Ejakulationshäufigkeit, Gleitmittel und Sexualverhalten · Kapitel 7 von 21 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden): Vorher-nachher-Studien ohne Kontrollgruppe bis Erregung, Tageszeit und Dauer der Probengewinnung

Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden): Vorher-nachher-Studien ohne Kontrollgruppe

Diese Gruppe umfasst Studien, in denen dieselben Männer zwei Proben in kurzem Abstand abgeben, die zweite nach Minuten bis wenigen Stunden, oder in denen eine kurze Karenz von Stunden bis einem Tag mit einer längeren verglichen wird. Es sind überwiegend kleine, einarmige Vorher-nachher-Studien mit denselben Männern, ohne Verblindung und ohne Randomisierung der Reihenfolge, weil die zweite Probe naturgemäß der ersten folgt. Das Ergebnis lässt sich daher nicht von der Messvariabilität und von der Regression zur Mitte trennen: Hohe Ausgangswerte der DNA-Fragmentierung sinken bei Wiederholung auch ohne Eingriff, niedrige können steigen. Ein Teil der Studien vergleicht zwei Bedingungen innerhalb derselben Männer [s86, s89] oder nutzt Geschwister-Eizellen [s49, s92]; [s136] hat einen Vergleichswert unter üblicher Karenz; das wird jeweils gesagt. Die Metaanalyse zu dieser Gruppe [s58] ist im ersten Teil des Kapitels vorgestellt.

Karavani et al. 2023: 52 infertile Männer, zwei Proben im Abstand von drei bis vier Stunden, Kanada [s47]. Prospektive Kohorte (Translational Andrology and Urology); die erste Probe wurde nach zwei bis fünf Tagen Karenz abgegeben. Der Fragmentierungsindex sank von 38,9 ± 21,4 % auf 35,1 ± 21,6 % (p < 0,001); das Volumen sank von 2,3 ± 1,4 auf 1,5 ± 0,9 ml (p < 0,001), die übrigen Parameter blieben unverändert. Bei 40 von 52 Männern (76,9 %) verbesserte sich der Index (im Mittel um 6,0 ± 4,0 Prozentpunkte), bei 22 von 52 (42,3 %) um mehr als 5 und bei 7 von 52 (13,5 %) um mehr als 10 Prozentpunkte. Bei Männern mit einem Ausgangswert von 30 bis 40 % fiel er bei 7 von 11 (64 %) unter 30 %. Nur der erste Wert war mit dem Abfall unter 30 % verknüpft (Odds Ratio 0,62; 95-%-KI 0,39 bis 0,98; p = 0,04). Die Autoren fordern kontrollierte Studien. Stärken: klinisch relevante Frage, Angabe des Anteils der Verbesserer, Konfidenzintervall für den Prädiktor. Schwächen: einarmig, keine Kontrollgruppe; die Streuung der Veränderung ist groß, und der Befund, dass nur der Ausgangswert den Abfall vorhersagt, passt auch zur Regression zur Mitte. Einordnung: Der Rückgang hoher Ausgangswerte kann teilweise Regression zur Mitte sein; ein Gegenbefund im Sinne eines Anstiegs ist bei niedrigen Ausgangswerten in [s80] berichtet.

Dahan et al. 2021: 112 Männer, drei Stunden gegen drei Tage Karenz, Kanada [s74]. Prospektive Kohorte an 112 Männern zur Erstabklärung (Journal of Assisted Reproduction and Genetics): Probe nach drei Tagen Karenz und eine zweite drei Stunden nach der ersten; Halotest, ausgewertet von zwei verblindeten Technikern. Die Fragmentierung fiel von 34,6 ± 19,4 % auf 23,7 ± 16,0 % (p = 0,0001); bei Ausgangswerten über 35 % kam es in 55 % der Fälle zu einer Normalisierung. Das Volumen (3,1 ± 3,3 gegen 1,9 ± 0,8 ml; p < 0,01) und die Konzentration (41 ± 39 gegen 32 ± 31 Millionen je ml; p = 0,01) sanken, die Progressivbeweglichkeit stieg tendenziell. 58 Männer hatten eine Verbesserung um mindestens 30 %. Jüngeres Alter und Antioxidanzien waren mit der Verbesserung verknüpft. Stärken: größere Fallzahl, verblindete Auswertung. Schwächen: einarmig; Antioxidanzien sind Störgröße; Konfidenzintervalle fehlen. Einordnung: Der mittlere Abfall (rechnerisch aus den beiden Mittelwerten 34,6 und 23,7 %: 10,9 Prozentpunkte) ist größer als der in [s47] und [s07] berichtete; zugleich kann hier die Regression zur Mitte eine Rolle spielen, weil die Auswertung auf Männer mit hohen Ausgangswerten abhebt (Einschätzung dieser Studie).

Pons et al. 2013: Ein-Tag-Karenz-Protokoll, Spanien [s130]. Prospektive, beschreibende Studie (Journal of Assisted Reproduction and Genetics). Von 416 Patienten aus Risikogruppen (zum Beispiel Alter über 44 Jahre, Rauchen, Übergewicht, Varikozele) hatten 46 Proben (11,1 %) eine erhöhte Fragmentierung (mindestens 30 %). Von 35 Männern, die ein Ein-Tag-Karenz-Protokoll abschlossen, erreichten 91,4 % in mindestens einem von bis zu drei Versuchen normale Werte (81,3 % im ersten, 12,5 % im zweiten und 6,3 % im dritten Versuch). Stärken: wiederholte Versuche, klare Schwelle. Schwächen: keine Kontrollgruppe; es wurden nur die 35 Männer ausgewertet, die das Protokoll abschlossen, von den 46 Proben mit erhöhtem Wert; die Angabe „90 %“ im Titel bezieht sich auf diese ausgewählte Gruppe. Einordnung: Wiederholte Messungen bei Männern mit erhöhtem Ausgangswert führen auch durch Regression zur Mitte zu normalen Werten.

Gosálvez et al. 2011: Zwei normozoosperme Kohorten, Spanien [s136]. Prospektive Studie mit 21 Männern und 12 Spendern. Nach 24 Stunden Karenz mit täglicher Ejakulation und nach drei Stunden Karenz mit Spermienselektion lag die Fragmentierung niedriger als nach der üblichen Karenz, am stärksten nach rascher wiederholter Ejakulation (Halosperm-Test). Die Autoren schlagen vor, die Rolle der Karenz in der Behandlung zu überdenken. Stärken: zwei Kohorten, ein Vergleichswert unter üblicher Karenz. Schwächen: sehr kleine Fallzahl, nur Normozoospermie, Zahlen nennt das Abstract nur teilweise. Einordnung: Ein früher Beleg dafür, dass kurze Karenz auch bei normalen Befunden mit niedrigerer Fragmentierung einhergehen kann.

Uppangala et al. 2016: Chromatinreife nach 1 bis 7 Tagen, Indien [s112]. Experimentelle prospektive Studie mit 76 Ejakulaten von 19 Freiwilligen nach 1, 3, 5 und 7 Tagen Karenz. Spermien nach einem Tag zeigten mehr Chromatinunreife als nach drei Tagen (p < 0,05) und fünf Tagen (p < 0,01). Die Methylierung unterschied sich nicht. Nach sechs und 24 Stunden In-vitro-Inkubation stieg der Anteil fragmentierter Spermien aus dem aufbereiteten Ejakulat nach einem Tag Karenz auf das etwa 20- und 40-Fache (p < 0,01 bis 0,001). Die Autoren sehen in kurzer Karenz einen Vorteil für die DNA-Qualität, warnen aber vor langer Inkubation. Stärken: Messung der Chromatinreife und der zeitlichen Entwicklung in vitro. Schwächen: 19 Freiwillige, Konfidenzintervalle fehlen. Einordnung: Das ist der wichtigste Gegenbefund zur Vorstellung, kurze Karenz sei in jeder Hinsicht vorteilhaft; die Zahlen deuten darauf, dass Spermien nach sehr kurzer Karenz unreifer sind und in vitro schneller Schäden zeigen.

Gill et al. 2026: 95 Männer, zwei Proben am selben Tag, Polen [s07]. Vorstudie bei 95 Männern aus Paaren mit Fortpflanzungsstörung: zwei Proben am selben Tag (nach zwei bis sieben Tagen Karenz, dann nach einer Stunde), Auswertung nach WHO 2021. Nach einer Stunde sanken Volumen (Median 3,50 gegen 1,50 ml) und Gesamtzahl (78,30 gegen 29,00 Millionen), ebenso der Fragmentierungsindex im SCD-Test (19,00 gegen 16,50 %) und der Anteil mit Index über 20 % (44,18 gegen 24,46 %; Odds Ratio 0,4568). Anilin- und Toluidinblau zeigten keine Unterschiede. Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht. Stärken: WHO-Standard, mehrere Chromatintests. Schwächen: einarmig, Vorstudie, Konfidenzintervalle fehlen. Einordnung: Der Median der Fragmentierung sank nur von 19,00 auf 16,50 %, also rechnerisch um 2,5 Prozentpunkte; der Anteil über 20 % änderte sich stärker.

Poopaibool et al. 2023: 34 oligozoosperme Männer, Karenz zwei bis sieben Tage gegen vier Stunden, Thailand [s52]. Prospektive Studie mit Proben nach zwei bis sieben Tagen und binnen vier Stunden. Volumen, Konzentration und Gesamtzahl waren nach vier Stunden niedriger (Mediandifferenzen 1,2 ml; 2 Millionen je ml; 9,6 Millionen je Ejakulat; p < 0,001, 0,011 und < 0,001), ebenso die Gesamtzahl beweglicher Spermien (4,24 Millionen je Ejakulat; p < 0,001). Beweglichkeit, Fragmentierung und Normalformen unterschieden sich nicht. Stärken: Auswertung bei oligozoospermen Männern. Schwächen: 34 Männer, einarmig. Einordnung: Anders als in den Metaanalysen [s58] zeigte sich hier bei Oligozoospermie kein Vorteil bei Beweglichkeit oder Fragmentierung.

Tvrdá et al. 2023: 51 normozoosperme Männer, zwei und zwei Stunden, Slowakei [s55]. Prospektive Studie, zwei aufeinanderfolgende Proben nach zwei Tagen und zwei Stunden. Nach zwei Stunden waren Beweglichkeit, Membranintegrität, mitochondriales Potenzial (jeweils p < 0,05) und DNA-Integrität (p < 0,0001) höher. Nach zwei Tagen waren reaktive Sauerstoffspezies (p < 0,001), Proteinoxidation (p < 0,001), Lipidperoxidation (p < 0,01) sowie TNF-alpha (p < 0,05), Interleukin-6 (p < 0,01) und Interferon-gamma (p < 0,05) höher. Das Samenbakterienprofil zeigte nach zwei Tagen höhere Last und Vielfalt, darunter Escherichia coli, Staphylococcus aureus und Enterococcus faecalis; nach zwei Stunden blieben nur Staphylokokken und E. coli. Alle Proben erfüllten WHO-Kriterien. Stärken: Ergänzung der Standardparameter um Zytokine, oxidative Marker und Bakterienprofil. Schwächen: einarmig, Konfidenzintervalle fehlen. Einordnung: Die Studie zeigt einen Weg, wie Karenz mit oxidativem Stress und Keimlast zusammenhängen kann; ein ursächlicher Beleg ist sie nicht.

Okada et al. 2020: 65 Männer, ein Tag gegen vier Tage, Brasilien [s86]. Prospektive Studie, je Mann zwei Proben nach einem und nach vier Tagen. Nach einem Tag waren Volumen und Gesamtzahl niedriger, Beweglichkeit, Akrosomintegrität, Mitochondrienaktivität und Kern-DNA-Integrität besser, die oxidative Aktivität niedriger; die Nebenhodenfunktion unterschied sich nicht. Die Autoren deuten dies als Folge der Lagerung in der Cauda epididymidis. Das Abstract nennt keine p-Werte und keine Konfidenzintervalle. Stärken: beide Intervalle bei jedem Mann, Funktionsmessung. Schwächen: keine p-Werte im Abstract, Reihenfolge der Proben nicht beschrieben. Einordnung: Die Deutung der Autoren ist eine Hypothese.

Goss et al. 2019: 16 gesunde Männer, vier Tage gegen vier Stunden, Südafrika [s89]. Prospektive Studie mit 16 gesunden normozoospermen Männern. Nach vier Stunden sanken Gesamtzahl (p < 0,001), Konzentration und Volumen (je p < 0,05), während Gesamt- (p < 0,05) und Progressivbeweglichkeit (p < 0,01) stiegen. Zitronensäure (p < 0,05), Alpha-Glucosidase (p < 0,01) und Fruktose (p < 0,01) im Seminalplasma sanken; Fruktose je Spermium ebenfalls (p < 0,05), was die Autoren als Hinweis auf eine stoffwechselbezogene Anpassung deuten. Stärken: Messung der Drüsensekrete. Schwächen: 16 Männer, Konfidenzintervalle fehlen. Einordnung: Der Mechanismus wird auf Drüsensekrete bezogen, nicht auf die Spermien selbst; das ist eine Deutung der Autoren.

Sachdeva et al. 2026: 30 Patienten mit suboptimalem Befund, Indien [s11]. Prospektive Beobachtungsstudie, Proben nach zwei bis sieben Tagen (Kontrolle) und nach vier Stunden. Nach zwei bis sieben Tagen waren Volumen und Gesamtzahl höher, nach vier Stunden die Beweglichkeit. Der Test auf reaktive Sauerstoffspezies war in 33,33 % der Vier-Stunden-Proben normal gegenüber 16,66 %, nicht signifikant. Die berichtete Korrelation zwischen diesem Test und dem Fragmentierungsindex (r = 1,0; p = 0,0) ist statistisch auffällig, denn eine perfekte Korrelation bei 30 Fällen ist ohne Rohdaten nicht beurteilbar. Schwächen: 30 Patienten, auffällige Statistik, Konfidenzintervalle fehlen. Einordnung: Die Arbeit ist wegen dieser Unstimmigkeit nur eingeschränkt verwertbar.

Ji et al. 2025: Zwei Proben im Abstand von ein bis drei Stunden und tRNA-Fragmente, Changsha [s18]. Prospektive Messreihe (Asian Journal of Andrology): 101 Männer mit normaler Spermienzahl und 53 Männer mit niedriger Beweglichkeit oder Konzentration gaben nach drei bis sieben Tagen und danach nach ein bis drei Stunden eine Probe ab. Bei fünf Männern mit normaler Zahl wurden die aus Transfer-RNA abgeleiteten Fragmente (tRFs) per Tiefensequenzierung untersucht. Nach ein bis drei Stunden verbesserten sich die Beweglichkeit deutlich und der Fragmentierungsindex sank. Es fanden sich 245 unterschiedlich exprimierte tRFs; der MAPK-Signalweg war am stärksten angereichert; tRF-Lys-TTT und das Zielgen MAP2K2 veränderten sich signifikant. Das Abstract nennt keine Effektgrößen, Konfidenzintervalle oder p-Werte. Stärken: zwei Befundgruppen, molekularer Ansatz. Schwächen: einarmig; die Sequenzierung stützt sich auf nur fünf Männer mit normaler Samenqualität. Einordnung: Die Studie liefert eine Hypothese zum Mechanismus, keinen Beleg für einen Nutzen bei eingeschränkter Samenqualität.

Lehavi et al. 2014: 24 Stunden Karenz, Israel [s122]. Der abgerufene Abstract-Text umfasst nur die Schlussfolgerung (Andrologia): Bei Männern mit abnormen Basisparametern, vor allem niedriger Konzentration, werde am Folgetag eine Verbesserung erwartet, und mit der Zahl abnormer Parameter wachse die Verbesserung; bei normalen oder wenig abnormen Parametern zeige sich nach 24 Stunden ein Rückgang. Fallzahlen und Zahlen fehlen im abgerufenen Text. Einordnung: Der Befund deutet auf Abhängigkeit vom Ausgangsbefund, wie bei [s149]; ohne Zahlen lässt sich nichts bewerten.

Halim et al. 2024: Aufeinanderfolgendes Ejakulat vor ICSI, Indonesien [s34]. Prospektive Studie an Männern mit schwerer Oligoasthenozoospermie vor ICSI: Ein zweites Ejakulat wurde binnen einer Stunde abgegeben. Die Gesamtbeweglichkeit stieg von 22,52 ± 8,85 % auf 31,53 ± 11,73 % (p < 0,001). Befruchtungsrate (61,41 ± 28,04 gegen 55,45 ± 31,76 %; p = 0,081) und Teilungsrate (88,10 ± 28,63 gegen 81,07 ± 36,34 %; p = 0,262) waren höher, aber nicht signifikant. Die Zahl der Männer nennt das Abstract nicht. Stärken: klinisch relevante Frage, klinische Zwischenendpunkte. Schwächen: unbekannte Teilnehmerzahl, nicht signifikante Behandlungsergebnisse, einarmig. Einordnung: Die Verbesserung der Beweglichkeit war deutlich, die Wirkung auf Befruchtung und Teilung nicht nachgewiesen.

Scarselli et al. 2019: Erstes und zweites Ejakulat nach einer Stunde, PGT-A, Italien [s92]. Prospektive Geschwister-Eizellen-Studie mit 22 Zyklen bei Oligoasthenoteratozoospermie: Das erste Ejakulat folgte nach mehreren Tagen, das zweite eine Stunde später; Geschwister-Eizellen wurden injiziert (121 gegen 144). Das Volumen war im zweiten Ejakulat niedriger; Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie waren ähnlich. Von 106 biopsierten Blastozysten waren im zweiten Ejakulat 43,6 % euploid gegenüber 27,5 %; der Anteil reifen Chromatins war höher. Konfidenzintervalle und p-Werte nennt das Abstract nicht. Stärken: Geschwister-Eizellen kontrollieren für die Eizelle, genetische Untersuchung der Embryonen. Schwächen: 22 Zyklen, 106 Blastozysten, unterschiedliche Eizellzahlen je Arm, keine p-Werte im Abstract. Einordnung: Die Euploidie wurde als Endpunkt gewählt; Lebendgeburten wurden nicht untersucht.

Bahadur et al. 2026: 596 Inseminationszyklen mit und ohne aufeinanderfolgendes Ejakulat, Großbritannien [s02]. Retrospektive Kohortenstudie bei 263 nulliparen Frauen über 35 Jahren: 230 Zyklen mit und 366 ohne aufeinanderfolgendes Ejakulat (98 Frauen mit, 165 ohne). Lebendgeburtenrate je Zyklus 11,3 % (mit) gegen 13,1 % (ohne; p = 0,52), je Frau 26,5 gegen 29,1 % (p = 0,65). Mehr Follikel und eine höhere Zahl beweglicher Spermien (über 10 Millionen) waren günstig. Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht. Stärken: Lebendgeburt als Endpunkt, große Zahl von Zyklen, Vergleichsgruppe. Schwächen: retrospektiv, Frauen über 35 Jahre, Auswahl der Zyklen mit zweitem Ejakulat nicht randomisiert. Einordnung: In dieser Gruppe zeigte das zweite Ejakulat keinen Vorteil bei der Lebendgeburt;.

Li et al. 2023: Zweites Ejakulat bei Oligoasthenozoospermie, ICSI, Nanning [s49]. Geschwister-Oozyten-Studie (Frontiers in Endocrinology): Am Tag der Eizellentnahme gaben die Männer ein zweites Ejakulat in kurzem Abstand ab; 786 Geschwister-Oozyten (Metaphase II) aus 67 Zyklen wurden je zur Hälfte mit Spermien aus dem ersten oder zweiten Ejakulat befruchtet. Das zweite Ejakulat zeigte bessere Beweglichkeit, Normalform und DNA-Integrität, vor und nach Swim-up (signifikant). Hochwertige Blastozystenrate 24,79 % gegen 14,67 %, nutzbare Blastozystenrate 57,56 % gegen 48,44 %, Eizellnutzungsrate 52,93 % gegen 45,29 % (jeweils p < 0,05). Klinische Schwangerschaftsrate 59,09 % gegen 47,37 %, Einnistungsrate 42,11 % gegen 32,35 %, Lebendgeburtenrate 40,91 % gegen 31,58 % (jeweils p > 0,05). Zeitraffer-Parameter nach dem Sieben-Zell-Stadium waren früher, nicht signifikant. Stärken: Innerhalb-Paar-Design durch Geschwister-Eizellen, Zeitrafferbeobachtung. Schwächen: Die zweite Probe folgt der ersten, die Reihenfolge ist nicht randomisiert; Verblindung im Abstract nicht beschrieben; klinische Endpunkte nicht signifikant bei 67 Zyklen; nur Männer mit Oligoasthenozoospermie. Einordnung: Die Laborergebnisse sind besser, die klinischen Ergebnisse unterscheiden sich nicht nachweisbar.

Hosseini et al. 2025: 50 Männer mit Oligo-Astheno-Teratozoospermie, zwei Proben im Abstand von ein bis zwei Stunden, Isfahan (Iran) [s17]. Intra-Subjekt-Vergleich (Zygote): eine Probe nach üblicher Karenz von zwei bis sieben Tagen, die zweite ein bis zwei Stunden nach der ersten. Höher in der ersten Probe: Konzentration (10,40 gegen 8,76), Gesamtzahl (28,53 gegen 12,24), Volumen (2,69 gegen 1,40). Höher in der zweiten Probe: progressive Beweglichkeit (20,52 gegen 13,32), nicht progressive Beweglichkeit (53,46 gegen 48,86), Morphologie (2,46 gegen 1,46) und Vitalität (83,90 gegen 77,96), p < 0,05; weniger unbewegliche Spermien (26,82 gegen 38,02) und weniger Fragmentierung (19,5 gegen 26,96), p < 0,05. Die Einheiten fehlen im Abstract, und die Reihenfolge der Zahlen innerhalb der Paare ist dort nicht einheitlich; die hier genannte Zuordnung folgt dem Text („höher in der zweiten“) und ist eine Interpretation. Stärken: intraindividueller Vergleich, Funktionsmessung. Schwächen: kleine Gruppe, Reihenfolge nicht randomisierbar, Einheiten und Streuungen fehlen. Einordnung: Die Autoren schreiben, die geltenden Karenzleitlinien müssten bei schweren männlichen Faktoren möglicherweise überprüft werden.

Kim et al. 2022: Ejakulate an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei Krebspatienten, Seongnam (Korea) [s60]. Prospektive Studie an 81 Männern mit Krebserkrankungen, die vor Behandlungsbeginn an drei aufeinanderfolgenden Tagen Samen zur Kryokonservierung abgaben (im Mittel 2,6 ± 0,8 Proben je Patient, höchstens fünf Tage; mittleres Alter 27,5 ± 7,5 Jahre; Halosperm-Test; Intraklassenkorrelationskoeffizienten). Das Volumen der Proben von Tag 2 und Tag 3 war signifikant niedriger als das von Tag 1. Die meisten Parameter hatten hohe Intraklassenkorrelationen, am höchsten für den Fragmentierungsindex (0,68; 95-%-KI 0,45 bis 0,84) und das Volumen (0,67; 0,45 bis 0,84). Wiederholte Ejakulate zeigten stabile Fragmentierung. Stärken: aufeinanderfolgende Tage, Konfidenzintervalle. Schwächen: Krebspatienten mit häufig eingeschränkter Samenqualität; die Studie zielt auf die Stabilität der Messwerte, nicht auf einen Nutzen; eine feste Karenz zwischen den Proben ist im Abstract nicht angegeben. Einordnung: Die einzige Studie im ostasiatischen Material mit Proben an aufeinanderfolgenden Tagen.

Gülmez et al. 1991: Zwei Ejakulate im Abstand von 60 Minuten bei 37 infertilen Männern, Türkei [s167]. Von 37 infertilen Männern konnten 33 zwei Ejakulate im Abstand von 60 Minuten abgeben. Anschließend folgte eine siebentägige Behandlung mit Prazosin (Alpha-1-Blocker) und Terbutalin; danach gelang dieselbe Doppelabgabe nur noch bei 27 Männern. Im zweiten Ejakulat blieb die Spermiendichte ohne signifikante Änderung, das Volumen sank signifikant (p < 0,01), die Beweglichkeit stieg signifikant (p < 0,05). Nach der Behandlung waren die Änderungen zwischen Vor- und Nachbehandlung nicht signifikant. Stärken: früher Nachweis des Effekts eines zweiten Ejakulats nach kurzer Pause. Schwächen: älteres Abstract ohne Mittelwerte, kleine Gruppe; die Medikamentenkomponente ist für das Thema nicht relevant und senkte die Zahl der Männer, die ein zweites Ejakulat abgeben konnten. Einordnung: Die Richtung entspricht den späteren Studien: weniger Volumen, bessere Beweglichkeit.

Vahidi et al. 2021: Kurze Karenz bei hoher DNA-Schädigung, Yazd (Iran) [s80]. Prospektive Studie an 65 Männern mit erhöhter DNA-Schädigung der Spermien und anamnestisch wiederholten Schwangerschaftsverlusten oder gescheiterten Behandlungen der assistierten Reproduktion. Beurteilt wurden die Wirkung einer antioxidativen Therapie und einer kurzen Karenz (TUNEL, CMA3). Mit Antioxidanzien lag die mittlere Konzentration bei 67,51 ± 44,40 Millionen je ml vor und 56,09 ± 37,85 nach Behandlung (p = 0,005), der TUNEL-Wert bei 24,56 ± 9,49 gegen 20,64 ± 10,28 % (p = 0,013). Mit kurzer Karenz sank TUNEL von 20,64 ± 10,28 auf 17,38 ± 8,59 % (p = 0,028) und CMA3 von 47,79 ± 20,78 auf 41,92 ± 18,49 % (p = 0,019). Stratifiziert nach einem TUNEL-Grenzwert von 20 %: Bei TUNEL über 20 % sank der Mittelwert von 27,85 ± 8,32 auf 19,14 ± 8,90 % (p = 0,001); bei TUNEL unter 20 % stieg er von 11,89 ± 3,21 auf 15,17 ± 7,79 % (p = 0,045). Stärken: zwei Funktionsmaße, Stratifizierung, die eine Umkehr bei niedrigem Ausgangswert aufdeckt. Schwächen: Beide Maßnahmen wurden nach dem Abstract an denselben Patienten geprüft, sodass sich die Effekte schlecht trennen lassen; keine Kontrollgruppe; die Stratifizierung am Ausgangswert ist anfällig für Regression zur Mitte (hohe Werte sinken, niedrige steigen; Einschätzung dieser Studie, die Autoren sprechen von „paradoxen“ Effekten); der p-Wert 0,045 liegt knapp an der Signifikanzgrenze. Einordnung: Die Befunde gleichen dem Muster, das bei Wiederholungsmessungen ohne Eingriff zu erwarten wäre; sie beweisen die Wirkung der Karenz nicht.

Zusammenfassung der Gruppe

Die Studien zur zweiten Probe zeigen durchgehend einen Zielkonflikt: weniger Volumen und Gesamtzahl, häufig geringere Fragmentierung, bei Oligoasthenozoospermie häufig bessere Beweglichkeit [s47, s74, s07, s17, s34, s49, s167]. Gegenbefunde sind der Anstieg der Chromatinunreife bei kurzer Karenz [s112], die fehlende Verbesserung von Beweglichkeit und Fragmentierung bei 34 oligozoospermen Männern [s52] und die nicht signifikante Wirkung auf Befruchtung und Teilung [s34] sowie auf Schwangerschaft und Lebendgeburt [s49, s02]. Randomisierte Daten mit Schwangerschaft als Endpunkt gibt es im Material nur für Karenz im Bereich von Tagen [s77, s82], nicht für Abstände im Stundenbereich. Alle Aussagen dieser Gruppe stützen sich auf Abstracts.

Karenz und klinische Ergebnisse (Insemination, ICSI, IVF): Beobachtungsstudien

Die klinischen Endpunkte stammen aus Behandlungszyklen, in denen Spermien aufbereitet und gezielt eingebracht werden. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf natürliche Empfängnis übertragen. Die randomisierten Studien zur Karenz bei Insemination [s77, s82] stehen in einem anderen Kapitel; hier folgen die Beobachtungsstudien. Das Alter der Frau ist in allen diesen Studien ein starker Störfaktor, der je nach Studie unterschiedlich berücksichtigt wird.

Jurema et al. 2005: 929 Inseminationszyklen, USA [s147]. Retrospektive Analyse bei 417 Frauen mit 929 Zyklen (Clomifen, eine Insemination je Zyklus), mediane Karenz vier Tage (Spanne 0 bis 30), Gesamtschwangerschaftsrate 12 % je Zyklus. Die Karenz korrelierte positiv mit der Zahl der Spermien im Inseminat und negativ mit der Beweglichkeit. Die höchste Rate lag bei höchstens drei Tagen (14 %), die niedrigste bei mindestens zehn Tagen (3 %). Die Schwangerschaftsrate hing von der Karenz unabhängig von den Inseminatparametern ab. Die Autoren vermuten Spermienalterung und Funktionsschäden, die die Standardanalyse nicht erfasst; das ist eine Hypothese. Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht. Stärken: einheitliche Behandlung (Clomifen, eine Insemination), große Zahl von Zyklen, Prüfung der Unabhängigkeit von den Inseminatparametern. Schwächen: retrospektiv, Karenz nach Angabe, Mehrfachzyklen derselben Frau, keine Konfidenzintervalle. Einordnung: Die Karenz über zehn Tage ist der auffällige Bereich, nicht der Bereich unter zwei Tagen.

Marshburn et al. 2010: Karenz vor Insemination, USA [s141]. Im abgerufenen Abstract steht nur das Ergebnis: Eine Karenz von höchstens zwei Tagen vor einer intrauterinen Insemination ergab die höchste Schwangerschaftsrate je Zyklus, trotz geringerer Gesamtzahl beweglicher Spermien. Zahlen und Fallzahl liegen nicht vor. Schwächen: Ohne Zahlen ist die Aussage nicht überprüfbar. Einordnung: Die Richtung deckt sich mit [s147].

Kably-Ambe et al. 2015: 3.123 Paare, Insemination, Mexiko [s116]. Die retrospektive Querschnittsstudie erschien in der spanischsprachigen Zeitschrift Ginecología y Obstetricia de México; in der Datenbank steht nur der englische Titel (Effect of sexual abstinence on pregnancy rates after an intrauterine insemination; Wirkung sexueller Karenz auf die Schwangerschaftsraten nach intrauteriner Insemination). Die Erfolgsrate nach Insemination war bei weniger als sieben Tagen Karenz höher, die Spermiengewinnungsrate verhielt sich umgekehrt proportional zu den Karenztagen. Das Abstract nennt keine Zahlen. Stärken: große Fallzahl. Schwächen: keine Zahlen im Abstract, retrospektiv, Querschnitt. Einordnung: Die Grenze von sieben Tagen ist deutlich weiter als bei den übrigen Studien.

Borges et al. 2019: 818 ICSI-Patienten, Brasilien [s88]. Prospektive Kohorte: Die Karenz war positiv mit Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Gesamtzahl beweglicher Spermien und Fragmentierungsindex verknüpft, negativ mit Befruchtung, Blastozystenbildung, Einnistung und Schwangerschaft. Die mittlere Karenz lag in der Schwangerschaftsgruppe bei 3,14 ± 1,64 Tagen und in der Gruppe ohne Schwangerschaft bei 4,83 ± 3,66 Tagen; als Trennwert wurden vier Tage gewählt. Bei höchstens vier Tagen waren die Fragmentierung niedriger und Befruchtung, Embryoqualität am Tag 3, Blastozystenentwicklung, Einnistung und Schwangerschaft höher. Ein Tag Karenz erhöhte die Einnistungsrate gegenüber zwei bis vier Tagen. Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht. Stärken: prospektiv, mehrere Zwischenendpunkte. Schwächen: Der Trennwert wurde aus denselben Daten abgeleitet, was zu optimistischen Ergebnissen führen kann; Störgrößen sind im Abstract nicht aufgeführt. Einordnung: Die Arbeit ist die am deutlichsten für kürzere Karenz sprechende ICSI-Kohorte und steht im Gegensatz zu [s99], [s31] und [s57].

Periyasamy et al. 2017: 1.030 ART-Zyklen, Indien [s106]. Retrospektive Kohortenstudie: Karenz zwei bis sieben Tage (Gruppe I) gegen über sieben Tage (Gruppe II). Lebendgeburtenrate 34,1 % gegen 24,1 % (Odds Ratio 1,6; 95-%-KI 1,1 bis 2,4), klinische Schwangerschaft 44,4 % gegen 32,7 % (1,6; 1,1 bis 2,3), Einnistung 26,4 % gegen 18,2 %. Bereinigt: Lebendgeburt 1,6 (1,1 bis 2,5), Schwangerschaft 1,7 (1,2 bis 2,5). In der Untergruppe zwei bis vier Tage lag die Lebendgeburtenrate bei 36,1 % gegen 24,1 %. Befruchtung und Fehlgeburtenrate unterschieden sich nicht. Stärken: Lebendgeburt als Endpunkt, Konfidenzintervalle, bereinigte Werte. Schwächen: retrospektiv, ein Zentrum, Selbstangabe der Karenz. Einordnung: Der problematische Bereich ist hier die Karenz über sieben Tage, nicht die kurze Karenz.

Lee et al. 2018: 449 erste ICSI-Zyklen, Seoul [s99]. Retrospektive Studie in einer Kinderwunschklinik mit normaler Ovarialantwort: zwei bis sieben Tage gegen mindestens acht Tage Karenz, getrennt nach Alter der Frau (unter 38 und ab 38 Jahre). Befruchtung, Embryoqualität, biochemische, klinische und fortlaufende Schwangerschaft, Fehlgeburt und Einnistung unterschieden sich in keiner Altersgruppe signifikant. Die Autoren schließen, Karenz über die WHO-Empfehlung hinaus sei nicht mit schlechterer Befruchtung oder Schwangerschaft verbunden, und regen eine Überprüfung des WHO-Kriteriums an. Das Abstract nennt weder Gruppengrößen je Stratum noch Effektschätzer oder Konfidenzintervalle. Stärken: klinische Endpunkte, Stratifizierung nach dem Alter der Frau. Schwächen: retrospektiv; fehlende Nachweise eines Unterschieds sind kein Nachweis von Gleichheit; die Spermien wurden vor der ICSI mit Swim-up aufbereitet, was Unterschiede der Rohprobe teilweise ausgleicht. Einordnung: Die Studie widerspricht [s106], [s88] und [s75].

Gupta et al. 2021: 1.691 ICSI-Zyklen, Neu-Delhi [s75]. Analyse in vier Karenzgruppen (1 Tag, 2 bis 5, 6 bis 7 und mindestens 8 Tage). Die Karenz korrelierte positiv mit Volumen, Gesamtzahl und Gesamtzahl beweglicher Spermien. Die Gruppe mit einem Tag hatte höhere Einnistung und höhere biochemische Schwangerschaftsrate je Embryotransfer, die klinische Schwangerschaftsrate lag bei 30,0 % gegen 25,4 % in den Gruppen mit längerer Karenz; die Fehlgeburtenrate war bei kürzerer Karenz niedriger. Das Abstract bezeichnet die Studie im Titel als retrospektiv, in der Methodik als prospektiv. Konfidenzintervalle nennt es nicht. Stärken: große Zahl, vier Gruppen. Schwächen: widersprüchliche Angabe der Studienart, kein Konfidenzintervall, Störgrößen nicht beschrieben. Einordnung: Der Unterschied bei der klinischen Schwangerschaft (rechnerisch 4,6 Prozentpunkte) liegt im Bereich, der durch Störgrößen verzerrt sein kann.

Cermisoni et al. 2024: 6.919 ICSI-Zyklen, Italien [s31]. Retrospektive Beobachtungsstudie (2013 bis 2022). Die Karenz war positiv mit Volumen, Konzentration und Gesamtzahl beweglicher Spermien verknüpft (je p < 0,001). Je zusätzlichem Karenztag sank die Wahrscheinlichkeit für zweikernige (2PN) Zygoten um 3 % (bereinigtes Odds Ratio 0,97; 95-%-KI 0,94 bis 0,99), die Wahrscheinlichkeit für dreikernige (3PN) Zygoten stieg um 14 % (1,14; 1,07 bis 1,22). Blastulation, kumulative Schwangerschaft und Fehlgeburt zeigten keinen signifikanten Zusammenhang. Stärken: die größte ICSI-Studie, bereinigte Odds Ratios mit Konfidenzintervall. Schwächen: retrospektiv, ein Zentrum; die Zygotenmerkmale sind Zwischenendpunkte. Einordnung: Die Karenz hängt mit der Befruchtungsqualität zusammen, nicht mit der Schwangerschaft.

Azizi et al. 2022: 1.003 ICSI-Zyklen, Teheran [s57]. Retrospektive Kohorte (JBRA Assisted Reproduction), sechs Karenzgruppen (1 Tag, 2, 3, 4, 5 und 6 bis 10 Tage). Volumen (p = 0,0001) und Gesamtzahl (p = 0,005) stiegen mit der Karenz, andere Parameter nicht signifikant. Der Anteil progressiv beweglicher Spermien war mit der Befruchtung assoziiert (p = 0,007), die Morphologie mit der Embryozahl im Teilungsstadium (p = 0,036). Kein Einfluss von Karenz oder Samenparametern auf die Schwangerschaften. Das Abstract nennt keine Effektgrößen. Stärken: große Zahl, feine Abstufung. Schwächen: Bei ICSI wird ein einzelnes, ausgewähltes Spermium injiziert, sodass die Samenqualität im Ejakulat nur abgeschwächt wirkt (so argumentieren die Autoren sinngemäß selbst); keine Effektgrößen. Einordnung: Die Studie stützt [s99] und [s31].

Tighe et al. 2026: 2.899 Paare, 3.873 IVF-Zyklen, Großbritannien [s13]. Retrospektive Kohortenstudie (2013 bis 2022). Mit längerer Karenz waren Gesamtzahl, Konzentration, Gesamtzahl beweglicher Spermien und Volumen höher; die Blastulationsraten blieben unbeeinflusst. Längere Karenz hing mit niedrigerer Schwangerschaftsrate zusammen (bereinigtes Odds Ratio 0,786; 95-%-KI 0,685 bis 0,903; p < 0,001). Fehlgeburten zeigten keinen Zusammenhang; die Lebendgeburtenrate fiel, aber nicht signifikant (0,886; 0,769 bis 1,020; p = 0,0921). Das Abstract nennt das Schwellenniveau für die Fehlgeburt mit „p > 0,001“, vermutlich ein Druckfehler. Stärken: große Zahl, bereinigte Odds Ratios mit Konfidenzintervall. Schwächen: retrospektiv, Konfidenzintervall der Lebendgeburt schließt 1 ein, Auffälligkeit im Abstract. Einordnung: Der Schwangerschaftsvorteil kürzerer Karenz zeigt sich bei IVF, nicht bei der Lebendgeburt.

Ahn et al. 2021: Zeitgesteuerter Verkehr bei Subfertilität, Südkorea [s70]. Retrospektive Kohortenstudie an 285 Frauen mit 854 Zyklen, die zeitgesteuerten Verkehr nutzten. Die klinische Schwangerschaftsrate betrug 28,1 % je Paar und 9,4 % je Zyklus. Subfertilität von mindestens 24 Monaten (gegen unter 12 Monate: Odds Ratio 0,193; 95-%-KI 0,043 bis 0,859) und Endometriose (0,282; 0,106 bis 0,746) waren ungünstig; die kumulative Rate stieg bis zum sechsten Zyklus signifikant, die Lebendgeburten bis zum vierten Zyklus. Stärken: Bereinigung mit Konfidenzintervall. Schwächen: retrospektiv, Prognosemodell, keine Samenparameter als Zielgröße. Einordnung: Die Arbeit dient der Prognose und betrifft die Samenqualität nicht.

Pakpahan et al. 2024: Verkehr vor Embryotransfer, 132 Teilnehmerinnen [s40]. Retrospektive Kohortenstudie (Archivio Italiano di Urologia e Andrologia). Verkehr vor dem Embryotransfer änderte die Schwangerschaftsrate nicht signifikant; mit Orgasmus lagen die biochemischen (p = 0,009) und klinischen Schwangerschaften (p = 0,027) höher. Stärken: ungewöhnliche Fragestellung. Schwächen: kleine Fallzahl, retrospektiv, Zusammenhang nicht kausal gesichert, keine Konfidenzintervalle. Einordnung: Die Studie betrifft die Frau, nicht die Samenqualität.

Zusammenfassung der Gruppe

Nachteile langer Karenz (über vier bis sieben Tage) für Schwangerschaft zeigen Beobachtungsstudien zu Insemination, ICSI und IVF [s147, s88, s106, s75, s13]; keinen Zusammenhang fanden mehrere Kohorten [s99, s31, s57]. Kein Befund belegt, dass eine Karenz von wenigen Stunden bessere Lebendgeburtenraten ergibt als ein bis drei Tage. Gemeinsame Schwächen sind die retrospektive Anlage, die Selbstangabe der Karenz und die Tatsache, dass die Frau und das Behandlungsverfahren die Rate stärker bestimmen als die Samenparameter.

Erregung, Tageszeit und Dauer der Probengewinnung

Beyatlı et al. 2025: Verlängerte Erregung, 205 infertile Männer, Istanbul [s15]. Prospektive Studie mit Innersubjektvergleich: zwei Sitzungen im Abstand von etwa vier Wochen. In der zweiten Sitzung wurde die Dauer des erotischen Videos von median 8 (Interquartilsabstand 5 bis 10) auf 15 Minuten (11 bis 20) verlängert (p < 0,001). Die Konzentration stieg von 19 auf 24 Millionen je ml, die Gesamtbeweglichkeit von 43 auf 46 %, die Progressivbeweglichkeit von 33 auf 37 % (jeweils p < 0,001); die Morphologie blieb unverändert (p = 0,053). Die Zunahme der Erregungsdauer korrelierte schwach mit den Änderungen von Konzentration (ρ = 0,21; p = 0,003), Gesamtbeweglichkeit (ρ = 0,27; p < 0,001) und Progressivbeweglichkeit (ρ = 0,22; p = 0,002). Verbesserungen zeigten sich bei Nichtrauchern, nicht bei Rauchern. Stärken: größte türkische Stichprobe zum Thema, intraindividueller Vergleich, Messung nach WHO 2021. Schwächen: feste Reihenfolge (erst kurz, dann lang) ohne Randomisierung oder Gegengewichtung, sodass Reihenfolge-, Lern- und Regressionseffekte möglich sind; die Karenz vor den beiden Proben wird im Abstract nicht angegeben; die Korrelationen sind schwach; nur infertile Männer. Einordnung: Die Studie berührt das Sexualverhalten bei der Probengewinnung, nicht die Karenz; ein Beleg für eine ursächliche Wirkung ist sie nicht.

Sertkaya et al. 2022: Sexuelle Erregung während der Karenz, 100 Patienten, Istanbul [s65]. Prospektive Vorher-nachher-Studie an 100 Patienten im Alter von 18 bis 45 Jahren: Alle Analysen erfolgten nach drei Tagen Karenz; in der Karenzzeit sollten die Patienten täglich einmal ein 20-minütiges Video ansehen; nach drei Tagen wurde erneut untersucht. Normale Spermienform (strenge Kriterien), Konzentration sowie Gesamt- und Progressivbeweglichkeit blieben unverändert. Signifikant verändert waren nur das Volumen und die Gesamtzahl beweglicher Spermien (p < 0,001); die Richtung nennt das Abstract nicht. Stärken: ziemlich große Stichprobe, standardisierter Karenzzeitraum. Schwächen: keine Kontrollgruppe ohne Video, zwei Messungen derselben Männer ohne Randomisierung, daher sind Messvariabilität und Lerneffekte nicht trennbar; Konfidenzintervalle und die Richtung der Änderung fehlen. Die Autoren fordern selbst Studien mit mehr Patienten und längerer Nachbeobachtung. Einordnung: Die Studie trägt für die Wirkung von Erregung wenig bei, weil die Richtung der Veränderung im Abstract fehlt.

Liu et al. 2022: Tageszeitliche Schwankung, 33.430 Proben, Chongqing [s61]. Der erste Teil wertete Akten einer Spermabank einer Provinz aus: 33.430 Proben, gewonnen zwischen 8 und 17 Uhr (1. März 2010 bis 8. Juli 2015). Der zweite Teil war eine Laborstudie mit sechs Freiwilligen und 36 Proben zu sechs Zeitpunkten im identischen Abstand von zwei Tagen plus vier Stunden (6. Juni bis 8. Juli 2019) unter streng kontrollierter Karenz. Gemessen wurden Gesamtzahl, Konzentration, Volumen, progressive und Gesamtbeweglichkeit (computergestützt) sowie im Laborteil DNA-Fragmentierung, HDS (Chromatinstruktur) und Vitalität (Durchflusszytometrie). In den Spermabankdaten schwankten Gesamtzahl, Konzentration, Volumen, progressive und Gesamtbeweglichkeit zwischen 8 und 17 Uhr (jeweils p < 0,001). Die Eignung der Proben nach den Kriterien der Bank änderte sich mit der Tageszeit: Jede Stunde früher oder später als 11 Uhr war mit einem 1,14-fachen Risiko der Nichteignung verbunden. Auch bei den 36 Laborproben zeigte sich eine tageszeitliche Schwingung; bei kontrollierter Karenz erreichten die meisten Parameter ihren günstigsten Wert zwischen 11 und 15 Uhr. Stärken: sehr große Datenbasis, Laborteil mit kontrollierter Karenz, der das Problem adressiert, dass in der Spermabank Karenz und Tageszeit zusammenhängen könnten. Schwächen: Der Laborteil hat nur sechs Personen; Störgrößen wie Energiezufuhr sind nicht bereinigt; die Studie bezieht sich auf einen bestimmten Ort, Zeitraum und eine Spenderpopulation, und die Autoren warnen im Abstract vor einer Übertragung. Einordnung: Der Befund eines Optimums zwischen 11 und 15 Uhr steht im Kontrast zu [s87], wo Abendproben besser waren.

Shimomura et al. 2020: Morgen gegen Abend, 40 Männer, Saitama (Japan) [s87]. Vergleichende Studie innerhalb derselben Person am Dokkyo Medical University Saitama Medical Center. In Japan wird Samen für Inseminationen meist am frühen Morgen gewonnen. 20 fertile und 20 infertile Männer mit auffälligem Spermiogramm gaben bei drei Tagen festgelegter Karenz je eine Probe früh am Morgen und eine am Abend ab (Wilcoxon-Test, CASA). Primäres Ergebnismaß war die Gesamtzahl beweglicher Spermien. Bei fertilen Männern waren Gesamtzahl beweglicher Spermien und Gesamtspermienzahl am Abend signifikant höher; bei infertilen Männern unterschied sich die Gesamtspermienzahl nicht, die Gesamtzahl beweglicher Spermien war am Abend aber signifikant höher. Die Autoren folgern, eine Insemination könne mit Abendproben leichter gelingen. Stärken: intraindividueller Vergleich, festgelegte Karenz, klinisch relevante Frage. Schwächen: 40 Männer; das Abstract nennt keine Effektgrößen, Konfidenzintervalle oder p-Werte; die Reihenfolge Morgen und Abend ist nicht als randomisiert beschrieben; die Aussage zur Insemination ist eine Vermutung, es wurden keine Schwangerschaften untersucht. Einordnung: Der Befund steht im Gegensatz zu [s61].

Bai et al. 2023: Dauer der Probengewinnung, 746 Männer, Hefei [s45]. Beobachtungsstudie an 746 subfertilen oder gesunden Männern, Probe durch Masturbation. Die mediane Dauer der Probengewinnung betrug 7,0 Minuten (Interquartilsabstand 5,0 bis 11,0), bei gesunden Männern 6,0, bei subfertilen 7,0 Minuten. Längere Dauer ging mit schlechterer Samenqualität einher: Das oberste Quartil war mit geringerem Volumen und niedrigerer Konzentration assoziiert, das dritte und vierte Quartil mit niedrigerer progressiver und Gesamtbeweglichkeit; es bestand ein negativer linearer Zusammenhang mit der Morphologie. Bereinigte Odds Ratios im dritten gegen das erste Quartil: Asthenozoospermie 2,06 (1,31 bis 3,25; p = 0,002), Teratozoospermie 1,98 (1,10 bis 3,55; p = 0,02). Bei Paaren mit assistierter Reproduktion war die Fehlgeburtsrate positiv mit der Gewinnungsdauer korreliert. Stärken: große Zahl, Konfidenzintervalle, Bereinigung. Schwächen: Das Abstract liefert keine Deutung (zum Beispiel Anspannung, Vorerkrankung); der Zusammenhang kann Folge schlechter Samenqualität oder Begleiterscheinung einer Erektionsstörung sein (Einschätzung dieser Studie). Einordnung: Dieser Befund steht im Gegensatz zu [s15], wonach längere Erregung mit besserer Samenqualität einherging; die Konstellationen sind nicht vergleichbar, weil in [s15] die Erregungsdauer verlängert und in [s45] die natürliche Dauer beobachtet wurde.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Überblick und Gliederung und Große Auswertungen von Samenbefunden nach Karenz (Europa, Amerika, Afrika, Indien, Vietnam)
  6. Karenz und Samenqualität in China, Japan und Hongkong und Ejakulationshäufigkeit, tägliche Ejakulation und wiederholte Ejakulate
  7. Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden): Vorher-nachher-Studien ohne Kontrollgruppe bis Erregung, Tageszeit und Dauer der Probengewinnung
  8. Häufigkeit und Zeitpunkt des Verkehrs, Sexualfunktion bis Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  9. Gesamtbild der Evidenz in Kürze bis Ejakulationshäufigkeit, tägliche und wiederholte Ejakulation beim Menschen
  10. Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden) bis Sprachräume und Zugang
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Spanisch
  14. Chinesisch bis Türkisch
  15. Ein Querschnittsproblem vorweg: Vorzeichen, Grenzen und Begriffe bis Widerspruch 10: Tierstudien, gegensätzliche Richtungen
  16. Übersicht der Widersprüche
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis
  22. Diagramme
  23. Quellen
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle