Akrosom. Kappenartige Struktur am Spermienkopf, deren Enzyme bei der Befruchtung freigesetzt werden. Die Akrosomreaktion gehört zur Befruchtungsfähigkeit.
Akrosin. Enzym im Akrosom; verminderte Akrosinaktivität wird als Hinweis auf eine Funktionsstörung der Spermien gewertet [s108].
Antiinfektivum. Oberbegriff für Arzneimittel gegen Krankheitserreger: Antibiotika (Bakterien), Antimykotika (Pilze), Antimalariamittel (Plasmodien), Antiparasitika, antivirale Mittel.
Asthenozoospermie. Verminderter Anteil beweglicher Spermien im Ejakulat.
Azoospermie. Fehlen von Spermien im Ejakulat.
Bakteriospermie. Nachweis von Bakterien im Samen. Schwellenwerte, ab denen sie als behandlungsbedürftig gilt, sind uneinheitlich; in mehreren Studien wird sie ab 1000 Kolonie-bildenden Einheiten pro ml angenommen [s54].
Biomonitoring. Messung von Stoffen oder deren Abbauprodukten in Körperflüssigkeiten (hier Urin), um die Aufnahme zu schätzen.
Blut-Hoden-Schranke. Zellverbund der Sertoli-Zellen, der die Keimzellen im Hoden vom Blut abschirmt; sie beeinflusst, welche Wirkstoffe in den Samenkanälchen ankommen.
CASA. Computergestützte Spermienanalyse; liefert Bewegungsparameter wie VCL (Kurvengeschwindigkeit), VSL (Geschwindigkeit der Luftlinie), VAP (mittlere Pfadgeschwindigkeit).
Cochrane-Übersicht. Systematische Übersichtsarbeit nach festen Methodenregeln, meist mit Metaanalyse.
Comet-Test (Kometenschweif-Test). Einzelzell-Gelelektrophorese zum Nachweis von DNA-Schäden; geschädigte DNA bildet einen „Schweif“.
CYP17A1 (17α-Hydroxylase/C17,20-Lyase). Enzym der Androgensynthese; wird von Azol-Antimykotika gehemmt [s13].
DNA-Fragmentierung (DFI). Anteil von Spermien mit geschädigter oder gebrochener DNA, angegeben als Fragmentierungsindex.
Epididymitis, Orchitis. Entzündung des Nebenhodens beziehungsweise des Hodens.
Eradikation. Vollständige Beseitigung eines nachgewiesenen Erregers; wird meist per Kultur oder PCR kontrolliert.
Evidenzgrad. Einstufung der Stärke der Studienlage in einer Leitlinie; niedrigere Zahlen stehen für stärkere Evidenz. Die EAU-Texte in diesem Kapitel nennen die Grade 2a und 3; die genauen Definitionen stehen in der Leitlinie.
Flagellum. Geißelfaden der Spermie, der die Bewegung antreibt. Flagellumdefekte zählen zu den Morphologiestörungen der Spermien.
GRADE. System zur Bewertung der Vertrauenswürdigkeit von Evidenz (hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig).
Hyperaktivierung. Besonders kräftiges, asymmetrisches Bewegungsmuster von Spermien, das die Befruchtungsfähigkeit begleitet [s247].
Johnsen-Score. Histologische Bewertung der Spermatogenese in Hodengewebe anhand der am weitesten gereiften Keimzellen.
Kolonisation. Besiedlung mit Mikroorganismen ohne Krankheitswert; im Unterschied zur Infektion.
Konfidenzintervall. Bereich, in dem der wahre Wert mit einer festgelegten Sicherheit (meist 95 Prozent) liegt; ein breites Intervall zeigt Unsicherheit an.
Leukozytospermie (Leukospermie, Pyospermie). Erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen im Samen. Als Grenze gilt in den zitierten Quellen mehr als 1 Million peroxidasepositive Zellen pro ml [s07, s54]. Sie bedeutet nicht notwendigerweise eine Infektion [s07].
Leydig-Zellen. Zellen des Hodens, die Testosteron bilden.
MAGI. Male Accessory Gland Infection, Infektion der männlichen akzessorischen Geschlechtsdrüsen (Prostata, Samenbläschen, Nebenhoden und andere).
Metaanalyse. Statistische Zusammenfassung mehrerer vergleichbarer Studien.
Mykoplasmen, Ureaplasmen. Zellwandlose Bakterien (Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium, Ureaplasma urealyticum, Ureaplasma parvum), die im Urogenitaltrakt vorkommen; sprechen auf Wirkstoffe mit Zellwandangriff nicht an.
Nitrofurane. Wirkstoffgruppe, zu der Nitrofurantoin, Furazidin und Nitrofurazon gehören.
Nitroimidazole. Wirkstoffgruppe mit Metronidazol, Tinidazol und Ornidazol.
Odds Ratio (OR). Verhältnis der Chancen für ein Ereignis in zwei Gruppen; ein Wert über 1 bedeutet höhere Chancen in der ersten Gruppe, sofern das Konfidenzintervall die 1 nicht einschließt.
Oligozoospermie, Oligoasthenoteratozoospermie (OAT). Verminderte Spermienzahl beziehungsweise Kombination aus verminderter Zahl, verminderter Beweglichkeit und veränderter Form.
Oxidativer Stress, reaktive Sauerstoffspezies (ROS). Ungleichgewicht zwischen aggressiven Sauerstoffverbindungen und Schutzsystemen; schädigt Membranen und DNA der Spermien.
Peroxidasepositive Zellen. Weiße Blutkörperchen, die im Samen mit dem Peroxidase-Test nachgewiesen werden.
Placebo. Scheinpräparat ohne Wirkstoff; Voraussetzung, um die Wirkung eines Mittels von Erwartung und Spontanverlauf zu trennen.
Preprint. Vorabveröffentlichung ohne Fachbegutachtung.
Prostatitis (NIH-Kategorien). Kategorie II: chronische bakterielle Prostatitis; IIIa: entzündliches chronisches Beckenschmerzsyndrom; IV: symptomlose entzündliche Prostatitis.
Querschnittsstudie. Erhebung zu einem einzigen Zeitpunkt; erlaubt keine Aussage über Ursache und Folge.
Randomisierte kontrollierte Studie (RCT). Studie, in der die Teilnehmenden zufällig auf Behandlung und Vergleich verteilt werden.
Regression zur Mitte. Statistischer Effekt: Extrem niedrige oder hohe Ausgangswerte liegen bei einer zweiten Messung im Mittel näher am Durchschnitt, auch ohne Behandlung.
Resistenz. Unempfindlichkeit eines Erregers gegen einen Wirkstoff; Polyresistenz bezeichnet Resistenz gegen mehrere Wirkstoffe.
Risikoverhältnis (relatives Risiko, RR). Verhältnis der Ereignishäufigkeiten in zwei Gruppen.
Samenplasma (Seminalplasma). Flüssiger Anteil des Ejakulats ohne Zellen.
Scoping-Review, Umbrella-Review. Übersichtsformen: Das Scoping-Review kartiert ein Feld, das Umbrella-Review fasst bereits vorhandene Übersichten zusammen.
Sertoli-Zellen. Stützzellen des Hodens, die die Keimzellen versorgen und die Blut-Hoden-Schranke bilden.
Spermatogenese. Bildung der Spermien in den Samenkanälchen des Hodens.
Spermiogramm. Standardisierte Analyse des Ejakulats (Volumen, Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie und weitere Merkmale).
StAR. Steroidogenic Acute Regulatory Protein; Transportprotein im ersten Schritt der Testosteronbildung [s32].
Steroidogenese. Bildung von Steroidhormonen wie Testosteron.
Sulfasalazin. Sulfonamid-Salicylat-Verbindung, eingesetzt bei Darm- und Rheumaerkrankungen; kein klassisches Antibiotikum, aber als reversible Ursache gestörter männlicher Fertilität bekannt.
Teratozoospermie. Erhöhter Anteil von Spermien mit veränderter Form.
Tetrazykline. Antibiotikagruppe mit Tetracyclin, Doxycyclin, Minocyclin und Oxytetracyclin.
Tierversuch, Zellmodell, Ex-vivo-Versuch. Präklinische Untersuchungen am lebenden Tier, an Kulturzellen beziehungsweise an entnommenem Gewebe; sie erlauben Aussagen zu Mechanismen, nicht zu Häufigkeiten beim Menschen.
TUNEL, Annexin V. Färbeverfahren, die Zellen in der Apoptose (programmierter Zelltod) markieren.
Vorher-Nachher-Studie. Vergleich derselben Personen vor und nach einer Behandlung, hier meist ohne Kontrollgruppe.
Zweitangabe. Zahl oder Aussage, die ein Artikel aus einer anderen Arbeit übernimmt und die für dieses Kapitel nicht am Original geprüft wurde.