Morphologiebeurteilung wird es neben Kopf und Mittelstück bewertet. Auffälligkeiten des Flagellums können die Beweglichkeit beeinträchtigen.

**FSH, LH, Inhibin B, AMH, Testosteron.** Hormone der Hoden-Hypophysen-Achse und Marker der Hodenfunktion. FSH steigt bei gestörter Spermienbildung typischerweise an; in mehreren Studien war es nach der Behandlung erhöht [s14, s256, s257].

**Gesamtzahl beweglicher Spermien (TMC).** Produkt aus Volumen, Konzentration und Anteil beweglicher Spermien; wird für die Einschätzung der Eignung zur assistierten Reproduktion verwendet [s181, s222].

**Hodgkin-Lymphom (Hodgkin-Krankheit).** Bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems; in Studien häufig unterteilt in Frühstadium und fortgeschrittene Stadien sowie nach Vorliegen von B-Symptomen.

**Hodentumor, Keimzelltumor, Seminom, Nicht-Seminom (NSGCT).** Bösartige Hodengeschwülste; Keimzelltumoren werden in Seminome und Nicht-Seminome unterteilt, die sich in Histologie und Marker unterscheiden.

**Hypospermatogenese.** Verminderte Spermienbildung im Hodengewebe bei noch vorhandener Reifung (Gewebebefund) [s48].

**ICSI, IVF, IUI.** Verfahren der assistierten Reproduktion: intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ein einzelnes Spermium wird in die Eizelle eingebracht), In-vitro-Fertilisation, intrauterine Insemination. Die Metaanalyse von Li fand die höchste Schwangerschaftsrate pro Zyklus für ICSI [s58].

**Intraklassen-Korrelationskoeffizient (ICC).** Maß dafür, wie ähnlich wiederholte Messungen derselben Person im Vergleich zu den Unterschieden zwischen Personen sind; hohe Werte bedeuten stabile Messgrößen [s95, s208].

**Konfidenzintervall.** Bereich, in dem der wahre Wert mit der angegebenen Sicherheit (meist 95 %) liegt; breite Intervalle bedeuten große Unsicherheit.

**Kryokonservierung, Paillette.** Einfrieren und Lagerung der Samenprobe in flüssigem Stickstoff; die Probe wird auf mehrere dünne Röhrchen (Pailletten) verteilt [s45, s189].

**Normozoospermie, Oligozoospermie, Teratozoospermie, Kryptozoospermie.** Befundbezeichnungen: Normalbefund nach der verwendeten WHO-Auflage; verminderte Spermienkonzentration; erhöhter Anteil auffällig geformter Spermien; Spermien nur nach Zentrifugation nachweisbar. Die Abgrenzung hängt von der Auflage der WHO-Referenzwerte ab (1992, 1999, 2010, 2021).

**Odds Ratio (OR).** Verhältnis der Chancen für ein Ereignis zwischen zwei Gruppen; ein Wert über 1 bedeutet erhöhte Chance, nicht ein entsprechend erhöhtes Risiko.

**Orchiektomie.** Operative Entfernung eines Hodens, beim Hodentumor üblicher erster Schritt [s235].

**Perzentile.** Wert, unterhalb dessen ein bestimmter Anteil der Vergleichsgruppe liegt; die 5. Perzentile der WHO-Referenz dient als unterer Referenzbereich [s102].

**Propensity-Score-Matching.** Statistisches Verfahren, bei dem Patienten mit Vergleichspersonen ähnlicher Merkmale gepaart werden [s93].

**Retroperitoneale Lymphknotenausräumung (RPLND).** Operation am Bauchraum beim Hodentumor; kann die Ejakulation beeinträchtigen [s22, s297].

**Selektionsverzerrung.** Systematische Verzerrung, weil nur bestimmte Personen in die Studie gelangen, zum Beispiel nur Männer, die eine Probe abgeben konnten [s87, s251].

**Sekundärangabe.** Zahl oder Aussage, die ein Beitrag aus einer anderen Quelle zitiert, ohne sie selbst erhoben zu haben.

**TESE, Mikro-TESE, Onko-TESE.** Gewinnung von Spermien aus dem Hodengewebe; mikrochirurgisch (mTESE) oder bei Krebspatienten gleichzeitig mit der Orchiektomie oder vor der Behandlung (Onko-TESE) [s57, s112, s197].

**WHO-Referenzwerte.** Vom Handbuch der Weltgesundheitsorganisation festgelegte Referenzbereiche für Samenparameter; es gibt mehrere Auflagen (1992, 1999, 2010, 2021), die die Ergebnisse verschiedener Studien nur eingeschränkt vergleichbar machen [s24, s102].

## Quellenverzeichnis

Vollständige Liste der 303 Quellen der Master-Quellenliste (synthese.json), nach ihren Kennungen geordnet. Titel in nicht englischer oder deutscher Sprache stehen im Original, mit deutscher Übersetzung in Klammern. Für Quellen ohne PMID und DOI ist die Internetadresse angegeben. Die Liste enthält auch Quellen, die in diesem Kapitel nicht einzeln zitiert werden.

[s01] Agha AM, Aladul MI (2026): Healthcare Provider Perspectives on Barriers to Fertility Preservation in Oncology Care in Iraq: A Qualitative Study. Asia-Pacific journal of clinical oncology. PMID: 42625441 / DOI: 10.1111/ajco.70166

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[s05] Cakmakci S, Kilinc Ugurlu A, Gulleroglu NB, Tas DO, Bulut C, Ozer MC, Yazal Erdem A, Ozyoruk D, Gurbuz F, Boyraz M, Ilhan IE, Sari N (2026): High prevalence of gonadal dysfunction in pediatric sarcoma survivors: insights from hormonal and clinical markers. Frontiers in pediatrics. PMID: 42769405 / DOI: 10.3389/fped.2026.1914861

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[s09] HAKAN HAKKI TAŞKAPU, tansel kilinc, Mahmud Zahid Ünlü (2026): Fertility preservation in testicular cancer patients: Current status and clinical challenges. Androloji Bülteni. DOI: 10.24898/tandro.2026.09582

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[s13] Kaltsas A, Giannakodimos I, Kratiras Z, Sofikitis N, Chrisofos M (2026): Before Orchiectomy: Gonadal Function in Testicular Germ Cell Tumors-A Narrative Review. Journal of clinical medicine. PMID: 42739861 / DOI: 10.3390/jcm15176857

[s14] Karakaş H, Tarçın G, Bayramoğlu E, Turan H, Ocak S, Evliyaoğlu O, Celkan T, Apak H, Ercan O (2026): Long-term endocrine and testicular outcomes in male survivors of childhood acute lymphoblastic leukemia. Journal of endocrinological investigation. PMID: 41511747 / DOI: 10.1007/s40618-025-02745-8

[s15] Lotz L, Kliesch S, Baston-Buest D, Schüring A, Balcerek M, Bartsch B et al. (2026): Fertility Preservation for Patients with Malignant Disease. Guideline of the DGGG, OEGGG and SGGG (S2k-Level, AWMF Registry No. 015/082, May 2025). Geburtshilfe und Frauenheilkunde. PMID: 42024029 / DOI: 10.1055/a-2811-6101

[s16] Matua GA, Lazarus ER, Muliira JK, Al Yahyaei A, Al Sabei S, Nandawula P (2026): Barriers to fertility preservation among cancer patients in the Middle East and North Africa (MENA) region: a scoping review. Discover oncology. PMID: 42068467 / DOI: 10.1007/s12672-026-05127-5

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[s18] Okamura M, Obama K, Saito J et al. (2026): Barriers and facilitators of oncofertility discussions among healthcare providers and patients in Japanese oncology practice: A qualitative study. Patient Educ Couns. PMID: 41812388 / DOI: 10.1016/j.pec.2026.109570

[s19] Shirron N, Boutros A, Waldhorn I, Boulos J, Lambertini M, Ben-Aharon I (2026): Oncofertility outcomes in early-onset patients with non-breast solid malignancies: a systematic review. EClinicalMedicine. PMID: 42306492 / DOI: 10.1016/j.eclinm.2026.103979

[s20] SONAY İNCESOY ÖZDEMİR, Nurdan Tacyildiz, Handan Ugur Dincaslan, Emel Unal, Melek YAMAN ORTAKÖYLÜ (2026): Awareness, Knowledge, Attitudes, and Behaviors of Pediatric Hematology and Oncology Specialists on Preserving Reproductive Health in Children with Cancer: Barriers and Suggestions. Gazi Medical Journal. DOI: 10.12996/gmj.2025.4489

[s21] Almajed E, Alenzi EO, Alqntash N, AlZabin A, Almodeth K, Alhumaid T, Almajed W (2025): Oncologists' current perspective and barriers to men's fertility preservation: a nationwide study. Supportive care in cancer : official journal of the Multinational Association of Supportive Care in Cancer. PMID: 41273403 / DOI: 10.1007/s00520-025-10198-1

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[s23] Buonacquisto A, Del Principe MI, Pallotti F, Bianchini S, Buzzatti E, Caponecchia L et al. (2025): Semen quality in acute leukemia patients: a retrospective study. Annals of hematology. PMID: 40707629 / DOI: 10.1007/s00277-025-06426-7

[s24] Cariati F, Orsi MG, Capasso A, Pagano D, Bagnulo F, Iorio GG et al. (2025): Semen Quality in Patients with Hematological Malignancies: A Retrospective Monocentric Study in the Perspective of Personalized Oncofertility Medicine. Journal of personalized medicine. PMID: 41590504 / DOI: 10.3390/jpm16010011

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[s32] Nasrallah OG, Alhalabi E, Fadlallah Y, Alameddine B, Al Hattab MA, Mahdi JH, El Achkar A, El Asmar JM, Bachir BG (2025): Testicular cancer: a bibliometric review of the Middle East and North African region. Annals of medicine and surgery (2012). PMID: 41377296 / DOI: 10.1097/ms9.0000000000003152

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[s43] Autorenangabe nicht abgerufen (2024): Évaluation des paramètres spermatiques conventionels et des altérations nucléaires spermatiques chez de jeunes adultes guéris d'un cancer pédiatrique (Bewertung der konventionellen Spermienparameter und der Kernveränderungen der Spermien bei jungen Erwachsenen nach überstandener Krebserkrankung im Kindesalter). nicht angegeben. URL: https://dumas.ccsd.cnrs.fr/dumas-04793057v1

[s44] Autorenangabe nicht abgerufen (2024): The habits of European urologists in the field of cryopreservation before the urological cancers treatment. Andrology. DOI: 10.1111/andr.13577

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[s48] Culpan M, Yildirim A, Ozkanli SS, Sobay R, Gursoy F, Topaktas R, Gumrukcu G, Gorgel SN, Cakalagaoglu F, Cil G, Ozsoy Ş, Gunel H, Kucuk EV, Ozturk MI, Akin Y, Muslumanoglu AY, Aydin A, Pes MDPL (2024): The Status of Spermatogenesis in Germ Cell Tumor Bearing Testis and Its Association with Metastatic Disease. Clinical genitourinary cancer. PMID: 38728792 / DOI: 10.1016/j.clgc.2024.102089

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[s65] Yasushi Takai (2024): Oncofertility Care in Japan Update-What We Aim by Public Funding. Gan to kagaku ryoho. Cancer & chemotherapy. URL: https://cir.nii.ac.jp/crid/1872276819947335040

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