Ejakulationshäufigkeit, Gleitmittel und Sexualverhalten · Kapitel 12 von 21

Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

Dosis-Wirkung der Karenz

Tabelle 1: Zusammenfassende Arbeiten (Effektschätzer)

ArbeitVergleichRichtung der DifferenzVolumenKonzentrationGesamtzahlBeweglichkeitDNA-Fragmentierung
Du 2024, gesunde Männer [s32]kurz gegen langkurz minus lang-0,95 ml (-1,16 bis -0,74)-11,88 Mio./ml (-18,96 bis -4,80)-102,45 Mio. (-117,98 bis -86,91)nicht angegeben-2,37 Punkte (-4,73 bis -0,01)
Du 2024, unerklärte Infertilität [s32]kurz gegen langkurz minus langnicht einzeln genannt (alle infertilen Untergruppen -0,73 bis -1,17 ml)-5,39 Mio./ml (-9,97 bis -0,81)-61,93 Mio. (-88,84 bis -35,01)Vitalität +6,14 Punkte (3,61 bis 8,68)-5,63 Punkte (-10,19 bis -1,06)
Raditya 2025 [s22]unter 2 Tage gegen längerkurz minus lang-0,83 (p < 0,01)-8,39 (p < 0,01)nicht angegebengesamt +2,30 (p < 0,05); progressiv +2,18 (p < 0,01)-3,82 (p < 0,01)
Lo Giudice 2024 [s38]Grenze 2 Tagelang minus kurz+0,96 (p < 0,01)+8,19 (p < 0,01); +3,74 je Tagnicht angegebenprogressiv -1,83 (p < 0,01)+3,46 (p < 0,01); +0,65 je Tag (p = 0,044)
Kugelman 2024 [s37]Hodenspermien gegen kurze Karenz 1 bis 48 StundenHodenspermien minus Ejakulatnicht angegebennicht angegebennicht angegebennicht angegeben-9,48 (-12,45 bis -6,52); I-Quadrat 85 %
Barbagallo 2022 [s58]Zweites Ejakulat bis 4 Stundenzweites minus erstes (qualitativ)sinktbei kombinierter Störung steigendnicht angegebenbei kombinierter Störung steigend (gesamt und progressiv)bei kombinierter Störung sinkend; keine Effektgrößen im Abstract

Die Zahlen von [s32] und [s22] sind nicht direkt mit [s38] zu vergleichen, weil Vorzeichen und Einheiten der Differenzen sich unterscheiden und die Konfidenzintervalle in [s22] und [s38] im Abstract fehlen. Alle drei kommen zum selben qualitativen Muster: Mit kürzerer Karenz fallen Volumen und Konzentration, Beweglichkeit und Fragmentierung sind besser.

Tabelle 2: Verlauf über die Karenztage in großen Einzelstudien (Mittelwerte beziehungsweise Mediane; keine Konfidenzintervalle)

StudieGruppe (Karenz)Volumen (ml)Konzentration (Mio./ml)Progressive Motilität (%)DNA-Fragmentierungsindex (%)
Fuzhou, Mittelwerte [s59]2 Tage (n = 157)2,648,637,712,9
3 Tage (n = 810)3,0nicht einzeln genanntnicht einzeln genannt13,3
4 Tage (n = 836)3,3nicht einzeln genannt39,513,6
5 Tage (n = 689)3,4nicht einzeln genanntnicht einzeln genannt14,7
6 Tage (n = 256)3,5nicht einzeln genanntnicht einzeln genannt15,1
7 Tage (n = 204)3,846,734,716,1
Nanyang, Mediane [s27]0 bis 1 Tag (n = 141)2,337,438,411,5
2 bis 7 Tage (n = 2.639)3,160,337,613,1
über 7 Tage (n = 272)3,992,233,016,8
Guangzhou, Mediane [s14]0 bis 2 Tage (n = 85)2,753,339,511,8
3 bis 5 Tage (n = 673)3,454,630,015,8
6 bis 7 Tage (n = 159)3,586,131,318,1
über 7 Tage (n = 25)4,1118,222,026,7

Die Verläufe von Volumen und Fragmentierungsindex sind in allen drei Zentren gleichsinnig. Bei der progressiven Motilität und der Konzentration gibt es Abweichungen: In Fuzhou liegt die Konzentration an Tag 7 (46,7) unter der an Tag 2 (48,6), also kein monotoner Verlauf, und die progressive Motilität war an Tag 4 am höchsten [s59]; in Guangzhou lag sie bei 0 bis 2 Tagen am höchsten und bei 6 bis 7 Tagen leicht über der Gruppe 3 bis 5 Tage [s14]. Die Zentren sind nicht miteinander vergleichbar (Grenzwerte, Zielpopulation: Kryokonservierung in [s14], Fruchtbarkeitsabklärung in [s27], enge Karenz 2 bis 7 Tage in [s59]). Der Fuzhou-Datensatz enthält keine Gruppe unter 2 oder über 7 Tagen.

Tabelle 3: Weitere Dosisabstufungen

StudieAbstufungBefund
Russo 2025, Normozoospermie [s23]Tag 1 gegen Tag 7Gesamtzahl 92,4 gegen 191,1 Mio.; Konzentration 44,5 gegen 72,0 Mio./ml; Beweglichkeit (A+B) 50,0 gegen 48,0 % (p = 0,43)
Russo 2025, auffälliger Befund [s23]Tag 1 gegen Tag 7Gesamtzahl 16,38 gegen 56,0 Mio.; Konzentration 8,0 gegen 18,0 Mio./ml; Beweglichkeit (A+B) 28,0 gegen 21,0 % (p < 0,01)
Elzanaty 2005 [s146]2 bis 3, 4 bis 5, 6 bis 7 TageProgressive Beweglichkeit (Median) 47, 55, 42 %; Flagellumdefekte 10, 10, 14 %
Jiang 2024, vorletzte Karenz [s35]1 bis 3, 4 bis 5, 6 bis 9, über 9 TageFragmentierungsindex, Koeffizient gegen Q1: 1,47 (0,22 bis 2,73), 2,00 (0,72 bis 3,28), 5,38 (4,07 bis 6,69); Odds Ratio Index über 15 %: 1,50, 1,51, 2,42
Yao 2025 [s27], Odds Ratios gegen 2 bis 7 Tage0 bis 1 TagVolumen unter 1,5 ml 3,1 (2,0 bis 4,7); Konzentration unter 15 Mio./ml 1,7 (1,1 bis 2,6); Gesamtzahl beweglicher Spermien unter 9 Mio. 2,0 (1,3 bis 3,1)
über 7 TageKonzentration unter 15 Mio./ml 0,5 (0,3 bis 0,8); progressive Motilität unter 32 % 1,5 (1,2 bis 1,9); Index über 30 % 2,8 (1,7 bis 4,6)
Liu-Qing 2026 [s08]2 bis 7 Tage, quadratisches ModellNormalform: Wendepunkt 4,62 Tage, Tiefpunkt 3,01 % am Tag 5 (quadratischer Term p = 0,002)
Du 2024, Dosis-Wirkung [s32]OligozoospermieGesamtzahl nichtlinear, Knickpunkt um den 4. bis 5. Tag
Du 2024, Dosis-Wirkung [s32]Asthenozoospermieprogressive Beweglichkeit, Koeffizient -2,39 (-4,28 bis -0,50)
Du 2024, Dosis-Wirkung [s32]Inseminationklinische Schwangerschaft, Rückgang um den 3. Tag, Koeffizient 0,85 (0,75 bis 0,97)
Meitei 2022 [s63]vier Intervalle, 0 bis 15 TageVolumen, Gesamtzahl, Konzentration steigen; Beweglichkeit und Vitalität sinken; bei abnormem Befund steigt die Fragmentierung (p < 0,01)
Levitas 2005, Normozoospermie [s149]bis Tag 11 bis 14Beweglichkeit 33,1 %, Normalform 7,0 %
Levitas 2006 [s145]Tag 1/2 gegen Tag 5Akrosomenindex 10,2 auf 8,5 % (normozoosperm), 8,7 auf 6,8 % (oligozoosperm)
Nguyen 2025 [s20]Karenz als stetige GrößePositive Korrelation mit Volumen, Konzentration und Zahl beweglicher Spermien, kein klarer Gipfel

Zusammenfassend ist die Beziehung für Volumen, Gesamtzahl und Konzentration eindeutig steigend. Für Beweglichkeit und Fragmentierung ergibt sich keine einheitliche Schwelle: Als günstigster Bereich erscheinen 0 bis 2 Tage bei Männern ab 40 Jahren und 3 bis 5 Tage bei jüngeren [s14], 4 Tage für die progressive Motilität in Fuzhou [s59], 4 bis 5 Tage in Schweden [s146], ein Wendepunkt der Normalform bei 4,62 Tagen [s08] und ein Knickpunkt der Gesamtzahl um Tag 4 bis 5 bei Oligozoospermie [s32]. Bei Quantilsvergleichen ist zu beachten, dass die Gruppen häufig ungleich groß sind (zum Beispiel 25 Männer bei über 7 Tagen in [s14]).

Dosis-Wirkung der Ejakulationshäufigkeit und sehr kurzer Abstände

Tabelle 4: Häufigkeit je Woche (Changchun, Querschnitt, 1.349 Männer [s26])

GruppenFragmentierungsindex (%)Volumen (ml)Konzentration (Mio./ml)Gesamtzahl (Mio.)Odds Ratio Index über 30 % (adjustiert)
unter 1 je Woche44418,13,970,2262,6Referenz
1 bis unter 2 je Woche70014,33,766,4230,50,24 (0,15 bis 0,38)
mindestens 2 je Woche20512,33,555,6185,30,21 (0,10 bis 0,48)

Die Häufigkeit ist die einzige Verhaltensgröße, für die eine Dosisabstufung vorliegt, und sie stammt aus genau einer Studie [s26]. Das Gefälle zeigt eine Abstufung (weniger Fragmentierung bei höherer Häufigkeit, gleichzeitig weniger Volumen, Konzentration und Gesamtzahl), aber kein Schwellenwert ist belegt, und die Umkehr der Ursache ist nicht auszuschließen. Eine zweite Studie zur Häufigkeit mit Samenparametern fehlt; die türkische Arbeit [s84] vergleicht Männer mit und ohne Spermiennachweis (4,0 gegen 1,9 Masturbationen je Monat), nicht Männer mit abgestufter Häufigkeit.

Tabelle 5: Wiederholte Ejakulation beim Menschen

StudieAbstand und DauernVolumen, Zahl, KonzentrationBeweglichkeit, MorphologieDNA-Integrität
Welliver 2016 [s113]täglich über 14 Tage20sinken, Plateau nach Tag 3unverändertunverändert
Mayorga-Torres 2015 [s118]täglich über 2 Wochennicht genanntGesamtzahl und Volumen fallen und bleiben niedrig; Konzentration unverändertunverändertunverändert
Valsa 2013 [s132]täglich über 10 Tage21nicht angegeben„verbessert“ ohne Zahlennicht angegeben
Oldereid 1984 [s173]alle 8 Stunden über 2 Tage7Konzentration und Gesamtzahl sinken, steigen nach 3 Tagen wiedernicht angegebenuneinheitlich
Frank 1986 [s171]zwei Proben im Abstand von 1, 2, 3 Tagen64 + 19Volumen 2,3 auf 1,6 (1 Tag), 2,6 auf 2,0 (2 Tage), 2,1 auf 1,9 ml (3 Tage); Konzentration sinkt entsprechendnicht vollständig wiedergegebennicht angegeben
Cooper 1993 [s165]drei Ejakulate an einem Tag, dann 1 bis 14 Tage4, später 7 + 6Zahl lebender Spermien steigt bis 10 TageAnteil unverändertnicht angegeben
Kim 2022 [s60]an drei aufeinanderfolgenden Tagen81 KrebspatientenVolumen an Tag 2 und 3 niedriger als an Tag 1nicht angegebenICC 0,68 (0,45 bis 0,84)

Tabelle 6: Zweite Probe nach Stunden

StudieAbstandnVolumenBeweglichkeitDNA-FragmentierungKlinisches
Karavani 2023 [s47]3 bis 4 Stunden522,3 auf 1,5 mlunverändert38,9 auf 35,1 % (Mittel)keines
Dahan 2021 [s74]3 Stunden1123,1 auf 1,9 mltendenziell höher34,6 auf 23,7 % (Mittel)keines
Gill 2026 [s07]1 Stunde953,50 auf 1,50 ml (Median)nicht angegeben19,00 auf 16,50 % (Median)keines
Poopaibool 2023 [s52]bis 4 Stunden34Differenz 1,2 mlunverändertunverändertkeines
Hosseini 2025 [s17]1 bis 2 Stunden502,69 auf 1,40progressiv 13,32 auf 20,5226,96 auf 19,5keines
Scarselli 2019 [s92]1 Stunde22 Zyklenniedrigerähnlichnicht angegebenEuploidie 27,5 auf 43,6 % (106 Blastozysten)
Li 2023 [s49]kurzer Abstand67 Zyklennicht angegebenbesserbesserLebendgeburt 31,58 auf 40,91 % (nicht signifikant)
Halim 2024 [s34]innerhalb 1 Stundenicht genanntnicht angegeben22,52 auf 31,53 %nicht angegebenBefruchtung 55,45 auf 61,41 % (p = 0,081)
Bahadur 2026 [s02]aufeinanderfolgendes Ejakulat bei Insemination263 Frauennicht angegebennicht angegebennicht angegebenLebendgeburt je Zyklus 13,1 gegen 11,3 % (p = 0,52)

Der gemeinsame Befund ist ein Zielkonflikt, der sich nicht in eine Zahl auflösen lässt: Die Gesamtzahl sinkt in allen Studien, die sie berichten, die DNA-Fragmentierung sinkt in vier Studien der Tabelle (einarmig) und blieb in einer unverändert [s52]. In allen Studien der Gruppe folgt die zweite Probe der ersten; ein Reihenfolgeeffekt ist nicht auszuschließen.

Klinische Endpunkte nach Karenz

Tabelle 7: Schwangerschaft und Lebendgeburt nach Karenz (Behandlungszyklen)

StudieVerfahren, DesignVergleichErgebnis
Degirmenci 2020 [s82]Insemination, randomisiert, 900 bis 2, 3 bis 4, über 4 TageSchwangerschaft 26,7, 16,7, 6,7 % (p = 0,039)
Kabukçu 2021 [s77]Insemination, randomisiert, 120 Paare1 gegen 3 Tage17,3 gegen 18,5 % (p = 0,803)
Jurema 2005 [s147]Insemination, retrospektiv, 929 Zyklenhöchstens 3 Tage gegen mindestens 10 Tage14 gegen 3 % je Zyklus (gesamt 12 %)
Marshburn 2010 [s141]Insemination, retrospektivhöchstens 2 Tagehöchste Rate (Zahlen nicht abgerufen)
Kably-Ambe 2015 [s116]Insemination, retrospektiv, 3.123 Paareunter 7 Tagehöhere Erfolgsrate (Zahlen nicht abgerufen)
Periyasamy 2017 [s106]ART, retrospektiv, 1.030 Zyklen2 bis 7 gegen über 7 TageLebendgeburt 34,1 gegen 24,1 % (Odds Ratio 1,6; 1,1 bis 2,4)
Borges 2019 [s88]ICSI, prospektiv, 818höchstens 4 Tagehöhere Schwangerschaft, Einnistung, Befruchtung (Trennwert aus denselben Daten)
Gupta 2021 [s75]ICSI, 1.691 Zyklen1 Tag gegen längereklinische Schwangerschaft 30,0 gegen 25,4 %
Tighe 2026 [s13]IVF, retrospektiv, 3.873 Zyklenje längere KarenzSchwangerschaft Odds Ratio 0,786 (0,685 bis 0,903); Lebendgeburt 0,886 (0,769 bis 1,020; p = 0,0921)
Lee 2018 [s99]ICSI, retrospektiv, 4492 bis 7 gegen mindestens 8 Tagekeine Unterschiede
Cermisoni 2024 [s31]ICSI, retrospektiv, 6.919je Karenztagzweikernige Zygoten Odds Ratio 0,97 (0,94 bis 0,99); dreikernige 1,14 (1,07 bis 1,22); Schwangerschaft ohne Zusammenhang
Azizi 2022 [s57]ICSI, retrospektiv, 1.0031 bis 6 bis 10 Tagekein Einfluss auf Schwangerschaft
Du 2024 [s32]MetaanalyseInseminationRückgang der klinischen Schwangerschaft um den 3. Tag (Koeffizient 0,85)
Sørensen 2023 [s53]systematische Übersicht, 24 Studienkürzere Karenzhöhere Schwangerschafts- und Lebendgeburtenrate (keine Zahlen im Abstract)

Die Verfahren sind nicht gleichwertig: Bei ICSI wird ein einzelnes ausgewähltes Spermium injiziert, bei Insemination werden aufbereitete Spermien eingebracht. Die Studien betreffen deshalb Behandlungszyklen und nicht die natürliche Empfängnis. Die Nachteile betreffen in [s106] und [s82] vor allem lange Karenz (über 4 bis 7 Tage); in [s75] und [s88] schnitt dagegen auch die Gruppe mit 1 Tag besser ab als längere Gruppen, während [s77] zwischen 1 und 3 Tagen keinen Unterschied fand.

Subgruppen

Tabelle 8: Richtung des Karenzeffekts nach Subgruppe

SubgruppeBefundBelege
NormozoospermieZahl, Konzentration, Volumen steigen mit der Karenz; Beweglichkeit teils unverändert (Tag 1 gegen 7: 50,0 gegen 48,0 %), teils niedriger bei Verlängerung[s104, s23, s44, s42, s149, s56]
OligozoospermieAußer dem Volumen verbessert sich kein Parameter mit längerer Karenz; die Beweglichkeit fällt rasch; Knickpunkt der Gesamtzahl um Tag 4 bis 5[s104, s42, s44, s56, s32, s149]
AsthenozoospermieProgressive Beweglichkeit sinkt mit der Karenz (Koeffizient -2,39); Beweglichkeit fiel von 11,8 auf 6,1 %[s32, s23]
TeratozoospermieNormalform von 2,13 auf 1,26 % von Tag 1 bis 7; Akrosomenindex sinkt von Tag 2 auf 5[s23, s145]
OligoasthenoteratozoospermieZweite Probe: bessere Beweglichkeit, Morphologie, Vitalität, weniger Fragmentierung, aber weniger Volumen und Zahl; Metaanalyse mit Zuwachs bei kombinierter Störung[s17, s58, s49, s92, s34, s165]
Unerklärte InfertilitätGrößerer Fragmentierungsunterschied kurz minus lang (-5,63 gegen -2,37)[s32]
Hohe AusgangsfragmentierungZweite Probe senkt den Index stärker, bei niedrigem Ausgangswert nicht; Regression zur Mitte möglich[s47, s74, s80, s130]
Alter des MannesBei Männern ab 40 Jahren beste Qualität nach 0 bis 2 Tagen; Wechselwirkung in [s08] nicht signifikant; Volumen und Beweglichkeit fallen, Fragmentierung steigt mit dem Alter[s14, s08, s59, s74]
Alter der PartnerinICSI getrennt unter und ab 38 Jahren: keine Unterschiede; Insemination bei Frauen über 35 Jahren: zweites Ejakulat ohne Vorteil[s99, s02]
RauchenVerbesserung durch verlängerte Erregung nur bei Nichtrauchern; kein Karenzeffekt bei Rauchern und Nichtrauchern bei Normozoospermie; Malondialdehyd nach langer Karenz bei Nichtrauchern höher[s15, s66]
Fertile Männer ohne AbklärungBeweglichkeit ab 5 Tagen reduziert; 5 bis 7 Tage mit höherer Zahl[s150, s131]
KrebspatientenFragmentierung über wiederholte Ejakulate stabil (Intraklassenkorrelation 0,68)[s60]

Die Subgruppenbefunde sind, mit Ausnahme der Befundtypen (Normozoospermie gegen Oligozoospermie), überwiegend aus einzelnen Studien. Subgruppenanalysen sind explorativ; die Studien führen meist keinen formalen Wechselwirkungstest durch, und wo einer berichtet wird, war er nicht signifikant [s08].

Gleitmittel: Dosis und Zeit

Die Hemmung ist in vitro von Konzentration und Zeit abhängig, aber nicht in allen Studien in gleicher Weise. Frishman et al. fanden bei Astroglide und KY Jelly eine konzentrations-, nicht zeitabhängige Hemmung [s166]; bei Aquagel genügten 5 % Konzentration und 10 Minuten (49 % der Kontrolle) [s90]; bei KY Jelly trat Toxizität bei 10 % ab 1 Stunde auf [s79]; Sandhu et al. sahen bei Pre-Seed einen geringen, aber signifikanten Rückgang (rund 4 %) nach 30 Minuten [s125].

Tabelle 9: Gleitmittel in vitro (Auswahl, Abstracts)

StudieProdukteBefund
Kutteh 1996 [s162]KY Jelly, Astroglide, Replens, Touch; Raps- und weiteres PflanzenölHandelsgleitmittel hemmten die Beweglichkeit nach 60 Minuten um 60 bis 100 %; Rapsöl ohne Schädigung
Agarwal 2008 [s143]Pre-Seed, FemGlide, Replens, Astroglide, KY JellyPre-Seed ohne Unterschied zur Kontrolle; FemGlide, Replens, Astroglide mit deutlich geringerer Beweglichkeit nach 30 Minuten
Vargas 2011 [s139]Felis, Replens, Aquasonic Gel; Pre-Seeddrei „nicht spermizide“ Gele spermientoxisch, Pre-Seed nicht
Sandhu 2014 [s125]22 Spender, 10 %Pre-Seed rund 4 % Rückgang; Astroglide, KY-Produkte, Sesamöl deutlich; Senföl Hyperaktivierung
Mowat 2014 [s123]neun Gleitmittel, 10 ProbenVitalität 92 % (Pre-Seed) gegen 28 % (Forelife); progressiv beweglich 86 % (Pre-Seed) gegen 31 % (Sylk)
Markram 2022 [s62]Optilube, Pre-Seed, Yes Baby, Olivenöl, EiklarAußer Eiklar verminderten alle die Vorwärtsbeweglichkeit (p < 0,001) bis 24 Stunden
Tomlinson 2023 [s54]Gele, 12 Spender, 10 %Progressivbeweglichkeit nach 60 Minuten: Kontrolle 47 %, Durex 11 und 15 %, FertilSafe Plus 24 %
Pradit 2025 [s21]20 Spender, VaginalflüssigkeitssimulatPre-Seed wie Kontrolle; KY Jelly, Vaseline, Babyöl zeitweise gesenkt; Durex deutlich
Soriano 2021 [s79]fünf Gleitmittel, zwei Ultraschallgelenur Durex ohne Schaden; Vaginesil bei allen Konzentrationen toxisch (Index unter 0,12)
Wilson 2017 [s107]ölbasiert, silikonbasiert, „Fruchtbarkeitsgel“, wasserbasiertwasserbasiertes immobilisierte alle Spermien binnen 5 Minuten, 95,23 % getötet nach 60 Minuten
Rafaee 2022 [s64]BabyDance (parabenfrei)keine Änderung von pH, Vitalität, Beweglichkeit in vitro (20) und bei 25 Anwendern
Abadie 2014 [s120]20 Probenkeine Unterschiede

Die Produkte widersprechen einander zwischen Studien (Durex in [s79] unauffällig, in [s21] und [s54] am schlechtesten), und Pre-Seed ist in den meisten, aber nicht allen Studien mit geringer Beeinträchtigung verbunden [s143, s139, s125, s123, s21, s62]. Eine Dosis-Wirkungs-Kurve, die In-vitro-Anteile in Beziehung zum Gebrauch beim Verkehr setzt, gibt es nicht. Die beiden Kohortenstudien mit Empfängnis liefern folgende Fecundability Ratios (Referenz: kein Gleitmittel): wasserbasiert nicht pH-abgestimmt 1,02 (0,93 bis 1,11), wasserbasiert pH-abgestimmt 1,01 (0,86 bis 1,18), ölbasiert 1,23 (0,94 bis 1,61), silikonbasiert 1,27 (0,93 bis 1,73) [s101]; Gebrauch im fruchtbaren Fenster 1,05 (0,59 bis 1,85) [s135]. Alle Intervalle schließen 1 ein; das sagt nicht, dass kein Effekt besteht, sondern dass er mit diesen Daten nicht nachweisbar war.

Häufigkeit und Zeitpunkt des Verkehrs

Tabelle 10: Empfängnis nach Zeitpunkt und Häufigkeit

StudieGrößeBefund
Wilcox 1995 [s163]Zeitpunkt relativ zum EisprungEmpfängnis nur im sechstägigen Fenster; Wahrscheinlichkeit 0,10 (fünf Tage vor) bis 0,33 (Eisprungtag)
Dunson 1999 [s157], 2002 [s154]Zeitpunktgleiches Fenster, höchste Wahrscheinlichkeit am Tag vor dem Eisprung; Rückgang mit dem Alter der Frau
Dreiås 2026 [s06]Verkehrshäufigkeit je Wochemittlere Zeit bis zur Schwangerschaft 4,8 Monate (unter 1 je Woche) gegen 3,7 Monate (über 4 je Woche); Fecundability Ratio 1,16 (1,14 bis 1,19) für über 4 gegen 1 bis 2 je Woche
Konishi 2020 [s85]KoitusfrequenzOdds Ratio 1,23 (1,02 bis 1,47) für Empfängnis bis 24 Wochen
Gibbons 2023 [s46]Urinäre OvulationstestsLebendgeburt Risk Ratio 1,36 (1,02 bis 1,81; n = 844; moderat)
Gibbons 2023 [s46]FruchtbarkeitswahrnehmungLebendgeburt 0,95 (0,76 bis 1,20; n = 157; niedrig)
Manders 2015 [s117]OvulationsvorhersageSchwangerschaft Risk Ratio 1,35 (1,06 bis 1,71)

Zwischen weniger als einmal, 1 bis 2 und 3 bis 4 Mal je Woche waren in [s06] keine klaren Unterschiede erkennbar; der Vorteil zeigte sich erst oberhalb von vier Mal je Woche. Das ist eine Stufe, keine stetige Kurve. Weil die Häufigkeit selbst berichtet und rückblickend erhoben wurde, kann die Ursache auch umgekehrt wirken.

Reversibilität

Dass Veränderungen nach Ejakulation oder Karenz sich zurückbilden oder wieder auffüllen, ist beim Menschen nur in kurzen Zeiträumen untersucht. Von Wochen- oder Monatsverläufen gibt es nur Tier- und Teilbefunde.

Tabelle 11: Zeitverlauf und Rückbildung

StudieArtBefund
Welliver 2016 [s113]Mensch, 14 Tage täglichAbfall von Volumen, Zahl beweglicher Spermien und Konzentration mit Plateau nach Tag 3; kein Verlauf nach Ende der Serie berichtet
Oldereid 1984 [s173]Mensch, 2 Tage alle 8 StundenKonzentration und Gesamtzahl begannen nach 3 Tagen Karenz wieder zu steigen
Cooper 1993 [s165]Mensch, drei Ejakulate an einem TagGesamtzahl lebender Spermien stieg über 1 bis 10 Tage Karenz; Mehrfachejakulate nach 10 Tagen erhöhten bei Patienten mit niedrigen Normalzahlen die Gesamtzahl im Mittel um 230 %
Frank 1986 [s171]Mensch, zwei Proben im Abstand von 1 bis 3 TagenDer Abfall von Volumen und Konzentration fiel mit größerem Abstand geringer aus; bei Oligozoospermen stieg beim 3-Tage-Abstand die Konzentration (3,8 auf 5,7 Mio./ml)
Nguyen 2025 [s20]Mensch, zwei Proben binnen eines MonatsJe geringer die Karenzabweichung zwischen zwei Proben (höchstens 1 Tag), desto kleiner die Schwankung
Kim 2022 [s60]Mensch, drei Tage nacheinanderFragmentierung stabil (Intraklassenkorrelation 0,68); Volumen an Tag 2 und 3 niedriger
Oshio 1986 [s172]KaninchenVolumen, Konzentration, Beweglichkeit und Fertilitätsindex sanken und erholten sich nach 24 Tagen Karenz auf die Ausgangswerte
Kawakami 1998 [s158]Hund, Entnahme im Abstand von 12 bis 48 StundenVerbesserung der Beweglichkeit und Rückgang abnormer Spermien „vorübergehend“
Al-Bulushi 2018 [s95]Dromedar, 8 WochenBei zweimaliger Sammlung hatten die ersten 3 Wochen höhere Konzentration als ab Woche 4 (p < 0,001); Beweglichkeit sank bei zweimaliger Sammlung
Wesseling 2016 [s114]FledermausNach zeitweiser Entfernung aus der Kolonie verbesserte sich die Spermienqualität der Haremsmännchen
Seymour 2025 [s24]Widder, 8 WochenHohe Eigenvariabilität: nur 10,4 % der Ejakulate innerhalb von ±5 % des eigenen Mittelwerts
Magistrini 1987 [s169]Hengste und Ponys, ein JahrFrequenz hing nicht mit der Qualität des aufgetauten Samens zusammen
Pérez Palazón 2016 [s110]Mensch, ein Jahr, 19 FreiwilligeVariationskoeffizient innerhalb der Person bis 74,5 % (Gesamtzahl)

Aus diesen Daten lässt sich nur Folgendes ableiten: Der Abfall von Volumen, Zahl und Konzentration nach Mehrfachejakulation ist beim Menschen und bei mehreren Tierarten innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen messbar, und wo die Wiederauffüllung gemessen wurde, steigen die Werte mit zunehmender Karenz wieder [s173, s165, s172]. Beweise für eine dauerhafte Schädigung oder Verbesserung der Samenqualität durch Ejakulationshäufigkeit liegen in diesem Material nicht vor; ebenso fehlt jede Studie, die beim Menschen nach Wochen oder Monaten hoher Ejakulationshäufigkeit die Rückkehr zum Ausgangswert gemessen hätte. Die Einzelprobe schwankt zudem so stark [s110, s24], dass ein Teil der in den Studien gesehenen „Reversibilität“ Messstreuung sein kann.

Wo die Daten zur Dosis-Wirkung dünn sind

  • Ejakulationshäufigkeit je Woche: genau eine Querschnittsstudie mit Samenparametern [s26].
  • Tägliche Ejakulation: drei kleine Studien an 20 und 21 Männern beziehungsweise ohne Teilnehmerzahl [s113, s118, s132], ohne Schwangerschaftsendpunkt.
  • Karenz im Stundenbereich mit Lebendgeburt: nur einzelne, nicht signifikante Befunde [s49, s34, s02].
  • Gleitmittel und Empfängnis: zwei Kohorten mit Selbstangaben [s135, s101]; keine Studie verbindet In-vitro-Hemmung, Gebrauch und Samenqualität am selben Paar.
  • Verkehrshäufigkeit und Samenqualität im Paar: keine Studie verknüpft Verkehrshäufigkeit, Samenparameter und Empfängnis; die Verkehrsstudien messen die Empfängnis [s06, s85], die Samenstudien die Parameter [s26].
  • Zeitpunkt des Verkehrs im Zyklus und Samenqualität des Mannes: keine Studie in den untersuchten Sprachräumen.
  • Randomisierung mit klinischem Endpunkt: zwei Studien an 90 und 120 Paaren [s82, s77].

Grenzen des gesamten Materials

Fast alle Befunde sind Assoziationen aus Beobachtungsstudien an Männern, die zur Abklärung eines Kinderwunsches kamen; die Karenz beruht meist auf Selbstangabe und ist auf den WHO-Bereich von 2 bis 7 Tagen begrenzt, sodass Kurz- und Langzeitwirkungen außerhalb dieses Bereichs nur in wenigen Studien sichtbar werden [s27, s14, s32, s18]. Die klinischen Endpunkte stammen aus Behandlungszyklen, in denen Spermien aufbereitet und direkt eingebracht werden; die Übertragung auf natürliche Empfängnis ist nicht belegt. Die meisten Studien liegen nur als Abstract vor; methodische Einzelheiten (Störgrößenkontrolle, Fallzahlberechnung, genaue Karenzdefinition) sind deshalb oft nicht überprüft. Die Studienlage ist insgesamt dicht, aber nicht eindeutig. Gesichert ist der Zielkonflikt zwischen Menge und Funktion der Spermien in Abhängigkeit von der Karenz. Ob dieser Zielkonflikt für die Empfängnis ohne Behandlung eine Rolle spielt, ist mit dem Material nicht zu entscheiden. Bei Gleitmitteln ist die In-vitro-Datenlage deutlich, die Empfängnisdatenlage unauffällig, die Verbindung beider offen.

Kapitel 04: Sprachräume und Herkunft der Literatur

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Überblick und Gliederung und Große Auswertungen von Samenbefunden nach Karenz (Europa, Amerika, Afrika, Indien, Vietnam)
  6. Karenz und Samenqualität in China, Japan und Hongkong und Ejakulationshäufigkeit, tägliche Ejakulation und wiederholte Ejakulate
  7. Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden): Vorher-nachher-Studien ohne Kontrollgruppe bis Erregung, Tageszeit und Dauer der Probengewinnung
  8. Häufigkeit und Zeitpunkt des Verkehrs, Sexualfunktion bis Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  9. Gesamtbild der Evidenz in Kürze bis Ejakulationshäufigkeit, tägliche und wiederholte Ejakulation beim Menschen
  10. Zweite Probe nach sehr kurzer Karenz (Stunden) bis Sprachräume und Zugang
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Spanisch
  14. Chinesisch bis Türkisch
  15. Ein Querschnittsproblem vorweg: Vorzeichen, Grenzen und Begriffe bis Widerspruch 10: Tierstudien, gegensätzliche Richtungen
  16. Übersicht der Widersprüche
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis
  22. Diagramme
  23. Quellen
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle