Kreatin, Proteinpulver und Sporternährung · Kapitel 7 von 21 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Anabole Steroide im Kraftsportumfeld und Nahrungsprotein, Milch, Fleisch und Ernährungsmuster

Anabole Steroide im Kraftsportumfeld

Anabole Steroide sind keine Sportnahrung, aber ein zentraler Störfaktor jeder Studie an Kraftsportlern. Die folgenden Beobachtungsstudien beschreiben das Schadensbild der Steroide selbst und ihre Verbreitung. Die Darstellung ist beschreibend; Behandlungsangaben der Originalarbeiten sind Inhaltsangaben und keine Empfehlung.

Knuth, Maniera und Nieschlag 1989, Fertility and Sterility [s174]. „Anabolic steroids and semen parameters in bodybuilders“. Retrospektiver Vergleich von 41 Bodybuildern mit 41 normalen Freiwilligen als Kontrollen (Alter 26,7 ± 0,7 Jahre, Gewicht 97,5 ± 2,0 kg; Steroiddosen bis zum 40-Fachen der klinisch üblichen Mengen). Nur 5 der Kontrollen, aber 24 der Bodybuilder hatten Spermienzahlen unter der unteren Normgrenze von 20 Millionen pro Milliliter; der Anteil beweglicher und normal geformter Spermien war bei den Bodybuildern signifikant verringert, in Abhängigkeit von der Dauer des Gebrauchs und dem Abstand zur letzten Einnahme. Wer seit mehr als vier Monaten abgesetzt hatte, hatte normale Spermienzahlen. Stärken: Kontrollgruppe, Dosisbezug. Schwächen: rückblickende Erfassung der Einnahme, kleine Gruppen, Alter der Studie, keine Konfidenzintervalle im Abstract. Einordnung: früher und deutlicher Befund einer steroidbedingten Beeinträchtigung mit Erholung nach Absetzen.

Torres-Calleja et al. 2001, Life Sciences [s170]. „Effect of androgenic anabolic steroids on sperm quality and serum hormone levels in adult male bodybuilders“. Vergleich von 30 Bodybuildern, 15 mit und 15 ohne Steroide. Bei den 15 Anwendern hatten 8 Spermienzahlen unter 20 Millionen pro Milliliter, 3 Azoospermie, 2 Polyzoospermie (so im Abstract) und 2 normale Zahlen; nur 17,7 % normal geformte Spermien. Hormone: FSH vermindert (1,5 ± 3,2 gegenüber 5,0 ± 1,6; p < 0,001) und Prolaktin vermindert (5,1 ± 4,9 gegenüber 9,2 ± 4,4; p < 0,01); LH, Testosteron, Östradiol und DHEA unverändert. Im Kontrollkollektiv hatte nur ein Mann eine Oligozoospermie. Stärken: Kontrollgruppe, Samenanalyse und Hormone. Schwächen: sehr klein; Einheiten und Standardabweichungen im Abstract nicht vollständig und teils schwer plausibel (so im Original abgedruckt); Mehrfachtests. Einordnung: stützt die Beeinträchtigung unter Steroiden, aber mit sehr kleinem Material.

Karila, Hovatta und Seppälä 2004, International Journal of Sports Medicine [s167]. „Concomitant abuse of anabolic androgenic steroids and human chorionic gonadotrophin impairs spermatogenesis in power athletes“. Klinische Verlaufsbeobachtung an 18 gesunden Kraftsportlern, die Steroide und hCG nahmen. Proben während der Einnahme sowie 1,5 und 6 Monate nach Beendigung; eine Befragung zur Zeugungsaktivität nach sechs Jahren. Spermienkonzentration am Zyklusende 33 ± 49 Millionen pro Milliliter (Mittel ± SD), nur ein Mann azoosperm; nach 1,5 Monaten 30 ± 42, nach 6 Monaten 77 ± 70 (signifikanter Unterschied zwischen der Probe nach 6 Monaten und den beiden früheren; p ≤ 0,05). Die hCG-Dosis korrelierte mit dem Anteil morphologisch abnormaler Spermien (r = 0,60; p < 0,01). Die Autoren sprechen von vorübergehender Beeinträchtigung bei fortbestehender Spermienbildung. Stärken: Verlauf mit mehreren Proben. Schwächen: kleine Gruppe, keine Kontrolle, Selbstberichte, die große Streuung (SD größer als der Mittelwert); das Ergebnis der Sechs-Jahres-Befragung steht nicht im abgerufenen Abstract. Einordnung: Hinweis auf eine Erholung binnen sechs Monaten bei diesen Männern; die Kombination mit hCG erschwert die Deutung.

Smit et al. 2021, Human Reproduction [s98]. „Disruption and recovery of testicular function during and after androgen abuse: the HAARLEM study“. Prospektive Beobachtungskohorte an 100 männlichen Freizeitsportlern über ein Jahr. Eingeschlossen waren Männer, die seit mindestens drei Monaten keine Androgene genommen hatten und innerhalb von zwei Wochen einen Zyklus beginnen wollten. Messungen vor Beginn (T0), am Ende (T1), drei Monate nach dem Ende (T2) und ein Jahr nach Beginn (T3): Gonadotropine, Geschlechtshormone, Samenanalyse. Während der Einnahme hatten 77 % eine Gesamtspermienzahl (TSC) unter 40 Millionen. Drei Monate nach Zyklusende waren Gesamttestosteron (−1,9 nmol/L; KI −12,2 bis 8,33; P = 0,71) und freies Testosteron (−38,6 pmol/L; KI −476 bis 399; P = 0,86) nicht verschieden vom Ausgangswert, die mittlere TSC lag aber um 61,7 Millionen niedriger (KI 33,7 bis 90,0; P < 0,01). Zum Ende der Nachbeobachtung (T3) war Testosteron weiter unauffällig (gesamt −0,82 nmol/L; KI −11,5 bis 9,86; P = 0,88; frei −25,8 pmol/L; KI −480 bis 428; P = 0,91), die TSC jedoch noch um 29,7 Millionen niedriger (KI −59,1 bis −0,39; P = 0,05). Bei neun Männern (11 %) lag Testosteron am Ende unter der Norm, 25 Männer (34 %) hatten weiter eine TSC unter 40 Millionen. Die Autoren sehen bei der Mehrheit, aber nicht bei allen eine Erholung, möglicherweise besonders bei hoher Vorbelastung. Stärken: prospektiv mit Ausgangswert, Samenanalyse, Konfidenzintervalle. Schwächen: keine Kontrollgruppe ohne Steroide; wachsender Datenverlust (die Anteile zu T3 beziehen sich auf eine kleinere Zahl, wie die Prozentwerte nahelegen); die Nachbeobachtung war nach Angabe der Autoren für die langsame Erholung zu kurz; selbstgewählte, nicht standardisierte Zyklen. Einordnung: Die bestdokumentierte prospektive Beobachtung der Recherche zur Spermienbildung unter Steroiden; sie zeigt eine unvollständige Erholung nach einem Jahr bei etwa einem Drittel.

Al Hashimi 2022, Andrologia [s74]. „The deleterious effects of anabolic androgenic steroid abuse on sexual and reproductive health and comparison of recovery between treated and untreated patients: Single-center prospective randomized study“ (Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate). Prospektive Einzelzentrumsstudie, Juni 2012 bis Juni 2019; 774 Männer gesichtet, 520 eingeschlossen (254 ausgeschlossen); mittleres Alter 32 ± 4 Jahre. Die Kurdauer betrug meist 8 bis 12 Wochen (64 %); 76 % folgten dem Rat des Trainers; Zweck waren Fitnesstraining (63 %) und Aussehen (25 %). Vor dem Zyklus war das Ejakulat bei allen Männern normal (Konzentration 31 ± 2,2 und 32 ± 2,1 Millionen pro Milliliter in den späteren Behandlungs- bzw. Beobachtungsgruppen; Gesamtbeweglichkeit 74 ± 3,2 % und 76 ± 2,1 %). Bei Vorstellung hatten 411 Männer (79 %) ein auffälliges Ejakulat, davon 337 (82 %) mit einer Kombination aus Oligo-, Azoo- und Asthenozoospermie; Oligozoospermie bei 279 (68 %, Mittelwert 6 ± 1,8 Millionen pro Milliliter), Azoospermie bei 33 (8 %), Asthenozoospermie bei 251 (61 %). Typische Beschwerden: Libidoverlust (72 %), erektile Dysfunktion (68 %), Gynäkomastie (35 %). Nach drei Monaten Beobachtung entschieden sich 463 Männer (89 %) für eine Behandlung, 57 (11 %) blieben unbehandelt; die Behandelten erholten sich bei IIEF, Hormonen, Hodenvolumen und Samenparametern schneller (p < 0,005). Von den 94 Männern mit Kinderwunschproblem (18 %; 61 Oligozoospermie, 33 Azoospermie) erreichten nach 12 Monaten 14 (15 %) eine Schwangerschaft; alle Azoospermiepatienten blieben infertil. Schwächen und Unstimmigkeiten: Die Zuteilung zu Behandlung oder Beobachtung erfolgte nach Wunsch der Patienten, die Bezeichnung „randomisiert“ im Titel trifft daher nicht im üblichen Sinn zu; der Text nennt 74 Männer mit Infertilität, der Abstract 94 (18 % von 520); Tabelle 2 gibt für den 6-Monats-Vergleich IIEF 18 ± 2,0 gegenüber 9 ± 1,4 mit p = 1,0000 an, während der Text signifikante Unterschiede ab 6 Monaten berichtet. Konfidenzintervalle fehlen. Einordnung: Die Studie beschreibt das Schadensbild bei einer großen, klinisch vorselektierten Gruppe; über Nahrungsergänzung enthält sie keine Daten, und die Unterschiede zwischen den Gruppen sind wegen der Selbstselektion nicht als Behandlungseffekt zu lesen.

Al Hashimi, Farahat, Kandil und Al Khalidi 2023, Health Science Reports [s58]. „Androgenic-anabolic steroid abuse trend and management: A prospective, cross-sectional, questionnaire-based survey“ (Vereinigte Arabische Emirate). Online-Umfrage mit 30 Fragen unter 151 Ärzten (68,21 % Urologen, 22,51 % Andrologen, 9,28 % Endokrinologen). 90,73 % sahen eine Zunahme des Anabolikamissbrauchs, vor allem bei jungen Männern; Betroffene kamen mit Infertilität (64,24 %) und erektiler Dysfunktion (59,60 %); bei der Abklärung fanden sich auffällige Ejakulatbefunde (77,48 %), auffällige Hormone (94,70 %) und kleinere Hoden (50,33 %). Erwartet wurde eine Spontanerholung binnen 6 bis 12 Monaten; ein Drittel erlitt Rückfälle. Als Vorgehen nannten 44,37 % sofortige Behandlung, 32,45 % Abwarten; 44,44 % richteten sich nach persönlicher Erfahrung, weil Leitlinien fehlen. Das sind Einschätzungen von Ärzten, keine Patientendaten; die Angaben zum Vorgehen sind Inhaltsangaben. Schwächen: Rücklaufquote im Abstract nicht angegeben, Selbstauskunft, Selektion. Einordnung: spiegelt die klinische Wahrnehmung, nicht die Häufigkeit in der Bevölkerung.

İbis et al. 2026, BJU International [s15]. „Post-cycle therapy after short-term anabolic-androgenic steroid use: comparative outcomes in recreational bodybuilders“ (Türkei, Zweizentrenstudie). Retrospektive Kohortenstudie an 79 Freizeit-Bodybuildern mit höchstens sechs Monaten Anabolikaanwendung und dokumentiert normalem Ausgangsbefund. Verglichen wurden Beobachtung ohne Behandlung, Clomifen allein und Clomifen plus hCG; bei FSH unter 1,5 IU/L wurde rekombinantes FSH vorgeschlagen. Ausgangslage: erektile Dysfunktion bei 89,9 %, Azoospermie oder schwere Oligozoospermie bei 69,7 %. Nach 12 Monaten waren 87,5 % (Clomifen plus hCG), 69,2 % (Clomifen) und 58,6 % (ohne Behandlung) normozoosperm; das Hodenvolumen stieg um mindestens 20 % bei 70,8 % (Clomifen plus hCG) gegenüber 6,9 % (ohne Behandlung). Odds Ratio für Normozoospermie mit Kombinationstherapie 6,23 (95-%-KI 1,32 bis 29,4), für die Beweglichkeitserholung 4,85 (1,27 bis 18,4); alle fünf Männer mit rekombinantem FSH waren nach 12 Monaten normozoosperm. Die Autoren berichten, dass sich die Hormone innerhalb von 6 bis 12 Monaten nach Absetzen spontan erholten. Stärken: dokumentierter Ausgangsbefund, Konfidenzintervalle. Schwächen: retrospektiv, nicht randomisiert, kleine Untergruppen mit weiten Konfidenzintervallen; die Gründe der Therapiewahl sind im Abstract nicht beschrieben (Vermischung mit dem Schweregrad möglich). Wichtig für die Einordnung: Auch in der unbehandelten Gruppe erreichten 58,6 % nach 12 Monaten Normozoospermie. Diese Zahlen sind eine Beschreibung der Studie, keine Behandlungsempfehlung dieses Kapitels.

Eraslan et al. 2026, Journal of Ethnicity in Substance Abuse [s07]. „Effects of anabolic-androgenic steroids on blood parameters in Turkish male gym participants: a comparison of users and non-users“ (Antalya und Izmir, Türkei). Retrospektive Querschnittsanalyse von 161 männlichen Freizeitsportlern (18 bis 50 Jahre) mit Messung von LH, FSH und Gesamttestosteron zwischen 2015 und 2025. Als Anwender galten Sportler mit unterdrückten Gonadotropinen; das waren 57 (35,4 %; mediane Werte LH 0,12 IU/L, FSH 0,17 IU/L); 54,5 % waren 18 bis 25 Jahre alt. Anwender hatten höhere Werte für Gesamttestosteron, Vitamin B12, Kreatinin, Leberwerte, Erythrozyten, Hämatokrit, Hämoglobin und Thrombozyten sowie niedrigeres HDL; die Autoren nennen zusätzlich eine höhere Neigung zur Einnahme von Vitaminpräparaten. Schwächen: Die Einstufung als Anwender erfolgte über das Hormonbild, nicht über Selbstauskunft (Fehlklassifikation möglich); retrospektiv; klinisch vorselektierte Sportler (nur wer Hormone bestimmen ließ); keine Spermiendaten; Konfidenzintervalle im Abstract nicht angegeben. Der Anteil von 35,4 % ist daher kein Prävalenzwert für Fitnessstudio-Besucher allgemein. Einordnung: zeigt, wie häufig Hormonbefunde einer Steroidanwendung in einer klinischen Stichprobe sind.

Jambi et al. 2024, Saudi Pharmaceutical Journal [s50]. „The assessment of liver function test and fertility hormones in Saudi athletes using anabolic androgenic steroids“ (Dschidda, Saudi-Arabien). Fall-Kontroll-Vergleich von 10 Anabolika-Anwendern (laut Fragebogen überwiegend Testosteronpropionat mit 41,18 %, danach Testosteronenanthat und Nandrolondecanoat mit je 11,76 %) und 6 Nichtanwendern. Alter 34 ± 4 gegenüber 28 ± 2 Jahre (von den Autoren als ähnlich bewertet, P > 0,05), BMI 29 ± 2 gegenüber 25 ± 4 kg/m² (P < 0,05). Mediane (Quartile) bei Anwendern gegenüber Kontrollen: LH 0,1 (0,1 bis 0,97) gegenüber 2,7 (1,44 bis 3,95) mIU/ml; FSH 0,05 (0,05 bis 0,07) gegenüber 2,71 (2,30 bis 4,99) mIU/ml; Gesamttestosteron 89,9 (24,8 bis 135) gegenüber 20,5 (17,8 bis 24,3) nmol/l; Östradiol 136,5 (75,7 bis 312) gegenüber 57,5 (37 bis 90) pmol/l; Prolaktin bei Anwendern 12,2 (6,07 bis 15,09) ng/ml (alle P < 0,05). Leber- und Muskelenzyme: AST 44,50 gegenüber 20,00 U/l, ALT 69 gegenüber 22,50 U/l, Kreatinkinase 856 gegenüber 362 U/l, LDH 237,5 gegenüber 181,5 U/l (P < 0,05); Albumin 43 ± 2 gegenüber 47 ± 2 g/l. Es wurde keine Spermienanalyse durchgeführt; die Autoren empfehlen sie für künftige Arbeiten. Schwächen: nur 16 Teilnehmer, Selbstauskunft zu Substanzen und Dosen, Anwender mitten im Zyklus (die hohen Testosteronwerte spiegeln die Zufuhr), Altersunterschied von sechs Jahren. Einordnung: Hormonbild einer aktiven Steroidanwendung, keine Aussage zu Spermien.

Mubarak et al. 2025, Substance Abuse and Rehabilitation [s38]. „Abnormalities in Blood Parameters in Athletes Taking Anabolic Androgenic Steroidal Agents; an Observational Clinical Study“ (Mekka, Saudi-Arabien). Beobachtungsstudie mit Online-Fragebogen (31 Männer, 24 bis 45 Jahre), davon 18 mit Blutuntersuchung. 94 % nutzten Anabolika zu nichttherapeutischen Zwecken, 96 % Kombinationen, 74 % zusätzlich weitere Präparate, am häufigsten Leberschutzmittel (84 %); die häufigste Kombination war Testosteron plus Wachstumshormon (45 %). 74 % berichteten Nebenwirkungen, 28 % hatten eine ärztliche Diagnose (zum Beispiel Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung oder Infertilität). Gemessen wurden hohe Testosteron-, Prolaktin-, ALT-, AST- und Lipidwerte sowie niedrige LH- und FSH-Werte. Schwächen: sehr kleine, selbst rekrutierte Stichprobe; keine Kontrollgruppe laut Abstract; keine Spermienanalyse. Einordnung: Zeigt ein Umfeld mit Mehrfachkonsum, in dem Supplemente und Steroide zusammen vorkommen.

Lykhonosov und Babenko 2019, Проблемы эндокринологии (Problemy endokrinologii) [s120]. „Медицинский аспект использования анаболических андрогенных стероидов у мужчин, посещающих тренажерные залы Санкт-Петербурга“ (Medizinischer Aspekt der Anwendung anabolisch-androgener Steroide bei Männern, die Fitnessstudios in Sankt Petersburg besuchen). Anonyme postalische Querschnittsumfrage; 1.815 Fragebögen verschickt, 762 zurück, 550 auswertbar; mittleres Alter 29,3 ± 7,4 Jahre. 30,4 % der Befragten gaben Anabolikaanwendung an; die Hauptanwender (74,3 %) waren 22 bis 35 Jahre alt. Meistgenutzt wurde Testosteronpropionat (51,5 %), häufig kombiniert mit Oxandrolon (19,7 %). Injektion oder Kombination mit Tabletten lag bei 70,6 %; Testosterondosen reichten von 500 bis 2.000 mg pro Woche und mehr, am häufigsten 1.000 mg pro Woche (23,9 %); eine Anwendung über mehr als ein Jahr gaben 16,1 % an. In der Erholungsphase wurden Anastrozol (55 %), hCG (51,3 %), Clomifen (41,3 %) und Tamoxifen (30,5 %) genannt. Hauptinformationsquelle war das Internet (48,7 %); 17,3 % hatten eine ablehnende Haltung, 54,8 % wünschten qualifizierte Information. Im Volltext steht, dass 49,5 % (n = 272) Präparate außerhalb der Anabolika verwendeten, davon 52,9 % (n = 144) zusammen mit Anabolika; Nahrungsergänzungsmittel hätten 5,4 % der Befragten benutzt (die Bezugsgruppe dieser Zahl ist im gelesenen Text nicht eindeutig). Die Einleitung verweist auf Berichte, wonach Sportlernahrung und manche als „steroidfrei“ vermarktete Nahrungsergänzungsmittel Anabolika enthalten können. Schwächen: geringer Rücklauf (762 von 1.815), Selbstauskunft, Selektion der Befragten; keine Spermienparameter. Einordnung: Hohe Selbstangabe von Steroidgebrauch in Fitnessstudios, aber mit Rücklaufverzerrung; die Angabe 30,4 % und der Wert aus [s07] sind wegen unterschiedlicher Definitionen nicht vergleichbar.

Lykhonosov, Babenko, Makarin und Fedotov 2020, Проблемы эндокринологии (Problemy endokrinologii) [s110]. „Особенности восстановления системы гипофиз-гонады у мужчин после использования андрогенных анаболических стероидов“ (Besonderheiten der Erholung der Hypophysen-Gonaden-Achse bei Männern nach Anwendung androgener anabolischer Steroide). Prospektive, offene, unkontrollierte Einzelzentrumsstudie aus Sankt Petersburg an 44 Männern, Alter 29 Jahre [27,75; 34], Anwendungsdauer 6 Monate [3,52; 7]. Während der Anwendung: LH 0,2 mIU/ml [0,04; 0,47], Gesamttestosteron 4,34 ng/ml [1,05; 8,81]; LH unter 1,24 mIU/ml bei 84 % (n = 37), Testosteron unter 3,4 ng/ml bei 47,7 % (n = 21). Nach 3 Monaten Pause mit einheitlicher Erholungstherapie: LH 4,12 mIU/ml [2,58; 5,84], Testosteron 4,55 ng/ml [3,76; 6,24]; unter dem Grenzwert blieben noch 20,5 % (n = 9) beim Testosteron und 4,5 % (n = 2) beim LH. Befriedigende Erholung bei 35 Männern (79,5 %), mangelhafte bei 9 (20,5 %). Korrelationen mit der Erholung des Testosterons: Anwendungsdauer (−0,857; p < 0,0001), Zahl der Präparate (−0,443; p = 0,003), Dosis (−0,7825; p < 0,0001), Präparatetyp (−0,698; p < 0,0001); Inhibin B korrelierte mit Testosteron (0,418; p = 0,005) und wird von den Autoren als möglicher Marker für das Keimepithel genannt. Schwächen: keine Kontrollgruppe (Spontanerholung und die verabreichte Erholungstherapie nicht trennbar), nur drei Monate, hormonelle statt Ejakulat-Endpunkte; die Angaben zur Therapie sind Inhaltsangaben. Einordnung: Zeigt eine Dosis- und Dauerabhängigkeit der hormonellen Erholung, nicht der Spermienerholung.

Hariri et al. 2019, Research and Reports in Urology [s116]. „Prevalence and awareness of varicocele among athletes in Riyadh, Saudi Arabia“ (Saudi-Arabien). Querschnittsstudie in Fitnesszentren (Bodybuilding und Aerobic); 382 Interviews zu Wissen und Verhalten, bei 48 zufällig ausgewählten Teilnehmern zusätzlich klinische Untersuchung und Doppler-Ultraschall. 157 (41 %) wussten nichts über Varikozele. Von den 48 untersuchten Männern hatten 22 (46 %) eine Varikozele. Es gab keinen Unterschied zwischen Bodybuildern und Aerobic-Sportlern (P = 0,249) und nicht nach Dauer der Einheit (eine Stunde oder mehr, P = 0,131), aber mehr Varikozelen bei Training mehr als dreimal pro Woche (P = 0,009); das Hodenvolumen unterschied sich nicht. Schwächen: nur 48 untersuchte Männer, keine Vergleichsgruppe Nichtsportler, keine Samenanalyse. Einordnung: Das ist weder ein Nahrungsergänzungs- noch ein Spermienbefund; es zeigt, dass in diesem Umfeld ein bekannter Fertilitätsfaktor gehäuft vorkommen kann.

Nahrungsprotein, Milch, Fleisch und Ernährungsmuster

Diese Studien betreffen Protein aus Lebensmitteln, nicht aus Pulvern. Whey ist ein Milcheiweiß, daher sind Milchproduktstudien für die Fragestellung nur indirekt relevant.

Abdollahi et al. 2022, Clinical Nutrition ESPEN [s73]. „The relationship between plant and animal based protein with semen parameters: A cross-sectional study in infertile men“ (Isfahan, Iran). Querschnittsstudie an 270 infertilen Männern (18 bis 55 Jahre) der Isfahan-Kinderwunschklinik, 2018; Samenanalyse nach der fünften Auflage des WHO-Handbuchs, 168-Punkte-Ernährungsfragebogen. Für die Spermienkonzentration ergab sich beim höchsten Tertil der pflanzlichen Proteinzufuhr ein Odds Ratio von 0,38 (95-%-KI 0,19 bis 0,75; P = 0,004) im Rohmodell, adjustiert 0,36 (0,18 bis 0,72; P = 0,003) und 0,31 (0,14 bis 0,65; P = 0,002) in einer weiter adjustierten Variante. Für tierisches Protein im höchsten Tertil lag das Odds Ratio roh bei 2,32 (1,13 bis 4,76; P = 0,02), adjustiert bei 2,38 (1,16 bis 4,91; P = 0,02) bzw. 2,42 (1,13 bis 5,19; P = 0,02); für die Morphologie roh bei 3,68 (0,97 bis 13,91; P = 0,04). Das Abstract (am Original geprüft) bezeichnet den Ausgang nicht eindeutig, es nennt für das höchste Tertil des tierischen Proteins ein „höheres Risiko“; ob damit ein höheres Risiko für eine abnorme Konzentration gemeint ist, bleibt im Abstract unausgesprochen. Auffällig: Das Konfidenzintervall der Morphologie (0,97 bis 13,91) schließt 1 ein, während ein P-Wert von 0,04 angegeben ist; das passt nicht ohne Weiteres zusammen und wird im Abstract nicht erklärt. Stärken: Nahrungsprotein nach pflanzlicher und tierischer Quelle getrennt, Konfidenzintervalle. Schwächen: nur Männer einer Kinderwunschklinik, Querschnitt, Fragebogen, Ausgang unklar bezeichnet. Einordnung: Hinweis, dass die Quelle des Proteins eine Rolle spielen könnte; für Proteinpulver nicht aussagekräftig.

Ghiasvand et al. 2020, Nutrition Journal [s106]. „The association between animal flesh foods consumption and semen parameters among infertile Iranian men: a cross-sectional study“. Querschnittsstudie an 400 neu diagnostizierten (unter sechs Monaten) infertilen Männern, diagnostiziert von einem Andrologen; semiquantitativer Ernährungsfragebogen; Gesamtfleisch war definiert als Summe aus rotem Fleisch, Geflügel, frischem Fisch, Konservenfisch, verarbeitetem Fleisch und Innereien; lineares gemischtes Modell. Konservenfisch war invers mit unbeweglichen Spermien verbunden: niedrigstes Quartil 52,5 % (95-%-KI 47 bis 57) gegenüber höchstem 47,4 % (43 bis 51); P-Trend = 0,026. Für frischen Fisch zeigte sich ein Trend zu einem inversen Zusammenhang (P-Trend = 0,074); die Schlussfolgerung des Abstracts sagt dennoch, ein hoher Konsum frischen Fisches habe den Anteil unbeweglicher Spermien erhöht. Das widerspricht der im Abstract berichteten Trendrichtung und ist unaufgelöst; hier werden nur die berichteten Zahlen wiedergegeben. Rotes Fleisch, verarbeitetes Fleisch, Geflügel und Innereien zeigten keine Assoziation (P-Trend > 0,05). Stärken: Männer neu diagnostiziert, getrennte Fleischgruppen. Schwächen: Querschnitt, Fragebogen, Auswahl infertiler Männer, mehrere Vergleiche, in sich uneinheitlicher Abstract. Einordnung: Kein Zusammenhang für die Mehrzahl der Fleischgruppen.

Afeiche et al. 2014, Epidemiology [s152]. „Meat intake and reproductive parameters among young men“ (Rochester, USA). Querschnittsstudie „Rochester Young Men's Study“ an 189 Männern von 18 bis 22 Jahren. Verarbeitetes rotes Fleisch und Gesamtspermienzahl: bereinigte Differenzen über die Quartile 0 (Referenz), −3 (−67 bis 37), −14 (−82 bis 28) und −78 (−202 bis −5) Millionen (P-Trend = 0,01). Der Zusammenhang war am stärksten bei einer Karenzzeit unter zwei Tagen und ging vom Ejakulatvolumen aus (P-Trend = 0,003); die Autoren können Residualkonfusion durch die Karenzzeit nicht ausschließen. Stärken: junge, nicht nach Fruchtbarkeit ausgewählte Männer, Konfidenzintervalle. Schwächen: nur 189 Männer, sehr breite Konfidenzintervalle, Residualkonfusion durch die Karenzzeit nicht auszuschließen. Einordnung: Hinweis auf einen Zusammenhang mit verarbeitetem Fleisch, nicht mit Fleisch insgesamt.

Maldonado-Cárceles et al. 2019, British Journal of Nutrition [s122]. „Meat intake in relation to semen quality and reproductive hormone levels among young men in Spain“ (Murcia). Querschnittsstudie an 206 Männern von 18 bis 23 Jahren. Die Gesamtfleischzufuhr war weder mit der Samenqualität noch mit Hormonen verbunden. Meeresfrüchte waren positiv mit der progressiven Motilität verbunden (Quartile 45,2; 42,0; 49,4; 53,2 %; P-Trend ≤ 0,001); Innereien mit niedrigerer progressiver Motilität (51,5 gegenüber 42,8 %; P = 0,001) und höherem LH (4,0 gegenüber 4,6 IU/L; P = 0,03); der Verzehr von Meeresfrüchten und Innereien war gering. Stärken: junge Männer, Hormone. Schwächen: Querschnitt, kleine Stichprobe, geringer Verzehr einzelner Gruppen (daher unsichere Schätzer); Konfidenzintervalle im Abstract nicht berichtet. Einordnung: Die Gesamtfleischmenge spielte keine Rolle.

Afeiche et al. 2013, Human Reproduction [s156]. „Dairy food intake in relation to semen quality and reproductive hormone levels among physically active young men“ (Rochester, USA). Querschnittsstudie an 189 Männern. Die Gesamtzufuhr von Milchprodukten war invers mit der Spermienmorphologie verbunden (P-Trend = 0,004), getrieben von fettreichen Produkten, vor allem Käse; die Differenz der normalen Morphologie betrug −3,2 % (−4,5 bis −1,8) zwischen oberer und unterer Hälfte der Zufuhr fettreicher Milchprodukte. Stärken: körperlich aktive junge Männer, Konfidenzintervalle. Schwächen: Querschnitt, 189 Männer, Morphologie ist ein stark methodenabhängiger Parameter. Einordnung: Milchprodukte, nicht Molkenprotein; der Bezug zu Whey ist nur indirekt.

Afeiche et al. 2014, Fertility and Sterility [s151]. „Dairy intake and semen quality among men attending a fertility clinic“. Längsschnittstudie an 155 Männern eines Kinderwunschzentrums. Fettarme Milchprodukte (höchstes Quartil 1,22 bis 3,54 Portionen pro Tag) gingen mit 33 % (95-%-KI 1 bis 55) höherer Konzentration und 9,3 Prozentpunkten (1,4 bis 17,2) höherer Motilität einher; fettarme Milch mit 30 % (1 bis 51) bzw. 8,7 Prozentpunkten (3,0 bis 14,4). Käse bei Rauchern und Ex-Rauchern: höchstes Tertil (0,82 bis 2,43 Portionen pro Tag) mit 53,2 % (9,7 bis 75,7) niedrigerer Konzentration. Stärken: Längsschnitt mit mehreren Proben, Konfidenzintervalle. Schwächen: Männer in Kinderwunschbehandlung, mehrere Teilgruppen, die untere Grenze mancher Intervalle liegt bei 1 und damit an der Nullgrenze. Einordnung: Gegensätzliche Muster für fettarme und fettreiche Milchprodukte; Beobachtung, nicht Wirkung.

Liu et al. 2015, PLoS ONE [s144]. „The Association between Dietary Patterns and Semen Quality in a General Asian Population of 7282 Males“ (Taiwan). Querschnittsstudie an 7.282 gesunden taiwanischen Männern ab 18 Jahren aus einem standardisierten Vorsorgeprogramm eines privaten Unternehmens, 2008 bis 2013. Ernährungsfragebogen mit fünf Mustern („gesunde Ernährung“, „westliche Ernährung“, „kohlenhydratreich“, „viele süße Snacks und zuckergesüßte Getränke“, „natriumreich“); erfasst wurden Konzentration, Gesamtmotilität, progressive Motilität und normale Morphologie. Mit stärkerer westlicher Ernährung sanken Konzentration und normale Morphologie linear (beide P < 0,001). Viele süße Snacks und zuckergesüßte Getränke gingen mit niedrigerer Konzentration einher (P = 0,001). Kohlenhydratreiche Kost war mit häufiger abnormaler Gesamt- und progressiver Motilität verbunden (P = 0,012 und P = 0,025), natriumreiche Kost mit häufiger abnormaler Morphologie (P = 0,035). Effektgrößen oder Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht. Stärken: sehr große Stichprobe, vollständige Samenparameter, Allgemeinbevölkerung statt Kinderwunschpatienten. Schwächen: Querschnitt, Fragebogenmuster statt gemessener Zufuhr, Selektion durch ein privates Vorsorgeprogramm, keine Angaben zu Kreatin, Protein oder Energy-Drinks; das Muster „süße Snacks und Getränke“ bündelt Zucker, Koffein und weitere Bestandteile. Einordnung: größte Einzelstudie der Recherche, aber ohne Effektstärken.

Mai et al. 2023, Reproductive Health [s68]. „Association of diet and lifestyle factors with semen quality in male partners of Chinese couples preparing for pregnancy“ (Guangzhou, China). Querschnittsstudie mit logistischer Regression an 466 Männern der Vorsorgesprechstunde des Guangzhou Women and Children's Medical Center, 2021 bis 2023. Rauchen verschlechterte die progressive Motilität (38,0 % gegenüber 36,0 %; P = 0,049). Alkohol senkte die progressive Motilität (40,5 ± 17,8 % gegenüber 34,7 ± 16,1 %; P < 0,001) und die Gesamtmotilität (56,0 % gegenüber 64,0 %; P = 0,001). Mehr Milchprodukte gingen mit besserer Motilität einher (54,5 %, 56,0 %, 63,0 %; P = 0,033), häufigerer Eierkonsum mit größerem Samenvolumen (3,1; 3,8 und 4,0 ml; P = 0,038). Ausreichender Schlaf verbesserte die Gesamtmotilität (52,7 % gegenüber 61,5 %; P = 0,013). Im Regressionsmodell waren Milch (OR 0,18; KI 0,06 bis 0,51; P = 0,001) und Eier (OR 0,11; KI 0,03 bis 0,55; P = 0,006) „schützend“ für das Samenvolumen. Das Abstract berichtet außerdem, dass Plastikflaschen für Öl oder Würzmittel die Spermienkonzentration senkten (P = 0,032), nennt aber im Regressionsmodell die Verwendung von Plastikbehältern für Würzmittel einen „Schutzfaktor“ für Volumen (OR 0,12; KI 0,03 bis 0,55), Konzentration (OR 0,001; KI 0,00 bis 0,30) und Zahl (OR 0,12; KI 0,03 bis 0,48). Schwächen: Die Angaben im Abstract widersprechen sich teilweise (Plastikbehälter erst als Nachteil, dann als „Schutzfaktor“; die Richtung der Odds Ratios ist nicht erklärt); auch das Fazit des Abstracts („Milch, Raufutter und Eier könnten die Samenqualität verringern“) steht quer zu den berichteten Einzelbefunden; einige Zahlen im Abstract sind formal beschädigt und werden deshalb nicht wiedergegeben; kleine Gruppen, sehr breite Konfidenzintervalle, Querschnitt. Einordnung: Die Studie eignet sich nicht für Schlüsse zu Sportnahrung.

Huang et al. 2023, Human Reproduction Open [s64]. „Association between dietary total antioxidant capacity and semen quality among men attending an infertility clinic: a cross-sectional study“ (Shenyang, China). Querschnittsstudie von Juni bis Dezember 2020 an 1.715 Männern einer Kinderwunschklinik; vier Indizes der antioxidativen Gesamtkapazität der Nahrung (FRAP, ORAC, TRAP, TEAC); Quantilregression. Der einzige signifikante Zusammenhang war eine inverse Beziehung zum Ejakulatvolumen (FRAP kontinuierlich: β = −0,015; 95-%-KI −0,023 bis −0,006; oberstes gegenüber unterstem Terzil β = −0,193; KI −0,379 bis −0,006; P für Trend = 0,007; TRAP oberstes gegenüber unterstem Terzil β = −0,291; KI −0,469 bis −0,112; P für Trend = 0,002). Die übrigen Indizes zeigten keinen signifikanten Zusammenhang mit Samenparametern. Stärken: einheitliche Laborverfahren, mehrere Indizes, gut berichtete Konfidenzintervalle. Schwächen: Querschnitt, Schätzung der antioxidativen Kapazität aus Fragebogendaten, Kliniktyp, überwiegend Nullbefund. Die Förderung nennt Liaoning und das Shengjing Hospital; ob sich die Teilnehmer mit denen der Fall-Kontroll-Studien aus Shenyang [s100, s82, s83, s79] überschneiden, geben die Abstracts nicht an. Einordnung: Mehr Antioxidantien über die Nahrung zeigten in dieser Population keinen Gewinn bei den Samenparametern; die Arbeit betrifft keine Sportprodukte.

Wang et al. 2021, Frontiers in Nutrition [s100]. „The Association Between Dairy Product Consumption and Asthenozoospermia Risk: A Hospital-Based Case-Control Study“ (Shenyang, China). Klinikbasierte Fall-Kontroll-Studie am Shengjing Hospital, Juni bis Dezember 2020; 549 Männer mit Asthenozoospermie und 581 normozoosperme Kontrollen. Validierter Verzehrhäufigkeitsfragebogen; Samenparameter nach WHO mit Messgerät und Durchflusszytometrie; Terzile nach der Verteilung der Kontrollen; unbedingte logistische Regression. Oberstes gegenüber unterstem Terzil: Milchprodukte gesamt OR 1,19 (95-%-KI 0,85 bis 1,67), Protein aus Milchprodukten OR 1,19 (0,85 bis 1,68), Fett OR 1,28 (0,91 bis 1,80), Kalzium OR 1,20 (0,85 bis 1,68), gesättigte Fettsäuren OR 1,30 (0,92 bis 1,83), Phosphor OR 1,18 (0,84 bis 1,67). Nach Schichtung für BMI unter 25 kg/m² war gesättigtes Fett aus Milchprodukten mit höherem Risiko verbunden (OR 1,76; 1,01 bis 3,09). Stärken: validierter Fragebogen, gleiche Klinik für Fälle und Kontrollen, Konfidenzintervalle. Schwächen: Rückblick auf die Ernährung bei bereits diagnostizierter Störung (Erinnerungsfehler), eine Klinik, Subgruppenanalyse ohne erkennbare Korrektur für Mehrfachvergleiche; dieselbe Studienbasis wie [s83] und weitgehend wie [s82], daher keine unabhängigen Belege. Einordnung: Das Milchprotein ist das einzige Nahrungseiweiß, das in dieser Arbeit getrennt ausgewiesen wird; es zeigt keinen signifikanten Zusammenhang. Whey als Pulver ist nicht abgebildet.

Liu et al. 2022, Nutrients [s82]. „Associations between Meat and Vegetable Intake, Cooking Methods, and Asthenozoospermia: A Hospital-Based Case-Control Study in China“ (Shenyang, China). Klinikbasierte Fall-Kontroll-Studie mit 552 Fällen und 585 Kontrollen; validierter Fragebogen; Diagnose nach der fünften Auflage des WHO-Handbuchs. Oberstes gegenüber unterstem Terzil: Gesamtfleisch OR 0,56 (95-%-KI 0,37 bis 0,87), unverarbeitetes Fleisch OR 0,61 (0,40 bis 0,93), verarbeitetes Fleisch OR 1,44 (1,01 bis 2,06), rohes Gemüse OR 0,67 (0,45 bis 0,98), Anbraten des Fleisches OR 1,58 (1,02 bis 2,46). Stärken: dieselbe Klinik für Fälle und Kontrollen, Kochmethoden als zusätzliche Dimension. Schwächen: Die Konfidenzintervalle reichen nahe an 1; viele Einzelvergleiche; Erinnerungsfehler; Fleisch dient als Proxy für tierisches Eiweiß, ohne dass Eiweißmenge oder Supplementnutzung getrennt würden; die Studienbasis überschneidet sich mit [s100] und [s83]. Einordnung: gegenläufige Befunde für unverarbeitetes und verarbeitetes Fleisch; nicht auf Eiweißpulver übertragbar.

Lv et al. 2022, Frontiers in Nutrition [s83]. „Intake of ultra-processed foods and asthenozoospermia odds: A hospital-based case-control study“ (Shenyang, China). Klinikbasierte Fall-Kontroll-Studie mit 549 Fällen und 581 Kontrollen, Juni bis Dezember 2020 (dieselbe Studienbasis wie [s100]). Klassifikation nach NOVA (Verarbeitungsgrad), Fragebogen, WHO-Samenanalyse. Oberstes gegenüber unterstem Terzil (Anteil der Gesamtenergie): OR 1,53 (95-%-KI 1,12 bis 2,10; P für Trend < 0,05). Ähnliche Muster in Untergruppen: Alter mindestens 32 Jahre OR 1,58 (1,04 bis 2,40), BMI mindestens 24 kg/m² OR 1,52 (1,04 bis 2,22), Raucher OR 1,78 (1,14 bis 2,79), Alkoholkonsumenten OR 1,65 (1,01 bis 2,72); eine Sensitivitätsanalyse mit absoluter Menge in Gramm pro Tag bestätigte das Muster. Stärken: NOVA als Standard, Sensitivitätsanalysen. Schwächen: Ernährungsangabe rückblickend; der Verarbeitungsgrad korreliert mit der Gesamtqualität der Kost; ob Proteinriegel oder Proteinpulver als ultraverarbeitet eingeordnet wurden, sagt das Abstract nicht. Einordnung: Der wahrscheinlichste indirekte Berührungspunkt zu Sportnahrung (verarbeitete Produkte), jedoch nur als Hypothese.

Cui et al. 2022, Frontiers in Nutrition [s79]. „Diet Quality Scores and Asthenoteratozoospermia Risk: Finding From a Hospital-Based Case-Control Study in China“ (Shenyang, China). Klinikbasierte Fall-Kontroll-Studie mit 254 Fällen und 633 Kontrollen; Berechnung von DASH-, AHEI-2010- und Chinese-Healthy-Eating-Index-Werten (CHEI) aus einem validierten Fragebogen. Der CHEI war invers zum Risiko, mit einem OR von 0,59 (95-%-KI 0,39 bis 0,88) für das zweite und für das dritte Terzil gegenüber dem ersten (P für Trend < 0,05). Pro Standardabweichung Anstieg sank das Risiko bei CHEI um 19 %, bei AHEI-2010 um 13 % und bei DASH um 17 %. Stärken: drei Indizes, konsistente Richtung. Schwächen: Die Odds Ratios und Intervalle für das zweite und dritte Terzil sind im Abstract (am Original geprüft) identisch, nämlich 0,59 (0,39 bis 0,88); ob das ein Übertragungsfehler ist, ließ sich ohne Volltext nicht prüfen. Fall-Kontroll-Design, Erinnerungsfehler, eine Klinik; Studienbasis aus Shenyang wie [s100, s82, s83], aber mit anderer Fall- und Kontrollzahl. Einordnung: bessere Kostqualität ist mit geringerem Risiko verbunden; keine Aussage zu Sportnahrung.

Konishi et al. 2026, Asian Journal of Andrology [s16]. „Urinary isoflavone concentrations and semen parameters of Japanese men seeking fertility treatment“ (Tokio und Ibaraki, Japan). Querschnittsstudie an 157 Männern in Kinderwunschbehandlung (Sanno Hospital, Tsukuba Gakuen Hospital), September 2020 bis März 2021. Spoturin und Samenprobe am selben Tag; Isoflavone (Genistein, Daidzein, Equol) per Flüssigchromatografie mit Tandem-Massenspektrometrie, korrigiert für das spezifische Gewicht. Median der Gesamtzahl 112 Millionen (IQR 50 bis 221), der Konzentration 39 Millionen pro Milliliter (17 bis 72). Differenz der Spermienzahl gegenüber dem niedrigsten Quartil: Daidzein Q2 −40 % (95-%-KI −59 bis −13), Q3 −37 % (−56 bis −9), Q4 −32 % (−53 bis −3); Genistein Q2 −23 % (−47 bis 12), Q3 −50 % (−66 bis −26), Q4 −29 % (−51 bis 3). Equol und Gesamtmotilität ohne Zusammenhang. Stärken: objektive Biomarker statt Fragebogen, Hochzufuhr-Population. Schwächen: Männer in Kinderwunschbehandlung, Spoturin als Momentaufnahme, kein gleichmäßiger Dosiseffekt (stärkster Rückgang bei Daidzein in Q2, bei Genistein in Q3), Querschnitt, kleine Zahl. Einordnung: Sojaisolat ist eine Zutat mancher Proteinpulver; das Abstract spricht aber ausdrücklich nur von der Zufuhr über die Nahrung.

Юнацкая Т. А., Цуканов А. Ю., Турчанинов Д. В., Сатыбалдин Д. А. 2018, Вопросы питания (Voprosy Pitaniya) [s133]. „Оценка связи характера питания и показателей эякулята мужчин с идиопатическим бесплодием“ (Bewertung des Zusammenhangs zwischen Ernährungsweise und Ejakulatparametern bei Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit; Omsk, Russland; Kongressmaterialien des XVII. Allrussischen Kongresses). Querschnitts- und Korrelationsstudie an 35 Männern über 18 Jahren mit idiopathischer Unfruchtbarkeit (Patospermie in mehr als zwei Ejakulatanalysen, Unfruchtbarkeit länger als 12 Monate; mittleres Alter 34 Jahre, 95-%-KI 29,5 bis 38,49); die tatsächliche Ernährung wurde mit einer Häufigkeitsmethode erhoben. Befunde zur Ernährung: überschüssige Kalorien durch Fette und Eiweiß; Eiweißüberschuss bei 35,7 % der Männer, vor allem durch tierisches Eiweiß; Methioninmangel bei 28,6 %; zu wenig Ballaststoffe bei 42,9 %; Vitamin-D-Mangel bei 100 % und Folsäuremangel bei 85,7 %; Natriumzufuhr 3,4-fach über der empfohlenen Menge. Spearman-Korrelationen: Ejakulatvolumen mit pflanzlichen Lebensmitteln (rs = +0,62; p = 0,041), Ballaststoffen (rs = +0,8; p = 0,003) und Polysacchariden (rs = +0,65; p = 0,029); Konzentration mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren (rs = +0,61; p = 0,047); Zahl lebender Spermien mit Eisen, Vitamin PP (Niacin) und Omega-3-Fettsäuren (jeweils rs = 0,9; p = 0,037); progressive Beweglichkeit mit Gemüse und Obst (rs = 0,9; p = 0,015), Eiern und Phospholipiden (rs = 0,9; p = 0,037) sowie Vitamin D und B12 (je rs = 0,9; p = 0,037); unbewegliche Spermien mit hoher Zufuhr komplexer Kohlenhydrate (rs = −0,81; p = 0,027). Schwächen: Kurzfassung aus einem Kongressband; keine Kontrollgruppe fertiler Männer; Häufigkeitsmethode (Erinnerungsfehler); keine Angabe zu Proteinpulver oder Sportprodukten; keine Korrektur für Mehrfachtests. Die genannten Prozentanteile (35,7; 28,6; 42,9; 85,7) entsprechen Vielfachen von 1/14, was auf 14 ausgewertete Männer hindeutet (Rückschluss der Recherche, im Text nicht genannt), und der identische Wert rs = 0,9 mit p = 0,037 bei mehreren Nährstoffen spricht für sehr wenige Beobachtungspaare. Ein Zusammenhang zwischen Eiweißüberschuss und Spermienparametern wird nicht berichtet. Einordnung: Hinweis zur Ernährungslage subfertiler Männer in Omsk, kein Beleg für eine Wirkung von Protein.

Yao et al. 2026, Asian Journal of Andrology [s30]. „Modifiable key factors and semen quality in men undergoing preconception evaluation: a cross-sectional study“ (Chengdu, China). Retrospektive Querschnittsstudie an 3.336 Männern der Andrologie des West China Second University Hospital, 2019 bis 2023; mehrfach adjustierte Regression mit natürlichen kubischen Splines (Alter, Karenzzeit, Jahreszeit). Das Abstract enthält keine Zahlen. Qualitativ: Rauchen von mehr als 20 Zigaretten täglich oder länger als 10 Jahre ging mit niedrigerer Konzentration, Gesamtzahl und Motilität einher; frühere Trinker zeigten begrenzt bessere Motilität; der BMI zeigte nichtlineare Zusammenhänge mit Volumen und Morphologie, manche Parameter gipfelten bei leichtem Übergewicht, Adipositas blieb mit schlechterer Samenqualität verbunden. Stärken: große Stichprobe, nichtlineare Modelle. Schwächen: retrospektiv, kein Effektmaß im Abstract, keine Ernährungs- oder Supplementvariable genannt. Einordnung: nur Hintergrund zu Lebensstilfaktoren.

Kaya et al. 2020, Revista Internacional de Andrología [s108]. „The effect of modifiable lifestyle factors on semen quality“ (Andrologie-Ambulanz). Querschnittsstudie an 1.311 Teilnehmern (852 normozoosperm, 459 dysspermisch). Enge Unterwäsche war mit schlechteren Parametern verbunden (p = 0,004), Sauna mit niedrigerer Konzentration; Kaffeekonsum gehört zu den untersuchten Faktoren, ein Einzelergebnis dazu steht nicht im Abstract. Stärken: große Stichprobe mit Vergleichsgruppe. Schwächen: Querschnitt, Effektgrößen im Abstract nicht berichtet, keine Angaben zu Supplementen. Einordnung: Lebensstilfaktoren allgemein.

Adoamnei et al. 2019, Revista Internacional de Andrología [s114]. „[Dietary intake of trace elements and semen quality and reproductive hormone levels in young men: relationship with fertility]“ (Zufuhr von Spurenelementen mit der Nahrung, Samenqualität und Reproduktionshormone bei jungen Männern: Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit; Murcia, Spanien). Querschnittsstudie an 209 jungen Studierenden. Höhere Eisenzufuhr war mit niedrigerer Konzentration (P-Trend = 0,01) und weniger progressiv beweglichen Spermien (P-Trend = 0,004) verbunden. Stärken: junge, nicht nach Fruchtbarkeit ausgewählte Männer. Schwächen: Querschnitt, kleine Stichprobe, im Abstract keine Effektgrößen. Einordnung: Spurenelemente aus der Nahrung; Supplemente werden im Abstract nicht erwähnt.

Piera-Jordán et al. 2025, Revista Española de Salud Pública [s42]. „[Relationship between semen quality and anthropometric parameters in males]“ (Zusammenhang zwischen Samenqualität und anthropometrischen Parametern bei Männern; Krankenhaus Denia, Spanien). Querschnittsstudie an 117 Männern aus Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch. Zwischen Hüftumfang und Samenvolumen bestand ein positiver Zusammenhang (p = 0,027); sonst gab es keine Zusammenhänge zwischen Körperzusammensetzung (Muskel-, Fett-, Viszeralmasse) und Samenqualität. Stärken: gemessene Körperzusammensetzung statt Selbstangabe. Schwächen: kleine Stichprobe, Querschnitt, Kinderwunschpatienten, mehrere Tests. Einordnung: Relevant, weil Muskelmasse im Kraftsport eine Rolle spielt: In dieser Stichprobe zeigte sie keinen Zusammenhang mit der Samenqualität.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Vorbemerkung zu Kapitel 02
  5. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  6. Proteinpulver und Kreatin bis Muskelaufbaupräparate, Hodenkrebs und Wissen über Fruchtbarkeit
  7. Anabole Steroide im Kraftsportumfeld und Nahrungsprotein, Milch, Fleisch und Ernährungsmuster
  8. Körperliche Aktivität bis Einordnung der Beobachtungsstudien
  9. Kreatin und Whey- und Proteinpulver
  10. Energy-Drinks, zuckergesüßte Getränke, Koffein und Taurin bis Anabolika als Begleit- und Störfaktor (Nachbargebiet, keine Sportnahrung)
  11. Weitere Sportnahrung und Fertilitätspräparate (Kontext) bis Leitlinien im Einzelnen
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Russisch
  15. Arabisch und Türkisch
  16. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis
  22. Diagramme
  23. Quellen
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle