Ejakulationshäufigkeit, Gleitmittel und Sexualverhalten · Kapitel 4 von 21

Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

Überblick über die zusammenfassenden Arbeiten

Zur Karenz liegen vier quantitative Metaanalysen vor [s32, s22, s38, s58] sowie eine Metaanalyse, die kurze Karenz mit Hodenspermien vergleicht [s37]. Hinzu kommen fünf systematische Übersichten ohne Metaanalyse [s98, s96, s78, s53, s127], eine narrative Übersicht zur Ejakulationshäufigkeit [s04] und ein Meinungsbeitrag [s41]. Zu Gleitmitteln gibt es zwei systematische Übersichten [s33, s39] und einen Praxisleitfaden [s25]. Zum Zeitpunkt des Verkehrs liegen die zwei Fassungen der Cochrane-Übersicht [s117, s46] und eine Übersicht von 2002 [s155] vor. Zur Ejakulationshäufigkeit und zum Prostatakrebs gibt es eine narrative Übersicht [s36]. Methodisch einzuordnen sind außerdem zwei Beiträge zur Praxis der Samenanalyse [s126, s148], eine Expertendiskussion [s121] und ein Vergleich von Leitlinien [s01].

Zwei Merkmale prägen die gesamte Gruppe. Erstens beruhen alle Karenz-Metaanalysen auf Beobachtungsdaten oder auf kleinen Studien, die ihrerseits keine einheitlichen Grenzen für kurze und lange Karenz verwenden. Zweitens überschneiden sich die eingeschlossenen Arbeiten stark. Die Ergebnisse der Übersichten sind daher keine unabhängigen Bestätigungen voneinander. Das Vorzeichen von Mittelwertdifferenzen ist uneinheitlich: Die Dosis-Wirkungs-Metaanalyse [s32] rechnet kurze minus lange Karenz, die Metaanalyse in [s38] lange minus kurze.

Quantitative Metaanalysen zur Karenz

Du et al. 2024: Systematische Übersicht mit klassischer und Dosis-Wirkungs-Metaanalyse [s32]. Die Arbeit aus Chengdu (China) ist die größte Evidenzbasis der Gesamtstudie. Die Autoren durchsuchten PubMed, Embase und das Cochrane-Zentralregister sowie vier chinesische Datenbanken (China National Knowledge Infrastructure, Chinese Scientific Journals Database, WanFang und Chinese Biomedical Literature Database) für den Zeitraum von 2000 bis August 2023 und schlossen 85 Studien ein. Verglichen wurde kurze gegen lange Karenz bei gesunden Erwachsenen und bei verschiedenen Gruppen infertiler Männer. Neben der klassischen Metaanalyse der Gruppenvergleiche wurde eine „One-stage“-Dosis-Wirkungs-Analyse gerechnet, die den Verlauf über die Karenztage abbildet. Die Mittelwertdifferenzen sind als kurze minus lange Karenz angegeben; ein negatives Vorzeichen bedeutet also niedrigere Werte nach kurzer Karenz.

Bei gesunden Männern lagen die Differenzen für das Volumen bei minus 0,95 ml (95-%-Konfidenzintervall minus 1,16 bis minus 0,74), für die Gesamtspermienzahl bei minus 102,45 Millionen (minus 117,98 bis minus 86,91 Millionen), für die Konzentration bei minus 11,88 Millionen je ml (minus 18,96 bis minus 4,80) und für den DNA-Fragmentierungsindex bei minus 2,37 Prozentpunkten (minus 4,73 bis minus 0,01). Das Konfidenzintervall des Fragmentierungsindex reicht bis knapp an den Nullwert; der Befund ist formal signifikant, aber nicht deutlich vom Nullwert getrennt. Bei infertilen Männern war das Volumen in verschiedenen Untergruppen niedriger (Spanne der Differenzen minus 0,73 bis minus 1,17 ml, jeweils p < 0,01). In der Untergruppe mit unerklärter Infertilität lagen die Differenzen für die Gesamtspermienzahl bei minus 61,93 Millionen (minus 88,84 bis minus 35,01), für die Konzentration bei minus 5,39 Millionen je ml (minus 9,97 bis minus 0,81) und für den Fragmentierungsindex bei minus 5,63 Prozentpunkten (minus 10,19 bis minus 1,06); die Vitalität lag nach kurzer Karenz um 6,14 Prozentpunkte höher (3,61 bis 8,68).

Die Dosis-Wirkungs-Analyse ergab bei Männern mit Oligozoospermie einen nichtlinearen Anstieg der Gesamtspermienzahl mit einem Knickpunkt um den vierten bis fünften Karenztag (Koeffizienten von 3,38 bis minus 5,76; p-Werte von 0,02 bis 0,22). Bei Asthenozoospermie sank der Anteil progressiv beweglicher Spermien (Koeffizient minus 2,39; 95-%-KI minus 4,28 bis minus 0,50). Für Ergebnisse der assistierten Reproduktion zeigte nur die klinische Schwangerschaftsrate in der Untergruppe Intrauterine Insemination einen signifikanten Rückgang um den dritten Tag (Koeffizient 0,85; 0,75 bis 0,97).

Die Autoren schließen, kurze Karenz sei bei gesunden Männern mit begrenzten Verbesserungen verbunden und könne bei infertilen Männern vorteilhafter sein, besonders innerhalb der ersten vier Tage. Sie mahnen zugleich zur Vorsicht bei Aussagen zur Kausalität wegen Störgrößen und Wechselwirkungen.

Stärken: die breiteste Basis aller Übersichten, der Einbezug chinesischer Datenbanken und damit von Literatur, die auf Englisch kaum sichtbar ist, die getrennte Auswertung nach Befundgruppen und die Dosis-Wirkungs-Analyse statt eines bloßen Zweigruppenvergleichs. Schwächen: Das Abstract nennt weder Heterogenitätsmaße noch das Verzerrungsrisiko der Einzelstudien. Die Einzelstudien sind überwiegend beobachtend, und die Grenzen für kurz und lang sind im Abstract nicht einheitlich dargestellt. Die Effekte auf das Volumen sind erwartbar und sagen wenig über die Fruchtbarkeit; die Aussagen zu Schwangerschaftsraten stützen sich auf wenige Studien. Einordnung: Die Arbeit liefert die Zahlengrundlage für den Zielkonflikt zwischen Menge (Volumen, Gesamtzahl, Konzentration) und Funktion (Fragmentierung, Vitalität, Beweglichkeit), der in den Einzelstudien dieses Kapitels immer wieder auftaucht.

Lo Giudice et al. 2024: Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien [s38]. Die Arbeit aus Catania (Italien) ist bei PROSPERO registriert (CRD42023472124). Gesucht wurde in PubMed und in Scopus. Eingeschlossen wurden 13 Studien aus den Jahren 2013 bis 2022 mit zusammen 2.315 Patienten; die Kohorten umfassten 6 bis 836 Teilnehmer. Als Grenze zwischen kurzer und langer Karenz wurde ein Zeitraum von zwei Tagen festgelegt. Das Vorzeichen ist hier umgekehrt zu [s32]: lange minus kurze Karenz.

Längere Karenz ging mit höherer Konzentration (Mittelwertdifferenz 8,19; p < 0,01), größerem Volumen (0,96; p < 0,01) und höherer DNA-Fragmentierung (3,46; p < 0,01), aber mit geringerer progressiver Beweglichkeit (minus 1,83; p < 0,01) einher. Für die Gesamtbeweglichkeit nennt das Abstract ebenfalls minus 1,83, hier mit p = 0,06, also ohne Signifikanz. Dass derselbe Zahlenwert zweimal steht, ist wahrscheinlich ein Fehler im Abstract; er wird hier nur berichtet und nicht aufgelöst. In der Meta-Regression stieg die Konzentration um 3,74 je Karenztag (p < 0,01) und die Fragmentierung um 0,65 je Karenztag (p = 0,044). Konfidenzintervalle und Heterogenitätsmaße nennt das Abstract nicht. Die Autoren folgern, dass kurze Karenz mit besserer Spermienqualität verbunden sei, mit höherem Anteil progressiv beweglicher Spermien und geringerer Fragmentierung; die lange Karenz gehe mit höherer Konzentration einher.

Stärken: Registrierung, ausschließlich Studien mit Vergleichsgruppen, Meta-Regression über die Karenztage. Schwächen: Die Suche beschränkte sich auf zwei Datenbanken. Der Titel nennt randomisierte Studien, das Abstract macht zum Randomisierungsstatus der einzelnen Studien aber keine Angaben und beschreibt Kohorten. Die Spannweite von 6 bis 836 Teilnehmern je Kohorte deutet auf sehr ungleiche Gewichte. Einordnung: Die Richtung der Befunde entspricht [s32]: größere Mengen bei langer Karenz, bessere Beweglichkeit und geringere Fragmentierung bei kurzer.

Raditya et al. 2025: Systematische Übersicht mit Metaanalyse zu kürzerer Karenz [s22]. Die Arbeit aus Jakarta (Indonesien; World Journal of Men's Health) durchsuchte fünf Datenbanken (PubMed, Embase, ProQuest, Scopus und Wiley Online Library) nach dem PICO-Schema und mit PRISMA-Flussdiagramm; das Verzerrungsrisiko wurde mit der Newcastle-Ottawa-Skala geprüft. Eingeschlossen wurden 22 Studien mit 31.640 Proben. Als kurze Karenz galten Zeiträume unter zwei Tagen.

Kurze Karenz senkte das Volumen (Mittelwertdifferenz minus 0,83; p < 0,01), die Konzentration (minus 8,39; p < 0,01) und die DNA-Fragmentierung (minus 3,82; p < 0,01). Die Gesamtbeweglichkeit (2,30; p < 0,05) und die progressive Beweglichkeit (2,18; p < 0,01) stiegen. Die Morphologie unterschied sich insgesamt nicht. In der Untergruppe mit Oligozoospermie stieg der Anteil normal geformter Spermien (1,64; p < 0,01) bei geringerer Fragmentierung (minus 3,30; p < 0,05); die übrigen Parameter änderten sich dort nicht signifikant. Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht, ebenso keine Heterogenitätsmaße. Die Autoren sehen in einer kürzeren Karenz einen möglichen Vorteil für Beweglichkeit und Fragmentierung und halten ihre Ergebnisse für künftige Leitlinien für aufschlussreich; die Formulierung zu Leitlinien ist deren Schlussfolgerung.

Stärken: hohe Probenzahl, mehrere Datenbanken, standardisierte Bewertung der Verzerrung. Schwächen: keine Konfidenzintervalle im Abstract, die Heterogenität ist nicht beziffert, Beobachtungsdaten, uneinheitliche Definition der Vergleichsgruppen. Einordnung: Die Zahlen stimmen in der Richtung mit [s32] und [s38] überein, bei der Beweglichkeit und der Fragmentierung allerdings mit kleineren Effekten, als die Größe der Stichprobe vermuten lässt. Die Arbeit bezieht Studien ein, die auch in [s32] stehen können, und ist insofern keine unabhängige Wiederholung.

Barbagallo et al. 2022: Metaanalyse zur sehr kurzen Karenz [s58]. Die Arbeit aus Catania (Journal of Clinical Medicine) fragt, wie sich eine zweite Probe im Abstand von höchstens vier Stunden zur ersten verhält. Gesucht wurde in Scopus und PubMed nach den PRISMA-P-Vorgaben und dem PICOS-Modell; die Qualität der Einzelstudien wurde mit den Cambridge Quality Checklists bewertet, als Effektmaß diente die standardisierte Mittelwertdifferenz, die Heterogenität wurde mit Cochran-Q und I-Quadrat geprüft. Von 1.334 gesichteten Abstracts gingen 19 Studien ein, fünf davon mit Messung der DNA-Fragmentierung.

Das Volumen sank im zweiten Ejakulat bei normozoospermen Männern und bei Männern mit Oligozoospermie, Asthenozoospermie oder Teratozoospermie (einzeln oder kombiniert) signifikant. Bei Männern mit der kombinierten Störung (Oligo-Astheno-Teratozoospermie) stiegen im zweiten Ejakulat Konzentration sowie Gesamt- und progressive Beweglichkeit signifikant, und die DNA-Fragmentierung sank signifikant. Standardisierte Mittelwertdifferenzen, Konfidenzintervalle und I-Quadrat-Werte nennt das Abstract nicht. Die Autoren sehen in einer zweiten, rasch folgenden Probe eine einfache und nützliche Möglichkeit, bessere Spermien zu erhalten, vor allem bei auffälligen Befunden; das ist ihre Schlussfolgerung.

Stärken: erste Metaanalyse zu dieser Frage nach Angaben der Autoren, Bewertung der Studienqualität, Prüfung der Heterogenität. Schwächen: Für die Fragmentierung gingen nur fünf Studien ein, sämtliche eingeschlossenen Arbeiten sind kleine Vorher-nachher-Vergleiche derselben Männer, und die Effektgrößen sind im Abstract nicht berichtet. Einordnung: Die Metaanalyse fasst genau die Studiengruppe zusammen, die im Beobachtungsteil dieses Kapitels unter dem Stichwort „zweite Probe nach sehr kurzer Karenz“ einzeln vorgestellt wird [s47, s74, s07, s52, s55, s86, s89, s17].

Kugelman et al. 2024: Metaanalyse Hodenspermien gegen kurze Karenz [s37]. Die Arbeit aus Montreal (Kanada; Archives of Gynecology and Obstetrics) stellt die Frage, ob eine Karenz von weniger als zwei Tagen die DNA-Fragmentierung ebenso senken kann wie die operative Gewinnung von Hodenspermien. Nach den MOOSE-Vorgaben wurden Cochrane Library, Web of Science, Embase, MEDLINE und PubMed bis zum 16. November 2023 durchsucht. Eingeschlossen wurden 16 randomisierte und prospektive Beobachtungsstudien: vier zu Hodenspermien (TESA oder TESE) und zwölf zu Ejakulaten nach kurzer Karenz von 1 bis 48 Stunden. Zusammen gingen 641 Patienten ein, 120 mit Hodenspermien und 521 mit Ejakulat nach kurzer Karenz. Das mittlere Alter war in beiden Gruppen vergleichbar (38,15 ± 5,48 gegen 37,7 ± 6,0 Jahre bei 93 beziehungsweise 444 Patienten mit Altersangabe; p = 0,544). Die Fragmentierung wurde mit verschiedenen Tests gemessen (TUNEL, SCD, SCSA, Halosperm). Die Analyse lief mit RevMan; die Studienqualität wurde mit der Newcastle-Ottawa-Skala, die Gesamtevidenz nach GRADE bewertet.

Die Fragmentierung war bei Hodenspermien niedriger als nach kurzer Karenz (Mittelwertdifferenz minus 9,48; 95-%-KI minus 12,45 bis minus 6,52; p < 0,001). Die Heterogenität war hoch (I-Quadrat 85 %). Die Evidenzsicherheit nach GRADE wurde als niedrig eingestuft. Die Autoren schließen, Hodenspermien könnten bei Infertilität besser zur Senkung der Fragmentierung geeignet sein als Ejakulat, und fordern direkte Vergleiche, bevor man kurze Karenz für weniger wirksam hält.

Stärken: klare Fragestellung mit klinischem Bezug, Angabe von Konfidenzintervall und Heterogenität, GRADE-Bewertung. Schwächen: Die beiden Gruppen wurden in keiner Studie direkt miteinander verglichen. Um das Verhältnis der Gruppengrößen anzugleichen, wurde jede Hodenspermien-Studie dreifach eingerechnet und die Teilnehmerzahl durch drei geteilt; das ist methodisch ungewöhnlich und macht das Ergebnis zu einem indirekten Vergleich. Nicht alle Patienten hatten zu Beginn eine erhöhte Fragmentierung, einige Studien machten unvollständige Angaben zu Alter und weiteren Merkmalen, und die Fragmentierungstests unterscheiden sich. Einordnung: Die Arbeit sagt nichts darüber, ob Hodenspermien die Behandlungsergebnisse verbessern; sie vergleicht nur Messwerte.

Systematische Übersichten ohne Metaanalyse zur Karenz

Hanson et al. 2018: Systematische Übersicht mit 28 Publikationen [s98]. Die Übersicht wertete Arbeiten seit dem Jahr 2000 aus. Zielgrößen waren Volumen, Spermienzahl, Beweglichkeit, Morphologie, pH-Wert, DNA-Fragmentierung, Vitalität sowie Schwangerschafts- und Befruchtungsraten nach assistierter Reproduktion. Von den 28 Arbeiten zeigte eine Mehrheit, dass längere Karenz mit größerem Volumen und höherer Spermienzahl einhergeht. Zu Beweglichkeit, Morphologie und Fragmentierung seien die Studien widersprüchlich und nicht schlüssig, mit einer Tendenz zu besseren Werten bei kürzerer Karenz. Der pH-Wert blieb unbeeinflusst. Beim Anteil lebender Spermien fanden die meisten Studien keinen Unterschied, die Gesamtzahl lebender Spermien nahm jedoch mit der Karenz zu. Einige Studien zu Insemination, ICSI und Reagenzglasbefruchtung zeigten Vorteile kurzer Karenz. Die Autoren schließen, dass wegen der widersprüchlichen Evidenz keine klaren Empfehlungen zur idealen Karenz möglich seien.

Stärken: klare Zielgrößen, Einschluss klinischer Endpunkte, vorsichtige Schlussfolgerung. Schwächen: keine quantitative Zusammenfassung; das Abstract nennt weder Zahlen noch Konfidenzintervalle noch eine Bewertung des Verzerrungsrisikos; die Auswahl beschränkt sich auf Arbeiten seit 2000. Einordnung: Die Übersicht beschreibt denselben Zielkonflikt wie die späteren Metaanalysen, ohne ihn zu beziffern.

Ayad et al. 2018: Systematische Übersicht mit 30 Arbeiten [s96]. Die Autoren durchsuchten PubMed, MEDLINE und Google Scholar und schlossen 30 englischsprachige Arbeiten aus den Jahren 1979 bis 2016 ein. Alle Daten zu Karenz und Samenparametern wurden neu ausgewertet, um die Angaben anzugleichen. Nach dem Gewicht der Belege gehe der Rückgang von Volumen und Konzentration bei kürzerer Karenz mit einer deutlichen Verbesserung der Beweglichkeit einher, vor allem der progressiven Beweglichkeit und der Geschwindigkeit. Für erweiterte Parameter (reaktive Sauerstoffspezies, DNA-Fragmentierung, antioxidative Kapazität des Seminalplasmas) und für Schwangerschaftsraten reichten die Daten nicht für sichere Schlüsse. Die Autoren halten eine Verkürzung der Karenz für möglicherweise vorteilhaft für die Spermienqualität und empfehlen, die geltenden Vorgaben zu überprüfen; das ist ihre Schlussfolgerung.

Stärken: langer Betrachtungszeitraum, Neuberechnung zur Vereinheitlichung der Angaben, ausdrückliche Trennung von Basisparametern und erweiterten Parametern. Schwächen: Das Abstract nennt keine Zahlen, keine Heterogenitätsmaße und keine Bewertung der Einzelstudien; die Suche ist auf englischsprachige Arbeiten bis 2016 begrenzt. Einordnung: Die Aussage zur Beweglichkeit ist stärker formuliert als in [s98]; beide Übersichten stützen sich weitgehend auf dieselbe Literatur, sodass sich ihre Unterschiede aus der Gewichtung erklären dürften (Einschätzung dieser Studie).

Sokol et al. 2021: Systematische Übersicht zu Karenzintervall und Ergebnis der assistierten Reproduktion [s78]. Die Arbeit (Barcelona, Journal of Clinical Medicine) geht von der Standardkarenz von zwei bis sieben Tagen der fünften Auflage des WHO-Handbuchs aus. Sie wertete Studien aus, die die Karenz mit klinischen Ergebnissen der assistierten Reproduktion und mit Spermaparametern nach den Referenzwerten der jüngsten WHO-Auflage in verschiedenen Männergruppen verbinden. Nach dem Abstract fehlen belastbare Belege für die Standardkarenz; kürzere Karenz scheine mit besserer DNA-Fragmentierung, besserer Progressivbeweglichkeit oder besserer Morphologie verbunden zu sein, und es gebe Hinweise auf höhere Euploidie- und Schwangerschaftsraten. Das Abstract nennt keine Zahlen, keine Fallzahlen und keine Konfidenzintervalle.

Stärken: Bezug auf die aktuellen Referenzwerte, Einbeziehung klinischer Endpunkte. Schwächen: In den Einzelstudien unterscheiden sich Endpunkte, Patientengruppen, WHO-Auflagen und Karenzintervalle; das Abstract benennt diese Heterogenität ausdrücklich. Ohne Zahlen lässt sich die Stärke der Aussage nicht beurteilen. Einordnung: Die Arbeit ist in ihrer Aussage vorsichtiger formuliert als der Titel von [s41] („unsubstantiated myth“).

Sørensen et al. 2023: Systematische Übersicht zu Schwangerschaftsrate, Lebendgeburtenrate und Fragmentierung [s53]. Die Übersicht ist bei PROSPERO registriert (CRD42022379039) und folgt den PRISMA-Vorgaben. Durchsucht wurden PubMed, Embase und Cochrane; das Verzerrungsrisiko wurde mit dem Schema des Scottish Intercollegiate Guidelines Network bewertet. Eingeschlossen wurden 24 Studien. Nach dem Abstract bestätigen die Studien, dass kürzere Karenz mit höheren Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten nach assistierter Reproduktion verbunden ist, bei unterschiedlichen Schwellenwerten, und dass der DNA-Fragmentierungsindex nach kurzer Karenz niedriger war. Wegen der Heterogenität lasse sich kein idealer Zeitraum ableiten; alle Ergebnisse hätten sich aber mit kürzerer Karenz verbessert. Zahlen nennt das Abstract nicht.

Stärken: Registrierung, klinische Endpunkte, formale Bewertung der Verzerrung. Schwächen: keine Zahlen und keine Konfidenzintervalle im Abstract, keine Metaanalyse, uneinheitliche Grenzwerte, überwiegend Beobachtungsdaten. Die Aussage „alle Ergebnisse verbesserten sich“ steht im Abstract ohne Beleg im Einzelnen und ist durch die einzeln vorgestellten Kohorten nicht vollständig gedeckt: Mehrere fanden keinen Zusammenhang mit der Schwangerschaft [s99, s31, s57]. Einordnung: Die Übersicht ist die klinisch am weitesten gehende Zusammenfassung zugunsten kurzer Karenz; die einzelnen Studien dazu stehen unten im Abschnitt über klinische Endpunkte.

Acuña et al. 2013: Systematische Übersicht aus Chile [s127]. Die Arbeit erschien in der Revista chilena de obstetricia y ginecología unter dem Titel „Influencia de la abstinencia eyaculatoria en las características del espermiograma: Revisión sistemática“ (Einfluss der Ejakulationskarenz auf die Merkmale des Spermiogramms: systematische Übersicht). Es wurden MEDLINE und PubMed durchsucht, nur vier Arbeiten erfüllten die Kriterien. Volumen und Konzentration änderten sich mit der Karenz, Beweglichkeit und Anteil normaler Formen dagegen nicht signifikant. Die Autoren fanden keine Evidenz für die geltende Karenzvorgabe vor dem Spermiogramm. Zahlen und Konfidenzintervalle nennt der abgerufene Abstract nicht.

Stärken: früher Hinweis auf das Fehlen einer Begründung der Vorgabe; spanischsprachige Quelle. Schwächen: sehr kleine Zahl eingeschlossener Arbeiten, Suche nur in zwei Datenbanken, der Kenntnisstand ist durch spätere Arbeiten überholt. Einordnung: Sie ist eine der wenigen Arbeiten aus dem spanischsprachigen Raum im Material und bestätigt die Grundbefunde zu Volumen und Konzentration.

Narrative Übersichten, Meinungs- und Methodenbeiträge zur Karenz

Clay et al. 2026: Narrative Übersicht zur Ejakulationshäufigkeit und männlichen Fruchtbarkeit [s04]. Die Autoren suchten in PubMed und Google Scholar und ordneten die Studien thematisch in vier Bereiche: Volumen und Zahl, Beweglichkeit und Vitalität, DNA-Fragmentierung sowie Fruchtbarkeitsergebnisse (Schwangerschaft und Lebendgeburt). Eingeschlossen wurden Studien an Männern im fortpflanzungsfähigen Alter, die verschiedene Ejakulationshäufigkeiten oder Karenzintervalle verglichen. Die Übersicht fasst zusammen: Karenz von vier bis sieben Tagen und mehr erhöhe Volumen und Spermienzahl, sei aber mit geringerer Beweglichkeit und höherer Fragmentierung verbunden; eine Karenz bis zwei Tage, einschließlich täglicher Ejakulation, liefere frischere Spermien mit besserer Beweglichkeit und DNA-Integrität, besonders bei subfertilen Männern. Klinische Studien hätten gleiche oder bessere Schwangerschaftsraten bei kürzerer Karenz gezeigt, bei natürlicher Empfängnis, Insemination und IVF oder ICSI. Die Autoren leiten daraus ab, die aktuelle Evidenz stütze eine Ejakulation alle ein bis zwei Tage für Männer mit Kinderwunsch.

Stärken: Bezug auf die Ejakulationshäufigkeit statt nur auf die Karenz, strukturierte Gliederung. Schwächen: keine systematische Suche, keine quantitative Synthese, keine Bewertung der Verzerrung, Zahlen fehlen im Abstract. Die Aussage zur natürlichen Empfängnis ist im Abstract nicht belegt; in der Gesamtstudie gibt es keine Arbeit, die Ejakulationshäufigkeit, Samenqualität und natürliche Empfängnis bei denselben Paaren verknüpft. Einordnung: Die Empfehlung ist eine Schlussfolgerung der Autoren einer narrativen Übersicht. Sie wird hier berichtet, nicht bewertet und nicht übernommen.

Schlegel 2024: Meinungsbeitrag „Abstinence for sperm sample collection and ART outcome: an unsubstantiated myth“ [s41]. Der Beitrag in Current Opinion in Obstetrics and Gynecology fasst jüngere Übersichten zu kürzerer Karenz zusammen. Kurze Karenz wurde in einer Übersicht als eine Stunde bis ein Tag, in der anderen, einer systematischen Metaanalyse, als weniger als vier Stunden definiert. Der Autor schreibt, es fehle der Beleg, dass die WHO-Vorgabe die Spermienqualität optimiere, und nennt für Proben der assistierten Reproduktion als Zielwert eine Karenz von sicher weniger als einem Tag und vorzugsweise weniger als vier Stunden. Zahlen eigener Auswertungen enthält der Beitrag nicht.

Stärken: klare Positionierung, Verweis auf die Definition von „kurz“. Schwächen: Meinungsbeitrag ohne eigene Daten, ohne Suchstrategie und ohne Bewertung der zugrunde liegenden Studien. Einordnung: Die Aussage ist weiter gefasst als der Datenstand der Einzelstudien: Randomisierte Daten mit Schwangerschaft als Endpunkt gibt es nur für Karenz im Bereich von Tagen [s77, s82], nicht für Abstände im Stundenbereich.

Bragina 2014: Protokoll der spermiologischen Untersuchung [s126]. Der Beitrag in „Andrologija i genital'naja chirurgija“ trägt den Titel „Протокол проведения спермиологического исследования“ (Protokoll zur Durchführung der spermiologischen Untersuchung). Er fasst das WHO-Handbuch von 2010 zusammen und ergänzt es um „alternative Anmerkungen“ der Autorin. Zur Karenz nennt er zwei bis sieben Tage; für maximale Standardisierung seien drei bis vier Tage optimal. Gewonnen werden solle die Probe durch Masturbation in ein nicht giftiges Gefäß; ein Kondom sei nur als besonderes, nicht spermizides Kondom zulässig. Der Patient solle vor der Abgabe über die Karenz, fehlende Wärmeanwendungen, Antibiotika und größere Alkoholmengen aufgeklärt werden. Eine gelbliche Farbe des Ejakulats könne unter anderem bei langer Karenz vorkommen, ein erhöhter Anteil von Spermien mit Zytoplasmatropfen bei kurzer Karenz und häufigen Ejakulationen.

Stärken: zeigt die Praxis der russischen Labore. Schwächen: keine eigenen Daten, Meinungsanteil der Autorin. Einordnung: Die russische Praxis hebt die Spanne von drei bis vier Tagen hervor, enger als die der WHO.

Diskussionsrunde 2014: Methoden der Ejakulatgewinnung [s121]. Der Beitrag, ebenfalls in „Andrologija i genital'naja chirurgija“, gibt eine Diskussion beim XIII. Kongress der Russischen Urologengesellschaft (Moskau, 6. bis 8. November 2013) mit sechs Fachleuten und einem Moderator wieder; der Titel lautet „Методы сбора эякулята: преимущества, недостатки и влияние на показатели спермограммы“ (Methoden der Ejakulatgewinnung: Vorteile, Nachteile und Einfluss auf die Spermiogrammwerte). Die Teilnehmer äußern Meinungen, keine Daten. Eine Probe nach Masturbation in einem Raum nahe dem Labor könne eine niedrigere Qualität haben als eine in ein nicht spermizides Kondom beim Verkehr zu Hause gewonnene; die Dauer bis zur Ejakulation könne die Qualität beeinflussen. Auf die Frage, ob häufiger Verkehr mit anschließend dreitägiger Karenz ein falsch auffälliges Ergebnis erzeugen könne, antwortete ein Teilnehmer mit Nein. Ein anderer nahm bei täglicher Ejakulation eine relative Oligozoospermie an. Ein weiterer sagte, täglicher Verkehr könne die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit senken; dazu steht im Text kein Beleg.

Stärken: zeigt die Fachmeinung in Russland zu einer Zeit, als die Studienlage zur täglichen Ejakulation noch dünn war. Schwächen: reine Expertenmeinung ohne Daten, Quellenangaben nur im Fließtext. Einordnung: Die Aussage zum täglichen Verkehr wird in der internationalen Literatur des Materials nicht gestützt. Die einzige direkte Messung bei täglicher Ejakulation über 14 Tage fand einen Rückgang von Volumen, Gesamtzahl beweglicher Spermien und Konzentration mit Plateau ab Tag 3, aber keine Veränderung der DNA-Integrität; Schwangerschaften wurden dort nicht gemessen [s113].

Kamijima 2005: Übersicht zu Samenstudien am Arbeitsplatz [s148]. Die Arbeit in der Nihon Eiseigaku Zasshi (Japanese Journal of Hygiene) trägt in der Datenbank den Titel „[Considerations when conducting study of semen indices in workplaces]“ (Überlegungen bei Studien zur Samenqualität an Arbeitsplätzen). Sie schildert aus der Erfahrung des Autors, was bei Studien zur Samenqualität in japanischen Betrieben zu beachten ist: Studiendesign, Einwilligung von Arbeitgeber und Beschäftigten, Teilnahmequote, die Kontrolle von Störgrößen wie Karenz und Vorerkrankungen, die Standardisierung der Messung, die Deutung der Ergebnisse und Vorsichtsmaßnahmen bei der Mitteilung einer niedrigen Samenqualität. Eigene Zahlen enthält sie nicht. Einordnung: Sie ist methodisch relevant, weil sie die Karenz als zu kontrollierende Größe benennt.

Achermann et al. 2026: Vergleich der Leitlinien [s01]. Der Übersichtsartikel in Andrology vergleicht die männlichen Anteile der WHO-Leitlinie von 2025 mit den Empfehlungen von AUA/ASRM, EAU, ESHRE und NICE. Er hebt die zentrale Rolle der Samenanalyse hervor und benennt Lücken der Evidenzbasis. Das abgerufene Abstract enthält keine Aussage zu Karenz, Gleitmitteln oder Zeitpunkt des Verkehrs; die Leitlinien selbst werden in einem anderen Kapitel behandelt.

Systematische Übersichten und Praxisleitfaden zu Gleitmitteln

Gumerova et al. 2024: Systematische Übersicht „Do sperm and lubricants gel well with each other?“ [s33]. Die Arbeit aus Schottland (Erstautor-Affiliation) durchsuchte PubMed und Scopus ohne zeitliche Beschränkung nach Arbeiten, die die Wirkung von Vaginalgleitmitteln auf menschliche Spermien untersuchten. Die Qualität der Studien wurde mit der Prüfliste von Björndahl und Mitarbeitern (2016) für die Samenanalyse bewertet. Es gingen 24 Artikel zu 35 rezeptfreien Gleitmitteln ein, davon 2 In-vivo-Studien und 22 In-vitro-Studien. Am häufigsten untersucht waren KY Jelly, Pre-Seed und Astroglide, meist mit der Beweglichkeit als Zielgröße. Wegen spärlicher Daten zu den meisten Produkten, methodischer Unterschiede und fehlender oder geringer Angaben zu Schwangerschaften sei eine evidenzbasierte Leitlinie noch nicht möglich. Zahlen zu einzelnen Produkten nennt das Abstract nicht.

Stärken: breiter Zeitraum, Prüfliste zur Qualität, ausdrückliche Benennung der Lücken. Schwächen: Es gibt kaum In-vivo-Daten, es fehlen Schwangerschaftsendpunkte, und die Studien sind methodisch nicht vergleichbar. Einordnung: Die Übersicht ist die Grundlage der Aussage, dass die Datenlage zu Gleitmitteln für eine Leitlinie nicht ausreicht.

Molin et al. 2024: Systematische Übersicht „Lubricant use and sperm quality“ [s39]. Die Arbeit aus Brasilien (Florianópolis) wertet 20 Studien zu synthetischen und zu natürlichen Gleitmitteln aus. Synthetische Gleitmittel (KY Jelly, Replens, Astroglide), die überwiegend Methylparaben und Glycerin enthalten, seien mit Nachteilen für Beweglichkeit und Chromatinintegrität verbunden. Osmolalität und pH-Wert seien zentral für das Verständnis; viele Handelsprodukte überschritten die Empfehlung der WHO von 380 mOsm/kg. Natürliche Mittel zeigten gemischte Ergebnisse: Olivenöl wirke ungünstig, Eiklar sei nicht toxisch und möglicherweise günstig; Pre-Seed zeige im Allgemeinen nur geringe Nachteile. Zahlen, Suchstrategie und Qualitätsbewertung nennt das Abstract nicht.

Stärken: Einbeziehung natürlicher Mittel, Benennung der physikalisch-chemischen Eigenschaften als Erklärungsansatz. Schwächen: keine Angaben zu Suche, Bewertung der Verzerrung und Zahlen im Abstract; der Hinweis „im Allgemeinen“ zu Pre-Seed verdeckt, dass die Einzelstudien in Konzentration und Methode weit auseinanderliegen. Einordnung: Die Übersicht stimmt in der Kernaussage mit [s33] überein, ist aber im Urteil über einzelne Produkte entschiedener.

Vanderschee und Kostov 2025: Praxisleitfaden „Approach to lubricant use for sexual activity“ [s25]. Der Beitrag bietet einen Leitfaden für den Gebrauch von Gleitmitteln bei sexueller Aktivität; die Suche reichte von 2003 bis 2024. Er betont den Nutzen bei Trockenheit, Schmerzen beim Verkehr und bei Kondomgebrauch. Die Verträglichkeit für Spermien ist nicht sein Schwerpunkt, Fruchtbarkeitsdaten gibt er nicht wieder. Einordnung: Für die Fragestellung dieser Studie ist er nur als Beleg für den Stand der allgemeinen Praxisliteratur von Belang.

Übersichten zum Zeitpunkt des Verkehrs

Gibbons et al. 2023: Cochrane-Übersicht „Timed intercourse for couples trying to conceive“ (Aktualisierung) [s46]. Die Aktualisierung umfasst sieben randomisierte Studien mit 2.464 Frauen oder Paaren. Die Evidenzsicherheit reicht von moderat bis sehr niedrig. Urinäre Ovulationstests erhöhten gegenüber Verkehr ohne Vorhersage wahrscheinlich die Lebendgeburtenrate (Risk Ratio 1,36; 95-%-KI 1,02 bis 1,81; eine Studie, n = 844; moderate Sicherheit) und die klinische oder durch Urintest bestätigte Schwangerschaft (1,28; 1,09 bis 1,50; vier Studien, n = 2.202; moderat). Die klinische Schwangerschaft allein (1,09; 0,51 bis 2,31; n = 148; niedrig) und der Stress (Mittelwertdifferenz 1,98; minus 0,87 bis 4,83; n = 77; sehr niedrig) blieben unklar. Bei den Methoden der Fruchtbarkeitswahrnehmung lag die Lebendgeburtenrate bei 0,95 (0,76 bis 1,20; zwei Studien, n = 157; niedrig), die Zeit bis zur Schwangerschaft bei einem Hazard Ratio von 0,86 (0,53 bis 1,38; n = 140). Zur Ultraschallmethode fand sich keine Studie. Die Ergebnisse gelten für Frauen unter 40 Jahren mit weniger als zwölf Monaten Kinderwunsch.

Stärken: Cochrane-Methodik mit GRADE, Konfidenzintervalle für alle Endpunkte. Schwächen: wenige Studien je Vergleich, breite Konfidenzintervalle bei mehreren Endpunkten, begrenzte Gültigkeit auf die genannte Altersgruppe. Einordnung: Die Übersicht betrifft die Vorhersage des Eisprungs, nicht die Samenqualität.

Manders et al. 2015: Cochrane-Übersicht, Erstfassung [s117]. Die Erstfassung schloss fünf randomisierte Studien ein; vier davon (n = 1.387) gingen in die Metaanalyse. Die Schwangerschaftsrate (klinisch oder selbstberichtet) lag bei einem Risk Ratio von 1,35 (1,06 bis 1,71). Die Lebendgeburtenrate (0,75; 0,16 bis 3,41; n = 17) und die klinische Schwangerschaft (1,10; 0,57 bis 2,12) waren unklar. Die Evidenzsicherheit war niedrig bis sehr niedrig; eine große Studie (n = 1.453) lieferte keine Gruppendaten. Einordnung: Die Aktualisierung [s46] ersetzt die Erstfassung, übernimmt aber Teile derselben Studienbasis; beide dürfen nicht als zwei unabhängige Bestätigungen gezählt werden.

Stanford et al. 2002: Übersicht „Timing intercourse to achieve pregnancy: current evidence“ [s155]. Die Arbeit richtet sich an Ärzte, die vor einer Schwangerschaft beraten. Nach der damals verfügbaren Evidenz seien Methoden, die das Zeitfenster der Fruchtbarkeit vorausschauend erkennen, für den Zeitpunkt des Verkehrs wirksamer als Kalenderrechnung oder Basaltemperatur. Als aussichtsreich nennt sie das Führen von Aufzeichnungen über den Zervikalsekret-Befund und einen handelsüblichen Fruchtbarkeitsmonitor, die den Eisprung klinisch anzeigen und ein längeres Fenster erkennen lassen als die Urin-LH-Tests. Das vollständige Fenster zu erkennen könne zu höheren Empfängnisraten führen. Schwächen: Eine Übersicht aus dem Jahr 2002 ohne quantitative Synthese und ohne Zahlen im Abstract; ihr Stand ist durch die Cochrane-Fassungen überholt.

Übersicht zu Ejakulationshäufigkeit und Prostatakrebs (Randthema)

Kokori et al. 2024: Narrative Übersicht [s36]. Die Übersicht bespricht elf Studien mit unterschiedlichen Methoden zur Frage, ob die Ejakulationshäufigkeit mit dem Prostatakrebsrisiko zusammenhängt. Einige Studien zeigten eine inverse Beziehung, was auf einen möglichen Schutz hindeute, andere widersprüchliche Ergebnisse. Alter, Gesundheit der Harnwege und Lebensstil müssten berücksichtigt werden. Die Autoren verweisen auf Fortschritte wie Modelle des maschinellen Lernens und genetische Marker und fordern mehr Forschung zu Konsistenz, Mechanismen und Lebensverlauf. Zahlen nennt das Abstract nicht. Einordnung: Die Arbeit betrifft die Samenqualität nicht; die zugrunde liegenden Kohorten stehen im Beobachtungsteil [s153, s111, s51].

Gesamteinordnung der zusammenfassenden Arbeiten

Die Übersichten bilden ein einheitliches Bild mit einer wichtigen Einschränkung. Einheitlich ist die Richtung: Längere Karenz geht mit größerem Volumen, höherer Konzentration und höherer Gesamtzahl einher [s32, s38, s22, s98, s127]. Beweglichkeit und DNA-Fragmentierung sind nach kurzer Karenz in den Metaanalysen besser [s32, s38, s22], in den systematischen Übersichten ohne Zahlen mit Tendenz zugunsten kurzer Karenz [s98, s96, s78]. Die Einschränkung betrifft Größe und Verlässlichkeit der Effekte: Der Fragmentierungsindex lag bei gesunden Männern in [s32] nur um 2,37 Prozentpunkte niedriger, mit einem Konfidenzintervall bis nahe null; bei unerklärter Infertilität lag die Differenz bei 5,63 Prozentpunkten. Kein Abstract der Übersichten quantifiziert die Heterogenität außer [s37]. Der Vergleich kurzer Karenz mit Hodenspermien [s37] stützt sich auf Zahlen, die nach eigenen Angaben der Autoren aus einem indirekten Vergleich mit dreifacher Einrechnung entstanden sind.

Klinische Endpunkte sind weniger gut belegt. Die systematische Übersicht [s53] meldet bessere Raten bei kürzerer Karenz, die Metaanalyse [s32] fand nur für die klinische Schwangerschaftsrate nach Insemination um den dritten Tag einen Rückgang, und die Übersicht [s98] sah nur einige Studien mit Vorteilen. Zur Ejakulationshäufigkeit selbst, zu Gleitmitteln und zum Zeitpunkt des Verkehrs gibt es keine Metaanalyse; die Gleitmittelübersichten [s33, s39] halten die Datenlage für eine Leitlinie für unzureichend. Die Cochrane-Fassungen [s117, s46] betreffen die Vorhersage des Eisprungs und sprechen für einen Nutzen der Ovulationstests bei der Lebendgeburt mit moderater Sicherheit, ohne Aussage zur Samenqualität.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Überblick und Gliederung und Große Auswertungen von Samenbefunden nach Karenz (Europa, Amerika, Afrika, Indien, Vietnam)
  6. Karenz und Samenqualität in China, Japan und Hongkong und Ejakulationshäufigkeit, tägliche Ejakulation und wiederholte Ejakulate
  7. Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden): Vorher-nachher-Studien ohne Kontrollgruppe bis Erregung, Tageszeit und Dauer der Probengewinnung
  8. Häufigkeit und Zeitpunkt des Verkehrs, Sexualfunktion bis Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  9. Gesamtbild der Evidenz in Kürze bis Ejakulationshäufigkeit, tägliche und wiederholte Ejakulation beim Menschen
  10. Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden) bis Sprachräume und Zugang
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Spanisch
  14. Chinesisch bis Türkisch
  15. Ein Querschnittsproblem vorweg: Vorzeichen, Grenzen und Begriffe bis Widerspruch 10: Tierstudien, gegensätzliche Richtungen
  16. Übersicht der Widersprüche
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis
  22. Diagramme
  23. Quellen
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle