Ejakulationshäufigkeit, Gleitmittel und Sexualverhalten · Kapitel 10 von 21 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden) bis Sprachräume und Zugang

Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden)

Alle Studien dieser Gruppe zeigen denselben Zielkonflikt: weniger Volumen und Gesamtzahl, häufig geringere DNA-Fragmentierung, bei Oligoasthenozoospermie häufig bessere Beweglichkeit. Es sind überwiegend kleine, einarmige Vorher-nachher-Studien an denselben Männern. Die zweite Probe folgt der ersten notwendigerweise; eine Randomisierung der Reihenfolge ist nicht möglich.

Karavani et al. 2023 [s47], Kanada: 52 infertile Männer, zwei Proben im Abstand von 3 bis 4 Stunden (erste nach 2 bis 5 Tagen). Fragmentierungsindex 38,9 ± 21,4 % auf 35,1 ± 21,6 % (p < 0,001), Volumen 2,3 auf 1,5 ml (p < 0,001); bei 40 von 52 Männern (76,9 %) verbesserte sich der Index (im Mittel um 6,0 Prozentpunkte), bei 22 (42,3 %) um mehr als 5, bei 7 (13,5 %) um mehr als 10 Punkte. Bei Ausgangswerten von 30 bis 40 % fiel er bei 7 von 11 unter 30 %; nur der Ausgangswert war mit dem Abfall verknüpft (Odds Ratio 0,62; 0,39 bis 0,98). Eine Kontrollgruppe nennt das Abstract nicht; der Rückgang hoher Ausgangswerte kann teilweise Regression zur Mitte sein. Dahan et al. 2021 [s74], Kanada: 112 Männer zur Erstabklärung, Probe nach 3 Tagen und eine zweite 3 Stunden später (Halotest, verblindete Techniker). Fragmentierung 34,6 ± 19,4 % auf 23,7 ± 16,0 % (p = 0,0001); bei Ausgangswerten über 35 % normalisierte sie sich in 55 %. Volumen 3,1 auf 1,9 ml, Konzentration 41 auf 32 Millionen/ml; 58 Männer verbesserten sich um mindestens 30 %; jüngeres Alter und Antioxidanzien waren mit der Verbesserung verknüpft. Gill et al. 2026 [s07], Polen (Vorstudie): 95 Männer, zwei Proben am selben Tag (nach 2 bis 7 Tagen, dann nach einer Stunde). Mediane: Volumen 3,50 gegen 1,50 ml, Gesamtzahl 78,30 gegen 29,00 Millionen, Fragmentierungsindex im SCD-Test 19,00 gegen 16,50 %, Anteil mit Index über 20 % 44,18 gegen 24,46 % (Odds Ratio 0,4568); Anilin- und Toluidinblau zeigten keine Unterschiede. Poopaibool et al. 2023 [s52], Thailand: 34 oligozoosperme Männer, Proben nach 2 bis 7 Tagen und binnen 4 Stunden; Volumen, Konzentration und Gesamtzahl waren nach 4 Stunden niedriger (Mediandifferenzen 1,2 ml, 2 Millionen/ml, 9,6 Millionen), Beweglichkeit, Fragmentierung und Normalformen unterschieden sich nicht. Hosseini et al. 2025 [s17], Isfahan: 50 Männer mit Oligoasthenoteratozoospermie, zweite Probe 1 bis 2 Stunden nach der ersten; im zweiten Ejakulat waren progressive Beweglichkeit (20,52 gegen 13,32), Morphologie (2,46 gegen 1,46) und Vitalität (83,90 gegen 77,96) höher und die Fragmentierung niedriger (19,5 gegen 26,96; p < 0,05); die Einheiten fehlen im Abstract, die Zuordnung der Zahlenpaare folgt dem Text und ist eine Interpretation. Tvrdá et al. 2023 [s55], Slowakei: 51 normozoosperme Männer, zwei Proben nach 2 Tagen und 2 Stunden. Nach 2 Stunden waren Beweglichkeit, Membranintegrität, mitochondriales Potenzial (je p < 0,05) und DNA-Integrität (p < 0,0001) höher; nach 2 Tagen waren ROS (p < 0,001), Proteinoxidation (p < 0,001), Lipidperoxidation (p < 0,01), TNF-alpha (p < 0,05), Interleukin-6 (p < 0,01) und Interferon-gamma (p < 0,05) höher, und das Samenbakterienprofil zeigte höhere Last und Vielfalt (darunter Escherichia coli, Staphylococcus aureus, Enterococcus faecalis). Okada et al. 2020 [s86], Brasilien: 65 Männer, je zwei Proben nach 1 und 4 Tagen; nach 1 Tag waren Volumen und Gesamtzahl niedriger, Beweglichkeit, Akrosomintegrität, Mitochondrienaktivität und Kern-DNA-Integrität besser und die oxidative Aktivität niedriger; die Autoren deuten dies als Folge der Lagerung in der Cauda epididymidis (Deutung, nicht Messung); p-Werte fehlen im Abstract. Goss et al. 2019 [s89], Südafrika: 16 gesunde Männer, Proben nach 4 Tagen und 4 Stunden; nach 4 Stunden sanken Gesamtzahl (p < 0,001), Konzentration und Volumen (je p < 0,05), während Gesamt- (p < 0,05) und Progressivbeweglichkeit (p < 0,01) stiegen; Zitronensäure, Alpha-Glucosidase und Fruktose im Seminalplasma sanken. Sachdeva et al. 2026 [s11], Indien: 30 Patienten, Proben nach 2 bis 7 Tagen und nach 4 Stunden; die Beweglichkeit war nach 4 Stunden höher; der ROS-Test war in 33,33 % der 4-Stunden-Proben normal gegenüber 16,66 % (nicht signifikant); die gemeldete Korrelation zwischen ROS-Test und Fragmentierungsindex von r = 1,0 ist bei 30 Fällen auffällig und ohne Rohdaten nicht beurteilbar. Ji et al. 2025 [s18], Changsha: 101 normozoosperme und 53 Männer mit niedriger Beweglichkeit oder Konzentration, Proben nach 3 bis 7 Tagen und dann nach 1 bis 3 Stunden; die Beweglichkeit verbesserte sich, der Fragmentierungsindex sank; bei fünf Männern fanden sich 245 unterschiedlich exprimierte tRNA-abgeleitete Fragmente, am stärksten angereichert im MAPK-Signalweg; Effektgrößen fehlen im Abstract. Lehavi et al. 2014 [s122], Israel (nur die Schlussfolgerung abgerufen): Bei abnormen Basisparametern, vor allem niedriger Konzentration, werde am Folgetag eine Verbesserung erwartet, bei normalen oder wenig abnormen Parametern zeige sich nach 24 Stunden ein Rückgang. Halim et al. 2024 [s34], Indonesien: Männer mit schwerer Oligoasthenozoospermie vor ICSI, aufeinanderfolgendes Ejakulat binnen einer Stunde; Gesamtbeweglichkeit 22,52 ± 8,85 % auf 31,53 ± 11,73 % (p < 0,001); Befruchtungs- (61,41 gegen 55,45 %; p = 0,081) und Teilungsrate (88,10 gegen 81,07 %; p = 0,262) höher, aber nicht signifikant; die Zahl der Männer nennt das Abstract nicht. Gülmez et al. 1991 [s167], Kayseri: 33 von 37 infertilen Männern konnten zwei Ejakulate im Abstand von 60 Minuten abgeben; im zweiten sank das Volumen (p < 0,01), die Beweglichkeit stieg (p < 0,05), die Dichte änderte sich nicht signifikant; die anschließende Arzneibehandlung ist für das Thema nicht relevant. Pons et al. 2013 [s130], Spanien: Von 416 Patienten aus Risikogruppen hatten 46 (11,1 %) einen Fragmentierungsindex von mindestens 30 %; von 35 Männern, die ein Ein-Tag-Karenz-Protokoll vollendeten, erreichten 91,4 % in mindestens einem von bis zu drei Versuchen normale Werte (81,3 % im ersten); ohne Kontrollgruppe. Gosálvez et al. 2011 [s136], Spanien: Zwei normozoosperme Kohorten (21 Männer, 12 Spender); nach 24 Stunden Karenz mit täglicher Ejakulation und nach 3 Stunden Karenz mit Spermienselektion lag die Fragmentierung niedriger als nach üblicher Karenz, am stärksten nach rascher Wiederholung (Halosperm-Test, kleine Fallzahl). Uppangala et al. 2016 [s112], Indien: 76 Ejakulate von 19 Freiwilligen nach 1, 3, 5 und 7 Tagen. Spermien nach 1 Tag zeigten mehr Chromatinunreife als nach 3 Tagen (p < 0,05) und 5 Tagen (p < 0,01), die Methylierung unterschied sich nicht. Nach 6 und 24 Stunden In-vitro-Inkubation stieg der Anteil fragmentierter Spermien aus dem aufbereiteten Ejakulat nach 1 Tag Karenz auf das etwa 20- und 40-Fache (p < 0,01 bis 0,001). Das ist der wichtigste Gegenbefund zur Vorstellung, kurze Karenz sei in jeder Hinsicht vorteilhaft. Alipour et al. 2021 [s71], Aalborg (Pilotstudie, 31 normozoosperme Männer): Im Seminalplasma lagen nach 2 Stunden gegenüber 4 bis 7 Tagen Pyruvat (1,92 gegen 1,29 ng je Million Spermien; p < 0,001) und Taurin (0,58 gegen 0,43 ng; p < 0,05) höher, zugleich war der Anteil progressiv beweglicher Spermien höher; die Rolle der beiden Stoffe für die Beweglichkeit ist Hypothese der Autoren.

Karenz und klinische Ergebnisse (Insemination, ICSI, IVF)

Intrauterine Insemination. Jurema et al. 2005 [s147], USA: 417 Frauen, 929 Zyklen (Clomifen, eine Insemination je Zyklus), mediane Karenz 4 Tage (0 bis 30), Schwangerschaftsrate insgesamt 12 % je Zyklus; höchste Rate bei höchstens 3 Tagen (14 %), niedrigste bei mindestens 10 Tagen (3 %); die Rate hing von der Karenz unabhängig von den Inseminatparametern ab (Vermutung der Autoren: Spermienalterung und Funktionsschäden, die die Standardanalyse nicht erfasst). Marshburn et al. 2010 [s141]: Eine Karenz von höchstens 2 Tagen ergab die höchste Schwangerschaftsrate je Zyklus, trotz geringerer Gesamtzahl beweglicher Spermien; nur das Ergebnis liegt im abgerufenen Abstract vor. Kably-Ambe et al. 2015 [s116] (Ginecologia y obstetricia de Mexico; Wirkung sexueller Karenz auf die Schwangerschaftsraten nach intrauteriner Insemination): 3.123 Paare; höhere Erfolgsrate bei weniger als sieben Tagen Karenz, die Spermiengewinnungsrate verhielt sich umgekehrt proportional zu den Karenztagen; keine Zahlen im Abstract. Bahadur et al. 2026 [s02]: 596 Inseminationszyklen bei 263 nulliparen Frauen über 35 Jahren (230 Zyklen mit und 366 ohne aufeinanderfolgendes Ejakulat); Lebendgeburtenrate je Zyklus 11,3 % gegen 13,1 % (p = 0,52), je Frau 26,5 gegen 29,1 % (p = 0,65). Zu den randomisierten Studien [s77, s82] siehe oben.

ICSI, IVF und weitere Verfahren. Borges et al. 2019 [s88], Brasilien: 818 ICSI-Patienten; Karenz war positiv mit Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Gesamtzahl beweglicher Spermien und Fragmentierungsindex verknüpft, negativ mit Befruchtung, Blastozystenbildung, Einnistung und Schwangerschaft; mittlere Karenz bei Schwangerschaft 3,14 ± 1,64, ohne Schwangerschaft 4,83 ± 3,66 Tage; als Trennwert wurden 4 Tage gewählt; der Trennwert wurde aus denselben Daten abgeleitet, was optimistische Ergebnisse begünstigen kann. Periyasamy et al. 2017 [s106], Indien: 1.030 Zyklen; Karenz 2 bis 7 Tage gegen über 7 Tage: Lebendgeburtenrate 34,1 % gegen 24,1 % (Odds Ratio 1,6; 1,1 bis 2,4), klinische Schwangerschaft 44,4 % gegen 32,7 % (1,6; 1,1 bis 2,3), Einnistung 26,4 % gegen 18,2 %; bereinigt Lebendgeburt 1,6 (1,1 bis 2,5), Schwangerschaft 1,7 (1,2 bis 2,5); Befruchtung und Fehlgeburtenrate unterschieden sich nicht. Der problematische Bereich ist hier die Karenz über 7 Tage, nicht der Bereich unter 2 Tagen. Lee et al. 2018 [s99], Seoul: 449 erste ICSI-Zyklen, 2 bis 7 gegen mindestens 8 Tage, getrennt nach Alter der Frau (unter und ab 38 Jahre); Befruchtung, Embryoqualität, Schwangerschaft, Fehlgeburt und Einnistung unterschieden sich nicht; das Abstract nennt keine Gruppengrößen und keine Effektschätzer (kein Nachweis von Unterschieden ist kein Nachweis von Gleichheit), die Spermien wurden vor der ICSI aufbereitet. Gupta et al. 2021 [s75], Neu-Delhi: 1.691 ICSI-Zyklen in vier Gruppen (1 Tag, 2 bis 5, 6 bis 7, mindestens 8 Tage); die Gruppe mit 1 Tag hatte höhere Einnistung und biochemische Schwangerschaftsrate, klinische Schwangerschaftsrate 30,0 % gegen 25,4 % in den längeren Gruppen, niedrigere Fehlgeburtenrate; die Studie ist im Titel retrospektiv, in der Methodik prospektiv bezeichnet. Cermisoni et al. 2024 [s31], Italien: 6.919 ICSI-Zyklen; je zusätzlichem Karenztag sank die Wahrscheinlichkeit zweikerniger Zygoten um 3 % (bereinigtes Odds Ratio 0,97; 0,94 bis 0,99), die Wahrscheinlichkeit dreikerniger stieg um 14 % (1,14; 1,07 bis 1,22); Blastulation, kumulative Schwangerschaft und Fehlgeburt zeigten keinen Zusammenhang. Azizi et al. 2022 [s57], Teheran: 1.003 ICSI-Zyklen in sechs Gruppen; Volumen (p = 0,0001) und Gesamtzahl (p = 0,005) stiegen mit der Karenz, andere Parameter nicht; kein Einfluss von Karenz oder Samenparametern auf Schwangerschaften; bei ICSI wird ein einzelnes ausgewähltes Spermium injiziert, was die Wirkung der Ejakulatqualität abschwächt (Argument der Autoren). Tighe et al. 2026 [s13], Großbritannien: 2.899 Paare, 3.873 IVF-Zyklen; längere Karenz hing mit niedrigerer Schwangerschaftsrate zusammen (bereinigtes Odds Ratio 0,786; 0,685 bis 0,903; p < 0,001); Blastulationsraten und Fehlgeburten blieben unbeeinflusst; die Lebendgeburtenrate fiel, aber nicht signifikant (0,886; 0,769 bis 1,020; p = 0,0921). Scarselli et al. 2019 [s92], Italien: 22 Zyklen mit präimplantationsgenetischer Untersuchung bei Oligoasthenoteratozoospermie; erstes Ejakulat nach mehreren Tagen, zweites eine Stunde später, Geschwister-Eizellen (121 gegen 144); von 106 biopsierten Blastozysten waren 43,6 % (zweites Ejakulat) gegenüber 27,5 % euploid. Li et al. 2023 [s49], Nanning: 67 Zyklen, 786 Geschwister-Eizellen; Beweglichkeit, Normalform und DNA-Integrität des zweiten Ejakulats besser; hochwertige Blastozystenrate 24,79 % gegen 14,67 % (p < 0,05); klinische Schwangerschaft 59,09 % gegen 47,37 %, Einnistung 42,11 % gegen 32,35 %, Lebendgeburt 40,91 % gegen 31,58 % (jeweils nicht signifikant); Verblindung nicht beschrieben, nur Männer mit Oligoasthenozoospermie. Wang et al. 2026 [s14] (ART-Teilgruppe, 104 Patienten) siehe oben. Ahn et al. 2021 [s70] (Südkorea, 285 Frauen, 854 Zyklen, zeitgesteuerter Verkehr in Behandlung) betrifft Prognosefaktoren, nicht die Samenqualität.

Gesamtbild. Nachteile langer Karenz (über 4 bis 7 Tage) zeigen Studien in Insemination, ICSI und IVF [s147, s82, s88, s106, s75, s13]; keinen Zusammenhang fanden [s77, s99, s31, s57]. Kein Befund belegt, dass eine Karenz von wenigen Stunden bessere Lebendgeburtenraten ergibt als 1 bis 3 Tage; der einzige Beleg einer klinischen Besserung bei Stundenabstand [s49] ist nicht signifikant und gilt nur für Männer mit Oligoasthenozoospermie.

Sexuelle Erregung, Tageszeit und Dauer der Probengewinnung

Beyatlı et al. 2025 [s15], Istanbul: 205 infertile Männer, zwei Sitzungen im Abstand von rund vier Wochen; in der zweiten wurde die Dauer des erotischen Videos von median 8 (Interquartilsabstand 5 bis 10) auf 15 Minuten (11 bis 20) verlängert. Konzentration 19 auf 24 Millionen/ml, Gesamtbeweglichkeit 43 auf 46 %, Progressivbeweglichkeit 33 auf 37 % (je p < 0,001), Morphologie unverändert (p = 0,053); die Korrelationen der Veränderungen sind schwach (ρ = 0,21; 0,27; 0,22); Verbesserungen bei Nichtrauchern, nicht bei Rauchern. Die Reihenfolge der Sitzungen war nicht umgekehrt, ein Lern- oder Gewöhnungseffekt ist denkbar; die Karenz vor den Proben nennt das Abstract nicht. Sertkaya et al. 2022 [s65], Istanbul: 100 Patienten, alle Analysen nach 3 Tagen Karenz, dazwischen täglich ein 20-minütiges Video; Morphologie, Konzentration, Gesamt- und Progressivbeweglichkeit unverändert, signifikant verändert waren Volumen und Gesamtzahl beweglicher Spermien (p < 0,001); die Richtung nennt das Abstract nicht; keine Kontrollgruppe. Bai et al. 2023 [s45], Hefei: 746 Männer; mediane Dauer der Probengewinnung 7,0 Minuten (5,0 bis 11,0); das oberste Quartil war mit geringerem Volumen und niedrigerer Konzentration assoziiert, die Quartile 3 und 4 mit niedrigerer Beweglichkeit; adjustierte Odds Ratios in Quartil 3 gegen 1: Asthenozoospermie 2,06 (1,31 bis 3,25), Teratozoospermie 1,98 (1,10 bis 3,55); bei Paaren mit assistierter Reproduktion war die Fehlgeburtsrate mit der Gewinnungsdauer positiv korreliert. Das Abstract liefert keine Deutung; der Zusammenhang kann Folge schlechter Samenqualität oder Begleiterscheinung einer Erektionsstörung sein (Einschätzung der Berichterstattung). Liu et al. 2022 [s61], Chongqing: 33.430 Proben einer Spermabank (8 bis 17 Uhr) und eine Laborstudie mit sechs Freiwilligen (36 Proben, identischer Abstand von zwei Tagen plus vier Stunden). Gesamtzahl, Konzentration, Volumen und Beweglichkeit schwankten über den Tag (je p < 0,001); jede Stunde früher oder später als 11 Uhr war mit einem 1,14-fachen Risiko der Nichteignung der Probe nach den Kriterien der Bank verbunden; im Laborteil lag der günstigste Wert der meisten Parameter zwischen 11 und 15 Uhr. Shimomura et al. 2020 [s87], Saitama: 20 fertile und 20 infertile Männer, 3 Tage festgelegte Karenz, je eine Probe früh am Morgen und am Abend; bei fertilen Männern waren Gesamtzahl beweglicher Spermien und Gesamtzahl am Abend höher, bei infertilen nur die Gesamtzahl beweglicher Spermien; die Aussage der Autoren zur Insemination ist eine Vermutung (kein Schwangerschaftsendpunkt, keine p-Werte im Abstract); der Befund (Abend besser) steht im Kontrast zu [s61] (Optimum 11 bis 15 Uhr). Najjar et al. 2025 [s19] (13 Araberhengste, Tunesien): Niedrige Erregung verbesserte die Beweglichkeit (p < 0,01) – ein Befund, der der Richtung der Humanstudie [s15] entgegensteht; Arten und Messbedingungen sind nicht vergleichbar.

Gleitmittel

Übersichten. Gumerova et al. 2024 [s33] werteten in PubMed und Scopus 24 Artikel zu 35 rezeptfreien Vaginalgleitmitteln aus (2 In-vivo-, 22 In-vitro-Studien; am häufigsten KY Jelly, Pre-Seed und Astroglide, Zielgröße meist Beweglichkeit); wegen spärlicher Daten, methodischer Unterschiede und fehlender Schwangerschaftsendpunkte sei eine evidenzbasierte Leitlinie noch nicht möglich. Molin et al. 2024 [s39] fassten 20 Studien zusammen: Synthetische Gleitmittel (KY Jelly, Replens, Astroglide, mit Methylparaben und Glycerin) seien mit Nachteilen für Beweglichkeit und Chromatinintegrität verknüpft, Osmolalität und pH seien zentral, viele Handelsprodukte überschritten die WHO-Osmolalitätsempfehlung von 380 mOsm/kg; Olivenöl wirke ungünstig, Eiklar sei nicht toxisch, Pre-Seed zeige meist nur geringe Nachteile. Vanderschee und Kostov 2025 [s25] bieten einen Praxisleitfaden zum Gleitmittelgebrauch (Suche 2003 bis 2024), betonen den Nutzen bei Trockenheit, Schmerz und Kondomgebrauch und geben keine Fertilitätsdaten wieder.

In-vitro-Studien. Frishman et al. 1992 [s166]: Astroglide und KY Jelly beeinträchtigten die Beweglichkeit konzentrations-, nicht zeitabhängig. Kutteh et al. 1996 [s162]: Vier Gleitmittel (KY Jelly, Astroglide, Replens, Touch) und zwei Pflanzenöle wurden mit Spermien gemischt; die Handelsgleitmittel hemmten die Beweglichkeit nach 60 Minuten um 60 bis 100 %; unter Replens oder Astroglide waren die Spermien nach 60 Minuten unbeweglich und nicht lebensfähig wie bei der spermiziden Kontrolle; Rapsöl zeigte keine Schädigung. Agarwal et al. 2008 [s143] (13 Spender): Die Beweglichkeit nach 30 Minuten war mit Pre-Seed nicht von der Kontrolle verschieden, mit FemGlide, Replens und Astroglide deutlich geringer; FemGlide und KY Jelly verschlechterten die Chromatinqualität. Vargas et al. 2011 [s139]: Im 24-Stunden-Überlebenstest erwiesen sich drei „nicht spermizide“ Gele (Felis, Replens, Aquasonic Gel, Letzteres ein Ultraschallgel) als spermientoxisch, Pre-Seed nicht. Sandhu et al. 2014 [s125] (22 Spender, 10 % Konzentration): Unter Pre-Seed sank die Progressivbeweglichkeit nach 30 Minuten leicht (rund 4 %, signifikant), unter Astroglide, den KY-Produkten und Sesamöl deutlich; Rapsöl und Babyöl senkten sie anfangs, dann blieb sie hoch; Senföl löste anhaltende Hyperaktivierung aus. Mowat et al. 2014 [s123] (10 Proben, neun Gleitmittel): höchste Vitalität unter Pre-Seed (92 %), niedrigste unter Forelife (28 %); Progressivbeweglichkeit 86 % unter Pre-Seed gegen 31 % unter Sylk; kein signifikanter Einfluss auf die DNA-Integrität. Abadie und Lambert 2014 [s120]: 20 Proben mit und ohne Gleitmittel ohne Unterschiede von Beweglichkeit, Vorwärtsbewegung oder Morphologie. Park et al. 2014 [s124] (Seoul, 20 gewaschene Proben, 30 Minuten, 10 % Inclear): Kein signifikanter Unterschied zur Kontrolle; es handelt sich um einen Vaginalreiniger und kein Gleitmittel, die Empfehlung der Autoren geht über die Daten hinaus. Wilson et al. 2017 [s107] (Durban, 20 Proben): Der ölbasierte Stoff hielt die progressive Beweglichkeit nach 60 Minuten im Normbereich (Minimum 32 %), der silikonbasierte fiel innerhalb von 60 Minuten darunter, das „Fruchtbarkeitsgel“ erreichte zu keinem der drei Zeitpunkte den Normbereich, das wasserbasierte immobilisierte alle Spermien binnen 5 Minuten und tötete im Mittel 95,23 % innerhalb von 60 Minuten. Mackenzie und Gellatly 2019 [s90]: 32 Fachpersonen in Schottland gaben uneinheitliche Empfehlungen, das Wissen über Spermientoxizität war gering; Aquagel (das einzige verschriebene Mittel) senkte die Progressivbeweglichkeit nach 10 Minuten auf 49 % der Kontrolle, schon bei 5 % Konzentration, ohne Zelltod laut Vitalitätstest; das als spermiensicher geltende Produkt Pré beeinflusste die Parameter nicht signifikant. Soriano et al. 2021 [s79] (Spanien): Spermienbeweglichkeitsindex (Werte unter 0,75 gelten als toxisch): Nur Durex zeigte keine schädliche Wirkung, Vaginesil war bei allen Konzentrationen toxisch (Index unter 0,12), KY Jelly bei 10 % ab 1 Stunde, die Ultraschallgele Aquasonic nach 0,5 Stunden (0,70 ± 0,15) und Kefus nach 2 Stunden (0,69 ± 0,07). Das widerspricht [s21], wo Durex am schlechtesten abschnitt; Produktfamilie, Konzentration und Methodik kommen als Ursachen in Frage, die Abstracts klären es nicht. Markram et al. 2022 [s62] (60 Proben): Außer Eiklar verminderten Optilube, Pre-Seed, Yes Baby und Olivenöl die Vorwärtsbeweglichkeit signifikant (p < 0,001) bis 24 Stunden; die Werbeaussage „spermienfreundlich“ sei für Pre-Seed nicht bestätigt. Tomlinson et al. 2023 [s54] (12 Spender, 10 %, computergestützte Analyse): Alle Gele senkten Beweglichkeit und Geschwindigkeit nach 1 und 2 Stunden signifikant (p < 0,01), am stärksten zwei Durex-Produkte (11 % und 15 % gegen 47 % Progressivbeweglichkeit der Kontrolle nach 60 Minuten), aber besser als Speichel; FertilSafe Plus verlor am wenigsten (24 % gegen 47 %). Pradit et al. 2025 [s21] (20 Spender, 10 % in Vaginalflüssigkeitssimulat): Die Beweglichkeit sank unmittelbar bei allen Gleitmitteln; Pre-Seed entsprach der Kontrolle; KY Jelly, Vaseline und Babyöl senkten die Progressivbeweglichkeit zeitweise, Durex deutlich und die Vitalität nach 60 Minuten. Rafaee et al. 2022 [s64]: Ein parabenfreies Gel (BabyDance) änderte weder in vitro (20 Patienten) noch bei 25 Anwendern pH, Vitalität und Beweglichkeit; der Zweck war die Eignung für die Samengewinnung in der Klinik. Miller et al. 1994 [s164]: Randomisierte In-vivo-Studie zu einem chirurgischen Gleitmittel und der Spermienpenetration des Zervikalschleims; das Abstract nennt keine Zahlen, schließt aber auf mögliche Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit mancher Paare und betont selbst, Schwangerschaft sei kein Endpunkt gewesen. Xie et al. 2021 [s81]: Ein Kontrazeptionsgel mit Gossypol, Tenofovir und Nitroglycerin (Spermizid, pH 4,5) verhinderte bei sechs Rattenpaaren alle Schwangerschaften; die Arbeit betrifft ein absichtlich spermienschädigendes Produkt und sagt nichts über herkömmliche Gleitmittel.

Gleitmittel bei der Probengewinnung. Agarwal et al. 2013 [s128], randomisierte Cross-over-Studie, 22 gesunde Männer: Mit Pre-Seed bevorzugten 73 % den Vorgang, 55 % empfahlen es für den Alltag; Beweglichkeit, Vitalität, Membranintegrität, ROS, antioxidative Kapazität und DNA-Schaden waren unverändert.

Gleitmittel und Empfängnis in Kohorten. Steiner et al. 2012 [s135] (296 Frauen, 30 bis 44 Jahre, Tagebuch): 25 % nannten im Ausgangsfragebogen Gleitmittelgebrauch, nach Tagebuch benutzten 57 % nie, 29 % gelegentlich, 14 % häufig; Gebrauch im fruchtbaren Fenster war nicht mit geänderter Fruchtbarkeit verbunden (Fecundability Ratio 1,05; 95-%-KI 0,59 bis 1,85; breites Intervall). McInerney et al. 2018 [s101] (6.467 Frauen aus Dänemark und Nordamerika): Gebrauch bei 17,5 %; Fecundability Ratio gegen Nichtgebrauch 1,02 (0,93 bis 1,11) für wasserbasierte nicht pH-abgestimmte, 1,01 (0,86 bis 1,18) für wasserbasierte pH-abgestimmte „fruchtbarkeitsfreundliche“, 1,23 (0,94 bis 1,61) für ölbasierte und 1,27 (0,93 bis 1,73) für silikonbasierte Mittel; der Zusammenhang mit Ölen war über Untergruppen nicht einheitlich. Beide Kohorten beruhen auf Selbstangaben der Frauen und messen keine Samenparameter; sie sagen etwas über die Empfängnis bei Frauen ohne Infertilitätsvorgeschichte, nicht über die Samenqualität.

Einordnung. In-vitro-Daten (Spermien in 10-%-Lösung, meist gewaschene oder rohe Proben) und Kohortendaten (Empfängnis) widersprechen sich scheinbar. Die Abstracts erklären das nicht; Verdünnung im Zervikalschleim oder der Zeitpunkt des Gebrauchs sind Vermutungen, die in den abgerufenen Texten nicht geprüft wurden. In keinem der ostasiatischen, russischen, arabischen oder türkischen Sprachräume wurde eine Gleitmittelstudie in der Landessprache gefunden.

Häufigkeit und Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs

Zeitpunkt im Zyklus. Wilcox et al. 1995 [s163] (USA): 221 gesunde Frauen mit Kinderwunsch, tägliche Urinproben und Tagebuch; in 625 Zyklen mit schätzbarem Eisprung entstanden 192 Schwangerschaften, 129 endeten mit Lebendgeburt. Empfängnis trat nur bei Verkehr in einem sechstägigen Zeitraum bis zum Eisprungtag ein; die Wahrscheinlichkeit lag zwischen 0,10 (fünf Tage vor) und 0,33 (am Eisprungtag). Nur 6 % der Schwangerschaften waren eindeutig Spermien zuzuordnen, die drei Tage oder älter waren; ein Zusammenhang zwischen Alter der Spermien und Lebensfähigkeit der Schwangerschaft war nicht erkennbar. Dunson et al. 1999 [s157] korrigierten den Fehler der Eisprungbestimmung in zwei Datensätzen und fanden das gleiche sechstägige Fenster mit höchster Wahrscheinlichkeit am Tag vor dem Eisprung. Dunson et al. 2002 [s154] (782 Paare, 5.860 Zyklen): fast alle Schwangerschaften im sechstägigen Fenster; die Tageswahrscheinlichkeit sank bei Frauen ab Ende der Zwanziger und war bei 19- bis 26-Jährigen doppelt so hoch wie bei 35- bis 39-Jährigen; bei Männern über 35 Jahren war die Fruchtbarkeit nach Adjustierung für das Alter der Frau signifikant verringert. Bigelow et al. 2004 [s151] (782 Frauen, 7.288 Zyklen): Die Schleimqualität erklärte das Muster der Tageswahrscheinlichkeiten. Stanford et al. 2002 [s155] halten Methoden, die das Fenster vorausschauend erkennen, für wirksamer als Kalenderrechnung oder Basaltemperatur. Stanford und Dunson 2007 [s144] zeigen mit Simulationen, dass Verkehrsmuster Zeit bis zur Schwangerschaft und Fecundability Ratios stark beeinflussen können, vor allem bei niedriger Verkehrsfrequenz oder geringer Fruchtbarkeit. Lachenbruch 1967 [s178] und Glasser und Lachenbruch 1968 [s177] sind rein theoretische Modelle von Verkehrsmustern.

Häufigkeit des Verkehrs. Dreiås et al. 2026 [s06] (Norwegen, MoBa, 64.193 Frauen mit geplanter Schwangerschaft): Die mittlere Zeit bis zur Schwangerschaft sank von 4,8 Monaten bei weniger als einmal je Woche auf 3,7 Monate bei mehr als viermal je Woche (Trend p < 0,0001); gegenüber 1 bis 2 Mal je Woche war die Empfängniswahrscheinlichkeit je Zyklus bei mehr als viermal je Woche um 16 % höher (Fecundability Ratio 1,16; 1,14 bis 1,19); zwischen weniger als einmal, 1 bis 2 und 3 bis 4 Mal je Woche gab es keine klaren Unterschiede. Selbstberichtete Häufigkeit in den vier Wochen vor der Empfängnis, rückblickend; Umkehr der Ursache nicht ausschließbar. Konishi et al. 2020 [s85] (Japan, 80 Frauen, bis 24 Wochen): 44 % (35) empfingen natürlich; in 18 % (58/319) der Zyklen gab es keinen Verkehr in der fruchtbaren Phase; höhere Koitusfrequenz war mit höherer Empfängniswahrscheinlichkeit verbunden (Odds Ratio 1,23; 1,02 bis 1,47). Bond et al. 2025 [s16] (2.500 Frauen): Sexuelle Not war mit geringerer Fecundability verbunden (0,82; 0,69 bis 0,98), Funktionsstörung nach Grenzwert nicht (1,00; 0,890 bis 1,13), häufige Schmerzen beim Verkehr 0,81 (0,62 bis 1,06). Pakpahan et al. 2024 [s40] (132 Teilnehmerinnen): Verkehr vor Embryotransfer änderte die Schwangerschaftsrate nicht signifikant, mit Orgasmus lagen biochemische (p = 0,009) und klinische Schwangerschaften (p = 0,027) höher; kleine retrospektive Studie.

Cochrane-Übersichten zu zeitgesteuertem Verkehr. Gibbons et al. 2023 [s46]: sieben RCT mit 2.464 Frauen oder Paaren, Evidenzsicherheit moderat bis sehr niedrig. Urinäre Ovulationstests erhöhen gegenüber Verkehr ohne Vorhersage wahrscheinlich die Lebendgeburt (Risk Ratio 1,36; 1,02 bis 1,81; 1 RCT, n = 844; moderat) und die klinische oder positive Urinschwangerschaft (1,28; 1,09 bis 1,50; 4 RCT, n = 2.202; moderat); klinische Schwangerschaft allein (1,09; 0,51 bis 2,31; n = 148) und Stress (Mittelwertdifferenz 1,98; -0,87 bis 4,83; n = 77) blieben unklar. Methoden der Fruchtbarkeitswahrnehmung: Lebendgeburt 0,95 (0,76 bis 1,20; 2 RCT, n = 157), Zeit bis zur Schwangerschaft Hazard Ratio 0,86 (0,53 bis 1,38). Keine Studie zur Ultraschallmethode; die Ergebnisse gelten für Frauen unter 40 Jahren mit weniger als 12 Monaten Kinderwunsch. Manders et al. 2015 [s117] (Vorgängerfassung): vier RCT (n = 1.387) in der Metaanalyse; Schwangerschaftsrate Risk Ratio 1,35 (1,06 bis 1,71); Lebendgeburt 0,75 (0,16 bis 3,41; n = 17); Evidenz niedrig bis sehr niedrig. Beide Übersichten betreffen die Vorhersage des Eisprungs, nicht die Samenqualität.

Verkehrsverhalten bei bekannter oder vermuteter Subfertilität. Perlis et al. 2013 [s129] (Kanada, 1.298 infertile Männer): mediane Verkehrshäufigkeit 7 je Monat (Interquartilsabstand 5 bis 10; 0 bis 40), 24 % der Paare höchstens viermal monatlich; je Lebensjahr stieg die Chance seltenen Verkehrs (Odds Ratio 1,05; 1,03 bis 1,08), je Punkt im Fragebogen zur Erektionsfunktion sank sie (1,12; 1,09 bis 1,18). Yu et al. 2022 [s68] (Changchun, 509 Männer): Zeitgesteuerten Verkehr praktizierten 11,8 % (20/170) der Gruppe A und 16,2 % (19/117) der normozoospermen Gruppe B, aber 28,2 % (44/156) und 25,7 % (17/66) bei mäßiger beziehungsweise schwerer Beeinträchtigung (p < 0,001); Erektionsstörungen waren bei bekannter Einschränkung häufiger (Odds Ratio 1,86 und 5,312). Das Verhalten folgt hier der Kenntnis des Befunds. Yu et al. 2022 [s69] (Changchun, 426 Männer aus Paaren mit Schwangerschaftsverlust): Verkehr seltener als einmal pro Woche berichteten 50,6 % der Gruppe mit hohem Fragmentierungsindex gegenüber 23,2 % der Gruppe mit normaler Samenqualität (p < 0,05), 44,4 % bei isolierter Teratozoospermie und 46,1 % bei mehreren Anomalien; Erektionsstörungen waren bei hohem Index häufiger (Odds Ratio 2,75; 1,49 bis 5,09). Querschnittlich: seltener Verkehr durch Sexualstörung oder seltener Verkehr als Mitursache sind beide denkbar. Bak et al. 2012 [s133] (Seoul, 439 Männer über drei Jahre): Mit der Zahl der Episoden zeitgesteuerten Verkehrs stieg die Zahl der Männer mit erektiler Dysfunktion (p < 0,0001); die Samenparameter wurden im Abstract nur zu Softdrinks berichtet. Dai et al. 2026 [s05] (Hefei, 2.668 Männer): Koitushäufigkeit mehr als zweimal pro Woche war mit einer Ureaplasma-Infektion assoziiert (adjustiertes Odds Ratio 1,41; 1,04 bis 1,91); die Infektion selbst war nicht mit schlechter Samenqualität assoziiert; ein direkter Zusammenhang zwischen Koitushäufigkeit und Samenqualität wurde nicht berichtet. Cui et al. 2021 [s73] (Chongqing, 568 Studierende): Früher Beginn der Pornografienutzung ging mit niedrigerer Spermienkonzentration und Gesamtzahl einher; Karenz und Masturbationshäufigkeit sind im Abstract nicht ausgewertet. Komiya et al. 2023 [s48] (Chiba, 402 Männer, Lebensstilberatung ohne Kontrollgruppe): Keine Verbesserung zeigte sich unter anderem bei Männern mit Karenz über drei Tage; explorative Untergruppen. Osadchuk et al. 2017 [s105] (Nowosibirsk, 133 Freiwillige): Rauchen und Alkohol hatten keinen Einfluss auf die Spermatogenese und gingen mit häufigeren Sexualkontakten einher; Zahlen fehlen. Osadchuk et al. 2016 [s115] (Kemerowo, 111 Freiwillige; Untersuchung der Spermatogenese-Kennwerte und des Hormonstatus bei jungen Männern Westsibiriens): Vorgabe von 2 bis 3 Tagen Verzicht auf Verkehr, tatsächliche mittlere Karenz 3,9 ± 0,3 Tage; keine Auswertung nach Karenz. In keinem Sprachraum wurde eine Studie gefunden, die den Zeitpunkt des Verkehrs im Zyklus direkt mit der Samenqualität des Mannes verglich.

Ejakulationshäufigkeit und Prostatakrebs (Randthema)

Diese Studien betreffen nicht die Samenqualität, gehören aber zur Literatur über Ejakulationshäufigkeit. Leitzmann et al. 2004 [s153] (USA, 29.342 Männer, 1.449 Prostatakrebsfälle): relatives Risiko bei mindestens 21 gegen 4 bis 7 Ejakulationen je Monat 0,89 (0,73 bis 1,10) im Alter von 20 bis 29, 0,68 (0,53 bis 0,86) im Alter 40 bis 49, 0,49 (0,27 bis 0,88) im letzten Jahr, 0,67 (0,51 bis 0,89) über das Leben gemittelt; kein signifikanter Zusammenhang mit fortgeschrittenem Krebs. Rider et al. 2016 [s111] (gleiche Kohorte, zehn Jahre länger, 31.925 Männer, 3.839 Fälle): Hazard Ratio 0,81 (0,72 bis 0,92) im Alter 20 bis 29 und 0,78 (0,69 bis 0,89) im Alter 40 bis 49; die Assoziation wurde von Tumoren mit niedrigem Risiko getragen; Erhebung rückblickend, Selbstangabe. Lozano-Lorca et al. 2023 [s51] (Fall-Kontroll-Studie, 456 Fälle, 427 Kontrollen): bereinigtes Odds Ratio gegenüber mehr als 4 Ejakulationen je Monat 1,64 (1,03 bis 2,61) bei 4 und 2,38 (1,57 bis 3,60) bei 0 bis 3 je Monat; Erinnerungsverzerrung und umgekehrte Verursachung sind möglich. Kokori et al. 2024 [s36] (narrative Übersicht, 11 Studien): teils inverse, teils widersprüchliche Ergebnisse. Mit der Samenqualität haben diese Arbeiten nichts zu tun.

Tierversuche

Tierstudien liefern die Mechanik: Wiederholte Ejakulation entleert die extragonadalen Reserven, und die tägliche Spermienproduktion begrenzt die Nachlieferung. Übertragbar sind sie nur eingeschränkt (Hodengröße, Nebenhodenkapazität, Paarungssystem, Gewinnung mit künstlicher Scheide oder Elektroejakulation).

Hengste und Ponys. Amann et al. 1979 [s174]: Die extragonadalen Reserven betrugen 89 Milliarden Spermien bei sexuell geschonten 5- bis 16-jährigen und 60 Milliarden bei 2- bis 4-jährigen Hengsten, 62 % in der Cauda epididymidis, 7 % im Samenleiter. Fünf aufeinanderfolgende Ejakulate entfernten 40 bis 60 % der verfügbaren Spermien; Ejakulation jeden zweiten Tag senkte die potenziell verfügbare Zahl um 27 % (p < 0,05). Die tägliche Produktion (6,4 und 4,2 Milliarden) erlaube Nutzung ein- oder zweimal täglich in Frühjahr und Sommer. Magistrini et al. 1987 [s169]: Bei sechs Hengsten und Ponys (dreimal wöchentlich gegen täglich im Wochenwechsel über ein Jahr) führte die hohe Frequenz zu geringerem Volumen und geringerer Konzentration und etwas besserer Beweglichkeit; die Qualität des aufgetauten Samens hing nicht von der Frequenz ab. Najjar et al. 2025 [s19], Araberhengste: siehe oben (Erregung).

Widder. Jennings und McWeeney 1976 [s176]: 16 Suffolk-Widder wurden acht Stunden lang wiederholt ejakuliert; Volumen, Dichte und Spermienzahl fielen signifikant, Beweglichkeit und Anteil abnormer Spermien blieben unverändert; nach dem achten Ejakulat könne die Zahl unter die zur Befruchtung nötige fallen. Seymour et al. 2025 [s24]: Bei drei Widdern, acht Wochen lang dreimal wöchentlich zweimal täglich Samengewinnung; nur 10,4 % der Ejakulate lagen innerhalb von ±5 % des eigenen Mittelwerts des Anteils normaler Spermien; innerhalb eines Tages sank der Anteil normaler Spermien beim zweiten Ejakulat signifikant, vor allem durch Zytoplasmatropfen und Mittelstückanomalien.

Esel, Schimpansen, Kaninchen. Gastal et al. 1997 [s159]: Bei sechs Eselhengsten (Ejakulate im Abstand von 4 Stunden) war die Gesamtspermienzahl im zweiten Ejakulat niedriger (Gruppe A 10,6 gegen 5,8 Milliarden; Gruppe B 13,3 gegen 9,6 Milliarden; p < 0,05), Beweglichkeit und Morphologie wichen nicht wesentlich ab. Marson et al. 1989 [s168]: Bei sechs Schimpansen stieg bei stündlicher Wiederholung über 5 Stunden das Volumen von 2,6 ± 0,7 auf 4,7 ± 0,6 ml, die Gesamtspermienzahl fiel von 1.278 ± 872 Millionen auf 587 ± 329 Millionen (erstes bis sechstes Ejakulat); die sechs Ejakulate ergaben insgesamt 20,2 ± 7,6 ml und 4.278 ± 2.884 Millionen Spermien. Oshio et al. 1986 [s172]: Beim Kaninchen sanken bei häufiger Ejakulation Volumen, Konzentration, Beweglichkeit und der Fertilitätsindex nach Farris und erholten sich nach 24 Tagen Karenz auf die Ausgangswerte. Boulbina et al. 2026 [s03] (je 14 algerische und Neuseeländer Rammler, wöchentlich zwei aufeinanderfolgende Ejakulate): Ziel war der Rassenvergleich (lokale Tiere mit höherer Konzentration, p = 0,01), ein Ergebnis zur Reihenfolge der Ejakulate nennt das Abstract nicht.

Rinder, Büffel, Strauße, Eber, Fledermäuse. Reddy et al. 2026 [s10]: Die Verlängerung des Abstands zwischen Ejakulaten von 30 Minuten auf 24 Stunden bei Murrah-Büffeln und Ongole-Rindern (12 Bullen, 1.829 Ejakulate) erhöhte bei Murrah das Volumen um 17 % (p = 0,004), bei Ongole die Konzentration um 21,5 % (p = 0,021) und die Gesamtzahl um 23 %, die Beweglichkeit verbesserte sich in beiden Rassen, Morphologie und Akrosomintegrität blieben unverändert. Muvhali et al. 2026 [s09]: Bei fünf Straußen beeinflusste die Entnahmehäufigkeit weder Seminalplasmaprotein noch Plasmavolumen. Alyethodi et al. 2021 [s72]: Bei Bullen führte wiederholte Entnahme in kurzen Abständen nicht zu signifikanter Änderung von Volumen, Beweglichkeit und Konzentration und könne mit höherer antioxidativer Kapazität und weniger Lipidperoxidation einhergehen. Audet et al. 2009 [s142]: Bei 39 Ebern war die Entnahmehäufigkeit (dreimal je zwei Wochen gegen dreimal je Woche) mit wenigen hormonellen Unterschieden verbunden (FSH vor der Ejakulation 0,436 gegen 0,266 ng/ml; p < 0,05). Wesseling et al. 2016 [s114]: Bei der Fledermaus Carollia perspicillata verbesserte sich die Spermienqualität der Haremsmännchen nach zeitweiser Entfernung aus der Kolonie, nicht aber die der Außenseitermännchen; die Dauer reichte nicht, um oxidativen Schaden zu erzeugen. Singh et al. 2015 [s119]: Bei Sahiwal-Bullen (63 Ejakulate von sechs Bullen) hing das Sexualverhalten mit Ejakulatmerkmalen zusammen.

Hunde, Katzen, Dromedare, Silberfüchse. Kawakami et al. 1998 [s158]: Bei acht Rüden mit gleichzeitiger Asthenozoospermie und Teratozoospermie stieg bei kürzerem Entnahmeintervall der Anteil beweglicher Spermien und sank der Anteil abnormer; beim 12-Stunden-Intervall stieg die Beweglichkeit von rund 65 auf etwa 80 %, und der Anteil von Spermien mit abnormem Flagellum sank von 30 auf 15 %; Hyperaktivierung und Zona-Bindung waren an Tag 5 höher als an Tag 1 (p < 0,05); die Autoren sprechen von vorübergehender Verbesserung. Oba et al. 2011 [s137]: Bei fünf Katern, viermal nacheinander Samen: Volumen, Anteil abnormer und unreifer Spermien änderten sich nicht signifikant, Spermienzahl, Beweglichkeit und Vitalität nahmen mit den Wiederholungen ab; die Zahl der ersten Probe machte 55,0 % der Gesamtzahl aller vier Ejakulate aus. Al-Bulushi et al. 2018 [s95]: Sieben Dromedarhengste über 8 Wochen; einmal wöchentliche Sammlung gegenüber zweimaliger: höhere Konzentration (403 ± 16 gegen 261 ± 18 Millionen/ml; p < 0,001), höhere grobe Aktivität, Anteil verwertbarer Ejakulate 100 % gegen 69 %; progressive Beweglichkeit und Geschwindigkeit sanken bei zweimaliger Sammlung (p < 0,001). Osadchuk 1997 [s161] (Rossiiskii fiziologicheskii zhurnal; Sexuelle Aktivität und anomale Spermatogenese bei jungen männlichen Silberfüchsen): Der Anteil morphologisch defekter Spermien war bei sexuell inaktiven Männchen signifikant niedriger als bei aktiven; die Zahlenwerte im Abstract sind durch Formatverlust unleserlich.

Zusammenfassung der Tierstudien. In allen Arten sinkt die Spermienzahl je Ejakulat bei rascher Wiederholung. Bei Beweglichkeit und Morphologie fehlt ein einheitliches Bild; mehrere Studien sehen unveränderte oder etwas bessere Beweglichkeit bei häufiger Ejakulation [s169, s176, s159, s158], andere eine sinkende [s137, s95]. Das passt zur humanen Befundlage zur Gesamtzahl, belegt aber nichts zur Fruchtbarkeit des Menschen. Die Befunde an Hunden und Katzen [s158, s137] zeigen gegensätzliche Richtungen und sprechen gegen eine einfache Übertragung.

Sprachräume und Zugang

Die englischsprachige Literatur trägt praktisch alle Metaanalysen, alle Studien mit klinischen Endpunkten und alle Gleitmittelstudien; das Gewicht von Fertilitätskliniken in Asien hat 2024 bis 2026 stark zugenommen [s32, s23, s20, s42, s27, s35, s26]. Deutsch: Gefunden wurde eine einschlägige Arbeit [s170]; eine deutschsprachige Leitlinie (AWMF) war nicht lesbar, ein deutschsprachiger Gleitmittelbeitrag wurde nicht gefunden. Französisch: kein französischsprachiger Primärbefund zur Karenz [s138]. Italienisch und Portugiesisch: keine Studie mit Abstract in der Landessprache; Cairn, SciELO und LILACS waren nicht abrufbar. Spanisch: fünf Funde [s127, s110, s132, s156, s116]. Chinesisch, Japanisch, Koreanisch: CNKI, Wanfang, KCI und DBpia waren nicht abrufbar; nur die Metaanalyse [s32] gibt mittelbar Einblick in die chinesischsprachige Literatur. Russisch, Arabisch, Türkisch: In russischer Sprache keine Primärstudie zum Thema, nur Methodenbeiträge [s126, s121, s28] und Kohorten mit Karenzvorgabe [s115, s105]; in arabischer Sprache keine Humanstudie; Türkisch mit mehreren Studien [s77, s82, s65, s15, s97, s84, s66]. Das Fehlen einer Studie in einer Sprache belegt nicht, dass es sie nicht gibt; die Nachweisbarkeit hängt von der Verfügbarkeit der Datenbanken ab. Die nicht englischsprachigen Studien bestätigen die Grundbefunde und fügen keinen abweichenden Befund hinzu.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Überblick und Gliederung und Große Auswertungen von Samenbefunden nach Karenz (Europa, Amerika, Afrika, Indien, Vietnam)
  6. Karenz und Samenqualität in China, Japan und Hongkong und Ejakulationshäufigkeit, tägliche Ejakulation und wiederholte Ejakulate
  7. Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden): Vorher-nachher-Studien ohne Kontrollgruppe bis Erregung, Tageszeit und Dauer der Probengewinnung
  8. Häufigkeit und Zeitpunkt des Verkehrs, Sexualfunktion bis Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  9. Gesamtbild der Evidenz in Kürze bis Ejakulationshäufigkeit, tägliche und wiederholte Ejakulation beim Menschen
  10. Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden) bis Sprachräume und Zugang
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Spanisch
  14. Chinesisch bis Türkisch
  15. Ein Querschnittsproblem vorweg: Vorzeichen, Grenzen und Begriffe bis Widerspruch 10: Tierstudien, gegensätzliche Richtungen
  16. Übersicht der Widersprüche
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis
  22. Diagramme
  23. Quellen
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle