Gesamtbild der Evidenz in Kürze
Die Karenz ist der am dichtesten untersuchte Faktor. Längere Karenz geht in nahezu allen Studien mit größerem Volumen, höherer Konzentration und höherer Gesamtspermienzahl einher. Beweglichkeit, DNA-Fragmentierung und Vitalität verschlechtern sich dagegen in vielen, aber nicht allen Studien mit längerer Karenz [s32, s38, s98, s96, s63, s104]. Bei klinischen Endpunkten (Schwangerschaft, Lebendgeburt nach Insemination oder Reagenzglasbefruchtung) zeigen mehrere Beobachtungsstudien und eine systematische Übersicht Vorteile kürzerer Karenz [s53, s147, s88, s106, s75, s13]. Zwei randomisierte Studien mit Schwangerschaft als Endpunkt widersprechen einander: Eine fand keinen Unterschied zwischen 1 und 3 Tagen, die andere bei mehr als 4 Tagen mehr oxidativen Stress und weniger Schwangerschaften [s77, s82]. Mehrere Kohorten fanden keinen Zusammenhang zwischen Karenz und Schwangerschaft [s99, s31, s57]. Zu Gleitmitteln liegen überwiegend In-vitro-Studien mit deutlichen, produktabhängigen Beeinträchtigungen der Beweglichkeit vor, während zwei Kohortenstudien mit natürlicher Empfängnis keine Verringerung der Empfängniswahrscheinlichkeit fanden [s33, s39, s135, s101]. Zum Zeitpunkt des Verkehrs sind die Tageswahrscheinlichkeiten der Empfängnis gut belegt (sechstägiges fruchtbares Fenster) [s163, s157, s154].
Es gibt in dem gesamten Material keine Studie, die Ejakulationshäufigkeit, Samenqualität und natürliche Empfängnis bei denselben Paaren verknüpft. Die Verkehrsfrequenz-Studien messen die Empfängnis, nicht die Samenqualität [s06, s85]. Die Karenzstudien messen Samenparameter oder Behandlungsergebnisse [s147, s88, s106].
| Evidenzebene | Was vorliegt | Was fehlt |
|---|---|---|
| Leitlinien | AUA/ASRM mit zwei Randbemerkungen zur Karenz [s29]; ICSM-Konsens mit einer Erwähnung „fertilitätssicherer Gleitmittel“ [s12] | Eigene Aussagen zu Ejakulationshäufigkeit, Gleitmitteln und Verkehrszeitpunkt in den gelesenen Texten |
| Systematische Übersichten und Metaanalysen | Karenz: mindestens 12 Arbeiten [s32, s22, s38, s58, s37, s98, s96, s78, s53, s127]; Gleitmittel: zwei [s33, s39]; Verkehrszeitpunkt: zwei Cochrane-Übersichten [s46, s117] | Kontrollierte Daten zur Ejakulationshäufigkeit |
| Randomisierte Studien | Karenz: zwei mit Schwangerschaft als Endpunkt [s77, s82]; eine Cross-over-Studie zu einem Gleitmittel bei der Probengewinnung [s128]; eine randomisierte Studie zur Ejakulationslatenz [s134]; sieben RCT zur Ovulationsvorhersage [s46] | Randomisierte Daten zu Karenz im Stundenbereich mit Lebendgeburt, zu Gleitmitteln mit Empfängnis |
| Beobachtungsstudien | Dutzende Kohorten und Querschnitte zur Karenz, zwei Kohorten zu Gleitmitteln, mehrere Kohorten zur Verkehrshäufigkeit | Kausale Zuordnung, Objektivierung der Karenz (fast immer Selbstangabe) |
| Tierversuche | Neunzehn Arbeiten an dreizehn Tierarten (dazu eine Rattenstudie zu einem Spermizid), überwiegend zur Entleerung der Spermienreserven | Übertragbarkeit auf den Menschen |
Leitlinien und Konsensdokumente
AUA/ASRM-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der Infertilität beim Mann [s29] (Webtext, veröffentlicht 2020, geändert 2024). Der Volltext der Leitlinienseite wurde für diese Studie gelesen. Karenz kommt im Fließtext an zwei Stellen vor. Im Kommentar zur DNA-Fragmentierung heißt es, sehr hohe Fragmentierungswerte könnten sich stärker auf Schwangerschaftsergebnisse bei der Reagenzglasbefruchtung und auf das Risiko eines Schwangerschaftsverlusts auswirken; Studien hätten auch nahegelegt, dass verkürzte Karenz eine Maßnahme zur Begrenzung des DNA-Schadens sein könne. Zugleich benennt der Text selbst die Grenzen der DNA-Fragmentierungs-Messung: uneinheitliche Grenzwerte, nicht standardisierte Protokolle, verschiedene Testverfahren und fehlende randomisierte Studien. Bei der Aussage, Kliniker könnten bei nicht azoospermen Männern mit erhöhtem DNA-Fragmentierungsindex Hodenspermien in Betracht ziehen (Klinischer Grundsatz), steht im Kommentar, dass bei erhöhtem Index trotz kurzer Karenz (unter 2 Tagen) Expertenkonsens bestehe, Hodenspermien zu erwägen. Die Qualität der Studiendaten zu Hodenspermien stuft der Text selbst als niedrig ein. Zur Samenanalyse heißt es, Samenparameter seien hochvariable biologische Messgrößen; deshalb seien mindestens zwei Analysen im Abstand von einem Monat zu erwägen, vor allem wenn die erste auffällig ist. Zur Insemination heißt es, Samenparameter seien in der Regel nicht prädiktiv für eine natürliche Schwangerschaft oder eine Schwangerschaft mit assistierter Reproduktion, außer bei schweren Auffälligkeiten; allerdings gebe es übereinstimmende Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Schwangerschaft nach Insemination und Gesamtzahl beweglicher Spermien, und Männer mit weniger als 5 Millionen beweglichen Spermien nach Aufbereitung hätten erwartbar niedrigere Schwangerschaftsraten. Die Leitlinie fordert eine Fortpflanzungsanamnese (Klinischer Grundsatz) und mindestens eine Samenanalyse (starke Empfehlung, Evidenzgrad B). Eine eigene Aussage zu Ejakulationshäufigkeit, zu Gleitmitteln oder zum Zeitpunkt des Verkehrs enthält der abgerufene Text nicht; das englische Wort „lubricant“ kommt nicht vor.
AUA/ASRM-Amendment 2024 [s30]. Das Abstract (Brannigan et al.) nennt als Neuerungen veränderte Schwellen für Y-Chromosom-Mikrodeletionstests, Beckenbildgebung und die Verwendung von Hodenspermien bei nicht azoospermen Männern. Die aktualisierte Literatursuche ergab 4.093 neue Abstracts, 125 geeignete Studien und 22 Studien in der endgültigen Evidenzbasis. Karenz, Gleitmittel und Verkehrszeitpunkt sind nicht genannt.
WHO-Leitlinie 2025 im Vergleich [s01]. Der Übersichtsartikel (Achermann et al.) vergleicht die männlichen Anteile der WHO-Leitlinie mit AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE. Das Abstract hebt die zentrale Rolle der Samenanalyse, die neutrale Haltung der WHO zu Antioxidanzien und spezifische Aussagen zur Varikozele hervor und nennt Lücken in der Evidenzbasis. Aussagen zu Karenz, Gleitmitteln oder Verkehrszeitpunkt enthält das Abstract nicht. Die Karenzvorgabe von 2 bis 7 Tagen der WHO und die 3 bis 4 Tage von ESHRE und der Nordic Association for Andrology werden in einer Kohortenarbeit zitiert [s13]; die Originaltexte wurden nicht abgerufen.
ICSM-Konsens 2024 zu Sexualfunktionsstörungen bei infertilen Männern [s12] (Shin et al., 2026, Fifth International Consultation for Sexual Medicine, Bewertung nach GRADE). Das Abstract fordert eine ausführliche Sexualanamnese bei der Erstabklärung; Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen, niedrige Libido und Hypogonadismus werden behandelt. Als Teil der Lebensstil- und Paarmaßnahmen werden „fertilitätssichere Gleitmittel“ erwähnt, ohne dass das Abstract Produkte, Zahlen oder Studien nennt. Karenz und Verkehrshäufigkeit sind nicht Gegenstand des Abstracts.
EAU, ESHRE, AWMF, Società Italiana di Andrologia. Die abgerufene EAU-Seite (Sexual and Reproductive Health) enthält keine Aussage zu Karenz, Gleitmitteln oder Verkehrszeitpunkt. Die ESHRE-Seite ist nur ein Verzeichnis. Das AWMF-Register lieferte ohne Browser nur eine leere Hülle, die deutsche Leitlinie zur männlichen Infertilität konnte deshalb nicht gelesen werden. Die Seite der italienischen Gesellschaft lieferte nur eine Willkommensseite. Für diese Träger liegt kein Leitlinientext vor; das ist eine Lücke des Zugangs und kein Beleg, dass die Leitlinien schweigen.
Russischsprachige Fachtexte [s126, s121, s28]. Bragina (2014) fasst das WHO-Handbuch von 2010 mit eigenen Anmerkungen zusammen [s126] (Протокол проведения спермиологического исследования; Protokoll zur Durchführung der spermiologischen Untersuchung). Die Karenz betrage 2 bis 7 Tage; für maximale Standardisierung seien 3 bis 4 Tage optimal. Die Gewinnung erfolge durch Masturbation in ein nichttoxisches Gefäß, ein Kondom sei nur bei speziellen, nicht spermizid wirkenden Kondomen zulässig. Eine gelbliche Ejakulatfarbe könne unter anderem bei langer Karenz auftreten, ein erhöhter Anteil von Spermien mit zytoplasmatischem Tropfen bei kurzer Karenz und häufigen Ejakulationen. Das ist eine Expertendarstellung ohne eigene Daten. Eine Kongressdiskussion von 2013 [s121] (Методы сбора эякулята: преимущества, недостатки и влияние на показатели спермограммы; Methoden der Ejakulatgewinnung: Vorteile, Nachteile und Einfluss auf die Spermiogrammwerte) gibt Expertenmeinungen wieder: Ein Teilnehmer erwartete bei täglicher Ejakulation eine relative Oligozoospermie, ein anderer meinte, täglicher Verkehr könne die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit senken. Beides steht im Text ohne Beleg und ist Meinung, keine Evidenz; die gemessenen Daten zur täglichen Ejakulation [s113] zeigen einen Rückgang von Volumen, Gesamtzahl beweglicher Spermien und Konzentration mit Plateau und unveränderter DNA-Integrität, ohne Schwangerschaftsendpunkt. Eine Analyse von 72 Laborberichten aus 19 russischen Regionen (2021 bis 2024) [s28] (Первый анализ приверженности лабораторий в Российской Федерации Шестому изданию Лабораторного Руководства ВОЗ; Erste Analyse der Befolgung der sechsten Auflage des WHO-Laborhandbuchs) fand: 37 von 72 Berichten (51,4 %) nennen eine WHO-Auflage, 58 (80,5 %) verwenden Referenzwerte der 5. Auflage, 3 (4,2 %) der 6. Auflage, 48 (66,7 %) nennen die Karenzzeit. Ein Drittel der Berichte lässt die Karenzzeit also weg, und ohne sie lässt sich ein Spermiogramm nicht mit den karenzabhängigen Befunden dieses Kapitels in Beziehung setzen.
Meinungs- und Übersichtsbeiträge mit eigener Empfehlung [s41, s04]. Schlegel 2024 [s41] nennt die Karenzvorgabe für Samenproben der assistierten Reproduktion einen „unsubstantiated myth“ (unbelegten Mythos); eine Evidenz, dass die WHO-Vorgaben die Spermienleistung optimieren, fehle. Kürzere Karenz sei in einer Übersicht als 1 Stunde bis 1 Tag, in einer anderen systematischen Metaanalyse als unter 4 Stunden definiert worden. Der Autor schließt auf eine optimale Spermienqualität bei „certainly <1 day, and preferably <4 h“ für Proben der assistierten Reproduktion. Clay et al. 2026 [s04] fassen narrativ zusammen, Karenz von 4 bis 7 Tagen und mehr erhöhe Volumen und Spermienzahl, verringere aber Beweglichkeit und erhöhe die DNA-Fragmentierung, und leiten ein Ejakulationsintervall von 1 bis 2 Tagen für Männer mit Kinderwunsch ab. Beide Aussagen sind Schlussfolgerungen der Autoren aus nicht systematisch ausgewerteten Studien; sie werden hier berichtet, nicht bewertet und nicht übernommen. Eine japanische Methodenübersicht [s148] (Kamijima 2005; Titel in der Datenbank nur als englische Übersetzung in Klammern: Considerations when conducting study of semen indices in workplaces) nennt die Kontrolle der Karenzzeit als notwendig für Samenstudien am Arbeitsplatz, ohne eigene Zahlen.
Systematische Übersichten und Metaanalysen zur Karenz
Du et al. 2024 [s32], systematische Übersicht mit klassischer und Dosis-Wirkungs-Metaanalyse. Eingeschlossen wurden 85 Studien (drei englischsprachige und vier chinesische Datenbanken, 2000 bis August 2023). Verglichen wurde kurze gegen lange Karenz; negative Differenzen bedeuten niedrigere Werte nach kurzer Karenz. Bei gesunden Männern: Volumen -0,95 ml (95-%-Konfidenzintervall -1,16 bis -0,74), Gesamtspermienzahl -102,45 Millionen (-117,98 bis -86,91), Konzentration -11,88 Millionen/ml (-18,96 bis -4,80), DNA-Fragmentierungsindex -2,37 Prozentpunkte (-4,73 bis -0,01; das Intervall reicht fast bis null). Bei infertilen Männern war das Volumen in allen Untergruppen niedriger (Differenzen -0,73 bis -1,17 ml). Bei unerklärter Infertilität: Gesamtzahl -61,93 Millionen (-88,84 bis -35,01), Konzentration -5,39 Millionen/ml (-9,97 bis -0,81), Fragmentierungsindex -5,63 (-10,19 bis -1,06), Vitalität +6,14 Prozentpunkte (3,61 bis 8,68). Dosis-Wirkung: Bei Oligozoospermie stieg die Gesamtzahl nichtlinear mit einem Knickpunkt um den vierten bis fünften Karenztag; bei Asthenozoospermie sank der Anteil progressiv beweglicher Spermien (Koeffizient -2,39; -4,28 bis -0,50). Bei den Ergebnissen der assistierten Reproduktion zeigte nur die klinische Schwangerschaftsrate nach Insemination einen Rückgang um den dritten Tag (Koeffizient 0,85; 0,75 bis 0,97). Die Autoren mahnen zur Vorsicht bei Kausalaussagen wegen Störgrößen und Wechselwirkungen. Stärken: breite Basis, Dosis-Wirkung, Einbezug chinesischer Datenbanken. Schwächen: Beobachtungsdaten, Heterogenität im Abstract nicht quantifiziert, Definition von kurz und lang nicht einheitlich dargestellt.
Raditya et al. 2025 [s22], Metaanalyse mit 22 Studien und 31.640 Proben (Verzerrungsbewertung mit der Newcastle-Ottawa-Skala). Kurze Karenz (unter 2 Tagen) senkte das Volumen (Mittelwertdifferenz -0,83; p < 0,01), die Konzentration (-8,39; p < 0,01) und die DNA-Fragmentierung (-3,82; p < 0,01) und erhöhte die Gesamtbeweglichkeit (+2,30; p < 0,05) und die progressive Beweglichkeit (+2,18; p < 0,01). Die Morphologie unterschied sich insgesamt nicht. In der Untergruppe mit Oligozoospermie stieg der Anteil normal geformter Spermien (+1,64; p < 0,01) bei geringerer Fragmentierung (-3,30; p < 0,05). Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht.
Lo Giudice et al. 2024 [s38], Metaanalyse von 13 Studien (2013 bis 2022) mit 2.315 Patienten, registriert bei PROSPERO, Grenze zwischen kurz und lang bei zwei Tagen. Hier ist das Vorzeichen umgekehrt (lang minus kurz): Längere Karenz ging mit höherer Konzentration (Mittelwertdifferenz 8,19; p < 0,01), größerem Volumen (0,96; p < 0,01) und höherer DNA-Fragmentierung (3,46; p < 0,01) einher, aber mit geringerer progressiver Beweglichkeit (-1,83; p < 0,01). Für die Gesamtbeweglichkeit nennt das Abstract denselben Wert -1,83 mit p = 0,06; die Doppelnennung ist wahrscheinlich ein Abstract-Fehler und wird nur berichtet. In der Meta-Regression stieg die Konzentration um 3,74 je Karenztag (p < 0,01) und die DNA-Fragmentierung um 0,65 (p = 0,044). Der Titel nennt randomisierte Studien, das Abstract gibt Kohortengrößen von 6 bis 836 Teilnehmern an und äußert sich zur Randomisierung der Einzelstudien nicht weiter.
Barbagallo et al. 2022 [s58], Metaanalyse zur sehr kurzen Karenz (bis 4 Stunden): 19 Studien aus 1.334 gesichteten Abstracts, fünf davon mit DNA-Fragmentierung. Im zweiten Ejakulat sank das Volumen signifikant bei Normozoospermie und bei Oligo-, Astheno- und Teratozoospermie. Bei Männern mit kombinierter Störung stiegen Konzentration sowie Gesamt- und Progressivbeweglichkeit, die Fragmentierung sank. Effektgrößen nennt das Abstract nicht.
Kugelman et al. 2024 [s37], Metaanalyse Hodenspermien gegen kurze Karenz: 16 Studien (4 zu Hodenspermien, 12 zu 1 bis 48 Stunden Karenz), 641 Patienten (120 mit Hodenspermien, 521 mit Ejakulat). Die DNA-Fragmentierung war bei Hodenspermien niedriger (Mittelwertdifferenz -9,48; 95-%-KI -12,45 bis -6,52; p < 0,001; I-Quadrat 85 %); die Evidenzsicherheit wurde nach GRADE als niedrig eingestuft. Methodisch ungewöhnlich: Die Studien zu Hodenspermien wurden dreifach eingerechnet und die Teilnehmerzahl durch drei geteilt, um das Verhältnis 1:3 anzugleichen; die Gruppen wurden in keiner Studie direkt miteinander verglichen. Der Befund ist ein indirekter Vergleich.
Hanson et al. 2018 [s98] (28 Publikationen seit 2000): Längere Karenz ging mit größerem Volumen und höherer Spermienzahl einher; zu Beweglichkeit, Morphologie und DNA-Fragmentierung sei die Lage widersprüchlich mit Tendenz zugunsten kürzerer Karenz; pH und meist auch der Vitalitätsanteil blieben unbeeinflusst, die Zahl lebender Spermien stieg. Einige Studien zu Insemination, ICSI und IVF zeigten Vorteile kurzer Karenz. Schluss der Autoren: Klare Empfehlungen seien nicht möglich. Ayad et al. 2018 [s96] (30 Arbeiten, 1979 bis 2016): Der Rückgang von Volumen und Konzentration bei kürzerer Karenz gehe mit deutlich besserer Beweglichkeit einher; zu ROS, DNA-Fragmentierung, antioxidativer Kapazität und Schwangerschaftsraten reichten die Daten nicht für sichere Schlüsse. Sokol et al. 2021 [s78]: Die Standardkarenz von 2 bis 7 Tagen sei nicht durch belastbare Belege gestützt, kürzere Karenz scheine mit besserer Fragmentierung, Progressivbeweglichkeit oder Morphologie und möglicherweise höheren Euploidie- und Schwangerschaftsraten verbunden; Zahlen nennt das Abstract nicht. Sørensen et al. 2023 [s53] (24 Studien, registriert bei PROSPERO, Verzerrungsbewertung nach SIGN): Kürzere Karenz war mit höheren Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten nach assistierter Reproduktion und niedrigerer Fragmentierung verbunden; wegen Heterogenität lasse sich kein idealer Zeitraum ableiten. Acuña et al. 2013 [s127] (Revista chilena de obstetricia y ginecología; Einfluss der Ejakulationskarenz auf die Merkmale des Spermiogramms: systematische Übersicht): vier Arbeiten; nur Volumen und Konzentration änderten sich mit der Karenz, Beweglichkeit und Normalformen nicht signifikant. Der Umfang ist klein, die Aussage zeitlich überholt.
Randomisierte und kontrollierte Studien zur Karenz
Kabukçu et al. 2021 [s77], Pamukkale-Universität Denizli. 120 Paare mit unerklärter Infertilität wurden am zweiten Zyklustag auf 1 Tag oder 3 Tage Karenz randomisiert (Gonadotropin-Stimulation, Insemination). Schwangerschaftsrate 17,3 % gegen 18,5 % (p = 0,803); DNA-Fragmentierung 20,71 ± 11,01 gegen 23,78 ± 12,64 (p = 0,187). Die Registrierung im Studienregister erfolgte nachträglich (27. April 2020); mit je rund 60 Paaren fehlt die Teststärke für kleine Unterschiede, und längere Karenzzeiten wurden nicht verglichen.
Degirmenci et al. 2020 [s82], Gazi-Universität Ankara. 90 Patienten, drei Karenzgruppen (0 bis 2, 3 bis 4, über 4 Tage), Insemination mit Ovarialstimulation. Der Nitroblau-Tetrazolium-Test auf reaktive Sauerstoffspezies war bei über 4 Tagen häufiger stärker gefärbt (70 % gegen 43,3 % und 50 %; p = 0,013 und 0,014). Die Schwangerschaftsraten sanken mit der Karenz (26,7 %, 16,7 %, 6,7 %; p = 0,039). Die meisten progressiv beweglichen Spermien nach Aufbereitung gab es bei 3 bis 4 Tagen. Die Gruppen sind klein (aus den Prozentwerten ergeben sich rechnerisch 30 je Gruppe; das steht so nicht im Abstract), ein Konfidenzintervall fehlt, der Test ist halbquantitativ. Beide Studien widersprechen einander nicht: [s77] betrifft nur den Kurzbereich, [s82] auch den Bereich über 4 Tage.
Agarwal et al. 2016 [s108], Cleveland. Normozoosperme Männer gaben Proben nach 1, 2, 5, 7, 9 und 11 Tagen ab. Volumen, Konzentration und Gesamtzahl stiegen mit der Karenz (je p < 0,001), die DNA-Fragmentierung hing mit der Dauer zusammen (p < 0,001), 1 und 2 Tage hatten die geringste Fragmentierung. Kurze Karenz hatte, gemessen an den WHO-Grenzwerten von 2010, keinen schädlichen Einfluss. Die Fallzahl nennt das Abstract nicht.
Vahidi et al. 2021 [s80], Yazd. 65 Männer mit erhöhter DNA-Schädigung und wiederholten Schwangerschaftsverlusten oder gescheiterten Behandlungen. Nach kurzer Karenz sank der TUNEL-Wert von 20,64 % ± 10,28 auf 17,38 % ± 8,59 (p = 0,028), der CMA3-Wert von 47,79 % auf 41,92 % (p = 0,019). Geschichtet nach einem Ausgangswert von 20 %: Bei TUNEL über 20 % sank der Mittelwert von 27,85 % auf 19,14 % (p = 0,001), bei TUNEL unter 20 % stieg er von 11,89 % auf 15,17 % (p = 0,045). Beide Maßnahmen (Antioxidanzien und kurze Karenz) wurden laut Abstract an denselben Patienten geprüft, eine Kontrollgruppe gibt es nicht. Die Schichtung am Ausgangswert ist für Regression zur Mitte anfällig (methodische Anmerkung der Berichterstattung; die Autoren sprechen von „paradoxen“ Effekten).
Palmieri et al. 2012 [s134], randomisiert, 120 gesunde Männer: Gruppe A hatte drei Monate lang nach 10 Tagen Karenz Verkehr, Gruppe B zweimal wöchentlich. Am Ende war die intravaginale Ejakulationslatenz in Gruppe A niedriger als am Beginn, der Fragebogen zeigte schlechtere Ejakulationskontrolle. Das ist ein Befund zur Ejakulationsfunktion, nicht zur Samenqualität.
Große Beobachtungsstudien zur Karenz
Die folgenden Studien stammen überwiegend aus Fertilitätsambulanzen. Die Karenz ist meist eine Selbstangabe, Männer mit längerer Karenz unterscheiden sich oft in Alter, Befund und Anlass der Probe.
Nordamerika, Europa, Afrika, Südamerika. Levitas et al. 2005 [s149]: 9.489 Proben von 6.008 Patienten, nach Konzentration gruppiert. Bei 3.506 oligozoospermen Proben lag die höchste mittlere Beweglichkeit (30,3 %) nach 1 Tag Karenz, der Anteil normal geformter Spermien bei leichter bis mäßiger Oligozoospermie (n = 2.260) erreichte Spitzenwerte von 7,4 bis 8,6 % bei 0 bis 2 Tagen. Bei 5.983 normozoospermen Proben sanken Beweglichkeit und Normalformen bis zu den Tagen 11 bis 14 auf 33,1 % und 7,0 %. Mehrfachproben desselben Mannes, keine Randomisierung. Die Empfehlungen der Autoren (eine Probe nach einem Tag bei männlichem Faktor, höchstens 10 Tage bei Normalbefund) werden nur berichtet. Levitas et al. 2006 [s145]: Bei 1.800 Proben mit Teratozoospermie sank bei Normozoospermie (n = 1.264) der Akrosomenindex von 10,2 ± 3,6 % am Tag 2 auf 8,5 ± 4,0 % am Tag 5 (p = 0,001), bei Oligozoospermie (n = 536) von 8,7 ± 3,5 % am Tag 1 auf 6,8 ± 3,7 % am Tag 5 (p = 0,04). Keihani et al. 2017 [s104] (USA): 11.782 Untersuchungen von 10.095 Patienten (mittlere Karenz 4,0 Tage, 9.840 normozoosperme und 1.939 oligozoosperme Proben). Bei Normozoospermie waren längere Karenzgruppen mit größerem Volumen, höherer Konzentration, Gesamtzahl und Gesamtzahl beweglicher Spermien verbunden; bei Oligozoospermie verbesserte sich außer dem Volumen kein Parameter. Russo et al. 2025 [s23] (Italien): 23.527 Proben. Bei Normozoospermie stieg von Tag 1 bis Tag 7 die Gesamtzahl von 92,4 auf 191,1 Millionen (p < 0,01), die Konzentration von 44,5 auf 72,0 Millionen/ml (p < 0,01), die Morphologie von 6 auf 12,5 % (p = 0,03), die Beweglichkeit (A+B) blieb mit 50,0 gegen 48,0 % unverändert (p = 0,43). Bei auffälligem Befund stiegen Gesamtzahl (16,38 gegen 56,0), Konzentration (8,0 gegen 18,0) und Morphologie (3,0 gegen 5,0; je p < 0,01), die Beweglichkeit sank von 28,0 auf 21,0 % (p < 0,01), der pH von 8,1 auf 7,9. Bei Asthenozoospermie fiel die Beweglichkeit von 11,8 auf 6,1 %, bei Teratozoospermie die Morphologie von 2,13 auf 1,26 % (je p < 0,01). Badreddine et al. 2023 [s44] (USA, per Post versandte Heimtests): 3.469 Proben (2.609 normozoosperme, 860 oligozoosperme Männer). Bei Normozoospermie gingen längere Karenzzeiten mit höherer Konzentration, Gesamtzahl und Gesamtzahl beweglicher Spermien, aber geringerer Gesamt- und Progressivbeweglichkeit einher; bei Oligozoospermie fielen Zahl beweglicher Spermien und Beweglichkeit rasch; Morphologie ohne Zusammenhang. Xie et al. 2024 [s42] (Schweiz): 4.423 Männer (1.256 gesunde Proben, 3.167 mit Störung). Längere Karenz ging mit höherer Konzentration einher (p < 0,001; nicht bei Oligozoospermie), mit geringerer Progressivbeweglichkeit bei normalen (p < 0,001) und teratozoospermen Proben (p < 0,001); die Normalformen waren bei Normalbefund nach kürzerer Karenz häufiger (p = 0,03), bei kombinierter Störung nach längerer (p = 0,013). Akhigbe et al. 2022 [s56] (Nigeria): 5.165 Proben; bei Normozoospermie waren Konzentration und Gesamtzahl bei längerer Karenz höher, bei Oligozoospermie stiegen das Volumen, während Konzentration, Gesamtzahl und Progressivbeweglichkeit sanken; Zahlen nennt das Abstract nicht. Comar et al. 2017 [s103] (Brasilien): 2.458 Männer; Karenz positiv mit Konzentration, Volumen und Leukozytenzahl, negativ mit Beweglichkeit und Vitalität verbunden; DNA-Fragmentierung (TUNEL), mitochondriale Schädigung und der Anteil protaminierter Spermien nahmen mit der Karenz zu; Effektgrößen fehlen im Abstract. Sobreiro et al. 2005 [s150] (Brasilien): 500 fertile Männer vor einer Vasektomie; ab 5 Tagen Karenz war die Beweglichkeit reduziert, außerdem bestanden Zusammenhänge mit Alter über 45 Jahren, Jahreszeit und Kaffeekonsum. Elzanaty et al. 2005 [s146] (Schweden): 422 Männer; der Anteil progressiv beweglicher Spermien war in der Gruppe mit 4 bis 5 Tagen am höchsten (Mediane 55 gegen 47 % bei 2 bis 3 Tagen und 42 % bei 6 bis 7 Tagen; p = 0,039 und p < 0,001), Spermien mit Flagellumdefekten waren bei 6 bis 7 Tagen häufiger (Mediane 14 gegen 10 und 10 %). Die neutrale Alpha-Glucosidase lag bei 2 bis 3 Tagen niedriger (23 gegen 34 und 34 mU je Ejakulat), ebenso Zink (6 gegen 8 und 8 µmol je Ejakulat). Sievers 1987 [s170] (deutschsprachige Zeitschrift; Wirkung der Dauer der sexuellen Karenz auf die Qualität menschlicher Spermien bei andrologischen Patienten): 1.063 Patienten; innerhalb von Probanden stiegen Volumen und Dichte mit der Karenz (p < 0,001), pH und Fruktose blieben unbeeinflusst; zwischen Probanden nahmen Beweglichkeit und Normalformen mit der Karenz ab, innerhalb von Probanden gab es keinen Einfluss. Der Autor folgert, Karenz bewirke eine Verbesserung der Spermienqualität, besonders bei Oligospermie; die Arbeit ist historisch einzuordnen. Prisant et al. 2011 [s138] (französischsprachige Zeitschrift; Teratozoospermie, Mythos oder Realität?): 101.404 Spermiogramme (2000 bis 2009); die Karenzdauer war erhobene Variable, das Abstract berichtet aber keinen Zusammenhang mit den Samenparametern, nur Zeittrends (etwa Anteil morphologisch abnormer Spermien von 64,5 auf 84,2 %).
Asien und Vorderer Orient. Nguyen et al. 2025 [s20] (Vietnam): 11.297 Untersuchungen von 9.595 Männern, 1.702 Männer mit zwei Analysen binnen eines Monats. Karenz korrelierte positiv mit Volumen, Konzentration und Gesamtzahl beweglicher Spermien, zwischen wie innerhalb von Personen; klare Gipfel gab es nicht. Der Anteil beweglicher Spermien stieg zwischen Personen leicht mit der Karenz (β = 0,16; p < 0,01), nicht innerhalb. Je geringer die Karenzabweichung zwischen zwei Proben (höchstens ein Tag), desto kleiner die Schwankung der Werte. Meitei et al. 2022 [s63] (Indien): 10.674 Ejakulate von 7.972 subfertilen Männern, vier Karenzintervalle über 0 bis 15 Tage, altersadjustiert. Längere Karenz ging mit höherem Volumen, höherer Gesamtzahl, (außer bei Oligozoospermie) höherer Konzentration, niedrigerer Beweglichkeit (außer bei Asthenozoospermie) und Vitalität (p < 0,05) und bei abnormem Befund mit stärkerer Fragmentierung (p < 0,01) einher. Die Autoren halten eine allgemeine Empfehlung für lange Karenz klinisch für wertlos. Dupesh et al. 2020 [s83] (Indien): 2.037 Befunde in sechs Gruppen (unter 24 Stunden bis über 30 Tage); nur das Volumen unterschied sich signifikant (p < 0,0001); die Gruppe unter 24 Stunden hatte in beiden Befundgruppen die höchsten Mittelwerte für Progressivbeweglichkeit und Normalformen. Sheybaee Moghaddam et al. 2019 [s93] (Iran, über HAL gefunden): 100 Patienten; positive Beziehungen der Karenz zu Gesamtzahl, Konzentration, Volumen, DNA-Fragmentierung, ROS und pH, inverse zu Beweglichkeit und Morphologie, ohne Koeffizienten im Abstract. Direk et al. 2018 [s97] (Androloji Bülteni; Zusammenhang zwischen der Dauer der sexuellen Enthaltsamkeit und den Spermaparametern): 170 Männer mit normalem Spermiogramm in drei Gruppen (0 bis 1 Tag: 30; 2 bis 5 Tage: 90; 6 bis 7 Tage: 50); mit längerer Karenz stiegen Volumen, Konzentration und der Anteil unbeweglicher Spermien, Gesamt- und Progressivbeweglichkeit sanken, Effektgrößen fehlen im Abstract. Özkavukcu et al. 2022 [s66] (Projektbericht TÜBİTAK 220S052; Einfluss der Dauer der sexuellen Enthaltsamkeit auf die Spermaparameter bei Rauchern): normozoosperme Freiwillige, Proben nach 7 und nach 1 Tag. In allen Gruppen stiegen Volumen und Gesamtzahl mit der Karenz; die Karenz veränderte Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie, Vitalität, DNA-Fragmentierung und ROS nicht signifikant, auch nicht zwischen Rauchern und Nichtrauchern; das Malondialdehyd im Seminalplasma war nach langer Karenz bei Nichtrauchern höher. Fallzahlen und p-Werte stehen nicht im Abstract.
Chinesische Zentren (häufig mit eigener Verhaltensgröße). Yao et al. 2025 [s27] (Nanyang, Henan): 3.052 Männer in drei Gruppen: kurz (0 bis 1 Tag, n = 141), empfohlen (2 bis 7 Tage, n = 2.639), lang (über 7 Tage, n = 272); mittleres Alter 30,9 Jahre, 42,3 % Raucher. Mediane kurz / empfohlen / lang: Volumen 2,3 / 3,1 / 3,9 ml, Konzentration 37,4 / 60,3 / 92,2 Millionen/ml, progressive Motilität 38,4 / 37,6 / 33,0 %, DNA-Fragmentierungsindex 11,5 / 13,1 / 16,8 % (nur bei einer Teilmenge gemessen: 55, 1.040 und 112 Männer); die Normalform unterschied sich nicht (je 6,0 %, p = 0,38). Odds Ratios gegen die empfohlene Gruppe (unadjustiert): kurze Karenz und Volumen unter 1,5 ml 3,1 (95-%-KI 2,0 bis 4,7), Konzentration unter 15 Millionen/ml 1,7 (1,1 bis 2,6), Gesamtzahl beweglicher Spermien unter 9 Millionen 2,0 (1,3 bis 3,1); lange Karenz und Konzentration unter 15 Millionen/ml 0,5 (0,3 bis 0,8), progressive Motilität unter 32 % 1,5 (1,2 bis 1,9), Gesamtmotilität unter 40 % 1,4 (1,1 bis 1,8), Fragmentierungsindex über 30 % 2,8 (1,7 bis 4,6). Spline-Modelle zeigten nichtlineare Beziehungen für Volumen, Konzentration und Gesamtzahl beweglicher Spermien. Bei langer Karenz sanken VCL, VSL, VAP, BCF und MAD. Chen et al. 2022 [s59] (Fuzhou, Fujian): 2.952 Männer, Karenz 2 bis 7 Tage. Nach Tag (2 bis 7; n = 157, 810, 836, 689, 256, 204) stieg das Volumen von 2,6 auf 3,8 ml, der Fragmentierungsindex von 12,9 auf 16,1 %; die progressive Motilität lag bei 37,7 % (Tag 2), 39,5 % (Tag 4) und 34,7 % (Tag 7); die Konzentration an Tag 7 (46,7) lag unter der an Tag 2 (48,6 Millionen/ml), also kein monotoner Verlauf. Nach Alter fiel das Volumen von 3,6 (bis 25 Jahre) auf 2,6 ml (über 45 Jahre), die progressive Motilität von 41,2 auf 28,5 %, und der Fragmentierungsindex stieg von 12,3 auf 17,4 %. Alter und Karenz wurden nicht gemeinsam adjustiert. Wang et al. 2026 [s14] (Guangzhou, Kryokonservierung): 942 Männer in vier Gruppen (0 bis 2, 3 bis 5, 6 bis 7, über 7 Tage; n = 85, 673, 159, 25). Mediane: Fragmentierungsindex 11,8 / 15,8 / 18,1 / 26,7 %, progressive Motilität 39,5 / 30,0 / 31,3 / 22,0 %, Volumen 2,7 / 3,4 / 3,5 / 4,1 ml, Konzentration 53,3 / 54,6 / 86,1 / 118,2 Millionen/ml; die Normalform unterschied sich nicht (p = 0,967). Bei Männern ab 40 Jahren war die Qualität nach 0 bis 2 Tagen am besten, bei jüngeren nach 3 bis 5 Tagen; ein formaler Test der Wechselwirkung ist nicht ausgewiesen. Von 104 Patienten mit anschließender assistierter Reproduktion unterschied sich die Karenz zwischen den Altersgruppen nicht (Median 4 Tage). Liu-Qing und Jing 2026 [s08] (Tai'an, Shandong): 1.262 Männer, Karenz 2 bis 7 Tage; U-förmiger Zusammenhang mit dem Anteil normal geformter Spermien (quadratischer Term p = 0,002; Wendepunkt 4,62 Tage; Tiefpunkt 3,01 % am Tag 5); signifikant bei bis 35 Jahren (n = 996; p = 0,013), nicht bei über 35 Jahren (n = 266; p = 0,075), die Wechselwirkung Alter und Karenz war nicht signifikant (p = 0,878). Kein Zusammenhang mit der Beweglichkeit. Der Befund steht im Gegensatz zu [s27] und [s59], die keine Morphologiewirkung fanden. Jiang et al. 2024 [s35] (Changchun): 1.503 Männer; neu ist die vorletzte Karenz (Zeit vor der vorletzten Ejakulation) in Quartilen (1 bis 3, 4 bis 5, 6 bis 9, über 9 Tage; n = 382, 396, 376, 349). Nach Adjustierung (auch für die letzte Karenz) stieg der Fragmentierungsindex im oberen Quartil um 5,38 Prozentpunkte (4,07 bis 6,69) gegenüber dem untersten; Odds Ratios im oberen Quartil: Index über 30 % 4,25 (2,37 bis 7,62), Asthenozoospermie 1,45 (1,07 bis 1,96), Nekrozoospermie 1,99 (1,07 bis 3,69); zugleich waren Konzentration, Gesamtzahl und Vitalität höher. 81,4 % der Paare wussten nicht, dass die Karenz die Samenqualität beeinflusst, und 44,6 % hatten den Verkehr zeitlich auf die Ovulation abgestimmt. Die Karenzen sind rückblickend selbst berichtet. Shi et al. 2018 [s102] (Hongkong, n = 328): Gesamtzahl, Konzentration, Gesamtzahl beweglicher Spermien und Fragmentierungsindex waren mit der Karenz assoziiert; das Alter hatte nach den Autoren mehr Einfluss. Lu et al. 2018 [s100] (Nanjing, 1.010 subfertile Männer): Der Fragmentierungsindex korrelierte positiv mit Alter und Karenz (p < 0,001); in der multivariaten Regression wird die Karenz nicht unter den unabhängigen Größen genannt. Shuai et al. 2019 [s94] (Zhengzhou, 9.694 Proben; Zhonghua nan ke xue; nur der englische Titel in eckigen Klammern wurde abgerufen): Fragmentierungsindex und Karenz r = 0,10 (p < 0,01), also schwach; in der Mehrfachregression gehörte die Karenz zu fünf unabhängigen Einflussgrößen. Tang et al. 2013 [s131] (Guangzhou, 1.152 fertile Männer): Männer mit 5 bis 7 Tagen Karenz hatten höhere Konzentration, Gesamtzahl und Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien (p < 0,01); die Zeit bis zur Schwangerschaft war mit diesen Größen negativ korreliert. Zou et al. 2011 [s140] (1.194 Militärangehörige, 6 Regionen): Jahreszeit, Höhenlage und Karenz waren jeweils mit der Samenqualität assoziiert. Pokhrel et al. 2019 [s91] (Wuhan): Volumen, Gesamtzahl und Konzentration bei Karenz über 5 Tagen höher; die Fallzahl nennt das Abstract nicht. Huang et al. 2021 [s76] (Spenderkandidaten, Hunan): Die Eignung als Spender stieg mit den Karenztagen; die Masturbationshäufigkeit war mit der Konzentration negativ korreliert (p = 0,013); Stichprobengröße und Effektgrößen fehlen im Abstract, das Eignungskriterium hängt selbst von der Konzentration ab. Wang et al. 2022 [s67] (Peking, fertile Männer, Faktorenanalyse): schwache Korrelationen des Samenqualitäts-Scores mit Karenz (r = 0,068) und Koitushäufigkeit (r = 0,067). Li et al. 2023 [s50] (Shanghai, 49.819 Männer laut Abstract, der Titel nennt 49.189): Zeittrends nach Adjustierung für Alter und Karenz; die Geschwindigkeitsparameter sanken mit Alter und Karenz; Karenz ist hier Störgröße. Yoshiakwa-Terada et al. 2024 [s43] (Japan, 359 Patienten): Der Fragmentierungsindex korrelierte mit Alter, Karenzdauer und computergestützten Spermienmaßen; Koeffizienten fehlen im Abstract. Kamijima et al. 2004 [s152] (Japan): 18 Insektizid-Sprüher gegen 18 Kontrollen; die Karenz ist Kovariate. Pérez Palazón et al. 2016 [s110] (Revista internacional de Andrología; Faktoren, die mit der Variabilität der Samenqualität zusammenhängen: eine Verlaufsstudie): 19 gesunde Freiwillige über ein Jahr; die höchsten Variationskoeffizienten innerhalb der Person lagen bei 74,5 % für die Gesamtzahl und 65,6 % für die Konzentration, der niedrigste bei 14,6 % für die Beweglichkeit; die Autoren folgern, eine einzelne Probe könne zur Fehldiagnose führen. Peña et al. 2001 [s156] (Revista medica de Chile; Wirkung proteolytischer Enzyme und sexueller Karenz auf die biochemische Bestimmung der Alpha-Glucosidase im Seminalplasma): Laborstudie zum Nebenhodenmarker bei 50 Spendern; bei Serienproben von neun Patienten zeigte eine Untergruppe bei kürzerer Karenz einen Abfall der Aktivität (das Abstract nennt „40 %“ ohne nähere Angabe). Kably-Ambe et al. 2015 [s116], siehe unten bei den klinischen Endpunkten.
Zu beachten. Mehrere Arbeiten derselben Gruppe in Changchun [s26, s35, s68, s69] sind nicht voneinander unabhängig; [s26] und [s35] stammen vermutlich aus demselben Kollektiv (gleiches Zentrum, gleicher Zeitraum November 2023 bis Juli 2024, gleiche mittlere Karenz 4,2 ± 1,2 Tage; Fallzahlen 1.349 und 1.503). Auch die Metaanalysen [s32, s22, s38] überlappen in ihren Einzelstudien in unbekanntem Ausmaß.
Ejakulationshäufigkeit, tägliche und wiederholte Ejakulation beim Menschen
Streng zu trennen sind die Karenz (Zeit seit der letzten Ejakulation) und die Ejakulationshäufigkeit (Zahl der Ejakulationen pro Zeit). Direkte Studien zur Häufigkeit sind selten.
Xi et al. 2025 [s26], Changchun, Querschnitt, vorab registriert (NCT06127875). 1.349 Männer (567 gesunde, 342 infertile, 440 aus Paaren mit Schwangerschaftsverlust), mittleres Alter 32,3 Jahre; die Häufigkeit der letzten vier Wochen wurde rückblickend erfragt: unter 1 je Woche (n = 444), 1 bis unter 2 (n = 700), mindestens 2 je Woche (n = 205). Unadjustierte Gruppenmittel (in dieser Reihenfolge): Fragmentierungsindex 18,1 / 14,3 / 12,3 %, Volumen 3,9 / 3,7 / 3,5 ml, Konzentration 70,2 / 66,4 / 55,6 Millionen/ml, Gesamtzahl 262,6 / 230,5 / 185,3 Millionen, Vitalität 72,2 / 74,8 / 75,6 %, progressive Beweglichkeit 32,6 / 33,0 / 32,3 % (p = 0,317). Adjustiert (unter anderem für Alter, Körpermasseindex, Rauchen, Alkohol, Karenz, Dauer des Zusammenlebens, Schwangerschaften): mindestens 2 gegen unter 1 je Woche Volumen -0,45 ml (95-%-KI -0,70 bis -0,21), Konzentration -12,66 Millionen/ml (-19,32 bis -6,00), Gesamtzahl -72,78 Millionen (-96,96 bis -48,60), Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien -18,02 Millionen (-28,46 bis -7,57); der Koeffizient des Fragmentierungsindex (-0,05) und der Vitalität (+0,03) ist in der Tabelle ohne Einheit angegeben. Odds Ratios (Referenz unter 1 je Woche): Fragmentierungsindex über 15 %: 0,69 (0,54 bis 0,89) bei 1 bis unter 2 und 0,41 (0,28 bis 0,59) bei mindestens 2 je Woche; Index über 30 %: 0,24 (0,15 bis 0,38) und 0,21 (0,10 bis 0,48); Nekrozoospermie 0,48 (0,28 bis 0,72) und 0,45 (0,21 bis 0,95); kein erhöhtes Risiko für Oligo- oder Asthenozoospermie. Stärken: einzige gefundene Studie, die die Häufigkeit getrennt von der Karenz untersucht; Registrierung; Adjustierung für die aktuelle Karenz. Schwächen: Selbstbericht über vier Wochen, Querschnitt (Umkehr der Ursache denkbar: jüngere und gesündere Männer haben häufiger Verkehr), kleine Gruppe der Häufigsten, Kinderwunsch beeinflusst die Häufigkeit. Der Widerspruch zwischen sinkender Konzentration und Gesamtzahl einerseits und besserem Fragmentierungsindex und besserer Vitalität andererseits könnte eine Verdünnung durch häufigere Entleerung abbilden; die Studie prüft das nicht.
Welliver et al. 2016 [s113], USA. 20 gesunde Männer (mittleres Alter 25 Jahre, 23 bis 33) ejakulierten 14 Tage lang täglich, beginnend nach 3 bis 5 Tagen Karenz; Proben an Tag 1, 3, 7 und 14. Volumen, Gesamtzahl beweglicher Spermien und Konzentration sanken signifikant, mit dem größten Abfall am Anfang und einem Plateau nach Tag 3; Beweglichkeit und Morphologie blieben unverändert; die DNA-Integritätsmaße änderten sich nicht in statistisch oder klinisch bedeutsamer Weise. Die Autoren sehen darin Unterstützung für kurze Karenz gefolgt von täglichem Verkehr um den Eisprung (Deutung der Autoren; kein Schwangerschaftsendpunkt, nur 20 junge Männer, keine Kontrollgruppe).
Mayorga-Torres et al. 2015 [s118], Kolumbien. Zwei Wochen lang täglich eine Probe, jede zweite wurde nach WHO ausgewertet, zusätzlich Durchflusszytometrie. Gesamtzahl und Volumen je Ejakulat fielen und blieben niedrig; Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie, Vitalität, Membranintegrität, mitochondriales Potenzial und Fragmentierung änderten sich nicht signifikant; die Mittelwerte blieben über den WHO-Referenzwerten von 2010; der intrazelluläre ROS-Wert zeigte einen nicht signifikanten Abwärtstrend. Die Teilnehmerzahl nennt das Abstract nicht.
Valsa et al. 2013 [s132], Revista internacional de Andrología (Abstract spanisch, Artikel englisch). 21 gesunde Männer, tägliche Ejakulation über 10 Tage nach 3 bis 5 Tagen Karenz. Die Autoren geben an, die Samenqualität habe sich verbessert, Calcium und Magnesium blieben unverändert; das Abstract nennt keine Zahlen und keinen Parameter. Das Ergebnis ist mit [s113] und [s118] nicht deckungsgleich, dort sinken Volumen und Gesamtzahl.
Oldereid et al. 1984 [s173]: Sieben Freiwillige gaben zwei Tage lang alle 8 Stunden Samen ab; Konzentration und Gesamtzahl sanken und begannen nach drei Tagen Karenz wieder zu steigen; die Adenylatzyklase pro Zelle stieg signifikant, DNA und Kernproteine zeigten keine einheitliche Änderung. Cooper et al. 1993 [s165]: Vier Spender gaben an einem Tag drei Ejakulate ab und danach nach 1, 2, 4, 7, 10 und 14 Tagen Karenz; Anteil normal geformter, progressiv beweglicher und im hypoosmotischen Medium schwellender Spermien blieb unverändert, die Gesamtzahl lebender Spermien stieg bis zehn Tage. Bei sieben Spendern und sechs oligozoospermen Männern erhöhten Mehrfachejakulate nach zehn Tagen Karenz bei Patienten mit niedrigen Normalzahlen die Gesamtzahl um im Mittel 230 %, die Zahl normaler Spermien um 370 % und die Zahl beweglicher um 520 %. Frank et al. 1986 [s171]: Zwei aufeinanderfolgende Proben bei 64 normozoospermen und 19 oligozoospermen Männern im Abstand von 1, 2 und 3 Tagen (erste Probe nach 3 Tagen Karenz). Bei Normozoospermen fiel das Volumen von 2,3 auf 1,6 ml (1 Tag), von 2,6 auf 2,0 (2 Tage) und von 2,1 auf 1,9 ml (3 Tage), die Konzentration von 65 auf 55, von 83 auf 69 und von 97 auf 81 Millionen/ml; bei Oligozoospermen sanken die Werte beim 1- und 2-Tage-Abstand, stiegen aber beim 3-Tage-Abstand (Konzentration von 3,8 auf 5,7 Millionen/ml). Das Abstract ist im Datenbankeintrag nach 250 Wörtern abgeschnitten. Hilsenrath et al. 1997 [s160]: Bei zehn normozoospermen Männern fanden sich nach 1,0 bis 1,5 Tagen 47,6 ± 1,7 % X-tragende Spermien, nach 7 bis 10 Tagen 49,6 ± 2,1 %; die Autoren sehen kaum Einfluss auf das Geschlechterverhältnis der Geburten. Dunn und Picologlou 1977 [s175]: Verflüssigungszeit und Volumen des Samens hängen von der Ejakulationshäufigkeit ab, das Volumen nimmt im Gleichgewicht linear mit steigender Häufigkeit ab. Pérez Palazón et al. 2016 [s110] untersuchten auch die Ejakulationshäufigkeit als Einflussgröße der Variabilität, ohne Zahlen im Abstract. Demir et al. 2016 [s109] (Kars, 80 Männer, Winter gegen Sommer): Die selbst berichteten Ejakulationen je Woche, die Häufigkeit sexueller Gedanken, Testosteron und FSH unterschieden sich zwischen den Jahreszeiten; Samenparameter wurden nicht gemessen. Das ist ein Hinweis auf jahreszeitliche Schwankung der Selbstangabe, die in Querschnitten als Störgröße in Frage kommt. Turgut und Özgür 2020 [s84] (Journal of Urological Surgery; Beeinflusst die Häufigkeit der Masturbation die Spermaparameter?): 48 Männer mit primärer Infertilität; bei Männern, bei denen operativ Spermien gefunden wurden, lag die monatliche Masturbationshäufigkeit bei 4,0 ± 1,3, bei Männern ohne lebende Zellen bei 1,9 ± 0,9 (p < 0,001); Gruppengrößen fehlen im Abstract, die Umkehr der Ursache ist naheliegend (schwere Spermatogenesestörung könnte die Häufigkeit senken), die Autoren selbst nennen den Zusammenhang wissenschaftlich nicht erklärt.