Metformin, Statine und weitere Stoffwechselmedikamente · Kapitel 13 von 20 · Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Englisch bis Koreanisch

Dieses Kapitel ordnet die Quellen der Studie nach Sprachräumen und fragt für jeden Raum, welche eigenen Kohorten, Register, Leitlinien und Fachzeitschriften es gibt, welche regionalen Besonderheiten sich zeigen und wie weit die einschlägigen Datenbanken überhaupt erreichbar waren. Es berichtet Befunde und spricht keine Therapieempfehlung aus. Wo Quellen selbst Empfehlungen formulieren, wird das als deren Aussage gekennzeichnet.

Zuordnungsregel. Eine Studie wird dem Raum zugerechnet, in dessen Sprache sie erschienen ist; bei Arbeiten in englischer Sprache aus einem anderen Land wird das Herkunftsland genannt und die Arbeit dort querverwiesen, wo es für das Verständnis nötig ist. Ohne diese Regel würde der englische Abschnitt fast alles enthalten. Tatsächlich tragen 209 der 242 Quellen der Studie die Sprachkennzeichnung Englisch; dahinter stehen allerdings auch viele Arbeiten aus China, Ägypten, der Türkei oder Dänemark, die in englischer Sprache veröffentlicht wurden. Die Kennzeichnungen überschneiden sich (zweisprachige Abstracts), sodass sich die Zahlen nicht zu 242 addieren. Mit Sprachkennzeichnung führen die Quellen: Chinesisch 63, Arabisch 39, Türkisch 23, Russisch 20, Japanisch 11, Koreanisch 3, Deutsch 3, Französisch 3, Niederländisch 1 und Portugiesisch 1; zu Italienisch und Spanisch ist keine Quelle gekennzeichnet. Diese Zahlen sagen nur, was gefunden und aufgenommen wurde. Sie sagen nichts über den tatsächlichen Anteil landessprachiger Literatur in Datenbanken, die nicht erreichbar waren. Alle Abrufe fanden am 4. Oktober 2026 statt.

Gemeinsame Grundlage der Recherche. Hauptquelle war in allen Sprachgruppen Europe PMC über die REST-Schnittstelle; sie enthält MEDLINE-Datensätze mit Abstract und einzelne frei zugängliche Volltexte. Die Webseite von PubMed war laut Auftrag gesperrt; ein Berichtsteil konnte diese Sperre bei einem Testabruf nicht bestätigen, nutzte aber trotzdem nur Europe PMC und die E-utilities von NCBI. Die meisten Zahlen der folgenden Abschnitte stammen aus Abstracts; wo ein Abstract keine Zahlen nennt, wird das gesagt.

Englisch

Die englischsprachige Literatur trägt den größten Teil der Evidenz, und sie enthält fast alle Studien am Menschen mit Samenparametern. Für die Frage nach der Spermienqualität ist sie trotzdem dünn und lückenhaft. Das Gesamtbild nach Wirkstoffen:

Metformin. Am Menschen gibt es nur wenige Studien mit Samenwerten, und sie sind klein und unkontrolliert. Morgante et al. 2011 behandelten 45 Männer mit Oligo-Terato-Asthenozoospermie und metabolischem Syndrom sechs Monate lang mit Metformin, ohne Kontrollgruppe; der Abstract nennt keine Zahlen, die Metaanalyse von Peel et al. 2026 beschreibt eine passende Studie mit 45 Männern (Spermienkonzentration 16,2 auf 20,0 Mio./ml, progressive Beweglichkeit 39 auf 51 %, normale Morphologie 25 auf 30 %); dass es sich um dieselbe Arbeit handelt, ist eine Schlussfolgerung aus Land, Zahl und Dauer [s209, s19]. Bosman et al. 2015 behandelten 34 hyperinsulinämische Männer drei Monate lang, 19 mit Metformin allein und 15 mit Metformin plus einem antioxidativen Nahrungsergänzungsmittel; normale Formen stiegen von im Mittel 3,9 auf 5,5 % beziehungsweise von 4,2 auf 5,5 % [s189]. La Vignera et al. 2019 verglichen bei Männern mit Insulinresistenz FSH allein (n = 44) mit FSH plus 500 mg Metformin mit verzögerter Freisetzung (n = 35) über drei Monate: Normozoospermie 40 gegen 45 %, spontane Schwangerschaften 30 gegen 32 %, Normalisierung der Spermien-DNA-Fragmentierung 45 gegen 33 % (p = 0,03) [s170]. Ein eigener Metformin-Arm fehlt, und es gab nach den Angaben des Abstracts keine Randomisierung. Die Metaanalyse von Peel et al. 2026 (32 Studien zu Lebensstil, Operation und Medikamenten bei Adipositas) fand für Metformin nur zwei Studien mit zusammen 63 Männern: Spermienkonzentration mittlere Differenz 1,28 Mio./ml (95-%-Konfidenzintervall -5,07 bis 7,62; I² = 74,2 %), normale Morphologie 4,40 (1,94 bis 6,86); die Autoren sehen zu wenig Daten für klare Schlüsse [s19].

Die größte menschliche Auswertung mit Metformin als Expositionsvariable ist eine niederländische Querschnittsstudie des Kinderwunschzentrums Isala in Zwolle: 7.438 Männer, davon 722 mit selbst berichteter Medikamenteneinnahme. Metformin hatte nur 11 Anwender; das Prävalenz-Odds-Ratio für niedrige Samenqualität betrug 4,032 (95-%-Konfidenzintervall 0,871 bis 18,676), das Prävalenzverhältnis 1,551 (1,173 bis 2,051). Die Autoren nennen die Studie hypothesengenerierend und halten Medikament und Grunderkrankung für nicht trennbar [s35].

Register zur väterlichen Exposition. Hier liegen die umfangreichsten Zahlen, allerdings zum Ergebnis bei den Kindern und nicht zum Samen. Wensink et al. 2022 (Dänemark, 1.116.779 Lebendgeborene) fanden für väterliches Metformin eine bereinigte Odds Ratio für schwere Fehlbildungen von 1,40 (1,08 bis 1,82; n = 1.451); bei Verschreibung im Jahr vor beziehungsweise nach der Spermienentwicklung 0,88 (0,59 bis 1,31) und 0,92 (0,68 bis 1,26); genitale Fehlbildungen bei Jungen 3,39 (1,82 bis 6,30) [s124]. Nørgård et al. 2022 (Dänemark, 1.318.684 Kinder) kamen auf 1,40 (1,11 bis 1,76) und schätzten 14 zusätzliche schwere Fehlbildungen je 1.000 exponierte Väter, hielten die Befunde aber mangels biologischer Erklärung für bestätigungsbedürftig [s119]. Beide Studien beruhen auf demselben Land und überlappenden Zeiträumen und sind vermutlich nicht unabhängig (Schlussfolgerung der Berichte). Rotem et al. 2024 (Israel, 383.851 Geburten) berichten ein rohes Odds Ratio von 1,28 (1,01 bis 1,64), bereinigt 1,00 (0,76 bis 1,31), bei Monotherapie 0,86 (0,60 bis 1,23) und bei Kombinationstherapie 1,36 (1,00 bis 1,85) [s80]. Meng et al. 2024 (Norwegen mit 619.389 und Taiwan mit 2.563.812 Nachkommen) fanden rohe relative Risiken von 1,29 (1,07 bis 1,55) und 1,08 (0,99 bis 1,17); mit Gewichtung bei Vätern mit Typ-2-Diabetes 0,98 (0,72 bis 1,33) und 0,87 (0,74 bis 1,02), gepoolt 0,89 (0,77 bis 1,03) [s73]. Simonsen et al. 2025 (vier Studien) ermittelten im gemeinsamen Modell eine bereinigte Odds Ratio von 1,05 (0,95 bis 1,17) bei einer Heterogenität I² von 76,9 % [s50]. Damkier et al. 2026 fassten vier Beobachtungsstudien aus fünf Ländern mit mehr als 11.000 Lebendgeborenen zusammen: gepooltes Risikoverhältnis 1,03 (0,88 bis 1,21) [s05]. Das Muster ist das bekannte der Pharmakoepidemiologie: Das rohe Signal schwächt sich bei besserer Kontrolle von Störgrößen ab.

Statine. Die englischsprachige Literatur enthält hier die einzigen randomisierten Studien mit Samenanalyse, alle älter. Dobs et al. 2000 randomisierten 159 Männer mit Hypercholesterinämie auf Simvastatin 20 mg, 40 mg, Pravastatin 40 mg oder Placebo über 24 Wochen: kein Unterschied zu Placebo bei Testosteron, Gonadotropinen, Spermienkonzentration, Volumen und Beweglichkeit [s225]. Dobs et al. 1993 sahen in einer Teilgruppe von 14 Männern mit Samenanalyse nach 6 und 12 Monaten eine etwas verminderte Beweglichkeit in beiden Behandlungsgruppen (p < 0,05), die die Autoren nicht als statinspezifisch werteten [s235]. Dem steht Pons-Rejraji et al. 2014 gegenüber: 17 gesunde, normozoosperme Männer mit normalem Cholesterin erhielten fünf Monate lang Atorvastatin 10 mg; die Gesamtzahl der Spermien sank um 31 % (p < 0,05), die Vitalität um 9,5 %, die Gesamtbeweglichkeit stieg um 7,5 %, und bei 35 % der Teilnehmer unter Behandlung und 65 % nach dem Absetzen fand sich mindestens ein auffälliger Samenparameter. Es gab keine Kontrollgruppe [s201]. Beobachtungsstudien: Keihani et al. 2018 verglichen 118 Statinanwender mit 7.698 Männern ohne Medikamente in einer Kinderwunschklinik und fanden alters-adjustiert keine signifikanten Unterschiede der Samenparameter [s181]; Davis et al. 2015 (3.302 Anwender gegen 3.302 Nichtanwender aus San Antonio) berichten für die Diagnose Infertilität eine Odds Ratio von 1,22 (0,66 bis 2,29) [s190]. Die systematische Übersicht von Anagnostis et al. 2021 fand vier Studien mit 161 Männern, keine Änderung von Konzentration und Volumen, uneinheitliche Beweglichkeit und Morphologie und rechnete wegen der Heterogenität keine Metaanalyse [s129]. Für das Testosteron liegen zwei Metaanalysen mit unterschiedlichem Ergebnis vor: Glina et al. 2024 (22 Studien) mit einer Reduktion des Gesamttestosterons um 9,11 ng/dl in 15 prospektiven Studien (0,16 bis 18,06) [s63] und die Cochrane-Übersicht von Shawish et al. 2021 mit 140 Männern in zwei Studien und einer mittleren Differenz von -0,20 nmol/l (-0,77 bis 0,37) [s145]. Beide betreffen Hormone, nicht Samen.

Allopurinol, Febuxostat und Colchicin. Es gibt genau eine prospektive Studie mit Samenanalyse unter Allopurinol (siehe Chinesisch). In englischer Sprache liegen vor allem Übersichten und historische Fallserien vor; die Metaanalyse von Otón et al. 2025 für die EULAR/PReS-Empfehlungen (25 Studien) sieht beim Fortpflanzungsverhalten von Männern mit familiärem Mittelmeerfieber unter Colchicin keine erkennbaren Unterschiede zwischen exponierten und nicht exponierten Gruppen und fordert bessere Studien zur männlichen Fruchtbarkeit [s46]. Die ältere englischsprachige Colchicin-Literatur (Levy und Yaffe 1978 mit sechs Patienten und normalen Spermiogrammen, Ehrenfeld et al. 1986 mit einem Patienten mit Azoospermie und drei weiteren mit pathologischem Penetrationstest, Fukutani et al. 1981) wird bei Israel, Japan und Türkei weiter unten eingeordnet [s241, s239, s240].

GLP-1-Rezeptoragonisten und weitere Stoffwechselmedikamente. In der englischsprachigen Literatur liegen hier die wenigen randomisierten Studien mit Samenanalyse bei Männern vor. Andersen et al. 2022 (Teilstudie der S-LITE-Studie, 56 Männer mit Adipositas) fanden nach 16,5 kg Gewichtsverlust durch Diät einen Anstieg der Spermienkonzentration auf das 1,49-Fache (1,18 bis 1,88); der Effekt betrifft die Diät, nicht Liraglutid allein; die Autoren berichten Beziehungen zu Novo Nordisk [s110]. Gregorič et al. 2025 randomisierten 25 Männer mit Typ-2-Diabetes und funktionellem Hypogonadismus offen auf Semaglutid oder Testosteronundecanoat: Der Anteil normal geformter Spermien stieg unter Semaglutid von 2 auf 4 % (p = 0,012), unter Testosteron sanken Konzentration und Gesamtzahl [s32]. La Vignera et al. 2023 teilten 110 Männer mit metabolischem Hypogonadismus nach Wunsch in drei Gruppen (nicht zufällig) und sahen unter Liraglutid eine Besserung konventioneller Samenparameter [s97]. Kosinski et al. 2024 gaben 26 gesunden Männern vier Wochen Empagliflozin oder Placebo und fanden keine Änderung von Androgenen, Gonadotropinen und Inhibin B; Samenparameter wurden nicht untersucht [s68]. Systematische Übersichten (Zafrani 2026, Kuchakulla 2026, Deameh 2026 mit zehn Studien und 639 Männern) sehen Testosteronanstiege bei Männern mit Adipositas, Diabetes oder funktionellem Hypogonadismus, bei Gesunden keinen Effekt, und stufen die Evidenz zu Samenparametern als sehr niedrig ein bzw. fordern kontrollierte Studien [s22, s11, s06].

Genetische und tierexperimentelle Studien. Mendelsche Randomisierungen arbeiten mit genetischen Stellvertretern für Medikamentenziele. Li et al. 2025 berichten für das Metformin-Zielgen GPD1 eine Odds Ratio für männliche Infertilität von 0,007 (0,000 bis 0,204); die Berichte werten dies als sehr ungenaue Schätzung und nicht als realistische Effektgröße, der Endpunkt ist eine Diagnose und kein Samenwert [s40]. Zu Statinen zeigen Su et al. 2024 für HMGCR eine genetische Senkung des Testosterons [s82]. Die Tierversuche zeigen in Modellen mit Adipositas oder Diabetes überwiegend Vorteile von Metformin (zum Beispiel bei Mäusen unter fettreicher Kost eine Zunahme der Spermienbeweglichkeit um 66 % [s158]); in utero exponierte männliche Mäuse hatten 30 % kleinere Würfe, bedingt durch Kopfanomalien und DNA-Schäden der Spermien [s134]. Bei Statinen sind Nachteile bei gesunden Nagern und Vorteile in Krankheitsmodellen beschrieben; die systematische Übersicht von Araújo Leite et al. 2025 fasst das zusammen [s27].

Leitlinien. Die Leitlinie von AUA und ASRM zur männlichen Infertilität (2020, 2024 ergänzt) führt in ihrer Tabelle der Risikofaktoren keines der fünf Medikamente; sie hält fest, für die gelisteten Medikamente liege Evidenz niedriger Qualität vor, und nennt Finasterid als Ausnahme mit dosisabhängig verringertem Samenvolumen. Metformin, Statine, Allopurinol und Colchicin stehen nicht in der Tabelle; das ist als „nicht adressiert“ zu lesen und nicht als „kein Effekt“ [s81]. Die EAU-Leitlinie zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit (begrenzte Aktualisierung März 2026) erwähnt Statine nur im Zusammenhang mit der erektilen Dysfunktion; im Kapitel zur männlichen Infertilität kommt keines der fünf Medikamente vor [s21].

Fachzeitschriften und Besonderheiten. Die Studien erscheinen in urologischen, endokrinologischen und toxikologischen Zeitschriften, zum Beispiel Human Reproduction Update (Peel et al. 2026), Annals of the Rheumatic Diseases (Otón et al. 2025), Journal of Sexual Medicine (Deameh et al. 2026) und Urology (Kuchakulla et al. 2026) [s19, s46, s06, s11]. Eine Besonderheit ist, dass die englischsprachigen Studien am Menschen fast durchweg die Grunderkrankung nicht vom Medikament trennen: Typ-2-Diabetes, Adipositas, Gicht oder familiäres Mittelmeerfieber beeinflussen selbst die Samenqualität.

Erreichbarkeit. Europe PMC war in allen Läufen erreichbar. Die Cochrane Library lieferte auf der Suchseite nur eine JavaScript-Anwendung ohne auswertbare Treffer (die Review-Liste antwortete mit HTTP 412); der Cochrane-Review CD013211 kam trotzdem über Europe PMC [s145]. Die Leitlinien der AUA/ASRM und der EAU konnten als PDF im Volltext durchsucht werden [s81, s21]. REPROTOX, das die AUA/ASRM-Leitlinie als Nachschlagewerk nennt, taucht in den Abruflisten der Berichte nicht auf.

Deutsch

Eine deutschsprachige Primärstudie zu Metformin, Statinen, Allopurinol oder Colchicin mit Samenparametern wurde nicht gefunden. Aus dem deutschen Sprachraum liegen drei Übersichtsarbeiten vor, die in Europe PMC mit englischen Abstracts geführt werden. Die deutschen Originaltitel wurden nicht abgerufen; PubMed gibt die Titel nur als englische Übersetzung in eckigen Klammern an, die hier ins Deutsche zurückübersetzt sind:

  • Klotz 2026 im Zentralblatt für Chirurgie, „GLP-1-Rezeptoragonisten in Urologie und Andrologie: Indikationen, Chancen und klinisch relevante Nebenwirkungen“ (englischer Titel: GLP-1 Receptor Agonists in Urology and Andrology: Indications, Opportunities and Clinically Relevant Adverse Effects). Die narrative Übersicht berichtet als Warnsignal ein 4,5-fach erhöhtes Risiko für neu aufgetretene erektile Dysfunktion bei nicht diabetischen adipösen Männern unter Semaglutid und fordert prospektive Studien mit urologischen Endpunkten [s10]. Das Signal betrifft die Erektion, nicht die Spermienqualität.
  • Lunzer et al. 2025 in der Wiener klinischen Wochenschrift, „Colchicin, ein Phönix aus der Asche“ (englischer Titel: Colchicine, Phoenix from the ashes), mit kardiovaskulärem Schwerpunkt [s43].
  • Boyadzhieva et al. 2021 in der Zeitschrift für Rheumatologie, „Colchicin: altes Medikament mit neuem Nutzen. Anwendung in der Rheumatologie und darüber hinaus“ (englischer Titel: Colchicine: old medication with new benefits: use in rheumatology and beyond) [s132].

Die beiden Colchicin-Arbeiten äußern sich in den abgerufenen Abstracts nicht zur Fruchtbarkeit; ihre Volltexte wurden nicht geprüft. Die Aussage ist also nur, dass in den Abstracts nichts dazu steht.

Eigene Register oder Kohorten aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz zu dieser Fragestellung kamen in den Recherchen nicht vor. Eine Leitlinie der AWMF zur männlichen Infertilität konnte nicht ausgewertet werden: Das Leitlinienregister ist eine Webanwendung, die beim Abruf nur ein leeres Gerüst lieferte, sodass offen bleibt, ob und was dort zu Medikamenten steht. Die Seite der ESHRE war erreichbar; im abgerufenen HTML fand sich aber kein Verweis auf eine Leitlinie zur männlichen Infertilität. Die europäische Leitlinie der EAU und die amerikanische von AUA und ASRM wurden im Volltext durchsucht und behandeln die fünf Medikamente nicht als Risikofaktoren für die männliche Fruchtbarkeit (siehe Englisch) [s81, s21].

Eine Randbemerkung zum Niederländischen, für das es keinen eigenen Abschnitt gibt: Both et al. 2012 im Nederlands Tijdschrift voor Geneeskunde, „Colchicin hat keinen negativen Einfluss auf Fruchtbarkeit und Schwangerschaft“ (englischer Titel in PubMed: Colchicine has no negative effect on fertility and pregnancy), ist eine systematische Übersicht: 73 Artikel gefunden, 13 passend, zwölf weitere über Querverweise; kein statistisch signifikanter Effekt von Colchicin auf Samenqualität oder Hormonspiegel; die Autoren folgern, es sei kein negativer Effekt auf die Fruchtbarkeit nachweisbar [s205]. Die große Querschnittsstudie des Kinderwunschzentrums in Zwolle (7.438 Männer) ist dagegen in englischer Sprache erschienen [s35].

Französisch

Auch im französischen Sprachraum gibt es keine Primärstudie zu den Medikamenten mit Samenparametern. Gefunden wurden drei Arbeiten:

  • Stankovic et al. 2008 in der Presse Médicale, „Autoinflammatorische Syndrome und Schwangerschaft“ (PubMed führt nur die englische Übersetzung Auto-inflammatory syndromes and pregnancy; der französische Originaltitel wurde nicht abgerufen). Die Übersicht hält fest, bei behandelten Patienten mit familiärem Mittelmeerfieber sei die Fruchtbarkeit normal, und unter üblichen therapeutischen Dosen gebe es keine Störung der Spermatogenese; die Fortführung von Colchicin bei Konzeption und Schwangerschaft sei in ihrem Fachgebiet üblich beziehungsweise empfohlen. Das ist die Aussage der Quelle, keine Empfehlung dieses Kapitels [s215].
  • Elfassy-Zarka 2019, Dissertation, „Impact du syndrome métabolique sur les fonctions de reproduction masculines : rôle des adipokines“ (Einfluss des metabolischen Syndroms auf die männlichen Fortpflanzungsfunktionen: Rolle der Adipokine), im Archiv HAL (tel-03994614). Sie untersuchte 160 Männer aus Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch: Die Infertilitätsdauer war bei metabolischem Syndrom länger, Adiponektin im Samenplasma um den Faktor 2,1 erhöht und im Blut erniedrigt, Interleukin-6 im Samenplasma korrelierte positiv mit Konzentration, progressiver Beweglichkeit und Vitalität; die Autorin deutet eine mögliche Beteiligung von AMPK an. Daten zu den fünf Medikamenten enthält sie nicht [s166].
  • Gérard 2023, pharmazeutische Abschlussarbeit, „Habitudes de vie et nutrition des pères : impacts sur la fertilité et la descendance“ (Lebensgewohnheiten und Ernährung der Väter: Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und Nachkommen), HAL (hal-04793798). Sie beschreibt narrativ, dass Fettleibigkeit, Diabetes und metabolisches Syndrom die männliche Fruchtbarkeit mindern können und dass Apothekerinnen und Apotheker informieren können; Daten zu den Medikamenten fehlen [s96].

Die Suche in HAL über die Programmierschnittstelle war erreichbar, ergab aber wenig: „metformine sperme“ lieferte keinen Treffer, „metformin sperm“ acht, überwiegend Tierversuche. Ein Posterbeitrag zu Metformin und Hahnen-Spermien (Journées de la Recherche Avicole 2015, hal-02742570) hatte keinen Abstract im Datensatz und wurde nicht als Quelle geführt; ein Zeitschriftenartikel von 1991 zum familiären Mittelmeerfieber in der Schwangerschaft betrifft Frauen und blieb unberücksichtigt. Der Tierversuch von Faure et al. 2021 (Mäuse, in utero Metformin, 30 % kleinere Würfe der adulten Männchen) hat eine Kopie im Archiv HAL, ist aber in englischer Sprache erschienen und gehört zum englischen Abschnitt [s134]. Cairn, die wichtigste Plattform für französischsprachige Fachzeitschriften, antwortete mit HTTP 403 (Browserprüfung) und war nicht abfragbar. Das ist eine Lücke: Ob dort einschlägige Arbeiten liegen, bleibt offen. Zu Leitlinien französischer Fachgesellschaften wurde nichts abgerufen.

Italienisch

Eine italienischsprachige Primärstudie wurde nicht gefunden. Die einzige italienischsprachige Übersicht, die in Europe PMC auftauchte („Fattori maschili dei disturbi della fertilità“, Männliche Faktoren der Fruchtbarkeitsstörungen, PMC7122667, 2010), enthielt keinen Abstract und wurde nicht ausgewertet; sie ist deshalb keine Quelle dieser Studie. Italienische Arbeitsgruppen publizieren zu den Medikamenten ausschließlich in englischer Sprache, und gerade sie liefern einen großen Teil der klinischen Daten mit Samenanalyse:

  • Metformin: Morgante et al. 2011 (45 Männer mit Oligo-Terato-Asthenozoospermie und metabolischem Syndrom, sechs Monate, ohne Kontrollgruppe) [s209] und La Vignera et al. 2019 (FSH mit oder ohne 500 mg Metformin bei Insulinresistenz, 44 gegen 35 Männer; Normalisierung der DNA-Fragmentierung 45 gegen 33 %) [s170]. Die Peel-Metaanalyse beschreibt eine Studie aus Italien mit 45 Männern; die Gleichsetzung mit Morgante et al. ist eine Schlussfolgerung der Berichte [s19].
  • GLP-1-Rezeptoragonisten: La Vignera et al. 2023 teilten 110 Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren mit metabolischem Hypogonadismus nach Kinderwunsch in drei Gruppen (Gonadotropine, Liraglutid 3 mg, Testosteron transdermal 60 mg, vier Monate). Unter Liraglutid besserten sich konventionelle Samenparameter gegenüber Ausgangswert und der Gonadotropingruppe, ebenso Gesamttestosteron und SHBG. Die Zuteilung erfolgte nach Wunsch, nicht zufällig [s97].
  • Salvio et al. 2025 (Ancona, Metaanalyse von sieben Studien mit 680 übergewichtigen und adipösen Männern): Das Gesamttestosteron stieg unter GLP-1-Rezeptoragonisten (standardisierte mittlere Differenz 1,39 ng/ml; 0,70 bis 2,09); die Metaregression zeigte eine negative Korrelation zwischen Testosteronänderung und prozentualer Änderung von Gewicht und Body-Mass-Index. Einen direkten Hodeneffekt halten die Autoren nach der Literaturlage nicht für belegbar [s49].

Das Muster der italienischen Arbeiten ist die Behandlung metabolisch kranker Männer mit Kinderwunsch und der Vergleich von Insulinsensibilisierung oder Gewichtsabnahme mit Hormon- oder Gonadotropintherapie. Eine Beschränkung ist durchgängig, dass es keine Placebogruppe und meist keine Randomisierung gibt. Die Gesellschaft Società Italiana di Andrologia war als Webseite erreichbar, enthält aber keine durchsuchbare Literatur; eine Leitlinie ließ sich dort nicht abrufen. Weitere italienische Datenbanken wurden nicht abgefragt.

Portugiesisch

Der portugiesischsprachige Raum ist mit einer eigenen Studie und drei in englischer Sprache erschienenen Übersichten vertreten, die lateinamerikanische Datenbanken einbezogen haben.

  • Silva et al. 2005, Acta Cirúrgica Brasileira, „Wirkung von Allopurinol auf die Morphologie von Rattenhoden nach Ischämie durch Samenstrangtorsion mit anschließender Reperfusion“ (PubMed führt die englische Übersetzung Effect of allopurinol on rat testicles morphology, submitted to ischaemia for spermatic cord torsion followed by reperfusion; der portugiesische Originaltitel wurde nicht abgerufen). Bei 80 Ratten mit einstündiger Hodentorsion, mit oder ohne Allopurinol und Entnahme nach 60 Tagen, zeigte sich eine deutliche Atrophie und histologische Schädigung des rechten Hodens; Allopurinol schützte nach Angabe des Abstracts nicht vor dem Reperfusionsschaden. Es ist ein Verletzungsmodell, keine Studie zur Spermienqualität unter Dauergabe [s219].
  • Araújo Leite et al. 2025, Critical Reviews in Toxicology: systematische Übersicht von Nagerstudien zu Statinen. Die Suche umfasste unter anderem Embase, Web of Science, PubMed, LILACS, Scopus und SciELO. Gesunde normolipidämische Nager zeigten unter Statinen verminderte Spermienqualität, geringere Testosteronbildung und verzögerte Pubertät; bei Nagern mit Diabetes, erektiler Dysfunktion oder fettreicher Kost besserten sich Erektionsfähigkeit und Spermienqualität. Die Autoren folgern, wegen der Reproduktionstoxizität bei gesunden Tieren sollten die Medikamente der Behandlung von Dyslipidämien vorbehalten bleiben oder gegebenenfalls als Zusatztherapie bei erektiler Dysfunktion dienen; das ist ihre Schlussfolgerung [s27].
  • Capelo et al. 2024, JBRA Assisted Reproduction: systematische Übersicht über Schmerzmittel (PubMed, SciELO, LILACS; englische, portugiesische und spanische Literatur). Für Paracetamol und Ibuprofen fanden sich Hinweise auf schädliche endokrine und Samenveränderungen; die Wirkung von Acetylsalicylsäure auf die männliche Fruchtbarkeit bleibe wegen fehlender Studien unklar. Die Arbeit betrifft keines der fünf Kernmedikamente und zeigt vor allem, dass lateinamerikanische Datenbanken durchsucht wurden [s58].
  • Glina et al. 2024, International Braz J Urol (Zeitschrift der Brasilianischen Gesellschaft für Urologie): Metaanalyse zu Statinen und Testosteron mit 22 Studien. Bei Querschnittsstudien lag das Gesamttestosteron unter Statinanwendern um 55,02 ng/dl niedriger (95-%-Konfidenzintervall 39,40 bis 70,64; I² = 91 %), in den fünf randomisierten Studien betrug die Reduktion 13,12 ng/dl (1,16 bis 25,08), in allen 15 prospektiven Studien 9,11 ng/dl (0,16 bis 18,06). Die Autoren halten fest, die Abnahme reiche nicht aus, um unter den Normbereich zu fallen [s63]. Die Studie behandelt Hormone, nicht Samen.

Eine weitere Arbeit zu Rosuvastatin bei Mäusen (de Mello et al. 2024, Reproductive Toxicology) fand bei Gabe vom 23. bis zum 80. Lebenstag eine verzögerte Pubertät, verminderte Spermienqualität und mehr Verluste nach der Einnistung; die Herkunft der Gruppe geht aus den Berichten nicht hervor [s60]. Die Erreichbarkeit war schlecht: SciELO (Suche) und LILACS (BVS-Portal) antworteten mit HTTP 403, die Programmierschnittstelle von LILACS verlangte einen Schlüssel (HTTP 401); die ArticleMeta-Schnittstelle von SciELO war erreichbar, bietet aber keine Volltextsuche. Teilweise ausgeglichen wird die Lücke dadurch, dass die Übersichten von Araújo Leite et al. und Capelo et al. SciELO und LILACS selbst durchsucht haben und Europe PMC viele SciELO-Zeitschriften mit MEDLINE-Indexierung enthält. Arbeiten ohne MEDLINE-Indexierung in diesen Datenbanken sind möglicherweise nicht erfasst.

Spanisch

Aus dem spanischsprachigen Raum wurde keine Quelle gefunden. Die spanischsprachige Abfrage in Europe PMC lieferte nur fachfremde Treffer. Dialnet, das wichtigste Portal für spanische Fachliteratur, antwortete bei der ersten Anfrage mit HTTP 200, danach erschien eine Sperrseite wegen Überschreitung der Zugriffsgrenze; Treffer waren nicht auswertbar. Die Suchbegriffe waren dennoch auf Spanisch angelegt (unter anderem metformina, estatinas, alopurinol, colchicina, esperma, semen).

Im weiteren Sinn lässt sich nur eine Arbeit mit spanischem Bezug nennen: Otón et al. 2025 (Madrid, mit Koautoren der Hacettepe-Universität Ankara; erschienen in den Annals of the Rheumatic Diseases auf Englisch) ist die systematische Übersicht mit Metaanalyse für die EULAR/PReS-Empfehlungen zum familiären Mittelmeerfieber: 25 Studien mittlerer bis geringer Qualität, relatives Risiko für Fehlgeburt oder Fruchtverlust unter Colchicin 0,87 (0,67 bis 1,12), Fehlbildungsanteil in der exponierten Gruppe 0,6 bis 4,0 %; zur Fertilität keine erkennbaren Unterschiede zwischen exponierten und nicht exponierten Gruppen, weder bei Frauen noch bei Männern (Samenuntersuchung). Die Autoren fordern bessere Studien, vor allem zur männlichen Fertilität [s46]. Die Übersicht von Capelo et al. 2024 wertete englisch-, portugiesisch- und spanischsprachige Literatur aus, betrifft aber Schmerzmittel und keines der fünf Medikamente [s58]. Offen bleibt, ob in Dialnet oder in lateinamerikanischen Fachzeitschriften ohne MEDLINE-Indexierung Arbeiten liegen.

Chinesisch

Nach der Zahl der Arbeiten dominiert China den ostasiatischen Befund: Im Recherchebericht für China, Japan und Korea stammen von 80 Quellen 55 aus Festlandchina und 8 aus Taiwan beziehungsweise aus Taiwan und Norwegen. Das Material ist zahlreich, aber im Kern dünn. Im erreichbaren Material wurde keine randomisierte kontrollierte Studie gefunden, die bei Männern den Einfluss von Metformin, Statinen, Allopurinol, Colchicin, SGLT2-Hemmern oder GLP-1-Rezeptoragonisten auf Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie oder DNA-Fragmentierung als primären Endpunkt untersucht. Etwa 50 der 80 Quellen sind Tierversuche oder In-vitro-Studien.

Register und Kohorten aus Taiwan. Die Nationale Krankenversicherung Taiwans erlaubt Registerstudien mit Hunderttausenden Teilnehmern. Tseng 2022 (Frontiers in Pharmacology) verglich 175.171 Männer, die nach neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes Metformin begannen, mit 86.667 ohne Metformin. Die Inzidenz der Diagnose Infertilität betrug 22,82 (ohne) und 32,60 (mit Metformin) je 100.000 Personenjahre; Hazard Ratio in der Intention-to-treat-Analyse 1,368 (95-%-Konfidenzintervall 1,116 bis 1,676), per protocol 1,396 (1,078 bis 1,808). Varikozele war nicht auffällig (Hazard Ratio 0,960; 0,784 bis 1,174); Prostatitis, gutartige Prostatavergrößerung und Prostatakrebs waren unter Metformin seltener, die erektile Dysfunktion häufiger (ITT 1,077; 1,026 bis 1,130). Der Endpunkt ist eine Diagnosecodierung und keine Samenanalyse; Confounding by Indication ist möglich, die absoluten Raten sind niedrig, und die Metformin-Gruppe wurde kürzer beobachtet. Das Ergebnis läuft gegen die meisten Tierdaten [s122]. Taiwanesische Daten gehen auch in die norwegisch-taiwanesische Kohortenstudie zu väterlichem Metformin und Fehlbildungen ein (2.563.812 Nachkommen in Taiwan, 15.276 mit Exposition; rohes relatives Risiko 1,08, mit Gewichtung bei Vätern mit Typ-2-Diabetes 0,87 [0,74 bis 1,02]) [s73] sowie in die Metaanalyse von Damkier et al. 2026 [s05]. Chou et al. 2016 fanden in einer taiwanesischen Kohorte, dass Statinanwendung mit einem geringeren Risiko für erektile Dysfunktion verbunden war (Hazard Ratio 0,75; 0,63 bis 0,90) [s186]; das betrifft nicht die Spermienqualität.

Klinische Studien aus Nanjing zum Testosteron. Cai et al. 2021 (Sekundäranalyse, Propensity-Matching) fanden, dass das Gesamttestosteron unter Metformin um 0,82 nmol/l sank, in der Kontrolle dagegen um 0,99 nmol/l stieg (p = 0,036); die Stichprobengröße nennt der Abstract nicht [s133]. Hu et al. 2021 randomisierten 70 Männer mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes (HbA1c über 9,0 %) nach fünf Tagen Insulinpumpe auf Insulin allein oder Insulin plus Metformin für einen Monat; danach war das Gesamttestosteron in der Metformingruppe niedriger (12,7 gegen 15,3 nmol/l; p < 0,05) [s136]. Beide Studien messen Hormone, keine Spermien; Hu et al. nennen die Langzeiteffekte unklar.

Harnsäure und Gicht: die einzige prospektive Samenstudie. Li et al. 2024 (Peking, Rheumatology International; Registrierung NCT04213534) untersuchten 49 Männer von 18 bis 45 Jahren mit Gicht, die drei Monate Allopurinol, Febuxostat oder Benzbromaron erhielten; 40 (81,6 %) beendeten die Nachbeobachtung. Unter Allopurinol änderten sich die Samenparameter nicht signifikant. Unter Febuxostat sank die Beweglichkeit nach drei Monaten (33,6 % gegenüber 48,4 %; p = 0,033; Angaben in Klammern sind Interquartilsbereiche), die Zahl beweglicher Spermien unterschied sich nicht. Unter Benzbromaron stieg die Spermienkonzentration (37,19 und 58,5 Mio./ml; p = 0,001); die Zuordnung der beiden Werte zu den Zeitpunkten ist im Abstract nicht eindeutig, die Autoren sprechen von einer Verbesserung. DNA-Integrität und Hormone blieben in allen Gruppen unverändert. Die Autoren folgern, Allopurinol und Febuxostat hätten keine klinisch relevanten negativen Wirkungen auf die Spermienqualität. Die Grenzen sind erheblich: im Mittel unter 14 Männer je Gruppe, offen, ohne Randomisierung und ohne Placebo, Gicht als Störgröße, nur drei Monate [s69].

Zur Hyperurikämie selbst kommen aus China mehrere Studien. Ma et al. 2022 (Shijiazhuang, 654 Männer) und Han et al. 2018 (Hebei, 402 infertile Männer, Hyperurikämie ab 420 µmol/l) stammen aus demselben Institut, dem Hebei Research Institute for Family Planning. Han et al. fanden bei Hyperurikämie ein Ejakulatvolumen von 2,40 gegenüber 2,80 ml und eine Gesamtspermienzahl von 120,51 gegenüber 187,21 Mio.; die Korrelationen der Harnsäure waren schwach (r = -0,193 und -0,163) [s118, s180]. Peng et al. 2025 (Putian, 490 Paare, intrauterine Insemination) sahen eine progressive Beweglichkeit von 39,55 gegenüber 41,76 % vor der Aufbereitung und eine klinische Schwangerschaftsrate von 11,0 gegenüber 13,4 % (p = 0,230) [s48]. Die Mendelschen Randomisierungen aus China widersprechen den Querschnittsstudien: Li et al. 2024 fanden keinen kausalen Zusammenhang zwischen Serumharnsäure und männlicher Infertilität (Odds Ratio 0,92; 0,614 bis 1,390) [s71]; Zhang et al. 2024 fanden von 16 Stoffwechselmerkmalen nur Körperfettanteil (Odds Ratio 1,49; 1,01 bis 2,20) und Resistin (1,55; 1,11 bis 2,19) mit einem höheren Risiko abnormer Spermien verbunden, nicht aber Harnsäure, Lipide, Glukosestoffwechsel oder Typ-2-Diabetes [s83]. Die Metaanalyse von Mao et al. 2026 (Hangzhou; 11 Studien, 104.277 Patienten mit Gicht oder Hyperurikämie gegen 342.621 Kontrollen) fand ein relatives Risiko erektiler Dysfunktion von 1,37 (1,14 bis 1,65) und niedrigeres Testosteron, konnte aber zur Spermienqualität fast nichts beitragen, weil nur eine einzelne Studie sie untersuchte [s15].

Mendelsche Randomisierung als Modemethode. Fünf chinesische Arbeiten der Jahre 2023 bis 2025 nutzen genetische Stellvertreter: für Antidiabetika (Li et al. 2025, Odds Ratio 0,007 für das Metformin-Zielgen GPD1, Intervall 0,000 bis 0,204, nach den Berichten ein Zeichen sehr unpräziser Schätzung) [s40], für HMGCR und Testosteron (Yan et al. 2023: Gesamttestosteron -0,20 je LDL-Standardabweichung; 95-%-Konfidenzintervall -0,25 bis -0,15) [s105], für Lipide und männliche Infertilität (Li et al. 2024: HMGCR-Hemmer Odds Ratio 0,38, aber nach Fehlerratenkorrektur nicht signifikant, FDR 0,39) [s70] sowie die beiden Harnsäure- und Stoffwechselstudien [s71, s83]. Methodisch gilt: lebenslange genetische Variation ist keine Behandlung in therapeutischer Dosis, und „männliche Infertilität“ ist eine heterogene Diagnose.

Chinesische Fachzeitschriften und Datenbanken. Zhonghua Nan Ke Xue (Chinese Journal of Andrology) wird in PubMed mit englischem Abstract und englischem Titel in eckigen Klammern geführt. Vier abgerufene Beiträge sind chinesische Originale: Fang et al. 2012 zu Metformin bei adipösen Ratten, Han et al. 2018, Lin et al. 2010 zu Allopurinol bei Hodenischämie des Kaninchens und der Umbrella-Review von Li et al. 2025; die chinesischen Originaltitel wurden nicht abgerufen und werden nicht rekonstruiert, hier steht nur die deutsche Wiedergabe der englischen Titel. Mit Ausnahme des Umbrella-Reviews sind alle älter als 2020; die jüngere chinesische Literatur erscheint überwiegend auf Englisch. Der Umbrella-Review (vier Übersichten, nach AMSTAR 2 eine mit niedriger, drei mit sehr niedriger Qualität) und die Metaanalyse von Mao et al. durchsuchten CNKI und Wanfang, stützen sich also teilweise auf chinesischsprachige Primärliteratur, die hier nicht direkt erreichbar war [s206, s180, s213, s41, s15]. CNKI antwortete mit Verbindungsfehler beziehungsweise leerem Inhalt, die Wanfang-Suchseite lieferte nur den JavaScript-Rahmen. Daher kann keine Aussage „es gibt keine rein chinesischsprachige Studie“ getroffen werden, nur „im Erreichbaren wurde keine gefunden“.

Regionale Besonderheiten. Erstens prüfen mehrere Mäusestudien Rezepturen der traditionellen chinesischen Medizin gegen Hyperurikämie mit Spermienschaden, wobei Allopurinol (5 mg/kg) beziehungsweise Febuxostat (10 mg/kg) nur Vergleichssubstanz sind (seltene Ginsenoside; Shenling Baizhu San) [s66, s37]. Zweitens dominieren mechanistische Themen wie AMPK, Ferroptose, Darmmikrobiom und Blut-Hoden-Schranke [s177, s39, s02, s45, s84, s67, s74]. Drittens gibt es eine landwirtschaftliche Reproduktionsbiologie: Metformin und Rosiglitazon als Zusatz in Samenverdünnern für Eber, Schaf, Ziege und Fisch [s156, s106, s125, s98, s176]; für den Menschen nur mittelbar relevant. Viertens zeigen die Tierstudien in Modellen mit Hochfettdiät oder Diabetes überwiegend Vorteile, etwa bei Metformin 100 mg/kg an 18 Ratten über acht Wochen (bessere Konzentration, Vitalität, Beweglichkeit und Morphologie; die Autoren führen den Effekt teilweise auf den Gewichtsverlust zurück) [s195]; Atorvastatin schützt in Modellen von Adipositas, Orchitis und Ischämie [s28, s45]; Dapagliflozin und Empagliflozin bessern Hoden und Spermien diabetischer Mäuse [s99, s67, s74]. Gegenbefunde sind in der Minderzahl: Östradiol milderte eine Hemmung der Sertoli-Zell-Proliferation durch Metformin [s149], Berberin senkte bei gesunden Mäusen Testosteron und Fruchtbarkeit [s79], und Metformin mit 200 mg/kg über 21 Tage bei Ratten vor der Verpaarung führte in der F1-Generation zu Übergewicht bei 50,0 % der Männchen gegenüber 4,2 % der Kontrollen, das nach dreiwöchiger Auswaschphase verschwand [s18]. Ob die Auswahl der Veröffentlichungen verzerrt ist, lässt sich aus den Abstracts nicht beurteilen.

Japanisch

Aus Japan wurden elf Quellen aufgenommen, mit anderem Schwerpunkt als in China. Der Zugang ist stärker toxikologisch und von Einzelbeobachtungen geprägt.

Toxikologie der Azabu-Universität. Kobayashi et al. 2021 (Journal of Toxicological Sciences) gaben Ratten über 13 Wochen den neuen Glukokinase-Aktivator TMG-123 (5, 20, 100 mg/kg; Prüfsubstanz, kein eingeführtes Medikament). Die Plasmaglukose sank dosisabhängig über mehrere Stunden; histologisch zeigten sich verstreut degenerierte Samenkanälchen und abgelöste Keimzellen im Nebenhoden, auch am Ende der Erholungsphase; die Samenanalyse zeigte geringere Konzentration und Beweglichkeit sowie mehr Fehlbildungen; Paarung und Fertilitätsrate blieben unauffällig. Die Autoren schließen, anhaltende Hypoglykämie schade der Spermatogenese irreversibel [s140]. Die Fortsetzung an spontan hyperglykämischen Goto-Kakizaki-Ratten (vier Wochen, 12,5 bis 50 mg/kg) fand trotz vergleichbarer Exposition und ähnlichem Blutzuckerabfall keine Hypoglykämie und keine Hodenveränderungen, was die Hypothese stützt, dass die Toxizität an der Hypoglykämie hängt [s139]. Die zugehörige Doktorarbeit (Kobayashi 2021, 糖尿病治療薬を用いた精巣毒性の機序検討, „Untersuchung des Mechanismus der Hodentoxizität mit Antidiabetika“) ergänzt, dass auch Insulin in hohen Dosen (100 bis 400 E/kg/Tag, je 20 Ratten) bei einzelnen Tieren mit Blutzucker unter 50 mg/dl verstreute Degeneration der Samenkanälchen verursachte; bei 400 E/kg gab es nur tendenziell niedrigere Konzentration und mehr Fehlbildungen. Die Insulindosen sind extrem, es handelt sich um Hochschulschrift und Tierversuch [s138]. Eine klinische Übertragung bleibt Hypothese; die Autoren sprechen selbst von einer Möglichkeit. Diese regulatorisch-toxikologische Perspektive fehlt in den chinesischen Beiträgen weitgehend.

Fallberichte und historische Beobachtung. Tada et al. 2015 (Clinical and Experimental Obstetrics and Gynecology) beschreiben einen Mann aus einem Paar mit primärer Infertilität im IVF-Vorlauf, bei dem nach vierwöchiger Rosuvastatingabe keine beweglichen Spermien mehr auftraten; Azoospermie in Woche 3 und 7, zwei Wochen nach Absetzen erschienen Spermien wieder, in Woche 16 reichten Zahl und Beweglichkeit für eine ICSI. Ein Einzelfall mit Vorerkrankung Oligoasthenozoospermie und ohne erneute Gabe, der keine Häufigkeit belegt [s193]. Hibi et al. 2011 berichten unter dem Titel „DPP-IV inhibitor may affect spermatogenesis“ über einen 39-jährigen Mann mit diabetesbedingter retrograder Ejakulation, bei dem nach Sitagliptin 50 mg täglich ein „ungewöhnlicher Effekt auf die Samenqualität“ auftrat; der Abstract beschreibt die Art des Effekts nicht [s208]. Fukutani et al. 1981 (Fertility and Sterility) fanden bei 31 Männern mit Morbus Behçet Azoospermie oder schwere Oligospermie bei 13 von 17 Patienten unter Cyclophosphamid mit oder ohne Colchicin, aber nahezu normale Spermienzahlen bei sechs Patienten unter Colchicin allein und vier unbehandelten Kontrollen; die Autoren schließen, Cyclophosphamid beeinträchtige die Spermatogenese, Colchicin nicht. Die Gruppen sind winzig, nicht randomisiert, nur die Zahl wurde berichtet [s240]. Kumagai et al. 2002 zeigten bei Ratten mit experimentellem Kryptorchismus, dass Allopurinol (1 mg/kg/Tag oder mehr) die Gewichtsabnahme des Hodens auf nur 68 bis 77 % gegenüber 47 % der Kontrolle begrenzte und die Keimzellapoptose verringerte; ein Hitzemodell mit unreifen Tieren [s223]. Eine japanische Statinstudie ist die EMPATHY-Subanalyse von Nakayama et al. 2021 (200 Männer mit Diabetes und Retinopathie): Das Testosteron sank unter Statin im Mittel auf 5,1 ng/ml proportional zur LDL-Senkung; Spermienparameter wurden nicht erhoben [s143].

Grundlagenforschung zu Inkretinen und AMPK. Iida und Asano 2024 fanden Glp1r-mRNA im Mäusehoden und in Sertoli-, Leydig- und Keimzelllinien; Exenatid erhöhte vorübergehend spermatogeneseassoziierte Gene (Kitl, Pdgfa) [s65]. Der inhaltlich eng verwandte KAKENHI-Förderbericht (Projekt 18K06033, 肥満・糖尿病モデル動物を用いたインクレチンによる雄性生殖機能の調節に関する研究, „Untersuchung zur Regulation der männlichen Fortpflanzungsfunktion durch Inkretine an Adipositas- und Diabetes-Tiermodellen“) ist kein Peer-Review-Artikel [s242]. Eine Hochschulschrift der Setsunan-Universität (Hiramatsu et al. 2021, AMPK活性化剤によるマウス精子のATP量の変化, „Veränderungen des ATP-Gehalts von Mäusespermien durch AMPK-Aktivatoren“) fand, dass Metformin Akrosomreaktion und ATP förderte, die Beweglichkeit aber schwächte; das passt zu Befunden an kapazitierten menschlichen Spermien und steht gegen die Beweglichkeitsgewinne bei Eber, Schaf und Ziege [s135, s13, s156, s106, s125].

Erreichbarkeit. CiNii Research war über die OpenSearch-Schnittstelle nutzbar (142 eindeutige Treffer aus 17 Wirkstoff- mal fünf Samenbegriffen; drei Datensätze als Quelle verwendet), die HTML-Suche lieferte HTTP 202 ohne Inhalt. J-STAGE war erreichbar, die japanischen Suchbegriffe lieferten aber sehr unscharfe Trefferlisten (für „colchicine fertility male“ 223.136 Treffer); relevant waren englische Begriffe mit drei Zeitschriftenartikeln. Ein Konferenzabstract der Japanischen Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie zur Spermien-DNA nach IVF und zur Verbesserung des DNA-Fragmentierungsindex durch Metformin wurde bei CiNii gefunden, war aber nur als Titel abrufbar; Zahlen daraus werden nicht genannt, der Inhalt bleibt unbelegt. Kongressabstracts japanischer Zeitschriften der Endokrinologie und Diabetologie wurden nicht ausgewertet, weil die Titel in der Trefferliste nicht lesbar waren.

Koreanisch

Die koreanischsprachige Literatur ist sehr dünn. Es wurde keine koreanische Studie am Menschen zu den betrachteten Wirkstoffen und der Spermienqualität gefunden, und auch keine koreanischsprachige Originalarbeit. Gefunden wurden:

  • Zwei Zebrafischstudien eines Forschungsinstituts in Daegu, des Raydel HDL Research Institute (der Name verweist auf die Policosanol-Marke Raydel; Angaben zu Interessenkonflikten stehen nicht im Abstract): Cho et al. 2026 (International Journal of Molecular Sciences, 22 Wochen) und Cho et al. 2026 (Pharmaceuticals, 112 Fische in vier Gruppen, 12 Wochen), jeweils Policosanol und Atorvastatin bei Hochcholesterin- und Hochgalaktose-Diät. Die Überlebenswahrscheinlichkeit war im Atorvastatin-Arm am niedrigsten (0,64 gegenüber 0,76 für Policosanol und 0,71 für die Kombination in der ersten, 0,75 gegenüber 0,89 und 0,82 in der zweiten Studie); die günstigen Reproduktionsbefunde (mehr Spermien im Hoden, mehr Embryonen) werden Policosanol und der Kombination zugeschrieben. Reproduktion ist ein Nebenendpunkt, Zahlen dazu nennen die Abstracts nicht [s04, s03].
  • Koreanische Koautorenschaften in internationalen Arbeiten: Rahman et al. 2026 (Cells) ist eine Übersicht zu AMPK in der männlichen Fortpflanzung, in der Metformin und AICAR als pharmakologische Beispiele genannt werden und die Herausforderungen Gewebeselektivität, Dosis und klinische Übertragung bleiben; mindestens ein Autor hat eine koreanische Affiliation [s20]. Abed et al. 2022 (Jordanien mit einem Koautor der Inje-Universität) zeigten bei Ratten, dass Metformin die durch Oxandrolon ausgelöste Hodenatrophie milderte (Oxandrolon senkte die Spermienzahl um 82 %, das Testosteron um 96 %); die Arbeit wird beim arabischen Raum eingeordnet [s108].

KoreaMed war erreichbar; für „metformin sperm“ ergab die Suche vier Treffer, darunter eine iranische Mausstudie in der koreanischen Zeitschrift Clinical and Experimental Reproductive Medicine. Für „statin sperm“, „colchicine sperm“, „SGLT2 testis“ und „GLP-1 sperm“ gab es keinen Treffer. In den gesichteten Treffern koreanischer Zeitschriften (World Journal of Men's Health, Clinical and Experimental Reproductive Medicine) stammten die Arbeiten aus dem Iran. KCI und DBpia waren nicht auswertbar (DBpia: Verbindungsaufbau scheitert; KCI: nur Facettenliste ohne Trefferverzeichnis), RISS lud die Startseite, die Trefferliste war nicht auswertbar. Ob koreanischsprachige Originalartikel in diesen Datenbanken existieren, bleibt offen.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Metformin: Metaanalysen und systematische Übersichten bis Allopurinol, Harnsäure und Colchicin: Metaanalysen und Übersichten
  5. GLP-1-Rezeptoragonisten und weitere Stoffwechselmedikamente: Übersichten
  6. Metformin: Beobachtungsstudien zur Samenqualität und zur Fruchtbarkeit bis Colchicin: Beobachtungsstudien
  7. Weitere Arbeiten: Stoffwechselsyndrom ohne Medikamentenbezug und ein Statinprotokoll ohne Ergebnisse bis Zusammenfassung des Kapitels
  8. Zur Lesart dieses Kapitels bis Metformin: Tierversuche
  9. Statine: Studien am Menschen bis Colchicin
  10. Weitere Stoffwechselmedikamente und Zusammenschau der Studienlage
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Koreanisch
  14. Russisch bis Türkisch
  15. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  16. Limitationen der Evidenz
  17. Offene Forschungsfragen
  18. Praktische Einordnung
  19. Glossar
  20. Quellenverzeichnis
  21. Diagramme
  22. Quellen s01–s117
  23. Quellen s118–s242
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle