7. Beobachtungsstudien mit Behandlungsbezug (nicht randomisiert)
In diesen Studien erhielten Männer mit Infektion, Leukozytospermie oder Prostatitis ein Antibiotikum, und die Samenparameter wurden vorher und nachher verglichen. Sie beantworten nicht die Frage, ob das Antibiotikum die Spermien schädigt, sondern ob sich der Samenbefund nach einer Behandlung bessert. Weil Erkrankung, Behandlung, Regression zur Mitte und natürlicher Verlauf zusammenwirken, ist keine dieser Studien in der Lage, den Effekt des Antibiotikums zu isolieren. Randomisierte Studien zu derselben Frage (zum Beispiel Levofloxacin bei asymptomatischer Leukozytospermie, Trimethoprim-Sulfamethoxazol und Ciprofloxacin gegen Placebo bei positiver Samenkultur, Doxycyclin gegen Trimethoprim-Sulfamethoxazol gegen keine Therapie) gehören in ein anderes Kapitel der Gesamtstudie.
7.1 Doxycyclin und Tetrazykline
Lindhof und Mitarbeiter 2025 [s38]: Ureaplasma parvum impaired semen quality improves after doxycycline treatment in selected patients: a cohort study. Basic and Clinical Andrology. Design: retrospektive Kohorte aus 3464 Samenproben zur Fertilitätsabklärung; Ureaplasma parvum per Multiplex-PCR in 12,4 Prozent. Querschnitt: Infizierte Männer hatten ein signifikant niedrigeres Samenvolumen; Spermienkonzentration, Beweglichkeit, Morphologie und Entzündungsmarker unterschieden sich nicht. Behandlungsteil: Bei 124 Männern mit dokumentierter Erregerbeseitigung und Folgeuntersuchung stieg unter Doxycyclin die Spermienkonzentration von 4,01 ± 4,69 auf 9,20 ± 15,63 Millionen/ml (p = 0,01) und die Beweglichkeit von 18,97 ± 16,04 auf 29,66 ± 22,18 Prozent (p = 0,002); peroxidasepositive Leukozyten fielen von 1,84 ± 0,74 auf 0,68 ± 0,79 Millionen/ml (p = 0,005). Bei Männern mit normalen Ausgangswerten änderte sich nichts. Die Autoren folgern, der bloße Nachweis von Ureaplasma parvum beeinträchtige die Samenqualität nicht und rechtfertige keine Routinebehandlung; bei auffälligen Werten und erhöhten Entzündungsmarkern könne eine gezielte Behandlung sinnvoll sein. Stärken: große Ausgangszahl, Trennung nach Ausgangswerten, p-Werte angegeben. Schwächen: retrospektiv, kein Kontrollarm; die Standardabweichungen sind größer als die Mittelwerte (Konzentration 9,20 ± 15,63), was eine stark schiefe Verteilung anzeigt und die Mittelwertvergleiche anfällig macht; Regression zur Mitte bei schlechten Ausgangswerten ist wahrscheinlich; Auswahl der Männer mit Folgeuntersuchung und dokumentierter Eradikation [s38].
Zhang und Mitarbeiter 2020, Guilin [s117]: The effect of screening and treatment of Ureaplasma urealyticum infection on semen parameters in asymptomatic leukocytospermia: a case-control study. BMC Urology. Von 1530 Männern, die wegen Infertilität kamen, hatten 295 eine asymptomatische Leukozytospermie; bei 95 wurde auf Ureaplasma urealyticum gescreent und positiv gefunden; 81 Ureaplasma-positive Männer erhielten Doxycyclin über 7 oder 14 Tage, bei 70 wurde die Infektion geheilt. Verglichen wurden Männer ohne Leukozytospermie, mit Leukozytospermie, mit Ureaplasma-positiver und Ureaplasma-negativer Leukozytospermie. Querschnitt: Konzentration, progressive Beweglichkeit und normale Morphologie waren bei Leukozytospermie vermindert, bei Ureaplasma-positiver Leukozytospermie noch deutlicher; progressive Beweglichkeit, Gesamtbeweglichkeit und normale Morphologie waren bei Ureaplasma-positiver gegenüber -negativer Leukozytospermie signifikant niedriger (alle p < 0,001). Behandlung: Heilungsrate 84,62 Prozent im 7-Tage-Schema und 89,66 Prozent im 14-Tage-Schema (p = 0,738); bei den geheilten Patienten stiegen einen Monat nach Heilung Konzentration (p = 0,001), progressive Beweglichkeit (p = 0,022), Gesamtbeweglichkeit (p = 0,004) und normale Morphologie (p = 0,008). Die Autoren empfehlen Screening und Behandlung und halten das 7-Tage-Schema für eine gute Wahl. Stärken: große Ausgangsgruppe, vier definierte Vergleichsgruppen, Messung von Erregerheilung und Samenparametern, Vergleich zweier Behandlungsdauern. Schwächen: Der Titel nennt eine Fall-Kontroll-Studie; die Verbesserung wurde bei 70 geheilten von 81 behandelten Männern gemessen (Auswahl über den Behandlungserfolg), ohne gleichzeitige unbehandelte Kontrollgruppe, mit einer Beobachtungszeit von einem Monat; Spontanverlauf und Regression zur Mitte sind nicht abtrennbar; Zahlenwerte der Verbesserung stehen nicht im Abstract; ein Effekt auf Schwangerschaften wurde nicht berichtet [s117].
Hamada und Mitarbeiter 2011, Cleveland [s192]: Empirical treatment of low-level leukocytospermia with doxycycline in male infertility patients. Urology. Retrospektive Studie bei Männern mit niedriger Leukozytospermie (0,2 bis 1,0 × 10⁶ Leukozyten/ml): Von 223 durchgesehenen Akten erfüllten 61 das Kriterium; 27, die vor 2006 vorstellig wurden und nicht routinemäßig behandelt wurden, dienten als historische Kontrollen, 34 erhielten seit 2006 empirisch Doxycyclin. Die Samenparameter änderten sich unter Doxycyclin nicht signifikant. Die niedrige Leukozytospermie bildete sich bei 56 Prozent der Behandelten zurück gegenüber 25 Prozent spontan bei den historischen Kontrollen. Die natürliche Schwangerschaftsrate lag bei 15 von 32 (47 Prozent) in der Behandlungsgruppe gegenüber 5 von 25 (20 Prozent) bei den Kontrollen; Odds Ratio für Schwangerschaft 3,7 (95-%-Konfidenzintervall 1,1 bis 11,7; p = 0,04). Stärken: Vergleichsgruppe, Schwangerschaft als Endpunkt, Konfidenzintervall angegeben. Schwächen: historische statt gleichzeitiger Kontrollen (Veränderungen von Diagnostik und Patientenauswahl über die Zeit), kleine Gruppen, breites Konfidenzintervall (1,1 bis 11,7), retrospektives Design, andere Einflüsse auf die Schwangerschaft nicht kontrolliert. Es ist eine der wenigen Beobachtungsstudien, die für ein Antibiotikum einen Schwangerschaftsvorteil berichtet; die Samenparameter besserten sich dabei nicht [s192].
Pajovic und Mitarbeiter 2017 [s153]: Effectiveness of antibiotic treatment in infertile patients with sterile leukocytospermia induced by tobacco use. Systems Biology in Reproductive Medicine. 80 infertile Raucher mit steriler Leukozytospermie und früherer sexuell übertragbarer Infektion: 40 erhielten zwei Wochen Doxycyclin (100 mg zweimal täglich), 40 hörten nur mit dem Rauchen auf; eine Kontrollgruppe von 20 Männern mit chronischer abakterieller Prostatitis (CPPS IIIa) erhielt dasselbe Antibiotikum. Zwei Wochen nach der Behandlung hatte die Doxycyclingruppe signifikant höhere Werte für Volumen, Gesamt- und progressive Beweglichkeit als die Rauchstoppgruppe; beide Beweglichkeitswerte blieben über 12 Wochen bestehen. Schwächen: Der Abstract nennt weder Randomisierung noch Verblindung; die Gruppen sind klein, die Zuteilung unklar; die Beobachtung ist kurz; die Vergleichsgruppe (Rauchstopp) ist keine Placebogruppe [s153].
Cardoso und Mitarbeiter 1998, Argentinien [s241]: Improvement of semen quality in infected asymptomatic infertile male after bacteriological cure. Medicina (Buenos Aires). Fallserie an 29 asymptomatischen infertilen Männern mit bakteriologisch nachgewiesener Infektion; häufigster Erreger Enterococcus faecalis; positive Kultur im Prostatasekret bei 16 Patienten und im Samen bei 13. Bakteriologische Heilung gelang in 24 Fällen und ging mit besserer Spermienkonzentration, Vitalität und Gesamtzahl beweglicher Spermien einher; bei den 5 ohne Heilung änderte sich die Samenanalyse nicht. Bei 45 Prozent der Infizierten lagen polymorphkernige Leukozyten unter 0,5 × 10⁶/ml, weshalb die Autoren die Granulozytenzahl als schlechten Marker für Infektion ansehen. Schwächen: 29 Männer, keine unbehandelte Kontrolle; die Gruppen sind nach Therapieerfolg gebildet, sodass „geheilt“ gegen „nicht geheilt“ auch auf der Schwere der Infektion beruhen kann; Antibiotikum und Dosis im Abstract nicht genannt [s241].
7.2 Fluorchinolone, Makrolide und Kombinationen
Veiga und Mitarbeiter 2019, Spanien [s129]: Prevalence of genital Mycoplasma and response to eradication treatment in patients undergoing assisted reproductive techniques. Revista Española de Quimioterapia. Paare im Programm für assistierte Reproduktion im Jahr 2016; Nachweis genitaler Mykoplasmen per Real-time-PCR; bei positiven Fällen wurden beide Partner bis zur Eradikation behandelt (Azithromycin, Doxycyclin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Clindamycin). Von 205 Männern waren 33 positiv (Ureaplasma urealyticum 15,1 Prozent, Mycoplasma hominis 3,9 Prozent). Die Eradikation mit Azithromycin misslang in 50 Prozent, mit Doxycyclin in 10,2 Prozent; von fünf mit Levofloxacin Behandelten gelang sie nur bei zwei. Die Autoren halten ein Routinescreening für nützlich, um die Samenqualität und die Einnistungsraten zu verbessern; das ist eine Folgerung, für die der Abstract keine eigenen Daten zu Spermien oder Schwangerschaft liefert. Einordnung: Die Studie zeigt, dass der Erfolg der Erregerbeseitigung von der Wirkstoffwahl abhing; die Gruppen sind klein [s129].
Ahmadi und Mitarbeiter 2018 [s133]: Association of asymptomatic Chlamydia trachomatis infection with male infertility and the effect of antibiotic therapy in improvement of semen quality in infected infertile men. Andrologia. 165 infertile Männer mit abnormen Samenparametern (Studiengruppe) und 165 gesunde fertile Männer (Kontrollen); Samenanalyse, Real-time-PCR, Messung reaktiver Sauerstoffspezies und der antioxidativen Gesamtkapazität (TAC). Chlamydia trachomatis fand sich bei 4,2 Prozent der infertilen gegenüber 0,6 Prozent der fertilen Männer. Infizierte Männer der Studiengruppe erhielten Antibiotika; einen Monat nach Therapieende hatten sich die meisten Samenparameter gebessert und den Normbereich erreicht, die antioxidative Kapazität war erhöht, reaktive Sauerstoffspezies und deren Verhältnis zur antioxidativen Kapazität waren gesunken. Bei 3 von 7 Partnerinnen (42,9 Prozent) trat vier Monate nach Therapieende eine Schwangerschaft ein. Schwächen: Nur sieben behandelte Männer (4,2 Prozent von 165 entsprechen etwa sieben Männern), kein Kontrollarm, der Abstract nennt Wirkstoff und Dosis nicht, ein Anstieg der Parameter bei sieben Männern ist statistisch kaum belastbar. Die Prävalenzunterschiede (4,2 gegenüber 0,6 Prozent) beruhen auf sehr kleinen absoluten Zahlen [s133].
Gallegos und Mitarbeiter 2008 [s207]: Sperm DNA fragmentation in infertile men with genitourinary infection by Chlamydia trachomatis and Mycoplasma. Fertility and Sterility. Prospektive Studie in einem universitären reproduktionsmedizinischen Zentrum an 143 Männern aus Paaren in andrologischer Infertilitätssprechstunde und einer Gruppe von 50 fertilen Männern; die Antibiotikawirkung wurde bei 95 Männern ausgewertet; Methode: Test der Chromatindispersion (Halosperm). Der mittlere Anteil von Spermien mit fragmentierter DNA betrug 35,2 ± 13,5 Prozent, das 3,2-Fache der fertilen Kontrollen (10,8 ± 5,6 Prozent); Konzentration, Morphologie und Beweglichkeit waren ebenfalls signifikant, aber viel weniger betroffen, die Vitalität nicht. Nach 3,8 ± 2,2 Monaten Antibiotikatherapie fiel der mittlere Anteil von 37,7 ± 13,6 auf 24,2 ± 11,2 Prozent; Konzentration und Beweglichkeit besserten sich nicht signifikant. Von 16 Paaren, die während der Therapie schwanger werden wollten, wurden 12,5 Prozent schwanger, von 14 Paaren, die nach Therapieende versuchten, 85,7 Prozent; die einzigen signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen betrafen DNA-Fragmentierung und Morphologie. Schwächen: kein Kontrollarm unter den Behandelten; der Vergleich der Schwangerschaftsraten (12,5 gegenüber 85,7 Prozent) bei 16 und 14 Paaren ist ein Vergleich zeitlich unterschiedlicher Beobachtungsfenster, kein kontrollierter Befund; die Dauer der Behandlung (3,8 Monate) liegt im Bereich der Spermatogenese, sodass die Verbesserung auch Spontanverlauf sein kann [s207].
Novak und Mitarbeiter 2026 [s17]: Antibiotic treatment of asymptomatic urogenital infections in infertile couples is associated with improved sperm quality including sperm apoptosis parameters (Preprint, nicht begutachtet). Retrospektive monozentrische Studie an 265 Paaren mit asymptomatischer Infektion (Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium oder Chlamydia trachomatis) bei mindestens einem Partner, mit gleichzeitiger Behandlung beider. Gepaarte Samenanalyse und Apoptosetest (Durchflusszytometrie) vor und 0 bis 9 Monate nach der Therapie. Spermienkonzentration, Gesamtzahl, Gesamt- und progressive Beweglichkeit und Anteil lebender Spermien stiegen signifikant, der Anteil spät apoptotischer oder nekrotischer Spermien und die berechnete DNA-Fragmentierung sanken signifikant (p-Werte im Abstract abgeschnitten). Die Autoren bezeichnen die Befunde selbst wegen des retrospektiven, unkontrollierten Designs als hypothesenerzeugend. Das Zeitfenster der Nachuntersuchung (0 bis 9 Monate) ist sehr weit; Wirkstoffe und Dosen sind im Bericht nicht genannt [s17].
Adel Domínguez und Mitarbeiter 2025 [s22]: Sperm DNA fragmentation: focusing treatment on seminal transport fluid beyond sperm production. Archivio Italiano di Urologia, Andrologia. 98 infertile Männer, zwei Samenproben vor und mindestens zwei Monate nach Behandlung (täglich 1000 mg Ciprofloxacin über 21 Tage und 100 mg Doxycyclin über 10 Tage, dazu 15 mg Meloxicam über 10 Tage); Spermien-DNA-Fragmentierungsindex per SCD-Test. Nach der Behandlung stiegen pH, Spermienzahl, Gesamtkonzentration und Anteil normaler Formen signifikant; Volumen und progressive Beweglichkeit änderten sich nicht; die Zahl unreifer Zellen sank signifikant, die Leukozytenzahl nicht signifikant; der mittlere Index fiel von 28,24 ± 2,39 auf 16,2 ± 7,1 Prozent. Schwächen: Zwei Antibiotika und ein Entzündungshemmer wurden kombiniert, der Beitrag der Antibiotika lässt sich nicht trennen; keine Kontrollgruppe; die Standardabweichung vor der Behandlung (2,39) ist auffallend klein im Vergleich zu der danach (7,1); das ist eine Auffälligkeit der Abstract-Angabe, die ohne Volltext nicht zu klären ist [s22].
Moskovtsev und Mitarbeiter 2009 [s199]: Cause-specific treatment in patients with high sperm DNA damage resulted in significant DNA improvement. Systems Biology in Reproductive Medicine. Retrospektive Studie an Männern mit Spermien-DNA-Schädigung über 30 Prozent; die Gruppe war diagnostisch heterogen (Varikozele, Bakteriospermie, idiopathische Infertilität). Antioxidantien über drei Monate senkten die DNA-Schädigung nur bei 30 von 61 Männern (49 Prozent; Index 46,8 ± 14,1 gegenüber 36,7 ± 16,6 Prozent, p < 0,001); bei über 40-Jährigen zeigte sich keine Besserung. Ursachenspezifische Behandlungen schnitten besser ab: Varikozelenoperation bei 7 von 9 (78 Prozent; 44,7 ± 12,8 gegenüber 28,4 ± 9,5 Prozent, p < 0,03); Antibiotika bei 13 von 14 Männern mit Bakteriospermie (93 Prozent; 50,4 ± 19,1 gegenüber 38,6 ± 18,7 Prozent, p < 0,001). Schwächen: kleine Gruppen (14 mit Bakteriospermie), keine Kontrolle, Antibiotikum und Dosis nicht genannt, Regression zur Mitte bei einem Ausgangswert über 30 Prozent besonders wahrscheinlich, da die Einschlusskriterien an einem extremen Wert ansetzen [s199].
Yaşar und Mitarbeiter 2009, Türkei [s202]: Lökositospermi tedavisinin semen parametreleri ve gebelik üzerine olan etkisi (Die Wirkung der Leukozytospermie-Behandlung auf Samenparameter und Schwangerschaft), Yeni Üroloji Dergisi (türkisch, englischer Abstract). Prospektive Vergleichsstudie an 121 Männern einer Infertilitätsambulanz (Januar 2006 bis Dezember 2008): 71 mit Leukozytospermie (Gruppe 1) und 50 ohne (Gruppe 2); Gruppe 1 erhielt 4 bis 6 Wochen Antibiotika. Vor der Behandlung bestand kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen bei Volumen, Spermienzahl und Beweglichkeit (p > 0,05). In der behandelten Gruppe fand sich vor und nach der Therapie keine signifikante Veränderung dieser Parameter; für die Leukozytenzahl nennt der Abstract p = 0,043 ohne nähere Erläuterung. Fazit: Die Behandlung der asymptomatischen Leukozytospermie mit Antibiotika bessere Spermienparameter und Schwangerschaftsrate nicht. Schwächen: kein Hinweis auf Randomisierung, Antibiotikum und Dosis im Abstract nicht genannt, die Schwangerschaftsrate wird im Abstract nicht beziffert; die Autoren verlangen selbst größere randomisierte Studien [s202].
Branigan und Mitarbeiter 1995 [s250]: Identification and treatment of leukocytospermia in couples with unexplained infertility. Journal of Reproductive Medicine. Prospektive Kohortenstudie an Männern mit und ohne Leukozytospermie (Samenausstrich, Bryan-Leishman-Färbung) bei ungeklärter Paarinfertilität; kumulative Schwangerschaftsraten nach sechs Monaten wurden für vier Gruppen verglichen: Responder (Leukozytospermie verschwand unter Behandlung), Nicht-Responder, Unbehandelte und Männer ohne Leukozytospermie. 36 von 53 Männern mit Leukozytospermie sprachen auf Antibiotika an; bei 19 Frauen in diesen 36 Paaren (53 Prozent) trat innerhalb von sechs Monaten eine Schwangerschaft ein. Für die Nicht-Responder gibt der Abstract „7 von 17 (6 Prozent)“ an; 7 von 17 wären rechnerisch 41 Prozent, die Angabe ist offenbar fehlerhaft und wird nicht weiter ausgewertet. Die Autoren schließen, die Identifizierung und erfolgreiche Behandlung solcher Männer führe zu einer deutlichen Besserung der Schwangerschaftsraten. Schwächen: Die Vergleichsgruppen sind nach Therapieerfolg gebildet, nicht nach Zuteilung (ein Erfolg bei der Beseitigung der Leukozytospermie kann mit günstigen Ausgangsbedingungen zusammenhängen); der fehlerhafte Zahlenwert [s250].
Liversedge und Mitarbeiter 1996 [s249]: Antibiotic treatment based on seminal cultures from asymptomatic male partners in in-vitro fertilization is unnecessary and may be detrimental. Human Reproduction. Retrospektiv wurden die mikrobiologischen Befunde von 449 Paaren in IVF oder GIFT (Gametentransfer in den Eileiter) betrachtet: Bei Samenproben, die mindestens einen Tag bis zum Labor benötigten, wuchsen häufiger Enterokokken (27 gegenüber 15 Prozent), bei zwei oder mehr Tagen häufiger gramnegative Stäbchen (31 gegenüber 12 Prozent; p < 0,01) und überhaupt potenziell pathogene Keime (26 gegenüber 14 Prozent; p < 0,01); die Autoren stellen Genauigkeit und Relevanz in Frage. In der prospektiven Teilstudie wurden Samen und Vaginalabstriche von 100 Paaren am Tag der Eizellentnahme kultiviert; 52 der Männer waren nach positiver Vorkultur mit Antibiotika behandelt worden. Bakterien in Samenproben, die nur für IVF verwendet wurden (n = 90), minderten weder die Befruchtungsraten noch infizierten sie das Kultursystem. Gramnegative Stäbchen in der Scheide waren bei Partnerinnen behandelter Männer häufiger (15 von 52, 29 Prozent, gegenüber 5 von 48, 10 Prozent; p < 0,05). Die Autoren halten Screening und Behandlung asymptomatischer Männer vor IVF für unnötig und möglicherweise schädlich. Einordnung: Die Arbeit betrifft nicht Spermienparameter, sondern das mikrobiologische Umfeld der Befruchtung; das Argument des möglichen Schadens stützt sich auf die Vaginalbefunde, nicht auf Befruchtungs- oder Schwangerschaftsraten [s249].
Grande und Mitarbeiter 2025 [s29]: Comprehensive diagnostic and therapeutic approach to male factor infertility aimed at natural fertility: A multicentric retrospective cohort study. Andrology. Multizentrische retrospektive Studie 2015 bis 2022 an 1014 Paaren mit primärer Infertilität und Wunsch nach natürlicher Empfängnis (darunter 266 mit früherem Versagen der assistierten Reproduktion); standardisierte multidisziplinäre Abklärung (Gynäkologe, Androloge, bei Bedarf Psychologe, Fertilitätsberater). Primärer Endpunkt war die natürliche Schwangerschaftsrate. Ein isolierter männlicher Faktor lag bei 23 Prozent der Paare vor, bei 45 Prozent zusammen mit weiblichen Faktoren. Die umfassende Abklärung senkte den Anteil idiopathischer Infertilität auf 8 Prozent. Gezielte Behandlung nach diagnostischer Kategorie war mit spontaner Schwangerschaft bei 40,9 Prozent der Paare verbunden. Bei den 233 Fällen ohne weibliche Faktoren waren die Samenparameter nur bei 13 Prozent normal; Entzündung des männlichen Genitaltrakts fand sich bei 48,8 Prozent, Infektion des Genitaltrakts bei 43,1 Prozent und Hypospermatogenese bei 16,7 Prozent. Patienten mit Infektion wurden mit Antibiotika und Probiotika behandelt, bei weiterer Entzündung folgten niedrig dosierte Kortikosteroide und Antioxidantien; bei Hypospermatogenese wurde FSH eingesetzt, bei vier Patienten eine Varikozelenoperation. Schwächen: keine Kontrollgruppe ohne Behandlung; der Effekt der Antibiotika ist in einem Behandlungsbündel nicht isolierbar; der Zeitraum bis zur Schwangerschaft und der Einfluss spontaner Schwangerschaften (ohne Behandlung) sind im Abstract nicht dargestellt [s29].
7.3 Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Metronidazol, Minocyclin, Nitrofurane und weitere Wirkstoffe
Gopalkrishnan und Mitarbeiter 1990, Metronidazol bei Trichomonas-Befall [s269]: Semen characteristics of asymptomatic males affected by Trichomonas vaginalis. Journal of In Vitro Fertilization and Embryo Transfer. Von 1131 untersuchten Männern hatten 50 (4,42 Prozent) Trichomonaden im Nativpräparat; verglichen wurden sie mit 52 normalen Samenproben. Viskosität und Anteil von Debris waren in der infizierten Gruppe signifikant erhöht (p < 0,001), der Samen-pH nicht verändert; Beweglichkeit und normale Formen waren signifikant verringert (p < 0,001), die Vitalität verändert und die Membranintegrität im hypoosmotischen Schwelltest signifikant verändert (p < 0,001). Nach einem Behandlungskurs mit Metronidazol (Flagyl 400 mg dreimal täglich über 10 Tage) verbesserten sich die Samenmerkmale bei 25 Männern signifikant. Die Autoren halten es für möglich, dass Infertilität bei asymptomatischen Männern auf einer Trichomonaden-Infektion beruhen kann. Schwächen: unklar, wie die 25 Behandelten ausgewählt wurden, kein Placebo, Zahlenwerte der Verbesserung nicht im Abstract. Einordnung: Es ist die einzige Humanstudie der Recherche mit einer Besserung der Samenwerte nach Metronidazol; sie betrifft eine Infektion mit einem Erreger, gegen den Metronidazol gezielt eingesetzt wird, und sagt deshalb nichts über eine Wirkung von Metronidazol auf Spermien bei Gesunden. Der Befund steht neben der Beobachtungsserie, die unter Metronidazol eine anhaltende Störung sah [s269, s229].
Omu und Mitarbeiter 1998, Kuwait [s245]: Antibiotic therapy for seminal infection. Effect on antioxidant activity and T-helper cytokines. Journal of Reproductive Medicine. 50 Männer in drei Gruppen: Samenwegsinfektion (n = 20), alleinige Leukozytospermie (n = 18), nachweislich fruchtbare Männer (n = 12). Bei Samenwegsinfektion war die Spermienzahl niedriger: 25 gegenüber 84 Millionen pro ml bei fruchtbaren Männern. Antioxidative Gesamtaktivität, α-Tocopherol und Retinol waren bei Leukozytospermie (p < 0,02 und 0,01) und Samenwegsinfektion (p < 0,01 und 0,05) im Vergleich zu den Kontrollen vermindert; Antispermien-Antikörper, Interleukin-2 und Interleukin-8 waren stark, Interleukin-4 gering exprimiert; gramnegative Erreger gingen stärker mit T-Helfer-1-Zytokinen einher. Antibiotikatherapie verbesserte Spermienparameter, antioxidative Aktivität und Interleukin-4 signifikant und senkte Interleukin-2 und Interleukin-8; der Titer der Antispermien-Antikörper blieb unverändert. Schwächen: Wirkstoff, Dosis und Zahlenwerte nach der Therapie fehlen im Abstract; keine unbehandelte Vergleichsgruppe; die Deutung, Antibiotika verbesserten die Spermien über eine Erhöhung der antioxidativen Aktivität, ist eine Hypothese und kein Wirkungsnachweis [s245].
Eine Behandlungsserie mit Dreifachtherapie bei Helicobacter-pylori-Antikörpern (El-Garem 2014, Alexandria) [s172]: Seminal Helicobacter pylori treatment improves sperm motility in infertile asthenozoospermic men. Urology. Von 223 infertilen asthenozoospermischen Männern hatten 22 (9,87 Prozent) Helicobacter-pylori-IgA-Antikörper im Seminalplasma; sie erhielten Omeprazol 20 mg, Tinidazol 500 mg und Clarithromycin 250 mg jeweils zweimal täglich über zwei Wochen. Nach drei Monaten war der mittlere IgA-Spiegel von 1,55 ± 0,4 auf 0,52 ± 0,26 gefallen (95-%-Konfidenzintervall 0,83 bis 1,21; p = 0,001), begleitet von besserer progressiver und nicht progressiver Beweglichkeit. Seminales Helicobacter-pylori-IgA korrelierte negativ mit progressiver und nicht progressiver Beweglichkeit und normaler Morphologie, positiv mit unbeweglichen Spermien. Schwächen: 22 behandelte Männer, keine Kontrollgruppe, die Beweglichkeitszahlen fehlen im Abstract, IgA ist ein indirekter Marker, die Dreifachtherapie (ein Nitroimidazol, ein Makrolid, ein Protonenpumpenhemmer) lässt keine Zuordnung zu einem Wirkstoff zu, keine Schwangerschaftsrate; das angegebene Konfidenzintervall (0,83 bis 1,21) ist, da es zum Mittelwertunterschied (1,03) passt, vermutlich das der Differenz [s172].
Moreno Pardo und Mitarbeiter 1979, Spanien [s282]: [Seminal infection and male sterility] (Sameninfektion und männliche Sterilität), Archivos Españoles de Urología. 25 Patienten mit Samenbläschen- und Prostatapathologie, die Sterilität verursachte; Untersuchung nach Alter, Beruf, Symptomen, Genitaluntersuchung und Ejakulat (Menge, pH, Viskosität, Fruktose, Ascorbinsäure, Zahl, Beweglichkeit, Morphologie, hohe Leukozytenwerte). Samenkultur bei 21 Patienten, positiv bei 16 (76 Prozent). Behandelt wurden 22 Patienten, bei 13 ist das Ergebnis bekannt: Das Spermiogramm normalisierte sich bei 5 (38 Prozent), mit einer Schwangerschaft; bei 3 Fällen lag eine zusätzliche Erkrankung der Frau vor. Angewendet wurde im Wesentlichen Trimethoprim-Sulfamethoxazol, mit oder ohne Erythromycin, bei Bedarf nach Antibiogramm weitere Mittel, dazu Mittel zur Prostatadrainage. Die besten Ergebnisse zeigten sich bei Asthenozoospermie. Die Wirksamkeit war gleich mit Trimethoprim-Sulfamethoxazol allein oder mit Erythromycin; die anderen Arzneimittel verbesserten die Ergebnisse nicht, außer Minocyclin, das eine Samenkultur negativierte. Schwächen: 13 Patienten mit bekanntem Ergebnis, keine Kontrolle, Mischung mehrerer Maßnahmen [s282].
Ludwig und Haselberger 1977, Deutschland [s284]: [Epididymitis and fertility. Treatment results in acute unspecific epididymitis] (Nebenhodenentzündung und Fertilität. Behandlungsergebnisse bei akuter unspezifischer Nebenhodenentzündung), Fortschritte der Medizin. Spermiogramme von 46 Patienten wurden 8 Tage, 4 Wochen, 3 Monate, 6 Monate und 1 Jahr nach akuter einseitiger unspezifischer Nebenhodenentzündung untersucht; 24 Patienten erhielten außer Doxycyclin eine örtliche Infiltration des Samenstrangs mit 1-prozentigem Scandicain. Acht Tage nach Beginn der Infektion zeigte sich bei mehr als zwei Dritteln der Fälle eine Oligoasthenospermie; im weiteren Verlauf besserte sich die Störung, bei der Infiltration deutlicher; bei etwa 20 Prozent blieb eine so schwere Fertilitätsstörung, dass Sterilität resultierte. Ein Jahr nach Beginn waren spermienagglutinierende Antikörper nur in einem Fall nachweisbar; die Fruktose im Samenplasma war über das Jahr in allen Fällen normal. Einordnung: Die Arbeit belegt den Verlauf der Samenwerte nach akuter Nebenhodenentzündung unter Doxycyclin (mit oder ohne Infiltration) und die verbleibende Sterilität; ein Vergleich ohne Doxycyclin fehlt, sodass die Rolle des Antibiotikums für den Verlauf nicht bestimmbar ist [s284].
Nagai und Mitarbeiter 1988, Japan [s274]: [Treatment in male infertile clinic of Kaizuka Municipal Hospital] (Behandlung in der Sprechstunde für männliche Infertilität des Städtischen Krankenhauses Kaizuka; japanisch, englische Titelübersetzung in PubMed), Hinyokika Kiyo. Fallserie zu 68 Männern mit idiopathischer männlicher Infertilität; die Hauptbehandlungen waren HMG-HCG-Therapie und hohe Ligatur der linken Hodenvene bei Varikozele, als Zusatz Vitamin B12, Kräutermedizin und Antibiotika bei Prostatovesikulitis. Bei 11 Männern ohne Varikozele stiegen Spermienzahl von 11,0 ± 8,0 auf 22,7 ± 16,8 × 10⁶/ml und Beweglichkeit von 19,1 ± 11,4 auf 26,9 ± 18,5 Prozent nach 20 Wochen HMG-HCG; Wirksamkeit bei 7 von 11 (63,6 Prozent) für die Spermienzahl und 6 von 11 (54,5 Prozent) für die Beweglichkeit; drei Schwangerschaften. Der Abstract bricht ab; der Anteil der Antibiotika ist nicht trennbar. Die Studie belegt nur, dass Antibiotika in Japan damals als Zusatztherapie bei Prostatovesikulitis eingesetzt wurden [s274].
Kleinere russische Behandlungsstudien. Vinogradow und Mitarbeiter 2015 [s170]: Unkontrollierte Pilotstudie, Konferenzbeitrag, an 34 Paaren in der Vorbereitung auf IVF/ICSI mit Asthenoteratozoospermie und Leukospermie (Männer 34,1 ± 5,3 Jahre, 26 bis 46; sexuell übertragbare Infektionen per PCR ausgeschlossen, zwei Samenkulturen ohne Wachstum, MAR-Test normal). Levofloxacin 750 mg einmal täglich über 15 Tage; Kontrolle 4 Wochen nach Therapieende. Ergebnisse (vorher, nachher): Volumen 2,1 ± 0,5 auf 2,4 ± 1,2 ml; Konzentration 35,6 ± 17,3 auf 39,1 ± 17,1 × 10⁶; Anteil beweglicher Spermien (a+b) 14,1 ± 6,1 auf 21,1 ± 6,3 Prozent (p < 0,001); normale Morphologie 6,2 ± 3,4 auf 7,7 ± 3,6 Prozent (p = 0,005); Leukozyten 3,1 ± 1,1 auf 0,9 ± 0,5 × 10⁶ (p < 0,001); reaktive Sauerstoffspezies 4,5 ± 1,5 auf 3,1 ± 1,6 (p < 0,001). Bei 4 Männern (11,7 Prozent) trat leichte Dyspepsie auf. Die Autoren sehen keinen offensichtlichen gametotoxischen Effekt. Schwächen: keine Kontrollgruppe, keine Verblindung, nur vier Wochen Nachbeobachtung (die Serie von Lisakowskaja wählte drei Monate), keine DNA-Fragmentierung, für Volumen und Konzentration keine p-Werte, Konferenzbeitrag [s170, s229]. Potschernikow und Mitarbeiter 2015 [s167] (Experience with E. coli lyophilized bacterial lysate OM-89 (Uro-Vaksom) in men with asymptomatic bacteriospermia; Erfahrung mit dem E.-coli-Lysat OM-89 bei Männern mit asymptomatischer Bakteriospermie), Urologija: Vergleichsstudie bei asymptomatischer Bakteriospermie, drei Monate E.-coli-Lysat gegen 3 bis 4 Wochen Fluorchinolone. Nach OM-89 wurde E. coli bei 98 Prozent beseitigt, bei 66 Prozent wuchs kein Mikroorganismus mehr im Ejakulat; nach Fluorchinolonen blieb E. coli bei 15,2 Prozent in signifikantem Titer, bei 5,7 Prozent in nicht signifikantem Titer, und nur bei 19 Prozent fehlte jedes mikrobielle Wachstum. Unter OM-89 stieg die Spermienkonzentration deutlicher, es gab mehr spontane Schwangerschaften; die „Take-Home-Baby“-Rate betrug 21 Prozent (OM-89) gegenüber 7 Prozent (Fluorchinolone). Fallzahl, Randomisierung und Teststatistik nennt der Abstract nicht; wegen der Nähe der Autoren zum Präparat und der fehlenden Statistik ist der Befund mit Vorsicht zu lesen; er belegt vor allem, dass eine reine Fluorchinolontherapie in dieser Serie weder zuverlässig steril machte noch ein hohes Schwangerschaftsergebnis brachte [s167]. Glosman und Aganow 1990 [s268] (The prevention of pathospermia in patients with orchiepididymitis; Vorbeugung der Pathospermie bei Patienten mit Orchiepididymitis), Westnik dermatologii i wenerologii: Bei 48 bis 60 Prozent der Patienten mit gonorrhoischer Orchiepididymitis blieb eine Spermatopathie lange nach der Therapie bestehen; Chymotrypsin (2 mg zweimal täglich über 6 bis 10 Tage) zusätzlich zu einem Antibiotikum senkte die Häufigkeit von Spermatogenesestörungen „um 14,3 bis 16,6 Prozent“ gegenüber konventioneller Therapie; ohne Fallzahlen und Vergleichsgruppen im Abstract bleibt die Aussagekraft begrenzt. Auch unter wirksamer Antibiotikatherapie bleibt demnach die Spermatopathie häufig [s268]. Kogan und Mitarbeiter 2022, Rostow am Don [s93] (Antibiotic therapy of chronic bacterial prostatitis is more effective considering antibiotic susceptibility of all pathogens isolated; Investigative and Clinical Urology): prospektive randomisierte Beobachtungsstudie an 60 Männern mit chronischer bakterieller Prostatitis (20 bis 45 Jahre, 2012 bis 2019); Gruppe I (n = 30) Fluorchinolone, Gruppe II (n = 30) Fluorchinolone plus Cephalosporine oder Makrolide, jeweils einen Monat. Nach drei Monaten war der klinische Effekt in beiden Gruppen positiv, aber nur in Gruppe II signifikant (p < 0,05) für Symptomindex NIH-CPSI, Leukozyturie, Prostatavolumen, maximalen Harnfluss und „verringerte Pathospermie“; nach sechs Monaten sanken in Gruppe II Escherichia coli und Enterococcus spp. signifikant, in Gruppe I änderten sich Aerobier kaum, Anaerobier nahmen signifikant zu. Die Spermienqualität ist nur Nebenendpunkt ohne Zahlen im Abstract [s93]. Belyj 2018 [s147] (Пептиды предстательной железы в коррекции патоспермии у пациентов с хроническим бактериальным простатитом (Peptide der Prostata bei der Korrektur der Pathospermie bei Patienten mit chronischer bakterieller Prostatitis), Medizinski sowet): zwei Gruppen mit chronischer bakterieller Prostatitis und Pathospermie (31 und 37 Männer; zusammen 68); beide erhielten zuerst vier Wochen Standardtherapie (Antibiotika, α-Blocker, nichtsteroidale Antiphlogistika), dann vier Wochen Antioxidantien, die zweite Gruppe zusätzlich ein Prostataextrakt-Zäpfchen. Der Autor schließt, die Standardtherapie einschließlich Antibiotika führe nicht zu einer signifikanten Besserung der Schlüsselparameter des Ejakulats; unter Prostatapeptiden habe sich der Anteil nicht progressiv beweglicher Spermien halbiert und der Anteil progressiv beweglicher um 60 Prozent erhöht. Ein Wirkstoff ist nicht benannt; p-Werte und Rohdaten fehlen im Abstract [s147].
Italienische Behandlungsstudien in Kurzform. Vicari 2000 [s239] (Effectiveness and limits of antimicrobial treatment on seminal leukocyte concentration and related reactive oxygen species production in patients with male accessory gland infection, Human Reproduction): 122 Patienten mit bakterieller Infektion (mehr als 100.000 Kolonie-bildende Einheiten/ml), nach Ultraschall in Prostatitis (n = 52), Prostatovesikulitis (n = 32) und Prostatovesikuloepididymitis (n = 38) eingeteilt. Je Gruppe erhielt eine Untergruppe Ofloxacin oder Doxycyclin an 14 aufeinanderfolgenden Tagen pro Monat über drei Monate (n = 40, 20 und 25), die übrigen blieben unbehandelt (n = 12, 12 und 13); die Partnerinnen wurden mitbehandelt. Die bakteriologische Heilungsrate nach dem dritten Zyklus war bei Prostatitis am höchsten (92,5 Prozent), bei Prostatovesikulitis 70,4 Prozent, bei Prostatovesikuloepididymitis 52,0 Prozent. Drei Monate nach Therapieende waren einige Spermienparameter, die Zahl der Leukozyten im Samen und die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies bei Prostatitis und Prostatovesikulitis verbessert, bei Nebenhodenbeteiligung nicht (außer dem Anteil aufgerollter Flagellen); die spontane Schwangerschaftsrate lag bei 40 Prozent. Stärken: unbehandelte Vergleichsgruppen, Schichtung nach Infektionsort. Schwächen: keine Randomisierung, sehr kleine Vergleichsgruppen von 12 und 13 Männern, Mitbehandlung der Partnerinnen erschwert die Auswertung der Schwangerschaftsrate [s239]. Vicari 2016 [s163] (Effect of levofloxacin treatment on semen hyperviscosity in chronic bacterial prostatitis patients, Andrologia): 110 infertile Patienten mit chronischer bakterieller Prostatitis erhielten an 14 Tagen pro Monat über 3 Monate 500 mg Levofloxacin täglich; 37 fertile Männer dienten als Kontrolle. Bei Erregerbeseitigung (Responder) stiegen progressive Motilität, und sanken Leukozytenzahl, Viskosität, Verflüssigungszeit, Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, Tumornekrosefaktor alpha und Interleukin 6; die Werte unterschieden sich dann nicht von den fertilen Kontrollen. Bei schlechtem Ansprechen verschlechterten sich alle Größen; die Eradikationsrate lag bei etwa 71 Prozent, bei rund 29 Prozent bestand schlechtes Ansprechen. Schwächen: kein unbehandelter Arm; die Einteilung nach Therapieerfolg verzerrt den Vergleich [s163]. Magri 2010 [s196] (Eradication of Chlamydia trachomatis parallels symptom regression in chronic bacterial prostatitis patients treated with a fluoroquinolone-macrolide combination, Andrologia): 55 symptomatische Männer mit chronischer Prostatitis und Chlamydiennachweis, behandelt nach Lokalisation mit Azithromycin allein (3 Tage, 500 mg) oder vier Wochen Levofloxacin plus Azithromycin; das Verschwinden der Chlamydien ging mit anhaltender Symptombesserung und einem PSA-Abfall einher; Spermienparameter waren nicht Zielgröße [s196]. Grande 2022 [s89] (Association of Probiotic Treatment With Antibiotics in Male Accessory Gland Infections, American Journal of Men's Health): 104 infertile Männer mit gramnegativen Keimen unter Fluorchinolonen; vollständige Eradikation bei 64 von 84 Männern mit Probiotikum (76,2 Prozent) gegenüber 10 von 20 mit Antibiotikum allein (50 Prozent); Gruppeneinteilung und Randomisierung im Bericht nicht beschrieben [s89]. Fabiani 2026 [s11] (Clinical efficacy of a specific synbiotic formulation in restoring fertility in couples with persistent post-antibiotic dysbiosis: a pilot study, Archivio Italiano di Urologia, Andrologia): einarmige Pilotstudie an 33 Paaren nach erfolgloser Antibiotikatherapie; der Fragmentierungsindex sank nach Synbiotikum von 32,4 ± 6,1 auf 16,8 ± 4,2 Prozent [s11]. Morea 1991 [s264] ([Infertility caused by subclinical infection of the male genital system. Evaluation of the effectiveness of norfloxacin], Infertilität durch subklinische Infektion des männlichen Genitalsystems. Bewertung der Wirksamkeit von Norfloxacin; italienisch, Minerva Urologica e Nefrologica): Der Abstract berichtet für Norfloxacin Heilung der Infektion und eine statistisch signifikante Zunahme der Spermienbeweglichkeit ohne Nebenwirkungen, ohne Zahlen [s264]. Die Arbeiten von Grande und Fabiani betreffen vor allem die Erregerbeseitigung und die Darmflora, nicht die Spermienqualität unter Antibiotika.
8. Einordnung der Beobachtungsstudien
8.1 Was sich nach Wirkstoffgruppen sagen lässt
Nitrofurantoin. In den abgerufenen Beobachtungsstudien gibt es keine Studie mit Samenparametern unter Nitrofurantoin als Hauptfragestellung. Zwei ältere russischsprachige Quellen berichten negative Wirkungen auf Hodenfunktion beziehungsweise auf Spermienzahl, Beweglichkeit und Testosteron (Nitrofurantoin und Furazidin) [s286, s229], beide ohne Kontrollgruppe und mit der behandelten Erkrankung als Störfaktor. Mikrobiologische Studien zeigen Nitrofurantoin als Mittel mit niedriger Resistenz bei Erregern der Prostatitis (95,2 Prozent Aktivität in [s151], niedrige Resistenz bei Enterococcus faecalis und Escherichia coli in [s77]); sie sagen nichts über Spermien. Die Übersichten sprechen von minimalen Humandaten [s150].
Metronidazol. Humanbeobachtungen: Besserung der Samenwerte bei 25 Männern mit Trichomonadenbefall nach einem Metronidazol-Kurs [s269] und anhaltende Störung der Samenparameter nach Metronidazol in einer Serie mit 20 Antibiotika [s229]; Resistenz bei einigen im Sperma nachgewiesenen Anaerobiern [s36]. Die beiden Humanbefunde sind weder in der Population noch in der Fragestellung vergleichbar und widersprechen sich nicht im strengen Sinn.
Tetrazykline. Doxycyclin war in mehreren Beobachtungsstudien mit besseren Samenwerten nach Beseitigung einer Ureaplasma-Infektion verbunden [s38, s117, s153] (zur Eradikationsrate [s129]); Antibiotika in Kombination mit Doxycyclin senkten den DNA-Fragmentierungsindex [s22]; für niedrige Leukozytospermie war Doxycyclin mit höherer Schwangerschaftsrate bei unveränderten Samenwerten verbunden [s192]. Dagegen steht die Serie mit anhaltender Störung unter Doxycyclin bei Männern ohne Genitalinfektion als Behandlungsgrund [s229], die Assoziation von Doxycyclin im Urin mit niedrigerer Beweglichkeit und Konzentration in Hefei [s43] und die positive Assoziation von Tetracyclin im Urin mit Beweglichkeit in Nigeria [s41]. Tetracyclin hatte in der alten Serie von Junda und Kuschniruk keinen signifikanten Effekt auf die Spermienzahl [s286]. Mit den vorliegenden Daten lässt sich nicht entscheiden, ob Doxycyclin die Spermien schädigt oder bei Infektion hilft; beide Aussagen gelten für unterschiedliche Populationen und stützen sich auf Designs, die keine Kausalität zeigen.
Fluorchinolone und Makrolide. Meist Therapiestudien bei Infektion oder Leukozytospermie mit gemischten Befunden: Besserung der Beweglichkeit und Morphologie unter Levofloxacin (unkontrollierte Serie) [s170], Besserung bei Ansprechen in einer Serie von 110 Männern [s163], keine Besserung von Samenparametern bei Leukozytospermie in einer prospektiven Vergleichsstudie [s202]. Fluorchinolone zeigen in großen chinesischen Datensätzen hohe Resistenz gegen Ureaplasma [s156, s164, s215, s118]; Azithromycin versagte bei Mycoplasma genitalium häufig [s114] und bei Ureaplasma in 50 Prozent [s129]. Erythromycin und Doxycyclin im Urin gingen in Hefei mit schlechteren Samenwerten einher [s43].
Antimykotika. Die einzige Humanbeobachtung ist die Einzelfalluntersuchung zu Griseofulvin und Spermienchromosomen [s214]; zu Ketoconazol und Fluconazol gibt es in den Beobachtungsstudien nichts.
Antimalariamittel. Es gibt keine Beobachtungsstudie mit Spermienparametern unter Antimalariamitteln außer der kleinen COVID-19-Auswertung, in der Hydroxychloroquin zusammen mit Favipiravir ohne erkennbare Wirkung blieb [s102]; die dänische Registerstudie betrifft Geburtsausgänge [s116].
Antiretrovirale Mittel. Efavirenz war in zwei Kohorten mit Dysmotilität verbunden [s165, s152]; unter Dolutegravir-basierter Therapie stieg die Beweglichkeit bei 11 Männern, die DNA-Fragmentierung ebenfalls [s84].
Sulfasalazin. Eine kleine Beobachtungsstudie zur Spermienkopfgröße [s280] ergänzt die Metaanalysen.
8.2 Methodische Grenzen, die für alle Beobachtungsstudien gelten
Erstens fehlt in fast allen Behandlungsstudien eine unbehandelte Vergleichsgruppe; wo sie vorhanden ist, handelt es sich um historische Kontrollen [s192] oder um Gruppen nach Therapieerfolg [s250, s241, s163]. Zweitens beruhen viele Besserungen auf Vorher-Nachher-Vergleichen bei Männern mit extremen Ausgangswerten, bei denen eine Wiederholungsmessung auch ohne Behandlung im Mittel besser ausfällt (Regression zur Mitte); Beispiele sind die Auswahl hoher DNA-Schädigung über 30 Prozent [s199] und die Beschränkung der Auswertung auf Männer mit Eradikation [s38, s117]. Drittens sind Antibiotikum, Dosis, Dauer und Erreger häufig nicht oder nur im Abstract-Ausschnitt genannt; Kombinationstherapien (Antibiotikum mit Entzündungshemmer [s22], Dreifachtherapie [s172], Antibiotika mit Probiotika, Kortikosteroiden und Antioxidantien in der Kohorte von Grande [s29]) lassen eine Zuordnung zum Antibiotikum nicht zu. Viertens sind die Fallzahlen in den Studien mit Behandlungsarm oft sehr klein (7 behandelte Männer [s133], 13 bis 14 Männer [s199, s282], 22 [s172], 11 [s84]). Fünftens enthalten die meisten Abstracts keine Konfidenzintervalle und häufig keine p-Werte; Konfidenzintervalle stehen nur bei Hamada [s192], bei Li [s114] und bei El-Garem [s172]. Sechstens stammen Befunde zu Resistenz und Erregerspektrum überwiegend aus Laborkollektiven und lassen sich nicht auf andere Regionen übertragen, wie die gegensätzliche Rangfolge von Tetrazyklinen, Josamycin und Erythromycin in Changsha, Nanjing und Tai'an zeigt [s156, s164, s118]. Siebtens fehlen Daten zu Dosis-Wirkungs-Beziehungen beim Menschen vollständig.
8.3 Gesamtbild
Die Beobachtungsstudien am Menschen zeigen: (a) Infektionen und Entzündungen des männlichen Genitaltrakts gehen in vielen, überwiegend großen Datensätzen mit schlechteren Samenparametern einher, wobei Zusammenhang und Richtung offen sind [s06, s156, s94, s95, s139, s188, s198, s117]; (b) nach antibiotischer Beseitigung von Erregern berichten viele, überwiegend kleine und unkontrollierte Studien bessere Beweglichkeit, Konzentration oder geringere DNA-Fragmentierung [s38, s117, s133, s207, s17, s22, s199, s241, s170], einzelne Studien finden keine Besserung der Samenwerte [s202, s192, s147]; (c) ein Schwangerschaftsvorteil wird in wenigen Beobachtungsstudien berichtet [s192, s250, s207], in einer Studie ist von möglichem Schaden die Rede [s249]; (d) ein Schaden durch ein Antibiotikum selbst ist beim Menschen nur in drei Quellengruppen angedeutet: in der russischen Serie [s229, s286], in den Urinbiomonitoring-Studien [s43, s41] und, für eine Antiinfektiva-Gruppe außerhalb der klassischen Antibiotika, in den Efavirenz-Kohorten [s165, s152]; alle drei Gruppen sind querschnittlich oder ohne Kontrolle; (e) für Antimykotika und Antimalariamittel gibt es beim Menschen praktisch keine Beobachtungsdaten zu Spermien [s214, s102]; (f) für Nitrofurantoin und Metronidazol gibt es nur die beiden russischen Beobachtungen und die Trichomonaden-Studie [s229, s286, s269].
Dieses Bild ist kein Beleg für eine Unbedenklichkeit und kein Beleg für Schädlichkeit. Es zeigt, dass die Beobachtungsliteratur die Fragen, die die Gesamtstudie stellt, mit den abgerufenen Mitteln nicht beantworten kann. Die Befundlage beruht überwiegend auf Abstracts; der Volltext wurde nur in Einzelfällen gelesen. Zahlenangaben, die in den Abstracts fehlerhaft oder unplausibel erscheinen, wurden benannt und nicht ausgewertet (Branigan [s250], Li [s114], Okonofua [s41], Pochernikow 2021 [s109]).