6. Amalgam, Quecksilber und Samenqualität
Vorbemerkung zur Übertragbarkeit. Die Studien betreffen verschiedene Quecksilberformen und Expositionen: elementares Quecksilber (Dampf bei Arbeitern, ein Rattenversuch), Methylquecksilber über Fisch, Quecksilberchlorid im Tierversuch und Gesamtquecksilber in Blut, Haar, Urin und Samen. Amalgamfüllungen kommen nur in einer Studie am Menschen als erfasste Größe vor [s117]. Ergebnisse zu den anderen Expositionen sind deshalb nur mit Vorbehalt auf Füllungsträger übertragbar, in beide Richtungen. In keiner der Studien aus China, Japan oder Korea wurden Amalgamfüllungen erfasst und mit Ejakulatparametern verglichen.
6.1 Die einzige direkte Studie
Hanf et al. 1996, Toxicology Letters [s117]. Querschnittsstudie an 80 Ehemännern von Frauen in Kinderwunschbehandlung (das Land nennt der Abstract nicht; Teil c der Recherche ordnet die Arbeit Tübingen zu). Gemessen wurden Quecksilber im Morgenurin und im Ejakulat, die Zahl der Amalgamfüllungen und ein aus dem Spermiogramm berechneter „Fertilitätsindex“. Die Urinwerte lagen im Bereich nicht exponierter Bevölkerungen; 75 % der Ejakulatproben lagen unter der Nachweisgrenze von 5 µg/l. Sieben nachweislich fruchtbare, beruflich exponierte Arbeiter hatten dagegen 10 bis 65 µg/l im Ejakulat. Es gab keine positive Korrelation zwischen Quecksilber in Urin oder Ejakulat und dem Fertilitätsindex und ebenso keine zwischen Fertilitätsindex und der Zahl der Amalgamfüllungen. Die Autoren sehen in diesen vorläufigen Daten keinen Hinweis auf die behauptete Beziehung zwischen Quecksilberbelastung aus Amalgam und männlichen Fertilitätsstörungen [s117]. Ich habe den Abstract selbst abgerufen und bestätigt. Stärken: direkte Messung im Ejakulat, Füllungszahl erfasst, klarer Nullbefund. Schwächen: nur Männer infertiler Paare, schmale Expositionsspanne, die meisten Ejakulatwerte unter der Nachweisgrenze, ein zusammengesetzter Index statt einzelner Parameter, keine Korrelationskoeffizienten im Abstract. Ein kleiner Effekt oder ein Effekt bei höheren Dosen ist bei 80 Männern nicht auszuschließen.
6.2 Männer mit beruflicher Quecksilberexposition
- Lauwerys et al. 1985 [s128] (Fragebogen): Bei quecksilberexponierten Arbeitern (Urin 5,1 bis 272,1 µg/g Kreatinin) bestand kein signifikanter Unterschied zwischen beobachteter und erwarteter Kinderzahl; bei manganexponierten Arbeitern fand sich ein signifikantes Kinderdefizit.
- McGregor et al. 1991 [s124] und Erfurth et al. 1990 [s126]: keine Beziehung zwischen Quecksilber und Hormonen der Hypophysen-Hoden-Achse; nur eine kleine negative Korrelation des Sexualhormon-bindenden Globulins mit der Expositionsdauer [s124]. In [s126] unterschieden sich bei 11 Arbeitern (Urin 26 nmol/mmol Kreatinin) und 9 Zahnärzten (1,3) gegenüber Referenzgruppen (0,6 und 0,4) weder FSH, LH und Testosteron noch deren Stimulationstests.
- Cordier et al. 1991 [s122]: Bei Ehefrauen von 152 Arbeitern gegenüber 374 Kontrollen stieg die Fehlgeburtenrate mit der väterlichen Urinkonzentration; bei über 50 µg/l OR 2,26 (95-%-KI 0,99 bis 5,23, die untere Grenze liegt knapp unter 1). Spermienparameter wurden nicht erhoben.
- Li et al. 1995 [s118] (chinesische Zeitschrift, PubMed-Titel „Analysis of biochemical components of seminal plasma in male workers exposed to mercury vapor“, deutsch: Analyse biochemischer Bestandteile des Samenplasmas bei Arbeitern, die Quecksilberdampf ausgesetzt waren): 38 Exponierte, 18 Kontrollen; Transferrin, Gesamtfruktose und auf die Spermiendichte bezogene Fruktose im Samenplasma signifikant niedriger, die letztere mit steigender Exposition weiter fallend; Zitronensäure, Zink und Kupfer nicht. Die Autoren deuten dies als mögliche Schädigung der Sertoli-Zellen und der Samenbläschen. Spermienparameter berichtet der Abstract nicht; die Exposition (Dampf bei Arbeitern) liegt um Größenordnungen über der Hintergrundbelastung.
- Shamy et al. 1998 [s116]: Antispermien-Antikörper bei 84,6 % der 39 quecksilber- und 90 % der 50 bleiexponierten Arbeiter, ohne Korrelation zu den Expositionsindizes; der Abstract nennt keinen Kontrollwert, die Aussage ist nicht interpretierbar.
- Keck et al. 1993 [s121] (Fallbericht): 25-Jähriger nach fünf Jahren Chloralkali-Elektrolyse, Azoospermie oder schwere Oligoasthenoteratozoospermie, Quecksilber in Haar, Blut und Urin erhöht; in der Hodenbiopsie etwa 33 % der Tubuli mit Sertoli-Zell-only-Syndrom, unter 4 % mit regulärer Spermatogenese, Quecksilbergranula vor allem in Leydig-Zellen. Ein Einzelfall zeigt Anreicherung, keine Häufigkeit und keine Kausalität.
- Pribylová et al. 2003 [s108] (tschechisch; Titel „Sperm antibodies and immunologic intolerance to metals in infertile couples“, deutsch: Spermienantikörper und immunologische Unverträglichkeit gegenüber Metallen bei infertilen Paaren): 44 Personen mit Antispermien-Antikörpern (21 Männer, 23 Frauen), MELISA-Test; positive Reaktivität gegen anorganisches Quecksilber, Silber, Aluminium und Eisen, aber kein bewiesener Zusammenhang mit den Antikörpern. Die Autoren halten eine vollständige Entfernung von Metallverbindungen aus der Zahnmedizin für nicht notwendig.
- Mukendi et al. 2018 [s71] (französischsprachig, Bergbaugebiet Haut-Katanga, Arsen und Cadmium im Urin und Spermiogramm): kein Bezug zu Quecksilber oder Zähnen.
6.3 Zahnmedizinisches Personal
Die meisten Studien betreffen Frauen und sind für die Spermienqualität nicht direkt aussagefähig; sie stehen hier wegen der Amalgamfrage. Rowland et al. 1994 [s119]: 418 kalifornische Zahnarzthelferinnen; hohe Exposition (30 oder mehr Amalgame pro Woche und mindestens fünf Faktoren schlechter Quecksilberhygiene) mit 63 % der Fekundabilität Unexponierter (95-%-KI 42 bis 96 %); niedrige Exposition mit höherer Fruchtbarkeit (U-förmiger Verlauf). Dahl et al. 1999 [s114]: 558 Zahnärztinnen gegenüber 450 Lehrerinnen, 1.408 Schwangerschaften; kein Fertilitätsunterschied, außer einem möglichen Effekt in der letzten Schwangerschaft von Mehrgebärenden. Lindbohm et al. 2007 [s102]: 222 Fehlgeburten, 498 Kontrollen; Quecksilberamalgam bei mäßiger Exposition OR 2,0 (1,0 bis 4,1), bei hoher 1,3 (0,6 bis 2,5), keine konsistente Dosis-Wirkung. Heggland et al. 2011 [s95]: 4.482 Zahnarztassistentinnen und 1.011 Zahnärztinnen gegenüber 1.124.758 Frauen im norwegischen Geburtenregister; keine erhöhten Raten von Fehlbildungen, niedrigem Geburtsgewicht, Frühgeburt, Totgeburt oder perinatalem Tod.
Übersichten: Schuurs 1999 [s115]: Negative Fortpflanzungswirkungen seien unbewiesen, sichere Grenzwerte nicht festgelegt, Studien zur männlichen Belastung selten; das Risiko durch Füllungen bei Patienten sei wegen der geringen freigesetzten Mengen noch geringer als beim Personal. Bates 2006 [s104]: wenig direkte Evidenz für Fortpflanzungsgefahren, unzureichende Expositionserfassung über die Zeit und „negatives Confounding“ durch besseren Zahnarztzugang höherer sozialer Schichten. Hörsted-Bindslev 2004 [s107]: Bei guter Quecksilberhygiene bleibe die Belastung des Personals unter akzeptierten Grenzen, Fortpflanzungswirkungen seien nicht belegt. Olfert 2006 [s106]: Evidenz für Quecksilber begrenzt, stärker für Lachgas. Weber und de Baat 2000 [s112] (niederländisch, Titel „Male fertility. Possibly affected by occupational exposure to mercury“, deutsch: Männliche Fertilität. Möglicherweise durch berufliche Quecksilberexposition beeinträchtigt): Quecksilber könne sich in Hypophyse und Hoden ablagern, „evidenzbasierte Forschung ist nötig“. Sheiner et al. 2003 [s109] nennt Blei und Quecksilber als Metalle mit Zusammenhängen zu Samenparametern.
6.4 Biomonitoring in der Allgemeinbevölkerung
- Choy et al. 2002, Hongkong [s110] (157 infertile und 26 fertile Paare, Vollblut-Quecksilber): Infertile Paare hatten höhere Quecksilberspiegel; ebenso „infertile Männer mit abnormem Sperma“ gegenüber fertilen Männern. Der Blutspiegel korrelierte positiv mit dem Seefischverzehr; Infertile mit hohem Spiegel aßen mehr davon. Den Abstract habe ich selbst abgerufen. Nur 26 Kontrollpaare aus einer Schwangerenambulanz (andere Rekrutierung), keine Zahlenangaben im Abstract; Seefisch ist eine Mischexposition.
- Leung et al. 2001, Hongkong [s111] (59 männliche Partner infertiler Paare): 21 (35,6 %) hatten Vollblut-Quecksilber über dem Normbereich (0 bis 50 nmol/l). Alle computergestützt gemessenen Ejakulatparameter waren bei erhöhtem Quecksilber niedriger, aber nicht signifikant; kein signifikanter Effekt, andere schädliche Wirkungen werden nicht ausgeschlossen.
- Rignell-Hydbom et al. 2007 [s103] (195 schwedische Fischer, Methylquecksilber im Blut 0,11 bis 16,59 µg/l): kein Zusammenhang mit Beweglichkeit, Konzentration, Gesamtzahl, Chromatinintegrität oder Y-tragenden Spermien.
- Mocevic et al. 2013 [s90] (529 Männer aus Grönland, Polen und der Ukraine; mediane Blutspiegel 9,2, 1,0 und 1,0 ng/ml): positive Assoziation mit Inhibin B (Grönland β = 0,074; 95-%-KI 0,021 bis 0,126; alle Regionen β = 0,067; 0,024 bis 0,110), sonst keine signifikanten Zusammenhänge mit Samenparametern oder Hormonen (P > 0,05). Die Autoren sehen keinen Beleg für Schäden bis etwa 10 ng/ml und führen den Inhibin-B-Befund möglicherweise auf Fettsäuren aus Fisch zurück.
- Mínguez-Alarcón et al. 2018 [s70] (EARTH-Studie, 129 Männer, 243 Proben, Haar-Quecksilber Median 0,72 ppm): höheres Haar-Quecksilber war mit höherer Konzentration, Gesamtzahl und progressiver Beweglichkeit verbunden (oberstes gegenüber unterstem Quartil 50 %, 46 % und 31 % höher); nach Adjustierung für Fischzufuhr abgeschwächt; Konfidenzintervalle fehlen im Abstract.
- Ai et al. 2019 [s59] (84 Männer): Blut-Quecksilber 9,3 ± 5,9 gegenüber 8,9 ± 5,9 µg/l und Samenplasma 1,26 ± 0,61 gegenüber 1,05 ± 0,52 µg/l (niedrige gegenüber hoher Samenqualität); dosisabhängiger Zusammenhang des Blutwerts mit dem Anteil normaler Morphologie (p = 0,02).
- Lu et al. 2018, Shanxi [s68] (616 Männer, Median Urin-Quecksilber 9,14 µg/l, 42,7 % bei oder über 10 µg/l): bei 242 Männern negative Korrelation mit der H19-Methylierung der Spermien-DNA (rs = −0,346; p < 0,05), nach Adjustierung für Alter, Rauchen, Alkohol, Fisch und Meeresfrüchte, Bildung bestätigt (β = −0,321; p < 0,05), nicht für Peg3 und Meg3. Ein epigenetischer Befund; Zahl, Beweglichkeit und Morphologie wurden nicht berichtet.
- Lee et al. 2019, Korea [s64] (4.689 Erwachsene, davon 2.763 Männer): bei Männern kein signifikanter Zusammenhang zwischen FSH und Blut-Quecksilber, Blut-Blei oder Urin-Cadmium; Spermienparameter wurden nicht erhoben.
- Henriques et al. 2026 [s04]: Quecksilber in allen Haarproben, 41 % über 1.000 ng/g und 11 % über 2.000 ng/g; positive Korrelation zwischen Haar-Quecksilber und Defekten im Hauptstück des Flagellums sowie einem höheren Teratozoospermie-Index (Probandenzahl im Abstract nicht genannt).
- Yuan et al. 2026, Hongkong [s10] (250 Männer, 26 bis 63 Jahre; Volltext): 62,8 % der Proben hatten mindestens einen Parameter unter dem Referenzwert; Gesamtquecksilber im Vollejakulat 0,35 ± 0,23 µg/l, im Samenplasma 0,28 ± 0,19 µg/l; anorganisches Quecksilber 65 % beziehungsweise 70 %. Konzentrationsbasiert unterschied sich nur Methylquecksilber im Vollejakulat zwischen normaler und schlechter Qualität (p = 0,0072), und zwar höher in der normalen Gruppe; in der ordinalen Regression waren höheres Gesamtquecksilber (OR 0,350; p = 0,005) und Methylquecksilber (OR 0,439; p = 0,003) mit geringerer Chance auf stärkere Beeinträchtigung verbunden. Die Autoren sehen darin keinen Schutzeffekt, sondern den Fischkonsum (Omega-3-Fettsäuren). Bezogen auf 10^6 Spermien kehrt sich das Bild um: normale Morphologie im Hauptmodell (adjustiert für die Gesamtspermienzahl) β = −0,218 (−0,303 bis −0,132) je Verdopplung für Gesamtquecksilber, −0,117 (−0,195 bis −0,040) für Methylquecksilber und −0,141 (−0,214 bis −0,068) für anorganisches; Gesamtmotilität −0,078 (−0,143 bis −0,012), −0,080 (−0,137 bis −0,023) und −0,033 (−0,089 bis 0,023; p = 0,245). Das Zahnamalgam erscheint im Volltext nur als typische Quelle von elementarem Quecksilber und als nicht erhobene Störgröße; die Herkunft des hohen Anteils anorganischen Quecksilbers bleibt offen. Schwächen: keine Daten zu Ernährung, Berufsexposition, Alkohol, Amalgam; anorganisches Quecksilber ist eine Differenz mit Fehlerfortpflanzung; die Normalisierung auf die Spermienzahl koppelt das Maß mechanisch an die Zahl im Nenner, was Scheinzusammenhänge begünstigen kann (Einschätzung dieser Recherche).
- Iwai-Shimada et al. 2025 [s16] (Tagungsabstract, 372 gesunde japanische Männer, 17 Elemente im Ejakulat, drei Cluster): Im Cluster mit 14 % der Teilnehmer waren bewegliche Spermien und Motilitätsrate höher, ebenso essenzielle Elemente; keine Quecksilber-spezifische Aussage, keine Zahlen zu einzelnen Elementen.
Das Bild ist gemischt: Nullbefunde [s103, s90, s111], positive Zusammenhänge mit Spermienparametern bei hohem Fischkonsum [s70], negative mit Morphologie und Flagellum [s59, s04, s10] und ein epigenetischer Befund [s68]. Fischverzehr (Fettsäuren, Selen) verflicht sich mit der Quecksilberbelastung und lässt sich nicht herausrechnen.
6.5 Übersichten und Metaanalysen zu Quecksilber
Henriques et al. 2019 [s62] (systematische Übersicht 1975 bis 2017): Erhöhte Quecksilberwerte seien mit Infertilität oder Subfertilität assoziiert und Quecksilberexposition habe Spermien-DNA-Schäden und abnorme Morphologie und Beweglichkeit verursacht (Formulierung des Abstracts); die Mechanismen seien unbekannt. Kaur et al. 2024 [s34] (Metaanalyse, PROSPERO CRD42023465776): Blei im Blut Infertiler SMD 0,67 (95-%-KI 0,07 bis 1,28; p = 0,03), Blei im Samen 1,19 (0,42 bis 1,96; p = 0,002), Cadmium im Samen 0,92 (0,54 bis 1,29; p < 0,00001); für Quecksilber im Blut kein signifikanter Zusammenhang. Giulioni et al. 2025 [s15] (Scoping Review, 21 von 1.709 Studien) betont Blei, Cadmium und Arsen. Kumar et al. 2022 [s45] (75 Artikel) nennt Quecksilber auch aus Amalgam als Quelle und berichtet Effekte auf Zahl, Beweglichkeit und Morphologie, Humandaten aber wenige und uneinheitlich; die Debatte über niedrige chronische Exposition bei Amalgamträgern sei nicht entschieden. Kushawaha et al. 2025 [s20] betont fehlende Standardisierung; Bjørklund et al. 2019 [s60] (Mini-Review) vermutet Leydig-Zell- und Samenkanälchenschäden; Zhu et al. 2000 [s113] halten für Hoden und andere endokrine Organe Tierbefunde für ausreichend, die Humanstudien zu Serumhormonen für nicht schlüssig; Sheng et al. 2023 [s42] stellen Schwermetalle allgemein als auch bei sehr niedriger Dosis schädlich dar (ohne Zahlen im Abstract). Diese Texte sind Zusammenfassungen und keine eigenständigen Belege.
6.6 Tierversuche und Laborstudien zu Quecksilber
Martinez et al. 2017 [s77]: Ratten, 30 Tage niedrig dosiertes Quecksilberchlorid, Blut-Quecksilber 6,8 ± 0,3 ng/ml, laut den Autoren ähnlich dem nach beruflicher Exposition oder Füllungsentfernung beim Menschen; Ablagerung in Hoden, Nebenhoden und Prostata, gestörte Membranintegrität der Spermien, weniger reife Spermien, Keimepithelverlust, mehr reaktive Sauerstoffspezies und GPx1/GPx4. Martinez et al. 2014 [s85]: gleiches Schema; weniger Spermien, geringere Beweglichkeit, mehr Kopf- und Flagellum-Anomalien, oxidativer Stress. Altunkaynak et al. 2015 [s81]: 12 Ratten, sechs Wochen Quecksilberdampf (1 mg/m³/Tag), kleineres Hodenvolumen, weniger Sertoli-Zellen, Spermatogonien, Spermatozyten und Spermatiden, atrophe Kanälchen. Ivanitskaia 1991 [s123] (Kurzabstract, 231 Zeichen, russisch; Titel „Evaluation of combined effects of ionizing radiation and mercury on the reproductive function of animals“, deutsch: Bewertung der kombinierten Wirkung ionisierender Strahlung und Quecksilber auf die Fortpflanzungsfunktion von Tieren): verminderte Spermatogenese durch einzelne oder kombinierte Einwirkung; ohne Zahlen. In vitro an menschlichen Spermien: Arabi et al. 2007 [s101] (Quecksilber 50 bis 800 µmol): mehr Lipidperoxidation (r = −0,941 zur Vitalität; p < 0,001), DNA-Brüche, veränderte Akrosomreaktion; Ghaffari et al. 2011 [s94]: 60 µg/ml hemmten 70 % der Kreatinkinaseaktivität. Dosen, Applikationswege und Konzentrationen sind nicht mit Amalgamfüllungen gleichzusetzen; die Arbeiten belegen biologische Plausibilität, nicht eine Wirkung bei Füllungsträgern.
6.7 Andere zahnmedizinische Stoffe
Gul et al. 2021 [s50] (Türkei, prospektiv, 18 gesunde Männer, zwei Kompositmaterialien, Messungen vor und 1 Tag, 1, 3 und 5 Wochen nach der Füllung): Die Bisphenol-A-Freisetzung war weder im Speichel noch im Serum signifikant erhöht (p > 0,05); Serum-BPA beim Grandio-Material 1,42 ± 0,31 ng/ml zu Beginn und 1,49 ± 1,04 nach 5 Wochen, Speichel-BPA 0,29 ± 0,19 und 0,34 ± 0,24 ng/ml. Der Testosteronmittelwert stieg beim Grandio-Material von 3,66 auf 4,67 ng/ml nach 3 Wochen und lag nach 5 Wochen bei 3,76; bei Charisma bewegte er sich zwischen 3,15 und 3,99 ng/ml; laut Text sanken FSH, LH und freier Androgenindex bei Grandio signifikant gegenüber dem Ausgangswert (p < 0,05), bei Charisma nicht. Die Autoren schließen, BPA aus den Kompositen habe die Serumhormone nicht signifikant verändert. Interne Unstimmigkeit: Die Tabelle kennzeichnet den Testosteronwert nach 3 Wochen bei Grandio als signifikant verschieden vom Ausgangswert, der Text bezeichnet den Anstieg als nicht signifikant. Keine Kontrollgruppe ohne Füllung, keine Spermienanalyse, fünf Wochen Beobachtung; Komposit, nicht Amalgam.
Chigrinets und Bryukhin 2018 [s72] (Tscheljabinsk, 63 Samenproben, russisch; Titel „Zusammenhang der Harnröhrenmikrobiota mit der Ejakulatqualität und dem Gehalt endokriner Disruptoren in der Samenflüssigkeit von Männern“): BPA war in 100 % der Ejakulatproben nachweisbar, Triclosan in 84,9 %; Normo- und Pathozoospermie unterschieden sich in der BPA- (p < 0,001) und der Triclosankonzentration (p = 0,003); BPA korrelierte mit Lactobacillus spp. (r = 0,501), Corynebacterium spp. (0,425), Anaerococcus spp. (0,371) und Eubacterium spp. (0,357), Triclosan mit Staphylococcus spp. (0,392) und Streptococcus spp. (−0,486). Die Richtung der Gruppenunterschiede nennt der Abstract nicht, die Herkunft der Stoffe wird nicht diskutiert, ein Bezug zu Dentalmaterial wird nicht hergestellt.
Tabatabaei et al. 2013 [s92]: 60 männliche Mäuse, 28 Tage Auswaschstoffe aus zwei Kompositen per Schlundsonde; Spermienbeweglichkeit und -vitalität in allen Testgruppen signifikant niedriger, Hodengewicht und Spermienzahl unverändert.
Fakhouri et al. 2008 [s100, s99] (Beirut, 60 Sprague-Dawley-Ratten, Methylmethacrylat im Trinkwasser über acht Monate): Histologie [s100]: Sieben von zehn Ratten der Gruppe mit 32 % MMA zeigten eine teilweise Atrophie der Bläschendrüse; Hoden, Nebenhoden und Samenleiter waren histologisch unauffällig. Testosteron [s99]: bei 16 % MMA stieg der Spiegel um 60 % (p = 0,003); die Kontrollgruppe fiel um 44,8 % (p = 0,001), die Gruppe mit 4 % um 67,7 %, die mit 32 % um 71,7 % (p = 0,002); die Angabe für 8 % („decrease of 432 %“) ist rechnerisch unmöglich, vermutlich ein Druckfehler. Dass auch die Kontrollgruppe fiel, spricht für Zeit- oder Haltungseffekte; die Autoren nennen die Hormonbefunde vorläufig. Keine Spermienanalyse.
Patial et al. 2024 [s36] (Fluorid-Übersicht, höhere Konzentrationen, Fluorosen): Histologie- und Biochemieveränderungen, Beeinträchtigung der Spermienqualität, Defekte an Flagellum, Akrosom und Kern, niedrigeres Testosteron; nicht auf zahnärztliche Fluoridanwendung bezogen.
6.8 Einordnung für Amalgam
Belastbare Daten zu Amalgamfüllungen und Spermienqualität beim Menschen fehlen: eine kleine Querschnittsstudie ohne Zusammenhang [s117], Übersichten aus der Zahnmedizin, die mehr Forschung zur männlichen Fertilität fordern [s115, s112], und Tier- und Laborbefunde mit offener Übertragbarkeit [s77, s85, s81, s101, s94]. Die Biomonitoring-Studien zeigen Nullbefunde, Zusammenhänge in beide Richtungen und starke Verflechtung mit dem Fischverzehr. Eine Studie, die bei Füllungsträgern vor und nach Füllungsentfernung Spermienparameter misst, wurde nicht gefunden. Zum möglichen Weg Amalgam, Mundflora, Spermienqualität (etwa Wirkung von Quecksilber auf orale Keime) liegt in den ausgewerteten Quellen nichts vor.
7. Mundflora und Seminalmikrobiom
Was die Suche ergab. Gesucht wurde nach Studien, die orale Mikrobiota (Speichel, Plaque, subgingivale Proben) mit der Mikrobiota oder dem Keimgehalt von Samen in Beziehung setzen, nach parodontalen Leitkeimen in Samen oder Hoden und nach Mendelschen Randomisierungsstudien mit oralen Mikrobiomzügen und männlicher Fertilität. Keine davon wurde gefunden. Der einzige Beleg für eine Verbindung zwischen Mundflora und Ejakulat sind die Aachener Arbeiten mit „nahezu identischem“ Keimspektrum [s127, s125, s120] mit den dort genannten Einschränkungen. Die Seminalmikrobiom-Literatur ist groß, enthält aber keine Probenahme in der Mundhöhle; ob die im Samen gefundenen Bakterien aus dem Mund stammen, prüft keine der Studien. Haut, Harnröhre, Partnerin, Sexualpraktiken und Kontamination bei der Probengewinnung bleiben als Herkunft ungeprüft.
Weng et al. 2014 [s88]. Metagenomische Sequenzierung von 96 Samenproben von Männern aus infertilen Paaren. Häufigste Gattungen: Lactobacillus (19,9 %), Pseudomonas (9,85 %), Prevotella (8,51 %) und Gardnerella (4,21 %). Lactobacillus und Gardnerella waren in normalen Proben signifikant häufiger, Prevotella in Proben niedriger Qualität. Die Proben bildeten drei Gruppen (Lactobacillus-, Pseudomonas- und Prevotella-dominiert); 80,6 % der normalen Proben fielen in die Lactobacillus-Gruppe. Die Autoren vermuten Lactobacillus als mögliches Probiotikum für die Samenqualität. Schwächen: Querschnitt, nur Männer infertiler Paare, Kontamination bei Proben mit geringer Biomasse (Kontrollproben im Abstract nicht erwähnt).
Farahani et al. 2021 [s47]. Systematische Übersicht mit Metaanalyse (englischsprachige Studien 1992 bis 2019): 55 Beobachtungsstudien mit 51.299 Probanden; Nachweis von Bakterien im Samen per Sequenzierung, Kultur oder PCR. Das Seminalmikrobiom war bei Fertilen und Infertilen reich und vielfältig. Lactobacillus war mit besseren, Prevotella mit schlechteren Samenparametern verbunden. Bakteriospermie war mit niedrigerer Konzentration und Beweglichkeit und höherem DNA-Fragmentierungsindex verbunden (mittlere Differenz 3,518; 95-%-KI 0,907 bis 6,129; P = 0,008). Ureaplasma urealyticum war bei Infertilen häufiger (OR 2,25; 1,47 bis 3,46) und mit niedrigerer Konzentration und Morphologie verbunden; für Chlamydia trachomatis fand sich kein Unterschied; Enterococcus faecalis war mit geringerer Gesamtbeweglichkeit, Mycoplasma hominis mit niedrigerer Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie verbunden. Die Autoren bezeichnen die Evidenz zur Wirkung des Seminalmikrobioms auf die Fertilität als nicht schlüssig. Mundkeime sind in den berichteten Ergebnissen nicht als solche ausgewiesen.
Weitere Sequenzierungsstudien. Garcia-Segura et al. 2022 [s44] (56 Männer: 14 Spender, 42 idiopathisch Infertile): Mehrere Gattungen korrelierten negativ mit der DNA-Fragmentierung (am stärksten Moraxella, Brevundimonas, Flavobacterium); Actinomycetaceae, Ralstonia und Paenibacillus waren mit verminderter Protaminierung und mehr Doppelstrangbrüchen verbunden. Mowla et al. 2025 [s25] (223 Männer, darunter 63 Väter mit nachgewiesener Fertilität, 46 Partner bei wiederholten Fehlgeburten, 58 mit männlichem Faktor, 56 mit unerklärter Infertilität): drei Hauptcluster (Streptococcus, Prevotella, Lactobacillus plus Gardnerella); die Gesamtzusammensetzung oder -last war nicht mit Samenanalyse, reaktiven Sauerstoffspezies oder DNA-Fragmentierung assoziiert; die Autoren folgern, eine globale Störung des Seminalmikrobioms sei nicht mit männlichen Fortpflanzungsstörungen verbunden, Männer mit nicht identifiziertem Flavobacterium hätten aber häufiger abnorme Samenanalysen. Bazzar et al. 2026 [s01] (systematische Übersicht 2015 bis 2025): Lactobacillus verbessere Beweglichkeit, Konzentration und DNA-Integrität, Prevotella, Pseudomonas und Ureaplasma gingen mit Verschlechterung einher; Sexualkontakt ermögliche bidirektionalen Keimtransfer; bei HPV-positiven Proben fand sich mehr Fusobacterium; die Autoren sehen Probiotika als „vielversprechend“, was ihr Urteil und keine Empfehlung dieser Studie ist.
Asien. Guangzhou, 102 Männer: bei hohem DNA-Fragmentierungsindex Lactobacillus iners angereichert, Gesamtvielfalt nicht signifikant verschieden [s32]. Changsha, 87 Proben: bei Leukozytospermie schlechtere Spermienparameter und höhere α-Diversität [s46]. Hongkong, 57 Patienten gegen 30 Kontrollen: geringere Modularität der Bakteriennetzwerke und Hemmung der progressiven Beweglichkeit durch rekombinantes DEFB119 in vitro [s33]. Chengdu, 40 Patienten gegen 30 fertile Kontrollen: Modell mit fünf Kerngattungen, AUC 0,773 (KI 0,661 bis 0,885) [s22, s07] (zwei Arbeiten derselben Einrichtung mit gleichen Gruppengrößen, offenbar dieselbe Kohorte); Chengdu, 26 Infertile gegen 14 Fertile: niedrigere α-Diversität, 45 unterschiedlich häufige Taxa, vier Metaboliten mit AUC über 0,97, bei dieser Stichprobengröße ohne Validierung wahrscheinlich überschätzt [s28]; Chongqing, 231 Patienten: nach Ausschluss jahreszeitlich schwankender Metaboliten 14 mit Teratozoospermie assoziiert [s11]. Keine dieser Studien bezieht Mundproben ein. Lactobacillus wird einmal als bei hohem DFI angereichert [s32], in anderen Studien als Marker besserer Samenqualität beschrieben [s88, s47]: Die Befunde sind uneinheitlich.
Türkei, Russland. Alkan et al. 2025 [s14] (13 infertile, 5 fertile adipöse Männer, BMI über 30): Spermienkonzentration (p = 0,043), Gesamtzahl (p = 0,032), progressiv bewegliche Spermien (p = 0,028), unbewegliche Spermien (p = 0,012) und normale Morphologie (p = 0,019) unterschieden sich zwischen den Gruppen; 206 Gattungen; Fusobacterium korrelierte mit dem Anteil histonreicher Spermien (rho = −0,943; p = 0,005; n = 6). Die Autoren vermuten, Fusobacterium gehöre zur Mundflora und könne über Blut oder Lymphe in den Samen gelangen; das ist eine durch keine Mundprobe belegte Hypothese auf der Grundlage von sechs Männern. Pochernikov et al. 2024 [s38] (127 Ehepaare, Echtzeit-PCR): Das Ejakulat hatte eine geringere bakterielle Gesamtmasse als Harnröhre und Zervikalkanal; die Übereinstimmung der Biotope der Partner betrug höchstens 34 %; Mundproben wurden nicht entnommen. Chigrinets 2018 [s72]: Harnröhrenflora, keine Mundhöhle. Rusetskaya et al. 2023 [s41] (narrativer Review zu Redox-Regulation von NLRP3 und Selen): nennt Parodontalgewebe unter den Geweben mit Inflammasom-Aktivierung und weist darauf hin, Selenmangel könne zum programmierten Zelltod unter anderem von Spermien beitragen; keine eigenen Daten zu Parodontitis oder Spermienqualität.
Einordnung. Lactobacillus wird in mehreren Arbeiten mit besserer, Prevotella mit schlechterer Samenqualität in Verbindung gebracht [s88, s47, s01]; in der größten primären Sequenzierungsstudie fand sich dagegen kein Zusammenhang der Gesamtzusammensetzung mit der Samenqualität [s25]. Ein Beleg für einen oral-seminalen Übertragungsweg liegt nicht vor.
8. Leitlinien
Geprüft wurden die Leitlinienseiten von EAU, AUA/ASRM, ESHRE und der AWMF sowie weitere Fachgesellschaften. Die Ergebnisse sind knapp, weil die Leitlinien das Thema praktisch nicht behandeln.
EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Ausgabe 2026 [s03]. Die Uroweb-Seite liefert den gesamten Leitlinientext. Die Stichwortsuche ergab genau zwei Treffer. Erstens nennt Tabelle 5.1 („Pathophysiology of ED“, Zeile „Mixed pathophysiological pathways“, Unterzeile chronische Systemerkrankungen) „chronic periodontitis“ in einer Aufzählung von Erkrankungen, die mit erektiler Dysfunktion in Verbindung gebracht werden, zusammen mit Psoriasis, Gicht, ankylosierender Spondylitis, nichtalkoholischer Fettlebererkrankung, Offenwinkelglaukom, chronisch-entzündlicher Darmerkrankung, chronischem Erschöpfungssyndrom, allergischer Rhinitis, obstruktiver Schlafapnoe und Depression. Zweitens steht im Abschnitt zu schmerzhafter Ejakulation, weitere Fallberichte hätten nahegelegt, dass Quecksilbervergiftung oder Ciguatera-Fischvergiftung schmerzhafte Ejakulation verursachen könnten. Beides habe ich am Leitlinientext selbst nachgeprüft; „Amalgam“ und „periodontal“ kommen im Text nicht vor. Das Kapitel zur männlichen Infertilität enthält weder zu Parodontitis noch zu Amalgam oder Mundgesundheit Aussagen. Es gibt in dieser Leitlinie keine Empfehlung zu Zahnstatus oder Amalgam bei Samenqualitätsstörungen. Die Nennung der chronischen Parodontitis in der ED-Tabelle ist eine Auflistung von Assoziationen, keine Empfehlung und kein Kausalurteil.
AUA/ASRM-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der Infertilität des Mannes, 2021, Teil I und II [s53]. Der Abstract von Teil I beschreibt Anamnese, körperliche Untersuchung und Diagnostik; er nennt weder Zähne noch Quecksilber. Im Volltext der AUA-Webseite (rund 584 KB Text) kommt „dental caries“ ausschließlich als Merkmal der Mukoviszidose vor (neben obstruktiver Azoospermie, Lungenproblemen und Pankreasinsuffizienz). Im Literaturverzeichnis stehen zwei zahnmedizinische Titel: Pawlaczyk-Kamieńska et al. 2019 (dentale und parodontale Manifestationen bei Mukoviszidose) und Kellesarian et al. 2017 [s73], dort offenbar im Zusammenhang mit Hypogonadismus-Begleiterkrankungen. Quecksilber kommt im Volltext nicht vor. Es gibt keine Aussage oder Empfehlung zu Zahngesundheit und Samenqualität.
ESHRE. Die abgerufene Seite „Guidelines“ enthielt unter den Stichwörtern „male“, „infertility“, „unexplained“ und „andrology“ nur „Unexplained infertility“ und „Female fertility preservation“; eine eigenständige ESHRE-Leitlinie zur männlichen Infertilität war dort nicht verzeichnet. Der Inhalt der Leitlinie zur unerklärten Infertilität wurde nicht geprüft.
AWMF. Das Leitlinienregister ist eine clientseitig gerenderte Anwendung; eine Suche war nicht möglich. Über den Inhalt deutscher Leitlinien wird daher nichts behauptet.
Società Italiana di Andrologia und italienisches Lehrbuch. Die Startseite war erreichbar; eine Suche nach „parodontite“ lieferte keinen Treffer; ob die Seitensuche funktioniert, ließ sich nicht überprüfen. Das Lehrbuchkapitel „Fattori maschili dei disturbi della fertilità“ (deutsch: Männliche Faktoren der Fertilitätsstörungen; Andrologia clinica, 2010) [s98] enthält im Volltext keinen der Suchbegriffe „parodont“, „amalgam“, „mercur“ und „batteri“.
Cochrane. In Europe PMC lieferte die Kombination aus Parodont-, Amalgam- oder „oral health“-Begriffen mit Sperma-, Samen- oder männlichen Subfertilitätsbegriffen in der Zeitschrift „Cochrane Database Syst Rev“ sieben Treffer, keiner zum Thema. Cochrane-Übersichten zur männlichen Subfertilität (Antioxidanzien, assistierte Reproduktion, Varikozele) haben dem Titel nach keinen Bezug zu Mundgesundheit oder Amalgam. Eine einschlägige Cochrane-Übersicht wurde nicht gefunden.
Inhaltliche Folgerung. Weder die EAU- noch die AUA/ASRM-Leitlinie führt Parodontitis, Zahnstatus oder Amalgam als Faktor der Diagnostik oder Behandlung der männlichen Infertilität auf. Das ist kein Gegenbeweis, sondern spiegelt wider, dass die Primärliteratur (Abschnitte 3 bis 7) klein, uneinheitlich und überwiegend querschnittlich ist.
9. Gesamteinschätzung der Studienlage
- Kernfrage Parodontitis und Spermien. Sieben abgerufene Primärstudien und zwei weitere über [s24], 75 bis 360 Männer, überwiegend aus Kinderwunschkliniken; Beweglichkeit, Morphologie und DNA-Fragmentierung eher in Richtung eines Zusammenhangs, Konzentration uneinheitlich; zwei ungarische Studien ohne oder mit nur merkmalsbezogenem Zusammenhang [s79, s78]. Es fehlen Kohortenstudien, randomisierte Studien, Mendelsche Randomisierungen und Dosis-Wirkungs-Analysen. Die größte Studie [s40] misst keine Parodontitis, sondern Neutrophile in einer Spülprobe.
- Störgrößen. Rauchen, Alkohol, Adipositas, Diabetes, Varikozele, Abstinenzzeit und Selektion über Kinderwunschkliniken sind nur teilweise kontrolliert. Die Mendelschen Randomisierungen zu ED [s43] und Prostata [s27] fanden die Beobachtungsassoziationen genetisch nicht bestätigt; zu Spermien gibt es keine solche Analyse.
- Intervention. Die einzige Kontrollgruppe mit zahnärztlicher Intervention und Spermiogramm stammt aus Aachen (1989 bis 1993; kleine Gruppen, keine Zahlen im Abstract, mutmaßlich überlappendes Kollektiv) [s127, s125, s120]. Die einzige randomisierte Parodontalbehandlung betrifft die ED [s89].
- Amalgam. Eine einzige direkte Studie ohne Zusammenhang (80 Männer) [s117]; sonst Berufsexposition, Fischkonsum und Tierversuche mit gemischten Ergebnissen. Keine Vorher-nachher-Studie zur Füllungsentfernung.
- Mundflora. Keine Studie vergleicht orale Proben mit Samenproben desselben Mannes (außer den Aachener Keimvergleichen); das Seminalmikrobiom ist beschrieben, die Herkunft der Keime nicht.
- Tierversuche. Ein Ligaturversuch an der Ratte mit Spermienendpunkten [s29], Mausdaten zu Testosteron [s57], Rattenmodelle zur Erektionsfunktion [s26, s97] und ein Prostatamodell [s37].
- Verzerrung und Datenqualität. Die Mehrzahl der Studien berichtet Zusammenhänge, Nullbefunde nur in wenigen Arbeiten [s79, s117]; die Übersichten prüfen Publikationsverzerrung nicht [s24, s67]. Mehrere Abstracts enthalten Zahlen, die sich nicht zusammenrechnen lassen [s87, s79, s99], und Volltexte widersprechen teils ihren Abstracts [s61].
- Sprachräume. Nach dem Erreichbaren wird das Thema fast nur auf Englisch behandelt, mit einer älteren deutschsprachigen Linie [s127, s125, s120]. Aus dem russisch-, arabisch- und türkischsprachigen Raum fand sich keine Primärstudie zu Parodontitis und Spermienparametern; geprüft wurden Europe PMC, PubMed-Schnittstellen, CyberLeninka und TR Dizin, nicht geprüft werden konnten eLIBRARY.ru, DergiPark und Mandumah. Für den portugiesisch- und französischsprachigen Raum waren SciELO, LILACS und Cairn gesperrt, das Fehlen von Studien gilt dort nicht als belegt.