Die Studien dieses Abschnitts messen, welche Erreger im Sperma gefunden werden, wie sie mit Spermienparametern zusammenhängen und wie sie auf Antibiotika ansprechen. Sie prüfen in der Regel nicht, ob Antibiotika die Spermienqualität verändern; sie liefern aber die Begründung der verbreiteten Antibiotikagabe bei männlicher Infertilität und die Resistenzlage, von der abhängt, ob eine Behandlung den Erreger erreicht.
6.1 Große chinesische Auswertungen zu Ureaplasma, Mycoplasma und Spermienparametern
Cui und Mitarbeiter 2026, Chongqing [s06]: Prevalence of semen abnormalities and the impact of genital pathogens on male infertility: a retrospective analysis of 131 183 patients. Asian Journal of Andrology. Retrospektive Kohortenstudie mit 131.183 Patienten; verglichen wurden Samenparameter infertiler Männer mit gesunden Kontrollen und Beziehungen zwischen Alter, infektiösen Mikroorganismen und Samenqualität. Infertile Männer hatten signifikant schlechtere Samenqualität als Kontrollen. Das Infertilitätsrisiko folgte über die Altersgruppen einer U-Kurve mit dem niedrigsten Risiko bei 25 bis 29 Jahren. Antispermien-Antikörper, Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis, Ureaplasma urealyticum und Mycoplasma genitalium waren mit verminderter Samenqualität und erhöhtem Infertilitätsrisiko assoziiert; für Herpes-simplex-Virus Typ 2 fand sich bei geringer Prävalenz kein Einfluss. Antibiotika wurden im Abstract nicht ausgewertet; Effektgrößen und Konfidenzintervalle stehen nicht im Abstract. Stärken: außergewöhnlich große Stichprobe. Schwächen: retrospektiv, Zentrum einer Klinik, Selektion (nur Männer, die sich untersuchen ließen), keine Therapiedaten [s06].
Huang und Mitarbeiter 2016, Changsha [s156]: Ureaplasma urealyticum and Mycoplasma hominis infections and semen quality in 19,098 infertile men in China. World Journal of Urology. Querschnitt aus Laborunterlagen: 19.098 Samenproben infertiler Männer (Januar bis Dezember 2014) und 3368 Samenproben von Spendern der Samenbank (2011 bis 2014); Samenanalyse nach WHO. Die Prävalenz von Ureaplasma urealyticum und Mycoplasma hominis unterschied sich signifikant zwischen infertilen Männern und Spendern. Bei Ureaplasma-positiven infertilen Männern unterschieden sich mittlere progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und Anteil normaler Formen signifikant von nicht infizierten; bei Mycoplasma hominis nicht. Im Empfindlichkeitstest waren Ureaplasma, Mycoplasma hominis und die Mischinfektion gegenüber Doxycyclin und Josamycin empfindlich (Resistenzraten unter 6 Prozent), aber stark resistent gegen Ciprofloxacin. Einordnung. Der Abstract nennt weder die Prävalenzzahlen noch die Größe der Unterschiede; der Vergleich mit Samenbankspendern bedeutet Selektionsunterschiede (gesunde Spender gegenüber Patienten). Die Empfehlung der Autoren zugunsten von Doxycyclin und Josamycin ist eine Schlussfolgerung aus Labor-Empfindlichkeitsdaten und kein Ergebnis einer Behandlungsstudie [s156].
Zhu und Mitarbeiter 2016, Nanjing [s164]: Epidemiology of Ureaplasma urealyticum and Mycoplasma hominis in the semen of male outpatients with reproductive disorders. Experimental and Therapeutic Medicine. Epidemiologische Querschnittsauswertung von 2009 bis 2012: Von 7374 Personen waren 3225 (43,7 Prozent) für Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis oder beide positiv; Ureaplasma urealyticum war häufiger. Der bevorzugte Altersbereich war 25 bis 34 Jahre. Tetrazykline und Josamycin waren gegen beide Mykoplasmen am wirksamsten, auch bei Koinfektion; die übrigen Makrolide (Erythromycin, Roxithromycin, Azithromycin, Clarithromycin) wirkten gegen die Mehrzahl der Ureaplasma-urealyticum-Isolate, waren aber gegen Mycoplasma hominis von Natur aus unwirksam; Fluorchinolone hatten die niedrigste Aktivität gegen Ureaplasma urealyticum, besonders bei Koinfektion. Die Resistenz änderte sich im Beobachtungszeitraum nicht signifikant; bei Koinfektion war die Mehrfachresistenz erhöht. Spermienparameter wurden im Abstract nicht berichtet [s164].
Zhou und Mitarbeiter 2018, Shanghai [s146]: Prevalence and antimicrobial resistance of Ureaplasma spp. and Mycoplasma hominis isolated from semen samples of infertile men in Shanghai, China from 2011 to 2016. European Journal of Clinical Microbiology & Infectious Diseases. 5016 infertile Männer und 412 gesunde Kontrollen; Kultur und Empfindlichkeit mit dem Mycoplasma-IST-Kit parallel zu selektiver Agarkultur. Die Nachweisrate genitaler Mykoplasmen bei infertilen Männern lag bei 30 bis 55 Prozent, zunächst abnehmend in den ersten vier Jahren, dann zunehmend mit einem Gipfel 2016; Altersgipfel 26 bis 30 Jahre (37,8 Prozent) und 31 bis 35 Jahre (30,7 Prozent). Semisynthetische Tetrazykline und Makrolide waren gegen Ureaplasma spp. am wirksamsten; unter den Fluorchinolonen waren Sparfloxacin und Levofloxacin wirksam; die Resistenz gegen Fluorchinolone (außer Norfloxacin) und Spectinomycin sank in den letzten zwei Jahren. Die Autoren halten Doxycyclin, Minocyclin, Josamycin und Sparfloxacin für die empirische Erstbehandlung geeignet (Autorenbewertung, keine Behandlungsstudie). Spermienparameter fehlen im Abstract [s146].
Zhao und Mitarbeiter 2020, Tai'an [s118]: Antimicrobial resistance, genetic characterization, and molecular epidemiology of Ureaplasma species in males with infertility. European Journal of Clinical Microbiology & Infectious Diseases. 817 Samenproben, davon 320 (39,17 Prozent) positiv für Ureaplasma-Spezies; Empfindlichkeit durch Bouillon-Mikrodilution; molekulare Bestimmung der Resistenzgene und Typisierung (MLST). Resistenz der 320 Isolate gegen Levofloxacin 47,5 Prozent, Moxifloxacin 39,38 Prozent, Tetracyclin 19,69 Prozent und Erythromycin 3,75 Prozent. In allen tetracyclinresistenten Isolaten fanden sich tet(M) und int-Tn; in fluorchinolonresistenten Isolaten überwog die Substitution S83L in ParC; zwei neue Aminosäureänderungen in ribosomalen Proteinen (R66T in L4, S109T in L22) wurden in je einem makrolidresistenten Isolat gefunden; häufigste Sequenztypen waren ST22 und eST16. Die Autoren schließen, Erythromycin könne Mittel der ersten Wahl sein. Einordnung. Das widerspricht der Rangfolge in Changsha und Nanjing, wo Tetrazykline und Josamycin am besten abschneiden [s156, s164]; die Resistenz ist also regional uneinheitlich. Spermienparameter wurden nicht gemessen [s118].
Li und Mitarbeiter 2020, Changsha [s114]: Mycoplasma genitalium incidence, treatment failure, and resistance: a retrospective survey of men of infertile couples from a hospital in China. Andrology. Retrospektive Querschnittsstudie an 30.094 Männern aus Kinderwunschpaaren (Oktober 2016 bis Dezember 2017); Untersuchung von Samen und Harnröhrenabstrich auf Mycoplasma genitalium, Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae; Mycoplasma-genitalium-RNA per simultanem Amplifikationstest; Resistenzscreening auf Makrolide und Tetrazykline per PCR und Sanger-Sequenzierung. Die Inzidenz betrug 2,49 Prozent (749 von 30.094; 95-%-Konfidenzintervall 2,31 bis 2,66). Nach Antibiotikabehandlung stiegen die mittleren Samenparameter gegenüber den Werten vor der Behandlung. Therapieversagen insgesamt 17,56 Prozent (82 von 467; 95-%-Konfidenzintervall 14,10 bis 21,02), unabhängig vom Wirkstoff; Azithromycin-Versagen 37,44 Prozent (73 von 195). Resistenz gegen Makrolide in 58 von 60 Proben (96,67 Prozent) und gegen Tetrazykline in 27 von 60 (45,00 Prozent; 95-%-Konfidenzintervall 32,04 bis 57,96). Das im Abstract für die Makrolidresistenz genannte Konfidenzintervall (91,99 bis 101,34 Prozent) überschreitet 100 Prozent und ist so nicht plausibel; es wird nur als Abstract-Angabe erwähnt. Stärken: sehr große Stichprobe, molekulare Resistenzdaten. Schwächen: Der Anstieg der Samenparameter wird nur qualitativ („mean values increased“) berichtet, ohne Zahlen, ohne Kontrollgruppe und ohne Signifikanzprüfung; die Resistenzanalyse betrifft nur 60 Proben von Therapieversagern. Die Autoren führen das hohe Azithromycin-Versagen auf Makrolidresistenz zurück [s114].
Yin und Mitarbeiter 2018, Changsha [s144]: [Effect of semen bacterial infection on semen parameters and analysis of drug resistance in 74376 male infertility patients] (Wirkung der bakteriellen Infektion des Samens auf Samenparameter und Analyse der Arzneimittelresistenz bei 74.376 Patienten mit männlicher Infertilität; chinesisch, englischer Abstract). Nan Fang Yi Ke Da Xue Xue Bao. Samenproben von 74.376 infertilen Männern (April 2016 bis April 2017) wurden nach Kultur in Infektions- und Nichtinfektionsgruppe geteilt. Bakterielle Infektionen fanden sich in 1,38 Prozent der Proben; die Positivitätsrate betrug 1,41 Prozent bei normalem Sperma, 1,55 Prozent bei Asthenozoospermie, 1,18 Prozent bei Oligozoospermie, 1,57 Prozent bei Oligo-Asthenozoospermie und 0,17 Prozent bei Azoospermie (niedriger als in den übrigen Gruppen). Die bakterielle Infektion beeinträchtigte vor allem die Beweglichkeit sowie Spermiendichte und Anteil vorwärts beweglicher Spermien (p-Werte im Abstract abgeschnitten). Häufigste Erreger: Escherichia coli 63,59 Prozent, Klebsiella pneumoniae 19,80 Prozent, Proteus mirabilis 13,22 Prozent. Resistenz: E. coli, Klebsiella und Citrobacter koseri häufig gegen Amoxicillin; Pseudomonas aeruginosa gegen Trimethoprim-Sulfamethoxazol (Bactrim) und Ampicillin/Sulbactam; Staphylococcus aureus gegen Penicillin; außer S. aureus waren die übrigen Isolate empfindlich gegen Imipenem und Meropenem. Einordnung. Die Positivitätsrate bei normalem Sperma (1,41 Prozent) unterscheidet sich kaum von der bei Asthenozoospermie (1,55 Prozent); der Beweglichkeitseffekt liegt im Vergleich infizierter und nicht infizierter Proben, nicht im Verteilungsunterschied der Diagnosegruppen [s144].
Lin und Lu 2007, Leqing [s215]: [Analysis of detection and antimicrobial resistance of pathogens in prostatic secretion from 1186 infertile men with chronic prostatitis] (Analyse des Nachweises und der Antibiotikaresistenz von Erregern im Prostatasekret von 1186 infertilen Männern mit chronischer Prostatitis; chinesisch, englischer Abstract). Zhonghua Nan Ke Xue. In 1186 Prostatasekret-Proben lag die Gesamtnachweisrate bei 51,7 Prozent: 364 Stämme grampositiver Kokken, 20 gramnegative Stäbchen, 5 sonstige Stämme, 157 Mykoplasmen (116 Ureaplasma urealyticum, 41 Mycoplasma hominis) und 67 Nachweise von Chlamydia-trachomatis-DNA. Resistenz: Staphylokokken am niedrigsten gegen Vancomycin (0,0 Prozent), am höchsten gegen Penicilline (76,9 bis 100 Prozent); Streptococcus agalactiae am höchsten gegen Erythromycin und Clindamycin (100 Prozent), am niedrigsten (0,0 Prozent) gegen Betalaktame, Aminoglykoside, Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Rifampicin und Vancomycin; Ureaplasma urealyticum am höchsten gegen Ciprofloxacin (59,5 Prozent), am niedrigsten gegen Josamycin, Tetracyclin und Fosfomycin (je 1,7 Prozent); Mycoplasma hominis am höchsten gegen Erythromycin (100 Prozent), am niedrigsten gegen Doxycyclin und Fosfomycin (0,0 Prozent). Einschränkungen: Prostatasekret ist nicht Sperma; Kolonisation und Infektion sind nicht unterschieden; Spermienparameter fehlen im Abstract [s215].
Liu und Mitarbeiter 2022, Nanjing, zwei Studien derselben Gruppe [s94, s95]. Ureaplasma urealyticum induces polymorphonuclear elastase to change semen properties and reduce sperm motility: a prospective observational study (Journal of International Medical Research) [s94]: 198 normale Samenproben gegen 198 mit Ureaplasma urealyticum infizierte. Samenvolumen, Viskosität, Verflüssigungszeit und PMN-Elastase waren in der infizierten Gruppe signifikant höher, pH und progressive Beweglichkeit niedriger. Nach Behandlung der infizierten Proben waren pH und progressive Beweglichkeit höher, Volumen, PMN-Elastase, Viskosität und Verflüssigungszeit niedriger; PMN-Elastase wirkte negativ auf Samen-pH und Beweglichkeit und positiv auf Viskosität und Verflüssigungszeit. Der Abstract nennt das Behandlungsschema nicht und kennt keine unbehandelte Kontrollgruppe für den Verlauf. Risk Prediction of Ureaplasma urealyticum Affecting Sperm Quality Based on Mathematical Model and Cross-Sectional Study (Computational and Mathematical Methods in Medicine) [s95]: 340 Samenproben, 104 Ureaplasma-positiv (Infektionsrate 30,6 Prozent, höchste in der Altersgruppe 31 bis 40 Jahre, niedrigste über 40 Jahre). pH, progressive Beweglichkeit, VCL, VSL und STR lagen in der positiven Gruppe signifikant niedriger (alle p < 0,001), SV, NP und WOB höher (alle p < 0,001); nach Behandlung stiegen pH, VSL, LIN, WOB und STR, SV und VCL fielen (alle p < 0,001). Das Modell schätzt, Ureaplasma urealyticum könne das Risiko einer Veränderung von Kurvenlinien-Geschwindigkeit und Geradlinigkeit „ungefähr verdoppeln“ (Autorenformulierung). Einordnung: Beide Studien stammen aus derselben Gruppe mit ähnlichem Design (Ureaplasma, Vorher-Nachher nach Behandlung) und sind nicht unabhängig; die Abstracts nennen keine Behandlungsart und keine Kontrollgruppe für den Verlauf [s94, s95].
Zusammenschau 6.1. Ureaplasma-Nachweise gehen in mehreren großen chinesischen Datensätzen mit schlechterer Beweglichkeit einher [s156, s94, s95, s117]; bei Mycoplasma hominis fand sich in Changsha kein Zusammenhang [s156]. Alle Studien sind beobachtend. Ob die Besserung nach Behandlung auf der Antibiotikawirkung auf den Erreger, einer Regression zur Mitte oder anderen Faktoren beruht, lässt sich daraus nicht trennen. Die Resistenzdaten unterscheiden sich regional: Tetrazykline und Josamycin schneiden in Changsha, Nanjing und Leqing am besten ab [s156, s164, s215], in Tai'an dagegen führt Erythromycin mit nur 3,75 Prozent Resistenz, und Levofloxacin (47,5 Prozent) und Moxifloxacin (39,38 Prozent) sind deutlich resistenter [s118]. Fluorchinolone zeigen in Changsha, Nanjing und Leqing hohe Resistenzen gegen Ureaplasma [s156, s164, s215].
6.2 Studien aus Russland, der Türkei, Ägypten und Tunesien zu Infektion und Samenparametern
Luzki und Mitarbeiter 2021 [s108]: Биохимическое и морфофункциональное исследование спермы мужчин, инфицированных антибиотикорезистентными штаммами Ureaplasma urealyticum (Biochemische und morphofunktionelle Untersuchung des Spermas von Männern, die mit antibiotikaresistenten Stämmen von Ureaplasma urealyticum infiziert sind), Klinitscheskaja praktika (Volltext gelesen). Sperma von 4752 Männern (18 bis 46 Jahre, Mittel 27,8 ± 4,4) wurde mit Kultur und Antibiogramm auf Ureaplasma urealyticum untersucht; Männer mit Mischinfektion waren ausgeschlossen; Kontrollen waren 67 gesunde fertile Männer (Mittel 25,8 ± 5,1 Jahre). Neben dem Spermiogramm wurden MAR-Tests (IgA, IgG, IgM), DNA-Fragmentierung, Hyaluronsäurebindung, Akrosin- und Neutral-α-Glucosidase-Aktivität sowie Zink, Zitronensäure, Fruktose und Glykodelin bestimmt (2018 bis 2021). Resistenzraten der Stämme: Erythromycin 88,2 Prozent, Azithromycin 47,0 Prozent, Tetracyclin 41,7 Prozent, Doxycyclin 7,7 Prozent, Josamycin 5,9 Prozent, Medekamycin 5,8 Prozent. Bei Männern mit resistenten Stämmen fanden sich am häufigsten Asthenozoospermie und Teratozoospermie; hoher DNA-Fragmentierungsgrad bei Polyresistenz in 10,03 Prozent der Fälle gegenüber 5,92 Prozent bei nicht resistenten und 6,16 Prozent bei nur gegen ein Antibiotikum resistenten Stämmen; gestörte Hyaluronsäurebindung bei resistenten Stämmen in mehr als 12 Prozent, bei nicht resistenten in weniger als 4 Prozent; verminderte Akrosinaktivität bei resistenten Stämmen in 29,71 Prozent, bei polyresistenten in 40,46 Prozent. Die Autoren folgern, antibiotikaresistente Stämme beeinflussten die Fertilitätsparameter negativ, am meisten polyresistente, und empfehlen ein Antibiogramm vor der Behandlung. Stärken: sehr große Stichprobe, breite Funktionsdiagnostik. Schwächen: Konfidenzintervalle fehlen im Abstract, die Zahl der Ureaplasma-positiven Männer und die Kontrollbedingungen sind nicht angegeben; die Aussage zur Resistenz als eigener Ursache ist durch das Querschnittsdesign nicht belegt (resistente Stämme könnten länger bestehen). Das Thema Antibiotika und Spermienqualität wird hier über die Resistenz berührt, nicht über eine Arzneimittelwirkung [s108].
Faniew und Mitarbeiter 2017 [s155]: Современные стратегии ведения инфертильных мужчин с хроническим бактериальным простатитом на этапе прегравидарной подготовки в протоколе вспомогательных репродуктивных технологий (Moderne Strategien der Betreuung infertiler Männer mit chronischer bakterieller Prostatitis in der präkonzeptionellen Vorbereitung im Protokoll der assistierten Reproduktion), Andrologija i genitalnaja chirurgija (Krasnodar). Querschnittsstudie mit 257 infertilen Männern in der Vorbereitung auf assistierte Reproduktion (Oktober 2016 bis März 2017). Bei 108 Männern mit Leukozyten im Ejakulat wurde mikrobiologisch und molekular untersucht; bei 100 wuchsen 214 Mikroorganismen, die Nachweisrate bei Leukozytenerhöhung betrug 92,6 Prozent. Die Autoren leiten eine „Hauptstrategie der antimikrobiellen Therapie“ ab; Spermienendpunkte nach Therapie nennt der Abstract nicht, die Studie ist Hintergrund (Erregerspektrum). In der Einleitung werden Nitrofurantoin, fluorierte Chinolone, Sulfasalazin, Cimetidin und Colchicin in einer Tabelle iatrogener Ursachen verminderter männlicher Reproduktionsfunktion aufgeführt, ohne dass dazu Zahlen mitgeteilt werden [s155].
Onopko und Mitarbeiter 2013 [s183]: Влияние неспецифических воспалительных процессов урогенитального тракта у мужчин на их фертильность (Der Einfluss unspezifischer Entzündungsprozesse des Urogenitaltrakts bei Männern auf ihre Fertilität), Acta Biomedica Scientifica. Männer mit verändertem Spermiogramm und ohne sexuell übertragene Infektion wurden untersucht. Es fanden sich Veränderungen in allen Hauptparametern (Volumen, Verflüssigungszeit, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, pathologische Formen); die aus Urethra und Prostata isolierte Flora war teils gegen die üblichen Antibiotika resistent, was eine Auswahl nach Antibiogramm erfordere, grampositive Kokken überwogen. Keine Zahlen im Abstract [s183].
Potschernikow und Mitarbeiter 2021 [s109]: Сравнительный анализ выявляемости микроорганизмов в секрете предстательной железы и эякуляте по результатам бактериологического исследования (Vergleichende Analyse des Nachweises von Mikroorganismen im Prostatasekret und im Ejakulat anhand bakteriologischer Untersuchung), Andrologija i genitalnaja chirurgija. 117 Männer mit chronischer Prostatitis der Kategorie IV (Vorbereitung auf Schwangerschaft oder Infertilität); Prostatasekret und Ejakulat wurden gleichzeitig bakteriologisch untersucht. In beiden überwogen Staphylococcus spp. und Enterococcus spp. Der Keimtiter war im Prostatasekret höher als im Ejakulat (im Abstract als „104,4 ± 2,0“ gegenüber „102,85 ± 2,1“ KBE/ml wiedergegeben, vermutlich Zehnerpotenzen; p < 0,01); sterile Kulturen waren im Ejakulat häufiger (13,7 gegenüber 3,4 Prozent, p < 0,01). Die Übereinstimmung der Erreger zwischen beiden Medien war gering (grampositiv 48,3 bis 79,5 Prozent, gramnegativ 57,1 bis 80 Prozent). Bei 51 Patienten, die ohne Antibiotika (Bovhyaluronidase-Azoximer mit Prostataprotektoren und/oder OM-89) behandelt wurden, sank die Bakterienlast im Prostatasekret signifikant (p = 0,008) und im Ejakulat (p = 0,02). Die Autoren halten bei Nachweis von Keimen in signifikantem Titer eine Behandlung ohne Antibiotika für sinnvoll. Spermienendpunkte fehlen; die Studie dokumentiert die in Russland verbreitete Suche nach antibiotikafreien Wegen bei asymptomatischer Prostatitis in Infertilitätspaaren [s109].
Kusmin und Mitarbeiter 1998 [s244]: [The role of persisting microflora in the development of pathospermia] (Die Rolle der persistierenden Mikroflora bei der Entwicklung der Pathospermie; russisch, englische Titelübersetzung in PubMed), Urologija i nefrologija. Mikrobiologische Vergleichsstudie am Ejakulat infertiler Männer. Die Stämme hatten hohe Adhäsionsfähigkeit und Mehrfachresistenz gegen Antibiotika; Staphylokokken und Enterobakterien aus Ejakulaten steriler Patienten zeigten hohe Antilysozym-Aktivität. Zwischen Spermienbeweglichkeit, Lysozymspiegel im Ejakulat und der Fähigkeit der Bakterien, Lysozym zu inaktivieren, wurde eine Korrelation gefunden; die Autoren diskutieren die Persistenz der Bakterien als Mechanismus männlicher Infertilität. Keine Zahlen im Abstract [s244].
Kalinina und Tiktinski 2010 [s195]: Treatment of chronic prostatitis caused by chlamydial and ureaplasmic infection and complicated with male infertility (Behandlung der durch Chlamydien- und Ureaplasma-Infektion verursachten chronischen Prostatitis mit männlicher Infertilität; Originaltitel russisch, englischer Titel in PubMed), Urologija. 306 Männer (23 bis 45 Jahre) mit chronischer Prostatitis durch Chlamydien und Ureaplasmen; Untersuchung von Urethra, Urin, Prostatasekret und Ejakulat mit direkter Immunfluoreszenz, PCR und Kultur. Spermatogenesestörungen bei 50 Prozent, Samenleiterverschluss bei 35 Patienten (11,4 Prozent), außerdem Interferon-Defizit und veränderte Prostatastruktur im Ultraschall. Als Behandlung nennen die Autoren antibakterielle Arzneimittel (im Abstract unter den Handelsnamen Vilprophen, Unidox und Solutab genannt) kombiniert mit Interferonen; die Behandlung der Infertilität solle erst nach Beseitigung der Infektion beginnen. Behandlungsergebnisse sind nicht berichtet [s195].
Mashaly und Mitarbeiter 2016, Mansoura [s158]: Seminal Corynebacterium strains in infertile men with and without leucocytospermia. Andrologia. 60 infertile Männer, je 30 mit und ohne Leukozytospermie; Kultur auf Columbia-Agar mit Bestätigung durch Gram-Färbung und biochemische Tests, Typisierung und Antibiogramm. Bakterien wuchsen in 20 von 60 Kulturen (33,3 Prozent): Corynebakterien, Staphylokokken, α-hämolysierende Streptokokken, Escherichia coli; Corynebacterium-positiv waren 12 von 60 (20 Prozent), am häufigsten Corynebacterium seminale, dann C. amycolatum, C. jeikeium, C. urealyticum. Spermienkonzentration und normale Morphologie unterschieden sich nicht signifikant zwischen Männern mit und ohne Corynebacterium-positive Kultur, die Beweglichkeit war bei positiver Kultur signifikant geringer. Die Empfindlichkeit der Corynebakterien war am höchsten gegen Vancomycin und Rifampicin, dann Imipenem, Ampicillin-Sulbactam und Ciprofloxacin. Es sind Empfindlichkeitsdaten, keine Therapiedaten [s158].
Hannachi und Mitarbeiter 2018, Tunis [s139]: [Bacteriospermia: Effects on semen parameters] (Bakteriospermie: Auswirkungen auf Samenparameter; französisch), Gynécologie, Obstétrique, Fertilité & Sénologie. Retrospektive Vergleichsstudie: 70 Männer mit Bakteriospermie (Gruppe 1) gegen 70 ohne (Gruppe 2) aus der Hypofertilitätssprechstunde; mittleres Alter 40,4 ± 6,7 Jahre; Vergleich nach Chi²- und Fisher-Test. Kein Unterschied beim Volumen (2,78 gegenüber 2,92 ml; p = 0,2) und bei der Viskosität (p = 0,68). Verändert waren mittlere Konzentration (p = 0,001) und Beweglichkeit (p = 0,049); sekundäre Asthenospermie war bei Bakteriospermie häufiger (p = 0,006); Morphologie und Vitalität unterschieden sich nicht signifikant (p = 0,276 und p = 0,075). Leukospermie war bei 10 Prozent der Patienten mit der Bakteriospermie verbunden. Ureaplasma urealyticum war der häufigste Keim (45,7 Prozent), gefolgt von Streptokokken und Staphylokokken (je 20,3 Prozent), gramnegativen Stäbchen (12,9 Prozent) und Corynebacterium spp. (4,3 Prozent); Ureaplasma urealyticum war in 33 Prozent der Fälle mit Hypospermie verbunden (p = 0,031), und die Beweglichkeit war nicht nur bei Ureaplasma (p = 0,002), sondern auch bei Streptokokken (p = 0,04) und Corynebacterium vermindert. Die Autoren schließen, die Behandlung scheine das Befruchtungspotenzial zu verbessern und könne die Kontamination von Kulturmedien verhindern; dazu legt der Abstract keine eigenen Daten vor. Schwächen: retrospektiv, kleine Gruppen, Behandlungsaussage ohne Daten [s139].
Preprint zu Bakteriospermie und Antibiogramm [s25]: Impact of Bacteria on Semen Parameters and Their Antibiotic Susceptibility Pattern in Infertile Men (CV und Mitarbeiter 2025; Preprint, nicht begutachtet). Beobachtungsstudie an 249 positiven Samenkulturen (WHO-Kriterien, Scheibendiffusionstest): häufigste Isolate Klebsiella (35,7 Prozent), Enterococcus (26,5 Prozent) und Staphylococcus (14,1 Prozent). Bakteriospermie war mit abnormen Samenprofilen einschließlich Oligoasthenoteratozoospermie verbunden. Klebsiella-Isolate waren häufig resistent gegen Ampicillin (41,0 Prozent) und Cefuroxim (38,0 Prozent); die höchste Empfindlichkeit zeigten Nitrofurantoin (36,7 Prozent), Gentamicin (35,2 Prozent) und Amikacin (34,5 Prozent). Fertilitätsendpunkte fehlen; Land und Methodik der Spermienbeurteilung sind nicht angegeben [s25].
Kwaśniewski und Mitarbeiter 2025, anaerobe Bakterien im Samen [s36]: Identification and characterization of anaerobic bacteria in human semen: A retrospective study. Anaerobe. In 291 retrospektiv ausgewerteten Samenproben wurden diverse Anaerobier identifiziert, vor allem Prevotella (49 Prozent aller Isolate), Veillonella und Peptoniphilus. Die meisten Isolate waren gegen Amoxicillin/Clavulansäure empfindlich, was nach Angabe der Autoren das therapeutische Potenzial bei männlicher Infertilität nahelege; Resistenz gegen Metronidazol zeigten Peptoniphilus, Veillonella und Propionimicrobium, Bacteroides gegen Benzylpenicillin. Der Abstract nennt keine Spermienparameter. Es ist die einzige abgerufene Beobachtungsstudie, die Metronidazol-Resistenz bei im Sperma nachgewiesenen Anaerobiern berichtet; Aussagen zur Wirkung von Metronidazol auf Spermien trifft sie nicht [s36].
Mendoza-Rodríguez und Mitarbeiter 2023, Südostspanien [s77]: [Antibiotic resistance changes in episodes of symptomatic bacteriospermia: development in a health area of southeast Spain] (Veränderungen der Antibiotikaresistenz bei Episoden symptomatischer Bakteriospermie: Entwicklung in einem Gesundheitsbereich Südostspaniens), Revista Española de Quimioterapia. Retrospektive Querschnittsstudie aus einem Regionalkrankenhaus; Patienten mit Klinik, die mit chronischer bakterieller Prostatitis vereinbar war, 2016 bis 2021; ausgewertet wurden Ätiologie und Resistenzrate der Episoden. Häufigster Erreger war Enterococcus faecalis (34,89 Prozent), gefolgt von Ureaplasma spp. (13,74 Prozent) und Escherichia coli (10,98 Prozent). Die Chinolonresistenz bei E. faecalis lag mit 11 Prozent niedriger als in früheren Studien, bei E. coli mit 35 Prozent höher; E. faecalis und E. coli zeigten niedrige Resistenz gegen Fosfomycin und Nitrofurantoin. Die Autoren folgern, grampositive und atypische Bakterien seien die Hauptursachen, und die Therapiestrategie müsse überdacht werden, um Resistenzzunahme, Rezidive und Chronifizierung zu vermeiden. Spermienparameter sind nicht Gegenstand [s77].
Huerta und Mitarbeiter 2002, Mexiko [s232]: [Frequency and etiology of seminal infections in the study of infertile couples] (Häufigkeit und Ätiologie von Sameninfektionen in der Untersuchung infertiler Paare), Ginecología y Obstetricia de México. Retrospektive, longitudinale Beobachtungsstudie anhand von 295 Akten infertiler Männer eines Krankenhauses mit Spermiogramm und Samenkultur. 47 Prozent der Fälle wiesen eine Infektion mit einem oder zwei Bakterien auf, am häufigsten Staphylococcus epidermidis, Streptokokken (alpha- und beta-hämolysierend) und Escherichia coli. Die wichtigsten Veränderungen der Samenqualität betrafen Beweglichkeit, pH, Morphologie und Viskosität in Verbindung mit S. epidermidis und E. coli. Die Mehrzahl der Infektionen war asymptomatisch. Dass der häufigste mit Veränderungen assoziierte Keim ein Hautsaprophyt war, weicht nach den Autoren von anderen Berichten ab („in disparity with other reports“); eine Kontamination bei der Probengewinnung ist bei einem Hautkeim denkbar (Überlegung, kein Befund der Studie) [s232].
Solís und Mitarbeiter 2000, Argentinien [s238]: [Round cells in semen and genital infections] (Rundzellen im Samen und Genitalinfektionen), Archivos Españoles de Urología. 410 Samenproben wurden nach WHO-Kriterien analysiert; unreife Keimzellen und polymorphkernige Leukozyten wurden gefärbt differenziert; bakteriologische Untersuchung von Samen, Erstportionsurin und Urethralsekret, Chlamydien per Immunfluoreszenz. 79 Prozent (324) der Proben waren dispermisch (Anm.: Ausdruck des Abstracts), 9,02 Prozent wiesen mehr als 10⁶ Rundzellen/ml auf, von denen nur 29,7 Prozent (11) eine Leukozytospermie zeigten. Die Spearman-Korrelation zwischen Rundzellen und polymorphkernigen Leukozyten betrug 0,2705 (p = 0,1046), also nicht signifikant. Von 32 bakteriologisch untersuchten Proben waren 13 positiv, davon nur 4 (30,7 Prozent) mit Leukozytospermie; von 19 negativen Proben waren 15,78 Prozent leukozytospermisch; zwischen vermehrten Rundzellen und Keimnachweis bestand keine signifikante Korrelation. Schlussfolgerung: bakteriologische Untersuchung sei auch bei Rundzellen im Nativpräparat sinnvoll [s238].
Tortolero und Mitarbeiter 2004 [s224]: [The effect of seminal leukocytes on semen quality in subfertile males with and without varicocele] (Wirkung seminaler Leukozyten auf die Samenqualität bei subfertilen Männern mit und ohne Varikozele), Archivos Españoles de Urología. 298 Samenproben von 42 fertilen Männern, 170 subfertilen Männern und 86 Männern mit Varikozele; Proben mit mehr als 1 Million Leukozyten/ml gingen in die Messung von Malondialdehyd im Seminalplasma. Leukozytenkonzentration: subfertile Männer 2,5 ± 2,1 und Varikozele 2,3 ± 2,1 × 10⁶/ml gegenüber fertilen 1,1 ± 0,1 (p-Werte im Abstract ohne Vergleichszeichen: 0,0001); Rundzellen 6,5 ± 0,3, 6,1 ± 0,4 und 4,5 ± 0,4 × 10⁶/ml (p 0,05); Spermienkonzentration 42,1 ± 2,4 (subfertil), 9,9 ± 3,5 (Varikozele) und 82,4 ± 5,7 × 10⁶/ml (fertil); Typ-a-Beweglichkeit 14,1 ± 0,9, 19,9 ± 1,4 und 50,0 ± 1,3 Prozent; normale Formen 43,3 ± 1,5, 50,0 ± 1,6 und 60,6 ± 1,3 Prozent. Malondialdehyd war bei subfertilen Männern und Männern mit Varikozele signifikant höher als bei fertilen. Schlussfolgerung: Leukozyten im Samen seien mit verschlechterten Samenparametern verbunden, oxidativer Stress wirke ungünstig [s224].
Sánchez und Mitarbeiter 2003, Chile [s227]: [Determination of peroxidase positive cells in semen: is it a secure parameter for the diagnosis of silent genital infections?] (Bestimmung peroxidasepositiver Zellen im Samen: ein sicherer Parameter für die Diagnose stiller Genitalinfektionen?), Revista Médica de Chile. Seminalplasma von 64 Patienten mit hoher Rundzellzahl (über 10⁶/ml) wurde untersucht; die Korrelation zwischen peroxidasepositiven Zellen und Granulozytenelastase im Seminalplasma war nicht signifikant (r = 0,2237; p > 0,05), ebenso nicht zwischen Elastase und Rundzellen (r = 0,03934; p > 0,05). Schlussfolgerung: Der Peroxidasetest sei kein verlässlicher Indikator für Leukozyten im Seminalplasma, und sein Fehlen schließe eine stille Genitalinfektion nicht aus. Die Studie betrifft die Diagnostik, nicht Antibiotika [s227].
Marconi und Mitarbeiter 2009 [s198]: Impact of infection on the secretory capacity of the male accessory glands. International Brazilian Journal of Urology. Samenanalysen von 71 Patienten mit nachgewiesenen Infektionen des männlichen Genitaltrakts wurden mit 40 gesunden nicht infizierten Freiwilligen verglichen; Gruppen: chronische Prostatitis NIH II (n = 38), chronische Epididymitis (n = 12), chronische Urethritis (n = 21). Neun Erregertypen wurden isoliert (E. coli n = 20, Enterococcus n = 20, Chlamydia trachomatis n = 16, Neisseria gonorrhoeae n = 8, Klebsiella n = 2, Mycobacterium tuberculosis n = 2, Proteus, Staphylococcus und Ureaplasma urealyticum je n = 1). Die Infektionsgruppe zeigte eine beeinträchtigte Sekretionsleistung von Nebenhoden, Samenblasen und Prostata, verbunden mit erhöhtem Samen-pH (Zahlen und p-Werte im Abstract abgeschnitten). Kein Samenparameter sei als diagnostisches Instrument für Infektion geeignet. Sie liefert Hintergrund zur Funktion der Adnexdrüsen, keine Antibiotikadaten [s198].
La Vignera und Mitarbeiter 2012, Italien [s188]: Semen alterations and flow-citometry evaluation in patients with male accessory gland infections. Journal of Endocrinological Investigation. 150 Patienten mit Infektion der männlichen Adnexdrüsen (MAGI) wurden zweimal untersucht (Samenanalyse, Durchflusszytometrie: DNA-Fragmentierung, mitochondriales Membranpotenzial, Phosphatidylserin-Externalisierung, Chromatinkompaktierung). Gegenüber Kontrollen: progressive Beweglichkeit 11,4 ± 5,0 gegenüber 34,0 ± 7,0 Prozent; normale Formen 9,0 ± 3,7 gegenüber 33,0 ± 13,0 Prozent; Leukozyten im Samen 2,2 ± 1,0 gegenüber 0,4 ± 0,6 × 10⁶/ml; DNA-Fragmentierung 8,2 ± 3,0 gegenüber 1,0 ± 1,0 Prozent; niedriges mitochondriales Membranpotenzial 28,0 ± 4,0 gegenüber 2,0 ± 2,0 Prozent; Phosphatidylserin-Externalisierung 8,0 ± 4,0 gegenüber 3,0 ± 3,0 Prozent; lebende Spermien 64,5 ± 12,0 gegenüber 88,0 ± 10,0 Prozent; abnorme Chromatinkompaktierung 18,0 ± 4,0 gegenüber 5,0 ± 3,0 Prozent. Die Autoren empfehlen die Durchflusszytometrie als diagnostisches Hilfsmittel. Die Größe der Kontrollgruppe und die Art der Infektion sind im Abstract nicht genannt; es ist eine Fall-Kontroll-Beschreibung der infektionsbedingten Veränderungen ohne Behandlungsarm [s188].
Tokuda und Mitarbeiter 1999, Japan [s240]: 男性不妊症におけるクラミジア感染症 血清抗クラミジア抗体検査の有用性 (Chlamydieninfektion bei männlicher Unfruchtbarkeit: Nutzen der Bestimmung von Chlamydien-Antikörpern im Serum), Nihon Hinyokika Gakkai Zasshi. Querschnittsstudie an 83 Männern aus Infertilitätssprechstunden: IgA- und/oder IgG-Antikörper gegen Chlamydien in 20 von 83 Serumproben (24,1 Prozent). Antibiotika kommen im Abstract nicht vor; die Studie belegt allein, wie häufig Chlamydien-Antikörper bei Männern mit Infertilität waren [s240].
Heras-Cañas und Mitarbeiter 2017, Spanien [s151]: Antibiotic activity and concentrations in clinical samples from patients with chronic bacterial prostatitis. Actas Urológicas Españolas. Mikrobiologische und pharmakokinetische Beobachtung. Empfindlichkeitsstudie: 60 klinische Isolate aus Samenproben von Patienten mit mikrobiologisch gesicherter chronischer bakterieller Prostatitis (Januar 2013 bis Dezember 2014), Bouillon-Mikrodilution; Fosfomycin und Nitrofurantoin hatten mit je 95,2 Prozent die höchste Aktivität. Konzentrationsstudie (Januar bis Mai 2014): bei 8 Patienten mit positiver Kultur wurden über 4 Wochen wöchentlich Urin, Blut und Samen entnommen und per UHPLC-MS/MS gemessen. Mittlere Samenkonzentration bei den fünf mit Levofloxacin behandelten Patienten: 1,68, 8,30, 2,61, 0,33 und 2,90 mg/l; bei einem Patienten unter Ciprofloxacin 1,625 mg/l, unter Ampicillin 2,67 mg/l und unter Doxycyclin 1,05 mg/l. Im Urin waren die Konzentrationen höher als in Serum und Samen, die beiden vergleichbar. Die Konzentrationen im Samen lagen über der minimalen Hemmkonzentration des ursächlichen Erregers, aber die mikrobiologische Negativierung ging nicht immer mit klinischem Erfolg einher. Acht Patienten sind eine sehr kleine Stichprobe; Spermienparameter sind nicht Gegenstand. Die Autoren schlagen Fosfomycin wegen der hohen In-vitro-Aktivität als Alternative für die empirische Behandlung vor [s151].
Grande und Mitarbeiter 2025, Darmdysbiose bei persistierender Adnexdrüseninfektion (Italien) [s30]: Gut Dysbiosis in Infertile Patients with Persistent Male Accessory Gland Infection. Life (Basel). Querschnittsstudie an 20 infertilen Patienten mit persistierender Infektion der männlichen Adnexdrüsen (MTI) nach angemessener antibiotischer Behandlung; Stuhlmikrobiota-Analyse etwa 30 Tage nach der letzten Antibiotikadosis. Nach den Autoren bleibe in 40 bis 50 Prozent der Fälle die Antibiotikatherapie zur Beseitigung der Sameninfektion erfolglos. Die Hälfte der Patienten (50 Prozent) hatte eine verminderte mikrobielle Vielfalt; eine Dysbiose wurde bei 75 Prozent festgestellt; das Verhältnis Firmicutes zu Bacteroidetes war bei 70 Prozent dieser Patienten reduziert, darunter 40 Prozent mit schwerer Reduktion durch erhöhte Bacteroidetes („putreszierende Dysbiose“); häufigster Enterotyp war Prevotella-dominant (43 Prozent). Die Autoren sehen zum ersten Mal, dass Patienten mit rezidivierender MTI Enterotypen mit erhöhter Darmpermeabilität und systemischer Entzündung haben. Schwächen: 20 Männer, keine Kontrollgruppe ohne Infektion (im Abstract nicht beschrieben), Querschnitt; Ursache und Wirkung sind nicht zu trennen; die Dysbiose kann Folge der vorangegangenen Antibiotikabehandlung sein (Überlegung, kein Befund der Studie). Spermienparameter sind nicht Zielgröße [s30].