Ejakulationshäufigkeit, Gleitmittel und Sexualverhalten · Kapitel 13 von 21 · Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Englisch bis Spanisch

Die Frage, ob und wie Ejakulationshäufigkeit, Karenzzeit, Gleitmittel und der Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs mit der Samenqualität zusammenhängen, wird nicht in allen Sprachräumen gleich intensiv untersucht, und sie ist nicht überall gleich gut auffindbar. Dieses Kapitel ordnet die für die Studie ausgewerteten Quellen nach Sprachräumen. Maßgeblich ist dabei nicht allein die Sprache der Veröffentlichung, sondern auch die Herkunft der Einrichtung, denn ein großer Teil der nicht englischsprachigen Forschung erscheint auf Englisch. Von den 178 Quellen der Studie sind 142 dem englischen Sprachraum zugeordnet, 25 dem chinesischen, 7 dem japanischen, 6 dem russischen, 5 dem spanischen, 4 dem koreanischen, 3 dem türkischen und je eine dem französischen und dem deutschen. Für Italienisch, Portugiesisch und Arabisch ist keine Quelle zugeordnet. Mehrfachzuordnungen kommen vor, etwa bei Arbeiten aus chinesischen Einrichtungen mit englischem Text.

Zwei Vorbehalte gelten für das ganze Kapitel. Erstens beruhen die Befunde fast durchweg auf Abstracts und nur ausnahmsweise auf Volltexten. Methodische Einzelheiten wie Störgrößenkontrolle oder genaue Karenzdefinition sind deshalb für viele Studien nicht geprüft. Zweitens belegt das Fehlen einer Studie in einer Sprache nicht, dass es sie nicht gibt: Mehrere nationale Datenbanken waren ohne Konto oder Browser nicht abfragbar. Wo es kaum eigene Literatur gibt, wird das im jeweiligen Abschnitt offen gesagt. Eine Therapie- oder Verhaltensempfehlung folgt aus diesem Kapitel nicht.

Das Muster der Befunde ist über die Sprachräume hinweg ähnlich. Volumen, Konzentration und Gesamtspermienzahl steigen mit der Karenzzeit. Beweglichkeit und DNA-Fragmentierung verschlechtern sich in vielen, aber nicht allen Studien bei längerer Karenz, und die Effekte sind bei Männern mit auffälligem Befund meist größer als bei Männern mit unauffälligem Befund. Die nicht englischsprachigen Studien bestätigen diese Grundbefunde und fügen keinen abweichenden hinzu. Die Unterschiede zwischen den Sprachräumen liegen in der Menge, in den Studientypen und im Zugang zu den Daten.

Englisch

Gewicht und Herkunft. Praktisch alle Metaanalysen, alle Studien mit klinischen Endpunkten (Schwangerschaft, Lebendgeburt) und fast alle Gleitmittelstudien liegen auf Englisch vor. Die englischsprachige Literatur ist dabei international. Die Einrichtungen der Erstautoren liegen in Nordamerika, Europa, dem Nahen Osten, Süd- und Ostasien, Brasilien, Südafrika, Nigeria und Australien. Das Gewicht der Kinderwunschzentren in Asien (China, Indien, Iran, Indonesien, Vietnam, Thailand) hat in den Jahren 2024 bis 2026 stark zugenommen [s20, s22, s26, s27, s34, s35, s52, s57, s63]. Die Zeitschriften sind überwiegend andrologische und reproduktionsmedizinische Fachblätter: Fertility and Sterility, Human Reproduction, Andrology, Andrologia, Urology, Translational Andrology and Urology, Asian Journal of Andrology, JBRA Assisted Reproduction, Frontiers in Endocrinology, Journal of Clinical Medicine und The World Journal of Men's Health, dazu die Cochrane Database of Systematic Reviews und für die Tierarbeiten Theriogenology, Animal Reproduction Science und Reproduction in Domestic Animals.

Zusammenfassende Arbeiten zur Karenz. Die Dosis-Wirkungs-Metaanalyse von Du et al. 2024 wertete 85 Studien aus drei englischsprachigen und vier chinesischen Datenbanken aus (2000 bis August 2023). Bei gesunden Männern lagen die Mittelwertdifferenzen (kurze minus lange Karenz) für das Volumen bei −0,95 ml (95-%-Konfidenzintervall −1,16 bis −0,74), für die Gesamtspermienzahl bei −102,45 × 10^6 (−117,98 bis −86,91), für die Konzentration bei −11,88 × 10^6/ml (−18,96 bis −4,80) und für den DNA-Fragmentierungsindex bei −2,37 Prozentpunkten (−4,73 bis −0,01). Bei unerklärter Infertilität ergaben sich eine um 5,63 Prozentpunkte niedrigere DNA-Fragmentierung (−10,19 bis −1,06) und eine um 6,14 Prozentpunkte höhere Vitalität nach kurzer Karenz. Die Dosis-Wirkungs-Analyse sah bei Oligozoospermie einen nichtlinearen Anstieg der Gesamtzahl mit Knickpunkt um den vierten bis fünften Tag, die Autoren mahnen selbst zur Vorsicht bei kausalen Schlüssen [s32]. Raditya et al. 2025 (22 Studien, 31.640 Proben) fanden bei Karenz unter zwei Tagen ein geringeres Volumen (Mittelwertdifferenz −0,83), eine niedrigere Konzentration (−8,39) und eine geringere DNA-Fragmentierung (−3,82) sowie eine höhere Gesamt- und Progressivbeweglichkeit (2,30 und 2,18); Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht [s22]. Lo Giudice et al. 2024 (13 Studien, 2.315 Patienten, Grenze bei zwei Tagen) fanden bei längerer Karenz eine höhere Konzentration (8,19), ein größeres Volumen (0,96) und eine höhere DNA-Fragmentierung (3,46) bei geringerer Progressivbeweglichkeit (−1,83); je Karenztag stieg die Konzentration um 3,74 [s38]. Zu beachten ist, dass die Vorzeichen zwischen den Arbeiten wechseln, weil einmal kurz minus lang und einmal lang minus kurz gerechnet wird. Barbagallo et al. 2022 (19 Studien) untersuchten die sehr kurze Karenz bis vier Stunden; im zweiten Ejakulat sank das Volumen, bei kombinierter Befundstörung stiegen Konzentration und Beweglichkeit, und die DNA-Fragmentierung sank [s58]. Kugelman et al. 2024 (16 Studien, 641 Patienten) fanden bei Hodenspermien eine um 9,48 niedrigere DNA-Fragmentierung als im Ejakulat nach kurzer Karenz von 1 bis 48 Stunden (95-%-Konfidenzintervall −12,45 bis −6,52; I-Quadrat 85 %); die Evidenzsicherheit wurde nach GRADE als niedrig eingestuft, und die Gruppen wurden nie direkt in derselben Studie verglichen [s37]. Die systematischen Übersichten von Hanson et al. 2018 (28 Publikationen), Ayad et al. 2018 (30 Arbeiten), Sokol et al. 2021 und Sørensen et al. 2023 (24 Studien) kommen zu einem gemeinsamen, vorsichtigen Bild: längere Karenz mehr Volumen und Spermien, kürzere Karenz häufig bessere Beweglichkeit und DNA-Integrität, aber wegen der Heterogenität keine klaren Empfehlungen [s98, s96, s78, s53].

Große Kohorten und Register. Die größten englischsprachigen Datensätze stammen aus Kliniken und Laboren. Keihani et al. (USA) werteten 11.782 Untersuchungen von 10.095 Patienten aus; bei normozoospermen Männern stiegen Volumen, Konzentration, Gesamtzahl und Gesamtzahl beweglicher Spermien mit der Karenz, bei oligozoospermen Männern verbesserte sich außer dem Volumen kein Parameter [s104]. Russo et al. (Italien) werteten 23.527 Proben aus: Bei Normozoospermie stieg die Gesamtzahl von 92,4 auf 191,1 Millionen zwischen Tag 1 und Tag 7, die Beweglichkeit blieb unverändert, bei auffälligem Befund sank sie von 28,0 auf 21,0 % [s23]. Nguyen et al. (Vietnam) nutzten 11.297 Untersuchungen von 9.595 Männern und konnten bei 1.702 Männern zwei Analysen innerhalb eines Monats vergleichen; der Zusammenhang von Karenz mit Volumen, Konzentration und Gesamtzahl beweglicher Spermien zeigte sich zwischen und innerhalb der Männer [s20]. Meitei et al. (Indien) legten eine Registerkohorte von 10.674 Ejakulaten von 7.972 subfertilen Männern vor und folgerten, eine allgemeine Empfehlung für lange Karenz habe keinen klinischen Wert [s63]. Weitere Kohorten sind Akhigbe et al. (Nigeria, 5.165 Proben), Dupesh et al. (Indien, 2.037 Befunde), Comar et al. (Brasilien, 2.458 Männer) und Badreddine et al. (USA, 3.469 per Post eingesandte Proben) [s56, s83, s103, s44]. Ein Sonderfall ist die Kohorte von Sobreiro et al. (Brasilien) mit 500 fertilen Männern vor einer Vasektomie, bei der ab fünf Tagen Karenz die Beweglichkeit verringert war [s150]. Als Gegenpol zur Datenfülle aus Kinderwunschambulanzen ist sie eine der wenigen Arbeiten an Männern ohne Fertilitätsabklärung.

Sehr kurze Abstände und wiederholte Ejakulation. Eine eigene Gruppe bilden Studien mit einer zweiten Probe nach Stunden. Karavani et al. (Kanada, 52 infertile Männer) fanden bei Proben im Abstand von drei bis vier Stunden einen Rückgang des DNA-Fragmentierungsindex von 38,9 auf 35,1 % und des Volumens von 2,3 auf 1,5 ml [s47]. Dahan et al. (112 Männer, drei Stunden) sahen einen Rückgang von 34,6 auf 23,7 % [s74]. Gill et al. (Polen, 95 Männer) berichteten nach einer Stunde einen Rückgang von Volumen und Gesamtzahl und einen niedrigeren Fragmentierungsindex im SCD-Test [s07]. Scarselli et al. (Italien) fanden bei Geschwister-Eizellen nach PGT-A in 106 biopsierten Blastozysten 43,6 % euploide nach dem zweiten Ejakulat gegenüber 27,5 % nach dem ersten [s92]. Tvrdá et al. (Slowakei) fanden bei 51 normozoospermen Männern nach zwei Stunden eine bessere DNA-Integrität und nach zwei Tagen höhere oxidative Marker und eine höhere Bakterienlast im Samen [s55]. Alle diese Studien sind kleine Vorher-nachher-Studien mit denselben Männern, meist ohne Kontrollgruppe; bei hohen Ausgangswerten ist Regression zur Mitte nicht auszuschließen [s47]. Als wichtiger Gegenbefund gilt Uppangala et al. (Indien): Spermien nach einem Tag Karenz zeigten mehr Chromatinunreife, und nach 6 und 24 Stunden In-vitro-Inkubation stieg der Anteil fragmentierter Spermien aus dem aufbereiteten Ejakulat nach einem Tag Karenz auf das etwa 20- und 40-Fache [s112]. Zur täglichen Ejakulation über zwei Wochen gibt es nur wenige Studien: Welliver et al. (USA, 20 Männer, 14 Tage) fanden sinkende Werte für Volumen, Gesamtzahl beweglicher Spermien und Konzentration mit einem Plateau ab Tag 3, aber keine Änderung von Beweglichkeit, Morphologie und DNA-Integrität; Mayorga-Torres et al. (Kolumbien) fanden bei täglicher Ejakulation über zwei Wochen ebenfalls sinkende Gesamtzahl und sinkendes Volumen bei sonst stabilen Parametern [s113, s118]. Zur Ejakulationshäufigkeit als eigener Größe außerhalb der Karenz liegt aus dem englischsprachigen Material kaum etwas vor; die einzige größere Studie, Xi et al. mit 1.349 Männern aus Changchun, steht im chinesischen Abschnitt [s26].

Klinische Endpunkte. Die englischsprachige Literatur liefert die Studien zu Insemination, ICSI und IVF. Periyasamy et al. (Indien, 1.030 Zyklen) fanden bei Karenz von 2 bis 7 Tagen eine Lebendgeburtenrate von 34,1 % gegenüber 24,1 % bei über 7 Tagen (Odds Ratio 1,6; 1,1 bis 2,4) [s106]. Borges et al. (Brasilien, 818 Patienten) fanden bei höchstens vier Tagen niedrigere Fragmentierung und höhere Befruchtung, Einnistung und Schwangerschaft; der Trennwert wurde allerdings aus denselben Daten abgeleitet [s88]. Tighe et al. (Großbritannien, 3.873 IVF-Zyklen) fanden bei längerer Karenz eine niedrigere Schwangerschaftsrate (bereinigtes Odds Ratio 0,786; 0,685 bis 0,903), die Lebendgeburtenrate fiel nicht signifikant [s13]. Keinen Zusammenhang fanden Cermisoni et al. (Italien, 6.919 ICSI-Zyklen) für Blastulation, kumulative Schwangerschaft und Fehlgeburt, wohl aber ein Absinken zweikerniger Zygoten um 3 % je Karenztag, und Azizi et al. (Iran, 1.003 ICSI-Zyklen) für Schwangerschaften [s31, s57]. Randomisierte Studien sind selten: Kabukçu et al. (120 Paare, 1 gegen 3 Tage) fanden Schwangerschaftsraten von 17,3 gegen 18,5 % (p = 0,803), Degirmenci et al. (90 Patienten) fanden bei über vier Tagen mehr oxidativen Stress und sinkende Schwangerschaftsraten (26,7, 16,7 und 6,7 %) [s77, s82]. Kein Befund belegt, dass eine Karenz von wenigen Stunden bessere Lebendgeburtenraten ergibt als ein bis drei Tage. Die Cochrane-Übersicht zum zeitgesteuerten Verkehr betrifft die Vorhersage des Eisprungs und nicht die Samenqualität; sie fand für urinäre Ovulationstests wahrscheinlich eine höhere Lebendgeburtenrate (Risk Ratio 1,36; 1,02 bis 1,81; ein RCT mit 844 Teilnehmerinnen; moderate Evidenzsicherheit) [s46].

Gleitmittel. Fast die gesamte Gleitmittelliteratur ist englischsprachig. Sie besteht überwiegend aus In-vitro-Studien mit Spermien in meist zehnprozentiger Gleitmittellösung. Die systematische Übersicht von Gumerova et al. (Schottland) wertete 24 Artikel zu 35 rezeptfreien Vaginalgleitmitteln aus, davon 22 In-vitro- und 2 In-vivo-Studien, und hält wegen spärlicher Daten und fehlender Schwangerschaftsendpunkte eine evidenzbasierte Leitlinie noch nicht für möglich [s33]. Molin et al. (Brasilien, 20 Studien) nennen Osmolalität und pH als zentral und berichten, viele Handelsprodukte überschritten die WHO-Empfehlung von 380 mOsm/kg [s39]. Die Einzelstudien widersprechen sich produktabhängig. Kutteh et al. 1996 sahen bei Handelsgleitmitteln eine Hemmung der Beweglichkeit nach 60 Minuten um 60 bis 100 %, während Rapsöl keine Schädigung zeigte [s162]. Agarwal et al. 2008 fanden für Pre-Seed keinen Unterschied zur Kontrolle, für andere Produkte eine deutlich geringere Beweglichkeit [s143]. Tomlinson et al. 2023 (Nottingham, 12 Spender) fanden, dass alle getesteten Gele Beweglichkeit und Geschwindigkeit nach ein und zwei Stunden signifikant senkten, am stärksten zwei Durex-Produkte (11 und 15 % Progressivbeweglichkeit gegenüber 47 % nach 60 Minuten) [s54]. Soriano et al. (Spanien) fanden dagegen, dass nur Durex keine schädliche Wirkung zeigte [s79]; die Abstracts erklären diesen Widerspruch nicht, und Unterschiede von Produktfamilie, Konzentration und Methodik sind nur Vermutungen. Mowat et al. fanden bei neun Gleitmitteln die höchste Vitalität unter Pre-Seed (92 %) und die niedrigste unter Forelife (28 %) [s123]. Die Kohortenstudien zur Empfängnis zeigen kein auffälliges Bild: Steiner et al. (296 Frauen) fanden keine geänderte Fruchtbarkeit bei Gebrauch im fruchtbaren Fenster (Fecundability Ratio 1,05; 0,59 bis 1,85), McInerney et al. (6.467 Frauen) fanden für wasserbasierte Mittel 1,02 (0,93 bis 1,11) [s135, s101]. Beide beruhen auf Selbstangaben und messen keine Samenparameter. Wie In-vitro-Befund und Kohortenbefund zusammenpassen, ist offen. Der Praxisleitfaden von Vanderschee und Kostov aus dem Canadian Family Physician betont den Nutzen bei Trockenheit, Schmerz und Kondomgebrauch und gibt keine Fertilitätsdaten wieder [s25].

Häufigkeit und Zeitpunkt des Verkehrs. Hier liegen die großen Kohorten. Wilcox et al. (USA, 221 Frauen, 625 Zyklen) fanden Empfängnis nur bei Verkehr in einem sechstägigen Zeitraum bis zum Eisprungtag, mit Wahrscheinlichkeiten von 0,10 (fünf Tage vorher) bis 0,33 (Eisprungtag) [s163]. Dunson et al. bestätigten das sechstägige Fenster in zwei Datensätzen und beschrieben in einer Kohorte mit 782 Paaren und 5.860 Zyklen den Rückgang der Tageswahrscheinlichkeit mit dem Alter der Frau und eine verringerte Fruchtbarkeit bei Männern über 35 Jahren [s157, s154]. Dreiås et al. (Norwegen, 64.193 Frauen mit geplanter Schwangerschaft) fanden eine Fecundability Ratio von 1,16 (1,14 bis 1,19) bei mehr als viermaligem Verkehr je Woche gegenüber ein bis zwei Mal; die Studie beruht auf rückblickenden Selbstangaben, eine Umkehr der Ursache ist nicht ausschließbar [s06]. Konishi et al. (Japan, 80 Frauen) fanden eine Odds Ratio von 1,23 (1,02 bis 1,47) für höhere Koitusfrequenz [s85]. Bond et al. (2.500 Frauen) sahen bei sexueller Belastung eine Fecundability Ratio von 0,82 (0,69 bis 0,98) [s16]. Keine Studie in diesem Material verknüpft Ejakulationshäufigkeit, Samenqualität und natürliche Empfängnis bei denselben Paaren. Perlis et al. (Kanada, 1.298 Männer) fanden, dass 24 % der Paare höchstens viermal monatlich Verkehr hatten, wobei höheres Alter und schlechtere Erektionsfunktion mit seltenem Verkehr einhergingen [s129].

Prostatakrebs und weitere Randthemen. Die großen Kohorten zur Ejakulationshäufigkeit betreffen nicht die Samenqualität, sondern das Prostatakrebsrisiko: Leitzmann et al. (29.342 Männer) fanden bei mindestens 21 gegenüber 4 bis 7 Ejakulationen je Monat ein niedrigeres Risiko, über das Leben gemittelt mit einem relativen Risiko von 0,67 (0,51 bis 0,89), und Rider et al. (31.925 Männer, ein Jahrzehnt längere Nachbeobachtung) eine Hazard Ratio von 0,81 (0,72 bis 0,92) für die Häufigkeit im Alter von 20 bis 29 Jahren, jeweils bei rückblickender Selbstangabe; die spanische Fall-Kontroll-Studie von Lozano-Lorca et al. fand bei 0 bis 3 Ejakulationen je Monat eine Odds Ratio von 2,38 (1,57 bis 3,60), wobei Erinnerungsverzerrung und umgekehrte Verursachung möglich sind [s153, s111, s51]. Kokori et al. fassten elf Studien erzählend zusammen [s36].

Tierversuche. Die Mechanik wurde an Tieren untersucht: Amann et al. beschrieben bei Hengsten extragonadale Reserven von 89 × 10^9 Spermien, von denen fünf aufeinanderfolgende Ejakulate 40 bis 60 % entfernten [s174]; weitere Arbeiten betreffen Widder, Esel, Schimpansen, Kaninchen, Bullen, Strauße, Eber, Fledermäuse und Dromedare. In allen Arten sinkt die Spermienzahl je Ejakulat bei rascher Wiederholung, bei Beweglichkeit und Morphologie ist das Bild uneinheitlich [s176, s159, s168, s172, s10, s09, s142, s114, s95]. Das stützt die Befundlage zur Gesamtzahl beim Menschen, belegt aber nichts zur Fruchtbarkeit des Menschen.

Leitlinien. Die englischsprachigen Leitlinien sind dünn, was Karenz, Gleitmittel und Verkehrszeitpunkt betrifft. Der abgerufene Volltext der AUA/ASRM-Leitlinie (veröffentlicht 2020, geändert 2024) erwähnt die Karenz im Fließtext nur an zwei Stellen: im Kommentar zur DNA-Fragmentierung, wonach eine verkürzte Karenz eine Maßnahme zur Begrenzung des DNA-Schadens sein könne, und bei der Aussage 32 zu Hodenspermien, bei der bei erhöhtem Index trotz kurzer Karenz (unter zwei Tagen) Expertenkonsens besteht, Hodenspermien in Betracht zu ziehen. Eine eigene Empfehlung zur Ejakulationshäufigkeit, zu Gleitmitteln oder zum Verkehrszeitpunkt enthält der abgerufene Text nicht [s29]. Das Amendment von 2024 (22 Studien in der Evidenzbasis) nennt Karenz und Gleitmittel nicht [s30]. Der Vergleichsartikel zur WHO-Leitlinie 2025 stellt die männlichen Anteile der WHO-Leitlinie neben AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE, enthält im Abstract aber keine Aussage zu Karenz, Gleitmitteln oder Verkehrszeitpunkt [s01]. Die Karenzvorgabe der WHO von 2 bis 7 Tagen sowie die 3 bis 4 Tage der ESHRE und der Nordic Association for Andrology werden in einer der Kohortenstudien zitiert; die Originaltexte wurden nicht abgerufen [s13]. Die EAU-Seite zur Sexual and Reproductive Health enthielt keine einschlägige Aussage, und die ESHRE-Seite war nur ein Verzeichnis. Das Konsenspapier der Fifth International Consultation on Sexual Medicine (ICSM 2024) zu sexuellen Funktionsstörungen bei infertilen Männern erwähnt „fertilitätssichere Gleitmittel“ als Teil von Lebensstil- und Paarmaßnahmen, im Abstract ohne Produktdaten [s12]. Ein Teil der Übersichten spricht Schlussfolgerungen aus: Schlegel bezeichnet die Karenzvorgabe für Spermaproben der assistierten Reproduktion als „unsubstantiated myth“ [s41]; Clay et al. leiten aus einer narrativen Übersicht (Suche nur in PubMed und Google Scholar) ein Ejakulationsintervall von ein bis zwei Tagen ab [s04]. Das sind Schlussfolgerungen der jeweiligen Autoren und keine systematischen Auswertungen; sie werden hier berichtet, nicht übernommen.

Erreichbarkeit der Datenbanken. Hauptquelle war die Europe-PMC-Schnittstelle, die zeitweise den Fehler 503 meldete, wobei eine Wiederholung genügte. Die NCBI-E-utilities waren erreichbar (eine Beispielsuche „ejaculation frequency semen“ ergab 687 Treffer), die Abstracts wurden aber über Europe PMC bezogen. Für die PubMed-Webseite liegen widersprüchliche Beobachtungen vor: Ein Abruf der Suchseite lieferte HTTP 200, die Trefferzahl wird jedoch dynamisch nachgeladen, ein anderer Teil der Recherche meldete sie als gesperrt. Die Cochrane-Webseite lieferte für den Volltext HTTP 412, die zwei einschlägigen Cochrane-Übersichten wurden deshalb über Europe PMC abgerufen. OpenAlex war wegen erschöpften Tageskontingents (HTTP 429) nicht nutzbar.

Regionale Besonderheiten und Grenzen. Im Gleitmittelbereich sticht Schottland hervor: Dort entstanden die systematische Übersicht von Gumerova et al., die Befragung von 32 Fachpersonen der Fertilitätsversorgung durch Mackenzie und Gellatly sowie die Beobachtung, dass das Wissen über Spermientoxizität gering und die Empfehlungen uneinheitlich waren [s33, s90]. Das einzige verschriebene Mittel in dieser Untersuchung, Aquagel, senkte die Progressivbeweglichkeit nach 10 Minuten auf 49 % der Kontrolle [s90]. Insgesamt gilt: Fast alle Studien sind Beobachtungsstudien an Männern, die zur Fertilitätsabklärung kamen; die Karenzzeit wird meist vom Patienten berichtet und ist nicht verblindet; Männer mit längerer Karenz unterscheiden sich oft in Alter, Befund und Anlass der Probe; und die klinischen Endpunkte stammen aus Behandlungszyklen mit aufbereiteten Spermien, nicht aus natürlicher Empfängnis [s98, s53].

Deutsch

Eigene Literatur. Im deutschen Sprachraum gibt es für dieses Thema nur sehr wenig eigene, auffindbare Literatur. In der Studie steht genau eine deutschsprachige Arbeit: Sievers 1987 in der Zeitschrift für Hautkrankheiten, „Effect of duration of sexual abstinence on the quality of human sperm in andrologic patients“ (Wirkung der Dauer der sexuellen Karenz auf die Qualität menschlicher Spermien bei andrologischen Patienten), mit englischem Abstract [s170]. Untersucht wurden 1.063 Patienten (mittleres Alter 32 Jahre), die zwischen 1981 und 1984 wegen ungewollter Kinderlosigkeit in zwei Untersuchungen erfasst wurden. Ausgewertet wurde zwischen Probanden (n = 1.001) und innerhalb von Probanden, wobei innerhalb der Probanden eine kurze Karenz von einem bis vier Tagen mit einer Karenz von mehr als vier Tagen verglichen wurde. Volumen und Spermiendichte nahmen mit der Karenz zu, was innerhalb der Probanden statistisch signifikant war (p kleiner als 0,001). Der pH-Wert und die Fruktosekonzentration blieben unbeeinflusst. Zwischen den Probanden nahm der Anteil beweglicher und normal geformter Spermien mit der Karenz ab, innerhalb der Probanden zeigte sich dagegen kein Einfluss. Die Arbeit folgert, Karenz bewirke eine Verbesserung der Spermienqualität, besonders bei Oligospermie, was dem Tenor späterer Arbeiten widerspricht und deshalb als historischer Befund einzuordnen ist [s170].

Kohorten aus dem deutschsprachigen Raum, englisch veröffentlicht. Mehrere Arbeiten mit Wurzeln im deutschsprachigen Raum erscheinen auf Englisch. Xie, Hämmerli und Leeners (Schweiz, 2024) werteten retrospektiv 4.423 Männer aus, davon 1.256 gesunde Proben und 3.167 mit Oligo-, Astheno-, Terato- oder kombinierter Störung. Längere Karenz ging mit höherer Konzentration einher (nicht bei Oligozoospermie) und mit geringerer Progressivbeweglichkeit bei normalen und teratozoospermen Proben. Bei der Morphologie war das Bild uneinheitlich: Bei Normalbefund waren Normalformen nach kürzerer Karenz häufiger (p = 0,03), bei kombinierter Störung nach längerer (p = 0,013) [s42]. Cooper et al. (Deutschland, 1993, Human Reproduction) führten ein Experiment mit Mehrfachejakulaten durch: Vier Spender gaben an einem Tag drei Ejakulate ab, um die Reserven zu entleeren, und danach nach 1, 2, 4, 7, 10 und 14 Tagen Karenz. Bei sieben Spendern und sechs oligozoospermen Männern erhöhten Mehrfachejakulate nach zehn Tagen Karenz bei Patienten mit niedrigen Normalzahlen die Gesamtzahl um im Mittel 230 %, die Zahl normaler Spermien um 370 % und die Zahl beweglicher Spermien um 520 %. Die Fallzahlen sind sehr klein [s165]. Beides sind Arbeiten, die ihre Herkunft in ihrer Affiliation tragen, aber keine deutschsprachige Literatur im engeren Sinn darstellen.

Deutschsprachige Übersichten. Die Europe-PMC-Suche mit deutscher Sprachmarkierung ergab 153 Treffer. Darunter fanden sich mehrere deutschsprachige Übersichten zur Spermaanalyse und Andrologie, etwa zur Spermaanalyse bei unerfülltem Kinderwunsch, zur andrologischen Diagnostik und zur Fertilitätserhaltung. Deren Abstracts behandeln Karenz, Ejakulationshäufigkeit oder Gleitmittel nicht. Ein Gleitmittelbeitrag in deutscher Sprache wurde nicht gefunden.

Leitlinien. Die Leitlinie zur männlichen Infertilität im AWMF-Leitlinienregister konnte nicht gelesen werden: Die Seite lieferte HTTP 200, aber nur eine skriptgesteuerte, leere Hülle, die ohne Browser keinen Text enthält. Zum Inhalt der deutschsprachigen Leitlinie kann hier deshalb nichts ausgesagt werden, weder zur Karenzvorgabe noch zu Gleitmitteln oder zum Verkehrszeitpunkt. Die internationalen Leitlinien (AUA/ASRM, EAU, ESHRE, NICE, WHO) sind im englischen Abschnitt behandelt [s01, s29].

Erreichbarkeit. Europe PMC erlaubt eine Sprachfilterung auf Deutsch, was die oben genannten 153 Treffer ergab. Die Arbeit von Sievers 1987 ist über ein englisches Abstract auffindbar. Ältere deutschsprachige Zeitschriftenartikel ohne Abstract sind in diesen Datenbanken kaum sichtbar, sodass die tatsächliche Lage älterer deutscher Literatur nicht beurteilt werden kann.

Französisch

Eigene Literatur. Auch im französischen Sprachraum fand sich keine Studie, die Karenz, Ejakulationshäufigkeit oder Gleitmittel unmittelbar untersucht. Die Suche in Europe PMC mit französischer Sprachmarkierung (92 Treffer) und in der Archivschnittstelle HAL ergab dazu nichts Verwertbares. Der einzige verwertbare Treffer in einer französischsprachigen Zeitschrift ist Prisant et al. 2011 in Gynécologie, Obstétrique & Fertilité: „Teratozoospermia, myth or reality? A 10-years retrospective study on 101404 consecutive sperm samples“ (Teratozoospermie, Mythos oder Wirklichkeit? Eine zehnjährige retrospektive Studie an 101.404 aufeinanderfolgenden Samenproben; in Europe PMC mit englischer Titelübersetzung in eckigen Klammern geführt) [s138].

Was die Arbeit zeigt. Es handelt sich um eine retrospektive Zeitreihe aus einem andrologischen Labor (Januar 2000 bis Dezember 2009). Zu den erhobenen Variablen gehörte die Dauer der sexuellen Karenz neben Alter, Volumen, pH, Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie nach der David-Klassifikation. Im Abstract wird aber keine Beziehung zwischen Karenz und den Spermaparametern berichtet. Berichtet werden Trends über die Jahre: Das Patientenalter stieg von 36,5 auf 37,2 Jahre, die Konzentration lag bei 63,5 Millionen/ml im Jahr 2000 und 63,6 Millionen/ml im Jahr 2009, die Vitalität stieg von 67,8 auf 73,5 %, die Gesamtbeweglichkeit von 37,7 auf 39,2 %, die Progressivbeweglichkeit von 34,6 auf 36,2 %, und der Anteil morphologisch abnormer Spermien nahm von 64,5 auf 84,2 % zu (r = 0,43; p kleiner als 0,001). Für das Thema dieser Studie ist die Arbeit damit nur als Beleg dafür relevant, dass die Karenzdauer in großen Laborreihen miterhoben wird, nicht als Beleg für einen Zusammenhang [s138].

Archive und weitere Funde. HAL lieferte überwiegend Studien an Nutztieren, Abschlussarbeiten ohne einschlägigen Bezug und einen einzigen einschlägigen Eintrag in englischer Sprache, die Querschnittsstudie von Sheybaee Moghaddam et al. an 100 Patienten einer urologischen Klinik (Karenz unter 2, 2 bis 9, über 9 Tage), bei der die Korrelationsanalysen positive Beziehungen zwischen Karenz und Gesamtzahl, Konzentration, Volumen, DNA-Fragmentierung, ROS und pH sowie inverse Beziehungen zu Beweglichkeit und Morphologie zeigten; das Abstract nennt keine Koeffizienten, und seine Einleitung behandelt vorzeitigen Samenerguss, während Fragestellung und Methode die Karenz betreffen [s93]. Eine französische Pressemeldung über häufigere Ejakulationen und Samenqualität (Crossref-Eintrag, 2026) ist keine wissenschaftliche Quelle und wurde nicht verwertet. Eine französische Arbeit von 1979 zur Verkehrshäufigkeit und Fertilität hatte keinen abrufbaren Abstract und wurde nicht aufgenommen.

Kanadische Kohorten. Die in Kanada entstandenen Studien zur sehr kurzen Karenz (Montreal, Toronto) sind auf Englisch erschienen und im englischen Abschnitt behandelt [s47, s74].

Leitlinien und Erreichbarkeit. Eine französischsprachige Leitlinie wurde nicht gefunden. Cairn lieferte HTTP 403 und war nicht abrufbar; die HAL-Weboberfläche zeigte eine Bot-Prüfung, die Programmierschnittstelle war erreichbar, und Suchen mit Sonderzeichen mussten URL-kodiert werden, sonst kam Fehler 400. Die Lücke im französischen Sprachraum ist daher teilweise eine Lücke des Zugangs und nicht nur der Literatur.

Italienisch

Eigene Literatur. Eigenständige italienischsprachige Literatur mit Abstract wurde nicht gefunden. Der älteste Titel zum Thema ist ein Beitrag von Natoli und Mitarbeitern von 1974 im Bollettino della Società Italiana di Biologia Sperimentale über die Verringerung der Verkehrshäufigkeit und den Samen bei Männern mit Spermieninsuffizienz; der Eintrag hat keinen Abstract und wurde deshalb nicht ausgewertet. Ein italienischsprachiger Übersichtstext zu männlichen Faktoren der Fertilitätsstörungen aus dem Jahr 2010 enthielt im abgerufenen Volltext keine Stelle zu Karenz oder Gleitmitteln.

Italienische Forschung auf Englisch. Die italienische Forschung ist im englischsprachigen Teil dagegen gut vertreten. Aus Catania stammen die Metaanalysen von Lo Giudice et al. (13 Studien, 2.315 Patienten, bei PROSPERO unter CRD42023472124 registriert) und von Barbagallo et al. zur sehr kurzen Karenz sowie die retrospektive Analyse von Russo et al. mit 23.527 Samenproben (2013 bis 2024) [s23, s38, s58]. Bei Russo et al. stieg bei Normozoospermie von Tag 1 bis Tag 7 die Gesamtzahl von 92,4 auf 191,1 Millionen (p kleiner als 0,01) und der Anteil normal geformter Spermien von 6 auf 12,5, nicht aber die Beweglichkeit (A+B 50,0 gegen 48,0 %); bei Patienten mit auffälligem Befund sank die Beweglichkeit von 28,0 auf 21,0 %, und bei Asthenozoospermie fiel sie von 11,8 auf 6,1 % [s23]. Die Autoren schließen auf je nach Befundtyp unterschiedliche Verläufe [s23]. Aus Italien stammt die ICSI-Auswertung von Cermisoni et al. mit 6.919 Zyklen (2013 bis 2022): Je zusätzlichem Karenztag sank die Wahrscheinlichkeit für zweikernige Zygoten um 3 % (bereinigtes Odds Ratio 0,97; 0,94 bis 0,99), die für dreikernige stieg um 14 % (1,14; 1,07 bis 1,22), Blastulation, kumulative Schwangerschaft und Fehlgeburt zeigten keinen signifikanten Zusammenhang [s31]. Scarselli et al. untersuchten in 22 PGT-A-Zyklen die Euploidie nach erstem und nach zweitem Ejakulat eine Stunde später (43,6 gegenüber 27,5 % in 106 biopsierten Blastozysten) [s92]. Palmieri et al. führten eine randomisierte Studie an 120 gesunden Männern durch: Eine Gruppe hatte drei Monate lang nach zehn Tagen Karenz Verkehr, die andere zweimal wöchentlich; in der ersten war die intravaginale Ejakulationslatenzzeit am Ende niedriger als am Beginn, und der Fragebogen zeigte schlechtere Ejakulationskontrolle; das ist ein Befund zur Ejakulationsfunktion und nicht zur Samenqualität [s134].

Fachzeitschrift. Die Studie von Pakpahan et al. zum Verkehr vor dem Embryotransfer erschien im Archivio Italiano di Urologia e Andrologia, dem Organ der Società Italiana di Ecografia Urologica e Nefrologica. In dieser Studie mit 132 Teilnehmerinnen änderte der Verkehr vor dem Embryotransfer die Schwangerschaftsrate nicht signifikant; mit Orgasmus lagen biochemische (p = 0,009) und klinische Schwangerschaften (p = 0,027) höher, allerdings bei kleiner, retrospektiver Studie ohne gesicherte Kausalität [s40].

Leitlinien und Erreichbarkeit. Die Seite der Società Italiana di Andrologia lieferte HTTP 200, aber nur eine Willkommensseite; die Suchfunktion lieferte dieselbe Seite. Eine italienische Leitlinie konnte somit nicht gelesen werden. Das Fehlen italienischsprachiger Studien kann deshalb auch ein Zugangsproblem sein.

Portugiesisch

Eigene Literatur. Es wurde keine portugiesischsprachige Studie mit Abstract abgerufen. Brasilianische Gruppen veröffentlichen zum Thema auf Englisch. Die Lücke im portugiesischen Sprachraum ist daher sicher auch eine Lücke des Zugangs: SciELO lieferte HTTP 403 beziehungsweise eine Sicherheitsabfrage, LILACS und BVS lieferten HTTP 403, und Crossref-Suchen mit portugiesischen Begriffen ergaben keine einschlägige Arbeit. Ob es in diesen Datenbanken portugiesischsprachige Studien gibt, konnte nicht geprüft werden.

Brasilianische Kohorten auf Englisch. Comar et al. werteten eine Kohorte von 2.458 Männern aus: Die Karenz hing positiv mit Konzentration, Volumen und Leukozytenzahl zusammen, negativ mit Beweglichkeit und Vitalität; DNA-Fragmentierung (TUNEL) und mitochondriale Schädigung nahmen mit der Karenz zu (Gruppen: unter 2, 2 bis 5, über 5 Tage; Effektgrößen nennt das Abstract nicht) [s103]. Borges et al. untersuchten prospektiv 818 Patienten vor ICSI: Die mittlere Karenz lag in der Schwangerschaftsgruppe bei 3,14 ± 1,64 Tagen und in der Gruppe ohne Schwangerschaft bei 4,83 ± 3,66 Tagen; der Trennwert von vier Tagen wurde aus denselben Daten abgeleitet, was zu optimistischen Ergebnissen führen kann [s88]. Okada et al. verglichen bei 65 Männern je zwei Proben nach einem und nach vier Tagen: Nach einem Tag waren Volumen und Gesamtzahl niedriger, Beweglichkeit, Akrosomintegrität, Mitochondrienaktivität und Kern-DNA-Integrität besser; die Autoren deuten das als Folge der Lagerung in der Cauda epididymidis [s86]. Sobreiro et al. untersuchten in Brasilien prospektiv 500 fertile Männer vor einer Vasektomie: Ab fünf Tagen Karenz war die Beweglichkeit reduziert, und es zeigten sich Zusammenhänge mit Alter über 45 Jahren, Jahreszeit (niedrigste Werte im Sommer) und Kaffeekonsum; 87,2 % hatten Normalformen unterhalb des WHO-Werts. Die Arbeit erschien in der Revista Paulista de Medicina (São Paulo Medical Journal), und das Kollektiv ist besonders, weil es fertile Männer ohne Fertilitätsabklärung umfasst [s150]. Molin et al. (Florianópolis) fassten in einer systematischen Übersicht 20 Studien zu Gleitmitteln zusammen und nannten Osmolalität und pH als zentral; viele Handelsprodukte überschritten die WHO-Empfehlung von 380 mOsm/kg [s39]. Eine brasilianische Tierstudie an Eselhengsten ist ebenfalls englischsprachig [s159].

Leitlinien. Eine portugiesischsprachige Leitlinie wurde nicht gefunden.

Spanisch

Eigene Literatur. Der spanische Sprachraum ist bei den abgerufenen Quellen der ergiebigste nicht englische Raum, vor allem wegen der offenen Zugänglichkeit des Portals Dialnet. Es gibt fünf Funde in spanischer Sprache mit Abstract, die in der Studie geführt werden, sie sind aber klein und teils veraltet.

  • Acuña et al. 2013 (Revista chilena de obstetricia y ginecología): „Influencia de la abstinencia eyaculatoria en las características del espermiograma: Revisión sistemática“ (Einfluss der Ejakulationskarenz auf die Merkmale des Spermiogramms: systematische Übersicht). Durchsucht wurden MEDLINE und PubMed, vier Arbeiten erfüllten die Kriterien. Volumen und Konzentration änderten sich mit der Karenzzeit, Beweglichkeit und Anteil normaler Formen dagegen nicht signifikant. Die Autoren fanden keine Evidenz für die geltende Karenzvorgabe vor dem Spermiogramm. Der Umfang (vier Arbeiten) ist klein, die Aussage zeitlich überholt [s127].
  • Pérez Palazón et al. 2016 (Revista Internacional de Andrología): „Factores asociados a la variabilidad de la calidad seminal: un estudio de seguimiento“ (Faktoren, die mit der Variabilität der Samenqualität zusammenhängen: eine Verlaufsstudie). Einjährige Verlaufsstudie mit 19 gesunden Freiwilligen, Proben etwa alle 4 bis 6 Wochen. Der höchste Variationskoeffizient innerhalb der Person lag bei 74,5 % für die Gesamtzahl und 65,6 % für die Konzentration, gefolgt von 41,2 % für die Morphologie und 30,1 % für das Volumen; der niedrigste bei 14,6 % für die Beweglichkeit. Karenz und Ejakulationshäufigkeit sind als Einflussgrößen genannt, Zahlen dazu nennt das Abstract nicht. Die Autoren folgern, eine einzelne Probe könne zur Fehldiagnose führen; die Stichprobe ist klein [s110].
  • Valsa et al. 2013 (Revista Internacional de Andrología, Dialnet; Abstract spanisch, Artikel englisch): „Effect of daily ejaculation on semen quality and calcium and magnesium in semen“. Einundzwanzig gesunde, sexuell aktive Männer ejakulierten zehn Tage lang täglich nach drei bis fünf Tagen Karenz (elf Proben). Die Autoren geben an, die Samenqualität habe sich verbessert, Calcium und Magnesium blieben unverändert; das Abstract nennt keine Zahlen zu den einzelnen Parametern. Das Ergebnis ist mit den beiden anderen Studien zur täglichen Ejakulation (Welliver, Mayorga-Torres) nicht deckungsgleich, weil dort Volumen und Gesamtzahl sinken [s113, s118, s132].
  • Peña et al. 2001 (Revista médica de Chile): Laborstudie zur biochemischen Bestimmung der Alpha-Glucosidase im Seminalplasma von 50 Spendern mit normalem Spermiogramm (Normwerte 14,52 bis 25,69 µU/ml). Bei Serienproben von neun Patienten zeigte eine Untergruppe einen deutlichen Abfall der Aktivität bei kürzerer Karenz. Das Thema ist der Nebenhodenmarker und nicht die Spermienqualität im engeren Sinn [s156].
  • Kably-Ambe et al. 2015 (Ginecología y Obstetricia de México; das Abstract wurde in spanischer Fassung abgerufen): „Effect of sexual abstinence on pregnancy rates after an intrauterine insemination“ (Wirkung der sexuellen Karenz auf die Schwangerschaftsraten nach einer intrauterinen Insemination; in der Datenbank mit englischem Titel geführt). Retrospektive Querschnittsstudie an 3.123 Paaren eines mexikanischen Kinderwunschzentrums mit höherer Erfolgsrate nach Insemination bei weniger als sieben Tagen Karenz; die Spermiengewinnungsrate verhielt sich umgekehrt proportional zu den Karenztagen. Das Abstract nennt keine Zahlen [s116].

Spanische Forschung auf Englisch. Auch hier erscheint ein Teil der Forschung auf Englisch: Gosálvez et al. (Spanien, 21 Männer und 12 Spender) fanden bei Karenz von 24 Stunden mit täglicher Ejakulation und von 3 Stunden mit Spermienselektion eine niedrigere DNA-Fragmentierung als nach der üblichen Karenz [s136]. Pons et al. (Spanien) fanden, dass von 35 Männern, die ein Ein-Tag-Karenz-Protokoll vollendeten, 91,4 % in mindestens einem von bis zu drei Versuchen normale Werte erreichten; die Studie ist beschreibend und ohne Kontrollgruppe [s130]. Sokol et al. (Barcelona) stellten in einer systematischen Übersicht fest, die Standardkarenz von 2 bis 7 Tagen der 5. WHO-Auflage sei nicht durch belastbare Belege gestützt [s78]. Soriano et al. (Valencia) entwickelten einen Spermienbeweglichkeitsindex (Werte unter 0,75 gelten als toxisch) und fanden, dass nur Durex keine schädliche Wirkung zeigte, während Vaginesil bei allen Konzentrationen toxisch war [s79]. Die spanische Fall-Kontroll-Studie CAPLIFE (456 Fälle, 427 Kontrollen) betrifft das Prostatakrebsrisiko und nicht die Samenqualität [s51].

Leitlinien und Erreichbarkeit. Dialnet war erreichbar, Suchergebnisse und Abstracts über Meta-Tags waren lesbar. SciELO und LILACS waren nicht abrufbar. Eine spanischsprachige Leitlinie wurde nicht gefunden. Inhaltlich thematisieren die spanischsprachigen Arbeiten die Variabilität einzelner Proben [s110] und die Kritik an der Standardkarenz [s127]. Ein Befund, der den Grundbefunden aus dem englischen Raum widerspricht, ist darunter nicht.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Überblick und Gliederung und Große Auswertungen von Samenbefunden nach Karenz (Europa, Amerika, Afrika, Indien, Vietnam)
  6. Karenz und Samenqualität in China, Japan und Hongkong und Ejakulationshäufigkeit, tägliche Ejakulation und wiederholte Ejakulate
  7. Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden): Vorher-nachher-Studien ohne Kontrollgruppe bis Erregung, Tageszeit und Dauer der Probengewinnung
  8. Häufigkeit und Zeitpunkt des Verkehrs, Sexualfunktion bis Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  9. Gesamtbild der Evidenz in Kürze bis Ejakulationshäufigkeit, tägliche und wiederholte Ejakulation beim Menschen
  10. Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden) bis Sprachräume und Zugang
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Spanisch
  14. Chinesisch bis Türkisch
  15. Ein Querschnittsproblem vorweg: Vorzeichen, Grenzen und Begriffe bis Widerspruch 10: Tierstudien, gegensätzliche Richtungen
  16. Übersicht der Widersprüche
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis
  22. Diagramme
  23. Quellen
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle