Die Frage dieser Studie, wie es um die Spermienqualität von Männern mit Leukämie, Lymphomen, Hodgkin-Lymphom und anderen Tumoren vor der Behandlung steht und was die Kryokonservierung leistet, wurde in zwölf Sprachräumen gesucht: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch. Dieses Kapitel beschreibt je Sprachraum, welche eigenen Kohorten, Register, Leitlinien und Fachzeitschriften es gibt, welche regionalen Besonderheiten die Studien prägen und wie weit die Datenbanken des jeweiligen Raums erreichbar waren. Es sagt auch offen, wo es kaum eigene Literatur gibt. Medizinische Aussagen zu den Spermienwerten selbst stehen in den übrigen Kapiteln; hier geht es um die Verteilung der Evidenz.
Vorab drei Hinweise zum Lesen. Erstens: Die Zuordnung einer Studie zu einem Sprachraum folgt in den Teilrecherchen nicht überall derselben Regel. In der Gruppe der europäischen Sprachen wurde sowohl die Publikationssprache als auch das Land der Erstautorin oder des Erstautors gezählt; die Kennzeichnung „en/fr“ oder „en/it“ in der Quellenliste bedeutet deshalb meist: englischsprachiger Artikel aus Frankreich beziehungsweise Italien. In der Gruppe Chinesisch, Japanisch, Koreanisch trägt fast jede Arbeit die Kennzeichnung „en“, weil sie in englischsprachigen Zeitschriften erschien. Die Zählung der Master-Quellenliste (303 Quellen) lautet nach diesen Kennzeichnungen: Englisch 195, Französisch 29, Italienisch 21, Türkisch 21, Deutsch 18, Russisch 19, Arabisch 15, Japanisch 14, Spanisch 8, Chinesisch 7, Portugiesisch 3, Ungarisch 1 (Mehrfachnennungen möglich). Diese Zahlen sind keine Zahl „muttersprachlicher Studien“. Zweitens: Fast alle Angaben beruhen auf Abstracts; Volltexte wurden nur ausnahmsweise gelesen. Drittens: Die Titel nicht englischer und nicht deutscher Arbeiten stehen in PubMed meist nur als englische Übersetzung in eckigen Klammern; wo der Originaltitel nicht abrufbar war, wird das gesagt.
Englisch
Eigene Kohorten und Register. Englisch ist die Sprache, in der der größte Teil der Literatur erscheint, auch aus Ländern mit anderer Landessprache. Die Studien lassen sich in drei Gruppen ordnen.
Die erste Gruppe sind Arbeiten zum Hodgkin-Lymphom. Frühe Fallserien zeigen die Spannweite der Deutungen: Ragni und Mitarbeiter fanden 1985 bei 35 unbehandelten Patienten 65 % Asthenozoospermie, 46 % Teratozoospermie und 28 % Oligozoospermie und deuteten das als erkrankungsspezifisch [s302]. Marmor und Mitarbeiter sahen 1986 bei 57 Patienten Mittelwerte im Normbereich und führten die Auffälligkeiten bei etwa einem Drittel auf Fieber zurück; bei zwölf der 19 Patienten mit auffälligem Spermiogramm bestand Fieber [s301]. Magnanti und Mitarbeiter untersuchten 1996 an 20 Patienten die Spermienbewegung computergestützt; bei einem Drittel war die Spermienzahl vermindert, unter Berücksichtigung von Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Linearität stieg der Anteil mit Auffälligkeiten auf zwei Drittel [s286]. Die mittleren und großen Serien streuen stark: Normozoospermie vor Therapie bei 20 % in den Studien der German Hodgkin Study Group (202 Patienten vor Behandlung) [s256] und 23 % in einer BEACOPP-Teilgruppe [s257], 53 % „normal oder subnormal“ bei Fitoussi [s278], 66 % bei Blackhall (122 Männer) [s275] und 75 % bei Paoli (519 Patienten) [s195]. Die Studien der EORTC-GELA-Gruppe (474 von 2.362 Männern mit Daten) fanden gute Qualität bei 41 %, intermediäre bei 49 %, schlechte bei 7 % und Azoospermie bei 3 %; B-Symptome, Fieber, Nachtschweiß und erhöhte Blutsenkung sagten eine schlechte Qualität voraus [s251]. Bei Jungen mit klassischem Hodgkin-Lymphom (EuroNet-PHL-C2, 101 Jungen) waren 40 % der 48 abgegebenen Proben oligozoosperm und 8 % azoosperm [s49].
Die zweite Gruppe sind große Samenbankserien mit gemischten Tumorarten. Die größte der gesamten Recherche stammt aus dem Pariser CECOS-Labor: 4.480 Patienten mit Hodenkeimzelltumor (2.315), Hodgkin-Lymphom (1.175), Non-Hodgkin-Lymphom (439), Leukämie (360), Sarkom (208) und weiteren Diagnosen, verglichen mit 1.448 Spenderkandidaten und 208 Partnern Schwangerer; nur 37 % der Leukämiepatienten waren normozoosperm [s189]. Aus Houston liegt eine Auswertung von 717 Proben vor (409 von 1.409 Akten verfügbar) [s252], von der Cleveland Clinic eine Erfahrungsübersicht über 20 Jahre [s276], aus Brüssel eine Kohorte aus 20 Jahren [s98], aus Kanada eine Auswertung mit 2.504 Patienten und 4.521 Proben [s47], aus Stockholm eine Kohorte mit 1.378 Jugendlichen und jungen Erwachsenen [s64] und aus der Gruppe um Hotaling 1.010 Proben mit Aufschlüsselung nach Krebsart und Auftauwerten [s222]. Gemeinsam ist diesen Serien das Selektionsproblem: Nur Männer, die eine Probe abgeben konnten und wollten, gehen ein.
Die dritte Gruppe umfasst molekulare Studien, Tierversuche und Studien zur umgekehrten Richtung. Zur DNA-Fragmentierung vor Behandlung liegen mehrere Arbeiten vor, deren Befunde nicht einheitlich sind [s250, s245, s255, s243, s234]; im Proteom bei Hodgkin-Patienten fanden sich herunterregulierte Proteine für Beweglichkeit und Kapazitation [s137]. Ein Mausmodell der akuten myeloischen Leukämie zeigte schlechtere Spermienparameter und verminderte Fertilität schon durch die Erkrankung allein [s148]. Zur Frage, ob schlechte Samenqualität dem Krebs vorausgeht, stehen eine große Kohorte [s193] und eine Metaanalyse mit gepoolter Odds Ratio von 1,91 für Hodentumor bei Infertilitätsdiagnose [s111] zur Verfügung. Zusammenfassende Arbeiten sind eine systematische Übersicht mit Metaanalyse (69 Studien, 32.234 Patienten; gepoolte Nutzungsrate 9 %) [s58] und eine systematische Übersicht mit 30 Studien und 11.798 Patienten (gepoolte Nutzungsrate 8 %) [s191]; eine weitere systematische Übersicht von 2026 zu nicht-Brust-soliden Tumoren fand 102 uneinheitliche Studien [s19].
Ein nationales Register der englischsprachigen Länder wurde in den abgerufenen Abstracts nicht beschrieben. Genannt wird lediglich ein Netzwerk von Zentren (NCRMN), mit dessen Werten die Houstoner Gruppe verglich [s252].
Leitlinien und Konsensus. Die ASCO-Leitlinie von 2025 (Evidenzbasis: 166 Studien) formuliert nach dem Abstract, die Spermienkryokonservierung solle Männern vor krebsgerichteter Behandlung angeboten werden; bei fehlender Probe wird die testikuläre Spermienextraktion genannt, und Hodengewebe präpubertärer Jungen sei experimentell [s37]. Ein Vergleich von NCCN (2025), ASCO (2025), COSA (2022) und ESMO (2020) kommt zu dem Schluss, dass die Spermienkryokonservierung in allen stark empfohlen wird [s03]. Die EAU-Leitlinie zur männlichen sexuellen und reproduktiven Gesundheit (Update 2025) enthält im abgerufenen Abstract keine Aussage zur Kryokonservierung vor Krebsbehandlung [s31]. Gleiches gilt für den abgerufenen Abstract von Teil I der AUA/ASRM-Leitlinie von 2021 [s122]. Die abgerufene ESHRE-Leitlinie betrifft nur Frauen [s131], ebenso die einzige gefundene Cochrane-Übersicht (23 randomisierte Studien, 2.647 Frauen) [s39]. Eine ESHRE-Leitlinie oder Cochrane-Übersicht zum männlichen Fertilitätserhalt bei Krebs wurde nicht gefunden. Keine dieser Aussagen ist hier als Empfehlung an Leserinnen und Leser zu verstehen; sie geben wieder, was die Gremien schreiben.
Fachzeitschriften und Publikationswege. Die Arbeiten erscheinen in andrologischen und reproduktionsmedizinischen Zeitschriften (Human Reproduction, Fertility and Sterility, International Journal of Andrology, Journal of Andrology, Andrology, Basic and Clinical Andrology), in der Urologie (Journal of Urology) und in der Onkologie (Annals of Oncology, Blood, Haematologica, British Journal of Cancer, Journal of Clinical Oncology, JCO Oncology Practice). Die Frühphase der Literatur reicht bis 1982 zurück, die jüngsten Quellen stammen aus 2026.
Regionale Besonderheiten. Da „Englisch“ hier eine Verkehrssprache ist, gibt es keine einheitliche regionale Besonderheit. Sichtbar sind Unterschiede im Versorgungsmodell: In den Kohorten aus Kanada, Schweden und Belgien wird die Nutzung der Proben über Jahrzehnte verfolgt, mit Nutzungsraten von 3,2 % [s47], 9,33 % [s98] und, bei den von Stockholm erfassten Männern, mit 493 Vaterschaften nach der Krebsbehandlung (81 % natürlich, 18 % assistiert) [s64]. Die gepoolte Nutzungsrate von 8 % bis 9 % [s191, s58] gilt als möglicherweise zu niedrig, weil die Nachbeobachtung oft kurz ist.
Erreichbarkeit der Datenbanken. Europe PMC und die NCBI-E-utilities waren erreichbar und ersetzten die gesperrte PubMed-Webseite. Für den englischsprachigen Raum gibt es damit keine Zugangslücke; die Grenze liegt bei den Abstracts, weil Volltexte nicht systematisch gelesen wurden. Eine Stichprobe der PubMed-Webseite lieferte nach dem Teilbericht zwar HTTP 200, wurde aber nicht genutzt.
Deutsch
Eigene Kohorten und Register. Die deutschsprachige Originalliteratur mit lesbarem Abstract ist klein und alt: Alle acht deutschsprachigen Quellen der Teilrecherche stammen aus den Jahren 1986 bis 1993, sie beschreiben Samenbanken aus der Zeit vor der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) [s300, s298, s297, s295, s294, s292, s299, s291]. Höppner und Mitarbeiter untersuchten 1986 29 Patienten mit Hodentumor; 17 von 29 (58,6 %) erfüllten die damals üblichen Annahmekriterien für das Einfrieren (mehr als 10 Mio/ml und mehr als 30 % Beweglichkeit) [s300]. Barth und Schönfelder berichteten 1988 über 83 Patienten, überwiegend mit Hodentumor, und bezeichneten den Ejakulationsverlust nach retroperitonealer Lymphknotenausräumung als stärkste Fertilitätsstörung [s298]. Schubert und Mitarbeiter fanden 1989 bei 70 % von 30 Patienten vor der Behandlung ein abnormes Spermiogramm und bei 71 % (n = 45) nach der Lymphknotenausräumung einen vollständigen oder teilweisen Ejakulationsverlust; nach ihren Kriterien seien nur 25 % der Hodentumorpatienten für eine langfristige Konservierung geeignet [s297]. Kolodziej und Mitarbeiter werteten 1990 93 Samendepots mit einer mittleren Lagerdauer von 44 Monaten aus: Nur 20 % der Ejakulate waren normozoosperm und zeigten nach dem Auftauen eine Beweglichkeit über 20 %, die mittlere Wiedergewinnungsrate betrug 28 % [s295]. Holland-Moritz und Krause berichteten über 47 Patienten, von denen 20 binnen zwei Jahren kein Interesse an der Lagerung mehr hatten; keine der 27 verbleibenden Proben war bis dahin genutzt worden [s294]. Hänggi und Mitarbeiter (39 Patienten) verwiesen auf die oft schon vor dem Einfrieren verminderte Qualität [s292]; Köhn und Schill beschrieben die Münchner Samenbank seit 1974, ohne Zahlen im Abstract [s299]; Joos und Mitarbeiter untersuchten 1993 54 Patienten mit Hodentumor im Stadium I, davon 37 mit Spermiogramm vor der Semikastration [s291]. Weitere deutschsprachige Titel, so ein Beitrag von Adler (2003), von Keck und Nieschlag (1993) und von Köhn und Schuppe (2016), lagen nur als Titel ohne Abstract vor und wurden nicht als Quellen geführt; es existiert also Literatur, die über die genutzten Schnittstellen nicht inhaltlich lesbar war.
Für die Zeit danach stützt sich der deutsche Sprachraum auf englischsprachige Veröffentlichungen. Die German Hodgkin Study Group veröffentlichte ihre Auswertungen zur Samenqualität vor und nach der Behandlung auf Englisch: Von 202 Patienten vor Behandlung waren 20 % normozoosperm und 11 % azoosperm [s256]; in den BEACOPP-Studien waren es 6 (23 %) von rechnerisch 26 Patienten [s257]. Zur Therapiefolge liegen Auswertungen der Studien HD13 bis HD15 (1.323 von 2.412 kontaktierten Überlebenden; Geburtenrate nach fortgeschrittener Behandlung bei Männern 3,3 %) [s218] und der Studie HD21 vor (1.183 Patienten, 692 Männer; Erholung der Gonadenfunktion nach vier Jahren 85,6 % gegenüber 39,7 %) [s25]. Beide enthalten keine Ausgangsspermiogramme. Das Zentrum der Charité Berlin wertete 506 Krebspatienten der Kryobank (2004 bis 2019) aus; 46 (9,1 %) nutzten ihre Proben, die Schwangerschaftsrate betrug 51,4 % (19 von 37 Zyklen) [s80]; bei Jugendlichen mit Hodentumor oder hämatologischen Malignomen war die Samenqualität schon vor Behandlung vermindert [s53]. Menzel und Mitarbeiter befragten 279 Überlebende eines Hodentumors (Rücklauf 64 %): 33 % hatten Samen eingelagert, 11 % von ihnen nutzten ihn; höheres Alter (mindestens 37 Jahre) und niedrigere Bildung gingen mit dem Verzicht auf die Kryokonservierung einher [s61]. Zur Hodgkin-Lymphom-Studie bei Jungen siehe oben [s49]; der Vergleich von 16 Patienten mit Hodentumor und 21 mit anderen Malignomen [s267] trägt in der Quellenliste die Kennzeichnung „en/de“; der Abstract nennt keine nähere Herkunft, daher wird er hier nicht als deutsche Kohorte gewertet.
Ein deutsches Register für Fertilitätserhalt bei Männern wurde in den abgerufenen Abstracts nicht beschrieben; eine Aussage über das Fehlen eines solchen Registers folgt daraus nicht.
Leitlinien und Konsensus. Die S2k-Leitlinie der DGGG, DGU und DGRM (2017, veröffentlicht 2018) stellt im Abstract ausdrücklich fest, Aussagen für Jungen und Männer seien nicht ihr Schwerpunkt [s162]. Die Fassung vom Mai 2025 (DGGG, OEGGG, SGGG; veröffentlicht 2026) nennt als Ziel Empfehlungen zur Beratung und Anwendung fertilitätserhaltender Maßnahmen bei präpubertären Mädchen und Jungen und bei Patienten im reproduktionsfähigen Alter; der Abstract nennt keine Einzelheiten [s15]. Was die Leitlinien im Volltext zu Männern sagen, wurde nicht ausgewertet.
Fachzeitschriften und Publikationswege. Die älteren Arbeiten erschienen in Andrologia, in der Zeitschrift für Urologie und Nephrologie, in Der Hautarzt (zwei Samenbankberichte), in Geburtshilfe und Frauenheilkunde und in Helvetica Chirurgica Acta [s300, s298, s297, s295, s294, s292, s299, s291]. Die neueren Arbeiten erscheinen auf Englisch, etwa im Journal of Cancer Research and Clinical Oncology [s61, s80], im Journal of Clinical Oncology [s218] und in The Lancet Oncology [s25]. Die Leitlinien erscheinen in Geburtshilfe und Frauenheilkunde [s162, s15].
Regionale Besonderheiten. Die Berliner Gruppe berichtet, seit der Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung sei die Inanspruchnahme in ihrem Zentrum gestiegen [s80]; die Befragung von Menzel nennt, dass die Kosten vor 2021 von den Patienten getragen wurden [s61]. In den Berliner Daten fällt auf, dass 71,5 % der Anforderungen eingelagerter Proben (28 von 39) innerhalb der ersten drei Jahre kamen und dass bei 44,8 % der Lagerverträge (269 von 601) die Lagerung beendet war [s80].
Erreichbarkeit der Datenbanken. Europe PMC und die NCBI-E-utilities erreichten die deutschsprachigen Zeitschriften. Die Portale der Fachgesellschaften und der AWMF wurden nicht direkt abgerufen; die Leitlinien wurden über ihre Zeitschriftenfassungen in Geburtshilfe und Frauenheilkunde erreicht [s162, s15].
Französisch
Eigene Kohorten und Register. Der französische Sprachraum ist durch das nationale CECOS-Netz (Centres d'Étude et de Conservation des Œufs et du Sperme humains) am besten dokumentiert. Mehrere der größten Studien der gesamten Recherche nutzen Daten dieses Netzes [s235, s199, s83, s168, s189, s204]. Die Titel der französischsprachigen Artikel führt PubMed nur in englischer Übersetzung; die Originaltitel waren über die genutzten Schnittstellen nicht abrufbar.
Die älteste Arbeit ist eine retrospektive Studie von Ozyglik und Mitarbeitern von 1982 mit 511 Kandidaten: Eine zufriedenstellende Konservierung war bei 40 % der Patienten mit Hodgkin-Krankheit und bei 15 % der Patienten mit Hodenkarzinom möglich; bei 9 % wurde der Samen zur Insemination genutzt, 95 % wünschten die Fortführung der Lagerung [s303]. Auger und Mitarbeiter (CECOS Paris-Bicêtre) schrieben 1993, die Kryokonservierung vor der Therapie biete die einzige vernünftige Chance auf eine spätere Schwangerschaft, ohne Zahlen im Abstract [s290]. Eine nationale retrospektive Studie von 17 CECOS zur Hodentumor-Kryokonservierung von 1996 beschreibt eine regelmäßige Zunahme [s287]. Naccache und Mitarbeiter werteten 213 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom des Instituts Gustave-Roussy (1980 bis 1993) aus; nur bei 24 gab es ein Ausgangsspermiogramm (11 normal, 13 auffällig), die Kryokonservierung war nur in 22 Fällen möglich [s288]. Die Gruppe von Fitoussi (Hodgkin-Krankheit, 94 von 316 Männern erfüllten die Einschlusskriterien; 53 % normaler oder subnormaler Befund; 88 Inseminationen führten zu 9 Schwangerschaften und 2 Geburten) trägt in der Quellenliste die Kennzeichnung „en/fr“; die Arbeit erschien auf Englisch [s278].
Die großen Auswertungen des Netzes sind englischsprachig. Rives und Mitarbeiter analysierten 1.158 Männer mit Hodentumor aus elf CECOS-Laboratorien (1999 bis 2003): Reine Seminome machten 48 % aus, die Konzentration war vor der Orchiektomie bei Seminomen signifikant niedriger als bei Nicht-Seminomen, und die Autoren folgerten, die Kryokonservierung solle vorzugsweise vor der Orchiektomie stattfinden [s235]. Bujan und Mitarbeiter verfolgten 75 Patienten mit Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Lymphom und 257 fertile Kontrollen prospektiv über 24 Monate; die Spermienmerkmale waren schon vor der Behandlung verändert, ohne identifizierten Risikofaktor [s204]. Auger und Mitarbeiter (CECOS Paris) werteten 4.480 Patienten und Vergleichsgruppen aus [s189]. Daudin und Mitarbeiter erfassten 4.345 Jungen und junge Männer von 11 bis 20 Jahren aus 23 Zentren über 34 Jahre: 4.314 versuchten eine Probe, 4.004 gelang sie, bei 3.616 wurde Samen eingelagert; die mittlere Gesamtspermienzahl betrug 61,75 × 10^6 bei 11- bis 14-Jährigen und 138,81 × 10^6 bei 18- bis 20-Jährigen, der Anteil der 11- bis 14-jährigen Patienten, die Samen einlagerten, stieg von 1 % (1986) auf 9 % (2006) [s199]. Walschaerts und Mitarbeiter beschrieben für den Hodentumor einen Anstieg der Einlagerungsinzidenz von 1,73 auf 5,57 pro 100.000 Personenjahre zwischen 1990 und 2013 und eine seit 2005 offenbar abflachende Rate [s168]. Prades und Mitarbeiter schätzten aus den INCa-Daten 2018 und den CECOS-Aktivitätsberichten (26 von 27 Zentren antworteten) für Männer von 15 bis 49 Jahren Einlagerungsraten von 41 % beim Hodentumor, 40 % beim Hodgkin-Lymphom und 7 % beim Non-Hodgkin-Lymphom [s83]; ein Kongressabstract derselben Gruppe nennt andere Quoten (41 % Hodentumor, 28 % Lymphome insgesamt, bei einem anderen Altersfenster von 0 bis 59 Jahren) [s91]. Aus den regionalen Zentren stammen Auswertungen aus Nantes (1.042 Männer, 1997 bis 2007) [s229], Marseille (1.080 überwiesene Patienten; nach durchschnittlich 22,5 Monaten waren 43 von 140 nachuntersuchten Männern azoosperm) [s227] und, auf Französisch, aus dem Kreis der Urologie die Studie zur Onko-TESE mit 24 Patienten [s112]. Die Zahlenangaben dieser letzten Studie sind im Abstract nicht in sich schlüssig (58,34 % und 41,36 % ergeben zusammen mehr als 100 %), sie werden hier nicht weiter ausgewertet.
Hinzu kommen Hochschulschriften und Berichte aus dem französischen Archiv HAL: eine Studie der Andrologie-Abteilung in Nancy (2000 bis 2004), die eine wichtige Veränderung der Spermienparameter vor Behandlung beobachtete [s226]; eine Marseiller Arbeit mit einer Umfrage in allen 27 CECOS im Jahr 2015 [s174]; eine Marseiller Literaturübersicht [s108]; eine Rouener Arbeit mit 56 Patienten nach pädiatrischer Krebserkrankung und 30 Spendern, die Befunde nach der Behandlung berichtet [s43]; und eine Grenobler Arbeit zu Schwangerschaften nach Fertilitätserhalt [s188]. Eine Befragung in La Presse Médicale (1994) stellte fest, dass die Informationen von Onkologen und CECOS-Ärzten von den Patienten nicht richtig aufgenommen würden [s289]. Eine Online-Umfrage unter 228 europäischen Urologen (englisch und französisch gekennzeichnet) ergab, dass 74 % gewöhnlich eine Kryokonservierung vor der Orchiektomie anbieten; vor einer Prostatakrebsbehandlung bieten sie 48,17 % nie an [s44]. Die Hochschulschriften haben einen niedrigeren Beweiswert als begutachtete Artikel; über ihre Qualitätssicherung sagen die Abstracts nichts.
Leitlinien und Konsensus. Die französischen Leitlinien von 2021 (Rives und Mitarbeiter, European Journal of Cancer) sagen laut Abstract, bei pubertären Jungen müsse die Spermienkryokonservierung jedem Mann angeboten werden, der eine Krebsbehandlung erhält, unabhängig von der Toxizität; für Hodengewebe bei präpubertären Jungen nennen sie eine Cyclophosphamid-Äquivalentdosis von mindestens 7.500 mg/m² oder eine Strahlendosis von mindestens 3 Gy beider Hoden [s99]. Courbiere und Mitarbeiter beschreiben in La Revue du Praticien Empfehlungen des Krebsinstituts INCa [s78]. Bringer-Deutsch und Mitarbeiter formulieren, die Kryokonservierung müsse allen Männern angeboten werden, auch Jugendlichen, unabhängig von der Spermienqualität [s240]; Leyvraz und Mitarbeiter (Revue médicale suisse) nennen sie das derzeit einzige erwiesene Verfahren [s233]. Zum Mindestalter beschreibt der Fallbericht von Laverdure und Mitarbeitern große Unterschiede zwischen den Zentren [s232]. Diese Sätze sind Aussagen der Autorengruppen, keine Empfehlung dieser Studie.
Fachzeitschriften und Publikationswege. Französischsprachige Beiträge erschienen im Bulletin du Cancer [s288, s232, s161], in Contraception, Fertilité, Sexualité [s290, s287], in La Nouvelle Presse Médicale [s303], im Journal de Gynécologie, Obstétrique et Biologie de la Reproduction [s240], in Progrès en Urologie [s112], in La Revue du Praticien [s78] und in der Revue médicale suisse [s233]. Die CECOS-Auswertungen erschienen in Basic and Clinical Andrology, Fertility and Sterility und Journal of Andrology.
Regionale Besonderheiten. Nach dem Kongressabstract von Prades empfehle und garantiere das französische Bioethikgesetz seit 2011 den kostenfreien Zugang zum Fertilitätserhalt [s91]. Die Nutzung der Strukturen ist trotzdem begrenzt: Weniger als die Hälfte der Männer mit Hodentumor oder Lymphom lagerte vor der gonadotoxischen Behandlung Samen ein, wie der Titel des Abstracts sagt [s91]; im CECOS-Netz sind Männer, die informiert wurden, aber keine Probe abgaben, auf rund 10 % geschätzt, und sie sind in der Schätzung nicht berücksichtigt [s83].
Erreichbarkeit der Datenbanken. Europe PMC, die NCBI-E-utilities und die Programmierschnittstelle von HAL waren erreichbar. Cairn lieferte nach einer Weiterleitung HTTP 403 mit einer Bot-Schutzseite und war nicht durchsuchbar. Für Französisch trugen damit HAL und Europe PMC einen Teil der Lücke.
Italienisch
Eigene Kohorten und Register. Der italienische Raum trägt sehr viele Kohorten bei, aber fast alle erschienen auf Englisch; die Kennzeichnung „en/it“ der Quellenliste bezeichnet englischsprachige Arbeiten italienischer Zentren. Muttersprachliche Artikel mit Abstract fanden sich nur zwei: Vicari und Mitarbeiter (2005, Minerva Urologica e Nefrologica) und Colpi und Mitarbeiter (2000, Archivio Italiano di Urologia e Andrologia) [s266, s277]. Vicari und Mitarbeiter untersuchten 24 Patienten mit Hodenkeimzelltumor nach Orchiektomie und vor Strahlen- oder Chemotherapie: 5 von 24 (20,8 %) waren azoosperm, 10 (41,7 %) hatten ein oligo-, astheno- oder teratozoospermes Muster, 9 (37,5 %) waren normal; Seminompatienten hatten höhere Konzentration, Gesamtzahl und Vorwärtsbeweglichkeit als Nicht-Seminompatienten, und bei den azoospermen Patienten war das Volumen des verbleibenden Hodens meist vermindert [s266]. Colpi und Mitarbeiter geben eine Übersicht zur Behandlung der Unfruchtbarkeit nach Hodentumorbehandlung, unter anderem mit einem Ejakulationsverlust nach retroperitonealer Lymphknotenausräumung in 23,5 % bis 80 % der Fälle [s277].
Die großen italienischen Kohorten sind englischsprachig. Das römische Zentrum (so benennt es der Teilbericht) untersuchte 519 Patienten mit Hodgkin-Lymphom (75 % normozoosperm vor der Behandlung; längsschnittlich 202 Patienten vor und nach ABVD) [s195]. Eine monozentrische Kohorte mit 222 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom (2002 bis 2017) fand mehr als 80 % Normozoospermie vor der Behandlung und berichtete, dass 14 von 22 Männern mit Kinderwunsch Väter wurden [s120]. Ein Vergleich von 261 Patienten mit Hodentumor und 219 mit lymphoproliferativen Erkrankungen [s220], eine Kohorte aus Genua mit 682 onkologischen Patienten (2004 bis 2019; 4 % nutzten ihren Samen, kumulative Lebendgeburtenrate 35 % pro Paar) [s124], aus Florenz eine Auswertung von 1.973 Sammelproben über 24 Jahre [s81] sowie Studien zu DNA-Fragmentierung und oxidativem Stress [s76]. Weitere Arbeiten betreffen Proben vor und nach Orchiektomie [s04], hämatologische Neoplasien [s24, s23] und eine Kohorte mit 464 Patienten, die mindestens fünf Jahre überlebten (37 % der 255 Nachuntersuchten azoosperm) [s35]. Weitere Kohorten sind eine Fall-Kontroll-Studie mit 236 Krebspatienten und 102 fertilen Männern [s190], eine prospektive Studie mit 78 Lymphompatienten und 79 Kontrollen (TUNEL) [s51], die Untersuchung von 20 Hodgkin-Patienten vor der Therapie mit LH-Pulsatilität und computergestützter Spermienanalyse [s286] und eine italienische Fall-Kontroll-Studie zur Frage, ob schlechte Samenqualität dem Hodentumor vorausgeht (EPSAM-Studie, Turin) [s192]. Nach dem Teilbericht liegen die Referenzzentren in Rom, Genua, Florenz, Neapel und Mailand; welche der genannten Arbeiten aus welchem dieser Zentren stammt, nennen die Abstracts nicht durchgehend, deshalb sind nur die im Teilbericht ausdrücklich benannten Orte angegeben.
Ein nationales italienisches Register wurde in den abgerufenen Abstracts nicht beschrieben.
Leitlinien und Konsensus. Der Konsensus der Fondazione Italiana Linfomi und der Società Italiana della Riproduzione Umana (2023, Delphi-Verfahren, elf Experten, 78 Fragen oder Aussagen in sechs Bereichen, zwei Runden; Übereinstimmung nach Gwets AC zwischen 0,649 und 0,958) behandelt Fertilitätserhalt und Fertilitätsüberwachung bei erwachsenen Lymphompatienten; der Abstract nennt keine Samenwerte [s82]. Es ist ein Expertenkonsens, keine Bewertung der Studienqualität. Ein Dokument der Società Italiana di Andrologia konnte nicht abgerufen werden.
Fachzeitschriften und Publikationswege. Italienischsprachige Arbeiten erschienen in Minerva Urologica e Nefrologica und im Archivio Italiano di Urologia e Andrologia [s266, s277]. Die Kohorten erschienen in Human Reproduction [s195, s120, s271], in Antioxidants [s76], im Journal of Personalized Medicine [s24], in JCO Oncology Practice [s35] und anderen englischsprachigen Zeitschriften.
Regionale Besonderheiten. Als Besonderheit fällt die Dichte großer Referenzzentren auf; die Zahlen zur Hodgkin-Normozoospermie reichen von 14 % in der Samenbank Pordenone (Hodgkin) bis 75 % im römischen Zentrum [s228, s195]. Die Pordenone-Studie mischte Leukämie und Lymphom und hatte sehr kleine Gruppen. Solche Spannweiten können auf Selektion oder methodische Unterschiede hindeuten; die Abstracts machen dazu keine Angabe, und die Werte sind wegen unterschiedlicher Definitionen nicht ohne Weiteres vergleichbar [s256].
Erreichbarkeit der Datenbanken. Europe PMC und NCBI waren erreichbar. Die italienischen Fachgesellschaftsseiten und die Zeitschriften der Società Italiana di Andrologia waren nicht lesbar; die Startseite der Gesellschaft war erreichbar, eine Suche nach Leitlinien oder Positionspapieren ergab keine lesbaren Treffer. Deshalb ist der italienische Raum bei muttersprachlichen Arbeiten unterrepräsentiert; das ist eine Lücke des Zugangs, kein Beleg für fehlende Literatur.
Portugiesisch
Eigene Kohorten und Register. Es wurde keine portugiesischsprachige Originalstudie zu Samenqualität oder Kryokonservierung bei Krebs mit lesbarem Abstract gefunden. Der einzige portugiesischsprachige Treffer der Recherche (ein Beitrag von Ferreira und Mitarbeitern von 2011 in der Revista Brasileira de Ginecologia e Obstetrícia zum Fertilitätserhalt bei Krebs) ist ein Editorial ohne Abstract und bezieht sich nach seinem Titel auf Frauen; er ist keine Quelle dieser Studie. Die drei Einträge der Quellenliste mit der Kennzeichnung „pt“ sind englischsprachige Arbeiten, die nach der Erstautor-Affiliation Brasilien oder Portugal zugeordnet wurden: eine retrospektive Fall-Kontroll-Studie von Hallak und Mitarbeitern (2000, University of São Paulo) mit 89 Patienten mit Hodgkin-Krankheit, 18 mit Non-Hodgkin-Lymphom und 50 gesunden Spendern, in der Samenmerkmale vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen bei den Patienten signifikant niedriger waren als bei den Spendern [s279]; eine Übersichtsarbeit von Xavier und Mitarbeitern (2021, International Braz J Urol) zu Seminom und Nicht-Seminom, die berichtet, beide Subtypen verschlechterten die Samenqualität, bei Nicht-Seminomen offenbar stärker, und die ausdrücklich nur englische PubMed-Artikel einbezog [s127]; und ein Tierversuch von Rocha und Mitarbeitern (2021, Animal Reproduction) an 40 pubertierenden Wistar-Ratten mit Walker-256-Tumor, der quantitative Hodenveränderungen zeigte, aber keine Samenanalyse berichtet [s121]. Eine frühere Arbeit desselben Erstautors wie [s279], zu 25 Männern mit akuter oder chronischer Leukämie und 50 gesunden Spendern (1999), trägt in der Quellenliste keine Kennzeichnung „pt“; sie fand niedrigere Gesamtzahlen beweglicher Spermien vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen [s280]. Ein brasilianisches oder portugiesisches Register wurde nicht beschrieben.
Leitlinien und Konsensus. Aus dem portugiesischsprachigen Raum wurde keine Leitlinie und kein Konsensus gefunden, die sich abrufen ließ.
Fachzeitschriften und Publikationswege. Die portugiesischsprachige Forschung erscheint nach diesen Funden in englischsprachigen Zeitschriften (Journal of Assisted Reproduction and Genetics, International Braz J Urol, Animal Reproduction) [s279, s127, s121]. Die Zeitschrift JBRA Assisted Reproduction erscheint in der Quellenliste mit Arbeiten aus Chile und Uruguay (siehe Spanisch) [s181, s165].
Regionale Besonderheiten. Aus diesen drei Arbeiten lassen sich keine regionalen Besonderheiten ableiten; sie sind eine Fall-Kontroll-Studie, eine nichtsystematische Übersicht und ein Tierversuch.
Erreichbarkeit der Datenbanken. SciELO und LILACS (BVS), die für diesen Sprachraum am ergiebigsten wären, waren nicht abrufbar: Die Suche von SciELO und die Seite von LILACS lieferten HTTP 403 mit einer Schutzseite, nur die SciELO-Startseite war erreichbar. Das Fehlen portugiesischsprachiger Studien ist daher eine Lücke des Zugangs und kein Beleg dafür, dass es solche Literatur nicht gibt.
Spanisch
Eigene Kohorten und Register. Der spanischsprachige Raum ist mit fünf muttersprachlichen Quellen und drei weiteren Einträgen dünn belegt: fünf muttersprachliche Arbeiten [s242, s269, s247, s138, s213], dazu die Leitlinie [s101] und zwei lateinamerikanische englischsprachige Kohorten [s181, s165]. Die größte eigene Kohorte ist die Studie von Navarro Medina und Mitarbeitern (2010, Actas Urológicas Españolas, Las Palmas): 101 Krebspatienten, die von April 1992 bis Oktober 2007 Samen einlagerten, 80 % telefonisch erreicht, mittleres Einfrieralter 25 Jahre, 41 % Hodentumor, 33 % ohne leibliche Kinder; 67 % waren vom Behandlungsteam auf die Möglichkeit einer Infertilität hingewiesen worden, nur 1 % der Proben waren ungeeignet, 4 % nutzten die Proben, 63 % wollten die Lagerung fortsetzen [s242]. Tovar-Rodríguez und Mitarbeiter (2014, Cirugía y Cirujanos, Mexiko) verglichen 37 Patienten mit Keimzelltumor (15 Seminom, 22 Nicht-Seminom) mit 35 Kontrollen: Bei Nicht-Seminomen waren LH, FSH und Testosteron erniedrigt, Estradiol und Prolaktin erhöht; fünf von ihnen hatten Oligozoospermie, drei Azoospermie, acht gaben keine Probe ab [s213]. Aus Lateinamerika stammen außerdem zwei englischsprachige Kohorten: 589 Proben von 543 Patienten mit Hodentumor (Chile, 1995 bis 2015; 44,3 % der Proben in allen Parametern normal nach WHO 2010, Verminderung der Gesamtzahl beweglicher Spermien durch das Auftauen um 32 %, nur 12 Patienten oder 2,2 % nutzten den Samen) [s181] und 324 ausgewertete Proben aus Uruguay, in der Krebsgruppe 113 Proben, davon 61,95 % Hodentumor; die Autoren nennen die Samenparameter der Krebsgruppe überraschend fast normal [s165]. Spanischsprachige Übersichten betreffen Kinder und Jugendliche (Andrés und Castel 2009, Anales de Pediatría; Medrano und Mitarbeiter 2020, Revista Internacional de Andrología) [s247, s138] und die Einlagerung bei erwachsenen Männern (González Casbas und Calderay Domínguez 2004, Archivos Españoles de Urología) [s269]. Ein spanisches Register wurde in den Abstracts nicht beschrieben. Ein spanischsprachiger Beitrag von Villavicencio (1990, 1991) lag nur als Titel ohne Abstract vor und wurde nicht geführt.
Leitlinien und Konsensus. Santaballa und Mitarbeiter (2022, Clinical & Translational Oncology) veröffentlichten die erste spanische multidisziplinäre Leitlinie, getragen von fünf Fachgesellschaften (Onkologie, Fertilität, Hämatologie, pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Strahlenonkologie); der Abstract nennt keine Einzelempfehlungen zu Spermien [s101]. González Casbas und Calderay Domínguez schreiben, jeder Mann im zeugungsfähigen Alter, der künftige Vaterschaft wünschen könnte, solle laut den Autoren das Angebot der Einlagerung erhalten, mit Ausnahme von Patienten mit Azoospermie bei der Diagnose [s269]. Das ist die Aussage der Autoren, keine Empfehlung dieser Studie.
Fachzeitschriften und Publikationswege. Spanischsprachige Arbeiten erschienen in Actas Urológicas Españolas, Archivos Españoles de Urología, Anales de Pediatría, der Revista Internacional de Andrología und in Cirugía y Cirujanos [s242, s269, s247, s138, s213]. Die lateinamerikanischen Kohorten erschienen in JBRA Assisted Reproduction auf Englisch [s181, s165]. Die Leitlinie erschien in einer englischsprachigen Zeitschrift der spanischen Onkologiegesellschaften [s101].
Regionale Besonderheiten. Die spanischsprachige Literatur ist stärker von Übersichten und kleinen Einzelzentrumsstudien geprägt als von großen Kohorten. Ein Hinweis auf die Versorgungslage ist der Befund aus Las Palmas, dass nach den Angaben der Patienten nur zwei Drittel vom Behandlungsteam auf die mögliche Infertilität hingewiesen worden waren [s242].
Erreichbarkeit der Datenbanken. Dialnet lieferte HTTP 503 mit einer Skript-Schutzseite und war nicht durchsuchbar; SciELO und LILACS waren gesperrt (HTTP 403). Spanischsprachige Literatur wurde daher nur über Europe PMC und PubMed erreicht und ist vermutlich unterrepräsentiert.
Chinesisch
Eigene Kohorten und Register. Aus dem chinesischen Raum (Festland, Hongkong, Taiwan; klinisch getrennte Versorgungssysteme) stammen die größten Samenbank-Auswertungen der gesamten Recherche. Nur sieben Quellen sind chinesischsprachige Artikel, deren englischer Abstract abgerufen wurde, alle in der Zeitschrift Zhonghua Nan Ke Xue (Nationale Zeitschrift für Andrologie) [s157, s114, s126, s27, s26, s177, s178]; die Zahlen stammen aus diesen englischen Abstracts, die Volltexte konnten nicht gelesen werden. Die Originaltitel waren nicht abrufbar; bekannt ist nur die englische Übersetzung des Titels.
Die zentralen Kohorten: Aus Guangdong stammt die Auswertung von Wang und Mitarbeitern (1.034 Patienten, 2010 bis 2021). 302 Patienten hatten Tumoren des Fortpflanzungssystems (99,0 % Hodentumoren), 732 andere Tumoren; die mediane Konzentration lag bei 21,0 gegenüber 56,0 Mio/ml (p < 0,001), und mindestens 15 Mio/ml hatten 59,9 % gegenüber 85,8 %. Von 1.194 zunächst erfassten Männern kam bei 160 die Kryokonservierung nicht zustande; 63 Patienten (6,1 %) hatten bis zum 30. April 2022 ihre Proben genutzt [s87]. Ebenfalls aus Guangdong stammt die einzige Studie mit gematchter Vergleichsgruppe: 445 Krebspatienten gegenüber 9.170 Samenspendern, 413 Patienten wurden 798 Spendern zugeordnet; Krebserkrankungen insgesamt waren mit niedrigerer Konzentration, geringerer Beweglichkeit und weniger Normalformen verbunden, Hodentumor, Hodgkin-Lymphom und Leukämie mit niedrigerer Konzentration oder Gesamtzahl [s93]. Die Spender sind eine selektierte, besonders fertile Gruppe, was die Unterschiede vergrößern kann. Eine weitere Guangdong-Arbeit (1.156 Männer, 2016 bis 2019) berichtet, 857 (74,1 %) hätten Erfolg gehabt und 299 (25,9 %) nicht; die Misserfolgsrate lag in der Tumorgruppe bei 17,2 % und in der Mikro-TESE-Gruppe bei 56,1 % [s126]. Aus Chengdu (Sichuan-Spermabank) stammen eine Auswertung mit 339 Männern, in der Leukämiepatienten (n = 18) die niedrigste mediane Konzentration (18,5 Mio/ml) hatten und bei 46,2 % der hämatologischen Patienten keine Spermien einfrierbar waren [s116], sowie weitere Arbeiten zu Keimzelltumoren [s115], zu 275 Jugendlichen aus 16 Spermabanken (88,7 % erfolgreiche Kryokonservierung) [s59] und zum Nasopharynxkarzinom (79,4 % vor der Behandlung normozoosperm) [s29]. Die multizentrische Erhebung aus 16 Regionen (2010 bis 2020) berichtet, dass im Jahr 2020 der Anteil kryokonservierender Männer von 15 bis 39 Jahren bei Hodentumoren 5,55 %, bei Lymphomen 1,29 % und bei Leukämien 0,39 % betrug und dass 22,2 % der Leukämiepatienten azoosperm waren, was die Autoren auf den dringlichen Behandlungsbeginn zurückführen [s60]. Aus Peking stammen 145 Männer (nur 9,7 % nutzten ihre Proben) [s145], 662 Männer mit 351 Krebspatienten und 311 Männern ohne Krebs (Nutzungsrate 6,34 %) [s104] und eine Auswertung zur Eigenspermakonservierung (251 Männer, Nutzungsrate 5,58 %) [s157]. Aus Chongqing stammen 76 Männer mit Eigenspermakonservierung [s114]. Eine multizentrische Untersuchung von 1.548 Männern, in der nur 1,9 % der Proben von Krebspatienten stammten [s244], und eine Nachbefragung von 125 Patienten mit einseitigem Hodentumor [s210] ergänzen das Bild.
Hongkong ist mit 130 Patienten (1995 bis 2012; 4 % der 110 Eingefrorenen nutzten das Material) [s219] und mit einer Auswertung des öffentlichen Programms (August 2020 bis Februar 2023; mediane Zeit von der Überweisung bis zur Konsultation 4 Tage; bei 84,5 % gelang die Kryokonservierung) vertreten [s46]. Taiwan ist vertreten mit einer Zehnjahres-Erfahrung aus Taipeh [s263], einer Studie mit 50 Männern mit Hodentumor (Erfolgsrate der Kryokonservierung 52 %, Zusammenhang mit α-Fetoprotein und Tumorvolumen) [s196], zwei Studien zur mikrochirurgischen Hodenspermiengewinnung nach früherer Chemotherapie (Gewinnungsrate 47 % beziehungsweise 39,3 %; bei Cyclophosphamid-Äquivalentdosis über 4000 mg/m² keine lebensfähigen Spermien) [s86, s55] und einem frühen Fallbericht einer Schwangerschaft nach ICSI mit kryokonserviertem Samen bei Seminom [s284]. Studien zu Hodgkin-Lymphomen allein liegen aus dem chinesischen Raum nicht vor; das Hodgkin-Lymphom erscheint nur als Untergruppe, etwa in [s93]. Ein zentrales Register der Spermabanken wurde in den Abstracts nicht beschrieben; die Daten stammen aus einzelnen „Humanen Spermabanken“.
Leitlinien und Konsensus. Eine chinesische Leitlinie wurde nicht als Quelle gefunden. Fu und Mitarbeiter (Zhonghua Nan Ke Xue, 2025) fassten aus 21 Arbeiten (darunter acht Leitlinien und vier Expertenkonsense) 33 Evidenzaussagen zum Fertilitätsmanagement bei Hodenkrebs in sechs Bereichen zusammen; der Abstract nennt keine einzelnen Empfehlungen [s26]. Die Metaanalyse von Li und Mitarbeitern (69 Studien, 32.234 Patienten; gepoolte Nutzungsrate 9 %, Vernichtungsrate 23 %) durchsuchte unter anderem CNKI; wie viele chinesischsprachige Studien eingeschlossen wurden, nennt der Abstract nicht [s58]. Fachübersichten sind Dong und Mitarbeiter sowie Fu und Mitarbeiter von 2017 [s177, s178], Ma und Xi 2025 [s30], eine bibliometrische Analyse von 3.201 Artikeln [s54] und Sung und Mitarbeiter 2024 zur Kryokonservierung unreifen Hodengewebes [s63].
Fachzeitschriften und Publikationswege. Ein Teil der Evidenz erscheint in Zhonghua Nan Ke Xue mit englischem Abstract [s157, s114, s126, s27, s26, s177, s178]; die übrigen Arbeiten erschienen in englischsprachigen Zeitschriften wie Asian Journal of Andrology [s87, s244, s210], Andrology [s93], Basic and Clinical Andrology [s116, s104], Cancer Medicine [s59], Medical Science Monitor [s145] und Human Reproduction Open [s58].
Regionale Besonderheiten. Erstens ist das Tumorspektrum ein anderes als in Japan: Das Nasopharynxkarzinom tritt als eigene große Gruppe auf (15,7 % der Nicht-Fortpflanzungstumoren bei Wang) [s87, s93, s60, s29]. Zweitens beschreibt die multizentrische Erhebung ein Gefälle zwischen östlichen, zentralen und westlichen Regionen [s60]. Drittens tauchen soziokulturelle Faktoren auf: In einer qualitativen Studie mit 18 Hodenkrebs-Patienten erscheinen „traditionelle Vorstellungen zur Fortpflanzung“, Unterstützung durch die Familie und Kosten als Einflussfaktoren auf die Entscheidung zum Fertilitätserhalt [s27]. Eine Befragung von 332 männlichen Krebspatienten ergab, dass nur 10,6 % vor der Behandlung Fertilitätserhalt gewählt hatten und 68,7 % während der Therapie mehr Information wünschten [s143]; eine parallele Arbeit mit 103 medizinischen Mitarbeitenden fand bei 70 % bis 80 % beider Gruppen fehlendes Wissen [s136]. Ob beide Arbeiten dieselbe Stichprobe von 332 Patienten verwenden, lässt sich aus den Abstracts nicht sicher sagen. Viertens fallen niedrige Nutzungsraten auf (3,7 % bis 9,7 % in den Serien [s60, s145, s104, s157, s87]) bei verbreitetem Zeitdruck: Bei Leukämie erfolgte die Probengewinnung häufig erst nach Therapiebeginn [s60, s263]. Fünftens liegen aus China auch Tierversuche zu Chemotherapeutika vor (Busulfan, Cyclophosphamid, Cisplatin), die Mechanismen betreffen, aber nichts über Patienten vor der Behandlung aussagen [s28, s56, s68, s52, s142]. Eine kombinierte Studie an 52 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom und an Mäusen (CHOP) nennt für Östradiol eine Fläche unter der Kurve von genau 1, was bei kleiner Stichprobe eher auf Überanpassung des Modells hindeutet [s67].
Erreichbarkeit der Datenbanken. Europe PMC und die NCBI-E-utilities waren erreichbar. CNKI lieferte nur eine Weiterleitungsseite und auf die Suchanfrage keine Antwort; Wanfang antwortete mit HTTP 200, die Suchseite enthielt aber keine auswertbaren Treffer, weil der Inhalt per Skript nachgeladen wird. Die chinesische Inlandsliteratur dürfte deshalb unterrepräsentiert sein; wie viel sie enthält, lässt sich aus diesen Abrufen nicht sagen.