Antibiotika, Antimykotika und weitere Antiinfektiva · Kapitel 10 von 22 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

Kohorten, Vorher-Nachher-Studien und Fallserien mit Antibiotikabehandlung bis In-vitro-Studien an menschlichen Spermien und Messungen im Samenplasma

Kohorten, Vorher-Nachher-Studien und Fallserien mit Antibiotikabehandlung

Diese Studien haben keine gleichzeitige unbehandelte Kontrollgruppe. Eine Besserung nach Behandlung kann die Rückbildung der Entzündung, eine Regression zur Mitte (extreme Ausgangswerte fallen bei Wiederholung oft näher an den Durchschnitt), den Spontanverlauf oder Zufall abbilden.

Vicari 2000, Italien: intermittierende antimikrobielle Therapie bei Adnexdrüseninfektion [s239]. 122 Patienten mit bakterieller Infektion (mehr als 100.000 Kolonie-bildende Einheiten pro ml), nach Ultraschall eingeteilt in Prostatitis (n = 52), Prostatovesikulitis (n = 32) und Prostatovesikuloepididymitis (n = 38). Je Gruppe erhielt eine Untergruppe Ofloxacin oder Doxycyclin an 14 aufeinanderfolgenden Tagen pro Monat über drei Monate (Prostatitis n = 40, Prostatovesikulitis n = 20, Prostatovesikuloepididymitis n = 25), die übrigen blieben unbehandelt (n = 12, 12, 13). Die Partnerinnen wurden mitbehandelt. Die bakteriologische Heilungsrate nach dem dritten Zyklus war bei Prostatitis am höchsten (92,5 Prozent), bei Prostatovesikulitis 70,4 Prozent, bei Prostatovesikuloepididymitis 52,0 Prozent. Drei Monate nach Therapieende waren einige Spermienparameter, die Zahl der Leukozyten im Samen und die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies bei Prostatitis und Prostatovesikulitis verbessert, bei Nebenhodenbeteiligung nicht (außer dem Anteil aufgerollter Flagellen). Die spontane Schwangerschaftsrate lag bei 40 Prozent. Stärke: unbehandelte Vergleichsgruppen und Stratifizierung nach Infektionsort. Schwächen: keine Randomisierung, kleine Vergleichsgruppen, Mitbehandlung der Partnerinnen.

Vicari und Mitarbeiter 2016: Levofloxacin bei chronischer bakterieller Prostatitis [s163]. 110 infertile Patienten mit chronischer bakterieller Prostatitis (Samenkultur mit 100.000 oder mehr Kolonie-bildenden Einheiten pro ml, Erreger oder Chlamydien im exprimierten Prostatasekret) erhielten an 14 Tagen pro Monat über 3 Monate 500 mg Levofloxacin täglich; 37 fertile Männer dienten als Kontrolle. Bei Eradikation (Responder) stiegen die progressive Motilität, und sanken Leukozytenzahl, Viskosität des Samens, Verflüssigungszeit, Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, Tumornekrosefaktor alpha und Interleukin 6; die Werte unterschieden sich dann nicht von den fertilen Kontrollen. Bei schlechten Respondern verschlechterten sich alle Größen. Die Eradikationsrate lag bei etwa 71 Prozent, bei rund 29 Prozent bestand schlechtes Ansprechen. Schwäche: kein unbehandelter Arm; die Einteilung nach Therapieerfolg verzerrt den Vergleich. Die Studie kann nicht entscheiden, ob die Verschlechterung bei den schlechten Respondern der unbehandelten Infektion oder der Therapie zuzuschreiben ist.

Lindhof und Homey 2025: Ureaplasma parvum und Doxycyclin [s38]. Retrospektive Kohorte aus 3464 Samenproben zur Fertilitätsabklärung; Ureaplasma parvum fand sich per multiplex-PCR bei 12,4 Prozent. Infizierte Männer hatten ein signifikant niedrigeres Samenvolumen; Konzentration, Motilität, Morphologie und Entzündungsmarker unterschieden sich nicht. Bei 124 Männern mit dokumentierter Eradikation und Folgeuntersuchung stieg unter Doxycyclin die Spermienkonzentration von 4,01 ± 4,69 auf 9,20 ± 15,63 Millionen/ml (p = 0,01) und die Motilität von 18,97 ± 16,04 auf 29,66 ± 22,18 Prozent (p = 0,002); die peroxidasepositiven Leukozyten fielen von 1,84 ± 0,74 auf 0,68 ± 0,79 Millionen/ml (p = 0,005). Bei Männern mit normalen Ausgangswerten änderte sich nichts. Retrospektiv, kein Kontrollarm, Regression zur Mitte bei schlechten Ausgangswerten; die Autoren folgern selbst, der bloße Nachweis rechtfertige keine Routinebehandlung.

Zhang und Mitarbeiter 2020, Guilin: Ureaplasma urealyticum bei asymptomatischer Leukozytospermie [s117]. Von 1530 infertilen Männern hatten 295 eine asymptomatische Leukozytospermie, bei 95 davon wurde Ureaplasma urealyticum nachgewiesen; 81 erhielten Doxycyclin über 7 oder 14 Tage, bei 70 wurde die Infektion geheilt. Spermienkonzentration, progressive Motilität und normale Morphologie waren bei Leukozytospermie vermindert, bei Ureaplasma-positiver Leukozytospermie noch deutlicher; progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und normale Morphologie waren bei Ureaplasma-positiver gegenüber -negativer Leukozytospermie signifikant niedriger (alle p < 0,001). Die Heilungsrate betrug 84,62 Prozent im 7-Tage-Schema und 89,66 Prozent im 14-Tage-Schema (p = 0,738). Bei den Geheilten stiegen einen Monat nach Heilung Spermienkonzentration (p = 0,001), progressive Beweglichkeit (p = 0,022), Gesamtbeweglichkeit (p = 0,004) und normale Morphologie (p = 0,008). Ein Vorher-Nachher-Vergleich ohne gleichzeitige Kontrollgruppe, ausgewertet nur für die 70 Geheilten (mögliche Selektion); Schwangerschaften wurden nicht berichtet.

Novak und Mitarbeiter 2026 (Preprint, nicht begutachtet): Antibiotika bei asymptomatischen Urogenitalinfektionen [s17]. Retrospektive monozentrische Studie an 265 Paaren mit asymptomatischer Infektion (Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium oder Chlamydia trachomatis) bei mindestens einem Partner, gleichzeitige Behandlung beider. Gepaarte Samenanalyse und Apoptosetest vor und 0 bis 9 Monate nach Therapie. Spermienkonzentration, Gesamtzahl, Gesamt- und progressive Motilität und Anteil lebender Spermien stiegen signifikant, der Anteil spät apoptotischer oder nekrotischer Spermien und die berechnete DNA-Fragmentierung sanken signifikant (p-Werte im Abstract abgeschnitten). Die Autoren bezeichnen die Befunde selbst als hypothesenerzeugend.

Ahmadi und Mitarbeiter 2018: Chlamydia trachomatis [s133]. 165 infertile Männer mit abnormen Samenparametern gegen 165 gesunde fertile Männer. Chlamydien fanden sich bei 4,2 Prozent der infertilen gegen 0,6 Prozent der fertilen Männer. Infizierte Männer erhielten Antibiotika; einen Monat nach Therapieende hatten sich die meisten Samenparameter gebessert und den Normalbereich erreicht, die antioxidative Kapazität war erhöht, die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies gesunken. Bei 3 von 7 Partnerinnen (42,9 Prozent) trat vier Monate nach Therapieende eine Schwangerschaft ein. Nur sieben Männer wurden behandelt, ein Kontrollarm fehlt.

Gallegos und Mitarbeiter 2008: DNA-Fragmentierung bei Chlamydien- und Mykoplasmeninfektion [s207]. Prospektive Studie an 143 Männern mit urogenitaler Infektion durch Chlamydia trachomatis und Mykoplasmen und 50 fertilen Kontrollen; die Antibiotikawirkung wurde bei 95 Männern ausgewertet. Der mittlere Anteil von Spermien mit fragmentierter DNA betrug 35,2 ± 13,5 Prozent, das 3,2-Fache der Kontrollen (10,8 ± 5,6 Prozent). Nach 3,8 ± 2,2 Monaten Antibiotikatherapie fiel der Anteil von 37,7 ± 13,6 auf 24,2 ± 11,2 Prozent; Konzentration und Motilität besserten sich nicht signifikant. Von 16 Paaren, die während der Therapie schwanger werden wollten, wurden 12,5 Prozent schwanger, von 14 Paaren, die nach Therapieende versuchten, 85,7 Prozent. Der Vergleich ist beobachtend, nicht randomisiert und betrifft kleine Gruppen; ein Vergleich zeitlich unterschiedlicher Beobachtungsfenster ist kein kontrollierter Befund.

Moskovtsev und Mitarbeiter 2009: ursachenspezifische Behandlung bei hoher DNA-Schädigung [s199]. Retrospektive Studie an Männern mit Spermien-DNA-Schädigung über 30 Prozent. Bei 13 von 14 Männern (93 Prozent) mit Bakteriospermie verbesserte sich der DNA-Fragmentierungsindex nach Antibiotika (50,4 ± 19,1 gegenüber 38,6 ± 18,7 Prozent, p < 0,001). Zum Vergleich senkten Antioxidantien den Index bei 30 von 61 Männern (49 Prozent), die chirurgische Varikozelenbehandlung bei 7 von 9 (78 Prozent). Kleine Gruppe, keine Kontrolle.

Adel Domínguez und Mitarbeiter 2025: Ciprofloxacin, Doxycyclin und Meloxicam [s22]. 98 infertile Männer, zwei Samenproben vor und mindestens zwei Monate nach Behandlung (täglich 1000 mg Ciprofloxacin über 21 Tage und 100 mg Doxycyclin über 10 Tage, dazu 15 mg Meloxicam über 10 Tage). Nach der Behandlung stiegen pH, Spermienzahl, Gesamtkonzentration und Anteil normaler Formen signifikant; Volumen und progressive Motilität änderten sich nicht. Der mittlere Fragmentierungsindex fiel von 28,24 ± 2,39 auf 16,2 ± 7,1 Prozent. Da Antibiotika und ein Entzündungshemmer kombiniert wurden und eine Kontrolle fehlt, lässt sich der Beitrag der Antibiotika nicht trennen.

Pajovic und Mitarbeiter 2017: Doxycyclin bei steriler Leukozytospermie von Rauchern [s153]. 80 infertile Raucher mit steriler Leukozytospermie und früherer sexuell übertragbarer Infektion: 40 erhielten zwei Wochen Doxycyclin (100 mg zweimal täglich), 40 hörten nur mit dem Rauchen auf; eine Kontrollgruppe von 20 Männern mit chronischer abakterieller Prostatitis (CPPS IIIa) erhielt dasselbe Antibiotikum. Die Doxycyclingruppe hatte zwei Wochen nach der Behandlung signifikant höhere Werte für Volumen, Gesamt- und progressive Motilität als die Rauchstoppgruppe; die beiden Motilitätswerte blieben über 12 Wochen bestehen. Der Abstract nennt weder Verblindung noch Randomisierung.

Branigan, Spadoni und Muller 1995: Leukozytospermie bei ungeklärter Paarinfertilität [s250]. Prospektive Kohortenstudie; von 53 Männern mit Leukozytospermie sprachen 36 auf Antibiotika an (die Leukozytospermie verschwand); in diesen 36 Paaren wurden 19 Frauen (53 Prozent) innerhalb von sechs Monaten schwanger. Für die Nicht-Responder gibt der Abstract „7 von 17 (6 Prozent)“ an; 7 von 17 wären rechnerisch 41 Prozent, die Angabe ist offenbar fehlerhaft und wird hier nicht ausgewertet. Die Vergleichsgruppen sind nach Therapieerfolg gebildet.

Cardoso und Mitarbeiter 1998, Argentinien: bakteriologische Heilung bei asymptomatischen infertilen Männern [s241]. Fallserie an 29 Männern; häufigster Erreger Enterococcus faecalis. Die bakteriologische Heilung gelang in 24 Fällen und ging mit besserer Spermienkonzentration, Vitalität und Gesamtzahl beweglicher Spermien einher; bei den 5 ohne Heilung änderte sich die Samenanalyse nicht. Bei 45 Prozent der Infizierten lagen Granulozyten unter 0,5 Millionen/ml, die Granulozytenzahl taugt demnach schlecht als Infektionsmarker.

Liversedge und Mitarbeiter 1996: Samenkultur vor IVF [s249]. Retrospektiv wurden die Befunde von 449 Paaren in IVF oder GIFT betrachtet; die Isolationsraten bestimmter Keime stiegen bei längerer Transportzeit zum Labor (Enterokokken 27 gegenüber 15 Prozent; gramnegative Stäbchen 31 gegenüber 12 Prozent bei zwei oder mehr Tagen). In der prospektiven Teilstudie an 100 Paaren, von denen 52 Männer nach positiver Vorkultur antibiotisch behandelt worden waren, minderten Bakterien im Samen weder die Befruchtungsraten noch infizierten sie das Kultursystem. Gramnegative Stäbchen in der Scheide waren bei Partnern der behandelten Männer häufiger (15 von 52 gegenüber 5 von 48; 29 gegenüber 10 Prozent, p < 0,05). Die Autoren halten Screening und Behandlung asymptomatischer Männer vor IVF für unnötig und möglicherweise schädlich.

Gopalkrishnan und Mitarbeiter 1990: Trichomonas vaginalis im Samen [s269]. Von 1131 untersuchten Männern hatten 50 (4,42 Prozent) Trichomonaden im Nativpräparat. Viskosität und Debris waren erhöht, Motilität und normale Formen verringert (jeweils p < 0,001). Bei 25 Männern verbesserten sich die Samenwerte nach einem Behandlungskurs mit Metronidazol (400 mg dreimal täglich über 10 Tage). Kein Placebo, die Auswahl der Behandelten ist unklar. Es ist die einzige abgerufene Humanstudie mit Metronidazol als Behandlung und Spermienparametern als Ergebnis.

Weitere Behandlungsstudien (kurz). Magri und Mitarbeiter 2010 behandelten 55 symptomatische Männer mit chronischer Prostatitis und Chlamydiennachweis nach Lokalisation mit Azithromycin allein (3 Tage, 500 mg) oder 4 Wochen Levofloxacin plus Azithromycin; das Verschwinden der Chlamydien ging mit anhaltender Symptombesserung und einem Abfall des PSA einher, Spermienparameter waren nicht Zielgröße [s196]. Grande und Mitarbeiter 2022 sahen bei 104 infertilen Männern mit gramnegativen Keimen unter Fluorchinolonen eine vollständige Eradikation bei 64 von 84 Männern mit Probiotikum (76,2 Prozent) gegenüber 10 von 20 mit Antibiotikum allein (50 Prozent) [s89]. Grande 2025 fand bei 20 Männern mit anhaltender Adnexdrüseninfektion nach Antibiotikatherapie bei 75 Prozent eine Darmdysbiose [s30]. In der einarmigen Pilotstudie von Fabiani 2026 an 33 Paaren sank der Fragmentierungsindex nach einem Synbiotikum von 32,4 ± 6,1 auf 16,8 ± 4,2 Prozent (nach erfolgloser Antibiotikatherapie) [s11]. Grande 2025 berichtet in einer multizentrischen Kohorte von 1014 Paaren spontane Schwangerschaften bei 40,9 Prozent nach gezielter Behandlung, darunter Antibiotika bei Genitaltraktinfektion (43,1 Prozent der Männer ohne Frauenfaktor) [s29]. Morea und Mitarbeiter 1991 (italienisch) berichten für Norfloxacin eine Heilung der Infektion und eine statistisch signifikante Zunahme der Spermienbeweglichkeit ohne Nebenwirkungen, ohne Zahlen im Abstract [s264]. Moreno Pardo und Mitarbeiter 1979 (spanisch) behandelten 22 von 25 Patienten mit Samenbläschen- und Prostatapathologie und positiver Samenkultur bei 16 (76 Prozent) hauptsächlich mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol, teils mit Erythromycin; bei den 13 Patienten mit bekanntem Ergebnis normalisierte sich das Spermiogramm bei 5 (38 Prozent), mit einer Schwangerschaft [s282]. Ludwig und Haselberger 1977 (deutsch) verfolgten 46 Patienten nach akuter einseitiger unspezifischer Nebenhodenentzündung; 8 Tage nach Beginn zeigte sich bei mehr als zwei Dritteln eine Oligoasthenospermie, im Verlauf besserte sich dies, besonders mit örtlicher Infiltration des Samenstrangs mit 1-prozentigem Scandicain (24 Patienten erhielten außer Doxycyclin diese Infiltration); bei etwa 20 Prozent blieb eine so schwere Fertilitätsstörung, dass Sterilität resultierte [s284].

Behandlungsstudien und Beobachtungen aus Russland, Japan, China, Ägypten und Kuwait

Vinogradov und Mitarbeiter 2015, Russland: Levofloxacin 750 mg über 15 Tage [s170]. Unkontrollierte Pilotstudie an 34 Paaren, die sich auf IVF/ICSI vorbereiteten, mit Asthenoteratozoospermie und Leukospermie; die Männer waren im Mittel 34,1 ± 5,3 Jahre alt. Sexuell übertragbare Infektionen waren per PCR ausgeschlossen, zwei Samenkulturen blieben ohne Wachstum. Kontrolle 4 Wochen nach Therapieende (Mittelwert ± Standardabweichung, vorher gegenüber nachher): Ejakulatvolumen 2,1 ± 0,5 auf 2,4 ± 1,2 ml, Spermienkonzentration 35,6 ± 17,3 auf 39,1 ± 17,1 × 10^6, Anteil beweglicher Spermien (a+b) 14,1 ± 6,1 auf 21,1 ± 6,3 Prozent (p < 0,001), normale Morphologie 6,2 ± 3,4 auf 7,7 ± 3,6 Prozent (p = 0,005), Leukozyten 3,1 ± 1,1 auf 0,9 ± 0,5 × 10^6 (p < 0,001), reaktive Sauerstoffspezies 4,5 ± 1,5 auf 3,1 ± 1,6 (p < 0,001). Bei 4 Männern (11,7 Prozent) trat leichte Dyspepsie auf. Die Autoren sehen keinen offensichtlichen gametotoxischen Effekt. Keine Kontrollgruppe, keine Verblindung, nur 4 Wochen Nachbeobachtung, keine DNA-Fragmentierung, Konferenzbeitrag.

Lisakovskaya 2003, Wladiwostok: 20 Antibiotika bei 243 Männern [s229]. Beobachtungsstudie an 243 Männern im Alter von 18 bis 39 Jahren, die wegen nicht schwerer Erkrankungen (unter anderem Pharyngitis, Otitis, Bronchitis, Pyelonephritis, subklinische intrazelluläre Infektionen des Harn- und Genitaltrakts, perioperative Gabe) eine Monotherapie mit einem von 20 Antibiotika erhielten, für 10 bis 30 Tage in mittleren Dosen. Ejakulat und Serumtestosteron wurden dreimal bestimmt: vor der Gabe, 3 Tage nach Absetzen und 3 Monate nach Therapieende. Der Autor teilt die Wirkstoffe in drei Gruppen:

  1. Keine Störung von Samenproduktion, Ejakulatqualität und Testosteron: nur Amoxicillin und Azithromycin.
  2. Kurzzeitige Störung: Amikacin, Ampicillin, Cefazolin, Cefuroxim, Ciprofloxacin und Roxithromycin führten am Kurende zu signifikant mehr pathologischen Spermienformen und weniger beweglichen Spermien; Furazidin und Nitroxolin senkten zusätzlich den Testosteronspiegel. Nach 3 Monaten waren die Werte wieder auf dem Ausgangsniveau.
  3. Anhaltende Störung, am Kurende nachweisbar und nach 3 Monaten noch vorhanden: Metronidazol, Gentamicin, Doxycyclin, Lincomycin, Nitrofurantoin, Pefloxacin, Pipemidsäure, Rifampicin, Cefotaxim und Ceftriaxon; Doxycyclin, Lincomycin, Nitrofurantoin, Rifampicin und Ceftriaxon senkten zusätzlich die Testosteronkonzentration.

Es ist eine der wenigen Humanstudien, die viele Wirkstoffe mit demselben Protokoll untersucht, mit Nachbeobachtung nach 3 Monaten und Hormonbestimmung. Der Autor nennt selbst Grenzen: Der Ausgangswert wurde nur einmal und ohne Abstinenzzeit erhoben, neben systemischen Mitteln wurden Arzneimittel teils lokal angewendet, schädliche Einflüsse zwischen zweitem und drittem Messpunkt (Alkohol, andere Arzneimittel, Berufsrisiken) konnten nicht ausgeschlossen werden. Hinzu kommen aus dem Text: keine Kontrollgruppe ohne Antibiotikum, keine p-Werte, keine Zahlen je Wirkstoff (wie viele Männer je Wirkstoff, ist nicht berichtet), und die zugrunde liegende Erkrankung ist ein Störfaktor. Der Autor leitet daraus Kritik an der Praxis ab, Antibiotika bei jedem Entzündungsprozess oder „zur Vorbeugung“ zu geben. Der Befund steht in Spannung zu [s170] (Levofloxacin ohne Hinweis auf Gametotoxizität), ist aber bei anderen Männern und mit anderem Behandlungsziel erhoben.

Iunda und Kushniruk 1975, Sowjetunion: Nitrofurane und Neomycin [s286]. Beobachtung an 50 Patienten mit chronischen entzündlichen Erkrankungen des Urogenitalsystems, behandelt mit Neomycin, Streptomycin, Tetracyclin, Furadonin (Nitrofurantoin) und Furagin. Nach dem Abstract hatten die Nitrofurane und Neomycin einen negativen Effekt auf die Hodenfunktion: Spermienzahl pro ml und im gesamten Ejakulat sowie Beweglichkeit sanken. Tetracyclin hatte keinen signifikanten Effekt auf die Spermienzahl, unter Streptomycin zeigte sich eine Tendenz zu einer Zunahme. Zahlen, p-Werte und Fallzahlen je Wirkstoff fehlen. Die Arbeit ist der älteste Beleg im Material und der einzige Humanbeleg speziell zu Nitrofuranen aus diesen Räumen; sie liegt nur als Abstract vor.

Glozman und Aganov 1990: gonorrhoische Orchiepididymitis [s268]. Bei 48 bis 60 Prozent der Patienten blieb eine Spermatopathie lange nach der Therapie bestehen. Chymotrypsin (2 mg zweimal täglich, 6 bis 10 Tage) zusätzlich zu einem Antibiotikum senkte die Häufigkeit der Spermatogenesestörungen „um 14,3 bis 16,6 Prozent“ gegenüber konventioneller Therapie. Ohne Fallzahlen und Vergleichsgruppen im Abstract ist die Aussagekraft begrenzt; sie zeigt, dass auch unter wirksamer Antibiotikatherapie die Spermatopathie häufig bleibt.

Kalinina und Tiktinskiy 2010 [s195]. 306 Männer (23 bis 45 Jahre) mit chronischer Prostatitis durch Chlamydien und Ureaplasmen. Spermatogenesestörungen bei 50 Prozent, Samenleiterverschluss bei 35 Patienten (11,4 Prozent). Als Behandlung nennen die Autoren antibakterielle Arzneimittel kombiniert mit Interferonen; die Behandlung der Infertilität solle erst nach Beseitigung der Infektion beginnen. Zahlen zu Behandlungsergebnissen fehlen.

Belyj 2018: Standardtherapie bei chronischer bakterieller Prostatitis und Pathospermie [s147]. Zwei Gruppen (31 und 37 Männer). Beide erhielten zuerst 4 Wochen Standardtherapie (Antibiotika, α-Blocker, nichtsteroidale Antiphlogistika), danach 4 Wochen Antioxidanzien; die zweite Gruppe zusätzlich ein Prostataextrakt-Zäpfchen. Der Autor schließt, dass die Standardtherapie einschließlich Antibiotika nicht zu einer signifikanten Besserung der Schlüsselparameter des Ejakulats führt; unter Zugabe der Prostatapeptide habe sich der Anteil nicht progressiv beweglicher Spermien halbiert und der Anteil progressiv beweglicher um 60 Prozent erhöht. Ein Wirkstoff ist nicht benannt; p-Werte und Rohdaten fehlen.

Saito und Mitarbeiter 1992, Tokio: Levofloxacin im Gewebe und bei Nebenhodenentzündung [s260]. Patienten mit Prostatakrebs erhielten 200 mg Levofloxacin zwei Stunden vor der Operation (mittlere Konzentration im Hodengewebe 4,73 µg/g, Gewebe-zu-Serum-Verhältnis im Hoden 1,63). Gesunde erhielten 100 mg dreimal täglich über 13 Tage; die Spermakonzentration betrug 1,19 µg/ml am 7. und 1,32 µg/ml am 13. Tag (Sperma-zu-Serum-Verhältnis 1,12 und 1,26). Der Abstract hält fest: „No affection of LVFX on the sperm was observed“, nennt aber nicht, welche Spermienparameter geprüft wurden. 23 Patienten mit akuter Nebenhodenentzündung erhielten 100 mg zwei- oder dreimal täglich über 14 Tage; die Wirksamkeitsrate lag bei 100 Prozent (20 von 20 auswertbar), ohne Nebenwirkungen. Einarmig, ohne Kontrolle.

Nagai und Mitarbeiter 1988 und Kataoka 1983, Japan [s274, s278]. Nagai beschreibt 68 Männer mit idiopathischer Infertilität, die vorwiegend eine HMG-HCG-Therapie oder eine Varikozelenligatur erhielten, ergänzt durch Vitamin B12, Kräutermedizin und Antibiotika bei Prostatovesikulitis; der Anteil der Antibiotika am Ergebnis ist nicht trennbar, der Abstract bricht ab [s274]. Kataoka misst die Konzentration antimikrobieller Mittel in männlichen Geschlechtsorganen (Ratten- und Humangewebe): Nalidixinsäure erreichte im Prostatagewebe 21,5 µg/g (etwa das Vierfache des Serumspiegels); Ampicillin im menschlichen Prostatagewebe etwa 8 µg/g (rund 40 Prozent der Blutkonzentration); in Nebenhoden und Hoden der Ratten waren die Konzentrationen niedrig, auch die relativ hohen nur etwa 10 Prozent der Blutkonzentration; Chloramphenicol und Gentamicin erreichten die männlichen Genitalorgane unabhängig vom Weg nur niedrig. Die Autorin deutet dies als Ausdruck der Blut-Hoden-Schranke [s278].

Omu und Mitarbeiter 1998, Kuwait [s245]. 50 Männer in drei Gruppen: Samenwegsinfektion (n = 20), alleinige Leukozytospermie (n = 18), nachweislich fruchtbare Männer (n = 12). Bei Samenwegsinfektion war die Spermienzahl niedriger (25 gegen 84 Millionen pro ml bei Fruchtbaren). Antioxidative Gesamtaktivität, α-Tocopherol und Retinol waren bei Leukozytospermie und Samenwegsinfektion vermindert; Antispermien-Antikörper, Interleukin 2 und 8 waren stark exprimiert, Interleukin 4 gering. Die Antibiotikatherapie verbesserte die Spermienparameter, die antioxidative Aktivität und Interleukin 4 signifikant und senkte Interleukin 2 und 8; der Titer der Antispermien-Antikörper blieb unverändert. Wirkstoff, Dosis und Zahlenwerte nach Therapie nennt der Abstract nicht, eine unbehandelte Vergleichsgruppe fehlt.

El-Garem, El-Sawy und Mostafa 2014, Alexandria: Helicobacter-pylori-Antikörper im Seminalplasma [s172]. Von 223 infertilen asthenozoospermischen Männern hatten 22 (9,87 Prozent) Helicobacter-pylori-IgA-Antikörper im Seminalplasma. Diese erhielten Omeprazol 20 mg, Tinidazol 500 mg und Clarithromycin 250 mg jeweils zweimal täglich über 2 Wochen. Nach 3 Monaten war der mittlere IgA-Spiegel von 1,55 ± 0,4 auf 0,52 ± 0,26 gefallen (p = 0,001), begleitet von besserer progressiver und nicht progressiver Beweglichkeit; seminales IgA korrelierte negativ mit progressiver und nicht progressiver Beweglichkeit und normaler Morphologie. Nur 22 behandelte Männer, keine Kontrollgruppe, Dreifachtherapie (die Wirkung ist keinem Wirkstoff zuzuordnen), Beweglichkeitszahlen fehlen im Abstract. Es ist der einzige Beleg im Material zu Tinidazol und Clarithromycin am Menschen.

Moubasher und Mitarbeiter 2018, Assiut [s140]. Prospektive, kontrollierte, verblindete Studie an 50 Männern mit primärer Infertilität und Oligoasthenoteratozoospermie. Männer mit Leukozytospermie hatten signifikant geringere progressive und Gesamtbeweglichkeit, geringere CASA-Geschwindigkeitsparameter, einen signifikant höheren DNA-Fragmentierungsindex sowie höhere Anteile von Spermien mit Disomie XY und 18; die Veränderungen korrelierten mit der Zahl der peroxidasepositiven Leukozyten. Von den 25 Männern mit Leukozytospermie wurden 23 nach Antibiotikatherapie nachverfolgt; geheilte Männer erzielten signifikant höhere Schwangerschaftsraten als solche mit anhaltender Leukozytospermie. Antibiotikum, Dosis und Zahlen fehlen; „geheilt gegen nicht geheilt“ ist keine Randomisierung und kann durch die Schwere der Entzündung verzerrt sein.

Chinesische Beobachtungen mit Behandlungsarm [s94, s95, s114]. Liu und Mitarbeiter 2022 [s94]: 198 normale Samenproben gegen 198 Ureaplasma-urealyticum-infizierte; Volumen, Viskosität, Verflüssigungszeit und PMN-Elastase waren in der infizierten Gruppe signifikant höher, pH und progressive Beweglichkeit niedriger; nach Behandlung waren pH und progressive Beweglichkeit höher, die übrigen Größen niedriger. Das Behandlungsschema nennt der Abstract nicht. Eine zweite Studie derselben Gruppe an 340 Proben (104 Ureaplasma-positiv, 30,6 Prozent) fand in der infizierten Gruppe signifikant niedrigere pH-Werte, progressive Beweglichkeit, VCL, VSL und STR (alle p < 0,001) und nach Behandlung höhere pH-, VSL-, LIN-, WOB- und STR-Werte (alle p < 0,001) [s95]; beide Studien sind nicht unabhängig, Behandlungsart und Kontrolle für den Verlauf fehlen. Li und Mitarbeiter 2020 [s114]: Bei Mycoplasma genitalium (Inzidenz 2,49 Prozent, 749 von 30.094 Männern; 95-%-Konfidenzintervall 2,31 bis 2,66) stiegen nach Antibiotikatherapie die mittleren Samenparameter gegenüber vorher; der Abstract belegt dies nur qualitativ, ohne Zahlen, Kontrollgruppe oder Signifikanzprüfung.

Erreger, Resistenz und Spermienbefund: Beobachtungsstudien als Hintergrund

Diese Arbeiten messen nicht, ob ein Antibiotikum die Spermien verändert. Sie sind für die Frage wichtig, weil sie zeigen, welche Erreger bei infertilen Männern gefunden werden, wie diese mit dem Spermienbefund zusammenhängen und ob ein Mittel den Erreger überhaupt erreicht. Wo ein Antibiotikum den Erreger nicht beseitigt, kann es auch keine Besserung bewirken, die vom Erreger abhängt.

Ureaplasma und Mycoplasma. Huang und Mitarbeiter 2016 werteten 19.098 Samenproben infertiler Männer und 3368 Spenderproben aus; die Prävalenz unterschied sich signifikant. Bei Ureaplasma-urealyticum-Nachweis waren progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und normale Formen signifikant niedriger als bei Nicht-Infizierten, bei Mycoplasma hominis nicht; beide Arten waren gegen Doxycyclin und Josamycin empfindlich (Resistenz unter 6 Prozent), aber hoch resistent gegen Ciprofloxacin [s156]. Zhu und Mitarbeiter 2016 fanden bei 7374 Personen in Nanjing 3225 (43,7 Prozent) positiv für Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis oder beides; Tetrazykline und Josamycin waren am wirksamsten, Fluorchinolone hatten die niedrigste Aktivität gegen Ureaplasma urealyticum [s164]. Zhou und Mitarbeiter 2018 (5016 infertile Männer, 412 Kontrollen, Shanghai): Nachweisrate genitaler Mykoplasmen 30 bis 55 Prozent im Zeitraum 2011 bis 2016; semisynthetische Tetrazykline und Makrolide waren gegen Ureaplasma am wirksamsten [s146]. Zhao und Mitarbeiter 2020 (817 Proben, Taian): 320 (39,17 Prozent) Ureaplasma-positiv; Resistenz gegen Levofloxacin 47,5 Prozent, Moxifloxacin 39,38 Prozent, Tetracyclin 19,69 Prozent, Erythromycin 3,75 Prozent; die Autoren schließen, Erythromycin könne erste Wahl sein, was der Rangfolge in [s156] und [s164] widerspricht und die regionale Streuung zeigt [s118]. Veiga und Mitarbeiter 2019 (spanisches Programm für assistierte Reproduktion): 205 Männer, 33 positiv; die Eradikation mit Azithromycin misslang in 50 Prozent, mit Doxycyclin in 10,2 Prozent; von fünf mit Levofloxacin Behandelten gelang sie nur in zwei Fällen [s129]. Lutskiy und Mitarbeiter 2021 (4752 Männer, Russland): Resistenzraten der Ureaplasma-urealyticum-Stämme gegen Erythromycin 88,2 Prozent, Azithromycin 47,0 Prozent, Tetracyclin 41,7 Prozent, Doxycyclin 7,7 Prozent, Josamycin 5,9 Prozent; bei resistenten Stämmen fanden sich häufiger Asthenozoospermie und Teratozoospermie, hoher DNA-Fragmentierungsgrad bei Polyresistenz in 10,03 Prozent gegenüber 5,92 Prozent bei nicht resistenten und 6,16 Prozent bei nur gegen ein Antibiotikum resistenten Stämmen, verminderte Akrosinaktivität bei resistenten Stämmen in 29,71 Prozent und bei polyresistenten in 40,46 Prozent [s108]. Das ist ein Querschnittsbefund; resistente Stämme können länger persistieren.

Mycoplasma genitalium und Chlamydien. Li und Mitarbeiter 2020: Behandlungsversagen insgesamt 17,56 Prozent (82 von 467), Azithromycin-Versagen 37,44 Prozent (73 von 195); Makrolidresistenz in 58 von 60 Proben (96,67 Prozent), Tetrazyklinresistenz in 27 von 60 (45,00 Prozent) [s114]. Cui und Mitarbeiter 2026 (retrospektive Kohorte, 131.183 Patienten, Chongqing): Antispermien-Antikörper, Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis, Ureaplasma urealyticum und Mycoplasma genitalium waren mit schlechterer Spermienqualität und höherem Infertilitätsrisiko assoziiert, für Herpes simplex Typ 2 fand sich kein Einfluss; Antibiotika wurden nicht ausgewertet [s06]. Tokuda und Mitarbeiter 1999 fanden bei 83 Männern aus Infertilitätssprechstunden Chlamydien-Antikörper (IgA oder IgG) bei 20 Serumproben (24,1 Prozent) [s240].

Bakteriospermie. Yin und Mitarbeiter 2018 (74.376 infertile Männer, Changsha): bakterielle Infektion bei 1,38 Prozent der Proben; die Positivität unterschied sich zwischen normalem Sperma (1,41 Prozent) und Asthenozoospermie (1,55 Prozent) kaum; Escherichia coli 63,59 Prozent der Erreger [s144]. Lin und Lu 2007: 1186 Prostatasekret-Proben infertiler Männer mit chronischer Prostatitis, Gesamtnachweisrate 51,7 Prozent; Ureaplasma urealyticum am höchsten resistent gegen Ciprofloxacin (59,5 Prozent), am niedrigsten gegen Josamycin, Tetracyclin und Fosfomycin (je 1,7 Prozent); Mycoplasma hominis am höchsten gegen Erythromycin (100 Prozent) [s215]. Hannachi 2018 (Tunis): bei 70 Männern mit Bakteriospermie niedrigere Konzentration (p = 0,001) und Motilität (p = 0,049) gegenüber 70 ohne [s139]. La Vignera 2012 (150 Patienten mit Adnexdrüseninfektion): progressive Motilität 11,4 ± 5,0 gegen 34,0 ± 7,0 Prozent bei Kontrollen, DNA-Fragmentierung 8,2 ± 3,0 gegen 1,0 ± 1,0 Prozent [s188]. Marconi 2009 (71 Patienten mit Infektion gegen 40 Gesunde): beeinträchtigte Sekretionsleistung von Nebenhoden, Samenblasen und Prostata, erhöhter Samen-pH [s198]. Mendoza-Rodríguez 2023: bei symptomatischer Bakteriospermie war Enterococcus faecalis der häufigste Erreger (34,89 Prozent), die Chinolonresistenz lag bei E. faecalis bei 11 Prozent und bei E. coli bei 35 Prozent [s77]. Kwaśniewski 2025: In 291 Samenproben dominierte Prevotella (49 Prozent aller Isolate), die meisten Isolate waren gegen Amoxicillin/Clavulansäure empfindlich, resistent gegen Metronidazol waren Peptoniphilus, Veillonella und Propionimicrobium [s36]. Der Preprint [s25] (249 positive Samenkulturen): häufigste Isolate Klebsiella (35,7 Prozent), Enterococcus (26,5 Prozent) und Staphylococcus (14,1 Prozent); die höchste Empfindlichkeit zeigten Nitrofurantoin (36,7 Prozent), Gentamicin (35,2 Prozent) und Amikacin (34,5 Prozent); nicht begutachtet, ohne Fertilitätsendpunkte. Heras-Cañas 2017: Von 60 klinischen Isolaten aus Samenproben hatten Fosfomycin und Nitrofurantoin mit je 95,2 Prozent die höchste Aktivität [s151]. Mashaly 2016 (60 Männer, Mansoura): Bakterien in 20 von 60 Kulturen (33,3 Prozent), Corynebakterien bei 12 von 60; die Beweglichkeit war bei positiver Kultur signifikant geringer, Konzentration und Morphologie nicht [s158]. Weitere Arbeiten prüfen Marker: Huerta 2002 (47 Prozent von 295 infertilen Männern mit Sameninfektion) [s232]; Solís 2000 (kein signifikanter Zusammenhang zwischen Rundzellen und Leukozytospermie, Spearman 0,2705, p = 0,1046) [s238]; Sánchez 2003 (keine Korrelation zwischen peroxidasepositiven Zellen und Elastase, r = 0,2237, p > 0,05) [s227]; Tortolero 2004 (höhere Leukozytenkonzentrationen bei subfertilen Männern, 2,5 ± 2,1 Millionen/ml, und Männern mit Varikozele, 2,3 ± 2,1, als bei fertilen, 1,1 ± 0,1) [s224]. Faniev 2017 (257 infertile Männer, Krasnodar): Bei 108 Männern mit Leukozyten im Ejakulat wuchsen bei 100 insgesamt 214 Mikroorganismen [s155]; Onopko 2013 beschreibt teilresistente Mikroflora bei Männern mit verändertem Spermiogramm [s183]; Pochernikov 2021 (117 Männer mit chronischer Prostatitis, Kategorie IV) fand im Prostatasekret höhere Keimtiter als im Ejakulat und eine geringe Übereinstimmung der Erreger zwischen beiden Medien [s109]; Kuz'min 1998 beschreibt hohe Adhäsionsfähigkeit und Mehrfachresistenz der Stämme aus Ejakulaten infertiler Männer [s244].

Expositionsstudien am Menschen: Antibiotika und Medikamente als mögliche Ursache

Okonofua und Mitarbeiter 2025, Nigeria: Antibiotika im Urin und Infertilität [s41]. Prospektive Fall-Kontroll-Studie an 136 infertilen und 154 fertilen Männern aus fünf Krankenhäusern in Südnigeria. Antibiotika im Urin wurden per Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie bestimmt. Drei Antibiotika zeigten in der Regression eine unabhängige Assoziation mit der Spermienqualität: Ampicillin im Urin war bei den infertilen Männern mit einem Abfall der Spermienzahl um mehr als 3 ml (so die Angabe im Abstract) verbunden, Chloramphenicol mit Motilität und Morphologie; für Tetracyclin fand sich dagegen eine Assoziation mit erhöhter Motilität bei infertilen Männern, aber keine bei fertilen. Stärke: objektive Messung statt Selbstauskunft. Schwächen: Querschnittsmessung; der Abstract nennt weder die Indikation der Antibiotika noch Effektgrößen mit Konfidenzintervallen.

Shen und Mitarbeiter 2025, Hefei: Antibiotika im Urin bei 986 Männern [s43]. Querschnittsstudie; 42 Antibiotika einschließlich zweier Metaboliten wurden im Urin gemessen, vier Samenparameter erhoben, ausgewertet mit verallgemeinerten linearen Modellen und quantilbasierter g-Berechnung für Mischungen. Ausgewählte Antibiotika wurden in 98,9 Prozent der Proben nachgewiesen, am häufigsten Doxycyclin (80,1 Prozent), Erythromycin (74,5 Prozent), Ciprofloxacin (67,1 Prozent) und Florfenicol (65,6 Prozent). Nach Adjustierung waren Erythromycin und Doxycyclin im Urin negativ mit Spermienkonzentration, Gesamt- und progressiver Motilität verbunden; der Effekt auf die Konzentration war bei jüngeren Männern stärker, und die Mischung der Antibiotika war ebenfalls negativ mit den drei Parametern assoziiert. Effektgrößen nennt der Abstract nicht. Eine einzelne Urinprobe bildet die Exposition über die Dauer der Spermatogenese schlecht ab; die Quelle der Substanzen (ärztliche Verordnung, Lebensmittelrückstände, etwa Florfenicol als Tierarzneimittel, oder Umwelt) ist im Abstract nicht getrennt; Verzerrung durch den Behandlungsanlass ist denkbar. Die beiden Studien [s41, s43] widersprechen sich beim Tetracyclin (höhere Motilität in Nigeria, niedrigere mit Doxycyclin in Hefei).

Horst und Mitarbeiter 2025: Medikation und Samenqualität bei über 7000 Männern [s31]. Retrospektive explorative Querschnittsstudie in einer Kinderwunschklinik; 722 Männer mit Medikation, 6716 ohne. Auf der Ebene einzelner Substanzen fanden sich grenzwertig signifikante Assoziationen (Schwelle p < 0,100) für Metformin, Metoprolol und Lisinopril, die nach Adjustierung für Alter und Abstinenz bestehen blieben. Antibiotika oder Antimykotika werden im Abstract nicht als auffällig genannt. Die Autoren betonen, die Studie sei hypothesenerzeugend; Angaben waren selbstberichtet, Medikation und Grunderkrankung lassen sich nicht trennen.

McEwen und Mitarbeiter 2024: väterliche Medikamente in den 90 Tagen vor der Konzeption [s61]. US-Versicherungsdaten (2011 bis 2020): Von 4.437.550 Schwangerschaften ließen sich 51,6 Prozent einem Vater zuordnen; 1.413.762 erfüllten die Einschlusskriterien. Häufigste Klassen: Psychopharmaka (8,66 Prozent), Antibiotika (7,21 Prozent) und Analgetika (6,82 Prozent); häufigste Einzelstoffe Amoxicillin (3,75 Prozent) und Azithromycin (3,15 Prozent). Die Arbeit zeigt, wie häufig Antibiotika in der Phase der Spermatogenese verordnet werden, aber keine Wirkung auf Spermien. Rizzi und Mitarbeiter 2020, Dänemark [s116]: Registerkohorte; für Azithromycin und Naproxen waren mehr als 1800 Nachkommen exponiert, es fand sich keine Assoziation mit Frühgeburt oder schweren Fehlbildungen; für Chloroquin etwa 900 Nachkommen ohne signifikante Assoziation mit Fehlbildungen; für Hydroxychloroquin weniger als 300. Die Studie betrifft Geburtsausgänge, nicht Spermien.

Gul und Mitarbeiter 2021, Bursa: Favipiravir und Hydroxychloroquin nach COVID-19 [s102]. Von 49 genesenen Patienten mit Spermiogramm vor der Pandemie wurden 29 geeignete Männer mindestens 3 Monate nach Genesung erneut untersucht (4,52 ± 1,36 Monate nach der Genesung; Alter 31,21 ± 5,48 Jahre). 17 Männer erhielten Favipiravir plus Hydroxychloroquin, 12 Favipiravir allein. FSH, LH, Gesamttestosteron, Prolaktin und alle Spermienparameter waren vor und nach COVID-19 vergleichbar. Gepaarter Vorher-Nachher-Vergleich mit Werten aus der Zeit vor der Erkrankung; nur 29 Männer, die Teilgruppen sind im Abstract nicht getrennt ausgewertet. Es ist der einzige Humanbeleg zu einem Malariamittel mit Spermienparametern.

In-vitro-Studien an menschlichen Spermien und Messungen im Samenplasma

Hargreaves und Mitarbeiter 1998: fünf Antibiotika auf die Spermienfunktion [s243]. Spermien aus normozoospermischen Proben wurden mit Swim-up gewonnen und 24 Stunden mit steigenden Konzentrationen von Co-trimoxazol, Erythromycin, Amoxicillin, Tetracyclin und Chloroquin kultiviert. Tetracyclin hemmte schon bei 2,5 Mikrogramm/ml dosisabhängig den Anteil schnell beweglicher Spermien sowie die Geschwindigkeiten (VAP, VSL, VCL); bei 50 Mikrogramm/ml standen alle Spermien still. Erythromycin wirkte erst über 100 Mikrogramm/ml. Chloroquin steigerte bei 5 Mikrogramm/ml die schnelle Beweglichkeit und hemmte sie bei höheren Konzentrationen. Co-trimoxazol verminderte die Bewegung bei 500 Mikrogramm/ml um 34 Prozent. Die Effekte waren meist nicht reversibel. Amoxicillin hatte keinen Einfluss auf die Bewegung, senkte aber bei hohen Dosen die Vitalität. Die Akrosomreaktion blieb unbeeinflusst. Die In-vitro-Konzentrationen werden in vivo im Samen nicht unbedingt erreicht.

King und Mitarbeiter 1997: Antibiotika auf kryokonservierte Spenderspermien [s247]. Gepoolte Spenderproben (n = 14) in Medium mit Amoxicillin, Ofloxacin, Ciprofloxacin, Nitrofurantoin, Doxycyclin oder Cefuroxim axetil. Die Hyperaktivierung war unter physiologischen Konzentrationen von Ciprofloxacin und Doxycyclin über 48 Stunden vermindert. Bei pharmakologischen Konzentrationen verschlechterten Ciprofloxacin, Cefuroxim axetil und Nitrofurantoin die Motilität; bei Cefuroxim axetil und Nitrofurantoin kam sie zum Stillstand, Cefuroxim axetil verminderte die Zahl intakter Akrosomen. Dagegen steigerten physiologische Dosen Ciprofloxacin oder Ofloxacin die Befruchtungsfähigkeit. Die Autoren erklären den Motilitätsstillstand unter Nitrofurantoin mit verminderter Stoffwechselleistung der Spermien.

Tímermans und Mitarbeiter 2022: Spermien-DNA-Fragmentierung [s98]. Dynamischer Fragmentierungstest an 4 frischen Ejakulaten mit Ciprofloxacin, Doxycyclin und Ampicillin bei der im Samen in vivo vermuteten Konzentration und beim 100-Fachen für 24 Stunden. Ciprofloxacin in niedriger und hoher Konzentration sowie Doxycyclin in hoher Konzentration erhöhten die Fragmentierungsrate; Ampicillin nicht. In 21 weiteren Ejakulaten steigerte Ciprofloxacin die Fragmentierung bei niedriger Konzentration in 17 von 21 Männern, bei hoher in allen; Doxycyclin hoch in 17 Ejakulaten. Die Autoren raten, Ciprofloxacin zu meiden, wenn die Spermienqualität erhalten werden muss; das gilt für ex vivo behandelte Spermien, etwa in Verdünnern, nicht für die Einnahme.

Foote 2002, Metronidazol an Kaninchen- und Menschenspermien [s231]. Bis 10 mg/ml Metronidazol und 1 mg/ml Dibromchlorpropan hatten wenig Einfluss auf die meisten Spermienmerkmale; 10 mg/ml Metronidazol und 5 mg/ml Ipronidazol steigerten die Anheftung menschlicher Spermien an Hamstereizellen, die Penetration blieb unbeeinflusst. Kaninchenspermien mit 5 mg/ml Ipronidazol waren infertil.

Weitere In-vitro- und Messstudien. Gulati und Mitarbeiter 2006: Miconazolnitrat, Clotrimazol und Loperamid verringerten dosis- und zeitabhängig die Vitalität menschlicher Spermien; zum Absterben aller Zellen brauchte es sofort nach Zugabe 0,5 mM (Miconazol) beziehungsweise je 1,0 mM (Clotrimazol, Loperamid), begleitet von einem Anstieg des intrazellulären Kalziums [s218]. Pinto und Aneck-Hahn 2025 (23 Teilnehmer, eigene Kontrolle): Dolutegravir, Tenofovir und Emtricitabin einzeln und kombiniert senkten Geschwindigkeits- und Linearitätsparameter nicht progressiver Spermien; der Anteil der Spermien mit mittlerer Geschwindigkeit sank nach 90 Minuten in allen Armen, in den ersten 30 Minuten war keine Beeinträchtigung zu sehen [s42]. Eliasson und Dornbusch 1980: Metronidazol erreicht therapeutische Konzentrationen im Samenplasma (bei den Patienten Mittelwert 8,7 Mikrogramm/ml im Blutplasma und 7,0 Mikrogramm/ml im Samenplasma nach 250 mg zweimal täglich über 2 bis 3 Tage) und wird nach den Fraktionsanalysen aus Prostata, Samenblasen und Ampulle des Samenleiters ausgeschieden [s281]. Schramm 1984 (deutsch): Ketoconazol im Samenplasma bei 7 Männern im Mittel 150 ng/g, viel niedriger als im Blutplasma; eine 50-fach höhere Konzentration störte die Beweglichkeit der Spermien von 24 Männern nicht [s277]. Heras-Cañas 2017: Bei 8 Patienten über 4 Wochen mittlere Samenkonzentrationen von 1,68, 8,30, 2,61, 0,33 und 2,90 mg/l unter Levofloxacin, 1,625 mg/l unter Ciprofloxacin, 2,67 mg/l unter Ampicillin und 1,05 mg/l unter Doxycyclin; die Konzentrationen lagen über der minimalen Hemmkonzentration, die mikrobiologische Negativierung ging nicht immer mit klinischem Erfolg einher [s151]. Strygin 2015 zitiert eine mittlere Doxycyclin-Konzentration im Sperma von 0,89 µg/ml (Zweitangabe) und kritisiert, dass die In-vitro-Konzentration von mindestens 2,6 µg/ml höher lag [s171].

Alle Kapitel und Anhänge (26)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Umfang, Ordnung und Lesehinweise bis 1. Systematische Übersichten und Metaanalysen
  5. 2. Narrative und nicht systematische Übersichten bis 4. Einordnung der Übersichtsliteratur
  6. Umfang und Ordnung und 5. Expositionsstudien: Antibiotika und andere Arzneimittel als mögliche Ursache
  7. 6. Infektion, Bakteriospermie und Leukozytospermie: Beobachtungsstudien ohne Behandlungsarm
  8. 7. Beobachtungsstudien mit Behandlungsbezug (nicht randomisiert) und 8. Einordnung der Beobachtungsstudien
  9. Wie dieses Kapitel gelesen werden soll bis Randomisierte und kontrollierte Studien am Menschen: Antibiotika bei Infektion und Leukozytospermie
  10. Kohorten, Vorher-Nachher-Studien und Fallserien mit Antibiotikabehandlung bis In-vitro-Studien an menschlichen Spermien und Messungen im Samenplasma
  11. Humanbefunde zu einzelnen Wirkstoffen und Wirkstoffgruppen und Tierversuche und Zellmodelle
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Chinesisch
  15. Japanisch bis Türkisch
  16. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)
  22. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)
  23. Diagramme
  24. Quellen s01–s141
  25. Quellen s142–s286
  26. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle