Parodontitis, Zahngesundheit und Amalgam · Kapitel 18 von 19

Glossar

Akrosom. Kappenartige Struktur am Vorderende des Spermienkopfes, die bei der Befruchtung Enzyme freisetzt.

Asthenozoospermie. Verminderter Anteil beweglicher Spermien im Ejakulat.

Attachmentverlust (klinischer Attachmentverlust, CAL). Verlust des Zahnhalteapparats, gemessen in Millimetern vom Zahnschmelz-Zement-Übergang bis zum Taschenboden; ein Maß für die bisherige Gewebezerstörung bei Parodontitis.

Azoospermie. Fehlen von Spermien im Ejakulat.

Bakteriospermie. Nachweis von Bakterien im Ejakulat; in den Aachener Arbeiten als behandlungsbedürftig bezeichnet, wenn mehr als 10^4 beziehungsweise 10^5 Keime je Milliliter vorlagen [s127, s125].

Blutung auf Sondieren (BOP). Blutung, die beim Messen der Taschentiefe mit einer Parodontalsonde auftritt; Zeichen einer Entzündung des Zahnfleisches.

Chromatindispersionstest, DNA-Fragmentierungsindex (SDFi, DFI). Verfahren beziehungsweise Maß für den Anteil von Spermien mit geschädigter Erbsubstanz.

CPI (Community Periodontal Index). Grober Parodontalindex mit Werten von 0 bis 4, der in Gesundheitsuntersuchungen verwendet wird [s65].

DMFT-Index. Zahl der kariösen (decayed), fehlenden (missing) und gefüllten (filled) Zähne; ein Kariesmaß [s78].

Ejakulat, Samenplasma, Seminalplasma. Das Ejakulat besteht aus Spermien und Samenplasma, einer Flüssigkeit aus Prostata, Samenbläschen und anderen Drüsen.

Fekundabilität. Wahrscheinlichkeit, in einem Zyklus schwanger zu werden; Werte unter 100 % im Verhältnis zu Unexponierten bedeuten verminderte Empfängniswahrscheinlichkeit [s119].

Flagellum. Der bewegliche Geißelfaden der Spermien, bestehend aus Mittelstück, Hauptstück und Endstück; Veränderungen am Flagellum gelten als Formveränderungen (Morphologiestörungen) der Spermien [s29].

Fokalinfektion (Herdinfektion). Älteres Konzept, wonach ein lokaler Entzündungsherd (zum Beispiel an Zahnwurzeln) Krankheiten an entfernten Organen verursachen kann; Grundlage der Aachener Arbeiten [s120].

Gingivitis. Entzündung des Zahnfleisches ohne Verlust des Zahnhalteapparats.

Heterogenität (I²). Maß in Metaanalysen für die Uneinheitlichkeit der Einzelergebnisse; Werte um 98 % bedeuten, dass fast die gesamte Streuung nicht durch Zufall erklärbar ist, und der gepoolte Mittelwert ist dann kaum interpretierbar [s48].

IIEF (International Index of Erectile Function). Fragebogen zur Erektionsfunktion; der IIEF-5 ist die Kurzform [s89, s86].

Inanspruchnahme-Verzerrung. Verzerrung, die entsteht, wenn Menschen mit mehr Arztkontakten häufiger Diagnosen erhalten.

Konfidenzintervall (KI). Wertebereich, der bei wiederholter Durchführung der Studie den wahren Wert in 95 % der Fälle einschließen würde; ein Intervall, das den Wert 1 bei Odds Ratios einschließt, gilt als nicht signifikant.

Kryptozoospermie. Spermien im Ejakulat nur nach Zentrifugation nachweisbar, also in sehr geringer Zahl.

Ligaturmodell. Tiermodell, bei dem ein Faden um einen Zahn gelegt wird, um Plaqueansammlung, Entzündung und Knochenabbau auszulösen [s29, s57].

Mendelsche Randomisierung. Statistisches Verfahren, das genetische Varianten als Stellvertreter für eine Exposition (zum Beispiel Parodontitis) nutzt, um Zusammenhänge von Störgrößen zu entkoppeln; die Ergebnisse hängen von der Stärke der genetischen Instrumente und der untersuchten Population ab [s43, s27].

Methylquecksilber, anorganisches Quecksilber, elementares Quecksilber. Verschiedene Formen des Quecksilbers. Methylquecksilber gelangt vor allem über Fisch in den Körper; elementares Quecksilber (Dampf) entweicht aus Amalgam und tritt in der Industrie auf; anorganisches Quecksilber wird in der Hongkonger Studie rechnerisch als Differenz aus Gesamt- und Methylquecksilber bestimmt [s10].

Morphologie. Form der Spermien; „normale Morphologie" bezeichnet den Anteil regelrecht geformter Zellen.

NHANES III. Dritte Nationale Gesundheits- und Ernährungsuntersuchung der USA [s83].

NOS (Newcastle-Ottawa-Skala). Bewertungsraster für die Qualität von Beobachtungsstudien mit höchstens 9 Punkten [s24].

Normozoospermie. Spermiogramm ohne Auffälligkeit nach den verwendeten Referenzwerten.

Odds Ratio (OR), Hazard Ratio (HR). Verhältnismaße; Werte über 1 bedeuten höhere Chance beziehungsweise höheres Risiko in der Gruppe mit der Exposition. Das OR stammt typischerweise aus Fall-Kontroll- und Querschnittsstudien, das HR aus Kohortenstudien.

Oligozoospermie, Oligo-Asthenozoospermie. Verminderte Spermienzahl beziehungsweise Kombination aus verminderter Zahl und Beweglichkeit.

oPMN (orale polymorphkernige Neutrophile). Zahl neutrophiler Granulozyten in einer Mundspülprobe; hier als Maß der „oralen Entzündungslast" verwendet [s40].

Parodontitis. Chronisch-entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats durch bakterielle Beläge mit Verlust von Bindegewebe und Knochen.

Pathozoospermie, Pathospermie. Sammelbegriff für Auffälligkeiten des Spermiogramms.

Porphyromonas gingivalis. Bakterium, das mit Parodontitis in Verbindung gebracht wird; in einer Studie in Prostataflüssigkeit nachgewiesen [s37].

Publikationsverzerrung. Tendenz, dass Studien mit positiven Befunden eher veröffentlicht werden als Nullbefunde.

Querschnittsstudie, Fall-Kontroll-Studie, Kohortenstudie. Querschnittsstudien erheben Exposition und Ergebnis zu einem Zeitpunkt, Fall-Kontroll-Studien vergleichen Betroffene mit Kontrollen, Kohortenstudien verfolgen Gruppen über die Zeit.

Seminalmikrobiom. Gesamtheit der Mikroorganismen im Samen, meist über Sequenzierung bakterieller Erbsubstanz (16S-rRNA) bestimmt [s88, s47].

Sertoli-Zellen, Leydig-Zellen. Stützzellen der Samenkanälchen beziehungsweise testosteronbildende Zellen des Hodens [s29].

Spermiogramm. Laboruntersuchung des Ejakulats (Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Morphologie) nach WHO-Standard.

Sondierungstiefe. Tiefe der Zahnfleischtasche, mit einer Sonde in Millimetern gemessen.

Teratozoospermie. Erhöhter Anteil fehlgeformter Spermien.

WHO-Standard (1999, 2010). Handbücher der Weltgesundheitsorganisation mit Methoden und Referenzwerten für die Ejakulatanalyse; die Studien verwenden verschiedene Ausgaben [s24].

Zahnamalgam. Füllungswerkstoff aus Quecksilber und Metallpulver; setzt geringe Mengen elementaren Quecksilbers frei [s45].

Alle Kapitel und Anhänge (22)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Vorbemerkung bis Zusammenfassung der Beobachtungsdaten zur ED
  6. Parodontitis und Prostata (Herkunft des Seminalplasmas) bis Studien an Frauen und ein Fallbericht (nur als Randbefund)
  7. Amalgam, Quecksilber und Samenqualität bis Gesamtbewertung der Studienlage
  8. Vorbemerkung zu Umfang und Methode dieses Kapitels bis 5. Angrenzende Endpunkte: erektile Funktion, Sexualhormone, Prostata
  9. 6. Amalgam, Quecksilber und Samenqualität bis 9. Gesamteinschätzung der Studienlage
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Koreanisch
  13. Russisch bis Türkisch
  14. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  15. Limitationen der Evidenz
  16. Offene Forschungsfragen
  17. Praktische Einordnung
  18. Glossar
  19. Quellenverzeichnis
  20. Diagramme
  21. Quellen
  22. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle