Vorbemerkung
Dieser Abschnitt bespricht die Einzelstudien am Menschen, nach Fragestellung gegliedert und innerhalb jeder Fragestellung in der Regel nach Erscheinungsjahr. Zuerst kommt die Kernfrage (Zahn- und Parodontalstatus und Spermienparameter), dann Hormone, erektile Dysfunktion, Prostata, Mundflora und Samenflora sowie Quecksilber und Amalgam; zuletzt stehen die Mendelschen Randomisierungen und eine randomisierte Studie. Zu jeder Studie werden, soweit verfügbar, Land, Design, Population, Exposition, Methodik, Zahlen mit Konfidenzintervallen, Stärken, Schwächen und Einordnung angegeben. Bei den meisten Studien lag nur der Abstract vor; wo der Volltext herangezogen wurde, steht das dabei.
Eine gemeinsame Warnung gilt für alle Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien: Sie zeigen, dass zwei Merkmale gleichzeitig bei denselben Männern häufiger vorkommen, nicht, was zuerst da war und ob das eine das andere verursacht. Rauchen, Alkohol, Alter, Adipositas, Diabetes, Varikozele, Abstinenzzeit und die Selektion über Kinderwunschkliniken sind sowohl mit Parodontitis als auch mit der Samenqualität verknüpft und in keiner der Studien vollständig kontrolliert.
Zahn- und Parodontalstatus und Spermienparameter
Neun Studien am Menschen haben Parodontalbefunde und Spermiogramme bei denselben Männern erhoben (2010 bis 2023); sieben wurden im Abstract abgerufen, zwei sind nur über die Übersicht [s24] bekannt. Dazu kommen die älteren deutschen Fokalinfektionsarbeiten (1989 bis 1993) und eine Studie zu chromosomaler Instabilität (2025). Nach Erscheinungsjahr geordnet:
| Studie | Land | Design | n | Exposition | Hauptergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Zhu 2010 (nur über [s24]) | China | Fall-Kontroll | 360 (180 + 180) | Parodontitis | 48,3 % gegenüber 31,7 % (P < 0,01) |
| Klinger 2011 [s96] | Israel | Querschnitt | 75 | klinischer Parodontalbefund | Attachmentverlust mit verminderter Beweglichkeit assoziiert |
| Nwhator 2014 [s87] | Nigeria | Vergleich | 76 | Mundhygiene, Parodontitis, aMMP-8 | Mundhygiene und subnormale Zahl assoziiert |
| Pásztor 2016 [s79] | Ungarn | Beobachtung | 95 | klinischer Parodontalbefund | keinerlei Zusammenhang |
| Práger 2017 [s78] | Ungarn | Fall-Kontroll/Querschnitt | 199 | Parodontal- und Kariesstatus | einzelne Merkmale bei Oligo-Asthenozoospermie |
| Chidambar 2019 [s61] | Indien | Querschnitt, ohne Kontrollen | 85 | klinischer Parodontalbefund | Korrelationen mit Beweglichkeit und Morphologie |
| Tao 2021 [s54] | China | Fall-Kontroll | 192 | klinischer Parodontalbefund | OR 3,377 |
| Kheradmand 2022 (nur über [s24]) | Iran | Querschnitt | 75 | Parodontitis, Mundhygiene | höhere DNA-Fragmentierung (P < 0,05) |
| Pourabbas 2023 [s40] | Iran | Querschnitt | 229 | orale Neutrophile im Spülwasser | B-Werte mit Konfidenzintervallen |
Klinger et al. 2011 (Journal of Clinical Periodontology), Jerusalem, Israel [s96]
Design und Population. Querschnittsstudie an 75 Männern einer Kinderwunschklinik, die zur Samenanalyse vor homologer Insemination oder IVF kamen; mittleres Alter 32,7 Jahre [s96, s24]. Das Spermiogramm wurde nach WHO-Kriterien beurteilt, am selben Tag erfolgte eine klinische Parodontaluntersuchung.
Ergebnisse. Gingivitis bei 40 %, Parodontitis bei 48 %, parodontal gesund 12 % (neun Männer). Normozoospermie bei 37 %, Oligozoospermie bei 48 %, Azoospermie bei 15 %. Familiäre Infertilität war signifikant mit mindestens einem auffälligen WHO-Parameter assoziiert. Mehr Stellen mit tiefen Taschen tendierten zu verminderter Beweglichkeit, Attachmentverluste waren signifikant mit verminderter Beweglichkeit assoziiert (p < 0,05 nach [s24]). Kein signifikanter Zusammenhang mit der Spermienzahl (p = 0,17 nach [s24]). Die Qualitätsbewertung in der Übersicht beträgt 7 von 9 [s24].
Stärken. Frühe Arbeit, klinische Erhebung, Parodontaluntersuchung und Samenanalyse am selben Tag. Schwächen. Keine gesunde Vergleichsgruppe; Selektion über die Klinik; sehr kleine Stichprobe mit nur neun parodontal gesunden Männern als Referenz; viele Merkmale getestet; im Abstract weder Effektgrößen noch Konfidenzintervalle noch Adjustierung. Die Autoren formulieren zurückhaltend („may point to a possible association“).
Nwhator et al. 2014 (Journal of Contemporary Dental Practice), Abuja, Nigeria [s87]
Design und Population. Querschnitts-/Vergleichsstudie. 86 Männer, die im Rahmen der Infertilitätsabklärung ihrer Partnerinnen ein Spermiogramm benötigten, wurden fortlaufend rekrutiert; wegen unvollständiger Angaben gingen 76 in die Auswertung [s87].
Methodik. Basale zahnärztliche und parodontale Untersuchung; zusätzlich ein immunchromatographischer Schnelltest auf aktive Matrix-Metalloproteinase-8 (aMMP-8) in der Mundflüssigkeit mit Ablesung als Farbumschlag (der Abstract nennt das Enzym fälschlich „active membrane metalloproteinase-8“) [s87].
Ergebnisse. Nach dem Abstract 55 Männer mit subnormalen Zahlen (10 azoosperm, 41 oligosperm) und 25 normozoosperme Kontrollen. Parodontitis war nur in einer Altersgruppe mit subnormaler Spermienzahl verknüpft, schlechte Mundhygiene dagegen signifikant über alle Altersgruppen. Nach [s24]: 51 subnormale und 25 normale Männer; p = 0,048 (Mundhygiene) und p = 0,026 (Parodontitis) bei Oligozoospermie, WHO 1999, Qualitätsbewertung 8 von 9 [s24, s87].
Schwächen. Die Zahlen des Abstracts sind nicht stimmig (10 + 41 = 51, nicht 55; 55 + 25 = 80, nicht 76); die Zuordnung der p-Werte unterscheidet sich zwischen Abstract und Übersicht; kleine Zellen in der Altersgruppenanalyse; keine Adjustierung im Abstract; keine Konfidenzintervalle. Stärken. Aktive Gewebezerstörung wurde über aMMP-8 biochemisch erfasst, nicht nur über kumulative klinische Befunde. Einordnung. Eine der wenigen Studien aus Afrika; der Befund betrifft die Spermienzahl, in der Gesamtliteratur der uneinheitlichste Parameter.
Begleitende Umfrage (Nwhator et al. 2013) [s91]. Eine Online-Umfrage unter 119 Fachärzten und Ärzten in Nigeria, ohne Patientendaten: Zahnanamnese und zahnärztliche Überweisung waren nicht Teil der Subfertilitätsprotokolle; die Autoren sprechen von fast völligem Fehlen des Wissens um die „unwahrscheinliche, aber plausible“ Verbindung. Das ist ein Hinweis auf die Versorgungslage, nicht auf die Samenqualität.
Pásztor et al. 2016 (Journal of Oral Science), Szeged, Ungarn [s79]
Design und Population. Beobachtungsstudie an 95 sonst gesunden Männern mit idiopathischer Infertilität (etwa 30 % der männlichen Infertilität gelten als idiopathisch), die eine Andrologie-Einheit zur Samenanalyse aufsuchten; mittleres Alter 35,1 Jahre (23 bis 51) [s79]. Verteilung: 38 % Oligozoospermie, 28 % Asthenozoospermie, 16 % Kryptozoospermie, 15 % Normozoospermie (die Angaben summieren sich im Abstract zu 97 %) [s79].
Ergebnisse. Etwa die Hälfte der Männer sowohl in den Gruppen mit Samenpathologie (50,8 %) als auch bei den Normozoospermen (50 %) hatte schlechten Parodontalstatus. Die Kategorie der Samenpathologie war nicht mit tiefen Taschen oder Zahnstein assoziiert; Blutung auf Sondieren war bei Asthenozoospermie signifikant niedriger als bei Normozoospermie (p = 0,046 nach [s24]). Schlechter Parodontalstatus war mit keiner Kategorie und keinem Parameter assoziiert. Die Autoren schreiben, im Gegensatz zu früheren Befunden zeigten ihre Ergebnisse keinen Zusammenhang zwischen Pathospermie und parodontaler Infektion [s79].
Stärken. Klarer Nullbefund, klinische Untersuchung, Beschränkung auf „sonst gesunde“ Männer. Schwächen. Kleine Stichprobe; nur 15 % Normozoosperme (etwa 14 Männer), daher geringe Aussagekraft des Vergleichs; keine Effektschätzer mit Konfidenzintervallen im Abstract; ein Nullbefund bei n = 95 schließt einen kleinen Effekt nicht aus. Die Männer sind zudem alle Kinderwunschpatienten, sodass auch die „normalen“ Männer selektiert sind.
Práger et al. 2017 (Journal of Clinical Periodontology), Szeged, Ungarn [s78]
Design und Population. Fall-Kontroll-/Querschnittsstudie derselben Region an 199 Männern mit unerklärter Infertilität: 106 mit normalen Spermienparametern, 93 mit Spermienpathologie (27,95 % Oligozoospermie, 23,65 % Asthenozoospermie, 16,12 % Kryptozoospermie, 32,25 % kombinierte Oligo-Asthenozoospermie). Mittleres Alter 33,6 (Normozoospermie) und 35,4 Jahre (Pathospermie) nach [s24, s78].
Ergebnisse. Schlechter Parodontalstatus bei 45,7 % der Gesamtgruppe. Der DMFT-Index (Karies) war in keiner Gruppe signifikant höher. In der multivariaten Analyse waren in der kombinierten Gruppe gegenüber Normozoospermie Zahnstein, Blutung auf Sondieren (BOP) und BOP an mindestens 50 % der Zähne häufiger (adjustierte OR 1,04, 1,13 und 4,92; Einheiten und Konfidenzintervalle stehen nicht im Abstract). Einzige Prädiktoren für Pathospermie im logistischen Modell waren Zahnfleischbluten in der Anamnese (adjustierte OR 1,82) und städtischer Wohnort (2,26) [s78].
Stärken. Größte der ungarischen Studien, multivariate Auswertung, Aufschlüsselung nach Pathospermieform, Karies miterfasst. Schwächen. Dass der städtische Wohnort als einziger weiterer Prädiktor blieb, spricht für Störgrößen außerhalb der Mundhöhle (Einschätzung dieser Recherche); Mehrfachvergleiche; OR von 1,04 und 1,13 sind klein, und die Maßeinheit ist nicht angegeben; der Zusammenhang bestand nur in der kleinsten gemeinsamen Kategorie „Oligo-Asthenozoospermie“. Einordnung. Zusammen mit [s79] zeigen die beiden ungarischen Studien aus derselben Region und Klinik, dass das Ergebnis stark von Fragestellung, Fallzahl und Auswertung abhängt: einmal kein, einmal ein merkmalsbezogener Zusammenhang.
Chidambar et al. 2019 (Journal of Human Reproductive Sciences), Shimoga, Indien [s61]
Design und Population. Querschnittsstudie an 85 Männern einer Kinderwunschklinik/Andrologie-Ambulanz (Rekrutierung über 12 Monate, Spermiogramm nach WHO 2010), ohne Kontrollgruppe (von den Autoren „vorläufig“ genannt). Einschluss: 21 bis 45 Jahre, nicht adipös, mindestens 16 Zähne; Ausschluss: Allgemeinerkrankungen, Rauchen, Parodontaltherapie in den vorigen 6 Monaten, Antibiotika oder nichtsteroidale Entzündungshemmer in den vorigen 3 Monaten [s61].
Ergebnisse. 64 von 85 (75,3 %) hatten Parodontitis, 21 (24,7 %) Gingivitis; es gab keine parodontal gesunden Männer. 20 (23,5 %) waren normozoosperm, 37 (43,5 %) oligozoosperm, 65 (76,4 %) hatten verminderte Beweglichkeit. Der Abstract schreibt, höherer Attachmentverlust korreliere positiv mit Submotilität und Spermienzahl. Die Korrelationstabelle des Volltextes (Spearman, n = 85) differenziert das: Attachmentverlust mit Beweglichkeit rho = −0,3841 (P = 0,0003), mit Morphologie −0,3020 (P = 0,0050), mit Ejakulatvolumen −0,3429 (P = 0,0013), mit Konzentration −0,1507 (P = 0,1685, nicht signifikant). Blutungsstellen: Beweglichkeit −0,4411 (P = 0,0001), Morphologie −0,3513 (P = 0,0010), Volumen −0,3693 (P = 0,0005), Konzentration −0,1624 (P = 0,1376). Gingivaindex: Beweglichkeit −0,3376 (P = 0,0016), Morphologie −0,2678 (P = 0,0132), Konzentration 0,0206 (P = 0,8516). Der Plaqueindex korrelierte dagegen positiv mit Konzentration (0,2271; P = 0,0366), Beweglichkeit (0,2241; P = 0,0393) und Morphologie (0,3076; P = 0,0042), also in der Gegenrichtung. Die Spermienparameter korrelieren untereinander eng (Beweglichkeit und Morphologie rho = 0,8504) [s61].
Stärken. Rauchende ausgeschlossen, klare Kriterien, mehrere Parodontalparameter, Korrelationen mit Teststatistik offen berichtet; nach Angabe der Autoren wurden Alter, Rauchen, familiäre Infertilität und Antibiotika als Störgrößen berücksichtigt. Schwächen. (1) Keine parodontal gesunden Vergleichspersonen, daher keine Aussage über ein erhöhtes Risiko. (2) In der abgerufenen Tabelle ist keine Adjustierung erkennbar. (3) Viele Korrelationen ohne Korrektur für Mehrfachtests. (4) Der Fließtext behauptet eine signifikante Korrelation des Gingivaindex mit der Konzentration, die der Tabelle widerspricht; die Abstract-Aussage zur Spermienzahl wird von der Tabelle ebenfalls nicht gedeckt. (5) Die p-Werte der Abbildungen 1 bis 4 sind im abgerufenen Text nicht lesbar. (6) Die Diskussion verweist auf Interleukin 6, Hitzeschockprotein-Kreuzreaktivität gegen Porphyromonas gingivalis und Antispermien-Antikörper als mögliche Mechanismen; das ist Literaturbezug, keine eigene Messung [s61]. Einordnung. Die Studie stützt einen Zusammenhang von Attachmentverlust und Blutungsstellen mit Beweglichkeit und Morphologie, nicht mit der Konzentration; der Plaqueindex läuft in die Gegenrichtung.
Tao et al. 2021 (Oral Diseases), Shanghai, China [s54]
Design und Population. Fall-Kontroll-Studie in der Reproduktionsambulanz eines großen Allgemeinkrankenhauses. 192 Teilnehmer: 63 (32,8 %) mit Samenauffälligkeit (Fälle), 129 (67,2 %) mit Normozoospermie aus derselben Ambulanz (Kontrollen). Mittleres Alter 32 Jahre (29 bis 35) nach [s24].
Methodik. Spermiogramm im Labor (Konzentration, Gesamtzahl, progressive und Gesamtbeweglichkeit), Fragebogen und klinische Parodontaluntersuchung bei allen; logistische Regression [s54].
Ergebnisse. Mäßige oder schwere Parodontitis kam bei den Fällen häufiger vor (33,3 % gegenüber 17,8 %; p = 0,012). Nach Adjustierung für Störgrößen OR 3,377 für Samenauffälligkeit bei mäßiger oder schwerer Parodontitis (p = 0,005); ein Konfidenzintervall nennt der Abstract nicht. Nach [s24]: Spermienzahl (P = 0,169) und Konzentration (P = 0,335) ohne Unterschied; mediane progressive Beweglichkeit 36,5 % gegenüber 17,9 % (P = 0,008) und Gesamtbeweglichkeit 36,2 % gegenüber 18,6 % (P = 0,005) „bei den Männern mit schwerer Parodontitis“; die Gruppenzuordnung der Zahlenpaare ist in der Übersicht nicht erläutert und wird deshalb nur wiedergegeben. Qualitätsbewertung 7 von 9 [s24, s54].
Stärken. Klinische Parodontaluntersuchung statt Selbstauskunft, Laborstandard, Adjustierung, Vergleichsgruppe aus derselben Ambulanz mit ähnlichen Zuweisungsbedingungen. Schwächen. Querschnitt, daher keine Zeitfolge; kleine Fallgruppe; im Abstract nicht genannt, welche Störgrößen im Modell standen (Rauchen, Alkohol, Adipositas bleiben unbeurteilbar); kein Konfidenzintervall; „Samenauffälligkeit“ fasst verschiedene Befunde zusammen; die Kontrollen sind Paare mit Kinderwunsch und nicht repräsentativ. Einordnung. Die einzige direkte Studie mit chinesischer Population; sie passt zum motilitätsbezogenen Muster, hat aber im Abstract keine parameterweise Aufschlüsselung.
Pourabbas et al. 2023 (Journal of Dental Research, Dental Clinics, Dental Prospects), Tabriz, Iran [s40]
Design und Population. Querschnittsstudie an 229 Männern (20 bis 60 Jahre; mittleres Alter 39,50 ± 6,18) einer privaten Kinderwunschklinik (Juli bis Oktober 2022); Fallzahlplanung 173 (Annahme r = 0,6, α = 0,05, Power 90 %), 235 rekrutiert, 6 fielen wegen Probenfehlern aus; mittlerer BMI 27,78 ± 2,17. Ausgeschlossen waren Allgemeinerkrankungen, Varikozele, Hodenanomalien, Antibiotika oder Steroide in den letzten 30 Tagen, berufliche Exposition gegenüber Blei oder Pestiziden, starkes Rauchen und Trinken; leichtes bis mäßiges Rauchen (65,5 %) und gelegentlicher Alkohol (56,8 %) waren erlaubt [s40].
Exposition. Die „orale Entzündungslast“ wurde nicht klinisch erhoben, sondern als Zahl peroxidasepositiver Neutrophiler (oPMN) in einer 30-Sekunden-Spülprobe mit 10 ml Kochsalzlösung gemessen (Mittel 20,62 ± 9,85 × 10^5/ml; Spanne 5,00 bis 39,80). Ejakulat nach WHO 2010 (Abstinenz 3 bis 5 Tage), Morphologie mit Diff-Quik, DNA-Fragmentierung (SDFi) mit Chromatin-Dispersionstest. Mittelwerte: Konzentration 66,26 ± 36,728 Mio./ml, Gesamtbeweglichkeit 35,26 ± 18,22 %, normale Morphologie median 4 %, SDFi 22,40 ± 9,72 % [s40].
Ergebnisse. Multiples lineares Modell (adjustiert für Rauchen und Alkohol, bei seminalen Neutrophilen und SDFi zusätzlich für das Alter; B je Einheit oPMN):
| Zielgröße | B | 95-%-KI | p |
|---|---|---|---|
| Gesamtbeweglichkeit (%) | −0,573 | −0,817 bis −0,329 | < 0,001 |
| progressive Beweglichkeit (%) | −0,367 | −0,536 bis −0,198 | < 0,001 |
| normale Morphologie (%) | −0,407 | −0,463 bis −0,351 | < 0,001 |
| SDFi (Prozentpunkte) | 0,733 | 0,651 bis 0,814 | < 0,001 |
| seminale Neutrophile (Mio./ml) | 0,126 | 0,100 bis 0,152 | < 0,001 |
| Gesamtzahl (Mio.) | 1,420 | −0,928 bis 3,767 | 0,235 |
Die Konzentration zeigte keinen signifikanten Zusammenhang (P = 0,406). Spearman-Korrelationen mit oPMN: SDFi rho = 0,826, normale Morphologie −0,775, seminale Neutrophile 0,669, Gesamtbeweglichkeit −0,341, progressive Beweglichkeit −0,320 (jeweils p < 0,001), Gesamtzahl 0,164 (p = 0,013, positiv). Nichtraucher hatten um 8,1 Einheiten niedrigere oPMN als Raucher (B = −8,100; p < 0,001), Nichttrinker um 3,3 Einheiten niedrigere als Alkoholkonsumenten (B = −3,332; p = 0,008); Alkoholverzicht ging mit 11,660 Prozentpunkten höherer Gesamtbeweglichkeit einher (KI 7,089 bis 16,232) [s40].
Stärken. Größte Einzelstudie der Kernliteratur, vorab berechnete Fallzahl, Konfidenzintervalle, funktionelle Zielgrößen einschließlich DNA-Fragmentierung, Ausschluss wichtiger Störgrößen. Schwächen. (1) Der oPMN-Wert ist kein Parodontitis-Befund; er steigt auch bei Rauchen und Alkohol, und der abgerufene Methodenteil nennt keine Sondierungsbefunde; die Autoren empfehlen selbst, klinische Parameter zusätzlich zu erheben. (2) oPMN, Rauchen und Alkohol hängen zusammen und beeinflussen alle das Spermiogramm; ob die Regression diese Verflechtung vollständig auffängt, ist aus den Angaben nicht zu entscheiden. (3) Die Korrelation rho = 0,826 mit der DNA-Fragmentierung ist für zwei biologisch verschiedene Messgrößen ungewöhnlich hoch; echte Beziehung, gemeinsame Ursache oder Artefakt lassen sich nicht unterscheiden (Einschätzung dieser Recherche); eine unabhängige Bestätigung liegt nicht vor. (4) Querschnitt, Selektion über eine private Klinik, keine fertile Vergleichsgruppe; Mikrobiologie nicht untersucht. (5) Die Übersicht [s24] führt die Studie ungenauer („OIL by PD, BOP, CAL“) als die Originalarbeit. Einordnung. Die statistisch deutlichste Beobachtung der Kernliteratur, aber nicht mit Parodontitis im engeren Sinn, sondern mit einem Entzündungsmaß der Mundhöhle.
Albu et al. 2025 (Biology), Bukarest, Rumänien: chromosomale Instabilität [s13]
Querschnittsstudie an 60 Erwachsenen von 20 bis 40 Jahren: 30 mit idiopathischer Infertilität, 30 fertile Kontrollen, je Gruppe 18 Frauen und 12 Männer. Ausschluss: Systemerkrankungen, Schwangerschaft, kürzliche Antibiotika oder nichtsteroidale Entzündungshemmer, Parodontaltherapie in den letzten 6 Monaten. Es wurden Sondierungstiefe, Attachmentverlust und Blutung auf Sondieren sowie der Mitomycin-C-induzierte Chromosomenbruch (Breakage-Index, BI; Instabilität bei BI ≥ 4,0) bestimmt. Spermiogramme wurden nicht erhoben. 19 von 30 Infertilen (63,3 %) hatten Instabilität; mäßige oder schwere Parodontitis bei 89,5 % dieser 19, 54,5 % der 11 Infertilen ohne Instabilität und 26,7 % der Kontrollen; BI 5,2 ± 0,9 gegenüber 1,3 ± 0,5 gegenüber 0,4 ± 0,2; Attachmentverlust 3,2 ± 0,7, 2,4 ± 0,6 und 1,7 ± 0,4 mm; χ² = 17,85, p < 0,001. Bei den Männern allein: Instabilität bei 58,3 % der Infertilen gegenüber 0,0 % der Kontrollen (BI 3,58 ± 2,16 gegenüber 0,39 ± 0,20). Der BI korrelierte mit Attachmentverlust, Sondierungstiefe und Blutung auf Sondieren. Schwächen. Nur 60 Personen, Männer und Frauen gemischt, Gruppen mit 11 und 19 Personen, kein multivariables Modell, ein Zentrum; die Autoren nennen die Studie selbst hypothesengenerierend und halten Kausalität für offen; der Zelltyp der Chromosomenanalyse wird im Abstract nicht genannt. Für die Samenqualität trägt sie kaum bei [s13].
Nur über die Übersicht bekannt: Kheradmand 2022 und Zhu 2010 [s24]
Kheradmand et al. 2022 (Iran, n = 75; Kongressbeitrag der iranischen urologischen Gesellschaft) berichten nach [s24] einen Zusammenhang zwischen schlechter Mundhygiene und Parodontitis einerseits und erhöhter Spermien-DNA-Fragmentierung andererseits (P < 0,05); die Übersicht bewertet die Studie mit 3 von 9 Punkten. Zhu et al. 2010 (China, n = 360; 180 gegen 180) fanden Parodontitis bei 48,3 % der Subfertilen gegenüber 31,7 % der Normozoospermen (P < 0,01) und einen Zusammenhang mit Spermiendeformität, verminderter Vitalität und Konzentration [s24]. Beide Arbeiten konnten nicht im Original geprüft werden; sie tragen hier nur mit der Qualifikation „laut Übersicht“.
Zusammenschau: Wie konsistent sind die Spermienbefunde?
- Beweglichkeit ist der am häufigsten betroffene Parameter (Klinger, Práger, Chidambar, Tao, Pourabbas), nicht aber bei Pásztor [s40, s54, s61, s78, s79, s96].
- Morphologie zeigt Zusammenhänge bei Chidambar, Pourabbas und Zhu, nicht bei Pásztor [s24, s40, s61, s79].
- DNA-Fragmentierung wurde nur in drei Studien betrachtet (Pourabbas, Kheradmand, mittelbar Albu auf Chromosomenebene); die stärkste Korrelation (rho = 0,826) stammt aus der Studie ohne klinische Parodontitisdiagnose [s13, s24, s40].
- Konzentration und Gesamtzahl sind uneinheitlich: kein Zusammenhang bei Klinger (p = 0,17), Tao (P = 0,335 und 0,169), Pourabbas (P = 0,406 und 0,235) und Chidambar (P = 0,1685), Zusammenhang bei Nwhator und Zhu [s24, s40, s54, s61, s87, s96].
- Effektgrößen mit Konfidenzintervall gibt es nur in einer einzigen Studie (Pourabbas); alle anderen berichten p-Werte, Prozentsätze oder Korrelationskoeffizienten ohne Intervalle.
- Positive Studien überwiegen, aber zwei der größten klinisch untersuchten Gruppen (Pásztor, Práger) finden entweder nichts oder nur einzelne Merkmale. Ob das Publikationsverzerrung, echte Heterogenität der Populationen oder Zufall ist, lässt sich aus den Daten nicht entscheiden.
Zahnärztliche Sanierung bei Bakteriospermie: die Aachener Arbeiten 1989 bis 1993
Die älteste Linie der Literatur stammt aus dem deutschen Sprachraum (Abteilung für zahnärztliche Prothetik, Aachen) und folgt dem Konzept der Fokalinfektion. Es sind nicht randomisierte Interventionsstudien an selektierten Patienten.
Bieniek und Riedel 1989 (ZWR), Originalsprache Deutsch [s127]. Titel in PubMed als englische Übersetzung: „[Diseases of the masticatory system as possible causal factors in infertility]“ (deutsch: Erkrankungen des Kauorgans als mögliche ursächliche Faktoren bei Infertilität). 36 subfertile Männer (25 bis 43 Jahre) mit asymptomatischer Bakteriospermie (mindestens 10^5/ml), bei denen eine gezielte Antibiotikatherapie die Keimzahl nicht senkte. Zahlreiche intraorale Herde wurden saniert; das Keimspektrum der Mundhöhlenproben und der Spermiogramme sei identisch gewesen. Sechs Monate nach der Sanierung und intensiver Mundhygieneunterweisung seien zwei Drittel der Spermiogramme steril gewesen. Die Autoren schließen auf eine direkte ursächliche Beziehung zwischen dentalen Primärerkrankungen und Bakteriospermie, die wahrscheinlich zur Subfertilität führe [s127].
Ensslen, Riedel, Bieniek und Hafner 1990 (Zentralblatt für Gynäkologie), Deutsch [s125]. Titel in PubMed: „[Male subfertility and oral bacterial diseases]“ (deutsch: Männliche Subfertilität und bakterielle Erkrankungen der Mundhöhle). Seit Juni 1987 hatten mehr als 70 % der wegen Sterilität vorstelligen Ehemänner eine behandlungsbedürftige Bakteriospermie (über 10^4 cfu/ml), bei 23 % ohne überzeugende Keimzahlsenkung; 36 therapieresistente Patienten wurden zahnärztlich saniert, das Keimspektrum von Mund und Spermiogramm sei identisch gewesen, nach sechs Monaten seien zwei Drittel der Spermiogramme steril gewesen und Beweglichkeit, Morphologie und Dichte besser [s125].
Bieniek und Riedel 1993 (Andrologia), Englisch [s120]. „Bacterial foci in the teeth, oral cavity, and jaw: secondary effects (remote action) of bacterial colonies with respect to bacteriospermia and subfertility in males“ (deutsch: Bakterienherde in Zähnen, Mundhöhle und Kiefer: Sekundäreffekte (Fernwirkung) bakterieller Kolonien im Hinblick auf Bakteriospermie und Subfertilität beim Mann). Wieder mehr als 70 % behandlungsbedürftige Bakteriospermie (hier seit 1988), in 23 % ohne Wirkung der Antibiotika. 36 Patienten wurden zahnärztlich untersucht, alle hatten potenzielle dentale Herde; in einer Testgruppe von 18 wurden sie beseitigt, es gab eine Kontrollgruppe. Das Keimspektrum der Mundhöhle sei nahezu identisch mit dem der Spermiogramme gewesen. Nach sechs Monaten waren in der Testgruppe etwa zwei Drittel der Spermiogramme steril, Beweglichkeit, Dichte und Morphologie deutlich besser; in der Kontrollgruppe seien die Befunde schlecht geblieben [s120].
Einordnung. Stärke: Es ist die einzige abgerufene Arbeitsgruppe, die eine zahnärztliche Intervention mit Kontrollgruppe und Spermiogramm verbindet und Keimspektren aus Mund und Ejakulat vergleicht; eine Replikation wurde nicht gefunden. Schwächen: Die Abstracts nennen keine Zahlen zu Spermienparametern, keine Statistik, kein Zuteilungsverfahren und keine Methode des Keimvergleichs; es sind selektierte Patienten mit therapieresistenter Bakteriospermie, nicht Männer mit auffälligem Spermiogramm im Allgemeinen. Eine Besserung nach Monaten ist ohne randomisierte Kontrolle nicht der Zahnbehandlung zuzuschreiben (Spontanverlauf, Mundhygieneunterweisung, Regression zur Mitte). Die Abstracts von 1989 und 1990 beschreiben jeweils 36 Patienten mit denselben Ergebnissen; wahrscheinlich ist es dasselbe Kollektiv, sodass die drei Arbeiten keine unabhängigen Bestätigungen sind (Einschätzung dieser Recherche). Für die deutschen Leserinnen und Leser sei vermerkt: Nach 1993 fand die Recherche keine deutschsprachige Weiterführung.
Zahn- und Parodontalstatus und männliche Sexualhormone
Die Hormonachse ist ein denkbarer Vermittler zwischen Parodontitis und Spermienbildung, wird aber in den Beobachtungsstudien uneinheitlich gesehen. Die Übersichten dazu (Kellesarian 2017, Lecaplain 2021) stehen im ersten Abschnitt [s52, s73].
Steffens et al. 2015 (Journal of Periodontology), NHANES III [s83]
Design und Population. Querschnittsstudie mit Daten des Dritten Nationalen Gesundheits- und Ernährungssurveys (NHANES III), 755 Männer. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Gesamt- und bioverfügbarem Testosteron und Parodontitis.
Ergebnisse. Hohes Gesamt- und hohes bioverfügbares Testosteron war mit häufigerer Parodontitis verbunden (OR 2,1 [Konfidenzintervall 1 bis 4,5] und 3,9 [1 bis 14,8]) und mit schwererer Parodontitis (2,1 [1 bis 4,3] und 3,4 [1,2 bis 9,8]); als kontinuierliche Variablen waren die Zusammenhänge nicht signifikant [s83].
Stärken. Landesweit repräsentative Stichprobe, Konfidenzintervalle berichtet. Schwächen. Querschnitt; Konfidenzintervalle, die die 1 berühren (untere Grenze 1); sehr weite Intervalle beim bioverfügbaren Testosteron (1 bis 14,8); die Richtung (hohes Testosteron bei Parodontitis) steht im Widerspruch zur Annahme, niedriges Testosteron begünstige Entzündung. Einordnung. Das Ergebnis passt zu den „höheren Testosteronwerten bei Parodontitis“ in zwei der drei Studien bei Lecaplain [s52], nicht zu den Befunden niedrigen Testosterons in anderen Studien [s73].
Daltaban et al. 2006 (Journal of Periodontology) [s105]
Klinische Vergleichsstudie an 48 Männern: 24 mit hypergonadotropem Hypogonadismus und 24 gesunde Männer, Parodontalstatus bei Testosteronmangel. Es fand sich eine negative Korrelation zwischen Gingivaindex und freiem Testosteron (r = −0,794; P < 0,05); die Autoren sehen eine hemmende Wirkung von Testosteron auf die Entzündung [s105]. Schwächen. Kleine Gruppen, ein Zentrum, Korrelation bei kleiner Stichprobe; eine Spermienmessung ist nicht Teil der Studie. Einordnung. Entgegengesetzte Richtung zu [s83]; die Übersicht [s73] bezeichnet die Beziehung als strittig.
Gul et al. 2021 (International Dental Journal), Atatürk-Universität, Türkei: Kompositfüllungen, Bisphenol A und Hormone [s50]
Design und Population. Prospektive Vorher-Nachher-Untersuchung an 18 gesunden Männern, die jeweils zwei Kompositrestaurationen aus zwei Materialien (Grandio und Charisma) erhielten. Speichel- und Blutproben vor der Füllung sowie 1 Tag, 1, 3 und 5 Wochen danach.
Methodik. Bisphenol A (BPA) per Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (Nachweisgrenze 0,15 ng/ml; endogenes BPA im Leerserum 1,12 ng/ml, im Leerspeichel 0,4 ng/ml; Wiederfindung 98,4 ± 4,21 % im Serum und 99,5 ± 3,87 % im Speichel), Hormone per Radioimmunoassay (Gonadotropine, Testosteron, SHBG, freier Androgenindex, Östradiol); Friedman-, Wilcoxon- und Mann-Whitney-Tests (α = 0,05).
Ergebnisse. Die BPA-Freisetzung war weder im Speichel noch im Serum signifikant erhöht (p > 0,05). Das Serum-BPA lag signifikant über dem Speichel-BPA (p < 0,05). Beispielwerte Grandio (Mittelwert ± SD): BPA im Serum 1,42 ± 0,31 ng/ml zu Beginn und 1,49 ± 1,04 ng/ml nach 5 Wochen; im Speichel 0,29 ± 0,19 und 0,34 ± 0,24 ng/ml. Testosteron Grandio: 3,66 ± 0,82 (Beginn), 3,94 ± 0,64 (1 Tag), 4,04 ± 0,80 (1 Woche), 4,67 ± 0,98 (3 Wochen), 3,76 ± 1,42 ng/ml (5 Wochen); FSH 4,38 ± 2,95 auf 3,55 ± 2,68 mIU/ml; LH 4,66 ± 2,44 auf 2,86 ± 1,9 mIU/ml; freier Androgenindex 0,71 ± 0,27 auf 0,58 ± 0,26. Charisma: Testosteron 3,66 ± 0,60 (Beginn), 3,15 ± 0,66 (1 Woche), 3,99 ± 0,75 ng/ml (5 Wochen); FSH 5,24 ± 2,98 auf 4,91 ± 2,70; LH 4,07 ± 1,80 auf 3,82 ± 1,47. Laut Text sanken FSH, LH und freier Androgenindex bei Grandio signifikant gegenüber dem Ausgangswert (p < 0,05), bei Charisma nicht. Schlussfolgerung der Autoren: BPA aus den Kompositen habe die Serumhormone nicht signifikant verändert [s50].
Stärken. Wiederholte Messungen am selben Mann, validierte Methode, Hormonpanel. Schwächen. Nur 18 Männer, keine Kontrollgruppe ohne Füllung, keine Spermienanalyse, Beobachtung nur über 5 Wochen; ein innerer Widerspruch: In der Tabelle trägt der Testosteronwert nach 3 Wochen bei Grandio (4,67 ± 0,98) einen anderen Buchstaben als der Ausgangswert (3,66 ± 0,82), also einen signifikanten Unterschied, der Text bezeichnet den Anstieg aber als nicht signifikant. Das Material ist Komposit, nicht Amalgam; die Studie sagt über Amalgam nichts aus. Im Abstract steht „P > 0,5“, im Volltext „P > .05“ [s50].
Parodontitis und erektile Dysfunktion (ED)
ED ist kein Spermienparameter. Die umfangreichsten Beobachtungsdaten zur Parodontitis und zu einem männlichen Fortpflanzungsendpunkt liegen aber zu diesem Endpunkt vor; er ist über Endothelfunktion und systemische Entzündung mit dem vermuteten Mechanismus für Ejakulatveränderungen verwandt, ohne dass das für Spermien gezeigt wäre. Die Effektmaße sind in der Tabelle zusammengestellt.
| Studie | Land | Design | n | OR (95-%-KI) |
|---|---|---|---|---|
| Keller 2012 [s93] | Taiwan | Fall-Kontroll (Registerdaten) | 32.856 Fälle, 162.480 Kontrollen | 3,35 (3,25 bis 3,45) |
| Tsao 2015 [s84] | Taiwan | Fall-Kontroll (Registerdaten) | 5.105 Fälle, 10.210 Kontrollen | 1,79 (1,64 bis 1,96) |
| Lee 2017 [s75] | Korea | Kohortendaten, Parodontalchirurgie | 268.296 | 1,29 (1,06 bis 1,58) |
| Matsumoto 2014 [s86] | Japan | Querschnitt, Fragebogen | 88 | Korrelation, p = 0,0415 |
| Martín 2018 [s69] | Europa (laut Titel) | Fall-Kontroll | 80 Fälle, 78 Kontrollen | 2,17 (1,06 bis 4,43) |
| Diouf 2023 [s39] | Subsahara-Afrika | Fall-Kontroll | 38 Fälle, 76 Kontrollen | 1,52 (0,55 bis 4,16) |
| Fujita 2024 [s31] | Japan | Querschnitt | 400 | Eichner-Klasse 3,490; Zahnzahl und CPI nicht signifikant |
Keller, Chung und Lin 2012 (Journal of Clinical Periodontology), Taiwan [s93]
Design. Retrospektive Fall-Kontroll-Studie mit landesweiten Versicherungsdaten (Taiwan National Health Insurance Research Database); 32.856 Patienten mit ED als Fälle, 162.480 zufällig gezogene Kontrollen; bedingte logistische Regression [s93].
Ergebnisse. Chronische Parodontitis war vor dem Indexdatum bei 24.294 Personen (12,3 %) diagnostiziert worden: bei 8.825 Fällen (26,9 %) und 15.469 Kontrollen (9,4 %). Nach Adjustierung für Einkommen, Alter, Region, Bluthochdruck, Diabetes, Hyperlipidämie, koronare Herzkrankheit, Adipositas und Alkoholproblematik lag das OR bei 3,35 (95-%-KI 3,25 bis 3,45; p < 0,001). Der Zusammenhang war bei unter 30-Jährigen (OR 4,54; KI 3,81 bis 5,40) und bei über 69-Jährigen (OR 4,84; KI 4,35 bis 5,39) besonders stark [s93].
Stärken. Sehr große Stichprobe, landesweite Datenbasis, Adjustierung für wichtige vaskuläre Störgrößen. Schwächen. Diagnosen stammen aus Abrechnungsdaten (ICD-Kodierung) ohne klinischen Schweregrad der Parodontitis; im Abstract ist keine Adjustierung für Rauchen und Mundhygiene genannt; ein validierter ED-Fragebogen wird nicht erwähnt; die Fallgruppe besteht vermutlich aus Patienten, die wegen ED ärztliche Hilfe suchten; der sehr enge Konfidenzbereich spiegelt die Stichprobengröße, nicht die Qualität der Messung. Der Volltext liegt hinter einer Bezahlschranke [s93].
Tsao et al. 2015 (Andrologia), Taiwan [s84]
Design. Fall-Kontroll-Studie mit nationalem Datensatz: 5.105 Patienten mit ED und 10.210 Kontrollen; zusätzlich Frage nach dem Einfluss von Zahnextraktion.
Ergebnisse. Chronische Parodontalerkrankung (CPD) fand sich bei 2.617 Personen (17,09 %): 1.196 (23,43 %) in der ED-Gruppe, 1.421 (13,92 %) bei den Kontrollen. Bereinigtes OR 1,79 (95-%-KI 1,64 bis 1,96; p < 0,001); bei unter 30-Jährigen 2,13 (1,23 bis 3,70), bei über 59-Jährigen 2,27 (1,99 bis 2,59; jeweils p < 0,001). Die Autoren deuten an, eine Zahnextraktion scheine die durch CPD bedingte Schädigung des Penisendothels abzuschwächen; diese Interpretation ist spekulativ und wird hier nicht als Befund übernommen [s84]. Schwächen. Wie bei Keller: Abrechnungsdaten, kein Schweregrad; die Deutung zur Extraktion ist aus dem Abstract nicht mit Zahlen belegt.
Lee et al. 2017 (Journal of Periodontal & Implant Science), Korea [s75]
Design. Retrospektive Auswertung der Stichprobenkohorte der koreanischen Krankenversicherung (NHIS-National Sample Cohort) mit Vorsorgeuntersuchungsdaten 2002 bis 2013: 268.296 Personen, darunter 7.148 mit parodontalchirurgischem Eingriff (PSTP); 102 davon (1,43 %) hatten eine vaskulogene ED [s75].
Ergebnisse. Bivariat war ED mit PSTP verbunden (OR 1,99; KI 1,38 bis 2,06; p < 0,001; die Grenzen sind so im Abstract angegeben, der Punktwert liegt rechnerisch außerhalb des Intervalls, vermutlich ein Druckfehler). Multivariat, adjustiert für Alter, Haushaltseinkommen, Versicherungsstatus, Gesundheitszustand, Wohnort, Rauchen sowie Diabetes, Angina pectoris, Hirninfarkt und Herzinfarkt: OR 1,29 (1,06 bis 1,58; p = 0,002). Im Volltext zeigt die multivariate Tabelle, dass PSTP die abhängige Variable war und ED eine der Einflussgrößen; die Prävalenz von PSTP und ED war in der Altersgruppe 30 bis 49 Jahre und bei höherem Einkommen höher. Der Abstract formuliert dagegen, Personen mit Parodontalchirurgie hätten ein höheres Risiko für ED; diese beiden Beschreibungen passen nicht ganz zusammen [s75].
Stärken. Große nationale Stichprobe mit Kontrolle für Rauchen und Komorbiditäten. Schwächen. Aus Abrechnungsdaten abgeleitete Diagnosen; die Operation ist ein Marker für schwere oder behandelte Parodontitis, nicht für den Gesamtbestand; die Modellrichtung erschwert den Vergleich mit den anderen Studien; die mit höherem Einkommen steigende Prävalenz deutet auf Inanspruchnahme-Verzerrung hin.
Matsumoto et al. 2014 (International Journal of Impotence Research), Asahikawa, Japan [s86]
Fragebogenstudie an 300 erwachsenen Männern, die eine umfassende Zahnuntersuchung erhielten; 88 Bögen kamen zurück (Rücklauf 29,3 %; Alter 50,9 ± 16,6 Jahre). Erfasst wurden ein Selbst-Checklisten-Wert für chronische Parodontalerkrankung (CPD-Score) und der IIEF-5. Es bestand eine signifikante Korrelation zwischen CPD-Score und ED (p = 0,0415, Spearman-Rangkorrelation) [s86]. Schwächen. Sehr kleine Stichprobe, niedrige Rücklaufquote (Selektion), Selbstauskunft statt klinischer Parodontalbefund, nur ein p-Wert, keine Effektgröße im Abstract.
Martín et al. 2018 (Journal of Clinical Periodontology), europäische Population [s69]
Fall-Kontroll-Studie in einer europäischen Population: 80 Männer mit ED (Fälle) und 78 Kontrollen (n = 158). Chronische Parodontitis war mit ED assoziiert: OR 2,17 (95-%-KI 1,06 bis 4,43; p = 0,03) [s69]. Schwächen. Kleine Stichprobe, untere Konfidenzgrenze knapp über 1; im Abstract keine Angabe zu den adjustierten Störgrößen. Einordnung. Eine der wenigen Studien mit klinischer Parodontaluntersuchung.
Diouf et al. 2023 (Journal of Advanced Periodontology & Implant Dentistry), subsaharische Population [s39]
Fall-Kontroll-Studie in einer subsaharischen Population (so im Titel): 38 Männer mit organischer ED und 76 Kontrollen (n = 114). Parodontitis lag bei 76,31 % der Fälle und 75 % der Kontrollen vor (p = 0,878), OR 1,52 (95-%-KI 0,55 bis 4,16), also kein signifikanter Zusammenhang. Schwere Parodontitis war mit schwerer ED assoziiert (OR 1,44 [1,11 bis 1,85] und 1,68 [1,15 bis 2,44]) [s39]. Schwächen. Sehr kleine Stichprobe, hohe Parodontitisprävalenz in beiden Gruppen (geringe Trennschärfe, Einschätzung dieser Recherche), Intervalle weit. Einordnung. Zusammen mit [s31] eine der Studien, die den Gesamtbefund nicht bestätigen.
Fujita et al. 2024 (International Journal of Urology), Hirosaki, Japan [s31]
Design. Querschnittsstudie an 400 Männern aus der Gemeindebevölkerung (Medianalter 53 Jahre); Parodontalstatus über den Community Periodontal Index (CPI), Okklusionsunterstützung über die Eichner-Klassifikation; 333 Männer (83 %) wurden der ED-Gruppe zugeordnet [s31].
Ergebnisse. Univariabel waren Zahl der Restzähne, CPI-Wert und Eichner-Klasse signifikant mit ED verbunden. Multivariabel waren Restzahnzahl (OR 0,907; p = 0,114) und CPI-Wert (OR 0,978; p = 0,864) nicht signifikant; die Eichner-Klassifikation dagegen unabhängig signifikant (OR 3,490; p = 0,042). Die Autoren schließen, schlechte Okklusionsunterstützung, nicht Zahnzahl oder Parodontalstatus, sei mit ED assoziiert [s31].
Bedeutung. Die einzige gefundene japanische Studie, die multivariabel keinen unabhängigen Parodontitiseffekt auf ED findet; sie schränkt die Konsistenz des Gesamtbildes ein. Schwächen. Die ED-Prävalenz von 83 % erscheint für eine Gemeindestichprobe sehr hoch, was auf eine selektierte Stichprobe oder eine sehr weite ED-Definition hindeutet (aus dem Abstract nicht prüfbar); kein Konfidenzintervall; Querschnitt; die Zahl der Störgrößen im Modell ist nicht genannt.
Zusammenfassung der Beobachtungsdaten zur ED
Die großen Registerstudien aus Taiwan und Korea (OR 1,29 bis 3,35) und die Metaanalysen (OR 2,28 bis 3,07) zeigen einen konsistent positiven Zusammenhang; die kleinen klinisch untersuchten Studien liegen im selben Bereich oder bei Nullbefunden (Diouf 2023, Fujita 2024). Die Registerstudien beruhen auf Abrechnungsdiagnosen ohne Schweregrad, und die Metaanalysen überlappen. Die einzige Mendelsche Randomisierung fand keinen kausalen Effekt (siehe unten) [s43]; die einzige randomisierte Studie fand eine Besserung eines Fragebogenwerts nach drei Monaten Parodontalbehandlung [s89].