Fragestellung und Umfang
Die Studie untersucht, was die veröffentlichte Fachliteratur über den Zusammenhang zwischen Antiinfektiva und der Spermienqualität berichtet. Der Begriff Antiinfektiva umfasst hier Antibiotika (darunter die ausdrücklich genannten Gruppen Nitrofurantoin, Metronidazol und Tetrazykline sowie Fluorchinolone, Makrolide, Aminoglykoside, Betalaktame, Glykopeptide und Sulfonamide), Antimykotika (Ketoconazol, Fluconazol, Itraconazol, Terbinafin, Griseofulvin, Clotrimazol, Miconazol und andere), Antimalariamittel (Chloroquin, Hydroxychloroquin, Artemisinine, Chinin und weitere), Antituberkulotika, antivirale und antiretrovirale Mittel sowie Antiparasitika. Sulfasalazin ist kein Antibiotikum im engen Sinn, enthält aber ein Sulfonamid und ist der am besten belegte Einzelfall; es wird deshalb mitgeführt.
Die Fragestellung zerfällt in Teilfragen, die in den Quellen oft nicht auseinandergehalten werden. Eine Studie, die nach einer Antibiotikatherapie bessere Samenwerte findet, beantwortet eine andere Frage als eine Studie, die bei gesunden Tieren unter hohen Dosen Hodenschäden findet. Die Gesamtstudie ordnet die Befunde deshalb nach Fragetyp und Studiendesign: Behandlung einer Infektion oder Entzündung, mögliche Schädigung durch den Wirkstoff, Wirkung auf die Hormonbildung, Wirkung auf Spermien im Reagenzglas, Wirkung auf Nachkommen und Darmmikrobiom.
Wie recherchiert wurde
Die Recherche fand am 5. Oktober 2026 statt und lief in drei Linien nach Sprachräumen: Linie a (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch) lieferte 169 Quellen, Linie b (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch) 64 Quellen und Linie c (Russisch, Arabisch, Türkisch) 74 Quellen. Zusammen sind das 307 Funde. Dubletten wurden über die PubMed-Nummer, die DOI oder den Titel zusammengeführt (21 Fälle); übrig blieben die 286 Quellen dieser Studie, die in der Quellenliste fortlaufend von s01 bis s286 nummeriert sind. Im Text steht die Kennung in eckigen Klammern, zum Beispiel [s38] oder [s38, s117].
Abgerufen wurde über die REST-Schnittstelle von Europe PMC und über die E-utilities der NCBI (esearch, esummary, efetch). Die PubMed-Webseite wurde auftragsgemäß nicht verwendet. Die Suchen kombinierten je Wirkstoff oder Wirkstoffgruppe Begriffe zu Spermien, Sperma, Hoden, Spermatogenese und männlicher Fruchtbarkeit mit Begriffen zu Leukozytospermie, Bakteriospermie, Prostatitis, Nebenhodenentzündung, Samenkultur und DNA-Fragmentierung. Dazu kamen Abfragen in der Landessprache (zum Beispiel französisch, italienisch, spanisch, deutsch, chinesisch, japanisch, koreanisch, russisch, arabisch und türkisch) und Abfragen nach Fachzeitschriften der jeweiligen Sprachräume. Für einzelne Sprachräume wurden zusätzlich nationale Schnittstellen genutzt: CyberLeninka für Russisch (25 Abfragen, 385 eindeutige Datensätze, bei sechs Arbeiten wurde der Volltext gelesen), TR Dizin für Türkisch (29 Abfragen, 565 eindeutige Datensätze) und die Programmierschnittstelle von J-STAGE für Japanisch. Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU, Kapitel Male Infertility) und der AUA/ASRM wurden als Webtext direkt abgerufen und durchsucht [s07, s105].
Die Auswahl erfolgte nach dem Abstract. Aus mehreren hundert Treffern der Linie a wurden rund 200 Abstracts gelesen und 169 Arbeiten aufgenommen. Ausgeschlossen wurden reine Fallberichte, Arbeiten aus der Tierzucht, bei denen Antibiotika nur als Zusatz in Besamungsverdünnern von Eber, Bullen oder Hähnen vorkommen, Arbeiten, die nur Pflanzenextrakte als Schutzstoffe prüfen, ohne dass das Antiinfektivum im Mittelpunkt steht, und Veröffentlichungen in nicht vorgesehenen Sprachen. Einzelne Konservierungsstudien an Tiersperma sind trotzdem enthalten, weil sie zeigen, dass dieselben Wirkstoffe je nach Konzentration schützen oder schaden können [s46, s101, s59]. In Linie c wurden aus mehreren tausend Datensätzen (Europe PMC: zwei Suchläufe mit 3943 und 2991 eindeutigen Treffern) diejenigen ausgewählt, in denen Titel oder Abstract sowohl einen Wirkstoff als auch Spermien, Samen oder Hoden nennen und eine Affiliation aus Russland, der Türkei oder einem arabischen Land vorliegt.
Die Quellenbasis in Zahlen
Die 286 Quellen stammen aus den Jahren 1975 bis 2026. 47 erschienen vor dem Jahr 2000, 171 seit 2015, davon 47 in den Jahren 2025 und 2026. Nach der Angabe zum Studiendesign in der Quellenliste, grob gezählt, sind rund 130 Quellen Tierversuche, rund 90 Studien am Menschen (Beobachtungs-, Interventions- und Laborstudien), 13 Zell-, In-vitro- und Ex-vivo-Versuche, 39 Übersichten und Metaanalysen und 9 Leitlinien. Die Zählung ist eine Näherung, weil manche Arbeiten mehrere Designs verbinden. Rund 14 Humanstudien werden im Design als randomisiert geführt; die meisten davon haben weniger als 100 Teilnehmer, und einige sind in Wahrheit Vergleiche zweier Behandlungsdauern oder Zusatzpräparate ohne unbehandelte Kontrolle [s258, s177, s273].
Nach dem Sprachraum, über den die Quellen gefunden wurden, verteilen sie sich so: 220 englisch, 18 russisch, 16 chinesisch, 10 spanisch, 7 japanisch, 6 deutsch, 4 französisch, 3 türkisch und 2 italienisch. Für Koreanisch, Arabisch und Portugiesisch wurde keine Quelle in der Originalsprache gefunden. Die koreanische Literatur ist über vier Quellen aus Korea vertreten, die auf Englisch erschienen (eine systematische Übersicht und drei Zellmodelle) [s157, s52, s45, s37]. Der arabische Raum ist nur über englischsprachige Arbeiten aus Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Irak, Algerien und Marokko erreichbar. Eine Quelle über den Sprachraum „Englisch“ zu verbuchen, sagt also nicht, dass das Thema dort anders behandelt wird als anderswo; es sagt, welche Linie sie gefunden hat.
Was die Auswertung nicht leisten kann
Überwiegend Abstracts. Zahlen, Konfidenzintervalle und p-Werte stehen in dieser Studie nur, wo sie im Abstract oder im abgerufenen Webtext stehen. Volltexte wurden außer bei den beiden Leitlinien und bei sechs russischsprachigen Arbeiten nicht ausgewertet [s229, s119, s171, s170, s108, s65]. Wo ein Abstract bei einem Kleiner-als-Zeichen abbricht, wie es die Europa-PMC-Schnittstelle bei einigen Einträgen tut, steht kein p-Wert. Einige ältere Abstracts sind abgeschnitten [s254, s274], andere enthalten offensichtliche Fehler: bei einem Abstract ist die Angabe „7 von 17 (6 Prozent)“ rechnerisch nicht plausibel [s250], bei einem anderen überschreitet ein Konfidenzintervall 100 Prozent [s114], bei einem dritten ist eine Angabe unlesbar [s260]. Solche Stellen werden nicht ausgewertet oder ausdrücklich so benannt. „Nicht im Abstract angegeben“ bedeutet nicht, dass die Arbeit die Angabe nicht enthält.
Zweitangaben. Mehrere Übersichten geben Zahlen aus anderen Arbeiten wieder [s119, s171, s65]. Solche Zahlen sind nicht selbst geprüft und werden, wo sie überhaupt erscheinen, als Zweitangabe gekennzeichnet.
Nicht erreichbare Datenbanken. Die Prüfung der Erreichbarkeit am 5. Oktober 2026 ergab für einen großen Teil der nationalen Datenbanken keinen Zugang: CNKI, Wanfang, CiNii, KCI, KoreaMed und DBpia für den ostasiatischen Raum; Dialnet, SciELO, LILACS und Cairn für den spanisch-, portugiesisch- und französischsprachigen Raum; DergiPark, eLIBRARY.ru, Arab World Research Source, Mandumah, IASJ und ASJP für den türkischen, russischen und arabischen Raum. Das AWMF-Leitlinienregister lieferte nur eine leere Rahmenseite, die Cochrane-Webseite nur eine Suchhülle, die Seiten der ESHRE nur eine Übersicht ohne den Inhalt einzelner Leitlinien, und HAL lieferte keine begutachtete Studie zum Thema. Kyrillische, arabische und überwiegend auch türkische Suchbegriffe fanden in Europe PMC keine Treffer, weil dort fremdsprachige Titel nur in englischer Übersetzung geführt werden. Daraus folgt: Die Literatur, die nur in diesen Datenbanken liegt, fehlt hier mit hoher Wahrscheinlichkeit. Vor allem chinesische Klinikstudien, spanisch- und portugiesischsprachige Arbeiten, türkische Zeitschriften und russische Arbeiten aus eLIBRARY sind unterrepräsentiert. Dass die Literatur in einem Sprachraum dünn erscheint, ist daher kein Beweis dafür, dass sie dünn ist. Auch die Aussage „nicht gefunden“ gilt nur für die durchsuchten Datenbanken.
Preprints, Konferenzbeiträge, Herstellerstudien. Zwei Arbeiten sind nicht begutachtete Preprints [s17, s25], eine ist ein Konferenzbeitrag [s170]. Die Studie zu Levofloxacin in Ratten und Kaninchen stammt von einem Hersteller [s262]. Interessenkonflikte lassen sich anhand der Abstracts meist nicht beurteilen.
Wie die Evidenz eingeordnet wird
Jede Aussage wird nach Studiendesign eingeordnet. Randomisierte Studien mit unbehandelter Kontrolle gelten als stärker als Vorher-Nachher-Studien, diese als stärker als Fallserien; Beobachtungsstudien am Menschen erlauben Aussagen über Zusammenhänge, nicht über Ursachen. Tierversuche und Zellmodelle zeigen, was unter den gewählten Bedingungen möglich ist, aber nicht, was bei der üblichen Einnahme beim Menschen geschieht: Die Dosen sind häufig ein Vielfaches der klinischen, die Gabe erfolgt oft in die Bauchhöhle, und viele Arbeiten testen Schutzstoffe gegen einen vorausgesetzten Schaden, sodass die Aussage zum Antibiotikum nur aus der Kontrollgruppe stammt. Bei Studien zur Behandlung von Infektionen ist die Krankheit ein Störfaktor: Die Entzündung beeinträchtigt die Spermien selbst, sodass die Besserung nach Therapie Rückbildung der Krankheit, Regression zur Mitte oder Zufall sein kann. Als Einschätzung dieser Studie gibt es vier Stufen der Evidenzstärke (hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig); sie sind keine GRADE-Urteile, sofern eine Quelle nicht selbst eine GRADE-Einstufung angibt [s19].
Zahlen stammen ausschließlich aus den Eingabedateien dieser Recherche (Quellenliste mit Studiendaten und die Berichte der drei Recherchelinien) oder aus Quellen, die für dieses Kapitel eigens abgerufen wurden. Einzelne Abstracts wurden zur Kontrolle erneut über Europe PMC geladen, darunter die Scoping-Übersicht zu Malaria [s05], die Übersicht zu häufigen Medikamenten [s14], das Kapitel von Drobnis und Nangia [s150] und die Cochrane-Übersicht [s128]; die Angaben stimmten mit den Berichten überein. Die WHO-Referenzwerte im Hintergrund-Kapitel stammen aus den Abstracts und dem Volltext der unten genannten Arbeiten und stehen nicht in der Quellenliste. Die Studie enthält keine Therapieempfehlung; Leitlinientexte werden wiedergegeben, nicht bewertet.