Karenz und Samenqualität in China, Japan und Hongkong
Die ostasiatischen Studien sind fast alle englischsprachig veröffentlicht; chinesische, japanische und koreanische Originalartikel aus den Datenbanken des jeweiligen Landes waren für die Gesamtstudie nicht abrufbar. Für fünf zentrale chinesische Studien wurden zusätzlich Ergebnisteil und Tabellen frei zugänglicher Volltexte ausgewertet [s14, s26, s27, s35, s59]. Mehrere Arbeiten stammen aus demselben Zentrum und sind nicht voneinander unabhängig.
Yao et al. 2025: 3.052 Männer in der Fruchtbarkeitsdiagnostik, Nanyang (Henan) [s27]. Querschnittsstudie an 3.052 Männern (mittleres Alter 30,9 ± 5,0 Jahre, mittlerer Körpermasseindex 24,7 ± 3,6; 42,3 % Raucher, 50,2 % tranken Alkohol). Die Karenz wurde in drei Gruppen geteilt: kurz (0 bis 1 Tag, n = 141), empfohlen (2 bis 7 Tage, n = 2.639) und lang (über 7 Tage, n = 272). Zwischen den Gruppen bestanden keine signifikanten Unterschiede bei Alter, Körpermasseindex, Rauchen, Alkohol, Bildung, chronischen Erkrankungen, Harnwegsinfektionen und Varikozele. Mediane (Interquartilsabstand) für kurz, empfohlen und lang: Volumen 2,3 (1,5 bis 2,8), 3,1 (2,2 bis 4,2) und 3,9 (2,7 bis 5,0) ml; Konzentration 37,4 (18,5 bis 64,0), 60,3 (30,7 bis 109,9) und 92,2 (47,7 bis 165,5) Millionen je ml; progressive Beweglichkeit 38,4, 37,6 und 33,0 %; Gesamtbeweglichkeit 42,8, 42,3 und 37,3 %; Gesamtzahl beweglicher Spermien 29,7, 75,0 und 123,4 Millionen; DNA-Fragmentierungsindex 11,5 (8,7 bis 16,2), 13,1 (8,5 bis 20,3) und 16,8 % (11,8 bis 28,7). Die Fragmentierung lag nur für eine Teilmenge vor (55, 1.040 und 112 Männer in den drei Gruppen). Die normale Morphologie (Median je 6,0 %) unterschied sich nicht (p = 0,38).
Odds Ratios gegen die empfohlene Gruppe (die bereinigten Werte lagen laut Text in gleicher Richtung): Kurze Karenz und Volumen unter 1,5 ml: OR 3,1 (95-%-KI 2,0 bis 4,7; p < 0,001); Konzentration unter 15 Millionen je ml: OR 1,7 (1,1 bis 2,6; p = 0,02); Gesamtzahl beweglicher Spermien unter 9 Millionen: OR 2,0 (1,3 bis 3,1; p < 0,001). Lange Karenz: Konzentration unter 15 Millionen je ml: OR 0,5 (0,3 bis 0,8; p = 0,007); progressive Beweglichkeit unter 32 %: OR 1,5 (1,2 bis 1,9; p = 0,002); Gesamtbeweglichkeit unter 40 %: OR 1,4 (1,1 bis 1,8; p = 0,007); Fragmentierungsindex über 30 %: OR 2,8 (1,7 bis 4,6; p < 0,001). Für die Morphologie fanden sich keine signifikanten Zusammenhänge. Kubische Splines zeigten nichtlineare Beziehungen zu Volumen (p für Nichtlinearität < 0,001), Konzentration (p = 0,039) und Gesamtzahl beweglicher Spermien (p < 0,001). Bei langer Karenz sanken die Geschwindigkeitsparameter (VCL, VSL, VAP, BCF, MAD; p < 0,001 beziehungsweise 0,001), während ALH, LIN, WOB und STR zunahmen (p 0,03 bis 0,04). Stärken: große Stichprobe, drei klar abgegrenzte Gruppen, Bereinigung, Spline-Modelle, Bewegungsparameter. Schwächen: Die Kurzgruppe ist klein (n = 141), die Fragmentierung ist nur bei einem Teil der Männer gemessen, Querschnitt mit je einer Probe, Männer der Fruchtbarkeitsdiagnostik, Karenz nach Selbstangabe. Einordnung: Die Autoren sehen sowohl kurze als auch lange Karenz mit geringerer Qualität in je anderen Merkmalen verbunden: Kurze Karenz geht mit weniger Menge, lange mit geringerer Beweglichkeit und höherer Fragmentierung einher.
Chen et al. 2022: 2.952 Männer, Alter und Karenz, Fuzhou (Fujian) [s59]. Retrospektive Studie am Fujian Maternity and Child Health Hospital (Juni 2018 bis Juli 2020). Die Proben wurden nach zwei bis sieben Tagen Karenz durch Masturbation gewonnen. Gruppiert wurde nach Alter (bis 25, 26 bis 30, 31 bis 35, 36 bis 40, 41 bis 45, über 45 Jahre) und nach dem Karenztag (2 bis 7 Tage); die Statistik umfasste Varianzanalyse und Pearson-Korrelation. Gesamtkohorte: Alter 32,3 ± 5,0 Jahre, Karenz 4,2 ± 1,2 Tage, Volumen 3,3 ± 1,3 ml, Konzentration 45,3 ± 29,3 Millionen je ml, progressive Beweglichkeit 38,3 ± 16,5 %, normale Morphologie 7,5 ± 4,3 %, Fragmentierungsindex 14,0 ± 8,0 %. Nach Karenztag (Tage 2, 3, 4, 5, 6, 7 mit n = 157, 810, 836, 689, 256, 204): Volumen 2,6 ± 1,1, 3,0 ± 1,2, 3,3 ± 1,3, 3,4 ± 1,3, 3,5 ± 1,4 und 3,8 ± 1,7 ml; Fragmentierungsindex 12,9 ± 7,9, 13,3 ± 7,7, 13,6 ± 7,8, 14,7 ± 8,2, 15,1 ± 8,3 und 16,1 ± 8,1 %; progressive Beweglichkeit 37,7 ± 16,9 % am Tag 2, 39,5 ± 16,5 % am Tag 4 und 34,7 ± 15,7 % am Tag 7. Signifikante Unterschiede zwischen den Tagen: Volumen p < 0,001, Konzentration p < 0,001, progressive Beweglichkeit p = 0,012, Fragmentierung p < 0,001; keine Unterschiede bei den Morphologiemaßen (alle p > 0,05). Die Konzentration am Tag 7 lag mit 46,7 ± 30,0 Millionen je ml nicht über der am Tag 2 (48,6 ± 33,7), der Verlauf ist also nicht einfach monoton. Nach Alter sank das Volumen von 3,6 ± 1,5 ml (bis 25 Jahre) auf 2,6 ± 1,3 ml (über 45 Jahre), die progressive Beweglichkeit von 41,2 ± 15,7 auf 28,5 ± 17,3 %, und der Fragmentierungsindex stieg von 12,3 ± 6,4 auf 17,4 ± 8,4 % (jeweils p < 0,001). Die Autoren sehen Bewegungsparameter und Fragmentierung linear mit Alter und Karenz verknüpft, ausgenommen die Morphologie. Stärken: große Zahl, enge Tagesstufen, Alter und Karenz parallel ausgewertet, Teilmaße der Morphologie. Schwächen: Univariate Vergleiche und Korrelationen ohne gemeinsame multivariable Bereinigung, sodass Alter und Karenz nicht getrennt sind; nur Karenz von zwei bis sieben Tagen, also keine Aussage zu sehr kurzer oder sehr langer Karenz; Konfidenzintervalle fehlen. Einordnung: Die Fragmentierung steigt auch innerhalb der WHO-Spanne schrittweise (12,9 auf 16,1 %), allerdings gemeinsam mit dem Alter in einer Querschnittsauswertung.
Wang et al. 2026: Alter und Karenz vor Spermakryokonservierung, Guangzhou [s14]. Retrospektive Analyse am Guangdong Provincial Reproductive Hospital (Januar 2023 bis Dezember 2024). Karenzgruppen 0 bis 2, 3 bis 5, 6 bis 7 und über 7 Tage (n = 85, 673, 159, 25; zusammen 942), Altersstrata unter 40 und ab 40 Jahre. Mediane in der Reihenfolge der Gruppen: Fragmentierungsindex 11,8, 15,8, 18,1 und 26,7 %; progressive Beweglichkeit 39,5, 30,0, 31,3 und 22,0 %; Volumen 2,7, 3,4, 3,5 und 4,1 ml; Konzentration 53,3, 54,6, 86,1 und 118,2 Millionen je ml; Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien 51,0, 52,2, 86,2 und 91,0 Millionen. Die Normalform unterschied sich nicht (Kruskal-Wallis p = 0,967); die übrigen Größen waren signifikant verschieden (p < 0,001 bis < 0,0001). Bei Männern ab 40 Jahren war die Qualität nach 0 bis 2 Tagen am besten, trotz geringeren Volumens und geringerer Konzentration; bei Männern unter 40 Jahren war sie nach 3 bis 5 Tagen am besten. Bei den Älteren stieg die Fragmentierung mit längerer Karenz deutlicher; bei 0 bis 2 Tagen unterschied sie sich zwischen den Altersgruppen nicht signifikant. 104 Patienten erhielten anschließend eine Behandlung der assistierten Reproduktion (48 unter 40, 56 ab 40 Jahre; mittleres Alter 38,96 Jahre); die Karenz unterschied sich zwischen den Altersgruppen nicht (Median 4 Tage; p = 0,64), Unterschiede bestanden bei Alter der Partnerin, Embryonen an Tag 3, Blastozysten und Lebendgeburt (p < 0,05). Stärken: Altersstratifizierung, Berücksichtigung der Nichtlinearität, klinisch relevante Population der Kryokonservierung. Schwächen: sehr kleine Gruppen bei über 7 Tagen (n = 25) und 0 bis 2 Tagen (n = 85); Einzelzentrum; die Wechselwirkung von Alter und Karenz ist nicht als formaler Test ausgewiesen; die Auswertung der assistierten Reproduktion umfasst nur 104 Fälle, und das Alter der Partnerin ist ein starker Störfaktor; die Einleitung des Volltexts nennt „Patienten mit pre-ejaculatory fluid emission“, was nicht dem üblichen Kryokonservierungskollektiv entspricht und die Übertragbarkeit offenlässt. Einordnung: Die Studie ist ein Hinweis auf eine Wechselwirkung mit dem Alter, die in [s08] nicht bestätigt wurde.
Liu-Qing und Jing 2026: U-förmiger Verlauf der Normalform, Tai'an (Shandong) [s08]. Retrospektive Analyse an 1.262 Männern (2023 bis 2024) mit zwei bis sieben Tagen Karenz; quadratische Regression; Altersstrata bis 35 Jahre (n = 996) und über 35 Jahre (n = 266). Insgesamt bestand ein U-förmiger Zusammenhang zwischen Karenz und Anteil normaler Spermienformen (quadratischer Term p = 0,002) mit einem Wendepunkt bei 4,62 Tagen (Tiefpunkt 3,01 % am fünften Tag). Er war signifikant bei bis zu 35 Jahren (p = 0,013; Wendepunkt 4,60 Tage), nicht bei über 35 Jahren (p = 0,075). Die Wechselwirkung von Alter und Karenz war nicht signifikant (p = 0,878); die Autoren mahnen deshalb zur Vorsicht bei der Deutung von Altersunterschieden. Mit der Beweglichkeit (progressiv und gesamt) bestand weder ein U-förmiger noch ein linearer Zusammenhang. Es wurde nur das Abstract abgerufen; Konfidenzintervalle nennt es nicht. Stärken: ausdrücklich nichtlineares Modell, berechneter Wendepunkt, offen berichtete nicht signifikante Wechselwirkung. Schwächen: Ein Tiefpunkt von rund 3 % Normalform liegt in einem Bereich, in dem schon kleine Beurteilungsunterschiede ins Gewicht fallen können (Einschätzung dieser Studie); Einzelzentrum; retrospektiv. Einordnung: Der Befund steht im Gegensatz zu [s27], [s14] und [s59], die keinen Morphologieeffekt fanden.
Jiang et al. 2024: Vorletzte Karenz, Changchun (Jilin) [s35]. Querschnittsstudie an 1.503 Männern des Reproduktionszentrums des First Hospital of Jilin University (November 2023 bis Juli 2024) mit Untersuchung, Fragebogen und Samenprobe. Neu ist die „vorletzte Ejakulationskarenz“ (Zeit vor der vorletzten Ejakulation, englisch penultimate ejaculatory abstinence). Quartile: Q1 1 bis 3 Tage (n = 382), Q2 4 bis 5 (n = 396), Q3 6 bis 9 (n = 376), Q4 über 9 Tage (n = 349); bereinigt unter anderem für die aktuelle Karenz. Laut Fragebogen wussten 81,4 % der Paare nicht, dass die Karenz die Samenqualität beeinflusst; 44,6 % hatten den Verkehr zeitlich auf die Ovulationsphase abgestimmt, nur 12,6 % hatten dabei ein- bis zweimal in dieser Phase und kaum außerhalb Verkehr (so die Formulierung des Volltexts). Korrelationen der vorletzten Karenz (r mit 95-%-KI): Fragmentierung 0,22 (0,17 bis 0,27); Volumen 0,07 (0,02 bis 0,12); Konzentration 0,07 (0,02 bis 0,12); Gesamtzahl 0,11 (0,06 bis 0,16); progressive Beweglichkeit minus 0,06 (minus 0,11 bis 0,00; p = 0,033); Vitalität minus 0,11 (minus 0,16 bis minus 0,06); Morphologie minus 0,04 (p = 0,144). Bereinigte Regressionskoeffizienten (Referenz Q1): Fragmentierung Q2 1,47 (0,22 bis 2,73; p = 0,022), Q3 2,00 (0,72 bis 3,28; p = 0,002), Q4 5,38 (4,07 bis 6,69; p < 0,001); Volumen Q4 0,39 ml (0,18 bis 0,60); Gesamtzahl Q4 47,15 Millionen (26,45 bis 67,85); progressive Beweglichkeit Q4 minus 3,67 (p = 0,002); Vitalität Q4 minus 3,91 (p < 0,001). Bereinigte Odds Ratios (Referenz Q1): Fragmentierung über 15 %: Q2 1,5 (1,10 bis 2,04), Q3 1,51 (1,10 bis 2,06), Q4 2,42 (1,76 bis 3,33); Fragmentierung über 30 % in Q4: 4,25 (2,37 bis 7,62); Asthenozoospermie in Q4: 1,45 (1,07 bis 1,96); Nekrozoospermie in Q4: 1,99 (1,07 bis 3,69). Zugleich waren Konzentration (p = 0,025), Gesamtzahl (p < 0,001) und Vitalität (p < 0,001) im oberen Quartil höher, wie im Abstract berichtet. Stärken: neue, vorher kaum untersuchte Größe, große Zahl, Bereinigung für die aktuelle Karenz, Fragen zu Wissen und Verhalten der Paare. Schwächen: rückblickend selbst berichtete Karenzzeiten (Erinnerungsfehler möglich), Querschnitt, ein Zentrum, gemischte Gruppen (gesunde, infertile und Paare mit Schwangerschaftsverlust); die aktuelle Karenz zeigt über die Quartile kein einheitliches Muster, die Bereinigung kann daher unvollständig sein. Einordnung: Die Studie zeigt, dass nicht nur das letzte Intervall, sondern auch die Abfolge der Ejakulationen davor mit der Fragmentierung zusammenhängt; die Stichprobe überschneidet sich vermutlich mit [s26], beide dürfen nicht als zwei unabhängige Bestätigungen gelten.
Yoshiakwa-Terada et al. 2024: Prädiktoren der DNA-Fragmentierung, Mie (Japan) [s43]. Retrospektive Beobachtungsstudie an 359 Patienten (Reproductive Medicine and Biology). Der Fragmentierungsindex (TUNEL, Durchflusszytometrie) war mit Alter, Karenzdauer und computergestützten Spermienmaßen korreliert; geringere Beweglichkeit und abweichende Kopfmaße gingen mit höherer Fragmentierung einher. Das Abstract nennt keine Korrelationskoeffizienten und keine Konfidenzintervalle. Schwächen: Die Karenz ist hier ein Nebenbefund eines Faktorenmodells; Effektgrößen fehlen. Einordnung: Die Arbeit stützt, dass Alter, Beweglichkeit und Karenz zusammen mit der Fragmentierung verknüpft sind, ohne ihren Beitrag zu beziffern.
Shuai et al. 2019: 9.694 Proben, Zhengzhou [s94]. Die Arbeit in der Zhonghua nan ke xue trägt in der Datenbank den Titel „[Correlation of sperm DNA fragmentation index with semen parameters]“ (Zusammenhang des DNA-Fragmentierungsindex mit den Samenparametern); der chinesische Originaltitel wurde nicht abgerufen. Der Index korrelierte positiv mit Alter (r = 0,15), Karenz (r = 0,10; p < 0,01), Volumen (r = 0,05) und HDS (r = 0,15) und negativ mit Konzentration (r = minus 0,27), Gesamtbeweglichkeit (r = minus 0,53), progressiver Beweglichkeit (r = minus 0,52) und Normalform (r = minus 0,16). In der multiplen Regression gehörte die Karenz zu fünf unabhängigen Einflussgrößen (Gesamtbeweglichkeit, Konzentration, Alter, Karenz, pH-Wert). Stärken: große Zahl, multiple Regression. Schwächen: Die Korrelation mit der Karenz ist mit r = 0,10 schwach; Konfidenzintervalle fehlen. Einordnung: Die Karenz erklärt von der Fragmentierung nur einen kleinen Teil; die Beweglichkeit hängt deutlich stärker mit ihr zusammen.
Lu et al. 2018: 1.010 subfertile Männer, Nanjing [s100]. Prospektive Korrelationsstudie (Reproductive Biology and Endocrinology). Der Fragmentierungsindex war positiv mit Alter und Karenz korreliert (p < 0,001). In der multivariaten Regression blieben laut Abstract Alter, Volumen, Konzentration, progressive Beweglichkeit, TNPMS und Akrosomintaktheit unabhängig mit dem Index verknüpft; die Karenz wird dort nicht unter den unabhängigen Größen genannt. Schwächen: Die Karenz ist ein Nebenbefund; Effektgrößen fehlen im Abstract. Einordnung: Die einfache Korrelation mit der Karenz verschwindet in dieser Arbeit offenbar nach Bereinigung, im Gegensatz zu [s94].
Shi et al. 2018: Lebensstil und demografische Faktoren, Hongkong [s102]. Querschnittsstudie an 328 Männern (Systems Biology in Reproductive Medicine). Mit der Karenz waren Gesamtspermienzahl (p = 0,001), Konzentration (p = 0,011), Gesamtzahl beweglicher Spermien (p = 0,009) und Fragmentierungsindex (p = 0,032) assoziiert; das Alter hatte nach Angabe der Autoren mehr Einfluss auf die Samenparameter als die übrigen Merkmale. Verallgemeinerte additive Modelle erlaubten nichtlineare Verläufe. Schwächen: kleine Fallzahl, Konfidenzintervalle fehlen. Einordnung: Hier erscheint die Karenz als eine unter mehreren Einflussgrößen.
Pokhrel et al. 2019: Junge Männer, Wuhan [s91]. Querschnittsstudie (Andrologia). Volumen (p < 0,0001), Gesamtspermienzahl (p < 0,0001) und Konzentration (p < 0,033 laut Abstract) waren bei Karenz über fünf Tagen höher. Zu Alter, Kaffee, Alkohol, körperlicher Aktivität, Schlafdauer und Handynutzung fand sich kein Zusammenhang. Die Fallzahl nennt das Abstract nicht. Schwächen: Fallzahl nicht angegeben, Effektgrößen fehlen. Einordnung: Nebenbefund zur Karenz bei einer Studie über Lebensstilfaktoren.
Tang et al. 2013: Fertile Männer, Guangzhou [s131]. Die Arbeit in der Zhonghua nan ke xue trägt den Titel „[Semen quality of normal fertile men]“ (Samenqualität normal fertiler Männer). Ausgewertet wurden 1.152 Männer, deren Partnerinnen innerhalb von höchstens zwölf Monaten schwanger geworden waren. Männer mit fünf bis sieben Tagen Karenz hatten deutlich höhere Konzentration, Gesamtzahl und Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien als die übrigen (p < 0,01). Die Zeit bis zur Schwangerschaft war mit Konzentration, Gesamtzahl und Zahl progressiv beweglicher Spermien negativ korreliert (p < 0,01). Stärken: Männer mit nachgewiesener Fruchtbarkeit. Schwächen: Keine Effektgrößen im Abstract; Karenz nur als Gruppenmerkmal. Einordnung: Die Arbeit setzt Samenparameter mit der Zeit bis zur Schwangerschaft in Beziehung; Verhaltensgrößen wurden nicht manipuliert.
Zou et al. 2011: Militärangehörige aus sechs Regionen Chinas [s140]. Querschnittsstudie an 1.194 Männern im Alter von 18 bis 35 Jahren (Fertility and Sterility). Jahreszeit, mittlere Höhenlage und Dauer der sexuellen Karenz waren jeweils statistisch signifikant mit der Samenqualität assoziiert; 88,3 % hatten mindestens einen Parameter unter dem WHO-Referenzwert von 1999, 62,5 % nach WHO 2010. Stärken: große Gruppe junger Männer aus verschiedenen Regionen. Schwächen: Das Abstract nennt keine Effektgrößen der Karenz. Einordnung: Die Karenz ist eine von mehreren Einflussgrößen neben Jahreszeit und Höhenlage.
Wang et al. 2022: Fertile Männer, Beijing (Faktorenanalyse) [s67]. Mit einer Faktorenanalyse wurde ein zusammengesetzter Samenqualitätswert gebildet (Fallzahl im Abstract nicht angegeben; Frontiers in Physiology). In der Gesamtgruppe waren Samenqualität und Karenz (r = 0,068; p = 0,029), Alter beim ersten Samenerguss, im Abstract als „first spermatorrhea“ bezeichnet und nicht erläutert (r = 0,087; p = 0,005), und Koitushäufigkeit (r = 0,067; p = 0,03) korreliert. In der Gruppe mit mittlerer Samenqualität zeigte nur die Karenz einen Zusammenhang. Schwächen: Die Korrelationen sind sehr schwach, die Kodierung der Skala „Frequency of intercourse“ ist nicht erläutert. Einordnung: Der Zusammenhang der Koitushäufigkeit mit einem zusammengesetzten Wert ist so klein, dass er für eine Aussage kaum trägt.
Li et al. 2023: Zeittrends bei 49.819 Männern, Shanghai [s50]. Retrospektive Trendanalyse mit computergestützter Spermienanalyse von 2015 bis 2021; der Titel nennt 49.189 Männer, das Abstract 49.819, ein Unterschied, der hier nicht aufgelöst wird. Nach Bereinigung für Alter und Karenz fielen Volumen, Spermienzahl, Konzentration und Beweglichkeit über die Jahre (zum Beispiel Volumen β = minus 0,162; KI minus 0,172 bis minus 0,152). Die Geschwindigkeitsparameter (VCL, VSL, VAP) sanken zudem mit Alter und Karenz. Schwächen: Die Karenz ist Störgröße, kein Hauptbefund. Einordnung: Die Arbeit zeigt, dass die Karenz bei Trendstudien bereinigt werden muss.
Huang et al. 2021: Spenderkandidaten, Hunan [s76]. Befragung gesunder Männer, die sich von März bis Dezember 2019 an der Spermabank der Provinz Hunan als Spender meldeten (Fragebogen mit elf Punkten, von Interviewern gestützt). Die Eignung als Spender hing stark von der Karenz ab (p = 0,002); der Anteil geeigneter Spender stieg mit der Zahl der Karenztage. Das Volumen stieg mit der Karenz (p = 0,000 laut Abstract); Karenz (p = 0,000) und Sportfrequenz (p = 0,025) waren mit der Konzentration positiv, die Masturbationshäufigkeit mit der Konzentration negativ korreliert (p = 0,013); die Progressivbeweglichkeit hing von Karenz (p = 0,000) und Schlafenszeit (p = 0,047) ab. Die Stichprobengröße nennt das Abstract nicht. Stärken: gesunde Spenderkandidaten, Verhaltensfragen. Schwächen: Fragebogen, Korrelationen ohne Effektgrößen, das Eignungskriterium hängt selbst von Konzentration und damit von der Karenz ab (teilweise zirkulär). Einordnung: Die Arbeit erfasst die Masturbationshäufigkeit als Einflussgröße; der negative Zusammenhang mit der Konzentration ist ohne Effektgröße berichtet.
Kamijima et al. 2004: Insektizid-Sprüher, Japan [s152]. Beobachtungsstudie zu Samenwerten bei 18 Insektizid-Sprühern und 18 Kontrollpersonen in zwei Jahreszeiten (Journal of Occupational Health). Die Wechselwirkung von Gruppe und Karenz war nur bei der Sommeruntersuchung für den Anteil normal geformter Spermien und für Kopfdeformationen signifikant. Die Autoren schließen aus den saisonalen Unterschieden auf einen Zusammenhang mit der Sprühtätigkeit und räumen mögliche Unterschiede zwischen den Gruppen ein. Schwächen: sehr kleine Gruppen, die Karenz dient hier nur als Kovariate. Einordnung: Für die Karenz selbst kaum Aussagekraft.
Komiya et al. 2023: Lebensstilberatung bei 402 Männern, Chiba (Japan) [s48]. Interventionsstudie ohne Kontrollgruppe an 402 männlichen Partnern mit auffälligem ersten Befund (Heliyon). Nach Lebensstilberatung verbesserten sich Samenparameter und DNA-Fragmentierung insgesamt signifikant. Keine Verbesserung zeigte sich unter anderem bei Männern mit Karenz über drei Tagen, Nachtschicht, erektiler Dysfunktion, Bluthochdruck, Adipositas, Zinkmangel oder Diabetes. Schwächen: keine Kontrollgruppe, daher auch Regression zur Mitte und Messvariabilität möglich; die Untergruppenunterschiede sind explorativ; das Abstract nennt keine Zahlen zur Karenz. Einordnung: Die Karenz über drei Tage taucht hier als Merkmal einer Gruppe auf, in der die Beratung nichts bewirkte; eine Aussage zur Ursache ist nicht möglich.
Osadchuk et al. 2017 und 2016: junge Männer in Westsibirien [s105, s115]. Die Studie von 2017 in der Urologiia (Titel in der Datenbank „[Effects of smoking and alcohol consumption on reproductive and metabolic indicators in young men in western Siberia]“, Effekte von Rauchen und Alkoholkonsum auf reproduktive und metabolische Kennwerte junger Männer in Westsibirien) ist ein Querschnitt an 133 Freiwilligen (mittleres Alter 21,1 ± 0,3 Jahre) mit Messung von Spermienkonzentration, Anteil beweglicher und normaler Spermien, Serumhormonen und Stoffwechselwerten. Rauchen und Alkohol hatten keinen Einfluss auf die Spermatogenese. Rauchen von mehr als 10 Zigaretten täglich und mäßiger Alkoholkonsum (bis einmal wöchentlich) gingen mit höherem Serumtestosteron und mit „häufigeren Sexualkontakten“ einher; Zahlen zur Kontakthäufigkeit stehen nicht im Abstract. Die Studie von 2016 (Titel „Исследование показателей сперматогенеза и гормонального статуса у молодых мужчин западной Сибири“, Untersuchung der Spermatogenese-Kennwerte und des Hormonstatus bei jungen Männern Westsibiriens) untersuchte 111 Freiwillige im Alter von 18 bis 25 Jahren aus Kemerowo, zugelassen nur bei Verzicht auf Geschlechtsverkehr und Alkohol in den zwei bis drei Tagen vor der Untersuchung; die mittlere Karenz der Gesamtgruppe betrug 3,9 ± 0,3 Tage. Ergebnisse zur Karenz selbst enthält der abgerufene Seitentext nicht. Einordnung: Die Studien zeigen, dass in Russland Karenzvorgaben von zwei bis drei Tagen gesetzt werden und tatsächlich im Mittel überschritten werden; sie setzen die Kontakthäufigkeit nicht direkt zur Samenqualität in Beziehung.
Prisant et al. 2011: 101.404 Spermiogramme aus Frankreich (Zeitreihe) [s138]. Retrospektive Zeitreihe aus einem Labor (2000 bis 2009); die Karenzdauer gehörte zu den erhobenen Variablen, eine Beziehung zu den Parametern berichtet das Abstract aber nicht. Das Patientenalter stieg von 36,5 auf 37,2 Jahre, die Konzentration lag bei 63,5 Millionen je ml im Jahr 2000 und 63,6 Millionen je ml 2009, die Vitalität stieg von 67,8 auf 73,5 %, die Gesamtbeweglichkeit von 37,7 auf 39,2 %, die Progressivbeweglichkeit von 34,6 auf 36,2 %, der Anteil morphologisch abnormer Spermien von 64,5 auf 84,2 % (r = 0,43; p < 0,001). Einordnung: Für das Thema der Karenz ist die Arbeit nur als Beleg für die Erhebung der Variable relevant; sie ist der einzige verwertbare Treffer aus dem französischsprachigen Raum.
Ejakulationshäufigkeit, tägliche Ejakulation und wiederholte Ejakulate
Die Ejakulationshäufigkeit als eigene Größe ist deutlich dünner belegt als die Karenz. Im Material finden sich eine große Querschnittsstudie mit selbst berichteter Häufigkeit [s26], vier prospektive Studien mit täglicher oder mehrfacher Ejakulation bei insgesamt wenigen Dutzend Männern [s113, s118, s132, s173], zwei Studien mit zwei aufeinanderfolgenden Proben im Abstand von Tagen [s171] und mit Mehrfachejakulaten nach langer Karenz [s165] sowie drei Arbeiten, in denen Masturbation, Pornografie oder Koitus berichtet werden [s84, s73, s05].
Xi et al. 2025: Ejakulationshäufigkeit pro Woche, Changchun [s26]. Querschnittsstudie, vorab bei ClinicalTrials.gov registriert (NCT06127875), an 1.349 Männern des Reproduktionszentrums der First Hospital of Jilin University (November 2023 bis Juli 2024): 567 gesunde Männer, 342 infertile Männer und 440 Männer aus Paaren mit Schwangerschaftsverlust. Mittleres Alter 32,3 ± 4,0 Jahre, Körpermasseindex 26,2 ± 4,1, Karenz im Mittel 4,2 ± 1,2 Tage. Die Ejakulationshäufigkeit wurde rückblickend für die letzten vier Wochen erfragt und in drei Gruppen geteilt: EF1 unter einmal je Woche (n = 444), EF2 mindestens ein- und weniger als zweimal je Woche (n = 700) und EF3 mindestens zweimal je Woche (n = 205). Die Autoren grenzen die Häufigkeit ausdrücklich von der Karenz ab.
Gruppenmittel (unbereinigt; EF1, EF2, EF3): Fragmentierungsindex 18,1 ± 11,8, 14,3 ± 7,7 und 12,3 ± 7,0 %; Volumen 3,9 ± 1,6, 3,7 ± 1,4 und 3,5 ± 1,3 ml; Konzentration 70,2 ± 41,1, 66,4 ± 39,9 und 55,6 ± 36,4 Millionen je ml; Vitalität 72,2, 74,8 und 75,6 %; Gesamtzahl 262,6 ± 171,6, 230,5 ± 136,7 und 185,3 ± 120,3 Millionen; progressive Beweglichkeit 32,6, 33,0 und 32,3 % (p = 0,317). Der Anteil gesunder Männer stieg von 33,3 % (EF1) über 44,9 % (EF2) auf 51,2 % (EF3); Alter und Dauer des Zusammenlebens sanken mit steigender Häufigkeit (beide p < 0,001). Bereinigte Koeffizienten (Referenz EF1; bereinigt für Alter, Körpermasseindex, Rauchen, Alkohol, Bildung, Karenz, Dauer des Zusammenlebens, Zahl der Schwangerschaften und Schwangerschaftsverluste): EF3 gegen EF1: Volumen minus 0,45 ml (95-%-KI minus 0,70 bis minus 0,21); Konzentration minus 12,66 Millionen je ml (minus 19,32 bis minus 6,00); Gesamtzahl minus 72,78 Millionen (minus 96,96 bis minus 48,60); Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien minus 18,02 Millionen (minus 28,46 bis minus 7,57); Fragmentierung minus 0,05 (minus 0,07 bis minus 0,04; die Einheit ist in der Tabelle nicht ausgewiesen); Vitalität plus 0,03 (0,01 bis 0,05; ebenfalls ohne Einheit). Die progressive Beweglichkeit blieb unverändert (EF3 minus 0,01; p = 0,551). EF2 gegen EF1: Fragmentierung minus 0,04 (minus 0,05 bis minus 0,02), Volumen minus 0,17 ml (minus 0,34 bis 0,01; p = 0,060), Gesamtzahl minus 28,09 Millionen (minus 45,13 bis minus 11,05). Bereinigte Odds Ratios (Referenz EF1): Fragmentierung über 15 %: EF2 0,69 (0,54 bis 0,89), EF3 0,41 (0,28 bis 0,59); Fragmentierung über 30 %: EF2 0,24 (0,15 bis 0,38), EF3 0,21 (0,10 bis 0,48); Nekrozoospermie: EF2 0,48 (0,28 bis 0,72), EF3 0,45 (0,21 bis 0,95). Kein erhöhtes Risiko für Oligozoospermie oder Asthenozoospermie bei höherer Häufigkeit. Stärken: Es ist die einzige gefundene Studie, die die Häufigkeit getrennt von der Karenz untersucht; vorab registriert, große Stichprobe, abgestufte Auswertung, Bereinigung auch für die aktuelle Karenz. Schwächen: Selbstbericht über vier Wochen; Querschnitt, daher Umkehr der Ursache möglich (gesündere, jüngere Männer haben möglicherweise häufiger Verkehr); die Gruppe EF3 ist mit 205 Männern klein; die Teilnehmer sind Paare mit Kinderwunsch, deren Verkehrshäufigkeit durch den Kinderwunsch beeinflusst sein kann; Fragmentierung und Vitalität stehen in der Koeffiziententabelle ohne Einheit, während die Gruppenmittel sie in Prozent zeigen. Einordnung: Auffällig ist der Gegensatz zwischen sinkender Konzentration und Gesamtzahl einerseits und besserer Fragmentierung und Vitalität andererseits. Er könnte eine Verdünnung durch häufigere Entleerung abbilden, die Studie prüft das aber nicht. Die Stichprobe überschneidet sich vermutlich mit [s35].
Welliver et al. 2016: Tägliche Ejakulation über 14 Tage, USA [s113]. Prospektive Interventionsstudie: Zwanzig gesunde Männer (mittleres Alter 25 Jahre, Spanne 23 bis 33) ejakulierten nach drei bis fünf Tagen Karenz 14 Tage lang täglich; Proben wurden an Tag 1, 3, 7 und 14 untersucht, neben der Standardanalyse auch Marker der DNA-Qualität. Volumen, Gesamtzahl beweglicher Spermien und Konzentration sanken signifikant, ohne signifikante Änderung von Beweglichkeit und Morphologie. Der größte Abfall lag am Anfang, nach dem dritten Tag blieben die Werte auf einem Plateau. Die DNA-Integrität änderte sich nicht in statistisch oder klinisch bedeutsamer Weise. Die Autoren sehen darin Unterstützung für eine kurze Karenz mit anschließendem täglichem Verkehr um den Eisprung; das ist ihre Deutung. Zahlenwerte und Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht. Stärken: Erste so umfassende Untersuchung der täglichen Ejakulation beim Menschen nach Angabe der Autoren, Wiederholungsmessungen, DNA-Maße. Schwächen: nur 20 junge Männer, keine Kontrollgruppe, keine Schwangerschaftsendpunkte; ob die Männer die Vorgabe einhielten, ist im Abstract nicht beschrieben. Einordnung: Die Arbeit zeigt, dass Menge und Gesamtzahl bei täglicher Ejakulation rasch sinken und dann stabil bleiben; sie sagt nichts über die Wirkung auf die Empfängnis.
Mayorga-Torres et al. 2015: Zwei Wochen tägliche Ejakulation, Kolumbien [s118]. Prospektive Studie: zwei Wochen lang täglich eine Probe, jede zweite wurde nach WHO-Vorgaben ausgewertet, ergänzt durch Durchflusszytometrie (Mitochondrienfunktion, reaktive Sauerstoffspezies, DNA-Fragmentierung). Gesamtzahl und Volumen je Ejakulat fielen und blieben niedrig. Konzentration, Beweglichkeit, Progressivbeweglichkeit, Morphologie, Vitalität, Membranintegrität, mitochondriales Membranpotenzial und Fragmentierung änderten sich nicht signifikant; die Mittelwerte der Grundparameter blieben über den WHO-Referenzwerten von 2010. Der intrazelluläre Wert der reaktiven Sauerstoffspezies zeigte einen nicht signifikanten Abwärtstrend. Die Teilnehmerzahl und Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht. Stärken: breites Spektrum an Funktionsmaßen. Schwächen: unbekannte Teilnehmerzahl, keine Kontrollgruppe. Einordnung: Das Ergebnis stimmt mit [s113] überein: Menge sinkt, Funktion bleibt gleich.
Valsa et al. 2013: Tägliche Ejakulation über 10 Tage [s132]. Die Studie (Revista Internacional de Andrología; Abstract bei Dialnet spanisch, Artikel englisch) untersuchte 21 gesunde, sexuell aktive Männer, die nach drei bis fünf Tagen Karenz zehn Tage lang täglich ejakulierten (elf Proben). Die Autoren geben an, die Samenqualität habe sich mit täglicher Ejakulation verbessert; Calcium und Magnesium im Seminalplasma und in den Spermien blieben statistisch unverändert. Das Abstract nennt keine Zahlen zu einzelnen Parametern. Schwächen: keine Zahlen, kein Parameter benannt, keine Kontrollgruppe. Einordnung: Die Aussage „verbessert“ ist mit den beiden anderen Studien zur täglichen Ejakulation [s113, s118] nicht deckungsgleich: Dort sinken Volumen und Gesamtzahl; hier fehlt die Angabe, welcher Parameter gemeint ist.
Oldereid et al. 1984: Ejakulation alle acht Stunden über zwei Tage [s173]. Sieben Freiwillige gaben zwei Tage lang alle acht Stunden Samen ab. Konzentration und Gesamtzahl sanken und begannen nach drei Tagen Karenz wieder zu steigen. Unreife Zellen nahmen lichtmikroskopisch nicht zu; die Adenylatzyklase je Zelle stieg signifikant (löslicher Anteil), DNA und Kernproteine zeigten keine einheitliche Änderung. Stärken: Erholung wurde beobachtet. Schwächen: sieben Teilnehmer, keine Kontrollgruppe, nur das Abstract, keine Konfidenzintervalle. Einordnung: Sie zeigt, dass Konzentration und Gesamtzahl während häufiger Ejakulation sinken und nach drei Tagen Karenz wieder zu steigen beginnen.
Frank et al. 1986: Zwei aufeinanderfolgende Proben im Abstand von 1, 2 und 3 Tagen [s171]. Zwei Proben bei 64 normozoospermen und 19 oligozoospermen Männern im Abstand von einem, zwei und drei Tagen (die erste Probe nach drei Tagen Karenz). Bei Normozoospermen fiel das Volumen von 2,3 ± 1,0 auf 1,6 ± 1,0 ml (ein Tag), von 2,6 ± 1,0 auf 2,0 ± 0,9 ml (zwei Tage) und von 2,1 ± 0,9 auf 1,9 ± 1,0 ml (drei Tage); die Konzentration von 65 ± 54 auf 55 ± 34, von 83 ± 57 auf 69 ± 47 und von 97 ± 51 auf 81 ± 46 Millionen je ml. Bei Oligozoospermen sanken die Werte bei Abständen von einem und zwei Tagen, stiegen aber beim Abstand von drei Tagen (Konzentration von 3,8 ± 0,6 auf 5,7 ± 2,1 Millionen je ml). Der Datenbanktext des Abstracts ist nach 250 Wörtern abgeschnitten, die Beweglichkeitsdaten sind unvollständig. Stärken: Trennung nach Befund, drei Abstände. Schwächen: abgeschnittenes Abstract, keine Kontrollgruppe, kleine Gruppe von Oligozoospermen. Einordnung: Bei normozoospermen Männern fällt die Menge bei jedem Abstand, bei oligozoospermen Männern erst ab drei Tagen steigend; die Zahl der Beobachtungen ist klein.
Cooper et al. 1993: Mehrfachejakulate nach langer Karenz, Deutschland [s165]. Vier Spender gaben an einem Tag drei Ejakulate ab, um die Reserven zu entleeren, und danach nach 1, 2, 4, 7, 10 und 14 Tagen Karenz. Der Anteil normal geformter, progressiv beweglicher und im hypoosmotischen Medium schwellender Spermien blieb unverändert, die Gesamtzahl lebender Spermien stieg bis zu zehn Tagen. Bei sieben Spendern und sechs oligozoospermen Männern erhöhten Mehrfachejakulate nach zehn Tagen Karenz bei Patienten mit niedrigen Normalzahlen die Gesamtzahl um im Mittel 230 %, die Zahl normaler Spermien um 370 % und die Zahl beweglicher Spermien um 520 %. Stärken: gleichzeitige Messung der Drüsensekrete, Entleerungsversuch. Schwächen: sehr kleine Fallzahl, keine Konfidenzintervalle. Einordnung: Die Arbeit betrifft die Zahl der Spermien, die nach Entleerung der Reserven in Mehrfachejakulaten verfügbar sind; Schwangerschaften wurden nicht untersucht.
Turgut und Özgür 2020: Masturbationshäufigkeit und Spermiengewinnung bei Azoospermie, Türkei [s84]. Die Arbeit im Journal of Urological Surgery („Mastürbasyon Sıklığı Sperm Parametrelerini Etkiler mi?“, Beeinflusst die Häufigkeit der Masturbation die Spermaparameter?) untersuchte 48 Männer im Alter von 22 bis 44 Jahren mit primärer Infertilität. Das Spermiogramm wurde nach drei bis sieben Tagen Karenz angefordert. Bei Männern ohne Spermien im Ejakulat wurde Material operativ gewonnen und die Hodenhistologie beurteilt. Gruppe 1: Spermien operativ gefunden; Gruppe 2: keine lebenden Zellen gefunden. Monatliche Masturbationshäufigkeit: Gruppe 1 4,0 ± 1,3, Gruppe 2 1,9 ± 0,9 (p < 0,001); kein Altersunterschied (p = 0,81). Gruppengrößen nennt das Abstract nicht. Stärken: seltener direkter Bezug auf eine Verhaltensgröße in der türkischen Literatur. Schwächen: fehlende Gruppengrößen, Selbstangabe, kleine Stichprobe, keine Bereinigung, keine Konfidenzintervalle; die Umkehr der Ursache liegt nahe (Männer mit schwerer Spermatogenesestörung masturbieren möglicherweise aus anderen Gründen seltener, etwa wegen Libido oder Hormonlage). Die Autoren schreiben selbst, der Zusammenhang sei wissenschaftlich nicht erklärt. Einordnung: Die Studie betrifft die Spermiengewinnung bei Azoospermie und nicht die Samenqualität bei Männern mit Spermien im Ejakulat.
Demir et al. 2016: Jahreszeit und berichtete Ejakulationen pro Woche, Kars [s109]. Prospektive klinische Studie an 80 Männern im Alter von 20 bis 35 Jahren, zweimal gemessen: Januar und Februar (mittlere kälteste Tage minus 15,9 und minus 14,6 Grad Celsius) und Juli und August (25,4 und 26,1 Grad). Blutentnahme (Testosteron, FSH, LH, Prolaktin) vor 10 Uhr, Fragebogen zur Erektionsfunktion (IIEF), berichtet wurden Häufigkeit sexueller Gedanken und die Zahl der Ejakulationen je Woche. Signifikante Unterschiede zwischen Winter und Sommer bestanden bei IIEF, Häufigkeit sexueller Gedanken und Ejakulationen, Körpermasseindex sowie Testosteron und FSH; keine bei Prolaktin und LH. Testosteron lag in beiden Jahreszeiten im Normbereich, im Winter aber niedriger. Zahlenwerte stehen nicht im Abstract. Schwächen: keine Samenanalyse, Selbstangabe, keine Zahlen im Abstract. Einordnung: Die Studie untersucht keine Samenqualität, belegt aber, dass die selbst berichtete Ejakulationshäufigkeit jahreszeitlich schwankt; das kann bei Querschnittsstudien zur Häufigkeit als Störgröße in Frage kommen (Einschätzung dieser Studie).
Cui et al. 2021: Pornografienutzung und Masturbation bei Studenten, Chongqing [s73]. Querschnittsstudie (Teil der MARHCS-Studie) an 568 männlichen Studierenden mit Fragebogen, Hormonspiegeln und Samenparametern. Fast alle, bis auf einen, hatten Pornografie genutzt; 94,2 % begannen vor dem Studium; 95,9 % berichteten Masturbation bei der Nutzung. Früher Beginn, häufige Nutzung, hoher Zeitaufwand und häufige Masturbation bei der Nutzung korrelierten mit Suchttendenzen. Früherer Beginn ging mit niedrigerem Prolaktin, FSH und Progesteron sowie niedrigerer Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl einher; häufigere Nutzung mit niedrigerem Östradiol. Die Karenz vor der Probe und die Masturbationshäufigkeit als eigene Größe sind im Abstract nicht ausgewertet; Zahlenwerte und Konfidenzintervalle fehlen dort. Stärken: junge Männer, Hormone und Samenparameter gemeinsam. Schwächen: Selbstbericht über ein heikles Thema, Querschnitt, Verwechslung mit dem Alter bei Beginn und der Gesamtdauer möglich. Einordnung: Das Alter bei Beginn der Nutzung steht in Verbindung mit niedrigerer Konzentration; eine Ursache lässt sich daraus nicht ableiten.
Dai et al. 2026: Koitushäufigkeit und Ureaplasma-Infektion, Hefei (Anhui) [s05]. Retrospektive Querschnittsstudie an 2.668 männlichen Partnern infertiler Paare (First Affiliated Hospital of USTC, April 2020 bis März 2023). Ureaplasma urealyticum war bei 659 Männern (24,7 %) nachweisbar. Koitus mehr als zweimal je Woche war in der positiven Gruppe häufiger; nach Bereinigung blieb er mit der Infektion assoziiert (OR 1,41; 95-%-KI 1,04 bis 1,91; p = 0,03), ebenso Rauchen (OR 1,23; 1,02 bis 1,49; p = 0,03). Das Ejakulatvolumen war in der Gruppe mit Infektion niedriger (p = 0,002); der Anteil abnormer Samenparameter unterschied sich nicht, und Regression und Spline-Analyse zeigten keine Assoziation zwischen schlechter Samenqualität und Infektion. Stärken: große Zahl, Bereinigung. Schwächen: retrospektiv, Selbstbericht, Infektionsnachweis nur bei Männern in Kinderwunschabklärung. Einordnung: Die Koitushäufigkeit ist mit der Infektion assoziiert, die Infektion nicht mit der Samenqualität; ein direkter Zusammenhang von Koitushäufigkeit und Samenqualität wurde nicht berichtet.