Dieser Abschnitt ordnet ein, was die Literatur für die Fragestellung hergibt und was nicht. Er ist keine Therapieempfehlung und kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose. Er gibt keine Handlungsanweisung für einzelne Personen. Ob bei einem Mann eine Einschränkung der Spermienqualität vorliegt, lässt sich nur durch eine Samenanalyse im Labor und eine ärztliche Beurteilung klären, die auch andere Ursachen berücksichtigt.
Was die Studie über die einzelnen Produkte sagt
| Produktgruppe | Was beim Menschen vorliegt | Einordnung |
|---|---|---|
| Kreatin | Eine randomisierte Pilotstudie mit 15 Männern, gemischtes Ergebnis; eine Querschnittsstudie ohne Samenanalyse; Hormonstudie (Dihydrotestosteron) [s23, s39, s163] | Weder ein Nachweis einer Schädigung noch ein belastbarer Nachweis eines Nutzens; Datenlage zu dünn für eine Entscheidung in eine der Richtungen [s32] |
| Whey- und Proteinpulver | Eine Querschnittsstudie mit 778 jungen Männern ohne Zusammenhang; eine unkontrollierte Beobachtung an 20 subfertilen Männern mit höherer Konzentration nach Absetzen [s113, s119] | Keine gesicherte Aussage; die beiden Studien sind nicht vergleichbar, und die zweite lässt keine Aussage zur Wirkung zu |
| Energy-Drinks | Keine Studie mit Samenanalyse beim Menschen; Zusammenhänge bei hohem Konsum zuckergesüßter Getränke [s95, s51], nicht bei moderatem [s84] | Ein Zusammenhang für die Obergruppe der zuckergesüßten Getränke bei hohem Konsum ist in Beobachtungsstudien berichtet, Kausalität ist nicht belegt; für Energy-Drinks allein ist nichts bekannt |
| Koffein | Uneinheitlich [s137, s148, s21, s48, s104, s136] | Evidenz inkonsistent; die AUA/ASRM-Leitlinie führt Evidenz mittlerer Qualität für keinen Zusammenhang auf [s47] |
| Anabolika (keine Sportnahrung) | Mehrere Kohorten, Serien und Übersichten [s98, s71, s174, s167, s99] | Die Spermienbildung wird während der Einnahme unterdrückt; die Erholung ist bei der Mehrheit, aber nicht bei allen beobachtet und kann länger als ein Jahr dauern [s47, s175, s98, s57] |
| Verunreinigte Produkte | Sekundärangaben zu nicht deklarierten Steroiden [s119, s143, s43] | Plausibler Weg für ein Risiko, Häufigkeit aus der Studie nicht belastbar bezifferbar |
Wie die Befunde zu lesen sind
- Dünne Evidenz ist kein Beleg für Unbedenklichkeit und keiner für Schädlichkeit. Dass in den abgerufenen Leitlinien Kreatin, Proteinpulver und Energy-Drinks nicht vorkommen [s47, s175], besagt, dass sie dort nicht behandelt werden. Es besagt nicht, dass sie geprüft und unauffällig wären.
- Beobachtete Unterschiede in Studien sind Gruppenmittelwerte. Ein niedrigerer Mittelwert in einer Konsumgruppe heißt nicht, dass jeder Mann betroffen ist, und der einzelne Messwert schwankt auch ohne Einflussfaktoren natürlich. Die Autoren der Pilotbeobachtung nennen natürliche und saisonale Schwankungen selbst [s119].
- Das Bild ist durch Begleitumstände geprägt. In der Literatur kommt das stärkste Signal für eine Beeinträchtigung der Spermienbildung im Umfeld von Sportnahrung von anabolen Steroiden, also von einem Stoff, der nicht zur Sportnahrung gehört, aber parallel verwendet wird oder in einzelnen Produkten enthalten sein kann [s43, s142]. Für die Studie ist das ein zentraler Hinweis: Eine Beeinträchtigung bei einem Nutzer von Sportnahrung muss nicht vom Produkt selbst kommen, aber die Studie kann diese Frage nicht klären.
- Die Leitlinien beschreiben zu Anabolika. Die AUA/ASRM-Leitlinie führt auf, dass die aktuelle Einnahme anaboler Steroide die Fruchtbarkeit und Spermatogenese stark beeinflusst und unterdrückt, bei Evidenz niedriger Qualität für keinen Einfluss auf eine dauerhafte Infertilität [s47]. Das EAU-Kapitel beschreibt, dass die Spermienzahl und -qualität sich üblicherweise innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach dem Absetzen bessern, und dass dies auf Fallberichten und klinischer Erfahrung beruht [s175]. Die Studien zeigen zugleich eine große Streuung des Verlaufs [s98, s99]. Das sind Inhaltsangaben der Quellen.
- Zur Rolle von Nahrungsergänzung in Fruchtbarkeitsfragen. Die AUA/ASRM-Leitlinie hält fest, dass der Nutzen von Supplementen wie Antioxidantien und Vitaminen für die Behandlung männlicher Infertilität von fraglichem klinischem Nutzen sei und die Datenlage keine Empfehlung für bestimmte Wirkstoffe erlaube [s47]; das Cochrane-Review bewertet die Evidenz als niedrig bis sehr niedrig [s80]. Auch dies betrifft Männer mit Fruchtbarkeitsproblemen und nicht Sportnahrung.
- Kein Rückschluss auf Einzelfälle. Ein auffälliger Befund in einer Studie berechtigt nicht, ein Produkt für einen bestimmten Zustand verantwortlich zu machen; ein unauffälliger Befund in einer Studie nicht, einen bestimmten Mann für unbetroffen zu halten.
Wann die Studie auf ärztliche Abklärung verweist
Die Literatur zur männlichen Fruchtbarkeit verweist bei Kinderwunsch und auffälligen Befunden auf die ärztliche Abklärung, die eine Anamnese einschließlich Medikamenten, Anabolika und Supplementen, eine körperliche Untersuchung, Hormonwerte und eine Samenanalyse umfasst. Warum die Anamnese auch Anabolikagebrauch umfasst, zeigen die klinischen Serien: In der Serie aus Abu Dhabi kamen Männer nach einem Zyklus mit Libidoverlust, erektiler Dysfunktion und Gynäkomastie, 79 % mit auffälligem Ejakulat [s74]; eine Umfrage unter 151 Ärzten in den Emiraten zeigt, dass Behandelnde sich wegen fehlender Leitlinien oft nach persönlicher Erfahrung richten [s58]. Die vorliegende Studie liefert dafür keine Anleitung und ersetzt keine Beratung.
Was die Studie nicht kann
Sie kann für keine Person sagen, ob ein Produkt verträglich ist oder nicht. Sie bildet nur ab, was bis zum Stand der Recherche am 4. Oktober 2026 über die erreichbaren Wege in den durchsuchten Sprachräumen publiziert und abrufbar war. Neue Studien, insbesondere größere randomisierte Studien zu Kreatin und Proteinpulver, können das Bild verändern.