Wie dieses Kapitel gelesen werden soll
Die Literatur zu Antiinfektiva und Spermienqualität besteht aus mehreren Blöcken, die sich nicht gegenseitig belegen. Wer sie vermischt, kommt zu falschen Schlüssen. Das Kapitel trennt deshalb vier Fragen. Erstens: Verbessert ein Antibiotikum die Spermienqualität, wenn es eine Infektion oder Entzündung der männlichen Geschlechtswege behandelt? Zweitens: Beeinträchtigt ein Antiinfektivum die Spermienbildung oder die Spermienfunktion, wenn es aus anderem Anlass gegeben wird oder in der Umwelt vorkommt? Drittens: Was zeigen Tierversuche und Zellmodelle, und wie weit tragen sie? Viertens: Was sagen Leitlinien und Übersichtsarbeiten dazu?
Alle Zahlen stammen aus den Abstracts der in der Quellenliste geführten Arbeiten oder, bei der EAU-Leitlinie und der AUA/ASRM-Leitlinie, aus dem abgerufenen Webtext. Volltexte wurden im Allgemeinen nicht ausgewertet. Wo ein Abstract keine Zahlen nennt, steht das ausdrücklich da. Eine Therapieempfehlung enthält das Kapitel nicht; Leitlinieninhalte werden wiedergegeben, nicht bewertet. Zitiert wird mit den Kennungen der Gesamtstudie, zum Beispiel [s07].
Vorab die Lage in einem Satz je Block. Beim Menschen gibt es kleine, überwiegend unkontrollierte Behandlungsstudien mit uneinheitlichem Ergebnis, zwei kleine randomisierte Studien mit negativem Ergebnis für Spermienparameter [s225, s253], keine Metaanalyse und keine Cochrane-Übersicht zur Frage, ob Antibiotika bei männlicher Subfertilität die Spermienqualität oder die Schwangerschaftsrate verbessern. Beim Menschen gut belegte Beeinträchtigungen durch ein Arzneimittel dieser Gruppen betreffen nicht klassische Antibiotika, sondern Sulfasalazin und die Androgensynthese-Hemmung durch Ketoconazol. Die große Masse der Schadensbefunde stammt aus Tierversuchen mit hohen Dosen und aus In-vitro-Versuchen.
Leitlinien und Positionspapiere
EAU-Leitlinie zu Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Infertility (Webfassung, abgerufen am 5. Oktober 2026) [s07]. Die Leitlinie ist der inhaltlich konkreteste Text zur Frage. Sie fasst die Evidenz zu Infektionen der Adnexdrüsen in mehreren Aussagen zusammen, jeweils mit Evidenzgrad:
- Infektionen der Adnexdrüsen sind nicht eindeutig mit einer beeinträchtigten natürlichen Konzeption verbunden (Evidenzgrad 3).
- Eine antibiotische Behandlung beseitigt häufig nur die Erreger, ohne Wirkung auf die entzündlichen Veränderungen und ohne Umkehr funktioneller oder anatomischer Defizite (Evidenzgrad 2a).
- Obwohl Antibiotika die Spermienqualität verbessern können, erhöht die Behandlung nicht die Wahrscheinlichkeit einer Konzeption (Evidenzgrad 2a).
- Die Datenlage reicht nicht aus, um zu beurteilen, ob Antibiotika und Antioxidantien bei Leukozytospermie die Fertilität verbessern (Evidenzgrad 3).
Die Leitlinie definiert Leukozytospermie als mehr als 10^6 Leukozyten je ml. Sie sei „not necessarily associated“ mit bakteriellen oder viralen Infektionen und kein verlässlicher Indikator für eine Infektion; es gebe keinen Beleg, dass die Behandlung einer Leukozytospermie allein, ohne nachgewiesene Erreger, die Konzeptionsrate verbessere. Asymptomatische Chlamydien und Mycoplasma hominis im Samen könnten mit eingeschränkter Spermienqualität einhergehen, die sich nach antibiotischer Behandlung erhole; weitere Forschung sei nötig. Nur die antibiotische Therapie der chronisch bakteriellen Prostatitis (NIH-Kategorie II) habe Symptome, Erregerbeseitigung und Entzündungsmarker verbessert. Die als „schwach“ eingestufte Empfehlung der Leitlinie lautet, Adnexdrüseninfektionen zu behandeln, weil dies die Spermienqualität verbessern kann, die Konzeptionswahrscheinlichkeit aber nicht notwendigerweise.
Die Leitlinie zitiert außerdem zwei Metaanalysen. Eine Metaanalyse von Fall-Kontroll-Studien zur Leukozytospermie fand ohne Symptome keine Minderung der Fertilität nach assistierter Reproduktion und keine veränderte Samenqualität. Eine zweite Metaanalyse fand für Ureaplasma urealyticum im Samen einen Zusammenhang mit männlicher Infertilität (Odds Ratio 3,03; 95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 8,99), für Mycoplasma hominis dagegen keinen signifikanten (Odds Ratio 2,8; 0,93 bis 3,64) [s07]. Der Punktschätzer von Mycoplasma hominis liegt nahe bei dem von Ureaplasma; der Unterschied liegt allein in der Breite des Konfidenzintervalls, nicht im Punktwert. Zu Ketoconazol, Nitrofurantoin oder Sulfasalazin enthält der abgerufene Text keine Aussage. Er nennt gonadotoxische Medikamente (anabole Mittel, Chemotherapeutika) in der Anamnese.
AUA/ASRM-Leitlinie (Webtext, Teile I und II) [s105] und Aktualisierung 2024 [s51]. Der abgerufene Volltext enthält keine Aussagen zu Sulfasalazin, Nitrofurantoin, Ketoconazol, Tetrazyklinen, Metronidazol, Antimykotika oder Antimalariamitteln. Er verlangt, bei vermehrten Rundzellen (über 1 Million je ml) Leukozyten (Pyospermie) von Keimzellen zu unterscheiden und bei Pyospermie auf Infektion zu untersuchen (als „Clinical Principle“ eingestuft). Der Text hält fest, dass chronische bakterielle Prostatitis lange Antibiotikakuren erfordern könne, dass einige Fälle erhöhter Leukozyten auf einer nichtbakteriellen chronischen Prostatitis beruhen und dass Entzündung mit Entzündungshemmern behandelt werden könne. Die Aktualisierung 2024 stützt sich nach dem Abstract auf 22 Studien aus 4093 neu gesichteten Abstracts und betrifft Y-Chromosom-Mikrodeletionen, Magnetresonanztomographie und testikuläre Spermien, nicht Antiinfektiva [s51].
WHO-Leitlinie 2025 und ihre Kommentierung [s01, s10], Australien 2025 [s34]. Der Leitlinienvergleich [s01] (WHO 2025 gegen AUA/ASRM, EAU, ESHRE, NICE) und die Übersicht zur WHO-Leitlinie [s10] nennen sexuell übertragbare Infektionen, Antioxidantien und Varikozele als Themen; konkrete Aussagen zu den hier behandelten Wirkstoffgruppen stehen in den Abstracts nicht. Die australische Leitlinie [s34] nennt im Abstract keine Antiinfektiva.
Britische Leitlinie zur Epididymoorchitis (BASHH 2020) [s100]. Als empirische Erstbehandlung der sexuell erworbenen Form nennt die Leitlinie Ceftriaxon 1 g intramuskulär mit Doxycyclin, bei nichtgonokokkenbedingter Form Ofloxacin oder Doxycyclin, bei Mycoplasma genitalium Moxifloxacin. Die Spermienqualität wird im Abstract nicht behandelt. Das ist eine Beschreibung des Leitlinieninhalts, keine Empfehlung dieses Kapitels.
Rheumatologische Leitlinien [s24]. Chin und Mitarbeiter 2025 werteten 18 Leitlinien aus; nur 6 (33 Prozent) enthielten Aussagen zur männlichen Fertilität. Das betrifft vorwiegend Antirheumatika; für die hier behandelten Antiinfektiva ist es nur insofern von Bedeutung, als Hydroxychloroquin und Sulfasalazin darunter fallen können.
Lücke: deutsche Leitlinie. Das AWMF-Leitlinienregister war bei der Recherche nur als leere Rahmenseite abrufbar. Es lässt sich daher weder sagen, dass eine einschlägige deutsche Leitlinie existiert, noch dass keine existiert. Dasselbe gilt für die Leitlinien der ESHRE, von denen nur eine Übersichtsseite ohne Inhalt abgerufen werden konnte, und für Positionspapiere der Società Italiana di Andrologia.
Cochrane-Übersicht und Metaanalysen
Páez-Canro und Mitarbeiter 2019, Cochrane-Übersicht zu Antibiotika bei urogenitaler Chlamydieninfektion [s128]. Die Übersicht umfasst 14 randomisierte Studien mit 2715 Teilnehmenden (2147 Männer, 568 Frauen), die mittlere Nachbeobachtung betrug 29,7 Tage. Zielgröße ist das mikrobiologische Versagen, nicht die Spermienqualität. Ergebnisse bei Männern: Azithromycin als Einzeldosis gegen Doxycyclin über 7 Tage führte häufiger zum mikrobiologischen Versagen (Risikoverhältnis 2,45; 95-%-Konfidenzintervall 1,36 bis 4,41; 9 Studien, 821 Teilnehmer; Qualität der Evidenz moderat). Das klinische Versagen blieb unsicher (0,94; 0,43 bis 2,05; 3 Studien, 525 Teilnehmer; niedrige Qualität), die unerwünschten Wirkungen unterschieden sich bei Männern kaum (0,83; 0,67 bis 1,02; 6 Studien, 1424 Teilnehmer). Bei Frauen war das mikrobiologische Versagen unsicher (1,71; 0,48 bis 6,16; 5 Studien, 338 Teilnehmerinnen). Über beide Geschlechter hatte Azithromycin wahrscheinlich weniger unerwünschte Wirkungen (0,83; 0,71 bis 0,98; 9 Studien, 2261 Teilnehmende). Doxycyclin gegen Ofloxacin bei Männern ergab ein unsicheres mikrobiologisches Versagen (8,53; 0,43 bis 167,38; 2 Studien, 80 Teilnehmer). Die Übersicht misst keine Spermienparameter. Sie ist für dieses Kapitel nur insofern wichtig, als sie zeigt, dass der Erfolg einer Chlamydienbehandlung von der Wirkstoffwahl abhängt, und dass ein Spermienbefund nach Behandlung ohne Kenntnis des mikrobiologischen Erfolgs schwer zu deuten ist.
Eine Metaanalyse, die Antibiotika bei männlicher Subfertilität auf Spermienparameter oder Schwangerschaft prüft, wurde nicht gefunden. Das gilt für die englische ebenso wie für die übrigen durchsuchten Literaturen. Im Cochrane-Register fand die Suche in den NCBI-Schnittstellen nur die Chlamydien-Übersicht und Übersichten zu Antioxidantien, nicht aber eine Übersicht zu Antibiotika bei männlicher Subfertilität.
Banerjee und Mitarbeiter 2019, Metaanalyse zu Sulfasalazin bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen [s123]. Sie umfasst 14 Studien mit 327 Patienten und 110 Tieren aus den Jahren 1964 bis 2015. Mit Sulfasalazin Behandelte hatten niedrigere Spermienzahl, geringere Beweglichkeit und ein höheres Risiko für Oligospermie als mit Mesalazin Behandelte. Biologika erschienen sicher; Azathioprin verursachte Oligospermie, eine metaanalytische Auswertung war wegen Heterogenität nicht möglich. Es ist die einzige Metaanalyse im Themenfeld, die ein Mittel mit einer Sulfonamid-Teilstruktur betrifft.
Gubatan und Mitarbeiter 2023, Metaanalyse zu Biologika, Thiopurinen und Methotrexat [s73]. Zehn Studien zu Samenparametern (268 Patienten) und 16 Studien zu Schwangerschaftsausgängen (über 25.000 Patienten); Biologika, Thiopurine oder Methotrexat waren nicht mit niedrigerer Spermienzahl, Motilität oder abnormer Morphologie verbunden. Die Odds Ratios für frühen Schwangerschaftsverlust, Frühgeburt und Fehlbildungen lagen für Biologika bei 1,26, 1,10 und 1,03; Konfidenzintervalle nennt der Abstract nicht. Sulfasalazin war nicht Gegenstand dieser Metaanalyse.
Wang und Mitarbeiter 2026, Umbrella-Review [s19]. Ausgewertet wurden 43 Übersichten aus Metaanalysen mit 67 Risikofaktoren und 249 Effektgrößen für Samenparameter. Nach GRADE waren 136 (54,6 Prozent) sehr niedrig, 59 (23,7 Prozent) niedrig und 54 (21,7 Prozent) moderat eingestuft. Chronische Prostatitis und Leukozytospermie erhöhten das Risiko abnormer Samenparameter; unter den Arzneimitteln werden Sulfasalazin, Mesalazin und selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer mit verminderter Samenqualität verbunden. Antibiotika, Antimykotika und Antimalariamittel erscheinen im Abstract nicht als eigene Faktoren. Das bedeutet nicht, dass es dazu keine Befunde gäbe, sondern dass keine Metaanalyse vorlag, die in den Umbrella-Review aufgenommen werden konnte.
Übersichtsarbeiten zu Antiinfektiva und Samenqualität
Drobnis und Nangia 2017 [s150]. Das Buchkapitel hält fest, Antibiotika stünden lange im Verdacht, zur männlichen Infertilität beizutragen, es gebe aber erstaunlich wenige Daten. Schwierig sei die Auswertung, weil die behandelten Krankheiten selbst die Reproduktion beeinträchtigten. Antiparasitika seien als Klasse für eukaryotische Zellen toxisch; beim Menschen sei nur Niridazol belegt, mit reversiblem Spermatogenesestillstand bei 20 Männern mit Schistosomiasis. Ketoconazol senke bei Männern vorübergehend das Testosteron, Daten zu Samenqualität oder Fertilität fehlten. Für Nitrofurantoin, Ciprofloxacin, Ofloxacin und Sulfamethoxazol gebe es minimale Humandaten zu verminderter Samenqualität. Das Kapitel fordert gut geplante klinische Studien.
Khaki 2015, systematische Übersicht zu Aminoglykosiden und Fluorchinolonen [s166]. Eingeschlossen waren randomisierte Studien von 2000 bis 2013 (englisch und persisch). Die Spermienvitalität sank signifikant unter Streptomycin, Gentamicin und Neomycin (p-Wert im Abstract abgeschnitten). Streptomycin wirke weniger schädlich auf Apoptose und Spermienparameter, Gentamicin stärker schädlich; Fluorchinolone zeigten negative Wirkungen auf Hodengewebe und Spermienparameter; Ciprofloxacin habe bei künstlicher Besamung weniger Nebenwirkungen als Gentamicin. Die Zahl der eingeschlossenen Studien nennt der Abstract nicht. Nach der Zweitangabe in einer russischen Übersicht [s119] sank die Gesamtspermienzahl signifikant nach Ofloxacin, Gentamicin, Streptomycin und Neomycin (p < 0,022), der Hodenumfang nach Ofloxacin und Gentamicin (p < 0,011); die Originaltabellen wurden nicht geprüft. Die Einschlussstudien sind überwiegend Tier- und In-vitro-Arbeiten, sodass die Übersicht keine Aussage über Männer unter Therapie trägt.
Jebli und Mitarbeiter 2026, aktualisierte systematische Übersicht zu häufigen Medikamenten [s14]. Von 16.310 Treffern wurden 184 Studien (2016 bis 2025) nach PRISMA 2020 eingeschlossen. Als schädlich werden im Abstract genannt: Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide, Sertralin, Tramadol, GnRH-Analoga und Sartane (aus der Übersicht von 2017) sowie neu Duloxetin, Thiopurine, Dutasterid, Valganciclovir, Efavirenz, Valproat und Hydroxyharnstoff. Von den Antiinfektiva und verwandten Mitteln werden damit nur Sulfasalazin (Sulfonamid-Salicylat, zugleich Darmtherapeutikum), Valganciclovir und Efavirenz genannt; klassische Antibiotika, Antimykotika und Antimalariamittel nicht.
Semet und Mitarbeiter 2017 [s154]. Die Vorgängerübersicht französischer Autoren nennt bei Arzneimitteln mit sehr guter oder guter Evidenz Testosteron, Sulfasalazin, anabole Steroide, Cyproteronacetat, Opioide, Tramadol, GnRH-Analoga und Sartane; Sulfasalazin, Azathioprin, Mycophenolat und Methotrexat könnten die Spermienparameter möglicherweise unumkehrbar beeinträchtigen, dann solle Sperma kryokonserviert werden. Nach der Wiedergabe in [s119] senkte Nitrofurantoin in den dort ausgewerteten Studien Spermienzahl und Beweglichkeit, hohe Dosen blockierten die Spermatogenese vollständig; Erythromycin verminderte in vitro die Zahl lebender Spermien und ihre Beweglichkeit (nach Absetzen normalisiert); Gentamicin, Neomycin und Streptomycin senkten Beweglichkeit, Zahl und Anteil normal geformter Spermien; Penicillin und Tetrazykline verschlechterten die Parameter mäßig. Die Evidenz sei in den ausgewerteten Studien niedrig (Stufe 3 oder 4) gewesen.
Millsop 2013 [s180] und Zakhem 2019 [s132]. Millsop und Mitarbeiter fassten dermatologische Medikamente zusammen: Methotrexat und Finasterid führten zu Oligospermie; Ketoconazol habe negative Wirkungen auf Beweglichkeit und Testosteron; Einzelfallberichte und wenige Studien zeigten negative Wirkungen von Tetrazyklinen, Erythromycin, Chloroquin, Glukokortikoiden, Spironolacton und Antihistaminika. Zakhem und Mitarbeiter fanden 19 Studien aus 1032 Treffern für 13 Medikamente; bei 6 zeigte sich ein negativer Effekt nach väterlicher Exposition. Die Substanzen sind im Abstract nicht einzeln genannt.
Schill und Przybilla 1985 (deutsch) [s276]. Der Übersichtsartikel nennt Antibiotika neben Zytostatika, Immunsuppressiva und Psychopharmaka unter den antispermatogenen Mitteln und führt eine Hemmung der Beweglichkeit durch Antibiotika, Anthelminthika und Betablocker an. Zahlen enthält der Abstract nicht.
Antirheumatika und Hydroxychloroquin [s127, s111, s74]. Mouyis und Mitarbeiter 2019 werteten 84 Arbeiten mit über 611 männlichen Expositionen und über 5986 Schwangerschaften aus; außer Cyclophosphamid und Sulfasalazin ergab sich kein sicherer Hinweis auf Schaden, auch nicht durch Hydroxychloroquin [s127]. Bermas 2020: Sulfasalazin könne eine reversible Azoospermie verursachen; bei verzögerter Konzeption solle es drei Monate ausgesetzt und das Sperma kontrolliert werden; Hydroxychloroquin sei mit väterlicher Exposition vereinbar [s111]. Ibarra Barrueta 2023 (spanische Zeitschrift): Die meisten Mittel seien mit väterlicher Exposition verträglich, außer Sulfasalazin, Mycophenolat und Leflunomid, für die ein Absetzen vor der Konzeption empfohlen werde [s74]. Auch hier wird eine Empfehlung der jeweiligen Autoren wiedergegeben, keine des Kapitels.
Darm- und Arzneimittelübersichten zu Sulfasalazin [s162, s112, s168]. Shin und Okada 2016: Sulfasalazin senke reversibel die männliche Fertilität; keine anderen Darmmedikamente beeinflussten sie wesentlich. Hammami und Mahadevan 2020: ebenso. Sands 2015: Über die Hälfte der männlichen Patienten mit Darmerkrankung habe einen gewissen Grad an Infertilität gegenüber 8 bis 17 Prozent der Allgemeinbevölkerung; Medikamente könnten Zahl, Beweglichkeit und Morphologie beeinträchtigen.
Antibiotika als Umweltfaktor und endokrine Disruptoren [s55]. Hou und Mitarbeiter 2024 legen eine narrative Übersicht vor, im Abstract ohne Methodik und Zahlen. Sie behandelt Antibiotika als endokrine Disruptoren, Expositionswege (Tierhaltung, Lebensmittel, Wasser), schädliche Wirkungen und Mechanismen einzelner Klassen und mögliche Schutzstoffe aus Lebensmitteln. Die Gruppe ist dieselbe wie bei den Ciprofloxacin- und Enrofloxacin-Versuchen [s90, s32]; die Übersicht ordnet daher teilweise eigene Arbeiten ein und argumentiert aus der Perspektive der Umwelt- und Lebensmittelexposition, nicht der klinischen Anwendung.
Antimalariamittel [s05, s120]. Die Scoping-Übersicht von Chatterjee 2026 (englischsprachige Arbeiten 2013 bis 2024) fasst zusammen, Malaria sei mit verminderter Samenqualität, Oligozoospermie und Nekrozoospermie verbunden, und Antimalariamittel (Chloroquin, Chinin, Quinacrin, Pyrimethamin) verursachten männliche Infertilität [s05]. Studienzahlen nennt der Abstract nicht; die Übersicht trennt die Wirkung der Krankheit und der Medikamente nicht quantitativ. Adewole und Attah 2019 sammeln pflanzliche Antimalariamittel mit männlichen antifertilen Effekten (weniger Spermienqualität, veränderte Hormone, Lipidperoxidation) [s120].
Übersichten zu Infektion, Leukozytospermie und Behandlung.
- Henkel 2024 [s54]: Leukozytospermie kommt bei 30 Prozent der infertilen und bis zu 20 Prozent der fertilen Männer vor; als Grenzwert gilt 1 Million peroxidasepositive Zellen/ml; Bakteriospermie wird in mehreren Studien ab 1000 Kolonie-bildenden Einheiten/ml angenommen. Antibiotika seien Mittel der Wahl bei behandelbaren Infektionen, aber „no specific strategy is available“ für die Leukozytospermie.
- Dutta, Bocu und Agarwal 2025 [s27]: Leukozytospermie über 1 × 10^6 Leukozyten/ml; als Behandlungsoptionen werden Antibiotika, Entzündungshemmer und assistierte Reproduktion genannt, abgestimmt auf die Ursache. Genannt werden Akrosomschäden, Veränderungen von Mittelstück und Flagellum, oxidativer Stress und DNA-Schäden. Zahlen zur Antibiotikawirkung auf Spermien stehen im Abstract nicht.
- Brunner und Mitarbeiter 2019 [s124]: Leitlinien zur Leukozytospermie widersprächen sich; manche sähen keinen Zusammenhang mit Infertilität, andere Besserung durch Behandlung einschließlich der Schwangerschaftsrate; die Autoren verlangen Studien mit Konzeption als Endpunkt.
- Rivero und Mitarbeiter 2023 [s81]: Studien zu Entzündungshemmern oder Antibiotika zeigten Besserung der Spermienwerte und der Leukozytospermie, Daten zu Konzeptionsraten fehlten; Antibiotika sollten ohne Symptome oder mikrobiologische Infektion nicht verwendet werden.
- Zhou und Mitarbeiter 2024 [s64]: Doxycyclin bleibe Mittel der ersten Wahl bei Ureaplasmeninfektion; Ureaplasma seien „keine unschuldigen Zuschauer“.
- Haidl 2008 [s208]: Positive Wirkungen entzündungshemmender oder antibiotischer Behandlung seien berichtet, kontrollierte prospektive Studien fehlten.
- Ďuračka und Mitarbeiter 2023 [s68]: Die Antibiotikaresistenz zwinge zu Alternativen bei der Entfernung von Bakterien aus Samenproben.
- Jung und Mitarbeiter 2016, Korea, systematische Übersicht zur Behandlung der Leukozytospermie [s157]: Antibiotika könnten Spermienparameter, die Auflösungsrate der Leukozytospermie, die bakteriologische Heilungsrate und sogar die Schwangerschaftsrate verbessern, einige Berichte widersprächen jedoch; für Antioxidantien gebe es Hinweise auf Nutzen für die Spermienfunktion aus In-vitro-Studien; die Daten reichten nicht, um zu entscheiden, ob Antibiotika oder Antioxidantien bei Leukozytospermie wirksam seien. Die Zahl der eingeschlossenen Studien und Effektmaße nennt der Abstract nicht.
- Deutsche Übersichten: Pilatz 2016 [s160] nennt für 6 bis 10 Prozent der Männer in der andrologischen Abklärung eine infektiöse Ursache. Ludwig 2001 [s235]: Beim Prostatitissyndrom sei nur die antimikrobielle Therapie als ausreichend beschriebene Option; die Ergebnisse zur Samenqualität seien widersprüchlich. Spornraft-Ragaller 2018 [s143]: uneinheitliches Bild bei sexuell übertragbaren Infektionen, Hinweise auf negative Wirkung von Mykoplasmen und Ureaplasmen in großen asiatischen Kollektiven.
- Französische Übersichten: Saint 2023 [s82] wertete 189 Artikel (englischsprachig, bis Mai 2023) aus: Infektionen verminderten die Fertilität, vor allem durch Veränderung der Spermiogramm-Parameter und erhöhte DNA-Fragmentierung. Boitrelle 2012 [s185]: Bakteriospermie und Infektion der Adnexdrüsen seien zu unterscheiden; Schwellenwerte, ab denen behandelt werden müsse, seien nach Literatur, Mikrobiologiegesellschaft und Praxis festgelegt. Lemkecher 2005 [s221]: Leukozytospermie über 10^6/ml bei 20 Prozent der Fälle männlicher Infertilität; es werde reaktive Sauerstoffspezies gebildet, bei In-vitro-Behandlungen solle behandelt werden.
- Spanische und italienische Übersichten: Vives Suñé 2026 [s18]: Genitaltraktinfektionen seien für 15 Prozent der Fälle männlicher Infertilität verantwortlich; Antibiotika könnten die Spermienqualität verbessern und DNA-Fragmentierung senken, es gebe aber keinen Beleg, dass sie die Wahrscheinlichkeit natürlicher Konzeption erhöhten. Mantovani 1993 (italienisch) [s257]: Therapieversagen seien häufig, die Wahl des Antibiotikums mit passender Pharmakokinetik für Erreger und Gewebe sei entscheidend.
- Russische Übersichten [s119, s171, s65, s47]: Kadyrov, Akramov und Aldyrakov 2020 [s119] stellen fest, viele experimentelle Studien zeigten dosisabhängig negative Wirkungen bestimmter Antibiotika auf die Spermatogenese, die Evidenz sei niedrig, der negative Antibiotikaeffekt sei vom Effekt der behandelten Krankheit schwer zu trennen und Versuche an gesunden Männern seien aus ethischen Gründen unwahrscheinlich; nach Absetzen würden die Ejakulatparameter meist wieder normal, zur Erholungszeit der Spermatogenese gebe es zu wenig Daten. Die Übersicht ist eine narrative Zusammenstellung ohne systematische Suchstrategie, die meisten Zahlen sind Zweitangaben. Strygin, Nesmiyanov und Tolkachev 2015 [s171] tragen programmatisch „Positive Einflüsse von Doxycyclin“ zusammen; die Gewichtung ist einseitig, ungünstige Befunde zu Doxycyclin werden genannt, aber als nicht übertragbar bewertet. Vedenyapin 2024 [s65] stellt den Einfluss bakterieller Urogenitalinfektionen auf den DNA-Fragmentierungsindex dar. Ibragimov 2025 [s47] fasst 38 Publikationen zur Leukospermie zusammen (10 bis 20 Prozent der infertilen Männer) und nennt als offene Frage, ob Leukospermie die Ergebnisse assistierter Reproduktion beeinflusst.
Zusammenfassend sind die Übersichten sich in drei Punkten einig: Die Evidenz ist niedrig, Krankheit und Arzneimittel sind kaum zu trennen, kontrollierte Studien mit Konzeption als Endpunkt fehlen. Uneinig sind sie darin, ob Antibiotika bei asymptomatischer Leukozytospermie eingesetzt werden sollten; die Spanne reicht von „Mittel der Wahl bei behandelbaren Infektionen“ [s54] bis „ohne Symptome oder mikrobiologische Infektion nicht verwenden“ [s81].
Randomisierte und kontrollierte Studien am Menschen: Antibiotika bei Infektion und Leukozytospermie
Die folgenden Arbeiten prüfen Antibiotika als Behandlung. Die Ausgangsfrage ist die Rückbildung einer Entzündung oder Infektion, die Spermienqualität ist Zielgröße oder Nebenbefund. Sie sagen deshalb nichts darüber, ob dasselbe Mittel bei einem gesunden Mann die Spermien verändern würde. Die Studien sind alle klein; der Abstract nennt häufig keine Effektgrößen.
Krisp und Mitarbeiter 2003, Marburg: Levofloxacin bei asymptomatischer Leukozytospermie [s225]. Prospektive randomisierte kontrollierte Studie an 36 infertilen Männern mit Leukozytospermie (mehr als 1 Million Leukozyten pro ml) ohne Symptome einer Genitalinfektion. Gruppe 1 erhielt 10 Tage lang 250 mg Levofloxacin täglich, Gruppe 2 keine Therapie; Kontrolle des Samens nach 2 Wochen. Die Leukozytenzahl fiel in der Behandlungsgruppe im Mittel um 45,8 ± 72,2 Prozent, in der unbehandelten Gruppe um 3 ± 109,2 Prozent. Der Unterschied war nicht signifikant, ebenso wenig die Unterschiede bei Leukozytenzahl, Spermienzahl und weiteren Spermienparametern. Die Autoren schließen, Antibiotika brächten bei asymptomatischer Leukozytospermie keinen Nutzen. Stärke: Randomisierung. Schwächen: sehr kleine Stichprobe, sehr breite Streuung (in der Kontrollgruppe ist die Standardabweichung mehr als 36-mal so groß wie der Mittelwert), Nachbeobachtung nur 2 Wochen, keine Schwangerschaftsrate.
Merino und Carranza-Lira 1995: zwei Antibiotika gegen Placebo [s253]. 60 Männer mit positiver Samenkultur, drei Gruppen: 160 mg Trimethoprim plus 800 mg Sulfamethoxazol zweimal täglich, 250 mg Ciprofloxacin zweimal täglich oder Placebo. Zwischen Antibiotikabehandlung und Placebo gab es keinen Unterschied der Spermienqualität; die Funktion der akzessorischen Drüsen war verändert. Der Abstract nennt keine Zahlen. Stärke: Placebokontrolle. Schwäche: Abstract ohne Effektgrößen, kleine Gruppen.
Carranza-Lira und Mitarbeiter 1998: Asthenozoospermie mit Hinweisen auf Infektion [s242]. 13 Männer, zufällig auf Ciprofloxacin (250 mg alle 12 Stunden über 14 Tage, n = 7) oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol (160/800 mg alle 12 Stunden über 14 Tage, n = 6) aufgeteilt; die Partnerinnen wurden mitbehandelt. Der Anteil morphologisch normaler Spermien sank in der Ciprofloxacin-Gruppe signifikant; Spermien mit Motilität Grad III nahmen in der Trimethoprim/Sulfamethoxazol-Gruppe zu, ohne statistische Signifikanz. Die Autoren sprechen von vorläufigen Ergebnissen. Es ist eine der wenigen Humanarbeiten, in der unter Antibiotikagabe ein Spermienparameter (Morphologie) in die ungünstige Richtung ging; bei 13 Männern ohne Placebo lässt sich daraus kein Schaden ableiten.
Branigan und Muller 1994: Leukozytospermie bei Prostatitis [s256]. Prospektive randomisierte Studie an 102 Männern mit Leukozytospermie im Samenausstrich und im exprimierten Prostatasekret, vier Gruppen: keine Behandlung, nur Antibiotika, nur häufige Ejakulation, Antibiotika plus häufige Ejakulation. Zielgröße war das Verschwinden der Leukozytospermie. Nach einem Monat war die Leukozytospermie in allen Behandlungsgruppen deutlich besser als ohne Behandlung; nach 2 und 3 Monaten hielt der Effekt nur bei Antibiotika plus häufiger Ejakulation an. Die Zielgröße ist kein Fertilitätsmaß; Zahlen nennt der Abstract nicht.
Yamamoto und Mitarbeiter 1995, Nagoya: Trimethoprim-Sulfamethoxazol mit und ohne häufiges Ejakulieren [s254]. Randomisierte kontrollierte Studie mit drei Gruppen. Aus 263 gescreenten Männern erfüllten 48 beide Einschlusskriterien: mehr als 1 Million Leukozyten je ml Sperma und mehr als 10 Leukozyten je Gesichtsfeld im exprimierten Prostatasekret. Gruppe 1 erhielt keine Behandlung; Gruppe 2 Trimethoprim 80 mg plus Sulfamethoxazol 400 mg zweimal täglich über einen Monat; Gruppe 3 dasselbe Antibiotikum plus die Anweisung, mindestens alle drei Tage zu ejakulieren. Die Leukozytospermie war nach einem Monat bei 76 Prozent (Gruppe 3), 56 Prozent (Gruppe 2) und 6,7 Prozent (Gruppe 1) aufgelöst; die Raten in den Gruppen 2 und 3 lagen signifikant über der von Gruppe 1 (p < 0,05). Der Abstract bricht nach 250 Wörtern ab; Ergebnisse zu Spermienkonzentration, Beweglichkeit, Morphologie oder Schwangerschaften sind nicht abrufbar. Endpunkt ist ein Laborwert, nicht die Fruchtbarkeit; der Anteil des Antibiotikums und des Ejakulationsregimes in Gruppe 3 ist nicht trennbar.
Yanushpolsky und Mitarbeiter 1995, Boston: Doxycyclin gegen Trimethoprim-Sulfamethoxazol gegen keine Therapie [s255]. Von 1710 männlichen Partnern infertiler Paare, über 30 Monate auf Leukozytospermie (mehr als 10^6 Granulozyten je ml) untersucht, hatten 119 beim ersten Besuch eine; 54 stimmten der Randomisierung zu, 41 beendeten die Studie. Gruppe I (n = 13) erhielt Doxycyclin 100 mg zweimal täglich über 14 Tage, Gruppe II (n = 11) Trimethoprim 160 mg plus Sulfamethoxazol 800 mg zweimal täglich über 14 Tage, Gruppe III (n = 17) keine Therapie; die Partnerinnen wurden mitbehandelt. Vier Wochen später führte keines der Schemata zu einer signifikant höheren Auflösungsrate als die Kontrolle. Die Autoren sehen eine hohe spontane Auflösungsrate nach einem einmalig positiven Test. Die Studie widerspricht [s254] im Endpunkt „Auflösung der Leukozytospermie“; beide haben sehr kleine Gruppen.
Erel und Mitarbeiter 1997, Istanbul: Doxycyclin, auch mit Ceftriaxon, gegen Placebo [s246]. Randomisierte, placebokontrollierte Studie an 70 Männern mit asymptomatischer Leukozytospermie (Leukozyten per Peroxidase-Test). Gruppe I (n = 24) erhielt Placebo, Gruppe II (n = 25) Doxycyclin 100 mg zweimal täglich über 10 Tage, Gruppe III (n = 21) Doxycyclin plus Ceftriaxon 1 g in zwei Dosen an einem Tag. Nach der Behandlung sanken die Leukozytenzahlen in den Gruppen II und III signifikant gegenüber Gruppe I (p < 0,05); beide Schemata waren gleich wirksam. Die Zeit bis zur Auflösung der Leukozytospermie (etwa 4 Wochen) war jedoch in Kontroll- und Behandlungsgruppen ähnlich, und keines der beiden Schemata brachte die Leukozytenzahl unter die Grenze von 1 Million je ml. Die Autoren halten es für zweifelhaft, dass eine Antibiotikatherapie bei asymptomatischen Männern mit Leukozytospermie empfohlen werden sollte. Der Abstract nennt keine Spermienkonzentration, Beweglichkeit oder Schwangerschaftsrate.
Malallah und Zissis 1992, Kuwait: Minocyclin [s258]. Randomisierte klinische Studie an 25 infertilen Männern mit mindestens 5 Eiterzellen je Gesichtsfeld (1000-fache Vergrößerung) im Samen. Minocyclin 200 mg täglich über eine (Gruppe A) oder zwei Wochen (Gruppe B). Nach der Behandlung nahmen die Eiterzellen signifikant ab, Spermienzahl und bewegliche Spermien signifikant zu (Wilcoxon-Test für gepaarte Stichproben, p < 0,01); zwischen den Gruppen gab es keinen signifikanten Unterschied (Mann-Whitney-U-Test). Toxizität wurde nicht berichtet. „Randomisiert“ bezieht sich nur auf die Behandlungsdauer, ein Placebo- oder Nullarm fehlt; Zahlenwerte stehen nicht im Abstract.
Mićić 1988: Antibiotika mit und ohne Kallikrein [s273]. 120 Männer mit Oligoasthenozoospermie und Genitalinfektion erhielten 8 bis 12 Wochen Antibiotika, 64 zusätzlich Kallikrein (600 Einheiten täglich über 3 Monate). In beiden Gruppen stiegen Spermienzahl, Anteil beweglicher und Anteil normal geformter Spermien. Mit Kallikrein waren Beweglichkeit und Anteil normaler Formen stärker verbessert; die Schwangerschaftsrate lag bei 32 Prozent mit Kallikrein und 17 Prozent ohne. Ein Placebo- oder Nullarm fehlt, deshalb sagt die Studie über Antibiotika allein wenig.
Cai und Mitarbeiter 2012: Prulifloxacin bei Chlamydieninfektion [s186]. Prospektive randomisierte kontrollierte Studie an 206 Männern mit nachgewiesener Chlamydia-trachomatis-Infektion und Oligoasthenoteratozoospermie. Alle erhielten 14 Tage lang 600 mg Prulifloxacin täglich; Gruppe B (n = 97) bekam zusätzlich sechs Monate ein Nahrungsergänzungsmittel (L-Arginin, L-Carnitin, Acetyl-L-Carnitin, Ginseng), Gruppe A (n = 109) nur das Antibiotikum. Nach sechs Monaten lagen Spermienkonzentration (21,3 gegenüber 11,5 Millionen/ml) und Anteil beweglicher Spermien (42,4 gegenüber 29,3 Prozent) in Gruppe B höher (Cohen d 0,61 und 1,52, jeweils p < 0,001). Die Studie vergleicht nicht Antibiotikum gegen kein Antibiotikum. Sie zeigt, dass nach Antibiotikatherapie die Spermienwerte bei alleiniger Gabe niedriger blieben; der Abstract erklärt das damit, dass die Eradikation der Chlamydien nicht immer zur Erholung der Samenqualität führe.
Gao und Mitarbeiter 2013, Guangzhou: Qilin-Pillen plus Levofloxacin [s177]. Randomisierte kontrollierte Studie an 80 Männern mit Asthenozoospermie und Infektion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen. Gruppe 1 erhielt Qilin-Pillen (ein pflanzliches Kombinationspräparat der traditionellen chinesischen Medizin) 6 g dreimal täglich über 30 Tage plus Levofloxacin 0,5 g einmal täglich über 20 Tage, Gruppe 2 nur Levofloxacin im selben Schema. Die Wirksamkeitsrate für die progressive Beweglichkeit betrug 60 Prozent gegen 17,5 Prozent (p < 0,05); bei den peroxidasepositiven Leukozyten waren es 87,5 und 82,5 Prozent ohne signifikanten Unterschied. Die Studie war auf den Zusatzeffekt des Pflanzenpräparats ausgelegt. Im Levofloxacin-Arm besserte sich die progressive Beweglichkeit nur bei 17,5 Prozent, die Leukozytenzahl bei 82,5 Prozent; ein unbehandelter Arm fehlt, die Definition der „Wirksamkeitsrate“ steht nicht im Abstract.
Gamidov und Mitarbeiter 2023, Russland: Superlymph gegen Doxycyclin [s72]. Randomisierte, nicht verblindete Studie an 60 Männern aus infertilen Paaren mit Infektion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen, die sich auf assistierte Reproduktion vorbereiteten. Hauptgruppe (n = 30): Superlymph (Zytokin- und antimikrobieller Peptidkomplex) als Zäpfchen zweimal täglich über 20 Tage. Kontrollgruppe (n = 30): Doxycyclin 100 mg zweimal täglich über 28 Tage; untersucht am Tag 33 ± 3, ausgewertet wurden 53 Patienten (28 und 25). In beiden Gruppen sank der Gehalt an freien Sauerstoffradikalen im Ejakulat (p = 0,031), in der Hauptgruppe stärker; bei den übrigen Samenparametern gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Die bakteriologische Eradikation lag bei 57,1 Prozent in der Hauptgruppe gegen 88 Prozent unter Doxycyclin (p = 0,016). Unter Superlymph sanken DNA-Fragmentierungsindex und Leukozytenkonzentration signifikant; unter Doxycyclin stiegen das Ejakulatvolumen, und es sanken der Anteil IgG-beladener Spermien und die Leukozytenkonzentration.
Kogan und Mitarbeiter 2022, Rostow am Don: Fluorchinolone mit und ohne Cephalosporine oder Makrolide bei chronischer bakterieller Prostatitis [s93]. Prospektive, randomisierte Beobachtungsstudie mit 60 Männern (20 bis 45 Jahre). Gruppe I (n = 30): Fluorchinolone; Gruppe II (n = 30): Fluorchinolone plus Cephalosporine oder Makrolide, jeweils einen Monat. Nach 3 Monaten war der klinische Effekt in beiden Gruppen positiv, aber nur in Gruppe II signifikant (p < 0,05) für den NIH-Symptomindex, die Leukozyturie, das Prostatavolumen, den maximalen Harnfluss und die „verringerte Pathospermie“. Nach 6 Monaten sanken in Gruppe II Escherichia coli und Enterococcus signifikant; in Gruppe I änderten sich Aerobier kaum, Anaerobier nahmen signifikant zu. Die Spermienqualität ist nur ein Nebenendpunkt ohne Zahlen im Abstract.
Pochernikov und Mitarbeiter 2015, Russland: E.-coli-Lysat gegen Fluorchinolone bei asymptomatischer Bakteriospermie [s167]. Nach einem dreimonatigen Kurs eines E.-coli-Lysats (OM-89) wurde E. coli bei 98 Prozent eradiziert, bei 66 Prozent wuchs kein Mikroorganismus mehr im Ejakulat. Nach 3 bis 4 Wochen Fluorchinolonen blieb E. coli bei 15,2 Prozent in signifikantem Titer, bei 5,7 Prozent in nicht signifikantem Titer, und nur bei 19 Prozent fehlte jedes mikrobielle Wachstum. Unter OM-89 stieg die Spermienkonzentration deutlicher an, und es gab mehr spontane Schwangerschaften; die „Take-Home-Baby“-Rate betrug 21 Prozent (OM-89) gegen 7 Prozent (Fluorchinolone). Fallzahl und Teststatistik nennt der Abstract nicht; ob randomisiert wurde, ist unklar. Wegen fehlender Statistik ist der Befund mit Vorsicht zu lesen; er belegt vor allem, dass die reine Antibiotikatherapie bei Bakteriospermie in dieser Serie weder zuverlässig steril machte noch ein hohes Schwangerschaftsergebnis brachte.
Hamada und Mitarbeiter 2011, Cleveland: Doxycyclin bei niedriger Leukozytospermie [s192]. Retrospektive Studie an Männern mit niedriger Leukozytospermie (0,2 bis 1,0 × 10^6 Leukozyten je ml). Von 223 durchgesehenen Patienten erfüllten 61 das Kriterium; 27 (vor 2006) waren historische Kontrollen, 34 erhielten empirisch Doxycyclin. Die Spermaparameter änderten sich nicht signifikant. Die niedrige Leukozytospermie bildete sich in der Therapiegruppe in 56 Prozent zurück, gegenüber 25 Prozent spontan bei den historischen Kontrollen; die natürliche Schwangerschaftsrate lag bei 15 von 32 (47 Prozent) gegenüber 5 von 25 (20 Prozent); Odds Ratio für Schwangerschaft 3,7 (95-%-Konfidenzintervall 1,1 bis 11,7; p = 0,04). Es ist die einzige Studie dieser Gruppe mit signifikant höherer Schwangerschaftsrate; sie ist retrospektiv, mit historischen Kontrollen, und bezieht sich auf eine niedrige Leukozytenzahl.
Yaşar und Mitarbeiter 2009, Türkei: Antibiotika bei Leukozytospermie [s202]. Von Januar 2006 bis Dezember 2008 wurden 121 Männer einer Infertilitätsambulanz untersucht: 71 mit Leukozytospermie (Gruppe 1), 50 ohne (Gruppe 2). Gruppe 1 erhielt 4 bis 6 Wochen Antibiotika. Vor der Behandlung bestand kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen bei Volumen, Spermienzahl und Beweglichkeit (p > 0,05). In der behandelten Gruppe fand sich vor und nach der Therapie keine signifikante Veränderung dieser Parameter; für die Leukozytenzahl nennt der Abstract p = 0,043 ohne Erläuterung. Das Fazit: Die Behandlung der asymptomatischen Leukozytospermie mit Antibiotika bessert Spermienparameter und Schwangerschaftsrate nicht. Antibiotikum und Dosis sind im Abstract nicht genannt, ein Hinweis auf Randomisierung fehlt.
Überblick über die kontrollierten Studien. Bei der Zielgröße „Leukozytenzahl“ stehen Studien mit günstigem Befund [s254, s256, s246] neben solchen ohne Unterschied zur Kontrolle [s255, s225]; in [s246] sank die Zahl zwar, die Auflösung der Leukozytospermie blieb aber aus. Bei der Zielgröße „Spermienparameter“ sind die beiden Studien mit Placebo- oder Nullarm, die Spermienparameter berichten, negativ [s225, s253]; positive Spermienbefunde stammen aus Studien ohne unbehandelten Arm [s258, s273, s186]. Schwangerschaftsraten als Endpunkt liefern nur [s273, s192, s167], keine davon als Randomisierung gegen unbehandelt. Die höhere Schwangerschaftsrate unter Doxycyclin bei niedriger Leukozytospermie [s192] steht neben der EAU-Aussage, dass die Behandlung die Konzeptionswahrscheinlichkeit nicht erhöht [s07]; beides bezieht sich auf unterschiedliche Datengrundlagen (eine retrospektive Studie gegenüber der Gesamtlage).