Kreatin, Proteinpulver und Sporternährung · Kapitel 2 von 21

Aufbau und Methodik dieser Studie

Fragestellung und Abgrenzung

Die Studie fragt, was die wissenschaftliche Literatur über den Zusammenhang zwischen Sportnahrung und der Spermienqualität des Mannes aussagt. Im Zentrum stehen vier Produktgruppen: Kreatin, Whey- und andere Proteinpulver, Energy-Drinks und weitere Sportnahrung, zu der hier Taurin, Beta-Alanin, Citrullin, Carnitin, Aminosäurepräparate und Mehrkomponentenpräparate zählen. Als Nachbargebiete wurden Koffein, zuckergesüßte Getränke, Nahrungseiweiß, anabole Steroide (die keine Sportnahrung sind, aber im selben Umfeld vorkommen und in der Literatur als Verunreinigung oder Störfaktor auftauchen) und Fertilitätspräparate mit Carnitin und Antioxidantien einbezogen. Diese Nachbargebiete sind im Text immer als solche gekennzeichnet. Zielgröße ist die Spermienqualität im weiteren Sinn: Samenparameter, Spermienfunktion, DNA-Fragmentierung, Hormone der Hodenfunktion und, wo vorhanden, klinische Endpunkte wie Lebendgeburt. Die Studie beschreibt, was die Literatur berichtet. Sie gibt keine Therapie- und keine Anwendungsempfehlung für Einzelpersonen und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Recherche in drei Sprachgruppen

Die Recherche lief am 4. Oktober 2026 in drei parallelen Teilrecherchen, die jeweils eigene Sprachräume abdeckten. Die erste Gruppe suchte auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch, die zweite auf Chinesisch, Japanisch und Koreanisch, die dritte auf Russisch, Arabisch und Türkisch. Gesucht wurde mit den Produktbegriffen (zum Beispiel Kreatin, Molkenprotein, Proteinpulver, Energy-Drink, Koffein, Taurin, Carnitin, Anabolika) in den jeweiligen Sprachen, kombiniert mit Begriffen für Spermienqualität, Samenanalyse, Hoden und männliche Infertilität.

Die Hauptwege waren die NCBI-E-utilities (PubMed) und die REST-Schnittstelle von Europe PMC, da die PubMed-Webseite für die Recherche nicht nutzbar war. Dazu kamen, je nach Sprachraum, die französische Plattform HAL, das spanischsprachige Portal Dialnet, die japanischen Dienste CiNii und J-STAGE, das türkische Verzeichnis TR Dizin, die russische Plattform CyberLeninka sowie Crossref zur Plausibilisierung. Leitlinientexte wurden direkt bei den Fachgesellschaften abgerufen (AUA, EAU, AWMF, ESHRE).

Aufgenommen wurde eine Quelle nur, wenn mindestens ein Abstract tatsächlich abgerufen wurde. Die drei Teilberichte enthielten 84, 45 und 54 Einträge. Nach der Zusammenführung von Mehrfachfunden (sieben Arbeiten wurden von zwei Teilrecherchen unabhängig gefunden) und einer Bereinigung umfasst die einheitliche Quellenliste 175 Einträge, die in dieser Studie ausschließlich mit den Kennungen s01 bis s175 in eckigen Klammern zitiert werden, etwa [s23] oder [s23, s40]. Die Kennungen der Teilrecherchen werden nicht verwendet.

Die Quellenbasis

Die Quellen stammen überwiegend aus den vergangenen Jahren: 113 der 175 Einträge sind 2020 oder später erschienen, davon 30 im Jahr 2026; 49 entfallen auf 2010 bis 2019 und zwölf auf 2009 oder früher. Ein Eintrag, das online abgerufene EAU-Kapitel, trägt kein Ausgabejahr. Die ältesten Arbeiten sind eine Vergleichsstudie an Bodybuildern von 1989 [s174] und ein Kaninchenversuch zu Koffein von 1994 [s173].

Nach der Sprachangabe der Quellen sind 143 Einträge ausschließlich englisch. 32 Einträge tragen mindestens eine weitere Sprachangabe, davon 17 ausschließlich nichtenglisch (sechs russisch, vier spanisch, drei chinesisch, zwei französisch, je einer japanisch und deutsch) und 15 zweisprachig (neun englisch und russisch, vier englisch und türkisch, zwei englisch und spanisch). Aus dem italienischen, portugiesischen, arabischen und koreanischen Sprachraum enthält die Quellenliste keine Arbeit in der Landessprache; arabische und koreanische Forschung ist nur über englischsprachige Aufsätze vertreten. Der Sprachraum einer Arbeit wird in den Teilrecherchen teils über die Herkunft der Autoren, teils über die Sprache des Aufsatzes bestimmt. Ostasiatische, arabische und türkische Gruppen veröffentlichen überwiegend auf Englisch.

Nach Art der Quellen ergibt sich ein Mischbild. Rund ein Drittel sind Beobachtungsstudien am Menschen, vor allem Querschnitt- und Fall-Kontroll-Studien mit Fragebögen. Gut ein Fünftel sind Tierversuche, meist an Ratten oder Mäusen, häufig mit kleinen Gruppen. Hinzu kommen narrative und systematische Übersichtsarbeiten, einzelne Leitlinien, In-vitro-Studien an menschlichem Ejakulat und eine kleine Zahl von Interventionsstudien am Menschen. Interventionsstudien mit Samenanalyse zu den Kernprodukten sind darunter nur eine Pilotstudie zu Kreatin [s23], eine Crossover-Studie zu Sojaprotein [s161] und eine unkontrollierte Beobachtung zum Absetzen von Proteinpulver [s119]. Die übrigen Interventionsstudien betreffen Fertilitätspräparate bei Männern aus Kinderwunschkliniken oder Sport- und Hormonendpunkte ohne Samenanalyse. Die Aufteilung ist eine grobe Einordnung nach dem Design-Feld der Quellenliste, keine formale Klassifikation.

Was abgerufen und was gelesen wurde

Die meisten Zahlen dieser Studie stammen aus Abstracts. Volltexte lagen nur für einen kleinen Teil vor: In der ersten Teilrecherche wurden acht Volltexte gelesen [s32, s39, s40, s84, s86, s119, s142, s143], in der dritten 19, darunter die Ratten-Energy-Drink-Studie [s54] und mehrere Anabolika-Studien [s74, s50]; in der zweiten Teilrecherche wurde kein Volltext gelesen. Wo ein Abstract keine Fallzahl, keine Effektgröße oder kein Konfidenzintervall nennt, steht das im Text. Solche Angaben wurden nicht ergänzt. Stichprobenartig wurden Abstracts bei PubMed erneut abgerufen und mit den Zahlen der Teilberichte verglichen: die Studien zu Proteinpulver in Dänemark [s113], zur Kreatin-Pilotstudie [s23], zu zuckergesüßten Getränken in der Nassan-Studie [s95] und in der PRESTO-Kohorte [s51] stimmten überein.

Die Teilberichte weisen mehrere Unstimmigkeiten innerhalb der Originalarbeiten aus, die hier nicht aufgelöst, sondern benannt werden: Zahlen zum Spermienkreatin zwischen Volltext und Kongressabstract der Kreatin-Pilotstudie [s23, s40]; ein Konfidenzintervall und ein P-Wert zur Morphologie in einer iranischen Querschnittsstudie, die nicht zusammenpassen [s73]; Schlussfolgerungen, die im Widerspruch zu den Tabellen stehen, in einer Ratten-Energy-Drink-Studie [s54]; interne Widersprüche in einer Anabolika-Serie aus Abu Dhabi [s74]. Wer Quellen weiterverwendet, sollte diese Hinweise im Einzelfall prüfen.

Zugang, Datenbanken und Lücken der Recherche

Der Zugang war nicht in allen Räumen gleich gut. Europe PMC lieferte bei einfachen Abfragen zuverlässig, bei Anfragen mit Feldfiltern in zwei Läufen mit je sechs Wiederholungen aber dauerhaft Fehler; Sprachfilter-Suchen wurden dann über PubMed ersetzt. Die Cochrane Library war nur über den PubMed-Abstract erreichbar. Nicht auswertbar waren Cairn, SciELO und LILACS, die chinesischen und koreanischen Volltextdatenbanken CNKI, Wanfang, KCI und DBpia, das türkische DergiPark, die russische Bibliothek eLIBRARY.ru sowie die arabischen Plattformen Arab World Research Source und Mandumah. Das AWMF-Register wurde nicht durchsucht, und von der Leitlinie 015-085 liegt nur der Abstract vor.

Die Aussage „im Sprachraum nichts gefunden" bedeutet deshalb immer: nichts über die erreichbaren Wege. Arbeiten, die nur in einer der genannten Datenbanken stehen, konnten nicht geprüft werden. Dazu gehört ein japanischer Fachaufsatz von 2023, der nach seinem Titel Kreatin, Ergothionein und die Spermienbeweglichkeit beim Menschen verbindet, dessen Abstract aber nicht abrufbar war; er bleibt in dieser Studie ohne Inhalt.

Bewertung: Evidenzstärke und Gewissheit

Die Einstufungen folgen einem einfachen, offenen Schema, das keine formale Risikobewertung (Risk of Bias) und kein GRADE-Verfahren ersetzt. Es stützt sich auf die Angaben der Autoren und auf die aus dem Abstract erkennbare Anlage.

StufeEvidenzstärke (Belegbasis)Gewissheit (Sicherheit der Aussage)
hochmehrere unabhängige, große, gut kontrollierte Studien oder systematische Übersichten mit konsistentem Ergebnisneue Studien dürften die Aussage kaum verändern
mäßigmehrere große Beobachtungsstudien oder eine Metaanalyse mit erkennbaren Schwächendie Richtung ist wahrscheinlich, das Ausmaß unsicher
geringwenige oder kleine Studien, uneinheitliche Ergebnisse, hohe Störanfälligkeitdie Aussage kann sich mit neuen Studien ändern
sehr geringEinzelstudien, Pilotstudien, Tierversuche, Abstracts ohne Zahlendie Aussage ist vorläufig und kaum belastbar

Berücksichtigt werden Design und Fallzahl, die Direktheit der Frage (misst die Studie das fragliche Produkt und Samenparameter, oder nur Nachbargrößen), die Unabhängigkeit der Studien und die Konsistenz. Vier Abhängigkeiten werden durchgängig beachtet. Erstens stammen mehrere Kreatinarbeiten aus einer Arbeitsgruppe mit offengelegten Verbindungen zur Kreatinindustrie [s23, s39, s40, s86]. Zweitens beruhen drei chinesische Fall-Kontroll-Studien auf annähernd derselben Studienbasis am Shengjing Hospital in Shenyang [s82, s83, s100]; sie sind nicht voneinander unabhängig. Eine vierte Studie aus derselben Stadt [s79] hat andere Teilnehmergruppen. Drittens gehören die beiden dänischen Querschnittsstudien zu Proteinpulver und gesüßten Getränken zur selben FEPOS-Kohorte [s84, s113]. Viertens stammen drei Studien aus der Rochester Young Men's Study mit 189 Männern [s152, s154, s156]. Wer „viele Studien" zählt, zählt in diesen Fällen teils dieselben Männer mehrfach.

Zwei weitere Hinweise sind für die Lesart wichtig. Querschnitt- und Fall-Kontroll-Studien messen Zusammenhänge zu einem Zeitpunkt und können Ursache und Begleitumstand nicht trennen; Konsumenten von Energy-Drinks oder Proteinpulver unterscheiden sich vermutlich auch in Training, Gewicht, Ernährung und anderen Gewohnheiten. Und Tierversuche verwenden oft Dosen und Anteile im Trinkwasser, die sich nicht auf den menschlichen Verzehr übertragen lassen.

Zitierweise und zusätzliche Hintergrundquellen

Alle Befunde werden mit den Kennungen der Quellenliste belegt. Für den Abschnitt Hintergrund wurden drei weitere Quellen herangezogen, die nicht Teil der Quellenliste sind, weil sie die Fragestellung nicht untersuchen, sondern Definitionen und Referenzwerte liefern. Sie wurden am 4. Oktober 2026 über die Europe-PMC-Schnittstelle abgerufen und werden im Text mit Autor, Jahr, Zeitschrift und Datenbankkennung genannt, nicht mit Kennung in eckigen Klammern: Campbell und Kollegen 2021 (PubMed-Kennung 33528873), Boitrelle und Kollegen 2021 in der Zeitschrift Life (PubMed-Kennung 34947899) sowie Ruthig und Lamb 2022 in Frontiers in Endocrinology (PubMed-Kennung 35600584). Titel nichtenglischer und nichtdeutscher Arbeiten werden, wo sie genannt sind, im Original mit deutscher Übersetzung in Klammern wiedergegeben.

Aufbau der Gesamtstudie

Dieses erste Kapitel enthält Kurzfassung, Kernbefunde, Methodik und Hintergrund. Die Einzelheiten zu den Produktgruppen folgen in den weiteren Kapiteln der Gesamtstudie. Die Kernbefunde sind so formuliert, dass sie auch ohne diese Kapitel verständlich bleiben.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Vorbemerkung zu Kapitel 02
  5. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  6. Proteinpulver und Kreatin bis Muskelaufbaupräparate, Hodenkrebs und Wissen über Fruchtbarkeit
  7. Anabole Steroide im Kraftsportumfeld und Nahrungsprotein, Milch, Fleisch und Ernährungsmuster
  8. Körperliche Aktivität bis Einordnung der Beobachtungsstudien
  9. Kreatin und Whey- und Proteinpulver
  10. Energy-Drinks, zuckergesüßte Getränke, Koffein und Taurin bis Anabolika als Begleit- und Störfaktor (Nachbargebiet, keine Sportnahrung)
  11. Weitere Sportnahrung und Fertilitätspräparate (Kontext) bis Leitlinien im Einzelnen
  12. Mechanismen und biologische Plausibilität
  13. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  14. Englisch bis Russisch
  15. Arabisch und Türkisch
  16. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis
  22. Diagramme
  23. Quellen
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle