Die folgenden Fragen ergeben sich aus den Lücken, die in den vorangegangenen Abschnitten benannt sind. Sie beschreiben Forschungsbedarf. Sie sind keine Handlungsempfehlungen für einzelne Personen.
- Kreatin bei gesunden Männern. Die einzige randomisierte Studie hat 15 Teilnehmer und einen nicht signifikanten primären Konzentrationsvergleich [s23]. Offen ist, ob Kreatinmonohydrat bei normozoospermen Männern die Samenparameter über Monate verändert. Eine ausreichend große, placebokontrollierte Studie mit vorab festgelegtem primärem Endpunkt, Samenanalyse nach Standardverfahren, definierter Karenzzeit, Mehrfachproben und Erfassung von Kreatin im Sperma wäre die direkte Antwort. Die Unabhängigkeit der Prüfung von der Kreatinindustrie wäre angesichts der offengelegten Verbindungen der bisherigen Arbeitsgruppe [s39] ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
- Dihydrotestosteron unter Kreatin. Der Anstieg von Dihydrotestosteron um 56 % bei 20 Rugbyspielern [s163] wurde nie mit Samenparametern verknüpft. Offen ist, ob er sich in anderen Populationen zeigt, ob er mit einer Veränderung der Spermienbildung einhergeht und ob er bei Dauereinnahme bestehen bleibt. Die Autoren der Studie nennen die langfristige klinische Sicherheit selbst als nicht gesichert.
- Proteinpulver mit Samenanalyse. Es fehlen randomisierte Studien mit Whey. Offen sind insbesondere: Unterscheidet sich der Effekt nach Proteinquelle (Whey, Kasein, Soja, Pflanzenproteine)? Hängt er von Menge und Dauer ab? Wie verhält es sich bei Männern mit niedrigem Ausgangswert, bei denen die Pilotbeobachtung [s119] eine höhere Konzentration nach Absetzen zeigte? Eine Wiederholung der Querschnittsstudie [s113], zu der die Autoren selbst anregen, mit Angabe von Produktart, Dosis und Dauer, und eine Beobachtung mit Kontrollgruppe, die Regression zur Mitte und Saisonschwankung berücksichtigt, wären naheliegend.
- Energy-Drinks als eigene Exposition. Beim Menschen fehlt jede kontrollierte Studie. Offen ist, ob Energy-Drinks sich von anderen zuckergesüßten Getränken unterscheiden und ob Koffein, Taurin oder Zucker für die berichteten Zusammenhänge verantwortlich sind. In den Kohorten mit Fragebogen [s95, s51] wäre eine getrennte Auswertung von Energy-Drinks möglich, wenn die Daten es hergeben; die Abstracts nennen sie nicht getrennt. Tierversuche mit einzelnen Inhaltsstoffen, Futter- und Wasseraufnahme, Hormonstatus und Hodenhistologie fehlen [s54].
- Koffein und Dosis. Die Befunde reichen von günstig bis ungünstig [s148, s21, s48, s137, s104]. Offen ist die Dosis-Wirkungs-Beziehung über Quellen (Kaffee, Tee, Cola, Energy-Drink) hinweg, die Rolle des Schlafs als Mittler [s21] und ob Samenparameter und Behandlungserfolg [s136] verschieden reagieren. Prospektive Studien mit wiederholten Messungen von Koffeinzufuhr (etwa über Biomarker) fehlen in den Quellen.
- Verunreinigung von Produkten. Der Anteil mit Steroiden verunreinigter Sportnahrung stammt aus Sekundärzitaten [s119, s143]. Offen ist, wie häufig dies heute in verschiedenen Märkten vorkommt, ob verunreinigte Produkte bei Nutzern messbare Hormon- und Samenveränderungen auslösen und ob Studien wie [s113] und [s143] dadurch verzerrt sind. Chemische Analysen der in Studien verwendeten Produkte und Hormonmessungen bei Nutzern wären nötig.
- Trennung von Training, Ernährung und Produkt. Die Studien zu Sportnahrung können Produktnutzung und Training nur teilweise trennen. Offen ist, welche Rolle Trainingsart und -umfang [s117, s45, s35, s18] gegenüber dem Produkt spielen. Studien in Sportlerkohorten mit erfasster Supplementnutzung und gleichzeitiger Samenanalyse fehlen; die Umfrage unter Fitnessstudio-Nutzern [s56] belegt zudem ein geringes Bewusstsein für das Thema bei Männern, aber keine Wirkung.
- Fruchtbarkeit statt Ersatzmarker. Die Mehrzahl der Studien misst Samenparameter oder Hormone. Offen ist, ob Veränderungen in dem berichteten Ausmaß die Zeit bis zur Schwangerschaft oder die Lebendgeburtenrate beeinflussen; dafür wären prospektive Paarkohorten mit Erfassung der Produktnutzung nötig. Bei den berichteten Unterschieden (zum Beispiel −13,2 Mio./mL in [s95]) ist die klinische Relevanz nicht geklärt.
- Erholung nach Anabolika bei gleichzeitiger Supplementnutzung. Die Erholungsstudien [s98, s110, s15, s174] erfassen Anabolika, aber kaum die begleitende Nutzung von Proteinpulver, Kreatin oder Energy-Drinks. Offen ist, ob diese Begleitprodukte die Erholung beeinflussen, und wie lange die Nachbeobachtung sein muss, damit die Erholung der Spermienbildung vollständig erfasst wird; die Autoren von [s98] nennen die Nachbeobachtung als zu kurz.
- Mechanismen. Offen ist, ob die an Mäusen gezeigte Rolle des Kreatins für die Blut-Hoden-Schranke [s53] beim Menschen besteht und ob erhöhte Zufuhr bei normaler Versorgung etwas ändert; in der Diabetes-Ratte stehen morphologische Besserung und gegenläufige Marker nebeneinander [s09]. Für Taurin und β-Alanin stehen Humaninterventionen vollständig aus [s66, s88].
- Ältere Männer, Frauen, Jugendliche. Die Studien betreffen überwiegend junge Männer oder Männer in Kinderwunschkliniken. Jugendliche mit hoher Nutzung von Sportnahrung, ältere Männer und die Rolle väterlicher Faktoren für die Nachkommen (Tierdaten in [s81]) sind kaum untersucht.
- Nicht erreichte Literatur. Offen ist, was in den nicht zugänglichen nationalen Datenbanken (chinesisch, koreanisch, russisch, arabisch, türkisch, lateinamerikanisch) steht. Der japanische Titel zu Kreatin und Ergothionein von 2023 wäre ein erster Prüfpunkt. Eine Suche mit institutionellem Zugang und mit Hilfe von Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern würde die Lücke schließen oder bestätigen.
- Berichtsqualität. Mehrere Studien enthalten Unstimmigkeiten zwischen Abstract, Text und Tabellen. Registrierte Studienprotokolle, vollständige Berichte mit Rohdaten und die Angabe von Interessenkonflikten würden die Bewertung erleichtern.