Parodontitis, Zahngesundheit und Amalgam · Kapitel 11 von 19

Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

Vorbemerkung

Eine Dosis-Wirkungs-Beziehung im strengen Sinn (gestufte Exposition, gemessener Effekt, Kontrolle von Störgrößen, Hinweis auf Schwellenwert) liegt für keine der Expositionen dieses Themas am Menschen vor. Es gibt Hinweise auf Abstufungen: Schwere der Parodontitis, Höhe der oralen Entzündungslast, Höhe der Quecksilberkonzentration. Sie stammen aus Querschnittsstudien und sind deshalb Hinweise auf Zusammenhänge im Querschnitt, keine nachgewiesenen Dosis-Wirkungs-Kurven. Dieses Kapitel stellt die vorhandenen Abstufungen zusammen und sagt offen, wo sie fehlen. Alle Zahlen stammen aus den zitierten Studien; es wurde nichts umgerechnet oder gepoolt.

1. Parodontitis und Entzündungslast: Abstufungen nach Schwere

Tabelle 1: Schwere des Parodontalbefunds beziehungsweise Höhe der Entzündungslast und Samenparameter

StudieMaß der ExpositionErgebnis nach AbstufungParameter ohne Zusammenhang
Pourabbas 2023, n = 229 [s40]orale Neutrophile (oPMN), je Einheit (Mittel 20,62 × 10^5/ml, Spanne 5,00 bis 39,80)Gesamtbeweglichkeit B = −0,573 (−0,817 bis −0,329); progressive Beweglichkeit −0,367 (−0,536 bis −0,198); normale Morphologie −0,407 (−0,463 bis −0,351); SDFi +0,733 (0,651 bis 0,814); seminale Neutrophile +0,126 Mio./ml (0,100 bis 0,152)Gesamtzahl B = 1,420 (−0,928 bis 3,767; P = 0,235); Konzentration P = 0,406
Chidambar 2019, n = 85 [s61]Attachmentverlust, Blutungsstellen, Gingivaindex (Spearman)Beweglichkeit rho −0,3841 / −0,4411 / −0,3376; Morphologie −0,3020 / −0,3513 / −0,2678; Ejakulatvolumen −0,3429 (Attachmentverlust) und −0,3693 (Blutungsstellen)Konzentration −0,1507 / −0,1624 / 0,0206 (alle nicht signifikant); Plaqueindex positiv korreliert
Tao 2021, n = 192 [s54]mäßige oder schwere Parodontitis gegenüber leichter oder keinerAnteil 33,3 % gegenüber 17,8 % (p = 0,012); adjustiertes OR 3,377 (p = 0,005); progressive Beweglichkeit 36,5 % gegenüber 17,9 %, Gesamtbeweglichkeit 36,2 % gegenüber 18,6 % bei schwerer Parodontitis (laut [s24])Spermienzahl (P = 0,169) und Konzentration (P = 0,335)
Práger 2017, n = 199 [s78]Zahnstein, Blutung auf Sondieren (BOP), BOP an mindestens 50 % der Zähneadjustierte OR in der Oligo-Asthenozoospermie-Gruppe 1,04, 1,13 und 4,92 (steigend mit der Ausdehnung der Blutung)Karies (DMFT) nicht erhöht
Klinger 2011, n = 75 [s96]Attachmentverlust, Zahl tiefer TaschenAttachmentverlust signifikant mit verminderter Beweglichkeit, tiefe Taschen als TendenzSpermienzahl (p = 0,17 laut [s24])
Nwhator 2014, n = 76 [s87]Parodontitis, Mundhygiene, aMMP-8-Schnelltestsubnormale Spermienzahl: p = 0,048 (Mundhygiene), p = 0,026 (Parodontitis) laut [s24]Zahlen im Abstract widersprüchlich
Pásztor 2016, n = 95 [s79]schlechter Parodontalstatuskeine Abstufungalle Parameter; Blutung auf Sondieren bei Asthenozoospermie sogar niedriger (p = 0,046)

Aus Tabelle 1 lassen sich drei vorsichtige Aussagen ableiten. Erstens zeigt nur eine Studie eine kontinuierliche Abstufung mit Konfidenzintervallen [s40], und diese misst keine Parodontitis. Zweitens deutet die Studie von Práger darauf hin, dass ein größerer Anteil blutender Stellen mit höherer Chance für Pathospermie einhergeht (OR 4,92 gegenüber 1,13), doch fehlen Konfidenzintervalle, und der städtische Wohnort ist ein ebenso starker Prädiktor [s78]. Drittens finden die beiden Studien mit klinischer Parodontalmessung und Spermienzahl [s61, s54] jeweils keinen Zusammenhang mit der Konzentration, aber Zusammenhänge mit der Beweglichkeit. Eine Schwelle (etwa ab welcher Sondierungstiefe oder welchem Attachmentverlust) lässt sich aus keiner Studie ableiten.

Tabelle 2: Abstufungen bei Nachbarendpunkten (zur Einordnung der Größenordnung)

EndpunktStudieAbstufungEffektmaß
Benigne ProstatahyperplasieWu 2019 [s65]Parodontalerkrankung (CPI 1 bis 4) gegenüber Parodontitis (CPI 3 bis 4)OR 1,68 (1,26 bis 2,24) gegenüber 4,18 (2,75 bis 6,35); gematcht 1,85 gegenüber 4,83
Benigne ProstatahyperplasieKwon 2025 [s21]mindestens eine Episode pro Jahr, häufigere Episoden (zwei oder drei)OR 1,34 (1,31 bis 1,37); mit Häufigkeit weiter steigend (Zahlen im Abstract nicht genannt)
Erektile DysfunktionDiouf 2023 [s39]schwere Parodontitis, schwere EDOR 1,44 (1,11 bis 1,85) und 1,68 (1,15 bis 2,44); Parodontitis insgesamt OR 1,52 (0,55 bis 4,16)
PSALong 2026 [s06]keine, leichte, mittlere, schwere ParodontitisPSA erhöht nur bei schwerer, bei 41- bis 80-Jährigen
ChromosomenbruchindexAlbu 2025 [s13]Attachmentverlust 1,7 / 2,4 / 3,2 mm (Kontrollen, Infertile ohne, Infertile mit Instabilität)BI 0,4 / 1,3 / 5,2

Auch hier ist die Abstufung meist durch Gruppenvergleiche gegeben, nicht durch kontinuierliche Dosismessung.

2. Quecksilber: Expositionshöhe und Befund

Tabelle 3: Quecksilberbelastung und Samen- oder Fortpflanzungsbefunde beim Menschen

StudieExpositionsart, Maß, HöheErgebnis
Hanf 1996, n = 80 [s117]Amalgam, Urin im Bereich Unexponierter; Ejakulat bei 75 % unter 5 µg/l; sieben beruflich Exponierte 10 bis 65 µg/lkeine Korrelation mit Fertilitätsindex, keine mit Füllungszahl
Lauwerys 1985 [s128]Dampf, Urin 5,1 bis 272,1 µg/g KreatininKinderzahl nicht verändert
Erfurth 1990 [s126]Dampf, Urin 26 nmol/mmol Kreatinin (11 Arbeiter), 1,3 (9 Zahnärzte), Referenz 0,6 und 0,4keine Veränderung von FSH, LH, Testosteron
Cordier 1991 [s122]Dampf, Urin der Männer über 50 µg/lFehlgeburten bei Partnerinnen OR 2,26 (0,99 bis 5,23)
Li 1995 [s118]Dampf, 38 Exponierte, 18 KontrollenFruktose im Samenplasma sinkt mit steigender Exposition
Leung 2001 [s111]Vollblut; 35,6 % über 50 nmol/lalle Parameter niedriger, nicht signifikant
Rignell-Hydbom 2007 [s103]Methylquecksilber im Blut 0,11 bis 16,59 µg/lkein Zusammenhang
Mocevic 2013 [s90]Blut-Median 9,2 (Grönland), 1,0 (Polen), 1,0 ng/ml (Ukraine)kein Zusammenhang mit Samenparametern; Inhibin B positiv (β = 0,067; 0,024 bis 0,110)
Mínguez-Alarcón 2018 [s70]Haar-Median 0,72 ppm (0,03 bis 8,01), etwa 30 % über 1 ppmoberes gegenüber unterem Quartil: Konzentration +50 %, Gesamtzahl +46 %, progressive Beweglichkeit +31 %; nach Fischadjustierung schwächer
Ai 2019 [s59]Blut 8,9 bis 9,3 µg/l, Samenplasma 1,05 bis 1,26 µg/lBlutwert dosisabhängig mit Anteil normaler Morphologie (p = 0,02)
Lu 2018 [s68]Urin-Median 9,14 µg/l (0,16 bis 71,35), 42,7 % ≥ 10 µg/lH19-Methylierung rs = −0,346
Henriques 2026 [s04]Haar, 41 % über 1.000 ng/g, 11 % über 2.000 ng/gHauptstück-Defekte und Teratozoospermie-Index positiv korreliert
Yuan 2026, n = 250 [s10]Ejakulat 0,35 ± 0,23 µg/lkonzentrationsbasiert „günstigere“ Qualität bei höherem Methylquecksilber; auf Spermienzahl bezogen: Morphologie β −0,218 (−0,303 bis −0,132), Motilität −0,078 (−0,143 bis −0,012) je Verdopplung
Rowland 1994 [s119] (Frauen)≥ 30 Amalgame pro Woche plus ≥ 5 HygienefaktorenFekundabilität 63 % (42 bis 96 %); niedrige Exposition höher als Unexponierte
Lindbohm 2007 [s102] (Frauen)Amalgam mäßig / hochFehlgeburten OR 2,0 (1,0 bis 4,1) / 1,3 (0,6 bis 2,5); keine konsistente Dosis-Wirkung

Zu Tabelle 3: Die Studien zeigen keine einheitliche Dosis-Wirkungs-Beziehung. Vorhanden sind Nullbefunde über breite Spannen (Blut bis 16,59 µg/l [s103]; bis etwa 10 ng/ml [s90]), ein Hinweis auf eine Schwelle beim Fehlgeburtsrisiko der Partnerinnen von Arbeitern (über 50 µg/l, Konfidenzintervall knapp unter 1) [s122], eine U-förmige Beziehung bei Zahnarzthelferinnen [s119], eine gegenläufige Richtung je nach Normalisierung [s10] und eine positive Richtung bei Fischessern [s70]. Wegen der Verflechtung mit dem Fischverzehr (Omega-3-Fettsäuren, Selen) und der verschiedenen Quecksilberformen lassen sich die Studien nicht auf einer gemeinsamen Dosisachse ordnen. Für Amalgamfüllungen gibt es keine Dosisabstufung außer der Füllungszahl in [s117] (kein Zusammenhang).

Tabelle 4: Tierversuche und Laborstudien mit Dosisangaben

StudieExpositionshöheBefund
Martinez 2017 [s77]Quecksilberchlorid, 30 Tage, Blut 6,8 ± 0,3 ng/ml (Autoren: ähnlich beruflicher Exposition oder Füllungsentfernung beim Menschen)Ablagerung in Hoden, Nebenhoden, Prostata; gestörte Membranintegrität; mehr reaktive Sauerstoffspezies
Martinez 2014 [s85]gleiches Schemaweniger Spermien, geringere Beweglichkeit, mehr Kopf- und Flagellum-Anomalien
Altunkaynak 2015 [s81]Quecksilberdampf, 1 mg/m³/Tag, sechs Wochen, 12 Rattenkleineres Hodenvolumen, weniger Keimzellen
Arabi 2007 [s101]in vitro, 50 bis 800 µmolmehr Lipidperoxidation, r = −0,941 zur Vitalität
Ghaffari 2011 [s94]in vitro, 60 µg/ml70 % Hemmung der Kreatinkinase
Fakhouri 2008 [s99, s100]MMA 0 / 4 / 8 / 16 / 32 % im Trinkwasser, acht MonateTestosteron −44,8 % / −67,7 % / („−432 %“, unplausibel) / +60 % / −71,7 %; Bläschendrüsenatrophie nur bei 32 % (7 von 10 Tieren)

Die MMA-Reihe zeigt keine monotone Beziehung (Kontrollen fielen ebenfalls um 44,8 %, die Gruppe mit 16 % stieg); sie ist kein Beleg für eine Dosis-Wirkung des Testosterons und von den Autoren als vorläufig bezeichnet [s99]. Die Quecksilbertierstudien liefern Dosen und Konzentrationen, die sich nur bedingt mit Füllungsträgern vergleichen lassen; die Autoren von [s77] selbst nennen die Blutkonzentration vergleichbar mit der nach Füllungsentfernung, was eine Aussage der Autoren ist und keine eigene Messung bei Füllungsträgern.

3. Subgruppen

Tabelle 5: Subgruppenbefunde

MerkmalBefundQuelleAussagekraft
Alter, EDParodontitis und ED: OR unter 30 Jahren 4,54 (3,81 bis 5,40), über 69 Jahren 4,84 (4,35 bis 5,39), gesamt 3,35; Tsao unter 30: 2,13 (1,23 bis 3,70), über 59: 2,27 (1,99 bis 2,59)[s93, s84]Abrechnungsdaten, Altersextreme stärker
Alter, PSAZusammenhang nur bei 41 bis 80 Jahren, nicht bei 20 bis 40[s06]Querschnitt, Klinikstichprobe
Alter, SpermienParodontitis und subnormale Zahl nur in einer Altersgruppe, schlechte Mundhygiene in allen[s87]kleine Zellen
Rauchen und AlkoholoPMN bei Nichtrauchern um 8,1 Einheiten niedriger (B = −8,100; P < 0,001), bei Nichttrinkern um 3,3 (B = −3,332; p = 0,008); Alkoholverzicht mit 11,660 Prozentpunkten höherer Gesamtbeweglichkeit (KI 7,089 bis 16,232); Rauchen mit 2,272 Prozentpunkten höherem SDFi (p = 0,027)[s40]zeigt, dass beide Verhaltensfaktoren sowohl die Exposition als auch den Ausgang verändern
Form der PathospermieZusammenhang nur in der kombinierten Oligo-Asthenozoospermie, nicht bei reiner Oligo-, Astheno- oder Kryptozoospermie[s78]Mehrfachvergleiche
Idiopathisch Infertilekein Zusammenhang bei 95 sonst gesunden Männern[s79]kleine Kontrollgruppe
AdipositasStudie nur an adipösen Männern: 13 Infertile, 5 Fertile; Chidambar schloss adipöse Männer aus[s14, s61]Übertragbarkeit offen
EinkommenBPH: OR 1,34 insgesamt, 1,43 bei Einkommensschwachen[s21]Hinweis auf Inanspruchnahmeverzerrung
FischkonsumZusammenhang Haar-Quecksilber und Samenqualität schwächer nach Adjustierung; Blutwert verknüpft mit Seefischverzehr[s70, s110, s59]wichtigste Störgröße der Quecksilberstudien
RegionParodontitis und ED: Studien aus Taiwan, Korea, China, Japan, Europa und Afrika, mit Nullbefund in Afrika (OR 1,52; 0,55 bis 4,16) und Japan (multivariat)[s39, s31]kleine Studien
Genetische GegenprobeMendelsche Randomisierung nur europäische Daten für ED[s43]für Ostasien nur bedingt aussagekräftig (Einschätzung dieser Recherche)
GeschlechtParodontitis und IVF-Ergebnis bei Frauen: keine Assoziation [s63] beziehungsweise nur höheres Progesteron [s55]; bei Männern uneinheitlich (zwei von fünf Studien zur Samenqualität mit signifikantem Zusammenhang laut [s52])[s63, s55, s24]Frauendaten nicht übertragbar

Zu Tabelle 5: Es gibt keine Subgruppenanalyse in den Spermienstudien nach Alter, Rauchstatus oder Parodontitisform, die Konfidenzintervalle berichtet und vorab geplant war. Die einzige Studie mit Rauch- und Alkoholeffekten [s40] nutzt sie als Störgrößen, nicht als Effektmodifikatoren.

4. Reversibilität

Reversibilität würde bedeuten, dass sich ein Spermienbefund nach Beseitigung der Exposition (Parodontaltherapie, Sanierung, Füllungsentfernung) bessert. Dafür gibt es sehr wenig Material.

Tabelle 6: Hinweise zur Reversibilität

StudieIntervention oder BeobachtungErgebnisEinschränkung
Bieniek 1989, Ensslen 1990, Bieniek 1993 [s127, s125, s120]zahnärztliche Sanierung bei 36 Männern mit therapieresistenter Bakteriospermie (Testgruppe 18, Kontrollgruppe)nach sechs Monaten etwa zwei Drittel der Spermiogramme steril, bessere Beweglichkeit, Dichte, Morphologie; Kontrollgruppe blieb schlechtkeine Zahlen, keine Statistik, vermutlich überlappendes Kollektiv, Mundhygieneunterweisung gleichzeitig, nicht randomisiert
Eltas 2013 [s89]Parodontalbehandlung bei 120 Männern mit ED, randomisiertIIEF-Anstieg nach 3 Monaten höher (p < 0,05), nach 1 Monat nichtFragebogenendpunkt, kein Spermiogramm, kurze Nachbeobachtung
Fu 2021 [s49]Parodontitis mit und ohne Behandlung, TaiwanProstatitis-Inzidenz in beiden Gruppen etwa gleich (125 und 130 gegenüber 61 je 100.000 Personenjahre)zeigt keine Behandlungswirkung, aber auch keine Wirkungslosigkeit (Abrechnungsdaten)
Tsao 2015 [s84]Zahnextraktion und ED-VerlaufAutoren: Extraktion scheine die Schädigung abzuschwächenspekulativ, keine Zahlen im Abstract
Xia 2025 [s26]Heparin bei Ratten mit ParodontitisGlykokalyxabbau abgeschwächt, Erektionsfunktion verbessertTierversuch, keine Aussage zum Menschen
Omori 2020 [s56]eine Frau mit aggressiver Parodontitis nach Parodontalbehandlungnatürliche SchwangerschaftEinzelfall, Frau
Zeffa 2025 [s29]14 Tage Läsionsbildung plus 54 Tage Beobachtung (vollständiger Spermatogenesezyklus)Befund am Ende; es gab keine BehandlungsgruppeReversibilität nicht geprüft
Martinez 2017 [s77]niedrig dosiertes Quecksilberchlorid über 30 Tagekeine Erholungsphase beschriebenReversibilität nicht geprüft

Daraus folgt: Für Parodontitis gibt es keine Studie, die nach Parodontalbehandlung das Spermiogramm misst. Für Amalgam gibt es keine Studie, die nach Füllungsentfernung Spermienparameter misst. Die einzige Intervention mit Spermiogramm sind die Aachener Arbeiten mit den genannten Schwächen [s127, s125, s120]. Die einzige randomisierte Parodontalbehandlung betrifft die Erektion, nicht die Spermien [s89]. Ob eine vermutete Wirkung reversibel wäre, kann die Literatur deshalb weder bejahen noch verneinen.

5. Was sich aus dem Material nicht angeben lässt

  • Eine Mindestdosis oder Schwelle, ab der Parodontitis oder Quecksilber die Samenqualität beeinträchtigt.
  • Ein Zeitverlauf von Exposition bis Wirkung (alle Humanstudien sind Querschnittsstudien oder Fall-Kontroll-Studien; die einzige Längsbeobachtung der Spermatogenese ist der Rattenversuch [s29]).
  • Ein Effekt der Dauer der Parodontitis oder der Zahl der Amalgamfüllungen auf die Spermienparameter (nur [s117] mit Nullbefund).
  • Ein Unterschied nach Parodontitisform (chronisch gegenüber aggressiv) bei Männern.
  • Eine Aussage über die Größe des Effekts auf die Fertilität (Schwangerschaftsrate, Zeit bis zur Schwangerschaft des Paares): Keine der Studien zu Parodontitis und Spermiogramm berichtet sie als Ergebnis.

Dieses Kapitel gibt weder eine Therapie- noch eine Verhaltensempfehlung. Es beschreibt, was die Literatur an Studien, Leitlinieninhalten, Tierversuchen, Mechanismen, Abstufungen und Reversibilität hergibt, und wo sie schweigt.

Alle Kapitel und Anhänge (22)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Vorbemerkung bis Zusammenfassung der Beobachtungsdaten zur ED
  6. Parodontitis und Prostata (Herkunft des Seminalplasmas) bis Studien an Frauen und ein Fallbericht (nur als Randbefund)
  7. Amalgam, Quecksilber und Samenqualität bis Gesamtbewertung der Studienlage
  8. Vorbemerkung zu Umfang und Methode dieses Kapitels bis 5. Angrenzende Endpunkte: erektile Funktion, Sexualhormone, Prostata
  9. 6. Amalgam, Quecksilber und Samenqualität bis 9. Gesamteinschätzung der Studienlage
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Koreanisch
  13. Russisch bis Türkisch
  14. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  15. Limitationen der Evidenz
  16. Offene Forschungsfragen
  17. Praktische Einordnung
  18. Glossar
  19. Quellenverzeichnis
  20. Diagramme
  21. Quellen
  22. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle