# Antibiotika, Antimykotika, Antimalariamittel und weitere Antiinfektiva (Nitrofurantoin, Metronidazol, Tetrazykline) und die Spermienqualität: Gesamtstudie zur männlichen Fruchtbarkeit

Quelle: https://bosslevel.eu/recherche/antibiotika-antimykotika.html · Stand 22. Oktober 2026 · Redaktion: Bernd Peter (bosslevel.eu) · 78.584 Wörter, 286 Quellen

> Mit KI-Unterstützung aus Fachliteratur in zwölf Sprachräumen zusammengestellt. Zahlen stammen überwiegend aus Abstracts. Keine individuelle Diagnose, keine Therapieempfehlung.

## Kurzantwort

Die Studienlage ist dünn. Bei Infektionen der Geschlechtswege bessern sich Samenwerte nach Antibiotika oft in unkontrollierten Studien, ein Vorteil für die Empfängnis ist nicht belegt. Schäden durch Antiinfektiva stammen überwiegend aus Tierversuchen mit hohen Dosen; beim Menschen fehlen meist Samenanalysen. Am besten belegt sind Ketoconazol, Sulfasalazin und Efavirenz. Die Sicherheit der Aussagen ist insgesamt niedrig.

## Häufige Fragen

### Verbessern Antibiotika die Spermienqualität?

Bei nachgewiesener Infektion oder Entzündung berichten mehrere kleine, meist unkontrollierte Studien bessere Konzentration, Beweglichkeit oder geringere DNA-Fragmentierung. Randomisierte Studien bei Leukozytospermie ohne Beschwerden fanden keinen klaren Vorteil. Die Europäische Gesellschaft für Urologie hält fest, dass Antibiotika die Spermienqualität verbessern können, die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis aber nicht erhöhen. Die Belastbarkeit ist niedrig.

### Können Antibiotika Spermien schädigen?

Beim Menschen sind die Daten dünn und widersprüchlich. Eine Übersicht spricht von bemerkenswert wenigen Daten. Die meisten Schadensbefunde stammen aus Tierversuchen mit hohen Dosen, etwa zu Aminoglykosiden, Fluorchinolonen, Vancomycin und Colistin. Viele dieser Arbeiten prüfen Schutzstoffe und setzen den Schaden voraus. Auch im Reagenzglas wirken manche Antibiotika nur in hohen Konzentrationen.

### Was ist über Nitrofurantoin und die Spermien bekannt?

Eine moderne Humanstudie mit Spermienwerten fehlt. Es gibt eine Beobachtung von 1975, eine russische Beobachtungsreihe mit anhaltender Störung, Tierversuche mit Keimepithelschäden bei hohen Futterdosen und Laborbefunde, in denen Spermien bei pharmakologischen Konzentrationen zum Stillstand kamen. Eine sichere Aussage für die übliche Einnahme beim Menschen ist daher nicht möglich.

### Schadet Metronidazol der männlichen Fruchtbarkeit?

Keine abgerufene Humanstudie belegt eine Schädigung der Spermien. Das Mittel erreicht im Samenplasma therapeutische Konzentrationen. Bei Mäusen und Ratten traten Schäden bei Dosen von 200 bis 500 mg/kg auf, in mehreren Studien waren sie nach dem Absetzen umkehrbar. Bei niedriger Dosis zeigte sich keine deutliche Wirkung. Die Belege bleiben sehr schwach.

### Beeinflussen Pilzmittel wie Ketoconazol die Spermien?

Gut belegt ist, dass Ketoconazol die Androgenbildung hemmt: In einer randomisierten Placebostudie an 40 Männern sank das Testosteron im Hoden deutlich. Ob dadurch Spermienqualität oder Fruchtbarkeit leiden, ist nicht belegt. Zu Fluconazol, Itraconazol, Terbinafin und Griseofulvin gibt es beim Menschen keine Studie mit Samenwerten, nur Tierversuche mit meist umkehrbaren Hodenveränderungen.

### Gibt es Studien zu Malariamitteln und Spermien beim Menschen?

Eine Studie mit Samenanalyse bei Männern, die Malariamittel einnehmen, wurde nicht gefunden. Es liegen Tier- und Zellversuche vor: Bei Meerschweinchen sanken unter Artemisinin-Kombinationen Spermienzahl und Beweglichkeit, in den Erholungsgruppen kehrte sich das um. Eine kleine Kohorte mit Hydroxychloroquin zeigte keine Veränderung. Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist unklar.

### Welche Wirkstoffe sind am besten belegt?

Am besten belegt sind Wirkungen, die nicht klassisch antibiotisch sind. Ketoconazol senkt das Testosteron im Hoden. Sulfasalazin gilt in mehreren Übersichten als umkehrbarer Fertilitätsstörer. Efavirenz ist in zwei Kohorten mit verminderter Spermienbeweglichkeit verbunden, die Ursächlichkeit ist aber nicht bewiesen. Für die meisten anderen Wirkstoffe sind die Belege niedrig oder sehr niedrig.

### Wie verlässlich ist die Studienlage insgesamt?

Begrenzt. Die Auswertung stützt sich überwiegend auf Zusammenfassungen. Die Studien am Menschen sind klein und selten kontrolliert. Zudem beeinträchtigt die behandelte Krankheit die Spermien selbst, sodass sich Krankheit und Arzneimittel kaum trennen lassen. Eine Cochrane-Übersicht oder Metaanalyse zur Frage wurde nicht gefunden. Die Studie gibt keine Therapieempfehlung.

*Stand 5. Oktober 2026*

## Kurzfassung

Diese Studie wertet 286 Veröffentlichungen aus den Jahren 1975 bis 2026 aus. Sie fragt, was die Fachliteratur über den Zusammenhang zwischen Antiinfektiva und der Spermienqualität sagt, und sie trennt dabei vier Fragen, die in der Literatur ständig vermischt werden. Erstens: Verbessern Antibiotika die Samenwerte, wenn sie eine Infektion oder Entzündung der männlichen Geschlechtswege behandeln? Zweitens: Können Antibiotika, Antimykotika, Antimalariamittel und andere Antiinfektiva die Spermienbildung oder die Spermienfunktion selbst beeinträchtigen? Drittens: Welche Wirkstoffe stören die Hormonbildung des Hodens? Viertens: Was geschieht in vitro mit Spermien, etwa in Konservierungsmedien? Rund ein Drittel der Quellen entfällt auf Studien am Menschen, rund 130 sind Tierversuche, hinzu kommen Zell- und Laborversuche, Übersichten und Leitlinien.

Zur ersten Frage ist das Bild uneinheitlich. Mehrere kleine, meist unkontrollierte Studien berichten nach einer Antibiotikatherapie bessere Konzentration, Beweglichkeit oder geringere DNA-Fragmentierung, zum Beispiel unter Doxycyclin bei Ureaplasma-parvum-Nachweis [s38]. Randomisierte Studien finden bei asymptomatischer Leukozytospermie dagegen keinen klaren Vorteil [s225, s255, s246]; eine japanische Studie mit 48 Männern fand eine höhere Auflösungsrate der Leukozytospermie [s254], ihr Endpunkt ist jedoch ein Laborwert und keine Fruchtbarkeit. Die Europäische Gesellschaft für Urologie fasst zusammen, Antibiotika könnten die Spermienqualität verbessern, erhöhten aber nicht die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis (Evidenzgrad 2a) [s07]. Eine Cochrane-Übersicht oder Metaanalyse zu Antibiotika, Spermienqualität und Schwangerschaft wurde nicht gefunden.

Zur zweiten Frage sind die Humandaten dünn. Die Übersicht von Drobnis und Nangia spricht von „bemerkenswert wenigen“ Daten und nennt als einzigen belegten Humanfall Niridazol bei 20 Männern mit Schistosomiasis [s150]. Zwei Biomonitoring-Studien mit Antibiotika im Urin kommen zu gegensätzlichen Richtungen beim Tetrazyklin [s41, s43], eine russische Beobachtungsreihe an 243 Männern sah unter zehn von 20 Antibiotika eine über drei Monate anhaltende Störung, darunter Nitrofurantoin, Metronidazol und Doxycyclin [s229]. Der Großteil der Schadensbefunde stammt aus Tierversuchen mit hohen Dosen, vor allem zu Aminoglykosiden, Fluorchinolonen, Vancomycin und Colistin; viele dieser Arbeiten testen Schutzstoffe und setzen den Schaden voraus.

Am besten belegt sind Wirkungen, die nicht klassisch antibiotisch sind: Ketoconazol senkte in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie an 40 Männern das Testosteron im Hoden [s182], Sulfasalazin gilt in mehreren Übersichten als reversibler Fertilitätsstörer [s14, s123], und Efavirenz ist in zwei Kohorten mit verminderter Spermienbeweglichkeit verbunden [s152, s165]. Für Nitrofurantoin und Metronidazol fehlen moderne Humanstudien mit Spermienwerten; für Antimalariamittel gibt es beim Menschen keine Studie mit Samenanalyse, nur Tier- und Zellversuche.

Die Aussagekraft ist begrenzt: Die Auswertung stützt sich überwiegend auf Abstracts, die Studien am Menschen sind klein und selten kontrolliert, und die behandelte Krankheit beeinträchtigt die Spermien selbst, sodass Krankheit und Arzneimittel kaum trennbar sind. Diese Studie gibt keine Therapieempfehlung. Sie beschreibt, was die Quellen berichten, wie belastbar es ist und wo die Literatur schweigt.


## Das Wichtigste in Kürze

Die Kernbefunde sind nach Themen geordnet. Zu jedem Befund stehen zwei Einschätzungen. Die **Evidenzstärke** (hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig) beschreibt, wie belastbar das Studiendesign hinter der Aussage ist; sie ist eine qualitative Einordnung nach Design, Größe und Kontrolle der Studien, kein formales GRADE-Urteil. Die **Gewissheit** (hoch, mittel, gering) beschreibt, wie sicher die Aussage selbst formuliert werden darf, also zum Beispiel auch, wie sicher es ist, dass etwas nicht belegt ist. Keiner der Befunde ist eine Therapieempfehlung.

1. **Antibiotika bei Infektion oder Entzündung der Geschlechtswege: Die Samenwerte bessern sich in unkontrollierten Studien, ein Vorteil für die Empfängnis ist nicht belegt.** Unter Doxycyclin stieg bei 124 Männern mit nachgewiesener Ureaplasma-parvum-Eradikation die Spermienkonzentration von 4,01 auf 9,20 Millionen pro ml und die Beweglichkeit von 18,97 auf 29,66 Prozent [s38]; bei Chlamydien- und Mykoplasmeninfektion fiel der Anteil von Spermien mit fragmentierter DNA von 37,7 auf 24,2 Prozent [s207]. Placebo- oder Nullarme fehlen in diesen Studien meist, und die randomisierte Studie bei positiver Samenkultur fand zwischen Antibiotikum und Placebo keinen Unterschied der Spermienqualität [s253]. Die EAU-Leitlinie bewertet: Antibiotika könnten die Spermienqualität verbessern, die Konzeptionswahrscheinlichkeit steige nicht (Evidenzgrad 2a) [s07]. *Evidenzstärke: niedrig. Gewissheit: mittel für „kein gesicherter Nutzen für die Empfängnis“, gering für die Größe einer Wirkung auf die Samenwerte.*

2. **Asymptomatische Leukozytospermie: Die randomisierten Studien widersprechen sich und sind klein.** Levofloxacin gegen keine Therapie (36 Männer) [s225], Doxycyclin oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol gegen keine Therapie (54 randomisiert, 41 beendet) [s255] und Doxycyclin gegen Placebo (70 Männer) [s246] fanden keinen klaren Vorteil; in der japanischen Studie lösten sich die Leukozytospermien nach einem Monat bei 76, 56 und 6,7 Prozent der Männer (Antibiotikum mit häufigem Ejakulieren, Antibiotikum allein, keine Behandlung; 48 Männer) [s254]. Eine retrospektive Studie fand unter Doxycyclin bei niedriger Leukozytospermie eine höhere natürliche Schwangerschaftsrate (47 gegenüber 20 Prozent; Odds Ratio 3,7; 95-%-Konfidenzintervall 1,1 bis 11,7) [s192]. Die EAU hält die Daten für nicht ausreichend, um zu beurteilen, ob Antibiotika bei Leukozytospermie die Fertilität verbessern [s07]. *Evidenzstärke: niedrig. Gewissheit: gering.*

3. **Ureaplasma, Mykoplasmen und Chlamydien gehen in großen Kollektiven mit schlechteren Samenwerten einher; ob die Behandlung dies behebt, ist kontrolliert nicht geprüft.** In 19.098 Proben infertiler Männer waren progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und der Anteil normaler Formen bei Ureaplasma-urealyticum-Nachweis signifikant niedriger, bei Mycoplasma hominis nicht [s156]. Eine in der EAU-Leitlinie zitierte Metaanalyse fand für Ureaplasma urealyticum ein Odds Ratio von 3,03 (95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 8,99) für männliche Infertilität [s07]. Die Besserung nach Behandlung stammt aus Vorher-Nachher-Daten ohne Kontrollgruppe [s117, s94, s95]. *Evidenzstärke: niedrig für den Zusammenhang, sehr niedrig für den Behandlungseffekt. Gewissheit: mittel für den Zusammenhang, gering für die Behandlung.*

4. **Therapieansprechen und Resistenz der Erreger unterscheiden sich stark nach Wirkstoff und Region.** Bei Mycoplasma genitalium lag das Therapieversagen bei 17,56 Prozent (82 von 467), die Makrolidresistenz bei 58 von 60 Proben [s114]; in einem spanischen Programm für assistierte Reproduktion misslang die Eradikation mit Azithromycin in 50 Prozent, mit Doxycyclin in 10,2 Prozent [s129]. In Tai'an waren 47,5 Prozent der Ureaplasma-Isolate gegen Levofloxacin, aber nur 3,75 Prozent gegen Erythromycin resistent [s118]; in einer russischen Studie lag die Erythromycinresistenz bei 88,2 Prozent, die Doxycyclinresistenz bei 7,7 Prozent [s108]. *Evidenzstärke: moderat (große Laborauswertungen, aber ohne Spermienendpunkt). Gewissheit: mittel.*

5. **Antibiotika als mögliche Ursache schlechter Samenwerte beim Menschen: sehr dünne und widersprüchliche Belege.** Die Übersicht von Drobnis und Nangia nennt „bemerkenswert wenige“ Daten [s150]. In China waren Erythromycin und Doxycyclin im Urin von 986 Männern negativ mit Konzentration und Beweglichkeit verbunden [s43], in Nigeria Tetracyclin bei infertilen Männern mit höherer Beweglichkeit [s41]; eine klinische Querschnittsstudie an 7438 Männern nannte Antibiotika nicht unter den auffälligen Substanzen [s31]. Eine russische Beobachtungsreihe sah bei zehn von 20 Antibiotika eine nach drei Monaten fortbestehende Störung [s229]. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: gering.*

6. **In vitro schädigen manche Antibiotika menschliche Spermien in hohen Konzentrationen, die bei oraler Einnahme nicht unbedingt erreicht werden.** Tetracyclin hemmte die schnelle Beweglichkeit ab 2,5 Mikrogramm pro ml und führte bei 50 Mikrogramm pro ml zum Stillstand [s243]; Ciprofloxacin erhöhte die DNA-Fragmentierung in 17 von 21 Ejakulaten bei niedriger und in allen bei hoher Konzentration [s98]; Nitrofurantoin brachte kryokonservierte Spenderspermien bei pharmakologischen Konzentrationen zum Stillstand [s247]. *Evidenzstärke: niedrig (Laborversuche, kleine Proben). Gewissheit: mittel für die In-vitro-Aussage, gering für die Übertragung auf die Einnahme.*

7. **Tierversuche zeigen bei vielen Antibiotika Hoden- und Samenschäden, überwiegend bei hohen Dosen, aber das Bild ist nicht einheitlich.** Gentamicin senkte bei Ratten dosisabhängig Spermienzahl, Beweglichkeit und Testosteron [s135]; Ciprofloxacin senkte bei jugendlichen Mäusen schon bei 1 mg/kg das Serumtestosteron [s32]. Dagegen fand die Herstellerstudie zu Levofloxacin bis 360 mg/kg keine Fertilitätsstörung [s262], und unter Cephalosporinen verhielten sich Cefpirom und Cefotetan [s266] sowie Moxalactam und Cefonicid [s275] verschieden. Viele Arbeiten testen Schutzstoffe gegen einen vorausgesetzten Schaden. *Evidenzstärke: niedrig für den Menschen (präklinisch). Gewissheit: mittel für den Befund im Tier, gering für die Übertragbarkeit.*

8. **Nitrofurantoin: keine moderne Humanstudie mit Samenwerten.** Es liegen vor: eine Beobachtung von 1975, nach der Nitrofurane Spermienzahl und Beweglichkeit senkten (ohne Zahlen im Abstract) [s286], die Serie [s229] mit anhaltender Störung, Berichte über Degeneration des Keimepithels bei Ratten ab 2500 ppm und Mäusen ab 1300 ppm im Futter [s272] und die In-vitro-Befunde [s247]. Die lokale Spülung des Samenleiters bei der Vasektomie ist keine Aussage über Tabletten [s285]. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: gering.*

9. **Metronidazol: Keine abgerufene Humanstudie belegt eine Schädigung der Spermien.** Das Mittel erreicht im Samenplasma therapeutische Konzentrationen (7,0 gegenüber 8,7 Mikrogramm pro ml im Blutplasma) [s281]. Tierschäden traten bei Mäusen und Ratten bei Dosen von 200 bis 500 mg/kg auf; sie waren in zwei Studien nach dem Absetzen umkehrbar [s179, s189], in einer erholten sich Hoden und Nebenhoden innerhalb von zwei Monaten nicht [s222]. Bei 15 mg/kg (Ratte) zeigte sich keine signifikante negative Wirkung [s189]. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: gering.*

10. **Tetrazykline: widersprüchlich.** Für Doxycyclin und Minocyclin berichten Behandlungsstudien an Männern mit Entzündung bessere Samenwerte [s258, s153, s38], im Biomonitoring ist Doxycyclin im Urin mit schlechteren Werten verbunden [s43], und im Tierversuch fanden sich je nach Modell Schädigung [s176, s206, s126] oder Schutz [s80, s96]. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: gering.*

11. **Antimykotika: Die Hemmung der Androgensynthese durch Ketoconazol ist belegt, Spermienqualität und Fertilität sind es nicht.** In der randomisierten, placebokontrollierten Studie an 40 Männern sank das mediane Testosteron im Hoden von 14 auf 3,7 (400 mg) und 1,7 ng/ml (800 mg) [s182]. Zu Fluconazol, Itraconazol, Terbinafin oder Griseofulvin gibt es beim Menschen keine Studie mit Samenwerten; Tierversuche an Hund und Kaninchen zeigten reversible Hodenveränderungen [s237, s230]. *Evidenzstärke: moderat für die Hormonwirkung, sehr niedrig für die Spermienqualität. Gewissheit: hoch für die Hormonwirkung, gering für Spermien.*

12. **Antimalariamittel: Beim Menschen keine Studie mit Samenanalyse.** Die Scoping-Übersicht fasst zusammen, Chloroquin, Chinin, Quinacrin und Pyrimethamin verursachten männliche Infertilität, ohne Studienzahlen im Abstract [s05]; Hydroxychloroquin zeigte in einer kleinen Kohorte keine Veränderung [s102]. Beim Meerschweinchen sanken unter Artemisinin-Kombinationen die Spermienzahl um 17,7 bis 37,7 Prozent und die Beweglichkeit um 48,6 bis 51,4 Prozent, in den Erholungsgruppen kehrte sich dies um [s137]. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: gering.*

13. **Sulfasalazin und Efavirenz sind die am besten belegten Einzelfälle.** Sulfasalazin senkt in Übersichten reversibel die männliche Fertilität [s14, s123, s162]; im Rattenversuch fiel die Fertilität dosisabhängig auf 60,9, 35,5 und 26,8 Prozent der Kontrolle und war nach drei Wochen Pause wieder normal [s279]. Efavirenz war bei 378 HIV-infizierten Männern mit einem medianen Anteil schneller Spermien von 5 gegenüber 20 Prozent verbunden [s165]. *Evidenzstärke: moderat (Sulfasalazin), niedrig (Efavirenz). Gewissheit: hoch (Sulfasalazin, Reversibilität), mittel (Efavirenz, Kausalität nicht bewiesen).*

14. **Antituberkulotika und Antiparasitika: beim Menschen kaum Daten, im Tier teils deutliche Befunde.** Unter einem Pretomanid-Regime stieg bei 26 Männern die mittlere Spermiengesamtzahl von 48,8 auf 68,8 Millionen, allerdings ohne Kontrollarm [s12]; bei Mäusen führten Ethambutol und weitere Antituberkulotika zu geringerer Spermienzahl und mehr Kopfanomalien [s161, s115]. Ivermectin gelangte bei Widdern ins Samenplasma und in die Spermien [s15]; die Hodenbefunde bei Ratten stammen aus hohen Dosierungen [s138]. *Evidenzstärke: sehr niedrig. Gewissheit: gering.*

15. **Darmmikrobiom und väterliche Weitergabe: bisher nur Mausdaten.** Eine gestörte väterliche Darmflora erhöhte bei Mäusen die Wahrscheinlichkeit niedrigen Geburtsgewichts der Nachkommen und war durch Wiederherstellung der Mikrobiota vor der Konzeption aufhebbar [s49]; eine antibiotische Depletion verminderte Nebenhodenspermien und störte die Meiose über Retinsäure [s53]. Beim Menschen fehlt eine Entsprechung. *Evidenzstärke: sehr niedrig für den Menschen. Gewissheit: gering.*

16. **Leitlinien: Die EAU empfiehlt schwach, Infektionen der Adnexdrüsen zu behandeln; die AUA/ASRM-Texte enthalten keine Aussage zu den hier untersuchten Wirkstoffen.** Die EAU begründet dies damit, dass die Behandlung die Spermienqualität verbessern könne, die Konzeption aber nicht notwendigerweise [s07]. Der abgerufene AUA/ASRM-Text enthält nichts zu Sulfasalazin, Nitrofurantoin, Ketoconazol, Tetrazyklinen, Metronidazol, Antimykotika oder Antimalariamitteln [s105, s51]. *Evidenzstärke: nicht anwendbar (Leitlinien). Gewissheit: hoch für den Inhalt der Texte.*

17. **Es gibt keine Cochrane-Übersicht und keine Metaanalyse zu Antibiotika bei männlicher Subfertilität mit Spermienqualität oder Schwangerschaft als Zielgröße.** Die einzige Cochrane-Übersicht im Themenfeld betrifft die Wahl des Antibiotikums bei urogenitaler Chlamydieninfektion und misst keine Spermienparameter [s128]. *Evidenzstärke: nicht anwendbar. Gewissheit: mittel (Abwesenheit in den durchsuchten Datenbanken, nicht überall prüfbar).*

## Aufbau und Methodik dieser Studie

### Fragestellung und Umfang

Die Studie untersucht, was die veröffentlichte Fachliteratur über den Zusammenhang zwischen Antiinfektiva und der Spermienqualität berichtet. Der Begriff Antiinfektiva umfasst hier Antibiotika (darunter die ausdrücklich genannten Gruppen Nitrofurantoin, Metronidazol und Tetrazykline sowie Fluorchinolone, Makrolide, Aminoglykoside, Betalaktame, Glykopeptide und Sulfonamide), Antimykotika (Ketoconazol, Fluconazol, Itraconazol, Terbinafin, Griseofulvin, Clotrimazol, Miconazol und andere), Antimalariamittel (Chloroquin, Hydroxychloroquin, Artemisinine, Chinin und weitere), Antituberkulotika, antivirale und antiretrovirale Mittel sowie Antiparasitika. Sulfasalazin ist kein Antibiotikum im engen Sinn, enthält aber ein Sulfonamid und ist der am besten belegte Einzelfall; es wird deshalb mitgeführt.

Die Fragestellung zerfällt in Teilfragen, die in den Quellen oft nicht auseinandergehalten werden. Eine Studie, die nach einer Antibiotikatherapie bessere Samenwerte findet, beantwortet eine andere Frage als eine Studie, die bei gesunden Tieren unter hohen Dosen Hodenschäden findet. Die Gesamtstudie ordnet die Befunde deshalb nach Fragetyp und Studiendesign: Behandlung einer Infektion oder Entzündung, mögliche Schädigung durch den Wirkstoff, Wirkung auf die Hormonbildung, Wirkung auf Spermien im Reagenzglas, Wirkung auf Nachkommen und Darmmikrobiom.

### Wie recherchiert wurde

Die Recherche fand am 5. Oktober 2026 statt und lief in drei Linien nach Sprachräumen: Linie a (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch) lieferte 169 Quellen, Linie b (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch) 64 Quellen und Linie c (Russisch, Arabisch, Türkisch) 74 Quellen. Zusammen sind das 307 Funde. Dubletten wurden über die PubMed-Nummer, die DOI oder den Titel zusammengeführt (21 Fälle); übrig blieben die 286 Quellen dieser Studie, die in der Quellenliste fortlaufend von s01 bis s286 nummeriert sind. Im Text steht die Kennung in eckigen Klammern, zum Beispiel [s38] oder [s38, s117].

Abgerufen wurde über die REST-Schnittstelle von Europe PMC und über die E-utilities der NCBI (esearch, esummary, efetch). Die PubMed-Webseite wurde auftragsgemäß nicht verwendet. Die Suchen kombinierten je Wirkstoff oder Wirkstoffgruppe Begriffe zu Spermien, Sperma, Hoden, Spermatogenese und männlicher Fruchtbarkeit mit Begriffen zu Leukozytospermie, Bakteriospermie, Prostatitis, Nebenhodenentzündung, Samenkultur und DNA-Fragmentierung. Dazu kamen Abfragen in der Landessprache (zum Beispiel französisch, italienisch, spanisch, deutsch, chinesisch, japanisch, koreanisch, russisch, arabisch und türkisch) und Abfragen nach Fachzeitschriften der jeweiligen Sprachräume. Für einzelne Sprachräume wurden zusätzlich nationale Schnittstellen genutzt: CyberLeninka für Russisch (25 Abfragen, 385 eindeutige Datensätze, bei sechs Arbeiten wurde der Volltext gelesen), TR Dizin für Türkisch (29 Abfragen, 565 eindeutige Datensätze) und die Programmierschnittstelle von J-STAGE für Japanisch. Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU, Kapitel Male Infertility) und der AUA/ASRM wurden als Webtext direkt abgerufen und durchsucht [s07, s105].

Die Auswahl erfolgte nach dem Abstract. Aus mehreren hundert Treffern der Linie a wurden rund 200 Abstracts gelesen und 169 Arbeiten aufgenommen. Ausgeschlossen wurden reine Fallberichte, Arbeiten aus der Tierzucht, bei denen Antibiotika nur als Zusatz in Besamungsverdünnern von Eber, Bullen oder Hähnen vorkommen, Arbeiten, die nur Pflanzenextrakte als Schutzstoffe prüfen, ohne dass das Antiinfektivum im Mittelpunkt steht, und Veröffentlichungen in nicht vorgesehenen Sprachen. Einzelne Konservierungsstudien an Tiersperma sind trotzdem enthalten, weil sie zeigen, dass dieselben Wirkstoffe je nach Konzentration schützen oder schaden können [s46, s101, s59]. In Linie c wurden aus mehreren tausend Datensätzen (Europe PMC: zwei Suchläufe mit 3943 und 2991 eindeutigen Treffern) diejenigen ausgewählt, in denen Titel oder Abstract sowohl einen Wirkstoff als auch Spermien, Samen oder Hoden nennen und eine Affiliation aus Russland, der Türkei oder einem arabischen Land vorliegt.

### Die Quellenbasis in Zahlen

Die 286 Quellen stammen aus den Jahren 1975 bis 2026. 47 erschienen vor dem Jahr 2000, 171 seit 2015, davon 47 in den Jahren 2025 und 2026. Nach der Angabe zum Studiendesign in der Quellenliste, grob gezählt, sind rund 130 Quellen Tierversuche, rund 90 Studien am Menschen (Beobachtungs-, Interventions- und Laborstudien), 13 Zell-, In-vitro- und Ex-vivo-Versuche, 39 Übersichten und Metaanalysen und 9 Leitlinien. Die Zählung ist eine Näherung, weil manche Arbeiten mehrere Designs verbinden. Rund 14 Humanstudien werden im Design als randomisiert geführt; die meisten davon haben weniger als 100 Teilnehmer, und einige sind in Wahrheit Vergleiche zweier Behandlungsdauern oder Zusatzpräparate ohne unbehandelte Kontrolle [s258, s177, s273].

Nach dem Sprachraum, über den die Quellen gefunden wurden, verteilen sie sich so: 220 englisch, 18 russisch, 16 chinesisch, 10 spanisch, 7 japanisch, 6 deutsch, 4 französisch, 3 türkisch und 2 italienisch. Für Koreanisch, Arabisch und Portugiesisch wurde keine Quelle in der Originalsprache gefunden. Die koreanische Literatur ist über vier Quellen aus Korea vertreten, die auf Englisch erschienen (eine systematische Übersicht und drei Zellmodelle) [s157, s52, s45, s37]. Der arabische Raum ist nur über englischsprachige Arbeiten aus Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Irak, Algerien und Marokko erreichbar. Eine Quelle über den Sprachraum „Englisch“ zu verbuchen, sagt also nicht, dass das Thema dort anders behandelt wird als anderswo; es sagt, welche Linie sie gefunden hat.

### Was die Auswertung nicht leisten kann

**Überwiegend Abstracts.** Zahlen, Konfidenzintervalle und p-Werte stehen in dieser Studie nur, wo sie im Abstract oder im abgerufenen Webtext stehen. Volltexte wurden außer bei den beiden Leitlinien und bei sechs russischsprachigen Arbeiten nicht ausgewertet [s229, s119, s171, s170, s108, s65]. Wo ein Abstract bei einem Kleiner-als-Zeichen abbricht, wie es die Europa-PMC-Schnittstelle bei einigen Einträgen tut, steht kein p-Wert. Einige ältere Abstracts sind abgeschnitten [s254, s274], andere enthalten offensichtliche Fehler: bei einem Abstract ist die Angabe „7 von 17 (6 Prozent)“ rechnerisch nicht plausibel [s250], bei einem anderen überschreitet ein Konfidenzintervall 100 Prozent [s114], bei einem dritten ist eine Angabe unlesbar [s260]. Solche Stellen werden nicht ausgewertet oder ausdrücklich so benannt. „Nicht im Abstract angegeben“ bedeutet nicht, dass die Arbeit die Angabe nicht enthält.

**Zweitangaben.** Mehrere Übersichten geben Zahlen aus anderen Arbeiten wieder [s119, s171, s65]. Solche Zahlen sind nicht selbst geprüft und werden, wo sie überhaupt erscheinen, als Zweitangabe gekennzeichnet.

**Nicht erreichbare Datenbanken.** Die Prüfung der Erreichbarkeit am 5. Oktober 2026 ergab für einen großen Teil der nationalen Datenbanken keinen Zugang: CNKI, Wanfang, CiNii, KCI, KoreaMed und DBpia für den ostasiatischen Raum; Dialnet, SciELO, LILACS und Cairn für den spanisch-, portugiesisch- und französischsprachigen Raum; DergiPark, eLIBRARY.ru, Arab World Research Source, Mandumah, IASJ und ASJP für den türkischen, russischen und arabischen Raum. Das AWMF-Leitlinienregister lieferte nur eine leere Rahmenseite, die Cochrane-Webseite nur eine Suchhülle, die Seiten der ESHRE nur eine Übersicht ohne den Inhalt einzelner Leitlinien, und HAL lieferte keine begutachtete Studie zum Thema. Kyrillische, arabische und überwiegend auch türkische Suchbegriffe fanden in Europe PMC keine Treffer, weil dort fremdsprachige Titel nur in englischer Übersetzung geführt werden. Daraus folgt: Die Literatur, die nur in diesen Datenbanken liegt, fehlt hier mit hoher Wahrscheinlichkeit. Vor allem chinesische Klinikstudien, spanisch- und portugiesischsprachige Arbeiten, türkische Zeitschriften und russische Arbeiten aus eLIBRARY sind unterrepräsentiert. Dass die Literatur in einem Sprachraum dünn erscheint, ist daher kein Beweis dafür, dass sie dünn ist. Auch die Aussage „nicht gefunden“ gilt nur für die durchsuchten Datenbanken.

**Preprints, Konferenzbeiträge, Herstellerstudien.** Zwei Arbeiten sind nicht begutachtete Preprints [s17, s25], eine ist ein Konferenzbeitrag [s170]. Die Studie zu Levofloxacin in Ratten und Kaninchen stammt von einem Hersteller [s262]. Interessenkonflikte lassen sich anhand der Abstracts meist nicht beurteilen.

### Wie die Evidenz eingeordnet wird

Jede Aussage wird nach Studiendesign eingeordnet. Randomisierte Studien mit unbehandelter Kontrolle gelten als stärker als Vorher-Nachher-Studien, diese als stärker als Fallserien; Beobachtungsstudien am Menschen erlauben Aussagen über Zusammenhänge, nicht über Ursachen. Tierversuche und Zellmodelle zeigen, was unter den gewählten Bedingungen möglich ist, aber nicht, was bei der üblichen Einnahme beim Menschen geschieht: Die Dosen sind häufig ein Vielfaches der klinischen, die Gabe erfolgt oft in die Bauchhöhle, und viele Arbeiten testen Schutzstoffe gegen einen vorausgesetzten Schaden, sodass die Aussage zum Antibiotikum nur aus der Kontrollgruppe stammt. Bei Studien zur Behandlung von Infektionen ist die Krankheit ein Störfaktor: Die Entzündung beeinträchtigt die Spermien selbst, sodass die Besserung nach Therapie Rückbildung der Krankheit, Regression zur Mitte oder Zufall sein kann. Als Einschätzung dieser Studie gibt es vier Stufen der Evidenzstärke (hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig); sie sind keine GRADE-Urteile, sofern eine Quelle nicht selbst eine GRADE-Einstufung angibt [s19].

Zahlen stammen ausschließlich aus den Eingabedateien dieser Recherche (Quellenliste mit Studiendaten und die Berichte der drei Recherchelinien) oder aus Quellen, die für dieses Kapitel eigens abgerufen wurden. Einzelne Abstracts wurden zur Kontrolle erneut über Europe PMC geladen, darunter die Scoping-Übersicht zu Malaria [s05], die Übersicht zu häufigen Medikamenten [s14], das Kapitel von Drobnis und Nangia [s150] und die Cochrane-Übersicht [s128]; die Angaben stimmten mit den Berichten überein. Die WHO-Referenzwerte im Hintergrund-Kapitel stammen aus den Abstracts und dem Volltext der unten genannten Arbeiten und stehen nicht in der Quellenliste. Die Studie enthält keine Therapieempfehlung; Leitlinientexte werden wiedergegeben, nicht bewertet.

## Hintergrund

Dieses Kapitel legt die Grundlagen für die folgenden Kapitel. Es beschreibt zuerst, wie häufig Infektionen als Ursache männlicher Unfruchtbarkeit genannt werden, dann die Biologie, soweit sie für die Frage zählt: wo Spermien entstehen, wie Arzneimittel dorthin gelangen können und warum Zeit eine Rolle spielt. Danach folgen die Begriffe, die Messgrößen der Samenanalyse mit den Referenzwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2021, und zuletzt die Geschichte der Forschungsfrage von den Nitrofuranen der 1970er-Jahre bis zu den Leitlinien und Übersichten von 2026. Ergebnisse der einzelnen Studien erscheinen hier nur als Meilensteine; die ausführliche Auswertung steht in den späteren Kapiteln. Das Kapitel enthält keine Therapieempfehlung.

### Wie häufig sind Infektionen als Ursache männlicher Unfruchtbarkeit?

Eine Übersicht zur Leukozytospermie und Bakteriospermie beziffert Unfruchtbarkeit mit fast 190 Millionen betroffenen Menschen, etwa 17,5 Prozent im Lauf des Lebens, die Häufigkeit eines männlichen Faktors mit etwa 7 Prozent und die Häufigkeit von Infektionen des männlichen Genitaltrakts mit 10 bis 35 Prozent [s54]. Andere Quellen nennen kleinere Anteile der Infektion an den Ursachen: Genitaltraktinfektionen seien für 15 Prozent der Fälle männlicher Infertilität verantwortlich [s18], 6 bis 10 Prozent der Männer in der andrologischen Abklärung hätten eine infektiöse Ursache [s160]. Die Zahlen unterscheiden sich, weil sie verschiedene Bezugsgruppen und Diagnosekriterien verwenden; sie sind keine Messung derselben Größe. Wichtiger als die genaue Zahl ist für diese Studie der Hintergrund: Weil Infektionen als behandelbare Ursache gelten, sind Antibiotika seit Jahrzehnten ein Standardmittel der andrologischen Praxis, und die Frage, ob sie die Spermien dabei verbessern oder belasten, ist praktisch bedeutsam. Der Samenanalyse selbst wird dabei nur eingeschränkt zugetraut, die Fruchtbarkeit abzubilden (siehe unten, Surrogatendpunkt).

### Wo Spermien entstehen und wie Arzneimittel dorthin gelangen

Spermien entstehen im Hoden in den Samenkanälchen, in einem Vorgang, den man Spermatogenese nennt. Er steht unter hormoneller Steuerung: Der Hirnanhang gibt das luteinisierende Hormon (LH) und das follikelstimulierende Hormon (FSH) ab, LH regt die Leydig-Zellen zur Bildung von Testosteron an, und FSH wirkt auf die Sertoli-Zellen, die die Keimzellen im Kanälchen stützen. Die Übersicht zu häufigen Medikamenten fasst das als Angriffsorte zusammen: Ein Medikament kann die gonadotrope Achse verändern, die Spermatogenese stören, die Reifung der Spermien im Nebenhoden beeinflussen oder die Fruchtbarkeit auf anderem Weg verändern [s14]. Die Keimzellen liegen hinter der Blut-Hoden-Schranke. Dass sie auch pharmakologisch relevant ist, zeigt eine japanische Studie von 1983: Im Rattenversuch erreichte Nalidixinsäure im Prostatagewebe etwa das Vierfache des Serumspiegels, in Nebenhoden und Hoden lagen auch die relativ hohen Werte dagegen nur bei etwa zehn Prozent der Blutkonzentration, und Chloramphenicol und Gentamicin erreichten die männlichen Genitalorgane nur niedrig; die Autorin deutet die niedrigen Hodenspiegel als Ausdruck der Blut-Hoden-Schranke [s278]. Eine Schädigung der Keimzellen durch ein Antibiotikum setzt demnach nicht nur eine toxische Wirkung voraus, sondern auch, dass der Wirkstoff ankommt.

Was beim Menschen im Samen ankommt, ist für einzelne Wirkstoffe gemessen. Metronidazol erreichte bei Männern mit subklinischer Prostatitis im Samenplasma im Mittel 7,0 Mikrogramm pro ml bei 8,7 Mikrogramm pro ml im Blutplasma; nach den Fraktionsanalysen wird es aus Prostata, Samenblasen und Ampulle des Samenleiters ausgeschieden [s281]. Levofloxacin lag im Samen gesunder Männer um das 1,12- bis 1,26-Fache über dem Serumspiegel, im Hodengewebe von Patienten bei 4,73 Mikrogramm pro g [s260]. Bei acht Patienten mit chronischer bakterieller Prostatitis lagen die mittleren Samenspiegel von Levofloxacin zwischen 0,33 und 8,30 mg/l, die von Doxycyclin bei 1,05 mg/l, jeweils über der minimalen Hemmkonzentration der Erreger [s151]. Ketoconazol erreichte im Samenplasma von sieben Männern im Mittel nur 150 Nanogramm pro g [s277]. Bei Widdern lag Ivermectin im Samenplasma bei etwa 3,9 Prozent der Plasmakonzentration, in den Spermien selbst fanden sich bis zu 5,33 Nanogramm pro g [s15]. Unterschiedliche Wirkstoffe verteilen sich also unterschiedlich; eine Aussage über „Antibiotika“ als Klasse trägt wenig.

Zum Ejakulat tragen neben dem Hoden und dem Nebenhoden die Prostata und die Samenblasen bei. Die Fachliteratur fasst Prostata, Samenblasen und Nebenhoden als akzessorische Geschlechtsdrüsen oder Adnexdrüsen zusammen; bei einer Infektion spricht man von Adnexdrüseninfektion (englisch male accessory gland infection, MAGI). In einer Vergleichsstudie war bei Männern mit nachgewiesener Infektion die Sekretionsleistung von Nebenhoden, Samenblasen und Prostata beeinträchtigt, und der pH-Wert des Samens war erhöht [s198]. Dass eine Infektion die Spermien auch ohne Wirkstoff verändert, ist der Grund, warum die Frage „Schaden oder Nutzen durch Antibiotika“ so schwer zu beantworten ist: Wer ein Antibiotikum wegen einer Infektion einnimmt, hat die Infektion und das Antibiotikum gleichzeitig [s150].

Zeit ist ein zweiter Faktor. Eine Studie zur Luftbelastung setzte das Fenster der Spermatogenese vor einer Insemination mit 74 Tagen an (Europe PMC, PMID 42551848, Abstract abgerufen); eine Auswertung von Arzneimittel-Meldungen gibt als medianen Beginn von Ereignissen 132 Tage an und nennt das mit dem Spermatogenesezyklus vereinbar (Europe PMC, PMID 41693779, Abstract abgerufen). Die russische Beobachtungsreihe zu 20 Antibiotika bestimmte die Samenwerte deshalb vor der Gabe, drei Tage nach Absetzen und drei Monate nach Therapieende, „unter Berücksichtigung des Spermatogenesezyklus“ [s229]. Eine Übersicht zum Einfluss bakterieller Infektionen auf die DNA-Fragmentierung rät, den Fragmentierungsindex erst vier bis sechs Monate nach der Behandlung zu bewerten [s65]. Studien, die einen Monat nach Therapie nachmessen [s117, s170], betrachten dagegen ein Zeitfenster, das kürzer ist als ein Spermatogenesezyklus. In Tierversuchen ist das Zeitfenster eigens ausgewiesen: Bei Mäusen waren nach einem Metronidazol-Kurs 42 Tage nach dem Absetzen die Werte wieder normal [s179], bei Aciclovir nach 70 Tagen alle Effekte bis auf Spermienzahl und einen Enzymwert [s210].

### Wie Antiinfektiva die Spermien beeinflussen könnten: Mechanismen aus der Literatur

Die Quellen beschreiben mehrere Wege. Die Aufzählung sagt nichts darüber, welche beim Menschen tatsächlich zählen; sie benennt, was in Tier- und Zellversuchen beschrieben wurde.

**Direkte Wirkung auf Spermien.** In vitro hemmte Tetracyclin die Beweglichkeit menschlicher Spermien ab 2,5 Mikrogramm pro ml und führte bei 50 Mikrogramm pro ml zum Stillstand [s243]; Miconazol und Clotrimazol verringerten dosis- und zeitabhängig die Vitalität, begleitet von einem Anstieg des Kalziums in den Zellen [s218]; Ketoconazol führte bei Ratten bei einer sehr hohen oralen Einzeldosis zu einer reversiblen Immobilisierung der Nebenhodenspermien [s261].

**Hormonbildung.** Ketoconazol hemmt Enzyme der Steroidsynthese im Hodengewebe, darunter die 17-alpha-Hydroxylase und die C17,20-Lyase [s271] sowie weitere Oxidoreduktasen [s270]; beim Menschen senkte es das Testosteron im Hoden [s182]. Ciprofloxacin störte bei Mäusen die Testosteronbildung über eine verminderte Bildung des Steroidogenic-acute-regulatory-Proteins (StAR) [s32], Doxycyclin in der frühen Lebensphase über mitochondriale Funktionsstörung in Leydig-Zellen [s126].

**Oxidativer Stress, Apoptose, Entzündung.** Für Gentamicin, Vancomycin, Colistin, Fluorchinolone und viele weitere Antibiotika beschreiben Rattenstudien erhöhten oxidativen Stress, Zelltod der Keimzellen und Entzündungsmarker im Hoden [s135, s92, s134, s20]. Bei Metronidazol wird ein Thiaminmangel als möglicher Zusammenhang diskutiert [s113].

**Blut-Hoden-Schranke und Zellteilung.** Mebendazol zerstörte vorübergehend die Blut-Hoden-Schranke von Mäusen [s91]; Amodiaquin störte sie ebenfalls und verursachte vermehrte Keimzellapoptose [s159]. Mehrere Studien betreffen die Meiose: Nitrofurantoin verminderte bei Mäusen die Chiasmen in Spermatozyten [s283], Antibiotika aus drei Klassen veränderten synaptonemale Komplexe [s234].

**Reifung im Nebenhoden.** Sulfasalazin senkte bei Ratten Beweglichkeit und Akrosomreaktion, vermutlich über verminderte Bildung von Membranproteinen im Nebenhoden (CD59, DAF) [s220, s213].

**Darmmikrobiom.** Breite Antibiotikagaben verändern die Darmflora; bei Mäusen veränderten sie die Samenflüssigkeit [s142], die Spermien-RNA [s39] und die Gesundheit der Nachkommen [s49]. Diese Versuche prüfen die Folgen einer Darmentleerung, nicht die direkte Wirkung eines einzelnen Wirkstoffs auf den Hoden [s53].

**Pränatale Wirkung.** Bei Mäusen störten Amoxicillin und Azithromycin in der Trächtigkeit die Entwicklung der fetalen Hoden [s76, s60]. Das betrifft die spätere Fruchtbarkeit der Nachkommen, nicht die Spermien des behandelten Vaters.

**Wirkung der Infektion.** Die Entzündung selbst kann die Spermien schädigen. Als Wege nennt die Übersicht die direkte Wechselwirkung von Bakterien mit den Keimzellen, die Freisetzung spermientoxischer Substanzen und entzündungsfördernde Zytokine, bei denen Leukozyten reaktive Sauerstoffspezies bilden und oxidativer Stress entsteht [s54]; die französische Übersicht beschreibt, dass die seminale Abwehr gegen oxidativen Stress bei sehr starker oder sehr langer Bildung überfordert werden kann und dann Akrosomreaktion und Fusionsfähigkeit abnehmen und die DNA-Fragmentierung zunimmt [s221]. Für Ureaplasma urealyticum wurde in einer Beobachtungsstudie ein Anstieg der Elastase der neutrophilen Granulozyten mit schlechterer Beweglichkeit beschrieben [s94].

### Begriffe

**Antiinfektiva** ist der Oberbegriff für Arzneimittel gegen Krankheitserreger: Antibiotika (gegen Bakterien), Antimykotika (gegen Pilze), Antimalariamittel (gegen Plasmodien), Antiparasitika, Antituberkulotika und antivirale Mittel.

**Leukozytospermie** bedeutet vermehrte weiße Blutkörperchen im Samen. Als Grenzwert gilt mehr als 1 Million peroxidasepositive Zellen pro ml [s54]; die EAU definiert sie ebenfalls als mehr als 10⁶ Leukozyten pro ml und weist darauf hin, sie sei nicht notwendigerweise mit bakteriellen oder viralen Infektionen verbunden und kein verlässlicher Indikator [s07]. Sie kommt nach einer Übersicht bei 30 Prozent der infertilen und bis zu 20 Prozent der fertilen Männer vor [s54]; andere Quellen nennen 10 bis 20 Prozent der infertilen Männer [s47] und 20 Prozent der Fälle männlicher Infertilität [s221]. Die AUA/ASRM-Leitlinie verlangt bei vermehrten Rundzellen (über 1 Million pro ml), Leukozyten (Pyospermie) von Keimzellen zu unterscheiden [s105]. Solís (Argentinien) fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Rundzellen und Leukozytospermie [s238].

**Bakteriospermie** bedeutet Bakterien im Samen; mehrere Studien nehmen sie ab 1000 Kolonie-bildenden Einheiten pro ml an [s54]. Sie ist von der **Adnexdrüseninfektion** zu unterscheiden, bei der Schwellenwerte, ab denen behandelt werden muss, nach Literatur, Fachgesellschaft und Praxis verschieden festgelegt sind [s185]. Die Nachweisrate hängt vom Probentransport ab: Enterokokken und gramnegative Stäbchen wurden bei längerer Transportzeit zum Labor häufiger isoliert [s249].

**Prostatitis und Nebenhodenentzündung.** Die EAU unterscheidet die chronische bakterielle Prostatitis (NIH-Kategorie II) und sieht nur für sie belegt, dass die Antibiotikatherapie Symptome, Erregerbeseitigung und Entzündungsmarker verbessert [s07]. Die abakterielle Form (CPPS IIIa) und die asymptomatische Form (Kategorie IV) kommen in einzelnen Studien vor [s153, s109]. Die Epididymoorchitis ist die Entzündung von Nebenhoden und Hoden; die britische Leitlinie behandelt sie getrennt nach sexuell erworbener und nicht-gonokokkenbedingter Form [s100].

**Samenparameter.** Oligozoospermie bezeichnet eine zu geringe Spermienkonzentration, Asthenozoospermie eine verminderte Beweglichkeit, Teratozoospermie einen hohen Anteil fehlgeformter Spermien, Azoospermie das Fehlen von Spermien im Ejakulat; die Kombination heißt Oligoasthenoteratozoospermie (OAT). Die sechste Auflage des WHO-Handbuchs verwendet diese Begriffe nicht mehr (siehe unten), viele Studien dieser Auswertung aber schon. Die Form der Spermien umfasst den Kopf, das Mittelstück und das Flagellum; in einer Mausstudie zu Metronidazol waren Fehler an Flagellum und Kopf die Folge, während die Stadienzusammensetzung der Keimzellen unverändert blieb [s216].

**Erweiterte Messungen.** Die Fragmentierung der Spermien-DNA (DFI, englisch sperm DNA fragmentation) wird mit verschiedenen Tests gemessen, darunter ein dynamischer Fragmentierungstest [s98] und der Comet-Test [s106]. Computerunterstützte Analysen (CASA) liefern Geschwindigkeitswerte wie VCL, VSL, VAP, LIN, STR und WOB [s95]. In Tierversuchen kommen der Johnsen-Score der Hodenhistologie [s80], Hoden- und Nebenhodenindizes, die tägliche Spermienproduktion und Enzymwerte wie das testikuläre LDH-X [s236] hinzu.

**Eradikation und Therapieversagen.** Eradikation heißt, dass der Erreger nach der Behandlung nicht mehr nachweisbar ist (mikrobiologische Heilung); Therapieversagen heißt, dass er es bleibt. Beides ist nicht dasselbe wie eine Besserung der Spermienwerte: In der Studie zu Prulifloxacin bei Chlamydieninfektion blieben die Spermienwerte nach sechs Monaten bei alleiniger Gabe des Antibiotikums niedriger als mit einem Zusatzpräparat; die Autoren folgern, die Eradikation führe nicht immer zur Erholung der Samenqualität [s186]. Das Bild unterscheidet sich je Studie, und die Cochrane-Übersicht zu Chlamydien misst ausdrücklich nur mikrobiologisches und klinisches Versagen sowie Nebenwirkungen, keine Spermienwerte [s128].

**Surrogatendpunkt.** Fast alle Studien messen Samenwerte, selten Schwangerschaften oder Geburten. Das Spermiogramm gilt als Ersatzmaß der Fruchtbarkeit (Cooper et al. 2010, Human Reproduction Update, PMID 19934213, Abstract abgerufen). Die EAU-Leitlinie trennt deshalb zwischen verbesserter Samenqualität und erhöhter Konzeptionswahrscheinlichkeit [s07]; ein Beleg für das eine ist keiner für das andere.

### Messgrößen und die WHO-Referenzwerte von 2021

Alle Studien dieser Auswertung beschreiben die Spermienqualität mit denselben Grundgrößen: Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration (Millionen pro ml), Gesamtzahl pro Ejakulat, Beweglichkeit (progressiv und gesamt), Vitalität und Morphologie, also der Anteil normal geformter Spermien. Die Referenzgrenzen der WHO sind keine „Normalwerte“, sondern die 5. Perzentile einer Referenzpopulation fruchtbarer Männer, also Werte, die 5 Prozent dieser Männer unterschreiten. Die fünfte Auflage des WHO-Handbuchs erschien 2010. Cooper und Kollegen werteten Proben von mehr als 4500 Männern in 14 Ländern auf vier Kontinenten aus; als Referenz dienten Männer, deren Partnerin innerhalb von zwölf Monaten schwanger wurde (Cooper et al. 2010, PMID 19934213, Abstract abgerufen). Boitrelle und Kollegen beziffern diese Referenzgruppe der fünften Auflage mit 1953 Männern aus acht Ländern (an anderer Stelle desselben Textes mit 1959); die beiden Zahlen, die Gesamtprobe von mehr als 4500 und die Referenzgruppe von etwa 1950 Männern, beschreiben also nicht dieselbe Menge.

Die sechste Auflage erschien im Juli 2021. Ihre Referenzdaten beruhen nach der kritischen Übersicht von Boitrelle und Kollegen auf 3589 fertilen Männern (1800 Männer der fünften Auflage und 1789 neue; Zeit bis zur Schwangerschaft höchstens zwölf Monate) aus 13 Ländern auf sechs Kontinenten (Boitrelle et al. 2021, Life, PMID 34947899, Volltext abgerufen). Die zugrunde liegende Auswertung veröffentlichten Campbell und Kollegen: Sie analysierten Daten von mehr als 3500 Männern aus zwölf Ländern und fünf Kontinenten und nennen als 5. Perzentile 16 × 10⁶ pro ml Konzentration, 30 Prozent progressive Beweglichkeit (42 Prozent Gesamtbeweglichkeit) und 4 Prozent normale Formen; sie betonen, diese Werte seien keine scharfen Grenzen zwischen fruchtbaren und weniger fruchtbaren Männern, und die Stichprobe von unter 4000 Männern sei noch relativ klein (Campbell et al. 2021, Andrology, PMID 33528873, Abstract abgerufen). Die Zahl der Länder (zwölf im Abstract, 13 bei Boitrelle) weicht zwischen den beiden Quellen ab; sie wird hier wie berichtet wiedergegeben.

| Parameter | WHO 2010 (5. Auflage) | WHO 2021 (6. Auflage) |
|---|---|---|
| Ejakulatvolumen (ml) | 1,5 (1,4 bis 1,7) | 1,4 (1,3 bis 1,5) |
| Gesamtzahl der Spermien (10⁶ pro Ejakulat) | 39 (33 bis 46) | 39 (35 bis 40) |
| Spermienkonzentration (10⁶ pro ml) | 15 (12 bis 16) | 16 (nur Abstract, ohne Intervall) |
| Gesamtbeweglichkeit (%) | 40 (38 bis 42) | 42 (40 bis 43) |
| Progressive Beweglichkeit (%) | 32 (31 bis 34) | 30 (29 bis 31) |
| Vitalität (% lebende Spermien) | 58 (55 bis 63) | 54 (50 bis 56) |
| Normalformen der Morphologie (%) | 4 (3 bis 4) | 4 (3,9 bis 4) |

Quelle: untere 5. Perzentile mit 95-%-Konfidenzintervall bei Männern mit Zeit bis zur Schwangerschaft von höchstens zwölf Monaten; Werte 2010 und 2021 für Volumen, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Vitalität und Morphologie nach Boitrelle et al. 2021, Tabelle 2; Konzentration 2010 nach Cooper et al. 2010, Konzentration 2021 nach Campbell et al. 2021 (Abstracts).

Die Zahlen unterscheiden sich zwischen den Auflagen nur geringfügig; nach Boitrelle und Kollegen sind die 5. Perzentile nicht signifikant verschieden von 2010. Für das Lesen der Studien in dieser Auswertung sind drei Punkte wichtig. Erstens verzichtet die sechste Auflage auf den Begriff der Referenzgrenzen und schlägt „Entscheidungsgrenzen“ vor, benennt aber weder für die Basisparameter noch für erweiterte Parameter solche Grenzen; die 5. Perzentile seien nur ein Weg, Ergebnisse zu deuten, und reichten allein zur Diagnose männlicher Unfruchtbarkeit nicht aus. Zweitens kommen die Begriffe Normozoospermie, Asthenozoospermie, Nekrozoospermie und Teratozoospermie in den rund 280 Seiten der aktuellen Auflage nicht mehr vor. Drittens sind Südamerika und Subsahara-Afrika in der Referenzpopulation weiterhin unterrepräsentiert (alle drei nach Boitrelle et al. 2021). Dazu gilt: Die Tests auf DNA-Fragmentierung und oxidativen Stress sind im Handbuch beschrieben, aber ohne Schwellenwerte (Boitrelle et al. 2021). Studien, die vor 2021 erschienen, benutzen meist die Kategorien der älteren Auflagen; viele Arbeiten nennen nicht einmal, welche Auflage sie meinen. Auch die Definition einer Besserung ist uneinheitlich: Eine Studie wertet den Anteil beweglicher Spermien der Klasse (a+b) [s170], eine andere die „Wirksamkeitsrate“ ohne Definition im Abstract [s177], eine dritte das Verschwinden der Leukozytospermie [s254]. Und ein Wert unter der Referenzgrenze beweist keine Unfruchtbarkeit: Definitionsgemäß liegen 5 Prozent der fruchtbaren Männer darunter.

### Geschichte der Forschungsfrage

**1970er-Jahre: Nitrofurane, erste Beobachtungen.** Die älteste Quelle dieser Auswertung stammt von 1975. Albert und Mitarbeiter untersuchten Nitrofurane als Mittel, die Spermien immobilisieren, und prüften die Spülung des Samenleiters bei der Vasektomie [s285]. Im selben Jahr beschrieb eine sowjetische Beobachtung an 50 Patienten, Nitrofurane und Neomycin hätten die Hodenfunktion negativ beeinflusst [s286]. Fonatsch fand 1977 bei Mäusen unter Nitrofurantoin Veränderungen der Meiose [s283]. Aus Deutschland stammt eine Verlaufsstudie an 46 Patienten nach akuter Nebenhodenentzündung: Nach acht Tagen zeigte sich bei mehr als zwei Dritteln eine Oligoasthenospermie, und bei etwa 20 Prozent blieb eine so schwere Fertilitätsstörung, dass Sterilität resultierte [s284]; die Frage, wie die Entzündung und nicht das Medikament die Fruchtbarkeit verändert, ist also so alt wie die Forschung selbst. Eine spanische Fallserie von 1979 behandelte Männer mit positiver Samenkultur und beschrieb bei 5 von 13 Männern mit bekanntem Ergebnis ein normalisiertes Spermiogramm [s282].

**1980er-Jahre: Pharmakokinetik und erste Warnungen.** Eliasson und Dornbusch zeigten 1980, dass Metronidazol in den Samen übertritt [s281]. Hudson fand 1982, dass Sulfasalazin die Größe der Spermienköpfe verändert [s280], und Pholpramool 1983 die reversible Fertilitätsminderung bei Ratten [s279]. Schramm maß 1984 Ketoconazol im Samenplasma [s277]. Der deutsche Übersichtsartikel von 1985 führt Antibiotika bereits unter den Substanzen auf, die die Spermatogenese oder die Beweglichkeit beeinträchtigen können [s276]. Ein randomisierter Vergleich von 1988 prüfte Antibiotika mit und ohne Kallikrein bei 120 Männern mit Genitalinfektion; in beiden Gruppen stiegen Zahl und Beweglichkeit der Spermien, ein Nullarm fehlte [s273]. 1987 erschien eine Studie zu Cephalosporinen bei jungen Ratten [s275], 1989 das Programm des amerikanischen National Toxicology Program zu Nitrofurantoin [s272].

**1990er-Jahre: Azole, erste randomisierte Studien, In-vitro-Daten.** Japanische Arbeitsgruppen klärten mit Enzymstudien, dass Ketoconazol und andere Imidazole die Testosteronsynthese hemmen [s270, s271, s265], eine chinesische Gruppe beschrieb 1992 die Pharmakokinetik von Ketoconazol im männlichen Genitaltrakt der Ratte [s261]. Zugleich begann die klinische Prüfung der Frage, ob Antibiotika bei Leukozytospermie helfen: Minocyclin 1992 [s258], Antibiotika mit häufigem Ejakulieren 1994 und 1995 [s256, s254], Doxycyclin gegen Trimethoprim/Sulfamethoxazol gegen keine Behandlung 1995 [s255], Trimethoprim/Sulfamethoxazol gegen Ciprofloxacin gegen Placebo bei positiver Samenkultur 1995 [s253] und Doxycyclin gegen Placebo 1997 [s246]. Die Ergebnisse waren uneinheitlich. 1996 argumentierten Liversedge und Mitarbeiter, Screening und Behandlung asymptomatischer Männer vor einer künstlichen Befruchtung sei unnötig und möglicherweise schädlich [s249]. In-vitro-Arbeiten prüften menschliche Spermien mit Antibiotika [s247, s243].

**2000er-Jahre: Behandlungsstudien mit Endpunkten und die Tierversuche der Schutzstoffe.** Vicari untersuchte 2000 die intermittierende antimikrobielle Therapie nach dem Sitz der Infektion [s239]. 2003 erschien die randomisierte Studie mit Levofloxacin ohne Nutzen [s225], im selben Jahr die russische Beobachtungsreihe zu 20 Antibiotika [s229]. Gallegos berichtete 2008 über sinkende DNA-Fragmentierung nach Antibiotika [s207], Moskovtsev 2009 über Besserung der DNA-Schädigung bei Bakteriospermie [s199], Yaşar 2009 über keine Veränderung der Samenwerte bei antibiotisch behandelter Leukozytospermie [s202]. In derselben Zeit entstand das Tierversuchsmuster, das später dominiert: ein Antibiotikum wie Gentamicin als Schädigungsmodell und ein Schutzstoff als Gegenmittel [s211, s209].

**2010er-Jahre: Mykoplasmen, Resistenz, Zusammenfassungen.** Hamada berichtete 2011 über Doxycyclin bei niedriger Leukozytospermie [s192], Cai 2012 über Prulifloxacin bei Chlamydien [s186], Roth 2013 über die randomisierte Studie zu Ketoconazol [s182]. Ab 2016 erschienen große chinesische Laborauswertungen zu Ureaplasma und Mykoplasmen mit 19.098, 7374, 5016 und 74.376 Männern [s156, s164, s146, s144]. 2017 fasste das Kapitel von Drobnis und Nangia die Lage zusammen: erstaunlich wenige Daten, bei vielen Wirkstoffen kein Beleg beim Menschen [s150]. 2019 erschien die Cochrane-Übersicht zu Chlamydien, die Spermienwerte nicht misst [s128]. In Tierversuchen kam der Blick auf die Darmflora hinzu [s126, s142].

**2020er-Jahre: Biomonitoring, Mikrobiom, Leitlinien.** Zwei Studien an Männern messen seit 2025 Antibiotika im Urin und verbinden sie mit Samenwerten [s41, s43]. Die Befunde zur väterlichen Darmflora bei Mäusen und ihr Einfluss auf die Nachkommen kamen 2024 und 2025 [s49, s39]. Registerstudien zeigen, wie häufig Väter in den 90 Tagen vor der Konzeption Antibiotika erhalten (7,21 Prozent der Väter in US-Versicherungsdaten) [s61]. Die Leitlinienarbeit der WHO 2025 wurde in Vergleichen und Übersichten dargestellt [s01, s10]; die australische Leitlinie erschien 2025 [s34], die EAU-Leitlinie liegt als Webfassung von 2026 vor [s07], die AUA/ASRM-Leitlinie wurde 2024 ergänzt [s51]. 2026 liegen eine aktualisierte systematische Übersicht zu häufigen Medikamenten [s14], ein Umbrella-Review zu Risikofaktoren der männlichen Infertilität [s19], ein Preprint mit 265 Paaren zur Behandlung asymptomatischer Infektionen [s17] und die Phase-2-Studie zu einem Pretomanid-Regime [s12] vor. Mit 171 von 286 Quellen stammen rund 60 Prozent der Literatur dieser Studie aus den Jahren seit 2015; wichtiger als die Menge ist, dass sich in den ausgewerteten Quellen keine große kontrollierte Studie findet, die die Grundfrage beantwortet, ob Antibiotika bei männlicher Subfertilität zu besseren Spermien oder zu mehr Schwangerschaften führen.

### Warum die Frage schwer zu beantworten ist

Drei Gründe ziehen sich durch die Geschichte. Erstens fehlt die saubere Gegenüberstellung: Die Autoren der russischen Übersicht halten fest, dass Versuche an gesunden Männern aus ethischen Gründen unwahrscheinlich seien, und dass der negative Antibiotikaeffekt vom Effekt der behandelten Krankheit schwer zu trennen sei [s119]. Zweitens sind die Studien klein und kurz; die randomisierten Studien haben meist weniger als 100 Teilnehmer und messen meist Laborwerte statt Schwangerschaften [s225, s254, s246]. Drittens sind Tierversuch und Humantherapie schwer vergleichbar: Dosis, Dauer, Verabreichungsweg und Entwicklungsphase unterscheiden sich, und die Abstracts rechnen die Dosen selten auf Humanäquivalente um. Die folgenden Kapitel stellen die Befunde nach diesem Raster dar, damit ein Leser jeweils erkennt, welche Frage eine Studie beantwortet.

## Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

### Umfang, Ordnung und Lesehinweise

Dieses Kapitel stellt jede in der Recherche gefundene Übersichtsarbeit, Metaanalyse und Leitlinien-Zusammenfassung einzeln vor, die für die Frage „Antibiotika, Antimykotika, Antimalariamittel und weitere Antiinfektiva und die Spermienqualität“ von Belang ist, und im zweiten Teil jede einschlägige Beobachtungsstudie am Menschen. Grundlage sind die Rechercheberichte der drei Sprachgruppen und die Quellenliste der Gesamtstudie. Die Zahlen stammen aus den Abstracts beziehungsweise, bei einigen Arbeiten, aus dem von der Recherche abgerufenen Volltext; bei den wichtigsten Übersichten und Beobachtungsstudien wurden sie zusätzlich über die Schnittstelle von Europe PMC mit dem Abstract abgeglichen. Volltexte wurden nur in Ausnahmefällen gelesen. Wo ein Abstract bei einem Kleiner-als-Zeichen abbricht, steht kein p-Wert. Konfidenzintervalle, Heterogenitätsmaße und Effektgrößen werden genannt, wenn der Abstract sie enthält; fehlen sie, steht das ausdrücklich da, damit niemand eine Genauigkeit unterstellt, die die Quelle nicht hergibt.

Titel nicht englischer und nicht deutscher Arbeiten stehen in der Originalfassung beziehungsweise in der in PubMed hinterlegten englischen Titelübersetzung (erkennbar an eckigen Klammern im Titel), gefolgt von einer deutschen Übersetzung in Klammern. Dieses Kapitel gibt keine Therapieempfehlung. Es berichtet, was die Quellen sagen, und benennt ihre Grenzen. Leitlinientexte werden wiedergegeben, nicht bewertet.

Eine Vorbemerkung ist für alles Folgende wichtig. Bei Antibiotika im engeren Sinn stehen zwei Fragen nebeneinander, die in der Literatur oft vermischt werden. Die erste lautet: Verbessert die Behandlung einer Infektion oder Entzündung der männlichen Geschlechtswege die Spermienqualität? Die zweite lautet: Schädigt das Arzneimittel selbst die Spermienbildung oder die Spermienfunktion? Die Autoren der ausführlichsten Übersicht aus dem russischsprachigen Raum und die des Kapitels von Drobnis und Nangia weisen ausdrücklich darauf hin, dass die behandelte Krankheit die Spermien oft selbst beeinträchtigt und dass sich ein Arzneimitteleffekt davon schwer trennen lässt [s119, s150].

### Gesamtbild der Übersichtsliteratur in Kürze

Eine Metaanalyse, die Antibiotika, Antimykotika oder Antimalariamittel bei Männern mit Spermienparametern oder Schwangerschaft als Zielgröße untersucht, wurde in keinem der drei Recherchestränge gefunden; die Berichte der Sprachgruppen halten das jeweils ausdrücklich fest. Auch eine Cochrane-Übersicht zu dieser Frage fand sich nicht; die einzige Cochrane-Übersicht im Themenfeld betrifft die Wahl des Antibiotikums bei urogenitaler Chlamydieninfektion und misst mikrobiologisches und klinisches Versagen, keine Spermienparameter [s128]. Was an Metaanalysen vorliegt, betrifft entweder Medikamentengruppen, die nur zum Teil Antiinfektiva sind (Sulfasalazin bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Antirheumatika), oder Risikofaktoren allgemein [s123, s73, s127, s19], oder es handelt sich um Metaanalysen, die in einer Leitlinie zitiert, aber im Original nicht eingesehen wurden [s07]. Die übrigen Arbeiten sind systematische, aber nicht metaanalytische Übersichten, narrative Übersichten und Leitlinien.

Für die drei im Titel der Gesamtstudie genannten Einzelwirkstoffe ist die Übersichtsliteratur dünn. Zu Nitrofurantoin sprechen die Übersichten von „minimalen Humandaten“ [s150], zu Metronidazol und Tetrazyklinen gibt es in den abgerufenen Übersichten keine eigene systematische Auswertung; Tetrazykline erscheinen als „Einzelfallberichte und wenige Studien“ [s180] und als Mittel der ersten Wahl bei Ureaplasmeninfektion [s64]. Gut belegt ist in den Übersichten dagegen ein Stoff, der kein klassisches Antibiotikum ist: Sulfasalazin, ein Sulfonamid-Salicylat, das bei Darm- und Rheumaerkrankungen eingesetzt wird [s123, s112, s162, s111].

### 1. Systematische Übersichten und Metaanalysen

#### 1.1 Cochrane-Übersicht zu Antibiotika bei urogenitaler Chlamydieninfektion (Páez-Canro 2019) [s128]

**Titel:** *Antibiotics for treating urogenital Chlamydia trachomatis infection in men and non-pregnant women.* Veröffentlicht in der Cochrane Database of Systematic Reviews.

**Fragestellung und Methodik.** Die Übersicht prüft Wirksamkeit und Sicherheit antibiotischer Behandlung der genitalen Infektion mit Chlamydia trachomatis bei Männern und nicht schwangeren Frauen. Der Informationsspezialist der Cochrane-Gruppe für sexuell übertragbare Infektionen durchsuchte CENTRAL, MEDLINE, Embase und LILACS sowie Studienregister von Beginn bis Juni 2018. Eingeschlossen wurden parallele randomisierte kontrollierte Studien bei Männern und sexuell aktiven, nicht schwangeren Frauen mit nachgewiesener Infektion (Zellkultur, Nukleinsäurenachweis oder Antigennachweis), die mit einem der in den Leitlinien bis 2013 empfohlenen Schemata behandelt worden waren. Vier Autoren sichteten die Evidenz und extrahierten die Daten unabhängig, das Verzerrungsrisiko wurde bewertet, zwei Autoren erstellten die Evidenztabellen. Zusammengefasst wurde mit einem Modell mit festem Effekt (Risikoverhältnis). Primäre Zielgrößen waren mikrobiologisches Versagen und unerwünschte Ereignisse; sekundär klinisches Versagen, Antibiotikaresistenz und Reinfektion.

**Population.** 14 Studien mit 2715 Teilnehmenden, davon 2147 Männer (79,08 Prozent) und 568 Frauen (20,92 Prozent). Die Studien wurden überwiegend in Kliniken für sexuell übertragbare Krankheiten durchgeführt, die Stichproben lagen zwischen 71 und 606 Teilnehmenden, die Nachbeobachtung betrug im Mittel 29,7 Tage.

**Ergebnisse, Azithromycin (Einzeldosis) gegen Doxycyclin (ein- oder zweimal täglich über 7 Tage).**
- Männer, mikrobiologisches Versagen: höher unter Azithromycin, Risikoverhältnis 2,45 (95-%-Konfidenzintervall 1,36 bis 4,41), 821 Teilnehmer, 9 Studien, Evidenz mäßiger Qualität.
- Männer, klinisches Versagen: unsicher, Risikoverhältnis 0,94 (0,43 bis 2,05), I² = 55 Prozent, 525 Teilnehmer, 3 Studien, Evidenz niedriger Qualität.
- Männer, unerwünschte Ereignisse: möglicherweise kaum Unterschied, Risikoverhältnis 0,83 (0,67 bis 1,02), 1424 Teilnehmer, 6 Studien, niedrige Qualität.
- Frauen, mikrobiologisches Versagen: unsicher, Risikoverhältnis 1,71 (0,48 bis 6,16), 338 Teilnehmerinnen, 5 Studien, sehr niedrige Qualität. Zu klinischem Versagen und unerwünschten Ereignissen bei Frauen gab es keine Studien.
- Beide Geschlechter, unerwünschte Ereignisse: Azithromycin wahrscheinlich mit weniger unerwünschten Ereignissen, Risikoverhältnis 0,83 (0,71 bis 0,98), I² = 0 Prozent, 2261 Teilnehmende, 9 Studien, mäßige Qualität.

**Ergebnisse, Doxycyclin gegen Ofloxacin.** Mikrobiologisches Versagen bei Männern unsicher, Risikoverhältnis 8,53 (0,43 bis 167,38), 80 Teilnehmer, 2 Studien, sehr niedrige Qualität; klinisches Versagen bei Männern 0,85 (0,28 bis 2,62), 36 Teilnehmer, 1 Studie; bei Frauen 0,94 (0,39 bis 2,25), I² = 39 Prozent, 127 Teilnehmerinnen, 2 Studien; unerwünschte Ereignisse bei beiden Geschlechtern 1,02 (0,66 bis 1,55), 339 Teilnehmende, 3 Studien, alle mit sehr niedriger Evidenzqualität. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren nicht schwer und betrafen den Magen-Darm-Trakt. Keine Studie erfasste Antibiotikaresistenz oder Reinfektion.

**Schlussfolgerung der Autoren.** Bei Männern sind Azithromycin-Schemata wahrscheinlich weniger wirksam als Doxycyclin, gemessen am mikrobiologischen Versagen; beim klinischen Versagen gibt es möglicherweise keinen oder nur einen geringen Unterschied. Die Autoren verlangen künftig Studien mit ausreichend vielen Frauen, geringem Verzerrungsrisiko und mit Therapietreue, Resistenz und Reinfektion als Zielgrößen sowie eine Netzwerk-Metaanalyse.

**Stärken.** Vollständige Cochrane-Methodik, zwei Datenbanken mit Studienregistern, GRADE-Bewertung, getrennte Berichterstattung nach Geschlecht. **Schwächen und Einordnung für die Gesamtstudie.** Die Übersicht misst keine Spermienparameter und keine Schwangerschaften; sie beantwortet die Frage nach der Erregerbeseitigung, nicht nach der Spermienqualität. Die Nachbeobachtung von im Mittel knapp 30 Tagen ist für die Dauer der Spermatogenese kurz. Der Heterogenitätswert von 55 Prozent beim klinischen Versagen zeigt, dass die drei zugrunde liegenden Studien uneinheitlich sind. Die Übersicht ist hier aufgenommen, weil sie die einzige Cochrane-Arbeit im Themenfeld ist und weil sie zeigt, wie unterschiedlich die Erregerbeseitigung je nach Wirkstoff ausfallen kann; das ist eine Voraussetzung dafür, dass eine Besserung der Spermienwerte überhaupt eintreten kann [s128].

#### 1.2 Metaanalysen zu Ureaplasma und Mycoplasma hominis sowie zur Leukozytospermie, zitiert in der EAU-Leitlinie [s07]

Der abgerufene Webtext des Kapitels „Male Infertility“ der EAU-Leitlinien (Abschnitt 11.4.4) zitiert zwei Metaanalysen, ohne dass die Originale in der Recherche eingesehen wurden. Eine fasst Fall-Kontroll-Studien zur Leukozytospermie zusammen und kommt dem Webtext zufolge zu dem Ergebnis, dass Leukozytospermie ohne Symptome weder die Fertilität nach assistierter Reproduktion noch die Samenqualität mindert. Die zweite Metaanalyse berichtet für Ureaplasma urealyticum einen Zusammenhang mit männlicher Infertilität (Odds Ratio 3,03; 95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 8,99), für Mycoplasma hominis dagegen keinen statistisch signifikanten (Odds Ratio 2,8; 95-%-Konfidenzintervall 0,93 bis 3,64) [s07].

**Einordnung.** Das Konfidenzintervall für Ureaplasma urealyticum ist sehr breit und reicht fast bis zur Nulllinie (untere Grenze 1,02); das Ergebnis ist also knapp signifikant und statistisch unscharf. Beim Mycoplasma-hominis-Wert liegt der Punktschätzer (2,8) nahe dem von Ureaplasma; der Unterschied in der Signifikanz entsteht allein dadurch, dass das Intervall die 1 einschließt. Zahl und Art der eingeschlossenen Studien, Heterogenität und Verzerrungsrisiko sind im Webtext nicht angegeben. Weil die Originale nicht gesichtet wurden, gelten die Zahlen als Zweitangabe aus der Leitlinie. Beide Aussagen betreffen die Infektion als Risikofaktor, nicht die Wirkung von Antibiotika [s07].

#### 1.3 Metaanalysen und Übersichten zu Sulfasalazin und Medikamenten bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Sulfasalazin gehört zu den am besten belegten Fällen einer Arzneimittelwirkung auf die männliche Fertilität; es ist ein Sulfonamid (Salicylat-Verbindung) und wird vor allem bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sowie in der Rheumatologie eingesetzt. Es ist daher ein Grenzfall zu den Antiinfektiva und wird hier aufgenommen, weil die Metaanalysen dazu die verlässlichste Humanevidenz im Umfeld der Sulfonamide liefern.

**Banerjee und Mitarbeiter 2019 [s123]:** *Inflammatory Bowel Disease Therapies Adversely Affect Fertility in Men- A Systematic Review and Meta-analysis.* Drei Datenbanken wurden von zwei Untersuchern unabhängig für den Zeitraum 1964 bis 2015 durchsucht; 249 Arbeiten wurden gefunden, 14 Studien mit 327 Patienten und 110 Tieren ausgewertet. Mit Sulfasalazin behandelte Patienten hatten niedrigere Spermienzahl, geringere Beweglichkeit und ein höheres Risiko für Oligospermie als mit Mesalazin behandelte. Biologika erschienen sicher, doch fehlten geeignete klinische Studien. Azathioprin verursachte Oligospermie, eine metaanalytische Auswertung war wegen Heterogenität nicht möglich. Tierstudien zeigten für Methotrexat eine abnorme Hodenstruktur. Der Abstract nennt keine Effektschätzer oder Konfidenzintervalle. Stärken: Einschluss sowohl von Menschen als auch von Tieren in einem Zeitraum von mehr als 50 Jahren; unabhängige Doppelsuche. Schwächen: Heterogenität verhinderte die Metaanalyse für einen Teil der Wirkstoffe; die Mischung aus 327 Patienten und 110 Tieren macht den Abstract für die Frage der Humanwirkung nur eingeschränkt verwertbar; keine Effektgrößen im Abstract [s123].

**Gubatan und Mitarbeiter 2023 [s73]:** *Paternal Medications in Inflammatory Bowel Disease and Male Fertility and Reproductive Outcomes: A Systematic Review and Meta-analysis.* Registriert bei PROSPERO (CRD42020197098); durchsucht wurden Medline, Embase, Scopus und Web of Science bis April 2022. Gepoolt wurden standardisierte Mittelwertdifferenzen, Prävalenzen und Odds Ratios mit einem Modell mit zufälligen Effekten. Eingeschlossen waren 10 Studien zu Samenparametern (268 Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung) und 16 Studien zu Schwangerschaftsausgängen (über 25.000 Patienten). Biologika, Thiopurine oder Methotrexat waren nicht mit geringerer Spermienzahl, Beweglichkeit oder mehr abnormer Morphologie gegenüber Nichtexponierten verbunden. Die Prävalenz ungünstiger Schwangerschaftsausgänge lag bei väterlicher Exposition gegenüber Biologika bei 5 Prozent, gegenüber Thiopurinen bei 6 Prozent und gegenüber Methotrexat bei 6 Prozent, bei Nichtexponierten bei 5 Prozent. Odds Ratios: Biologika und früher Schwangerschaftsverlust 1,26 (I² = 0 Prozent; p = 0,12), Frühgeburt 1,10 (I² = 0 Prozent; p = 0,17), Fehlbildungen 1,03 (I² = 0 Prozent; p = 0,69); Thiopurine 1,31 (I² = 19 Prozent; p = 0,17), 1,05 (I² = 0 Prozent; p = 0,20) und 1,07 (I² = 7 Prozent; p = 0,34); Methotrexat: Frühgeburt 1,06 (p = 0,62), Fehlbildungen 1,03 (p = 0,81). Konfidenzintervalle nennt der Abstract nicht. Sulfasalazin war nicht Gegenstand dieser Metaanalyse. Stärken: Registrierung, mehrere Datenbanken, große Zahl von Schwangerschaftsausgängen, niedrige Heterogenität. Schwächen: Nur 268 Patienten für die Samenparameter; Konfidenzintervalle im Abstract fehlen; die Arbeit sagt nichts zu Antiinfektiva im engeren Sinn [s73].

**Übersichten zu Darmerkrankungen (Shin und Okada 2016, Hammami und Mahadevan 2020, Sands 2015).** *Infertility in men with inflammatory bowel disease* [s162]: systematische PubMed-Suche; Sulfasalazin senkt reversibel die männliche Fertilität, keine anderen Medikamente beeinflussen sie wesentlich, kleine Studien deuteten einige unerwünschte Wirkungen an; die Autoren nennen auch Entzündungsaktivität, Mangelernährung, Alkohol, Rauchen und Operationen als Einflüsse. *Men With Inflammatory Bowel Disease: Sexual Function, Fertility, Medication Safety, and Prostate Cancer* [s112]: ebenso; Sulfasalazin vermindert reversibel die Fertilität, andere Medikamente kaum; Methotrexat und Sulfasalazin seien selten mit Impotenz verbunden. *Review article: the safety of therapeutic drugs in male inflammatory bowel disease patients wishing to conceive* [s168]: PubMed-Suche auch mit den Begriffen „ciprofloxacin AND infertility“ und „metronidazole AND infertility“; über die Hälfte der männlichen Patienten mit Darmerkrankung habe einen gewissen Grad an Infertilität, gegenüber 8 bis 17 Prozent der Allgemeinbevölkerung; Samenparameter könnten durch Therapeutika beeinträchtigt werden. Der Abstract nennt keinen konkreten Befund zu Ciprofloxacin oder Metronidazol. Alle drei sind narrative Übersichten ohne dargestellte Studienzahl und ohne Effektgrößen; ihr Wert liegt in der übereinstimmenden Aussage zu Sulfasalazin [s162, s112, s168].

#### 1.4 Systematische Übersicht zu Antirheumatika bei Männern mit Kinderwunsch (Mouyis 2019) [s127]

*Safety of anti-rheumatic drugs in men trying to conceive: A systematic review and analysis of published evidence.* PubMed und Embase wurden bis September 2017 durchsucht; die Suche ergab 724 Arbeiten, 233 wurden im Volltext geprüft, 84 gingen in die Auswertung ein; sie betrafen über 611 männliche Expositionen und über 5986 Schwangerschaften, die während väterlicher Exposition oder innerhalb von drei Monaten nach deren Ende eingetreten waren. Abgesehen von der bekannten Wirkung von Cyclophosphamid und Sulfasalazin auf die Spermatogenese ergab sich für Anti-TNF-Mittel, Abatacept, Rituximab, Azathioprin, Ciclosporin A, Hydroxychloroquin, Leflunomid, Methotrexat und Mycophenolatmofetil kein sicherer Hinweis auf Schaden für Fertilität oder Schwangerschaftsausgang. Für IVIG, Tacrolimus, Golimumab, Anakinra und Belimumab fand sich keine Evidenz. Für das Thema wichtig ist Hydroxychloroquin, das auch als Malariamittel eingesetzt wird: Es erscheint hier als Mittel ohne gesicherten Hinweis auf Schaden bei väterlicher Exposition. Der Abstract nennt keine Effektschätzer und keine Konfidenzintervalle; die Aussage „kein sicherer Hinweis“ bedeutet Abwesenheit von Beleg, nicht Beleg der Abwesenheit, zumal die Zahl der Exposition je Wirkstoff aus dem Abstract nicht hervorgeht [s127].

**Verwandte Übersichten zu Antirheumatika.** Bermas (2020) [s111]: Cyclophosphamid sei das einzige Mittel mit irreversibler Infertilität; Sulfasalazin könne reversible Azoospermie verursachen, bei verzögerter Konzeption solle es drei Monate ausgesetzt und ein Spermiogramm angefertigt werden; Hydroxychloroquin und weitere Mittel seien mit väterlicher Exposition vereinbar; für andere Biologika und kleine Moleküle reichten die Daten nicht. Ibarra Barrueta und Mitarbeiter (2023, Farmacia Hospitalaria, spanisch/englisch übersetzt) [s74]: 95 Literaturstellen bis April 2020; die meisten Mittel seien mit väterlicher Exposition verträglich, außer Sulfasalazin, Mycophenolat und Leflunomid, für die ein Absetzen vor der Konzeption empfohlen werde, sowie Ciclosporin mit Dosisvorgabe unter 2 mg/kg/Tag; Hydroxychloroquin gilt als sicher. Chin und Mitarbeiter (2025) [s24], Scoping-Review von Leitlinien: 18 Leitlinien ab 2014, davon 10 (56 Prozent) mit Aussagen zur Konzeption, 12 (67 Prozent) zur Stillzeit und 6 (33 Prozent) zur männlichen Fertilität; Empfehlungen für synthetische Basistherapeutika (Methotrexat, Sulfasalazin, Leflunomid, Hydroxychloroquin) waren ähnlich, für Biologika und zielgerichtete synthetische Mittel uneinheitlich. Diese Arbeiten sind Leitlinien- und Arzneimittelsicherheitsübersichten; sie bewerten Antiinfektiva nur am Rand (Hydroxychloroquin, Sulfasalazin) [s111, s74, s24].

#### 1.5 Systematische Übersichten zu Arzneimitteln und männlicher Fertilität

**Semet und Mitarbeiter 2017 [s154]:** *The impact of drugs on male fertility: a review.* Systematische Literaturübersicht französischer Autoren über die Wirkung nichtzytotoxischer Arzneimittel auf die männliche Fertilität; die Zahl der eingeschlossenen Studien nennt der Abstract nicht. In den meisten Fällen seien die Wirkungen auf Spermatogenese, Spermienreifung und Sexualfunktion nach Absetzen reversibel. Wenn eine Behandlung nicht beendet werden kann oder die Wirkung auf Samenparameter und Spermien-DNA möglicherweise unumkehrbar ist (Sulfasalazin, Azathioprin, Mycophenolatmofetil, Methotrexat), solle die Kryokonservierung von Spermien angeboten werden. Arzneimittel mit sehr guter oder guter Evidenz für schädliche Wirkung seien Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide, Tramadol, GnRH-Analoga und Sartane. Antibiotika, Antimykotika und Antimalariamittel gehören im Abstract nicht zu den Substanzen mit guter Evidenz. Eine Zweitangabe aus der russischsprachigen Übersicht [s119] gibt wieder, nach dieser Übersicht habe Nitrofurantoin Spermienzahl und Beweglichkeit gesenkt, hohe Dosen hätten die Spermatogenese vollständig blockiert, Erythromycin habe in vitro die Zahl lebender Spermien gemindert, Gentamicin, Neomycin und Streptomycin hätten Beweglichkeit, Zahl und normale Formen gesenkt, Penicillin und Tetrazykline die Parameter mäßig verschlechtert, und die Evidenz sei überwiegend niedrig (Stufe 3 oder 4); diese Angaben stehen nicht im Abstract und sind hier nur als Wiedergabe von [s119] zu lesen [s154, s119].

**Jebli und Mitarbeiter 2026 [s14]:** *The Impact of Common Medications on Male Fertility: An Updated Systematic Review.* Aktualisierung der Übersicht von 2017 nach PRISMA 2020. Eingeschlossen wurden nur Originalarbeiten von 2016 bis 2025 an Männern, die nichtzytotoxische Arzneimittel erhielten und bei denen Spermatogenese, Samenparameter oder Hormonwerte berichtet wurden; die Synthese erfolgte beschreibend, geordnet nach Wirkstoffklasse und Wirkstoff. Von 16.310 gefundenen Studien wurden 184 eingeschlossen. Als schädlich werden im Abstract Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide, Sertralin, Tramadol, GnRH-Analoga und Sartane (bereits 2017) und neu Duloxetin, Thiopurine, Dutasterid, Valganciclovir, Efavirenz, Valproat und Hydroxyharnstoff genannt, jeweils mit gut bis hoch belegter Evidenz. Unter den Antiinfektiva werden Sulfasalazin, Valganciclovir (antivirales Mittel) und Efavirenz (antiretrovirales Mittel) genannt; Antibiotika im engeren Sinn, Antimykotika und Antimalariamittel erscheinen im Abstract nicht. Stärken: PRISMA-Verfahren, großer Umfang, Beschränkung auf Humandaten. Schwächen: Beschreibende Synthese ohne gepoolte Effektschätzer; der Abstract nennt weder die Studiengüte noch Zahlen je Wirkstoff; ob Antiinfektiva untersucht und nur nicht als schädlich eingestuft wurden, ist aus dem Abstract nicht ablesbar [s14].

**Zakhem und Mitarbeiter 2019 [s132]:** *Infertility and teratogenicity after paternal exposure to systemic dermatologic medications: A systematic review.* Ausgangspunkt waren dermatologische Systemtherapeutika der früheren US-Schwangerschaftskategorien D und X; Literaturübersicht plus Auswertung des Meldesystems für unerwünschte Ereignisse der FDA und der Fachinformationen. 13 Arzneimittel erfüllten die Einschlusskriterien; von 1032 Studien wurden 19 eingeschlossen. Für 10 der 13 Mittel lagen Studien zur väterlichen Exposition vor, bei 6 fand sich ein negativer Effekt. Welche Substanzen das sind, nennt der Abstract nicht. Einschränkung der Autoren: Für 3 Mittel fanden sich keine Studien, und Meldungen an die FDA bilden die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse nicht sicher ab [s132].

**Khaki 2015 [s166]:** *Assessment on the adverse effects of Aminoglycosides and Flouroquinolone on sperm parameters and male reproductive tissue: A systematic review.* Die Übersicht ist die einzige abgerufene systematische Übersicht, die ausdrücklich zwei Antibiotikaklassen betrifft. Durchsucht wurden Google Scholar und PubMed für Januar 2000 bis Dezember 2013, Artikel in Englisch und Persisch; eingeschlossen waren randomisierte kontrollierte Studien zur Wirkung von Aminoglykosiden oder Fluorchinolonen auf Spermienparameter, künstliche Besamung und männliches Fortpflanzungsgewebe oder Vergleiche zwischen beiden Klassen; Daten wurden doppelt extrahiert. Ergebnis laut Abstract: Die Spermienvitalität sank signifikant unter Streptomycin, Gentamicin und Neomycin (p-Wert im Abstract abgeschnitten). Schlussfolgerung: Streptomycin schade der Apoptose und den Spermienparametern weniger als die anderen, Gentamicin stärker, weshalb geringere Dosis und Dauer empfohlen werde (Formulierung der Autorin); Fluorchinolone zeigten negative Wirkungen auf Hodengewebe und Spermienparameter; Ciprofloxacin habe bei künstlicher Besamung weniger Nebenwirkungen als Gentamicin. Eine Zweitangabe in der russischen Übersicht [s119] nennt p < 0,05 für die Beweglichkeit unter Gentamicin und Neomycin, p < 0,022 für die Gesamtspermienzahl nach Ofloxacin, Gentamicin, Streptomycin und Neomycin und p < 0,011 für den Hodenumfang nach Ofloxacin und Gentamicin. **Schwächen:** Die Zahl der eingeschlossenen Studien nennt der Abstract nicht. Die Erwähnung der künstlichen Besamung und der Hodengewebeuntersuchung lässt vermuten, dass tierexperimentelle Studien einen großen Teil ausmachen; das geht aus dem Abstract nicht eindeutig hervor und ist deshalb ein offener Punkt. Für Männer ist die Übersicht daher nur mit Vorbehalt verwertbar [s166, s119].

**Jung und Mitarbeiter 2016 [s157]:** *Treatment of Leukocytospermia in Male Infertility: A Systematic Review.* World Journal of Men's Health. Die Übersicht stammt aus Korea und ist die einzige koreanische Übersicht, die die Frage unmittelbar behandelt. Sie hält fest, Infektionen des Urogenitaltrakts könnten bis zu 15 Prozent der männlichen Infertilität mitverursachen und Leukozytospermie sei ein bekannter Hinweis auf Infektion oder Entzündung der Geschlechtsdrüsen; als Goldstandard der Behandlung sei bislang nichts geklärt. Antibiotika könnten Spermienparameter, die Rate des Verschwindens der Leukozytospermie, die bakteriologische Heilungsrate und sogar die Schwangerschaftsrate verbessern, einzelne Berichte widersprächen aber; für Antioxidantien gebe es Hinweise auf Nutzen für die Spermienfunktion aus In-vitro-Studien. Die Daten reichten nicht aus, um zu entscheiden, ob Antibiotika oder Antioxidantien bei Leukozytospermie wirksam seien. Der Abstract nennt weder die Zahl der Studien noch Effektmaße noch eine Qualitätsbewertung; ohne Volltext lässt sich die Suchstrategie nicht beurteilen [s157].

**Wang und Mitarbeiter 2026, Umbrella-Review [s19]:** *Current risk factors for male infertility and semen parameters: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses.* Asian Journal of Andrology. Web of Science, MEDLINE und Embase, Januar 2000 bis Februar 2025; Endpunkte waren Infertilität, Samenvolumen, Spermienkonzentration, Spermiengesamtzahl, Morphologie, Beweglichkeit und progressive Beweglichkeit. Eingeschlossen wurden 43 Übersichten mit 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen, bewertet mit GRADE: 136 (54,6 Prozent) sehr niedrig, 59 (23,7 Prozent) niedrig, 54 (21,7 Prozent) moderat. Als Zustände, die das Risiko abnormer Samenparameter erhöhen können, nennt der Abstract unter anderem chronische Prostatitis und Leukozytospermie; bei den Arzneimitteln Sulfasalazin, Mesalazin und selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer; bei Infektionen unter anderem SARS-CoV-2, humane Papillomviren und Hepatitisviren. Antibiotika, Antimykotika und Antimalariamittel treten als eigene Faktoren nicht auf. Die Autoren betonen, dass bei einigen Faktoren ein ursächlicher Zusammenhang nicht geprüft wurde. Aus der Verteilung der GRADE-Stufen folgt, dass mehr als drei Viertel der Effektgrößen auf sehr niedriger oder niedriger Sicherheit beruhen. Das Fehlen der Antiinfektiva im Abstract spiegelt vermutlich, dass keine Metaanalyse dazu existierte, die die Einschlusskriterien erfüllte; das ist eine Schlussfolgerung aus dem Abstract, kein im Abstract genannter Befund [s19].

**Chatterjee und Mitarbeiter 2026 [s05]:** *Consequence of malaria and dengue on reproductive vigor. A scoping review.* La Clinica Terapeutica. Scoping-Übersicht auf Grundlage einer breiten systematischen Datenbanksuche nach englischsprachigen Arbeiten 2013 bis 2024. Malaria sei mit verminderter Samenqualität, Oligozoospermie und Nekrozoospermie verbunden; Antimalariamittel (Chloroquin, Chinin, Quinacrin, Pyrimethamin) verursachten männliche Infertilität; akute Denguefieber-Infektion führe zu vorübergehenden Spermienveränderungen, nicht zu dauerhafter Infertilität. Die Schlussfolgerung schreibt die Infertilität indirekt Antimalariamitteln zu. Der Abstract nennt keine Zahl eingeschlossener Studien, keine Effektgrößen und trennt den Einfluss der Krankheit nicht quantitativ vom Einfluss der Medikamente; die Aussage „verursachen“ ist daher stärker formuliert, als der Abstract belegt. Als einzige Übersicht der Recherche, die Antimalariamittel und männliche Fertilität zusammen behandelt, ist sie dennoch für das Thema wichtig, zugleich ein Beispiel dafür, wie eine Übersicht zu einer starken Formulierung kommen kann, ohne dass im Abstract Humandaten dafür vorgelegt werden [s05].

**Adewole und Attah 2019 [s120]:** *Antimalarial plants with potential male-factor antifertility properties.* Journal of Complementary & Integrative Medicine. Zusammenstellung pflanzlicher Antimalariamittel, die experimentell bestätigt männliche antifertile Wirkungen zeigen (Minderung der Spermienqualität, Veränderung der Hormonspiegel, Lipidperoxidation). Es handelt sich um Pflanzenpräparate, nicht um die klassischen Arzneimittel; die Arbeit gehört zur Frage, ob Malariabehandlung die Fertilität beeinflusst, nur über die in endemischen Gebieten verbreitete Selbstmedikation [s120].

### 2. Narrative und nicht systematische Übersichten

#### 2.1 Übersichten zu Antiinfektiva und männlicher Fertilität

**Drobnis und Nangia 2017 [s150]:** *Antimicrobials and Male Reproduction.* Advances in Experimental Medicine and Biology (Buchkapitel). Die Autoren halten fest, Antibiotika stünden lange im Verdacht, zur männlichen Infertilität beizutragen, es gebe dafür aber „bemerkenswert wenige“ Daten. Die zentrale methodische Schwierigkeit sei, dass die behandelten Krankheiten selbst die männliche Fortpflanzung beeinträchtigen, die Behandlung also Zielgrößen verbessern könne; das gelte besonders für Krankheiten des männlichen Genitaltrakts. Antiparasitika seien als Klasse für eukaryotische Zellen toxisch und hätten ein erhebliches Potenzial für Reproduktionstoxizität; beim Menschen sei nur Niridazol belegt, das bei 20 Männern mit Schistosomiasis einen reversiblen Stillstand der Spermatogenese verursachte. Unter den Antimykotika habe Ketoconazol in einigen Studien das Testosteron vorübergehend gesenkt, Arbeiten zu Samenqualität oder Fertilität fehlten. Für Nitrofurantoin, Ciprofloxacin, Ofloxacin und Sulfamethoxazol gebe es „minimale“ Humandaten zu verminderter Samenqualität; einige dieser und anderer Antibiotika seien an anderen Spezies mit Ergebnissen untersucht worden, die auf negative Wirkungen auf die männliche Fertilität hindeuteten. Das Kapitel fordert gut geplante klinische Studien. **Einordnung:** Es ist die am besten als Referenz geeignete Zusammenfassung zu allen vier im Titel genannten Wirkstoffgruppen, bleibt aber in der Abstract-Fassung ohne Zahlen und ohne Studienliste. Wichtig ist die Aussage, die Datenlage sei dünn, nicht eine Aussage über einen nachgewiesenen Schaden [s150].

**Millsop und Mitarbeiter 2013 [s180]:** *Dermatological medication effects on male fertility.* Dermatologic Therapy. Suche in MEDLINE (englisch) mit Begriffen zu männlicher Infertilität, Spermatogenese, Arzneimittelwirkung und Dermatologie. Methotrexat und Finasterid führten zu Oligospermie und reversibler Infertilität; Ketoconazol habe negative Wirkungen auf Beweglichkeit und Testosteronbildung; Einzelfallberichte und eine begrenzte Zahl von Studien zeigten negative Wirkungen von Tetrazyklinen, Erythromycin, Chloroquin, Glukokortikoiden, Spironolacton und Antihistaminika. Für orale Retinoide, Ciclosporin, Azathioprin und TNF-alpha-Hemmer wird Entwarnung gegeben. Die Übersicht ist die einzige abgerufene, die Tetrazykline und Chloroquin namentlich als Arzneimittel mit gemeldeter negativer Wirkung nennt; sie stützt das auf „Einzelfallberichte“ und „wenige Studien“, nicht auf Zahlen [s180].

**Schill und Przybilla 1985 [s276]:** *[Side effects of drugs on male fertility]* (Nebenwirkungen von Arzneimitteln auf die männliche Fertilität), Zeitschrift für Hautkrankheiten, deutsch. Die Übersicht führt Antibiotika zu den antispermatogenen Mitteln (neben Zytostatika, Immunsuppressiva, Psychopharmaka) und nennt Antibiotika, Anthelminthika, Psychopharmaka und Betablocker als Mittel, die die Spermienbeweglichkeit hemmen können; sie fordert, künftig mehr auf solche Nebenwirkungen zu achten. Der Abstract enthält weder Zahlen noch Wirkstoffnamen und nennt keine Primärstudien [s276].

**Hou und Mitarbeiter 2024 [s55]:** *The research progress on the impact of antibiotics on the male reproductive system.* Environment International. Narrative Übersicht (im Abstract keine Methodik und keine Zahlen) über Antibiotika als endokrine Disruptoren, Expositionswege (Tierhaltung, Lebensmittel, Wasser), schädliche Wirkungen und Mechanismen einzelner Antibiotikaklassen sowie mögliche Schutzstoffe aus Lebensmitteln. Die Arbeitsgruppe hat selbst Tierversuche zu Ciprofloxacin und Enrofloxacin veröffentlicht, die Übersicht ordnet also teilweise eigene Arbeiten ein; sie argumentiert aus Sicht der Umwelt- und Lebensmittelexposition, nicht der klinischen Anwendung [s55].

**Russischsprachige Übersicht zu Antibiotika und Spermatogenese (Kadyrow, Akramow, Aldyrakow 2020) [s119]:** *Воздействие антибактериальных препаратов на сперматогенез (обзор литературы)* (Die Wirkung antibakterieller Präparate auf die Spermatogenese (Literaturübersicht)), Andrologija i genitalnaja chirurgija (RUDN-Universität Moskau). Es ist die ausführlichste Quelle des gesamten Materials zu dieser Frage (Volltext gelesen). Die Autoren stellen fest, dass viele experimentelle Studien dosisabhängig negative Wirkungen bestimmter Antibiotika auf die Spermatogenese zeigen und dass sich bei einigen Antibiotika, meist vor dem Hintergrund einer Entzündung, oxidativer Stress im Hodengewebe entwickelt. Sie geben, jeweils als Zweitangabe, Befunde aus anderen Arbeiten wieder: nach Semet Nitrofurantoin mit Senkung von Spermienzahl und Beweglichkeit und vollständiger Blockade der Spermatogenese bei hohen Dosen; Erythromycin in vitro mit weniger lebenden Spermien, die sich nach Absetzen normalisierten; Gentamicin, Neomycin und Streptomycin mit Senkung von Beweglichkeit, Zahl und normalen Formen; Penicillin und Tetrazykline mit mäßiger Verschlechterung (Evidenzstufe 3 oder 4). Adelakun und Mitarbeiter: Tetracyclin 30 mg/kg schädigte bei Ratten Samenzellen, verringerte Leydig-Zellen und senkte das Serumtestosteron, die behandelten Männchen konnten Weibchen nicht befruchten. Aly und Hassan: Gentamicin 0, 60, 80 und 100 mg/kg/Tag über 10 Tage senkte dosisabhängig Hodengewicht, Spermienzahl, Beweglichkeit und Testosteron. Tahri und Mitarbeiter 2017: Imipenem bei Ratten (n = 8 je Gruppe; 0, 30, 50, 80 mg/kg intraperitoneal über eine Woche) mit schlechterer Beweglichkeit, Vitalität und Zahl, mehr abnormen Spermien und weniger Testosteron, deutlichste Effekte bei 50 und 80 mg/kg (p < 0,001). Zu Levofloxacin bei Wistar-Ratten werden Spermienkonzentrationen von 200, 192, 170, 128 und 75 Millionen genannt (p < 0,05); die im Übersichtsartikel genannten Dosen von 0,03 bis 0,08 mg/kg sind auffallend niedrig und ohne die Originalarbeit nicht zu prüfen. Die Übersicht schließt, die Arbeiten seien überwiegend experimentell, die Wirkungen oft dosisabhängig und nach Absetzen meist reversibel, zur Erholungszeit der Spermatogenese gebe es zu wenig Daten, die Evidenz sei niedrig, der negative Antibiotikaeffekt sei vom Effekt der behandelten Krankheit schwer zu trennen, und Versuche an gesunden Männern seien aus ethischen Gründen unwahrscheinlich. **Stärken:** gute Zusammenstellung, offene Benennung der Störfaktoren. **Schwächen:** keine systematische Suchstrategie, ausschließlich Zweitangaben, keine Gewichtung der Studienqualität [s119].

**Russischsprachige Übersicht zu Doxycyclin (Strygin, Nesmijanow, Tolkatschew 2015) [s171]:** *Положительное влияние доксициклина на показатели мужской фертильности* (Positiver Einfluss von Doxycyclin auf Parameter der männlichen Fertilität), Westnik Wolgogradskogo GMU. Erzählende Übersicht mit programmatischem Titel; wiedergegeben werden, wiederum als Zweitangaben: bessere Spermienparameter unter Doxycyclin bei Asthenozoospermie mit Ureaplasma-Infektion, Verbesserung des Eipenetrationstests, bessere Spermienqualität in einer doppelblinden prospektiven Studie bei Epididymoprostatovesikulitis, 100 mg täglich über 14 Tage bei Prostatovesikuloepididymitis, Prostatitis und Prostatovesikulitis; In-vitro-Daten nach Kryokonservierung, wonach Doxycyclin die Hyperaktivierung verringere und Ciprofloxacin sie erhöhe, wobei die Autoren bemängeln, dass die In-vitro-Konzentration (mindestens 2,6 µg/ml) höher lag als die im Sperma gemessene mittlere Konzentration (0,89 µg/ml). Die Wirkung wird auf antioxidative Eigenschaften und geringere Bildung von Interleukin-2 und Interleukin-8 zurückgeführt; bei chronischer Prostatitis liege die Wirksamkeit bis zu 75 Prozent. Ungünstige Doxycyclin-Befunde führen die Autoren an (Ratten, 3 mg/kg/Tag über 10 Tage, vier Tiere je Gruppe, Rückgang haploider Zellen an Tag 11, an Tag 56 reversibel; Mäuse in der Pubertät mit 1,4, 2,8 und 5,6 mg/kg/Tag), bewerten sie aber als nicht übertragbar. **Schwächen:** Titel und Gewichtung sind einseitig, ungünstige Studien werden als methodisch schwach abgetan, ohne dass derselbe Maßstab an die günstigen angelegt wird; ausschließlich Zweitangaben. Der Befund steht in Spannung zur Beobachtungsserie von Lisakowskaja, in der Doxycyclin zu den Wirkstoffen mit anhaltender Störung zählte [s171, s229].

#### 2.2 Übersichten zu Infektion, Bakteriospermie und Leukozytospermie

**Henkel 2024 [s54]:** *Leukocytospermia and/or Bacteriospermia: Impact on Male Infertility.* Journal of Clinical Medicine. Narrative Übersicht. Leukozytospermie komme bei 30 Prozent der infertilen und bis zu 20 Prozent der fertilen Männer vor; die Prävalenz männlicher Genitaltraktinfektionen liege Berichten zufolge bei 10 bis 35 Prozent. Als Grenzwert der WHO gelten 1 × 10⁶ peroxidasepositive Zellen/ml; für Bakterien nehme man in mehreren Studien Proben mit mehr als 10³ Kolonie-bildenden Einheiten/ml als bakteriospermisch an. Als Mechanismen werden die direkte Wechselwirkung von Bakterien mit Keimzellen, die Freisetzung spermientoxischer Stoffe sowie Zytokine und reaktive Sauerstoffspezies mit oxidativem Stress genannt. Bakterielle Infektionen einschließlich „stummer“ seien behandelbar, Antibiotika seien das Mittel der Wahl, daneben kämen nichtsteroidale Entzündungshemmer oder Antioxidantien infrage; „no specific strategy is available“ für die Leukozytospermie, und der Zusammenhang von Bakteriospermie und Leukozytospermie sowie ihr Einfluss auf Befruchtung und klinische Schwangerschaft müsse weiter untersucht werden. Bei assistierter Reproduktion senkten Spermientrennverfahren die Bakterienlast deutlich; Kontamination mit Hautkeimen sei durch Hygiene zu vermeiden. Stärken: gute Zusammenfassung der Definitionen. Schwächen: narrativ, keine Studienzahl, keine Effektgrößen [s54].

**Dutta, Bocu und Agarwal 2025 [s27]:** *Role of Leukocytospermia in the Management of Male Infertility: Decoding a Mystery for the Busy Clinicians.* World Journal of Men's Health. Leukozytospermie definiert als mehr als 1 × 10⁶ Leukozyten/ml; Folgen seien Akrosomschäden sowie Veränderungen von Mittelstück und Flagellum, oxidativer Stress und DNA-Schäden. Ursachen seien Infektionen, Autoimmunreaktionen, Lebensstilfaktoren und weitere Zustände, auch Diabetes mellitus. Als Behandlung werden Antibiotika, Entzündungshemmer und assistierte Reproduktion aufgeführt, abgestimmt auf die Ursache; die Diagnostik reiche von der Peroxidasefärbung bis zu Immunzytochemie und Durchflusszytometrie mit höherer Sensitivität und Spezifität. Der Abstract nennt keine Zahlen zur Wirkung von Antibiotika auf Spermien [s27].

**Brunner und Mitarbeiter 2019 [s124]:** *Review of Guidelines for the Evaluation and Treatment of Leukocytospermia in Male Infertility.* World Journal of Men's Health. Leukozytospermie wird als schlecht definierter und unzureichend verstandener Zustand bei bis zu 30 Prozent der männlichen Infertilität beschrieben. Die Autoren verglichen internationale Leitlinien und werteten Arbeiten zu Behandlung und Management (englischsprachige Humanstudien, Januar 2010 bis April 2018, plus vier in Leitlinien referenzierte Arbeiten) aus. Die Leitlinien widersprächen sich: Manche beschrieben keinen Zusammenhang zwischen Leukozytospermie und Infertilität, andere eine Besserung der Spermienqualität einschließlich der Schwangerschaftsrate durch Behandlung; genannt werden Antibiotika, Entzündungshemmer und häufige Ejakulation. Die Autoren verlangen, Leukozytospermie als Infektions- oder Entzündungsmarker neu zu charakterisieren, den Schwellenwert zu überprüfen und Studien mit Konzeption als Zielgröße durchzuführen [s124].

**Rivero und Mitarbeiter 2023 [s81]:** *Evaluation and management of male genital tract infections in the setting of male infertility: an updated review.* Current Opinion in Urology. Männliche Infertilität sei in schätzungsweise 15 Prozent der Fälle durch Genitaltraktinfektionen bedingt. Eine Reihe internationaler Leitlinien empfehle Samenkultur und PCR, die Bedeutung positiver Ergebnisse bleibe aber unklar. Klinische Studien zu Entzündungshemmern oder Antibiotika berichteten Besserungen von Spermienparametern und Leukozytospermie, Daten zur Konzeptionsrate fehlten. Zu den Behandlungsoptionen zählten Entzündungshemmer, häufige Ejakulation und Antibiotika, die „nicht ohne Symptome oder mikrobiologische Infektion“ angewendet werden sollten; humane Papillomviren und SARS-CoV-2 seien mit schlechteren Samenparametern und geringerer Konzeptionsrate verbunden [s81].

**Zhou und Mitarbeiter 2024 [s64]:** *The Relationship Between Ureaplasma Species and Male Infertility: Pathogenicity, Biology, Diagnosis, and Treatment.* Alternative Therapies in Health and Medicine. Die Übersicht stellt Biologie, Biovare und Übertragungswege dar und prüft Studien der letzten 30 Jahre zur Rolle von Ureaplasma. Ureaplasma parvum und Ureaplasma urealyticum könnten die Spermienbeweglichkeit beeinträchtigen; als Risikofaktoren gelten Spezies, Sexualanamnese, Zahl der Sexualpartner, Bakterienlast und Antibiotikaresistenz. Als Mittel der ersten Wahl bleibe Doxycyclin. Die Autoren schreiben, Ureaplasma seien „nicht einfach unschuldige Zuschauer“ und möglicherweise ein „unterschätzter Feind der menschlichen Fortpflanzung“; sie könnten als ätiologischer Faktor bei ungeklärter Infertilität und als nützlicher Marker gelten. Die Charakterisierung als Krankheitserreger bleibe laut Abstract umstritten, für Ureaplasma parvum gebe es nur begrenzte Evidenz. Die Aussage zu Doxycyclin betrifft die Erregerbehandlung, nicht eine Wirkung auf die Spermien [s64].

**Haidl und Mitarbeiter 2008 [s208]:** *Chronic epididymitis: impact on semen parameters and therapeutic options.* Andrologia. Die Nebenhodenentzündung scheine für die männliche Fortpflanzungsfunktion bedeutsamer als die Entzündung von Prostata oder Samenblasen; sie könne Spermienzahl und Beweglichkeit mindern, häufig verbunden mit atypischem Färbeverhalten der Spermienflagellen. Oft liege die Leukozytenzahl im Ejakulat unter 10⁶/ml, sodass Granulozytenelastase, Interleukin-6, Interleukin-8 oder reaktive Sauerstoffspezies als zusätzliche Marker hilfreich seien. Positive Wirkungen entzündungshemmender oder antibiotischer Behandlung auf die Samenqualität seien berichtet worden, kontrollierte prospektive Studien fehlten aber [s208].

**Ďuračka und Mitarbeiter 2023 [s68]:** *Strategies for Bacterial Eradication from Human and Animal Semen Samples: Current Options and Future Alternatives.* Sensors (Basel). Die Übersicht betrifft Samenverarbeitung und Konservierung im Labor, nicht die Behandlung von Patienten. Bakterielle Kontamination wirke sich unvorhersehbar und komplex auf die Samenqualität aus; Antibiotika seien die einfachste Maßnahme, Antibiotikaresistenz aber eine ernste Bedrohung; die Arbeit fasst Alternativen zusammen, darunter antibakterielle Zusätze und moderne Spermienselektion mit physikalischer Entfernung von Bakterien [s68].

#### 2.3 Übersichten in deutscher Sprache

**Pilatz und Mitarbeiter 2016 [s160]:** *[Infection and infertility]* (Infektion und Infertilität), Der Urologe A. Epidemiologische Daten zeigten bei 6 bis 10 Prozent der Männer in der andrologischen Abklärung eine infektiöse Ursache; die Übersicht behandelt Prostatitis, Epididymitis, Orchitis und Infektionen der männlichen Adnexdrüsen (MAGI) und ihre Auswirkung auf die Fertilität [s160].

**Ludwig und Mitarbeiter 2001 [s235]:** *[Prostatitis syndrome. Changes in the ejaculate and effects on fertility]* (Prostatitissyndrom. Veränderungen des Ejakulats und Auswirkungen auf die Fertilität), Der Urologe A. Entzündungen und Infektionen des männlichen Genitaltrakts seien ein wichtiger, möglicherweise auf Behandlung ansprechender Faktor der männlichen Infertilität. Klinische Studien zur Ejakulatqualität bei den Formen des Prostatitissyndroms hätten widersprüchliche Ergebnisse geliefert; nur die antimikrobielle Therapie sei als Option ausreichend beschrieben. Entzündungsmediatoren (Zytokine, reaktive Sauerstoffspezies) werden als mögliche Mechanismen diskutiert [s235].

**Spornraft-Ragaller und Mitarbeiter 2018 [s143]:** *[Sexually transmitted infections and male fertility]* (Sexuell übertragbare Infektionen und männliche Fertilität), Der Hautarzt; Literatur bis 30. April 2018 einschließlich großer Kollektive aus dem asiatischen Raum. Das Bild sei uneinheitlich; ein direkter oder indirekter Beleg für den Einfluss eines einzelnen Erregers auf die Ejakulatqualität sei nicht eindeutig erbracht, es gebe jedoch Hinweise auf negative Wirkung von Mykoplasmen und Ureaplasmen in großen asiatischen Kollektiven; manifeste Entzündungen durch Chlamydien und Gonokokken oder HIV-Infektionen führten häufig zu einer Beeinträchtigung der Spermienqualität. Eine mikrobiologische Abklärung wird bei Fertilitätsstörungen empfohlen (Aussage der Autoren) [s143].

#### 2.4 Übersichten in französischer Sprache

**Saint und Mitarbeiter 2023 [s82]:** *[Infections and male infertility]* (Infektionen und männliche Infertilität), Progrès en Urologie. Literatursuche, begrenzt auf englischsprachige Humanstudien vor Mai 2023, 189 ausgewertete Artikel. Infektionen seien eine der häufigsten behebbaren Ursachen männlicher Infertilität, die Erreger seien meist bakteriell oder viral, seltener parasitär; sie führten in der Regel zu Entzündung und oxidativem Stress und minderten die Fertilität vor allem durch veränderte Spermiogramm-Parameter und erhöhte Spermien-DNA-Fragmentierung. Die Suche nach einer urogenitalen Infektion solle systematisch erfolgen; eine ursächliche Behandlung könne je nach Bild und Keim vorgeschlagen werden [s82].

**Boitrelle und Mitarbeiter 2012 [s185]:** *[Bacteriospermia in Assisted Reproductive Techniques: effects of bacteria on spermatozoa and seminal plasma, diagnosis and treatment]* (Bakteriospermie bei Verfahren der assistierten Reproduktion: Wirkungen von Bakterien auf Spermien und Seminalplasma, Diagnose und Behandlung), Gynécologie Obstétrique Fertilité. Bakterien im Sperma könnten Spermienmorphologie und -funktion beeinträchtigen und den Samenweg mechanisch oder funktionell verlegen; Bakteriospermie bedeute nicht Infektion und sei von der Infektion der Adnexdrüsen zu unterscheiden. Die Arbeit definiert Schwellenwerte für eine Behandlung, festgelegt nach Literatur, Stellungnahme der französischen Mikrobiologiegesellschaft und Praxis der Autoren; das ist ausdrücklich keine allein auf Studien gestützte Schwelle [s185].

**Lemkecher und Mitarbeiter 2005 [s221]:** *[Leucocytospermia, oxidative stress and male fertility: facts and hypotheses]* (Leukozytospermie, oxidativer Stress und männliche Fertilität: Tatsachen und Hypothesen), Gynécologie Obstétrique Fertilité. Leukozytospermie über 10⁶/ml finde sich in 20 Prozent der Fälle männlicher Infertilität und führe zur Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, die Funktion von Adnexdrüsen und Spermien stören könnten; die antioxidativen Abwehrkräfte des Seminalplasmas könnten überfordert werden. In vitro seien reaktive Sauerstoffspezies eindeutig toxisch (verminderte Akrosomreaktion, geringere Fusionsfähigkeit, mehr DNA-Fragmentierung). Bei männlicher Infertilität sei Leukozytospermie ein wesentlicher oder zusätzlicher Risikofaktor, der behandelt werden solle, besonders vor In-vitro-Verfahren (Aussage der Autoren) [s221].

#### 2.5 Übersichten in spanischer und italienischer Sprache

**Vives Suñé und Mitarbeiter 2026 [s18]:** *Infection and inflammation of the seminal tract: A review of its relationship to male fertility.* Actas Urológicas Españolas. Die WHO habe 1997 die Rolle von Genitaltraktinfektionen bei der menschlichen Infertilität festgestellt; sie seien für etwa 15 Prozent der Fälle männlicher Infertilität verantwortlich. Die häufigsten Erreger seien Chlamydia trachomatis, Mykoplasmen, insbesondere Ureaplasma urealyticum, und gramnegative Bakterien; bei sexuell übertragenen Infektionen müssten beide Partner behandelt werden. Es gebe Belege, dass die Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen die Samenparameter verbessere; „although antibiotics can improve sperm quality and reduce DNA fragmentation values, there is no evidence that they increase the probability of natural conception“. Die Übersicht stützt sich auf PubMed und auf europäische und amerikanische Leitlinien; Studienzahlen und Effektgrößen nennt der Abstract nicht [s18].

**Mantovani und Mitarbeiter 1993 [s257]:** *[Seminal changes of inflammatory origin]* (Samenveränderungen entzündlichen Ursprungs), Archivio Italiano di Urologia, Andrologia (italienisch). Bakterien im Sperma seien häufig mit verminderter Fertilität verbunden (geringere Zahl und Beweglichkeit, mehr abnorme Formen); die Behandlung sei schwierig, besonders hinsichtlich der Wahl eines Antibiotikums, dessen Pharmakokinetik für Erreger wie für das Gewebe am Infektionsort passen müsse; Therapieversagen seien zu häufig. Die Arbeit ist alt und liefert keine Zahlen [s257].

#### 2.6 Weitere russischsprachige Übersichten zur Infektion

**Wedenjapin und Mitarbeiter 2024 [s65]:** *Влияние распространенных бактериальных инфекций на индекс фрагментации ДНК сперматозоидов. Обзор литературы* (Der Einfluss häufiger bakterieller Infektionen auf den DNA-Fragmentierungsindex der Spermatozoen. Literaturübersicht), Andrologija i genitalnaja chirurgija. Chlamydia trachomatis, Ureaplasma spp. und Mycoplasma genitalium erhöhten den DNA-Fragmentierungsindex deutlich; die Behandlung der Infektionen führe zu niedrigerem Index, besserer Wirksamkeit der assistierten Reproduktion und häufigeren Schwangerschaften. Zweitangaben aus dem Text: Moazenchi und Mitarbeiter, nach Antibiotikatherapie erfolgreiche Zyklen der assistierten Reproduktion bei 42 Prozent (21 von 50), kein Unterschied zwischen symptomatischen und asymptomatischen Patienten; Rybar und Mitarbeiter, 47 Patienten, davon 23 (55,3 Prozent) mit Ansprechen auf die Therapie, bei beiden Gruppen jedoch keine signifikante Verbesserung der Spermiogramm-Parameter; Jasinezki und Mitarbeiter, klinische und mikrobiologische Heilung 82,6 und 73,9 Prozent unter Azithromycin, 96,1 und 97,1 Prozent unter Josamycin, 92,3 und 84,5 Prozent unter Moxifloxacin, mit Annäherung des Fragmentierungsindex an Normalwerte sechs Monate nach Eradikation; außerdem die Studie von Gallegos und Mitarbeiter (siehe Teil „Studienlage: Beobachtungsstudien“). Die Übersicht rät, den Index erst 4 bis 6 Monate nach der Behandlung zu bewerten. Die Zahlen von Moazenchi, Rybar und Jasinezki sind hier nicht an den Originalen geprüft [s65].

**Ibragimow und Mitarbeiter 2025 [s47]:** *Роль инфекции добавочных половых желез и лейкоспермии в андрологической практике* (Die Rolle der Infektion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen und der Leukospermie in der andrologischen Praxis), Experimentalnaja i klinitscheskaja urologija. Übersicht aus 38 Publikationen (PubMed, eLibrary.ru, CyberLeninka); Leukospermie komme bei 10 bis 20 Prozent infertiler Männer vor; erhöhte Leukozytenzahl gelte als Marker einer Entzündung der akzessorischen Drüsen, deren Radikalbildung oxidativen Stress fördere. Unklar sei, ob Leukospermie und Infektionen der akzessorischen Drüsen die Ergebnisse der assistierten Reproduktion beeinflussten. Eigene Daten zu Antibiotika enthält der Abstract nicht [s47].

### 3. Leitlinien als Evidenzzusammenfassungen

Leitlinien sind keine Metaanalysen, fassen aber die Evidenz zusammen und gewichten sie; deshalb stehen sie hier. Die wiedergegebenen Aussagen beschreiben den Leitlinieninhalt und sind keine Empfehlung dieses Textes.

**EAU, Kapitel Male Infertility (Webfassung, abgerufen am 5. Oktober 2026) [s07].** Zusammenfassung der Evidenz zu Infektionen der Adnexdrüsen: Sie seien nicht eindeutig mit beeinträchtigter natürlicher Konzeption verbunden (Evidenzgrad 3). Antibiotische Behandlung beseitige oft nur die Erreger, ohne Wirkung auf entzündliche Veränderungen und ohne Umkehr funktioneller oder anatomischer Defizite (Evidenzgrad 2a). Antibiotika könnten die Spermienqualität verbessern, die Behandlung erhöhe aber nicht die Wahrscheinlichkeit der Konzeption (2a). Die Daten reichten nicht, um zu beurteilen, ob Antibiotika und Antioxidantien bei Leukozytospermie die Fertilität verbessern (3). Leukozytospermie (mehr als 10⁶ Leukozyten/ml) sei „nicht notwendigerweise“ mit bakteriellen oder viralen Infektionen verbunden und kein verlässlicher Indikator; es gebe keinen Beleg, dass die Behandlung der Leukozytospermie allein, ohne Erreger, die Konzeptionsrate verbessere. Asymptomatische Chlamydien und Mycoplasma hominis im Sperma könnten mit eingeschränkter Spermienqualität einhergehen, die sich nach antibiotischer Behandlung erhole; weitere Forschung sei nötig. Nur die antibiotische Therapie der chronisch bakteriellen Prostatitis (NIH-Kategorie II) habe Symptome, Erregerbeseitigung und Entzündungsmarker verbessert. Die Empfehlung (Stärke „schwach“) lautet, Adnexdrüseninfektionen zu behandeln, da dies die Spermienqualität verbessern könne, die Konzeptionswahrscheinlichkeit aber nicht notwendigerweise. Zu Ketoconazol, Nitrofurantoin oder Sulfasalazin enthält der abgerufene Text keine Aussage; gonadotoxische Medikamente (anabole Mittel, Chemotherapeutika) werden bei der Anamnese genannt. Die beiden in Abschnitt 1.2 beschriebenen Metaanalysen stehen im selben Kapitel [s07].

**AUA/ASRM, Leitlinie und Aktualisierung 2024 [s105, s51].** Schlegel und Mitarbeiter 2021 (*Diagnosis and Treatment of Infertility in Men: AUA/ASRM Guideline Part I*, [s105]): Literatursuche in PubMed, Embase und Medline von Januar 2000 bis Mai 2019; Evidenzstärke A (hoch), B (mäßig) oder C (niedrig) für starke, mäßige oder bedingte Empfehlungen, sonst „Clinical Principles“ und „Expert Opinions“. Der von der Recherche durchsuchte Volltext enthält keine Aussagen zu Sulfasalazin, Nitrofurantoin, Ketoconazol, Tetrazyklinen, Metronidazol, Antimykotika oder Antimalariamitteln. Er verlangt, bei vermehrten Rundzellen (über 1 Million/ml) Leukozyten (Pyospermie) von Keimzellen zu unterscheiden und bei Pyospermie auf Infektion zu untersuchen (Clinical Principle). Chronische bakterielle Prostatitis könne lange Antibiotikakuren erfordern, einige Fälle erhöhter Leukozyten beruhten auf nichtbakterieller chronischer Prostatitis, Entzündung könne mit Entzündungshemmern behandelt werden. Die Aktualisierung 2024 (Brannigan und Mitarbeiter, *Updates to Male Infertility: AUA/ASRM Guideline (2024)*, [s51]) stützt sich auf 4093 neue Abstracts, von denen 125 die Einschlusskriterien erfüllten und 22 Studien in den Evidenzkörper eingingen; sie betrifft laut Abstract Schwellen für Y-Chromosom-Mikrodeletionstests, die Magnetresonanztomografie des Beckens und die Verwendung testikulärer Spermien bei nichtazoospermen Männern, nicht Antiinfektiva [s105, s51].

**WHO-Leitlinie 2025 und ihre Besprechungen [s01, s10].** Achermann und Mitarbeiter 2026 (*Male Infertility in the 2025 WHO Infertility Guideline: A Comparative Analysis With AUA/ASRM, EAU, ESHRE, and NICE Recommendations*, [s01]) vergleichen die männlichen Anteile der WHO-Leitlinie mit denen der AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE: Die WHO-Leitlinie nehme eine Public-Health-Perspektive ein, betone Prävention, standardisierte diagnostische Algorithmen und die zentrale Rolle der Samenanalyse und sei bei der Behandlung selektiver, mit neutraler Haltung zu Antioxidantien und konkreter Empfehlung zur Varikozele. Esteves 2026 (*The WHO 2025 Guideline for the Prevention, Diagnosis and Treatment of Infertility: A Comprehensive Review with Focus on Male Reproductive Health*, [s10]) nennt unter den männlich ausgerichteten Empfehlungen und Good-Practice-Statements Lebensstil, sexuell übertragbare Infektionen, Samenanalyse, ungeklärte Infertilität, Antioxidantien und Varikozelenreparatur. Beide Abstracts nennen keine Aussagen zu Antibiotika, Antimykotika oder Antimalariamitteln; die Texte wurden nicht im Volltext gelesen [s01, s10].

**Australische Leitlinie 2025 [s34].** Katz und Mitarbeiter, *The first Australian evidence-based guidelines on male infertility*, Medical Journal of Australia. Der Abstract nennt Anamnese, Untersuchung, Samenanalyse, Hormonuntersuchung, Spermien-DNA-Tests, genetische Tests, Bildgebung, Varikozelenbehandlung und weitere Themen, aber keine Antiinfektiva [s34].

**Britische Leitlinie zur Epididymoorchitis 2020 [s100].** Chirwa und Mitarbeiter, *United Kingdom British association for sexual health and HIV national guideline for the management of epididymo-orchitis, 2020*, International Journal of STD & AIDS. Empirische Behandlung solle bei objektiver Schwellung und Druckschmerz des Hodens begonnen werden; als Erstbehandlung bei sexuell erworbener Form nennt die Leitlinie Ceftriaxon 1 g intramuskulär mit Doxycyclin, bei vermutlich nichtgonokokkenbedingter Form Ofloxacin oder Doxycyclin, bei nachgewiesenem Mycoplasma genitalium einen geeigneten Wirkstoff (zum Beispiel Moxifloxacin), bei wahrscheinlich enterischen Erregern Ofloxacin und Levofloxacin. Die Spermienqualität wird im Abstract nicht behandelt; dies ist eine Beschreibung des Leitlinieninhalts [s100].

### 4. Einordnung der Übersichtsliteratur

**Übereinstimmungen.** Die Übersichten stimmen darin überein, dass (a) Infektionen und Entzündungen des männlichen Genitaltrakts mit schlechteren Samenparametern und erhöhter DNA-Fragmentierung verbunden sein können [s82, s54, s18, s143, s160, s208], (b) Antibiotika bei nachgewiesener Infektion Samenparameter verbessern können, (c) aber kein Beleg vorliegt, dass sie die Wahrscheinlichkeit natürlicher Konzeption erhöhen [s07, s18, s81, s124], (d) für die Behandlung der Leukozytospermie ohne Erregernachweis keine gesicherte Strategie besteht [s54, s157, s07] und (e) beim Menschen Humandaten zu Schäden durch Antibiotika, Antimykotika und Antimalariamittel selbst dünn sind [s150, s119, s14]. Sulfasalazin ist die Ausnahme: Es wird in allen einschlägigen Übersichten und Metaanalysen als Ursache einer reversiblen Beeinträchtigung genannt [s123, s162, s112, s127, s111, s19, s154, s14].

**Widersprüche und Unschärfen.** Die Leitlinienübersicht von Brunner stellt fest, dass sich Leitlinien zur Leukozytospermie widersprechen [s124]. Die systematische Übersicht aus Korea hält fest, Antibiotika könnten Spermienparameter bis hin zur Schwangerschaftsrate verbessern, die Daten reichten aber nicht für eine Entscheidung [s157]; die EAU-Leitlinie bewertet dieselbe Lage mit Evidenzgrad 2a und 3 und einer schwachen Empfehlung [s07]. Zu Doxycyclin stehen eine Übersicht mit „positivem Einfluss“ [s171] und die Beobachtungsserie mit „anhaltender Störung“ [s229] einander gegenüber; beide sind methodisch schwach, und der Konflikt ist nicht aufzulösen. Zu Antimalariamitteln behauptet eine Scoping-Übersicht, sie verursachten männliche Infertilität [s05], während eine systematische Übersicht zu Antirheumatika für Hydroxychloroquin keinen sicheren Hinweis auf Schaden findet [s127]; die dänische Registerstudie zu väterlicher Einnahme (siehe Teil „Studienlage: Beobachtungsstudien“) betrifft Geburtsausgänge, nicht Spermien [s116].

**Qualität.** Die einzige Übersicht mit expliziter Bewertung der Evidenzsicherheit (Umbrella-Review) stuft 136 von 249 Effektgrößen als „sehr niedrig“ und 59 als „niedrig“ ein [s19]. Die Cochrane-Übersicht weist für ihre Hauptvergleiche Evidenz mäßiger bis sehr niedriger Qualität aus [s128]. Mehrere der Übersichten sind narrativ und stützen sich auf Zweitangaben. Dass fast alle Übersichten Tier- und Humandaten vermischen oder Antiinfektiva nur als Nebenthema behandeln, ist für das Gesamtbild wichtiger als ein einzelner Befund: Eine speziell auf Antiinfektiva und Samenparameter beim Menschen ausgerichtete systematische Übersicht mit Metaanalyse fehlt in den abgerufenen Quellen.

**Offene Punkte und Grenzen.** Die Metaanalysen aus der EAU-Leitlinie wurden im Original nicht eingesehen [s07]. Die russischsprachigen Übersichten geben überwiegend Zweitangaben wieder [s119, s171, s65]. Die Befunde zu Nitrofurantoin, Metronidazol und Tetrazyklinen stützen sich in den Übersichten auf wenige Sätze; sie sind im Teil zu den Beobachtungsstudien weiter belegt (Lisakowskaja, Junda und Kuschniruk, Gopalkrishnan, Lindhof, Okonofua, Shen). Arabischsprachige, koreanischsprachige und viele nationale Datenbanken waren mit den eingesetzten Schnittstellen nicht erreichbar; dort indizierte Übersichten fehlen möglicherweise.

## Studienlage: Beobachtungsstudien

### Umfang und Ordnung

Als Beobachtungsstudien gelten hier alle Arbeiten am Menschen, bei denen die Untersucher die Exposition oder Behandlung nicht zugeteilt haben: Querschnittsstudien, Fall-Kontroll-Studien, Kohorten, Registerstudien, Fallserien, retrospektive Auswertungen und Vorher-Nachher-Beobachtungen. Randomisierte Studien, pharmakokinetische Messungen sowie Tierversuche und In-vitro-Versuche gehören in andere Kapitel der Gesamtstudie; einzelne randomisierte Studien werden nur zum Vergleich erwähnt. Die Studien sind in drei Gruppen geordnet: (1) Expositionsstudien, die ein Arzneimittel oder seine Spuren mit Spermienparametern, Hormonen oder Geburtsausgängen verbinden; (2) Studien zu Infektion, Bakteriospermie und Leukozytospermie, die überwiegend Erreger, Resistenz und Samenparameter betreffen, aber keine Behandlung prüfen; (3) Beobachtungsstudien mit Behandlungsbezug, in denen Männer ein Antibiotikum erhielten und die Samenwerte vorher und nachher verglichen wurden. Jede Studie wird einzeln dargestellt; Zahlen stehen nur, wenn die Quelle sie nennt.

Ein Grundproblem ist allen drei Gruppen gemeinsam. In Studien der dritten Gruppe lässt sich der Effekt des Antibiotikums nicht vom Effekt der Erkrankung, von der Regression zur Mitte (extrem schlechte Ausgangswerte werden bei Wiederholung im Mittel besser) und vom natürlichen Verlauf trennen; Kontrollgruppen fehlen oder werden nach Behandlungserfolg gebildet. In den Studien der ersten Gruppe lassen sich Arzneimittel und Grunderkrankung nicht trennen, und die Exposition ist meist nur grob erfasst. Zahlen zu Konfidenzintervallen fehlen in den meisten Abstracts; wo das der Fall ist, steht es dort.

### 5. Expositionsstudien: Antibiotika und andere Arzneimittel als mögliche Ursache

#### 5.1 Antibiotika im Urin und Spermienparameter, Hefei, China (Shen 2025) [s43]

**Titel:** *Associations between urinary antibiotics exposure and semen parameters among adult men: A biomonitoring-based cross-sectional study.* Environmental Pollution.

**Design und Population.** Querschnittsstudie mit Biomonitoring bei 986 Männern im fortpflanzungsfähigen Alter in Hefei. Gemessen wurden 42 Antibiotika (einschließlich zweier Metaboliten) im Urin und vier Samenparameter. **Methodik.** Verallgemeinerte lineare Modelle mit Adjustierung für Störgrößen, Schichtung nach Alter und Body-Mass-Index, Mischungseffekte mit der quantilbasierten g-Computation (QGComp). **Ergebnisse.** Ausgewählte Antibiotika waren in 98,9 Prozent der Urinproben nachweisbar, am häufigsten Doxycyclin (80,1 Prozent), Erythromycin (74,5 Prozent), Ciprofloxacin (67,1 Prozent) und Florfenicol (65,6 Prozent). Erythromycin und Doxycyclin im Urin waren nach Adjustierung umgekehrt mit Spermienkonzentration, Gesamtbeweglichkeit und progressiver Beweglichkeit assoziiert; die Assoziation mit der Konzentration schien bei jüngeren Männern stärker. Das Antibiotikagemisch war nach QGComp negativ mit denselben drei Parametern verbunden. Effektschätzer, Konfidenzintervalle und p-Werte nennt der Abstract nicht. Die Autoren sprechen von epidemiologischer Evidenz und fordern besser geplante Studien.

**Stärken.** Große Stichprobe für ein Biomonitoring, Messung vieler Substanzen, Mischungsanalyse, Schichtung. **Schwächen.** Querschnitt ohne zeitliche Abfolge; eine einzelne Urinprobe bildet die Exposition über den gesamten Zeitraum der Spermienbildung vermutlich schlecht ab (methodische Überlegung, kein Befund der Studie); die gemessenen Substanzen können aus ärztlicher Verordnung, aus Lebensmittelrückständen (Florfenicol ist ein Tierarzneimittel) oder aus der Umwelt stammen, der Abstract trennt das nicht; eine Verzerrung durch den Behandlungsanlass, also die Infektion selbst, ist denkbar. Die Studie belegt keine Kausalität. **Einordnung.** Es ist die einzige größere Humanstudie der Recherche, die Doxycyclin (Tetrazyklin-Gruppe) im Körper mit Spermienparametern verbindet; die tierexperimentelle Arbeit derselben Fragestellung zu frühem Doxycyclin bei Mäusen nimmt ausdrücklich auf Biomonitoring-Befunde Bezug, ist aber nicht Gegenstand dieses Kapitels [s43].

#### 5.2 Antibiotika im Urin und Infertilität, Südnigeria (Okonofua 2025) [s41]

**Titel:** *Association Between Antibiotic Exposure and the Risk of Male Infertility: A Case-Control Study.* Journal of Xenobiotics.

**Design und Population.** Prospektive Fall-Kontroll-Studie mit 136 infertilen und 154 fertilen Männern aus fünf Krankenhäusern in Südnigeria; Hintergrund ist der in Nigeria verbreitete unregelmäßige Antibiotikagebrauch. **Methodik.** Samenanalysen; Antibiotika im Urin per Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie; Regressionsanalyse. **Ergebnisse.** Drei Antibiotika zeigten eine unabhängige Assoziation mit der Spermienqualität: Ampicillin im Urin war bei den infertilen Männern (Fällen) mit einem Abfall der Spermienzahl um „mehr als 3 ml“ verbunden (so die Angabe des Abstracts; die Einheit passt nicht zu einer Zahl, sie ist als Abstract-Angabe zu lesen), ohne signifikante Wirkung in der Kontrollgruppe; Chloramphenicol war bei infertilen Männern mit Beweglichkeit und Morphologie assoziiert; für Tetracyclin fand sich dagegen eine unabhängige Assoziation mit erhöhter Beweglichkeit bei infertilen Männern, aber keine bei fertilen. Die Autoren schließen, Antibiotika im Urin könnten mit unterschiedlichen Spermienmerkmalen verbunden sein.

**Stärken.** Objektive Messung im Urin statt Selbstauskunft; Vergleich mit fertilen Kontrollen; fünf Zentren. **Schwächen.** Der Abstract nennt weder Effektgrößen noch Konfidenzintervalle noch die Indikation der Antibiotika; die Messung im Urin erfasst nur die jüngste Einnahme; die Richtung kann umgekehrt sein (infertile Männer mit Genitalinfektion werden häufiger behandelt). **Einordnung.** Die beiden Urinstudien widersprechen sich beim Tetracyclin: In Nigeria geht es bei infertilen Männern mit höherer Beweglichkeit einher, in China ist Doxycyclin mit niedrigerer Beweglichkeit und Konzentration verbunden [s41, s43]. Unterschiede der Wirkstoffe (Tetracyclin gegenüber Doxycyclin), der Populationen, der Messverfahren und der Auswertung machen einen direkten Vergleich unmöglich; ein Widerspruch im strengen Sinn ist es erst, wenn beide Studien dieselbe Frage mit vergleichbarer Methodik beantworten würden.

#### 5.3 Medikation und Samenqualität in einer Kinderwunschklinik (Horst 2025) [s31]

**Titel:** *Medication, age and abstinence days associated with low semen quality: A cross-sectional study in more than 7000 men visiting the centre for reproductive medicine.* PLoS One.

Retrospektive explorative Querschnittsstudie in einem Kinderwunschzentrum (Land im Abstract nicht genannt) an Männern über 18 Jahre mit dokumentierter Samenanalyse. Ausgeschlossen wurden unvollständige Analysen, Azoospermie, Samenanalyse nach Vasektomie und Abstinenzzeiten unter 2 oder über 7 Tagen. Verglichen wurden 722 Männer mit Medikation und 6716 ohne Medikation; Endpunkt war eine zusammengesetzte „niedrige Samenqualität“ nach WHO. Auf der Ebene einzelner Substanzen (ATC-7) fanden sich einfache, grenzwertig signifikante Assoziationen (Schwelle p < 0,100) für Metformin, Metoprolol und Lisinopril, die nach Adjustierung für Alter und Abstinenz bestehen blieben. Antibiotika oder Antimykotika werden im Abstract nicht als auffällig genannt. **Schwächen**, vom Autorenteam selbst genannt: Medikation selbstberichtet, Samengewinnung durch die Patienten, Beginn der Medikation relativ zum Auftreten niedriger Samenqualität nicht bestimmbar, Medikation und Grunderkrankung nicht trennbar; die Studie sei hypothesenerzeugend. Der großzügige Schwellenwert von p < 0,100 und die Vielzahl geprüfter Substanzen erhöhen das Risiko zufälliger Befunde. **Einordnung.** Für Antiinfektiva ist es ein Nullbefund ohne Aussagekraft: Der Abstract sagt nicht, ob Antibiotika in der Medikationsgruppe vorkamen und mit welcher Häufigkeit [s31].

#### 5.4 Väterliche Medikamente vor der Konzeption, USA (McEwen 2024) [s61]

**Titel:** *Patterns of paternal medication dispensation around the time of conception.* Paediatric and Perinatal Epidemiology.

Registerstudie auf Basis der privaten Versicherungsdatenbank MarketScan (2011 bis 2020). Aus 4.437.550 Schwangerschaften ließen sich 51,6 Prozent einem Vater zuordnen; 1.413.762 erfüllten die Einschlusskriterien (Mindestdauer der Versicherung und Arzneimittelleistung). Beschrieben wurde die Abgabe verordneter Arzneimittel an den Vater in den 90 Tagen vor der geschätzten Konzeption. Die häufigsten Klassen waren Psychopharmaka (8,66 Prozent), Antibiotika (7,21 Prozent) und Analgetika (6,82 Prozent); die häufigsten Einzelstoffe Amoxicillin (3,75 Prozent), Azithromycin (3,15 Prozent), Fluticason (2,70 Prozent) und Acetaminophen/Hydrocodon (2,70 Prozent). Mehr als ein Drittel der Väter löste mindestens ein Rezept ein. **Einordnung.** Die Studie ist rein beschreibend: Sie zeigt, wie häufig Männer in der Phase der Spermatogenese Antibiotika einnehmen, untersucht aber keine Wirkung auf Spermien oder Schwangerschaft. Sie erfasst nur Privatversicherte und nur eingelöste Rezepte, nicht die tatsächliche Einnahme. Der Wert für die Gesamtstudie liegt im Ausmaß der Exposition: 7,21 Prozent der Väter erhielten in dem Zeitraum ein Antibiotikum [s61].

#### 5.5 Väterliche Einnahme vor der Konzeption, Dänemark (Rizzi 2020) [s116]

**Titel:** *Risk of pre-term births and major birth defects resulting from paternal intake of COVID-19 medications prior to conception.* BMC Research Notes.

Landesweite Registerkohorte aus Dänemark. Als exponiert galten Nachkommen von Vätern mit mindestens einem Rezept über Chloroquin, Hydroxychloroquin, Losartan, Azithromycin, Naproxen, Dexamethason oder Prednison in den drei Monaten vor der Konzeption. Endpunkte waren Frühgeburt und schwere Fehlbildungen. Für Azithromycin und Naproxen waren mehr als 1800 Nachkommen exponiert; es fand sich keine Assoziation mit ungünstigen Geburtsausgängen. Für Chloroquin, Losartan und Dexamethason lag die Exposition bei etwa 900 Nachkommen, ohne statistisch signifikante Assoziation mit Fehlbildungen; für Hydroxychloroquin und Prednison unter 300 Nachkommen. Die Autoren schließen, Azithromycin und Naproxen seien im Hinblick auf Frühgeburt und Fehlbildungen sicher; für die übrigen Mittel seien größere Fallzahlen nötig. Der Abstract nennt keine Effektschätzer. **Einordnung.** Die Studie betrifft Geburtsausgänge und nicht Spermienqualität; sie ist hier aufgenommen, weil sie die einzige Registerauswertung zu Azithromycin und den Malariamitteln Chloroquin und Hydroxychloroquin bei väterlicher Exposition ist. Die Zahlen für Hydroxychloroquin sind zu klein für eine Aussage; die Formulierung „sicher“ geht über das hinaus, was ein Fehlen signifikanter Assoziationen bei geringen Fallzahlen belegt [s116].

#### 5.6 COVID-19-Behandlung mit Favipiravir und Hydroxychloroquin (Gul 2021) [s102]

**Titel:** *Do SARS-CoV-2 Infection (COVID-19) and the Medications Administered for Its Treatment Impair Testicular Functions?* Urologia Internationalis (Bursa, Türkei).

Querschnittsanalyse an 49 genesenen COVID-19-Patienten, die vor der Pandemie ein Spermiogramm hatten; 29 geeignete Männer ohne andrologische Probleme wurden mindestens 3 Monate nach der Genesung erneut untersucht (Zeit zwischen Genesung und Samenabgabe 4,52 ± 1,36 Monate, Spanne 3 bis 8; Alter 31,21 ± 5,48 Jahre, Spanne 18 bis 41). 17 Männer erhielten Favipiravir zusammen mit Hydroxychloroquin, 12 Favipiravir ohne Hydroxychloroquin. Vor und nach der Erkrankung waren FSH, LH, Gesamttestosteron, Prolaktin und alle Samenparameter vergleichbar. Die Autoren sehen keine Langzeitwirkung von COVID-19 und der Behandlung auf Spermatogenese und Androgene. **Stärken.** Gepaarter Vorher-Nachher-Vergleich mit Werten aus der Zeit vor der Erkrankung. **Schwächen.** 29 Männer, keine Gruppe mit alleinigem Hydroxychloroquin, Teilgruppen im Abstract nicht getrennt ausgewertet, keine Zahlen und Konfidenzintervalle, Auswahl über vorhandene Voruntersuchungen; Infektion und Behandlung nicht trennbar. Es ist der einzige Humanbeleg zu einem Malariamittel (Hydroxychloroquin) mit Samenparametern in den abgerufenen Quellen [s102].

#### 5.7 Sulfasalazin und Spermienkopfgröße (Hudson 1982) [s280]

**Titel:** *Sperm size in patients with inflammatory bowel disease on sulfasalazine therapy.* Fertility and Sterility.

Fall-Kontroll-Beobachtung an acht Männern mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung unter Sulfasalazin, bei denen die Spermienkopfgröße mit Bildanalyse gemessen und mit nichtkolitischen Männern mit normalen Samenwerten und nichtkolitischen oligospermen Männern verglichen wurde. Die Patienten unter Sulfasalazin hatten ein signifikant größeres 99. Perzentil der Spermienkopfgröße als die oligospermen Männer. Nach Absetzen stieg die Größe zunächst weiter und sank dann, ohne den Wert der normozoospermen Männer in der Beobachtungszeit zu erreichen. Die Autoren diskutieren Mechanismen und den Zusammenhang mit der reversiblen Infertilität unter Sulfasalazin. **Schwächen:** acht Männer, Land und Dosis im Abstract nicht genannt, keine p-Werte im Abstract. **Einordnung:** frühe Humanbeobachtung zu einem Sulfonamid, das in den Metaanalysen später als reversible Ursache bestätigt wurde [s280, s123].

#### 5.8 Griseofulvin und Spermienchromosomen (Ko 2007) [s214]

**Titel:** *Analysis of sperm karyotypes in a patient treated with griseofulvin.* Archives of Andrology.

Fallstudie an einem Mann unter chronischer Griseofulvin-Behandlung (Antimykotikum). Griseofulvin bindet an mikrotubuliassoziierte Proteine und kann in Mauskeimzellen bei therapeutischen Konzentrationen Aneuploidie auslösen. Analysiert wurden 290 vollständige Spermienkaryotypen mit dem System Humanspermium-Hamstereizelle-Fusion. Das Verhältnis X- zu Y-tragenden Spermien war gleich; numerische Anomalien lagen bei 1,7 Prozent, strukturelle bei 9,3 Prozent, ohne Zunahme gegenüber nicht exponierten Kontrollen. Die Autoren nennen dies beruhigend, aber den ersten Bericht zu dem Thema. **Schwächen:** ein einziger Mann, Vergleich mit Kontrollwerten aus anderen Quellen. Es ist die einzige Humanstudie der Recherche zu einem Antimykotikum und Spermien-Chromosomen; verallgemeinerbar ist sie nicht [s214].

#### 5.9 Beobachtungsserie zu 20 Antibiotika, Wladiwostok (Lisakowskaja 2003) [s229]

**Titel:** *Влияние антибактериальных препаратов на качество эякулята мужчин репродуктивного возраста* (Der Einfluss antibakterieller Präparate auf die Ejakulatqualität von Männern im reproduktiven Alter). Tichookeanskij medizinskij schurnal (Volltext gelesen).

**Design und Population.** Beobachtungsstudie an 243 Männern von 18 bis 39 Jahren, die wegen nicht schwerer Erkrankungen (unter anderem Pharyngitis, Otitis, Bronchitis, Pyelonephritis, subklinische intrazelluläre Infektionen des Harn- und Genitaltrakts, perioperative Gabe) eine Monotherapie mit einem von 20 Antibiotika für 10 bis 30 Tage in mittleren Dosen erhielten. Ejakulat und Serumtestosteron wurden dreimal bestimmt: vor der Gabe, 3 Tage nach dem Absetzen und 3 Monate nach Therapieende („unter Berücksichtigung des Spermatogenesezyklus“). **Ergebnisse.** Die Wirkstoffe fielen in drei Gruppen: (1) Keine Störung von Samenproduktion, Ejakulatqualität und Testosteron: nur Amoxicillin und Azithromycin. (2) Kurzzeitige Störung: Amikacin, Ampicillin, Cefazolin, Cefuroxim, Ciprofloxacin und Roxithromycin führten zum Kurende zu signifikant mehr pathologischen Spermienformen und geringerer Gesamtzahl und geringerem Anteil beweglicher Spermien; Furazidin und Nitroxolin senkten zusätzlich das Testosteron; nach drei Monaten waren die Werte wieder auf dem Ausgangsniveau. (3) Anhaltende Störung, am Kurende und nach drei Monaten nachweisbar: Metronidazol, Gentamicin, Doxycyclin, Lincomycin, Nitrofurantoin, Pefloxacin, Pipemidsäure, Rifampicin, Cefotaxim und Ceftriaxon; Doxycyclin, Lincomycin, Nitrofurantoin, Rifampicin und Ceftriaxon senkten zusätzlich die Testosteronkonzentration. Der Autor leitet daraus eine Kritik an der Praxis ab, Antibiotika bei jedem Entzündungsprozess oder „zur Vorbeugung“ zu geben.

**Stärken.** Eine der wenigen Humanstudien, die viele Wirkstoffe mit demselben Protokoll untersucht, mit Nachbeobachtung nach drei Monaten und Hormonbestimmung. Sie ist die einzige Quelle der Recherche mit Humandaten zu Metronidazol, Nitrofurantoin und Doxycyclin als Arzneimittel bei Männern ohne Genitalinfektion als Hauptgrund der Behandlung. **Schwächen.** Vom Autor selbst genannt: Der Ausgangswert wurde nur einmal und ohne Abstinenzzeit erhoben; neben den systemischen Mitteln wurden teils lokal Arzneimittel angewendet, eine Resorption sei nicht auszuschließen; schädliche Einflüsse (Alkohol, andere Arzneimittel, Berufsrisiken) zwischen zweitem und drittem Messpunkt seien nicht auszuschließen. Aus dem Text folgen weitere Grenzen: keine Kontrollgruppe ohne Antibiotikum, keine p-Werte, keine Zahl der Männer je Wirkstoff, die zugrunde liegende Erkrankung als Störfaktor. **Einordnung.** Dies ist der Befund mit der größten Tragweite für die drei Einzelwirkstoffe der Gesamtstudie, und zugleich einer der am schwächsten abgesicherten. Er steht im Widerspruch zu Studien, die unter Doxycyclin bei infizierten Männern bessere Werte sahen [s38, s117]; unterschiedliche Populationen (gesund gegenüber infiziert) und fehlende Kontrollgruppe verbieten eine Gewichtung zugunsten der einen oder anderen Seite [s229].

#### 5.10 Nitrofurane, Neomycin, Streptomycin und Tetracyclin bei chronisch entzündlichen Urogenitalerkrankungen (Junda und Kuschniruk 1975) [s286]

**Titel:** *[Functional state of the testis after the use of certain antibiotics and nitrofuran preparations]* (Funktionszustand des Hodens nach Anwendung einiger Antibiotika und Nitrofuranpräparate; russisch, englische Titelübersetzung in PubMed). Antibiotiki.

Beobachtung an 50 Patienten mit chronischen entzündlichen Erkrankungen des Urogenitalsystems, behandelt mit Neomycin, Streptomycin, Tetracyclin, Furadonin (Nitrofurantoin) und Furagin. Nach dem Abstract hatten Nitrofurane und Neomycin einen negativen Effekt auf die Hodenfunktion: Spermienzahl pro ml und im gesamten Ejakulat sowie Beweglichkeit sanken. Tetracyclin hatte keinen signifikanten Effekt auf die Spermienzahl, unter Streptomycin zeigte sich eine Tendenz zur Zunahme. Die Befunde stimmten „in gewissem Maß“ mit tierexperimentellen Ergebnissen überein. Zahlen, p-Werte und Fallzahlen je Wirkstoff nennt der Abstract nicht. **Einordnung.** Es ist der älteste Beleg im Material und der einzige Humanbeleg speziell zu Nitrofuranen aus den abgerufenen Quellen; er liegt nur als Abstract vor, ohne Zahlen, und die Erkrankung ist wie in allen Behandlungsserien nicht von der Behandlung zu trennen. Er passt zur Beobachtungsserie von Lisakowskaja, die Nitrofurantoin und Furazidin ebenfalls mit einer Störung verband [s286, s229].

#### 5.11 Antiretrovirale Mittel: Efavirenz und HIV

**Frapsauce und Mitarbeiter 2015 [s165]:** *Impaired sperm motility in HIV-infected men: an unexpected adverse effect of efavirenz?* Human Reproduction. Fall-Kontroll-Studie an 378 HIV-1-infizierten Männern aus serodiskordanten Paaren mit Kinderwunsch (Erstsamenanalyse 2001 bis 2007, Cochin-Universitätsklinik). Vier Gruppen nach Therapiestatus: nie behandelt (n = 66), nur nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer (NRTI, n = 49), NRTI plus Proteasehemmer (n = 144), NRTI plus nichtnukleosidischer Reverse-Transkriptase-Hemmer (n = 119). Standardsamenanalyse, computergestützte Bewegungsanalyse, bakteriologische und biochemische Marker, Plasmatestosteron; multivariate Auswertung. Die Spermienbeweglichkeit war der einzige Parameter, der je nach Therapie variierte: Der mediane Anteil schneller Spermien lag in der Gruppe mit Efavirenz-haltigem Regime bei 5 Prozent, in den anderen Gruppen bei 20 Prozent; Regime ohne Efavirenz waren nicht mit signifikanten Veränderungen verbunden. **Schwächen:** Das Design erlaubt keinen Kausalnachweis; die p-Werte sind im Abstract abgeschnitten; die Teilnehmer waren Paare mit Wunsch nach assistierter Fortpflanzung, nicht alle HIV-Infizierten. **Einordnung:** Antiretrovirale Mittel sind keine Antibiotika im engeren Sinn, bilden aber die am besten belegte Humanassoziation eines Antiinfektivums mit Spermienmotilität in den Beobachtungsstudien [s165].

**Jerónimo und Mitarbeiter 2017 [s152]:** *Factors associated with seminal impairment in HIV-infected men under antiretroviral therapy.* Human Reproduction. Prospektive Kohortenstudie an 139 HIV-infizierten Männern unter antiretroviraler Therapie, die zwischen März 2002 und Dezember 2013 in Madrid eine Beratung bei Kinderwunsch in einer Klinik für sexuell übertragbare Infektionen aufsuchten (männliche Partner serodiskordanter Paare). Erhoben wurden soziodemografische, Verhaltens- und klinische Daten, CD4-Zellzahl, Viruslast, Hepatitis- und Syphilisserologie sowie Samenparameter, verglichen mit WHO-Referenzwerten von 2010; bivariate und multivariate Analyse. Die Medianwerte aller Parameter lagen im Normbereich; bei bis zu 19 Prozent der HIV-positiven Männer lag mindestens ein Parameter unter der Norm. In der multivariaten Analyse war die Behandlung mit Efavirenz mit Dysmotilität verbunden. **Einschränkungen** (laut Autoren): kein Nachweis von Kausalität, keine echte Vergleichsgruppe (die WHO-Kohorte ist international und bildet lokale Besonderheiten möglicherweise nicht ab), Teilnehmer nicht repräsentativ für HIV-positive Männer allgemein. **Einordnung:** bestätigt die Assoziation von Efavirenz mit schlechter Beweglichkeit in einer zweiten, unabhängigen Kohorte [s152, s165].

**Akang und Mitarbeiter 2022 [s84]:** *The impact of dolutegravir-based combination antiretroviral therapy on the spermatozoa and fertility parameters of men living with human immunodeficiency virus.* Andrologia. 21 Männer mit HIV nahmen teil, nur 11 gaben vor und nach drei Monaten kombinierter antiretroviraler Therapie (Tenofovir, Lamivudin, Dolutegravir) Blut und Samen ab. Ausgewertet wurden Samen, Hormone, oxidative Stressmarker und DNA-Fragmentierung mit dem Wilcoxon-Test für gepaarte Stichproben. Die Viruslast sank signifikant (p < 0,01); progressive und Gesamtbeweglichkeit stiegen deutlich; Spermienzahl, Morphologie und Vitalität änderten sich nicht signifikant; Testosteron stieg von 2,48 auf 3,68 ng/ml (p < 0,05), LH sank von 9,6 auf 6,5 mIU/ml (p < 0,05); die DNA-Fragmentierung stieg signifikant (p < 0,01). Die Autoren schließen, HIV verringere Testosteron und beeinträchtige die Beweglichkeit, die Therapie senke die Viruslast und kehre diese Wirkungen um, scheine aber auf subzellulärer Ebene der Spermatogenese toxisch zu sein. **Schwächen:** 11 Männer mit vollständigen Daten, keine Kontrollgruppe, drei Monate Beobachtung, Land im Abstract nicht genannt; die Mehrfachtests bei kleiner Stichprobe machen Zufallsbefunde möglich; die gegenläufigen Befunde (bessere Beweglichkeit, mehr DNA-Fragmentierung) sind auf Grundlage des Abstracts nicht aufzulösen [s84].

#### 5.12 Tuberkulosetherapie mit Pretomanid und Spermatogenese (klinische Beobachtungen)

**Howell und Mitarbeiter 2026 [s12]:** *Preserved Spermatogenesis and Hormonal Function in Men Receiving a Pretomanid Regimen (BPaMZ) for Pulmonary Drug-Resistant Tuberculosis.* Clinical Pharmacology and Therapeutics. Einarmige klinische Studie der Phase 2 an 26 erwachsenen Männern mit arzneimittelresistenter Tuberkulose (Südafrika und Georgien); 26 Wochen Behandlung mit Bedaquilin, Pretomanid, Moxifloxacin und Pyrazinamid, Nachbeobachtung bis Woche 78. Anlass waren Nagerbefunde, die den Hoden als Zielorgan zeigten. Primärer Endpunkt war die Änderung der Gesamtspermienzahl bis Woche 26: im Mittel von 48,8 auf 68,8 × 10⁶ pro Ejakulat. 15 Teilnehmer (68 Prozent) hatten höhere Gesamtzahlen, 17 (77 Prozent) höhere Konzentrationen, 13 (59 Prozent) eine Verbesserung um mindestens 50 Prozent bei beiden; bei zwei Teilnehmern fiel die Gesamtzahl um mehr als 50 Prozent (Konzentrationsabfall unter 50 Prozent; niedriges Volumen als Erklärung). Testosteron stieg bis Woche 44, Inhibin B bis Woche 78, FSH und LH blieben stabil; alle auswertbaren Teilnehmer erreichten bis Woche 12 eine Sputumkultur-Konversion; die Plasmakonzentration von Pretomanid korrelierte nicht mit der Änderung der Spermienzahl. **Schwächen:** keine Kontrollgruppe; Besserung gegenüber einem kranken Ausgangszustand (die Tuberkulose selbst kann die Samenqualität senken); 26 Männer [s12].

**Boekelheide und Mitarbeiter 2022 [s87]:** *Male reproductive hormones in patients treated with pretomanid.* International Journal of Tuberculosis and Lung Disease. Auswertung der Hormone FSH, LH, Inhibin B und Gesamttestosteron von über 800 Männern in vier klinischen Studien mit pretomanidhaltigen Regimen und dem Standardregime HRZE (Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid, Ethambutol) mit beschreibender Zusammenfassung und Modellierung wiederholter Messungen. Die Hormonwerte verhielten sich in den Armen ähnlich; Testosteron und Inhibin B stiegen am Ende der Behandlung und in der Nachbeobachtung gegenüber dem Ausgangswert, FSH und LH waren variabel und lagen bei der Nachbeobachtung meist auf oder unter dem Ausgangswert; vor der Behandlung waren viele Patienten grenzwertig hypogonadal. Die Autoren schließen, pretomanidhaltige Behandlung sei nicht mit Hodentoxizität verbunden, sondern mit Besserung des zugrunde liegenden Hypogonadismus. Pretomanid ist ein Nitroimidazol, also ein Verwandter des Metronidazols, was bei der Einordnung für die Gesamtstudie von Interesse ist; die Arbeit betrifft aber Hormone, nicht Spermien [s87].

### 6. Infektion, Bakteriospermie und Leukozytospermie: Beobachtungsstudien ohne Behandlungsarm

Die Studien dieses Abschnitts messen, welche Erreger im Sperma gefunden werden, wie sie mit Spermienparametern zusammenhängen und wie sie auf Antibiotika ansprechen. Sie prüfen in der Regel nicht, ob Antibiotika die Spermienqualität verändern; sie liefern aber die Begründung der verbreiteten Antibiotikagabe bei männlicher Infertilität und die Resistenzlage, von der abhängt, ob eine Behandlung den Erreger erreicht.

#### 6.1 Große chinesische Auswertungen zu Ureaplasma, Mycoplasma und Spermienparametern

**Cui und Mitarbeiter 2026, Chongqing [s06]:** *Prevalence of semen abnormalities and the impact of genital pathogens on male infertility: a retrospective analysis of 131 183 patients.* Asian Journal of Andrology. Retrospektive Kohortenstudie mit 131.183 Patienten; verglichen wurden Samenparameter infertiler Männer mit gesunden Kontrollen und Beziehungen zwischen Alter, infektiösen Mikroorganismen und Samenqualität. Infertile Männer hatten signifikant schlechtere Samenqualität als Kontrollen. Das Infertilitätsrisiko folgte über die Altersgruppen einer U-Kurve mit dem niedrigsten Risiko bei 25 bis 29 Jahren. Antispermien-Antikörper, Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis, Ureaplasma urealyticum und Mycoplasma genitalium waren mit verminderter Samenqualität und erhöhtem Infertilitätsrisiko assoziiert; für Herpes-simplex-Virus Typ 2 fand sich bei geringer Prävalenz kein Einfluss. Antibiotika wurden im Abstract nicht ausgewertet; Effektgrößen und Konfidenzintervalle stehen nicht im Abstract. **Stärken:** außergewöhnlich große Stichprobe. **Schwächen:** retrospektiv, Zentrum einer Klinik, Selektion (nur Männer, die sich untersuchen ließen), keine Therapiedaten [s06].

**Huang und Mitarbeiter 2016, Changsha [s156]:** *Ureaplasma urealyticum and Mycoplasma hominis infections and semen quality in 19,098 infertile men in China.* World Journal of Urology. Querschnitt aus Laborunterlagen: 19.098 Samenproben infertiler Männer (Januar bis Dezember 2014) und 3368 Samenproben von Spendern der Samenbank (2011 bis 2014); Samenanalyse nach WHO. Die Prävalenz von Ureaplasma urealyticum und Mycoplasma hominis unterschied sich signifikant zwischen infertilen Männern und Spendern. Bei Ureaplasma-positiven infertilen Männern unterschieden sich mittlere progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und Anteil normaler Formen signifikant von nicht infizierten; bei Mycoplasma hominis nicht. Im Empfindlichkeitstest waren Ureaplasma, Mycoplasma hominis und die Mischinfektion gegenüber Doxycyclin und Josamycin empfindlich (Resistenzraten unter 6 Prozent), aber stark resistent gegen Ciprofloxacin. **Einordnung.** Der Abstract nennt weder die Prävalenzzahlen noch die Größe der Unterschiede; der Vergleich mit Samenbankspendern bedeutet Selektionsunterschiede (gesunde Spender gegenüber Patienten). Die Empfehlung der Autoren zugunsten von Doxycyclin und Josamycin ist eine Schlussfolgerung aus Labor-Empfindlichkeitsdaten und kein Ergebnis einer Behandlungsstudie [s156].

**Zhu und Mitarbeiter 2016, Nanjing [s164]:** *Epidemiology of Ureaplasma urealyticum and Mycoplasma hominis in the semen of male outpatients with reproductive disorders.* Experimental and Therapeutic Medicine. Epidemiologische Querschnittsauswertung von 2009 bis 2012: Von 7374 Personen waren 3225 (43,7 Prozent) für Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis oder beide positiv; Ureaplasma urealyticum war häufiger. Der bevorzugte Altersbereich war 25 bis 34 Jahre. Tetrazykline und Josamycin waren gegen beide Mykoplasmen am wirksamsten, auch bei Koinfektion; die übrigen Makrolide (Erythromycin, Roxithromycin, Azithromycin, Clarithromycin) wirkten gegen die Mehrzahl der Ureaplasma-urealyticum-Isolate, waren aber gegen Mycoplasma hominis von Natur aus unwirksam; Fluorchinolone hatten die niedrigste Aktivität gegen Ureaplasma urealyticum, besonders bei Koinfektion. Die Resistenz änderte sich im Beobachtungszeitraum nicht signifikant; bei Koinfektion war die Mehrfachresistenz erhöht. Spermienparameter wurden im Abstract nicht berichtet [s164].

**Zhou und Mitarbeiter 2018, Shanghai [s146]:** *Prevalence and antimicrobial resistance of Ureaplasma spp. and Mycoplasma hominis isolated from semen samples of infertile men in Shanghai, China from 2011 to 2016.* European Journal of Clinical Microbiology & Infectious Diseases. 5016 infertile Männer und 412 gesunde Kontrollen; Kultur und Empfindlichkeit mit dem Mycoplasma-IST-Kit parallel zu selektiver Agarkultur. Die Nachweisrate genitaler Mykoplasmen bei infertilen Männern lag bei 30 bis 55 Prozent, zunächst abnehmend in den ersten vier Jahren, dann zunehmend mit einem Gipfel 2016; Altersgipfel 26 bis 30 Jahre (37,8 Prozent) und 31 bis 35 Jahre (30,7 Prozent). Semisynthetische Tetrazykline und Makrolide waren gegen Ureaplasma spp. am wirksamsten; unter den Fluorchinolonen waren Sparfloxacin und Levofloxacin wirksam; die Resistenz gegen Fluorchinolone (außer Norfloxacin) und Spectinomycin sank in den letzten zwei Jahren. Die Autoren halten Doxycyclin, Minocyclin, Josamycin und Sparfloxacin für die empirische Erstbehandlung geeignet (Autorenbewertung, keine Behandlungsstudie). Spermienparameter fehlen im Abstract [s146].

**Zhao und Mitarbeiter 2020, Tai'an [s118]:** *Antimicrobial resistance, genetic characterization, and molecular epidemiology of Ureaplasma species in males with infertility.* European Journal of Clinical Microbiology & Infectious Diseases. 817 Samenproben, davon 320 (39,17 Prozent) positiv für Ureaplasma-Spezies; Empfindlichkeit durch Bouillon-Mikrodilution; molekulare Bestimmung der Resistenzgene und Typisierung (MLST). Resistenz der 320 Isolate gegen Levofloxacin 47,5 Prozent, Moxifloxacin 39,38 Prozent, Tetracyclin 19,69 Prozent und Erythromycin 3,75 Prozent. In allen tetracyclinresistenten Isolaten fanden sich tet(M) und int-Tn; in fluorchinolonresistenten Isolaten überwog die Substitution S83L in ParC; zwei neue Aminosäureänderungen in ribosomalen Proteinen (R66T in L4, S109T in L22) wurden in je einem makrolidresistenten Isolat gefunden; häufigste Sequenztypen waren ST22 und eST16. Die Autoren schließen, Erythromycin könne Mittel der ersten Wahl sein. **Einordnung.** Das widerspricht der Rangfolge in Changsha und Nanjing, wo Tetrazykline und Josamycin am besten abschneiden [s156, s164]; die Resistenz ist also regional uneinheitlich. Spermienparameter wurden nicht gemessen [s118].

**Li und Mitarbeiter 2020, Changsha [s114]:** *Mycoplasma genitalium incidence, treatment failure, and resistance: a retrospective survey of men of infertile couples from a hospital in China.* Andrology. Retrospektive Querschnittsstudie an 30.094 Männern aus Kinderwunschpaaren (Oktober 2016 bis Dezember 2017); Untersuchung von Samen und Harnröhrenabstrich auf Mycoplasma genitalium, Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae; Mycoplasma-genitalium-RNA per simultanem Amplifikationstest; Resistenzscreening auf Makrolide und Tetrazykline per PCR und Sanger-Sequenzierung. Die Inzidenz betrug 2,49 Prozent (749 von 30.094; 95-%-Konfidenzintervall 2,31 bis 2,66). Nach Antibiotikabehandlung stiegen die mittleren Samenparameter gegenüber den Werten vor der Behandlung. Therapieversagen insgesamt 17,56 Prozent (82 von 467; 95-%-Konfidenzintervall 14,10 bis 21,02), unabhängig vom Wirkstoff; Azithromycin-Versagen 37,44 Prozent (73 von 195). Resistenz gegen Makrolide in 58 von 60 Proben (96,67 Prozent) und gegen Tetrazykline in 27 von 60 (45,00 Prozent; 95-%-Konfidenzintervall 32,04 bis 57,96). Das im Abstract für die Makrolidresistenz genannte Konfidenzintervall (91,99 bis 101,34 Prozent) überschreitet 100 Prozent und ist so nicht plausibel; es wird nur als Abstract-Angabe erwähnt. **Stärken:** sehr große Stichprobe, molekulare Resistenzdaten. **Schwächen:** Der Anstieg der Samenparameter wird nur qualitativ („mean values increased“) berichtet, ohne Zahlen, ohne Kontrollgruppe und ohne Signifikanzprüfung; die Resistenzanalyse betrifft nur 60 Proben von Therapieversagern. Die Autoren führen das hohe Azithromycin-Versagen auf Makrolidresistenz zurück [s114].

**Yin und Mitarbeiter 2018, Changsha [s144]:** *[Effect of semen bacterial infection on semen parameters and analysis of drug resistance in 74376 male infertility patients]* (Wirkung der bakteriellen Infektion des Samens auf Samenparameter und Analyse der Arzneimittelresistenz bei 74.376 Patienten mit männlicher Infertilität; chinesisch, englischer Abstract). Nan Fang Yi Ke Da Xue Xue Bao. Samenproben von 74.376 infertilen Männern (April 2016 bis April 2017) wurden nach Kultur in Infektions- und Nichtinfektionsgruppe geteilt. Bakterielle Infektionen fanden sich in 1,38 Prozent der Proben; die Positivitätsrate betrug 1,41 Prozent bei normalem Sperma, 1,55 Prozent bei Asthenozoospermie, 1,18 Prozent bei Oligozoospermie, 1,57 Prozent bei Oligo-Asthenozoospermie und 0,17 Prozent bei Azoospermie (niedriger als in den übrigen Gruppen). Die bakterielle Infektion beeinträchtigte vor allem die Beweglichkeit sowie Spermiendichte und Anteil vorwärts beweglicher Spermien (p-Werte im Abstract abgeschnitten). Häufigste Erreger: Escherichia coli 63,59 Prozent, Klebsiella pneumoniae 19,80 Prozent, Proteus mirabilis 13,22 Prozent. Resistenz: E. coli, Klebsiella und Citrobacter koseri häufig gegen Amoxicillin; Pseudomonas aeruginosa gegen Trimethoprim-Sulfamethoxazol (Bactrim) und Ampicillin/Sulbactam; Staphylococcus aureus gegen Penicillin; außer S. aureus waren die übrigen Isolate empfindlich gegen Imipenem und Meropenem. **Einordnung.** Die Positivitätsrate bei normalem Sperma (1,41 Prozent) unterscheidet sich kaum von der bei Asthenozoospermie (1,55 Prozent); der Beweglichkeitseffekt liegt im Vergleich infizierter und nicht infizierter Proben, nicht im Verteilungsunterschied der Diagnosegruppen [s144].

**Lin und Lu 2007, Leqing [s215]:** *[Analysis of detection and antimicrobial resistance of pathogens in prostatic secretion from 1186 infertile men with chronic prostatitis]* (Analyse des Nachweises und der Antibiotikaresistenz von Erregern im Prostatasekret von 1186 infertilen Männern mit chronischer Prostatitis; chinesisch, englischer Abstract). Zhonghua Nan Ke Xue. In 1186 Prostatasekret-Proben lag die Gesamtnachweisrate bei 51,7 Prozent: 364 Stämme grampositiver Kokken, 20 gramnegative Stäbchen, 5 sonstige Stämme, 157 Mykoplasmen (116 Ureaplasma urealyticum, 41 Mycoplasma hominis) und 67 Nachweise von Chlamydia-trachomatis-DNA. Resistenz: Staphylokokken am niedrigsten gegen Vancomycin (0,0 Prozent), am höchsten gegen Penicilline (76,9 bis 100 Prozent); Streptococcus agalactiae am höchsten gegen Erythromycin und Clindamycin (100 Prozent), am niedrigsten (0,0 Prozent) gegen Betalaktame, Aminoglykoside, Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Rifampicin und Vancomycin; Ureaplasma urealyticum am höchsten gegen Ciprofloxacin (59,5 Prozent), am niedrigsten gegen Josamycin, Tetracyclin und Fosfomycin (je 1,7 Prozent); Mycoplasma hominis am höchsten gegen Erythromycin (100 Prozent), am niedrigsten gegen Doxycyclin und Fosfomycin (0,0 Prozent). **Einschränkungen:** Prostatasekret ist nicht Sperma; Kolonisation und Infektion sind nicht unterschieden; Spermienparameter fehlen im Abstract [s215].

**Liu und Mitarbeiter 2022, Nanjing, zwei Studien derselben Gruppe [s94, s95].** *Ureaplasma urealyticum induces polymorphonuclear elastase to change semen properties and reduce sperm motility: a prospective observational study* (Journal of International Medical Research) [s94]: 198 normale Samenproben gegen 198 mit Ureaplasma urealyticum infizierte. Samenvolumen, Viskosität, Verflüssigungszeit und PMN-Elastase waren in der infizierten Gruppe signifikant höher, pH und progressive Beweglichkeit niedriger. Nach Behandlung der infizierten Proben waren pH und progressive Beweglichkeit höher, Volumen, PMN-Elastase, Viskosität und Verflüssigungszeit niedriger; PMN-Elastase wirkte negativ auf Samen-pH und Beweglichkeit und positiv auf Viskosität und Verflüssigungszeit. Der Abstract nennt das Behandlungsschema nicht und kennt keine unbehandelte Kontrollgruppe für den Verlauf. *Risk Prediction of Ureaplasma urealyticum Affecting Sperm Quality Based on Mathematical Model and Cross-Sectional Study* (Computational and Mathematical Methods in Medicine) [s95]: 340 Samenproben, 104 Ureaplasma-positiv (Infektionsrate 30,6 Prozent, höchste in der Altersgruppe 31 bis 40 Jahre, niedrigste über 40 Jahre). pH, progressive Beweglichkeit, VCL, VSL und STR lagen in der positiven Gruppe signifikant niedriger (alle p < 0,001), SV, NP und WOB höher (alle p < 0,001); nach Behandlung stiegen pH, VSL, LIN, WOB und STR, SV und VCL fielen (alle p < 0,001). Das Modell schätzt, Ureaplasma urealyticum könne das Risiko einer Veränderung von Kurvenlinien-Geschwindigkeit und Geradlinigkeit „ungefähr verdoppeln“ (Autorenformulierung). **Einordnung:** Beide Studien stammen aus derselben Gruppe mit ähnlichem Design (Ureaplasma, Vorher-Nachher nach Behandlung) und sind nicht unabhängig; die Abstracts nennen keine Behandlungsart und keine Kontrollgruppe für den Verlauf [s94, s95].

**Zusammenschau 6.1.** Ureaplasma-Nachweise gehen in mehreren großen chinesischen Datensätzen mit schlechterer Beweglichkeit einher [s156, s94, s95, s117]; bei Mycoplasma hominis fand sich in Changsha kein Zusammenhang [s156]. Alle Studien sind beobachtend. Ob die Besserung nach Behandlung auf der Antibiotikawirkung auf den Erreger, einer Regression zur Mitte oder anderen Faktoren beruht, lässt sich daraus nicht trennen. Die Resistenzdaten unterscheiden sich regional: Tetrazykline und Josamycin schneiden in Changsha, Nanjing und Leqing am besten ab [s156, s164, s215], in Tai'an dagegen führt Erythromycin mit nur 3,75 Prozent Resistenz, und Levofloxacin (47,5 Prozent) und Moxifloxacin (39,38 Prozent) sind deutlich resistenter [s118]. Fluorchinolone zeigen in Changsha, Nanjing und Leqing hohe Resistenzen gegen Ureaplasma [s156, s164, s215].

#### 6.2 Studien aus Russland, der Türkei, Ägypten und Tunesien zu Infektion und Samenparametern

**Luzki und Mitarbeiter 2021 [s108]:** *Биохимическое и морфофункциональное исследование спермы мужчин, инфицированных антибиотикорезистентными штаммами Ureaplasma urealyticum* (Biochemische und morphofunktionelle Untersuchung des Spermas von Männern, die mit antibiotikaresistenten Stämmen von Ureaplasma urealyticum infiziert sind), Klinitscheskaja praktika (Volltext gelesen). Sperma von 4752 Männern (18 bis 46 Jahre, Mittel 27,8 ± 4,4) wurde mit Kultur und Antibiogramm auf Ureaplasma urealyticum untersucht; Männer mit Mischinfektion waren ausgeschlossen; Kontrollen waren 67 gesunde fertile Männer (Mittel 25,8 ± 5,1 Jahre). Neben dem Spermiogramm wurden MAR-Tests (IgA, IgG, IgM), DNA-Fragmentierung, Hyaluronsäurebindung, Akrosin- und Neutral-α-Glucosidase-Aktivität sowie Zink, Zitronensäure, Fruktose und Glykodelin bestimmt (2018 bis 2021). Resistenzraten der Stämme: Erythromycin 88,2 Prozent, Azithromycin 47,0 Prozent, Tetracyclin 41,7 Prozent, Doxycyclin 7,7 Prozent, Josamycin 5,9 Prozent, Medekamycin 5,8 Prozent. Bei Männern mit resistenten Stämmen fanden sich am häufigsten Asthenozoospermie und Teratozoospermie; hoher DNA-Fragmentierungsgrad bei Polyresistenz in 10,03 Prozent der Fälle gegenüber 5,92 Prozent bei nicht resistenten und 6,16 Prozent bei nur gegen ein Antibiotikum resistenten Stämmen; gestörte Hyaluronsäurebindung bei resistenten Stämmen in mehr als 12 Prozent, bei nicht resistenten in weniger als 4 Prozent; verminderte Akrosinaktivität bei resistenten Stämmen in 29,71 Prozent, bei polyresistenten in 40,46 Prozent. Die Autoren folgern, antibiotikaresistente Stämme beeinflussten die Fertilitätsparameter negativ, am meisten polyresistente, und empfehlen ein Antibiogramm vor der Behandlung. **Stärken:** sehr große Stichprobe, breite Funktionsdiagnostik. **Schwächen:** Konfidenzintervalle fehlen im Abstract, die Zahl der Ureaplasma-positiven Männer und die Kontrollbedingungen sind nicht angegeben; die Aussage zur Resistenz als eigener Ursache ist durch das Querschnittsdesign nicht belegt (resistente Stämme könnten länger bestehen). Das Thema Antibiotika und Spermienqualität wird hier über die Resistenz berührt, nicht über eine Arzneimittelwirkung [s108].

**Faniew und Mitarbeiter 2017 [s155]:** *Современные стратегии ведения инфертильных мужчин с хроническим бактериальным простатитом на этапе прегравидарной подготовки в протоколе вспомогательных репродуктивных технологий* (Moderne Strategien der Betreuung infertiler Männer mit chronischer bakterieller Prostatitis in der präkonzeptionellen Vorbereitung im Protokoll der assistierten Reproduktion), Andrologija i genitalnaja chirurgija (Krasnodar). Querschnittsstudie mit 257 infertilen Männern in der Vorbereitung auf assistierte Reproduktion (Oktober 2016 bis März 2017). Bei 108 Männern mit Leukozyten im Ejakulat wurde mikrobiologisch und molekular untersucht; bei 100 wuchsen 214 Mikroorganismen, die Nachweisrate bei Leukozytenerhöhung betrug 92,6 Prozent. Die Autoren leiten eine „Hauptstrategie der antimikrobiellen Therapie“ ab; Spermienendpunkte nach Therapie nennt der Abstract nicht, die Studie ist Hintergrund (Erregerspektrum). In der Einleitung werden Nitrofurantoin, fluorierte Chinolone, Sulfasalazin, Cimetidin und Colchicin in einer Tabelle iatrogener Ursachen verminderter männlicher Reproduktionsfunktion aufgeführt, ohne dass dazu Zahlen mitgeteilt werden [s155].

**Onopko und Mitarbeiter 2013 [s183]:** *Влияние неспецифических воспалительных процессов урогенитального тракта у мужчин на их фертильность* (Der Einfluss unspezifischer Entzündungsprozesse des Urogenitaltrakts bei Männern auf ihre Fertilität), Acta Biomedica Scientifica. Männer mit verändertem Spermiogramm und ohne sexuell übertragene Infektion wurden untersucht. Es fanden sich Veränderungen in allen Hauptparametern (Volumen, Verflüssigungszeit, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, pathologische Formen); die aus Urethra und Prostata isolierte Flora war teils gegen die üblichen Antibiotika resistent, was eine Auswahl nach Antibiogramm erfordere, grampositive Kokken überwogen. Keine Zahlen im Abstract [s183].

**Potschernikow und Mitarbeiter 2021 [s109]:** *Сравнительный анализ выявляемости микроорганизмов в секрете предстательной железы и эякуляте по результатам бактериологического исследования* (Vergleichende Analyse des Nachweises von Mikroorganismen im Prostatasekret und im Ejakulat anhand bakteriologischer Untersuchung), Andrologija i genitalnaja chirurgija. 117 Männer mit chronischer Prostatitis der Kategorie IV (Vorbereitung auf Schwangerschaft oder Infertilität); Prostatasekret und Ejakulat wurden gleichzeitig bakteriologisch untersucht. In beiden überwogen Staphylococcus spp. und Enterococcus spp. Der Keimtiter war im Prostatasekret höher als im Ejakulat (im Abstract als „104,4 ± 2,0“ gegenüber „102,85 ± 2,1“ KBE/ml wiedergegeben, vermutlich Zehnerpotenzen; p < 0,01); sterile Kulturen waren im Ejakulat häufiger (13,7 gegenüber 3,4 Prozent, p < 0,01). Die Übereinstimmung der Erreger zwischen beiden Medien war gering (grampositiv 48,3 bis 79,5 Prozent, gramnegativ 57,1 bis 80 Prozent). Bei 51 Patienten, die ohne Antibiotika (Bovhyaluronidase-Azoximer mit Prostataprotektoren und/oder OM-89) behandelt wurden, sank die Bakterienlast im Prostatasekret signifikant (p = 0,008) und im Ejakulat (p = 0,02). Die Autoren halten bei Nachweis von Keimen in signifikantem Titer eine Behandlung ohne Antibiotika für sinnvoll. Spermienendpunkte fehlen; die Studie dokumentiert die in Russland verbreitete Suche nach antibiotikafreien Wegen bei asymptomatischer Prostatitis in Infertilitätspaaren [s109].

**Kusmin und Mitarbeiter 1998 [s244]:** *[The role of persisting microflora in the development of pathospermia]* (Die Rolle der persistierenden Mikroflora bei der Entwicklung der Pathospermie; russisch, englische Titelübersetzung in PubMed), Urologija i nefrologija. Mikrobiologische Vergleichsstudie am Ejakulat infertiler Männer. Die Stämme hatten hohe Adhäsionsfähigkeit und Mehrfachresistenz gegen Antibiotika; Staphylokokken und Enterobakterien aus Ejakulaten steriler Patienten zeigten hohe Antilysozym-Aktivität. Zwischen Spermienbeweglichkeit, Lysozymspiegel im Ejakulat und der Fähigkeit der Bakterien, Lysozym zu inaktivieren, wurde eine Korrelation gefunden; die Autoren diskutieren die Persistenz der Bakterien als Mechanismus männlicher Infertilität. Keine Zahlen im Abstract [s244].

**Kalinina und Tiktinski 2010 [s195]:** *Treatment of chronic prostatitis caused by chlamydial and ureaplasmic infection and complicated with male infertility* (Behandlung der durch Chlamydien- und Ureaplasma-Infektion verursachten chronischen Prostatitis mit männlicher Infertilität; Originaltitel russisch, englischer Titel in PubMed), Urologija. 306 Männer (23 bis 45 Jahre) mit chronischer Prostatitis durch Chlamydien und Ureaplasmen; Untersuchung von Urethra, Urin, Prostatasekret und Ejakulat mit direkter Immunfluoreszenz, PCR und Kultur. Spermatogenesestörungen bei 50 Prozent, Samenleiterverschluss bei 35 Patienten (11,4 Prozent), außerdem Interferon-Defizit und veränderte Prostatastruktur im Ultraschall. Als Behandlung nennen die Autoren antibakterielle Arzneimittel (im Abstract unter den Handelsnamen Vilprophen, Unidox und Solutab genannt) kombiniert mit Interferonen; die Behandlung der Infertilität solle erst nach Beseitigung der Infektion beginnen. Behandlungsergebnisse sind nicht berichtet [s195].

**Mashaly und Mitarbeiter 2016, Mansoura [s158]:** *Seminal Corynebacterium strains in infertile men with and without leucocytospermia.* Andrologia. 60 infertile Männer, je 30 mit und ohne Leukozytospermie; Kultur auf Columbia-Agar mit Bestätigung durch Gram-Färbung und biochemische Tests, Typisierung und Antibiogramm. Bakterien wuchsen in 20 von 60 Kulturen (33,3 Prozent): Corynebakterien, Staphylokokken, α-hämolysierende Streptokokken, Escherichia coli; Corynebacterium-positiv waren 12 von 60 (20 Prozent), am häufigsten Corynebacterium seminale, dann C. amycolatum, C. jeikeium, C. urealyticum. Spermienkonzentration und normale Morphologie unterschieden sich nicht signifikant zwischen Männern mit und ohne Corynebacterium-positive Kultur, die Beweglichkeit war bei positiver Kultur signifikant geringer. Die Empfindlichkeit der Corynebakterien war am höchsten gegen Vancomycin und Rifampicin, dann Imipenem, Ampicillin-Sulbactam und Ciprofloxacin. Es sind Empfindlichkeitsdaten, keine Therapiedaten [s158].

**Hannachi und Mitarbeiter 2018, Tunis [s139]:** *[Bacteriospermia: Effects on semen parameters]* (Bakteriospermie: Auswirkungen auf Samenparameter; französisch), Gynécologie, Obstétrique, Fertilité & Sénologie. Retrospektive Vergleichsstudie: 70 Männer mit Bakteriospermie (Gruppe 1) gegen 70 ohne (Gruppe 2) aus der Hypofertilitätssprechstunde; mittleres Alter 40,4 ± 6,7 Jahre; Vergleich nach Chi²- und Fisher-Test. Kein Unterschied beim Volumen (2,78 gegenüber 2,92 ml; p = 0,2) und bei der Viskosität (p = 0,68). Verändert waren mittlere Konzentration (p = 0,001) und Beweglichkeit (p = 0,049); sekundäre Asthenospermie war bei Bakteriospermie häufiger (p = 0,006); Morphologie und Vitalität unterschieden sich nicht signifikant (p = 0,276 und p = 0,075). Leukospermie war bei 10 Prozent der Patienten mit der Bakteriospermie verbunden. Ureaplasma urealyticum war der häufigste Keim (45,7 Prozent), gefolgt von Streptokokken und Staphylokokken (je 20,3 Prozent), gramnegativen Stäbchen (12,9 Prozent) und Corynebacterium spp. (4,3 Prozent); Ureaplasma urealyticum war in 33 Prozent der Fälle mit Hypospermie verbunden (p = 0,031), und die Beweglichkeit war nicht nur bei Ureaplasma (p = 0,002), sondern auch bei Streptokokken (p = 0,04) und Corynebacterium vermindert. Die Autoren schließen, die Behandlung scheine das Befruchtungspotenzial zu verbessern und könne die Kontamination von Kulturmedien verhindern; dazu legt der Abstract keine eigenen Daten vor. **Schwächen:** retrospektiv, kleine Gruppen, Behandlungsaussage ohne Daten [s139].

**Preprint zu Bakteriospermie und Antibiogramm [s25]:** *Impact of Bacteria on Semen Parameters and Their Antibiotic Susceptibility Pattern in Infertile Men* (CV und Mitarbeiter 2025; Preprint, nicht begutachtet). Beobachtungsstudie an 249 positiven Samenkulturen (WHO-Kriterien, Scheibendiffusionstest): häufigste Isolate Klebsiella (35,7 Prozent), Enterococcus (26,5 Prozent) und Staphylococcus (14,1 Prozent). Bakteriospermie war mit abnormen Samenprofilen einschließlich Oligoasthenoteratozoospermie verbunden. Klebsiella-Isolate waren häufig resistent gegen Ampicillin (41,0 Prozent) und Cefuroxim (38,0 Prozent); die höchste Empfindlichkeit zeigten Nitrofurantoin (36,7 Prozent), Gentamicin (35,2 Prozent) und Amikacin (34,5 Prozent). Fertilitätsendpunkte fehlen; Land und Methodik der Spermienbeurteilung sind nicht angegeben [s25].

**Kwaśniewski und Mitarbeiter 2025, anaerobe Bakterien im Samen [s36]:** *Identification and characterization of anaerobic bacteria in human semen: A retrospective study.* Anaerobe. In 291 retrospektiv ausgewerteten Samenproben wurden diverse Anaerobier identifiziert, vor allem Prevotella (49 Prozent aller Isolate), Veillonella und Peptoniphilus. Die meisten Isolate waren gegen Amoxicillin/Clavulansäure empfindlich, was nach Angabe der Autoren das therapeutische Potenzial bei männlicher Infertilität nahelege; Resistenz gegen Metronidazol zeigten Peptoniphilus, Veillonella und Propionimicrobium, Bacteroides gegen Benzylpenicillin. Der Abstract nennt keine Spermienparameter. Es ist die einzige abgerufene Beobachtungsstudie, die Metronidazol-Resistenz bei im Sperma nachgewiesenen Anaerobiern berichtet; Aussagen zur Wirkung von Metronidazol auf Spermien trifft sie nicht [s36].

**Mendoza-Rodríguez und Mitarbeiter 2023, Südostspanien [s77]:** *[Antibiotic resistance changes in episodes of symptomatic bacteriospermia: development in a health area of southeast Spain]* (Veränderungen der Antibiotikaresistenz bei Episoden symptomatischer Bakteriospermie: Entwicklung in einem Gesundheitsbereich Südostspaniens), Revista Española de Quimioterapia. Retrospektive Querschnittsstudie aus einem Regionalkrankenhaus; Patienten mit Klinik, die mit chronischer bakterieller Prostatitis vereinbar war, 2016 bis 2021; ausgewertet wurden Ätiologie und Resistenzrate der Episoden. Häufigster Erreger war Enterococcus faecalis (34,89 Prozent), gefolgt von Ureaplasma spp. (13,74 Prozent) und Escherichia coli (10,98 Prozent). Die Chinolonresistenz bei E. faecalis lag mit 11 Prozent niedriger als in früheren Studien, bei E. coli mit 35 Prozent höher; E. faecalis und E. coli zeigten niedrige Resistenz gegen Fosfomycin und Nitrofurantoin. Die Autoren folgern, grampositive und atypische Bakterien seien die Hauptursachen, und die Therapiestrategie müsse überdacht werden, um Resistenzzunahme, Rezidive und Chronifizierung zu vermeiden. Spermienparameter sind nicht Gegenstand [s77].

**Huerta und Mitarbeiter 2002, Mexiko [s232]:** *[Frequency and etiology of seminal infections in the study of infertile couples]* (Häufigkeit und Ätiologie von Sameninfektionen in der Untersuchung infertiler Paare), Ginecología y Obstetricia de México. Retrospektive, longitudinale Beobachtungsstudie anhand von 295 Akten infertiler Männer eines Krankenhauses mit Spermiogramm und Samenkultur. 47 Prozent der Fälle wiesen eine Infektion mit einem oder zwei Bakterien auf, am häufigsten Staphylococcus epidermidis, Streptokokken (alpha- und beta-hämolysierend) und Escherichia coli. Die wichtigsten Veränderungen der Samenqualität betrafen Beweglichkeit, pH, Morphologie und Viskosität in Verbindung mit S. epidermidis und E. coli. Die Mehrzahl der Infektionen war asymptomatisch. Dass der häufigste mit Veränderungen assoziierte Keim ein Hautsaprophyt war, weicht nach den Autoren von anderen Berichten ab („in disparity with other reports“); eine Kontamination bei der Probengewinnung ist bei einem Hautkeim denkbar (Überlegung, kein Befund der Studie) [s232].

**Solís und Mitarbeiter 2000, Argentinien [s238]:** *[Round cells in semen and genital infections]* (Rundzellen im Samen und Genitalinfektionen), Archivos Españoles de Urología. 410 Samenproben wurden nach WHO-Kriterien analysiert; unreife Keimzellen und polymorphkernige Leukozyten wurden gefärbt differenziert; bakteriologische Untersuchung von Samen, Erstportionsurin und Urethralsekret, Chlamydien per Immunfluoreszenz. 79 Prozent (324) der Proben waren dispermisch (Anm.: Ausdruck des Abstracts), 9,02 Prozent wiesen mehr als 10⁶ Rundzellen/ml auf, von denen nur 29,7 Prozent (11) eine Leukozytospermie zeigten. Die Spearman-Korrelation zwischen Rundzellen und polymorphkernigen Leukozyten betrug 0,2705 (p = 0,1046), also nicht signifikant. Von 32 bakteriologisch untersuchten Proben waren 13 positiv, davon nur 4 (30,7 Prozent) mit Leukozytospermie; von 19 negativen Proben waren 15,78 Prozent leukozytospermisch; zwischen vermehrten Rundzellen und Keimnachweis bestand keine signifikante Korrelation. Schlussfolgerung: bakteriologische Untersuchung sei auch bei Rundzellen im Nativpräparat sinnvoll [s238].

**Tortolero und Mitarbeiter 2004 [s224]:** *[The effect of seminal leukocytes on semen quality in subfertile males with and without varicocele]* (Wirkung seminaler Leukozyten auf die Samenqualität bei subfertilen Männern mit und ohne Varikozele), Archivos Españoles de Urología. 298 Samenproben von 42 fertilen Männern, 170 subfertilen Männern und 86 Männern mit Varikozele; Proben mit mehr als 1 Million Leukozyten/ml gingen in die Messung von Malondialdehyd im Seminalplasma. Leukozytenkonzentration: subfertile Männer 2,5 ± 2,1 und Varikozele 2,3 ± 2,1 × 10⁶/ml gegenüber fertilen 1,1 ± 0,1 (p-Werte im Abstract ohne Vergleichszeichen: 0,0001); Rundzellen 6,5 ± 0,3, 6,1 ± 0,4 und 4,5 ± 0,4 × 10⁶/ml (p 0,05); Spermienkonzentration 42,1 ± 2,4 (subfertil), 9,9 ± 3,5 (Varikozele) und 82,4 ± 5,7 × 10⁶/ml (fertil); Typ-a-Beweglichkeit 14,1 ± 0,9, 19,9 ± 1,4 und 50,0 ± 1,3 Prozent; normale Formen 43,3 ± 1,5, 50,0 ± 1,6 und 60,6 ± 1,3 Prozent. Malondialdehyd war bei subfertilen Männern und Männern mit Varikozele signifikant höher als bei fertilen. Schlussfolgerung: Leukozyten im Samen seien mit verschlechterten Samenparametern verbunden, oxidativer Stress wirke ungünstig [s224].

**Sánchez und Mitarbeiter 2003, Chile [s227]:** *[Determination of peroxidase positive cells in semen: is it a secure parameter for the diagnosis of silent genital infections?]* (Bestimmung peroxidasepositiver Zellen im Samen: ein sicherer Parameter für die Diagnose stiller Genitalinfektionen?), Revista Médica de Chile. Seminalplasma von 64 Patienten mit hoher Rundzellzahl (über 10⁶/ml) wurde untersucht; die Korrelation zwischen peroxidasepositiven Zellen und Granulozytenelastase im Seminalplasma war nicht signifikant (r = 0,2237; p > 0,05), ebenso nicht zwischen Elastase und Rundzellen (r = 0,03934; p > 0,05). Schlussfolgerung: Der Peroxidasetest sei kein verlässlicher Indikator für Leukozyten im Seminalplasma, und sein Fehlen schließe eine stille Genitalinfektion nicht aus. Die Studie betrifft die Diagnostik, nicht Antibiotika [s227].

**Marconi und Mitarbeiter 2009 [s198]:** *Impact of infection on the secretory capacity of the male accessory glands.* International Brazilian Journal of Urology. Samenanalysen von 71 Patienten mit nachgewiesenen Infektionen des männlichen Genitaltrakts wurden mit 40 gesunden nicht infizierten Freiwilligen verglichen; Gruppen: chronische Prostatitis NIH II (n = 38), chronische Epididymitis (n = 12), chronische Urethritis (n = 21). Neun Erregertypen wurden isoliert (E. coli n = 20, Enterococcus n = 20, Chlamydia trachomatis n = 16, Neisseria gonorrhoeae n = 8, Klebsiella n = 2, Mycobacterium tuberculosis n = 2, Proteus, Staphylococcus und Ureaplasma urealyticum je n = 1). Die Infektionsgruppe zeigte eine beeinträchtigte Sekretionsleistung von Nebenhoden, Samenblasen und Prostata, verbunden mit erhöhtem Samen-pH (Zahlen und p-Werte im Abstract abgeschnitten). Kein Samenparameter sei als diagnostisches Instrument für Infektion geeignet. Sie liefert Hintergrund zur Funktion der Adnexdrüsen, keine Antibiotikadaten [s198].

**La Vignera und Mitarbeiter 2012, Italien [s188]:** *Semen alterations and flow-citometry evaluation in patients with male accessory gland infections.* Journal of Endocrinological Investigation. 150 Patienten mit Infektion der männlichen Adnexdrüsen (MAGI) wurden zweimal untersucht (Samenanalyse, Durchflusszytometrie: DNA-Fragmentierung, mitochondriales Membranpotenzial, Phosphatidylserin-Externalisierung, Chromatinkompaktierung). Gegenüber Kontrollen: progressive Beweglichkeit 11,4 ± 5,0 gegenüber 34,0 ± 7,0 Prozent; normale Formen 9,0 ± 3,7 gegenüber 33,0 ± 13,0 Prozent; Leukozyten im Samen 2,2 ± 1,0 gegenüber 0,4 ± 0,6 × 10⁶/ml; DNA-Fragmentierung 8,2 ± 3,0 gegenüber 1,0 ± 1,0 Prozent; niedriges mitochondriales Membranpotenzial 28,0 ± 4,0 gegenüber 2,0 ± 2,0 Prozent; Phosphatidylserin-Externalisierung 8,0 ± 4,0 gegenüber 3,0 ± 3,0 Prozent; lebende Spermien 64,5 ± 12,0 gegenüber 88,0 ± 10,0 Prozent; abnorme Chromatinkompaktierung 18,0 ± 4,0 gegenüber 5,0 ± 3,0 Prozent. Die Autoren empfehlen die Durchflusszytometrie als diagnostisches Hilfsmittel. Die Größe der Kontrollgruppe und die Art der Infektion sind im Abstract nicht genannt; es ist eine Fall-Kontroll-Beschreibung der infektionsbedingten Veränderungen ohne Behandlungsarm [s188].

**Tokuda und Mitarbeiter 1999, Japan [s240]:** *男性不妊症におけるクラミジア感染症 血清抗クラミジア抗体検査の有用性* (Chlamydieninfektion bei männlicher Unfruchtbarkeit: Nutzen der Bestimmung von Chlamydien-Antikörpern im Serum), Nihon Hinyokika Gakkai Zasshi. Querschnittsstudie an 83 Männern aus Infertilitätssprechstunden: IgA- und/oder IgG-Antikörper gegen Chlamydien in 20 von 83 Serumproben (24,1 Prozent). Antibiotika kommen im Abstract nicht vor; die Studie belegt allein, wie häufig Chlamydien-Antikörper bei Männern mit Infertilität waren [s240].

**Heras-Cañas und Mitarbeiter 2017, Spanien [s151]:** *Antibiotic activity and concentrations in clinical samples from patients with chronic bacterial prostatitis.* Actas Urológicas Españolas. Mikrobiologische und pharmakokinetische Beobachtung. Empfindlichkeitsstudie: 60 klinische Isolate aus Samenproben von Patienten mit mikrobiologisch gesicherter chronischer bakterieller Prostatitis (Januar 2013 bis Dezember 2014), Bouillon-Mikrodilution; Fosfomycin und Nitrofurantoin hatten mit je 95,2 Prozent die höchste Aktivität. Konzentrationsstudie (Januar bis Mai 2014): bei 8 Patienten mit positiver Kultur wurden über 4 Wochen wöchentlich Urin, Blut und Samen entnommen und per UHPLC-MS/MS gemessen. Mittlere Samenkonzentration bei den fünf mit Levofloxacin behandelten Patienten: 1,68, 8,30, 2,61, 0,33 und 2,90 mg/l; bei einem Patienten unter Ciprofloxacin 1,625 mg/l, unter Ampicillin 2,67 mg/l und unter Doxycyclin 1,05 mg/l. Im Urin waren die Konzentrationen höher als in Serum und Samen, die beiden vergleichbar. Die Konzentrationen im Samen lagen über der minimalen Hemmkonzentration des ursächlichen Erregers, aber die mikrobiologische Negativierung ging nicht immer mit klinischem Erfolg einher. Acht Patienten sind eine sehr kleine Stichprobe; Spermienparameter sind nicht Gegenstand. Die Autoren schlagen Fosfomycin wegen der hohen In-vitro-Aktivität als Alternative für die empirische Behandlung vor [s151].

**Grande und Mitarbeiter 2025, Darmdysbiose bei persistierender Adnexdrüseninfektion (Italien) [s30]:** *Gut Dysbiosis in Infertile Patients with Persistent Male Accessory Gland Infection.* Life (Basel). Querschnittsstudie an 20 infertilen Patienten mit persistierender Infektion der männlichen Adnexdrüsen (MTI) nach angemessener antibiotischer Behandlung; Stuhlmikrobiota-Analyse etwa 30 Tage nach der letzten Antibiotikadosis. Nach den Autoren bleibe in 40 bis 50 Prozent der Fälle die Antibiotikatherapie zur Beseitigung der Sameninfektion erfolglos. Die Hälfte der Patienten (50 Prozent) hatte eine verminderte mikrobielle Vielfalt; eine Dysbiose wurde bei 75 Prozent festgestellt; das Verhältnis Firmicutes zu Bacteroidetes war bei 70 Prozent dieser Patienten reduziert, darunter 40 Prozent mit schwerer Reduktion durch erhöhte Bacteroidetes („putreszierende Dysbiose“); häufigster Enterotyp war Prevotella-dominant (43 Prozent). Die Autoren sehen zum ersten Mal, dass Patienten mit rezidivierender MTI Enterotypen mit erhöhter Darmpermeabilität und systemischer Entzündung haben. **Schwächen:** 20 Männer, keine Kontrollgruppe ohne Infektion (im Abstract nicht beschrieben), Querschnitt; Ursache und Wirkung sind nicht zu trennen; die Dysbiose kann Folge der vorangegangenen Antibiotikabehandlung sein (Überlegung, kein Befund der Studie). Spermienparameter sind nicht Zielgröße [s30].

### 7. Beobachtungsstudien mit Behandlungsbezug (nicht randomisiert)

In diesen Studien erhielten Männer mit Infektion, Leukozytospermie oder Prostatitis ein Antibiotikum, und die Samenparameter wurden vorher und nachher verglichen. Sie beantworten nicht die Frage, ob das Antibiotikum die Spermien schädigt, sondern ob sich der Samenbefund nach einer Behandlung bessert. Weil Erkrankung, Behandlung, Regression zur Mitte und natürlicher Verlauf zusammenwirken, ist keine dieser Studien in der Lage, den Effekt des Antibiotikums zu isolieren. Randomisierte Studien zu derselben Frage (zum Beispiel Levofloxacin bei asymptomatischer Leukozytospermie, Trimethoprim-Sulfamethoxazol und Ciprofloxacin gegen Placebo bei positiver Samenkultur, Doxycyclin gegen Trimethoprim-Sulfamethoxazol gegen keine Therapie) gehören in ein anderes Kapitel der Gesamtstudie.

#### 7.1 Doxycyclin und Tetrazykline

**Lindhof und Mitarbeiter 2025 [s38]:** *Ureaplasma parvum impaired semen quality improves after doxycycline treatment in selected patients: a cohort study.* Basic and Clinical Andrology. **Design:** retrospektive Kohorte aus 3464 Samenproben zur Fertilitätsabklärung; Ureaplasma parvum per Multiplex-PCR in 12,4 Prozent. **Querschnitt:** Infizierte Männer hatten ein signifikant niedrigeres Samenvolumen; Spermienkonzentration, Beweglichkeit, Morphologie und Entzündungsmarker unterschieden sich nicht. **Behandlungsteil:** Bei 124 Männern mit dokumentierter Erregerbeseitigung und Folgeuntersuchung stieg unter Doxycyclin die Spermienkonzentration von 4,01 ± 4,69 auf 9,20 ± 15,63 Millionen/ml (p = 0,01) und die Beweglichkeit von 18,97 ± 16,04 auf 29,66 ± 22,18 Prozent (p = 0,002); peroxidasepositive Leukozyten fielen von 1,84 ± 0,74 auf 0,68 ± 0,79 Millionen/ml (p = 0,005). Bei Männern mit normalen Ausgangswerten änderte sich nichts. Die Autoren folgern, der bloße Nachweis von Ureaplasma parvum beeinträchtige die Samenqualität nicht und rechtfertige keine Routinebehandlung; bei auffälligen Werten und erhöhten Entzündungsmarkern könne eine gezielte Behandlung sinnvoll sein. **Stärken:** große Ausgangszahl, Trennung nach Ausgangswerten, p-Werte angegeben. **Schwächen:** retrospektiv, kein Kontrollarm; die Standardabweichungen sind größer als die Mittelwerte (Konzentration 9,20 ± 15,63), was eine stark schiefe Verteilung anzeigt und die Mittelwertvergleiche anfällig macht; Regression zur Mitte bei schlechten Ausgangswerten ist wahrscheinlich; Auswahl der Männer mit Folgeuntersuchung und dokumentierter Eradikation [s38].

**Zhang und Mitarbeiter 2020, Guilin [s117]:** *The effect of screening and treatment of Ureaplasma urealyticum infection on semen parameters in asymptomatic leukocytospermia: a case-control study.* BMC Urology. Von 1530 Männern, die wegen Infertilität kamen, hatten 295 eine asymptomatische Leukozytospermie; bei 95 wurde auf Ureaplasma urealyticum gescreent und positiv gefunden; 81 Ureaplasma-positive Männer erhielten Doxycyclin über 7 oder 14 Tage, bei 70 wurde die Infektion geheilt. Verglichen wurden Männer ohne Leukozytospermie, mit Leukozytospermie, mit Ureaplasma-positiver und Ureaplasma-negativer Leukozytospermie. **Querschnitt:** Konzentration, progressive Beweglichkeit und normale Morphologie waren bei Leukozytospermie vermindert, bei Ureaplasma-positiver Leukozytospermie noch deutlicher; progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und normale Morphologie waren bei Ureaplasma-positiver gegenüber -negativer Leukozytospermie signifikant niedriger (alle p < 0,001). **Behandlung:** Heilungsrate 84,62 Prozent im 7-Tage-Schema und 89,66 Prozent im 14-Tage-Schema (p = 0,738); bei den geheilten Patienten stiegen einen Monat nach Heilung Konzentration (p = 0,001), progressive Beweglichkeit (p = 0,022), Gesamtbeweglichkeit (p = 0,004) und normale Morphologie (p = 0,008). Die Autoren empfehlen Screening und Behandlung und halten das 7-Tage-Schema für eine gute Wahl. **Stärken:** große Ausgangsgruppe, vier definierte Vergleichsgruppen, Messung von Erregerheilung und Samenparametern, Vergleich zweier Behandlungsdauern. **Schwächen:** Der Titel nennt eine Fall-Kontroll-Studie; die Verbesserung wurde bei 70 geheilten von 81 behandelten Männern gemessen (Auswahl über den Behandlungserfolg), ohne gleichzeitige unbehandelte Kontrollgruppe, mit einer Beobachtungszeit von einem Monat; Spontanverlauf und Regression zur Mitte sind nicht abtrennbar; Zahlenwerte der Verbesserung stehen nicht im Abstract; ein Effekt auf Schwangerschaften wurde nicht berichtet [s117].

**Hamada und Mitarbeiter 2011, Cleveland [s192]:** *Empirical treatment of low-level leukocytospermia with doxycycline in male infertility patients.* Urology. Retrospektive Studie bei Männern mit niedriger Leukozytospermie (0,2 bis 1,0 × 10⁶ Leukozyten/ml): Von 223 durchgesehenen Akten erfüllten 61 das Kriterium; 27, die vor 2006 vorstellig wurden und nicht routinemäßig behandelt wurden, dienten als historische Kontrollen, 34 erhielten seit 2006 empirisch Doxycyclin. Die Samenparameter änderten sich unter Doxycyclin nicht signifikant. Die niedrige Leukozytospermie bildete sich bei 56 Prozent der Behandelten zurück gegenüber 25 Prozent spontan bei den historischen Kontrollen. Die natürliche Schwangerschaftsrate lag bei 15 von 32 (47 Prozent) in der Behandlungsgruppe gegenüber 5 von 25 (20 Prozent) bei den Kontrollen; Odds Ratio für Schwangerschaft 3,7 (95-%-Konfidenzintervall 1,1 bis 11,7; p = 0,04). **Stärken:** Vergleichsgruppe, Schwangerschaft als Endpunkt, Konfidenzintervall angegeben. **Schwächen:** historische statt gleichzeitiger Kontrollen (Veränderungen von Diagnostik und Patientenauswahl über die Zeit), kleine Gruppen, breites Konfidenzintervall (1,1 bis 11,7), retrospektives Design, andere Einflüsse auf die Schwangerschaft nicht kontrolliert. Es ist eine der wenigen Beobachtungsstudien, die für ein Antibiotikum einen Schwangerschaftsvorteil berichtet; die Samenparameter besserten sich dabei nicht [s192].

**Pajovic und Mitarbeiter 2017 [s153]:** *Effectiveness of antibiotic treatment in infertile patients with sterile leukocytospermia induced by tobacco use.* Systems Biology in Reproductive Medicine. 80 infertile Raucher mit steriler Leukozytospermie und früherer sexuell übertragbarer Infektion: 40 erhielten zwei Wochen Doxycyclin (100 mg zweimal täglich), 40 hörten nur mit dem Rauchen auf; eine Kontrollgruppe von 20 Männern mit chronischer abakterieller Prostatitis (CPPS IIIa) erhielt dasselbe Antibiotikum. Zwei Wochen nach der Behandlung hatte die Doxycyclingruppe signifikant höhere Werte für Volumen, Gesamt- und progressive Beweglichkeit als die Rauchstoppgruppe; beide Beweglichkeitswerte blieben über 12 Wochen bestehen. **Schwächen:** Der Abstract nennt weder Randomisierung noch Verblindung; die Gruppen sind klein, die Zuteilung unklar; die Beobachtung ist kurz; die Vergleichsgruppe (Rauchstopp) ist keine Placebogruppe [s153].

**Cardoso und Mitarbeiter 1998, Argentinien [s241]:** *Improvement of semen quality in infected asymptomatic infertile male after bacteriological cure.* Medicina (Buenos Aires). Fallserie an 29 asymptomatischen infertilen Männern mit bakteriologisch nachgewiesener Infektion; häufigster Erreger Enterococcus faecalis; positive Kultur im Prostatasekret bei 16 Patienten und im Samen bei 13. Bakteriologische Heilung gelang in 24 Fällen und ging mit besserer Spermienkonzentration, Vitalität und Gesamtzahl beweglicher Spermien einher; bei den 5 ohne Heilung änderte sich die Samenanalyse nicht. Bei 45 Prozent der Infizierten lagen polymorphkernige Leukozyten unter 0,5 × 10⁶/ml, weshalb die Autoren die Granulozytenzahl als schlechten Marker für Infektion ansehen. **Schwächen:** 29 Männer, keine unbehandelte Kontrolle; die Gruppen sind nach Therapieerfolg gebildet, sodass „geheilt“ gegen „nicht geheilt“ auch auf der Schwere der Infektion beruhen kann; Antibiotikum und Dosis im Abstract nicht genannt [s241].

#### 7.2 Fluorchinolone, Makrolide und Kombinationen

**Veiga und Mitarbeiter 2019, Spanien [s129]:** *Prevalence of genital Mycoplasma and response to eradication treatment in patients undergoing assisted reproductive techniques.* Revista Española de Quimioterapia. Paare im Programm für assistierte Reproduktion im Jahr 2016; Nachweis genitaler Mykoplasmen per Real-time-PCR; bei positiven Fällen wurden beide Partner bis zur Eradikation behandelt (Azithromycin, Doxycyclin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Clindamycin). Von 205 Männern waren 33 positiv (Ureaplasma urealyticum 15,1 Prozent, Mycoplasma hominis 3,9 Prozent). Die Eradikation mit Azithromycin misslang in 50 Prozent, mit Doxycyclin in 10,2 Prozent; von fünf mit Levofloxacin Behandelten gelang sie nur bei zwei. Die Autoren halten ein Routinescreening für nützlich, um die Samenqualität und die Einnistungsraten zu verbessern; das ist eine Folgerung, für die der Abstract keine eigenen Daten zu Spermien oder Schwangerschaft liefert. **Einordnung:** Die Studie zeigt, dass der Erfolg der Erregerbeseitigung von der Wirkstoffwahl abhing; die Gruppen sind klein [s129].

**Ahmadi und Mitarbeiter 2018 [s133]:** *Association of asymptomatic Chlamydia trachomatis infection with male infertility and the effect of antibiotic therapy in improvement of semen quality in infected infertile men.* Andrologia. 165 infertile Männer mit abnormen Samenparametern (Studiengruppe) und 165 gesunde fertile Männer (Kontrollen); Samenanalyse, Real-time-PCR, Messung reaktiver Sauerstoffspezies und der antioxidativen Gesamtkapazität (TAC). Chlamydia trachomatis fand sich bei 4,2 Prozent der infertilen gegenüber 0,6 Prozent der fertilen Männer. Infizierte Männer der Studiengruppe erhielten Antibiotika; einen Monat nach Therapieende hatten sich die meisten Samenparameter gebessert und den Normbereich erreicht, die antioxidative Kapazität war erhöht, reaktive Sauerstoffspezies und deren Verhältnis zur antioxidativen Kapazität waren gesunken. Bei 3 von 7 Partnerinnen (42,9 Prozent) trat vier Monate nach Therapieende eine Schwangerschaft ein. **Schwächen:** Nur sieben behandelte Männer (4,2 Prozent von 165 entsprechen etwa sieben Männern), kein Kontrollarm, der Abstract nennt Wirkstoff und Dosis nicht, ein Anstieg der Parameter bei sieben Männern ist statistisch kaum belastbar. Die Prävalenzunterschiede (4,2 gegenüber 0,6 Prozent) beruhen auf sehr kleinen absoluten Zahlen [s133].

**Gallegos und Mitarbeiter 2008 [s207]:** *Sperm DNA fragmentation in infertile men with genitourinary infection by Chlamydia trachomatis and Mycoplasma.* Fertility and Sterility. Prospektive Studie in einem universitären reproduktionsmedizinischen Zentrum an 143 Männern aus Paaren in andrologischer Infertilitätssprechstunde und einer Gruppe von 50 fertilen Männern; die Antibiotikawirkung wurde bei 95 Männern ausgewertet; Methode: Test der Chromatindispersion (Halosperm). Der mittlere Anteil von Spermien mit fragmentierter DNA betrug 35,2 ± 13,5 Prozent, das 3,2-Fache der fertilen Kontrollen (10,8 ± 5,6 Prozent); Konzentration, Morphologie und Beweglichkeit waren ebenfalls signifikant, aber viel weniger betroffen, die Vitalität nicht. Nach 3,8 ± 2,2 Monaten Antibiotikatherapie fiel der mittlere Anteil von 37,7 ± 13,6 auf 24,2 ± 11,2 Prozent; Konzentration und Beweglichkeit besserten sich nicht signifikant. Von 16 Paaren, die während der Therapie schwanger werden wollten, wurden 12,5 Prozent schwanger, von 14 Paaren, die nach Therapieende versuchten, 85,7 Prozent; die einzigen signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen betrafen DNA-Fragmentierung und Morphologie. **Schwächen:** kein Kontrollarm unter den Behandelten; der Vergleich der Schwangerschaftsraten (12,5 gegenüber 85,7 Prozent) bei 16 und 14 Paaren ist ein Vergleich zeitlich unterschiedlicher Beobachtungsfenster, kein kontrollierter Befund; die Dauer der Behandlung (3,8 Monate) liegt im Bereich der Spermatogenese, sodass die Verbesserung auch Spontanverlauf sein kann [s207].

**Novak und Mitarbeiter 2026 [s17]:** *Antibiotic treatment of asymptomatic urogenital infections in infertile couples is associated with improved sperm quality including sperm apoptosis parameters* (Preprint, nicht begutachtet). Retrospektive monozentrische Studie an 265 Paaren mit asymptomatischer Infektion (Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium oder Chlamydia trachomatis) bei mindestens einem Partner, mit gleichzeitiger Behandlung beider. Gepaarte Samenanalyse und Apoptosetest (Durchflusszytometrie) vor und 0 bis 9 Monate nach der Therapie. Spermienkonzentration, Gesamtzahl, Gesamt- und progressive Beweglichkeit und Anteil lebender Spermien stiegen signifikant, der Anteil spät apoptotischer oder nekrotischer Spermien und die berechnete DNA-Fragmentierung sanken signifikant (p-Werte im Abstract abgeschnitten). Die Autoren bezeichnen die Befunde selbst wegen des retrospektiven, unkontrollierten Designs als hypothesenerzeugend. Das Zeitfenster der Nachuntersuchung (0 bis 9 Monate) ist sehr weit; Wirkstoffe und Dosen sind im Bericht nicht genannt [s17].

**Adel Domínguez und Mitarbeiter 2025 [s22]:** *Sperm DNA fragmentation: focusing treatment on seminal transport fluid beyond sperm production.* Archivio Italiano di Urologia, Andrologia. 98 infertile Männer, zwei Samenproben vor und mindestens zwei Monate nach Behandlung (täglich 1000 mg Ciprofloxacin über 21 Tage und 100 mg Doxycyclin über 10 Tage, dazu 15 mg Meloxicam über 10 Tage); Spermien-DNA-Fragmentierungsindex per SCD-Test. Nach der Behandlung stiegen pH, Spermienzahl, Gesamtkonzentration und Anteil normaler Formen signifikant; Volumen und progressive Beweglichkeit änderten sich nicht; die Zahl unreifer Zellen sank signifikant, die Leukozytenzahl nicht signifikant; der mittlere Index fiel von 28,24 ± 2,39 auf 16,2 ± 7,1 Prozent. **Schwächen:** Zwei Antibiotika und ein Entzündungshemmer wurden kombiniert, der Beitrag der Antibiotika lässt sich nicht trennen; keine Kontrollgruppe; die Standardabweichung vor der Behandlung (2,39) ist auffallend klein im Vergleich zu der danach (7,1); das ist eine Auffälligkeit der Abstract-Angabe, die ohne Volltext nicht zu klären ist [s22].

**Moskovtsev und Mitarbeiter 2009 [s199]:** *Cause-specific treatment in patients with high sperm DNA damage resulted in significant DNA improvement.* Systems Biology in Reproductive Medicine. Retrospektive Studie an Männern mit Spermien-DNA-Schädigung über 30 Prozent; die Gruppe war diagnostisch heterogen (Varikozele, Bakteriospermie, idiopathische Infertilität). Antioxidantien über drei Monate senkten die DNA-Schädigung nur bei 30 von 61 Männern (49 Prozent; Index 46,8 ± 14,1 gegenüber 36,7 ± 16,6 Prozent, p < 0,001); bei über 40-Jährigen zeigte sich keine Besserung. Ursachenspezifische Behandlungen schnitten besser ab: Varikozelenoperation bei 7 von 9 (78 Prozent; 44,7 ± 12,8 gegenüber 28,4 ± 9,5 Prozent, p < 0,03); Antibiotika bei 13 von 14 Männern mit Bakteriospermie (93 Prozent; 50,4 ± 19,1 gegenüber 38,6 ± 18,7 Prozent, p < 0,001). **Schwächen:** kleine Gruppen (14 mit Bakteriospermie), keine Kontrolle, Antibiotikum und Dosis nicht genannt, Regression zur Mitte bei einem Ausgangswert über 30 Prozent besonders wahrscheinlich, da die Einschlusskriterien an einem extremen Wert ansetzen [s199].

**Yaşar und Mitarbeiter 2009, Türkei [s202]:** *Lökositospermi tedavisinin semen parametreleri ve gebelik üzerine olan etkisi* (Die Wirkung der Leukozytospermie-Behandlung auf Samenparameter und Schwangerschaft), Yeni Üroloji Dergisi (türkisch, englischer Abstract). Prospektive Vergleichsstudie an 121 Männern einer Infertilitätsambulanz (Januar 2006 bis Dezember 2008): 71 mit Leukozytospermie (Gruppe 1) und 50 ohne (Gruppe 2); Gruppe 1 erhielt 4 bis 6 Wochen Antibiotika. Vor der Behandlung bestand kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen bei Volumen, Spermienzahl und Beweglichkeit (p > 0,05). In der behandelten Gruppe fand sich vor und nach der Therapie keine signifikante Veränderung dieser Parameter; für die Leukozytenzahl nennt der Abstract p = 0,043 ohne nähere Erläuterung. Fazit: Die Behandlung der asymptomatischen Leukozytospermie mit Antibiotika bessere Spermienparameter und Schwangerschaftsrate nicht. **Schwächen:** kein Hinweis auf Randomisierung, Antibiotikum und Dosis im Abstract nicht genannt, die Schwangerschaftsrate wird im Abstract nicht beziffert; die Autoren verlangen selbst größere randomisierte Studien [s202].

**Branigan und Mitarbeiter 1995 [s250]:** *Identification and treatment of leukocytospermia in couples with unexplained infertility.* Journal of Reproductive Medicine. Prospektive Kohortenstudie an Männern mit und ohne Leukozytospermie (Samenausstrich, Bryan-Leishman-Färbung) bei ungeklärter Paarinfertilität; kumulative Schwangerschaftsraten nach sechs Monaten wurden für vier Gruppen verglichen: Responder (Leukozytospermie verschwand unter Behandlung), Nicht-Responder, Unbehandelte und Männer ohne Leukozytospermie. 36 von 53 Männern mit Leukozytospermie sprachen auf Antibiotika an; bei 19 Frauen in diesen 36 Paaren (53 Prozent) trat innerhalb von sechs Monaten eine Schwangerschaft ein. Für die Nicht-Responder gibt der Abstract „7 von 17 (6 Prozent)“ an; 7 von 17 wären rechnerisch 41 Prozent, die Angabe ist offenbar fehlerhaft und wird nicht weiter ausgewertet. Die Autoren schließen, die Identifizierung und erfolgreiche Behandlung solcher Männer führe zu einer deutlichen Besserung der Schwangerschaftsraten. **Schwächen:** Die Vergleichsgruppen sind nach Therapieerfolg gebildet, nicht nach Zuteilung (ein Erfolg bei der Beseitigung der Leukozytospermie kann mit günstigen Ausgangsbedingungen zusammenhängen); der fehlerhafte Zahlenwert [s250].

**Liversedge und Mitarbeiter 1996 [s249]:** *Antibiotic treatment based on seminal cultures from asymptomatic male partners in in-vitro fertilization is unnecessary and may be detrimental.* Human Reproduction. Retrospektiv wurden die mikrobiologischen Befunde von 449 Paaren in IVF oder GIFT (Gametentransfer in den Eileiter) betrachtet: Bei Samenproben, die mindestens einen Tag bis zum Labor benötigten, wuchsen häufiger Enterokokken (27 gegenüber 15 Prozent), bei zwei oder mehr Tagen häufiger gramnegative Stäbchen (31 gegenüber 12 Prozent; p < 0,01) und überhaupt potenziell pathogene Keime (26 gegenüber 14 Prozent; p < 0,01); die Autoren stellen Genauigkeit und Relevanz in Frage. In der prospektiven Teilstudie wurden Samen und Vaginalabstriche von 100 Paaren am Tag der Eizellentnahme kultiviert; 52 der Männer waren nach positiver Vorkultur mit Antibiotika behandelt worden. Bakterien in Samenproben, die nur für IVF verwendet wurden (n = 90), minderten weder die Befruchtungsraten noch infizierten sie das Kultursystem. Gramnegative Stäbchen in der Scheide waren bei Partnerinnen behandelter Männer häufiger (15 von 52, 29 Prozent, gegenüber 5 von 48, 10 Prozent; p < 0,05). Die Autoren halten Screening und Behandlung asymptomatischer Männer vor IVF für unnötig und möglicherweise schädlich. **Einordnung:** Die Arbeit betrifft nicht Spermienparameter, sondern das mikrobiologische Umfeld der Befruchtung; das Argument des möglichen Schadens stützt sich auf die Vaginalbefunde, nicht auf Befruchtungs- oder Schwangerschaftsraten [s249].

**Grande und Mitarbeiter 2025 [s29]:** *Comprehensive diagnostic and therapeutic approach to male factor infertility aimed at natural fertility: A multicentric retrospective cohort study.* Andrology. Multizentrische retrospektive Studie 2015 bis 2022 an 1014 Paaren mit primärer Infertilität und Wunsch nach natürlicher Empfängnis (darunter 266 mit früherem Versagen der assistierten Reproduktion); standardisierte multidisziplinäre Abklärung (Gynäkologe, Androloge, bei Bedarf Psychologe, Fertilitätsberater). Primärer Endpunkt war die natürliche Schwangerschaftsrate. Ein isolierter männlicher Faktor lag bei 23 Prozent der Paare vor, bei 45 Prozent zusammen mit weiblichen Faktoren. Die umfassende Abklärung senkte den Anteil idiopathischer Infertilität auf 8 Prozent. Gezielte Behandlung nach diagnostischer Kategorie war mit spontaner Schwangerschaft bei 40,9 Prozent der Paare verbunden. Bei den 233 Fällen ohne weibliche Faktoren waren die Samenparameter nur bei 13 Prozent normal; Entzündung des männlichen Genitaltrakts fand sich bei 48,8 Prozent, Infektion des Genitaltrakts bei 43,1 Prozent und Hypospermatogenese bei 16,7 Prozent. Patienten mit Infektion wurden mit Antibiotika und Probiotika behandelt, bei weiterer Entzündung folgten niedrig dosierte Kortikosteroide und Antioxidantien; bei Hypospermatogenese wurde FSH eingesetzt, bei vier Patienten eine Varikozelenoperation. **Schwächen:** keine Kontrollgruppe ohne Behandlung; der Effekt der Antibiotika ist in einem Behandlungsbündel nicht isolierbar; der Zeitraum bis zur Schwangerschaft und der Einfluss spontaner Schwangerschaften (ohne Behandlung) sind im Abstract nicht dargestellt [s29].

#### 7.3 Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Metronidazol, Minocyclin, Nitrofurane und weitere Wirkstoffe

**Gopalkrishnan und Mitarbeiter 1990, Metronidazol bei Trichomonas-Befall [s269]:** *Semen characteristics of asymptomatic males affected by Trichomonas vaginalis.* Journal of In Vitro Fertilization and Embryo Transfer. Von 1131 untersuchten Männern hatten 50 (4,42 Prozent) Trichomonaden im Nativpräparat; verglichen wurden sie mit 52 normalen Samenproben. Viskosität und Anteil von Debris waren in der infizierten Gruppe signifikant erhöht (p < 0,001), der Samen-pH nicht verändert; Beweglichkeit und normale Formen waren signifikant verringert (p < 0,001), die Vitalität verändert und die Membranintegrität im hypoosmotischen Schwelltest signifikant verändert (p < 0,001). Nach einem Behandlungskurs mit Metronidazol (Flagyl 400 mg dreimal täglich über 10 Tage) verbesserten sich die Samenmerkmale bei 25 Männern signifikant. Die Autoren halten es für möglich, dass Infertilität bei asymptomatischen Männern auf einer Trichomonaden-Infektion beruhen kann. **Schwächen:** unklar, wie die 25 Behandelten ausgewählt wurden, kein Placebo, Zahlenwerte der Verbesserung nicht im Abstract. **Einordnung:** Es ist die einzige Humanstudie der Recherche mit einer Besserung der Samenwerte nach Metronidazol; sie betrifft eine Infektion mit einem Erreger, gegen den Metronidazol gezielt eingesetzt wird, und sagt deshalb nichts über eine Wirkung von Metronidazol auf Spermien bei Gesunden. Der Befund steht neben der Beobachtungsserie, die unter Metronidazol eine anhaltende Störung sah [s269, s229].

**Omu und Mitarbeiter 1998, Kuwait [s245]:** *Antibiotic therapy for seminal infection. Effect on antioxidant activity and T-helper cytokines.* Journal of Reproductive Medicine. 50 Männer in drei Gruppen: Samenwegsinfektion (n = 20), alleinige Leukozytospermie (n = 18), nachweislich fruchtbare Männer (n = 12). Bei Samenwegsinfektion war die Spermienzahl niedriger: 25 gegenüber 84 Millionen pro ml bei fruchtbaren Männern. Antioxidative Gesamtaktivität, α-Tocopherol und Retinol waren bei Leukozytospermie (p < 0,02 und 0,01) und Samenwegsinfektion (p < 0,01 und 0,05) im Vergleich zu den Kontrollen vermindert; Antispermien-Antikörper, Interleukin-2 und Interleukin-8 waren stark, Interleukin-4 gering exprimiert; gramnegative Erreger gingen stärker mit T-Helfer-1-Zytokinen einher. Antibiotikatherapie verbesserte Spermienparameter, antioxidative Aktivität und Interleukin-4 signifikant und senkte Interleukin-2 und Interleukin-8; der Titer der Antispermien-Antikörper blieb unverändert. **Schwächen:** Wirkstoff, Dosis und Zahlenwerte nach der Therapie fehlen im Abstract; keine unbehandelte Vergleichsgruppe; die Deutung, Antibiotika verbesserten die Spermien über eine Erhöhung der antioxidativen Aktivität, ist eine Hypothese und kein Wirkungsnachweis [s245].

**Eine Behandlungsserie mit Dreifachtherapie bei Helicobacter-pylori-Antikörpern (El-Garem 2014, Alexandria) [s172]:** *Seminal Helicobacter pylori treatment improves sperm motility in infertile asthenozoospermic men.* Urology. Von 223 infertilen asthenozoospermischen Männern hatten 22 (9,87 Prozent) Helicobacter-pylori-IgA-Antikörper im Seminalplasma; sie erhielten Omeprazol 20 mg, Tinidazol 500 mg und Clarithromycin 250 mg jeweils zweimal täglich über zwei Wochen. Nach drei Monaten war der mittlere IgA-Spiegel von 1,55 ± 0,4 auf 0,52 ± 0,26 gefallen (95-%-Konfidenzintervall 0,83 bis 1,21; p = 0,001), begleitet von besserer progressiver und nicht progressiver Beweglichkeit. Seminales Helicobacter-pylori-IgA korrelierte negativ mit progressiver und nicht progressiver Beweglichkeit und normaler Morphologie, positiv mit unbeweglichen Spermien. **Schwächen:** 22 behandelte Männer, keine Kontrollgruppe, die Beweglichkeitszahlen fehlen im Abstract, IgA ist ein indirekter Marker, die Dreifachtherapie (ein Nitroimidazol, ein Makrolid, ein Protonenpumpenhemmer) lässt keine Zuordnung zu einem Wirkstoff zu, keine Schwangerschaftsrate; das angegebene Konfidenzintervall (0,83 bis 1,21) ist, da es zum Mittelwertunterschied (1,03) passt, vermutlich das der Differenz [s172].

**Moreno Pardo und Mitarbeiter 1979, Spanien [s282]:** *[Seminal infection and male sterility]* (Sameninfektion und männliche Sterilität), Archivos Españoles de Urología. 25 Patienten mit Samenbläschen- und Prostatapathologie, die Sterilität verursachte; Untersuchung nach Alter, Beruf, Symptomen, Genitaluntersuchung und Ejakulat (Menge, pH, Viskosität, Fruktose, Ascorbinsäure, Zahl, Beweglichkeit, Morphologie, hohe Leukozytenwerte). Samenkultur bei 21 Patienten, positiv bei 16 (76 Prozent). Behandelt wurden 22 Patienten, bei 13 ist das Ergebnis bekannt: Das Spermiogramm normalisierte sich bei 5 (38 Prozent), mit einer Schwangerschaft; bei 3 Fällen lag eine zusätzliche Erkrankung der Frau vor. Angewendet wurde im Wesentlichen Trimethoprim-Sulfamethoxazol, mit oder ohne Erythromycin, bei Bedarf nach Antibiogramm weitere Mittel, dazu Mittel zur Prostatadrainage. Die besten Ergebnisse zeigten sich bei Asthenozoospermie. Die Wirksamkeit war gleich mit Trimethoprim-Sulfamethoxazol allein oder mit Erythromycin; die anderen Arzneimittel verbesserten die Ergebnisse nicht, außer Minocyclin, das eine Samenkultur negativierte. **Schwächen:** 13 Patienten mit bekanntem Ergebnis, keine Kontrolle, Mischung mehrerer Maßnahmen [s282].

**Ludwig und Haselberger 1977, Deutschland [s284]:** *[Epididymitis and fertility. Treatment results in acute unspecific epididymitis]* (Nebenhodenentzündung und Fertilität. Behandlungsergebnisse bei akuter unspezifischer Nebenhodenentzündung), Fortschritte der Medizin. Spermiogramme von 46 Patienten wurden 8 Tage, 4 Wochen, 3 Monate, 6 Monate und 1 Jahr nach akuter einseitiger unspezifischer Nebenhodenentzündung untersucht; 24 Patienten erhielten außer Doxycyclin eine örtliche Infiltration des Samenstrangs mit 1-prozentigem Scandicain. Acht Tage nach Beginn der Infektion zeigte sich bei mehr als zwei Dritteln der Fälle eine Oligoasthenospermie; im weiteren Verlauf besserte sich die Störung, bei der Infiltration deutlicher; bei etwa 20 Prozent blieb eine so schwere Fertilitätsstörung, dass Sterilität resultierte. Ein Jahr nach Beginn waren spermienagglutinierende Antikörper nur in einem Fall nachweisbar; die Fruktose im Samenplasma war über das Jahr in allen Fällen normal. **Einordnung:** Die Arbeit belegt den Verlauf der Samenwerte nach akuter Nebenhodenentzündung unter Doxycyclin (mit oder ohne Infiltration) und die verbleibende Sterilität; ein Vergleich ohne Doxycyclin fehlt, sodass die Rolle des Antibiotikums für den Verlauf nicht bestimmbar ist [s284].

**Nagai und Mitarbeiter 1988, Japan [s274]:** *[Treatment in male infertile clinic of Kaizuka Municipal Hospital]* (Behandlung in der Sprechstunde für männliche Infertilität des Städtischen Krankenhauses Kaizuka; japanisch, englische Titelübersetzung in PubMed), Hinyokika Kiyo. Fallserie zu 68 Männern mit idiopathischer männlicher Infertilität; die Hauptbehandlungen waren HMG-HCG-Therapie und hohe Ligatur der linken Hodenvene bei Varikozele, als Zusatz Vitamin B12, Kräutermedizin und Antibiotika bei Prostatovesikulitis. Bei 11 Männern ohne Varikozele stiegen Spermienzahl von 11,0 ± 8,0 auf 22,7 ± 16,8 × 10⁶/ml und Beweglichkeit von 19,1 ± 11,4 auf 26,9 ± 18,5 Prozent nach 20 Wochen HMG-HCG; Wirksamkeit bei 7 von 11 (63,6 Prozent) für die Spermienzahl und 6 von 11 (54,5 Prozent) für die Beweglichkeit; drei Schwangerschaften. Der Abstract bricht ab; der Anteil der Antibiotika ist nicht trennbar. Die Studie belegt nur, dass Antibiotika in Japan damals als Zusatztherapie bei Prostatovesikulitis eingesetzt wurden [s274].

**Kleinere russische Behandlungsstudien.** *Vinogradow und Mitarbeiter 2015 [s170]:* Unkontrollierte Pilotstudie, Konferenzbeitrag, an 34 Paaren in der Vorbereitung auf IVF/ICSI mit Asthenoteratozoospermie und Leukospermie (Männer 34,1 ± 5,3 Jahre, 26 bis 46; sexuell übertragbare Infektionen per PCR ausgeschlossen, zwei Samenkulturen ohne Wachstum, MAR-Test normal). Levofloxacin 750 mg einmal täglich über 15 Tage; Kontrolle 4 Wochen nach Therapieende. Ergebnisse (vorher, nachher): Volumen 2,1 ± 0,5 auf 2,4 ± 1,2 ml; Konzentration 35,6 ± 17,3 auf 39,1 ± 17,1 × 10⁶; Anteil beweglicher Spermien (a+b) 14,1 ± 6,1 auf 21,1 ± 6,3 Prozent (p < 0,001); normale Morphologie 6,2 ± 3,4 auf 7,7 ± 3,6 Prozent (p = 0,005); Leukozyten 3,1 ± 1,1 auf 0,9 ± 0,5 × 10⁶ (p < 0,001); reaktive Sauerstoffspezies 4,5 ± 1,5 auf 3,1 ± 1,6 (p < 0,001). Bei 4 Männern (11,7 Prozent) trat leichte Dyspepsie auf. Die Autoren sehen keinen offensichtlichen gametotoxischen Effekt. **Schwächen:** keine Kontrollgruppe, keine Verblindung, nur vier Wochen Nachbeobachtung (die Serie von Lisakowskaja wählte drei Monate), keine DNA-Fragmentierung, für Volumen und Konzentration keine p-Werte, Konferenzbeitrag [s170, s229]. *Potschernikow und Mitarbeiter 2015 [s167]* (*Experience with E. coli lyophilized bacterial lysate OM-89 (Uro-Vaksom) in men with asymptomatic bacteriospermia*; Erfahrung mit dem E.-coli-Lysat OM-89 bei Männern mit asymptomatischer Bakteriospermie), Urologija: Vergleichsstudie bei asymptomatischer Bakteriospermie, drei Monate E.-coli-Lysat gegen 3 bis 4 Wochen Fluorchinolone. Nach OM-89 wurde E. coli bei 98 Prozent beseitigt, bei 66 Prozent wuchs kein Mikroorganismus mehr im Ejakulat; nach Fluorchinolonen blieb E. coli bei 15,2 Prozent in signifikantem Titer, bei 5,7 Prozent in nicht signifikantem Titer, und nur bei 19 Prozent fehlte jedes mikrobielle Wachstum. Unter OM-89 stieg die Spermienkonzentration deutlicher, es gab mehr spontane Schwangerschaften; die „Take-Home-Baby“-Rate betrug 21 Prozent (OM-89) gegenüber 7 Prozent (Fluorchinolone). Fallzahl, Randomisierung und Teststatistik nennt der Abstract nicht; wegen der Nähe der Autoren zum Präparat und der fehlenden Statistik ist der Befund mit Vorsicht zu lesen; er belegt vor allem, dass eine reine Fluorchinolontherapie in dieser Serie weder zuverlässig steril machte noch ein hohes Schwangerschaftsergebnis brachte [s167]. *Glosman und Aganow 1990 [s268]* (*The prevention of pathospermia in patients with orchiepididymitis*; Vorbeugung der Pathospermie bei Patienten mit Orchiepididymitis), Westnik dermatologii i wenerologii: Bei 48 bis 60 Prozent der Patienten mit gonorrhoischer Orchiepididymitis blieb eine Spermatopathie lange nach der Therapie bestehen; Chymotrypsin (2 mg zweimal täglich über 6 bis 10 Tage) zusätzlich zu einem Antibiotikum senkte die Häufigkeit von Spermatogenesestörungen „um 14,3 bis 16,6 Prozent“ gegenüber konventioneller Therapie; ohne Fallzahlen und Vergleichsgruppen im Abstract bleibt die Aussagekraft begrenzt. Auch unter wirksamer Antibiotikatherapie bleibt demnach die Spermatopathie häufig [s268]. *Kogan und Mitarbeiter 2022, Rostow am Don [s93]* (*Antibiotic therapy of chronic bacterial prostatitis is more effective considering antibiotic susceptibility of all pathogens isolated*; Investigative and Clinical Urology): prospektive randomisierte Beobachtungsstudie an 60 Männern mit chronischer bakterieller Prostatitis (20 bis 45 Jahre, 2012 bis 2019); Gruppe I (n = 30) Fluorchinolone, Gruppe II (n = 30) Fluorchinolone plus Cephalosporine oder Makrolide, jeweils einen Monat. Nach drei Monaten war der klinische Effekt in beiden Gruppen positiv, aber nur in Gruppe II signifikant (p < 0,05) für Symptomindex NIH-CPSI, Leukozyturie, Prostatavolumen, maximalen Harnfluss und „verringerte Pathospermie“; nach sechs Monaten sanken in Gruppe II Escherichia coli und Enterococcus spp. signifikant, in Gruppe I änderten sich Aerobier kaum, Anaerobier nahmen signifikant zu. Die Spermienqualität ist nur Nebenendpunkt ohne Zahlen im Abstract [s93]. *Belyj 2018 [s147]* (*Пептиды предстательной железы в коррекции патоспермии у пациентов с хроническим бактериальным простатитом* (Peptide der Prostata bei der Korrektur der Pathospermie bei Patienten mit chronischer bakterieller Prostatitis), Medizinski sowet): zwei Gruppen mit chronischer bakterieller Prostatitis und Pathospermie (31 und 37 Männer; zusammen 68); beide erhielten zuerst vier Wochen Standardtherapie (Antibiotika, α-Blocker, nichtsteroidale Antiphlogistika), dann vier Wochen Antioxidantien, die zweite Gruppe zusätzlich ein Prostataextrakt-Zäpfchen. Der Autor schließt, die Standardtherapie einschließlich Antibiotika führe nicht zu einer signifikanten Besserung der Schlüsselparameter des Ejakulats; unter Prostatapeptiden habe sich der Anteil nicht progressiv beweglicher Spermien halbiert und der Anteil progressiv beweglicher um 60 Prozent erhöht. Ein Wirkstoff ist nicht benannt; p-Werte und Rohdaten fehlen im Abstract [s147].

**Italienische Behandlungsstudien in Kurzform.** *Vicari 2000 [s239]* (*Effectiveness and limits of antimicrobial treatment on seminal leukocyte concentration and related reactive oxygen species production in patients with male accessory gland infection*, Human Reproduction): 122 Patienten mit bakterieller Infektion (mehr als 100.000 Kolonie-bildende Einheiten/ml), nach Ultraschall in Prostatitis (n = 52), Prostatovesikulitis (n = 32) und Prostatovesikuloepididymitis (n = 38) eingeteilt. Je Gruppe erhielt eine Untergruppe Ofloxacin oder Doxycyclin an 14 aufeinanderfolgenden Tagen pro Monat über drei Monate (n = 40, 20 und 25), die übrigen blieben unbehandelt (n = 12, 12 und 13); die Partnerinnen wurden mitbehandelt. Die bakteriologische Heilungsrate nach dem dritten Zyklus war bei Prostatitis am höchsten (92,5 Prozent), bei Prostatovesikulitis 70,4 Prozent, bei Prostatovesikuloepididymitis 52,0 Prozent. Drei Monate nach Therapieende waren einige Spermienparameter, die Zahl der Leukozyten im Samen und die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies bei Prostatitis und Prostatovesikulitis verbessert, bei Nebenhodenbeteiligung nicht (außer dem Anteil aufgerollter Flagellen); die spontane Schwangerschaftsrate lag bei 40 Prozent. Stärken: unbehandelte Vergleichsgruppen, Schichtung nach Infektionsort. Schwächen: keine Randomisierung, sehr kleine Vergleichsgruppen von 12 und 13 Männern, Mitbehandlung der Partnerinnen erschwert die Auswertung der Schwangerschaftsrate [s239]. *Vicari 2016 [s163]* (*Effect of levofloxacin treatment on semen hyperviscosity in chronic bacterial prostatitis patients*, Andrologia): 110 infertile Patienten mit chronischer bakterieller Prostatitis erhielten an 14 Tagen pro Monat über 3 Monate 500 mg Levofloxacin täglich; 37 fertile Männer dienten als Kontrolle. Bei Erregerbeseitigung (Responder) stiegen progressive Motilität, und sanken Leukozytenzahl, Viskosität, Verflüssigungszeit, Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, Tumornekrosefaktor alpha und Interleukin 6; die Werte unterschieden sich dann nicht von den fertilen Kontrollen. Bei schlechtem Ansprechen verschlechterten sich alle Größen; die Eradikationsrate lag bei etwa 71 Prozent, bei rund 29 Prozent bestand schlechtes Ansprechen. Schwächen: kein unbehandelter Arm; die Einteilung nach Therapieerfolg verzerrt den Vergleich [s163]. *Magri 2010 [s196]* (*Eradication of Chlamydia trachomatis parallels symptom regression in chronic bacterial prostatitis patients treated with a fluoroquinolone-macrolide combination*, Andrologia): 55 symptomatische Männer mit chronischer Prostatitis und Chlamydiennachweis, behandelt nach Lokalisation mit Azithromycin allein (3 Tage, 500 mg) oder vier Wochen Levofloxacin plus Azithromycin; das Verschwinden der Chlamydien ging mit anhaltender Symptombesserung und einem PSA-Abfall einher; Spermienparameter waren nicht Zielgröße [s196]. *Grande 2022 [s89]* (*Association of Probiotic Treatment With Antibiotics in Male Accessory Gland Infections*, American Journal of Men's Health): 104 infertile Männer mit gramnegativen Keimen unter Fluorchinolonen; vollständige Eradikation bei 64 von 84 Männern mit Probiotikum (76,2 Prozent) gegenüber 10 von 20 mit Antibiotikum allein (50 Prozent); Gruppeneinteilung und Randomisierung im Bericht nicht beschrieben [s89]. *Fabiani 2026 [s11]* (*Clinical efficacy of a specific synbiotic formulation in restoring fertility in couples with persistent post-antibiotic dysbiosis: a pilot study*, Archivio Italiano di Urologia, Andrologia): einarmige Pilotstudie an 33 Paaren nach erfolgloser Antibiotikatherapie; der Fragmentierungsindex sank nach Synbiotikum von 32,4 ± 6,1 auf 16,8 ± 4,2 Prozent [s11]. *Morea 1991 [s264]* (*[Infertility caused by subclinical infection of the male genital system. Evaluation of the effectiveness of norfloxacin]*, Infertilität durch subklinische Infektion des männlichen Genitalsystems. Bewertung der Wirksamkeit von Norfloxacin; italienisch, Minerva Urologica e Nefrologica): Der Abstract berichtet für Norfloxacin Heilung der Infektion und eine statistisch signifikante Zunahme der Spermienbeweglichkeit ohne Nebenwirkungen, ohne Zahlen [s264]. Die Arbeiten von Grande und Fabiani betreffen vor allem die Erregerbeseitigung und die Darmflora, nicht die Spermienqualität unter Antibiotika.

### 8. Einordnung der Beobachtungsstudien

#### 8.1 Was sich nach Wirkstoffgruppen sagen lässt

**Nitrofurantoin.** In den abgerufenen Beobachtungsstudien gibt es keine Studie mit Samenparametern unter Nitrofurantoin als Hauptfragestellung. Zwei ältere russischsprachige Quellen berichten negative Wirkungen auf Hodenfunktion beziehungsweise auf Spermienzahl, Beweglichkeit und Testosteron (Nitrofurantoin und Furazidin) [s286, s229], beide ohne Kontrollgruppe und mit der behandelten Erkrankung als Störfaktor. Mikrobiologische Studien zeigen Nitrofurantoin als Mittel mit niedriger Resistenz bei Erregern der Prostatitis (95,2 Prozent Aktivität in [s151], niedrige Resistenz bei Enterococcus faecalis und Escherichia coli in [s77]); sie sagen nichts über Spermien. Die Übersichten sprechen von minimalen Humandaten [s150].

**Metronidazol.** Humanbeobachtungen: Besserung der Samenwerte bei 25 Männern mit Trichomonadenbefall nach einem Metronidazol-Kurs [s269] und anhaltende Störung der Samenparameter nach Metronidazol in einer Serie mit 20 Antibiotika [s229]; Resistenz bei einigen im Sperma nachgewiesenen Anaerobiern [s36]. Die beiden Humanbefunde sind weder in der Population noch in der Fragestellung vergleichbar und widersprechen sich nicht im strengen Sinn.

**Tetrazykline.** Doxycyclin war in mehreren Beobachtungsstudien mit besseren Samenwerten nach Beseitigung einer Ureaplasma-Infektion verbunden [s38, s117, s153] (zur Eradikationsrate [s129]); Antibiotika in Kombination mit Doxycyclin senkten den DNA-Fragmentierungsindex [s22]; für niedrige Leukozytospermie war Doxycyclin mit höherer Schwangerschaftsrate bei unveränderten Samenwerten verbunden [s192]. Dagegen steht die Serie mit anhaltender Störung unter Doxycyclin bei Männern ohne Genitalinfektion als Behandlungsgrund [s229], die Assoziation von Doxycyclin im Urin mit niedrigerer Beweglichkeit und Konzentration in Hefei [s43] und die positive Assoziation von Tetracyclin im Urin mit Beweglichkeit in Nigeria [s41]. Tetracyclin hatte in der alten Serie von Junda und Kuschniruk keinen signifikanten Effekt auf die Spermienzahl [s286]. Mit den vorliegenden Daten lässt sich nicht entscheiden, ob Doxycyclin die Spermien schädigt oder bei Infektion hilft; beide Aussagen gelten für unterschiedliche Populationen und stützen sich auf Designs, die keine Kausalität zeigen.

**Fluorchinolone und Makrolide.** Meist Therapiestudien bei Infektion oder Leukozytospermie mit gemischten Befunden: Besserung der Beweglichkeit und Morphologie unter Levofloxacin (unkontrollierte Serie) [s170], Besserung bei Ansprechen in einer Serie von 110 Männern [s163], keine Besserung von Samenparametern bei Leukozytospermie in einer prospektiven Vergleichsstudie [s202]. Fluorchinolone zeigen in großen chinesischen Datensätzen hohe Resistenz gegen Ureaplasma [s156, s164, s215, s118]; Azithromycin versagte bei Mycoplasma genitalium häufig [s114] und bei Ureaplasma in 50 Prozent [s129]. Erythromycin und Doxycyclin im Urin gingen in Hefei mit schlechteren Samenwerten einher [s43].

**Antimykotika.** Die einzige Humanbeobachtung ist die Einzelfalluntersuchung zu Griseofulvin und Spermienchromosomen [s214]; zu Ketoconazol und Fluconazol gibt es in den Beobachtungsstudien nichts.

**Antimalariamittel.** Es gibt keine Beobachtungsstudie mit Spermienparametern unter Antimalariamitteln außer der kleinen COVID-19-Auswertung, in der Hydroxychloroquin zusammen mit Favipiravir ohne erkennbare Wirkung blieb [s102]; die dänische Registerstudie betrifft Geburtsausgänge [s116].

**Antiretrovirale Mittel.** Efavirenz war in zwei Kohorten mit Dysmotilität verbunden [s165, s152]; unter Dolutegravir-basierter Therapie stieg die Beweglichkeit bei 11 Männern, die DNA-Fragmentierung ebenfalls [s84].

**Sulfasalazin.** Eine kleine Beobachtungsstudie zur Spermienkopfgröße [s280] ergänzt die Metaanalysen.

#### 8.2 Methodische Grenzen, die für alle Beobachtungsstudien gelten

Erstens fehlt in fast allen Behandlungsstudien eine unbehandelte Vergleichsgruppe; wo sie vorhanden ist, handelt es sich um historische Kontrollen [s192] oder um Gruppen nach Therapieerfolg [s250, s241, s163]. Zweitens beruhen viele Besserungen auf Vorher-Nachher-Vergleichen bei Männern mit extremen Ausgangswerten, bei denen eine Wiederholungsmessung auch ohne Behandlung im Mittel besser ausfällt (Regression zur Mitte); Beispiele sind die Auswahl hoher DNA-Schädigung über 30 Prozent [s199] und die Beschränkung der Auswertung auf Männer mit Eradikation [s38, s117]. Drittens sind Antibiotikum, Dosis, Dauer und Erreger häufig nicht oder nur im Abstract-Ausschnitt genannt; Kombinationstherapien (Antibiotikum mit Entzündungshemmer [s22], Dreifachtherapie [s172], Antibiotika mit Probiotika, Kortikosteroiden und Antioxidantien in der Kohorte von Grande [s29]) lassen eine Zuordnung zum Antibiotikum nicht zu. Viertens sind die Fallzahlen in den Studien mit Behandlungsarm oft sehr klein (7 behandelte Männer [s133], 13 bis 14 Männer [s199, s282], 22 [s172], 11 [s84]). Fünftens enthalten die meisten Abstracts keine Konfidenzintervalle und häufig keine p-Werte; Konfidenzintervalle stehen nur bei Hamada [s192], bei Li [s114] und bei El-Garem [s172]. Sechstens stammen Befunde zu Resistenz und Erregerspektrum überwiegend aus Laborkollektiven und lassen sich nicht auf andere Regionen übertragen, wie die gegensätzliche Rangfolge von Tetrazyklinen, Josamycin und Erythromycin in Changsha, Nanjing und Tai'an zeigt [s156, s164, s118]. Siebtens fehlen Daten zu Dosis-Wirkungs-Beziehungen beim Menschen vollständig.

#### 8.3 Gesamtbild

Die Beobachtungsstudien am Menschen zeigen: (a) Infektionen und Entzündungen des männlichen Genitaltrakts gehen in vielen, überwiegend großen Datensätzen mit schlechteren Samenparametern einher, wobei Zusammenhang und Richtung offen sind [s06, s156, s94, s95, s139, s188, s198, s117]; (b) nach antibiotischer Beseitigung von Erregern berichten viele, überwiegend kleine und unkontrollierte Studien bessere Beweglichkeit, Konzentration oder geringere DNA-Fragmentierung [s38, s117, s133, s207, s17, s22, s199, s241, s170], einzelne Studien finden keine Besserung der Samenwerte [s202, s192, s147]; (c) ein Schwangerschaftsvorteil wird in wenigen Beobachtungsstudien berichtet [s192, s250, s207], in einer Studie ist von möglichem Schaden die Rede [s249]; (d) ein Schaden durch ein Antibiotikum selbst ist beim Menschen nur in drei Quellengruppen angedeutet: in der russischen Serie [s229, s286], in den Urinbiomonitoring-Studien [s43, s41] und, für eine Antiinfektiva-Gruppe außerhalb der klassischen Antibiotika, in den Efavirenz-Kohorten [s165, s152]; alle drei Gruppen sind querschnittlich oder ohne Kontrolle; (e) für Antimykotika und Antimalariamittel gibt es beim Menschen praktisch keine Beobachtungsdaten zu Spermien [s214, s102]; (f) für Nitrofurantoin und Metronidazol gibt es nur die beiden russischen Beobachtungen und die Trichomonaden-Studie [s229, s286, s269].

Dieses Bild ist kein Beleg für eine Unbedenklichkeit und kein Beleg für Schädlichkeit. Es zeigt, dass die Beobachtungsliteratur die Fragen, die die Gesamtstudie stellt, mit den abgerufenen Mitteln nicht beantworten kann. Die Befundlage beruht überwiegend auf Abstracts; der Volltext wurde nur in Einzelfällen gelesen. Zahlenangaben, die in den Abstracts fehlerhaft oder unplausibel erscheinen, wurden benannt und nicht ausgewertet (Branigan [s250], Li [s114], Okonofua [s41], Pochernikow 2021 [s109]).

## Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

### Wie dieses Kapitel gelesen werden soll

Die Literatur zu Antiinfektiva und Spermienqualität besteht aus mehreren Blöcken, die sich nicht gegenseitig belegen. Wer sie vermischt, kommt zu falschen Schlüssen. Das Kapitel trennt deshalb vier Fragen. Erstens: Verbessert ein Antibiotikum die Spermienqualität, wenn es eine Infektion oder Entzündung der männlichen Geschlechtswege behandelt? Zweitens: Beeinträchtigt ein Antiinfektivum die Spermienbildung oder die Spermienfunktion, wenn es aus anderem Anlass gegeben wird oder in der Umwelt vorkommt? Drittens: Was zeigen Tierversuche und Zellmodelle, und wie weit tragen sie? Viertens: Was sagen Leitlinien und Übersichtsarbeiten dazu?

Alle Zahlen stammen aus den Abstracts der in der Quellenliste geführten Arbeiten oder, bei der EAU-Leitlinie und der AUA/ASRM-Leitlinie, aus dem abgerufenen Webtext. Volltexte wurden im Allgemeinen nicht ausgewertet. Wo ein Abstract keine Zahlen nennt, steht das ausdrücklich da. Eine Therapieempfehlung enthält das Kapitel nicht; Leitlinieninhalte werden wiedergegeben, nicht bewertet. Zitiert wird mit den Kennungen der Gesamtstudie, zum Beispiel [s07].

Vorab die Lage in einem Satz je Block. Beim Menschen gibt es kleine, überwiegend unkontrollierte Behandlungsstudien mit uneinheitlichem Ergebnis, zwei kleine randomisierte Studien mit negativem Ergebnis für Spermienparameter [s225, s253], keine Metaanalyse und keine Cochrane-Übersicht zur Frage, ob Antibiotika bei männlicher Subfertilität die Spermienqualität oder die Schwangerschaftsrate verbessern. Beim Menschen gut belegte Beeinträchtigungen durch ein Arzneimittel dieser Gruppen betreffen nicht klassische Antibiotika, sondern Sulfasalazin und die Androgensynthese-Hemmung durch Ketoconazol. Die große Masse der Schadensbefunde stammt aus Tierversuchen mit hohen Dosen und aus In-vitro-Versuchen.

### Leitlinien und Positionspapiere

**EAU-Leitlinie zu Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Infertility (Webfassung, abgerufen am 5. Oktober 2026) [s07].** Die Leitlinie ist der inhaltlich konkreteste Text zur Frage. Sie fasst die Evidenz zu Infektionen der Adnexdrüsen in mehreren Aussagen zusammen, jeweils mit Evidenzgrad:

- Infektionen der Adnexdrüsen sind nicht eindeutig mit einer beeinträchtigten natürlichen Konzeption verbunden (Evidenzgrad 3).
- Eine antibiotische Behandlung beseitigt häufig nur die Erreger, ohne Wirkung auf die entzündlichen Veränderungen und ohne Umkehr funktioneller oder anatomischer Defizite (Evidenzgrad 2a).
- Obwohl Antibiotika die Spermienqualität verbessern können, erhöht die Behandlung nicht die Wahrscheinlichkeit einer Konzeption (Evidenzgrad 2a).
- Die Datenlage reicht nicht aus, um zu beurteilen, ob Antibiotika und Antioxidantien bei Leukozytospermie die Fertilität verbessern (Evidenzgrad 3).

Die Leitlinie definiert Leukozytospermie als mehr als 10^6 Leukozyten je ml. Sie sei „not necessarily associated“ mit bakteriellen oder viralen Infektionen und kein verlässlicher Indikator für eine Infektion; es gebe keinen Beleg, dass die Behandlung einer Leukozytospermie allein, ohne nachgewiesene Erreger, die Konzeptionsrate verbessere. Asymptomatische Chlamydien und Mycoplasma hominis im Samen könnten mit eingeschränkter Spermienqualität einhergehen, die sich nach antibiotischer Behandlung erhole; weitere Forschung sei nötig. Nur die antibiotische Therapie der chronisch bakteriellen Prostatitis (NIH-Kategorie II) habe Symptome, Erregerbeseitigung und Entzündungsmarker verbessert. Die als „schwach“ eingestufte Empfehlung der Leitlinie lautet, Adnexdrüseninfektionen zu behandeln, weil dies die Spermienqualität verbessern kann, die Konzeptionswahrscheinlichkeit aber nicht notwendigerweise.

Die Leitlinie zitiert außerdem zwei Metaanalysen. Eine Metaanalyse von Fall-Kontroll-Studien zur Leukozytospermie fand ohne Symptome keine Minderung der Fertilität nach assistierter Reproduktion und keine veränderte Samenqualität. Eine zweite Metaanalyse fand für Ureaplasma urealyticum im Samen einen Zusammenhang mit männlicher Infertilität (Odds Ratio 3,03; 95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 8,99), für Mycoplasma hominis dagegen keinen signifikanten (Odds Ratio 2,8; 0,93 bis 3,64) [s07]. Der Punktschätzer von Mycoplasma hominis liegt nahe bei dem von Ureaplasma; der Unterschied liegt allein in der Breite des Konfidenzintervalls, nicht im Punktwert. Zu Ketoconazol, Nitrofurantoin oder Sulfasalazin enthält der abgerufene Text keine Aussage. Er nennt gonadotoxische Medikamente (anabole Mittel, Chemotherapeutika) in der Anamnese.

**AUA/ASRM-Leitlinie (Webtext, Teile I und II) [s105] und Aktualisierung 2024 [s51].** Der abgerufene Volltext enthält keine Aussagen zu Sulfasalazin, Nitrofurantoin, Ketoconazol, Tetrazyklinen, Metronidazol, Antimykotika oder Antimalariamitteln. Er verlangt, bei vermehrten Rundzellen (über 1 Million je ml) Leukozyten (Pyospermie) von Keimzellen zu unterscheiden und bei Pyospermie auf Infektion zu untersuchen (als „Clinical Principle“ eingestuft). Der Text hält fest, dass chronische bakterielle Prostatitis lange Antibiotikakuren erfordern könne, dass einige Fälle erhöhter Leukozyten auf einer nichtbakteriellen chronischen Prostatitis beruhen und dass Entzündung mit Entzündungshemmern behandelt werden könne. Die Aktualisierung 2024 stützt sich nach dem Abstract auf 22 Studien aus 4093 neu gesichteten Abstracts und betrifft Y-Chromosom-Mikrodeletionen, Magnetresonanztomographie und testikuläre Spermien, nicht Antiinfektiva [s51].

**WHO-Leitlinie 2025 und ihre Kommentierung [s01, s10], Australien 2025 [s34].** Der Leitlinienvergleich [s01] (WHO 2025 gegen AUA/ASRM, EAU, ESHRE, NICE) und die Übersicht zur WHO-Leitlinie [s10] nennen sexuell übertragbare Infektionen, Antioxidantien und Varikozele als Themen; konkrete Aussagen zu den hier behandelten Wirkstoffgruppen stehen in den Abstracts nicht. Die australische Leitlinie [s34] nennt im Abstract keine Antiinfektiva.

**Britische Leitlinie zur Epididymoorchitis (BASHH 2020) [s100].** Als empirische Erstbehandlung der sexuell erworbenen Form nennt die Leitlinie Ceftriaxon 1 g intramuskulär mit Doxycyclin, bei nichtgonokokkenbedingter Form Ofloxacin oder Doxycyclin, bei Mycoplasma genitalium Moxifloxacin. Die Spermienqualität wird im Abstract nicht behandelt. Das ist eine Beschreibung des Leitlinieninhalts, keine Empfehlung dieses Kapitels.

**Rheumatologische Leitlinien [s24].** Chin und Mitarbeiter 2025 werteten 18 Leitlinien aus; nur 6 (33 Prozent) enthielten Aussagen zur männlichen Fertilität. Das betrifft vorwiegend Antirheumatika; für die hier behandelten Antiinfektiva ist es nur insofern von Bedeutung, als Hydroxychloroquin und Sulfasalazin darunter fallen können.

**Lücke: deutsche Leitlinie.** Das AWMF-Leitlinienregister war bei der Recherche nur als leere Rahmenseite abrufbar. Es lässt sich daher weder sagen, dass eine einschlägige deutsche Leitlinie existiert, noch dass keine existiert. Dasselbe gilt für die Leitlinien der ESHRE, von denen nur eine Übersichtsseite ohne Inhalt abgerufen werden konnte, und für Positionspapiere der Società Italiana di Andrologia.

### Cochrane-Übersicht und Metaanalysen

**Páez-Canro und Mitarbeiter 2019, Cochrane-Übersicht zu Antibiotika bei urogenitaler Chlamydieninfektion [s128].** Die Übersicht umfasst 14 randomisierte Studien mit 2715 Teilnehmenden (2147 Männer, 568 Frauen), die mittlere Nachbeobachtung betrug 29,7 Tage. Zielgröße ist das mikrobiologische Versagen, nicht die Spermienqualität. Ergebnisse bei Männern: Azithromycin als Einzeldosis gegen Doxycyclin über 7 Tage führte häufiger zum mikrobiologischen Versagen (Risikoverhältnis 2,45; 95-%-Konfidenzintervall 1,36 bis 4,41; 9 Studien, 821 Teilnehmer; Qualität der Evidenz moderat). Das klinische Versagen blieb unsicher (0,94; 0,43 bis 2,05; 3 Studien, 525 Teilnehmer; niedrige Qualität), die unerwünschten Wirkungen unterschieden sich bei Männern kaum (0,83; 0,67 bis 1,02; 6 Studien, 1424 Teilnehmer). Bei Frauen war das mikrobiologische Versagen unsicher (1,71; 0,48 bis 6,16; 5 Studien, 338 Teilnehmerinnen). Über beide Geschlechter hatte Azithromycin wahrscheinlich weniger unerwünschte Wirkungen (0,83; 0,71 bis 0,98; 9 Studien, 2261 Teilnehmende). Doxycyclin gegen Ofloxacin bei Männern ergab ein unsicheres mikrobiologisches Versagen (8,53; 0,43 bis 167,38; 2 Studien, 80 Teilnehmer). Die Übersicht misst keine Spermienparameter. Sie ist für dieses Kapitel nur insofern wichtig, als sie zeigt, dass der Erfolg einer Chlamydienbehandlung von der Wirkstoffwahl abhängt, und dass ein Spermienbefund nach Behandlung ohne Kenntnis des mikrobiologischen Erfolgs schwer zu deuten ist.

**Eine Metaanalyse, die Antibiotika bei männlicher Subfertilität auf Spermienparameter oder Schwangerschaft prüft, wurde nicht gefunden.** Das gilt für die englische ebenso wie für die übrigen durchsuchten Literaturen. Im Cochrane-Register fand die Suche in den NCBI-Schnittstellen nur die Chlamydien-Übersicht und Übersichten zu Antioxidantien, nicht aber eine Übersicht zu Antibiotika bei männlicher Subfertilität.

**Banerjee und Mitarbeiter 2019, Metaanalyse zu Sulfasalazin bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen [s123].** Sie umfasst 14 Studien mit 327 Patienten und 110 Tieren aus den Jahren 1964 bis 2015. Mit Sulfasalazin Behandelte hatten niedrigere Spermienzahl, geringere Beweglichkeit und ein höheres Risiko für Oligospermie als mit Mesalazin Behandelte. Biologika erschienen sicher; Azathioprin verursachte Oligospermie, eine metaanalytische Auswertung war wegen Heterogenität nicht möglich. Es ist die einzige Metaanalyse im Themenfeld, die ein Mittel mit einer Sulfonamid-Teilstruktur betrifft.

**Gubatan und Mitarbeiter 2023, Metaanalyse zu Biologika, Thiopurinen und Methotrexat [s73].** Zehn Studien zu Samenparametern (268 Patienten) und 16 Studien zu Schwangerschaftsausgängen (über 25.000 Patienten); Biologika, Thiopurine oder Methotrexat waren nicht mit niedrigerer Spermienzahl, Motilität oder abnormer Morphologie verbunden. Die Odds Ratios für frühen Schwangerschaftsverlust, Frühgeburt und Fehlbildungen lagen für Biologika bei 1,26, 1,10 und 1,03; Konfidenzintervalle nennt der Abstract nicht. Sulfasalazin war nicht Gegenstand dieser Metaanalyse.

**Wang und Mitarbeiter 2026, Umbrella-Review [s19].** Ausgewertet wurden 43 Übersichten aus Metaanalysen mit 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen für Samenparameter. Nach GRADE waren 136 (54,6 Prozent) sehr niedrig, 59 (23,7 Prozent) niedrig und 54 (21,7 Prozent) moderat eingestuft. Chronische Prostatitis und Leukozytospermie erhöhten das Risiko abnormer Samenparameter; unter den Arzneimitteln werden Sulfasalazin, Mesalazin und selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer mit verminderter Samenqualität verbunden. Antibiotika, Antimykotika und Antimalariamittel erscheinen im Abstract nicht als eigene Faktoren. Das bedeutet nicht, dass es dazu keine Befunde gäbe, sondern dass keine Metaanalyse vorlag, die in den Umbrella-Review aufgenommen werden konnte.

### Übersichtsarbeiten zu Antiinfektiva und Samenqualität

**Drobnis und Nangia 2017 [s150].** Das Buchkapitel hält fest, Antibiotika stünden lange im Verdacht, zur männlichen Infertilität beizutragen, es gebe aber erstaunlich wenige Daten. Schwierig sei die Auswertung, weil die behandelten Krankheiten selbst die Reproduktion beeinträchtigten. Antiparasitika seien als Klasse für eukaryotische Zellen toxisch; beim Menschen sei nur Niridazol belegt, mit reversiblem Spermatogenesestillstand bei 20 Männern mit Schistosomiasis. Ketoconazol senke bei Männern vorübergehend das Testosteron, Daten zu Samenqualität oder Fertilität fehlten. Für Nitrofurantoin, Ciprofloxacin, Ofloxacin und Sulfamethoxazol gebe es minimale Humandaten zu verminderter Samenqualität. Das Kapitel fordert gut geplante klinische Studien.

**Khaki 2015, systematische Übersicht zu Aminoglykosiden und Fluorchinolonen [s166].** Eingeschlossen waren randomisierte Studien von 2000 bis 2013 (englisch und persisch). Die Spermienvitalität sank signifikant unter Streptomycin, Gentamicin und Neomycin (p-Wert im Abstract abgeschnitten). Streptomycin wirke weniger schädlich auf Apoptose und Spermienparameter, Gentamicin stärker schädlich; Fluorchinolone zeigten negative Wirkungen auf Hodengewebe und Spermienparameter; Ciprofloxacin habe bei künstlicher Besamung weniger Nebenwirkungen als Gentamicin. Die Zahl der eingeschlossenen Studien nennt der Abstract nicht. Nach der Zweitangabe in einer russischen Übersicht [s119] sank die Gesamtspermienzahl signifikant nach Ofloxacin, Gentamicin, Streptomycin und Neomycin (p < 0,022), der Hodenumfang nach Ofloxacin und Gentamicin (p < 0,011); die Originaltabellen wurden nicht geprüft. Die Einschlussstudien sind überwiegend Tier- und In-vitro-Arbeiten, sodass die Übersicht keine Aussage über Männer unter Therapie trägt.

**Jebli und Mitarbeiter 2026, aktualisierte systematische Übersicht zu häufigen Medikamenten [s14].** Von 16.310 Treffern wurden 184 Studien (2016 bis 2025) nach PRISMA 2020 eingeschlossen. Als schädlich werden im Abstract genannt: Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide, Sertralin, Tramadol, GnRH-Analoga und Sartane (aus der Übersicht von 2017) sowie neu Duloxetin, Thiopurine, Dutasterid, Valganciclovir, Efavirenz, Valproat und Hydroxyharnstoff. Von den Antiinfektiva und verwandten Mitteln werden damit nur Sulfasalazin (Sulfonamid-Salicylat, zugleich Darmtherapeutikum), Valganciclovir und Efavirenz genannt; klassische Antibiotika, Antimykotika und Antimalariamittel nicht.

**Semet und Mitarbeiter 2017 [s154].** Die Vorgängerübersicht französischer Autoren nennt bei Arzneimitteln mit sehr guter oder guter Evidenz Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide, Tramadol, GnRH-Analoga und Sartane; Sulfasalazin, Azathioprin, Mycophenolat und Methotrexat könnten die Spermienparameter möglicherweise unumkehrbar beeinträchtigen, dann solle Sperma kryokonserviert werden. Nach der Wiedergabe in [s119] senkte Nitrofurantoin in den dort ausgewerteten Studien Spermienzahl und Beweglichkeit, hohe Dosen blockierten die Spermatogenese vollständig; Erythromycin verminderte in vitro die Zahl lebender Spermien und ihre Beweglichkeit (nach Absetzen normalisiert); Gentamicin, Neomycin und Streptomycin senkten Beweglichkeit, Zahl und Anteil normal geformter Spermien; Penicillin und Tetrazykline verschlechterten die Parameter mäßig. Die Evidenz sei in den ausgewerteten Studien niedrig (Stufe 3 oder 4) gewesen.

**Millsop 2013 [s180] und Zakhem 2019 [s132].** Millsop und Mitarbeiter fassten dermatologische Medikamente zusammen: Methotrexat und Finasterid führten zu Oligospermie; Ketoconazol habe negative Wirkungen auf Beweglichkeit und Testosteron; Einzelfallberichte und wenige Studien zeigten negative Wirkungen von Tetrazyklinen, Erythromycin, Chloroquin, Glukokortikoiden, Spironolacton und Antihistaminika. Zakhem und Mitarbeiter fanden 19 Studien aus 1032 Treffern für 13 Medikamente; bei 6 zeigte sich ein negativer Effekt nach väterlicher Exposition. Die Substanzen sind im Abstract nicht einzeln genannt.

**Schill und Przybilla 1985 (deutsch) [s276].** Der Übersichtsartikel nennt Antibiotika neben Zytostatika, Immunsuppressiva und Psychopharmaka unter den antispermatogenen Mitteln und führt eine Hemmung der Beweglichkeit durch Antibiotika, Anthelminthika und Betablocker an. Zahlen enthält der Abstract nicht.

**Antirheumatika und Hydroxychloroquin [s127, s111, s74].** Mouyis und Mitarbeiter 2019 werteten 84 Arbeiten mit über 611 männlichen Expositionen und über 5986 Schwangerschaften aus; außer Cyclophosphamid und Sulfasalazin ergab sich kein sicherer Hinweis auf Schaden, auch nicht durch Hydroxychloroquin [s127]. Bermas 2020: Sulfasalazin könne eine reversible Azoospermie verursachen; bei verzögerter Konzeption solle es drei Monate ausgesetzt und das Sperma kontrolliert werden; Hydroxychloroquin sei mit väterlicher Exposition vereinbar [s111]. Ibarra Barrueta 2023 (spanische Zeitschrift): Die meisten Mittel seien mit väterlicher Exposition verträglich, außer Sulfasalazin, Mycophenolat und Leflunomid, für die ein Absetzen vor der Konzeption empfohlen werde [s74]. Auch hier wird eine Empfehlung der jeweiligen Autoren wiedergegeben, keine des Kapitels.

**Darm- und Arzneimittelübersichten zu Sulfasalazin [s162, s112, s168].** Shin und Okada 2016: Sulfasalazin senke reversibel die männliche Fertilität; keine anderen Darmmedikamente beeinflussten sie wesentlich. Hammami und Mahadevan 2020: ebenso. Sands 2015: Über die Hälfte der männlichen Patienten mit Darmerkrankung habe einen gewissen Grad an Infertilität gegenüber 8 bis 17 Prozent der Allgemeinbevölkerung; Medikamente könnten Zahl, Beweglichkeit und Morphologie beeinträchtigen.

**Antibiotika als Umweltfaktor und endokrine Disruptoren [s55].** Hou und Mitarbeiter 2024 legen eine narrative Übersicht vor, im Abstract ohne Methodik und Zahlen. Sie behandelt Antibiotika als endokrine Disruptoren, Expositionswege (Tierhaltung, Lebensmittel, Wasser), schädliche Wirkungen und Mechanismen einzelner Klassen und mögliche Schutzstoffe aus Lebensmitteln. Die Gruppe ist dieselbe wie bei den Ciprofloxacin- und Enrofloxacin-Versuchen [s90, s32]; die Übersicht ordnet daher teilweise eigene Arbeiten ein und argumentiert aus der Perspektive der Umwelt- und Lebensmittelexposition, nicht der klinischen Anwendung.

**Antimalariamittel [s05, s120].** Die Scoping-Übersicht von Chatterjee 2026 (englischsprachige Arbeiten 2013 bis 2024) fasst zusammen, Malaria sei mit verminderter Samenqualität, Oligozoospermie und Nekrozoospermie verbunden, und Antimalariamittel (Chloroquin, Chinin, Quinacrin, Pyrimethamin) verursachten männliche Infertilität [s05]. Studienzahlen nennt der Abstract nicht; die Übersicht trennt die Wirkung der Krankheit und der Medikamente nicht quantitativ. Adewole und Attah 2019 sammeln pflanzliche Antimalariamittel mit männlichen antifertilen Effekten (weniger Spermienqualität, veränderte Hormone, Lipidperoxidation) [s120].

**Übersichten zu Infektion, Leukozytospermie und Behandlung.**

- Henkel 2024 [s54]: Leukozytospermie kommt bei 30 Prozent der infertilen und bis zu 20 Prozent der fertilen Männer vor; als Grenzwert gilt 1 Million peroxidasepositive Zellen/ml; Bakteriospermie wird in mehreren Studien ab 1000 Kolonie-bildenden Einheiten/ml angenommen. Antibiotika seien Mittel der Wahl bei behandelbaren Infektionen, aber „no specific strategy is available“ für die Leukozytospermie.
- Dutta, Bocu und Agarwal 2025 [s27]: Leukozytospermie über 1 × 10^6 Leukozyten/ml; als Behandlungsoptionen werden Antibiotika, Entzündungshemmer und assistierte Reproduktion genannt, abgestimmt auf die Ursache. Genannt werden Akrosomschäden, Veränderungen von Mittelstück und Flagellum, oxidativer Stress und DNA-Schäden. Zahlen zur Antibiotikawirkung auf Spermien stehen im Abstract nicht.
- Brunner und Mitarbeiter 2019 [s124]: Leitlinien zur Leukozytospermie widersprächen sich; manche sähen keinen Zusammenhang mit Infertilität, andere Besserung durch Behandlung einschließlich der Schwangerschaftsrate; die Autoren verlangen Studien mit Konzeption als Endpunkt.
- Rivero und Mitarbeiter 2023 [s81]: Studien zu Entzündungshemmern oder Antibiotika zeigten Besserung der Spermienwerte und der Leukozytospermie, Daten zu Konzeptionsraten fehlten; Antibiotika sollten ohne Symptome oder mikrobiologische Infektion nicht verwendet werden.
- Zhou und Mitarbeiter 2024 [s64]: Doxycyclin bleibe Mittel der ersten Wahl bei Ureaplasmeninfektion; Ureaplasma seien „keine unschuldigen Zuschauer“.
- Haidl 2008 [s208]: Positive Wirkungen entzündungshemmender oder antibiotischer Behandlung seien berichtet, kontrollierte prospektive Studien fehlten.
- Ďuračka und Mitarbeiter 2023 [s68]: Die Antibiotikaresistenz zwinge zu Alternativen bei der Entfernung von Bakterien aus Samenproben.
- Jung und Mitarbeiter 2016, Korea, systematische Übersicht zur Behandlung der Leukozytospermie [s157]: Antibiotika könnten Spermienparameter, die Auflösungsrate der Leukozytospermie, die bakteriologische Heilungsrate und sogar die Schwangerschaftsrate verbessern, einige Berichte widersprächen jedoch; für Antioxidantien gebe es Hinweise auf Nutzen für die Spermienfunktion aus In-vitro-Studien; die Daten reichten nicht, um zu entscheiden, ob Antibiotika oder Antioxidantien bei Leukozytospermie wirksam seien. Die Zahl der eingeschlossenen Studien und Effektmaße nennt der Abstract nicht.
- Deutsche Übersichten: Pilatz 2016 [s160] nennt für 6 bis 10 Prozent der Männer in der andrologischen Abklärung eine infektiöse Ursache. Ludwig 2001 [s235]: Beim Prostatitissyndrom sei nur die antimikrobielle Therapie als ausreichend beschriebene Option; die Ergebnisse zur Samenqualität seien widersprüchlich. Spornraft-Ragaller 2018 [s143]: uneinheitliches Bild bei sexuell übertragbaren Infektionen, Hinweise auf negative Wirkung von Mykoplasmen und Ureaplasmen in großen asiatischen Kollektiven.
- Französische Übersichten: Saint 2023 [s82] wertete 189 Artikel (englischsprachig, bis Mai 2023) aus: Infektionen verminderten die Fertilität, vor allem durch Veränderung der Spermiogramm-Parameter und erhöhte DNA-Fragmentierung. Boitrelle 2012 [s185]: Bakteriospermie und Infektion der Adnexdrüsen seien zu unterscheiden; Schwellenwerte, ab denen behandelt werden müsse, seien nach Literatur, Mikrobiologiegesellschaft und Praxis festgelegt. Lemkecher 2005 [s221]: Leukozytospermie über 10^6/ml bei 20 Prozent der Fälle männlicher Infertilität; es werde reaktive Sauerstoffspezies gebildet, bei In-vitro-Behandlungen solle behandelt werden.
- Spanische und italienische Übersichten: Vives Suñé 2026 [s18]: Genitaltraktinfektionen seien für 15 Prozent der Fälle männlicher Infertilität verantwortlich; Antibiotika könnten die Spermienqualität verbessern und DNA-Fragmentierung senken, es gebe aber keinen Beleg, dass sie die Wahrscheinlichkeit natürlicher Konzeption erhöhten. Mantovani 1993 (italienisch) [s257]: Therapieversagen seien häufig, die Wahl des Antibiotikums mit passender Pharmakokinetik für Erreger und Gewebe sei entscheidend.
- Russische Übersichten [s119, s171, s65, s47]: Kadyrov, Akramov und Aldyrakov 2020 [s119] stellen fest, viele experimentelle Studien zeigten dosisabhängig negative Wirkungen bestimmter Antibiotika auf die Spermatogenese, die Evidenz sei niedrig, der negative Antibiotikaeffekt sei vom Effekt der behandelten Krankheit schwer zu trennen und Versuche an gesunden Männern seien aus ethischen Gründen unwahrscheinlich; nach Absetzen würden die Ejakulatparameter meist wieder normal, zur Erholungszeit der Spermatogenese gebe es zu wenig Daten. Die Übersicht ist eine narrative Zusammenstellung ohne systematische Suchstrategie, die meisten Zahlen sind Zweitangaben. Strygin, Nesmiyanov und Tolkachev 2015 [s171] tragen programmatisch „Positive Einflüsse von Doxycyclin“ zusammen; die Gewichtung ist einseitig, ungünstige Befunde zu Doxycyclin werden genannt, aber als nicht übertragbar bewertet. Vedenyapin 2024 [s65] stellt den Einfluss bakterieller Urogenitalinfektionen auf den DNA-Fragmentierungsindex dar. Ibragimov 2025 [s47] fasst 38 Publikationen zur Leukospermie zusammen (10 bis 20 Prozent der infertilen Männer) und nennt als offene Frage, ob Leukospermie die Ergebnisse assistierter Reproduktion beeinflusst.

Zusammenfassend sind die Übersichten sich in drei Punkten einig: Die Evidenz ist niedrig, Krankheit und Arzneimittel sind kaum zu trennen, kontrollierte Studien mit Konzeption als Endpunkt fehlen. Uneinig sind sie darin, ob Antibiotika bei asymptomatischer Leukozytospermie eingesetzt werden sollten; die Spanne reicht von „Mittel der Wahl bei behandelbaren Infektionen“ [s54] bis „ohne Symptome oder mikrobiologische Infektion nicht verwenden“ [s81].

### Randomisierte und kontrollierte Studien am Menschen: Antibiotika bei Infektion und Leukozytospermie

Die folgenden Arbeiten prüfen Antibiotika als Behandlung. Die Ausgangsfrage ist die Rückbildung einer Entzündung oder Infektion, die Spermienqualität ist Zielgröße oder Nebenbefund. Sie sagen deshalb nichts darüber, ob dasselbe Mittel bei einem gesunden Mann die Spermien verändern würde. Die Studien sind alle klein; der Abstract nennt häufig keine Effektgrößen.

**Krisp und Mitarbeiter 2003, Marburg: Levofloxacin bei asymptomatischer Leukozytospermie [s225].** Prospektive randomisierte kontrollierte Studie an 36 infertilen Männern mit Leukozytospermie (mehr als 1 Million Leukozyten pro ml) ohne Symptome einer Genitalinfektion. Gruppe 1 erhielt 10 Tage lang 250 mg Levofloxacin täglich, Gruppe 2 keine Therapie; Kontrolle des Samens nach 2 Wochen. Die Leukozytenzahl fiel in der Behandlungsgruppe im Mittel um 45,8 ± 72,2 Prozent, in der unbehandelten Gruppe um 3 ± 109,2 Prozent. Der Unterschied war nicht signifikant, ebenso wenig die Unterschiede bei Leukozytenzahl, Spermienzahl und weiteren Spermienparametern. Die Autoren schließen, Antibiotika brächten bei asymptomatischer Leukozytospermie keinen Nutzen. Stärke: Randomisierung. Schwächen: sehr kleine Stichprobe, sehr breite Streuung (in der Kontrollgruppe ist die Standardabweichung mehr als 36-mal so groß wie der Mittelwert), Nachbeobachtung nur 2 Wochen, keine Schwangerschaftsrate.

**Merino und Carranza-Lira 1995: zwei Antibiotika gegen Placebo [s253].** 60 Männer mit positiver Samenkultur, drei Gruppen: 160 mg Trimethoprim plus 800 mg Sulfamethoxazol zweimal täglich, 250 mg Ciprofloxacin zweimal täglich oder Placebo. Zwischen Antibiotikabehandlung und Placebo gab es keinen Unterschied der Spermienqualität; die Funktion der akzessorischen Drüsen war verändert. Der Abstract nennt keine Zahlen. Stärke: Placebokontrolle. Schwäche: Abstract ohne Effektgrößen, kleine Gruppen.

**Carranza-Lira und Mitarbeiter 1998: Asthenozoospermie mit Hinweisen auf Infektion [s242].** 13 Männer, zufällig auf Ciprofloxacin (250 mg alle 12 Stunden über 14 Tage, n = 7) oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol (160/800 mg alle 12 Stunden über 14 Tage, n = 6) aufgeteilt; die Partnerinnen wurden mitbehandelt. Der Anteil morphologisch normaler Spermien sank in der Ciprofloxacin-Gruppe signifikant; Spermien mit Motilität Grad III nahmen in der Trimethoprim/Sulfamethoxazol-Gruppe zu, ohne statistische Signifikanz. Die Autoren sprechen von vorläufigen Ergebnissen. Es ist eine der wenigen Humanarbeiten, in der unter Antibiotikagabe ein Spermienparameter (Morphologie) in die ungünstige Richtung ging; bei 13 Männern ohne Placebo lässt sich daraus kein Schaden ableiten.

**Branigan und Muller 1994: Leukozytospermie bei Prostatitis [s256].** Prospektive randomisierte Studie an 102 Männern mit Leukozytospermie im Samenausstrich und im exprimierten Prostatasekret, vier Gruppen: keine Behandlung, nur Antibiotika, nur häufige Ejakulation, Antibiotika plus häufige Ejakulation. Zielgröße war das Verschwinden der Leukozytospermie. Nach einem Monat war die Leukozytospermie in allen Behandlungsgruppen deutlich besser als ohne Behandlung; nach 2 und 3 Monaten hielt der Effekt nur bei Antibiotika plus häufiger Ejakulation an. Die Zielgröße ist kein Fertilitätsmaß; Zahlen nennt der Abstract nicht.

**Yamamoto und Mitarbeiter 1995, Nagoya: Trimethoprim-Sulfamethoxazol mit und ohne häufiges Ejakulieren [s254].** Randomisierte kontrollierte Studie mit drei Gruppen. Aus 263 gescreenten Männern erfüllten 48 beide Einschlusskriterien: mehr als 1 Million Leukozyten je ml Sperma und mehr als 10 Leukozyten je Gesichtsfeld im exprimierten Prostatasekret. Gruppe 1 erhielt keine Behandlung; Gruppe 2 Trimethoprim 80 mg plus Sulfamethoxazol 400 mg zweimal täglich über einen Monat; Gruppe 3 dasselbe Antibiotikum plus die Anweisung, mindestens alle drei Tage zu ejakulieren. Die Leukozytospermie war nach einem Monat bei 76 Prozent (Gruppe 3), 56 Prozent (Gruppe 2) und 6,7 Prozent (Gruppe 1) aufgelöst; die Raten in den Gruppen 2 und 3 lagen signifikant über der von Gruppe 1 (p < 0,05). Der Abstract bricht nach 250 Wörtern ab; Ergebnisse zu Spermienkonzentration, Beweglichkeit, Morphologie oder Schwangerschaften sind nicht abrufbar. Endpunkt ist ein Laborwert, nicht die Fruchtbarkeit; der Anteil des Antibiotikums und des Ejakulationsregimes in Gruppe 3 ist nicht trennbar.

**Yanushpolsky und Mitarbeiter 1995, Boston: Doxycyclin gegen Trimethoprim-Sulfamethoxazol gegen keine Therapie [s255].** Von 1710 männlichen Partnern infertiler Paare, über 30 Monate auf Leukozytospermie (mehr als 10^6 Granulozyten je ml) untersucht, hatten 119 beim ersten Besuch eine; 54 stimmten der Randomisierung zu, 41 beendeten die Studie. Gruppe I (n = 13) erhielt Doxycyclin 100 mg zweimal täglich über 14 Tage, Gruppe II (n = 11) Trimethoprim 160 mg plus Sulfamethoxazol 800 mg zweimal täglich über 14 Tage, Gruppe III (n = 17) keine Therapie; die Partnerinnen wurden mitbehandelt. Vier Wochen später führte keines der Schemata zu einer signifikant höheren Auflösungsrate als die Kontrolle. Die Autoren sehen eine hohe spontane Auflösungsrate nach einem einmalig positiven Test. Die Studie widerspricht [s254] im Endpunkt „Auflösung der Leukozytospermie“; beide haben sehr kleine Gruppen.

**Erel und Mitarbeiter 1997, Istanbul: Doxycyclin, auch mit Ceftriaxon, gegen Placebo [s246].** Randomisierte, placebokontrollierte Studie an 70 Männern mit asymptomatischer Leukozytospermie (Leukozyten per Peroxidase-Test). Gruppe I (n = 24) erhielt Placebo, Gruppe II (n = 25) Doxycyclin 100 mg zweimal täglich über 10 Tage, Gruppe III (n = 21) Doxycyclin plus Ceftriaxon 1 g in zwei Dosen an einem Tag. Nach der Behandlung sanken die Leukozytenzahlen in den Gruppen II und III signifikant gegenüber Gruppe I (p < 0,05); beide Schemata waren gleich wirksam. Die Zeit bis zur Auflösung der Leukozytospermie (etwa 4 Wochen) war jedoch in Kontroll- und Behandlungsgruppen ähnlich, und keines der beiden Schemata brachte die Leukozytenzahl unter die Grenze von 1 Million je ml. Die Autoren halten es für zweifelhaft, dass eine Antibiotikatherapie bei asymptomatischen Männern mit Leukozytospermie empfohlen werden sollte. Der Abstract nennt keine Spermienkonzentration, Beweglichkeit oder Schwangerschaftsrate.

**Malallah und Zissis 1992, Kuwait: Minocyclin [s258].** Randomisierte klinische Studie an 25 infertilen Männern mit mindestens 5 Eiterzellen je Gesichtsfeld (1000-fache Vergrößerung) im Samen. Minocyclin 200 mg täglich über eine (Gruppe A) oder zwei Wochen (Gruppe B). Nach der Behandlung nahmen die Eiterzellen signifikant ab, Spermienzahl und bewegliche Spermien signifikant zu (Wilcoxon-Test für gepaarte Stichproben, p < 0,01); zwischen den Gruppen gab es keinen signifikanten Unterschied (Mann-Whitney-U-Test). Toxizität wurde nicht berichtet. „Randomisiert“ bezieht sich nur auf die Behandlungsdauer, ein Placebo- oder Nullarm fehlt; Zahlenwerte stehen nicht im Abstract.

**Mićić 1988: Antibiotika mit und ohne Kallikrein [s273].** 120 Männer mit Oligoasthenozoospermie und Genitalinfektion erhielten 8 bis 12 Wochen Antibiotika, 64 zusätzlich Kallikrein (600 Einheiten täglich über 3 Monate). In beiden Gruppen stiegen Spermienzahl, Anteil beweglicher und Anteil normal geformter Spermien. Mit Kallikrein waren Beweglichkeit und Anteil normaler Formen stärker verbessert; die Schwangerschaftsrate lag bei 32 Prozent mit Kallikrein und 17 Prozent ohne. Ein Placebo- oder Nullarm fehlt, deshalb sagt die Studie über Antibiotika allein wenig.

**Cai und Mitarbeiter 2012: Prulifloxacin bei Chlamydieninfektion [s186].** Prospektive randomisierte kontrollierte Studie an 206 Männern mit nachgewiesener Chlamydia-trachomatis-Infektion und Oligoasthenoteratozoospermie. Alle erhielten 14 Tage lang 600 mg Prulifloxacin täglich; Gruppe B (n = 97) bekam zusätzlich sechs Monate ein Nahrungsergänzungsmittel (L-Arginin, L-Carnitin, Acetyl-L-Carnitin, Ginseng), Gruppe A (n = 109) nur das Antibiotikum. Nach sechs Monaten lagen Spermienkonzentration (21,3 gegenüber 11,5 Millionen/ml) und Anteil beweglicher Spermien (42,4 gegenüber 29,3 Prozent) in Gruppe B höher (Cohen d 0,61 und 1,52, jeweils p < 0,001). Die Studie vergleicht nicht Antibiotikum gegen kein Antibiotikum. Sie zeigt, dass nach Antibiotikatherapie die Spermienwerte bei alleiniger Gabe niedriger blieben; der Abstract erklärt das damit, dass die Eradikation der Chlamydien nicht immer zur Erholung der Samenqualität führe.

**Gao und Mitarbeiter 2013, Guangzhou: Qilin-Pillen plus Levofloxacin [s177].** Randomisierte kontrollierte Studie an 80 Männern mit Asthenozoospermie und Infektion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen. Gruppe 1 erhielt Qilin-Pillen (ein pflanzliches Kombinationspräparat der traditionellen chinesischen Medizin) 6 g dreimal täglich über 30 Tage plus Levofloxacin 0,5 g einmal täglich über 20 Tage, Gruppe 2 nur Levofloxacin im selben Schema. Die Wirksamkeitsrate für die progressive Beweglichkeit betrug 60 Prozent gegen 17,5 Prozent (p < 0,05); bei den peroxidasepositiven Leukozyten waren es 87,5 und 82,5 Prozent ohne signifikanten Unterschied. Die Studie war auf den Zusatzeffekt des Pflanzenpräparats ausgelegt. Im Levofloxacin-Arm besserte sich die progressive Beweglichkeit nur bei 17,5 Prozent, die Leukozytenzahl bei 82,5 Prozent; ein unbehandelter Arm fehlt, die Definition der „Wirksamkeitsrate“ steht nicht im Abstract.

**Gamidov und Mitarbeiter 2023, Russland: Superlymph gegen Doxycyclin [s72].** Randomisierte, nicht verblindete Studie an 60 Männern aus infertilen Paaren mit Infektion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen, die sich auf assistierte Reproduktion vorbereiteten. Hauptgruppe (n = 30): Superlymph (Zytokin- und antimikrobieller Peptidkomplex) als Zäpfchen zweimal täglich über 20 Tage. Kontrollgruppe (n = 30): Doxycyclin 100 mg zweimal täglich über 28 Tage; untersucht am Tag 33 ± 3, ausgewertet wurden 53 Patienten (28 und 25). In beiden Gruppen sank der Gehalt an freien Sauerstoffradikalen im Ejakulat (p = 0,031), in der Hauptgruppe stärker; bei den übrigen Samenparametern gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Die bakteriologische Eradikation lag bei 57,1 Prozent in der Hauptgruppe gegen 88 Prozent unter Doxycyclin (p = 0,016). Unter Superlymph sanken DNA-Fragmentierungsindex und Leukozytenkonzentration signifikant; unter Doxycyclin stiegen das Ejakulatvolumen, und es sanken der Anteil IgG-beladener Spermien und die Leukozytenkonzentration.

**Kogan und Mitarbeiter 2022, Rostow am Don: Fluorchinolone mit und ohne Cephalosporine oder Makrolide bei chronischer bakterieller Prostatitis [s93].** Prospektive, randomisierte Beobachtungsstudie mit 60 Männern (20 bis 45 Jahre). Gruppe I (n = 30): Fluorchinolone; Gruppe II (n = 30): Fluorchinolone plus Cephalosporine oder Makrolide, jeweils einen Monat. Nach 3 Monaten war der klinische Effekt in beiden Gruppen positiv, aber nur in Gruppe II signifikant (p < 0,05) für den NIH-Symptomindex, die Leukozyturie, das Prostatavolumen, den maximalen Harnfluss und die „verringerte Pathospermie“. Nach 6 Monaten sanken in Gruppe II Escherichia coli und Enterococcus signifikant; in Gruppe I änderten sich Aerobier kaum, Anaerobier nahmen signifikant zu. Die Spermienqualität ist nur ein Nebenendpunkt ohne Zahlen im Abstract.

**Pochernikov und Mitarbeiter 2015, Russland: E.-coli-Lysat gegen Fluorchinolone bei asymptomatischer Bakteriospermie [s167].** Nach einem dreimonatigen Kurs eines E.-coli-Lysats (OM-89) wurde E. coli bei 98 Prozent eradiziert, bei 66 Prozent wuchs kein Mikroorganismus mehr im Ejakulat. Nach 3 bis 4 Wochen Fluorchinolonen blieb E. coli bei 15,2 Prozent in signifikantem Titer, bei 5,7 Prozent in nicht signifikantem Titer, und nur bei 19 Prozent fehlte jedes mikrobielle Wachstum. Unter OM-89 stieg die Spermienkonzentration deutlicher an, und es gab mehr spontane Schwangerschaften; die „Take-Home-Baby“-Rate betrug 21 Prozent (OM-89) gegen 7 Prozent (Fluorchinolone). Fallzahl und Teststatistik nennt der Abstract nicht; ob randomisiert wurde, ist unklar. Wegen fehlender Statistik ist der Befund mit Vorsicht zu lesen; er belegt vor allem, dass die reine Antibiotikatherapie bei Bakteriospermie in dieser Serie weder zuverlässig steril machte noch ein hohes Schwangerschaftsergebnis brachte.

**Hamada und Mitarbeiter 2011, Cleveland: Doxycyclin bei niedriger Leukozytospermie [s192].** Retrospektive Studie an Männern mit niedriger Leukozytospermie (0,2 bis 1,0 × 10^6 Leukozyten je ml). Von 223 durchgesehenen Patienten erfüllten 61 das Kriterium; 27 (vor 2006) waren historische Kontrollen, 34 erhielten empirisch Doxycyclin. Die Spermaparameter änderten sich nicht signifikant. Die niedrige Leukozytospermie bildete sich in der Therapiegruppe in 56 Prozent zurück, gegenüber 25 Prozent spontan bei den historischen Kontrollen; die natürliche Schwangerschaftsrate lag bei 15 von 32 (47 Prozent) gegenüber 5 von 25 (20 Prozent); Odds Ratio für Schwangerschaft 3,7 (95-%-Konfidenzintervall 1,1 bis 11,7; p = 0,04). Es ist die einzige Studie dieser Gruppe mit signifikant höherer Schwangerschaftsrate; sie ist retrospektiv, mit historischen Kontrollen, und bezieht sich auf eine niedrige Leukozytenzahl.

**Yaşar und Mitarbeiter 2009, Türkei: Antibiotika bei Leukozytospermie [s202].** Von Januar 2006 bis Dezember 2008 wurden 121 Männer einer Infertilitätsambulanz untersucht: 71 mit Leukozytospermie (Gruppe 1), 50 ohne (Gruppe 2). Gruppe 1 erhielt 4 bis 6 Wochen Antibiotika. Vor der Behandlung bestand kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen bei Volumen, Spermienzahl und Beweglichkeit (p > 0,05). In der behandelten Gruppe fand sich vor und nach der Therapie keine signifikante Veränderung dieser Parameter; für die Leukozytenzahl nennt der Abstract p = 0,043 ohne Erläuterung. Das Fazit: Die Behandlung der asymptomatischen Leukozytospermie mit Antibiotika bessert Spermienparameter und Schwangerschaftsrate nicht. Antibiotikum und Dosis sind im Abstract nicht genannt, ein Hinweis auf Randomisierung fehlt.

**Überblick über die kontrollierten Studien.** Bei der Zielgröße „Leukozytenzahl“ stehen Studien mit günstigem Befund [s254, s256, s246] neben solchen ohne Unterschied zur Kontrolle [s255, s225]; in [s246] sank die Zahl zwar, die Auflösung der Leukozytospermie blieb aber aus. Bei der Zielgröße „Spermienparameter“ sind die beiden Studien mit Placebo- oder Nullarm, die Spermienparameter berichten, negativ [s225, s253]; positive Spermienbefunde stammen aus Studien ohne unbehandelten Arm [s258, s273, s186]. Schwangerschaftsraten als Endpunkt liefern nur [s273, s192, s167], keine davon als Randomisierung gegen unbehandelt. Die höhere Schwangerschaftsrate unter Doxycyclin bei niedriger Leukozytospermie [s192] steht neben der EAU-Aussage, dass die Behandlung die Konzeptionswahrscheinlichkeit nicht erhöht [s07]; beides bezieht sich auf unterschiedliche Datengrundlagen (eine retrospektive Studie gegenüber der Gesamtlage).

### Kohorten, Vorher-Nachher-Studien und Fallserien mit Antibiotikabehandlung

Diese Studien haben keine gleichzeitige unbehandelte Kontrollgruppe. Eine Besserung nach Behandlung kann die Rückbildung der Entzündung, eine Regression zur Mitte (extreme Ausgangswerte fallen bei Wiederholung oft näher an den Durchschnitt), den Spontanverlauf oder Zufall abbilden.

**Vicari 2000, Italien: intermittierende antimikrobielle Therapie bei Adnexdrüseninfektion [s239].** 122 Patienten mit bakterieller Infektion (mehr als 100.000 Kolonie-bildende Einheiten pro ml), nach Ultraschall eingeteilt in Prostatitis (n = 52), Prostatovesikulitis (n = 32) und Prostatovesikuloepididymitis (n = 38). Je Gruppe erhielt eine Untergruppe Ofloxacin oder Doxycyclin an 14 aufeinanderfolgenden Tagen pro Monat über drei Monate (Prostatitis n = 40, Prostatovesikulitis n = 20, Prostatovesikuloepididymitis n = 25), die übrigen blieben unbehandelt (n = 12, 12, 13). Die Partnerinnen wurden mitbehandelt. Die bakteriologische Heilungsrate nach dem dritten Zyklus war bei Prostatitis am höchsten (92,5 Prozent), bei Prostatovesikulitis 70,4 Prozent, bei Prostatovesikuloepididymitis 52,0 Prozent. Drei Monate nach Therapieende waren einige Spermienparameter, die Zahl der Leukozyten im Samen und die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies bei Prostatitis und Prostatovesikulitis verbessert, bei Nebenhodenbeteiligung nicht (außer dem Anteil aufgerollter Flagellen). Die spontane Schwangerschaftsrate lag bei 40 Prozent. Stärke: unbehandelte Vergleichsgruppen und Stratifizierung nach Infektionsort. Schwächen: keine Randomisierung, kleine Vergleichsgruppen, Mitbehandlung der Partnerinnen.

**Vicari und Mitarbeiter 2016: Levofloxacin bei chronischer bakterieller Prostatitis [s163].** 110 infertile Patienten mit chronischer bakterieller Prostatitis (Samenkultur mit 100.000 oder mehr Kolonie-bildenden Einheiten pro ml, Erreger oder Chlamydien im exprimierten Prostatasekret) erhielten an 14 Tagen pro Monat über 3 Monate 500 mg Levofloxacin täglich; 37 fertile Männer dienten als Kontrolle. Bei Eradikation (Responder) stiegen die progressive Motilität, und sanken Leukozytenzahl, Viskosität des Samens, Verflüssigungszeit, Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, Tumornekrosefaktor alpha und Interleukin 6; die Werte unterschieden sich dann nicht von den fertilen Kontrollen. Bei schlechten Respondern verschlechterten sich alle Größen. Die Eradikationsrate lag bei etwa 71 Prozent, bei rund 29 Prozent bestand schlechtes Ansprechen. Schwäche: kein unbehandelter Arm; die Einteilung nach Therapieerfolg verzerrt den Vergleich. Die Studie kann nicht entscheiden, ob die Verschlechterung bei den schlechten Respondern der unbehandelten Infektion oder der Therapie zuzuschreiben ist.

**Lindhof und Homey 2025: Ureaplasma parvum und Doxycyclin [s38].** Retrospektive Kohorte aus 3464 Samenproben zur Fertilitätsabklärung; Ureaplasma parvum fand sich per multiplex-PCR bei 12,4 Prozent. Infizierte Männer hatten ein signifikant niedrigeres Samenvolumen; Konzentration, Motilität, Morphologie und Entzündungsmarker unterschieden sich nicht. Bei 124 Männern mit dokumentierter Eradikation und Folgeuntersuchung stieg unter Doxycyclin die Spermienkonzentration von 4,01 ± 4,69 auf 9,20 ± 15,63 Millionen/ml (p = 0,01) und die Motilität von 18,97 ± 16,04 auf 29,66 ± 22,18 Prozent (p = 0,002); die peroxidasepositiven Leukozyten fielen von 1,84 ± 0,74 auf 0,68 ± 0,79 Millionen/ml (p = 0,005). Bei Männern mit normalen Ausgangswerten änderte sich nichts. Retrospektiv, kein Kontrollarm, Regression zur Mitte bei schlechten Ausgangswerten; die Autoren folgern selbst, der bloße Nachweis rechtfertige keine Routinebehandlung.

**Zhang und Mitarbeiter 2020, Guilin: Ureaplasma urealyticum bei asymptomatischer Leukozytospermie [s117].** Von 1530 infertilen Männern hatten 295 eine asymptomatische Leukozytospermie, bei 95 davon wurde Ureaplasma urealyticum nachgewiesen; 81 erhielten Doxycyclin über 7 oder 14 Tage, bei 70 wurde die Infektion geheilt. Spermienkonzentration, progressive Motilität und normale Morphologie waren bei Leukozytospermie vermindert, bei Ureaplasma-positiver Leukozytospermie noch deutlicher; progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und normale Morphologie waren bei Ureaplasma-positiver gegenüber -negativer Leukozytospermie signifikant niedriger (alle p < 0,001). Die Heilungsrate betrug 84,62 Prozent im 7-Tage-Schema und 89,66 Prozent im 14-Tage-Schema (p = 0,738). Bei den Geheilten stiegen einen Monat nach Heilung Spermienkonzentration (p = 0,001), progressive Beweglichkeit (p = 0,022), Gesamtbeweglichkeit (p = 0,004) und normale Morphologie (p = 0,008). Ein Vorher-Nachher-Vergleich ohne gleichzeitige Kontrollgruppe, ausgewertet nur für die 70 Geheilten (mögliche Selektion); Schwangerschaften wurden nicht berichtet.

**Novak und Mitarbeiter 2026 (Preprint, nicht begutachtet): Antibiotika bei asymptomatischen Urogenitalinfektionen [s17].** Retrospektive monozentrische Studie an 265 Paaren mit asymptomatischer Infektion (Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium oder Chlamydia trachomatis) bei mindestens einem Partner, gleichzeitige Behandlung beider. Gepaarte Samenanalyse und Apoptosetest vor und 0 bis 9 Monate nach Therapie. Spermienkonzentration, Gesamtzahl, Gesamt- und progressive Motilität und Anteil lebender Spermien stiegen signifikant, der Anteil spät apoptotischer oder nekrotischer Spermien und die berechnete DNA-Fragmentierung sanken signifikant (p-Werte im Abstract abgeschnitten). Die Autoren bezeichnen die Befunde selbst als hypothesenerzeugend.

**Ahmadi und Mitarbeiter 2018: Chlamydia trachomatis [s133].** 165 infertile Männer mit abnormen Samenparametern gegen 165 gesunde fertile Männer. Chlamydien fanden sich bei 4,2 Prozent der infertilen gegen 0,6 Prozent der fertilen Männer. Infizierte Männer erhielten Antibiotika; einen Monat nach Therapieende hatten sich die meisten Samenparameter gebessert und den Normalbereich erreicht, die antioxidative Kapazität war erhöht, die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies gesunken. Bei 3 von 7 Partnerinnen (42,9 Prozent) trat vier Monate nach Therapieende eine Schwangerschaft ein. Nur sieben Männer wurden behandelt, ein Kontrollarm fehlt.

**Gallegos und Mitarbeiter 2008: DNA-Fragmentierung bei Chlamydien- und Mykoplasmeninfektion [s207].** Prospektive Studie an 143 Männern mit urogenitaler Infektion durch Chlamydia trachomatis und Mykoplasmen und 50 fertilen Kontrollen; die Antibiotikawirkung wurde bei 95 Männern ausgewertet. Der mittlere Anteil von Spermien mit fragmentierter DNA betrug 35,2 ± 13,5 Prozent, das 3,2-Fache der Kontrollen (10,8 ± 5,6 Prozent). Nach 3,8 ± 2,2 Monaten Antibiotikatherapie fiel der Anteil von 37,7 ± 13,6 auf 24,2 ± 11,2 Prozent; Konzentration und Motilität besserten sich nicht signifikant. Von 16 Paaren, die während der Therapie schwanger werden wollten, wurden 12,5 Prozent schwanger, von 14 Paaren, die nach Therapieende versuchten, 85,7 Prozent. Der Vergleich ist beobachtend, nicht randomisiert und betrifft kleine Gruppen; ein Vergleich zeitlich unterschiedlicher Beobachtungsfenster ist kein kontrollierter Befund.

**Moskovtsev und Mitarbeiter 2009: ursachenspezifische Behandlung bei hoher DNA-Schädigung [s199].** Retrospektive Studie an Männern mit Spermien-DNA-Schädigung über 30 Prozent. Bei 13 von 14 Männern (93 Prozent) mit Bakteriospermie verbesserte sich der DNA-Fragmentierungsindex nach Antibiotika (50,4 ± 19,1 gegenüber 38,6 ± 18,7 Prozent, p < 0,001). Zum Vergleich senkten Antioxidantien den Index bei 30 von 61 Männern (49 Prozent), die chirurgische Varikozelenbehandlung bei 7 von 9 (78 Prozent). Kleine Gruppe, keine Kontrolle.

**Adel Domínguez und Mitarbeiter 2025: Ciprofloxacin, Doxycyclin und Meloxicam [s22].** 98 infertile Männer, zwei Samenproben vor und mindestens zwei Monate nach Behandlung (täglich 1000 mg Ciprofloxacin über 21 Tage und 100 mg Doxycyclin über 10 Tage, dazu 15 mg Meloxicam über 10 Tage). Nach der Behandlung stiegen pH, Spermienzahl, Gesamtkonzentration und Anteil normaler Formen signifikant; Volumen und progressive Motilität änderten sich nicht. Der mittlere Fragmentierungsindex fiel von 28,24 ± 2,39 auf 16,2 ± 7,1 Prozent. Da Antibiotika und ein Entzündungshemmer kombiniert wurden und eine Kontrolle fehlt, lässt sich der Beitrag der Antibiotika nicht trennen.

**Pajovic und Mitarbeiter 2017: Doxycyclin bei steriler Leukozytospermie von Rauchern [s153].** 80 infertile Raucher mit steriler Leukozytospermie und früherer sexuell übertragbarer Infektion: 40 erhielten zwei Wochen Doxycyclin (100 mg zweimal täglich), 40 hörten nur mit dem Rauchen auf; eine Kontrollgruppe von 20 Männern mit chronischer abakterieller Prostatitis (CPPS IIIa) erhielt dasselbe Antibiotikum. Die Doxycyclingruppe hatte zwei Wochen nach der Behandlung signifikant höhere Werte für Volumen, Gesamt- und progressive Motilität als die Rauchstoppgruppe; die beiden Motilitätswerte blieben über 12 Wochen bestehen. Der Abstract nennt weder Verblindung noch Randomisierung.

**Branigan, Spadoni und Muller 1995: Leukozytospermie bei ungeklärter Paarinfertilität [s250].** Prospektive Kohortenstudie; von 53 Männern mit Leukozytospermie sprachen 36 auf Antibiotika an (die Leukozytospermie verschwand); in diesen 36 Paaren wurden 19 Frauen (53 Prozent) innerhalb von sechs Monaten schwanger. Für die Nicht-Responder gibt der Abstract „7 von 17 (6 Prozent)“ an; 7 von 17 wären rechnerisch 41 Prozent, die Angabe ist offenbar fehlerhaft und wird hier nicht ausgewertet. Die Vergleichsgruppen sind nach Therapieerfolg gebildet.

**Cardoso und Mitarbeiter 1998, Argentinien: bakteriologische Heilung bei asymptomatischen infertilen Männern [s241].** Fallserie an 29 Männern; häufigster Erreger Enterococcus faecalis. Die bakteriologische Heilung gelang in 24 Fällen und ging mit besserer Spermienkonzentration, Vitalität und Gesamtzahl beweglicher Spermien einher; bei den 5 ohne Heilung änderte sich die Samenanalyse nicht. Bei 45 Prozent der Infizierten lagen Granulozyten unter 0,5 Millionen/ml, die Granulozytenzahl taugt demnach schlecht als Infektionsmarker.

**Liversedge und Mitarbeiter 1996: Samenkultur vor IVF [s249].** Retrospektiv wurden die Befunde von 449 Paaren in IVF oder GIFT betrachtet; die Isolationsraten bestimmter Keime stiegen bei längerer Transportzeit zum Labor (Enterokokken 27 gegenüber 15 Prozent; gramnegative Stäbchen 31 gegenüber 12 Prozent bei zwei oder mehr Tagen). In der prospektiven Teilstudie an 100 Paaren, von denen 52 Männer nach positiver Vorkultur antibiotisch behandelt worden waren, minderten Bakterien im Samen weder die Befruchtungsraten noch infizierten sie das Kultursystem. Gramnegative Stäbchen in der Scheide waren bei Partnern der behandelten Männer häufiger (15 von 52 gegenüber 5 von 48; 29 gegenüber 10 Prozent, p < 0,05). Die Autoren halten Screening und Behandlung asymptomatischer Männer vor IVF für unnötig und möglicherweise schädlich.

**Gopalkrishnan und Mitarbeiter 1990: Trichomonas vaginalis im Samen [s269].** Von 1131 untersuchten Männern hatten 50 (4,42 Prozent) Trichomonaden im Nativpräparat. Viskosität und Debris waren erhöht, Motilität und normale Formen verringert (jeweils p < 0,001). Bei 25 Männern verbesserten sich die Samenwerte nach einem Behandlungskurs mit Metronidazol (400 mg dreimal täglich über 10 Tage). Kein Placebo, die Auswahl der Behandelten ist unklar. Es ist die einzige abgerufene Humanstudie mit Metronidazol als Behandlung und Spermienparametern als Ergebnis.

**Weitere Behandlungsstudien (kurz).** Magri und Mitarbeiter 2010 behandelten 55 symptomatische Männer mit chronischer Prostatitis und Chlamydiennachweis nach Lokalisation mit Azithromycin allein (3 Tage, 500 mg) oder 4 Wochen Levofloxacin plus Azithromycin; das Verschwinden der Chlamydien ging mit anhaltender Symptombesserung und einem Abfall des PSA einher, Spermienparameter waren nicht Zielgröße [s196]. Grande und Mitarbeiter 2022 sahen bei 104 infertilen Männern mit gramnegativen Keimen unter Fluorchinolonen eine vollständige Eradikation bei 64 von 84 Männern mit Probiotikum (76,2 Prozent) gegenüber 10 von 20 mit Antibiotikum allein (50 Prozent) [s89]. Grande 2025 fand bei 20 Männern mit anhaltender Adnexdrüseninfektion nach Antibiotikatherapie bei 75 Prozent eine Darmdysbiose [s30]. In der einarmigen Pilotstudie von Fabiani 2026 an 33 Paaren sank der Fragmentierungsindex nach einem Synbiotikum von 32,4 ± 6,1 auf 16,8 ± 4,2 Prozent (nach erfolgloser Antibiotikatherapie) [s11]. Grande 2025 berichtet in einer multizentrischen Kohorte von 1014 Paaren spontane Schwangerschaften bei 40,9 Prozent nach gezielter Behandlung, darunter Antibiotika bei Genitaltraktinfektion (43,1 Prozent der Männer ohne Frauenfaktor) [s29]. Morea und Mitarbeiter 1991 (italienisch) berichten für Norfloxacin eine Heilung der Infektion und eine statistisch signifikante Zunahme der Spermienbeweglichkeit ohne Nebenwirkungen, ohne Zahlen im Abstract [s264]. Moreno Pardo und Mitarbeiter 1979 (spanisch) behandelten 22 von 25 Patienten mit Samenbläschen- und Prostatapathologie und positiver Samenkultur bei 16 (76 Prozent) hauptsächlich mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol, teils mit Erythromycin; bei den 13 Patienten mit bekanntem Ergebnis normalisierte sich das Spermiogramm bei 5 (38 Prozent), mit einer Schwangerschaft [s282]. Ludwig und Haselberger 1977 (deutsch) verfolgten 46 Patienten nach akuter einseitiger unspezifischer Nebenhodenentzündung; 8 Tage nach Beginn zeigte sich bei mehr als zwei Dritteln eine Oligoasthenospermie, im Verlauf besserte sich dies, besonders mit örtlicher Infiltration des Samenstrangs mit 1-prozentigem Scandicain (24 Patienten erhielten außer Doxycyclin diese Infiltration); bei etwa 20 Prozent blieb eine so schwere Fertilitätsstörung, dass Sterilität resultierte [s284].

### Behandlungsstudien und Beobachtungen aus Russland, Japan, China, Ägypten und Kuwait

**Vinogradov und Mitarbeiter 2015, Russland: Levofloxacin 750 mg über 15 Tage [s170].** Unkontrollierte Pilotstudie an 34 Paaren, die sich auf IVF/ICSI vorbereiteten, mit Asthenoteratozoospermie und Leukospermie; die Männer waren im Mittel 34,1 ± 5,3 Jahre alt. Sexuell übertragbare Infektionen waren per PCR ausgeschlossen, zwei Samenkulturen blieben ohne Wachstum. Kontrolle 4 Wochen nach Therapieende (Mittelwert ± Standardabweichung, vorher gegenüber nachher): Ejakulatvolumen 2,1 ± 0,5 auf 2,4 ± 1,2 ml, Spermienkonzentration 35,6 ± 17,3 auf 39,1 ± 17,1 × 10^6, Anteil beweglicher Spermien (a+b) 14,1 ± 6,1 auf 21,1 ± 6,3 Prozent (p < 0,001), normale Morphologie 6,2 ± 3,4 auf 7,7 ± 3,6 Prozent (p = 0,005), Leukozyten 3,1 ± 1,1 auf 0,9 ± 0,5 × 10^6 (p < 0,001), reaktive Sauerstoffspezies 4,5 ± 1,5 auf 3,1 ± 1,6 (p < 0,001). Bei 4 Männern (11,7 Prozent) trat leichte Dyspepsie auf. Die Autoren sehen keinen offensichtlichen gametotoxischen Effekt. Keine Kontrollgruppe, keine Verblindung, nur 4 Wochen Nachbeobachtung, keine DNA-Fragmentierung, Konferenzbeitrag.

**Lisakovskaya 2003, Wladiwostok: 20 Antibiotika bei 243 Männern [s229].** Beobachtungsstudie an 243 Männern im Alter von 18 bis 39 Jahren, die wegen nicht schwerer Erkrankungen (unter anderem Pharyngitis, Otitis, Bronchitis, Pyelonephritis, subklinische intrazelluläre Infektionen des Harn- und Genitaltrakts, perioperative Gabe) eine Monotherapie mit einem von 20 Antibiotika erhielten, für 10 bis 30 Tage in mittleren Dosen. Ejakulat und Serumtestosteron wurden dreimal bestimmt: vor der Gabe, 3 Tage nach Absetzen und 3 Monate nach Therapieende. Der Autor teilt die Wirkstoffe in drei Gruppen:

1. Keine Störung von Samenproduktion, Ejakulatqualität und Testosteron: nur Amoxicillin und Azithromycin.
2. Kurzzeitige Störung: Amikacin, Ampicillin, Cefazolin, Cefuroxim, Ciprofloxacin und Roxithromycin führten am Kurende zu signifikant mehr pathologischen Spermienformen und weniger beweglichen Spermien; Furazidin und Nitroxolin senkten zusätzlich den Testosteronspiegel. Nach 3 Monaten waren die Werte wieder auf dem Ausgangsniveau.
3. Anhaltende Störung, am Kurende nachweisbar und nach 3 Monaten noch vorhanden: Metronidazol, Gentamicin, Doxycyclin, Lincomycin, Nitrofurantoin, Pefloxacin, Pipemidsäure, Rifampicin, Cefotaxim und Ceftriaxon; Doxycyclin, Lincomycin, Nitrofurantoin, Rifampicin und Ceftriaxon senkten zusätzlich die Testosteronkonzentration.

Es ist eine der wenigen Humanstudien, die viele Wirkstoffe mit demselben Protokoll untersucht, mit Nachbeobachtung nach 3 Monaten und Hormonbestimmung. Der Autor nennt selbst Grenzen: Der Ausgangswert wurde nur einmal und ohne Abstinenzzeit erhoben, neben systemischen Mitteln wurden Arzneimittel teils lokal angewendet, schädliche Einflüsse zwischen zweitem und drittem Messpunkt (Alkohol, andere Arzneimittel, Berufsrisiken) konnten nicht ausgeschlossen werden. Hinzu kommen aus dem Text: keine Kontrollgruppe ohne Antibiotikum, keine p-Werte, keine Zahlen je Wirkstoff (wie viele Männer je Wirkstoff, ist nicht berichtet), und die zugrunde liegende Erkrankung ist ein Störfaktor. Der Autor leitet daraus Kritik an der Praxis ab, Antibiotika bei jedem Entzündungsprozess oder „zur Vorbeugung“ zu geben. Der Befund steht in Spannung zu [s170] (Levofloxacin ohne Hinweis auf Gametotoxizität), ist aber bei anderen Männern und mit anderem Behandlungsziel erhoben.

**Iunda und Kushniruk 1975, Sowjetunion: Nitrofurane und Neomycin [s286].** Beobachtung an 50 Patienten mit chronischen entzündlichen Erkrankungen des Urogenitalsystems, behandelt mit Neomycin, Streptomycin, Tetracyclin, Furadonin (Nitrofurantoin) und Furagin. Nach dem Abstract hatten die Nitrofurane und Neomycin einen negativen Effekt auf die Hodenfunktion: Spermienzahl pro ml und im gesamten Ejakulat sowie Beweglichkeit sanken. Tetracyclin hatte keinen signifikanten Effekt auf die Spermienzahl, unter Streptomycin zeigte sich eine Tendenz zu einer Zunahme. Zahlen, p-Werte und Fallzahlen je Wirkstoff fehlen. Die Arbeit ist der älteste Beleg im Material und der einzige Humanbeleg speziell zu Nitrofuranen aus diesen Räumen; sie liegt nur als Abstract vor.

**Glozman und Aganov 1990: gonorrhoische Orchiepididymitis [s268].** Bei 48 bis 60 Prozent der Patienten blieb eine Spermatopathie lange nach der Therapie bestehen. Chymotrypsin (2 mg zweimal täglich, 6 bis 10 Tage) zusätzlich zu einem Antibiotikum senkte die Häufigkeit der Spermatogenesestörungen „um 14,3 bis 16,6 Prozent“ gegenüber konventioneller Therapie. Ohne Fallzahlen und Vergleichsgruppen im Abstract ist die Aussagekraft begrenzt; sie zeigt, dass auch unter wirksamer Antibiotikatherapie die Spermatopathie häufig bleibt.

**Kalinina und Tiktinskiy 2010 [s195].** 306 Männer (23 bis 45 Jahre) mit chronischer Prostatitis durch Chlamydien und Ureaplasmen. Spermatogenesestörungen bei 50 Prozent, Samenleiterverschluss bei 35 Patienten (11,4 Prozent). Als Behandlung nennen die Autoren antibakterielle Arzneimittel kombiniert mit Interferonen; die Behandlung der Infertilität solle erst nach Beseitigung der Infektion beginnen. Zahlen zu Behandlungsergebnissen fehlen.

**Belyj 2018: Standardtherapie bei chronischer bakterieller Prostatitis und Pathospermie [s147].** Zwei Gruppen (31 und 37 Männer). Beide erhielten zuerst 4 Wochen Standardtherapie (Antibiotika, α-Blocker, nichtsteroidale Antiphlogistika), danach 4 Wochen Antioxidanzien; die zweite Gruppe zusätzlich ein Prostataextrakt-Zäpfchen. Der Autor schließt, dass die Standardtherapie einschließlich Antibiotika nicht zu einer signifikanten Besserung der Schlüsselparameter des Ejakulats führt; unter Zugabe der Prostatapeptide habe sich der Anteil nicht progressiv beweglicher Spermien halbiert und der Anteil progressiv beweglicher um 60 Prozent erhöht. Ein Wirkstoff ist nicht benannt; p-Werte und Rohdaten fehlen.

**Saito und Mitarbeiter 1992, Tokio: Levofloxacin im Gewebe und bei Nebenhodenentzündung [s260].** Patienten mit Prostatakrebs erhielten 200 mg Levofloxacin zwei Stunden vor der Operation (mittlere Konzentration im Hodengewebe 4,73 µg/g, Gewebe-zu-Serum-Verhältnis im Hoden 1,63). Gesunde erhielten 100 mg dreimal täglich über 13 Tage; die Spermakonzentration betrug 1,19 µg/ml am 7. und 1,32 µg/ml am 13. Tag (Sperma-zu-Serum-Verhältnis 1,12 und 1,26). Der Abstract hält fest: „No affection of LVFX on the sperm was observed“, nennt aber nicht, welche Spermienparameter geprüft wurden. 23 Patienten mit akuter Nebenhodenentzündung erhielten 100 mg zwei- oder dreimal täglich über 14 Tage; die Wirksamkeitsrate lag bei 100 Prozent (20 von 20 auswertbar), ohne Nebenwirkungen. Einarmig, ohne Kontrolle.

**Nagai und Mitarbeiter 1988 und Kataoka 1983, Japan [s274, s278].** Nagai beschreibt 68 Männer mit idiopathischer Infertilität, die vorwiegend eine HMG-HCG-Therapie oder eine Varikozelenligatur erhielten, ergänzt durch Vitamin B12, Kräutermedizin und Antibiotika bei Prostatovesikulitis; der Anteil der Antibiotika am Ergebnis ist nicht trennbar, der Abstract bricht ab [s274]. Kataoka misst die Konzentration antimikrobieller Mittel in männlichen Geschlechtsorganen (Ratten- und Humangewebe): Nalidixinsäure erreichte im Prostatagewebe 21,5 µg/g (etwa das Vierfache des Serumspiegels); Ampicillin im menschlichen Prostatagewebe etwa 8 µg/g (rund 40 Prozent der Blutkonzentration); in Nebenhoden und Hoden der Ratten waren die Konzentrationen niedrig, auch die relativ hohen nur etwa 10 Prozent der Blutkonzentration; Chloramphenicol und Gentamicin erreichten die männlichen Genitalorgane unabhängig vom Weg nur niedrig. Die Autorin deutet dies als Ausdruck der Blut-Hoden-Schranke [s278].

**Omu und Mitarbeiter 1998, Kuwait [s245].** 50 Männer in drei Gruppen: Samenwegsinfektion (n = 20), alleinige Leukozytospermie (n = 18), nachweislich fruchtbare Männer (n = 12). Bei Samenwegsinfektion war die Spermienzahl niedriger (25 gegen 84 Millionen pro ml bei Fruchtbaren). Antioxidative Gesamtaktivität, α-Tocopherol und Retinol waren bei Leukozytospermie und Samenwegsinfektion vermindert; Antispermien-Antikörper, Interleukin 2 und 8 waren stark exprimiert, Interleukin 4 gering. Die Antibiotikatherapie verbesserte die Spermienparameter, die antioxidative Aktivität und Interleukin 4 signifikant und senkte Interleukin 2 und 8; der Titer der Antispermien-Antikörper blieb unverändert. Wirkstoff, Dosis und Zahlenwerte nach Therapie nennt der Abstract nicht, eine unbehandelte Vergleichsgruppe fehlt.

**El-Garem, El-Sawy und Mostafa 2014, Alexandria: Helicobacter-pylori-Antikörper im Seminalplasma [s172].** Von 223 infertilen asthenozoospermischen Männern hatten 22 (9,87 Prozent) Helicobacter-pylori-IgA-Antikörper im Seminalplasma. Diese erhielten Omeprazol 20 mg, Tinidazol 500 mg und Clarithromycin 250 mg jeweils zweimal täglich über 2 Wochen. Nach 3 Monaten war der mittlere IgA-Spiegel von 1,55 ± 0,4 auf 0,52 ± 0,26 gefallen (p = 0,001), begleitet von besserer progressiver und nicht progressiver Beweglichkeit; seminales IgA korrelierte negativ mit progressiver und nicht progressiver Beweglichkeit und normaler Morphologie. Nur 22 behandelte Männer, keine Kontrollgruppe, Dreifachtherapie (die Wirkung ist keinem Wirkstoff zuzuordnen), Beweglichkeitszahlen fehlen im Abstract. Es ist der einzige Beleg im Material zu Tinidazol und Clarithromycin am Menschen.

**Moubasher und Mitarbeiter 2018, Assiut [s140].** Prospektive, kontrollierte, verblindete Studie an 50 Männern mit primärer Infertilität und Oligoasthenoteratozoospermie. Männer mit Leukozytospermie hatten signifikant geringere progressive und Gesamtbeweglichkeit, geringere CASA-Geschwindigkeitsparameter, einen signifikant höheren DNA-Fragmentierungsindex sowie höhere Anteile von Spermien mit Disomie XY und 18; die Veränderungen korrelierten mit der Zahl der peroxidasepositiven Leukozyten. Von den 25 Männern mit Leukozytospermie wurden 23 nach Antibiotikatherapie nachverfolgt; geheilte Männer erzielten signifikant höhere Schwangerschaftsraten als solche mit anhaltender Leukozytospermie. Antibiotikum, Dosis und Zahlen fehlen; „geheilt gegen nicht geheilt“ ist keine Randomisierung und kann durch die Schwere der Entzündung verzerrt sein.

**Chinesische Beobachtungen mit Behandlungsarm [s94, s95, s114].** Liu und Mitarbeiter 2022 [s94]: 198 normale Samenproben gegen 198 Ureaplasma-urealyticum-infizierte; Volumen, Viskosität, Verflüssigungszeit und PMN-Elastase waren in der infizierten Gruppe signifikant höher, pH und progressive Beweglichkeit niedriger; nach Behandlung waren pH und progressive Beweglichkeit höher, die übrigen Größen niedriger. Das Behandlungsschema nennt der Abstract nicht. Eine zweite Studie derselben Gruppe an 340 Proben (104 Ureaplasma-positiv, 30,6 Prozent) fand in der infizierten Gruppe signifikant niedrigere pH-Werte, progressive Beweglichkeit, VCL, VSL und STR (alle p < 0,001) und nach Behandlung höhere pH-, VSL-, LIN-, WOB- und STR-Werte (alle p < 0,001) [s95]; beide Studien sind nicht unabhängig, Behandlungsart und Kontrolle für den Verlauf fehlen. Li und Mitarbeiter 2020 [s114]: Bei Mycoplasma genitalium (Inzidenz 2,49 Prozent, 749 von 30.094 Männern; 95-%-Konfidenzintervall 2,31 bis 2,66) stiegen nach Antibiotikatherapie die mittleren Samenparameter gegenüber vorher; der Abstract belegt dies nur qualitativ, ohne Zahlen, Kontrollgruppe oder Signifikanzprüfung.

### Erreger, Resistenz und Spermienbefund: Beobachtungsstudien als Hintergrund

Diese Arbeiten messen nicht, ob ein Antibiotikum die Spermien verändert. Sie sind für die Frage wichtig, weil sie zeigen, welche Erreger bei infertilen Männern gefunden werden, wie diese mit dem Spermienbefund zusammenhängen und ob ein Mittel den Erreger überhaupt erreicht. Wo ein Antibiotikum den Erreger nicht beseitigt, kann es auch keine Besserung bewirken, die vom Erreger abhängt.

**Ureaplasma und Mycoplasma.** Huang und Mitarbeiter 2016 werteten 19.098 Samenproben infertiler Männer und 3368 Spenderproben aus; die Prävalenz unterschied sich signifikant. Bei Ureaplasma-urealyticum-Nachweis waren progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und normale Formen signifikant niedriger als bei Nicht-Infizierten, bei Mycoplasma hominis nicht; beide Arten waren gegen Doxycyclin und Josamycin empfindlich (Resistenz unter 6 Prozent), aber hoch resistent gegen Ciprofloxacin [s156]. Zhu und Mitarbeiter 2016 fanden bei 7374 Personen in Nanjing 3225 (43,7 Prozent) positiv für Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis oder beides; Tetrazykline und Josamycin waren am wirksamsten, Fluorchinolone hatten die niedrigste Aktivität gegen Ureaplasma urealyticum [s164]. Zhou und Mitarbeiter 2018 (5016 infertile Männer, 412 Kontrollen, Shanghai): Nachweisrate genitaler Mykoplasmen 30 bis 55 Prozent im Zeitraum 2011 bis 2016; semisynthetische Tetrazykline und Makrolide waren gegen Ureaplasma am wirksamsten [s146]. Zhao und Mitarbeiter 2020 (817 Proben, Taian): 320 (39,17 Prozent) Ureaplasma-positiv; Resistenz gegen Levofloxacin 47,5 Prozent, Moxifloxacin 39,38 Prozent, Tetracyclin 19,69 Prozent, Erythromycin 3,75 Prozent; die Autoren schließen, Erythromycin könne erste Wahl sein, was der Rangfolge in [s156] und [s164] widerspricht und die regionale Streuung zeigt [s118]. Veiga und Mitarbeiter 2019 (spanisches Programm für assistierte Reproduktion): 205 Männer, 33 positiv; die Eradikation mit Azithromycin misslang in 50 Prozent, mit Doxycyclin in 10,2 Prozent; von fünf mit Levofloxacin Behandelten gelang sie nur in zwei Fällen [s129]. Lutskiy und Mitarbeiter 2021 (4752 Männer, Russland): Resistenzraten der Ureaplasma-urealyticum-Stämme gegen Erythromycin 88,2 Prozent, Azithromycin 47,0 Prozent, Tetracyclin 41,7 Prozent, Doxycyclin 7,7 Prozent, Josamycin 5,9 Prozent; bei resistenten Stämmen fanden sich häufiger Asthenozoospermie und Teratozoospermie, hoher DNA-Fragmentierungsgrad bei Polyresistenz in 10,03 Prozent gegenüber 5,92 Prozent bei nicht resistenten und 6,16 Prozent bei nur gegen ein Antibiotikum resistenten Stämmen, verminderte Akrosinaktivität bei resistenten Stämmen in 29,71 Prozent und bei polyresistenten in 40,46 Prozent [s108]. Das ist ein Querschnittsbefund; resistente Stämme können länger persistieren.

**Mycoplasma genitalium und Chlamydien.** Li und Mitarbeiter 2020: Behandlungsversagen insgesamt 17,56 Prozent (82 von 467), Azithromycin-Versagen 37,44 Prozent (73 von 195); Makrolidresistenz in 58 von 60 Proben (96,67 Prozent), Tetrazyklinresistenz in 27 von 60 (45,00 Prozent) [s114]. Cui und Mitarbeiter 2026 (retrospektive Kohorte, 131.183 Patienten, Chongqing): Antispermien-Antikörper, Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis, Ureaplasma urealyticum und Mycoplasma genitalium waren mit schlechterer Spermienqualität und höherem Infertilitätsrisiko assoziiert, für Herpes simplex Typ 2 fand sich kein Einfluss; Antibiotika wurden nicht ausgewertet [s06]. Tokuda und Mitarbeiter 1999 fanden bei 83 Männern aus Infertilitätssprechstunden Chlamydien-Antikörper (IgA oder IgG) bei 20 Serumproben (24,1 Prozent) [s240].

**Bakteriospermie.** Yin und Mitarbeiter 2018 (74.376 infertile Männer, Changsha): bakterielle Infektion bei 1,38 Prozent der Proben; die Positivität unterschied sich zwischen normalem Sperma (1,41 Prozent) und Asthenozoospermie (1,55 Prozent) kaum; Escherichia coli 63,59 Prozent der Erreger [s144]. Lin und Lu 2007: 1186 Prostatasekret-Proben infertiler Männer mit chronischer Prostatitis, Gesamtnachweisrate 51,7 Prozent; Ureaplasma urealyticum am höchsten resistent gegen Ciprofloxacin (59,5 Prozent), am niedrigsten gegen Josamycin, Tetracyclin und Fosfomycin (je 1,7 Prozent); Mycoplasma hominis am höchsten gegen Erythromycin (100 Prozent) [s215]. Hannachi 2018 (Tunis): bei 70 Männern mit Bakteriospermie niedrigere Konzentration (p = 0,001) und Motilität (p = 0,049) gegenüber 70 ohne [s139]. La Vignera 2012 (150 Patienten mit Adnexdrüseninfektion): progressive Motilität 11,4 ± 5,0 gegen 34,0 ± 7,0 Prozent bei Kontrollen, DNA-Fragmentierung 8,2 ± 3,0 gegen 1,0 ± 1,0 Prozent [s188]. Marconi 2009 (71 Patienten mit Infektion gegen 40 Gesunde): beeinträchtigte Sekretionsleistung von Nebenhoden, Samenblasen und Prostata, erhöhter Samen-pH [s198]. Mendoza-Rodríguez 2023: bei symptomatischer Bakteriospermie war Enterococcus faecalis der häufigste Erreger (34,89 Prozent), die Chinolonresistenz lag bei E. faecalis bei 11 Prozent und bei E. coli bei 35 Prozent [s77]. Kwaśniewski 2025: In 291 Samenproben dominierte Prevotella (49 Prozent aller Isolate), die meisten Isolate waren gegen Amoxicillin/Clavulansäure empfindlich, resistent gegen Metronidazol waren Peptoniphilus, Veillonella und Propionimicrobium [s36]. Der Preprint [s25] (249 positive Samenkulturen): häufigste Isolate Klebsiella (35,7 Prozent), Enterococcus (26,5 Prozent) und Staphylococcus (14,1 Prozent); die höchste Empfindlichkeit zeigten Nitrofurantoin (36,7 Prozent), Gentamicin (35,2 Prozent) und Amikacin (34,5 Prozent); nicht begutachtet, ohne Fertilitätsendpunkte. Heras-Cañas 2017: Von 60 klinischen Isolaten aus Samenproben hatten Fosfomycin und Nitrofurantoin mit je 95,2 Prozent die höchste Aktivität [s151]. Mashaly 2016 (60 Männer, Mansoura): Bakterien in 20 von 60 Kulturen (33,3 Prozent), Corynebakterien bei 12 von 60; die Beweglichkeit war bei positiver Kultur signifikant geringer, Konzentration und Morphologie nicht [s158]. Weitere Arbeiten prüfen Marker: Huerta 2002 (47 Prozent von 295 infertilen Männern mit Sameninfektion) [s232]; Solís 2000 (kein signifikanter Zusammenhang zwischen Rundzellen und Leukozytospermie, Spearman 0,2705, p = 0,1046) [s238]; Sánchez 2003 (keine Korrelation zwischen peroxidasepositiven Zellen und Elastase, r = 0,2237, p > 0,05) [s227]; Tortolero 2004 (höhere Leukozytenkonzentrationen bei subfertilen Männern, 2,5 ± 2,1 Millionen/ml, und Männern mit Varikozele, 2,3 ± 2,1, als bei fertilen, 1,1 ± 0,1) [s224]. Faniev 2017 (257 infertile Männer, Krasnodar): Bei 108 Männern mit Leukozyten im Ejakulat wuchsen bei 100 insgesamt 214 Mikroorganismen [s155]; Onopko 2013 beschreibt teilresistente Mikroflora bei Männern mit verändertem Spermiogramm [s183]; Pochernikov 2021 (117 Männer mit chronischer Prostatitis, Kategorie IV) fand im Prostatasekret höhere Keimtiter als im Ejakulat und eine geringe Übereinstimmung der Erreger zwischen beiden Medien [s109]; Kuz'min 1998 beschreibt hohe Adhäsionsfähigkeit und Mehrfachresistenz der Stämme aus Ejakulaten infertiler Männer [s244].

### Expositionsstudien am Menschen: Antibiotika und Medikamente als mögliche Ursache

**Okonofua und Mitarbeiter 2025, Nigeria: Antibiotika im Urin und Infertilität [s41].** Prospektive Fall-Kontroll-Studie an 136 infertilen und 154 fertilen Männern aus fünf Krankenhäusern in Südnigeria. Antibiotika im Urin wurden per Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie bestimmt. Drei Antibiotika zeigten in der Regression eine unabhängige Assoziation mit der Spermienqualität: Ampicillin im Urin war bei den infertilen Männern mit einem Abfall der Spermienzahl um mehr als 3 ml (so die Angabe im Abstract) verbunden, Chloramphenicol mit Motilität und Morphologie; für Tetracyclin fand sich dagegen eine Assoziation mit erhöhter Motilität bei infertilen Männern, aber keine bei fertilen. Stärke: objektive Messung statt Selbstauskunft. Schwächen: Querschnittsmessung; der Abstract nennt weder die Indikation der Antibiotika noch Effektgrößen mit Konfidenzintervallen.

**Shen und Mitarbeiter 2025, Hefei: Antibiotika im Urin bei 986 Männern [s43].** Querschnittsstudie; 42 Antibiotika einschließlich zweier Metaboliten wurden im Urin gemessen, vier Samenparameter erhoben, ausgewertet mit verallgemeinerten linearen Modellen und quantilbasierter g-Berechnung für Mischungen. Ausgewählte Antibiotika wurden in 98,9 Prozent der Proben nachgewiesen, am häufigsten Doxycyclin (80,1 Prozent), Erythromycin (74,5 Prozent), Ciprofloxacin (67,1 Prozent) und Florfenicol (65,6 Prozent). Nach Adjustierung waren Erythromycin und Doxycyclin im Urin negativ mit Spermienkonzentration, Gesamt- und progressiver Motilität verbunden; der Effekt auf die Konzentration war bei jüngeren Männern stärker, und die Mischung der Antibiotika war ebenfalls negativ mit den drei Parametern assoziiert. Effektgrößen nennt der Abstract nicht. Eine einzelne Urinprobe bildet die Exposition über die Dauer der Spermatogenese schlecht ab; die Quelle der Substanzen (ärztliche Verordnung, Lebensmittelrückstände, etwa Florfenicol als Tierarzneimittel, oder Umwelt) ist im Abstract nicht getrennt; Verzerrung durch den Behandlungsanlass ist denkbar. Die beiden Studien [s41, s43] widersprechen sich beim Tetracyclin (höhere Motilität in Nigeria, niedrigere mit Doxycyclin in Hefei).

**Horst und Mitarbeiter 2025: Medikation und Samenqualität bei über 7000 Männern [s31].** Retrospektive explorative Querschnittsstudie in einer Kinderwunschklinik; 722 Männer mit Medikation, 6716 ohne. Auf der Ebene einzelner Substanzen fanden sich grenzwertig signifikante Assoziationen (Schwelle p < 0,100) für Metformin, Metoprolol und Lisinopril, die nach Adjustierung für Alter und Abstinenz bestehen blieben. Antibiotika oder Antimykotika werden im Abstract nicht als auffällig genannt. Die Autoren betonen, die Studie sei hypothesenerzeugend; Angaben waren selbstberichtet, Medikation und Grunderkrankung lassen sich nicht trennen.

**McEwen und Mitarbeiter 2024: väterliche Medikamente in den 90 Tagen vor der Konzeption [s61].** US-Versicherungsdaten (2011 bis 2020): Von 4.437.550 Schwangerschaften ließen sich 51,6 Prozent einem Vater zuordnen; 1.413.762 erfüllten die Einschlusskriterien. Häufigste Klassen: Psychopharmaka (8,66 Prozent), Antibiotika (7,21 Prozent) und Analgetika (6,82 Prozent); häufigste Einzelstoffe Amoxicillin (3,75 Prozent) und Azithromycin (3,15 Prozent). Die Arbeit zeigt, wie häufig Antibiotika in der Phase der Spermatogenese verordnet werden, aber keine Wirkung auf Spermien. **Rizzi und Mitarbeiter 2020, Dänemark [s116]:** Registerkohorte; für Azithromycin und Naproxen waren mehr als 1800 Nachkommen exponiert, es fand sich keine Assoziation mit Frühgeburt oder schweren Fehlbildungen; für Chloroquin etwa 900 Nachkommen ohne signifikante Assoziation mit Fehlbildungen; für Hydroxychloroquin weniger als 300. Die Studie betrifft Geburtsausgänge, nicht Spermien.

**Gul und Mitarbeiter 2021, Bursa: Favipiravir und Hydroxychloroquin nach COVID-19 [s102].** Von 49 genesenen Patienten mit Spermiogramm vor der Pandemie wurden 29 geeignete Männer mindestens 3 Monate nach Genesung erneut untersucht (4,52 ± 1,36 Monate nach der Genesung; Alter 31,21 ± 5,48 Jahre). 17 Männer erhielten Favipiravir plus Hydroxychloroquin, 12 Favipiravir allein. FSH, LH, Gesamttestosteron, Prolaktin und alle Spermienparameter waren vor und nach COVID-19 vergleichbar. Gepaarter Vorher-Nachher-Vergleich mit Werten aus der Zeit vor der Erkrankung; nur 29 Männer, die Teilgruppen sind im Abstract nicht getrennt ausgewertet. Es ist der einzige Humanbeleg zu einem Malariamittel mit Spermienparametern.

### In-vitro-Studien an menschlichen Spermien und Messungen im Samenplasma

**Hargreaves und Mitarbeiter 1998: fünf Antibiotika auf die Spermienfunktion [s243].** Spermien aus normozoospermischen Proben wurden mit Swim-up gewonnen und 24 Stunden mit steigenden Konzentrationen von Co-trimoxazol, Erythromycin, Amoxicillin, Tetracyclin und Chloroquin kultiviert. Tetracyclin hemmte schon bei 2,5 Mikrogramm/ml dosisabhängig den Anteil schnell beweglicher Spermien sowie die Geschwindigkeiten (VAP, VSL, VCL); bei 50 Mikrogramm/ml standen alle Spermien still. Erythromycin wirkte erst über 100 Mikrogramm/ml. Chloroquin steigerte bei 5 Mikrogramm/ml die schnelle Beweglichkeit und hemmte sie bei höheren Konzentrationen. Co-trimoxazol verminderte die Bewegung bei 500 Mikrogramm/ml um 34 Prozent. Die Effekte waren meist nicht reversibel. Amoxicillin hatte keinen Einfluss auf die Bewegung, senkte aber bei hohen Dosen die Vitalität. Die Akrosomreaktion blieb unbeeinflusst. Die In-vitro-Konzentrationen werden in vivo im Samen nicht unbedingt erreicht.

**King und Mitarbeiter 1997: Antibiotika auf kryokonservierte Spenderspermien [s247].** Gepoolte Spenderproben (n = 14) in Medium mit Amoxicillin, Ofloxacin, Ciprofloxacin, Nitrofurantoin, Doxycyclin oder Cefuroxim axetil. Die Hyperaktivierung war unter physiologischen Konzentrationen von Ciprofloxacin und Doxycyclin über 48 Stunden vermindert. Bei pharmakologischen Konzentrationen verschlechterten Ciprofloxacin, Cefuroxim axetil und Nitrofurantoin die Motilität; bei Cefuroxim axetil und Nitrofurantoin kam sie zum Stillstand, Cefuroxim axetil verminderte die Zahl intakter Akrosomen. Dagegen steigerten physiologische Dosen Ciprofloxacin oder Ofloxacin die Befruchtungsfähigkeit. Die Autoren erklären den Motilitätsstillstand unter Nitrofurantoin mit verminderter Stoffwechselleistung der Spermien.

**Tímermans und Mitarbeiter 2022: Spermien-DNA-Fragmentierung [s98].** Dynamischer Fragmentierungstest an 4 frischen Ejakulaten mit Ciprofloxacin, Doxycyclin und Ampicillin bei der im Samen in vivo vermuteten Konzentration und beim 100-Fachen für 24 Stunden. Ciprofloxacin in niedriger und hoher Konzentration sowie Doxycyclin in hoher Konzentration erhöhten die Fragmentierungsrate; Ampicillin nicht. In 21 weiteren Ejakulaten steigerte Ciprofloxacin die Fragmentierung bei niedriger Konzentration in 17 von 21 Männern, bei hoher in allen; Doxycyclin hoch in 17 Ejakulaten. Die Autoren raten, Ciprofloxacin zu meiden, wenn die Spermienqualität erhalten werden muss; das gilt für ex vivo behandelte Spermien, etwa in Verdünnern, nicht für die Einnahme.

**Foote 2002, Metronidazol an Kaninchen- und Menschenspermien [s231].** Bis 10 mg/ml Metronidazol und 1 mg/ml Dibromchlorpropan hatten wenig Einfluss auf die meisten Spermienmerkmale; 10 mg/ml Metronidazol und 5 mg/ml Ipronidazol steigerten die Anheftung menschlicher Spermien an Hamstereizellen, die Penetration blieb unbeeinflusst. Kaninchenspermien mit 5 mg/ml Ipronidazol waren infertil.

**Weitere In-vitro- und Messstudien.** Gulati und Mitarbeiter 2006: Miconazolnitrat, Clotrimazol und Loperamid verringerten dosis- und zeitabhängig die Vitalität menschlicher Spermien; zum Absterben aller Zellen brauchte es sofort nach Zugabe 0,5 mM (Miconazol) beziehungsweise je 1,0 mM (Clotrimazol, Loperamid), begleitet von einem Anstieg des intrazellulären Kalziums [s218]. Pinto und Aneck-Hahn 2025 (23 Teilnehmer, eigene Kontrolle): Dolutegravir, Tenofovir und Emtricitabin einzeln und kombiniert senkten Geschwindigkeits- und Linearitätsparameter nicht progressiver Spermien; der Anteil der Spermien mit mittlerer Geschwindigkeit sank nach 90 Minuten in allen Armen, in den ersten 30 Minuten war keine Beeinträchtigung zu sehen [s42]. Eliasson und Dornbusch 1980: Metronidazol erreicht therapeutische Konzentrationen im Samenplasma (bei den Patienten Mittelwert 8,7 Mikrogramm/ml im Blutplasma und 7,0 Mikrogramm/ml im Samenplasma nach 250 mg zweimal täglich über 2 bis 3 Tage) und wird nach den Fraktionsanalysen aus Prostata, Samenblasen und Ampulle des Samenleiters ausgeschieden [s281]. Schramm 1984 (deutsch): Ketoconazol im Samenplasma bei 7 Männern im Mittel 150 ng/g, viel niedriger als im Blutplasma; eine 50-fach höhere Konzentration störte die Beweglichkeit der Spermien von 24 Männern nicht [s277]. Heras-Cañas 2017: Bei 8 Patienten über 4 Wochen mittlere Samenkonzentrationen von 1,68, 8,30, 2,61, 0,33 und 2,90 mg/l unter Levofloxacin, 1,625 mg/l unter Ciprofloxacin, 2,67 mg/l unter Ampicillin und 1,05 mg/l unter Doxycyclin; die Konzentrationen lagen über der minimalen Hemmkonzentration, die mikrobiologische Negativierung ging nicht immer mit klinischem Erfolg einher [s151]. Strygin 2015 zitiert eine mittlere Doxycyclin-Konzentration im Sperma von 0,89 µg/ml (Zweitangabe) und kritisiert, dass die In-vitro-Konzentration von mindestens 2,6 µg/ml höher lag [s171].

### Humanbefunde zu einzelnen Wirkstoffen und Wirkstoffgruppen

**Sulfasalazin.** Beim Menschen ist es der am besten belegte Fall, obwohl es kein klassisches Antibiotikum ist (Sulfonamid, eingesetzt bei Darm- und Rheumaerkrankungen). Mehrere Übersichten nennen es als Ursache einer reversiblen Beeinträchtigung der männlichen Fertilität [s14, s154, s19, s162, s112, s111]. Hudson und Mitarbeiter 1982 maßen bei acht Männern mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung unter Sulfasalazin die Spermienkopfgröße mit Bildanalyse; die Patienten hatten ein signifikant größeres 99. Perzentil der Spermienkopfgröße als nichtkolitische oligospermen Männer. Nach Absetzen stieg die Größe zunächst weiter und sank dann, ohne den Wert der normozoospermen Männer zu erreichen [s280]. Schwäche: acht Männer. Die Metaanalyse [s123] ist oben beschrieben.

**Ketoconazol.** Roth und Mitarbeiter 2013 führten eine randomisierte, placebokontrollierte Studie an 40 gesunden Männern durch [s182]. Zunächst wurde LH mit dem GnRH-Antagonisten Acyline unterdrückt, 48 Stunden später kam Placebo, Ketoconazol 400 oder 800 mg, Dutasterid oder Anastrozol, jeweils n = 8, über 7 Tage. Das mediane intratestikuläre Testosteron lag in der Placebogruppe bei 14 ng/ml (25. bis 75. Perzentil 8,0 bis 21,2), unter Ketoconazol 400 mg bei 3,7 (2,5 bis 7,1) und unter 800 mg bei 1,7 ng/ml (0,8 bis 4,0). Die Studie wollte die für die Spermatogenese nötige Testosteronkonzentration bestimmen, nicht Fertilität; sie zeigt aber beim Menschen eine ausgeprägte Hemmung der testikulären Androgensynthese unter Ketoconazol. Morita und Mitarbeiter 1990 berichten, dass bei Patienten nach Ende einer intravenösen Injektion von 200 mg Miconazol das Serumtestosteron auf rund 16 Prozent des Ausgangswerts sank und 5 Stunden später zum Ausgangswert zurückkehrte [s271]. Ko und Mitarbeiter 2007 analysierten bei einem mit Griseofulvin behandelten Mann 290 Spermienkaryotypen: keine Zunahme numerischer (1,7 Prozent) oder struktureller (9,3 Prozent) Anomalien gegenüber nicht exponierten Kontrollen; Fallstudie, nicht verallgemeinerbar [s214]. Drobnis und Nangia [s150] und Millsop [s180] sind oben genannt.

**Antituberkulotika.** Howell und Mitarbeiter 2026: klinische Phase-2-Studie an 26 erwachsenen Männern mit arzneimittelresistenter Tuberkulose (Südafrika und Georgien), Behandlung 26 Wochen mit Bedaquilin, Pretomanid, Moxifloxacin und Pyrazinamid, Nachbeobachtung bis Woche 78. Die mittlere Gesamtspermienzahl stieg von 48,8 auf 68,8 × 10^6 pro Ejakulat bis Woche 26; 15 Teilnehmer (68 Prozent) hatten höhere Gesamtzahlen, 17 (77 Prozent) höhere Konzentrationen, 13 (59 Prozent) eine Verbesserung um mindestens 50 Prozent bei beiden; bei zwei Teilnehmern fiel die Gesamtzahl um mehr als 50 Prozent (niedriges Volumen als Erklärung). Testosteron stieg bis Woche 44, Inhibin B bis Woche 78, FSH und LH blieben stabil [s12]. Boekelheide und Mitarbeiter 2022: Hormonauswertung von über 800 Männern in vier Studien mit Pretomanid-Regimen und der Standardtherapie HRZE; Testosteron und Inhibin B stiegen gegenüber dem Ausgangswert, viele Patienten waren vor der Behandlung grenzwertig hypogonadal; die Autoren schließen, Pretomanid sei nicht mit Hodentoxizität verbunden, sondern mit Besserung des zugrunde liegenden Hypogonadismus [s87]. Beide Arbeiten wurden laut Abstract durch Befunde an Nagetieren veranlasst, die den Hoden als Zielorgan zeigten. 26 Männer ohne Kontrollarm und die Besserung gegenüber einem kranken Ausgangszustand begrenzen die Aussage.

**Antiretrovirale Mittel.** Frapsauce und Mitarbeiter 2015: Fall-Kontroll-Studie an 378 HIV-1-infizierten Männern in vier Gruppen: nie behandelt (n = 66), NRTI allein (n = 49), NRTI plus Proteaseinhibitor (n = 144), NRTI plus nicht-nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor (n = 119). Die Spermienmotilität war der einzige Parameter, der je nach Therapie variierte: Der mediane Anteil schneller Spermien lag bei Regimen mit Efavirenz bei 5 Prozent gegenüber 20 Prozent in den anderen Gruppen; Regime ohne Efavirenz waren nicht mit signifikanten Veränderungen verbunden. Kausalität ist nicht nachgewiesen [s165]. Jerónimo und Mitarbeiter 2017: prospektive Kohorte an 139 HIV-infizierten Männern unter antiretroviraler Therapie in Madrid; die Medianwerte lagen im Normbereich, bei bis zu 19 Prozent war mindestens ein Parameter unter der Norm; Efavirenz war in der multivariaten Analyse mit Dysmotilität verbunden [s152]. Akang und Mitarbeiter 2022: 11 Männer mit vollständigen Vorher-Nachher-Daten unter Tenofovir, Lamivudin und Dolutegravir; die Viruslast sank (p < 0,01), progressive und Gesamtmotilität stiegen deutlich, Spermienzahl, Morphologie und Vitalität änderten sich nicht, Testosteron stieg von 2,48 auf 3,68 ng/ml (p < 0,05), LH sank von 9,6 auf 6,5 mIU/ml, die DNA-Fragmentierung stieg signifikant (p < 0,01) [s84].

**Niridazol.** Die einzige im Material genannte Substanz mit belegtem reversiblem Spermatogenesestillstand beim Menschen (20 Männer mit Schistosomiasis) wird nur aus der Übersicht von Drobnis und Nangia zitiert; die Primärarbeit lag nicht vor [s150].

**Nitrofurantoin, Metronidazol, Tetrazykline beim Menschen: Zusammenfassung.** Für Nitrofurantoin gibt es beim Menschen im Material nur den Abstract von Iunda und Kushniruk 1975 [s286], die Mehrwirkstoffserie [s229] und die minimalen Daten, die Drobnis und Nangia erwähnen [s150]. Für Metronidazol liegen eine Behandlungsserie bei Trichomonas-positiven Männern [s269], eine Messung im Samenplasma [s281], die Mehrwirkstoffserie [s229] und In-vitro-Daten [s231] vor; keine abgerufene Humanstudie belegt eine Schädigung der Spermien durch Metronidazol. Für Tetrazykline beim Menschen stehen In-vitro-Hemmung der Beweglichkeit [s243], Doxycyclin-Behandlungen bei Ureaplasma mit gebesserten Spermienwerten [s38, s117, s153, s258], die Urin-Assoziationen [s41, s43] und die russische Serie [s229] nebeneinander, die sich widersprechen.

### Tierversuche und Zellmodelle

Die folgenden Studien sind präklinisch. Dosen, Dauer, Verabreichungsweg (häufig intraperitoneal oder per Schlundsonde) und Entwicklungsphase unterscheiden sich von der menschlichen Therapie. Viele Arbeiten verwenden Antibiotika als „Schadmodell“ für die Prüfung eines Schutzstoffes; der Befund zum Antibiotikum stammt dann aus der Kontrollgruppe mit Antibiotikum allein.

**Sulfasalazin.** Pholpramool und Mitarbeiter 1983 (Ratte): Fünf Wochen nach Zwangsfütterung mit 300, 450 und 600 mg/kg täglich sank die Fertilität auf 60,9, 35,5 und 26,8 Prozent der Kontrollen; die Beweglichkeit der Nebenhodenspermien war gesenkt, Spermienzahl, Organgewichte und Testosteron nicht; nach drei Wochen ohne Medikament war die Fertilität wieder normal [s279]. Hoyt und Mitarbeiter 1995: 150, 300 oder 600 mg/kg über 14 Tage, dazu zwei Wochen Pause; am sensibelsten war die Hodenhistopathologie; die Fertilität war bei 600 mg/kg leicht vermindert, Veränderungen der Spermienfreisetzung fanden sich bei allen Dosen [s252]. Ommati und Mitarbeiter 2018: 150, 300 und 600 mg/kg über 60 Tage führten zu schweren Hodenveränderungen, schlechten Spermienparametern und oxidativem Stress; Testosteron und steroidogene Gene waren bei hohen Dosen verringert; in vitro verschlechterte Sulfasalazin Rattenspermien nicht, sondern verbesserte Funktionsparameter [s141]. Forcato 2023: mütterliche Exposition (300 mg/kg täglich, Trächtigkeit bis Laktation) veränderte die Hoden der Jungtiere in Kindheit und Pubertät, im Erwachsenenalter blieben keine Beeinträchtigungen der Spermienparameter [s71]. Fukushima und Mitarbeiter 2005 (Ratten, 600 mg/kg über 28 Tage): Spermienbeweglichkeit (computergestützt) und Akrosomreaktion nahmen signifikant ab; in der Hodenmikroarray-Analyse war CD59 (Akrosommembran) verändert, die Spermatogenese-Gene nicht; CD59, MCP und DAF waren im Nebenhoden signifikant vermindert [s220]. Fukushima 2007: Gabe über 1, 7 oder 14 Tage verminderte Beweglichkeit und Akrosomreaktion ab Tag 7 ohne nennenswerte Veränderung der Hodengenexpression, aber mit abgeschwächter Nebenhodenexpression von CD59 und DAF bereits an Tag 1 [s213]. Im Hodentorsionsmodell wirkte Sulfasalazin dagegen günstig: Es verhinderte die Apoptose der Keimzellen durch Hemmung der NF-κB-Aktivierung (32 Ratten, Zahlen nicht im Abstract) [s219].

**Nitrofurantoin und Nitrofurane.** Albert und Mitarbeiter 1975: Nitrofurantoin-Natrium und Nitrofurazon immobilisierten Spermien in bestimmten kritischen Konzentrationen (Verdünnungen 5:1 und 10:1); bei intraoperativer Spülung des Samenleiters bei Vasektomie ergab sich nach Angabe der Autoren sofort Azoospermie, ohne erkennbare Gewebetoxizität beim Meerschweinchen. Das ist eine lokale Anwendung, kein Hinweis auf die Wirkung der Tabletten [s285]. Fonatsch 1977 (Maus): Bei 8 und 40 mg/kg keine mutagene Aktivität, aber mehr Univalente und weniger Chiasmen in Spermatozyten [s283]. National Toxicology Program 1989 (Ratte und Maus, Futterstudien): In den 13-Wochen-Studien Degeneration des Keimepithels der Hodenkanälchen bei männlichen Ratten ab 2500 ppm und bei Mäusen ab 1300 ppm im Futter [s272]. Butler und Mitarbeiter 1990 (Sprague-Dawley-Ratte, Macrodantin 12 bis 116 mg/kg täglich): Bei der hohen Dosis (Männchen 81 mg/kg täglich) vermehrte Hodendegeneration [s267]. Crotty und Mitarbeiter 1995 (Ratten, tägliche Magensonde über 10 Tage; Nitrofurantoin 7 mg/kg): Der Inhalt des Hodenaspirats veränderte sich in der Durchflusszytometrie an Tag 11 signifikant (p = 0,0000043) und weiter an Tag 56 (p = 0,001); dasselbe galt für Trimethoprim/Sulfamethoxazol (p = 0,00025 und 0,042), Ofloxacin (p = 0,000075 und 0,036) und Doxycyclin (p = 4,89 × 10^-9 und 0,003); Ciprofloxacin, Norfloxacin und Lomefloxacin zeigten keinen Unterschied; Co-trimoxazol mit Folsäure änderte nichts [s251]. Kolomiets und Mitarbeiter 2013 (Maus, 10 Tage intraperitoneal): Furacilin (Nitrofuran-Antiseptikum) führte am ersten Tag nach Ende der Gabe zu einer Fragmentierung synaptonemaler Komplexe in 100 Prozent der Kerne (Cifran, ein Fluorchinolon, 41,8 Prozent; Sextaphag, ein Bakteriophage, 25 Prozent), mit Rückgang an den Tagen 10 und 36; Gruppengrößen im Abstract nicht genannt [s178]. In vitro stellte Nitrofurantoin bei pharmakologischen Konzentrationen die Motilität kryokonservierter Spenderspermien ein [s247].

**Tetrazykline.** Elzeinová und Mitarbeiter 2013 (CD1-Maus, Tetracyclin und Doxycyclin in der Pubertät über 14 Tage, therapeutische sowie niedrigere und höhere Dosen; Messung mit 70 Tagen): signifikant geringerer Anogenitalabstand und dünneres Keimepithel; mehr Annexin-V- und TUNEL-positive Spermien, weniger akrosomintakte Spermien; die Autoren sehen langanhaltende Wirkungen [s176]. Farombi und Mitarbeiter 2008 (Ratte, Tetracyclin 28,6 mg/kg täglich über 14 Tage): weniger Hoden-, Nebenhoden- und Samenblasengewicht, geringere Beweglichkeit, Vitalität und Zahl der Spermien, mehr abnorme Formen, sinkende Antioxidanzienaktivität und Serumtestosteron; Vitamin C und N-Acetylcystein milderten die Spermienparameter, nicht die Histopathologie [s206]. Hou und Mitarbeiter 2019 (Maus, Doxycyclin früh im Leben, 0 bis 49 Tage): Störung der Steroidbildung durch mitochondriale Dysfunktion in Leydig-Zellen, Testosteronmangel, verminderte Spermienqualität, veränderte Genexpression und Darmmikrobiom; niedrig- und therapeutische Dosen änderten die Vielfalt der Darmmikrobiota [s126]. Dagegen berichtet Ranjbarkohan 2023 (40 Ratten, Minocyclin 25 mg/kg täglich, 90 Tage) eine Verbesserung von Spermienparametern, Keimzellzahlen und Johnsen-Score ohne Veränderung von Testosteron [s80]; Shokoohi 2022 (32 Ratten mit Varikozele) fand unter Minocyclin geringere Hodenapoptose [s96]. Yeh und Mitarbeiter 2007: Fünf Wochen alte Mäuse erhielten Doxorubicin allein (3 mg/kg intraperitoneal jeden zweiten Tag, drei Dosen), Doxycyclin allein (2,5 mg/kg im selben Schema) oder Doxycyclin vor Doxorubicin; nach 28 Tagen verhinderte die Doxycyclin-Vorbehandlung nahezu alle durch Doxorubicin verursachten Abweichungen (kleinere Körper- und Hodenmasse, verminderte Spermienzahl, oxidativer Stress, Apoptosemarker); Daten zu Doxycyclin allein auf die Spermatogenese nennt der Abstract nicht [s217]. Matsuki und Mitarbeiter 2003: Minocyclin unterdrückte in Mäusehoden nach Hitzestress (42 °C über 15 Minuten) die Freisetzung von Cytochrom c und verminderte signifikant die Zahl TUNEL-positiver Zellen [s226]. Kolomiets 2001 (Mäuse, 10 Tage oral Tetracycline, Makrolide oder Fluorchinolone, Wirkstoffe und Dosen im Abstract nicht genannt): in allen Zeitpunkten heteromorphe Bivalente und Fragmente der Chromosomenkerne, abnehmend mit der Zeit; die Nebenhodenspermien zeigten keine signifikanten Unterschiede in Morphologie und Beweglichkeit [s234]. Mohammedi 2023 (Hähne, 5 Tiere, Oxytetracyclin 1 g/l über 9 Tage): nach 6 Tagen deutliche Abnahme von Konzentration, Vitalität, Gesamt- und progressiver Beweglichkeit und aller Geschwindigkeitsparameter, an Tag 9 wieder fast wie vor der Behandlung; in vitro ähnliche Beeinträchtigung [s78]. Nach der Zweitangabe in [s119] schädigte Tetracyclin 30 mg/kg bei Ratten die Samenzellen und senkte Leydig-Zellen und Serumtestosteron; die behandelten Männchen konnten Weibchen nicht befruchten.

**Metronidazol und Ornidazol.** El-Nahas und Mitarbeiter 2004 (Maus, 500 mg/kg täglich über 14 Tage; etwa das Dreifache der therapeutischen Dosis der Maus nach Angabe der Autoren): weniger Hoden-, Nebenhoden- und Adnexgewicht nach einem Monat, weniger bewegliche, mehr abnorme Spermien, Testosteron gesenkt, Fertilität gemindert, Anämie, genotoxische Wirkung; das Gewicht der Adnexorgane erholte sich, Hoden und Nebenhoden nicht bis 2 Monate [s222]. Mudry 2007 (Maus, 130 mg/kg intraperitoneal): Zusammensetzung der Stadien nicht verändert, aber die Spermienmorphologie schwer betroffen (Fehler an Flagellum und Kopf) [s216]. Grover 2001 (präpubertale Ratten, 400 mg/kg intraperitoneal über 30 Tage): weniger haploide Zellen, niedrigere Serumwerte von FSH, LH und Testosteron [s233]. Kumari und Singh 2013 (Maus, 250 und 500 mg/kg über 28 Tage): Die therapeutisch angesetzte Dosis von 250 mg/kg änderte nichts; 500 mg/kg verminderte Organgewichte, Beweglichkeit, Vitalität und Zahl der Nebenhodenspermien und die Fertilität; 42 Tage nach Absetzen war alles wieder normal [s179]. Ligha 2012 (Ratte, 15, 30, 200 und 400 mg/kg über 8 Wochen): 15 mg/kg ohne signifikante negative Wirkung; bei 200 und 400 mg/kg weniger Testosteron und FSH, mehr LH, geringeres Körpergewicht, nach 8 Wochen Pause laut Autoren umkehrbar; der Abstract der Zellzählungsarbeit nennt im Ergebnisteil eine Zunahme, in der Schlussfolgerung eine Abnahme der Gesamtzahl der Sertoli- und Leydig-Zellen, die Angabe ist widersprüchlich [s189, s190]. Al-Alami 2017 (Ratte, 40 mg/kg intraperitoneal): reversible Infertilität; Rosmarinsäure milderte Wirkungen auf Körpergewicht, Beweglichkeit und Morphologie [s148]. Hassan 2020 (60 Ratten, 400 mg/kg täglich über 60 Tage, mit und ohne Grapefruitsaft): Spermienzahl, Gesamtbeweglichkeit, Serum-Thiamin, freies Testosteron und FSH sanken signifikant (p < 0,05), oxidativer Stress in Kleinhirn und Hoden stieg [s113]. Noor 2025 (24 Ratten, Amöbiasis): Die Infektion verursachte SPATA6-Methylierung, Hodenschäden und gestörte Spermienparameter; Metronidazol beseitigte den Parasiten und stellte Hodenarchitektur und Spermienzahl teilweise wieder her, Restveränderungen blieben [s40]. Ornidazol, ein verwandtes Nitroimidazol, ist im chinesischen Sprachraum ein etabliertes Modell der Oligo-Asthenozoospermie bei Ratten (400 bis 800 mg/kg über Wochen) und nicht auf Metronidazol übertragbar: Shang 2009 (40 Ratten, 400 oder 800 mg/kg über 20 Tage): Hoden- und Nebenhodenindizes signifikant erniedrigt, in der Histologie abgelöste und nekrotische Keimzellen, weniger Spermien [s201]; Zhang 2018 (70 Ratten, 400 oder 800 mg/kg über 20 Tage): bei 800 mg/kg Körpergewicht 88,11 ± 12,65 gegenüber 117,67 ± 11,53 g, Hodenindex 0,65 ± 0,13 gegenüber 1,06 ± 0,12 Prozent, Beweglichkeit 27,58 ± 8,43 gegenüber 74,12 ± 8,73 Prozent bei Kontrollen (bei 400 mg/kg 40,25 ± 6,08 Prozent), Spermienzahl 18,67 ± 4,59 gegenüber 38,59 ± 6,40 × 10^5/100 mg (alle P < 0,01) [s145]; Tian 2023 (6 Ratten je Gruppe, 400 mg/kg über 4 Wochen): signifikant (p < 0,01) niedrigere Spermienkonzentration, Beweglichkeit, Testosteron und antioxidative Enzyme, höherer DNA-Fragmentierungsindex, FSH, LH und Malondialdehyd [s83]; Li 2026: Ornidazol beeinträchtigte die Spermatogenese einschließlich der Meiose; klinische Daten zu erhöhten Serum-Ornidazolspiegeln und schlechterer Spermienqualität werden im Abstract ohne Zahlen genannt [s16].

**Aminoglykoside.** Khaki und Mitarbeiter 2008 (Ratte, 50 Tiere, 14 Tage intraperitoneal: Gentamicin 5, Neomycin 50, Streptomycin 40, Ofloxacin 72 mg/kg): signifikant weniger Spermien, geringere Vitalität und Beweglichkeit und mehr Apoptose in allen Antibiotikagruppen, am wenigsten unter Streptomycin [s209]. Aly und Hassan 2018 (Ratte, Gentamicin 0, 60, 80, 100 mg/kg über 10 Tage): dosisabhängig weniger Hodengewicht, Spermienzahl und Beweglichkeit, weniger Testosteron, mehr Caspase-3 und -9, oxidativer Stress, Atrophie und Verlust der Spermatogenese; die Tagesproduktion sank ebenfalls dosisabhängig [s135]. Aly 2019 (Gentamicin 100 mg/kg/Tag): Vorbehandlung mit Lycopin 4 mg/kg/Tag verhinderte die Abnahme von Hodengewicht, Spermienzahl, Beweglichkeit, Vitalität und Tagesproduktion [s122]. Narayana 2008 (Wistar-Ratten, je 7 Tiere, Gentamicin 0, 3 und 5 mg/kg intraperitoneal über 10 Tage, Tötung an den Tagen 1 und 35): Hodengewicht und tägliche Spermienproduktion sanken bei 5 mg/kg an beiden Tagen (p < 0,05); der Anteil abnormaler täglich produzierter Spermien stieg dosisabhängig; die Spermienzahl sank an Tag 35 bei beiden Dosen, die Beweglichkeit an Tag 1 bei 5 mg/kg und an Tag 35 bei beiden Dosen; strukturell Ablösung des Epithels, Vakuolen, Kernpyknose, Atrophie; Superoxidanion stieg dosisabhängig, SOD, Katalase, GPx und Ascorbinsäure sanken [s211]. Die Dosen sind deutlich niedriger als in den übrigen Gentamicin-Studien (60 bis 100 mg/kg). Taha und Mitarbeiter 2022 (30 Ratten, Gentamicin 100 mg/kg über 6 Tage): Zamzam-Wasser erhöhte Testosteron, FSH, LH, Beweglichkeit und progressive Beweglichkeit (p < 0,001) und verringerte tote und abnormale Spermien [s97]. Bıyık 2024 (24 Ratten, Gentamicin 80 mg/kg, Quercetin 50 mg/kg): Hodenepithelhöhe und Johnsen-Score sanken, Vitalität und Beweglichkeit nahmen ab; im Abstract wird zugleich angegeben, dass Spermienzahl und abnorme Morphologie „zunahmen“, ein unerklärter Befund [s50]. Doğan 2025 (36 Ratten, Gentamicin 80 mg/kg über 8 Tage, Crocin): Hodendegeneration mit oxidativem Stress und Apoptosemarkern; Spermienendpunkte nennt der Abstract nicht [s26]. Çelebi 2026 (Gentamicin, Hesperidin): niedrigere Johnsen-Scores, niedrigeres Testosteron, geringere Beweglichkeit, mehr Anomalien [s03].

**Fluorchinolone.** Hou 2025 (adoleszente Maus, n = 6 je Gruppe, Ciprofloxacin 1 bis 75 mg/kg über 30 Tage): bereits 1 mg/kg senkte das Serumtestosteron signifikant und erhöhte LH und FSH; bei höheren Dosen sank die Spermienzahl, mit Hodengewebeschäden; Mechanismus über NR4A1 und StAR; in Zellmodellen S-Phasen-Block in TM3 und G2/M-Block in TM4 [s32]. Hou 2022: Ciprofloxacin senkte bei Zebrabärblingen Genexpression von fshb und lhb und das Plasmatestosteron; Enrofloxacin hemmte die Proliferation von Leydig- und Sertoli-Zellen der Maus; bei jugendlichen Mäusen nahmen nach 30 Tagen Spermienkonzentration, LH, FSH und Testosteron ab [s90]. Guo 2021 (Gatifloxacin 25, 50 und 100 mg/kg über 7 Tage, Maus): dosisabhängige Spermatogenesestörung in der Histologie; bei 50 mg/kg änderte sich die Genexpression, nicht aber Hodengewicht, Testosteron und antioxidative Enzyme [s103]. Yaman 2026 (72 Ratten, Ciprofloxacin 80 mg/kg, Levofloxacin 40 mg/kg, Moxifloxacin 40 mg/kg, Tag 1, 7, 14): Hodendegeneration in unterschiedlichem Maß und erhöhte COX-2-Expression; Spermienparameter wurden nicht gemessen [s20]. Ibrahim 2025 (40 Ratten, Ciprofloxacin über 60 Tage): Keimzellverlust, Apoptose, weniger Testosteron; Vitamin C stellte die Morphologie wieder her [s33]. Abd-Allah 2000 (Ratte, Ofloxacin, Ciprofloxacin, Pefloxacin 72, 135 bzw. 72 mg/kg/Tag oral über 15 Tage): Abnahme der testikulären LDH-X-Aktivität um 39,8, 62,7 und 60,7 Prozent; Spermienzahl, Beweglichkeit und tägliche Spermienproduktion deutlich vermindert; Ofloxacin 36, 72 und 360 mg/kg/Tag: dosisabhängige Abnahme, die Tagesproduktion sank um 26,1 Prozent (72 mg/kg) und 40,0 Prozent (360 mg/kg) [s236]. El-Harouny 2010 (72 Ratten, Ofloxacin 72 oder 216 mg/kg über 14 oder 28 Tage): die schädlichen Wirkungen nahmen mit Dauer und Dosis zu [s194]. El-Demerdash 2023 (Levofloxacin 300 mg/kg über 2 Wochen): erhöhte oxidative Marker, Antioxidansenzyme gesenkt, veränderte Hormone und Spermienmerkmale, p53 und Caspase-3 erhöht [s69]. Zaki 2024 (50 Ratten, Levofloxacin 40 mg/kg jeden zweiten Tag über 2 Monate): LH, Testosteron, FSH und Spermienqualität gesenkt [s63]. Demir 2007 (Ratten, Ciprofloxacin 150 mg/kg/Tag über 10 Tage; E.-coli-Injektion in den Samenleiter): bei gesunden Ratten erkennbare histologische Schäden mit leichter Abnahme von Hodenvolumen und Spermienkonzentration; infizierte Hoden zeigten schwere Atrophie, stärker bei zusätzlicher Ciprofloxacin-Behandlung [s212]. Watanabe 1992 (Ratten, Levofloxacin oral bis 360 mg/kg vor und in früher Trächtigkeit, männliche und weibliche Tiere): keine Nebenwirkungen auf die Fruchtbarkeit; die Studie stammt vom Hersteller [s262]. Crotty 1995: Ciprofloxacin, Norfloxacin und Lomefloxacin zeigten keine Veränderung des Hodenaspirats, Ofloxacin schon [s251]. Elfar 2026 (24 Ratten, LPS-Orchitis): Levofloxacin und therapeutischer Ultraschall senkten Interleukin 1β signifikant (p < 0,0001), Levofloxacin senkte das Hodengewicht signifikant (p < 0,01); Spermienendpunkte fehlen [s09]. Ji 2024 (Maus): Clarithromycin 3 Tage allein oder mit 1,0 mg/kg Quinestrol senkte Nebenhoden- und Samenblasengewicht, Serumtestosteron und LH; vollständige Sterilisation wurde nicht erreicht (mehr als 60 Millionen Spermien in der Cauda blieben); der Abstract trennt nicht, was auf Clarithromycin allein beruht [s56].

**Betalaktame, Glykopeptide, Carbapeneme, Cephalosporine.** Akhtara 2025 (Maus, Amoxicillin jede zweite Woche über 10 Wochen, n = 20): Beeinträchtigungen von Ultrastruktur, Spermienparametern und Histologie (p < 0,05), mehr oxidativer Stress und DNA-Doppelstrangbrüche (p < 0,001), geminderte Fertilität [s23]. El-Fahla 2026 (Maus, Amoxicillin 30 mg/kg täglich über 45 Tage): mehr oxidativer Stress, weniger Testosteron, Hodenschädigung, geringere mTOR-Expression; Bacillus clausii milderte dies [s08]. Liu 2023 (Maus, Amoxicillin in der Trächtigkeit 75, 150 oder 300 mg/kg täglich): abnorme fetale Hodenentwicklung, gehemmte Zellproliferation, mehr Apoptose, verminderte Expression der Steroidsynthese-Marker, weniger fetales Testosteron; am stärksten bei später Trächtigkeit und hoher Dosis, Einzel- und Mehrfachkurs im Wesentlichen gleich [s76]. Kong 2024 (Maus, Azithromycin 50, 100, 200 mg/kg in der Trächtigkeit): veränderte fetale Hodenmorphologie, mehr Apoptose; stärker bei mittlerer Trächtigkeit, hoher (klinischer) Dosis und Einzelkurs [s60]. Alshehri 2023 (Ratte, Vancomycin 200 mg/kg über 7 Tage): Testosteron, Spermienzahl und Beweglichkeit sanken, Resveratrol normalisierte sie [s67]. Kandemir und Aksu 2022 (12 Ratten, Vancomycin 200 mg/kg über 7 Tage): signifikant geringere Spermienbeweglichkeit (p < 0,05), mehr TNF-α und NF-κB im Hoden (p < 0,001); Organgewichte unverändert [s92]. Akarsu 2024 (35 Ratten, Vancomycin eine Woche): mehr Malondialdehyd, weniger antioxidative Enzyme, geringere Beweglichkeit, mehr geschädigte Spermien, gestörte Samenkanälchen; Sinapinsäure milderte [s48]. Alshehre 2026: Vancomycin senkte Testosteron, erhöhte FSH und LH, senkte die Beweglichkeit [s02]. Colistin (Aksu 2018, 2021, Kankılıç 2024; je 24 bis 35 Ratten): erhöhter oxidativer Stress, Apoptose und Autophagie im Hoden, geringere Beweglichkeit und Vitalität, mehr abnorme Spermien; Chrysin, Hesperidin und Naringin als Schutz [s134, s99, s58]. Cherif 2019 (Ratte, Imipenem 15, 50, 100 mg/kg gegen Gentamicin 50 mg/kg): weniger Spermienzahl, Beweglichkeit, Organgewichte und Testosteron sowie schwere Hodenschäden [s125]; nach der Zweitangabe in [s119] verkleinerte Imipenem (0, 30, 50, 80 mg/kg über 1 Woche, n = 8) Hoden, Nebenhoden, Samenbläschen und Prostata, mit den deutlichsten Effekten bei 50 und 80 mg/kg (p < 0,001). Manson 1987 (junge Ratte, Cephalosporine): Moxalactam (mit einer Methylthiotetrazol-Seitenkette) verursachte Atrophie der Hodenkanälchen und Fertilitätsdefizite bei allen Dosen von 100 bis 1000 mg/kg; Cefonicid und Cephalothin zeigten keine Wirkung [s275]. Akaike 1990 (Ratten vom 6. bis 40. Lebenstag, subkutan 200, 500 und 1000 mg/kg/Tag Cefpirom): keine substanzbedingten Veränderungen von Fertilität, Spermien und Fortpflanzungsorganen; Cefotetan 1000 mg/kg/Tag als Positivkontrolle verminderte Hodenmasse und Spermienzahl bei atrophiertem Keimepithel [s266]. Tanyildizi und Bozkurt 2003 (32 Widder; Lincomycin-Spectinomycin 15 mg/kg intramuskulär oder Sulfamethoxazol-Trimethoprim 12 mg/kg oral): Hyaluronidaseaktivität erhöht, Anteil beweglicher Spermien signifikant höher, Spermienkonzentration und Gesamtzahl signifikant niedriger (p < 0,001) [s228]. Tanyildizi und Türk 2004 (je 7 Widder, Ceftriaxon 28,5 mg/kg über 2 Tage): signifikante Abnahmen von Spermienkonzentration, Volumen und Beweglichkeit (p < 0,01) innerhalb von 288 Stunden [s223]. Anyogu 2017 (Hund, Co-trimoxazol 30, 60, 120 mg/kg alle 12 Stunden über 21 Tage): Schilddrüsenschäden; Spermienreserve im Nebenhoden niedrig in der 120-mg/kg-Gruppe [s149]. Ge 2022 (Maus, Olaquindox, antibakterieller Futterzusatz, 45 Tage): 60 mg/kg verminderte Spermienzahl, Beweglichkeit und Vitalität; 5 und 60 mg/kg führten zu Peroxidation, früher Apoptose und abnormem Mitochondrienmembranpotenzial; die natürliche Fruchtbarkeit blieb unverändert (vergleichbare Wurfgröße), die Überlebensrate der Nachkommen sank ab der 4. Lebenswoche signifikant [s88].

**Darmflora, Samenflüssigkeit und väterliche Vererbung.** Rosenfeld 2018 (Maus, 14 Tage Clindamycin, Ampicillin/Sulbactam oder Enrofloxacin, 10 Tiere je Gruppe): Veränderungen des Metaboloms der Samenblasensekrete; die Spermatogenese war nicht beeinträchtigt, aber mehr Nebenhodenkanälchen mit kribriformem Wachstum (7 gegenüber 3; p = 0,01) [s142]. Masson 2025 (Maus, nicht resorbierbare Antibiotika, Darmmikrobiom-Depletion): 8 piRNAs der Spermien unterschiedlich exprimiert, Nachkommen mit geringerem Körpergewicht, verkürztem Kolon und veränderten Verhaltensmaßen bei weiblichen Tieren [s39]. Argaw-Denboba 2024 (Nature, Maus): Störung der Darmmikrobiota der Väter erhöhte die Wahrscheinlichkeit niedrigen Geburtsgewichts, schwerer Wachstumsrestriktion und vorzeitiger Sterblichkeit der Nachkommen; die Wirkung wurde über die Keimbahn übertragen und durch Wiederherstellung der väterlichen Mikrobiota vor der Konzeption aufgehoben [s49]. Chen 2024 (Maus, kombinierte Antibiotika im Trinkwasser): Die Depletion der Darmmikrobiota verminderte die Nebenhodenspermienzahl und Keimzellen und störte die Meiose über erhöhte Retinsäure aus Exosomen [s53]. Zhao 2021 (Triptolid-Hodenschaden, Maus): Der Verlust der Darmmikrobiota durch Antibiotika verminderte die Spermin-Spiegel im Darm und verstärkte den Hodenschaden; Parabacteroides distasonis kehrte die Dysfunktion um [s107]. Diese Mikrobiomversuche prüfen die Folgen einer Darmentleerung mit Antibiotikakombinationen, nicht die direkte Wirkung eines einzelnen Antibiotikums auf den Hoden.

**Antimykotika.** Amin 2008 (Ratte, Ketoconazol 100 mg/kg über 5 Tage) und Iamsaard 2014 (Ratte, 100 mg/kg über 7 Tage): verminderte Organgewichte, Spermienindizes und Serumtestosteron, Degeneration der Hodenkanälchen und Keimzellverlust; pflanzliche Extrakte milderten dies [s203, s174]. He 2021 (40 Kunming-Mäuse, Ketoconazol 30, 50 und 70 mg/kg täglich subkutan über 3 Wochen): AST und ALT stiegen signifikant (P < 0,01), γ-GT, saure Phosphatase und LDH im Hodengewebe sanken dosisabhängig (P < 0,01); Histologie mit weniger Keimzellen und Spermien auf allen Stufen; Spermienzahl und -beweglichkeit wurden nicht gemessen [s104]. Wang 1992 (Ratte, Ketoconazol 300 mg/kg oral): reversible Immobilisierung der Nebenhodenspermien 8 bis 24 Stunden nach der Gabe, bei den höchsten Konzentrationen in der Flüssigkeit der Cauda epididymidis (18,0 ± 7,3 µg/ml) und im Seminalplasma (13,5 ± 3,0 µg/ml); Cmax im Plasma 64,82 ± 2,47 µg/ml; in der Rete-testis-Flüssigkeit nur 0,47 ± 0,34 µg/ml; das Plasmatestosteron sank binnen 4 Stunden stark und erholte sich auch nach 100 mg/kg, einer Dosis, die die Spermienbeweglichkeit nicht beeinflusste [s261]. Ji 2024 (104 Mäuse, Ketoconazol als CYP3A4-Hemmer mit Quinestrol): nach 10 Tagen stärkste Effekte in der Kombination, nach 30 Tagen kehrten einige Parameter fast zum Ausgangswert zurück; ein Ketoconazol-allein-Arm wird nicht beschrieben [s57]. El-Medany und Hagar 2002 (Kaninchen, Fluconazol 50 mg/kg täglich über einen Monat): Abfall von Serumtestosteron, Samenvolumen, Spermienzahl und Anteil beweglicher Spermien, Anstieg von Prolaktin, FSH und LH; die Werte kehrten erst im zweiten Monat nach Absetzen zur Norm zurück; die Hodenbiopsien waren unauffällig [s230]. Baran 2000 (20 Hunde; Ketoconazol 10 mg/kg, Griseofulvin 15 bis 20 mg/kg, Fluconazol 10 mg/kg täglich, je 6 Tiere, 2 Kontrolltiere): reversible degenerative Hodenveränderungen mit allen drei Wirkstoffen, am stärksten unter Fluconazol; die Spermatogenese war unter Griseofulvin stärker betroffen; ohne Zahlenwerte im Abstract [s237]. Zaitseva 2019 (Ratten, 48 Tage oral ein im Abstract nicht benanntes antimykotisches Mittel): Spermienkopf-Morphometrie mit signifikanten Unterschieden, Deformationsindex 4,93 relative Einheiten, mehr Spermien mit Kopfpathologie und erhöhte Zahl chromosomaler Aberrationen im Knochenmark; ohne Wirkstoff, Dosis und Gruppengröße begrenzt einordenbar [s131]. Ibi 2026 (Hodenschnitte der Ratte): Ketoconazol und acht weitere Azole (darunter Fluconazol) hemmten die CYP17A1-abhängige Androgensynthese mit unterschiedlicher Potenz; mehrere geprüfte Azole sind Pflanzenschutzmittel [s13]. Enzymstudien: Higashi 1990 (menschliches Hodengewebe, Ketoconazol hemmte kompetitiv die 3β-Hydroxy-5-en-Steroid-Oxidoreduktase/Isomerase und die NADH-gebundene 20α-Hydroxysteroid-Oxidoreduktase, Ki 2,9 und 0,9 µM) [s270]; Morita 1990 (17α-Hydroxylase und C17,20-Lyase dosisabhängig gehemmt, Rangfolge Ketoconazol > Miconazol > Ozagrel > M-2 > M-1 > Cimetidin) [s271]; Nakajin 1991 (Schweinehodenmikrosomen, halbmaximale Hemmkonzentration Clotrimazol 0,29 µM, Econazol 0,36 µM, Miconazol 1,25 µM) [s265]; Masubuchi 1992 (isolierte Rattenhoden; Ketoconazol erzeugte mehr Δ4-Androstendion und Estradiol und hemmte die Dihydrotestosteron-Bildung) [s259]; Masubuchi 1991 (Rattenmodell mit Prostatakarzinom, Ketoconazol 5 oder 10 mg je Tier subkutan über 20 Tage; das Plasmaandrogen blieb bei intakten Ratten unverändert und das Corticosteron sank) [s263].

**Antimalariamittel.** Olumide und Raji 2011 (Ratte, Artesunat 2,9 mg/kg über 5 Tage oder 6 Wochen): Kurzzeitgabe ohne Wirkung; Langzeitgabe verminderte die Parameter, Hoden- und Nebenhodenläsionen, Fertilität nicht signifikant gesenkt; Erholungsgruppe normalisiert [s193]. Singh 2015 (Maus, Artesunat 40 mg/kg einmalig oder 13,3 mg/kg an 3 Tagen): weniger Nebenhodenspermien, mehr Kopfanomalien nach 24 Stunden; nach 35 Tagen im Comet-Test etwa dreifach erhöhter DNA-Anteil im Kometenschweif, Schadensindex 40,27 ± 6,62 und 37,07 ± 5,35 gegenüber 16,13 ± 3,21 bei Kontrollen [s169]. Farombi 2014 (Ratte, Artemisinin 0, 7 und 35 mg/kg über 7 Tage): Bei therapeutischer Dosis blieb der Antioxidanzienstatus unverändert; bei der Überdosis Nebenhodendegeneration und weniger und schlechtere Spermien, Hormone unverändert [s173]. Aprioku und Mankwe 2018 (65 Meerschweinchen, 14 Tage): Artesunat-Amodiaquin, Artesunat-Sulfadoxin-Pyrimethamin und Artemether-Lumefantrin senkten die Spermienzahl um 17,7, 37,7 und 33,8 Prozent, die Beweglichkeit um 48,6, 50 und 51,4 Prozent, die Vitalität um 32,7, 43,7 und 35,9 Prozent (p < 0,01); LH und Testosteron fielen; in den Erholungsgruppen war alles umgekehrt [s137]. Obianime und Aprioku 2009 (Meerschweinchen): Artesunat, Amodiaquin und die Kombination senkten die Spermienzahl um 54, 28 und 84 Prozent, die Beweglichkeit um 13, 31 und 64 Prozent; die Effekte waren bei subklinischen Dosen am stärksten und in Kombination synergistisch [s200]. Aprioku 2018 (24 Meerschweinchen): Artesunat-Amodiaquin allein oder mit Nifedipin senkte Testosteron (p = 0,0482), Spermienzahl und Beweglichkeit [s136]. Owumi 2023 (Ratte, Coartem 5 mg/kg plus Aflatoxin B1, 28 Tage): geringere Beweglichkeit und Vitalität, mehr Anomalien, hormonelle Störung, oxidativer Stress und DNA-Schaden [s79]. Farombi 2012 (Ratte, Chininsulfat 10 mg/kg täglich über 8 Wochen, laut Autoren die normale therapeutische Dosis): oxidativer Stress und Hodendysfunktion; Quercetin schützte [s187]. Akinsomisoye 2019 (Ratte, Dapson): dauerabhängige Abnahme von Organgewichten, Spermienparametern und Testosteron, in der Erholungsgruppe Normalisierung [s121]. Aydemir 2008 (Maus, Pyrimethamin 5 bis 40 mg/kg einmalig): mehr abnorme Spermienformen ab Woche 2 und weniger Nebenhodenspermien an Tag 28 und 35 [s204]. Nicola 1997 (Ratte, Chloroquin in niedriger therapeutischer Dosierung bis drei Monate): progressiv sinkende Testosteronsekretion, weniger Spermien, mehr abnorme Formen, geringere Organgewichte, auch nach einem Monat ohne Medikament nicht normalisiert [s248]. Niu 2016 (80 Ratten, Amodiaquin 5, 10 oder 15 mg/kg über 2 Wochen): dosisabhängige Störung der Spermatogenese, der Blut-Hoden-Schranke und vermehrte Keimzellapoptose; der Schaden erholte sich im Verlauf, LH und Testosteron unterschieden sich nicht von der Kontrolle [s159]. Alruwaili 2023 (Ratte, Hydroxychloroquin in äquivalenten Dosen): im Hoden Spermatozytendegeneration, Ablösung von Keimzellen, interstitielles Ödem und gelegentlich Spermatogenesearrest; Spermienparameter und Dosis nennt der Abstract nicht [s66]. Akın 2022 (32 Ratten, Chloroquin 50 mg/kg über 28 Tage mit chronischer Hypoxie): Hypoxie erhöhte Histopathologie und Apoptose, Chloroquin verbesserte die Parameter; hier ist Chloroquin das schützende Agens [s85]. Lee 2025 (Artemisinin in GC-1-Spermatogonien): stellte die durch Cisplatin gehemmte Proliferation wieder her [s37]; Zhao 2026 (Neospora-caninum-Mäuse): Dihydroartemisinin senkte die Rate missgebildeter Spermien (p < 0,05), der Abstract ist in der Aussage zu Artemisinin in sich nicht ganz stimmig [s21]; Fan 2025: Artesunat 0,2 mM verbesserte die Beweglichkeit kryokonservierten Yak-Spermas [s28].

**Antituberkulotika.** Bakare 2022 (Maus, 5 Tage, ein Viertel bis doppelte Standarddosis): Hodengewichte unverändert; der Anteil abnormer Spermien bei den meisten Dosen erhöht (nicht signifikant), mit Ausnahme der fixen Kombination dosisabhängig verringert; einzelne Antituberkulotika erzeugten histologische Läsionen, die Kombination nicht [s86]. Rao 2020 (präpubertale Maus, vier Wochen, Rifampicin, Isoniazid, Pyrazinamid, Streptomycin, Ethambutol): weniger Spermienzahl und Beweglichkeit, mehr Kopfanomalien, Mitochondrien- und DNA-Schäden [s115]. Rao 2016 (Maus, Ethambutol 40, 80, 160 mg/kg alle zwei Tage über 4 Wochen): dosisabhängig weniger Hodengewicht, Spermienzahl und Beweglichkeit, mehr Kopfanomalien und unreifes Chromatin (P < 0,001) und DNA-Schäden (P < 0,01) [s161]. Shayakhmetova 2012 (Ratte, Ethambutol 155, Rifampicin 74,4, Isoniazid 62, Pyrazinamid 217 mg/kg täglich): mehr Lipidperoxidation im Hoden und im Sperma, weniger Glutathion, deutlich verminderte Fertilität und erhöhte Embryoletalität [s191]. Alp 2012 (80 Ratten, 45 Tage): Die Streptomycin-Gruppe hatte einen signifikant höheren Anteil von Spermien mit Kopfdefekt (p < 0,05), die Isoniazid-Gruppe einen niedrigeren Johnsen-Score (p < 0,001); Isoniazid allein verschlechterte die Nebenhodensamenqualität nicht [s184]. Song 2025 (Maus, Rifampicin und Isoniazid über 21 Tage): Schutz durch Lycium barbarum und Lactobacillus acidophilus; Dosen und Schadensgröße nennt der Abstract nicht [s44]. Korkak 2025 (49 Ratten): Rifampicin 10 mg/kg wurde als Induktor von Effluxtransportern eingesetzt und verminderte die Aflatoxin-Menge im Hodengewebe; keine Aussage über Rifampicin als Ursache von Spermienveränderungen [s35].

**Antivirale Mittel.** Movahed 2013 (Ratte, Aciclovir 4, 16, 48 mg/kg über 15 Tage): Spermienzahl unverändert, Beweglichkeit und Vitalität bei 16 und 48 mg/kg vermindert, DNA-Schäden bei 16 und 48 mg/kg und Chromatinanomalien bei allen Dosen erhöht, Testosteron bei 16 und 48 mg/kg verringert [s181]. Narayana 2008 (Maus, 4 bis 48 mg/kg über 15 Tage, Verlaufskontrolle bis Tag 70): Hodengewicht und Hodenkanälchendurchmesser sanken, Spermienzahl von Tag 7 bis 35 (p < 0,001) mit Erholung an Tag 70 außer bei 48 mg/kg, Beweglichkeit gehemmt, Anomalien erhöht; alle Effekte bis Tag 70 reversibel mit Ausnahme von Spermienzahl und LDH-Wert [s210]. Bairy 2009 (Maus, 180 Tiere, 4 bis 48 mg/kg über 15 Tage): Oligospermie von Tag 7 bis 35, verminderte Beweglichkeit, mehr Anomalien von Tag 21 bis 35; alles bis Tag 70 reversibel; die Stammzelllinien der Spermatogenese seien nicht betroffen [s197]. Nihi 2014 (Ratte, pränatale Exposition am Trächtigkeitstag 10): 300 mg/kg Ganciclovir führte zu Keimzellmangel in fetalen und erwachsenen Hoden mit Sertoli-Zell-only-Tubuli, Aciclovir nicht [s175].

**Antiparasitika.** El-Maddawy und Abd El Naby 2018 (Ratte, Ivermectin 0,56 mg/kg): Testosteron, Spermienzahl, Beweglichkeit, Vitalität und Organgewichte sanken, Anomalien stiegen; α-Liponsäure milderte die Schäden [s138]. Moreira 2024 (Ratte, wiederholte hohe Ivermectindosen einmal wöchentlich über drei Wochen): Leydig-Zell-Hypertrophie und größerer Hodenkanälchendurchmesser, keine Beeinträchtigung der Reproduktionsleistung, aber veränderte Entwicklung und Sexualverhalten der Nachkommen [s62]. El-Nahas und El-Ashmawy 2008: Ivermectin einmal wöchentlich über 8 Wochen verursachte bei Ratten leichte Fertilitätsstörungen; zusammen mit Verapamil traten stärkere Wirkungen auf Keimzellen, mehr meiotische Chromosomenaberrationen auf [s205]. El-Shobokshy 2023 (72 Kaninchen, Ivermectin 0,2 mg/kg subkutan über 9 Wochen): geminderte Samenqualität und Testosteron; Zinknanopartikel besserten die meisten Parameter [s70]. Ahmed 2020 (25 Ratten, Ivermectin oder Doramectin 0,2 mg/kg wöchentlich über 4 Wochen): Reproduktionstoxizität unter Ivermectin deutlich, unter Doramectin nicht [s110]. Kutahya 2026 (Awassi-Widder, 0,2 mg/kg subkutan): Ivermectin war in Plasma und Spermien bis zu 25 Tage, im Samenplasma bis zu 20 Tage nachweisbar; Cmax im Plasma 25,03 ± 6,44 ng/ml, im Samenplasma 0,98 ± 0,42 ng/ml, in den Spermien 5,33 ± 3,54 ng/g; Verhältnis Samenplasma zu Plasma etwa 3,9 Prozent (Cmax) beziehungsweise 3,5 Prozent (Fläche unter der Kurve); eine Wirkung auf die Spermienqualität wurde nicht untersucht [s15]. Chavez Varias 2024 und Varias 2025 (Maus-Spermatogonien in vitro): Ivermectin löst dosisabhängig oxidativen Stress, gestörte Calciumspiegel und Proteinaggregation aus, der ER-Stress führt zur Apoptose; Selen beziehungsweise Melatonin kehrten dies um; die Konzentrationen sind laut Autoren hoch (16 µM) [s52, s45]. Huang 2022 (C57BL/6-Mäuse, Mebendazol 40 mg/kg/Tag über 3 und 7 Tage): abnorme Spermatogenese mit deutlicher Abnahme der Spermien, Mikrotubulistörung, vorübergehende Zerstörung der Blut-Hoden-Schranke, ausgedehnte Keimzellapoptose [s91]. Tanyildizi und Türk 2004 (Diminazen 6 mg/kg über 2 Tage, 7 Widder): signifikante Abnahme von Spermienkonzentration, Volumen und Beweglichkeit [s223]. Çelik 2026 (14 Lämmer, Echinokokkose, Albendazol 7,5 mg/kg alle 30 Tage über 3 Monate): Infektion allein senkte Beweglichkeit und Konzentration, die mit Albendazol Behandelten zeigten einen noch deutlicheren Rückgang; ohne Albendazol-Kontrolle an nicht infizierten Tieren sind Medikament und Infektion nicht trennbar [s04]. Yücel 2021 (24 Saanen-Böcke): Albendazol 7,5 mg/kg senkte vor allem die spermatologischen Parameter, Levamisol 7,5 mg/kg das Testosteron; beide verursachten signifikante DNA-Schäden der Spermien im Comet-Test [s106].

**Konservierung und Tierzucht.** Kaurova 2024 (Kröte, Gentamicin 0,05 bis 0,4 mg/ml bei kalter Lagerung): höhere Beweglichkeit als in der Kontrolle (p < 0,0001), bei 1 mg/ml negativer Effekt [s59]. Kchikich 2023 (Ziegenbock): Verdünner mit Streptomycin (50 mg) und Penicillin (50.000 IE) je 100 ml und Majoranöl verbesserte Beweglichkeit und Membranintegrität [s75]. Ghoneim 2021 (Dromedar): ein gentamicinhaltiger Verdünner (250 µg/ml) hielt die Beweglichkeit während 72 Stunden bei 5 °C am besten [s101]. Xu 2025 (Ziege): Azithromycin 30 µg/ml im Verdünner plus Dexamethason verbesserte Beweglichkeit und Membranintegrität [s46]. Diese Arbeiten zeigen, dass dieselbe Wirkstoffklasse in vitro als Konservierungshilfe dienen kann; sie sind für die Einnahme beim Menschen nicht aussagekräftig.

**Gesamtbild der Tierversuche.** Schäden in Hoden, Hormonachse oder Spermienparametern zeigen sich bei Aminoglykosiden, Glykopeptiden, Fluorchinolonen, Amoxicillin, Doxycyclin und Tetracyclin, Metronidazol, Nitrofuranen, Azolen, Artemisinin-Derivaten, Amodiaquin, Chloroquin, Ethambutol, Aciclovir, Ivermectin und Benzimidazolen; im Gegenzug fehlen Schäden bei einigen Ansätzen (Levofloxacin im Herstellerversuch [s262], Cefpirom [s266], Cefonicid und Cephalothin [s275], Ciprofloxacin, Norfloxacin und Lomefloxacin im Aspiratversuch [s251]), und in manchen Modellen schützt ein Tetrazyklin [s80, s96, s226, s217]. Der Befund hängt also vom Wirkstoff, der Dosis, der Dauer, dem Entwicklungsstadium und dem Endpunkt ab.

## Mechanismen und biologische Plausibilität

### Einteilung und Maßstab

Die Einteilung folgt einer einfachen Regel. Als **bewiesen** gilt hier ein Mechanismus, der beim Menschen oder an menschlichem Gewebe unmittelbar gemessen wurde oder durch mehrere voneinander unabhängige Messungen auf pharmakologischer Ebene gesichert ist. Als **plausibel** gilt ein Mechanismus, der in Tierversuchen oder Zellmodellen konsistent gefunden wurde und biologisch nachvollziehbar ist, aber beim Menschen nicht geprüft ist. Als **spekulativ** gilt eine Deutung, die Autoren anbieten, die aber im Material nicht geprüft ist, die nur auf einer einzelnen Studie beruht oder die zwischen Studien widersprüchlich ausfällt. Auch ein bewiesener Mechanismus beweist nicht, dass die übliche Therapie beim Menschen die Spermienqualität in einem klinisch bedeutsamen Ausmaß verändert; dafür müsste Dosis, Dauer und Exposition des Hodens mitgemessen werden, und dazu liegen für die meisten Wirkstoffe keine Daten vor.

### Bewiesen

**Antiinfektiva erreichen Samenplasma und männliche Geschlechtsorgane, aber nicht gleichmäßig.** Metronidazol erreicht im Samenplasma Konzentrationen, die denen im Blut nahekommen (Mittelwert bei Patienten 7,0 Mikrogramm/ml im Samenplasma gegenüber 8,7 Mikrogramm/ml im Blutplasma) [s281]. Levofloxacin findet sich im Sperma gesunder Männer mit einem Sperma-zu-Serum-Verhältnis von 1,12 und 1,26 und im Hodengewebe mit einem Gewebe-zu-Serum-Verhältnis von 1,63 [s260]. Bei acht Patienten wurden unter Levofloxacin, Ciprofloxacin, Ampicillin und Doxycyclin Samenkonzentrationen von 0,33 bis 8,30 mg/l gemessen, über der minimalen Hemmkonzentration der Erreger [s151]. Ketoconazol erreicht dagegen im Samenplasma nur etwa 150 ng/g, deutlich weniger als im Blutplasma [s277]. Im Tier zeigt sich eine ausgeprägte Verteilung auf die Organabschnitte: Nach 300 mg/kg Ketoconazol lag die Konzentration in der Flüssigkeit der Cauda epididymidis bei 18,0 ± 7,3 µg/ml, im Seminalplasma bei 13,5 ± 3,0 µg/ml und in der Rete-testis-Flüssigkeit nur bei 0,47 ± 0,34 µg/ml [s261]. Ivermectin erreichte beim Widder im Samenplasma etwa 3,5 bis 3,9 Prozent der Plasmakonzentration, war aber in Spermien bis zu 25 Tage nachweisbar [s15]. In Rattengewebe erreichten viele Antibiotika Hoden und Nebenhoden nur in niedriger Konzentration (etwa 10 Prozent der Blutkonzentration), in der Prostata dagegen mehr (Nalidixinsäure etwa das Vierfache des Serumspiegels), was die Autorin als Wirkung der Blut-Hoden-Schranke deutet [s278]. Dass ein Arzneimittel dort ankommt, ist die Voraussetzung jeder Wirkung; es beweist aber noch keine.

**Azol-Antimykotika hemmen die Androgensynthese des Hodens.** Das ist der einzige Mechanismus im Material, der beim Menschen, an menschlichem Gewebe und im Tier übereinstimmend belegt ist. Beim Menschen senkte Ketoconazol in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie das mediane intratestikuläre Testosteron von 14 ng/ml unter Placebo auf 3,7 ng/ml (400 mg) und 1,7 ng/ml (800 mg), jeweils bei acht Männern und unter vorübergehender Unterdrückung der LH-Wirkung [s182]. An menschlichem Hodengewebe hemmte Ketoconazol kompetitiv die 3β-Hydroxy-5-en-Steroid-Oxidoreduktase/Isomerase und die NADH-gebundene 20α-Hydroxysteroid-Oxidoreduktase (Ki 2,9 und 0,9 µM) [s270]. In Hodenmikrosomen hemmte es 17α-Hydroxylase und C17,20-Lyase dosisabhängig mit der Rangfolge Ketoconazol > Miconazol > Ozagrel > M-2 > M-1 > Cimetidin; bei Patienten fiel das Serumtestosteron nach einer intravenösen Injektion von 200 mg Miconazol auf rund 16 Prozent und kehrte nach 5 Stunden zum Ausgangswert zurück [s271]. In Schweinehodenmikrosomen hemmten Clotrimazol, Econazol und Miconazol die 16-en-C19-Steroidsynthese mit halbmaximalen Hemmkonzentrationen von 0,29, 0,36 und 1,25 µM [s265]. In Rattenhodenschnitten zeigten Ketoconazol und acht weitere Azole, darunter Fluconazol, Hormonmuster im Sinne einer CYP17A1-Hemmung [s13]. Unter 100 mg/kg Ketoconazol beim Tier fiel das Plasmatestosteron binnen 4 Stunden stark und erholte sich, ohne die Spermienbeweglichkeit zu beeinflussen [s261]. Was der Mechanismus für die Spermienbildung bedeutet, ist beim Menschen nicht gemessen: Die Studie [s182] zielte auf die Testosteronschwelle der Spermatogenese und nicht auf Fertilität, und Drobnis und Nangia halten fest, dass Daten zu Samenqualität oder Fertilität unter Ketoconazol fehlen [s150].

**Sulfasalazin beeinträchtigt die männliche Fertilität reversibel.** Mehrere Übersichten und eine Metaanalyse (14 Studien, 327 Patienten und 110 Tiere) sind sich darin einig [s123, s162, s112, s14, s154, s19]; bei Ratten ist die Wirkung dosisabhängig und nach drei Wochen ohne Medikament nicht mehr nachweisbar [s279]. Der Mechanismus ist nicht über eine Hemmung der Spermienbildung belegt: Bei Ratten waren Spermienzahl, Organgewichte und Testosteron nicht verändert, die Beweglichkeit der Nebenhodenspermien dagegen gesenkt [s279]. Beim Menschen ist das Muster einer Beeinträchtigung bestätigt (größere Spermienköpfe unter Sulfasalazin bei acht Männern, nach Absetzen nur teilweise zurückgebildet) [s280]. Die Frage, ob Sulfasalazin direkt auf die Spermien oder über den Nebenhoden wirkt, wird unter „plausibel“ weiter unten behandelt. Sulfasalazin ist kein klassisches Antibiotikum; es wird hier als Vergleichsfall geführt.

**Keimzell- und Spermienschäden in vitro durch hohe Konzentrationen.** Tetracyclin hemmte in vitro schon bei 2,5 Mikrogramm/ml dosisabhängig den Anteil schnell beweglicher Spermien und stellte bei 50 Mikrogramm/ml die Bewegung aller Spermien ein; die Effekte waren meist nicht reversibel [s243]. Nitrofurantoin und Cefuroxim axetil stellten bei pharmakologischen Konzentrationen die Motilität kryokonservierter Spenderspermien ein [s247]; Miconazol und Clotrimazol töteten menschliche Spermien in millimolaren Konzentrationen [s218]. Das beweist die direkte Spermienwirkung bei diesen Konzentrationen; ob sie im Körper erreicht werden, ist offen (Abschnitt Dosis-Wirkung).

**Krankheit und Arzneimittel sind kaum zu trennen.** Als methodischer Befund ist belegt, dass Prostatitis, Leukozytospermie und Genitalinfektionen mit schlechteren Samenparametern verbunden sind [s19, s117, s156, s188, s139, s245]. Dadurch ist jede Studie, in der ein Antibiotikum einem kranken Mann gegeben wird, durch die Erkrankung verzerrt; die Autoren von [s119] nennen das ausdrücklich als Hauptursache der Widersprüche.

### Plausibel

**Entzündung, Leukozyten und oxidativer Stress als Zwischenglied bei Infektion.** Infektionen der Adnexdrüsen gehen mit erhöhten Leukozytenzahlen, reaktiven Sauerstoffspezies und Zytokinen einher; bei Eradikation unter Levofloxacin sanken Leukozyten, Sauerstoffspezies, Tumornekrosefaktor alpha und Interleukin 6 und stiegen die progressive Motilität, ohne dass die Werte sich dann von fertilen Kontrollen unterschieden [s163]. Sauerstoffradikale im Ejakulat sanken in [s72] und [s170] nach Therapie; die DNA-Fragmentierung sank in mehreren Behandlungsstudien [s207, s199, s22, s17], und Moubasher fand bei Leukozytospermie höhere Anteile von Spermien mit Disomie XY und 18 und einen höheren DNA-Fragmentierungsindex [s140]. Das ergibt einen plausiblen Weg „Infektion, Entzündung, oxidativer Schaden, Spermienfunktion“, der erklären würde, warum ein erfolgreich behandelter Erreger zu besseren Spermienwerten führen kann. Es bleibt ein Assoziationsbefund: Die EAU-Leitlinie hält fest, dass die Behandlung häufig nur die Erreger beseitigt, ohne Wirkung auf entzündliche Veränderungen (Evidenzgrad 2a) [s07], und die randomisierten Studien mit Placebo- oder Nullarm, die Spermienparameter berichteten, fanden keinen Vorteil [s225, s253].

**Oxidativer Stress, Apoptose und Mitochondrien als Schadensweg bei direkter Wirkung.** Fast alle Tierstudien zu Aminoglykosiden, Glykopeptiden, Fluorchinolonen, Amoxicillin, Metronidazol, Ketoconazol, Antimalariamitteln und Ethambutol beschreiben dieselbe Kette: erhöhte Lipidperoxidation (Malondialdehyd), verminderte antioxidative Enzyme (Superoxiddismutase, Katalase, Glutathionperoxidase), erhöhte Apoptosemarker (Caspase-3, Bax) und Keimzellverlust [s135, s211, s209, s33, s69, s63, s23, s08, s67, s92, s48, s134, s99, s58, s50, s26, s03, s113, s174, s203, s138, s70, s161, s191]. Für Doxycyclin ist ein mitochondrialer Mechanismus in Leydig-Tumorzellen beschrieben [s126]. Für Ethambutol nennen die Autoren Mitochondrien- und DNA-Schäden [s161, s115]. Die Plausibilität ist hoch, weil der Befund über viele Wirkstoffklassen konsistent ist; sie ist begrenzt, weil derselbe Weg in praktisch jeder Toxizitätsstudie am Hoden gefunden wird, in einem Design, das ein Antibiotikum in hoher Dosis als verlässlichen Schädiger einsetzt, um einen Schutzstoff (Vitamin C, Resveratrol, Quercetin, Lycopin, Pflanzenextrakte, Probiotika) zu prüfen [s33, s67, s50, s122, s08]. Die Schadwirkung stammt dort nur aus der Kontrollgruppe mit Antibiotikum allein; eine unabhängige Wiederholung mit therapeutischen Dosen fehlt meist.

**Hemmung der Steroidsynthese in Leydig-Zellen bei Fluorchinolonen, Doxycyclin und frühen Lebensphasen.** Für Ciprofloxacin ist ein konkreter Weg beschrieben: Bereits 1 mg/kg über 30 Tage senkte bei adoleszenten Mäusen das Serumtestosteron und erhöhte LH und FSH; Ciprofloxacin hemmte die Transkription des Steroidogenese-Schlüsselproteins StAR über eine verminderte NR4A1-Expression, bei einem S-Phasen-Block in Leydig-Zellen (TM3) und G2/M-Block in Sertoli-Zellen (TM4) [s32]. Dazu passen Befunde bei Zebrabärblingen und jugendlichen Mäusen unter Ciprofloxacin und Enrofloxacin [s90] sowie die genexpressionsbasierte Spermatogenesestörung unter Gatifloxacin bereits bei Dosen, die Hodengewicht und Testosteron nicht änderten [s103]. Dagegen steht die Herstellerstudie mit Levofloxacin ohne Fertilitätsstörung bis 360 mg/kg [s262] und der Aspiratversuch, in dem Ciprofloxacin, Norfloxacin und Lomefloxacin keine Veränderung zeigten [s251]. Der Mechanismus ist daher für einzelne Wirkstoffe in einem Modell mit jugendlichen Mäusen gezeigt, nicht für die Klasse als Ganzes und nicht beim Menschen.

**Entwicklungsfenster: fetaler und pubertärer Hoden.** Amoxicillin (75 bis 300 mg/kg) und Azithromycin (50 bis 200 mg/kg) in der Trächtigkeit störten bei Mäusen den fetalen Hoden: abnorme Entwicklung, gehemmte Proliferation, vermehrte Apoptose, verminderte Steroidsynthese-Marker; am stärksten bei später (Amoxicillin) beziehungsweise mittlerer (Azithromycin) Trächtigkeit und hoher Dosis; beteiligt seien AKT- und ERK-Wege beziehungsweise TGFβ/Smad- und Nrf2-Wege [s76, s60]. Tetracyclin und Doxycyclin in der Pubertät führten bei Mäusen zu dünnerem Keimepithel, kürzerem Anogenitalabstand und mehr apoptotischen Spermien, noch mit 70 Tagen messbar [s176]; Doxycyclin von Geburt bis zum 49. Lebenstag senkte Testosteron und Spermienqualität [s126]. Sulfasalazin in der Trächtigkeit änderte die Hoden der Jungtiere in Kindheit und Pubertät, ohne dass im Erwachsenenalter Spermienbeeinträchtigungen blieben [s71]. Der Mechanismus (empfindliches Fenster der Organentwicklung) ist biologisch nachvollziehbar; beim Menschen fehlen Daten, und die Registerstudie zu väterlichen Verordnungen betrifft Geburtsausgänge, nicht Spermien [s116], und die US-Versicherungsdaten zeigen nur, wie häufig Antibiotika in der Phase der Spermatogenese verordnet werden [s61].

**Spermienreifung im Nebenhoden und direkte Wirkung auf reife Spermien.** Bei Ratten stand Sulfasalazin im Verdacht, die Synthese akrosomaler Membranproteine im Nebenhoden zu mindern: CD59, MCP und DAF waren im Nebenhoden signifikant vermindert, schon an Tag 1, vor dem Beweglichkeitsverlust ab Tag 7, ohne nennenswerte Veränderung der Hodengenexpression [s220, s213]. Ketoconazol führte bei sehr hoher Dosis (300 mg/kg) zu einer reversiblen Immobilisierung der Nebenhodenspermien, während der Testosteronabfall auch bei 100 mg/kg ohne Beweglichkeitsverlust auftrat; die Autoren schließen, Ketoconazol beeinflusse reife Spermien leichter als die testikuläre Spermatogenese [s261]. Aus Tierdaten ergibt sich damit die plausible Trennung von „Hormonwirkung“ und „direkter Spermienwirkung“.

**Blut-Hoden-Schranke und Zytoskelett.** Mebendazol (40 mg/kg über 3 und 7 Tage, Maus) störte Mikrotubuli und zerstörte vorübergehend die Blut-Hoden-Schranke mit Caspase-3-Aktivierung [s91]. Amodiaquin (5 bis 15 mg/kg, 2 Wochen, Ratte) störte die Blut-Hoden-Schranke, bei erhaltenen PLZF-positiven undifferenzierten Spermatogonien, sodass sich der Schaden im Verlauf erholte [s159]. Beide Befunde sind konsistent mit dem allgemeinen Prinzip, dass antimitotische Wirkstoffe Zellverbände der Spermatogenese treffen; sie sind in je einer Studie gezeigt.

**DNA-Schaden und Störung der Meiose.** Artesunat erhöhte bei Mäusen den DNA-Schaden im Comet-Test (Schadensindex 40,27 ± 6,62 und 37,07 ± 5,35 gegenüber 16,13 ± 3,21) [s169]; Aciclovir erhöhte DNA-Schäden und Chromatinanomalien [s181]; Albendazol und Levamisol verursachten signifikante DNA-Schäden der Spermien bei Böcken [s106]; Ethambutol erhöhte unreifes Chromatin und DNA-Schäden [s161]; Mäuse unter Antibiotika (Tetrazykline, Makrolide, Fluorchinolone) und unter Furacilin zeigten Störungen der synaptonemalen Komplexe der Meiose, die mit der Zeit abnahmen [s234, s178]; Nitrofurantoin erhöhte bei Mäusen die Zahl der Univalenten [s283]. In vitro erhöhten Ciprofloxacin und hochdosiert Doxycyclin die Spermien-DNA-Fragmentierung menschlicher Ejakulate [s98]. Beim Menschen stehen dem die gesenkten Fragmentierungsindizes nach antibiotischer Behandlung gegenüber [s207, s199, s22]: Die Richtung hängt also vom Ausgangszustand (Infektion) ab.

**Besondere Strukturmerkmale.** Bei Cephalosporinen verursachte nur Moxalactam mit einer Methylthiotetrazol-Seitenkette Atrophie der Hodenkanälchen und Fertilitätsdefizite, nicht Cefonicid und Cephalothin [s275]; Cefotetan, nicht Cefpirom, schädigte den Hoden junger Ratten [s266]. Das passt zu einer strukturabhängigen Wirkung innerhalb einer Klasse; die Strukturhypothese stammt aus der Quelle selbst und wurde nicht weiter geprüft.

**Darmmikrobiom als Vermittler.** Depletion der Darmmikrobiota durch Antibiotikakombinationen verminderte bei Mäusen die Nebenhodenspermienzahl und störte die Meiose über erhöhte Retinsäure aus Exosomen [s53]; sie änderte das Metabolom der Samenblasensekrete [s142]; sie veränderte piRNAs der Spermien und die Nachkommen [s39]; sie erhöhte in einem zweiten Modell die Wahrscheinlichkeit niedrigen Geburtsgewichts und vorzeitiger Sterblichkeit der Nachkommen, was durch Wiederherstellung der väterlichen Mikrobiota vor der Konzeption aufgehoben wurde [s49]; und sie verminderte Spermin im Darm und verstärkte einen Triptolid-Hodenschaden [s107]. Die Tierstudien sind in sich stimmig und stammen aus voneinander unabhängigen Gruppen; sie testen die Folgen einer weitgehenden Darmentleerung mit mehreren Antibiotika zugleich, nicht die einzelner Wirkstoffe in therapeutischer Dosis. Beim Menschen ist der Weg nicht geprüft. Eine Pilotstudie, die nach erfolgloser Antibiotikatherapie ein Synbiotikum gab, sah den Fragmentierungsindex von 32,4 auf 16,8 Prozent fallen [s11] und fand bei 75 Prozent von 20 Männern mit anhaltender Adnexdrüseninfektion eine Darmdysbiose [s30]; beides sind unkontrollierte Beobachtungen.

### Spekulativ

**Antibiotikaexposition aus Umwelt und Nahrung.** Dass Antibiotika im Urin von 98,9 Prozent von 986 Männern nachweisbar sind und Erythromycin und Doxycyclin negativ mit Spermienkonzentration und Motilität assoziiert waren [s43], begründet die Hypothese einer niedrigdosierten Dauerexposition aus Tierhaltung, Lebensmitteln oder Wasser, wie sie die Übersicht [s55] diskutiert. Die Quelle der Substanzen ist nicht getrennt, die Studie ist querschnittlich, die zweite Studie [s41] geht beim Tetracyclin in die Gegenrichtung. Das reicht für eine Hypothese.

**Väterliche Vererbung über Spermien-RNA und epigenetische Wege.** Aus den Mausversuchen zur Mikrobiom-Depletion [s39, s49] lässt sich folgern, dass väterliche Exposition vor der Konzeption die Nachkommen beeinflussen könnte. Das ist am Menschen nicht geprüft; die dänische Registerstudie fand für Azithromycin (mehr als 1800 Nachkommen) keine Assoziation mit Frühgeburt oder schweren Fehlbildungen [s116].

**Antioxidative Schutzwirkung von Tetrazyklinen.** Doxycyclin schützte im Doxorubicin-Modell [s217], Minocyclin im Hitzestressmodell [s226], bei Ratten verbesserte Minocyclin Spermienparameter und Keimzellzahlen [s80], und bei Varikozele senkte es die Hodenapoptose [s96]. Die Autoren führen das auf antioxidative Wirkungen zurück, nicht auf die antibakterielle. Das widerspricht den Schadensbefunden unter Doxycyclin in anderen Tiermodellen [s126, s176]; die Richtung hängt offenbar von Modell, Dosis und Ausgangszustand ab. Eine klinische Bedeutung ist nicht untersucht.

**Mechanismus der Efavirenz-Assoziation.** In zwei Kohorten war Efavirenz mit verminderter Spermienmotilität verbunden (Median schneller Spermien 5 gegenüber 20 Prozent in den anderen Gruppen) [s165, s152]. Der Abstract nennt keinen Mechanismus; die Kausalität ist nicht nachgewiesen. In einer kleinen Studie unter Tenofovir, Lamivudin und Dolutegravir stieg die Motilität, aber auch die DNA-Fragmentierung [s84]; in vitro verminderten Dolutegravir, Tenofovir und Emtricitabin die Geschwindigkeitsparameter [s42].

**Weitere einzelne Deutungen.** Eine Antibiotikatherapie verbessere die Spermien, indem sie die antioxidative Aktivität erhöhe (Deutung der Autoren, ohne Wirkstoff und Zahlen) [s245]. Eine Eradikation von Helicobacter pylori senke seminales IgA und bessere die Beweglichkeit, bei Dreifachtherapie ohne Zuordnung zu einem Wirkstoff [s172]. Thiaminmangel und oxidativer Stress könnten bei Metronidazol Nerven- und Fertilitätsnebenwirkungen erklären (Rattenstudie mit Grapefruitsaft) [s113]. Eine SPATA6-Methylierung bei Amöbiasis und Metronidazol: Die Autoren betonen selbst, dass der Zusammenhang zwischen Methylierung und Fertilität unklar ist [s40]. Eine Anreicherung von Ivermectin in Spermien (5,33 ng/g gegenüber 0,98 ng/ml im Samenplasma beim Widder) ist ein Befund ohne gemessene Wirkung [s15]. Dass bei Clarithromycin und Ketoconazol in Quinestrol-Kombinationen Hormon- und Spermienmarker sinken, ist dem CYP3A4-Hemmprinzip zugeschrieben worden; ein Beitrag der Einzelstoffe lässt sich nicht trennen [s56, s57].

### Übersicht der Mechanismen

| Mechanismus | Einstufung | Tragende Quellen | Wichtigste Grenze |
|---|---|---|---|
| Wirkstoff erreicht Samen und Genitalorgane | bewiesen (Mensch, Tier) | [s281, s260, s151, s277, s261, s15, s278] | Konzentrationen sehr unterschiedlich je Wirkstoff und Organ; Wirkung nicht mitgemessen |
| Azole hemmen Androgensynthese des Hodens | bewiesen (Mensch, menschliches Gewebe, Tier) | [s182, s270, s271, s265, s13, s261] | Folgen für Spermienbildung und Fertilität beim Menschen nicht gemessen |
| Sulfasalazin mindert Fertilität reversibel | bewiesen (Mensch, Tier) | [s123, s279, s280, s162] | Kein klassisches Antibiotikum; Mechanismus am Spermium nur im Tier |
| Direkte Hemmung von Beweglichkeit und Vitalität in vitro | bewiesen für hohe Konzentrationen | [s243, s247, s218, s98] | In-vivo-Konzentration im Samen oft niedriger |
| Infektion, Leukozyten, reaktive Sauerstoffspezies, DNA-Fragmentierung | plausibel (Assoziation, Mensch) | [s163, s207, s199, s72, s170, s140] | Keine Kontrolle; Placebostudien ohne Vorteil [s225, s253] |
| Oxidativer Stress, Apoptose, Mitochondrien | plausibel (Tier) | [s135, s211, s33, s23, s67, s126] | Hohe Dosen, Schutzdesign, keine Humandaten |
| Hemmung der Steroidsynthese in Leydig-Zellen (StAR, NR4A1) | plausibel (Maus, Zelle) | [s32, s90, s126] | Einzelne Wirkstoffe; Herstellerstudie ohne Fertilitätsstörung [s262] |
| Empfindliches Entwicklungsfenster | plausibel (Maus, Ratte) | [s76, s60, s176, s126, s71] | Beim Menschen nicht untersucht |
| Nebenhoden und Spermienreifung | plausibel (Ratte) | [s220, s213, s261] | Einzelne Gruppen |
| Blut-Hoden-Schranke, Zytoskelett | plausibel (Maus, Ratte) | [s91, s159] | Je eine Studie |
| DNA-Schaden, Meiosestörung | plausibel (Tier, in vitro) | [s169, s181, s106, s161, s234, s178, s98] | Hohe Dosen; Richtung bei Infektion gegenläufig |
| Darmmikrobiom als Vermittler | plausibel im Tier, beim Menschen spekulativ | [s53, s142, s39, s49, s107] | Totale Depletion durch Kombinationen |
| Umweltexposition niedriger Dosen | spekulativ | [s43, s55, s41] | Querschnitt; Quelle unklar; Studien gegenläufig |
| Väterliche Vererbung über Spermien-RNA | spekulativ | [s39, s49] | Nur Maus |
| Schutz durch Tetrazykline (antioxidativ) | spekulativ | [s217, s226, s80, s96] | Gegenläufig zu Schadensbefunden |
| Efavirenz und Motilität | spekulativ (Assoziation) | [s165, s152] | Kein Mechanismus, Kausalität offen |

## Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

### Dosis und Dauer beim Menschen

Beim Menschen gibt es im Material keine Studie, die verschiedene Dosen desselben Antiinfektivums auf Spermienparameter verglichen hätte. Verglichen wurden nur Behandlungsdauern, und zwar mit dem Ergebnis, dass die Dauer keinen Unterschied machte: In der Studie von Zhang betrug die Heilungsrate der Ureaplasma-Infektion unter Doxycyclin 84,62 Prozent im 7-Tage- und 89,66 Prozent im 14-Tage-Schema (p = 0,738) [s117]; in der Minocyclin-Studie gab es zwischen einer und zwei Wochen keinen signifikanten Unterschied bei den Spermienwerten [s258]. Die Schemata, die in den Humanstudien verwendet wurden, unterscheiden sich stark in Wirkstoff, Dosis und Dauer, und die Ergebnisse lassen sich nicht auf einer Dosisachse ordnen.

| Studie | Wirkstoff und Schema | Population | Befund zur Spermienqualität |
|---|---|---|---|
| Krisp 2003 [s225] | Levofloxacin 250 mg täglich, 10 Tage | 36 Männer, asymptomatische Leukozytospermie | kein signifikanter Unterschied zur Nichtbehandlung nach 2 Wochen |
| Merino 1995 [s253] | Trimethoprim-Sulfamethoxazol 160/800 mg oder Ciprofloxacin 250 mg, je zweimal täglich | 60 Männer, positive Samenkultur | kein Unterschied zu Placebo |
| Erel 1997 [s246] | Doxycyclin 100 mg zweimal täglich, 10 Tage, ± Ceftriaxon 1 g | 70 Männer, asymptomatische Leukozytospermie | Leukozyten sanken (p < 0,05), Leukozytospermie blieb; keine Spermienzahlen im Abstract |
| Yamamoto 1995 [s254] | Trimethoprim 80 mg + Sulfamethoxazol 400 mg zweimal täglich, 1 Monat | 48 Männer, Leukozytospermie und Prostatitis | Auflösung der Leukozytospermie 56 Prozent gegen 6,7 Prozent ohne Behandlung |
| Malallah 1992 [s258] | Minocyclin 200 mg täglich, 1 oder 2 Wochen | 25 Männer, Eiterzellen im Samen | Zunahme von Spermienzahl und beweglichen Spermien (p < 0,01), kein Dauerunterschied |
| Vinogradov 2015 [s170] | Levofloxacin 750 mg täglich, 15 Tage | 34 Männer, Asthenoteratozoospermie, Leukospermie | Beweglichkeit 14,1 auf 21,1 Prozent, normale Morphologie 6,2 auf 7,7 Prozent |
| Vicari 2016 [s163] | Levofloxacin 500 mg täglich, 14 Tage je Monat über 3 Monate | 110 Männer, chronische bakterielle Prostatitis | bei Eradikation bessere Motilität, bei Nicht-Respondern Verschlechterung |
| Adel Domínguez 2025 [s22] | Ciprofloxacin 1000 mg täglich 21 Tage + Doxycyclin 100 mg 10 Tage + Meloxicam | 98 Männer | Spermienzahl, Konzentration, Morphologie besser; Fragmentierung 28,24 auf 16,2 Prozent |
| Lindhof 2025 [s38] | Doxycyclin (Schema im Abstract nicht genannt) | 124 Männer mit Ureaplasma-parvum-Eradikation | Konzentration 4,01 auf 9,20 Mio./ml, Motilität 18,97 auf 29,66 Prozent |
| Lisakovskaya 2003 [s229] | 20 Antibiotika, mittlere Dosen, 10 bis 30 Tage | 243 Männer, nicht schwere Infekte | gruppierte Störungen je Wirkstoff, Zahlen je Wirkstoff nicht berichtet |
| Gopalkrishnan 1990 [s269] | Metronidazol 400 mg dreimal täglich, 10 Tage | 25 Männer mit Trichomonas im Samen | Samenwerte besser, ohne Kontrolle |
| Roth 2013 [s182] | Ketoconazol 400 oder 800 mg täglich, 7 Tage (nach LH-Unterdrückung) | je 8 gesunde Männer | intratestikuläres Testosteron 3,7 und 1,7 ng/ml gegen 14 ng/ml unter Placebo |

Das Muster dosisabhängiger Wirkung ist nur für Ketoconazol beim Menschen angedeutet: 400 mg senkten das intratestikuläre Testosteron auf 3,7 ng/ml, 800 mg auf 1,7 ng/ml, bei acht Männern je Gruppe und mit weit überlappenden Interquartilbereichen (2,5 bis 7,1 und 0,8 bis 4,0 ng/ml) [s182]. Für eine Dosiskurve reicht das nicht.

### Dosis und Dauer im Tierversuch

Im Tierversuch gibt es zahlreiche Dosisreihen. Sie zeigen meist eine dosisabhängige Zunahme von Schäden, aber auf einem Dosisniveau, das je nach Studie ein Mehrfaches der Humandosis ausmacht. Die Abstracts rechnen nur selten auf Humanäquivalente um; wo Autoren eine Dosis als „therapeutisch“ bezeichnen, ist das eine Autorenangabe. Das Kapitel rechnet nicht selbst um, weil dafür Körperoberfläche, Pharmakokinetik und Tierstamm erforderlich wären, die in den Quellen fehlen.

| Wirkstoff | Modell | Dosen und Dauer | Befund, Abhängigkeit von Dosis oder Dauer | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Sulfasalazin | Ratte | 300, 450, 600 mg/kg täglich, 5 Wochen | Fertilität 60,9, 35,5, 26,8 Prozent der Kontrolle | [s279] |
| Sulfasalazin | Ratte | 150, 300, 600 mg/kg, 14 Tage | Hodenhistologie am empfindlichsten; Fertilität nur bei 600 mg/kg leicht vermindert; Veränderungen der Spermienfreisetzung bei allen Dosen | [s252] |
| Sulfasalazin | Ratte | 150, 300, 600 mg/kg, 60 Tage | schwere Hodenveränderungen; Testosteron bei hohen Dosen verringert | [s141] |
| Metronidazol | Maus | 250 und 500 mg/kg, 28 Tage | 250 mg/kg ohne Wirkung; 500 mg/kg Organgewichte, Beweglichkeit, Vitalität, Zahl, Fertilität gemindert | [s179] |
| Metronidazol | Ratte | 15, 30, 200, 400 mg/kg, 8 Wochen | 15 mg/kg ohne signifikante negative Wirkung; bei 200 und 400 mg/kg weniger Testosteron und FSH | [s189, s190] |
| Metronidazol | Maus | 500 mg/kg, 14 Tage (etwa das Dreifache der Maus-Therapiedosis laut Autoren) | Organgewichte, Beweglichkeit, Testosteron, Fertilität gemindert | [s222] |
| Ornidazol | Ratte | 400 und 800 mg/kg, 20 Tage | Beweglichkeit 40,25 und 27,58 gegen 74,12 Prozent; Spermienzahl bei 800 mg/kg 18,67 gegen 38,59 × 10^5/100 mg | [s145] |
| Gentamicin | Ratte | 0, 60, 80, 100 mg/kg, 10 Tage | dosisabhängig Hodengewicht, Spermienzahl, Beweglichkeit, Testosteron gesenkt | [s135] |
| Gentamicin | Ratte | 3 und 5 mg/kg, 10 Tage | 5 mg/kg senkte Hodengewicht und Tagesproduktion; Anteil abnormaler Spermien stieg dosisabhängig | [s211] |
| Ofloxacin | Ratte | 36, 72, 360 mg/kg/Tag, 15 Tage | Tagesproduktion minus 26,1 Prozent (72 mg/kg) und minus 40,0 Prozent (360 mg/kg) | [s236] |
| Ofloxacin | Ratte | 72 und 216 mg/kg, 14 oder 28 Tage | Schäden nahmen mit Dauer und Dosis zu | [s194] |
| Ciprofloxacin | Maus (adoleszent) | 1 bis 75 mg/kg, 30 Tage | bereits 1 mg/kg senkte Testosteron; Spermienzahl sank mit steigender Dosis | [s32] |
| Gatifloxacin | Maus | 25, 50, 100 mg/kg, 7 Tage | dosisabhängige Spermatogenesestörung in der Histologie; Genexpression bei 50 mg/kg verändert, Gewicht und Testosteron nicht | [s103] |
| Amoxicillin | Maus (Trächtigkeit) | 75, 150, 300 mg/kg täglich | stärkster Schaden bei später Trächtigkeit und hoher Dosis; Einzel- und Mehrfachkurs gleich | [s76] |
| Azithromycin | Maus (Trächtigkeit) | 50, 100, 200 mg/kg täglich | stärker bei mittlerer Trächtigkeit, hoher Dosis, Einzelkurs | [s60] |
| Olaquindox | Maus | 5 und 60 mg/kg, 45 Tage | 60 mg/kg Spermienzahl, Beweglichkeit, Vitalität gesenkt; beide Dosen oxidativ geschädigt | [s88] |
| Ketoconazol | Maus | 30, 50, 70 mg/kg täglich s.c., 3 Wochen | dosisabhängiger Rückgang von Hodenenzymen, weniger Keimzellen | [s104] |
| Ketoconazol | Ratte | 100 und 300 mg/kg einmalig | 300 mg/kg reversible Immobilisierung der Nebenhodenspermien; 100 mg/kg nur Testosteronabfall | [s261] |
| Ethambutol | Maus | 40, 80, 160 mg/kg alle 2 Tage, 4 Wochen | dosisabhängig weniger Hodengewicht, Zahl, Beweglichkeit; mehr Kopfanomalien | [s161] |
| Aciclovir | Maus | 4 bis 48 mg/kg, 15 Tage | Oligospermie Tag 7 bis 35; Beweglichkeit gehemmt | [s210, s197] |
| Aciclovir | Ratte | 4, 16, 48 mg/kg, 15 Tage | Beweglichkeit und Vitalität bei 16 und 48 mg/kg vermindert; Chromatinanomalien bei allen Dosen | [s181] |
| Amodiaquin | Ratte | 5, 10, 15 mg/kg, 2 Wochen | dosisabhängige Störung der Spermatogenese; erholte sich | [s159] |
| Artesunat | Ratte | 2,9 mg/kg, 5 Tage oder 6 Wochen | Kurzzeit ohne Wirkung; Langzeit mit Schäden | [s193] |
| Artemisinin | Ratte | 7 und 35 mg/kg, 7 Tage | therapeutische Dosis ohne Antioxidanzieneffekt; Überdosis mit Nebenhodendegeneration | [s173] |
| Artesunat/Amodiaquin | Meerschweinchen | subklinische bis klinische Dosen | Effekte bei subklinischen Dosen am stärksten, in Kombination synergistisch (Spermienzahl minus 54, 28, 84 Prozent) | [s200] |
| Nitrofurantoin | Ratte, Maus | Futterstudien, 13 Wochen | Keimepitheldegeneration ab 2500 ppm (Ratte), 1300 ppm (Maus) | [s272] |
| Nitrofurantoin | Ratte | 12 bis 116 mg/kg täglich | vermehrte Hodendegeneration nur bei hoher Dosis (Männchen 81 mg/kg) | [s267] |
| Cefpirom, Cefotetan | junge Ratte | 200 bis 1000 mg/kg subkutan, Tag 6 bis 40 | Cefpirom ohne Befund; Cefotetan 1000 mg/kg mit Atrophie | [s266] |
| Moxalactam | junge Ratte | 100 bis 1000 mg/kg | Atrophie und Fertilitätsdefizite bei allen Dosen | [s275] |
| Levofloxacin | Ratte, Kaninchen | oral bis 360 mg/kg (Ratte) | keine Fertilitätsstörung; Herstellerstudie | [s262] |

Die Tabelle zeigt drei Dinge. Erstens gibt es echte Dosisabhängigkeiten (Sulfasalazin, Gentamicin, Ofloxacin, Ethambutol, Amodiaquin, Ketoconazol, Metronidazol in den Modellen mit Schwellenwert). Zweitens sind die Schwellen sehr verschieden: Metronidazol ohne Wirkung bei 250 mg/kg und mit Wirkung bei 500 mg/kg im selben Modell [s179] gegenüber Gentamicin mit Effekten bereits bei 3 und 5 mg/kg [s211] und Ciprofloxacin mit Testosteronabfall bei 1 mg/kg [s32]. Drittens sind nicht alle Kurven einfach: Bei Artesunat und Amodiaquin waren die Effekte bei subklinischen Dosen am stärksten [s200], und bei Sulfasalazin war die Histologie bei allen Dosen verändert, die Fertilität aber nur bei der höchsten leicht vermindert [s252].

**Dauer.** Bei mehreren Wirkstoffen hängt der Schaden von der Dauer ab. Artesunat wirkte bei 5 Tagen nicht, bei 6 Wochen schon [s193]; Ofloxacin verschlechterte die Befunde mit der Dauer von 14 auf 28 Tage [s194]; Sulfasalazin verminderte die Beweglichkeit erst ab Tag 7, während sich die Expression der Nebenhodenproteine schon an Tag 1 änderte [s213]; Chloroquin senkte bei Ratten die Testosteronsekretion progressiv über bis zu drei Monate [s248]. Für Amoxicillin in der Trächtigkeit machte der Mehrfachkurs gegenüber dem Einzelkurs keinen Unterschied [s76], für Azithromycin war der Einzelkurs stärker wirksam [s60].

### Konzentrationen im Samen und in vitro eingesetzte Konzentrationen

In vitro beobachtete Wirkungen sind für den Menschen nur bedeutsam, wenn die Konzentration im Samen in der Nähe liegt. Die folgende Gegenüberstellung nennt gemessene Samenkonzentrationen (in vivo) und die in Versuchen eingesetzten Konzentrationen. Der Vergleich ist grob, weil Wirkstoffe, Messmethoden und Zeitpunkte verschieden sind.

| Wirkstoff | Gemessen im Samen (in vivo) | In vitro eingesetzt | Quelle |
|---|---|---|---|
| Levofloxacin | 1,19 µg/ml (Tag 7) und 1,32 µg/ml (Tag 13) bei Gesunden unter 100 mg dreimal täglich; 0,33 bis 8,30 mg/l bei 5 Patienten | nicht geprüft | [s260, s151] |
| Ciprofloxacin | 1,625 mg/l bei einem Patienten | Fragmentierung erhöht bei der im Samen vermuteten Konzentration und beim 100-Fachen (Zahlen im Abstract nicht genannt) | [s151, s98] |
| Doxycyclin | 1,05 mg/l bei einem Patienten; mittlere 0,89 µg/ml (Zweitangabe) | Fragmentierung bei hoher Konzentration erhöht; Hyperaktivierung bei physiologischer Konzentration vermindert; in [s171] als zu hoch kritisiert (mindestens 2,6 µg/ml) | [s151, s171, s98, s247] |
| Ampicillin | 2,67 mg/l bei einem Patienten | Fragmentierung nicht erhöht | [s151, s98] |
| Metronidazol | 7,0 µg/ml im Samenplasma | bis 10 mg/ml wenig Einfluss | [s281, s231] |
| Ketoconazol | 150 ng/g im Samenplasma (7 Männer) | eine 50-fach höhere Konzentration störte die Beweglichkeit nicht | [s277] |
| Tetracyclin | nicht gemessen | Hemmung der schnellen Beweglichkeit ab 2,5 µg/ml; Stillstand bei 50 µg/ml | [s243] |
| Erythromycin | nicht gemessen | Wirkung erst über 100 µg/ml | [s243] |
| Co-trimoxazol | nicht gemessen | minus 34 Prozent Bewegung bei 500 µg/ml | [s243] |
| Miconazol, Clotrimazol | nicht gemessen | Absterben aller Zellen bei 0,5 mM beziehungsweise 1,0 mM | [s218] |
| Ketoconazol (Ratte) | Seminalplasma 13,5 µg/ml nach 300 mg/kg; Rete-testis-Flüssigkeit 0,47 µg/ml | Immobilisierung der Nebenhodenspermien bei hoher Konzentration | [s261] |

Für Doxycyclin und Ciprofloxacin liegen die in vivo gemessenen Konzentrationen (je ein Patient) bei 1,05 und 1,625 mg/l, und die In-vitro-Versuche zur Fragmentierung benutzen die vermutete Konzentration und das Hundertfache [s98, s151]. Die Autoren der In-vitro-Studie weisen selbst darauf hin, dass die Aussage für ex vivo behandelte Spermien gilt (etwa in Verdünnern), nicht für die Einnahme [s98]. Der Hemmbefund für Tetracyclin bei 2,5 µg/ml [s243] liegt in einer ähnlichen Größenordnung wie die im Samen unter Doxycyclin gemessene Konzentration; da Tetracyclin und Doxycyclin verschiedene Wirkstoffe sind und die Samenkonzentration von Tetracyclin im Material fehlt, lässt sich daraus keine Aussage über die Einnahme ableiten.

### Subgruppen

Subgruppenbefunde sind im Material die schwächste Evidenz: Sie stammen aus einzelnen Studien, meist ohne Interaktionstest. Die folgende Tabelle ordnet sie nach dem Merkmal, nach dem getrennt wurde.

| Merkmal | Befund | Quelle | Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Alter des Mannes | Der negative Zusammenhang von Erythromycin und Doxycyclin im Urin mit der Spermienkonzentration war bei jüngeren Männern stärker | [s43] | Querschnitt, Quelle der Antibiotika unklar |
| Alter des Mannes | Das Infertilitätsrisiko folgte einer U-Kurve mit dem niedrigsten Risiko bei 25 bis 29 Jahren; nicht auf Antibiotika bezogen | [s06] | Kontext, keine Antibiotikaauswertung |
| Ausgangswerte | Bei Männern mit normalen Ausgangswerten änderte sich unter Doxycyclin nichts; Besserung nur bei schlechten Werten | [s38] | Regression zur Mitte möglich |
| Erfolg der Eradikation | Bei Eradikation besserten sich Motilität, Leukozyten, Sauerstoffspezies; bei schlechtem Ansprechen verschlechterten sich alle Größen | [s163] | Gruppen nach Erfolg gebildet |
| Ort der Infektion | Heilungsrate Prostatitis 92,5 Prozent, Prostatovesikulitis 70,4 Prozent, Prostatovesikuloepididymitis 52,0 Prozent; bei Nebenhodenbeteiligung keine Besserung der Spermienparameter | [s239] | keine Randomisierung |
| Erreger und Resistenz | Resistente Ureaplasma-Stämme gingen häufiger mit Asthenozoospermie, Teratozoospermie, hoher DNA-Fragmentierung (10,03 Prozent bei Polyresistenz gegen 5,92 Prozent) und verminderter Akrosinaktivität (40,46 Prozent bei Polyresistenz) einher | [s108] | Querschnitt |
| Erreger und Wirkstoff | Eradikation von Ureaplasma/Mycoplasma hominis: Azithromycin misslang in 50 Prozent, Doxycyclin in 10,2 Prozent | [s129] | kleine Gruppe (33 positive Männer) |
| Erreger und Wirkstoff | Chlamydien: Azithromycin-Einzeldosis gegen Doxycyclin 7 Tage mikrobiologisches Versagen Risikoverhältnis 2,45 (1,36 bis 4,41) | [s128] | Zielgröße nicht Spermien |
| Erkrankungsstatus | Bei gesunden Ratten verursachte Ciprofloxacin leichte Schäden, bei infizierten Hoden stärkere | [s212] | Tiermodell |
| Erkrankungsstatus | Hodenwirkung von Albendazol ist von der Infektion nicht trennbar | [s04] | keine Kontrolle an nicht infizierten Tieren |
| Fertile gegenüber infertilen Männern | Tetracyclin im Urin war nur bei infertilen Männern mit erhöhter Motilität assoziiert | [s41] | Querschnitt |
| Entwicklungsphase | Pränatal, pubertär und früh postnatal waren Hodenschäden bei Maus und Ratte nachweisbar (Amoxicillin, Azithromycin, Tetracyclin, Doxycyclin, Ciprofloxacin, Cefotetan, Moxalactam) | [s76, s60, s176, s126, s32, s266, s275] | beim Menschen nicht geprüft |
| Innerhalb einer Klasse | Streptomycin schädigte Spermienparameter weniger als Gentamicin und Neomycin; Cefpirom und Cefonicid ohne Befund, Cefotetan und Moxalactam mit Befund; Ivermectin deutlich, Doramectin nicht | [s209, s166, s266, s275, s110] | Tiermodelle |
| Regime bei HIV | Efavirenz-haltige Regime gegenüber anderen: Median schneller Spermien 5 gegen 20 Prozent | [s165, s152] | Kausalität nicht bewiesen |
| Rauchen | Doxycyclin bei Rauchern mit steriler Leukozytospermie gegen Rauchstopp allein: höhere Beweglichkeit nach 2 Wochen, bis 12 Wochen anhaltend | [s153] | weder Randomisierung noch Verblindung angegeben |
| Partnerin | Gramnegative Stäbchen in der Scheide häufiger bei Partnern behandelter Männer (29 gegen 10 Prozent) | [s249] | Beobachtung vor IVF |

Zwei Befunde fallen auf. Erstens ändert sich die Richtung eines Antibiotikaeffekts mit dem Ausgangszustand: Bei Infektion bessern sich Spermienwerte nach erfolgreicher Eradikation, bei gesundem Gewebe oder normalen Werten ändert sich nichts [s38], und in Tiermodellen verstärkt das Antibiotikum bei bestehender Infektion den Schaden [s212]. Zweitens beschreiben mehrere unabhängige Tierstudien Schäden nach Exposition in frühen Lebensphasen; ein Vergleich mit erwachsenen Tieren bei gleicher Dosis ist im Material nicht enthalten, sodass eine höhere Empfindlichkeit dieser Phase nicht belegt ist. Beim Menschen ist sie nicht untersucht.

### Reversibilität

Die Frage, ob eine Wirkung nach Absetzen verschwindet, ist wegen des Spermatogenesezyklus nur mit langer Nachbeobachtung zu beantworten. Die russische Studie untersuchte 3 Monate nach Therapieende „unter Berücksichtigung des Spermatogenesezyklus“ nach [s229]; die meisten anderen Humanstudien beobachteten Wochen. Die folgende Tabelle ordnet die Befunde.

| Wirkstoff | Modell | Beobachtung zur Rückbildung | Quelle |
|---|---|---|---|
| Amoxicillin, Azithromycin, Ampicillin, Cefazolin, weitere (Gruppe 2) | Mensch, 243 Männer | Störung am Kurende, nach 3 Monaten wieder Ausgangsniveau | [s229] |
| Metronidazol, Gentamicin, Doxycyclin, Nitrofurantoin, Rifampicin, Ceftriaxon, weitere (Gruppe 3) | Mensch, 243 Männer | Störung am Kurende und nach 3 Monaten noch vorhanden | [s229] |
| Niridazol | Mensch, 20 Männer (Zweitangabe) | reversibler Spermatogenesestillstand | [s150] |
| Sulfasalazin | Mensch, 8 Männer | nach Absetzen Kopfgröße zunächst weiter erhöht, dann sinkend, ohne den normozoospermen Wert zu erreichen | [s280] |
| Sulfasalazin | Ratte | nach 3 Wochen ohne Medikament Fertilität wieder normal | [s279] |
| Miconazol (i.v. 200 mg) | Mensch | Serumtestosteron auf rund 16 Prozent, nach 5 Stunden Ausgangswert | [s271] |
| Hydroxychloroquin, Favipiravir | Mensch, 29 Männer | 4,5 Monate nach Genesung alle Parameter vergleichbar mit vorher | [s102] |
| Metronidazol | Maus | 500 mg/kg: 42 Tage nach Absetzen alles wieder normal | [s179] |
| Metronidazol | Maus | Gewicht der Adnexorgane erholte sich, Hoden und Nebenhoden nicht bis 2 Monate | [s222] |
| Metronidazol | Ratte | laut Autoren nach 8 Wochen Pause umkehrbar | [s189] |
| Fluconazol | Kaninchen | Werte kehrten erst im zweiten Monat nach Absetzen zur Norm zurück | [s230] |
| Ketoconazol | Ratte | Immobilisierung der Nebenhodenspermien reversibel; Testosteron erholte sich | [s261] |
| Aciclovir | Maus | bis Tag 70 reversibel, außer Spermienzahl (bei 48 mg/kg) und LDH | [s210, s197] |
| Amodiaquin | Ratte | Schaden erholte sich im Verlauf (PLZF-positive Spermatogonien überlebten) | [s159] |
| Artesunat, Dapson, Artesunat-Kombinationen | Ratte, Meerschweinchen | Erholungsgruppen normalisiert | [s193, s121, s137] |
| Chloroquin | Ratte | nach einem Monat ohne Medikament nicht normalisiert | [s248] |
| Tetracyclin, Doxycyclin (Pubertät) | Maus | Effekte noch nach 70 Tagen messbar; Autoren sehen langanhaltende Wirkungen | [s176] |
| Doxycyclin, Nitrofurantoin, Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Ofloxacin | Ratte (Hodenaspirat) | an Tag 11 und an Tag 56 weiterhin signifikant verändert | [s251] |
| Oxytetracyclin | Hahn | nach 6 Tagen Abnahme, an Tag 9 fast wie vor der Behandlung | [s78] |
| Antibiotika (Tetrazykline, Makrolide, Fluorchinolone), Furacilin | Maus | Störungen der synaptonemalen Komplexe nahmen an Tag 10 und 36 ab | [s234, s178] |
| Mebendazol | Maus | Blut-Hoden-Schranke vorübergehend zerstört | [s91] |
| Sulfasalazin (Trächtigkeit) | Ratte | im Erwachsenenalter keine Beeinträchtigungen der Spermienparameter | [s71] |
| Ivermectin | Ratte | Nachkommen mit veränderter Entwicklung trotz erhaltener Reproduktionsleistung | [s62] |

Aus der Tabelle lassen sich vier Aussagen ableiten. Erstens sind Schäden in Tiermodellen häufig reversibel, wenn die Nachbeobachtung lang genug ist (Wochen bis wenige Monate; die Dauer entspricht grob einem Spermatogenesezyklus des jeweiligen Tieres). Zweitens gibt es Ausnahmen: Chloroquin [s248], Tetrazykline in der Pubertät [s176] und bei Aciclovir und Metronidazol einzelne Parameter [s210, s222]. Drittens liegt die einzige größere Humanbeobachtung zur Rückbildung bei einem Vergleich nach drei Monaten [s229], mit Vorbehalten (keine Kontrollgruppe, keine p-Werte, Störfaktoren). Viertens fehlen zu den Aussagen „nach Absetzen normalisiert sich das Ejakulat meist“ [s119] belastbare Humandaten; die russischen Autoren benennen das als Datenlücke.

### Was dieses Kapitel nicht beantworten kann

Das Material enthält keine Studie, die bei gesunden Männern die Spermienqualität unter einer üblichen Antibiotika-, Antimykotika- oder Antimalariatherapie gegen eine unbehandelte oder placebobehandelte Gruppe über einen vollständigen Spermatogenesezyklus misst; die größte Beobachtung zu gesunden Männern ist die russische Serie ohne Kontrollgruppe [s229]. Es enthält keine Studie, die für Nitrofurantoin, Metronidazol oder Tetrazykline eine Humandosis-Wirkungs-Beziehung für Spermienparameter ermittelt. Es enthält keine Metaanalyse zu Antibiotika bei männlicher Subfertilität. Für Antimalariamittel und Antimykotika (außer Ketoconazol) fehlen Humandaten zu Spermienparametern fast vollständig [s102, s182]. Die Tierversuche zeigen in vielen Fällen Wirkungen, deren Übertragung auf die menschliche Therapie ungeprüft ist; sie sind als Hinweis auf mögliche Wirkwege, nicht als Beleg für Wirkungen bei üblichen Dosen zu lesen. Das Kapitel gibt keine Therapieempfehlung; die Leitlinien- und Übersichtsaussagen sind als Aussagen der jeweiligen Autoren wiedergegeben.

### Anhang: Originaltitel der russisch-, türkisch- und japanischsprachigen Arbeiten

Die Titel stehen im Original, die deutsche Übersetzung in Klammern. Die französisch-, italienisch- und spanischsprachigen Arbeiten sind im Abstract in der englischen Titelfassung der Datenbank geführt; Originaltitel in der Landessprache wurden nicht abgerufen. Die chinesischsprachigen Arbeiten liegen ebenfalls nur mit englischer Titelfassung vor.

- [s229] Лисаковская О.В. (2003): Влияние антибактериальных препаратов на качество эякулята мужчин репродуктивного возраста (Der Einfluss antibakterieller Präparate auf die Ejakulatqualität von Männern im reproduktiven Alter)
- [s170] Виноградов И.В., Коршунов М.Н., Штыря Ю.А., Габлия М.Ю., Киндарова Л.Б. (2015): Эффективность и безопасность левофлоксацина 750 в коррекции астенотератозоо- и лейкоспермии при подготовке к ВРТ пар с сочетанным фактором бесплодия (Wirksamkeit und Sicherheit von Levofloxacin 750 bei der Korrektur von Asthenoteratozoospermie und Leukospermie in der Vorbereitung auf ART bei Paaren mit kombiniertem Infertilitätsfaktor)
- [s119] Кадыров З.А., Акрамов М.М., Алдыраков Э.М. (2020): Воздействие антибактериальных препаратов на сперматогенез (обзор литературы) (Die Wirkung antibakterieller Präparate auf die Spermatogenese (Literaturübersicht))
- [s171] Стрыгин А.В., Несмиянов П.П., Толкачев Б.Е. (2015): Положительное влияние доксициклина на показатели мужской фертильности (Positiver Einfluss von Doxycyclin auf Parameter der männlichen Fertilität)
- [s65] Веденяпин А.В., Шатылко Т.В., Гамидов С.И., Попова А.Ю., Гамидова П.С. (2024): Влияние распространенных бактериальных инфекций на индекс фрагментации ДНК сперматозоидов. Обзор литературы (Der Einfluss häufiger bakterieller Infektionen auf den DNA-Fragmentierungsindex der Spermatozoen. Literaturübersicht)
- [s47] Ибрагимов Ш.Ш., Живулько А.Р., Монаков Д.М., Грицкевич А.А., Олефир Ю.В., Костин А.А. (2025): Роль инфекции добавочных половых желез и лейкоспермии в андрологической практике (Die Rolle der Infektion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen und der Leukospermie in der andrologischen Praxis)
- [s108] Луцкий Д.Л., Луцкая А.М., Выборнов С.В., Махмудов Р.М. (2021): Биохимическое и морфофункциональное исследование спермы мужчин, инфицированных антибиотикорезистентными штаммами Ureaplasma urealyticum (Biochemische und morphofunktionelle Untersuchung des Spermas von Männern, die mit antibiotikaresistenten Stämmen von Ureaplasma urealyticum infiziert sind)
- [s147] Белый Л.Е. (2018): Пептиды предстательной железы в коррекции патоспермии у пациентов с хроническим бактериальным простатитом (Peptide der Prostata bei der Korrektur der Pathospermie bei Patienten mit chronischer bakterieller Prostatitis)
- [s109] Почерников Д.Г., Постовойтенко Н.Т., Яковлева Л.В., Стрельников А.И., Костерин И.С. (2021): Сравнительный анализ выявляемости микроорганизмов в секрете предстательной железы и эякуляте по результатам бактериологического исследования (Vergleichende Analyse des Nachweises von Mikroorganismen im Prostatasekret und im Ejakulat anhand bakteriologischer Untersuchung)
- [s155] Фаниев М.В., Шевченко Н.П., Кадыров З.А. (2017): Современные стратегии ведения инфертильных мужчин с хроническим бактериальным простатитом на этапе прегравидарной подготовки в протоколе вспомогательных репродуктивных технологий (Moderne Strategien der Betreuung infertiler Männer mit chronischer bakterieller Prostatitis in der präkonzeptionellen Vorbereitung im Protokoll der assistierten Reproduktion)
- [s183] Онопко В.Ф., Чемезов А.П., Аргунов А.В. (2013): Влияние неспецифических воспалительных процессов урогенитального тракта у мужчин на их фертильность (Der Einfluss unspezifischer Entzündungsprozesse des Urogenitaltrakts bei Männern auf ihre Fertilität)
- [s202] Yaşar A., Parlaktaş B.S., Erdemir F., Fırat F., Atılgan D. (2009): Lökositospermi tedavisinin semen parametreleri ve gebelik üzerine olan etkisi (Die Wirkung der Leukozytospermie-Behandlung auf Samenparameter und Schwangerschaft)
- [s237] Baran A., Ayyıldız G., Ak K., Tan H., Bakırel U. (2000): Köpeklerde oral antimikotiklerin serum testosteron seviyeleri, spermatogenezis ve diğer spermatolojik özelliklere etkileri (Wirkungen oraler Antimykotika bei Hunden auf Serumtestosteron, Spermatogenese und weitere spermatologische Merkmale)
- [s240] 徳田 倫章, 熊澤 淨一, 内藤 誠二, 松本 哲朗, 小松 潔 (1999): 男性不妊症におけるクラミジア感染症 血清抗クラミジア抗体検査の有用性 (Chlamydieninfektion bei männlicher Unfruchtbarkeit: Nutzen der Bestimmung von Chlamydien-Antikörpern im Serum)

## Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Dieses Kapitel ordnet die 286 Quellen der Gesamtstudie nach Sprachräumen und fragt für jeden Raum, was dort an eigenen Kohorten, Registern, Leitlinien und Fachzeitschriften vorliegt, welche regionalen Besonderheiten sich zeigen und welche Datenbanken sich überhaupt abfragen ließen. Zugrunde liegen die drei Rechercheberichte der Sprachgruppen. Die Zahlen stammen aus den abgerufenen Abstracts; Volltexte wurden nur in wenigen Ausnahmen gelesen, und wo ein Abstract keine Zahl nennt, steht hier auch keine. Die Literatur wurde über Europe PMC und die E-utilities der NCBI abgefragt, ergänzt um raumspezifische Quellen, die jeweils im Abschnitt genannt sind. Das Kapitel gibt keine Therapieempfehlung. Leitlinieninhalte werden beschrieben, nicht bewertet.

Zwei Vorbemerkungen zur Zuordnung. Erstens ist die Sprachmarke in der Quellendatei nicht immer die Herkunft der Arbeitsgruppe: 252 der 286 Quellen tragen die Marke Englisch, darunter Arbeiten aus Nigeria, Iran, Indien, Ägypten, Kuwait, Korea und Deutschland. Hier wird deshalb nach der Herkunft der Arbeitsgruppe zugeordnet, soweit sie sich aus den Abstracts ergibt, und nach der Veröffentlichungssprache, wo das Bild sonst verzerrt würde. Zweitens gilt für die Tierversuche mit Schutzstoffen, die in mehreren Räumen dominieren: Sie setzen den Arzneimittelschaden als Versuchsbedingung voraus und messen, ob ein Pflanzenextrakt oder ein Vitamin ihn mildert. Sie sind deshalb nur eingeschränkt Belege für die Schädlichkeit des Antiinfektivums bei üblicher Anwendung beim Menschen.

### Englisch

Englisch ist die Sprache der Leitlinien, der einzigen Cochrane-Übersicht im Themenfeld, der Mehrzahl der kontrollierten Studien am Menschen und fast aller Tierversuche. Der Raum ist zugleich der heterogenste, weil viele Arbeitsgruppen aus Ländern ohne eigene englischsprachige Tradition auf Englisch veröffentlichen. Die folgenden Absätze trennen deshalb die Quellen, die tatsächlich aus dem angloamerikanischen und dem europäischen Raum stammen, von den regionalen Clustern in Westafrika, Iran und Indien.

**Leitlinien.** Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) wurde als Webtext des Kapitels zur männlichen Infertilität abgerufen [s07]. Sie hält fest, Infektionen der Adnexdrüsen seien nicht eindeutig mit einer beeinträchtigten natürlichen Empfängnis verbunden (Evidenzgrad 3). Die antibiotische Behandlung beseitige häufig nur die Erreger, ohne entzündliche Veränderungen oder funktionelle und anatomische Defizite umzukehren (2a). Antibiotika könnten zwar die Spermienqualität verbessern, erhöhten aber nicht die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis (2a). Für Antibiotika und Antioxidantien bei Leukozytospermie, definiert als mehr als 10^6 Leukozyten pro ml, reichten die Daten nicht für eine Aussage über die Fertilität (3). Die Leitlinie zitiert zudem eine Metaanalyse, nach der Ureaplasma urealyticum mit männlicher Infertilität zusammenhing (Odds Ratio 3,03; 95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 8,99), Mycoplasma hominis dagegen nicht signifikant (2,8; 0,93 bis 3,64) [s07]. Zu Ketoconazol, Nitrofurantoin oder Sulfasalazin enthält der abgerufene Text keine Aussage. Die Leitlinie der amerikanischen Fachgesellschaften AUA und ASRM wurde im Volltext durchsucht: Sie verlangt bei vermehrten Rundzellen (über 1 Million pro ml) die Unterscheidung von Leukozyten und Keimzellen und nennt weder Sulfasalazin noch Nitrofurantoin, Ketoconazol, Tetrazykline, Metronidazol, Antimykotika oder Antimalariamittel [s105]. Die Aktualisierung von 2024 stützt sich auf 22 Studien aus 4093 neuen Abstracts und betrifft nach ihrem Abstract Themen wie Y-Chromosom-Mikrodeletionen, nicht Antiinfektiva [s51]. Die WHO-Leitlinie 2025 wird in einem Leitlinienvergleich [s01] und einer Übersicht [s10] behandelt; beide nennen sexuell übertragbare Infektionen, Antioxidantien und Varikozele als Themen. Die erste australische Leitlinie zur männlichen Infertilität nennt im Abstract keine Antiinfektiva [s34]. Die britische Leitlinie zur Epididymoorchitis (BASHH) beschreibt als empirische Erstbehandlung bei sexuell erworbener Form Ceftriaxon 1 g intramuskulär mit Doxycyclin, bei nicht durch Gonokokken bedingter Form Ofloxacin oder Doxycyclin und bei Mycoplasma genitalium Moxifloxacin; zur Spermienqualität äußert sich der Abstract nicht [s100]. Das ist Inhaltsangabe, keine Empfehlung dieses Kapitels.

**Cochrane.** Die einzige Cochrane-Übersicht im Themenfeld betrifft die Wahl des Antibiotikums bei urogenitaler Chlamydieninfektion und misst keine Spermienparameter: 14 randomisierte Studien mit 2715 Teilnehmenden, bei Männern unter einer Einzeldosis Azithromycin im Vergleich zu sieben Tagen Doxycyclin ein höheres mikrobiologisches Versagen (Risikoverhältnis 2,45; 1,36 bis 4,41; 9 Studien, 821 Männer; moderate Qualität) bei unsicherem klinischem Versagen (0,94; 0,43 bis 2,05) [s128]. Eine Cochrane-Übersicht oder Metaanalyse, die Antibiotika bei männlicher Subfertilität auf Spermienqualität oder Schwangerschaft prüft, wurde nicht gefunden. Der Umbrella-Review zu Risikofaktoren der männlichen Infertilität (43 Übersichten, 67 Risikofaktoren, 249 Effektgrößen, davon 54,6 % mit sehr niedriger GRADE-Einstufung) nennt unter den Arzneimitteln Sulfasalazin, Mesalazin und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, aber keine Antibiotika, Antimykotika oder Antimalariamittel [s19].

**Behandlungsstudien am Menschen.** Randomisierte Studien mit Spermienendpunkten sind selten und klein. In Seattle zeigte eine randomisierte Studie an 102 Männern mit Leukozytospermie bei Prostatitis, dass die Leukozytospermie nach einem Monat in allen Behandlungsgruppen besser war als ohne Behandlung, nach zwei und drei Monaten aber nur bei Antibiotika plus häufiger Ejakulation [s256]; dieselbe Arbeitsgruppe berichtet in einer Kohorte, dass 36 von 53 Männern auf Antibiotika ansprachen und in 19 dieser 36 Paare (53 %) innerhalb von sechs Monaten eine Schwangerschaft eintrat, wobei die Gruppen nach Therapieerfolg und nicht nach Zuteilung gebildet sind [s250]. In Boston wurden 54 von 119 Männern mit Leukozytospermie randomisiert (41 beendeten die Studie): Weder Doxycyclin (n = 13) noch Trimethoprim/Sulfamethoxazol (n = 11) führten nach vier Wochen zu einer signifikant höheren Auflösungsrate als keine Therapie (n = 17) [s255]. In Cleveland verglich eine retrospektive Studie 34 empirisch mit Doxycyclin behandelte Männer mit niedriger Leukozytospermie mit 27 historischen Kontrollen: Die Spermienparameter änderten sich nicht signifikant, die natürliche Schwangerschaftsrate lag bei 15 von 32 gegenüber 5 von 25 (Odds Ratio 3,7; 1,1 bis 11,7) [s192]. In Belgrad berichtete 1988 eine Studie an 120 Männern über eine Schwangerschaftsrate von 32 % mit und 17 % ohne zusätzliches Kallikrein nach Antibiotikatherapie; ein Arm ohne Antibiotikum fehlt [s273]. In Toronto verbesserte sich der DNA-Fragmentierungsindex bei 13 von 14 Männern mit Bakteriospermie nach Antibiotika (50,4 gegenüber 38,6 %), ohne Kontrollgruppe [s199]. In Montenegro hatten 40 Raucher mit steriler Leukozytospermie nach zwei Wochen Doxycyclin höhere Motilitätswerte als 40 Raucher, die nur das Rauchen aufgaben [s153]. Eine Studie aus Bristol fand bei 449 Paaren in IVF oder GIFT und einer prospektiven Teilstudie an 100 Paaren keine Minderung der Befruchtungsraten durch Bakterien im Samen und keine Infektion des Kultursystems und hielt Screening und Behandlung asymptomatischer Männer vor IVF für unnötig und möglicherweise schädlich [s249]. Zwei Preprints (nicht begutachtet) berichten über 265 Paare mit asymptomatischer Urogenitalinfektion, bei denen sich nach Antibiotika Konzentration und Motilität besserten [s17], und über 249 positive Samenkulturen mit Resistenzmustern [s25].

**Register und Expositionsstudien.** Zwei Registerarbeiten betreffen die väterliche Medikation vor der Zeugung, nicht die Spermien. Die Auswertung amerikanischer Versicherungsdaten (4.437.550 Schwangerschaften, 1.413.762 mit Einschluss) fand Antibiotika mit 7,21 % unter den häufigsten Arzneimittelklassen der drei Monate vor der Konzeption, Amoxicillin (3,75 %) und Azithromycin (3,15 %) als häufigste Einzelstoffe [s61]. Die dänische Registerkohorte, die hier als nicht englischsprachige Quelle in englischer Sprache auftritt, fand für Azithromycin (mehr als 1800 exponierte Nachkommen) und Chloroquin (rund 900) keine Assoziation mit Frühgeburt beziehungsweise Fehlbildungen [s116]. Eine niederländische Querschnittsstudie an 7438 Männern (722 mit Medikation) fand Assoziationen mit niedriger Samenqualität für Metformin, Metoprolol und Lisinopril und nannte keine Antibiotika oder Antimykotika als auffällig [s31]. In Südnigeria zeigte eine Fall-Kontroll-Studie (136 infertile, 154 fertile Männer) mit Messung von Antibiotika im Urin unabhängige Assoziationen für Ampicillin und Chloramphenicol; für Tetracyclin fand sich eine Assoziation mit höherer Motilität bei infertilen Männern [s41]. Die chinesische Biomonitoring-Studie mit gegenläufiger Richtung beim Doxycyclin steht im Abschnitt Chinesisch [s43].

**Laborstudien an menschlichen Spermien und Samenplasma.** Hier liegt der englischsprachige Kern der Mechanismusforschung. Tetracyclin hemmte in vitro schon ab 2,5 Mikrogramm/ml die schnelle Beweglichkeit, bei 50 Mikrogramm/ml standen alle Spermien still, während Amoxicillin die Bewegung nicht beeinflusste [s243]. An kryokonservierten Spenderspermien verschlechterten Ciprofloxacin, Cefuroxim axetil und Nitrofurantoin bei pharmakologischen Konzentrationen die Motilität [s247]. Ein dynamischer Fragmentierungstest zeigte erhöhte DNA-Fragmentierung unter Ciprofloxacin und hochdosiertem Doxycyclin, nicht unter Ampicillin; die Autoren beziehen das auf ex vivo behandelte Spermien [s98]. Für Metronidazol fand sich im Samenplasma eine Konzentration von 7,0 gegenüber 8,7 Mikrogramm/ml im Blut [s281], in vitro bis 10 mg/ml wenig Einfluss auf die Spermien [s231]. Miconazol und Clotrimazol töteten Spermien in Millimolarkonzentrationen [s218].

**Übersichten.** Das Kapitel von Drobnis und Nangia hält fest, es gebe erstaunlich wenige Humandaten; belegt sei nur Niridazol mit reversiblem Spermatogenesestillstand bei 20 Männern, Ketoconazol senke das Testosteron vorübergehend, und für Nitrofurantoin, Ciprofloxacin, Ofloxacin und Sulfamethoxazol gebe es minimale Humandaten [s150]. Die aktualisierte systematische Übersicht zu häufigen Medikamenten (16.310 Studien, 184 eingeschlossen) nennt unter den Antiinfektiva Sulfasalazin, Valganciclovir und Efavirenz [s14].

**Weitere Humandaten zu Antimykotika, Metronidazol, Sulfasalazin, Antituberkulotika und antiretroviralen Mitteln.** Für Ketoconazol liegt eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus Seattle an 40 gesunden Männern vor: Nach Unterdrückung des LH mit einem GnRH-Antagonisten erhielten je acht Männer sieben Tage lang Placebo, Ketoconazol 400 oder 800 mg, Dutasterid oder Anastrozol. Das mediane intratestikuläre Testosteron lag unter Placebo bei 14 ng/ml (25. bis 75. Perzentil 8,0 bis 21,2), unter Ketoconazol 400 mg bei 3,7 (2,5 bis 7,1) und unter 800 mg bei 1,7 ng/ml (0,8 bis 4,0); Ziel war die für die Spermatogenese nötige Testosteronkonzentration, nicht die Fertilität [s182]. Für Griseofulvin liegt eine Fallstudie an einem Mann vor: In 290 Spermienkaryotypen fanden sich keine vermehrten numerischen (1,7 %) oder strukturellen (9,3 %) Anomalien [s214]. Für Metronidazol gibt es eine indische Querschnittsstudie: Von 1131 untersuchten Männern hatten 50 (4,42 %) Trichomonaden im Samen, mit höherer Viskosität und mehr Debris sowie verminderter Motilität und weniger normalen Formen (jeweils p < 0,001); bei 25 Männern besserten sich die Samenwerte nach einem Kurs von 400 mg dreimal täglich über zehn Tage, ohne Placebo und bei unklarer Auswahl der Behandelten [s269]. Zu Sulfasalazin, das kein klassisches Antibiotikum ist, aber als am besten belegte Arzneimittelwirkung auf die Spermien gilt, wurde 1982 bei acht Männern mit Colitis ein größeres 99. Perzentil der Spermienkopfgröße gefunden, das sich nach Absetzen nicht normalisierte [s280]; eine Metaanalyse (14 Studien, 327 Patienten, 110 Tiere) fand unter Sulfasalazin niedrigere Spermienzahl, geringere Beweglichkeit und ein höheres Oligospermierisiko als unter Mesalazin [s123], und eine Metaanalyse zu Biologika, Thiopurinen und Methotrexat (10 Studien mit 268 Patienten zu Samenparametern) fand dort keine niedrigere Spermienzahl, Motilität oder abnorme Morphologie, behandelte Sulfasalazin aber nicht [s73]. Unter den Antituberkulotika erfasste eine Phase-2-Studie aus Johannesburg und Georgien 26 Männer mit arzneimittelresistenter Tuberkulose unter Bedaquilin, Pretomanid, Moxifloxacin und Pyrazinamid: Die mittlere Gesamtspermienzahl stieg von 48,8 auf 68,8 Millionen pro Ejakulat bis Woche 26, bei 15 Teilnehmern (68 %) lagen die Gesamtzahlen höher; Testosteron stieg bis Woche 44 und Inhibin B bis Woche 78. Es gibt keinen Kontrollarm, und die Besserung bezieht sich auf einen kranken Ausgangszustand [s12]. Eine Auswertung der Hormone von über 800 Männern in vier Studien mit Pretomanid-Regimen fand Testosteron und Inhibin B gegenüber dem Ausgangswert gestiegen, viele Patienten waren vor der Behandlung grenzwertig hypogonadal [s87]. Bei elf Männern aus Lagos mit vollständigen Daten unter einem Dolutegravir-haltigen Regime stiegen die Motilitätswerte und das Testosteron (2,48 auf 3,68 ng/ml; p < 0,05), Zahl, Morphologie und Vitalität blieben gleich, und die DNA-Fragmentierung stieg signifikant (p < 0,01) [s84]; in vitro verminderten Dolutegravir, Tenofovir und Emtricitabin bei 23 Teilnehmern nach 90 Minuten den Anteil mittelschnell beweglicher Spermien [s42]. Zu Antimalariamitteln fasst eine Scoping-Übersicht zusammen, Malaria sei mit verminderter Samenqualität, Oligozoospermie und Nekrozoospermie verbunden, und Antimalariamittel (Chloroquin, Chinin, Quinacrin, Pyrimethamin) verursachten nach der Literatur männliche Infertilität; Studienzahlen nennt der Abstract nicht, und Krankheit und Medikament sind nicht quantitativ getrennt [s05]. Eine Studie, die Spermienparameter unter Antimalariamitteln beim Menschen misst, wurde nicht gefunden.

**Regionale Cluster der Tierversuche.** Ein großer Teil der englischsprachigen Tierstudien stammt aus wenigen Regionen. Aus Nigeria (Ibadan, Ile-Ife, Port Harcourt) kommen Arbeiten zu Artesunat, Artemisinin, Chinin, Artemether-Lumefantrin und Dapson [s193, s200, s136, s137, s187, s173, s79, s121]; die Studien am Meerschweinchen und an der Ratte berichten teils reversible Abnahmen von Spermienzahl und Beweglichkeit, wobei die Dosen oft als klinisch äquivalent oder höher angegeben sind. Ein Abstract nennt den ungeregelten Gebrauch von Artemisinin in Endemiegebieten als Beweggrund [s173]. Aus dem Iran stammen Arbeiten zu Minocyclin [s80, s96], Sulfasalazin [s141] und Aminoglykosiden und Fluorchinolonen [s209, s166]; aus Indien Arbeiten zu Antituberkulotika, Artesunat, Metronidazol und Aciclovir [s115, s161, s169, s179, s197]. Hinzu kommen die Metronidazol-Studien aus dem Nigerdelta [s189, s190] und aus Amman [s148].

**Erreichbarkeit.** Europe PMC und die NCBI-E-utilities waren erreichbar; der Parameter sort=RELEVANCE führte bei Europe PMC zu einem Serverfehler 503, ohne ihn lief die Abfrage. Die Volltexte vieler Zeitschriften sind nicht erreichbar, es lagen meist nur Abstracts vor. Die Leitlinientexte von EAU und AUA waren abrufbar. Die Cochrane-Webseite lieferte nur eine Suchhülle, die ESHRE-Leitlinienseite nur einen Überblick ohne einschlägige Leitlinie.

**Was fehlt.** Es fehlen placebokontrollierte Studien mit Spermienparametern und Schwangerschaft als Endpunkt für Antibiotika bei männlicher Subfertilität, kontrollierte Humanstudien mit Spermienparametern als Zielgröße zu Metronidazol und Antimykotika (bei Ketoconazol liegen Hormonwerte vor, keine Spermienwerte [s182]) und eine Trennung von Arzneimittelwirkung und Wirkung der behandelten Erkrankung. Zu Nitrofurantoin sind die englischsprachigen Arbeiten Laborbefunde: Nitrofurane immobilisierten Spermien in kritischen Konzentrationen und wurden zur Spülung des Samenleiters bei der Vasektomie erprobt [s285]; in den Hoden von Ratten und Mäusen trat in Fütterungsstudien Degeneration des Keimepithels bei hohen Dosen auf [s272, s267]; bei der Maus fand sich eine Störung der Meiose [s283].

### Deutsch

Der deutschsprachige Raum ist in der Quellenlage klein: Sechs Quellen sind deutsch verfasst, dazu kommen englischsprachige Arbeiten deutscher Gruppen. Auffällig ist, dass die deutschsprachige Andrologie hier lange in der Dermatologie und Venerologie zu Hause war. Zwei der sechs deutschen Arbeiten erschienen in der Zeitschrift für Hautkrankheiten [s276, s277], eine im Hautarzt [s143]; die übrigen stehen im Urologen [s160, s235] und in den Fortschritten der Medizin [s284]. Jüngere deutsche Arbeiten sind Übersichten, die klinische Datenlage kommt aus englischsprachigen Veröffentlichungen deutscher Zentren.

**Eigene Kohorten und Studien.** Die älteste Verlaufsstudie begleitete 46 Patienten nach akuter einseitiger unspezifischer Nebenhodenentzündung mit Spermiogrammen nach 8 Tagen, 4 Wochen, 3 und 6 Monaten und einem Jahr. Nach acht Tagen zeigte mehr als zwei Drittel eine Oligoasthenospermie, im Verlauf besserte sich der Befund, besonders bei örtlicher Infiltration des Samenstrangs mit Scandicain (24 Patienten erhielten außer Doxycyclin diese Infiltration); bei etwa 20 % blieb eine so schwere Störung, dass Sterilität resultierte [s284]. Wegen der fehlenden Kontrollgruppe und der Vermengung von Erkrankung und Behandlung sagt die Studie über die Wirkung eines Antibiotikums auf die Spermien wenig. Eine Studie aus Düsseldorf wertete 3464 Samenproben aus: Ureaplasma parvum fand sich in 12,4 %, infizierte Männer hatten ein niedrigeres Samenvolumen. Bei 124 Männern mit dokumentierter Eradikation unter Doxycyclin stieg die Konzentration von 4,01 auf 9,20 Millionen pro ml (p = 0,01) und die Motilität von 18,97 auf 29,66 % (p = 0,002); Männer mit normalen Ausgangswerten änderten sich nicht. Die Studie ist retrospektiv, ohne Kontrollarm und anfällig für die Regression zur Mitte; die Autoren folgern selbst, der bloße Nachweis rechtfertige keine Routinebehandlung [s38]. In Marburg fand eine randomisierte Studie an 36 Männern mit asymptomatischer Leukozytospermie unter zehn Tagen Levofloxacin keinen signifikanten Vorteil gegenüber keiner Therapie (Abnahme der Leukozyten um 45,8 ± 72,2 % gegenüber 3 ± 109,2 %) [s225]. Eine Gießener Vergleichsstudie an 71 Patienten mit nachgewiesener Infektion des männlichen Genitaltrakts und 40 gesunden Männern fand eine beeinträchtigte Sekretionsleistung von Nebenhoden, Samenblasen und Prostata sowie einen erhöhten pH-Wert des Samens [s198].

**Pharmakokinetik.** Bei sieben Männern lag die mittlere Ketoconazolkonzentration im Samenplasma bei 150 ng/g und damit weit unter der im Blutplasma; für die Behandlung einer Candidose könne sie zu niedrig sein. Eine 50-fach höhere Konzentration störte die Beweglichkeit der Spermien von 24 Männern nicht [s277].

**Übersichten und Leitlinien.** Die deutschen Übersichten zeichnen ein vorsichtiges Bild. Nach einer Übersicht aus Gießen haben 6 bis 10 % der Männer in der andrologischen Abklärung eine infektiöse Ursache [s160]. Beim Prostatitissyndrom sei nur die antimikrobielle Therapie als ausreichend beschriebene Option, die Ergebnisse zur Samenqualität seien widersprüchlich [s235]. Für sexuell übertragbare Infektionen zeichnet die Dresdner Übersicht ein uneinheitliches Bild mit Hinweisen auf negative Wirkungen von Mykoplasmen und Ureaplasmen in großen asiatischen Kollektiven [s143]. Die Übersicht von 1985 nennt Antibiotika neben Zytostatika, Immunsuppressiva und Psychopharmaka unter den Mitteln mit Wirkung auf die männliche Fertilität und führt die Hemmung der Beweglichkeit durch Antibiotika, Anthelminthika und Betablocker an [s276]. Eine deutsche Leitlinie ließ sich nicht belegen: Das AWMF-Leitlinienregister lieferte nur eine leere Rahmenseite, deren Inhalt per Skript nachgeladen wird. Es lässt sich daher weder sagen, dass eine einschlägige Leitlinie existiert, noch dass keine existiert. Zur Einordnung bleibt die europäische EAU-Leitlinie [s07], die im Abschnitt Englisch beschrieben ist.

**Register.** Ein deutsches Register mit väterlichen Arzneimittelexpositionen oder Samenparametern kam in der Recherche nicht vor.

**Was fehlt.** Es fehlen deutschsprachige Studien zu Nitrofurantoin, Metronidazol, Antimykotika und Antimalariamitteln mit Spermienendpunkten; zu Ketoconazol liegt nur die Konzentrationsmessung vor [s277]. Die deutsche Literatur trägt damit vor allem Einordnungen bei, nicht Primärdaten.

### Französisch

Französischsprachig sind in der Quellenlage vier Arbeiten, alles Übersichten oder Auswertungen aus Frankreich und Tunesien. Dazu kommen zwei englischsprachige Übersichten aus dem Marseiller klinisch-biologischen Zentrum für assistierte Reproduktion (CECOS) [s154, s14].

**Eigene Kohorten.** Die einzige französischsprachige Vergleichsstudie stammt aus Tunis: 70 Männer mit Bakteriospermie wurden mit 70 ohne verglichen. Bei Bakteriospermie waren Konzentration (p = 0,001) und Motilität (p = 0,049) niedriger und die sekundäre Asthenospermie häufiger (p = 0,006); Ureaplasma urealyticum fand sich bei 45,7 % [s139]. Eine Antibiotikawirkung wird nicht gemessen. Die Arbeit stammt aus Tunesien und ist die einzige französischsprachige Quelle aus dem Maghreb; die übrigen Maghreb-Quellen sind englischsprachig (siehe Arabisch).

Aus Paris stammt, in englischer Sprache, eine Fall-Kontroll-Studie an 378 HIV-1-infizierten Männern in vier Therapiegruppen (nie behandelt n = 66, NRTI allein n = 49, NRTI plus Proteaseinhibitor n = 144, NRTI plus nicht-nukleosidischer Inhibitor n = 119): Die Motilität war der einzige je nach Therapie variierende Parameter, der mediane Anteil schneller Spermien lag bei Regimen mit Efavirenz bei 5 % gegenüber 20 % in den übrigen Gruppen; eine Kausalität ist nicht nachgewiesen [s165].

**Übersichten.** Eine Übersicht aus Amiens (Progrès en Urologie, Zeitschrift des französischen Urologenverbands) wertete 189 englischsprachige Artikel bis Mai 2023 aus: Infektionen verminderten die Fertilität vor allem über veränderte Spermiogramm-Parameter und eine erhöhte DNA-Fragmentierung [s82]. Die Übersicht aus Poissy unterscheidet Bakteriospermie und Infektion der Adnexdrüsen; die Schwellenwerte, ab denen behandelt werden müsse, seien nach Literatur, Mikrobiologiegesellschaft und Praxis festgelegt [s185]. Die Übersicht aus Bondy nennt die Leukozytospermie (mehr als 10^6 pro ml) bei 20 % der Fälle männlicher Infertilität und beschreibt die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies [s221]. Die beiden Marseiller Übersichten betreffen Arzneimittel insgesamt: Die ältere nennt bei sehr guter oder guter Evidenz Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide, Tramadol, GnRH-Analoga und Sartane und hält fest, Sulfasalazin, Azathioprin, Mycophenolat und Methotrexat könnten die Spermienparameter möglicherweise unumkehrbar beeinträchtigen [s154]; die aktualisierte Fassung (16.310 Studien, 184 eingeschlossen) nennt zusätzlich Valganciclovir und Efavirenz [s14].

**Leitlinien und Register.** Eine französische Leitlinie zum Thema wurde nicht abgerufen; die Webseite des Urologenverbands wurde nicht gezielt geprüft, sodass über ihre Existenz nichts gesagt werden kann. Ein französisches Register mit väterlicher Medikation kam nicht vor.

**Erreichbarkeit.** Die HAL-Programmierschnittstelle war erreichbar. Sechs Abfragen mit französischen und englischen Begriffen lieferten je 3 bis 11 Treffer, überwiegend Abschlussarbeiten aus der Veterinärmedizin und zu Mykoplasmen und Papillomviren in der assistierten Reproduktion sowie je einen Artikel zu Samenkulturen (2010) und zu Ureaplasma in Samenkulturen (2024); nur die Titel wurden gesichtet, keine Studie wurde aufgenommen. Die Plattform Cairn war nicht erreichbar (HTTP 403 beziehungsweise eine Seite, die JavaScript verlangt).

**Was fehlt.** Es fehlen französischsprachige Primärstudien zu Antibiotika, Antimykotika und Antimalariamitteln mit Spermienendpunkten. Die Aussagen des Raums stammen aus Übersichten, die ihrerseits überwiegend englischsprachige Studien auswerten.

### Italienisch

Italienisch verfasst sind nur zwei Arbeiten, beide alt: eine Übersicht aus dem Mailänder Urologischen Institut zu entzündlich bedingten Samenveränderungen von 1993, die Therapieversagen für häufig hält und die Wahl eines Antibiotikums mit passender Pharmakokinetik für Erreger und Gewebe verlangt [s257], und eine klinische Serie von 1991 aus einem Krankenhaus im Veneto, die für Norfloxacin bei subklinischer Genitalinfektion Heilung der Infektion und eine signifikante Zunahme der Spermienbeweglichkeit berichtet, ohne dass der Abstract Zahlen nennt [s264]. Die italienische Andrologie ist dennoch einer der stärksten Räume der Studienlage, weil sie überwiegend auf Englisch veröffentlicht.

**Eigene Kohorten.** Die Arbeitsgruppe in Catania lieferte die wichtigsten Behandlungsstudien zur Prostatitis und Adnexdrüseninfektion. In einer Studie an 122 Männern mit bakterieller Infektion (Prostatitis n = 52, Prostatovesikulitis n = 32, Prostatovesikuloepididymitis n = 38) erhielt je eine Untergruppe an 14 Tagen pro Monat über drei Monate Ofloxacin oder Doxycyclin, die übrigen blieben unbehandelt; die bakteriologische Heilung betrug nach dem dritten Zyklus 92,5 %, 70,4 % und 52,0 %, und die spontane Schwangerschaftsrate lag bei 40 % [s239]. Die Studie hat unbehandelte Vergleichsgruppen, aber keine Randomisierung und wurde mit Mitbehandlung der Partnerinnen durchgeführt. Eine spätere Studie an 110 infertilen Männern mit chronischer bakterieller Prostatitis unter Levofloxacin (14 Tage pro Monat über drei Monate) verglich mit 37 fertilen Männern: Bei Eradikation (etwa 71 %) stiegen Motilität und fielen Leukozyten und Entzündungsmarker auf Werte der Kontrollen, bei schlechtem Ansprechen (etwa 29 %) verschlechterten sich alle Größen; die Einteilung nach Therapieerfolg verzerrt den Vergleich [s163]. In einem Vergleich von 150 Patienten mit Adnexdrüseninfektion und Kontrollen lag die progressive Motilität bei 11,4 ± 5,0 gegenüber 34,0 ± 7,0 % [s188]. Aus Trient stammt eine randomisierte Studie an 206 Männern mit Chlamydia trachomatis: Nach 14 Tagen Prulifloxacin hatten die Männer mit zusätzlichem Nahrungsergänzungsmittel nach sechs Monaten höhere Konzentrationen (21,3 gegenüber 11,5 Millionen pro ml) und Beweglichkeit (42,4 gegenüber 29,3 %); die Studie vergleicht nicht Antibiotikum gegen kein Antibiotikum [s186]. Aus Mailand liegt eine Studie an 55 Männern mit chronischer Prostatitis und Chlamydiennachweis vor, bei der das Verschwinden der Chlamydien mit anhaltender Symptombesserung einherging, Spermienparameter aber nicht Zielgröße waren [s196]. Mehrere neuere Studien aus Rom, Padua und Macerata kombinieren Antibiotika mit Probiotika oder Synbiotika: Bei 104 infertilen Männern mit gramnegativen Keimen unter Fluorchinolonen gelang die Eradikation bei 64 von 84 mit Probiotikum (76,2 %) gegenüber 10 von 20 mit Antibiotikum allein (50 %) [s89]; bei 20 Männern mit anhaltender Adnexdrüseninfektion fand sich in 75 % eine Darmdysbiose [s30]; in einer einarmigen Pilotstudie an 33 Paaren sank der Fragmentierungsindex nach Synbiotikum von 32,4 ± 6,1 auf 16,8 ± 4,2 % [s11]. Eine multizentrische Kohorte aus Padua an 1014 Paaren berichtet spontane Schwangerschaften bei 40,9 % nach gezielter Behandlung, darunter Antibiotika bei Genitaltraktinfektion [s29].

**Fachzeitschriften und regionale Besonderheit.** Die Zeitschrift Archivio Italiano di Urologia e Andrologia dient auch Arbeitsgruppen außerhalb Italiens: Sie enthält eine mexikanische Kohorte aus Guadalajara, bei der nach Ciprofloxacin, Doxycyclin und Meloxicam der Fragmentierungsindex von 28,24 auf 16,2 % fiel und die Antibiotika vom Entzündungshemmer nicht trennbar sind [s22]. Kennzeichnend für den Raum ist die Verbindung der Antibiotikatherapie mit Nahrungsergänzung und Probiotika sowie die intermittierende Gabe über mehrere Monate.

**Leitlinien, Register, Erreichbarkeit.** Die Webseite der Società Italiana di Andrologia war erreichbar, lieferte aber nur die Startseite ohne Leitlinien- oder Positionspapiertext zum Thema; eine italienische Leitlinie ist daher nicht belegt. Ein Register kam nicht vor. Die Literatur wurde nur über Europe PMC und PubMed erfasst.

**Was fehlt.** Es fehlen kontrollierte Studien mit Placebo- oder Nullarm und Spermienendpunkten, ferner jede Primärstudie zu Nitrofurantoin, Metronidazol, Antimykotika und Antimalariamitteln aus Italien.

### Portugiesisch

Für den portugiesischen Sprachraum fand sich keine einzige Studie in portugiesischer Sprache zum Thema; in der Quellendatei trägt keine der 286 Quellen die Sprachmarke Portugiesisch. Berührungspunkte gibt es nur über eine brasilianische Fachzeitschrift, das International Brazilian Journal of Urology: Dort erschien eine Übersicht zur WHO-Leitlinie 2025, die sexuell übertragbare Infektionen, Antioxidantien und Varikozele als Themen nennt, nicht aber Antiinfektiva und Spermienqualität im engeren Sinn [s10], und eine Vergleichsstudie einer Gießener Gruppe an 71 Patienten mit Infektion des männlichen Genitaltrakts (siehe Deutsch) [s198]. Beides sind keine portugiesischsprachigen Studien. Die Zeitschriftensuche nach dem brasilianischen Journal JBRA Assist Reprod ergab Beiträge zu Infektionen und Reproduktion, aber keinen, dessen Abstract zum Thema Antiinfektiva und Spermienqualität einschlägig gewesen wäre. Eigene Kohorten, Register oder Leitlinien aus Brasilien oder Portugal wurden nicht gefunden.

Dieser Befund ist ausdrücklich ein Befund über den Zugang, nicht über die Literatur. Die portugiesischsprachigen Datenbanken waren nicht erreichbar: Die Suchseite von SciELO antwortete mit HTTP 403 (Schutzabfrage des Anbieters), die allgemeine Seite lieferte nur eine Startseite. Das Portal LILACS/BVS antwortete mit HTTP 403, seine Programmierschnittstelle verlangt einen Schlüssel (HTTP 401), die Startseite lieferte keine Treffer. Der Rechercheabschnitt hält deshalb fest, dass sich aus den Suchen nicht sicher schließen lasse, die portugiesischsprachige Literatur sei dünn; wahrscheinlicher sei, dass sie über die erreichbaren Schnittstellen nicht abgebildet wurde. Arbeiten, die nur in SciELO oder LILACS indexiert sind, fehlen mit hoher Wahrscheinlichkeit. Für diesen Raum kann dieses Kapitel daher keine Aussage über die Wirkung von Antibiotika, Antimykotika, Antimalariamitteln, Nitrofurantoin, Metronidazol oder Tetrazyklinen auf die Spermien treffen.

### Spanisch

Spanischsprachige Literatur liegt aus Spanien, Mexiko, Argentinien, Chile und Venezuela vor, überwiegend in Form von Querschnittsstudien, Fallserien und Übersichten. Zehn Quellen tragen die Sprachmarke Spanisch; hinzu kommen englischsprachig veröffentlichte Kohorten aus Mexiko. Die Fachzeitschriften sind Archivos Españoles de Urología [s282, s238, s224], Actas Urológicas Españolas [s18, s151], Revista Española de Quimioterapia [s77, s129], Farmacia Hospitalaria [s74], Ginecología y Obstetricia de México [s232], Revista Médica de Chile [s227], Medicina (Buenos Aires) [s241] und die Revista Internacional de Andrología [s80]. Auch hier zeigen Herkunft und Zeitschrift Verschiebungen: Eine chinesische Rattenstudie zu Ornidazol erschien in den Archivos Españoles de Urología [s83], eine iranische Rattenstudie zu Minocyclin in der Revista Internacional de Andrología [s80].

**Spanien: Erreger, Resistenz, Übersichten.** Eine Übersicht aus Barcelona (Actas Urológicas Españolas, 2026) schreibt Genitaltraktinfektionen 15 % der Fälle männlicher Infertilität zu; Antibiotika könnten die Spermienqualität verbessern und die DNA-Fragmentierung senken, es gebe aber keinen Beleg, dass sie die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Empfängnis erhöhten [s18]. Eine Auswertung aus Südostspanien zu symptomatischer Bakteriospermie fand Enterococcus faecalis am häufigsten (34,89 %), gefolgt von Ureaplasma (13,74 %) und Escherichia coli (10,98 %); die Chinolonresistenz lag bei E. faecalis bei 11 % und bei E. coli bei 35 %, Fosfomycin und Nitrofurantoin zeigten geringe Resistenz [s77]. In einem spanischen Programm für assistierte Reproduktion waren von 205 Männern 33 positiv (Ureaplasma urealyticum 15,1 %, Mycoplasma hominis 3,9 %); die Eradikation misslang mit Azithromycin in 50 %, mit Doxycyclin in 10,2 %, und von fünf mit Levofloxacin Behandelten gelang sie nur in zwei Fällen [s129]. Aus Granada stammt eine mikrobiologische und pharmakokinetische Studie bei chronischer bakterieller Prostatitis: Fosfomycin und Nitrofurantoin hatten gegen 60 Isolate mit je 95,2 % die höchste Aktivität; bei acht Patienten wurden über vier Wochen wöchentlich Konzentrationen in Serum, Samen und Urin bestimmt, die mittleren Samenkonzentrationen lagen unter Levofloxacin bei 1,68, 8,30, 2,61, 0,33 und 2,90 mg/l und über der minimalen Hemmkonzentration, aber die mikrobiologische Negativierung ging nicht immer mit klinischem Erfolg einher [s151]. Acht Patienten sind eine sehr kleine Stichprobe. Eine Arzneimittelübersicht aus einer baskischen Krankenhausapotheke (95 Literaturstellen) nennt zu Immunsuppressiva, dass die meisten Mittel mit väterlicher Exposition verträglich seien, ausgenommen Sulfasalazin, Mycophenolat und Leflunomid, für die ein Absetzen vor der Konzeption beschrieben wird [s74]. Die älteste Quelle des Raums, eine Fallserie von 1979, behandelte 22 von 25 Patienten mit Samenbläschen- und Prostatapathologie, bei 16 war die Samenkultur positiv (76 %), vor allem mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol; bei den 13 Patienten mit bekanntem Ergebnis normalisierte sich das Spermiogramm bei 5 (38 %), mit einer Schwangerschaft [s282].

**Lateinamerika: Kohorten und Studien.** Aus Mexiko-Stadt stammen zwei kontrollierte Studien, die ein Antibiotikum mit Placebo beziehungsweise mit einem zweiten Antibiotikum verglichen: Bei 60 Männern mit positiver Samenkultur unterschieden sich Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Ciprofloxacin und Placebo in der Spermienqualität nicht, die Funktion der akzessorischen Drüsen war verändert [s253]; bei 13 Männern mit Asthenozoospermie sank unter Ciprofloxacin der Anteil normal geformter Spermien signifikant (n = 7), unter Trimethoprim/Sulfamethoxazol (n = 6) stieg die Beweglichkeit nicht signifikant, die Autoren sprechen von vorläufigen Ergebnissen [s242]. Aus Nuevo León stammt eine prospektive Studie an 143 Männern mit Chlamydia-trachomatis- oder Mykoplasmeninfektion und 50 fertilen Kontrollen: Der Anteil von Spermien mit fragmentierter DNA betrug 35,2 ± 13,5 % gegenüber 10,8 ± 5,6 % und fiel nach 3,8 ± 2,2 Monaten Antibiotikatherapie von 37,7 auf 24,2 %; von 16 Paaren, die während der Therapie schwanger werden wollten, wurden 12,5 % schwanger, von 14 nach Therapieende 85,7 % [s207]. Der Vergleich ist beobachtend. Eine Aktenauswertung aus Mexiko-Stadt fand bei 47 % von 295 infertilen Männern eine Sameninfektion [s232]; die Kohorte aus Guadalajara steht im Abschnitt Italienisch [s22]. Aus Buenos Aires liegt eine Fallserie an 29 Männern mit asymptomatischer bakterieller Infektion vor, bei denen die bakteriologische Heilung in 24 Fällen mit besserer Konzentration, Vitalität und Gesamtzahl beweglicher Spermien einherging [s241]. Mehrere Studien prüfen Marker statt Antibiotika: Aus Rosario (410 Proben) fand sich zwischen Rundzellen und Leukozytospermie kein signifikanter Zusammenhang (Spearman 0,2705; p = 0,1046) [s238], aus Temuco bei 64 Patienten keiner zwischen peroxidasepositiven Zellen und Elastase (r = 0,2237; p > 0,05) [s227], und aus Mérida (Venezuela) lag die Leukozytenkonzentration bei 298 Proben bei subfertilen Männern mit 2,5 ± 2,1 Millionen pro ml und bei Männern mit Varikozele mit 2,3 ± 2,1 höher als bei fertilen mit 1,1 ± 0,1 [s224].

Aus Madrid stammt eine prospektive Kohorte an 139 HIV-infizierten Männern unter antiretroviraler Therapie: Die Medianwerte lagen im Normbereich, bei bis zu 19 % war mindestens ein Parameter unter der Norm, und Efavirenz war in der multivariaten Analyse mit Dysmotilität verbunden [s152].

**Leitlinien, Register, Erreichbarkeit.** Eine spanischsprachige Leitlinie wurde nicht abgerufen, ein Register kam nicht vor. Von den nationalen Datenbanken war keine nutzbar: Dialnet antwortete auf beide Abfragen mit HTTP 503, SciELO mit 403, LILACS/BVS mit 403 und 401. Der Raum wurde daher nur über Europe PMC und PubMed abgebildet; Arbeiten, die nur in diesen Datenbanken indexiert sind, fehlen mit hoher Wahrscheinlichkeit.

**Besonderheiten und Lücken.** Typisch ist die Verbindung von Erregernachweis und Resistenzlage (Azithromycin bei Ureaplasma, Chinolone bei E. coli). Es fehlen Studien zu Nitrofurantoin, Metronidazol, Antimykotika und Antimalariamitteln mit Spermienendpunkten; Nitrofurantoin erscheint nur als Prüfsubstanz mit geringer Resistenz [s77, s151]. Für Tetrazykline liegt Doxycyclin als Eradikationsmittel vor [s129]; Minocyclin wurde in einem iranischen Tierversuch an 40 Ratten mit 25 mg/kg über 90 Tage geprüft und verbesserte dort Spermienparameter und Johnsen-Score ohne Veränderung des Testosterons [s80].

### Chinesisch

Der chinesische Sprachraum ist nach dem englischen der größte der Studienlage (16 Quellen mit Sprachmarke Chinesisch, dazu weitere Arbeiten chinesischer Gruppen mit anderer Marke). Sein Schwerpunkt unterscheidet sich von dem aller anderen Räume: Er liegt auf sehr großen Laborauswertungen aus Reproduktionszentren, die Erregernachweis, Spermienparameter und Antibiotikaresistenz verbinden, und auf Tierversuchen zu Antibiotika als Umweltstoffen. Studien, die den Effekt eines Antibiotikums auf die Spermien gegen eine unbehandelte Kontrolle prüfen, sind dagegen selten.

**Eigene Kohorten.** Die großen Datensätze stammen aus Changsha, Nanjing, Shanghai, Tai'an und Chongqing. In Changsha wurden 19.098 Samenproben infertiler Männer und 3368 Samenproben von Spendern ausgewertet: Die Prävalenz von Ureaplasma urealyticum und Mycoplasma hominis unterschied sich signifikant, bei Ureaplasma-urealyticum-Nachweis waren progressive Motilität, Gesamtmotilität und Anteil normaler Formen signifikant niedriger, bei Mycoplasma hominis nicht; beide waren gegen Doxycyclin und Josamycin empfindlich (Resistenz unter 6 %), aber hoch resistent gegen Ciprofloxacin [s156]. In Nanjing waren von 7374 Personen 3225 (43,7 %) positiv für Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis oder beide; Tetrazykline und Josamycin wirkten am besten, Fluorchinolone gegen Ureaplasma am schlechtesten [s164]. In Shanghai fanden sich genitale Mykoplasmen bei 30 bis 55 % von 5016 infertilen Männern (412 Kontrollen), und die Resistenz gegen Fluorchinolone sank in den letzten zwei Jahren des Beobachtungszeitraums [s146]. In Tai'an dagegen waren von 817 Samenproben 320 (39,17 %) Ureaplasma-positiv, mit Resistenz gegen Levofloxacin von 47,5 %, Moxifloxacin 39,38 %, Tetracyclin 19,69 % und Erythromycin 3,75 %, sodass die Autoren Erythromycin als mögliche erste Wahl ansehen [s118]. Die Rangfolge steht im Gegensatz zu den Befunden aus Changsha und Nanjing und zeigt die regionale Streuung der Resistenz. Für Mycoplasma genitalium ergab eine Auswertung bei 30.094 Männern aus Kinderwunschpaaren eine Inzidenz von 2,49 % (749 Männer); das Behandlungsversagen lag bei 17,56 % (82 von 467), bei Azithromycin bei 37,44 % (73 von 195), Makrolidresistenz fand sich in 58 von 60 Proben (96,67 %) und Tetrazyklinresistenz in 27 von 60 (45,00 %); nach der Behandlung stiegen die mittleren Spermienparameter, im Abstract ohne Zahlen und ohne Kontrollgruppe [s114]. Eine Auswertung von 74.376 infertilen Männern fand bakterielle Infektionen in 1,38 % der Proben, vor allem Escherichia coli (63,59 %), Klebsiella pneumoniae (19,80 %) und Proteus mirabilis (13,22 %); die Positivitätsrate war bei normalem Sperma (1,41 %) kaum anders als bei Asthenozoospermie (1,55 %) [s144]. In Leqing wurden 1186 Proben von Prostatasekret infertiler Männer mit chronischer Prostatitis untersucht; die Nachweisrate lag bei 51,7 %, bei Ureaplasma urealyticum war die Resistenz gegen Ciprofloxacin mit 59,5 % am höchsten, gegen Josamycin, Tetracyclin und Fosfomycin mit je 1,7 % am niedrigsten [s215]. Prostatasekret ist nicht Sperma, Kolonisation und Infektion sind nicht unterschieden. Eine retrospektive Kohorte mit 131.183 Patienten aus Chongqing verbindet Antispermien-Antikörper, Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis, Ureaplasma urealyticum und Mycoplasma genitalium mit schlechterer Spermienqualität und höherem Infertilitätsrisiko; Antibiotika wurden nicht ausgewertet [s06]. Zwei Studien aus Nanjing derselben Gruppe (198 gegenüber 198 Proben und 340 Proben mit 104 Ureaplasma-positiven) berichten niedrigere progressive Motilität bei Ureaplasma und Besserung nach Behandlung, ohne dass die Abstracts Behandlungsart und Kontrollgruppe nennen [s94, s95].

**Behandlungsstudien.** Aus Guilin liegt die wichtigste Studie vor: Von 1530 infertilen Männern hatten 295 eine asymptomatische Leukozytospermie, bei 95 wurde Ureaplasma nachgewiesen, 81 erhielten sieben oder 14 Tage Doxycyclin, bei 70 wurde die Infektion geheilt (Heilungsrate 84,62 % im Sieben-Tage-, 89,66 % im 14-Tage-Schema). Nach Heilung stiegen Konzentration (p = 0,001), progressive Motilität (p = 0,022), Gesamtmotilität (p = 0,004) und normale Morphologie (p = 0,008) [s117]. Die Analyse betrifft nur die Geheilten, eine gleichzeitige unbehandelte Kontrolle fehlt. Die einzige randomisierte Studie des Raums prüfte 80 Männer mit Asthenozoospermie und Anhangsdrüseninfektion: Qilin-Pillen (ein pflanzliches Kombinationspräparat der traditionellen chinesischen Medizin) plus Levofloxacin gegenüber Levofloxacin allein; die Wirksamkeitsrate für die progressive Beweglichkeit betrug 60 % gegenüber 17,5 % (p < 0,05), für die peroxidasepositiven Leukozyten 87,5 % gegenüber 82,5 % ohne signifikanten Unterschied [s177]. Die Studie prüft den Zusatz, nicht das Antibiotikum gegen kein Antibiotikum. Die Kombination von Antibiotika mit Präparaten der traditionellen Medizin ist ein Merkmal der chinesischen klinischen Literatur und macht den Antibiotikaeffekt in solchen Studien nicht isoliert prüfbar.

**Expositionsstudie.** Die Biomonitoring-Studie aus Hefei an 986 Männern maß 42 Antibiotika im Urin; ausgewählte Antibiotika waren in 98,9 % der Proben nachweisbar, am häufigsten Doxycyclin (80,1 %), Erythromycin (74,5 %), Ciprofloxacin (67,1 %) und Florfenicol (65,6 %), einem Tierarzneimittel. Erythromycin und Doxycyclin im Urin waren mit niedrigerer Konzentration, Gesamt- und progressiver Motilität verbunden, ebenso das Antibiotikagemisch; der Abstract nennt keine Effektschätzer, und offen bleibt, ob die Werte aus ärztlicher Verordnung, Lebensmitteln oder Umwelt stammen [s43].

**Tierversuche.** Chinesische Gruppen arbeiten häufig mit Antibiotika als endokrinen Disruptoren; diese Arbeiten stammen oft aus Fakultäten für Lebensmittel- und Agrarwissenschaft [s43, s55, s90, s32, s103, s126, s88]. Ciprofloxacin senkte bei jugendlichen Mäusen (n = 6 je Gruppe, 1 bis 75 mg/kg über 30 Tage) schon bei 1 mg/kg das Serumtestosteron, mit steigender Dosis fiel die Spermienzahl; als Mechanismus wird die verminderte Expression von StAR über NR4A1 beschrieben [s32]. Eine Vorläuferarbeit fand für Ciprofloxacin beim Zebrabärbling und für Enrofloxacin bei der Maus Hodenschäden und niedrigere Hormone [s90]; Gatifloxacin (25 bis 100 mg/kg über sieben Tage) verursachte eine dosisabhängige Spermatogenesestörung [s103]. Doxycyclin in frühem Leben führte bei Mäusen zu Testosteronmangel und verminderter Spermienqualität [s126]. Die pränatale Gabe von Amoxicillin (75, 150, 300 mg/kg) und Azithromycin (50, 100, 200 mg/kg) schädigte bei der Maus den fetalen Hoden, am stärksten bei hoher Dosis und später oder mittlerer Trächtigkeit; Spermien im Erwachsenenalter wurden nicht gemessen [s76, s60]. Olaquindox, ein antibakterieller Futterzusatz, senkte bei Mäusen Spermienzahl, Beweglichkeit und Vitalität; die natürliche Fruchtbarkeit blieb unverändert, die Überlebensrate der Nachkommen sank [s88]. Eine Herstellerstudie aus Japan (siehe Japanisch) fand dagegen für Levofloxacin bis 360 mg/kg keine Fertilitätsstörung [s262], sodass die Befunde zwischen Wirkstoffen und Studiendesigns nicht einheitlich sind. Die Depletion der Darmmikrobiota durch Antibiotika verminderte bei Mäusen die Nebenhodenspermien und störte die Meiose über Retinsäure [s53] und verstärkte einen Triptolid-Hodenschaden [s107]; diese Arbeiten nutzen Antibiotika als Werkzeug. Für Antimykotika zeigte Ketoconazol bei Mäusen (30, 50 und 70 mg/kg subkutan über drei Wochen) dosisabhängige Leber- und Hodenschäden, ohne dass Spermienzahl und Beweglichkeit gemessen wurden [s104]; in zwei Arbeiten aus Guangdong dient Ketoconazol als CYP3A4-Hemmer zur Verstärkung eines Sterilisanten bei Schadnagern, ohne Ketoconazol-Einzelarm [s57], ebenso Clarithromycin [s56]. Unter den Antimalariamitteln hat Amodiaquin bei Ratten (5, 10, 15 mg/kg über zwei Wochen) die Spermatogenese dosisabhängig und im Verlauf erholbar gestört [s159]; Artemisinin-Derivate erscheinen in chinesischen und koreanischen Arbeiten [s37] eher als Schutz- oder Konservierungsstoffe, etwa im Gefriermedium für Yak-Sperma [s28] oder bei Mäusen mit Neospora-Infektion [s21]. Zusätzlich dient Ornidazol, ein Nitroimidazol aus der Verwandtschaft des Metronidazols, in China als Standardmodell einer Oligoasthenozoospermie bei Ratten (400 bis 800 mg/kg über Wochen): Bei 800 mg/kg lag die Beweglichkeit in einer Studie bei 27,58 gegenüber 74,12 % der Kontrolle [s145]; weitere Arbeiten prüfen Schutzstoffe [s201, s83, s16]. Die Befunde lassen sich nicht auf Metronidazol übertragen. Eine narrative Übersicht aus Peking ordnet Antibiotika als endokrine Disruptoren ein [s55]. Eine Doxycyclin-Studie aus Taiwan zeigt das Tetrazyklin als Schutzstoff im Doxorubicin-Modell [s217].

**Leitlinien, Metaanalysen, Erreichbarkeit.** Chinesische Leitlinien oder Metaanalysen, die Antiinfektiva und Spermienqualität gezielt prüfen, wurden nicht gefunden; der Umbrella-Review aus Chengdu führt kein Antibiotikum als Faktor auf [s19]. Die chinesische Literatur wurde ausschließlich über PubMed-indizierte Zeitschriften erfasst. CNKI war nicht erreichbar (Weiterleitung ohne Inhalt beziehungsweise keine Verbindung), bei Wanfang lieferte die Startseite ein Gerüst, die Suchergebnisse werden per Skript nachgeladen. Chinesische Zeitschriften, die nur dort erscheinen, sind nicht abgedeckt; das betrifft vermutlich viele klinische Beobachtungsstudien aus Krankenhäusern. Chinesischsprachige Arbeiten mit englischem Abstract erscheinen vor allem in Zhonghua Nan Ke Xue [s215, s177, s145, s201]; PubMed liefert für sie nur eine englische Titelübersetzung.

**Was fehlt.** Für Nitrofurantoin und Metronidazol lieferte die Suche keine Studie aus dem Raum. Humane Spermienstudien zu Antimykotika und Antimalariamitteln fehlen ebenso. Für Tetrazykline liegen die Doxycyclin-Behandlung von Ureaplasma-Infektionen [s117], der Urinbefund [s43] und Tierversuche [s126] vor.

### Japanisch

Die japanische Literatur der Studienlage ist klein, alt und in ihrem Charakter pharmakologisch: Sie umfasst sieben Quellen mit der Sprachmarke Japanisch, die zwischen 1983 und 1999 erschienen, ergänzt um englischsprachige Arbeiten japanischer Gruppen von 1990 bis 2007 und eine Methodenarbeit von 2026. Es handelt sich weniger um Kohorten als um Herstellerstudien zur Reproduktionstoxizität, Enzymstudien zur Steroidsynthese und Messungen von Gewebespiegeln. Die Zeitschriften sind Hinyokika Kiyo (Acta Urologica Japonica) [s260, s274, s278], die Zeitschrift der japanischen urologischen Gesellschaft [s240], das Journal of Toxicological Sciences [s266, s259] und die Folia Pharmacologica Japonica [s263]; die Abstracts sind teils englisch.

**Humanstudien.** Die einzige japanische Studie, die ein Antibiotikum gegen keine Behandlung prüft, ist eine randomisierte Studie aus Nagoya von 1995: Von 263 Männern aus einer Infertilitätssprechstunde erfüllten 48 die Einschlusskriterien (mehr als 1 Million Leukozyten pro ml Sperma und mehr als 10 Leukozyten pro Gesichtsfeld im Prostatasekret). Die Leukozytospermie löste sich nach einem Monat bei 76 % der Männer unter Trimethoprim/Sulfamethoxazol plus häufigem Ejakulieren, bei 56 % unter dem Antibiotikum allein und bei 6,7 % ohne Behandlung; die Raten der beiden Behandlungsgruppen waren signifikant höher als die der Kontrollgruppe (p < 0,05) [s254]. Der Abstract bricht ab; Ergebnisse zu Spermienparametern und Schwangerschaften stehen in dem abgerufenen Teil nicht, der Endpunkt ist ein Laborwert, und die Gruppen sind sehr klein. Eine Pharmakokinetik- und Anwendungsstudie aus Tokio von 1992 zu Levofloxacin fand nach einer Dosis von 200 mg im Hodengewebe von Männern mit Prostatakrebs im Mittel 4,73 Mikrogramm pro g (Gewebe-zu-Serum-Verhältnis 1,63); im Sperma gesunder Männer unter 100 mg dreimal täglich über 13 Tage lagen die Konzentrationen bei 1,19 (Tag 7) und 1,32 Mikrogramm pro ml (Tag 13), mit Sperma-zu-Serum-Verhältnissen von 1,12 und 1,26, und der Abstract hält fest, eine Beeinflussung der Spermien sei nicht beobachtet worden, ohne die geprüften Parameter zu nennen. Bei 23 Patienten mit akuter Nebenhodenentzündung wurde eine Wirksamkeitsrate von 100 % (20 von 20 auswertbaren) berichtet [s260]. Die Studie ist einarmig. Eine Fallserie aus Kaizuka an 68 Männern mit idiopathischer Infertilität setzte Antibiotika bei Prostatovesikulitis als Zusatz zu Hormon- und Varikozelenbehandlung ein; der Abstract bricht ab, und der Anteil der Antibiotika am Ergebnis ist nicht trennbar [s274]. Eine Studie von 1983 mit Ratten- und Humangewebe fand für Nalidixinsäure im Prostatagewebe 21,5 Mikrogramm pro g (etwa das Vierfache des Serumspiegels), für Ampicillin im menschlichen Prostatagewebe etwa 40 % der Blutkonzentration und in Hoden und Nebenhoden der Ratten nur niedrige Werte, die die Autorin mit der Blut-Hoden-Schranke deutet [s278]. Eine serologische Studie an 83 Männern aus Infertilitätssprechstunden fand Chlamydien-Antikörper (IgA oder IgG) bei 20 von 83 Seren (24,1 %); Antibiotika sind im Abstract nicht erwähnt [s240].

**Herstellerstudien.** Die Reproduktionstoxizitätsstudie von Daiichi zu Levofloxacin an Ratten und Kaninchen fand bei oraler Gabe vor und in der frühen Trächtigkeit bis 360 mg/kg keine Nebenwirkung auf die Fruchtbarkeit und bei keiner Dosis Teratogenität [s262]. Das steht im Gegensatz zu neueren Hodenbefunden unter anderen Fluorchinolonen aus chinesischen Gruppen [s32, s103]; die Ursachen sind aus den Abstracts nicht ableitbar. Eine Studie von Hoechst Japan an juvenilen Ratten (Cefpirom 200, 500 und 1000 mg/kg subkutan über fünf Wochen) fand keine substanzbedingten Veränderungen von Fertilität, Spermien und Fortpflanzungsorganen, während die Positivkontrolle Cefotetan (1000 mg/kg) verminderte Hodenmasse, atrophiertes Keimepithel und weniger Spermien bewirkte [s266]. Die Unterschiede innerhalb einer Wirkstoffklasse sind damit ein Befund dieses Raums.

**Antimykotika und Steroidsynthese.** Hier liegt der japanische Schwerpunkt. Ketoconazol hemmte in menschlichen Hodenfraktionen kompetitiv die 3β-Hydroxy-5-en-Steroid-Oxidoreduktase/Isomerase und die NADH-gebundene 20α-Hydroxysteroid-Oxidoreduktase mit Ki-Werten von 2,9 und 0,9 µM [s270]. Ketoconazol hemmte in Hodenmikrosomen die 17α-Hydroxylase und die C17,20-Lyase; bei Patienten fiel nach einer intravenösen Injektion von 200 mg Miconazol das Serumtestosteron auf rund 16 % des Ausgangswerts und kehrte nach fünf Stunden zum Ausgangswert zurück. Spermien wurden nicht untersucht [s271]. Clotrimazol, Econazol, Miconazol und Ketoconazol hemmten in Schweinehodenmikrosomen die Synthese eines 16-en-C19-Steroids, mit halbmaximalen Hemmkonzentrationen von 0,29, 0,36 und 1,25 µM für Clotrimazol, Econazol und Miconazol [s265]. Ketoconazol veränderte in isolierten Rattenhoden die Bildung von Androstendion, Estradiol und Dihydrotestosteron [s259] und im Rattenmodell mit Prostatatumor das Plasma- und Hodenandrogen [s263]. Eine Methodenarbeit von 2026 testete Ketoconazol und acht weitere Azole, darunter Fluconazol, an Hodenschnitten der Ratte; alle zeigten Hormonveränderungen im Sinne einer Hemmung des Enzyms CYP17A1 mit unterschiedlicher Potenz [s13]. Mehrere der geprüften Azole sind Pflanzenschutzmittel.

**Weitere Befunde.** Sulfasalazin senkte bei Ratten (600 mg/kg über 28 Tage) Beweglichkeit und Akrosomreaktion, mit verminderter Expression akrosomaler Membranproteine im Nebenhoden [s220]; in einer späteren Arbeit trat die Minderung ab Tag 7 auf, während Nebenhodenmarker schon an Tag 1 verändert waren [s213]. Minocyclin unterdrückte in hitzegestressten Mäusehoden die Freisetzung von Cytochrom c und die Apoptose [s226]; das Tetrazyklin dient hier als Schutzstoff im Modell.

**Leitlinien, Register, Erreichbarkeit.** Japanische Leitlinien und Register wurden nicht gezielt gesucht. Die Programmierschnittstelle von J-STAGE war erreichbar; die Titelsuche mit japanischen Begriffen war möglich, die Freitextsuche war unscharf, und eine Anfrage mit dem Begriff für Leukozytospermie lieferte einen Fehlercode. Sie zeigte eine größere Zahl japanischer Arbeiten zur Chemotherapie der bakteriellen Prostatitis und Nebenhodenentzündung (Zeitschrift Chemotherapy, Japanese Journal of Urology, 1984 bis 2011) sowie zu Chlamydia trachomatis in der männlichen Infertilität, deren Titel keine Spermienparameter nennen. CiNii antwortete mit HTTP 202 und leerem Inhalt und war nicht nutzbar.

**Was fehlt.** Für Nitrofurantoin und Metronidazol lieferte die Suche keine Studie aus dem Raum, ebenso keine Humanstudie zu Antimykotika oder Antimalariamitteln mit Spermienendpunkten. Die Datenlage ist alt; neuere klinische Arbeiten aus Japan zum Thema liegen nicht vor.

### Koreanisch

Eine koreanischsprachige Arbeit zum Thema wurde nicht gefunden: Europe-PMC-Abfragen mit koreanischen Begriffen wie 항생제 (Antibiotika) und 정자 (Spermien) ergaben keine Treffer, die Suche mit Sprachfilter Koreanisch einen einzigen, nicht einschlägigen. In der Quellenlage trägt keine Quelle die Sprachmarke Koreanisch. Aus Korea stammen vier englischsprachige Quellen, die alle nur mittelbar zum Thema gehören.

Die systematische Übersicht aus Wonju zur Behandlung der Leukozytospermie (World Journal of Men's Health, 2016) ist die einzige koreanische Quelle zur Kernfrage: Nach Aussage der Autoren könnten Antibiotika Spermienparameter, die Auflösungsrate der Leukozytospermie, die bakteriologische Heilungsrate und sogar die Schwangerschaftsrate verbessern, einige Berichte widersprächen jedoch, und die Daten reichten nicht aus, um zu entscheiden, ob Antibiotika oder Antioxidantien wirksam seien. Die Zahl der eingeschlossenen Studien und Effektmaße nennt der Abstract nicht [s157]. Drei Zellmodellstudien aus Jeonbuk und Anseong betreffen Antiparasitika und Antimalariamittel an Spermatogonien der Maus: Ivermectin löste dosisabhängig oxidativen Stress, gestörte Calciumspiegel und Apoptose aus, und Selen [s52] sowie Melatonin und Agomelatin (bei 16 µM Ivermectin) [s45] milderten das; Artemisinin (10 bis 200 µM) stellte in einem Cisplatin-Modell die Proliferation wieder her [s37]. Es sind Zellmodelle; die verwendeten Konzentrationen bezeichnen die Autoren zum Teil selbst als toxisch beziehungsweise hoch.

Dieselbe Zeitschrift, das World Journal of Men's Health, enthält zwei weitere Übersichten der Studienlage zur Leukozytospermie: eine Leitlinienübersicht, nach der sich die Leitlinien widersprächen [s124], und eine narrative Übersicht, die Antibiotika, Entzündungshemmer und assistierte Reproduktion als Behandlungsoptionen nennt [s27]. Die Zeitschrift Investigative and Clinical Urology enthält eine russische Studie [s93].

Die koreanischen Datenbanken ließen sich nicht auswerten: KCI antwortete mit HTTP 404 auf Start- und Suchseite, KoreaMed lieferte auf die Suchanfrage kein auswertbares Ergebnis, DBpia war nicht erreichbar. Die koreanische Literatur wurde nur über PubMed und Europe PMC erfasst. Die Datenlage aus Korea ist deshalb vermutlich unterschätzt; Leitlinien, Register und Kohorten konnten nicht geprüft werden. Zu Nitrofurantoin, Metronidazol, Tetrazyklinen und Antimykotika fand sich keine Studie.

### Russisch

Der russischsprachige Raum hat mit 18 Quellen eine eigene klinische Tradition zu Antibiotika bei männlicher Infertilität. Sie reicht von sowjetischen Arbeiten (1975, 1990) bis zu randomisierten Studien der 2020er Jahre. Typisch ist die Fragestellung: Es geht fast nie um Arzneimittelnebenwirkungen, sondern um Prostatitis, Infektion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen und Leukospermie bei Paaren in der Vorbereitung auf assistierte Reproduktion. Die Zeitschriften sind Andrologija i genitalnaja chirurgija [s119, s155, s65, s109], Urologija [s72, s167, s195], Urologitscheskije wedomosti [s170], Medizinski sowet [s147], Klinitscheskaja praktika [s108], Westnik Wolgogradskogo GMU [s171], Tichookeanski medizinski schurnal [s229], Acta Biomedica Scientifica [s183], Experimentalnaja i klinitscheskaja urologija [s47] und, aus der Sowjetzeit, Antibiotiki [s286], Westnik dermatologii i wenerologii [s268] und Urologija i nefrologija [s244].

**Humanstudien zur Wirkung der Antibiotika.** Die bemerkenswerteste Studie ist eine Beobachtungsserie aus Wladiwostok an 243 Männern von 18 bis 39 Jahren, die wegen nicht schwerer Erkrankungen eine Monotherapie mit einem von 20 Antibiotika über 10 bis 30 Tage erhielten. Ejakulat und Serumtestosteron wurden vor der Gabe, drei Tage nach dem Absetzen und drei Monate nach Therapieende bestimmt. Der Autor teilt die Wirkstoffe in drei Gruppen: Nur Amoxicillin und Azithromycin blieben ohne Störung; Amikacin, Ampicillin, Cefazolin, Cefuroxim, Ciprofloxacin und Roxithromycin führten kurzzeitig zu mehr pathologischen Spermienformen und weniger beweglichen Spermien (Furazidin und Nitroxolin senkten zusätzlich das Testosteron), mit Normalisierung nach drei Monaten; Metronidazol, Gentamicin, Doxycyclin, Lincomycin, Nitrofurantoin, Pefloxacin, Pipemidsäure, Rifampicin, Cefotaxim und Ceftriaxon zeigten nach drei Monaten noch Störungen, und Doxycyclin, Lincomycin, Nitrofurantoin, Rifampicin und Ceftriaxon senkten zusätzlich das Testosteron [s229]. Die Studie ist eine der wenigen Humanserien, die viele Wirkstoffe mit demselben Protokoll untersucht. Ihre Grenzen nennt der Autor selbst: nur ein Ausgangswert ohne Abstinenzzeit, teils lokal angewendete Arzneimittel, nicht ausschließbare weitere schädliche Einflüsse. Hinzu kommen eine fehlende Kontrollgruppe ohne Antibiotikum, fehlende p-Werte und Fallzahlen je Wirkstoff und die zugrunde liegende Erkrankung als Störfaktor. Der Autor kritisiert die Praxis, Antibiotika bei jedem Entzündungsprozess oder zur Vorbeugung zu geben; er bezeichnet sie als „порочная практика“ (fehlerhafte, wörtlich lasterhafte Praxis). Die Befunde stehen im Widerspruch zu Berichten über Verbesserungen unter Doxycyclin bei Entzündungen, die eine russische Übersicht zusammenstellt [s171]. Die älteste Quelle des Raums beobachtete 1975 an 50 Patienten mit chronischen entzündlichen Erkrankungen des Urogenitalsystems, dass Nitrofurane (Furadonin, also Nitrofurantoin, und Furagin) und Neomycin Spermienzahl und Beweglichkeit senkten, während Tetracyclin keinen signifikanten Effekt hatte und unter Streptomycin eine Tendenz zur Zunahme auftrat; Zahlen je Wirkstoff nennt der Abstract nicht [s286]. Das ist der einzige Humanbeleg speziell zu Nitrofuranen in den nichtwestlichen Räumen; Nitrofurantoin und Furazidin kommen außerdem in der Wladiwostoker Serie vor [s229].

**Behandlungsstudien bei Prostatitis und Infektion der Adnexdrüsen.** Eine unkontrollierte Pilotstudie an 34 Paaren in der Vorbereitung auf IVF/ICSI (Levofloxacin 750 mg über 15 Tage) fand vier Wochen später den Anteil beweglicher Spermien von 14,1 auf 21,1 % (p < 0,001), die normale Morphologie von 6,2 auf 7,7 % (p = 0,005), die Leukozyten von 3,1 auf 0,9 Millionen (p < 0,001) und die reaktiven Sauerstoffspezies von 4,5 auf 3,1 (p < 0,001) verändert; vier Männer (11,7 %) hatten leichte Dyspepsie. Es fehlen Kontrolle, Verblindung und eine längere Nachbeobachtung [s170]. Eine randomisierte, nicht verblindete Studie aus Moskau an 60 Männern verglich ein Zytokin- und Peptidpräparat als Zäpfchen (Superlymph, 20 Tage) mit Doxycyclin 100 mg zweimal täglich über 28 Tage; in die Auswertung gingen 53 Patienten ein. Die bakteriologische Eradikation lag bei 57,1 % gegenüber 88 % unter Doxycyclin (p = 0,016); bei den übrigen Samenparametern gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen [s72]. Eine randomisierte Beobachtungsstudie aus Rostow am Don an 60 Männern mit chronischer bakterieller Prostatitis verglich Fluorchinolone allein mit Fluorchinolonen plus Cephalosporinen oder Makroliden; die Pathospermie sank nach drei Monaten nur in der zweiten Gruppe signifikant, die Spermienqualität ist ein Nebenendpunkt ohne Zahlen im Abstract [s93]. Bei 68 Männern mit chronischer bakterieller Prostatitis und Pathospermie führte die Standardtherapie einschließlich Antibiotika nach Angabe des Autors nicht zu einer signifikanten Besserung der Schlüsselparameter; mit Prostatapeptiden halbierte sich der Anteil nicht progressiv beweglicher Spermien [s147]. Die Studie belegt keinen Antibiotikaschaden, sondern das Ausbleiben einer Besserung. Bei asymptomatischer Bakteriospermie wurde ein Bakterienlysat (OM-89) mit Fluorchinolonen verglichen: E. coli wurde unter OM-89 bei 98 % eradiziert, unter Fluorchinolonen blieb er bei 15,2 % in signifikantem Titer; die Take-Home-Baby-Rate betrug 21 % gegenüber 7 %; Fallzahl und Statistik fehlen im Abstract [s167]. Eine Studie bei Orchiepididymitis nach Gonorrhö berichtet, dass bei 48 bis 60 % der Patienten die Spermatopathie lange nach der Therapie bestehen blieb; Chymotrypsin zusätzlich zu einem Antibiotikum senkte die Häufigkeit von Spermatogenesestörungen um 14,3 bis 16,6 % [s268]. Bei 306 Männern mit chronischer Prostatitis durch Chlamydien und Ureaplasmen fanden sich Spermatogenesestörungen bei 50 % und Samenleiterverschluss bei 35 Patienten (11,4 %); Zahlen zu Behandlungsergebnissen nennt der Abstract nicht [s195].

**Erregerspektrum und Resistenz.** Eine Untersuchung an 4752 Männern auf Ureaplasma urealyticum (Kultur mit Antibiogramm, 67 gesunde fertile Kontrollen) fand Resistenzraten von 88,2 % gegen Erythromycin, 47,0 % gegen Azithromycin, 41,7 % gegen Tetracyclin, 7,7 % gegen Doxycyclin, 5,9 % gegen Josamycin und 5,8 % gegen Medekamycin. Bei Polyresistenz war ein hoher DNA-Fragmentierungsgrad häufiger (10,03 % gegenüber 5,92 % bei nicht resistenten Stämmen), die Hyaluronsäurebindung bei resistenten Stämmen häufiger gestört (mehr als 12 % gegenüber weniger als 4 %) und die Akrosinaktivität in 29,71 % (bei Polyresistenz 40,46 %) vermindert [s108]. Dass resistente Stämme die Spermien stärker schädigen, ist wegen des Querschnittsdesigns nicht belegt, denn resistente Stämme können länger persistieren. Bei 257 infertilen Männern in der Vorbereitung auf assistierte Reproduktion wuchsen bei 100 von 108 Männern mit Leukozyten im Ejakulat 214 Mikroorganismen (Nachweisrate 92,6 %); die Einleitung nennt Nitrofurantoin, Fluorchinolone, Sulfasalazin, Cimetidin und Colchicin als iatrogene Ursachen verminderter männlicher Reproduktionsfunktion, ohne Zahlen [s155]. Weitere mikrobiologische Arbeiten beschreiben Mehrfachresistenz und hohe Adhäsionsfähigkeit von Stämmen aus Ejakulaten [s244], eine teils resistente Mikroflora [s183] und, bei 117 Männern mit chronischer Prostatitis, einen höheren Keimtiter im Prostatasekret als im Ejakulat sowie eine signifikante Senkung der Bakterienlast bei 51 antibiotikafrei behandelten Patienten [s109]. Die Idee antibiotikafreier Wege taucht in dieser Literatur wiederholt auf, ebenso Immunmodulatoren, Peptid- und Zytokinkomplexe und Bakterienlysate [s72, s167, s147, s109]; die Abstracts nennen keine Interessenkonflikte, eine Bewertung dazu ist anhand der Abstracts nicht möglich.

**Übersichten.** Die ausführlichste Quelle des gesamten Materials ist eine Übersicht aus Moskau (RUDN-Universität): Sie stellt fest, viele experimentelle Studien zeigten dosisabhängig negative Wirkungen bestimmter Antibiotika, die Evidenz sei niedrig, und der Antibiotikaeffekt sei von dem der behandelten Krankheit schwer zu trennen [s119]. Die Zahlen darin (zu Gentamicin, Imipenem, Levofloxacin, Nitrofurantoin) sind Zweitangaben aus anderen Arbeiten und nicht geprüft; sie sind hier bewusst nicht übernommen. Eine zweite Übersicht trägt Doxycyclin schon im Titel als „positiven Einfluss“ auf Parameter der männlichen Fertilität, nennt aber auch ungünstige Tierbefunde; sie bewertet die ungünstigen Studien strenger als die günstigen [s171]. Eine Übersicht von 2024 zum DNA-Fragmentierungsindex berichtet, die Behandlung von Infektionen mit Chlamydia trachomatis, Ureaplasma und Mycoplasma genitalium führe zu niedrigerem Index; sie gibt als Zweitangabe die Daten von Gallegos wieder (Fragmentierungsindex von 37,7 auf 24,2 %) und rät, den Index erst 4 bis 6 Monate nach der Behandlung zu bewerten [s65]. Eine Übersicht aus 38 Publikationen nennt die Leukospermie bei 10 bis 20 % infertiler Männer [s47].

**Tierversuche und Laborbefunde.** Zwei zytogenetische Mausstudien messen Antibiotika nicht an Spermienparametern, sondern an der Meiose: Nach zehn Tagen Tetrazyklinen, Makroliden oder Fluorchinolonen traten heteromorphe Bivalente auf, ihre Zahl nahm mit der Zeit ab, und die Nebenhodenspermien zeigten keine signifikanten Unterschiede in Morphologie und Beweglichkeit [s234]. In der zweiten Studie waren am ersten Tag nach Furacilin (Nitrofuran) 100 % der Kerne mit fragmentierten synaptonemalen Komplexen betroffen, nach Cifran (Fluorchinolon) 41,8 % und nach einem Bakteriophagenpräparat 25 % [s178]. Bei Ratten veränderte ein nicht genanntes Antimykotikum nach 48 Tagen die Kopfform der Spermien (Deformationsindex 4,93) [s131]; Wirkstoff, Dosis und Gruppengröße fehlen. Gentamicin erhöhte in einer Lagerungsstudie an Krötenspermien die Beweglichkeit bei 0,05 bis 0,4 mg/ml, bei 1 mg/ml war der Effekt negativ [s59].

**Leitlinien, Register, Erreichbarkeit.** Russische Leitlinien und Register wurden nicht abgerufen. Die Plattform CyberLeninka war über ihre Suchschnittstelle erreichbar (25 russische Abfragen, 385 eindeutige Datensätze) und lieferte Volltexte, die für sechs Arbeiten gelesen wurden [s229, s119, s171, s170, s108, s65]. eLIBRARY.ru war nicht erreichbar (Umleitung auf eine Sitzungsseite und Fehlerseite), sodass Inhalte, die nur dort liegen, fehlen. In Europe PMC lieferten alle zwölf Abfragen mit russischen Begriffen keine Treffer; mit englischen Begriffen und Sprachfilter fanden sich dagegen Treffer, darunter alte Datensätze mit englischem Abstract. Über PubMed liegen häufig nur Abstracts mit übersetztem Titel vor.

**Was fehlt.** Es fehlen kontrollierte Studien an gesunden Männern, Humanstudien zu Antimykotika und Antimalariamitteln sowie Registerdaten. Zu Metronidazol liegt nur die Wladiwostoker Serie vor [s229], zu Nitrofurantoin diese und die Arbeit von 1975 [s286].

### Arabisch

Arabischsprachige Originalarbeiten zum Thema wurden nicht gefunden. Alle acht Europe-PMC-Abfragen mit arabischen Suchbegriffen lieferten keine Treffer. Der arabische Raum ist in den Datenbanken fast ausschließlich über englischsprachige Veröffentlichungen aus Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Irak, Algerien und Marokko erreichbar. Das ist eine Lücke des Zugangs und kein Beleg für das Fehlen arabischer Literatur. Die Quellen lassen sich in zwei Typen von Arbeitsgruppen teilen: klinisch-andrologische Gruppen mit Beobachtungs- und kleinen Interventionsstudien und pharmakologisch-toxikologische Gruppen mit einem sehr gleichförmigen Tierversuchsdesign.

**Kohorten und klinische Studien.** Zwei Studien aus Kuwait sind die ältesten klinischen. In einer randomisierten Studie an 25 infertilen Männern mit mindestens fünf Eiterzellen je Gesichtsfeld im Samen erhielten die Männer Minocyclin 200 mg täglich über eine oder zwei Wochen. Danach nahmen Eiterzellen signifikant ab und Spermienzahl und bewegliche Spermien signifikant zu (p < 0,01); zwischen den Gruppen bestand kein Unterschied, Toxizität wurde nicht berichtet [s258]. Die Randomisierung betraf nur die Behandlungsdauer, ein Placebo- oder Unbehandelten-Arm fehlt, Zahlenwerte stehen nicht im Abstract. An der Kuwait-Universität verglich eine Studie an 50 Männern Samenwegsinfektion (n = 20), Leukozytospermie (n = 18) und fruchtbare Männer (n = 12): Bei Infektion lag die Spermienzahl bei 25 gegenüber 84 Millionen pro ml; die Antibiotikatherapie verbesserte Spermienparameter, antioxidative Aktivität und IL-4 signifikant und senkte IL-2 und IL-8, der Titer der Antispermien-Antikörper blieb unverändert; Wirkstoff und Dosis nennt der Abstract nicht [s245]. In Alexandria erhielten 22 von 223 asthenozoospermischen Männern mit Helicobacter-pylori-IgA im Seminalplasma (9,87 %) Omeprazol, Tinidazol und Clarithromycin über zwei Wochen; nach drei Monaten war das mittlere IgA von 1,55 ± 0,4 auf 0,52 ± 0,26 gefallen (p = 0,001), begleitet von besserer Beweglichkeit [s172]. Es gab keine Kontrollgruppe, und die Dreifachtherapie lässt die Wirkung nicht einem Wirkstoff zuordnen. In Mansoura wurden bei 60 infertilen Männern in 20 Kulturen (33,3 %) Bakterien gefunden, Corynebacterium bei 12 (20 %); die Beweglichkeit war bei positiver Kultur signifikant geringer, Konzentration und Morphologie nicht [s158]. In Assiut zeigte eine prospektive, kontrollierte, verblindete Studie an 50 Männern mit Oligoasthenoteratozoospermie, dass bei Leukozytospermie Beweglichkeit und CASA-Parameter geringer und der DNA-Fragmentierungsindex höher waren; von 25 Männern mit Leukozytospermie wurden 23 nach Antibiotikatherapie nachverfolgt, und geheilte Männer erzielten signifikant höhere Schwangerschaftsraten als solche mit anhaltender Leukozytospermie [s140]. Das ist ein Ergebnisvergleich nach der Behandlung, keine Gegenüberstellung von Antibiotikatherapie und keiner Therapie. Eine narrative Übersicht aus Ajman (VAE) zur Leukozytospermie nennt Antibiotika, Entzündungshemmer und assistierte Reproduktion als Behandlungsoptionen [s27].

**Tierversuche zu Antibiotika.** Die pharmakologisch-toxikologischen Gruppen in Kairo, Dschidda, Mekka, Ajman und Mansoura wählen eine hohe Dosis eines gängigen Antibiotikums, geben sie Ratten über 7 bis 60 Tage und prüfen ein Antioxidans oder einen Pflanzenextrakt als Schutz. Für Gentamicin senkte in Dschidda die Gabe von 60, 80 und 100 mg/kg über zehn Tage dosisabhängig Hodengewicht, Spermienzahl, Beweglichkeit und Testosteron [s135]; eine Studie an der Kuwait-Universität fand mit nur 3 und 5 mg/kg über zehn Tage (je 7 Tiere) bereits geringere Spermienzahl und Beweglichkeit, sodass der Befund von der Dosisfrage nicht unabhängig ist [s211]; weitere Arbeiten prüfen Lycopin [s122] und Zamzam-Wasser (30 Ratten, Gentamicin 100 mg/kg über sechs Tage) als Schutz [s97]. Vancomycin (200 mg/kg intraperitoneal über sieben Tage) senkte Testosteron, Spermienzahl und Beweglichkeit [s67]; in einer weiteren Studie senkte es Testosteron, erhöhte FSH und LH, minderte die Beweglichkeit und erhöhte abnormale und tote Spermien [s02]. Für Fluorchinolone fanden Ofloxacin, Ciprofloxacin und Pefloxacin (72, 135 und 72 mg/kg über 15 Tage) Abnahmen der testikulären LDH-X-Aktivität um 39,8, 62,7 und 60,7 %, mit weniger Spermien und geringerer Beweglichkeit [s236]; bei Ofloxacin nahmen die Schäden mit Dosis und Dauer zu [s194]; Levofloxacin (300 mg/kg über zwei Wochen, 40 mg/kg jeden zweiten Tag über zwei Monate) und Ciprofloxacin über 60 Tage senkten Hormone, Antioxidanzienenzyme und Spermienqualität beziehungsweise Keimzellzahl [s69, s63, s33]. Bei der durch Lipopolysaccharid ausgelösten sterilen Orchitis senkten Levofloxacin und therapeutischer Ultraschall das IL-1β; Spermienendpunkte wurden nicht erhoben [s09]. Metronidazol minderte bei Ratten in hoher Dosis (400 mg/kg über 60 Tage) Spermienzahl, Beweglichkeit, Thiamin und freies Testosteron [s113], bei 40 mg/kg intraperitoneal löste es eine reversible Infertilität aus, die Rosmarinsäure milderte [s148]; im Modell der Amöbiasis stellte Metronidazol dagegen Hodenarchitektur und Spermienzahl teilweise wieder her [s40]. Amoxicillin (30 mg/kg über 45 Tage) senkte bei Mäusen Testosteron und schädigte den Hoden [s08]. Oxytetracyclin (1 g/l über neun Tage) senkte bei Hähnen aus Biskra vorübergehend Konzentration und Beweglichkeit [s78]. Zur Samenkonservierung zeigen Arbeiten aus Tanger und Al-Ahsa, dass Streptomycin, Penicillin und Gentamicin im Verdünner die Spermien nicht grundsätzlich schädigen und die Keimzahl senken [s75, s101].

**Antiparasitika, Antimalariamittel.** Ivermectin (0,2 bis 0,56 mg/kg) senkte in Alexandria, Abha und weiteren Gruppen bei Ratten und Kaninchen Testosteron, Spermienzahl und Samenqualität; Zinknanopartikel, Vitamin E und Selen oder Alpha-Liponsäure milderten das [s138, s70, s110, s205]. Hydroxychloroquin zeigte bei Ratten im Hoden Spermatozytendegeneration und Ablösung von Keimzellen; Dosis und Spermienparameter nennt der Abstract nicht [s66]. Ein Humanbeleg aus dem Raum zu einem Malariamittel fehlt.

**Leitlinien, Register, Erreichbarkeit.** Leitlinien und Register aus dem arabischen Raum wurden nicht gefunden. Von den arabischsprachigen Datenbanken war keine nutzbar: Arab World Research Source antwortete nicht (kein Statuscode, keine Verbindung), Mandumah leitete auf eine Anmeldeseite um, die Plattformen der irakischen und algerischen Fachzeitschriften waren nicht erreichbar. Arabische Originalarbeiten, etwa aus ägyptischen, irakischen oder algerischen Zeitschriften, sind daher nicht erfasst. Tunesien ist mit einer französischsprachigen Quelle vertreten [s139].

**Was fehlt.** Es fehlen Humanstudien zu Nitrofurantoin, Antimykotika und Antimalariamitteln mit Spermienendpunkten sowie jede kontrollierte Studie mit Placebo. Das Schutz-Design erzeugt vorhersehbar positive Berichte; die Aussage zum Antibiotikum als Schadstoff stammt dort nur aus der Kontrollgruppe mit hoher Dosis.

### Türkisch

Die türkischsprachige Literatur ist, soweit über TR Dizin und Europe PMC erreichbar, sehr dünn: Nur drei Quellen tragen die Sprachmarke Türkisch, und zwei davon erschienen vor 2010. Hinzu kommen englischsprachige Arbeiten türkischer Gruppen, überwiegend Tierversuche veterinärmedizinischer und pharmakologischer Institute. Die einzigen Humanstudien sind eine randomisierte Studie von 1997, eine Beobachtungsstudie von 2009 und eine kleine COVID-19-Kohorte von 2021.

**Humanstudien.** An der Universität Istanbul (Cerrahpaşa) erhielten 70 Männer mit asymptomatischer Leukozytospermie Placebo (n = 24), Doxycyclin 100 mg zweimal täglich über zehn Tage (n = 25) oder Doxycyclin plus Ceftriaxon 1 g (n = 21). Die Leukozytenzahlen sanken in beiden Antibiotikagruppen signifikant gegenüber Placebo (p < 0,05), die Zeit bis zur Auflösung der Leukozytospermie war mit etwa vier Wochen in allen Gruppen ähnlich, und keines der Schemata brachte sie unter die Grenze von 1 Million pro ml; die Autoren halten eine Empfehlung der Antibiotikatherapie bei asymptomatischen Männern für zweifelhaft [s246]. Der Abstract nennt keine Spermienkonzentration, Beweglichkeit oder Schwangerschaftsrate. Eine prospektive Vergleichsstudie von 2009 (Yeni Üroloji Dergisi) an 121 Männern einer Infertilitätsambulanz (71 mit, 50 ohne Leukozytospermie; 4 bis 6 Wochen Antibiotika) fand keine signifikante Veränderung von Volumen, Spermienzahl und Beweglichkeit und schloss, die Behandlung bessere weder Spermienparameter noch Schwangerschaftsrate; Antibiotikum und Dosis nennt der Abstract nicht, und die Autoren fordern größere randomisierte Studien [s202]. Bei 29 genesenen COVID-19-Patienten aus Bursa (17 unter Favipiravir mit Hydroxychloroquin, 12 unter Favipiravir allein) waren Hormone und alle Samenparameter vor und nach der Erkrankung vergleichbar; die Teilgruppen sind nicht getrennt ausgewertet [s102].

**Tierversuche.** Aus Erzurum (Atatürk-Universität) stammen mehrere Rattenstudien mit demselben Design, Antibiotikum als Schadstoff und Pflanzenstoff als Schutz: Colistin mit Chrysin (28 Ratten), Hesperidin (24) und Naringin (35) [s134, s99, s58], Vancomycin mit Sinapinsäure (35 Ratten) [s48] und Gentamicin mit Crocin (36 Ratten, 80 mg/kg über acht Tage) [s26]; aus Trabzon Gentamicin mit Quercetin (24 Ratten) [s50] und aus einer weiteren Arbeit Gentamicin mit Hesperidin [s03]. Sie berichten Anstieg des oxidativen Stresses und der Apoptose im Hoden, geringere Beweglichkeit und mehr abnorme Spermien; die Abstracts nennen für die Spermienwerte meist keine Zahlen. Eine Studie mit zwölf Ratten (je sechs) fand unter Vancomycin 200 mg/kg über sieben Tage eine signifikant geringere Beweglichkeit (p < 0,05), während Hoden- und Nebenhodengewicht unverändert blieben [s92]. Aus Van stammt eine Studie an 72 Ratten mit Ciprofloxacin (80 mg/kg), Levofloxacin (40 mg/kg) und Moxifloxacin (40 mg/kg), die unterschiedlich ausgeprägte Hodendegeneration und höhere COX-2-Expression fand; Spermienparameter wurden nicht gemessen [s20]. Ein Modell trennt Infektion und Medikament: Bei gesunden Ratten verursachte Ciprofloxacin (150 mg/kg über zehn Tage) histologische Schäden mit leichter Abnahme von Hodenvolumen und Spermienkonzentration; Hoden mit experimenteller E.-coli-Infektion waren schwer atrophiert, stärker bei zusätzlichem Ciprofloxacin [s212]. Bei Widdern aus Elazığ führten Lincomycin-Spectinomycin und Sulfamethoxazol-Trimethoprim zu geringerer Spermienkonzentration und Gesamtzahl bei höherem Anteil beweglicher Spermien [s228]; Diminazen und Ceftriaxon senkten Konzentration, Volumen und Beweglichkeit (p < 0,01) [s223]. Bei Streptomycin und Isoniazid (80 Ratten, 45 Tage) zeigte Streptomycin signifikant mehr Spermien mit Kopfdefekt, Isoniazid einen niedrigeren Johnsen-Score (p < 0,001) [s184]. Antimykotika wurden bei 20 Hunden geprüft (je sechs mit Ketoconazol, Griseofulvin oder Fluconazol, zwei Kontrolltiere): Alle drei verursachten reversible degenerative Hodenveränderungen, am stärksten Fluconazol, wobei die Spermatogenese unter Griseofulvin stärker betroffen war; Zahlenwerte fehlen im Abstract [s237]. Antiparasitika waren Albendazol bei experimentell infizierten Lämmern, bei denen ohne Kontrollgruppe nicht infizierter Tiere Medikament und Infektion nicht trennbar sind [s04], und bei Saanen-Böcken mit signifikanten DNA-Schäden der Spermien im Comet-Test [s106]. Für Ivermectin (0,2 mg/kg subkutan) war die Konzentration bei Widdern im Plasma und in den Spermien bis zu 25 Tage, im Samenplasma bis zu 20 Tage nachweisbar; höchste Werte 25,03 ± 6,44 ng/ml im Plasma, 0,98 ± 0,42 ng/ml im Samenplasma und 5,33 ± 3,54 ng/g in den Spermien, ohne Untersuchung der Spermienqualität [s15]. Rifampicin und Chloroquin erscheinen als Schutzmittel: Rifampicin senkte als Induktor von Effluxtransportern die Aflatoxinmenge im Hoden [s35], Chloroquin (50 mg/kg über 28 Tage) milderte einen Hypoxie-Hodenschaden [s85].

**Leitlinien, Register, Erreichbarkeit.** Eine türkische Leitlinie und ein Register wurden nicht abgerufen. DergiPark, wo ein großer Teil der türkischen Fachliteratur erscheint, war nicht nutzbar: Die Suche leitete auf eine Verifizierungsseite um, die ein Skript nicht beantworten kann. TR Dizin war über die öffentliche JSON-Schnittstelle erreichbar (29 Abfragen, 565 eindeutige Datensätze, Abstracts, kein Volltext); nach Filterung blieben drei Datensätze, von denen zwei vor 2010 erschienen [s202, s237, s92]. In Europe PMC lieferten 11 von 16 Abfragen mit türkischen Begriffen keine Treffer. Die Veröffentlichungssprache der neueren Arbeiten ist fast durchgehend Englisch.

**Was fehlt.** Es fehlen türkische Kohorten mit Spermienendpunkten nach Antibiotika bei Infektion, Studien zu Nitrofurantoin und Metronidazol sowie Humanstudien zu Antimykotika. Die beiden Humanstudien zu Antibiotika bei Leukozytospermie sind negativ beziehungsweise zeigen nur einen Rückgang der Leukozyten [s246, s202]; sie sind klein, kurz und ohne Schwangerschaftsendpunkt im Abstract, und sie dürfen weder als Beleg für Nutzen noch für Unwirksamkeit im Allgemeinen gelesen werden.

## Widersprüche und ihre mögliche Erklärung

Die Literatur zu Antiinfektiva und Spermienqualität ist an vielen Stellen uneinheitlich. Dieser Abschnitt stellt gegenüber, wo Studien zum selben Wirkstoff oder zur selben Frage in verschiedene Richtungen weisen, und nennt zu jedem Widerspruch die Erklärungen, die sich aus den Quellen selbst oder aus ihrem Studiendesign ergeben. Ein Teil dieser Erklärungen stammt von den Autoren der jeweiligen Arbeiten. Ein anderer Teil ist ein Schluss aus dem Design und steht deshalb als Möglichkeit, nicht als Nachweis. Keiner der Widersprüche lässt sich mit den vorliegenden Daten endgültig auflösen.

### Antibiotika bei Leukozytospermie: Auflösung der Leukozyten, Spermienwerte und Schwangerschaft

Der deutlichste Widerspruch betrifft Männer mit erhöhter Leukozytenzahl im Samen. Eine randomisierte Studie aus Nagoya mit 48 Männern fand nach einem Monat eine Auflösung der Leukozytospermie bei 76 Prozent unter Trimethoprim-Sulfamethoxazol plus häufigem Ejakulieren, bei 56 Prozent unter dem Antibiotikum allein und bei 6,7 Prozent ohne Behandlung; beide Behandlungsgruppen lagen signifikant über der unbehandelten [s254]. Eine randomisierte Studie aus Boston, in der 54 Männer zugeteilt wurden und 41 die Studie beendeten, fand dagegen bei Doxycyclin oder Trimethoprim-Sulfamethoxazol über 14 Tage vier Wochen später keine signifikant höhere Auflösungsrate als ohne Therapie; die Autoren verweisen auf eine hohe spontane Auflösung nach einem einmalig positiven Test [s255]. In der Marburger Studie mit 36 Männern fiel die Leukozytenzahl unter Levofloxacin im Mittel um 45,8 ± 72,2 Prozent, ohne Behandlung um 3 ± 109,2 Prozent; der Unterschied war nicht signifikant, und auch bei Spermienzahl und weiteren Spermienmerkmalen zeigte sich kein Unterschied [s225]. Die türkische placebokontrollierte Studie mit 70 Männern sah unter Doxycyclin oder Doxycyclin plus Ceftriaxon signifikant sinkende Leukozytenzahlen gegenüber Placebo (p < 0,05); die Zeit bis zur Auflösung war aber in allen Gruppen ähnlich (etwa vier Wochen), und keines der Schemata brachte die Leukozyten unter 1 Million pro ml [s246]. Eine Placebostudie an 60 Männern mit positiver Samenkultur (Trimethoprim-Sulfamethoxazol oder Ciprofloxacin gegen Placebo) fand zwischen Antibiotika und Placebo keinen Unterschied der Spermienqualität [s253]. Eine türkische Beobachtungsstudie mit 71 behandelten Männern mit Leukozytospermie fand vor und nach vier bis sechs Wochen Antibiotika keine signifikante Änderung von Volumen, Spermienzahl und Beweglichkeit [s202].

Dem stehen Studien gegenüber, die Vorteile berichten. Branigan und Muller fanden nach einem Monat in allen Behandlungsgruppen eine deutlich bessere Leukozytospermie als ohne Behandlung, nach zwei und drei Monaten aber nur noch bei Antibiotika plus häufiger Ejakulation [s256]. Eine retrospektive Studie aus Cleveland zu niedriger Leukozytospermie verglich 34 mit Doxycyclin behandelte Männer mit 27 historischen Kontrollen: Die Spermienparameter änderten sich nicht signifikant, die natürliche Schwangerschaftsrate lag aber bei 15 von 32 (47 Prozent) gegenüber 5 von 25 (20 Prozent), Odds Ratio 3,7 (95-%-Konfidenzintervall 1,1 bis 11,7) [s192]. In einer ägyptischen Studie erzielten Männer, deren Leukozytospermie nach Antibiotika verschwand, signifikant höhere Schwangerschaftsraten als Männer mit anhaltender Leukozytospermie [s140]; in einer Kohorte von 53 Männern wurden 19 der 36 Partnerinnen von Männern, die auf Antibiotika ansprachen, innerhalb von sechs Monaten schwanger (53 Prozent) [s250].

Mögliche Erklärungen, die sich aus den Studien ergeben:

- **Verschiedene Zielgrößen.** Die positiven Randomisierungen messen das Verschwinden der Leukozyten, die negativen häufiger die Spermienwerte. Beides ist nicht dasselbe; bei den randomisierten Studien dieses Abschnitts nennen die Abstracts als Zielgröße die Leukozytenzahl oder Spermienwerte, keine Schwangerschaftsrate.
- **Spontanverlauf.** Die Boston-Studie beschreibt eine hohe spontane Auflösung; auch die historische Kontrollgruppe in Cleveland löste sich in 25 Prozent von selbst auf [s192, s255]. Die Nagoya-Studie fand in der unbehandelten Gruppe nur 6,7 Prozent [s254]. Warum die Spontanverläufe so verschieden ausfallen, ist aus den Abstracts nicht erkennbar.
- **Gruppenbildung nach dem Ergebnis.** In [s250] und [s140] werden Männer nach Erfolg der Behandlung verglichen, nicht nach Zuteilung. Männer, deren Entzündung abklingt, können sich auch in anderen Merkmalen von Männern mit anhaltender Entzündung unterscheiden.
- **Begleitmaßnahmen.** Die Studien aus Nagoya und von Branigan kombinieren das Antibiotikum mit häufigem Ejakulieren [s254, s256]; der Beitrag des Antibiotikums allein ist dort nur eingeschränkt abgrenzbar.
- **Fallzahlen.** Die Boston-Studie verteilte 41 Männer auf drei Gruppen (13, 11 und 17 Männer) [s255]; die Nagoya-Studie 48 Männer auf drei Gruppen [s254]. Solche Gruppen sind zu klein, um Unterschiede von mittlerer Größe sicher zu erkennen.
- **Leukozytospermie ist nicht gleich Infektion.** Die EAU-Leitlinie hält fest, dass Leukozytospermie nicht notwendigerweise mit bakteriellen oder viralen Infektionen verbunden und kein verlässlicher Indikator sei [s07].

Auf der Ebene der Zusammenfassungen setzt sich der Widerspruch fort. Die EAU-Leitlinie schreibt, Antibiotika könnten die Spermienqualität verbessern, erhöhten aber nicht die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis (Evidenzgrad 2a), und die Daten reichten nicht aus, um zu beurteilen, ob Antibiotika und Antioxidantien bei Leukozytospermie die Fertilität verbessern (Grad 3) [s07]. Eine Übersicht zu Leitlinien stellt fest, diese widersprächen sich: Manche sähen keinen Zusammenhang mit Infertilität, andere eine Besserung durch Behandlung einschließlich der Schwangerschaftsrate [s124]. Die koreanische systematische Übersicht kommt zu dem Schluss, die Daten reichten nicht aus, um zu entscheiden, ob Antibiotika oder Antioxidantien bei Leukozytospermie wirksam seien [s157].

### Verbesserung nach Behandlung bei Infektionsnachweis gegen fehlenden Vorteil in kontrollierten Studien

Eine große Zahl unkontrollierter Studien berichtet bessere Werte nach Antibiotika bei nachgewiesener Infektion. In einer Kohorte mit 3464 Samenproben stiegen bei 124 Männern mit dokumentierter Eradikation von Ureaplasma parvum unter Doxycyclin die Spermienkonzentration von 4,01 ± 4,69 auf 9,20 ± 15,63 Millionen pro ml (p = 0,01) und die Motilität von 18,97 ± 16,04 auf 29,66 ± 22,18 Prozent (p = 0,002); bei Männern mit normalen Ausgangswerten änderte sich nichts [s38]. Bei Chlamydien- und Mykoplasmeninfektion fiel der Anteil von Spermien mit fragmentierter DNA nach 3,8 ± 2,2 Monaten Therapie von 37,7 auf 24,2 Prozent, während Konzentration und Motilität sich nicht signifikant besserten [s207]. Bei Männern mit Bakteriospermie sank der Fragmentierungsindex von 50,4 auf 38,6 Prozent [s199]. Nach Ciprofloxacin, Doxycyclin und Meloxicam sank er von 28,24 auf 16,2 Prozent, die progressive Motilität blieb unverändert [s22]. Eine nicht begutachtete Vorabveröffentlichung an 265 Paaren berichtet signifikante Verbesserungen mehrerer Parameter und bezeichnet ihre Befunde selbst als hypothesenerzeugend [s17].

Dem stehen die kontrollierten Studien aus dem vorigen Abschnitt gegenüber, dazu die Aussage der EAU, Antibiotika beseitigten häufig nur die Erreger, ohne entzündliche Veränderungen oder funktionelle und anatomische Defizite umzukehren (Grad 2a) [s07]. Die Prulifloxacin-Studie an 206 Männern mit Chlamydieninfektion zeigt, dass die Erregerbeseitigung nicht zwingend die Spermienwerte wiederherstellt: Nach sechs Monaten lag die Konzentration unter Prulifloxacin allein bei 11,5, mit Nahrungsergänzung bei 21,3 Millionen pro ml, die Beweglichkeit bei 29,3 beziehungsweise 42,4 Prozent [s186]. Die Studie vergleicht damit nicht Antibiotikum gegen kein Antibiotikum.

Erklärungsmöglichkeiten:

- **Fehlende Kontrollgruppe.** Bei Vorher-Nachher-Vergleichen sind Wirkung des Antibiotikums, Rückbildung der Entzündung, Zufallsschwankung und Regression zur Mitte nicht trennbar. Der Bericht zu [s38] nennt die Regression zur Mitte bei schlechten Ausgangswerten ausdrücklich als Schwäche; dazu passt, dass sich bei Männern mit normalen Ausgangswerten nichts änderte. Die Autoren selbst folgern, der bloße Nachweis des Erregers rechtfertige keine Routinebehandlung [s38].
- **Auswahl der Erfolgreichen.** In [s117] stützt sich die Verbesserungsanalyse auf die 70 geheilten von 81 behandelten Männern, in [s163] werden Responder und Nicht-Responder getrennt ausgewertet; bei schlechtem Ansprechen verschlechterten sich dort alle Größen. Solche Einteilungen nach Ergebnis verzerren den Vergleich.
- **Kombinierte Behandlungen.** Antibiotika wurden zusammen mit Meloxicam [s22], Nahrungsergänzung [s186], einem Pflanzenpräparat [s177], Kallikrein [s273] oder Probiotika [s89] gegeben. Der Anteil des Antibiotikums bleibt dann offen.
- **Unterschiedliche Zielgrößen.** Die DNA-Fragmentierung sank in mehreren Studien, ohne dass sich die Motilität besserte [s22, s207]; in [s38] besserten sich dagegen Konzentration und Motilität. Welche Größe nach Behandlung zuerst reagiert, ist nicht geklärt.

### Ureaplasma, Mykoplasmen und Chlamydien: Ursache, Begleiter oder Zufall

Eine Metaanalyse, die die EAU-Leitlinie zitiert, fand für Ureaplasma urealyticum einen Zusammenhang mit männlicher Infertilität (Odds Ratio 3,03; 95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 8,99), für Mycoplasma hominis keinen signifikanten (2,8; 0,93 bis 3,64) [s07]. In der chinesischen Auswertung von 19.098 infertilen Männern war Ureaplasma urealyticum mit niedrigerer Beweglichkeit und weniger normalen Formen verbunden, Mycoplasma hominis nicht [s156]. Eine Auswertung von 131.183 Patienten fand Zusammenhänge von Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma genitalium, Chlamydia trachomatis und Gonokokken mit schlechterer Spermienqualität und höherem Infertilitätsrisiko [s06]. Eine Übersichtsarbeit nennt Ureaplasmen „keine unschuldigen Zuschauer“ [s64].

Gegenbefunde: In der Kohorte mit 3464 Proben hatten Ureaplasma-parvum-positive Männer (12,4 Prozent) nur ein niedrigeres Samenvolumen, während Konzentration, Motilität, Morphologie und Entzündungsmarker sich nicht unterschieden [s38]. In der Auswertung von 74.376 Samenkulturen war die Rate positiver Kulturen bei normalem Sperma (1,41 Prozent) kaum anders als bei Asthenozoospermie (1,55 Prozent), Oligozoospermie (1,18 Prozent) und Oligo-Asthenozoospermie (1,57 Prozent) [s144]. Gleichzeitig fanden sich in drei chinesischen Studien an Spermaproben genitale Mykoplasmen oder Ureaplasmen bei 30,6 bis 43,7 Prozent der Untersuchten [s95, s118, s164]; so hohe Nachweisraten sprechen dafür, dass der Nachweis allein keine Krankheitsursache anzeigt, ohne dass die Studien das selbst prüfen.

Erklärungsmöglichkeiten: Die Arten sind verschieden (Ureaplasma urealyticum und Ureaplasma parvum werden in den Studien unterschiedlich untersucht), die Vergleichsgruppen sind verschieden (Samenbankspender gegenüber Patienten einer Infertilitätsklinik [s156]), Probenart und Nachweisverfahren unterscheiden sich (Kultur, PCR, Prostatasekret statt Samen [s215]), und Kolonisation und Infektion werden nicht getrennt. Fast alle Studien sind Querschnitte, die Ursache und Folge nicht ordnen können.

### Tetrazykline: gegenläufige Richtungen beim Menschen und im Tier

Beim Menschen weisen die Studien zu Tetrazyklinen in verschiedene Richtungen. Im Urin gemessenes Tetracyclin war in einer nigerianischen Fall-Kontroll-Studie bei infertilen Männern mit höherer Motilität verbunden, bei fertilen Männern mit nichts [s41]; im Urin gemessenes Doxycyclin (in 80,1 Prozent der 986 Proben nachweisbar) war in einer chinesischen Querschnittsstudie mit niedrigerer Konzentration sowie niedrigerer Gesamt- und progressiver Motilität verbunden [s43]. In der Beobachtungsserie an 243 Männern aus Wladiwostok zählte Doxycyclin zu den Wirkstoffen mit einer Störung, die drei Monate nach Therapieende noch vorhanden war, und senkte zusätzlich das Testosteron [s229]. Minocyclin 200 mg täglich über ein oder zwei Wochen verbesserte dagegen bei 25 Männern mit hoher Eiterzellzahl Spermienzahl und Anteil beweglicher Spermien (p < 0,01), ohne Kontrollarm [s258]. In einer alten Beobachtung hatte Tetracyclin keinen signifikanten Einfluss auf die Spermienzahl [s286]. Die Behandlungsstudien zu Ureaplasma unter Doxycyclin berichten verbesserte Werte [s38, s117, s153], und eine russische Übersicht trägt den Titel „Positiver Einfluss von Doxycyclin auf Parameter der männlichen Fertilität“ [s171].

In vitro hemmte Tetracyclin die Beweglichkeit menschlicher Spermien schon bei 2,5 Mikrogramm pro ml und führte bei 50 Mikrogramm pro ml zum Stillstand [s243]; Doxycyclin in hoher Konzentration steigerte die DNA-Fragmentierung [s98]. Die russische Übersicht wendet ein, die in vitro verwendete Konzentration (mindestens 2,6 Mikrogramm pro ml) habe über der im Samen gemessenen mittleren Konzentration (0,89 Mikrogramm pro ml) gelegen [s171]; diese Aussage ist eine Zweitangabe. Im Tierversuch zeigten Tetracyclin und Doxycyclin in der Pubertät bei Mäusen langanhaltende Wirkungen auf Keimepithel und Spermien [s176], Tetracyclin bei der Ratte weniger Spermien und mehr Anomalien [s206], Doxycyclin früh im Leben bei der Maus Testosteronmangel [s126]. Minocyclin dagegen verbesserte bei Ratten Spermienparameter [s80] und verminderte bei Ratten mit Varikozele die Hodenapoptose [s96], und Doxycyclin schützte Mäusehoden vor Doxorubicin [s217].

Mögliche Erklärungen:

- **Verschiedene Bevölkerungen.** In den Behandlungsstudien handelt es sich um Männer mit entzündetem Ejakulat, in der Wladiwostoker Serie um Männer, die wegen leichter, überwiegend nicht urogenitaler Erkrankungen behandelt wurden [s229], und im Biomonitoring um Männer mit einer einzelnen Urinmessung. Das Antibiotikum mischt in Behandlungsstudien die Wirkung auf die Erkrankung mit der auf die Spermien; auf diese Vermischung weisen die Autoren der Übersicht [s119] ausdrücklich hin.
- **Herkunft der Exposition.** Urinwerte können aus Verordnung, Lebensmitteln und Umwelt stammen; der Abstract der chinesischen Studie trennt die Quellen nicht, und Florfenicol, das zu den häufig gemessenen Stoffen zählt, ist ein Tierarzneimittel [s43].
- **Dosis und Konzentration.** In vitro werden Konzentrationen eingesetzt, die im Samen nicht unbedingt erreicht werden [s243].
- **Antioxidative Wirkung.** Die Autoren der Minocyclin-Studien führen die Verbesserung auf antioxidative Eigenschaften zurück, nicht auf die antibakterielle Wirkung [s96]. Ein Tetrazyklin kann demnach im verletzten Gewebe (Hitze, Zytostatika, Varikozele) schützen und im gesunden Gewebe in hoher Dosis oder in der Entwicklung schaden [s176, s217, s226].
- **Alter und Entwicklungsphase.** Die Schäden in [s176] und [s126] betreffen Tiere in Pubertät und früher Lebensphase.



### Fluorchinolone: Hodenschäden bei Nagern, uneinheitliche Befunde bei denselben Wirkstoffen, kaum Spermienschäden beim Menschen berichtet

Bei Nagern zeigen mehrere Arbeiten Schäden: Ciprofloxacin über 60 Tage führte bei Ratten zu Keimzellverlust, Apoptose und weniger Testosteron [s33]; Ciprofloxacin 80 mg/kg, Levofloxacin 40 mg/kg und Moxifloxacin 40 mg/kg verursachten in unterschiedlichem Maß Hodendegeneration [s20]; bei jugendlichen Mäusen senkte schon 1 mg/kg Ciprofloxacin über 30 Tage das Serumtestosteron [s32]; Ofloxacin, Ciprofloxacin und Pefloxacin senkten die Aktivität des Hodenenzyms LDH-X um 39,8, 62,7 und 60,7 Prozent [s236]. Dagegen fand eine Herstellerstudie bis 360 mg/kg Levofloxacin keine Nebenwirkung auf die Fruchtbarkeit von Ratten [s262], und in einer Durchflusszytometrie-Studie am Hodenaspirat der Ratte zeigten Ciprofloxacin, Norfloxacin und Lomefloxacin keinen Unterschied, während Ofloxacin, Doxycyclin, Nitrofurantoin und Trimethoprim-Sulfamethoxazol signifikante Veränderungen auslösten [s251]. Das Rattenmodell von Demir trennt Infektion und Medikament: Ciprofloxacin 150 mg/kg über 10 Tage führte bei gesunden Ratten zu erkennbaren histologischen Schäden mit leichter Abnahme von Hodenvolumen und Spermienkonzentration, und in infizierten Hoden war die Atrophie stärker, wenn zusätzlich Ciprofloxacin gegeben wurde [s212].

Beim Menschen berichten kleine Studien dagegen keine Verschlechterung. Bei Männern mit chronischer bakterieller Prostatitis stiegen bei erfolgreicher Eradikation unter Levofloxacin die progressive Motilität, und die Werte unterschieden sich dann nicht von fertilen Kontrollen [s163]. Levofloxacin 750 mg über 15 Tage steigerte bei 34 Männern den Anteil beweglicher Spermien von 14,1 auf 21,1 Prozent (p < 0,001) und die normale Morphologie von 6,2 auf 7,7 Prozent (p = 0,005), ohne Kontrollgruppe [s170]. In einer japanischen Studie wurde unter Levofloxacin bei gesunden Männern „keine Wirkung auf die Spermien“ beobachtet; der Abstract nennt die geprüften Merkmale nicht [s260]. In der kleinen randomisierten Studie an 13 Männern sank dagegen der Anteil morphologisch normaler Spermien in der Ciprofloxacin-Gruppe signifikant [s242]. Die Wladiwostoker Serie ordnet Ciprofloxacin den kurzzeitigen Störungen zu, Pefloxacin den anhaltenden [s229]. In vitro erhöhte Ciprofloxacin die DNA-Fragmentierung menschlicher Spermien [s98], während physiologische Konzentrationen von Ciprofloxacin oder Ofloxacin die Befruchtungsfähigkeit kryokonservierter Spenderspermien steigerten [s247].

Erklärungsmöglichkeiten: Die Tierstudien arbeiten mit Dosen in Milligramm pro Kilogramm, die die Abstracts nicht auf menschliche Therapiedosen umrechnen, und geben häufig intraperitoneal. Die Wirkstoffe der Klasse unterscheiden sich untereinander [s251]. Die Endpunkte sind verschieden: Genexpression und Histologie reagieren empfindlicher als Hodengewicht oder Testosteron (Gatifloxacin bei Mäusen [s103]), Fruchtbarkeit ist ein gröberes Maß [s262]. Die Humanstudien betreffen entzündete Samenwege, bei denen die Eradikation selbst die Werte bessern kann, und sie haben keine unbehandelten Vergleichsgruppen. Das Modell mit infizierten Rattenhoden [s212] ist der einzige abgerufene Versuch, der beide Faktoren gleichzeitig prüft, und er spricht für einen Zusatzschaden des Antibiotikums im infizierten Organ.

### Derselbe Wirkstoff als Schadstoff und als Schutzstoff

Mehrere Wirkstoffe erscheinen in der Literatur in beiden Rollen. Minocyclin und Doxycyclin schützten in Hitze-, Zytostatika- und Varikozelemodellen [s96, s217, s226]. Artemisinin stellte in einem Zellmodell mit Cisplatin-geschädigten Spermatogonien die Proliferation wieder her [s37], und Artesunat in 0,2 mM verbesserte die Beweglichkeit kryokonservierter Yak-Spermien [s28], während Artemisinin-Derivate bei Meerschweinchen, Mäusen und Ratten Spermienzahl und Beweglichkeit senkten (siehe den Abschnitt zu Antimalariamitteln). Chloroquin verbesserte in einem Rattenmodell mit chronischer Hypoxie alle geprüften Parameter [s85], während Chloroquin in niedriger therapeutischer Dosierung bei Ratten über bis zu drei Monate die Testosteronsekretion progressiv senkte und die Veränderungen sich nach einem Monat ohne Medikament nicht normalisierten [s248]. Sulfasalazin verhinderte im Torsionsmodell die Keimzellapoptose [s219] und verbesserte in vitro Funktionsparameter von Rattenspermien, schädigte bei 60-tägiger Gabe von 150, 300 und 600 mg/kg aber Hoden und Spermienparameter [s141]. Gentamicin erhielt die Beweglichkeit von Krötenspermien bei kalter Lagerung in 0,05 bis 0,4 mg/ml besser als die Kontrolle, bei 1 mg/ml wirkte es negativ [s59]; bei Ratten schädigten 60 bis 100 mg/kg Hoden und Spermien [s135]. Rifampicin wurde in einem Rattenversuch als Induktor von Effluxtransportern eingesetzt, um die Aflatoxinmenge im Hoden zu senken [s35].

Erklärungsmöglichkeiten: Die Wirkung hängt von Dosis, Gewebe und Ausgangszustand ab. Die Gentamicin-Daten zeigen, dass dieselbe Substanz je nach Dosis und Umgebung erhalten oder schädigen kann [s59, s135]. Ein Wirkstoff mit antioxidativer oder entzündungshemmender Nebenwirkung kann in einem durch Oxidation oder Entzündung geschädigten Hoden günstig wirken und im gesunden Hoden nicht. Schutzstudien sind außerdem so gebaut, dass sie vorhersehbar „positive“ Berichte erzeugen: Der Schadstoff wird in einer Dosis gewählt, die verlässlich schädigt (siehe den Abschnitt zu den Limitationen). Die Befunde in der Schutzrolle sagen daher wenig über die Wirkung auf gesunde Hoden aus, und die Befunde in der Schadrolle wenig über die Wirkung in kranken.

### Antimalariamittel: Schäden im Tier, keine Humandaten zu Spermienparametern

Zu Antimalariamitteln in ihrer Malaria-Indikation gibt es keine abgerufene Humanstudie mit Spermienparametern; die einzige menschliche Beobachtung betrifft Hydroxychloroquin zusammen mit Favipiravir bei 29 von COVID-19 genesenen Männern, bei der sich die beiden Mittel nicht trennen lassen [s102]. Im Tier fallen Schadensbefunde auf: Bei Meerschweinchen senkten drei Artemisinin-Kombinationen (Artesunat-Amodiaquin, Artesunat-Sulfadoxin-Pyrimethamin, Artemether-Lumefantrin) die Spermienzahl um 17,7, 37,7 und 33,8 Prozent und die Beweglichkeit um 48,6, 50 und 51,4 Prozent, in den Erholungsgruppen war dies umgekehrt [s137]. Eine zweite Meerschweinchenstudie fand für Artesunat, Amodiaquin und ihre Kombination eine Abnahme der Spermienzahl um 54, 28 und 84 Prozent, die bei subklinischen Dosen am stärksten und in der Kombination synergistisch war [s200]. Bei Ratten zeigte Artemisinin in therapeutischer Dosis keine Veränderung des Antioxidanzienstatus, bei der Überdosis (35 mg/kg) dagegen Nebenhodendegeneration und weniger und schlechtere Spermien [s173]. Amodiaquin führte bei Ratten dosisabhängig zu Störungen der Spermatogenese, die sich im Verlauf erholten [s159]. Hydroxychloroquin in therapeutisch äquivalenten Dosen verursachte bei Ratten Degeneration der Spermatozyten und Ablösung von Keimzellen [s66]. Die Schäden waren in einigen Arbeiten reversibel [s137, s159], in der Chloroquin-Studie nicht innerhalb des beobachteten Monats [s248].

Beim Menschen gibt es nur indirekte Hinweise, und diese weisen eher in die andere Richtung: 29 genesene COVID-19-Patienten, von denen 17 Favipiravir plus Hydroxychloroquin erhielten, hatten nach 4,52 ± 1,36 Monaten unveränderte Hormon- und Samenwerte [s102]; in dänischen Registerdaten fand sich bei etwa 900 Nachkommen von Männern mit Chloroquin-Rezept keine signifikante Assoziation mit Fehlbildungen [s116]; zwei Übersichten fanden keinen Hinweis auf Schaden durch Hydroxychloroquin bei väterlicher Exposition [s111, s127]. Eine Scoping-Übersicht schreibt dagegen, Antimalariamittel (Chloroquin, Chinin, Quinacrin, Pyrimethamin) verursachten männliche Infertilität, und trennt nach dem Abstract nicht zwischen der Wirkung der Krankheit und der Medikamente [s05].

Erklärungsmöglichkeiten: Die Wirkstoffe sind nicht dieselben (Artemisinine bei Tieren, Hydroxychloroquin beim Menschen). Ein großer Teil der Tierstudien zu Antimalariamitteln stammt aus Nigeria, Iran und Indien, was auf einzelne Arbeitsgruppen und Fragestellungen hinweist. Mehrere Autoren geben ihre Dosen als klinisch äquivalent oder als doppelt so hoch an, ohne dass die Abstracts die Übertragbarkeit auf die kurze Behandlung beim Menschen prüfen. Die Humankohorte ist mit 29 Männern klein, und die Endpunkte der Registerstudie (Fehlbildungen, Frühgeburt) sind keine Spermienmerkmale. Schließlich ist die Malaria selbst mit verminderter Samenqualität in Verbindung gebracht worden [s05], sodass eine Studie an Erkrankten das Mittel nicht von der Krankheit trennt.

### Antimykotika: Hormonhemmung belegt, Spermienwirkung offen

Gut belegt ist, dass Ketoconazol die Androgensynthese im Hoden hemmt. In einer randomisierten placebokontrollierten Studie an 40 gesunden Männern, deren LH zuvor mit einem GnRH-Antagonisten unterdrückt worden war, lag das mediane intratestikuläre Testosteron nach sieben Tagen bei 14 ng/ml unter Placebo, bei 3,7 unter 400 mg und bei 1,7 ng/ml unter 800 mg Ketoconazol (je acht Männer pro Gruppe) [s182]. Enzymstudien an Hodengewebe, Hodenmikrosomen und Rattenhoden bestätigen die Hemmung (Ki-Werte von 2,9 und 0,9 µM an menschlichem Gewebe [s270]). Ob das die Spermien oder die Fruchtbarkeit schädigt, ist offen: Die Studie von Roth wollte die für die Spermatogenese nötige Testosteronkonzentration bestimmen, nicht die Fertilität [s182]; die Übersicht von Drobnis und Nangia hält fest, dass Daten zu Samenqualität oder Fertilität fehlten [s150].

Widersprüchlich sind die Befunde zur direkten Wirkung auf reife Spermien. Beim Menschen lag die mittlere Konzentration im Samenplasma bei sieben Männern bei 150 ng/g, und eine 50-fach höhere Konzentration störte die Beweglichkeit der Spermien von 24 Männern nicht [s277]. Bei der Ratte verursachte dagegen 300 mg/kg eine reversible Immobilisierung der Nebenhodenspermien bei Flüssigkeitskonzentrationen von 18,0 µg/ml im Nebenhoden und 13,5 µg/ml im Seminalplasma; das Testosteron fiel auch nach 100 mg/kg, einer Dosis ohne Beweglichkeitswirkung [s261]. Ketoconazol 100 mg/kg über fünf oder sieben Tage verursachte bei Ratten Degeneration der Hodenkanälchen und Keimzellverlust [s174, s203], bei Mäusen führte es in 30 bis 70 mg/kg subkutan zu Leber- und Hodenschäden [s104]. Fluconazol 50 mg/kg senkte beim Kaninchen Testosteron, Samenvolumen, Spermienzahl und Beweglichkeit, mit Erholung im zweiten Monat nach Absetzen bei unauffälligen Hodenbiopsien [s230]. In einem Versuch mit Hunden wirkte Fluconazol am stärksten auf die Hoden, Griseofulvin aber stärker auf die Spermatogenese; alle Wirkungen waren reversibel [s237]. Auch die Rangfolge der Azole hängt vom Modell ab: In Hodenmikrosomen hemmte Ketoconazol am stärksten, vor Miconazol [s271]; in der Enzymstudie am Schwein hatten Clotrimazol, Econazol und Miconazol halbmaximale Hemmkonzentrationen von 0,29, 0,36 und 1,25 µM [s265].

Erklärungsmöglichkeiten: Der menschliche Samenplasmaspiegel ist niedrig [s277], die Tierdosen liegen weit über Humandosen (das halten die Autoren der Rattenstudie selbst fest [s261]), und Hormonwirkung und Spermienwirkung sind verschiedene Endpunkte. Die Modelle (Mikrosomen, Gewebeschnitte, intakte Tiere, Hund, Kaninchen) messen verschiedene Schritte. Nach den Autoren der Rattenstudie erreicht Ketoconazol die Organe hinter dem Hoden und beeinflusst reife Spermien leichter als die testikuläre Spermatogenese [s261]; in der Humanstudie wurde dagegen nur das Hormon gemessen.

### Nitrofurantoin und Metronidazol: Humanbelege bei Nitrofurantoin sehr alt, bei Metronidazol Tierdosen weit über Therapiedosen

Zu Nitrofurantoin liegt beim Menschen nur eine alte Beobachtung vor (1975, nur als Abstract): Nitrofurane und Neomycin senkten Spermienzahl und Beweglichkeit, Zahlen fehlen [s286]. Die Wladiwostoker Serie führt Nitrofurantoin unter den Wirkstoffen mit einer Störung, die nach drei Monaten noch bestand, und mit gesenktem Testosteron auf [s229]. Die Übersicht von Drobnis und Nangia spricht von minimalen Humandaten zu verminderter Samenqualität für Nitrofurantoin, Ciprofloxacin, Ofloxacin und Sulfamethoxazol [s150]. Die Rechercheberichte fanden keine Studie mit gemessenen Spermienparametern bei Männern, die Nitrofurantoin als Tabletten einnehmen; die EAU-Leitlinie enthält in dem abgerufenen Text keine Aussage zu Nitrofurantoin [s07]. Im Tier fand das National Toxicology Program in 13-Wochen-Studien Degeneration des Keimepithels der Hodenkanälchen bei männlichen Ratten ab 2500 ppm und bei Mäusen ab 1300 ppm im Futter [s272]; eine weitere Studie sah bei der höchsten Dosis (81 mg/kg täglich bei Männchen) vermehrte Hodendegeneration [s267]. In vitro stoppte Nitrofurantoin bei pharmakologischen Konzentrationen die Beweglichkeit kryokonservierter Spenderspermien [s247]. Aus der örtlichen Anwendung bei der Vasektomie (Spülung des Samenleiters) lässt sich für Tabletten nichts ableiten [s285].

Bei Metronidazol erreicht das Mittel im Samenplasma therapeutische Konzentrationen (7,0 gegenüber 8,7 Mikrogramm pro ml im Blut bei Männern mit subklinischer Prostatitis) [s281]. Bei 25 Männern mit Trichomonaden im Samen besserten sich die Samenwerte nach einem Behandlungskurs, ohne Kontrollgruppe [s269]; in vitro hatte es bis 10 mg/ml wenig Einfluss auf die Spermien [s231]. Keine abgerufene Humanstudie belegt einen Spermienschaden. Im Tier schwanken die Befunde mit der Dosis: Bei Mäusen änderte 250 mg/kg über 28 Tage nichts, 500 mg/kg minderte Organgewichte, Beweglichkeit, Vitalität, Spermienzahl und Fruchtbarkeit, und 42 Tage nach Absetzen war alles wieder normal [s179]; bei Ratten zeigten 15 mg/kg keine signifikante negative Wirkung, 200 und 400 mg/kg senkten Testosteron und FSH [s189]; 40 mg/kg intraperitoneal lösten bei Ratten eine reversible Infertilität aus [s148]; 400 mg/kg über 60 Tage senkten Spermienzahl, Gesamtbeweglichkeit und freies Testosteron [s113]. Das Rattenmodell mit Amöbiasis zeigt, dass die Infektion allein Hoden und Spermien schädigt und Metronidazol nach Beseitigung des Parasiten die Hodenarchitektur teilweise wiederherstellte [s40]. Mehrere Rattenstudien aus China nutzen das verwandte Ornidazol (400 bis 800 mg/kg) als Modell, um eine Oligo-Asthenozoospermie zu erzeugen; die Ergebnisse lassen sich nicht auf Metronidazol übertragen [s16, s83, s145, s201].

Erklärungsmöglichkeiten: Die tierexperimentelle Schwelle liegt bei Metronidazol je nach Tierart und Dosis zwischen den genannten Werten; in der Mäusestudie mit 500 mg/kg entsprach die Dosis nach Angabe der Autoren etwa dem Dreifachen der therapeutischen Dosis der Maus [s222]. Beim Menschen sind die Studien entweder alt (1975, 1980, 1990) oder behandeln Infektionen, bei denen die Besserung durch Beseitigung des Erregers einen möglichen Wirkstoffeffekt überdecken kann.

### Antibiotikaresistenz: regional und artspezifisch uneinheitliche Ranglisten

Die Wirksamkeitsranglisten gegenüber Ureaplasma-Isolaten aus dem Samen widersprechen sich zwischen Regionen. Aus Changsha, Nanjing und Leqing werden Doxycyclin, Tetrazykline und Josamycin als am wirksamsten berichtet; die Resistenz gegen Doxycyclin und Josamycin lag unter 6 Prozent, gegen Ciprofloxacin war sie hoch [s156, s164, s215]. In Tai'an in China lag die Resistenz gegen Erythromycin bei nur 3,75 Prozent, gegen Levofloxacin bei 47,5, gegen Moxifloxacin bei 39,38 und gegen Tetracyclin bei 19,69 Prozent [s118]. Eine russische Querschnittsstudie mit 4752 Männern fand dagegen Erythromycin mit 88,2, Azithromycin mit 47,0, Tetracyclin mit 41,7, Doxycyclin mit 7,7 und Josamycin mit 5,9 Prozent Resistenz [s108]. Bei Mycoplasma genitalium wurde nach Therapieversagen eine Makrolidresistenz in 58 von 60 Proben (96,67 Prozent) und eine Tetrazyklinresistenz in 27 von 60 (45,00 Prozent) gefunden [s114]. In einer spanischen Beobachtung misslang die Eradikation genitaler Mykoplasmen mit Azithromycin in 50 Prozent, mit Doxycyclin in 10,2 Prozent [s129]. In Shanghai sank die Resistenz gegen Fluorchinolone (außer Norfloxacin) in den letzten zwei Jahren der Erhebung [s146].

Gründe für die Unterschiede, soweit aus den Abstracts erkennbar: Region und Zeitraum, Erregerart (Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium), Untersuchungsmaterial und Methode sowie die Auswahl der Patienten (zum Beispiel Männer mit Therapieversagen in [s114]). Die Studien erheben Resistenz, nicht die Wirkung der Antibiotika auf Spermien; sie zeigen aber, dass der Erfolg einer erregergerichteten Behandlung von Wirkstoff und Region abhängt.

### Darmflora und Vererbung bei Mäusen, Registerdaten beim Menschen

Mausversuche, in denen die Darmflora der Väter durch Antibiotika gestört wurde, berichten Folgen für die Nachkommen: Eine Studie in Nature fand mehr Nachkommen mit niedrigem Geburtsgewicht, schwerer Wachstumsrestriktion und vorzeitiger Sterblichkeit, über die Keimbahn übertragen und durch Wiederherstellung der väterlichen Mikrobiota vor der Konzeption aufgehoben [s49]. Weitere Arbeiten fanden veränderte Spermien-piRNAs [s39], weniger Nebenhodenspermien und gestörte Meiose [s53] und ein verändertes Metabolom der Samenblasensekrete bei ungestörter Spermatogenese [s142]. Dem stehen Registerdaten gegenüber: Bei mehr als 1800 Nachkommen von Männern mit Azithromycin-Rezept in Dänemark zeigte sich keine Assoziation mit Frühgeburt oder schweren Fehlbildungen [s116], und in den US-Versicherungsdaten hatten 7,21 Prozent der Väter in den 90 Tagen vor der Konzeption ein Antibiotikarezept; diese Arbeit untersucht keine Wirkung auf die Spermien [s61].

Erklärungsmöglichkeiten: Die Mausversuche setzen Antibiotika als Werkzeug zur Entleerung der Darmflora ein (kombinierte Antibiotika im Trinkwasser) und prüfen nicht die Wirkung eines einzelnen Mittels; sie messen Geburtsgewicht und Überleben, die Registerstudie Frühgeburt und schwere Fehlbildungen. Beim Menschen ist die Darmflora nach Antibiotikatherapie in kleinen Studien verändert (Dysbiose bei 75 Prozent von 20 Männern mit anhaltender Adnexdrüseninfektion [s30]); ein Zusammenhang mit der Gesundheit der Nachkommen ist dort nicht untersucht. Die Übertragung der Mausbefunde auf den Menschen bleibt eine Hypothese.

### Weitere Einzelwidersprüche

- **HIV-Therapie.** Efavirenz war in zwei Kohorten mit verminderter Motilität verbunden (in der größeren mit 378 Männern lag der mediane Anteil schneller Spermien bei 5 gegenüber 20 Prozent) [s152, s165]. Unter Dolutegravir-basierter Therapie stiegen bei 11 Männern progressive und Gesamtmotilität deutlich, zugleich stieg die DNA-Fragmentierung signifikant (p < 0,01) [s84]. Bessere Beweglichkeit und höhere Fragmentierung traten also in derselben Kohorte auf; die Studie hat keine Kontrollgruppe.
- **Pretomanid-haltige Tuberkulose-Regime.** Nagerbefunde hatten den Hoden als Zielorgan gezeigt; bei 26 Männern stieg die mittlere Gesamtspermienzahl von 48,8 auf 68,8 Millionen pro Ejakulat [s12], und in einer Hormonauswertung bei über 800 Männern stiegen Testosteron und Inhibin B gegenüber dem Ausgangswert [s87]. Die Autoren der Hormonauswertung deuten das als Besserung eines vor der Therapie oft grenzwertigen Hypogonadismus, nicht als Hodentoxizität; in der Studie an 26 Männern fehlt ein Kontrollarm.
- **Gentamicin in niedriger Dosis.** Bei Ratten zeigten schon 3 und 5 mg/kg über zehn Tage Wirkungen auf Spermienzahl, Beweglichkeit und Hodengewicht [s211], während die meisten anderen Arbeiten 60 bis 100 mg/kg einsetzen [s135]; die Dosis erklärt die Befunde also nicht vollständig.
- **Zweitangaben, die sich nicht bestätigen lassen.** Eine russische Übersicht gibt an, nach dem systematischen Review von Semet senke Nitrofurantoin Spermienzahl und Beweglichkeit [s119]. Der Abstract der Arbeit von Semet nennt Nitrofurantoin nicht, sondern führt Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide, Tramadol, GnRH-Analoga und Sartane als Arzneimittel mit guter oder sehr guter Evidenz auf [s154]. Die Aussage kann im Volltext stehen; sie wurde für dieses Kapitel nicht geprüft. Dieselbe Übersicht zitiert eine Arbeit „Ahmadi et al.“ zu Levofloxacin bei Ratten [s119]; sie ist nicht identisch mit der Arbeit Ahmadi et al. 2018 zu Chlamydia trachomatis in dieser Studie [s133].


## Limitationen der Evidenz

### Datengrundlage: überwiegend Abstracts

Die Befunde dieser Studie stützen sich weitgehend auf Zusammenfassungen (Abstracts), nicht auf Volltexte. Zahlen, Konfidenzintervalle und p-Werte stehen nur, wo der Abstract sie nennt; mehrere Abstracts brechen bei einem Kleiner-als-Zeichen ab, bei anderen fehlen Effektgrößen ganz. Volltexte wurden nur bei den Leitlinien der EAU und der AUA/ASRM sowie bei sechs russischsprachigen Arbeiten gelesen; bei 68 der 74 Quellen des russisch-türkisch-arabischen Berichts lag nur der Abstract vor. Für mehrere Aussagen fehlt deshalb die Angabe, die ein Urteil über die Stärke eines Effekts erst erlauben würde (zum Beispiel beim Urin-Biomonitoring in China, dessen Abstract keine Effektschätzer, Konfidenzintervalle oder p-Werte nennt [s43]).

### Fehlende Übersichtsarbeiten zur eigentlichen Frage

Eine Metaanalyse oder Cochrane-Übersicht, die Antibiotika bei männlicher Subfertilität auf Spermienqualität oder Schwangerschaft prüft, wurde in keinem der drei Recherchestränge gefunden. Die einzige Cochrane-Übersicht im Themenfeld vergleicht Antibiotika bei urogenitaler Chlamydieninfektion (14 randomisierte Studien, 2715 Teilnehmende, 2147 Männer) mit mikrobiologischem Versagen als Zielgröße und misst keine Spermienparameter [s128]. Die Umbrella-Übersicht zu Risikofaktoren der männlichen Infertilität (43 Übersichten, 67 Risikofaktoren, 249 Effektgrößen) stufte nach GRADE 136 Effektgrößen (54,6 Prozent) als sehr niedrig, 59 (23,7 Prozent) als niedrig und 54 (21,7 Prozent) als moderat ein; Antibiotika, Antimykotika und Antimalariamittel erscheinen in ihrem Abstract nicht als eigene Faktoren [s19]. Die vorhandenen Übersichten zu Leukozytospermie und Infektion sind erzählend oder nennen keine Zahl eingeschlossener Studien [s27, s54, s157].

### Krankheit und Arzneimittel lassen sich schwer trennen

Das wiederkehrende Kernproblem: Wer ein Antibiotikum nimmt, hat meist eine Infektion oder Entzündung, und diese beeinträchtigt Spermien oft selbst. Die Übersicht von Drobnis und Nangia nennt das als Grund, warum die Auswertung schwierig sei [s150]; eine russische Übersicht schreibt, der negative Antibiotikaeffekt sei vom Effekt der behandelten Krankheit schwer zu trennen und Versuche an gesunden Männern seien aus ethischen Gründen unwahrscheinlich [s119]. Die einzige größere Humanserie mit einheitlichem Protokoll an Männern ohne urogenitale Hauptdiagnose (243 Männer, 20 Antibiotika) hat keine unbehandelte Kontrollgruppe, keine p-Werte und keine Zahlen je Wirkstoff; ihr Autor nennt selbst, dass der Ausgangswert nur einmal und ohne Abstinenzzeit erhoben wurde und dass Arzneimittel teils auch lokal angewendet wurden [s229]. Ebenso lassen sich bei Antimalariamitteln, Antiretroviralia und Antituberkulotika Wirkstoff, Grunderkrankung und Begleitmedikation nicht trennen [s05, s12].

### Studiendesign und Zielgrößen

- **Wenig Randomisierung, kleine Gruppen.** Randomisierte Studien mit Antibiotika bei Männern sind selten und klein (zum Beispiel 13, 25, 36, 48, 54, 60, 70 Männer) [s225, s242, s246, s253, s254, s255, s258]. Mehrere sind nicht verblindet oder randomisieren nur die Behandlungsdauer [s72, s258].
- **Ersatzgrößen statt Fruchtbarkeit.** Viele Studien messen Leukozytenzahl, Eradikationsrate, DNA-Fragmentierung, Zytokine oder Hormone. Die EAU-Leitlinie trennt Spermienqualität und Konzeptionswahrscheinlichkeit und bewertet die Evidenz für Letztere schwächer [s07]. Hormonbefunde (Testosteron im Hoden unter Ketoconazol [s182]) sind kein Fertilitätsmaß.
- **Zeitfenster.** Nachbeobachtungen von zwei Wochen [s225] bis vier Wochen [s170] sind kurz; ob eine Besserung oder Verschlechterung anhält, bleibt offen. Die Wladiwostoker Serie misst nach drei Monaten, „unter Berücksichtigung des Spermatogenesezyklus“ [s229]; eine Übersicht rät, den DNA-Fragmentierungsindex erst vier bis sechs Monate nach der Behandlung zu bewerten [s65].
- **Mehrere Behandlungen gleichzeitig.** Antibiotika werden mit Entzündungshemmern, Nahrungsergänzung, Kallikrein, Probiotika, Pflanzenpräparaten, häufigem Ejakulieren oder Immunmodulatoren kombiniert (zum Beispiel [s22, s72, s89, s177, s186, s254, s273]).
- **Zuteilung nach Ergebnis.** In mehreren Studien werden Männer nach Erfolg der Behandlung verglichen [s140, s163, s250].
- **Historische oder fehlende Kontrollen** [s38, s117, s192].

### Tierstudien und Zellversuche

Der größte Teil der Literatur besteht aus Tierversuchen. Für ihre Aussagekraft gelten besondere Einschränkungen:

- **Dosis und Gabeweg.** Die Dosen liegen häufig weit über Therapiedosen und werden oft intraperitoneal gegeben; die Abstracts rechnen sie nicht auf menschliche Äquivalente um. Mehrere Antimalaria-Studien geben ihre Dosen als klinisch äquivalent oder als doppelt so hoch an, ohne die Übertragbarkeit zu prüfen.
- **Schutzdesign.** Ein sehr häufiges Muster: Ein Antibiotikum wird als „Schädigungsmodell“ in hoher Dosis eingesetzt, und ein Pflanzenstoff oder Nahrungsergänzungsmittel wird als Schutz geprüft (Gentamicin, Vancomycin, Colistin, Levofloxacin, Ciprofloxacin, Ornidazol). Dieses Design erzeugt vorhersehbar positive Berichte; die Aussage zum Antibiotikum stammt nur aus der Kontrollgruppe. Mit der Existenz eines Schutzeffekts wird die Existenz eines Schadens vorausgesetzt, nicht belegt.
- **Kleine Gruppen, selten Verblindung.** Wo Gruppengrößen genannt sind, liegen sie meist bei 5 bis 18 Tieren je Gruppe; Verblindung und vorab festgelegte Endpunkte werden in fast allen Abstracts nicht genannt.
- **Nicht unabhängige Studien.** Mehrere Arbeiten stammen aus derselben Arbeitsgruppe mit gleichem Design: Ciprofloxacin und Enrofloxacin [s32, s90], Amoxicillin und Azithromycin in der Trächtigkeit [s60, s76], die beiden Ureaplasma-Studien aus Nanjing [s94, s95], die beiden Studien mit Quinestrol [s56, s57], drei Colistin-Studien aus Erzurum [s58, s99, s134] sowie zwei Metronidazol-Studien mit denselben 105 männlichen und 50 weiblichen Ratten [s189, s190]. Sie zählen nicht als unabhängige Bestätigungen.
- **Gewebeverteilung.** Eine japanische Studie fand bei Ratten in Nebenhoden und Hoden nur niedrige Konzentrationen (auch die relativ hohen Werte nur etwa 10 Prozent der Blutkonzentration) und deutet das als Ausdruck der Blut-Hoden-Schranke [s278]. Beim Menschen lag die Levofloxacin-Konzentration im Hodengewebe bei 4,73 µg/g (Gewebe-zu-Serum-Verhältnis 1,63) [s260]. Beide Befunde betreffen verschiedene Wirkstoffe und Arten und lassen sich nicht aufeinander übertragen.
- **In-vitro-Versuche.** Konzentrationen in vitro werden im Samen in vivo nicht unbedingt erreicht [s243]; in-vitro-Befunde an Spermien in Verdünnern gelten für behandelte Proben, nicht für die Einnahme [s98].
- **Mikrobiomversuche.** Sie prüfen die Folgen einer Darmentleerung, nicht die Wirkung eines einzelnen Antibiotikums auf die Hoden [s39, s49, s53, s142].

### Beobachtung, Biomonitoring und Register

Querschnittsstudien können Ursache und Folge nicht ordnen. Beim Urin-Biomonitoring bildet eine einzelne Probe die Exposition über die Dauer der Spermatogenese schlecht ab, und die Quellen (Verordnung, Lebensmittel, Umwelt) sind nicht getrennt [s43]. In der nigerianischen Studie nennt der Abstract weder die Indikation noch Effektgrößen mit Konfidenzintervallen [s41]. Die große klinische Querschnittsstudie mit 7438 Männern stützt sich auf selbstberichtete Medikation und erlaubt keine Trennung von Medikation und Grunderkrankung; sie fand keine Antibiotika-Signale, bezeichnet sich aber selbst als hypothesenerzeugend [s31]. Die Registerstudien aus Dänemark und den USA betreffen Geburtsausgänge beziehungsweise Verordnungshäufigkeit, nicht Spermienwerte [s61, s116].

### Fehler und Unstimmigkeiten in einzelnen Abstracts

Beim Lesen der Abstracts fielen mehrere interne Unstimmigkeiten auf, die die jeweiligen Zahlen unsicher machen:

- Ein Abstract nennt für die Nicht-Responder „7 von 17 (6 Prozent)“; 7 von 17 wären rechnerisch 41 Prozent [s250].
- Das Konfidenzintervall für die Makrolidresistenz bei Mycoplasma genitalium (91,99 bis 101,34 Prozent) überschreitet 100 Prozent [s114].
- Der Abstract einer japanischen Pharmakokinetik-Studie enthält eine nicht verwertbare Spanne („313-3.6 micrograms/g“) [s260]; zwei japanische Abstracts sind abgeschnitten [s254, s274].
- Der Abstract einer Studie zu Ornidazol enthält an einer Stelle „ORC“ statt „ORN“ [s201].
- In der Arbeit zu Sertoli- und Leydig-Zellen unter Metronidazol nennt der Abstract im Ergebnisteil eine Zunahme, in der Schlussfolgerung eine Abnahme der Gesamtzahl [s190].
- In der Neospora-Studie ist die Aussage zu Artemisinin im Abstract nicht stimmig (Beweglichkeit erhöht, zugleich „kein offensichtlicher therapeutischer Effekt“) [s21].
- In einer Rattenstudie zu Gentamicin sollen Spermienzahl und abnorme Morphologie „zugenommen“ haben, ohne dass der Abstract das erklärt [s50].
- Die nigerianische Urinstudie gibt einen „Abfall der Spermienzahl um mehr als 3 ml“ an, eine Einheit, die für eine Zahl nicht passt [s41].
- Eine russische Übersicht nennt Dosen von 0,03 bis 0,08 mg/kg Levofloxacin bei Ratten, die „auffallend niedrig“ sind und sich ohne die Originalarbeit nicht prüfen lassen [s119].
- Bei mehreren Quellen fehlen im Abstract Wirkstoff, Dosis oder Gruppengröße (zum Beispiel ein nicht benanntes Antimykotikum bei Ratten [s131], nicht benannte Antibiotika bei Mäusen [s234]).

### Nicht begutachtete und aus zweiter Hand zitierte Quellen

Zwei Quellen sind Vorabveröffentlichungen ohne Begutachtung: die retrospektive Studie an 265 Paaren mit asymptomatischen Urogenitalinfektionen [s17] und die Beobachtungsstudie zu Bakteriospermie und Antibiogramm an 249 positiven Samenkulturen [s25]. Mehrere russische Übersichten geben Zahlen anderer Arbeiten wieder, die nicht anhand der Originale geprüft wurden [s65, s119, s171]. Die russischen Arbeiten, die Alternativen zu Antibiotika prüfen (Zytokin- und Peptidkomplexe, Bakterienlysat, Prostataextrakt), nennen in den Abstracts keine Interessenkonflikte; eine Bewertung ist anhand der Abstracts nicht möglich [s72, s109, s147, s167]. Die Studie zu OM-89 nennt weder Fallzahl noch Teststatistik und lässt offen, ob randomisiert wurde [s167].

### Sprachliche und regionale Lücken, Zugangsgrenzen

- **Portugiesisch:** Es wurde keine einschlägige portugiesischsprachige Studie gefunden; die Datenbanken SciELO und LILACS waren per Skript nicht erreichbar. Dass die Literatur dünn ist, lässt sich daraus nicht sicher schließen.
- **Koreanisch:** Suchen mit koreanischen Begriffen ergaben keine einschlägige koreanischsprachige Arbeit; die koreanischen Datenbanken KCI, DBpia und KoreaMed waren nicht auswertbar. Aus Korea stammen vier abgerufene Quellen [s37, s45, s52, s157].
- **Arabisch:** Alle acht Abfragen mit arabischen Begriffen in Europe PMC lieferten keinen Treffer; die arabischen Quellen sind ausschließlich englischsprachige Arbeiten aus Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Irak, Algerien und Marokko.
- **Russisch und Türkisch:** Kyrillische Suchbegriffe fanden in Europe PMC nichts (12 Abfragen ohne Treffer); eLIBRARY.ru und DergiPark waren nicht erreichbar. Die türkischsprachige Literatur ist, soweit erreichbar, sehr dünn (nach Filterung drei aufgenommene türkischsprachige Datensätze).
- **Chinesisch und Japanisch:** CNKI, Wanfang und CiNii waren nicht auswertbar; chinesische Zeitschriften, die nur dort erscheinen, sind nicht abgedeckt, was nach Einschätzung des Berichts vermutlich viele klinische Beobachtungsstudien aus Krankenhäusern betrifft.
- **Spanisch, Italienisch, Französisch:** Dialnet, Cairn und das AWMF-Leitlinienregister lieferten keine auswertbaren Inhalte; die Seite der Società Italiana di Andrologia lieferte nur eine Startseite. Aus HAL ergaben sich keine begutachteten Studien. Ob eine deutsche Leitlinie existiert, lässt sich weder bejahen noch verneinen.
- **Europe PMC und PubMed:** Ergebnislisten sind pro Abfrage auf 100 Treffer begrenzt; bei breiten Abfragen ist nur der obere Teil erfasst. Nicht aufgenommen wurden reine Fallberichte, Arbeiten aus der Tierzucht (Besamungsverdünner), Arbeiten, die ausschließlich Pflanzenextrakte als Schutzstoffe prüfen, und Arbeiten in anderen als den vorgegebenen Sprachen. Mehrere ältere Arbeiten ohne Abstract (zum Beispiel zu Nitrofurantoin 1957, Aciclovir 1988, Salazopyrin 1981 und 1996) konnten nicht ausgewertet werden.
- **Regionale Verzerrung.** Die Tierstudien zu Antimalariamitteln, Antituberkulotika und Antiretroviralia stammen zu einem großen Teil aus Nigeria, Iran und Indien; die Resistenzdaten stammen aus einzelnen Zentren in China, Russland und Spanien [s108, s118, s129, s156, s164].

### Verzerrung durch Veröffentlichung und Auswahl

Ob negative Ergebnisse seltener veröffentlicht werden, lässt sich mit dem vorliegenden Material nicht beurteilen; es gibt keine Übersicht, die dies prüft. Auffällig ist, dass die meisten berichteten Besserungen aus unkontrollierten Studien stammen, während die Studien mit Placebo- oder Nullarm kein einheitliches Bild zugunsten der Antibiotika ergeben [s225, s246, s253, s254, s255]. Zusammen mit dem Schutzdesign der Tierstudien (siehe oben) ist das mit einer Überschätzung von Wirkungen und von Schäden in den schwächeren Designs vereinbar; belegt ist es nicht.

### Schwankende Häufigkeitsangaben

Auch Grundzahlen schwanken. Leukozytospermie kommt nach einer Übersicht bei 30 Prozent der infertilen und bis zu 20 Prozent der fertilen Männer vor [s54], nach einer russischen Übersicht bei 10 bis 20 Prozent infertiler Männer [s47] und nach einer französischen Übersicht in 20 Prozent der Fälle männlicher Infertilität [s221]. Als Anteil der Genitaltraktinfektionen an der männlichen Infertilität werden 15 Prozent [s18] und für die Abklärung 6 bis 10 Prozent infektiöse Ursachen [s160] genannt; in einer mexikanischen Aktenauswertung waren es 47 Prozent von 295 infertilen Männern mit Sameninfektion [s232]. Die Angaben beruhen auf verschiedenen Definitionen und Populationen und sind nicht gegeneinander verrechenbar.

## Offene Forschungsfragen

Aus den Lücken und Widersprüchen ergeben sich Fragen, die die vorhandene Literatur nicht beantworten kann.

1. **Nutzen der Antibiotikatherapie bei nachgewiesener Infektion der Adnexdrüsen.** Verbessert eine Behandlung gegenüber Placebo oder verzögerter Behandlung nicht nur Spermienwerte, sondern die Zeit bis zur Schwangerschaft und die Lebendgeburtenrate? Die EAU-Leitlinie hält fest, dass die Behandlung die Konzeptionswahrscheinlichkeit nicht notwendigerweise erhöht [s07]; eine Übersicht fordert Studien mit Konzeption als Endpunkt [s124].
2. **Asymptomatische Besiedlung gegen Infektion.** Ab wann ist der Nachweis von Ureaplasma urealyticum, Ureaplasma parvum, Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium oder Chlamydia trachomatis im Samen krankheitswertig? Die EAU hält weitere Forschung für nötig, ob asymptomatische Chlamydien und Mycoplasma hominis mit einer Spermienqualität verbunden sind, die sich nach Behandlung erholt [s07]. Offen ist auch, ob Artunterschiede (Ureaplasma urealyticum gegen Ureaplasma parvum) die Befunde erklären [s07, s38].
3. **Krankheit gegen Arzneimittel.** Wie lässt sich die Wirkung eines Antibiotikums von der der behandelten Infektion trennen? Denkbar sind Studien an Männern mit nicht urogenitalen Infektionen und Vorher-Nachher-Samenanalysen mit Kontrollgruppe (die Wladiwostoker Serie [s229] ist bisher die einzige größere Humanserie, hat aber keine Kontrolle) sowie Registerauswertungen, die Verordnungen mit Samenanalysen verknüpfen.
4. **Erholungszeit.** Nach welcher Zeit normalisieren sich Spermienmerkmale nach Absetzen? Eine russische Übersicht nennt zu wenig Daten zur Erholungszeit der Spermatogenese [s119]; Tierstudien berichten teils Erholung (Metronidazol 42 Tage [s179]), teils fehlende Erholung innerhalb eines Monats (Chloroquin [s248]).
5. **Gewebe- und Samenspiegel.** Für nur wenige Wirkstoffe liegen Konzentrationen im Samen oder Hodengewebe beim Menschen vor (Metronidazol [s281], Ketoconazol [s277], Levofloxacin [s260], eine Studie mit acht Patienten [s151]); für Nitrofurantoin, Tetrazykline (außer einem Patienten [s151] und einer Zweitangabe [s171]) und die meisten Antimalariamittel fehlen sie. Dosis-Konzentrations-Beziehungen im Samen wären die Voraussetzung, um Tier- und In-vitro-Konzentrationen auf den Menschen zu beziehen.
6. **Welche Spermienmerkmale reagieren zuerst.** DNA-Fragmentierung, Motilität, Konzentration und Morphologie verhalten sich nach Behandlung unterschiedlich [s22, s38, s207]; ob die DNA-Fragmentierung den klinisch wichtigeren Endpunkt darstellt, ist offen.
7. **Urin-Biomonitoring.** Woher stammen die gemessenen Antibiotika (Verordnung, Lebensmittel, Umwelt)? Wie verhalten sich Wiederholungsmessungen über die Dauer der Spermatogenese, und läuft die Exposition der Wirkung voraus [s41, s43]?
8. **Tetrazykline im Widerspruch.** Erklären Population und Expositionsquelle, warum Tetracyclin im Urin in Nigeria mit höherer und Doxycyclin in China mit niedrigerer Motilität einherging [s41, s43]?
9. **Darmflora.** Gilt das in Mausmodellen beschriebene väterliche Mikrobiom-Erbe [s49] beim Menschen, und lassen sich Probiotika oder Synbiotika, die in einarmigen oder kleinen Studien Fragmentierung oder Eradikationsraten besserten [s11, s89], in kontrollierten Studien bestätigen?
10. **Antimykotika.** Wirken Ketoconazol und andere Azole bei Männern auf Spermienmerkmale oder Fertilität, nicht nur auf das intratestikuläre Testosteron? Für Fluconazol, Itraconazol, Terbinafin und Griseofulvin fand die Recherche keine Studie mit Spermienparametern aus den ostasiatischen Sprachräumen, und für Griseofulvin liegt beim Menschen nur eine Fallstudie an einem Mann vor [s214].
11. **Antimalariamittel beim Menschen.** Gibt es in Endemiegebieten Studien, die Spermienparameter unter gängigen Antimalariamitteln messen? Ein Abstract nennt den ungeregelten Gebrauch von Artemisinin in Endemiegebieten als Beweggrund seiner Tierstudie [s173]; die Übertragung auf den Menschen ist ungeprüft.
12. **Nitrofurantoin und Metronidazol.** Gibt es bei Männern gemessene Spermienparameter unter diesen Mitteln? In den abgerufenen Quellen fehlen sie; die Humanbelege sind alt oder ohne Zahlen [s269, s286].
13. **Efavirenz und Dolutegravir.** Ist die Assoziation von Efavirenz mit verminderter Motilität ursächlich [s152, s165]? Wie ist der Befund steigender Motilität bei zugleich steigender DNA-Fragmentierung unter Dolutegravir zu deuten [s84]?
14. **Nachkommen.** Hat die Antibiotikaexposition von Vätern vor der Konzeption beim Menschen Folgen für Geburtsgewicht oder Entwicklung der Kinder, wie sie im Mausmodell beschrieben sind [s49]? Die abgerufenen Register betrachten nur Frühgeburt, Fehlbildungen und Verordnungshäufigkeit [s61, s116].
15. **Berichtsqualität.** Würden Volltextauswertungen mit einheitlichen Endpunkten, vollständigen Effektgrößen und Konfidenzintervallen, offengelegten Interessen und vorab festgelegten Protokollen die Widersprüche verkleinern? Viele Abstracts nennen keine Wirkstoffe, Dosen oder Gruppengrößen (siehe Limitationen).
16. **Zugang zu nicht erfassten Literaturbeständen.** Ob die portugiesisch-, koreanisch-, arabisch- und chinesischsprachige Fachliteratur außerhalb von PubMed die Befunde ändert, ist unbekannt.

## Praktische Einordnung

Dieser Abschnitt ordnet die Befunde ein, damit sie sich richtig lesen lassen. Er enthält keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, keine Diagnose und keine Beratung. Ob ein Arzneimittel verordnet, geändert oder abgesetzt wird, entscheiden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte.

### Was sich aus der Literatur belastbar sagen lässt

- **Die behandelte Krankheit zählt mit.** Infektionen und Entzündungen der männlichen Geschlechtswege können Spermienmerkmale beeinträchtigen, und die Studien zu Antibiotika vermischen Wirkung der Erkrankung und des Mittels [s119, s150]. In einer Längsstudie an 46 Patienten nach akuter einseitiger Nebenhodenentzündung zeigte sich acht Tage nach Beginn bei mehr als zwei Dritteln eine Oligoasthenospermie, die sich im Verlauf besserte; bei etwa 20 Prozent blieb eine so schwere Fertilitätsstörung, dass Sterilität resultierte [s284].
- **Antibiotika bei nachgewiesener Infektion der Adnexdrüsen.** Die EAU-Leitlinie fasst zusammen: Antibiotika beseitigen häufig nur die Erreger, ohne entzündliche Veränderungen oder funktionelle Defizite umzukehren (Evidenzgrad 2a); sie können die Spermienqualität verbessern, erhöhen aber nicht die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis (2a). Die Leitlinie nennt als „schwache“ Empfehlung, Adnexdrüseninfektionen zu behandeln, da dies die Spermienqualität verbessern könne, die Konzeptionswahrscheinlichkeit aber nicht notwendigerweise [s07]. Das ist eine Wiedergabe des Leitlinientextes.
- **Leukozytospermie ohne Erregernachweis.** Nach der EAU-Leitlinie gibt es keinen Beleg, dass die Behandlung einer Leukozytospermie allein, ohne nachgewiesenen Erreger, die Konzeptionsrate verbessert, und die Leukozytospermie sei nicht notwendigerweise mit Infektion verbunden [s07]. Die AUA/ASRM-Leitlinie verlangt, bei vermehrten Rundzellen (über 1 Million pro ml) Leukozyten von Keimzellen zu unterscheiden und bei Pyospermie auf Infektion zu untersuchen [s105].
- **Kurze Antibiotikakurse bei Gesunden.** Die Humanbelege für Schäden an den Spermien durch übliche Antibiotika sind dünn. Drobnis und Nangia sprechen von bemerkenswert wenigen Daten [s150]; in einer Querschnittsstudie an 7438 Männern fielen unter den Medikamenten Metformin, Metoprolol und Lisinopril auf, nicht Antibiotika oder Antimykotika (hypothesenerzeugend) [s31]; der Umbrella-Review führt Antibiotika nicht als eigene Faktoren auf [s19], und der abgerufene Text der AUA/ASRM-Leitlinie enthält keine Aussage zu Antiinfektiva als Ursache [s105]. Dem steht die größere Serie an 243 Männern gegenüber, die bei 10 von 20 Antibiotika eine auch nach drei Monaten noch bestehende Störung berichtet; sie hat jedoch keine Kontrollgruppe und keine p-Werte [s229]. Beides zusammen ist kein Nachweis der Unbedenklichkeit und kein Nachweis eines Schadens, sondern Ausdruck fehlender kontrollierter Daten.
- **Arzneimittel mit besserer Belegbasis am Menschen.** Sulfasalazin (kein klassisches Antibiotikum) wird in mehreren Übersichten als Ursache einer reversiblen Beeinträchtigung der männlichen Fertilität geführt [s14, s111, s112, s154, s162]; Ketoconazol senkt das Testosteron im Hoden (Studie an 40 Männern, nur Hormonmessung) [s182]; Efavirenz ist in zwei Kohorten mit verminderter Motilität verbunden, ohne nachgewiesene Ursächlichkeit [s152, s165]. Eine rheumatologische Übersicht beschreibt für Sulfasalazin bei verzögerter Konzeption ein vorübergehendes Aussetzen mit Kontrolle des Spermas [s111]; solche Entscheidungen gehören in ärztliche Hand.

### Was sich nicht sagen lässt

- Aus Tierversuchen mit hohen Dosen lässt sich nicht ableiten, was übliche Therapien beim Menschen bewirken. Die Studien zeigen Schädigungsmöglichkeiten und Mechanismen, aber keine Häufigkeiten beim Menschen.
- Aus einer Besserung der Werte nach einer Behandlung lässt sich nicht folgern, dass das Antibiotikum sie bewirkt hat; ohne Kontrollgruppe sind Rückbildung der Entzündung, Schwankung und Regression zur Mitte nicht trennbar.
- Aus einer Assoziation zwischen Antibiotika im Urin und Spermienwerten lässt sich weder Ursache noch Wirkung ablesen [s43].
- Für Nitrofurantoin, Metronidazol, Tetrazykline, Antimykotika und Antimalariamittel liegen beim Menschen kaum Studien mit gemessenen Spermienparametern vor; „keine Studie gefunden“ heißt nicht „kein Einfluss“.

### Wie sich Schlagzeilen prüfen lassen

Wer eine Aussage der Form „Wirkstoff X schadet den Spermien“ oder „Wirkstoff X verbessert die Spermien“ liest, kann sich folgende Fragen stellen, die sich aus den Widersprüchen dieses Kapitels ergeben:

1. Wurden Menschen, Tiere oder Zellen untersucht? Bei Tieren: Welche Dosis, welcher Gabeweg, wie lange?
2. Waren die Männer gesund oder hatten sie eine Infektion oder Entzündung?
3. Gab es eine unbehandelte oder Placebo-Kontrollgruppe, oder nur einen Vorher-Nachher-Vergleich?
4. Welche Zielgröße wurde gemessen: Leukozyten, Spermienkonzentration, Beweglichkeit, DNA-Fragmentierung, ein Hormonwert, Schwangerschaft?
5. Wie groß war die Studie, und wird der Effekt mit Konfidenzintervall berichtet?
6. Wurde das Mittel allein oder mit anderen Maßnahmen gegeben?
7. Ist die Studie begutachtet, oder ist sie eine Vorabveröffentlichung oder eine Übersicht aus zweiter Hand?

### Belastbarkeit nach Wirkstoffgruppe im Überblick

Die Einschätzung in der letzten Spalte ist eine Einordnung dieses Kapitels nach Design und Umfang der Quellen, keine Bewertung durch eine Fachgesellschaft.

| Gruppe | Humanstudien mit Spermienparametern | Tier- und Laborstudien | Einschätzung der Belastbarkeit |
|---|---|---|---|
| Antibiotika zur Behandlung genitaler Infektionen | mehrere kleine, überwiegend unkontrollierte Studien; wenige kleine randomisierte Studien mit widersprüchlichem Ergebnis | nicht Gegenstand | niedrig, widersprüchlich |
| Tetrazykline | Behandlungsstudien (Besserung), Urin-Biomonitoring (gegenläufig) | Schäden bei jungen Tieren, Schutz in Modellen | niedrig, widersprüchlich |
| Fluorchinolone | kleine Studien, meist ohne Kontrolle | Schäden bei hohen Dosen, nicht einheitlich | niedrig |
| Nitrofurantoin | eine alte Beobachtung ohne Zahlen, eine Serie | Keimepitheldegeneration bei hohen Futterdosen | sehr niedrig |
| Metronidazol | Konzentrationsmessung, eine unkontrollierte Studie bei Trichomonaden, eine Serie ohne Kontrolle | dosisabhängige, meist reversible Veränderungen | sehr niedrig |
| Antimykotika (vor allem Ketoconazol) | randomisierte Studie mit Hormonmessung (40 Männer), Samenplasmaspiegel | Hemmung der Hodensteroidsynthese, hohe Dosen schädigen | Hormonwirkung belegt, Spermienwirkung offen |
| Antimalariamittel | keine in der Malaria-Indikation; eine kleine Beobachtung (29 Männer) mit Hydroxychloroquin plus Favipiravir, ohne Befund | Schäden bei Meerschweinchen, Mäusen, Ratten; teils Schutzwirkung in Zellmodellen | sehr niedrig |
| Sulfasalazin (Grenzfall) | mehrere Übersichten und Metaanalyse | dosisabhängige, reversible Veränderungen | vergleichsweise am besten belegt, reversibel |
| Antiretrovirale Mittel (Efavirenz) | zwei Kohorten mit Assoziation | in vitro (Dolutegravir, Tenofovir, Emtricitabin); Aciclovir bei Nagern | niedrig, Ursächlichkeit offen |

## Glossar

**Akrosom.** Kappenartige Struktur am Spermienkopf, deren Enzyme bei der Befruchtung freigesetzt werden. Die Akrosomreaktion gehört zur Befruchtungsfähigkeit.

**Akrosin.** Enzym im Akrosom; verminderte Akrosinaktivität wird als Hinweis auf eine Funktionsstörung der Spermien gewertet [s108].

**Antiinfektivum.** Oberbegriff für Arzneimittel gegen Krankheitserreger: Antibiotika (Bakterien), Antimykotika (Pilze), Antimalariamittel (Plasmodien), Antiparasitika, antivirale Mittel.

**Asthenozoospermie.** Verminderter Anteil beweglicher Spermien im Ejakulat.

**Azoospermie.** Fehlen von Spermien im Ejakulat.

**Bakteriospermie.** Nachweis von Bakterien im Samen. Schwellenwerte, ab denen sie als behandlungsbedürftig gilt, sind uneinheitlich; in mehreren Studien wird sie ab 1000 Kolonie-bildenden Einheiten pro ml angenommen [s54].

**Biomonitoring.** Messung von Stoffen oder deren Abbauprodukten in Körperflüssigkeiten (hier Urin), um die Aufnahme zu schätzen.

**Blut-Hoden-Schranke.** Zellverbund der Sertoli-Zellen, der die Keimzellen im Hoden vom Blut abschirmt; sie beeinflusst, welche Wirkstoffe in den Samenkanälchen ankommen.

**CASA.** Computergestützte Spermienanalyse; liefert Bewegungsparameter wie VCL (Kurvengeschwindigkeit), VSL (Geschwindigkeit der Luftlinie), VAP (mittlere Pfadgeschwindigkeit).

**Cochrane-Übersicht.** Systematische Übersichtsarbeit nach festen Methodenregeln, meist mit Metaanalyse.

**Comet-Test (Kometenschweif-Test).** Einzelzell-Gelelektrophorese zum Nachweis von DNA-Schäden; geschädigte DNA bildet einen „Schweif“.

**CYP17A1 (17α-Hydroxylase/C17,20-Lyase).** Enzym der Androgensynthese; wird von Azol-Antimykotika gehemmt [s13].

**DNA-Fragmentierung (DFI).** Anteil von Spermien mit geschädigter oder gebrochener DNA, angegeben als Fragmentierungsindex.

**Epididymitis, Orchitis.** Entzündung des Nebenhodens beziehungsweise des Hodens.

**Eradikation.** Vollständige Beseitigung eines nachgewiesenen Erregers; wird meist per Kultur oder PCR kontrolliert.

**Evidenzgrad.** Einstufung der Stärke der Studienlage in einer Leitlinie; niedrigere Zahlen stehen für stärkere Evidenz. Die EAU-Texte in diesem Kapitel nennen die Grade 2a und 3; die genauen Definitionen stehen in der Leitlinie.

**Flagellum.** Geißelfaden der Spermie, der die Bewegung antreibt. Flagellumdefekte zählen zu den Morphologiestörungen der Spermien.

**GRADE.** System zur Bewertung der Vertrauenswürdigkeit von Evidenz (hoch, moderat, niedrig, sehr niedrig).

**Hyperaktivierung.** Besonders kräftiges, asymmetrisches Bewegungsmuster von Spermien, das die Befruchtungsfähigkeit begleitet [s247].

**Johnsen-Score.** Histologische Bewertung der Spermatogenese in Hodengewebe anhand der am weitesten gereiften Keimzellen.

**Kolonisation.** Besiedlung mit Mikroorganismen ohne Krankheitswert; im Unterschied zur Infektion.

**Konfidenzintervall.** Bereich, in dem der wahre Wert mit einer festgelegten Sicherheit (meist 95 Prozent) liegt; ein breites Intervall zeigt Unsicherheit an.

**Leukozytospermie (Leukospermie, Pyospermie).** Erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen im Samen. Als Grenze gilt in den zitierten Quellen mehr als 1 Million peroxidasepositive Zellen pro ml [s07, s54]. Sie bedeutet nicht notwendigerweise eine Infektion [s07].

**Leydig-Zellen.** Zellen des Hodens, die Testosteron bilden.

**MAGI.** Male Accessory Gland Infection, Infektion der männlichen akzessorischen Geschlechtsdrüsen (Prostata, Samenbläschen, Nebenhoden und andere).

**Metaanalyse.** Statistische Zusammenfassung mehrerer vergleichbarer Studien.

**Mykoplasmen, Ureaplasmen.** Zellwandlose Bakterien (Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium, Ureaplasma urealyticum, Ureaplasma parvum), die im Urogenitaltrakt vorkommen; sprechen auf Wirkstoffe mit Zellwandangriff nicht an.

**Nitrofurane.** Wirkstoffgruppe, zu der Nitrofurantoin, Furazidin und Nitrofurazon gehören.

**Nitroimidazole.** Wirkstoffgruppe mit Metronidazol, Tinidazol und Ornidazol.

**Odds Ratio (OR).** Verhältnis der Chancen für ein Ereignis in zwei Gruppen; ein Wert über 1 bedeutet höhere Chancen in der ersten Gruppe, sofern das Konfidenzintervall die 1 nicht einschließt.

**Oligozoospermie, Oligoasthenoteratozoospermie (OAT).** Verminderte Spermienzahl beziehungsweise Kombination aus verminderter Zahl, verminderter Beweglichkeit und veränderter Form.

**Oxidativer Stress, reaktive Sauerstoffspezies (ROS).** Ungleichgewicht zwischen aggressiven Sauerstoffverbindungen und Schutzsystemen; schädigt Membranen und DNA der Spermien.

**Peroxidasepositive Zellen.** Weiße Blutkörperchen, die im Samen mit dem Peroxidase-Test nachgewiesen werden.

**Placebo.** Scheinpräparat ohne Wirkstoff; Voraussetzung, um die Wirkung eines Mittels von Erwartung und Spontanverlauf zu trennen.

**Preprint.** Vorabveröffentlichung ohne Fachbegutachtung.

**Prostatitis (NIH-Kategorien).** Kategorie II: chronische bakterielle Prostatitis; IIIa: entzündliches chronisches Beckenschmerzsyndrom; IV: symptomlose entzündliche Prostatitis.

**Querschnittsstudie.** Erhebung zu einem einzigen Zeitpunkt; erlaubt keine Aussage über Ursache und Folge.

**Randomisierte kontrollierte Studie (RCT).** Studie, in der die Teilnehmenden zufällig auf Behandlung und Vergleich verteilt werden.

**Regression zur Mitte.** Statistischer Effekt: Extrem niedrige oder hohe Ausgangswerte liegen bei einer zweiten Messung im Mittel näher am Durchschnitt, auch ohne Behandlung.

**Resistenz.** Unempfindlichkeit eines Erregers gegen einen Wirkstoff; Polyresistenz bezeichnet Resistenz gegen mehrere Wirkstoffe.

**Risikoverhältnis (relatives Risiko, RR).** Verhältnis der Ereignishäufigkeiten in zwei Gruppen.

**Samenplasma (Seminalplasma).** Flüssiger Anteil des Ejakulats ohne Zellen.

**Scoping-Review, Umbrella-Review.** Übersichtsformen: Das Scoping-Review kartiert ein Feld, das Umbrella-Review fasst bereits vorhandene Übersichten zusammen.

**Sertoli-Zellen.** Stützzellen des Hodens, die die Keimzellen versorgen und die Blut-Hoden-Schranke bilden.

**Spermatogenese.** Bildung der Spermien in den Samenkanälchen des Hodens.

**Spermiogramm.** Standardisierte Analyse des Ejakulats (Volumen, Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie und weitere Merkmale).

**StAR.** Steroidogenic Acute Regulatory Protein; Transportprotein im ersten Schritt der Testosteronbildung [s32].

**Steroidogenese.** Bildung von Steroidhormonen wie Testosteron.

**Sulfasalazin.** Sulfonamid-Salicylat-Verbindung, eingesetzt bei Darm- und Rheumaerkrankungen; kein klassisches Antibiotikum, aber als reversible Ursache gestörter männlicher Fertilität bekannt.

**Teratozoospermie.** Erhöhter Anteil von Spermien mit veränderter Form.

**Tetrazykline.** Antibiotikagruppe mit Tetracyclin, Doxycyclin, Minocyclin und Oxytetracyclin.

**Tierversuch, Zellmodell, Ex-vivo-Versuch.** Präklinische Untersuchungen am lebenden Tier, an Kulturzellen beziehungsweise an entnommenem Gewebe; sie erlauben Aussagen zu Mechanismen, nicht zu Häufigkeiten beim Menschen.

**TUNEL, Annexin V.** Färbeverfahren, die Zellen in der Apoptose (programmierter Zelltod) markieren.

**Vorher-Nachher-Studie.** Vergleich derselben Personen vor und nach einer Behandlung, hier meist ohne Kontrollgruppe.

**Zweitangabe.** Zahl oder Aussage, die ein Artikel aus einer anderen Arbeit übernimmt und die für dieses Kapitel nicht am Original geprüft wurde.

## Quellenverzeichnis

Vollständige Liste aller Quellen der Gesamtstudie, geordnet nach Kennung (die Kennungen sind nach Erscheinungsjahr absteigend vergeben). Titel in anderen Sprachen als Englisch oder Deutsch stehen im Original mit deutscher Übersetzung in Klammern; bei Titeln, die PubMed nur in englischer Übersetzung führt, steht die englische Fassung mit deutscher Übersetzung.

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