Metformin, Statine und weitere Stoffwechselmedikamente · Kapitel 19 von 20

Glossar

Die Begriffe sind so erklärt, wie sie in dieser Studie verwendet werden. Die Erklärungen dienen dem Verständnis der Texte und ersetzen keine medizinische Beratung.

Akrosomreaktion. Freisetzung von Enzymen aus der Kappe am Spermienkopf (Akrosom), die für das Durchdringen der Hülle der Eizelle nötig ist. In Zellversuchen ein Maß für die Funktionsfähigkeit von Spermien [s163, s13].

Allopurinol. Harnsäuresenker, der das Enzym Xanthinoxidase hemmt [s223]; in den Quellen vor allem bei Gicht untersucht. Febuxostat hemmt dasselbe Enzym, Benzbromaron ist in der Gichtstudie ein dritter Vergleichswirkstoff [s69].

AMPK (AMP-aktivierte Proteinkinase). Enzym, das den Energiehaushalt der Zelle steuert. Metformin aktiviert es unter anderem; in Spermien, Sertoli- und Leydig-Zellen wird es mit Beweglichkeit, Kapazitation und Hormonbildung in Verbindung gebracht [s20].

Apoptose. Programmierter Zelltod. In Hodenstudien ein häufig gemessener Marker der Schädigung von Keimzellen (zum Beispiel Caspase-3).

Asthenozoospermie. Verminderte Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat. Siehe auch Oligozoospermie, Teratozoospermie.

Azoospermie. Fehlen von Spermien im Ejakulat.

Behçet, Morbus. Entzündliche Systemerkrankung, die unter anderem Genitalulzera und Nebenhodenentzündung verursachen kann; Colchicin wird dabei eingesetzt [s231, s240].

Blut-Hoden-Schranke. Barriere zwischen Blut und den Samenkanälchen, gebildet von Sertoli-Zellen; schützt die Keimzellen. In Tierstudien häufig als Angriffspunkt von Schädigungen und Schutzmaßnahmen untersucht [s177, s28, s45].

Colchicin. Wirkstoff, der den Aufbau der Mikrotubuli (Zellskelett) hemmt; eingesetzt bei familiärem Mittelmeerfieber, Morbus Behçet und Gicht [s228].

Confounding by Indication (Störgröße Grunderkrankung). Verzerrung, weil Menschen ein Medikament wegen einer Erkrankung erhalten, die selbst das untersuchte Ergebnis beeinflusst. Beispiel: Männer mit Typ-2-Diabetes erhalten Metformin und haben schon wegen des Diabetes eine schlechtere Samenqualität [s35].

DNA-Fragmentierung. Brüche im Erbgut der Spermien; ein Qualitätsmaß, das zusätzlich zu Zahl, Beweglichkeit und Form erhoben werden kann [s170].

DPP-4-Hemmer (Gliptine). Antidiabetika-Klasse, zu der Sitagliptin, Linagliptin und Saxagliptin gehören [s137, s111, s92].

Ejakulatvolumen. Menge des Ejakulats in Millilitern; ein Parameter der Samenanalyse.

FDR (False Discovery Rate). Korrekturmaß für das Problem, dass bei vielen Tests einzelne Ergebnisse zufällig signifikant erscheinen. Ein Befund mit großem FDR-Wert gilt nach Korrektur als nicht signifikant [s70].

Febuxostat. Harnsäuresenker, siehe Allopurinol [s69].

Flagellum. Geißelfaden des Spermiums, der die Fortbewegung antreibt; Defekte am Flagellum und am Kopf werden als Spermienfehlbildungen gezählt [s39, s107].

FMF (familiäres Mittelmeerfieber). Erbliche Erkrankung mit wiederkehrenden Fieberschüben, bei der Colchicin zur Dauerbehandlung gegeben wird. Unbehandelt kann sie durch Amyloidablagerung Hoden und Eierstöcke betreffen [s205].

GLP-1-Rezeptoragonisten. Medikamente, die den Rezeptor des Darmhormons GLP-1 aktivieren und in der Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas dienen (zum Beispiel Liraglutid, Semaglutid, Exenatid); Tirzepatid wirkt zusätzlich über einen weiteren Hormonrezeptor [s06, s01].

Glitazone (Thiazolidindione). Antidiabetika, die den PPAR-γ-Rezeptor aktivieren, zum Beispiel Pioglitazon und Rosiglitazon [s109].

Hazard Ratio (HR). Verhältnis der Ereignisraten zweier Gruppen im Zeitverlauf; Werte über 1 bedeuten höhere Rate in der verglichenen Gruppe [s122].

HbA1c. Langzeit-Blutzuckerwert.

HMGCR (HMG-CoA-Reduktase). Schlüsselenzym der Cholesterinbildung; Zielstruktur der Statine [s105].

HOMA-IR. Rechenwert, der die Insulinresistenz aus Nüchternblutzucker und Nüchterninsulin schätzt.

Hyperurikämie. Erhöhte Harnsäure im Blut; Voraussetzung der Gicht [s118].

Hypogonadismus, funktioneller. Niedriges Testosteron, das mit Adipositas, Diabetes oder metabolischem Syndrom einhergeht und sich nicht auf eine primäre Hodenerkrankung zurückführen lässt; in den GLP-1-Studien untersuchte Zielgruppe [s32, s167].

I². Maß der Heterogenität in Metaanalysen: Anteil der Streuung der Ergebnisse, der nicht durch Zufall erklärt wird. Höhere Werte bedeuten stärker uneinheitliche Einzelstudien [s50].

Inkretine. Hormone wie GLP-1 und GIP; Angriffspunkt der GLP-1-Rezeptoragonisten, ihre Rezeptoren wurden auch im Hoden nachgewiesen [s65, s52].

Insulinresistenz. Verminderte Wirkung des Insulins an den Körperzellen; Kennzeichen von Typ-2-Diabetes und metabolischem Syndrom.

Intention-to-treat (ITT) und Per-protocol (PP). Auswertungsarten: ITT wertet alle nach der ursprünglichen Gruppenzuteilung aus, PP nur diejenigen, die das Behandlungsschema einhielten [s122].

Johnsen-Score. Histologische Bewertung der Spermatogenese im Hodengewebe (höhere Werte bedeuten besser erhaltene Spermienbildung); wird in Tierversuchen verwendet [s218, s160].

Kapazitation. Reifungsvorgang der Spermien im weiblichen Genitaltrakt (oder im Kulturmedium), der sie befruchtungsfähig macht [s163, s13].

Konfidenzintervall (KI). Bereich, in dem der wahre Wert mit festgelegter Wahrscheinlichkeit (hier meist 95 %) liegt. Breite Intervalle zeigen eine ungenaue Schätzung; ein Intervall, das den Wert 1 (bei Verhältnismaßen) oder 0 (bei Differenzen) einschließt, gilt als nicht signifikant.

Leydig-Zellen. Zellen im Hoden, die Testosteron bilden.

Malondialdehyd (MDA). Abbauprodukt der Fettperoxidation; Marker des oxidativen Stresses in Gewebe [s206].

Mendelsche Randomisierung (MR). Verfahren der genetischen Epidemiologie, das Genvarianten als natürlichen Stellvertreter für eine Exposition oder Medikamentenwirkung nutzt, um Störgrößen zu verringern. Die Methode untersucht lebenslange genetische Unterschiede, keine Behandlung in therapeutischer Dosis [s40, s71].

Metabolisches Syndrom. Gruppe von Stoffwechselstörungen um Übergewicht und gestörten Zucker- und Fettstoffwechsel; in den Quellen mit leicht verminderter Fruchtbarkeit verbunden [s166, s81].

Metformin. Blutzuckersenkendes Medikament bei Typ-2-Diabetes, das unter anderem die AMPK aktiviert [s20].

Normozoospermie. Samenbefund im Normbereich der Referenzwerte (nach WHO) [s126].

Odds Ratio (OR), bereinigte (aOR). Verhältnis der Chancen für ein Ereignis in zwei Gruppen; die bereinigte Odds Ratio berücksichtigt zusätzliche Einflussgrößen (zum Beispiel Alter, Begleitmedikation). Werte über 1 bedeuten höhere Chance in der betrachteten Gruppe [s124].

Oligozoospermie. Verminderte Spermienkonzentration; die Kombination aus verminderter Zahl, Beweglichkeit und Normalform heißt Oligo-Astheno-Terato-Zoospermie (OAT) [s209].

Oxidativer Stress. Ungleichgewicht zwischen schädigenden Sauerstoffverbindungen und antioxidativen Schutzsystemen; wird in vielen Tierstudien als Mechanismus von Hodenschäden und als Angriffspunkt der Medikamente angeführt [s28, s206].

PPAR (Peroxisom-Proliferator-aktivierter Rezeptor). Gruppe von Zellkernrezeptoren; PPAR-γ ist die Zielstruktur der Glitazone, PPAR-α die der Fibrate [s109, s75].

Propensity-Score. Rechenverfahren, das in Beobachtungsstudien Gruppen so abgleicht (Matching oder Gewichtung), dass sie sich in den erfassten Merkmalen ähneln [s190, s133].

Randomisierte kontrollierte Studie (RCT). Studie, in der die Teilnehmenden zufällig auf Behandlung und Vergleichsgruppe (etwa Placebo) verteilt werden; damit sind bekannte und unbekannte Störgrößen im Mittel gleich verteilt [s225].

Regression zur Mitte. Statistischer Effekt: Extrem niedrige oder hohe Messwerte liegen bei Wiederholung im Mittel näher am Durchschnitt, auch ohne Behandlung. Ein Grund, warum Vorher-Nachher-Studien ohne Kontrollgruppe schwer zu deuten sind.

Relatives Risiko (RR). Verhältnis der Ereigniswahrscheinlichkeiten in zwei Gruppen [s73].

Sertoli-Zellen. Stützzellen im Hoden, die Keimzellen ernähren und die Blut-Hoden-Schranke bilden.

SGLT2-Hemmer (Gliflozine). Antidiabetika-Klasse, zu der Dapagliflozin und Empagliflozin gehören [s99, s68].

SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin). Eiweiß im Blut, das Testosteron bindet. Bei gleichem Gesamttestosteron bestimmt es mit, wie viel freies oder bioverfügbares Testosteron übrig bleibt [s22].

Spermatogenese. Bildung der Spermien im Hoden; ein Zyklus dauert nach einer der Quellen rund 64 Tage [s19].

Statine. Cholesterinsenker, die die HMG-CoA-Reduktase hemmen (Atorvastatin, Simvastatin, Pravastatin, Rosuvastatin, Lovastatin) [s27].

Sulfonylharnstoffe. Antidiabetika-Klasse, zu der Glibenclamid und Gliclazid gehören [s57, s173].

Surrogat- oder Ersatzendpunkt. Messgröße, die stellvertretend für das eigentlich interessierende Ergebnis erhoben wird (zum Beispiel Testosteron statt Spermienqualität oder Spermienqualität statt Schwangerschaft).

Teratozoospermie. Erhöhter Anteil fehlgeformter Spermien.

Testosteron, gesamtes, freies, bioverfügbares. Das Gesamttestosteron umfasst auch das an SHBG und Eiweiß gebundene Hormon; freies und bioverfügbares Testosteron sind die nicht oder nur schwach gebundenen Anteile, die wirken können. Freies Testosteron wird in mehreren Studien aus Gesamttestosteron und SHBG berechnet [s187].

Torsion und Detorsion (Hodentorsion). Verdrehung des Hodens mit Unterbrechung der Durchblutung und anschließender Entdrehung. Im Tiermodell dient die Ischämie mit Reperfusion zur Prüfung von Schutzstoffen [s160, s213].

Typ-2-Diabetes. Stoffwechselerkrankung mit Insulinresistenz und erhöhtem Blutzucker; wichtigste Anwendung von Metformin und der meisten weiteren Antidiabetika.

WHO-Referenzwerte. Von der Weltgesundheitsorganisation veröffentlichte Normbereiche für Samenparameter; in der Studie zu Jugendlichen mit FMF herangezogen [s168].

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Metformin: Metaanalysen und systematische Übersichten bis Allopurinol, Harnsäure und Colchicin: Metaanalysen und Übersichten
  5. GLP-1-Rezeptoragonisten und weitere Stoffwechselmedikamente: Übersichten
  6. Metformin: Beobachtungsstudien zur Samenqualität und zur Fruchtbarkeit bis Colchicin: Beobachtungsstudien
  7. Weitere Arbeiten: Stoffwechselsyndrom ohne Medikamentenbezug und ein Statinprotokoll ohne Ergebnisse bis Zusammenfassung des Kapitels
  8. Zur Lesart dieses Kapitels bis Metformin: Tierversuche
  9. Statine: Studien am Menschen bis Colchicin
  10. Weitere Stoffwechselmedikamente und Zusammenschau der Studienlage
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Koreanisch
  14. Russisch bis Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen s01–s117
  23. Quellen s118–s242
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle