Dosis und Dauer beim Menschen
Beim Menschen gibt es im Material keine Studie, die verschiedene Dosen desselben Antiinfektivums auf Spermienparameter verglichen hätte. Verglichen wurden nur Behandlungsdauern, und zwar mit dem Ergebnis, dass die Dauer keinen Unterschied machte: In der Studie von Zhang betrug die Heilungsrate der Ureaplasma-Infektion unter Doxycyclin 84,62 Prozent im 7-Tage- und 89,66 Prozent im 14-Tage-Schema (p = 0,738) [s117]; in der Minocyclin-Studie gab es zwischen einer und zwei Wochen keinen signifikanten Unterschied bei den Spermienwerten [s258]. Die Schemata, die in den Humanstudien verwendet wurden, unterscheiden sich stark in Wirkstoff, Dosis und Dauer, und die Ergebnisse lassen sich nicht auf einer Dosisachse ordnen.
| Studie | Wirkstoff und Schema | Population | Befund zur Spermienqualität |
|---|---|---|---|
| Krisp 2003 [s225] | Levofloxacin 250 mg täglich, 10 Tage | 36 Männer, asymptomatische Leukozytospermie | kein signifikanter Unterschied zur Nichtbehandlung nach 2 Wochen |
| Merino 1995 [s253] | Trimethoprim-Sulfamethoxazol 160/800 mg oder Ciprofloxacin 250 mg, je zweimal täglich | 60 Männer, positive Samenkultur | kein Unterschied zu Placebo |
| Erel 1997 [s246] | Doxycyclin 100 mg zweimal täglich, 10 Tage, ± Ceftriaxon 1 g | 70 Männer, asymptomatische Leukozytospermie | Leukozyten sanken (p < 0,05), Leukozytospermie blieb; keine Spermienzahlen im Abstract |
| Yamamoto 1995 [s254] | Trimethoprim 80 mg + Sulfamethoxazol 400 mg zweimal täglich, 1 Monat | 48 Männer, Leukozytospermie und Prostatitis | Auflösung der Leukozytospermie 56 Prozent gegen 6,7 Prozent ohne Behandlung |
| Malallah 1992 [s258] | Minocyclin 200 mg täglich, 1 oder 2 Wochen | 25 Männer, Eiterzellen im Samen | Zunahme von Spermienzahl und beweglichen Spermien (p < 0,01), kein Dauerunterschied |
| Vinogradov 2015 [s170] | Levofloxacin 750 mg täglich, 15 Tage | 34 Männer, Asthenoteratozoospermie, Leukospermie | Beweglichkeit 14,1 auf 21,1 Prozent, normale Morphologie 6,2 auf 7,7 Prozent |
| Vicari 2016 [s163] | Levofloxacin 500 mg täglich, 14 Tage je Monat über 3 Monate | 110 Männer, chronische bakterielle Prostatitis | bei Eradikation bessere Motilität, bei Nicht-Respondern Verschlechterung |
| Adel Domínguez 2025 [s22] | Ciprofloxacin 1000 mg täglich 21 Tage + Doxycyclin 100 mg 10 Tage + Meloxicam | 98 Männer | Spermienzahl, Konzentration, Morphologie besser; Fragmentierung 28,24 auf 16,2 Prozent |
| Lindhof 2025 [s38] | Doxycyclin (Schema im Abstract nicht genannt) | 124 Männer mit Ureaplasma-parvum-Eradikation | Konzentration 4,01 auf 9,20 Mio./ml, Motilität 18,97 auf 29,66 Prozent |
| Lisakovskaya 2003 [s229] | 20 Antibiotika, mittlere Dosen, 10 bis 30 Tage | 243 Männer, nicht schwere Infekte | gruppierte Störungen je Wirkstoff, Zahlen je Wirkstoff nicht berichtet |
| Gopalkrishnan 1990 [s269] | Metronidazol 400 mg dreimal täglich, 10 Tage | 25 Männer mit Trichomonas im Samen | Samenwerte besser, ohne Kontrolle |
| Roth 2013 [s182] | Ketoconazol 400 oder 800 mg täglich, 7 Tage (nach LH-Unterdrückung) | je 8 gesunde Männer | intratestikuläres Testosteron 3,7 und 1,7 ng/ml gegen 14 ng/ml unter Placebo |
Das Muster dosisabhängiger Wirkung ist nur für Ketoconazol beim Menschen angedeutet: 400 mg senkten das intratestikuläre Testosteron auf 3,7 ng/ml, 800 mg auf 1,7 ng/ml, bei acht Männern je Gruppe und mit weit überlappenden Interquartilbereichen (2,5 bis 7,1 und 0,8 bis 4,0 ng/ml) [s182]. Für eine Dosiskurve reicht das nicht.
Dosis und Dauer im Tierversuch
Im Tierversuch gibt es zahlreiche Dosisreihen. Sie zeigen meist eine dosisabhängige Zunahme von Schäden, aber auf einem Dosisniveau, das je nach Studie ein Mehrfaches der Humandosis ausmacht. Die Abstracts rechnen nur selten auf Humanäquivalente um; wo Autoren eine Dosis als „therapeutisch“ bezeichnen, ist das eine Autorenangabe. Das Kapitel rechnet nicht selbst um, weil dafür Körperoberfläche, Pharmakokinetik und Tierstamm erforderlich wären, die in den Quellen fehlen.
| Wirkstoff | Modell | Dosen und Dauer | Befund, Abhängigkeit von Dosis oder Dauer | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Sulfasalazin | Ratte | 300, 450, 600 mg/kg täglich, 5 Wochen | Fertilität 60,9, 35,5, 26,8 Prozent der Kontrolle | [s279] |
| Sulfasalazin | Ratte | 150, 300, 600 mg/kg, 14 Tage | Hodenhistologie am empfindlichsten; Fertilität nur bei 600 mg/kg leicht vermindert; Veränderungen der Spermienfreisetzung bei allen Dosen | [s252] |
| Sulfasalazin | Ratte | 150, 300, 600 mg/kg, 60 Tage | schwere Hodenveränderungen; Testosteron bei hohen Dosen verringert | [s141] |
| Metronidazol | Maus | 250 und 500 mg/kg, 28 Tage | 250 mg/kg ohne Wirkung; 500 mg/kg Organgewichte, Beweglichkeit, Vitalität, Zahl, Fertilität gemindert | [s179] |
| Metronidazol | Ratte | 15, 30, 200, 400 mg/kg, 8 Wochen | 15 mg/kg ohne signifikante negative Wirkung; bei 200 und 400 mg/kg weniger Testosteron und FSH | [s189, s190] |
| Metronidazol | Maus | 500 mg/kg, 14 Tage (etwa das Dreifache der Maus-Therapiedosis laut Autoren) | Organgewichte, Beweglichkeit, Testosteron, Fertilität gemindert | [s222] |
| Ornidazol | Ratte | 400 und 800 mg/kg, 20 Tage | Beweglichkeit 40,25 und 27,58 gegen 74,12 Prozent; Spermienzahl bei 800 mg/kg 18,67 gegen 38,59 × 10^5/100 mg | [s145] |
| Gentamicin | Ratte | 0, 60, 80, 100 mg/kg, 10 Tage | dosisabhängig Hodengewicht, Spermienzahl, Beweglichkeit, Testosteron gesenkt | [s135] |
| Gentamicin | Ratte | 3 und 5 mg/kg, 10 Tage | 5 mg/kg senkte Hodengewicht und Tagesproduktion; Anteil abnormaler Spermien stieg dosisabhängig | [s211] |
| Ofloxacin | Ratte | 36, 72, 360 mg/kg/Tag, 15 Tage | Tagesproduktion minus 26,1 Prozent (72 mg/kg) und minus 40,0 Prozent (360 mg/kg) | [s236] |
| Ofloxacin | Ratte | 72 und 216 mg/kg, 14 oder 28 Tage | Schäden nahmen mit Dauer und Dosis zu | [s194] |
| Ciprofloxacin | Maus (adoleszent) | 1 bis 75 mg/kg, 30 Tage | bereits 1 mg/kg senkte Testosteron; Spermienzahl sank mit steigender Dosis | [s32] |
| Gatifloxacin | Maus | 25, 50, 100 mg/kg, 7 Tage | dosisabhängige Spermatogenesestörung in der Histologie; Genexpression bei 50 mg/kg verändert, Gewicht und Testosteron nicht | [s103] |
| Amoxicillin | Maus (Trächtigkeit) | 75, 150, 300 mg/kg täglich | stärkster Schaden bei später Trächtigkeit und hoher Dosis; Einzel- und Mehrfachkurs gleich | [s76] |
| Azithromycin | Maus (Trächtigkeit) | 50, 100, 200 mg/kg täglich | stärker bei mittlerer Trächtigkeit, hoher Dosis, Einzelkurs | [s60] |
| Olaquindox | Maus | 5 und 60 mg/kg, 45 Tage | 60 mg/kg Spermienzahl, Beweglichkeit, Vitalität gesenkt; beide Dosen oxidativ geschädigt | [s88] |
| Ketoconazol | Maus | 30, 50, 70 mg/kg täglich s.c., 3 Wochen | dosisabhängiger Rückgang von Hodenenzymen, weniger Keimzellen | [s104] |
| Ketoconazol | Ratte | 100 und 300 mg/kg einmalig | 300 mg/kg reversible Immobilisierung der Nebenhodenspermien; 100 mg/kg nur Testosteronabfall | [s261] |
| Ethambutol | Maus | 40, 80, 160 mg/kg alle 2 Tage, 4 Wochen | dosisabhängig weniger Hodengewicht, Zahl, Beweglichkeit; mehr Kopfanomalien | [s161] |
| Aciclovir | Maus | 4 bis 48 mg/kg, 15 Tage | Oligospermie Tag 7 bis 35; Beweglichkeit gehemmt | [s210, s197] |
| Aciclovir | Ratte | 4, 16, 48 mg/kg, 15 Tage | Beweglichkeit und Vitalität bei 16 und 48 mg/kg vermindert; Chromatinanomalien bei allen Dosen | [s181] |
| Amodiaquin | Ratte | 5, 10, 15 mg/kg, 2 Wochen | dosisabhängige Störung der Spermatogenese; erholte sich | [s159] |
| Artesunat | Ratte | 2,9 mg/kg, 5 Tage oder 6 Wochen | Kurzzeit ohne Wirkung; Langzeit mit Schäden | [s193] |
| Artemisinin | Ratte | 7 und 35 mg/kg, 7 Tage | therapeutische Dosis ohne Antioxidanzieneffekt; Überdosis mit Nebenhodendegeneration | [s173] |
| Artesunat/Amodiaquin | Meerschweinchen | subklinische bis klinische Dosen | Effekte bei subklinischen Dosen am stärksten, in Kombination synergistisch (Spermienzahl minus 54, 28, 84 Prozent) | [s200] |
| Nitrofurantoin | Ratte, Maus | Futterstudien, 13 Wochen | Keimepitheldegeneration ab 2500 ppm (Ratte), 1300 ppm (Maus) | [s272] |
| Nitrofurantoin | Ratte | 12 bis 116 mg/kg täglich | vermehrte Hodendegeneration nur bei hoher Dosis (Männchen 81 mg/kg) | [s267] |
| Cefpirom, Cefotetan | junge Ratte | 200 bis 1000 mg/kg subkutan, Tag 6 bis 40 | Cefpirom ohne Befund; Cefotetan 1000 mg/kg mit Atrophie | [s266] |
| Moxalactam | junge Ratte | 100 bis 1000 mg/kg | Atrophie und Fertilitätsdefizite bei allen Dosen | [s275] |
| Levofloxacin | Ratte, Kaninchen | oral bis 360 mg/kg (Ratte) | keine Fertilitätsstörung; Herstellerstudie | [s262] |
Die Tabelle zeigt drei Dinge. Erstens gibt es echte Dosisabhängigkeiten (Sulfasalazin, Gentamicin, Ofloxacin, Ethambutol, Amodiaquin, Ketoconazol, Metronidazol in den Modellen mit Schwellenwert). Zweitens sind die Schwellen sehr verschieden: Metronidazol ohne Wirkung bei 250 mg/kg und mit Wirkung bei 500 mg/kg im selben Modell [s179] gegenüber Gentamicin mit Effekten bereits bei 3 und 5 mg/kg [s211] und Ciprofloxacin mit Testosteronabfall bei 1 mg/kg [s32]. Drittens sind nicht alle Kurven einfach: Bei Artesunat und Amodiaquin waren die Effekte bei subklinischen Dosen am stärksten [s200], und bei Sulfasalazin war die Histologie bei allen Dosen verändert, die Fertilität aber nur bei der höchsten leicht vermindert [s252].
Dauer. Bei mehreren Wirkstoffen hängt der Schaden von der Dauer ab. Artesunat wirkte bei 5 Tagen nicht, bei 6 Wochen schon [s193]; Ofloxacin verschlechterte die Befunde mit der Dauer von 14 auf 28 Tage [s194]; Sulfasalazin verminderte die Beweglichkeit erst ab Tag 7, während sich die Expression der Nebenhodenproteine schon an Tag 1 änderte [s213]; Chloroquin senkte bei Ratten die Testosteronsekretion progressiv über bis zu drei Monate [s248]. Für Amoxicillin in der Trächtigkeit machte der Mehrfachkurs gegenüber dem Einzelkurs keinen Unterschied [s76], für Azithromycin war der Einzelkurs stärker wirksam [s60].
Konzentrationen im Samen und in vitro eingesetzte Konzentrationen
In vitro beobachtete Wirkungen sind für den Menschen nur bedeutsam, wenn die Konzentration im Samen in der Nähe liegt. Die folgende Gegenüberstellung nennt gemessene Samenkonzentrationen (in vivo) und die in Versuchen eingesetzten Konzentrationen. Der Vergleich ist grob, weil Wirkstoffe, Messmethoden und Zeitpunkte verschieden sind.
| Wirkstoff | Gemessen im Samen (in vivo) | In vitro eingesetzt | Quelle |
|---|---|---|---|
| Levofloxacin | 1,19 µg/ml (Tag 7) und 1,32 µg/ml (Tag 13) bei Gesunden unter 100 mg dreimal täglich; 0,33 bis 8,30 mg/l bei 5 Patienten | nicht geprüft | [s260, s151] |
| Ciprofloxacin | 1,625 mg/l bei einem Patienten | Fragmentierung erhöht bei der im Samen vermuteten Konzentration und beim 100-Fachen (Zahlen im Abstract nicht genannt) | [s151, s98] |
| Doxycyclin | 1,05 mg/l bei einem Patienten; mittlere 0,89 µg/ml (Zweitangabe) | Fragmentierung bei hoher Konzentration erhöht; Hyperaktivierung bei physiologischer Konzentration vermindert; in [s171] als zu hoch kritisiert (mindestens 2,6 µg/ml) | [s151, s171, s98, s247] |
| Ampicillin | 2,67 mg/l bei einem Patienten | Fragmentierung nicht erhöht | [s151, s98] |
| Metronidazol | 7,0 µg/ml im Samenplasma | bis 10 mg/ml wenig Einfluss | [s281, s231] |
| Ketoconazol | 150 ng/g im Samenplasma (7 Männer) | eine 50-fach höhere Konzentration störte die Beweglichkeit nicht | [s277] |
| Tetracyclin | nicht gemessen | Hemmung der schnellen Beweglichkeit ab 2,5 µg/ml; Stillstand bei 50 µg/ml | [s243] |
| Erythromycin | nicht gemessen | Wirkung erst über 100 µg/ml | [s243] |
| Co-trimoxazol | nicht gemessen | minus 34 Prozent Bewegung bei 500 µg/ml | [s243] |
| Miconazol, Clotrimazol | nicht gemessen | Absterben aller Zellen bei 0,5 mM beziehungsweise 1,0 mM | [s218] |
| Ketoconazol (Ratte) | Seminalplasma 13,5 µg/ml nach 300 mg/kg; Rete-testis-Flüssigkeit 0,47 µg/ml | Immobilisierung der Nebenhodenspermien bei hoher Konzentration | [s261] |
Für Doxycyclin und Ciprofloxacin liegen die in vivo gemessenen Konzentrationen (je ein Patient) bei 1,05 und 1,625 mg/l, und die In-vitro-Versuche zur Fragmentierung benutzen die vermutete Konzentration und das Hundertfache [s98, s151]. Die Autoren der In-vitro-Studie weisen selbst darauf hin, dass die Aussage für ex vivo behandelte Spermien gilt (etwa in Verdünnern), nicht für die Einnahme [s98]. Der Hemmbefund für Tetracyclin bei 2,5 µg/ml [s243] liegt in einer ähnlichen Größenordnung wie die im Samen unter Doxycyclin gemessene Konzentration; da Tetracyclin und Doxycyclin verschiedene Wirkstoffe sind und die Samenkonzentration von Tetracyclin im Material fehlt, lässt sich daraus keine Aussage über die Einnahme ableiten.
Subgruppen
Subgruppenbefunde sind im Material die schwächste Evidenz: Sie stammen aus einzelnen Studien, meist ohne Interaktionstest. Die folgende Tabelle ordnet sie nach dem Merkmal, nach dem getrennt wurde.
| Merkmal | Befund | Quelle | Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Alter des Mannes | Der negative Zusammenhang von Erythromycin und Doxycyclin im Urin mit der Spermienkonzentration war bei jüngeren Männern stärker | [s43] | Querschnitt, Quelle der Antibiotika unklar |
| Alter des Mannes | Das Infertilitätsrisiko folgte einer U-Kurve mit dem niedrigsten Risiko bei 25 bis 29 Jahren; nicht auf Antibiotika bezogen | [s06] | Kontext, keine Antibiotikaauswertung |
| Ausgangswerte | Bei Männern mit normalen Ausgangswerten änderte sich unter Doxycyclin nichts; Besserung nur bei schlechten Werten | [s38] | Regression zur Mitte möglich |
| Erfolg der Eradikation | Bei Eradikation besserten sich Motilität, Leukozyten, Sauerstoffspezies; bei schlechtem Ansprechen verschlechterten sich alle Größen | [s163] | Gruppen nach Erfolg gebildet |
| Ort der Infektion | Heilungsrate Prostatitis 92,5 Prozent, Prostatovesikulitis 70,4 Prozent, Prostatovesikuloepididymitis 52,0 Prozent; bei Nebenhodenbeteiligung keine Besserung der Spermienparameter | [s239] | keine Randomisierung |
| Erreger und Resistenz | Resistente Ureaplasma-Stämme gingen häufiger mit Asthenozoospermie, Teratozoospermie, hoher DNA-Fragmentierung (10,03 Prozent bei Polyresistenz gegen 5,92 Prozent) und verminderter Akrosinaktivität (40,46 Prozent bei Polyresistenz) einher | [s108] | Querschnitt |
| Erreger und Wirkstoff | Eradikation von Ureaplasma/Mycoplasma hominis: Azithromycin misslang in 50 Prozent, Doxycyclin in 10,2 Prozent | [s129] | kleine Gruppe (33 positive Männer) |
| Erreger und Wirkstoff | Chlamydien: Azithromycin-Einzeldosis gegen Doxycyclin 7 Tage mikrobiologisches Versagen Risikoverhältnis 2,45 (1,36 bis 4,41) | [s128] | Zielgröße nicht Spermien |
| Erkrankungsstatus | Bei gesunden Ratten verursachte Ciprofloxacin leichte Schäden, bei infizierten Hoden stärkere | [s212] | Tiermodell |
| Erkrankungsstatus | Hodenwirkung von Albendazol ist von der Infektion nicht trennbar | [s04] | keine Kontrolle an nicht infizierten Tieren |
| Fertile gegenüber infertilen Männern | Tetracyclin im Urin war nur bei infertilen Männern mit erhöhter Motilität assoziiert | [s41] | Querschnitt |
| Entwicklungsphase | Pränatal, pubertär und früh postnatal waren Hodenschäden bei Maus und Ratte nachweisbar (Amoxicillin, Azithromycin, Tetracyclin, Doxycyclin, Ciprofloxacin, Cefotetan, Moxalactam) | [s76, s60, s176, s126, s32, s266, s275] | beim Menschen nicht geprüft |
| Innerhalb einer Klasse | Streptomycin schädigte Spermienparameter weniger als Gentamicin und Neomycin; Cefpirom und Cefonicid ohne Befund, Cefotetan und Moxalactam mit Befund; Ivermectin deutlich, Doramectin nicht | [s209, s166, s266, s275, s110] | Tiermodelle |
| Regime bei HIV | Efavirenz-haltige Regime gegenüber anderen: Median schneller Spermien 5 gegen 20 Prozent | [s165, s152] | Kausalität nicht bewiesen |
| Rauchen | Doxycyclin bei Rauchern mit steriler Leukozytospermie gegen Rauchstopp allein: höhere Beweglichkeit nach 2 Wochen, bis 12 Wochen anhaltend | [s153] | weder Randomisierung noch Verblindung angegeben |
| Partnerin | Gramnegative Stäbchen in der Scheide häufiger bei Partnern behandelter Männer (29 gegen 10 Prozent) | [s249] | Beobachtung vor IVF |
Zwei Befunde fallen auf. Erstens ändert sich die Richtung eines Antibiotikaeffekts mit dem Ausgangszustand: Bei Infektion bessern sich Spermienwerte nach erfolgreicher Eradikation, bei gesundem Gewebe oder normalen Werten ändert sich nichts [s38], und in Tiermodellen verstärkt das Antibiotikum bei bestehender Infektion den Schaden [s212]. Zweitens beschreiben mehrere unabhängige Tierstudien Schäden nach Exposition in frühen Lebensphasen; ein Vergleich mit erwachsenen Tieren bei gleicher Dosis ist im Material nicht enthalten, sodass eine höhere Empfindlichkeit dieser Phase nicht belegt ist. Beim Menschen ist sie nicht untersucht.
Reversibilität
Die Frage, ob eine Wirkung nach Absetzen verschwindet, ist wegen des Spermatogenesezyklus nur mit langer Nachbeobachtung zu beantworten. Die russische Studie untersuchte 3 Monate nach Therapieende „unter Berücksichtigung des Spermatogenesezyklus“ nach [s229]; die meisten anderen Humanstudien beobachteten Wochen. Die folgende Tabelle ordnet die Befunde.
| Wirkstoff | Modell | Beobachtung zur Rückbildung | Quelle |
|---|---|---|---|
| Amoxicillin, Azithromycin, Ampicillin, Cefazolin, weitere (Gruppe 2) | Mensch, 243 Männer | Störung am Kurende, nach 3 Monaten wieder Ausgangsniveau | [s229] |
| Metronidazol, Gentamicin, Doxycyclin, Nitrofurantoin, Rifampicin, Ceftriaxon, weitere (Gruppe 3) | Mensch, 243 Männer | Störung am Kurende und nach 3 Monaten noch vorhanden | [s229] |
| Niridazol | Mensch, 20 Männer (Zweitangabe) | reversibler Spermatogenesestillstand | [s150] |
| Sulfasalazin | Mensch, 8 Männer | nach Absetzen Kopfgröße zunächst weiter erhöht, dann sinkend, ohne den normozoospermen Wert zu erreichen | [s280] |
| Sulfasalazin | Ratte | nach 3 Wochen ohne Medikament Fertilität wieder normal | [s279] |
| Miconazol (i.v. 200 mg) | Mensch | Serumtestosteron auf rund 16 Prozent, nach 5 Stunden Ausgangswert | [s271] |
| Hydroxychloroquin, Favipiravir | Mensch, 29 Männer | 4,5 Monate nach Genesung alle Parameter vergleichbar mit vorher | [s102] |
| Metronidazol | Maus | 500 mg/kg: 42 Tage nach Absetzen alles wieder normal | [s179] |
| Metronidazol | Maus | Gewicht der Adnexorgane erholte sich, Hoden und Nebenhoden nicht bis 2 Monate | [s222] |
| Metronidazol | Ratte | laut Autoren nach 8 Wochen Pause umkehrbar | [s189] |
| Fluconazol | Kaninchen | Werte kehrten erst im zweiten Monat nach Absetzen zur Norm zurück | [s230] |
| Ketoconazol | Ratte | Immobilisierung der Nebenhodenspermien reversibel; Testosteron erholte sich | [s261] |
| Aciclovir | Maus | bis Tag 70 reversibel, außer Spermienzahl (bei 48 mg/kg) und LDH | [s210, s197] |
| Amodiaquin | Ratte | Schaden erholte sich im Verlauf (PLZF-positive Spermatogonien überlebten) | [s159] |
| Artesunat, Dapson, Artesunat-Kombinationen | Ratte, Meerschweinchen | Erholungsgruppen normalisiert | [s193, s121, s137] |
| Chloroquin | Ratte | nach einem Monat ohne Medikament nicht normalisiert | [s248] |
| Tetracyclin, Doxycyclin (Pubertät) | Maus | Effekte noch nach 70 Tagen messbar; Autoren sehen langanhaltende Wirkungen | [s176] |
| Doxycyclin, Nitrofurantoin, Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Ofloxacin | Ratte (Hodenaspirat) | an Tag 11 und an Tag 56 weiterhin signifikant verändert | [s251] |
| Oxytetracyclin | Hahn | nach 6 Tagen Abnahme, an Tag 9 fast wie vor der Behandlung | [s78] |
| Antibiotika (Tetrazykline, Makrolide, Fluorchinolone), Furacilin | Maus | Störungen der synaptonemalen Komplexe nahmen an Tag 10 und 36 ab | [s234, s178] |
| Mebendazol | Maus | Blut-Hoden-Schranke vorübergehend zerstört | [s91] |
| Sulfasalazin (Trächtigkeit) | Ratte | im Erwachsenenalter keine Beeinträchtigungen der Spermienparameter | [s71] |
| Ivermectin | Ratte | Nachkommen mit veränderter Entwicklung trotz erhaltener Reproduktionsleistung | [s62] |
Aus der Tabelle lassen sich vier Aussagen ableiten. Erstens sind Schäden in Tiermodellen häufig reversibel, wenn die Nachbeobachtung lang genug ist (Wochen bis wenige Monate; die Dauer entspricht grob einem Spermatogenesezyklus des jeweiligen Tieres). Zweitens gibt es Ausnahmen: Chloroquin [s248], Tetrazykline in der Pubertät [s176] und bei Aciclovir und Metronidazol einzelne Parameter [s210, s222]. Drittens liegt die einzige größere Humanbeobachtung zur Rückbildung bei einem Vergleich nach drei Monaten [s229], mit Vorbehalten (keine Kontrollgruppe, keine p-Werte, Störfaktoren). Viertens fehlen zu den Aussagen „nach Absetzen normalisiert sich das Ejakulat meist“ [s119] belastbare Humandaten; die russischen Autoren benennen das als Datenlücke.
Was dieses Kapitel nicht beantworten kann
Das Material enthält keine Studie, die bei gesunden Männern die Spermienqualität unter einer üblichen Antibiotika-, Antimykotika- oder Antimalariatherapie gegen eine unbehandelte oder placebobehandelte Gruppe über einen vollständigen Spermatogenesezyklus misst; die größte Beobachtung zu gesunden Männern ist die russische Serie ohne Kontrollgruppe [s229]. Es enthält keine Studie, die für Nitrofurantoin, Metronidazol oder Tetrazykline eine Humandosis-Wirkungs-Beziehung für Spermienparameter ermittelt. Es enthält keine Metaanalyse zu Antibiotika bei männlicher Subfertilität. Für Antimalariamittel und Antimykotika (außer Ketoconazol) fehlen Humandaten zu Spermienparametern fast vollständig [s102, s182]. Die Tierversuche zeigen in vielen Fällen Wirkungen, deren Übertragung auf die menschliche Therapie ungeprüft ist; sie sind als Hinweis auf mögliche Wirkwege, nicht als Beleg für Wirkungen bei üblichen Dosen zu lesen. Das Kapitel gibt keine Therapieempfehlung; die Leitlinien- und Übersichtsaussagen sind als Aussagen der jeweiligen Autoren wiedergegeben.
Anhang: Originaltitel der russisch-, türkisch- und japanischsprachigen Arbeiten
Die Titel stehen im Original, die deutsche Übersetzung in Klammern. Die französisch-, italienisch- und spanischsprachigen Arbeiten sind im Abstract in der englischen Titelfassung der Datenbank geführt; Originaltitel in der Landessprache wurden nicht abgerufen. Die chinesischsprachigen Arbeiten liegen ebenfalls nur mit englischer Titelfassung vor.
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- [s155] Фаниев М.В., Шевченко Н.П., Кадыров З.А. (2017): Современные стратегии ведения инфертильных мужчин с хроническим бактериальным простатитом на этапе прегравидарной подготовки в протоколе вспомогательных репродуктивных технологий (Moderne Strategien der Betreuung infertiler Männer mit chronischer bakterieller Prostatitis in der präkonzeptionellen Vorbereitung im Protokoll der assistierten Reproduktion)
- [s183] Онопко В.Ф., Чемезов А.П., Аргунов А.В. (2013): Влияние неспецифических воспалительных процессов урогенитального тракта у мужчин на их фертильность (Der Einfluss unspezifischer Entzündungsprozesse des Urogenitaltrakts bei Männern auf ihre Fertilität)
- [s202] Yaşar A., Parlaktaş B.S., Erdemir F., Fırat F., Atılgan D. (2009): Lökositospermi tedavisinin semen parametreleri ve gebelik üzerine olan etkisi (Die Wirkung der Leukozytospermie-Behandlung auf Samenparameter und Schwangerschaft)
- [s237] Baran A., Ayyıldız G., Ak K., Tan H., Bakırel U. (2000): Köpeklerde oral antimikotiklerin serum testosteron seviyeleri, spermatogenezis ve diğer spermatolojik özelliklere etkileri (Wirkungen oraler Antimykotika bei Hunden auf Serumtestosteron, Spermatogenese und weitere spermatologische Merkmale)
- [s240] 徳田 倫章, 熊澤 淨一, 内藤 誠二, 松本 哲朗, 小松 潔 (1999): 男性不妊症におけるクラミジア感染症 血清抗クラミジア抗体検査の有用性 (Chlamydieninfektion bei männlicher Unfruchtbarkeit: Nutzen der Bestimmung von Chlamydien-Antikörpern im Serum)