Energy-Drinks, zuckergesüßte Getränke, Koffein und Taurin
Einordnung der Lage. Für Energy-Drinks als eigene Exposition liegt beim Menschen keine kontrollierte Studie mit Samenanalyse vor, die in den durchsuchten Quellen auffindbar war. Die verwertbaren Humanbefunde betreffen zuckergesüßte Getränke insgesamt (einschließlich Energy-Drinks, nicht getrennt ausgewiesen) und Koffein. Unter den Tierversuchen untersucht nur eine kleine Zahl handelsübliche Energy-Drinks mit Spermienendpunkten.
Nassan et al. 2021, Human Reproduction [s95]: Querschnittsstudie, 2.935 junge Männer (Median 19 Jahre), 2008 bis 2017. Das Studienland nennt der Abstract nicht; die Förderung stammt von dänischen Stellen. Zuckergesüßte Getränke (SSB), künstlich gesüßte Getränke, Fruchtsäfte und Energy-Drinks per validiertem Fragebogen; Zielgrößen Samenparameter, Hodenvolumen (Ultraschall) und Serumhormone. Im höchsten SSB-Bereich (Median 1,1 Portionen, rund 220 mL pro Tag) lag die mediane Spermienkonzentration um 13,2 Millionen/mL niedriger als bei Nichtkonsumenten (95-%-KI −21,0 bis −5,5); Gesamtspermienzahl −28 Millionen (−48 bis −9); Inhibin B −12 pg/mL (−21 bis −4); Inhibin-B-FSH-Quotient −9 (−18 bis 0). Pro zusätzlicher Portion (rund 200 mL) täglich anstelle von Wasser: Konzentration −3,4 Millionen/mL (−5,8 bis −1,0), Inhibin B −7 pg/mL (−11 bis −3). Die Autoren nennen die Querschnittsanlage als Grenze, schließen unbekannte Störfaktoren nicht aus und halten fest, ein Rückgang der Samenparameter bedeute nicht zwingend Fruchtbarkeitsverlust. Ein eigener Effektschätzer für Energy-Drinks steht im abgerufenen Abstract nicht. Stärken: nach Angabe der Autoren die größte Studie ihrer Art, Hormone und Ultraschall zusätzlich. Schwächen: Querschnitt, Fragebogen, Teilnahmeselektion nicht im Abstract.
Joseph et al. 2024, Andrology [s51]: prospektive Präkonzeptionskohorte (PRESTO), 690 Männer mit 1.247 Samenproben, 2015 bis 2022. SSB (Limonaden, Energy-Drinks, Sportgetränke, Fruchtsäfte) per Fragebogen; Heimtest-Kit für zwei Proben. Männer mit mindestens sieben SSB pro Woche gegenüber Nichtkonsumenten: Volumen −6 % (95-%-KI −13 bis 0), Konzentration −22 % (−38 bis 0), Gesamtzahl −22 % (−38 bis −2), Motilität −4 % (−10 bis 2), Gesamtzahl beweglicher Spermien −25 % (−43 bis −2). Risikoverhältnisse für Werte unter WHO-Grenzen: Konzentration höchstens 16 Mio./mL RR 1,89 (1,11 bis 3,21); Gesamtzahl höchstens 39 Mio. 1,75 (0,92 bis 3,33); Motilität höchstens 42 % 1,23 (0,87 bis 1,75); Gesamtzahl beweglicher Spermien höchstens 21 Mio. 1,95 (1,12 bis 3,38). Stärker bei BMI von mindestens 25. Stärken: zwei Proben je Mann, Präkonzeptionskohorte. Schwächen: Heimtest-Kit mit geringerer Genauigkeit als Laboranalyse, Selbstselektion in einer Online-Kohorte, Energy-Drinks nicht getrennt ausgewiesen, Konfidenzintervalle berühren teils 0 beziehungsweise 1.
Chiu et al. 2014, Human Reproduction [s154]: Rochester Young Men's Study, 189 Männer (18 bis 22 Jahre). Höchstes SSB-Quartil (mindestens 1,3 Portionen/Tag): 9,8 Prozentpunkte (95-%-KI 1,9 bis 17,8) niedrigere progressive Motilität als im niedrigsten Quartil. Nur eine Samenprobe pro Person; Querschnitt.
Meldgaard et al. 2022, International Journal of Environmental Research and Public Health [s84]: FEPOS-Kohorte, 1.047 junge Männer (mittleres Alter 19 Jahre). Moderater Konsum (mindestens drei Tage pro Woche) von SSB (28 % der Teilnehmer) oder künstlich gesüßten Getränken (11 %) war nicht deutlich mit Volumen, Konzentration, Gesamtzahl oder Gesamtmotilität verbunden. Der Anteil normal geformter Spermien lag bei moderatem Konsum künstlich gesüßter Getränke um 11 % niedriger (angepasstes Verhältnis 0,89; 95-%-KI 0,76 bis 1,04). Teilnehmer mit täglichem Konsum waren wenige (SSB n = 38, künstlich gesüßt n = 15). Zusatzanalysen mit BMI, ungesunder Ernährung und Varikozele änderten wenig. Gegenüberstellung: [s95] und [s51] finden Zusammenhänge mit höherem SSB-Konsum, [s84] in einer ähnlichen dänischen Kohorte bei moderatem Konsum nicht; Unterschiede in Expositionsdefinition, Kategorien und Altersgruppen sind plausibel, die Abstracts erlauben aber keine Auflösung.
Win et al. 2025, Nutrients [s44]: narrative Übersicht, 11 Beobachtungs- und Kohortenstudien. Berichtet durchgängig negative Assoziationen zwischen hohem SSB-Konsum und Spermienparametern, einschließlich DNA-Fragmentierung, und nennt die Heterogenität der Designs. Schwächen: narrativ, keine Metaanalyse; der Schluss ist kausaler formuliert, als Beobachtungsstudien erlauben; die später erschienene Studie [s84] widerspricht teilweise.
Akaev und Adilov 2021, Urologiia [s91]: russischsprachige Literaturanalyse plus eigene Untersuchung an 60 Patienten (22 bis 40 Jahre). (Titel im Original russisch, sinngemäß: Einfluss des Energy-Drink-Konsums auf die männliche Fortpflanzungsgesundheit.) Der Abstract berichtet eine Korrelation zwischen Energy-Drink-Konsum und schlechterer Ejakulatqualität und folgert, systematischer Konsum wirke sich negativ aus. Er enthält keine Zahlen und keine Angaben zu Design, Auswahl oder Störfaktoren; der Beleg ist daher schwach. Es ist die einzige abgerufene Humanarbeit, die Energy-Drinks namentlich als Exposition nennt.
Weitere Getränkestudien mit Teilbezug. Chen et al. 2018, Reproductive Biology and Endocrinology [s128]: NHANES 2011 bis 2012, 545 Männer von 20 bis 39 Jahren, Zielgröße Testosteron, nicht Spermien. Höchste gegenüber niedrigster SSB-Zufuhr (mindestens 442 gegenüber höchstens 137 kcal pro Tag): adjustiertes OR für niedriges Testosteron (unter 231 ng/dl) 2,29 (p = 0,041); BMI von mindestens 25 kg/m² aOR 3,68 (p = 0,044); kein Konfidenzintervall im Abstract; die genannten Prozentanteile (90,4 und 9,6 %) entsprechen nicht genau den Zahlen 486 und 59 von 545 (vermutlich gewichtet, der Abstract sagt dazu nichts). Liu et al. 2015, PLoS ONE [s144]: 7.282 taiwanische Männer, Ernährungsmuster; ein Muster mit vielen süßen Snacks und zuckergesüßten Getränken ging mit niedrigerer Konzentration einher (P = 0,001), westliche Ernährung mit sinkender Konzentration und Morphologie (beide P < 0,001); Effektgrößen im Abstract nicht angegeben. Yang et al. 2015, Medicine [s148]: MARHCS-Kohorte, 796 Studierende; Cola ging mit niedrigerem Samenvolumen einher (4,1 % bei ein bis zwei, 12,5 % bei drei und mehr Flaschen pro Woche), Kaffee mit höherer Motilität (plus 8,9 % bei ein bis zwei Tassen, plus 15,4 % bei drei und mehr Tassen pro Woche); keine Konfidenzintervalle im Abstract. Lv et al. 2022, Frontiers in Nutrition [s83]: ultraverarbeitete Lebensmittel, 549 Fälle und 581 Kontrollen, höchstes gegenüber niedrigstem Terzil OR 1,53 (1,12 bis 2,10), Subgruppen Raucher 1,78 (1,14 bis 2,79) und BMI ab 24 kg/m² 1,52 (1,04 bis 2,22); der Abstract sagt nicht, ob Proteinriegel oder Pulver als ultraverarbeitet eingeordnet wurden. Huang 2026, Frontiers in Nutrition [s14]: Mini-Übersicht, überwiegend ungünstige Zusammenhänge zu ultraverarbeiteter Kost, nach Angabe der Autorin eher suggestiv als kausal, ohne Zahlen im Abstract.
Koffein und Kaffee, Humanstudien.
Ricci et al. 2017, Nutrition Journal [s137]: systematische Übersicht, 28 Beobachtungsstudien mit 19.967 Männern (MEDLINE und EMBASE bis November 2016). Samenparameter schienen von Koffein aus Kaffee, Tee und Kakao in den meisten Studien nicht beeinflusst; einzelne Arbeiten wiesen auf negative Effekte von Cola und koffeinhaltigen Softdrinks auf Volumen, Zahl und Konzentration hin. Koffein war mit Aneuploidie und DNA-Brüchen der Spermien assoziiert, nicht mit anderen DNA-Schadensmarkern; Kaffeekonsum war in einigen, nicht allen Studien mit verlängerter Zeit bis zur Schwangerschaft verbunden. Schluss der Autoren: inkonsistent und nicht schlüssig. Keine Metaanalyse.
Bu et al. 2020, BMC Women's Health [s104]: Metaanalyse, vier Studien (eine Kohorten-, drei Fall-Kontroll-Studien) mit 12.912 Teilnehmern, Männer und Frauen gemeinsam. Niedrige (OR 0,95; 0,78 bis 1,16), mittlere (OR 1,14; 0,69 bis 1,86) und hohe Koffeindosis (OR 1,86; 0,28 bis 12,22) erhöhten das Infertilitätsrisiko nicht erkennbar; die Qualität der Evidenz war durchweg niedrig, das Intervall der hohen Dosis ist so breit, dass praktisch keine Aussage möglich ist.
Chen et al. 2024, Frontiers in Endocrinology [s48]: Mendelsche Randomisierung zu 31 Ernährungsmerkmalen. Kaffeeaufnahme erhöhte das Risiko männlicher Infertilität (OR 3,6967; 95-%-KI 1,0348 bis 13,2065; P = 0,0442); sehr breite Intervalle, viele geprüfte Merkmale ohne erkennbare Korrektur, grober Endpunkt; das Ergebnis steht im Widerspruch zu [s104].
Karmon et al. 2017, Andrology [s136]: prospektive Kohorte, 171 Männer, 338 Samenanalysen, 205 ART-Zyklen. Keine Assoziation von Koffein und Alkohol mit der Samenqualität. Koffeinzufuhr war negativ mit der Lebendgeburt nach ART verbunden (p-Trend < 0,01): bereinigte Lebendgeburtenrate 19 % im höchsten Quartil (mindestens 272 mg/Tag) gegenüber 55 % im niedrigsten (unter 99 mg/Tag; p < 0,01). Alkohol war positiv mit der Lebendgeburt assoziiert (p-Trend = 0,04): 61 % im höchsten (mindestens 22 g/Tag) gegenüber 28 % im niedrigsten Quartil (unter 3 g/Tag; p = 0,05). Nur Paare in Kinderwunschbehandlung, kleine Fallzahlen pro Quartil, Störfaktoren der Partnerin, ungewöhnliche Richtung beim Alkohol ohne Erklärung der Autoren.
Ramlau-Hansen et al. 2008, Human Reproduction [s165]: 343 Söhne aus einer dänischen Schwangerschaftskohorte (1984 bis 1987). Mütterlicher Kaffeekonsum in der Schwangerschaft zeigte einen Trend zu geringerem Ejakulatvolumen (P = 0,06), niedrigerem Testosteron (P = 0,06) und Inhibin B (P = 0,09); Söhne von Müttern mit vier bis sieben Tassen hatten niedrigeres Testosteron als bei null bis drei Tassen (P = 0,04). Aktueller Koffeinkonsum der Männer war nicht klar mit der Samenqualität verbunden, hohe Zufuhr aber mit rund 14 % höherem Testosteron (P = 0,008); die Autoren nennen die Ergebnisse tentativ.
Kaffee in chinesischen Querschnittsstudien: Liu et al. 2026, Archives of Medical Research [s21], 3.302 Männer: Wer keinen Kaffee trank, hatte höhere Gesamt- und progressive Motilität und eine niedrigere Immotilitätsrate; die Einschlafzeit vermittelte den Zusammenhang; keine Effektgrößen im Abstract. Lin et al. 2026, Annals of Medicine and Surgery [s20], 508 Teilnehmer plus Mendelsche Randomisierung: Rauchen, hoher Alkohol- und Kaffeekonsum und sitzendes Verhalten hingen mit erhöhter Prävalenz niedriger Samenqualität zusammen (P < 0,05); der MR-Endpunkt waren genetische Aspekte der Samenqualität, nicht Samenparameter; Odds Ratios nicht im Abstract. Shi et al. 2018, Systems Biology in Reproductive Medicine [s131], 328 Männer: tägliche Kaffeemenge hing mit Gesamtspermienzahl (P = 0,044) und Samenvolumen (P < 0,001) zusammen, die Richtung nennt der Abstract nicht. Der Kaffeebefund von [s148] (höhere Motilität) widerspricht [s21] und [s20].
Koffein und Alkohol im Übersichtskontext: Alghobary und Mostafa 2022, Andrology [s75]: systematische Übersicht zu Suchtmitteln und männlicher Fertilität, 65 ausgewertete Studien (Koffein 13, Anabolika 15, Tabak 10, Alkohol 7, Opioide und Cannabinoide 18, Kokain 2). Die Autoren schreiben, die meisten Studien hätten einen negativen Einfluss der jeweiligen Substanz gezeigt, mit unterschiedlicher Evidenzstärke; der Abstract nennt für Koffein keine Effektgrößen, und ob Energy-Drinks gesondert behandelt werden, ist nicht zu entnehmen.
Leitlinien zu Koffein. Die AUA/ASRM-Leitlinie führt Koffein mit Evidenz mittlerer Qualität für keinen Zusammenhang mit männlicher Infertilität (außer möglicherweise Spermienaneuploidie) [s47]; Einzelheiten im Leitlinienabschnitt.
Tierversuche zu Energy-Drinks.
N Jafar 2024, Cellular and Molecular Biology [s54]: Ratten, Wild Tiger. 16 männliche Wistar-Ratten, vier Gruppen zu je vier: Wasser beziehungsweise 25 %, 50 % oder 75 % Energy-Drink im Trinkwasser über acht Wochen (nach Angabe der Arbeit der im Irak populärste Energy-Drink; die Zutatenliste nennt Zucker, Koffein, Taurin, Glucuronat und Vitamine ohne Mengen; ein 250-ml-Behälter enthält 27 g Kohlenhydrate). Statistik: einfaktorielle Varianzanalyse mit Dunnett-Test. Nach Tabelle 5 der Arbeit (Mittelwert ± Standardabweichung; die Tabelle wurde von der Recherche als Bild gelesen): Spermienzahl (Einheit laut Tabelle ×5×10⁴) 71,71 ± 5,64 in der Kontrolle gegenüber 40 ± 29,16, 46 ± 46,35 und 29,36 ± 16 (nur die letzte Gruppe signifikant); Beweglichkeit 89,25 ± 3,68 gegenüber 71,25 ± 6,13, 85,25 ± 7,32 und 65,5 ± 17,44 % (nur die 75-%-Gruppe signifikant); Vitalität 91,25 ± 5,25 gegenüber 84,25 ± 3,3, 82,25 ± 8,8 und 63,25 ± 8,5 % (75 % hoch signifikant); Anomalien 12 ± 0,81 gegenüber 15,5 ± 3,31, 17,5 ± 8,81 und 36,5 ± 8,5 % (75 % hoch signifikant). Weitere Befunde laut Text: Körpergewichtsveränderung Kontrolle plus 19,84 %, Gruppe 1 minus 27,37 % (signifikant), Gruppe 2 plus 3,28 %, Gruppe 3 minus 1,5 %; Cholesterin sank in den Gruppen 1 und 3, die alkalische Phosphatase war in allen Behandlungsgruppen erhöht, Glucose stieg in den Gruppen 2 und 3 stark an. Widersprüche und Schwächen: Mit vier Tieren je Gruppe und großen Streuungen (Spermienzahl in Gruppe 2: 46 ± 46,35) ist die Spermienzahl nicht monoton dosisabhängig (Gruppe 1: 40, Gruppe 2: 46); der Abstract beschreibt einen Rückgang der Spermienqualität mit steigender Konzentration, obwohl in den Gruppen 1 und 2 keine signifikanten Spermienunterschiede vorliegen. Der Schlussabschnitt widerspricht der Arbeit selbst: Er sagt, die Auswirkungen auf Leber, Nieren und Serumlipide seien ausgeschlossen worden, und dass Beweglichkeit und Morphologie nicht beeinflusst zu sein scheinen, obwohl Tabelle 5 für Gruppe 3 signifikant erniedrigte Beweglichkeit und hoch signifikant erhöhte Anomalien zeigt. Die Gruppen 1 und 3 verloren Körpergewicht, nach Ansicht der Autoren wegen geringerer Futteraufnahme; Gewichtsverlust, Zuckerzufuhr und Futterverdrängung können den Spermieneffekt mitbedingen, und eine Zurückführung auf Koffein oder Taurin ist wegen fehlender Einzelprüfung nicht möglich. Die Angabe zur Ethik lautet im Volltext „nicht zutreffend". Kein Hormonstatus, keine Histologie. Insgesamt ein erster, methodisch schwacher Hinweis bei sehr hohem Getränkeanteil.
Olaleru und Odeigah 2015, Annual Research and Review in Biology [s147]: Mäuse, Red Bull. Erwachsene männliche Mäuse erhielten 28 Tage lang Wasser oder 25, 50, 75 beziehungsweise 100 % Red Bull ad libitum. Anteile abnormaler Spermienköpfe für die fünf Gruppen: 1,82; 8,07; 12,40; 15,46 und 21,81 %; bei 75 % für 14 bis 28 Tage waren die Effekte signifikant (P < 0,05). Hämatologische Parameter waren verändert, die Bewegungsaktivität stieg mit der Konzentration. Tierzahl, Statistik und Versuchsdesign nicht im Abstract; Konzentrationen weit über üblichem Konsum.
Costa-Valle et al. 2022, Pharmacology Biochemistry and Behavior [s78]: Wistar-Ratten, Binge-Protokoll in der Pubertät. 100 männliche und 100 weibliche Ratten, drei Tage pro Woche über vier Wochen (Lebenstag 28 bis 60), Schlundsonde (10 mL/kg) mit Wasser, Energy-Drink, Koffein (3,2 mg/kg), Taurin (40 mg/kg) und Kombinationen mit Alkohol (2 g/kg). Erfasst wurden Verhalten und Fortpflanzungsparameter einschließlich Spermatiden- und Spermienzahl, Morphologie und Testosteron. Energy-Drink plus Alkohol hatte keine signifikanten Effekte auf die Fortpflanzungsparameter beider Geschlechter. Stärken: große Tierzahl, getrennte Inhaltsstoffe. Schwächen: nur Binge per Schlundsonde, nicht chronischer Alltagskonsum.
Aydemir et al. 2026, Revista da Escola de Enfermagem da USP [s03]: weibliche Ratten. 27 weibliche Wistar-Ratten (je 9 pro Gruppe) erhielten 10 % oder 20 % Energy-Drink (Red Bull Sugarfree; laut Arbeit Koffein 150 mg/L, Taurin 800 mg/L) im Trinkwasser oder Leitungswasser, 54 Tage in zwei Phasen. Die Zahl der Nachkommen und die Gewichtszunahme nach der Geburt nahmen dosisabhängig ab. Es gibt keine Spermiendaten; die Männchen dienten nur zur Paarung. Ein Rückschluss auf männliche Fruchtbarkeit ist nicht möglich.
Liu et al. 2022, International Journal of Molecular Sciences [s81]: väterliche Mischexposition, Ratte. Männliche Wistar-Ratten erhielten acht Wochen lang Nikotin (0,1 mg/kg/Tag), Ethanol (0,5 g/kg/Tag) und Koffein (7,5 mg/kg/Tag) gemeinsam. Die Mischexposition steigerte die Aktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse des Vaters, verminderte die Spermienqualität und führte zu ungünstigen Schwangerschaftsausgängen; der väterliche Corticosteronspiegel korrelierte mit schlechterer Spermienqualität. Die drei Stoffe wurden gemeinsam gegeben, der Anteil von Koffein ist nicht trennbar; Feten n = 12 und n = 10.
Tierversuche und Zellversuche zu Koffein. Yokota et al. 2015, Reproductive Medicine and Biology [s149]: Männliche Mäuse erhielten einen Monat lang Koffeininjektionen (0, 0,2 und 1,0 mg je Maus und Tag). Das Körpergewicht sank bei 1,0 mg signifikant (P < 0,01); Hodengewicht, Histologie und Testosteron unterschieden sich nicht. Befruchtungsrate Kontrolle 95,2 % (100 von 105), 0,2 mg 87,6 % (106 von 121; P < 0,05); Blastozystenbildung Kontrolle 85,0 % (85 von 100), 0,2 mg 79,2 % (84 von 106; P < 0,05), 1,0 mg 62,7 % (64 von 102; P < 0,001). Injektion statt Trinken, kein Spermiogramm im Abstract. Ezzat und el-Gohary 1994, Functional and Developmental Morphology [s173]: Kaninchen, 30 oder 60 mg/kg Koffein täglich über vier Wochen. FSH stieg, LH sank, Testosteron stieg nur bei der höheren Dosis, ACTH blieb unverändert; die Hodenkanälchen waren kleiner, die Spermatogenese gehemmt, dazu Leberverfettung. Die Autoren führen die Hemmung hauptsächlich auf eine Hemmung der FSH-Freisetzung zurück, was zum berichteten FSH-Anstieg nicht ohne Weiteres passt; Gruppengrößen nicht angegeben; hohe Dosen. Aljazzar 2025, Open Veterinary Journal [s31]: 12 Mäuse in drei Gruppen zu je vier (Salz, Cadmiumchlorid 7 mg/kg einmalig, Koffein plus Cadmium); das „Koffein" war eine Grüntee-Zubereitung (30 g/100 ml, 1 ml täglich über sieben Tage). Die Vorbehandlung verringerte die Cadmium-bedingten Hodeneinblutungen; keine Spermienparameter, keine Gruppe nur mit Koffein. Banihani und Khaled 2021, Andrologia [s92]: In-vitro-Studie. 51 normozoosperme und 10 asthenozoosperme Samenproben; Koffein 1, 5, 10 und 20 mM. Bei 10 mM stieg die progressive Motilität in beiden Gruppen (p < 0,05) und die seminale CK-Aktivität (p < 0,05); Stickstoffmonoxid und freies Calcium änderten sich nicht signifikant. Die Autoren deuten den Anstieg teilweise über die höhere CK-Aktivität; die Konzentrationen liegen weit über dem, was Getränke im Blut erreichen (Einschätzung der Recherche). Wu et al. 2009, Zhonghua Nan Ke Xue [s164] (Titel im Original chinesisch, sinngemäß: Vergleich von Acanthopanax-senticosus-Injektion, Theophyllin und Koffein auf die Beweglichkeit menschlicher Spermien in vitro): Spermien von 12 Männern mit Asthenozoospermie; Koffein 7 mmol/l und Theophyllin 3 mmol/l dienten als Vergleich; Zahlenwerte für die Koffeingruppe nennt der Abstract nicht. Für Energy-Drinks folgt aus diesen Laborbefunden nichts.
Supplementgetränke und Leistungsstudien ohne Samenanalyse. Liao et al. 2026, Frontiers in Physiology [s19]: randomisierte, doppelblinde Crossover-Studie an 12 Hochschulsportlern, Placebo, 220 mg Koffein oder ein Energy-Drink mit 220 mg Koffein, 288 mg Anserin, 400 mg Holunder und 660 mg Vitamin-Mineral-Gemisch. Der Energy-Drink verbesserte die Wiederholungssprintleistung signifikant; kein Hormon- und kein Samenparameter (NCT07104188). Shirai et al. 2021, World Journal of Men's Health [s97]: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Pilotstudie an 20 Männern mit sexueller Funktionsstörung; 14 Tage Placebo- und 14 Tage Supplementgetränk (Testofen 600 mg, L-Citrullin 800 mg, Resveratrol 300 mg, Koffein 40 mg täglich), Zielgröße IIEF; alle 20 schlossen ab, keine unerwünschten Ereignisse, IIEF-Domänen besserten sich signifikant; keine Samenparameter. Yang et al. 2026, Frontiers in Nutrition [s29]: Metaanalyse von 13 randomisierten placebokontrollierten Studien zu Fenugreek-Präparaten; Gesamttestosteron (sechs Studien) SMD 0,25 (95-%-KI 0,02 bis 0,48; p = 0,037; I² = 0 %), freies Testosteron (fünf Studien) SMD 0,08 (−0,48 bis 0,63; p = 0,725; I² = 66,7 %); Sicherheit der Evidenz sehr niedrig; Samenparameter nicht Zielgröße.
Taurin. Li et al. 2023, Frontiers in Endocrinology [s66]: Übersichtsarbeit; Taurin sei in den männlichen Fortpflanzungsorganen reichlich vorhanden und wirke in Tiermodellen schützend (oxidativer Stress, Entzündung, Apoptose); keine Zahlen, keine Humanintervention. Wu et al. 2022, Human Reproduction [s88]: In Metabolomanalysen von 110 Paaren mit wiederholtem Schwangerschaftsverlust (41 Samenproben ausgewertet) war Taurin in Spermien erniedrigt und im Seminalplasma erhöht; bei 30 Männern mit Teratozoospermie war der Taurintransporter TAUT in Spermien niedriger als bei 25 Kontrollen. In Mäusen erhöhte die Taurindepletion durch β-Alanin (5 % im Trinkwasser über fünf Wochen) die Zahl morphologisch abnormaler Spermien und senkte Embryozahl und Blastozystenrate; 5 % Taurin besserte den Defekt; kleine Stichprobe laut Autoren. Ahmed 2015, Toxicology and Applied Pharmacology [s141]: Ratten, Nandrolondecanoat 10 mg/kg/Woche, Taurin 100 mg/kg/Tag, acht Wochen; Taurin kehrte die Nandrolon-bedingten Veränderungen der Spermienmerkmale um, normalisierte Testosteron und Steroidbildungsenzyme (3β-HSD, 17β-HSD) und verminderte laut Abstract oxidative Schäden und Apoptose im Hoden. Busı et al. 2023, Pakistan Journal of Pharmaceutical Sciences [s61]: 40 Ratten, Taurin 75, 150 oder 300 mg/kg über 14 Tage vor und nach Cyclophosphamid 200 mg/kg; Taurin verbesserte Gewichtszunahme sowie Marker für oxidativen Stress, Entzündung und Apoptose teils signifikant, der antiapoptotische Effekt war am deutlichsten; der oxidative Stress durch das Zytostatikum war selbst nur unbedeutend erhöht. Kalender et al. 2019, Pakistan Journal of Pharmaceutical Sciences [s118]: Ratten, Bisphenol A 130 mg/kg, Taurin 100 mg/kg, Curcumin 100 mg/kg, vier Wochen; Taurin oder Curcumin senkten das MDA, hoben Enzymaktivitäten an und verringerten histologische Befunde. Alle Taurinarbeiten prüfen Taurin als Schutzstoff gegen ein Hodengift mit überwiegend hohen Dosen; ob Taurin allein bei gesunden Tieren oder Männern die Spermienqualität verändert, lässt sich daraus nicht ableiten, und sie belegen keine Wirkungen von Energy-Drinks.
Russische Fachtexte zu Energy-Drinks und Sportnahrung. Shterman und Andreev 2011 und 2012, Zeitschrift „Pivo i napitki" [s160, s157] (Teile I und II von „Energy-Drinks heute: dafür und dagegen"): Übersichten in einer Fachzeitschrift der Getränkeindustrie ohne eigene Daten. Teil I führt Inosit als Bestandteil von Sportnahrung an und schreibt, ein Mangel könne zu weiblicher und männlicher Unfruchtbarkeit führen; Teil II erwähnt Kreatin als Zutat einzelner Energy-Drinks und zu L-Carnitin die Ansicht von Andrologen, eine höhere Carnitinkonzentration im Blut erhöhe die Bioenergie-Reserve der Spermien. Latkov et al. 2015 [s150] beschreiben neu entwickelte Nahrungsergänzungsmittel für Sportler und behaupten ohne Studienangabe, L-Arginin „intensiviere die Spermatogenese". Brody 2014 [s153] (russische Übersetzung eines allgemeinen Überblicks zu Ernährung, Lebensstil und Supplementen bei männlicher Unfruchtbarkeit) enthält keine Sportnahrung im engeren Sinn. Diese Texte zeigen, wie Sportnahrungsbestandteile im russischen Fachschrifttum über Behauptungen zur Physiologie mit Fruchtbarkeit verknüpft werden, ohne eigene Messdaten.
Verunreinigte Präparate, Muskelaufbaupräparate und Hodenkrebs
Dieser Abschnitt betrifft Sportnahrung als Gruppe. Die Studien messen mit einer Ausnahme nicht die Spermienqualität, sondern Hodenkrebs (ein Befund, der selbst mit Fruchtbarkeitsstörungen zusammenhängt) beziehungsweise die Zusammensetzung der Produkte.
Li et al. 2015, British Journal of Cancer [s143]: bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie in Connecticut und Massachusetts. 356 Männer mit Keimzelltumor des Hodens und 513 Kontrollen (18 bis 55 Jahre; Rekrutierung 2006 bis 2010; Teilnahmequote 57,4 % bei den Fällen, 47,8 % bei den Kontrollen). Standardisiertes persönliches Interview; Muskelaufbaupräparate waren definiert als Gebrauch mindestens einmal pro Woche über mindestens vier aufeinanderfolgende Wochen, erfasst für 30 Pulver und Tabletten; Hauptbestandteile (Kreatin, Protein, Androstendion oder Booster) wurden aus den Produktangaben abgeleitet. Odds Ratio für jemals Gebrauch 1,65 (95-%-KI 1,11 bis 2,46). Stärker bei Gebrauch vor dem 25. Lebensjahr (2,21; 1,34 bis 3,63), bei zwei oder mehr Produktarten (2,77; 1,30 bis 5,91) und bei Gebrauch über 36 Monate (2,56; 1,39 bis 4,74). Seminom und Nichtseminom ähnlich. In explorativen Schichtungen erhöhte nur die Kombination aus Kreatin und Proteinen das Risiko signifikant (2,55; 1,05 bis 6,15). Stärken: inzidente, histologisch gesicherte Fälle, standardisierte Interviews, Hinweise auf Dosis-Wirkung. Schwächen: selbstberichteter Gebrauch (Erinnerungsfehler möglich), mäßige Teilnahmequoten, die Kreatin-Protein-Analyse ist explorativ mit weitem Konfidenzintervall, Produktinhalte wurden nicht analysiert, also kein Beleg für die Rolle einzelner Inhaltsstoffe. Die Autoren verweisen selbst auf nicht deklarierte anabole Steroide in Handelsprodukten (rund 15 % in einer internationalen Untersuchung) und nennen die Befunde vorläufig.
Cazorla-Saravia und Pereyra-Elías 2015, British Journal of Cancer [s142]: Leserbrief zu [s143]. Die Autoren verweisen darauf, dass anabole Steroide bei Freizeitsportlern häufig seien (30 bis 50 % laut den zitierten Arbeiten) und der gleichzeitige Gebrauch von Steroiden und Muskelaufbaupräparaten wahrscheinlich sei; Nandrolon und Stanozolol förderten in Ratten die Leydig-Zellproliferation. Die Steroidexposition könne daher eine unerkannte Rolle spielen, oder die Präparate seien mit Steroiden verunreinigt gewesen. Keine eigenen Daten.
Chang et al. 2005, Urology [s166]: Fragebogenstudie, 129 Patienten mit Hodenkeimzelltumor, 1990 bis 2004, ohne Kontrollgruppe. 26 Patienten (20,1 %) hatten Supplemente verwendet, meist zur Leistungssteigerung; am häufigsten Protein und Aminosäuren (12,4 %), dann Kreatin (9,3 %) und Androstendion (1,6 %). Mittlere Anwendungsdauer 17,0 Monate; die Anwender waren jünger (Mittel 27,6 Jahre) als Nichtanwender (35,7 Jahre). Von 57 vor dem Jahr 2000 Diagnostizierten gaben 9 (16 %) Supplementgebrauch und 3 (5 %) Kreatingebrauch an, von 72 ab 2000 17 (24 %) beziehungsweise 9 (13 %). Die Autoren folgern, ein Zusammenhang sei offen. Schwächen: keine Vergleichsgruppe, Einzelzentrum, Rückschau.
Puscasiu et al. 2025, Nutrients [s43]: narrative Übersicht zur Verunreinigung von Sportsupplementen mit anabolen Steroiden. Der Abstract hält fest, dass einige Proteinpräparate für Sportler mit pharmakologisch aktiven Substanzen einschließlich anaboler Steroide und Prohormone verunreinigt sein können; behandelt wird vor allem Dopinganalytik. Keine Fallzahlen oder Häufigkeiten, keine Aussagen zur Spermienqualität.
Bandara et al. 2020, Toxicology Reports [s101]: Risikobewertung zu Schwermetallen in Proteinpulvern. Bezugsdaten: Eine Verbraucherorganisation fand in 15 Produkten Mengen, die bei drei Portionen pro Tag Grenzwerte der US-Pharmakopöe überstiegen; eine Folgeuntersuchung berichtete erhöhte Schwermetallgehalte bei 40 % von 133 Produkten. Für Arsen, Cadmium, Quecksilber und Blei wurden Gefahrenquotienten und ein Gefahrenindex berechnet, jeweils für eine oder drei Portionen pro Tag. Der Hazard Index lag unter 1; die höchsten Werte (nahe 1) bei „Mass-Gainer"-Pulvern, die niedrigsten bei Whey-Pulvern; alle modellierten Blutbleiwerte lagen unter 5 µg/dL. Die Studie betrachtet allgemeine Toxizität, nicht reproduktive Endpunkte.
Cai et al. 2026, Nutrients [s04]: narrative Übersicht zu Gesundheitsrisiken von Sportsupplementen bei Athleten (endokrin, kardiovaskulär, gastrointestinal). Im Abstract ohne Zahlen und ohne Aussage zur Spermienqualität; kein systematisches Verfahren erkennbar.
Newman-Sanders et al. 2024, Reproductive BioMedicine Online [s56]: Umfrage und Fokusgruppen in Großbritannien. Fragebogen (n = 153, Februar bis März 2023) und zwei Fokusgruppen (n = 10 insgesamt). Frauen und Männer unterschieden sich signifikant im Bewusstsein für mögliche Auswirkungen von hochintensivem Training und Proteinpulvern auf die männliche Fortpflanzungsgesundheit (P = 0,045). Es ist eine Einstellungs- und Wissensstudie ohne Samenanalyse; sie belegt keine Wirkung der Produkte.
Weitere Hinweise. Ketheeswaran et al. [s119] zitieren zwei Arbeiten, nach denen nicht deklarierte Anabolika in Supplementen häufig seien (23 von 24 Präparaten aus Fitnessgeräte- und Online-Shops beziehungsweise 14,8 % von 634 nichthormonellen Supplementen); die Originalarbeiten wurden von der Recherche nicht abgerufen, es sind Sekundärangaben.
Anabolika als Begleit- und Störfaktor (Nachbargebiet, keine Sportnahrung)
Anabole Steroide sind keine Nahrungsergänzung. Sie werden hier getrennt aufgeführt, weil sie in der Literatur zu Sportnahrung ständig als Störfaktor, Verunreinigung oder Parallelkonsum auftauchen und weil die Evidenz hier deutlich dichter ist.
Zusammenfassende Arbeiten. Mulawkar et al. 2023, Journal of Human Reproductive Sciences [s71]: systematische Übersicht mit Metaanalyse, 32 Studien (12 Kohorten, 5 Fall-Kontroll-Studien, 9 Querschnittserhebungen, 6 Fallberichte), 9.371 Personen, davon 2.671 Anwender (PROSPERO CRD42023411294). Anwender hatten niedrigere FSH- und LH-Werte als Nichtanwender; diese blieben drei bis sechs Monate nach dem Absetzen niedrig und unterschieden sich nach einem Jahr nicht mehr. Das Gesamttestosteron war zu Beginn sowie nach drei und sechs Monaten vergleichbar, nach einem Jahr bei Anwendern niedriger. Die Spermienkonzentration war bei Anwendern und Naiven ähnlich, die Motilität bei Anwendern niedriger, das Hodenvolumen kleiner. Grenzen laut Autoren: kleine Stichproben, Polypharmazie, fehlende Dosisangaben, hohe Heterogenität. Rajmil und Moreno-Sepulveda 2024, Actas Urológicas Españolas [s57]: systematische Übersicht, 13 Studien zu Protokollen zur Wiederherstellung der Spermienbildung nach Steroidmissbrauch; die Spermienbildung könne mehr als ein Jahr bis zur Normalisierung brauchen; beschrieben werden Gonadotropine, selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren und Aromatasehemmer, aber „schlecht beschrieben" (Inhaltsangabe des Abstracts). Vilar Neto et al. 2021, Andrologia [s99]: systematische Übersicht von 179 Fallberichten; 168 Fälle mit gesichertem steroidbedingtem Hypogonadismus; nur bei 38 war der Verlauf vollständig bekannt, davon bei lediglich vier (zwei mit Arzneimitteltherapie) vollständig reversibel. Berichtsauswahl bei Fallberichten; die Aussagen zur Reversibilität stehen im Widerspruch zu den Kohortenbefunden [s98] und [s71]. Majzoub und Canguven 2026, Übersichtsarbeit aus sexualmedizinischer Sicht [s22]: Hormonwerte normalisieren sich nach dem Absetzen häufig früher als die Ejakulatwerte; bei langer oder hochdosierter Exposition kann die Erholung verzögert oder unvollständig sein. Hashimi et al. 2025 [s36]: klinischer Leitfaden zur Azoospermie nach exogenem Testosteron oder Anabolika; kaum kontrollierte Langzeitstudien. Lichonosov und Babenko 2019 [s121]: Übersicht zu Verbreitung, Wirkung auf die Hypophysen-Gonaden-Achse und reproduktiver Rehabilitation. Wenbo und Yan 2023, Journal of Multidisciplinary Healthcare [s72]: Literaturübersicht; Komplikationen betreffen kardiovaskuläre Pathologien, Hypogonadismus nach Absetzen, testikuläre Dysfunktion, Akne, Gynäkomastie und neuropsychiatrische Störungen; keine Samenparameter im Abstract.
Humanstudien.
Smit et al. 2021, Human Reproduction [s98]: HAARLEM-Studie, 100 männliche Freizeitsportler, ein Jahr. Eingeschlossen waren Männer, die seit mindestens drei Monaten keine Androgene genommen hatten und innerhalb von zwei Wochen einen Zyklus beginnen wollten. Messungen vor (T0), am Ende (T1) und drei Monate nach dem Ende (T2) sowie ein Jahr nach Beginn (T3). Während der Einnahme hatten 77 % eine Gesamtspermienzahl (TSC) unter 40 Millionen. Drei Monate nach Zyklusende waren Gesamttestosteron (−1,9 nmol/L; KI −12,2 bis 8,33; P = 0,71) und freies Testosteron (−38,6 pmol/L; KI −476 bis 399; P = 0,86) nicht verschieden vom Ausgangswert, die mittlere TSC lag aber um 61,7 Millionen niedriger (KI 33,7 bis 90,0; P < 0,01). Bei T3 war Testosteron weiter unauffällig (gesamt −0,82 nmol/L; KI −11,5 bis 9,86; P = 0,88; frei −25,8 pmol/L; KI −480 bis 428; P = 0,91), die TSC jedoch noch um 29,7 Millionen niedriger (KI −59,1 bis −0,39; P = 0,05). Bei neun Männern (11 %) lag Testosteron am Ende unter der Norm, 25 Männer (34 %) hatten weiter eine TSC unter 40 Millionen. Autoren: Erholung bei der Mehrheit, aber nicht bei allen; möglicherweise besonders bei hoher Vorbelastung. Stärken: prospektiv mit Basiswert und Samenanalyse. Schwächen: keine Kontrollgruppe ohne Steroide, wachsender Datenverlust, nach Angabe der Autoren für die langsame Erholung zu kurze Nachbeobachtung, selbstgewählte und nicht standardisierte Zyklen.
Knuth, Maniera und Nieschlag 1989, Fertility and Sterility [s174]: 41 Bodybuilder und 41 normale Freiwillige. Alter 26,7 ± 0,7 Jahre, Gewicht 97,5 ± 2,0 kg; Steroiddosen bis zum 40-Fachen der klinisch üblichen Mengen. Nur 5 der Kontrollen, aber 24 der Bodybuilder hatten Spermienzahlen unter der unteren Normgrenze von 20 Millionen/mL; Anteil beweglicher und normal geformter Spermien bei Bodybuildern signifikant verringert, abhängig von Dauer des Gebrauchs und Abstand zur letzten Einnahme. Wer seit mehr als vier Monaten abgesetzt hatte, hatte normale Spermienzahlen. Schwächen: rückblickende Erfassung der Einnahme, kleine Gruppen, Alter der Studie.
Torres-Calleja et al. 2001, Life Sciences [s170]: 30 Bodybuilder, 15 mit und 15 ohne Steroide. Bei den 15 Anwendern hatten 8 Spermienzahlen unter 20 Millionen/mL, 3 Azoospermie, 2 Polyzoospermie (so im Abstract) und 2 normale Zahlen; nur 17,7 % normal geformte Spermien. FSH vermindert (1,5 ± 3,2 gegenüber 5,0 ± 1,6; p < 0,001), Prolaktin vermindert (5,1 ± 4,9 gegenüber 9,2 ± 4,4; p < 0,01); LH, Testosteron, Östradiol und DHEA unverändert. Sehr klein; Einheiten und Standardabweichungen im Abstract teils schwer plausibel.
Karila, Hovatta und Seppälä 2004, International Journal of Sports Medicine [s167]: 18 gesunde Kraftsportler, Steroide plus hCG. Proben während der Einnahme sowie 1,5 und 6 Monate nach Beendigung. Spermienkonzentration am Zyklusende 33 ± 49 Millionen/mL (Mittel ± SD), nur ein Mann azoosperm; nach 1,5 Monaten 30 ± 42, nach 6 Monaten 77 ± 70 Millionen/mL (Unterschied der 6-Monats-Probe zu den beiden früheren p ≤ 0,05). Die hCG-Dosis korrelierte mit dem Anteil morphologisch abnormaler Spermien (r = 0,60; p < 0,01). Die Autoren sprechen von vorübergehender Beeinträchtigung bei fortbestehender Spermienbildung. Kleine Gruppe, keine Kontrolle, Selbstberichte; das Ergebnis der Sechs-Jahres-Befragung steht nicht im Abstract.
Jambi et al. 2024, Saudi Pharmaceutical Journal [s50]: 16 saudische Sportler, 10 Anwender und 6 Nichtanwender (Anwender überwiegend Testosteronpropionat, 41,18 %). Mediane bei Anwendern gegenüber Kontrollen: LH 0,1 gegenüber 2,7 mIU/ml; FSH 0,05 gegenüber 2,71 mIU/ml; Gesamttestosteron 89,9 gegenüber 20,5 nmol/l; Östradiol 136,5 gegenüber 57,5 pmol/l (alle P < 0,05); ALT, AST und CK erhöht. Keine Samenanalyse; die Autoren nennen sie als Aufgabe für künftige Arbeiten; Alter 34 ± 4 gegenüber 28 ± 2 Jahre, BMI 29 ± 2 gegenüber 25 ± 4 kg/m².
Al Hashimi et al. 2022, Andrologia [s74]: prospektive Einzelzentrumsstudie, Abu Dhabi, 520 Männer. 774 gesichtet, 520 eingeschlossen; mittleres Alter 32 ± 4 Jahre; Kurdauer meist acht bis zwölf Wochen (64 %). Vor dem Zyklus war das Ejakulat bei allen normal (Konzentration 31 ± 2,2 und 32 ± 2,1 Mio./ml). Bei Vorstellung hatten 411 Männer (79 %) ein auffälliges Ejakulat, davon 337 (82 %) mit Kombination aus Oligo-, Azoo- und Asthenozoospermie; Oligozoospermie bei 279 (68 %, Mittelwert 6 ± 1,8 Mio./ml), Azoospermie bei 33 (8 %), Asthenozoospermie bei 251 (61 %). Libidoverlust 72 %, erektile Dysfunktion 68 %, Gynäkomastie 35 %. Nach drei Monaten Beobachtung entschieden sich 463 Männer (89 %) für eine Behandlung, 57 (11 %) blieben unbehandelt; die Behandelten erholten sich schneller (p < 0,005). Bei den 94 Männern mit Kinderwunsch-Problem erreichten nach 12 Monaten 14 (15 %) eine Schwangerschaft, alle Azoospermiepatienten blieben infertil. Unstimmigkeiten: Die Zuteilung erfolgte nach Patientenwunsch, die Bezeichnung „randomisiert" im Titel trifft nicht im üblichen Sinn zu; der Text nennt 74 Männer mit Infertilität, der Abstract 94; Tabelle 2 gibt für den 6-Monats-Vergleich des IIEF p = 1,0000 an, der Text berichtet signifikante Unterschiede ab sechs Monaten. Keine Daten zu Nahrungsergänzung.
Al Hashimi et al. 2023, Health Science Reports [s58]: Ärzteumfrage, Vereinigte Arabische Emirate, 151 Ärzte. 90,73 % sahen eine Zunahme des Anabolikamissbrauchs; Betroffene kamen mit Infertilität (64,24 %) und erektiler Dysfunktion (59,60 %); bei der Abklärung auffällige Ejakulatbefunde (77,48 %), Hormone (94,70 %), kleinere Hoden (50,33 %). Erwartete Spontanerholung sechs bis zwölf Monate; ein Drittel Rückfälle; 44,44 % richteten sich nach persönlicher Erfahrung, weil Leitlinien fehlen. Das sind Einschätzungen von Ärzten, keine Patientendaten.
İbis et al. 2026, BJU International [s15]: retrospektive Zweizentrenstudie, Ankara, 79 Freizeit-Bodybuilder. Höchstens sechs Monate Anabolikaanwendung, dokumentiert normaler Ausgangsbefund; verglichen wurden Beobachtung ohne Behandlung, Clomifen allein und Clomifen plus hCG. Ausgangslage: erektile Dysfunktion bei 89,9 %, Azoospermie oder schwere Oligozoospermie bei 69,7 %. Nach 12 Monaten waren 87,5 % (Clomifen plus hCG), 69,2 % (Clomifen) und 58,6 % (ohne Behandlung) normozoosperm; Hodenvolumenanstieg um mindestens 20 % bei 70,8 % gegenüber 6,9 %. Odds Ratio für Normozoospermie mit Kombinationstherapie 6,23 (1,32 bis 29,4), für die Beweglichkeitserholung 4,85 (1,27 bis 18,4); die Hormone erholten sich nach Angabe der Autoren innerhalb von sechs bis zwölf Monaten spontan. Schwächen: retrospektiv, nicht randomisiert, kleine Untergruppen mit weiten Intervallen, Gründe der Therapiewahl nicht beschrieben (Vermischung mit dem Schweregrad möglich). Auch in der unbehandelten Gruppe erreichten 58,6 % nach 12 Monaten Normozoospermie.
Lichonosov et al. 2020, Problemy endokrinologii [s110]: 44 Männer, Sankt Petersburg. Prospektiv, offen, unkontrolliert; Alter 29 Jahre, Anwendungsdauer 6 Monate. Während der Anwendung LH 0,2 mIU/ml, Gesamttestosteron 4,34 ng/ml; nach drei Monaten Pause mit einheitlicher Erholungstherapie LH 4,12 mIU/ml, Testosteron 4,55 ng/ml; unter dem Grenzwert blieben noch 20,5 % (n = 9) beim Testosteron und 4,5 % (n = 2) beim LH. Befriedigende Erholung bei 35 Männern (79,5 %), mangelhafte bei 9 (20,5 %). Korrelationen mit der Erholung des Testosterons: Anwendungsdauer −0,857 (p < 0,0001), Zahl der Präparate −0,443 (p = 0,003), Dosis −0,7825 (p < 0,0001), Präparatetyp −0,698 (p < 0,0001). Keine Kontrollgruppe, hormonelle statt Ejakulat-Endpunkte.
Verbreitung in Fitnessstudios. Lichonosov und Babenko 2019, Problemy endokrinologii [s120]: anonyme Postumfrage in Sankt Petersburg, 762 Rückläufer, 550 auswertbar; 30,4 % gaben Anabolikaanwendung an; Testosterondosen von 500 bis 2.000 mg pro Woche und mehr, am häufigsten 1.000 mg/Woche (23,9 %); Anwendung über mehr als ein Jahr bei 16,1 %; geringer Rücklauf, Selbstauskunft, keine Spermienparameter. Eraslan et al. 2026, Journal of Ethnicity in Substance Abuse [s07]: retrospektive Analyse von 161 Freizeitsportlern; als Anwender galten Sportler mit unterdrückten Gonadotropinen, 57 (35,4 %); die Einstufung über das Hormonbild kann fehlklassifizieren, der Anteil ist kein Prävalenzwert. Mubarak et al. 2025, Substance Abuse and Rehabilitation [s38]: 31 Männer (Online-Fragebogen), 18 mit Blutuntersuchung; 94 % nutzten Anabolika zu nichttherapeutischen Zwecken, 74 % zusätzlich weitere Präparate; sehr klein, selbst rekrutiert, keine Spermienanalyse. Hariri et al. 2019, Research and Reports in Urology [s116]: 382 Interviews in Fitnesszentren in Riad, bei 48 Untersuchten hatten 22 (46 %) eine Varikozele; kein Unterschied zwischen Bodybuildern und Aerobic-Sportlern (P = 0,249), mehr Varikozelen bei Training mehr als dreimal pro Woche (P = 0,009); kein Nahrungsergänzungsbefund.
Tierversuche mit Anabolika. Alle Modelle verwenden Dosen weit über therapeutischen Dosen und kleine Gruppen. Shokri et al. 2010, Basic and Clinical Pharmacology and Toxicology [s162]: Wistar-Ratten, fünf Gruppen über acht Wochen (Vehikel, Nandrolondecanoat 10 mg/kg pro Woche, Training, Nandrolon plus Training, sitzende Kontrolle); Hodengewicht, Gewicht der Nebengeschlechtsorgane und Spermienparameter sanken in den Versuchsgruppen (p ≤ 0,05); Training verstärkte die apoptotischen Veränderungen. Shokri et al. 2014, Andrologia [s155]: gleiche Anordnung über zehn Wochen; Spermienzahl in allen Testgruppen verschlechtert (P ≤ 0,01), weniger fertile Tiere in den Nandrolongruppen (P ≤ 0,05), Protamindefizit bei Nandrolon plus Training. Maia et al. 2015, International Journal of Morphology [s145]: 24 Ratten, Nandrolondecanoat 5 mg/kg intramuskulär, freiwilliges Laufradtraining zweimal wöchentlich über 12 Wochen; kein signifikanter Unterschied in der Leistung der Spermatogenese, die Autoren können nicht sagen, dass Nandrolon die Fertilität stört; im Gegensatz zu [s162, s155] (andere Dosis, Zwangslaufen, andere Endpunkte). Mohamed und Mohamed 2015 [s146]: 18 Ratten (6 je Gruppe), 3 oder 10 mg/kg wöchentlich über acht Wochen; in der Hochdosisgruppe waren fast alle Hodenkanälchen frei von Spermatiden und Spermien; in beiden Gruppen stiegen Lipidperoxidation und DNA-Fragmentierung, Testosteron und antioxidative Enzyme sanken. Saddick 2021, Saudi Journal of Biological Sciences [s96]: 28 Ratten (18 behandelt, 10 Kontrolle), 10 mg/kg wöchentlich über vier Wochen; Hodengewicht 1,76 ± 0,06 gegenüber 2,08 ± 0,15 g; Kanälchenbreite 189,08 ± 5,65 gegenüber 234,25 ± 7,32 µm; Höhe der Keimzellschicht 23,83 ± 0,83 gegenüber 38,36 ± 1,95 µm (P < 0,01); keine Spermienparameter, ungleiche Gruppen. Hammood et al. 2026, International Journal of Reproductive Biomedicine [s11]: 20 Ratten (5 je Gruppe), Stanozolol 5, 10 oder 15 mg/kg täglich über 60 Tage; Hodengewicht in allen Dosisgruppen niedriger (p < 0,001); Spermienkonzentration, Vitalität und Beweglichkeit niedriger (p < 0,001), abnorme Spermienformen höher (p < 0,001), darunter Kopf-, Mittelstück- und Flagellum-Fehlbildungen; Johnsen-Score bei 5 mg/kg p < 0,01, bei 10 und 15 mg/kg p < 0,0001; Kanälchendurchmesser bei 5 mg/kg (p = 0,002) und 15 mg/kg (p = 0,008) kleiner, bei 10 mg/kg nicht signifikant (p = 0,084). Al-Otaibi 2024, Toxicology Research [s46]: Trenorol 10 mg/kg wöchentlich senkte relatives Hodengewicht, Hormone, Spermienzahl, Vitalität und Beweglichkeit; die in der Arbeit so bezeichnete Vitamin-B17-Gabe (50 mg/kg täglich) verringerte diese Veränderungen; Gruppengrößen nicht angegeben. ElShebiney et al. 2025, Scientific Reports [s34]: Stanozolol 5 mg/kg wöchentlich und Cannabis 20 mg/kg täglich, allein oder kombiniert, zwei Monate, mit oder ohne Schwimmtraining; die Kombination schädigte den Hoden am stärksten, Training milderte die Schäden teilweise. Vereshchako et al. 2011 [s159]: Fenobolin 2,5 mg/kg bei fraktionierter Bestrahlung senkte die relative Masse von Hoden und Nebenhoden; Gruppengrößen nicht angegeben. Lee 2021, Development and Reproduction [s94]: Nandrolondecanoat 2 oder 10 mg/kg/Woche für zwei oder zwölf Wochen; die Expression der Wasserkanäle Aquaporin 1 und 9 im Nebenhoden stieg oder sank je nach Abschnitt, Dosis und Dauer; nur Transkriptmengen, keine Spermienparameter.