Die folgenden Fragen ergeben sich unmittelbar aus den Lücken der vorliegenden Literatur. Sie sind keine Aussagen über bereits laufende Studien.
- Wie häufig sind Azoospermie und schwere Oligozoospermie bei Männern mit CKD vor der Dialyse? Die größte Spermienstudie zu CKD-Stadien umfasst 66 Männer ohne Kontrollgruppe [s113]. Eine größere Studie mit Kontrollen, Stadieneinteilung, Alter, Diabetes und modernen Samenanalysen fehlt.
- Welche Rolle spielt das Dialyseverfahren? Peritonealdialyse und Hämodialyse wurden nur anhand von Hormonen und Sexualfunktion verglichen [s73, s81]; ein Vergleich mit Spermienendpunkt fehlt, ebenso Studien zu intensivierten Verfahren bei Männern [s14].
- Wie verhalten sich Spermienqualität und Hormone nach Transplantation am selben Mann über die Zeit? Es fehlen prospektive Studien, die Samenanalyse, Inhibin B, FSH, Testosteron und Immunsuppression gemeinsam verlaufsbezogen messen und mit Schwangerschaftsendpunkten verknüpfen [s01, s116]. Offen ist insbesondere, ob der frühe Inhibin-B-Abfall später die Samenqualität beeinflusst.
- Welchen Beitrag haben einzelne Immunsuppressiva? Prospektive Vergleiche der Schemata mit ausreichender Fallzahl fehlen; für Ciclosporin, Tacrolimus und Mycophenolat sind die Humanbefunde widersprüchlich oder fehlen [s199, s185, s163, s172, s58]. Für mTOR-Inhibitoren ist offen, wie häufig und wie vollständig die Erholung nach dem Absetzen eintritt [s157, s141].
- Wie lange und wie vollständig erholt sich die Spermatogenese nach Valganciclovir? Die prospektive Studie hatte kurze Expositionen, wechselnde Fallzahlen und wenige Männer mit Ausgangs-Azoospermie [s78]; insbesondere für Männer mit vorbestehender Azoospermie ist die Erholung offen.
- Sind Spermien von Männern mit CKD oder unter Immunsuppression genetisch oder epigenetisch verändert? Außer als Nebenendpunkt (DNA-Fragmentierung, in der Valganciclovir-Studie vergleichbar) liegen keine Studien vor [s78]. Für Nachkommen gibt es nur Befragungen und deskriptive Reihen ohne Kontrollgruppe [s72, s62, s119].
- Wie sicher ist die väterliche Exposition gegenüber Mycophenolat? Die spanische Studie fand keine typische Embryopathie, hatte aber nur 14 Nachkommen ohne Mycophenolsäure als Vergleich [s62]. Eine kontrollierte Studie mit Vergleichsgruppe fehlt.
- Wie fertil sind Männer mit ADPKD wirklich? Die vorliegenden Zahlen stammen überwiegend aus Fortpflanzungszentren [s154, s94, s41]; populationsbezogene Daten mit Kontrollen und Nierenfunktion fehlen. Ob Zysten oder Zilien- beziehungsweise Flagellumdefekte den Hauptbeitrag leisten, ist offen [s44, s106, s115].
- Wie wirken Immunsuppressiva und Nierenersatz bei jungen Patienten, die vor oder in der Pubertät erkranken? Es gibt Hinweise auf verzögerte Pubertät und niedrigere Spermienzahlen bei früher Erkrankung [s54, s151, s23], aber keine Studie mit Spermienendpunkt und Kontrollen im jungen Erwachsenenalter.
- Gibt es Daten zu Lebendnierenspendern, zu Cyclophosphamid bei Nierenerkrankung und zu Spermienbanking? Die Recherche fand keine kontrollierte Studie zu Spermienparametern nach Cyclophosphamid bei Nierenkrankheit, keine Daten zu Lebendspendern und nur Übersichten zum Spermienbanking [s112].
- Wie lässt sich Testosteron in Studien vergleichbar messen? Ein einheitlicher Grenzwert, die Wahl zwischen Gesamt- und freiem Testosteron, der Messzeitpunkt zur Dialysesitzung und die Methode (Massenspektrometrie gegen Immunoassay) müssten festgelegt werden [s01, s20, s144].
- Kann ein internationales Register die Evidenz verbessern? Die systematische Übersicht fordert eine internationale prospektive Datenbank [s03]. Voraussetzung wären einheitliche Endpunkte (Samenanalyse nach festgelegten Standards, Schwangerschaften, Gesundheit der Nachkommen) und die getrennte Erfassung von Nierenersatzverfahren, Medikamenten und Zeit seit Transplantation.
- Wie wirken sich Fertilitätsprobleme auf die Entscheidung für ein Nierenersatzverfahren aus? Eine qualitative Studie an sechs Männern fordert Information über die Erholung der Fruchtbarkeit bei dieser Entscheidung [s46]; systematische Daten dazu fehlen.