Amalgam, Quecksilber und Samenqualität
Vorbemerkung zur Übertragbarkeit. Die Studien betreffen verschiedene Quecksilberformen und Expositionen: elementares Quecksilber (Dampf bei Arbeitern), Methylquecksilber über Fisch und Meeresfrüchte, Gesamtquecksilber in Blut, Haar, Urin und Samen. Amalgamfüllungen sind nur in einer einzigen Studie am Menschen als erfasste Größe vorhanden [s117]. Ergebnisse zu den anderen Expositionen sind auf Füllungsträger nur mit großem Vorbehalt übertragbar, in beide Richtungen: Eine Dampfexposition am Arbeitsplatz liegt um Größenordnungen höher als die Hintergrundbelastung, während der Fischverzehr ein Gemisch aus Methylquecksilber, Fettsäuren und Selen liefert.
Die einzige direkte Studie: Hanf et al. 1996 (Toxicology Letters), Tübingen, Deutschland [s117]
Design und Population. Querschnittsstudie an 80 Ehemännern von Frauen in Kinderwunschbehandlung (in [s117] wird Tübingen als Herkunft genannt; der Abstract selbst nennt kein Land); zum Vergleich 7 nachweislich fertile Arbeiter mit beruflicher Quecksilberbelastung.
Methodik. Quecksilber im Morgenurin und im Ejakulat, Zahl der Amalgamfüllungen, Routinespermiogramm mit einem aus dem Spermiogramm berechneten „Fertilitätsindex“.
Ergebnisse. Die Urinwerte lagen im Bereich nicht exponierter Bevölkerungen; 75 % der Ejakulatproben lagen unter der Nachweisgrenze von 5 µg/l. Die 7 beruflich Exponierten hatten dagegen 10 bis 65 µg/l im Ejakulat. Es gab keine positive Korrelation zwischen Quecksilber in Urin oder Ejakulat und dem Fertilitätsindex und ebenso keine zwischen dem Fertilitätsindex und der Zahl der Amalgamfüllungen. Die Autoren sehen in diesen vorläufigen Daten keinen Hinweis auf die behauptete Beziehung zwischen Quecksilberbelastung aus Amalgam und männlichen Fertilitätsstörungen.
Stärken. Direkte Messung im Ejakulat, Füllungszahl erfasst, klarer Nullbefund. Schwächen. Nur Männer infertiler Paare, schmale Expositionsspanne, die meisten Ejakulatwerte unter der Nachweisgrenze (wenig Streuung zum Auswerten), ein zusammengesetzter Index statt einzelner Parameter, keine Korrelationskoeffizienten und Konfidenzintervalle im Abstract, Methoden von 1996. Ein kleiner Effekt oder ein Effekt bei höheren Dosen ist bei 80 Männern nicht auszuschließen; ebenso fehlt eine Aussage zu Personen mit sehr vielen Füllungen, da die Zahl der Füllungen nur als Korrelationspartner erscheint.
Biomonitoring in der Allgemeinbevölkerung (Fisch, Umwelt)
| Studie | Land | n | Matrix | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Leung 2001 [s111] | Hongkong | 59 | Vollblut | alle Parameter niedriger, nicht signifikant |
| Choy 2002 [s110] | Hongkong | 157 + 26 Paare | Vollblut | bei Infertilen höher |
| Rignell-Hydbom 2007 [s103] | Schweden | 195 | Blut (MeHg) | kein Zusammenhang |
| Mocevic 2013 [s90] | Grönland, Polen, Ukraine | 529 | Vollblut | nur Inhibin B positiv |
| Mínguez-Alarcón 2018 [s70] | EARTH (Boston) | 129 (243 Proben) | Haar | höhere Werte mit besseren Parametern |
| Lu 2018 [s68] | China (Shanxi) | 616 | Urin | negativ mit H19-Methylierung |
| Ai 2019 [s59] | Taiwan | 84 | Blut, Samenplasma | Morphologie, Dosisbezug p = 0,02 |
| Lee 2019 [s64] | Korea | 2.763 Männer | Blut | kein Zusammenhang mit FSH |
| Henriques 2026 [s04] | (Haarproben) | nicht angegeben | Haar | Flagellum-Defekte korreliert |
| Yuan 2026 [s10] | Hongkong | 250 | Samen, Samenplasma | je nach Normalisierung gegenläufig |
Leung et al. 2001 (Australian & New Zealand Journal of Obstetrics & Gynaecology), Hongkong [s111]. 59 männliche Partner infertiler Paare der Reproduktionseinheit der Chinese University of Hong Kong (1997 bis 1998). 21 (35,6 %) hatten eine Vollblut-Quecksilberkonzentration über dem Normbereich (0 bis 50 nmol/l). Alle computergestützt gemessenen Ejakulatparameter (Konzentration, Anteil normal geformter Spermien, Anteil beweglicher, Geschwindigkeiten und Kopfauslenkung) waren bei erhöhtem Quecksilber niedriger, aber nicht signifikant. Die Autoren konnten keinen signifikanten Effekt zeigen, schließen andere schädliche Wirkungen aber nicht aus. Schwächen: kleine Studie ohne Aussage zur Teststärke; „alle Parameter niedriger“ ohne Signifikanz ist kein Beleg; Befund formal negativ.
Choy et al. 2002 (BJOG), Hongkong [s110]. Fall-Kontroll-Studie: 157 infertile Paare aus der IVF-Einheit und 26 fertile Paare aus der Schwangerenambulanz ohne bekannte berufliche Exposition; Vollblut-Quecksilber mit Kaltdampf-Atomabsorption. Infertile Paare hatten höhere Quecksilberspiegel als fertile; auch „infertile Männer mit auffälligem Ejakulat“ und Frauen mit ungeklärter Infertilität hatten höhere Werte als ihre fertilen Gegenstücke. Der Blutspiegel war positiv mit der Menge an Meeresfrüchten korreliert, und Infertile mit hohem Spiegel aßen mehr davon. Die Autoren schließen, höhere Blutquecksilberwerte seien mit männlicher und weiblicher Infertilität assoziiert. Schwächen: nur 26 fertile Kontrollpaare aus anderer Rekrutierung (andere Ernährung und Alter möglich); der Abstract nennt keine Zahlen für Spiegel und Unterschiede; Seafood ist ein starker Störfaktor; der Zusammenhang kann umgekehrt oder durch gemeinsame Ursachen entstehen; die Studie trennt die Quecksilberform nicht auf. Ein zweiter Datensatz derselben Gruppe zu Spermienparametern und Quecksilber im Samenplasma (Fertility and Sterility 2002) lag in Europe PMC ohne Abstract vor (PMID 12137888) und wurde nicht ausgewertet.
Rignell-Hydbom et al. 2007 (Environmental Health), Schweden [s103]. 195 schwedische Fischer (mittleres Alter 47 Jahre, 24 bis 67), Methylquecksilber im Blut 0,11 bis 16,59 µg/l (Median 2,25 µg/l), PCB (CB-153) im Serum 37 bis 1.460 ng/g Fett (Median 190). Gemessen wurden Beweglichkeit, Konzentration, Gesamtzahl, Chromatinintegrität (DFI) und der Anteil Y-tragender Spermien. Es fand sich kein Zusammenhang zwischen Methylquecksilber und irgendeinem Endpunkt, auch keine Wechselwirkung mit CB-153 (Männer mit niedrigem Methylquecksilber und hohem CB-153 hatten einen leicht höheren DFI und Y-Anteil, nicht signifikant). Stärken: hoher Fischverzehr, mehrere Endpunkte, Chromatinintegrität. Schwächen: Fischer, andere Expositionsform als bei Füllungsträgern, Abstract ohne Effektschätzer.
Mocevic et al. 2013 (Asian Journal of Andrology), Grönland, Polen, Ukraine [s90] (Querschnitt an 529 männlichen Partnern schwangerer Frauen, 2002 bis 2004). Mediane des Vollblut-Quecksilbers: 9,2 ng/ml in Grönland (0,2 bis 385,8), 1,0 in Polen (0,2 bis 6,4), 1,0 in der Ukraine (0,2 bis 4,9). Signifikant positiv nur mit Inhibin B (β = 0,074; 95-%-KI 0,021 bis 0,126 in Grönland; β = 0,067; 0,024 bis 0,110 über alle drei Regionen). Keine signifikanten Zusammenhänge (p > 0,05) mit Samenvolumen, Gesamtzahl, Konzentration, Morphologie, Beweglichkeit oder mit freiem Androgenindex, FSH, LH, Testosteron. Die Autoren sehen keine Belege für Schäden bei einer medianen Vollblutkonzentration bis 10 ng/ml und führen den Inhibin-B-Zusammenhang möglicherweise auf günstige mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Fisch zurück. Stärken: große Stichprobe, drei Regionen, viele Endpunkte, Konfidenzintervalle. Schwächen: Partner schwangerer Frauen (nicht Kinderwunschpatienten), Fischverzehr als Störgröße, kein Dosisbereich für Amalgamträger.
Mínguez-Alarcón et al. 2018 (International Journal of Hygiene and Environmental Health), EARTH-Studie, Boston [s70]. 129 Männer, die 243 Samenproben abgaben (2005 bis 2013). Haar-Quecksilber (Direct Mercury Analyzer), Median 0,72 ppm (0,03 bis 8,01), etwa 30 % über 1 ppm; Fischverzehr per Fragebogen (Grenze 1,68 Portionen/Woche); WHO-2010-Kriterien; gemischte Modelle, adjustiert für Alter, BMI, Rauchen, Abstinenzzeit und Alkohol. Höheres Haar-Quecksilber war mit höherer Konzentration, Gesamtzahl und progressiver Beweglichkeit verbunden (oberstes gegenüber unterstem Quartil 50 %, 46 % und 31 % höher); nach Adjustierung für Fischzufuhr wurden die Zusammenhänge schwächer, und sie waren bei Männern mit höherem Fischverzehr stärker. Volumen und Morphologie waren unabhängig. Schwächen: Konfidenzintervalle fehlen im Abstract; Kinderwunschklinik-Patienten; die Autoren betonen die Rolle der Ernährung als Störgröße.
Ai et al. 2019 (Environmental Science and Pollution Research), Taiwan [s59]. 84 Männer eines Reproduktionszentrums, Blei, Quecksilber und Selen in Blut und Samenplasma; Gruppen niedriger und hoher Samenqualität nach WHO-Referenzwerten. Mittleres Quecksilber im Blut 9,3 ± 5,9 gegenüber 8,9 ± 5,9 µg/l, im Samenplasma 1,26 ± 0,61 gegenüber 1,05 ± 0,52 µg/l (niedrige gegenüber hohe Samenqualität); dosisabhängiger Zusammenhang des Blutwerts mit dem Anteil normaler Morphologie (p = 0,02); Raubfischverzehr mit hohem Blutquecksilber ging mit niedrigerem Anteil normal geformter Spermien einher. Schwächen: die Mittelwertunterschiede sind klein bei großer Streuung (Standardabweichung 5,9 bei Mittelwerten 9,3 und 8,9); ein Test dazu steht nicht im Abstract; kleine Stichprobe.
Lu et al. 2018 (PLoS ONE), Shanxi, China [s68]. Querschnittsstudie an 616 Han-Chinesen (22 bis 59 Jahre), rekrutiert 2015 bis 2016 aus einer reproduktionsmedizinischen und einer urologischen Ambulanz. Urin-Quecksilber per Hydridgenerierungs-Atomfluoreszenz; bei 242 Männern wurde die DNA-Methylierung der geprägten Gene H19, Meg3 und Peg3 in Spermien-DNA mit Bisulfit-Pyrosequenzierung bestimmt. Medianes Urin-Quecksilber 9,14 µg/l (Interquartilsbereich 5,56 bis 12,52; Spanne 0,16 bis 71,35); 42,7 % lagen bei oder über 10 µg/l. Mittlere H19-Methylierung 87,0 %. Das Urin-Quecksilber korrelierte negativ mit der mittleren H19-Methylierung (rs = −0,346; p < 0,05); keine Korrelation für Peg3 (−0,011) und Meg3 (+0,001). Von sieben CpG-Stellen waren drei signifikant (CpG2 rs = −0,137, CpG4 rs = −0,380, CpG6 rs = −0,228; je p < 0,05). Multivariat, adjustiert für Alter, Rauchen, Alkohol, Fisch- und Meeresfrüchteverzehr und Bildung, bestätigt (β = −0,321; se = 0,027; p < 0,05). Einordnung: Es sind keine Spermienparameter berichtet, sondern die epigenetische Ausstattung der Spermien. Schwächen: Querschnitt, Einzelmessung im Urin, Klinikrekrutierung, nur 242 Männer mit Methylierungsdaten, Effektgrößen schwach bis mäßig; die Quelle der „nicht beruflichen Umweltexposition“ wird nicht identifiziert; kein Amalgambezug.
Lee et al. 2019 (Annals of Occupational and Environmental Medicine), Korea [s64]. Daten des zweiten koreanischen nationalen Umweltgesundheits-Surveys (2012 bis 2014): 4.689 Erwachsene (2.763 Männer, 1.926 Frauen nach der Menopause); multiple lineare Regression der Blutspiegel von Blei und Quecksilber und des Urin-Cadmiums auf das Serum-FSH. Blei war bei Frauen nach der Menopause positiv mit FSH assoziiert (β = 2,929; p = 0,019); bei Männern bestand kein signifikanter Zusammenhang zwischen FSH und Blut-Blei, Blut-Quecksilber oder Urin-Cadmium. Ein Nullbefund für Quecksilber und FSH bei Männern; Spermienparameter wurden nicht erhoben.
Henriques et al. 2026 (Food and Chemical Toxicology) [s04]. Querschnittsstudie mit Haarproben und Samenparametern. In allen Haarproben fand sich Quecksilber, in 41 % über 1.000 ng/g und in 11 % über 2.000 ng/g. Gesamtquecksilber im Haar korrelierte positiv mit Defekten des Hauptstücks des Flagellums und mit einem höheren Teratozoospermie-Index; Fischverzehr gilt als möglicher Beitrag. Die Stichprobengröße nennt der Abstract nicht; Effektgrößen ebenso wenig.
Yuan et al. 2026 (Biological Trace Element Research), Hongkong [s10]. Querschnittsstudie mit gepaarten Proben aus Vollejakulat und Seminalplasma von 250 Männern (26 bis 63 Jahre). Gesamtquecksilber (THg) und Methylquecksilber (MeHg) wurden gemessen, anorganisches Quecksilber (iHg) aus der Differenz berechnet; logistische und lineare Regression gegen Morphologie, Gesamtmotilität und Zahl auffälliger Parameter. Basisdaten (Volltext): Medianalter 36 Jahre; 93 Proben mit normaler, 157 (62,8 %) mit schlechter Qualität (mindestens ein Parameter unter dem Referenzwert); unter dem Referenzwert lagen Konzentration 20,8 %, Gesamtzahl 23,2 %, Gesamtmotilität 12,4 %, progressive Motilität 9,6 %, normale Morphologie 51,4 %, Volumen 15,2 %. THg im Vollejakulat 0,35 ± 0,23 µg/l, im Seminalplasma 0,28 ± 0,19 µg/l (etwa 80 % des Gesamtquecksilbers im Seminalplasma); anorganisches Quecksilber 65 % (Vollejakulat) beziehungsweise 70 % (Seminalplasma).
Konzentrationsbasiert: Im Gruppenvergleich unterschied sich nur MeHg im Vollejakulat zwischen normaler und schlechter Qualität (p = 0,0072), und zwar höher in der normalen Gruppe. Ordinale Regression (Zahl auffälliger Parameter, adjustiert für Alter und Karenz): höheres THg im Ejakulat (OR 0,350; p = 0,005) und MeHg (OR 0,439; p = 0,003) waren mit geringerer Chance auf stärkere Beeinträchtigung verbunden; THg im Seminalplasma OR 0,444 (p = 0,037). Die Autoren sehen darin keinen Schutzeffekt, sondern einen Hinweis auf den hohen Fischkonsum (Methylquecksilber, aber auch Omega-3-Fettsäuren).
Auf Spermienzahl normalisiert: Wird Quecksilber auf 10^6 Spermien bezogen, kehrt sich das Bild um. Normale Morphologie, unadjustierte β-Werte (logit-transformiert, je Verdopplung): THg −0,335 (KI −0,387 bis −0,283), MeHg −0,301 (−0,358 bis −0,244), iHg −0,283 (−0,330 bis −0,235; alle p < 0,001). Hauptmodell, adjustiert für die Gesamtspermienzahl: THg −0,218 (−0,303 bis −0,132), MeHg −0,117 (−0,195 bis −0,040; p = 0,003), iHg −0,141 (−0,214 bis −0,068). Gesamtmotilität im Hauptmodell: THg −0,078 (−0,143 bis −0,012; p = 0,020), MeHg −0,080 (−0,137 bis −0,023; p = 0,006), iHg −0,033 (−0,089 bis 0,023; p = 0,245). Auf den Median der normalen Morphologie (3,4 %) bezogen entspricht eine Verdopplung im Hauptmodell einem Rückgang um 0,65 (THg), 0,36 (MeHg) und 0,43 (iHg) Prozentpunkte, bei der Motilität (Median 54 %) um 1,94 (THg) und 1,99 (MeHg) Prozentpunkte. Die Autoren folgern, an die Spermien gebundenes Quecksilber sei der entscheidende Faktor, und anorganisches Quecksilber, nicht Methylquecksilber, dominiere.
Amalgam: Der Volltext erwähnt Zahnamalgam als typische Quelle von elementarem Quecksilber in der Allgemeinbevölkerung und als nicht erhobene Störgröße (neben BMI, Alkohol, Berufsexposition und Ernährung). Es wurden keine Amalgamfüllungen gezählt, und der hohe iHg-Anteil kann aus der Studie nicht auf Amalgam zurückgeführt werden; die Autoren diskutieren Hg⁰-Oxidation, Demethylierung von Methylquecksilber und andere Quellen und räumen ein, die Herkunft sei unklar [s10].
Stärken. Erstmalige Speziesanalyse in Vollejakulat und Seminalplasma, Normalisierung auf die Spermienzahl, Zerlegungsmodell. Schwächen. Keine Daten zu Ernährung, Berufsexposition, BMI, Amalgam, Alkohol; iHg ist keine Messgröße, sondern eine Differenz mit Fehlerfortpflanzung; die Normalisierung auf die Spermienzahl koppelt das Maß mechanisch an die Zahl im Nenner, was Scheinzusammenhänge begünstigen kann (die Zerlegungsmodelle der Autoren versuchen das aufzufangen; Einschätzung dieser Recherche); die ordinale Analyse zeigt die Gegenrichtung zur normalisierten; kleine absolute Effekte.
Iwai-Shimada et al. 2025 (Tagungsabstract, Japanese Society of Toxicology), Japan [s16]. 372 gesunde Männer von 20 bis 39 Jahren; 17 Elemente im Ejakulat per ICP-MS (darunter Quecksilber, Blei, Cadmium, Selen); k-means-Clusteranalyse in drei Cluster. Im Cluster mit 14 % der Teilnehmer waren die Zahl beweglicher Spermien und die Motilitätsrate höher, ebenso die Konzentrationen essenzieller Elemente (Mg, Mn, Fe, Co, Cu, Zn, Se, Mo). Keine Quecksilber-spezifische Aussage, keine Zahlen zu einzelnen Elementen, keine Begutachtung durch eine Fachzeitschrift [s16].
Mukendi et al. 2018 (Pan African Medical Journal; französisch), Haut-Katanga, DR Kongo [s71]. Vergleich exponierter und nicht exponierter Männer in einem Bergbaugebiet (Arsen und Cadmium im Urin und Spermiogramm); die Probandenzahl nennt der Abstract nicht. Kein Bezug zu Quecksilber oder Zähnen; die Studie ist nur als Ergebnis der französischsprachigen Suche aufgeführt [s71].
Berufliche Quecksilberexposition: Männer
| Studie | Land/Quelle | n | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Lauwerys 1985 [s128] | Fragebogen | nicht angegeben | kein Kinderdefizit bei Quecksilber, bei Mangan ja |
| Erfurth 1990 [s126] | Hormone | 11 Arbeiter + 9 Zahnärzte | keine Veränderung |
| McGregor 1991 [s124] | Hormone | nicht angegeben | keine Beziehung außer SHBG |
| Cordier 1991 [s122] | Fehlgeburten | 152 + 374 | OR 2,26 (0,99 bis 5,23) bei > 50 µg/l |
| Keck 1993 [s121] | Fallbericht | 1 | Hodenbiopsie mit Quecksilbergranula |
| Li 1995 [s118] | China | 38 + 18 | Transferrin und Fruktose niedriger |
| Shamy 1998 [s116] | Antikörper-Studie | 39 + 50 | Antispermien-Antikörper |
| Pribylová 2003 [s108] | Tschechien | 44 | MELISA-Reaktivität |
Lauwerys et al. 1985 (American Journal of Industrial Medicine) [s128]. Fragebogenstudie zur Fertilität männlicher Arbeiter, die Quecksilberdampf oder Mangan ausgesetzt waren. Bei Quecksilberexponierten (Urin 5,1 bis 272,1 µg/g Kreatinin) bestand kein signifikanter Unterschied zwischen beobachteter und erwarteter Kinderzahl; bei manganexponierten Arbeitern ein signifikantes Kinderdefizit. Die Probandenzahl nennt der Abstract nicht.
Erfurth et al. 1990 (British Journal of Industrial Medicine) [s126] und McGregor et al. 1991 (Human & Experimental Toxicology) [s124]. Keine Beziehung zwischen Quecksilber und Hormonen der Hypophysen-Hoden-Achse; in [s124] nur eine kleine negative Korrelation des Sexualhormon-bindenden Globulins mit der Expositionsdauer. In [s126] unterschieden sich bei 11 Arbeitern (Urin 26 nmol/mmol Kreatinin) und 9 Zahnärzten (1,3) gegenüber Referenzgruppen (0,6 und 0,4) weder FSH, LH und Testosteron noch deren Stimulationstests. Beide Studien sind klein; die Probandenzahl von [s124] nennt der Abstract nicht.
Cordier et al. 1991 (British Journal of Industrial Medicine) [s122]. Vergleich der Fehlgeburtenrate bei Ehefrauen von 152 Arbeitern, die Quecksilberdampf ausgesetzt waren, und 374 Kontrollen desselben Betriebs (n = 526): Die Rate stieg mit der väterlichen Urinkonzentration; über 50 µg/l OR 2,26 (95-%-KI 0,99 bis 5,23, die untere Grenze knapp unter 1). Spermienparameter wurden nicht erhoben. Die Autoren nennen als mögliche Mechanismen eine direkte Wirkung auf das väterliche Fortpflanzungssystem und eine indirekte Toxizität über Transport von Quecksilber zur Mutter oder zum Embryo.
Li et al. 1995 (Zhonghua Yu Fang Yi Xue Za Zhi; englischer Abstract), Zhengzhou, China [s118]. Titel in PubMed: „[Analysis of biochemical components of seminal plasma in male workers exposed to mercury vapor]“ (deutsch: Analyse biochemischer Bestandteile des Samenplasmas bei Arbeitern, die Quecksilberdampf ausgesetzt waren). 38 Exponierte, 18 Kontrollen; Transferrin, Gesamtfruktose und die auf die Spermiendichte bezogene Fruktose im Samenplasma waren bei Exponierten signifikant niedriger, die letzte sank mit steigender Exposition; Zitronensäure, Zink und Kupfer unterschieden sich nicht. Die Autoren deuten das als mögliche Schädigung der Sertoli-Zellen und der Samenbläschenfunktion. Schwächen: kleine Gruppen, Spermienparameter im Abstract nicht berichtet, Störgrößen nicht genannt, keine Zahlenwerte im Abstract; die Exposition liegt um Größenordnungen über der Hintergrundbelastung.
Shamy et al. 1998 (Journal of the Egyptian Public Health Association) [s116]. Antispermien-Antikörper bei 84,6 % der 39 Quecksilber- und 90 % der 50 Bleiexponierten, ohne Korrelation zu den Expositionsindizes; der Abstract nennt keinen Kontrollwert, die Aussage ist nicht interpretierbar.
Keck et al. 1993 (Reproductive Toxicology), Fallbericht [s121]. 25-Jähriger nach fünf Jahren Chloralkali-Elektrolyse mit Azoospermie oder schwerer Oligoasthenoteratozoospermie, Quecksilber in Haar, Blut und Urin erhöht; in der Hodenbiopsie etwa 33 % der Tubuli mit Sertoli-Zell-only-Syndrom, unter 4 % mit regulärer Spermatogenese, Quecksilbergranula vor allem in Leydig-Zellen. Ein Einzelfall zeigt Anreicherung, keine Häufigkeit und keine Kausalität.
Pribylová et al. 2003 (Ceska Gynekologie; Titel „[Sperm antibodies and immunologic intolerance to metals in infertile couples]“, deutsch: Spermienantikörper und immunologische Unverträglichkeit gegenüber Metallen bei infertilen Paaren) [s108]. 44 Personen mit Antispermien-Antikörpern (21 Männer, 23 Frauen), MELISA-Lymphozytentest: positive Reaktivität gegen anorganisches Quecksilber, Silber, Aluminium und Eisen, aber kein bewiesener Zusammenhang mit den Antikörpern. Die Autoren halten eine vollständige Entfernung von Metallverbindungen aus der Zahnmedizin für nicht notwendig, entgegen der Ansicht vieler Stomatologen. Die Quellenliste führt die Studie als Fall-Kontroll-Studie; Gruppenvergleich und Effektschätzer fehlen im Abstract.
Zahnärztliches Personal und Partnerinnen (überwiegend Frauen)
Diese Studien betreffen überwiegend Frauen und sind für die Spermienqualität nicht direkt aussagefähig; sie stehen hier wegen der Amalgam-Frage.
- Rowland et al. 1994 (Occupational and Environmental Medicine), Kalifornien [s119]. Eligibility-Fragebögen an 7.000 registrierte zahnmedizinische Assistentinnen; die endgültige Stichprobe von 418 Frauen, die in den vier Jahren zuvor schwanger geworden waren, wurde telefonisch befragt. Nicht mit Amalgam arbeitende Assistentinnen dienten als Unexponierte. Die Fekundabilität von Frauen, die 30 oder mehr Amalgame pro Woche zubereiteten und fünf oder mehr Faktoren schlechter Quecksilberhygiene aufwiesen, betrug 63 % der Unexponierten (95-%-KI 42 bis 96 %); Frauen mit geringer Exposition waren dagegen fruchtbarer als Unexponierte (U-förmiger Verlauf). Die Autoren nennen die Expositionsmessung als Einschränkung und fordern biologische Expositionsmaße.
- Dahl et al. 1999 (Scandinavian Journal of Work, Environment & Health), Norwegen [s114]. 558 Zahnärztinnen gegenüber 450 Lehrerinnen, 1.408 Schwangerschaften; Fragebogen; Zeit bis zur Schwangerschaft. Kein Fertilitätsunterschied; Quecksilber, Chloroform und Benzol waren nicht mit verminderter Fertilität assoziiert, außer einem möglichen Quecksilbereffekt in der letzten Schwangerschaft von Mehrgebärenden. Die meisten Zahnärztinnen verwendeten Amalgam, ein Drittel legte mehr als 50 Füllungen pro Woche.
- Lindbohm et al. 2007 (Occupational and Environmental Medicine) [s102]. 222 Fehlgeburten, 498 Kontrollen (Geburten); Amalgam bei mäßiger Exposition OR 2,0 (1,0 bis 4,1), bei hoher 1,3 (0,6 bis 2,5); leicht erhöhte Risiken auch für 2-Hydroxyethylmethacrylat (OR 1,4; 0,7 bis 2,6), Polymethylmethacrylat-Staub (1,4; 0,8 bis 2,4), Lösungsmittel (1,4; 0,8 bis 2,3) und Desinfektionsmittel (1,5; 0,9 bis 2,7). Keine konsistente Dosis-Wirkung; ein schwacher Zusammenhang sei nicht auszuschließen.
- Heggland et al. 2011 (Scandinavian Journal of Work, Environment & Health), Norwegen [s95]. Registerstudie 1967 bis 2006: 4.482 zahnmedizinische Assistentinnen und 1.011 Zahnärztinnen gegenüber 1.124.758 Frauen; keine erhöhten Raten von Fehlbildungen, niedrigem Geburtsgewicht, Frühgeburt, Totgeburt oder perinatalem Tod.
Einordnung dieser Berufsstudien. Sie betreffen Frauen und Schwangerschaftsausgänge, nicht Samenparameter. Sie liefern keine Daten zur Frage, ob Amalgamfüllungen bei Patienten die Samenqualität verändern.
Gesamtbild Quecksilber und Amalgam in den Beobachtungsstudien
Die Studien widersprechen sich: Nullbefunde (Hanf, Leung, Rignell-Hydbom, Mocevic, Lee), positive Zusammenhänge von Quecksilber mit besseren Parametern bei hohem Fischverzehr (Mínguez-Alarcón, Mocevic mit Inhibin B), negative mit der Morphologie (Ai, Henriques, Yuan normalisiert) und höhere Werte bei Infertilen (Choy). Der Fischverzehr (Fettsäuren, Selen) verflicht sich mit der Quecksilberbelastung. Für Amalgamfüllungen im engeren Sinn gibt es eine einzige Messung mit Nullbefund [s117]; eine Studie, die bei Füllungsträgern vor und nach Füllungsentfernung Spermienparameter misst, wurde nicht gefunden.
Genetische Analysen und eine randomisierte Studie
Yu et al. 2023 (Clinical Oral Investigations), Taiyuan, China: Mendelsche Randomisierung Parodontitis und ED [s43]
Design. Bidirektionale Zwei-Stichproben-Mendelsche-Randomisierung mit Daten aus genomweiten Assoziationsstudien europäischer Populationen: 12.289 Parodontitis-Fälle und 22.326 Kontrollen; 6.175 klinisch diagnostizierte ED-Fälle und 217.630 Kontrollen. Hauptanalyse: inverse-Varianz-gewichtete Schätzung; MR-Egger und gewichteter Median als Sensitivitätsanalysen [s43].
Ergebnisse. Genetisch vorhergesagte Parodontitis hatte keinen ursächlichen Effekt auf ED (OR 1,07; 95-%-KI 0,96 bis 1,20; p = 0,22); die Umkehrrichtung zeigte ebenfalls keinen Effekt (OR 0,98; 0,90 bis 1,08; p = 0,74). MR-Egger und gewichteter Median stimmten überein, ein relevanter Verzerrungseffekt durch Pleiotropie sei unwahrscheinlich. Die Autoren schließen, aus genetischer Sicht erscheine Parodontitis nicht als Risikofaktor für ED [s43].
Gewicht dieser Studie. Das Ergebnis steht im Widerspruch zu den großen Beobachtungsstudien und verdient vollen Raum. Mögliche Erklärungen: Die Beobachtungsbefunde sind durch Störgrößen wie Rauchen, Diabetes, Zugang zur Gesundheitsversorgung oder Einkommen verzerrt; oder die genetischen Instrumente erfassen die klinisch relevante Parodontitis nur unvollständig; oder der Effekt ist klein. Die Studie kann diese Möglichkeiten nicht voneinander trennen. Die Stärke der genetischen Instrumente nennt der Abstract nicht; die Daten sind europäisch, während die meisten Beobachtungsstudien aus Ostasien stammen (Einordnung dieser Recherche, die Autoren sagen es im Abstract nicht ausdrücklich). Ein fehlender kausaler Effekt in der genetischen Analyse beweist nicht, dass kein Effekt besteht.
Yang et al. 2025 (Clinical Oral Investigations): Mendelsche Randomisierung Parodontitis und Prostataerkrankungen [s27]
Bidirektionale Mendelsche Randomisierung mit Parodontitis-Daten des GLIDE-Konsortiums (N = 45.563) und FinnGen-Daten für BPH (N = 163.095), Prostatitis (N = 134.299) und Prostatakrebs (N = 146.465). In der inverse-Varianz-gewichteten Analyse fand sich kein ursächlicher Zusammenhang; Sensitivitätsanalysen bestätigten das. Die Autoren schließen einen gemeinsamen ätiologischen Hintergrund nicht aus [s27]. Effektschätzer nennt der Abstract nicht. Einordnung: Wie bei [s43] widerspricht die genetische Analyse den positiven Beobachtungsstudien zur Prostata, ohne sie zu widerlegen. Eine Mendelsche Randomisierung zu Parodontitis und Spermienparametern wurde nicht gefunden [s27, s43].
Eltas et al. 2013 (Journal of Clinical Periodontology): die einzige randomisierte Studie [s89]
Design und Population. Randomisierte kontrollierte Studie an 120 Patienten mit erektiler Dysfunktion und chronischer Parodontitis, je 60 mit und ohne Parodontalbehandlung. Ergebnis. Nach drei Monaten war der Anstieg im IIEF-Fragebogenwert in der Behandlungsgruppe höher (p < 0,05); nach einem Monat bestand noch kein Unterschied (p > 0,05) [s89]. Stärken. Randomisierung, zwei Zeitpunkte. Schwächen. Kurze Nachbeobachtung, Fragebogenendpunkt, Verblindung im Abstract nicht erwähnt, keine Effektzahl und kein Konfidenzintervall im Abstract; Studie mit ED als Endpunkt, nicht mit Spermienparametern. Einordnung. Eine randomisierte Studie mit Spermienparametern als Ergebnis wurde nicht gefunden.
Gesamtbewertung der Studienlage
Was die Beobachtungsstudien tragen
- Kernfrage. Neun Humanstudien mit Parodontalbefund und Spermiogramm (75 bis 360 Männer, überwiegend aus Kinderwunsch- und Andrologieambulanzen; sieben im Abstract abgerufen, zwei nur über [s24] bekannt) sowie die älteren Aachener Interventionsarbeiten. Sie zeigen mehrheitlich einen Zusammenhang schlechterer Parodontalwerte (oder höherer oraler Entzündungslast) mit verminderter Beweglichkeit, teils mit Morphologie und DNA-Fragmentierung; die Spermienzahl und -konzentration ist uneinheitlich. Zwei ungarische Studien finden keinen [s79] beziehungsweise nur einen merkmalsbezogenen Zusammenhang [s78].
- Qualität. Die einzige Studie mit Konfidenzintervallen ([s40]) misst keine Parodontitis; die Studien mit klinischer Parodontaldiagnose berichten p-Werte, Prozentsätze oder Korrelationen. Adjustierte Effektschätzer finden sich nur bei Tao (OR 3,377, ohne Konfidenzintervall) und Práger (adjustierte OR 1,04 bis 4,92, ohne Konfidenzintervall) [s54, s78].
- Störgrößen. Rauchen, Alkohol, Alter, Adipositas, Diabetes, Varikozele und Abstinenzzeit sind nur teilweise kontrolliert; Pourabbas zeigt selbst, dass die Entzündungsmaße vom Rauchen und Alkohol abhängen [s40]. Die zahnärztliche Selektion über Kinderwunschkliniken bedeutet, dass auch die „normalen“ Männer Paare mit Kinderwunsch sind.
- Fehlende Studientypen. Es gibt keine prospektive Kohorte, keine Dosis-Wirkungs-Analyse und keine randomisierte Studie mit Spermienendpunkt, keine Mendelsche Randomisierung zu Spermien und keine Studie, die Parodontitis bei Männern behandelt und Spermienparameter davor und danach misst; die einzige Intervention mit Kontrollgruppe stammt aus Aachen (1989 bis 1993; kleine Gruppen, keine Zahlen im Abstract, mutmaßlich überlappendes Kollektiv) [s120, s125, s127].
- Publikationsverzerrung. Die Mehrzahl der Studien berichtet Zusammenhänge, Nullbefunde gibt es nur in wenigen Arbeiten [s117, s79]; die Übersichten prüfen Publikationsverzerrung nicht [s24, s67].
- Genauigkeit der Berichterstattung. Mehrere Abstracts enthalten Zahlen, die sich nicht zusammenrechnen lassen (Nwhator 2014: 10 + 41 gegenüber 55 und 55 + 25 gegenüber 76; Pásztor 2016: Verteilung summiert sich zu 97 %), und Volltexte widersprechen teils ihren Abstracts (Chidambar 2019) oder die Sekundärquelle der Primärquelle (Übersicht gegenüber Pourabbas und Chidambar) [s24, s40, s61, s79, s87].
Nachbarendpunkte
- Erektile Dysfunktion: konsistent positive, sehr heterogene Beobachtungsdaten (OR 1,29 bis 3,35 in Einzelstudien, 2,28 bis 3,07 gepoolt, I² bis 98 %), zwei Nullbefunde in kleinen Studien, genetisch nicht bestätigt [s31, s39, s43, s69, s75, s84, s93].
- Prostata: positive Beobachtungsdaten aus Taiwan, Korea und China (HR/OR 1,23 bis 4,83), genetisch nicht bestätigt, ein Keimnachweis in der Prostataflüssigkeit [s05, s21, s27, s37, s49, s51, s65].
- Testosteron: Richtungen widersprüchlich [s105, s52, s73, s83].
Quecksilber und Amalgam
Eine einzige Studie koppelt Amalgamfüllungen und Spermienqualität (Nullbefund, n = 80) [s117]; Berufs- und Biomonitoring-Studien widersprechen sich und betreffen andere Quellen als Amalgam. Eine Aussage zur Wirkung von Amalgamfüllungen auf die Samenqualität lässt sich daraus nicht ableiten, in keine Richtung.
Mundflora
Die Seminalmikrobiom-Studien beschreiben Bakterien im Samen; keine vergleicht orale Proben mit Samenproben desselben Mannes. Zwei Studien liefern mundbezogene Hinweise: Fusobacterium-Vermutung bei 13 + 5 adipösen Männern [s14] und der Nachweis von P. gingivalis in der Prostataflüssigkeit [s37]; beides beweist keine Übertragung in das Ejakulat.
Gesamturteil
Die Beobachtungsstudien stützen eine Formulierung wie: „In Kinderwunsch- und Andrologieambulanzen fanden mehrere kleine Studien bei Männern mit schlechterem Parodontalstatus häufiger eine verminderte Spermienbeweglichkeit.“ Sie stützen nicht die Formulierungen „Parodontitis verursacht eine schlechte Spermienqualität“ oder „Amalgam schädigt Spermien“. Die Literatur zur Kernfrage ist dünn: neun kleine Studien, vier überlappende Übersichten, keine Metaanalyse, keine Längsschnittdaten. Die Mendelschen Randomisierungen zu ED und Prostata zeigen, dass starke Beobachtungsassoziationen genetisch nicht bestätigt werden müssen; für Spermien fehlt ein solcher Test. Dieses Kapitel gibt den Stand der abgerufenen Literatur wieder, trifft keine Aussage zur Wirksamkeit von Behandlungen und ersetzt keine ärztliche oder zahnärztliche Beurteilung.
Abrufgrenzen
Von 128 Quelleneinträgen der Gesamtstudie wurden in diesem Kapitel die für Übersichten und Beobachtungsstudien einschlägigen besprochen. Ausgewertet mit Volltext wurden nur wenige Arbeiten (Mortazavi, Márquez-Arrico, Chidambar, Pourabbas, Albu, Yuan, Lu 2018 teilweise, die EAU- und AUA-Leitlinienseiten und ein Lehrbuchkapitel); alle übrigen stützen sich auf Abstracts. Methodendetails, die dort fehlen, wurden nicht ergänzt. Die Datenbanken CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark, Mandumah, SciELO, LILACS und Cairn waren nicht erreichbar oder nicht durchsuchbar; dass in einem Sprachraum keine Studie gefunden wurde, ist daher für Portugiesisch, Französisch, Russisch, Arabisch, Türkisch, Chinesisch und Koreanisch teilweise ein Zugangsproblem und kein Nachweis, dass keine Studien existieren. Die PubMed-Webseite wurde nicht genutzt; abgerufen wurde über Europe PMC und die NCBI-E-utilities. Zwei Studien (Zhu 2010 und Kheradmand 2022) konnten nicht gefunden werden und sind nur über [s24] bekannt.