Parodontitis, Zahngesundheit und Amalgam · Kapitel 12 von 19 · Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Englisch bis Koreanisch

Dieses Kapitel ordnet die abgerufene Literatur nach Sprachräumen und fragt für jeden Raum: Welche eigenen Kohorten, Register, Leitlinien und Fachzeitschriften gibt es, was ist regional besonders, wie gut waren die Datenbanken erreichbar, und wo gibt es kaum eigene Literatur? Die Ergebnisse der einzelnen Studien werden in anderen Kapiteln im Zusammenhang gewürdigt; hier geht es um die Verteilung der Evidenz über die Räume und um die Frage, was jeweils belegt, was nur angedeutet und was gar nicht untersucht ist.

Wie die Zuordnung erfolgt. Maßgeblich ist das Feld „sprachraeume“ der Quellenliste (synthese.json). Es richtet sich zuerst nach der Publikationssprache des Titels oder des Originals und zweitens nach dem Standort der Einrichtung. Das hat eine unvermeidliche Folge: Fast alle Arbeiten aus Ostasien, aus der Türkei, dem Iran, Brasilien oder Spanien sind auf Englisch erschienen. Studien mit dem Eintrag „en“ allein, auch wenn sie aus Iran, Ungarn, Indien, Israel, Nigeria, Rumänien oder dem Senegal stammen, stehen im englischsprachigen Abschnitt, weil diese Länder keinen eigenen Abschnitt haben. Ausnahmsweise werden englischsprachige Arbeiten mit Standort in Frankreich oder Italien in den Abschnitten dieser Räume genannt, damit der jeweilige Raum nicht leer erscheint; ihr Eintrag im Quellenverzeichnis bleibt „en“. Studien mit doppeltem Eintrag (etwa „en, zh“) stehen im Abschnitt der Region und werden im englischen Abschnitt höchstens erwähnt. Wo die Einrichtung eines Autors in einem anderen Land liegt als dem Sprachraum, in dem die Arbeit hier steht, wird das Land genannt; es wurde nichts stillschweigend umsortiert. Die Länderangaben stammen aus den bei Europe PMC abgerufenen Affiliationen oder aus den Rechercheberichten.

Wie der Abruf lief. Gearbeitet wurde mit der REST-Schnittstelle von Europe PMC, ergänzend mit den NCBI-E-utilities; die PubMed-Webseite wurde wie vorgegeben nicht benutzt. Für einzelne Räume kamen nationale Datenbanken hinzu (unten je Abschnitt). Jede Zahl in diesem Kapitel stammt aus einem abgerufenen Abstract, einem abgerufenen Volltext oder einem Abruf von Metadaten wie Affiliation und Sprache. Wo der Abstract eine Angabe nicht enthält, wurde sie nicht ergänzt.

Englisch

Umfang und Rolle. Der englische Sprachraum ist nicht nur der größte, sondern in dieser Frage nahezu der einzige, der Primärdaten zur Kernfrage liefert, nämlich zum Zusammenhang zwischen Parodontalstatus und Spermienparametern beim Menschen. Das ist vor allem eine Folge der Publikationssprache. Die englischsprachigen Studien kommen aus Israel, Ungarn, Nigeria, Indien, Iran und Rumänien, nicht aus England oder den USA. Die einzige abgerufene Studie mit Spermiogramm und Parodontalbefund aus einem Land mit englischer Landessprache ist die nigerianische Arbeit.

Eigene Kohorten zur Kernfrage. Alle Studien sind klein und stammen aus Kinderwunsch- oder Andrologie-Ambulanzen:

  • Klinger et al. 2011 (Jerusalem, Hebrew University, Journal of Clinical Periodontology): 75 Männer einer Klinik für Insemination oder IVF; 40 % Gingivitis, 48 % Parodontitis, 12 % gesund; Attachmentverlust war mit verminderter Beweglichkeit assoziiert, nach dem Review [s24] ohne Zusammenhang mit der Spermienzahl (p = 0,17) [s96].
  • Nwhator et al. 2014 (Abuja, Nigeria, Journal of Contemporary Dental Practice): 86 Männer rekrutiert, 76 ausgewertet; Zahn- und Parodontalbefund plus Schnelltest auf aktive Matrix-Metalloproteinase-8. Die Zahlen im Abstract (55 subnormale Männer, aufgeschlüsselt in 10 und 41) stimmen nicht zusammen; der Review nennt 51 subnormale und 25 normale [s87, s24]. Eine zweite nigerianische Arbeit von 2013 ist eine Online-Umfrage unter 119 Fachärzten und Ärzten; sie zeigt, dass Zahnanamnese und zahnärztliche Überweisung nicht Teil der Subfertilitätsprotokolle waren, und sagt nichts über Spermien [s91].
  • Pásztor et al. 2016 und Práger et al. 2017 (Szeged, Ungarn): 95 und 199 Männer mit idiopathischer Infertilität. Die erste Studie fand keinen Zusammenhang zwischen Parodontalstatus und irgendeiner Spermienpathologie, die zweite nur merkmalsbezogene (bereinigte Odds Ratios 1,04, 1,13 und 4,92 für Zahnstein, Blutung auf Sondieren und Blutung an mindestens 50 % der Zähne in der Gruppe mit kombinierter Oligo-Asthenozoospermie; Karies-Index nicht erhöht) [s79, s78].
  • Chidambar et al. 2019 (Shimoga, Indien): 85 Männer einer Kinderwunschklinik, keiner parodontal gesund (64 Parodontitis, 21 Gingivitis). Der Volltext zeigt Spearman-Korrelationen des Attachmentverlusts mit Beweglichkeit (rho = −0,3841), Morphologie (−0,3020) und Ejakulatvolumen (−0,3429), aber nicht mit der Konzentration (rho = −0,1507; p = 0,1685). Abstract und Volltext widersprechen sich an dieser Stelle, und der Review [s24] führt die Studie mit einem Zusammenhang zur Konzentration, den die Tabelle nicht stützt [s61, s24].
  • Pourabbas et al. 2023 (Tabriz, Iran, Journal of Dental Research, Dental Clinics, Dental Prospects): 229 Männer einer privaten Kinderwunschklinik. Die „orale Entzündungslast“ wurde als Zahl peroxidasepositiver Neutrophiler in einer Mundspülung gemessen, nicht klinisch. Je Einheit sank die Gesamtbeweglichkeit um 0,573 Prozentpunkte (95-%-Konfidenzintervall −0,817 bis −0,329) und stieg die DNA-Fragmentierung um 0,733 Prozentpunkte (0,651 bis 0,814); auf die Gesamtzahl hatte sie keinen Einfluss (p = 0,235). Der Review [s24] nennt die untere Grenze für die Gesamtbeweglichkeit −0,819; die Originalarbeit −0,817, hier gilt die Originalarbeit [s40]. Iran ist nicht arabischsprachig; die Studie gehört deshalb in diesen Abschnitt.
  • Albu et al. 2025 (Bukarest, Rumänien, Biology): 60 Erwachsene, davon 24 Männer, ohne Spermiogramm; Endpunkt war chromosomale Instabilität. Für die Spermienqualität trägt sie kaum bei [s13].

Übersichtsarbeiten. Fast alle zusammenfassenden Arbeiten sind englisch: Kellesarian et al. 2018 (sieben Studien, alle mit positivem Zusammenhang; Universität Rochester) [s67], Lecaplain et al. 2021 (19 Studien, von fünf Studien zur Samenqualität zwei mit signifikantem Zusammenhang; Universität Nantes) [s52], Márquez-Arrico et al. 2024 (14 Studien, 4.871 Patienten, davon 732 Männer) [s35] und Mortazavi et al. 2025 (neun Studien, 1.386 Männer, bei PROSPERO registriert, qualitativ ohne gepoolten Effekt; Affiliation Gulf Medical University, Ajman) [s24]. Dazu kommen vier narrative Beiträge aus Fortbildungs- und Allgemeinzeitschriften [s18, s19, s74, s82] und der Beitrag von Wetzel et al. 2026 [s09], der die Studienlage als „weitgehend assoziativ“ beschreibt. Die Zählweisen der Übersichten unterscheiden sich (alle sieben „positiv“ [s67] gegenüber zwei von fünf [s52]); das liegt an verschiedenen Einschlusskriterien und Suchzeiträumen. Ob bei sieben ausschließlich positiven kleinen Beobachtungsstudien Publikationsverzerrung eine Rolle spielt, wird in [s67] nicht geprüft.

Register und große Kohorten außerhalb der Kernfrage. Die englischsprachige Literatur nutzt Register, wenn auch nicht für Spermienparameter. NHANES III (755 Männer) wurde für Sexualhormone und Parodontitis ausgewertet: Hohes Gesamt- und bioverfügbares Testosteron war mit häufigerer Parodontitis assoziiert (Odds Ratios 2,1 und 3,9), als kontinuierliche Variable dagegen nicht signifikant [s83]. Für Quecksilber stehen die EARTH-Kohorte (Boston; 129 Männer, 243 Samenproben, Haarquecksilber im Median 0,72 ppm; höheres Haarquecksilber ging mit höherer Konzentration, Gesamtzahl und progressiver Beweglichkeit einher, nach Adjustierung für Fischverzehr schwächer) [s70] und die Querschnittsstudie an 529 Männern aus Grönland, Polen und der Ukraine (dänische Arbeitsgruppe; kein Beleg für Schäden bis etwa 10 ng/ml Vollblut) [s90]. Beides sind Fischverzehr-Expositionen, keine Amalgamstudien. Das norwegische Geburtenregister (1.124.758 Frauen als Vergleich; 4.482 zahnmedizinische Assistentinnen und 1.011 Zahnärztinnen) zeigte keine erhöhten Raten von Fehlbildungen, niedrigem Geburtsgewicht, Frühgeburt, Totgeburt oder perinatalem Tod; es betrifft Frauen [s95]. Weitere berufsepidemiologische Arbeiten stammen aus Finnland (222 Fehlgeburten, 498 Kontrollen; Quecksilberamalgam bei mäßiger Exposition OR 2,0, 1,0 bis 4,1, ohne konsistente Dosis-Wirkung) [s102], Norwegen (558 Zahnärztinnen gegenüber 450 Lehrerinnen) [s114] und Kalifornien (418 Zahnarzthelferinnen; Fekundabilität 63 % bei hoher Exposition) [s119]. Alle betreffen Frauen oder Schwangerschaftsausgänge.

Quecksilber und Amalgam. Die englischsprachige Literatur enthält die breiteste Quecksilberbasis, aber keine Studie zur Spermienqualität bei Amalgamträgern mit Vorher-nachher-Messung. Übersichten aus der Zahnmedizin halten negative Fortpflanzungswirkungen für unbewiesen und Studien zur männlichen Belastung für selten [s115], die Belastung bei guter Hygiene für unter den akzeptierten Grenzen [s107], die Evidenz zu elementarem Quecksilber für begrenzt [s106] und die Epidemiologie der Amalgamfüllungen für lückenhaft, unter anderem wegen unzureichender Expositionserfassung [s104]. Auf Tier- und Laborseite finden sich Rattenversuche mit niedriger Dosis Quecksilberchlorid [s77, s85], eine iranische In-vitro-Arbeit [s94, s101] und eine Fluorid-Übersicht [s36]; sie belegen Plausibilität, nicht Wirkung bei Füllungsträgern.

Mundflora und Seminalmikrobiom. Die englischsprachige Seminalmikrobiom-Literatur ist umfangreich. Weng et al. 2014 sequenzierten 96 Samenproben (Lactobacillus bei normalen Proben häufiger, Prevotella bei Proben niedriger Qualität; Hsinchu, Taiwan, englisch publiziert) [s88]; Farahani et al. 2021 werteten 55 Beobachtungsstudien mit 51.299 Probanden aus [s47]; Garcia-Segura et al. 2022 (Barcelona) fanden Zusammenhänge einzelner Gattungen mit DNA-Fragmentierung [s44]; Mowla et al. 2025 (London, eLife; 223 Männer) fanden keinen Zusammenhang der Gesamtzusammensetzung mit der Samenqualität [s25]; Bazzar et al. 2026 (Urmia, Iran) fassen systematisch zusammen [s01]. Keine dieser Studien nimmt Proben aus der Mundhöhle. Ein oral-seminaler Übertragungsweg ist damit weder belegt noch widerlegt, sondern nicht untersucht.

Leitlinien. Die englischsprachigen Leitlinien behandeln das Thema praktisch nicht. In den EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health (Ausgabe 2026) ergab die Stichwortsuche nur zwei Treffer: „chronic periodontitis“ in einer Aufzählung mit erektiler Dysfunktion verbundener Erkrankungen und einen Satz zu Fallberichten, nach denen Quecksilbervergiftung schmerzhafte Ejakulation verursachen könne. Das Kapitel zur männlichen Infertilität enthält nichts zu Parodontitis, Amalgam oder Mundgesundheit [s03]. In der AUA/ASRM-Leitlinie (2021) kommt im Volltext „dental caries“ nur als Merkmal der Mukoviszidose vor; im Literaturverzeichnis stehen zwei zahnmedizinische Titel, darunter Kellesarian 2017 [s73]; Quecksilber kommt im Volltext nicht vor [s53]. Die ESHRE-Leitlinienseite verzeichnet keine eigenständige Leitlinie zur männlichen Infertilität; der Inhalt der Leitlinie zur unerklärten Infertilität wurde nicht geprüft. Eine einschlägige Cochrane-Übersicht wurde nicht gefunden (sieben Treffer in der Kombination aus Parodont-, Amalgam- oder Mundgesundheitsbegriffen und Sperma- oder Subfertilitätsbegriffen, keiner zum Thema).

Erreichbarkeit. Europe PMC war gut erreichbar (mehr als 60 Suchausdrücke), ebenso EAU- und AUA-Webseiten und ESHRE. Die Cochrane Library lädt Ergebnisse per Skript nach und war nur über den Europe-PMC-Index prüfbar; auajournals.org lieferte HTTP 403. Das Fehlen von Studien aus den USA oder Großbritannien zur Kernfrage ist also kein Zugangsproblem des englischen Raums, sondern ein Befund.

Einordnung. Die englische Literatur liefert neun Studien mit klinischem Parodontalbefund oder Entzündungsmaß und Spermiogramm (zwei davon nur über den Review bekannt: Zhu 2010 aus China mit 360 Männern und Kheradmand 2022 aus dem Iran mit 75 Männern; beide haben keine eigene Kennung und sind nur „laut [s24]“ bekannt) [s24]. Das Bild ist uneinheitlich: Beweglichkeit und Morphologie zeigen in mehreren Studien einen Zusammenhang, die Konzentration uneinheitlich, zwei ungarische Studien wenig oder nichts. Kohorten- oder Interventionsstudien mit Spermienparametern fehlen.

Deutsch

Die älteste Linie der Kernfrage. Der deutschsprachige Raum hat die früheste Literatur zur Frage, ob zahnärztliche Herde die Samenqualität beeinflussen. Es sind drei Arbeiten zur Herdsanierung bei therapieresistenter Bakteriospermie:

  • Bieniek und Riedel 1989 in der Zeitschrift ZWR (Originalsprache Deutsch). In PubMed steht der englische Titel „Diseases of the masticatory system as possible causal factors in infertility“; der deutsche Originaltitel wurde nicht abgerufen, die deutsche Wiedergabe lautet „Erkrankungen des Kauorgans als mögliche ursächliche Faktoren bei Infertilität“. 36 subfertile Männer (25 bis 43 Jahre) mit asymptomatischer Bakteriospermie, bei denen eine Antibiotikatherapie die Keimzahl nicht senkte, wurden zahnärztlich untersucht und saniert; das Keimspektrum von Mund und Ejakulat sei identisch gewesen, nach sechs Monaten seien zwei Drittel der Spermiogramme steril gewesen. In der Europe-PMC-Abfrage war für diese Arbeit keine Affiliation hinterlegt [s127].
  • Ensslen, Riedel, Bieniek und Hafner 1990 im Zentralblatt für Gynäkologie (Originalsprache Deutsch; Affiliation: Frauenklinik der RWTH Aachen). Englischer PubMed-Titel „Male subfertility and oral bacterial diseases“, deutsche Wiedergabe „Männliche Subfertilität und bakterielle Erkrankungen der Mundhöhle“. Wieder 36 therapieresistente Patienten; mehr als 70 % der vorstelligen Ehemänner hätten eine behandlungsbedürftige Bakteriospermie gehabt, bei 23 % ohne überzeugende Wirkung der Antibiotika [s125].
  • Bieniek und Riedel 1993 in Andrologia (englisch; Affiliation laut Europe PMC: Universität Halle-Wittenberg, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe). Es gab eine Testgruppe von 18 mit Beseitigung der dentalen Herde und eine Kontrollgruppe; nach sechs Monaten seien in der Testgruppe etwa zwei Drittel der Spermiogramme steril gewesen, in der Kontrollgruppe seien die Befunde schlecht geblieben [s120].

Der Recherchebericht fasst die drei Arbeiten als „Aachener Arbeiten“ zusammen; die abgerufenen Affiliationen stützen das nur für die Arbeit von 1990, die Arbeit von 1993 ist mit Halle-Wittenberg angegeben, die von 1989 ohne Affiliation. Dass es sich um eine gemeinsame Arbeitsgruppe handelt, legen die Autorennamen nahe. Die Abstracts von 1989 und 1990 beschreiben jeweils 36 Patienten mit denselben Ergebnissen; vermutlich ist es dasselbe Kollektiv, die drei Arbeiten sind dann keine unabhängigen Bestätigungen (Einschätzung der Recherche). Die Abstracts nennen keine Zahlen zu Spermienparametern, keine Statistik und kein Zuteilungsverfahren; die Autoren schließen auf einen direkten ursächlichen Zusammenhang, der ohne randomisierte Kontrolle aus den Daten nicht ableitbar ist. Es ist die einzige abgerufene Arbeit, die eine zahnärztliche Intervention mit Kontrollgruppe und Spermiogramm verbindet und Keimspektren aus Mund und Ejakulat vergleicht. Nach 1993 fand die Recherche keine deutschsprachige Weiterführung.

Amalgam und Quecksilber. Zwei deutsche Einrichtungen liefern wichtige Arbeiten. Hanf et al. 1996 (Universitäts-Frauenklinik Tübingen, Toxicology Letters) ist die einzige abgerufene Studie, die die Zahl der Amalgamfüllungen mit einem Spermiogramm-Index koppelt: 80 Ehemänner infertiler Paare; 75 % der Ejakulatproben unter der Nachweisgrenze von 5 µg/l; sieben fruchtbare, beruflich exponierte Arbeiter hatten 10 bis 65 µg/l; keine positive Korrelation zwischen Quecksilber in Urin oder Ejakulat und dem Fertilitätsindex und keine zwischen Füllungszahl und Fertilitätsindex. Die Autoren nennen die Daten vorläufig und sehen keinen Hinweis auf die behauptete Beziehung [s117]. Der Recherchebericht Teil a hatte das Land im Abstract nicht gefunden; die Affiliation (Tübingen) wurde hier abgerufen. Keck et al. 1993 (Institut für Reproduktionsmedizin der Universität Münster, Reproductive Toxicology) beschreiben einen Einzelfall: einen 25-Jährigen nach fünf Jahren Chloralkali-Elektrolyse mit Azoospermie oder schwerer Oligoasthenoteratozoospermie, in der Hodenbiopsie etwa 33 % der Tubuli mit Sertoli-Zell-only-Syndrom und Quecksilbergranula vor allem in Leydig-Zellen. Ein Einzelfall zeigt Anreicherung, keine Häufigkeit und keine Kausalität; Amalgam ist nicht beteiligt [s121].

Aktuelle deutschsprachige Beiträge. Wetzel et al. 2026 (Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Digitale Zahnmedizin, LMU München, Journal of Dental Research) stellen die Frage im Titel: „Infertility and Periodontitis: Are We Connecting the Right Dots?“. Die narrative Übersicht nennt als mögliche Mechanismen mikrobielle Translokation, chronische Entzündung, Immundysregulation, oxidativen Stress und epigenetische Veränderungen und hält die Studienlage für überwiegend assoziativ und durch heterogene Methoden, unzureichend kontrollierte Störgrößen und fehlende standardisierte Zielgrößen begrenzt [s09]. Eine eigene deutsche Kohorte mit Spermiogramm und Parodontalbefund gibt es in den abgerufenen Quellen nicht.

Leitlinien und Fachzeitschriften. Das Leitlinienregister der AWMF ist eine clientseitig gerenderte Anwendung; die per HTTP abgerufene Seite enthielt nur das Gerüst, eine Suche war nicht möglich. Über Inhalte deutscher Leitlinien wird deshalb nichts behauptet; die einzigen abgerufenen Leitlinien sind die englischsprachigen der EAU und der AUA/ASRM [s03, s53]. Die deutschsprachige Suche nach Amalgam und Spermien lieferte nichts Einschlägiges; die drei Treffer betrafen Grenzwertbegründungen zu Aluminium und Cerdioxid sowie einen Tagungsband. Die deutschsprachigen Treffer zur Kernfrage erschienen in einer zahnärztlichen und einer gynäkologischen Fachzeitschrift (ZWR; Zentralblatt für Gynäkologie), nicht in einer andrologischen.

Einordnung. Der deutsche Raum steht für die älteste und zugleich schwächste Evidenz zur Intervention (kleine, vermutlich überlappende Kollektive, keine Zahlen im Abstract) und für eine der wenigen direkten Amalgamstudien (Nullbefund, 80 Männer). Es fehlen Replikationen und moderne Studien.

Französisch

Kaum eigene Literatur. Die Europe-PMC-Abfrage mit französischem Sprachfilter (Amalgam oder Quecksilber mit Fertilität oder Spermien) ergab sechs Treffer, von denen nur einer Spermienparameter betraf. Das ist die Studie von Mukendi et al. 2018 in The Pan African Medical Journal (französischsprachig, Universität Lubumbashi, Demokratische Republik Kongo) zu Spurenelementen im Urin und Spermiogramm in den Bergbaugebieten von Haut-Katanga; sie betrifft Arsen und Cadmium, nicht Quecksilber und nicht Zähne, und steht hier nur als Beleg dafür, wie wenig Einschlägiges unter den französischsprachigen Treffern war [s71]. Die übrigen fünf Treffer betrafen Methylquecksilber in der Schwangerschaft, Meeresfrüchte und Altarbeiten ohne Bezug zur Fragestellung. Die Recherche fand also keine französischsprachige Primärstudie zu Parodontitis, Amalgam oder Mundflora und Spermien.

Französische Einrichtungen in englischsprachigen Arbeiten. Lecaplain et al. 2021 (Université de Nantes, UFR Odontologie, Andrology) schlossen 19 Studien mit 53 bis 197.136 Teilnehmern ein: Von neun Studien zur erektilen Dysfunktion fanden acht einen signifikanten Zusammenhang mit Parodontitis, von fünf zur Samenqualität zwei; die Autoren halten die Zusammenhänge zu Sexualhormonen und Samenqualität für nicht belegt [s52]. Dieselbe Arbeit ist im französischen Archiv HAL über Inserm nachgewiesen (inserm-03070909). Cordier et al. 1991 (INSERM, Villejuif; British Journal of Industrial Medicine) untersuchten Fehlgeburten bei den Ehefrauen von 152 quecksilberexponierten Arbeitern gegenüber 374 Kontrollen: Bei väterlichen Urinwerten über 50 µg/l lag die OR bei 2,26 (95-%-Konfidenzintervall 0,99 bis 5,23, die untere Grenze liegt knapp unter 1); Spermienparameter wurden nicht erhoben [s122]. Beide Arbeiten sind englischsprachig publiziert.

Afrikanischer Bezug. Diouf et al. 2023 (Universität Cheikh Anta Diop, Dakar, Senegal) untersuchten in einer Fall-Kontroll-Studie mit 38 Fällen und 76 Kontrollen Parodontitis und organische erektile Dysfunktion: Parodontitis bei 76,31 % der Fälle und 75 % der Kontrollen (p = 0,878), OR 1,52 (0,55 bis 4,16). Die Studie ist englisch publiziert (daher im Quellenverzeichnis dem Englischen zugeordnet) und betrifft die Nachbarfrage erektile Dysfunktion, nicht die Spermien [s39].

Datenbanken. HAL (API) war erreichbar; einfache Anfragen funktionierten, Anfragen mit Sonderzeichen oder verschachtelten Operatoren lieferten teils HTTP 400. Die Kombination „periodontitis AND (sperm OR semen)“ ergab einen Treffer (Lecaplain, Inserm), mehrere französische Kombinationen keinen; „parodontite“ allein ergab 238 Datensätze, überwiegend zahnmedizinische Abschlussarbeiten ohne Fertilitätsbezug. Cairn lieferte HTTP 403 (Browserprüfung) und war nicht abfragbar; die Schutzseite wurde nicht umgangen. Leitlinien französischer Fachgesellschaften wurden nicht gefunden und nicht gezielt abgerufen.

Einordnung. Für den französischsprachigen Raum kann das Fehlen von Studien nicht als belegt gelten, weil Cairn nicht abrufbar war. Was vorliegt, sind französische Einrichtungen als Autoren englischsprachiger Übersichten und eine ältere berufsepidemiologische Arbeit.

Italienisch

Sehr dünne Lage. Europe PMC lieferte mit italienischem Sprachfilter zwei Treffer, einer davon ein Lehrbuchkapitel: „Fattori maschili dei disturbi della fertilità“ (deutsch: Männliche Faktoren der Fertilitätsstörungen) aus „Andrologia clinica“ (Springer, Kapitel 9, 2010) von Comhaire und Mitautoren. Der Volltext wurde durchsucht; keiner der Suchbegriffe „parodont“, „amalgam“, „mercur“ und „batteri“ kommt vor [s98]. Eine Studie, die Zahn- oder Parodontalbefund, Amalgam oder Mundflora mit Spermienparametern verknüpft, fand die Recherche im italienischen Sprachraum nicht.

Eine italienische Einrichtung. Giulioni et al. 2025 (Abteilung Urologie, Casa di Cura Villa Igea, Ancona; Journal of Basic and Clinical Physiology) legten ein Scoping Review zu Schwermetallen und männlicher Fertilität vor: 21 von 1.709 Studien eingeschlossen, im Vordergrund stehen Blei, Cadmium und Arsen. Es ist englisch publiziert und betrifft Amalgam nicht im Besonderen [s15]. Aus dem Sprachraum selbst kommen damit nur ein Lehrbuchkapitel ohne Treffer und eine englischsprachige Übersicht zu Metallen.

Fachgesellschaft. Die Startseite der Società Italiana di Andrologia war erreichbar; eine Schlagwortsuche nach „parodontite“ ergab keinen Treffer. Ob die Seitensuche funktioniert, ließ sich nicht prüfen. Leitlinien oder Positionspapiere der Gesellschaft zum Thema wurden nicht gefunden. Italienische nationale Datenbanken wurden nicht abgefragt.

Einordnung. Die Aussage „im Italienischen kaum eigene Literatur“ ist nach dem Erreichbaren richtig, aber nur für Europe PMC, das Lehrbuchkapitel und die Webseite der Fachgesellschaft geprüft; italienischsprachige Zeitschriften außerhalb von PubMed wurden nicht durchsucht.

Portugiesisch

Zugangslücke statt Befund. In Europe PMC ergab die Suche im portugiesischen Sprachraum keinen Treffer. SciELO und LILACS/BVS, die wichtigsten Quellen für Portugiesisch und für Lateinamerika, lieferten HTTP 403 (Schutzseite „Establishing a secure connection“) und waren nicht abfragbar; die Schutzseiten wurden nicht umgangen. Das Fehlen portugiesischsprachiger Studien ist deshalb ein Zugangsproblem und kein Nachweis fehlender Literatur.

Portugiesische und brasilianische Einrichtungen in englischsprachigen Arbeiten.

  • Henriques et al. 2019 (Universität Aveiro, Portugal; Reproductive Toxicology) legten eine systematische Übersicht zu Quecksilber und menschlicher Fortpflanzung vor (Suchzeitraum 1975 bis 2017). Nach dem Abstract waren erhöhte Quecksilberwerte mit Infertilität oder Subfertilität assoziiert und Quecksilberexposition habe Spermien-DNA-Schäden sowie abnorme Morphologie und Beweglichkeit verursacht (Formulierung der Autoren); die Mechanismen seien unbekannt [s62]. Henriques et al. 2026 (ebenfalls Aveiro; Food and Chemical Toxicology) fanden in allen Haarproben Quecksilber, in 41 % über 1.000 ng/g und in 11 % über 2.000 ng/g, mit positiver Korrelation zu Defekten im Hauptstück des Flagellums und zu einem höheren Teratozoospermie-Index; die Probandenzahl nennt der Abstract nicht, Fischverzehr gilt als möglicher Beitrag [s04]. Beides ist Quecksilber aus Umwelt und Ernährung, nicht aus Amalgam.
  • Zeffa et al. 2025 (Staatliche Universität Londrina, Paraná, Brasilien; Journal of Periodontology) ist der einzige abgerufene Tierversuch, der Parodontitis über einen vollständigen Spermatogenesezyklus (14 Tage Läsionsinduktion plus 54 Tage) mit Verpaarung und Nachkommen verbindet. Je 12 Wistar-Ratten (Parodontitis und Kontrolle), gepaart mit 48 gesunden Weibchen. Die Parodontitisgruppe hatte ein geringeres Endgewicht, weniger Sertoli- und Leydig-Zellen, niedrigere Testosteronwerte und signifikante Formveränderungen am Flagellum der Spermien; die Nachkommen zeigten laut Laienzusammenfassung Zeichen gestörter Entwicklung und mehr Fehlbildungen. Der Abstract nennt keine p-Werte oder Effektgrößen für die Hodenbefunde; das geringere Körpergewicht kann ein unspezifischer Krankheitseffekt sein, und ein Ligaturmodell ist ein akuter, lokaler Knochenabbau, nicht die chronische Parodontitis des Menschen [s29].
  • Martinez et al. 2014 und 2017 (Universidade Federal do Pampa, Uruguaiana, Brasilien) untersuchten an Ratten 30 Tage niedrig dosiertes Quecksilberchlorid. Das Blut-Quecksilber lag bei 6,8 ± 0,3 ng/ml, nach Angabe der Autoren ähnlich wie nach beruflicher Exposition oder nach Entfernung von Füllungen beim Menschen. Beschrieben sind weniger Spermien, geringere Beweglichkeit, mehr Kopf- und Flagellum-Anomalien [s85] und Ablagerung in Hoden, Nebenhoden und Prostata mit gestörter Membranintegrität der Spermien und mehr reaktiven Sauerstoffspezies [s77]. Die Übertragbarkeit auf Füllungsträger bleibt offen; Dosis, Applikationsweg und Quecksilberform sind nicht vergleichbar.

Fachzeitschriften und Register. Aus dem portugiesischsprachigen Raum wurden weder eine Fachzeitschrift noch ein Register oder eine Leitlinie ausgewertet, weil die zuständigen Datenbanken nicht erreichbar waren.

Einordnung. Der portugiesisch- und brasilianisch geprägte Raum trägt Quecksilberübersichten, eine Haarquecksilberstudie und zwei Tierversuchslinien bei, jeweils in englischer Sprache. Zur Kernfrage beim Menschen gibt es hier keine Daten. Die Lücke darf nicht als Nullbefund gelesen werden.

Spanisch

Ein Dokument, zwei Sprachfassungen. Das einzige spanischsprachige Dokument zum Thema ist die spanische Ausgabe der systematischen Übersichtsarbeit von Márquez-Arrico et al. in „Medicina Oral, Patología Oral y Cirugía Bucal“ (Dialnet, 2025, Heft 2) mit dem Titel „¿Existe una asociación entre la enfermedad periodontal y la infertilidad?: una revisión sistemática“ (deutsch: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankung und Infertilität? Eine systematische Übersichtsarbeit) [s23]. Sie ist dieselbe Arbeit wie die englische Fassung von 2024 (Universität Valencia, Spanien) [s35]. Aus 143 Treffern erfüllten 14 Studien die PICO-Frage (sechs zur männlichen, acht zur weiblichen Infertilität; zusammen 4.871 Patienten, 732 Männer und 4.139 Frauen; sechs Fall-Kontroll-, drei Querschnittsstudien, eine Beobachtungsstudie, zwei Pilotstudien und zwei randomisierte Studien). Bei den Männern war gingivale Entzündung bei Infertilen in allen betrachteten Studien häufiger als bei Kontrollen; schlechtere Parodontalwerte gingen mit niedrigerer Spermienzahl und verminderter Beweglichkeit einher. Mögliche gemeinsame Mechanismen nennen die Autoren Insulinresistenz, chronische niedriggradige Entzündung und oxidativen Stress; Kausalität sei offen. Für die Einordnung wichtig: Rund 85 % der Patienten (4.139 von 4.871) sind Frauen, und die Daten zu Männern stützen sich auf dieselben kleinen Studien wie [s24].

Weitere Einrichtungen im Raum. Martín et al. 2018 (Universität Granada, Journal of Clinical Periodontology; 80 Fälle, 78 Kontrollen) fanden bei erektiler Dysfunktion eine Odds Ratio von 2,17 (1,06 bis 4,43; p = 0,03) für Parodontitis; das ist die Nachbarfrage, nicht die Spermienfrage [s69]. Garcia-Segura et al. 2022 (Universitat Autònoma de Barcelona; Frontiers in Cell and Developmental Biology) sequenzierten das Samenmikrobiom von 14 Spendern und 42 Männern mit idiopathischer Infertilität; mehrere Gattungen korrelierten negativ mit der DNA-Fragmentierung (am stärksten Moraxella, Brevundimonas und Flavobacterium), Actinomycetaceae, Ralstonia und Paenibacillus mit verminderter Protaminierung. Kleine Gruppe, viele getestete Taxa, keine Mundproben [s44]. Cano et al. 2026 (Universität Antioquia, Medellín, Kolumbien; JBRA Assisted Reproduction) prüften in vitro die Wirkung von Samenplasma von drei gesunden Freiwilligen auf Fibroblasten des Parodontalligaments, also die umgekehrte Richtung: Das gefrorene Samenplasma zeigte einen höheren mittleren Wundschluss als das frische, die Unterschiede zur Kontrolle waren nicht durchgehend signifikant [s02]. Für die Frage, ob Parodontitis die Spermien verändert, bringt das nichts.

Datenbanken. Dialnet war erreichbar; in sechs Suchvarianten fand sich ein einschlägiger Treffer (das Resumen von [s23], Volltext nur für registrierte Nutzer). Die übrigen Dialnet-Treffer betrafen Tiermedizin und Parodontaltherapie ohne Fertilitätsbezug; Europe PMC lieferte mit spanischem Filter drei Treffer ohne Bezug. SciELO und LILACS, die für Lateinamerika wichtigsten Quellen, waren nicht abrufbar (HTTP 403).

Einordnung. Der spanische Raum liefert eine Übersicht zur Kernfrage (mit geringem Männeranteil), eine ED-Studie und eine Mikrobiomstudie; eigene Kohorten mit Spermiogramm und Parodontalbefund gibt es nicht. Lateinamerikanische Literatur ist wegen der Sperren nicht beurteilbar.

Chinesisch

Der Raum mit der meisten Literatur außerhalb des Englischen. Er ist in sich uneinheitlich und besteht aus Festlandchina, Taiwan und Hongkong mit jeweils eigenen Datentypen. Fast alles ist in englischer Sprache erschienen; chinesischsprachige Zeitschriften sind in PubMed mit englischen Abstracts vertreten.

Die einzige direkte Studie. Tao et al. 2021 (Shanghai, Reproduktionsambulanz eines Allgemeinkrankenhauses; Oral Diseases): Fall-Kontroll-Studie mit 192 Männern, davon 63 (32,8 %) mit Samenanomalie und 129 (67,2 %) normozoosperm. Mäßige oder schwere Parodontitis fand sich bei 33,3 % der Fälle gegenüber 17,8 % der Kontrollen (p = 0,012), das bereinigte Odds Ratio lag bei 3,377 (p = 0,005; ein Konfidenzintervall nennt der Abstract nicht). Laut dem Review [s24] waren Spermienzahl und Konzentration nicht unterschiedlich, progressive Beweglichkeit und Gesamtbeweglichkeit bei schwerer Parodontitis niedriger [s54]. Dieselbe Studie bildet die einzige direkte chinesischsprachige Evidenz zur Kernfrage; sie ist querschnittlich und stammt aus einem Zentrum. Eine Wiederholung, eine Kohorten- oder eine Interventionsstudie aus China fand sich nicht. Zhu 2010 (China, 360 Männer, in „China Modern Medicine“) ist nur über den Review [s24] bekannt, hat keine eigene Kennung und wurde nicht im Original abgerufen.

Taiwan: Versicherungsdaten. Das nationale Versicherungsregister (NHIRD) liefert große Fallzahlen, aber ohne Schweregrad der Parodontitis:

  • Keller et al. 2012: 32.856 Männer mit erektiler Dysfunktion, 162.480 Kontrollen; Parodontitis bei 26,9 % der Fälle gegenüber 9,4 % der Kontrollen, bereinigtes OR 3,35 (95-%-Konfidenzintervall 3,25 bis 3,45) [s93].
  • Tsao et al. 2015: 5.105 Männer mit ED, 10.210 Kontrollen; bereinigtes OR 1,79 (1,64 bis 1,96) [s84].
  • Fu et al. 2021 (Prostata): 3 × 5.510 Personen; Prostatitis häufiger bei Parodontitis (68 und 70 gegenüber 34 Fälle), nicht aber benigne Prostatahyperplasie; bereinigte Hazard Ratio für Prostataerkrankungen 2,590 bis 2,641 [s49].

Festland: Klinik- und Gesundheitsuntersuchungsstudien. Wu et al. 2019 (Wuhan; Gesundheitsuntersuchung 2017, 2.171 ausgewertete Männer): Parodontitis und benigne Prostatahyperplasie, OR 4,18 (2,75 bis 6,35) [s65]. Long et al. 2026 (West China Hospital, Chengdu; 1.409 Teilnehmer): erhöhtes PSA bei schwerer Parodontitis nur bei 41- bis 80-Jährigen [s06]. Wang et al. 2024 (Wuhan, Military Medical Research): Porphyromonas gingivalis und weitere Mundkeime in Prostataflüssigkeit und subgingivaler Plaque von Patienten mit BPH und Parodontitis; bei 62,5 % der Patienten fand sich P. gingivalis in beiden Proben. Es ist die einzige gefundene Studie des Sprachraums, die Mundkeime im männlichen Genitaltrakt nachweist; ob sie ins Ejakulat gelangen, ist nicht untersucht [s37]. Qiao et al. 2026 (Huai'an/Nanjing) sequenzierten die Mundflora von 74 Männern mit ED und 38 mit normaler Sexualfunktion; bestes Modell des maschinellen Lernens mit einer Fläche unter der Kurve von 0,711 [s08]. Die Flora im Ejakulat (nicht in der Mundhöhle) wurde in sechs chinesischen Studien sequenziert: Guangzhou, 102 Männer [s32]; Changsha, 87 Proben [s46]; Hongkong, 57 Patienten gegenüber 30 Kontrollen [s33]; Chengdu, zwei Arbeiten mit gleicher Einrichtung und gleichen Gruppengrößen (40 gegenüber 30), offenbar dieselbe Kohorte [s22, s07], und eine weitere mit 26 gegenüber 14 [s28]; Chongqing, 231 Patienten [s11]. Keine dieser Studien hat einen Bezug zur Mundflora.

Hongkong: Quecksilber aus Fisch. Leung et al. 2001 (59 Männer; 21 oder 35,6 % mit Blut-Quecksilber über dem Normbereich; alle Ejakulatparameter niedriger, aber nicht signifikant) [s111] und Choy et al. 2002 (157 infertile und 26 fertile Paare; höheres Blut-Quecksilber bei Infertilen, positiv mit dem Verzehr von Meeresfrüchten korreliert) [s110]. Yuan et al. 2026 (250 Männer, 26 bis 63 Jahre; Chinese University of Hong Kong): anorganisches Quecksilber machte 65 bis 70 % des Quecksilbers in Vollejakulat und Samenplasma aus; auf die Spermienzahl bezogen waren Quecksilberformen mit geringerer Morphologie und Beweglichkeit verbunden, nach Konzentration ging mehr Methylquecksilber mit besserer Qualität einher. Amalgam steht im Volltext nur als nicht erhobene Störgröße; die Herkunft des anorganischen Quecksilbers bleibt unklar [s10].

Chinesischsprachige Zeitschriften mit englischem Abstract. Wu et al. 2020 (Shanghai Kou Qiang Yi Xue, Guangzhou; 48 Mäuse in vier Gruppen): Ligaturparodontitis geht bei der Maus mit niedrigerem Serumtestosteron einher; es ist die Gegenrichtung zur Kernfrage [s57]. Li et al. 1995 (Zhonghua Yu Fang Yi Xue Za Zhi, Zhengzhou; 38 exponierte Arbeiter, 18 Kontrollen): Transferrin und Fruktose im Samenplasma bei Quecksilberdampf-Exposition niedriger; Arbeitsmedizin, nicht Amalgam [s118]. Sheng et al. 2023 (Zhonghua Nan Ke Xue): narrative Übersicht zu Schwermetallen ohne Zahlen im Abstract [s42].

Mendelsche Randomisierung und Meta-Analysen. Yu et al. 2023 (Taiyuan) fanden mit europäischen Daten keinen ursächlichen Effekt der Parodontitis auf ED (OR 1,07; 0,96 bis 1,20) und keinen umgekehrten (0,98; 0,90 bis 1,08) [s43]; Yang et al. 2025 (Nanchong) bei Prostataerkrankungen ebenfalls keine kausale Beziehung [s27]. Die Studie zu ED nutzt laut Abstract Daten europäischer Populationen, die zu Prostataerkrankungen stützt sich auf die finnische Datenbank FinnGen; für ostasiatische Populationen sind beide deshalb nur bedingt aussagefähig (Einschätzung der Recherche, die Autoren sagen das im Abstract nicht). Die Meta-Analyse zu Parodontitis und Prostata von Li et al. 2026 hat ausdrücklich CNKI und Wanfang durchsucht [s05]; welche Studien daraus stammen, geht aus dem Abstract nicht hervor. Vier ED-Meta-Analysen (Wang 2016 Chengdu, Liu 2017 Guangzhou, Zhou 2019 Shenzhen und Farook 2021 aus Saudi-Arabien) überlappen stark und zeigen eine Heterogenität von 97,8 bis 98 % [s80, s76, s66, s48].

Erreichbarkeit. CNKI lieferte nur eine rund 380 Byte große Rumpfseite (kns.cnki.net war nicht erreichbar), Wanfang lieferte HTTP 200, aber die Suchergebnisse werden per Skript im Browser nachgeladen, Baidu Xueshu antwortete nur mit rund 1,5 KB, vermutlich einer Prüfseite. Was nur dort steht, fehlt in dieser Recherche. Chinesischsprachige PubMed-Zeitschriften (Zhonghua Nan Ke Xue, Hua Xi Kou Qiang Yi Xue Za Zhi, Zhonghua Kou Qiang Yi Xue Za Zhi) lieferten bei gezielten Abfragen zu Parodontitis und Ejakulat keinen Treffer, der das Thema direkt behandelt.

Einordnung. China ist stark bei Nachbarfragen (ED, Prostata) und bei der Ejakulatflora, schwach bei der Kernfrage (eine Studie). Die gewaltigen Taiwaner Fallzahlen sagen nichts über Spermien. Amalgam wurde in keiner Studie erfasst.

Japanisch

Keine Primärstudie zur Kernfrage bei Männern. In den erreichbaren Quellen fand sich keine japanische Studie, die Parodontitis, Zahnstatus, Amalgam oder Mundflora direkt mit Spermienparametern verknüpft. Was vorliegt, sind Studien zu Nachbarfragen, ein Förderprojekt, ein Tagungsabstract, ein Fallbericht zu einer Frau und eine Übersicht.

Erektile Dysfunktion. Matsumoto et al. 2014 (Asahikawa; International Journal of Impotence Research) verschickten Fragebögen an 300 Männer mit umfassender Zahnuntersuchung; 88 Bögen kamen zurück (Rücklauf 29,3 %; Alter 50,9 ± 16,6 Jahre). Der Selbst-Checklistenwert für chronische Parodontalerkrankung korrelierte mit dem IIEF-5 (Spearman, p = 0,0415). Sehr kleine Stichprobe, Selbstauskunft statt klinischer Befund [s86]. Fujita et al. 2024 (Hirosaki; International Journal of Urology) untersuchten 400 Männer aus der Gemeindebevölkerung (Medianalter 53 Jahre; 333 oder 83 % in der ED-Gruppe, eine für eine Gemeindestichprobe sehr hohe Zahl, deren Definition der Abstract nicht nennt). In der multivariablen Analyse waren Restzahnzahl (OR 0,907; p = 0,114) und Community Periodontal Index (OR 0,978; p = 0,864) nicht signifikant, die okklusale Abstützung (Eichner-Klassifikation) dagegen schon (OR 3,490; p = 0,042) [s31]. Es ist die einzige gefundene japanische Studie mit einem Mehrvariablenmodell, und sie findet keinen unabhängigen Parodontitiseffekt.

Förderprojekt. Der CiNii-Datensatz zum KAKEN-Projekt 26K23591 trägt den Titel „口腔環境が男性生殖機能と生命の継承に果たす役割の解明“ (deutsch: Aufklärung der Rolle des Mundraum-Milieus für die männliche Reproduktionsfunktion und die Weitergabe des Lebens). Das Vorhaben will klären, welche Wirkung Parodontitis auf Hodenfunktion und Spermienprofil hat; die Antragsteller geben an, in einem Parodontitis-Mausmodell verminderte Spermienkonzentration und Beweglichkeit bestätigt zu haben. Geplant sind Analysen zu Spermienfunktion, Epigenetik, Hodenmikroumgebung und Folgen für die nächste Generation. Es ist eine Projektbeschreibung ohne Ergebnisdaten, ohne Zahlen und ohne Begutachtung; sie zeigt nur, dass die Fragestellung in Japan bearbeitet wird [s12]. Veröffentlichte Ergebnisse dazu waren nicht auffindbar.

Frauen. Kamei-Nagata et al. 2025 (Okayama; Scientific Reports) fanden bei 70 Frauen in Kinderwunschbehandlung gegenüber 76 spontan Schwangeren höhere IgG-Titer gegen drei Porphyromonas-gingivalis-Stämme und im Mausmodell weniger Geburten und geringere Geburtsgewichte [s17]. Der japanische Fallbericht „歯周組織の炎症と不妊の関連性を示唆する、ある侵襲性歯周炎患者の病態生理“ (Pathophysiologic Consideration for a Patient with Aggressive Periodontitis Suggesting a Relationship between Periodontal Inflammation and Infertility; deutsch: Pathophysiologische Überlegungen zu einer Patientin mit aggressiver Parodontitis, die einen Zusammenhang zwischen parodontaler Entzündung und Infertilität nahelegt; The Japanese Journal of Conservative Dentistry, Band 63, Seite 451) beschreibt eine 33-jährige Patientin, die nach Parodontalbehandlung auf natürlichem Weg schwanger wurde. Ein Fallbericht kann keine Ursache-Wirkung-Beziehung belegen [s56]. Für männliche Fertilität sagen beide nichts.

Elemente im Ejakulat. Ein Tagungsabstract der Japanese Society of Toxicology (日本毒性学会学術年会, 52.1, O-43) mit dem Titel „日本人男性における精液中の必須・有害元素と精子の質との関連“ (deutsch: Zusammenhang zwischen essenziellen und toxischen Elementen im Ejakulat und der Spermienqualität bei japanischen Männern) beschreibt 372 gesunde Männer von 20 bis 39 Jahren mit 17 gemessenen Elementen, darunter Quecksilber, und drei Clustern; in einem Cluster mit 14 % der Teilnehmer waren Zahl beweglicher Spermien und Motilitätsrate höher, ebenso die Konzentrationen essenzieller Elemente. Der Abstract enthält keine quecksilberspezifische Aussage und keinen Amalgambezug; er ist nicht in einer Fachzeitschrift begutachtet [s16]. Zhu et al. 2000 (Fukui; Environmental Health and Preventive Medicine) fassen die endokrin störenden Wirkungen von Quecksilber zusammen: Für Hoden gebe es ausreichend Hinweise aus Tierversuchen, die Humanstudien seien nicht schlüssig [s113].

Erreichbarkeit. J-STAGE (Web-Suche und Atom-API) war erreichbar, die API verknüpft Suchwörter offenbar mit ODER: „歯周病 精子“ lieferte 99 Treffer, deren oberste Positionen thematisch fremd waren (zum Beispiel ein Papillon-Lefèvre-Syndrom in einer Familie). Die Suche „アマルガム 精子“ ergab in J-STAGE 17 Treffer, von denen keiner einschlägig war, in CiNii Research 0 Treffer. CiNii (OpenSearch und JSON) lieferte Abstracts und Projektbeschreibungen. Die Vorauswahl musste von Hand erfolgen und ist nicht erschöpfend.

Einordnung. Japan hat zwei kleine bis mittelgroße ED-Querschnittsstudien, ein laufendes Förderprojekt und keine Männerdaten zur Spermienqualität. Das Förderprojekt zeigt Interesse und eigene Mausdaten, aber keine veröffentlichten Ergebnisse.

Koreanisch

Versicherungs- und Surveydaten. Die koreanische Literatur zum Thema stützt sich auf nationale Datensätze, nicht auf Klinikkohorten mit Spermiogramm. Koreanischsprachige Suchbegriffe (치주염, 치주질환, 정자, 정액, 남성불임, 아말감) ergaben in Europe PMC keinen Treffer. Eine koreanische Studie zu Parodontitis und Spermienqualität wurde nicht gefunden. Alle abgerufenen koreanischen Arbeiten sind englisch publiziert.

  • Lee et al. 2017 (Journal of Periodontal & Implant Science) nutzten die Stichprobenkohorte der nationalen Krankenversicherung (NHIS-NSC, Vorsorgedaten 2002 bis 2013): 268.296 Personen, davon 7.148 mit parodontalchirurgischem Eingriff, 102 (1,43 %) mit vaskulogener ED. Bivariat OR 1,99; multivariat OR 1,29 (95-%-Konfidenzintervall 1,06 bis 1,58). Der Volltext zeigt, dass der Eingriff die abhängige Variable war und ED eine Einflussgröße; der Abstract formuliert die Beziehung umgekehrt. Die Autoren der Recherche vermerken diese Unstimmigkeit ausdrücklich; hinzu kommt eine mögliche Inanspruchnahme-Verzerrung, weil die Prävalenz mit dem Einkommen stieg [s75].
  • Kwon et al. 2025 (Journal of Clinical Medicine; Hallym University, Anyang) nutzten die Gesundheitsscreening-Kohorte NHIS-HealS: 79.497 gematchte Fälle und Kontrollen, nur Männer ab 40 Jahren. Mindestens eine Parodontitis-Episode innerhalb eines Jahres war mit höheren Chancen auf benigne Prostatahyperplasie verbunden (OR 1,34; 1,31 bis 1,37), bei Einkommensschwachen OR 1,43 (1,38 bis 1,48). Die Autoren nennen als Grenzen das retrospektive Design, ICD-10-Kodierung ohne Schweregrad und die Beschränkung auf koreanische Staatsbürger über 40 Jahre [s21].
  • Hyun et al. 2021 (Seoul; International Neurourology Journal): 103 Männer mittleren Alters nach einer Gesundheitsuntersuchung; Parodontitis bei 28 (27,2 %), BPH bei 10. Der IPSS-Gesamtwert war bei Parodontitis höher (Median 12,0 gegenüber 8,0; p = 0,004), nach Adjustierung blieb ein positiver Zusammenhang (OR 1,141; 1,045 bis 1,245). Das Serumtestosteron unterschied sich nicht (4,7 gegenüber 4,3 ng/ml; p = 0,979). Sehr kleine Zellen, sechs Adjustierungsvariablen [s51].
  • Lee et al. 2019 (Inje University, Busan; Annals of Occupational and Environmental Medicine) werteten den zweiten nationalen Umweltgesundheits-Survey (2012 bis 2014) aus: 4.689 Erwachsene, davon 2.763 Männer. Bei Männern bestand kein signifikanter Zusammenhang zwischen FSH und Blut-Blei, Blut-Quecksilber oder Urin-Cadmium; Spermienparameter wurden nicht erhoben. Ein Nullbefund für Quecksilber und das Gonadotropin FSH, aber kein Befund zu Amalgam [s64].

Datenbanken. Das Portal des Korea Citation Index (KCI) war erreichbar, die Suchanfrage lieferte aber Standardtreffer unabhängig von der Anfrage (zum Beispiel Kosmetik und Forstwesen). KoreaMed (Synapse) lud nur als Formularhülle, DBpia war nicht zu erreichen (HTTP-Code 000), von RISS war nur die Startseite erreichbar, ohne Suchtest. Koreanischsprachige Literatur außerhalb von PubMed konnte deshalb nicht durchsucht werden; wie viel dort steht, ist nicht abschätzbar.

Einordnung. Korea zeigt, wie große Abrechnungsdaten wirken: sehr enge Konfidenzintervalle, aber keine Schweregrade, keine Spermienparameter und mögliche Verzerrung durch Arztkontakte. Für die Kernfrage trägt der Raum nichts bei; die Daten betreffen ED, Prostata und Hormone.

Alle Kapitel und Anhänge (22)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Vorbemerkung bis Zusammenfassung der Beobachtungsdaten zur ED
  6. Parodontitis und Prostata (Herkunft des Seminalplasmas) bis Studien an Frauen und ein Fallbericht (nur als Randbefund)
  7. Amalgam, Quecksilber und Samenqualität bis Gesamtbewertung der Studienlage
  8. Vorbemerkung zu Umfang und Methode dieses Kapitels bis 5. Angrenzende Endpunkte: erektile Funktion, Sexualhormone, Prostata
  9. 6. Amalgam, Quecksilber und Samenqualität bis 9. Gesamteinschätzung der Studienlage
  10. Mechanismen und biologische Plausibilität
  11. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  12. Englisch bis Koreanisch
  13. Russisch bis Türkisch
  14. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  15. Limitationen der Evidenz
  16. Offene Forschungsfragen
  17. Praktische Einordnung
  18. Glossar
  19. Quellenverzeichnis
  20. Diagramme
  21. Quellen
  22. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle