Vaterschaft, Nachkommen und Befragungen
Boyer et al. 2020: PATeRNAL, nationale Befragung männlicher Transplantierter in Frankreich [s72]. Befragung in 13 französischen Transplantationszentren: 1332 männliche Transplantierte über 18 Jahre antworteten (Antwortrate 46 %; von 3321 in Frage kommenden hatten 413 keine Adresse, 2908 erhielten den Fragebogen). 232 Teilnehmer hatten nach der Transplantation mindestens ein Kind: Vaterschaftsrate 17 % (95-%-KI 15 bis 20). 62 von ihnen (27 %; KI 21 bis 33) hatten Fertilitätsprobleme, die mit assistierter Reproduktion gelöst wurden. 330 (25 %) hatten nie ein Kind, davon gaben 55 (17 %; KI 13 bis 21) Infertilität an (33 Spermatogenesestörungen = 10 %, 5 erektile Dysfunktion = 1 %); 105 (32 %) wollten nicht. Es gab 404 Schwangerschaften und 349 Kinder: 37 Spontanaborte (9 %; KI 7 bis 12), 12 therapeutische Aborte (3 %; KI 2 bis 5), 2 Totgeburten (0,5 %; KI 0,1 bis 1), 13 Fehlbildungen (4 %; KI 2 bis 6); Frühgeburten 30 (9 %); medianes Geburtsgewicht 3,4 kg. Zur Zeit der Zeugung bezogen sich die Medikationsangaben auf die 404 Schwangerschaften: MMF/MPA 77 %, Tacrolimus 63 %, Ciclosporin 38 %, Azathioprin 15 %, Sirolimus 2 %, Everolimus 1 %. Im Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung gab es keinen Unterschied bei Fehlbildungen und ungewollten Ausgängen, unabhängig von der Exposition des Vaters. Stärke: sehr große Befragung. Schwächen: Antwortrate 46 % mit möglicher Verzerrung durch Selbstauswahl; Selbstangaben ohne Aktenabgleich; keine Spermiendaten; die Vaterschaftsrate hängt vom Kinderwunsch ab, nicht nur von der Fertilität; der Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung ist nur grob, weil Alter und Kinderwunsch der Befragten sehr unterschiedlich sind (Median 55 Jahre). Der Anteil von 27 % mit assistierter Reproduktion unter den Vätern ist der deutlichste Hinweis aus einer großen Erhebung, dass die Zeugung nach Transplantation nicht in allen Fällen unbeeinträchtigt ist.
Martín-Moreno et al. 2021: EMVARON, Nachkommen von Vätern unter Mycophenolsäure (Spanien) [s62]. Retrospektive nationale Studie in 15 spanischen Zentren: 151 Männer mit 239 Nachkommen, 225 unter Mycophenolsäure (MPA), 14 ohne. Die Fehlgeburten in der MPA-Gruppe betrugen 9,8 %, die Fehlbildungen 4 %; die typische MPA-Embryopathie wurde nicht gefunden. Die Autoren fordern die Behörden auf, die Verhütungsempfehlung für Männer zu überdenken (Wertung der Autoren). Stärke: landesweite Erhebung. Schwächen: nur 14 Nachkommen ohne MPA, daher kaum Vergleich; Fehlbildungen von 4 % ohne Kontrollgruppe; retrospektiv. Die Studie betrifft Nachkommen, nicht die Spermienqualität selbst.
Xu et al. 2008: Familienstand und Fertilität von 185 männlichen Transplantierten (Hangzhou, Journal of Andrology) [s155]. Befragung und Nachbeobachtung. Aus 2007 Transplantationen wurden 243 Männer ausgewählt, die vor der Transplantation im fortpflanzungsfähigen Alter und ledig waren; 185 antworteten. 69 heirateten zwischen 12 und 88 Monaten (Mittel 32,19 ± 14,30 Monate) nach der Transplantation; bei 62 dieser 69 Paare bestand aktiver Kinderwunsch. 53 Männer zeugten 54 Kinder (darunter ein Zwillingspaar), 9 bis 72 Monate (Mittel 25,81 ± 15,33) nach der Heirat; das Geburtsgewicht lag bei 2500 bis 4600 g (Mittel 3395 ± 456,80 g). Neun Männer wurden nicht Vater, bei dreien davon wegen Unfruchtbarkeit der Frau; sieben verhüteten. Drei Empfänger mussten 2 bis 11 Jahre nach der Geburt wieder an die Hämodialyse, zwei starben (eine Transplantatinsuffizienz neun Jahre nach der Geburt, ein Unfall). Die Autoren folgern, die Fertilität liege ähnlich wie in der Allgemeinbevölkerung. Stärke: patientennaher Endpunkt (Geburten). Schwächen: Vergleichsdaten der Allgemeinbevölkerung werden im Abstract nicht gezeigt; 58 von 243 Angeschriebenen (24 %) fehlen; Auswahlverzerrung (nur zuvor ledige Männer); Antworten per Fragebogen und Telefon; der Nenner „aktiv versucht“ ist selbstberichtet; mögliche Überlappung mit den übrigen Hangzhouer Arbeiten. Ein Brief derselben Gruppe (Transplantation 2008) mit dem Titel „A report of 212 male renal transplant recipients who fathered 216 offspring after transplantation“ war nur als Titel erfassbar und ist nicht ausgewertet.
Xu et al. 2014: Gesundheit der Kinder von Transplantierten (Hangzhou, Cell Biochemistry and Biophysics) [s119]. Beobachtungsstudie zu 252 Kindern (129 Jungen, 123 Mädchen) von 248 Empfängern, mit körperlicher Untersuchung, Routinelabor und Intelligenztests, bei einem Teil Röntgen-Thorax und Immunindizes. 219 männliche Empfänger zeugten 223 Kinder (Geburtsgewicht im Mittel 3255 ± 374 g); 29 Empfängerinnen gebaren 29 Kinder (2923 ± 551 g). Aufgefallen waren je ein Fall von weicher Doppelzehe und von verkürztem Zungenbändchen, fünf Fälle grenzwertiger geistiger Behinderung, drei Fälle mit Proteinurie, sechs mit mikroskopischer Hämaturie, 15 mit niedrigem Hämoglobin und 21 mit wiederholten Atemwegsinfekten. Die Autoren schließen, die Transplantation habe keinen bedeutsamen Einfluss auf Wachstum, Entwicklung, Gesundheit und Intelligenz der Nachkommen. Schwächen: keine Kontrollgruppe und keine Vergleichsraten, daher lässt sich aus einer rein deskriptiven Reihe kein „kein Einfluss“ ableiten; Selektion (nur vorgestellte Kinder); der Abstract stellt die Verteilung der Befunde nach Vater oder Mutter nicht getrennt dar.
Mondal et al. 2022: Fertilität und Sexualfunktion bei 135 Transplantierten [s52]. Querschnitt an 135 Transplantierten (Alter bei Transplantation 40,9 ± 9,9 Jahre, Hämodialysedauer 13,6 ± 7,43 Monate). 63 (46,67 %) wollten Kinder, 49 gelang es. Die Sexualfunktion besserte sich bei 85, verschlechterte sich bei 15 und blieb bei 35 unverändert; alle fünf IIEF-Bereiche verbesserten sich signifikant. Die Fertilitätsrate sei vergleichbar mit der Allgemeinbevölkerung (Aussage der Autoren), die Kinder hatten keine Entwicklungsanomalie. Schwächen: Einzelzentrum, Fragebogen, keine Samenanalyse; die Fertilitätsrate steht ohne Referenzzahl im Abstract.
Devjaltovskaja et al. 2020: Vaterschaft nach Organtransplantation (Belarus, Meditsinskie Novosti) [s84]. Befragung mit halbstrukturiertem Interview im Querschnitt, Volltext gelesen. 252 Männer im fertilen Alter (18 bis 56 Jahre) mit Nieren- oder Lebertransplantat. 66,7 % (168) zeigten Interesse am Interview. 75,0 % (189) waren verheiratet, 16,7 % (42) nie verheiratet, 8,3 % (21) geschieden. 34,1 % (86) hatten Kinder, die vor der Transplantation geboren wurden; nur 2 Männer (0,79 %) wurden nach der Transplantation (nach Wiederholungstransplantation der Niere) Vater; 65,1 % (164) hatten nie Kinder. 62,1 % (110) planten keine Kinder, 30,5 % (54) wollten Kinder, 7,3 % (13) konnten nicht antworten. 21,4 % (54) der unter 40-Jährigen waren kinderlos, verheiratet und planten Nachwuchs. Die emotionale Wahrnehmung der Vaterrolle war bei 28,6 % (72) hoch, bei 50 % (126) mittel, bei 21,4 % (54) niedrig. Die Autoren sehen in Organverlust und Transplantation eine psychologische Barriere für die Verwirklichung der Fortpflanzungsfunktion. Stärke: ungewöhnlich große Stichprobe für diese Frage. Schwächen: Nieren- und Lebertransplantierte werden gemeinsam betrachtet; der Fragebogen wurde von den Autoren selbst entwickelt; es gibt keine Spermiogramme, keine Kontrollgruppe und keine Angabe, wie viele der Männer überhaupt versuchten, Kinder zu zeugen; die Prozentwerte der Tabelle sind im Volltext teilweise vermischt, die genannten Hauptzahlen stehen im Text ausdrücklich. Der Befund ist ein Hinweis auf geringe Nachkommenschaft nach Transplantation, aber kein Beleg für eine biologische Ursache; der Gegensatz zu den 17 % der französischen Erhebung [s72] zeigt, wie stark die Zahlen von Land, Befragungsweise und Altersstruktur abhängen.
Pellegrini et al. 2026: Awareness of post-transplant endocrine disorders among kidney transplant clinicians (Italien) [s06]. Befragung italienischer Transplantationszentren; 29 von 41 antworteten (70,7 %). 20 % sprachen die Gonadenfunktion in der Anamnese nicht an, 35 % kannten die Häufigkeit von Menstruationsstörungen oder erektiler Dysfunktion bei ihren Empfängern nicht. Die Befragung ist keine Fertilitätsstudie, aber ein Hinweis auf ungleiche Beachtung des Themas in der Nachsorge. Schwäche: Befragung von Ärzten, nicht von Patienten; Antworten geben Wissen und Gewohnheit wieder, nicht Befunde.
Yoshikawa et al. 2023 [s46] ist als qualitative Interviewstudie im Abschnitt zur Sexualfunktion nach Transplantation besprochen.
Kinder und Jugendliche mit CKD
Yu et al. 2025: Pubertät nach Transplantation im Kindesalter (Shanghai) [s23]. Einzelzentrum-Kohorte mit 101 pädiatrischen Transplantierten. Die Größe-für-Alter-Z-Wertung stieg von −2,27 ± 1,64 bei der Transplantation auf −0,76 ± 1,13; das Transplantatüberleben betrug 100 % und 93,4 % nach 5 und 10 Jahren; das mittlere Kreatinin betrug 83,85 ± 38,34 µmol/l, die eGFR 79,49 ± 27,25 ml/min/1,73 m². Von den männlichen Jugendlichen (13 Jahre und älter, n = 43) erlebten 37 (86,0 %) die Spermarche, im Mittel mit 14,5 Jahren bei präpubertär Transplantierten. Bei den weiblichen Jugendlichen lag das mittlere Menarchealter bei 12,5 gegenüber 13,2 Jahren (P > 0,05). Die Spermarche ist ein Marker für den Beginn der Samenbildung, kein Beleg für spätere Fruchtbarkeit; die Studie hat keine Kontrollgruppe und keine Samenanalyse.
Soliman et al. 2022 [s54] und Fujisawa et al. 1985 [s210] (siehe Hormonachse unter Dialyse) sowie Koyun et al. 2009 [s151] (siehe Samenparameter nach Transplantation) ergänzen dies: Bei Kindern unter Dialyse sind die Geschlechtshormone erniedrigt (bei Soliman mit verzögerter Pubertät, bei Fujisawa trotz Hormonstörung mit klinischen Pubertätszeichen); nach peripubertärer Transplantation lagen die Hormone bei 7 von 8 Männern im Normbereich, die Spermien jedoch nicht.
Korovina et al. 1990: hypophysär-gonadales System bei Glomerulonephritis im Kindesalter (Pediatrija, russisch) [s202]. Vergleichsstudie im Querschnitt: 28 Kinder mit verschiedenen Formen der Glomerulonephritis, 45 Kontrollkinder; gemessen wurden FSH, LH, Prolaktin, Östradiol, Progesteron und Testosteron. In der aktivsten Krankheitsphase waren die Veränderungen der Hypophysen- und Gonadenhormone am größten; bei der gemischten Form der Glomerulonephritis waren die Gonadenhormone am stärksten verändert; die Ausprägung der Störung folgte dem Schweregrad der Erkrankung. Schwächen: keine Zahlenwerte im Abstract; Geschlechts- und Pubertätsstufen nicht aufgeschlüsselt; kein Spermienendpunkt.
Kukhtevich et al. 1989: Zink und Parlodel bei Jugendlichen mit Nephropathie (Terapevticheskij Archiv) [s204]. Kleine Fallserie mit Behandlung an 10 Jugendlichen (10 bis 18 Jahre) mit Wachstums- oder Entwicklungsverzögerung bei Nephropathie, 8 davon mit Immunsuppressiva vorbehandelt. Das Knochenalter wich um 0 bis 3 Jahre vom Lebensalter ab. Im Spermiogramm zeigten 3 von 4 untersuchten Patienten eine Pathospermie. Prolaktin und Gonadotropine waren normal, Testosteron und Plasmazink erniedrigt. Nach Behandlung mit Parlodel und/oder Zinkacetat (1,5 bis 23 Monate) nahmen bei 9 von 10 Körpergröße und Gewicht zu, und es entwickelten sich sekundäre Geschlechtsmerkmale; die Spermiogramme besserten sich bei 3 von 4 untersuchten Patienten. In der Gesamtgruppe sank das Prolaktin, Testosteron und Zink stiegen, die Gonadotropine blieben unverändert. Schwächen: 10 Patienten, Spermiogramme nur bei 4, Reifeentwicklung und spontane Pubertät als Störgrößen, keine Kontrollgruppe.
Unkontrollierte Behandlungsbeobachtungen mit Hormon- oder Spermienendpunkt
Die folgenden Arbeiten sind keine Wirksamkeitsstudien im engeren Sinn, sondern Beobachtungen ohne Kontrollgruppe. Ergebnisse werden berichtet, nicht bewertet im Sinne einer Handlungsanweisung. Nur Lim und Fang [s218] sowie die russischen Serien enthalten Spermiendaten.
Lim und Fang 1976: Clomifen bei Niereninsuffizienz [s218]. Bei fünf Männern mit Niereninsuffizienz und Androgenmangelsymptomen stieg unter Clomifen (100 mg/Tag über 5 bis 12 Monate) das Testosteron von im Mittel 223 ± 164 auf 879 ± 171 ng/dl; der Effekt auf die Spermatogenese war nach den Autoren nicht eindeutig (Verbesserung oder Verschlechterung). Schwächen: fünf Männer, keine Kontrolle, 50 Jahre alte Methodik.
Martin-Malo et al. 1993: Clomifen bei Dialyse und Transplantation (Nephron) [s194]. 34 Hämodialysepatienten, 8 Transplantierte und 9 Gesunde erhielten eine Woche Clomifen; FSH, LH und Testosteron stiegen in allen Gruppen (P < 0,05), bei Dialysepatienten wurde das Testosteron normal. Schwächen: nur eine Woche Beobachtung, keine Spermiendaten, Geschlechter und Einzelwerte im Abstract nicht aufgeführt.
Jalali et al. 2010: Zinksulfat bei Hämodialyse [s145]. 100 Hämodialysepatienten erhielten Zinksulfat 250 mg/Tag über 6 Wochen ohne Kontrollgruppe: Testosteron, LH und Zink stiegen signifikant, FSH und Prolaktin blieben unverändert. Schwächen: keine Kontrollgruppe, kurze Dauer, keine Spermiendaten.
Rager et al. 1975: hCG-Test bei Dialysepatienten [s219]. Bei 16 Dialysepatienten lag das Testosteron vor und nach hCG (186 und 456 ng/100 ml) signifikant unter dem gesunder Männer. Schwächen: Alter der Methode, keine Spermiendaten.
Canguven et al. 2010: Testosterongel bei Hypogonadismus unter Hämodialyse (Istanbul, International Journal of Impotence Research) [s142]. Pilotstudie, Kohorte mit sechsmonatiger Behandlungsbeobachtung. In einer Kohorte von 96 Männern mit Nierenversagen im Endstadium korrelierte der IIEF mit dem biologisch verfügbaren Testosteron (p < 0,01); 9 Männer mit erektiler Dysfunktion und Hypogonadismus (biologisch verfügbares Testosteron unter 3,82 nmol/l) erhielten täglich 5 g Testosterongel (1 %). Das Testosteron stieg in den Normbereich; der Erektionsbereich im IIEF stieg von 7,6 ± 8,0 auf 12,8 ± 7,8, die Zufriedenheit mit dem Geschlechtsverkehr von 3,4 ± 4,5 auf 4,8 ± 3,1, das sexuelle Verlangen von 3,4 ± 2,9 auf 4,4 ± 0,6, die Gesamtzufriedenheit von 2,6 ± 1,3 auf 3,8 ± 1,0; die wöchentliche Zahl des Geschlechtsverkehrs stieg von 0,4 ± 0,4 auf 1,1 ± 0,8 (p < 0,05); es wurden keine Nebenwirkungen berichtet. Auffällig: Der Abstract nennt als Orgasmusfunktion einen Rückgang von 4,8 ± 3,1 auf 3,4 ± 2,9, obwohl er von Verbesserungen aller Bereiche spricht (Zahlen wie gedruckt, mögliche Verwechslung). Die IIEF-Werte normalisierten sich nicht. Schwächen: 9 Männer, keine Kontrollgruppe, keine Verblindung, keine Spermienendpunkte. Berichtet als Ergebnis, nicht als Empfehlung. Wichtig für die Fertilitätsfrage: Eine Gabe von Testosteron kann die Spermatogenese hemmen; die Studie hat dazu keine Daten.
Pavlov et al. 2017: Androgenmangel bei CKD im Stadium V (Meditsinskij Vestnik Baschkortostana) [s101]. Prospektive Studie mit eingebundenem Übersichtsteil; Volltext aus CyberLeninka (OCR teilweise mit anderen Artikeln vermischt). 54 Patienten unter programmierter Hämodialyse (mittleres Alter 37,2 ± 2,5 Jahre) und 84 mit funktionierendem Transplantat, aufgeteilt nach Gefäßanastomose (38 mit End-zu-End-Anastomose an der inneren Beckenarterie, 36,3 ± 2,1 Jahre; 46 mit End-zu-Seit-Anastomose an der äußeren Beckenarterie, 35,3 ± 1,8 Jahre). Alle hatten als Ursache eine chronische Glomerulonephritis. Die Autoren nennen für Androgenmangel bei Stadium V eine Häufigkeit von 24 bis 66 % unter Hämodialyse, teilweise rückläufig nach Transplantation (Literaturangabe). Eine verminderte Libido bestand bei 92 % der Hämodialysepatienten, 58 % der Gruppe II und 49 % der Gruppe III. Ein Testosteron unter 8,0 nmol/l fand sich nach 6 Monaten Behandlung noch bei 5 (9,3 %) Hämodialysepatienten; der Anteil mit normalem Testosteron stieg von 8 (14,8 %) auf 29 (53,7 %). Nach der Transplantation war das Testosteron im frühen postoperativen Verlauf bei der Hälfte der Patienten beider Transplantatgruppen erniedrigt. Zwölf Monate nach Behandlungsbeginn hatten in der Hämodialysegruppe 23 (42,59 %) eine leichte, 22 (40,74 %) eine mittelgradige und 9 (16,67 %) eine schwere erektile Dysfunktion; in der Gruppe II hatten ein Jahr nach der Transplantation 8 (21,05 %) eine normale Erektionsfunktion, 19 (50 %) eine leichte, 11 (28,94 %) eine mittelgradige und keiner eine schwere Störung. Behandelt wurde mit Tadalafil täglich sowie bei Testosteron unter 8,0 nmol/l mit Testosterongel (50 mg, 1 %) über 3 Monate. Schwächen: Vorher-Nachher-Vergleich ohne unbehandelte Kontrolle; Zielgrößen sind Libido und Erektion, nicht Spermien; die Methodenbeschreibung (Einschluss von Männern mit erhaltener Erektionsfunktion) widerspricht dem Behandlungsziel; durch den vermischten OCR-Text sind einzelne Zuordnungen zu Gruppen nicht sicher. Der Hinweis der Autoren auf Infertilität und Oligospermie als Folgen des Androgenmangels ist eine Literaturangabe, kein eigener Befund.
Kukhtevich et al. 1985: urämischer Hypogonadismus und Parlodel (Terapevticheskij Archiv) [s212]. Vergleichsstudie (Patienten gegen Gesunde) mit nachfolgender Behandlung an 12 Männern und 9 Frauen mit chronischer Niereninsuffizienz unterschiedlicher Stadien und 20 gesunden Kontrollen. Im Vergleich zu den Gesunden fanden sich Zeichen des Hypogonadismus und ein erhöhter Prolaktinspiegel. Parlodel (2,5 bis 7,5 mg/Tag für 1 bis 6,5 Monate) hob bei 10 Männern die Potenz und brachte bei 5 Männern die Spermienzusammensetzung (so der Abstract) zur Normalisierung; bei Frauen sistierte die dysfunktionelle Blutung bei 4, bei 3 kehrte der Zyklus zurück, bei 2 war kein Effekt erkennbar. Der Prolaktinspiegel sank bei allen Patienten signifikant. Schwächen: keine Zahlenwerte für Spermien oder Hormone im Abstract, keine p-Werte außer der Aussage „signifikant“, keine Kontrollgruppe für die Behandlung, Männer und Frauen gemeinsam ausgewertet; Normalisierung bei 5 von 12 Männern ist ein kleiner, unkontrollierter Befund.
Kukhtevich et al. 1988: Zink bei Hypogonadismus (Terapevticheskij Archiv) [s207]. Querschnitt- und Behandlungsstudie an 31 urämischen Männern (16 unter Hämodialyse, 10 unter eiweißarmer Diät, 5 mit Nierentransplantat). Untersucht wurde der Zusammenhang der Hypogonadismus-Symptome mit dem Serumzink; die Autoren schließen, dass der Serumzinkspiegel bei Nierenleiden den Zinkgehalt des Körpers nicht immer widerspiegelt, dass aber die Gabe von Zinkacetat beim Hypogonadismus und bei verzögerter körperlicher und sexueller Entwicklung Jugendlicher mit Nephropathien wirksam sei. Schwächen: keine Zahlenwerte im Abstract, keine Kontrollgruppe, die Wirksamkeit ist nicht quantifiziert.
Kukhtevich et al. 1994: Lupusnephritis bei Männern (Terapevticheskij Archiv) [s193]. Kleine Vergleichsstudie an 8 Männern im reproduktiven Alter mit Lupusnephritis (normale Nierenfunktion bei 5, Funktionsminderung bei 3), verglichen mit 13 Männern mit urämischem Hypogonadismus und 10 Männern mit zytostatikainduzierter Azoospermie. Methodik: sekundäre Geschlechtsmerkmale, Hypophysen- und Sexualhormonprofil, sexologische Fragebögen, Spermiogramme. Die Männer mit Lupus unterschieden sich nicht bedeutsam von den Nierenpatienten ohne Lupus mit Hypogonadismus; die Veränderungen können nach Ansicht der Autoren Folge der Urämie und der immunsuppressiven Therapie sein; bei 5 Patienten wurden die Auffälligkeiten durch Parlodel und Zinksulfat korrigiert. Die Autoren schließen, dass eine Feminisierung bei Männern mit Lupusnephritis nicht die Regel ist. Schwächen: 8 Männer, keine Zahlenwerte im Abstract, Vermischung von Urämie und Medikation.
Erbliche Nierenerkrankungen mit männlicher Fortpflanzungsstörung
Dieser Block betrifft Krankheiten, die Niere und Fortpflanzungsorgane gemeinsam betreffen, nicht die Folgen erworbener Niereninsuffizienz. Er ist wichtig, weil Befunde bei Kollektiven mit ADPKD oder Cystinose nicht der Nierenfunktion allein zugeschrieben werden dürfen; sie sind auf Dialyse oder Transplantation nicht übertragbar. Die chinesischen Arbeiten stammen überwiegend aus Fortpflanzungszentren, was zu einer Auswahl infertiler Männer führt.
Torra et al. 2008: Männer mit ADPKD (prospektive Studie) [s154]. Prospektive Studie an 30 erwachsenen Männern mit ADPKD; 22 gaben eine Samenprobe, 28 ließen eine transrektale Ultraschalluntersuchung machen. Zysten im Samenweg fanden sich bei 10 von 28 (43,47 %). 20 von 22 Patienten hatten abnorme Spermienparameter, am häufigsten eine Asthenozoospermie. Ultraschallbefund und Spermienauffälligkeit waren nicht korreliert. Die Autoren führen die Asthenozoospermie auf die gestörte Funktion der Polyzystine zurück und raten, Fortpflanzungsfragen früh zu klären, bevor die Zeugungsfähigkeit durch Urämie weiter leidet (Empfehlung der Autoren). Schwächen: nur 22 Samenproben, keine Kontrollgruppe, Nierenfunktion als Störgröße im Abstract nicht ausgewiesen.
Kırış et al. 2015: Spermaparameter bei polyzystischer Nierenkrankheit (Türk Nefroloji Diyaliz ve Transplantasyon Dergisi) [s106]. Querschnitt mit Vergleichsgruppe: 27 Männer (18 bis 60 Jahre) mit ADPKD und Kreatinin-Clearance über 60 ml/min/1,73 m², 17 gesunde Kontrollen. Methodik: Magnetresonanztomografie von Harnwegen und Becken, Skrotal-Doppler, Spermaanalyse. Samenblasenzysten fanden sich bei 4 (15 %), Prostatazysten bei 6 (22 %) Patienten. Von 23 verheirateten Patienten waren 5 (21 %) infertil; das war häufiger als in der Kontrollgruppe (p = 0,044). Der Anteil normal geformter und progressiv beweglicher Spermien war niedriger, die Raten von Hypospermie, Oligozoospermie, Azoospermie, Asthenozoospermie und Teratozoospermie waren in der Patientengruppe höher. Zwischen Patienten mit und ohne urogenitale Zysten gab es keinen signifikanten Unterschied bei den Spermapathologien. Die Autoren vermuten, dass Defekte der Spermatogenese und Spermienbeweglichkeit mit Zysten, aber auch mit Pathologien der Zilien zusammenhängen. Stärken: erhaltene Nierenfunktion, damit weitgehend frei vom Einfluss von Urämie und Dialyse; die Studie trennt Zysten von Zilienstörung. Schwächen: 27 Patienten und 17 Kontrollen; im Abstract nur ein p-Wert und keine Spermienzahlen; Infertilitätsdefinition unklar. Der Befund ist von der Urämie unabhängig und deshalb für die Frage nach der Ursache besonders bedeutsam.
Su et al. 2015: Einfluss der ADPKD auf die ICSI-Ergebnisse infertiler Männer (Zhonghua Nan Ke Xue) [s114]. Titel übersetzt aus dem bracketierten englischen Titel: Impact of autosomal dominant polycystic kidney disease on the outcomes of intracytoplasmic sperm injection in infertile males. Retrospektiver Vergleich von 21 Fällen ADPKD-bedingter Infertilität, 15 davon mit ICSI (Gruppe A), gegen 164 eng gepaarte Fälle angeborener beidseitiger Samenleiter-Aplasie (CBAVD, Gruppe B). Nach 28 ICSI-Zyklen erreichten 10 der 15 ADPKD-Paare eine klinische Schwangerschaft (7 Lebendgeburten, 1 Fehlgeburt, 2 laufende Schwangerschaften). Ohne signifikanten Unterschied waren Alter, Eizellzahl und transferierte Embryonen sowie, jeweils Gruppe A gegen B, Befruchtungsrate (72,64 % gegen 76,17 %), transferierbare Embryonen (51,28 % gegen 63,24 %), Embryonen guter Qualität (38,46 % gegen 49,83 %), Implantation (17,64 % gegen 38,50 %), Fehlgeburt (0 gegen 9,23 %), Einlinge (50 % gegen 81,54 %) und Zwillinge (50 % gegen 18,46 %). Signifikant niedriger lagen die klinische Schwangerschaft (13,33 % gegen 42,68 %; P = 0,023) und die biochemische Schwangerschaft (13,33 % gegen 39,63 %; P = 0,032) im ersten Zyklus. Die Autoren folgern, ICSI sei bei beiden Gruppen wirksam, bei ADPKD aber pro Zyklus weniger erfolgreich, und fordern genetische Beratung. Stärken: eng gepaarte Kontrollen, viele Endpunkte. Schwächen: nur 15 behandelte ADPKD-Paare (bei Raten wie 13,33 % entspricht ein Paar einem Sprung von rund 7 Prozentpunkten); keine Adjustierung für das Alter der Partnerin im Abstract belegt; der Gruppenvergleich sagt nichts über die Spermienqualität selbst. Die Gesamtzahl der Schwangerschaften (10 von 15 Paaren nach 28 Zyklen) und die Rate im ersten Zyklus (13,33 %) sind nicht dasselbe Maß; der Abstract vergleicht die Gruppen im ersten Zyklus.
He et al. 2018: PKD-Gene bei Paaren mit Kinderwunsch (Hunan) [s94]. Mutationsanalyse bei 90 ADPKD-Familien, Samenqualität bei 46 Männern. 76 Mutationen (davon 38 neu) in 77 Familien (72 in PKD1, 4 in PKD2), Nachweisrate 85,6 %; keine GANAB-Mutation. 37 Patienten hatten eine niedrige Samenqualität und waren wahrscheinlich infertil. Kein Zusammenhang zwischen Mutationstyp und Samenqualität; Männer mit pathogener Mutation im Ig-ähnlichen Repeat-Bereich von PKD1 hatten ein hohes Infertilitätsrisiko. Schwächen: Einschluss von Paaren, die Fortpflanzungsmedizin suchten (Auswahl zugunsten Infertiler); die Aussage zur Domäne beruht auf kleinen Untergruppen.
Li W et al. 2022: Genetik, Sonografie und PGT bei ADPKD (Hunan, CITIC-Xiangya) [s51]. Querschnitt mit 24 Männern mit ADPKD (2019 bis 2020). 24 Varianten bei 22 Patienten (23 in PKD1, 1 in PKD2, keine in GANAB). Zysten des Genitaltrakts und der akzessorischen Drüsen waren signifikante Einflussgrößen männlicher Infertilität. In der PGT-Kohorte konnte bei 87,04 % (94/108) der Embryonen ADPKD diagnostiziert werden und bei 51,85 % (56/108) PGT-A; die klinische Schwangerschaftsrate betrug 72,73 % pro Embryotransfer und 84,21 % pro Patient. Die Autoren halten fest, dass Zysten die Fertilität stark beeinflussen, aber geringe klinische Folgen für die Schwangerschaft durch ICSI und PGT hätten. Schwächen: kleine Zahl; die hohen Schwangerschaftsraten gelten für ausgewählte Paare in einem spezialisierten Zentrum und nicht für alle ADPKD-Männer.
Lin T et al. 2023: neues Diagnoseverfahren und PGT-Ergebnisse (Chongqing) [s41]. 35 ADPKD-Familien mit 26 PKD1- und 5 PKD2-Varianten, davon 13 neu. Bei 68,2 % der betroffenen Männer fanden sich eine abnorme Spermienkonzentration und/oder Beweglichkeit, ohne eindeutige Genotyp-Phänotyp-Beziehung; die Befruchtungsrate war bei männlichem Partner mit ADPKD niedriger als bei betroffener Partnerin. ADPKD-Patienten mit PGT erreichten meist hohe Lebendgeburtenraten. Frauen mit ADPKD hätten keine spezifischen Infertilitätsfaktoren. Schwäche: Zahlen pro Gruppe im Abstract nicht angegeben.
Yang et al. 2018: Präimplantationsdiagnostik bei infertilen Männern mit ADPKD (Nanjing) [s97]. Retrospektiv, 7 Männer (6 mit Oligoasthenozoospermie, 1 mit obstruktiver Azoospermie), alle mit heterozygoter PKD1-Mutation, ICSI und Blastomerenbiopsie. Ein PGD-Zyklus je Patient; 26 Blastozysten, davon 12 nicht betroffen und diploid; 6 klinische Schwangerschaften nach 7 Transfers gefrorener Embryonen, davon 5 Lebendgeburten und 1 Fehlgeburt. Die Autoren sehen PGD als wirksam. Schwächen: n = 7, keine Kontrollen.
Shi WH et al. 2023: Flagellum-Anomalien und Hippo-Signalweg bei ADPKD (Frontiers in Endocrinology) [s44]. Dreizehn infertile Männer mit ADPKD, gezielte Sequenzierung auf PKD1-Varianten, Spermienmorphologie mit Immunfärbung und Transmissionselektronenmikroskopie, Beweglichkeit per CASA, Zellversuche. Die Patienten waren infertil, ihre Spermienflagellen zeigten Auffälligkeiten (eingerollte Flagellen, fehlende zentrale Mikrotubuli, unregelmäßige periphere Doppeltubuli); die Länge der Flagellen war bei den Patienten kürzer als bei Kontrollen. In vitro war die Ziliogenese in Pkd1-depletierten Maus-Nierentubuluszellen gestört; das Fehlen von PC1 senkte MST1 und LATS1, führte zur nuklearen Anhäufung von YAP/TAZ und erhöhte die Transkription von Aurka. Die Autoren schließen, ein gestörter Hippo-Signalweg trage zu Zilien- und möglicherweise Flagellum-Defekten bei. Stärke: strukturelle Befunde direkt an Patienten-Spermien. Schwächen: 13 Patienten; Kontrollgruppe und Messwerte im Abstract nicht beziffert; der mechanistische Teil beruht auf Zellkulturen von Mäusen, ob die Zellbefunde die Spermien der Patienten erklären, bleibt Hypothese.
Papaxanthos-Roche et al. 2019: FERTIFABRY, Morbus Fabry [s89]. Multizentrische prospektive Querschnittsstudie bei erwachsenen Patienten (18 bis 65 Jahre). 14 Patienten (82,4 %; 95-%-KI 56,6 bis 96,2) hatten mindestens eine abnorme Kategorie in der Samenanalyse nach WHO. Von 16 Fragebogenantworten waren 11 Patienten als fertil klassifiziert, 9 dieser 11 hatten mindestens eine abnorme Kategorie; es bestand kein Zusammenhang zwischen Infertilität und Samenabweichung (p = 1,0000). Alter (OR 1,19; 0,98 bis 1,45; p = 0,0854) und Dauer der Enzymersatztherapie (OR 1,28; 0,96 bis 1,65; p = 0,1263) waren mit Samenabweichungen verbunden, ohne Signifikanz. 11 von 16 hatten ein normales Hormonprofil; bei 12 Patienten fand sich eine Ultraschallauffälligkeit im Genitaltrakt. Die Autoren schließen, die Reproduktionsfunktion sei nur leicht gemindert. Schwächen: sehr kleine Fallzahl (das Konfidenzintervall der Prävalenz ist breit), keine Kontrollgruppe; die Rolle der Niereninsuffizienz bei den Teilnehmern wird im Abstract nicht beziffert. Dass 9 von 11 als fertil eingestuften Männern abnorme Samenwerte hatten, zeigt, dass abnorme Werte und tatsächliche Fruchtbarkeit nicht übereinstimmen müssen.
Reda et al. 2021: Cystinose, Humandaten und Mausmodell [s64]. Der Humananteil dieser kombinierten Arbeit: Azoospermie war bei der Mehrzahl der Patienten mit infantiler Cystinose vorhanden; die Spermatogenese war erhalten, aber ein vergrößerter Nebenhodenkopf sowie niedrige Marker (neutrale α-Glukosidase, ECM1) wiesen auf eine Nebenhodenobstruktion hin. Die Blut-Hoden-Schranke war gestört (ZO-1). Die Autoren schließen auf eine obstruktive Azoospermie bei infantiler Cystinose, unabhängig von einem sich entwickelnden primären Hypogonadismus. Der Mausanteil wird an anderer Stelle der Gesamtstudie besprochen. Schwäche: Fallzahlen des Humananteils im Abstract nicht angegeben.
Weitere Fallberichte. Zwei Kleinserien zu ADPKD mit Nekrospermie und Samenbläschenerweiterung [s31, s131] sowie Einzelfälle zu Cystinose, NPHP4 und weiteren Erbkrankheiten [s10, s115, s21, s109] sind Fallberichte und werden an anderer Stelle behandelt. Der Widerspruch zwischen Torra (20 von 22 mit abnormen Parametern) und der Aussage von Kanagarajah [s131], die Mehrzahl der Männer mit ADPKD bleibe fertil, beruht auf unterschiedlichen Auswahlkriterien und kleinen Fallzahlen.
Hoden-Bildgebung und Verkalkungen
Die Befunde von Güvel [s166], Hekimoğlu [s99], Bozzini [s121] und Yajima [s205] sind oben bei den jeweiligen Kollektiven beschrieben. Zusammen zeigen sie für Männer unter Dialyse kleinere und steifere Hoden und häufige Nebenhodenverkalkungen; Samenanalysen fehlen in den bildgebenden Studien, sodass der Zusammenhang mit der Spermienproduktion offen bleibt.
Bevölkerungsstudien und genetische Epidemiologie
Pan et al. 2024: NHANES, Testosteron und CKD (Anhui) [s32]. Kohorte auf Grundlage des National Health and Nutrition Examination Survey: Von 71 163 Personen wurden 28 663 eingeschlossen; Testosteron wurde in sechs Erhebungszyklen (1999 bis 2004 und 2011 bis 2016) erhoben. Männer mit CKD hatten ein um 28,423 ng/ml (95-%-KI 24,762 bis 32,083) niedrigeres Testosteron als Männer ohne CKD (multiple Imputation: β = 27,700; 95-%-KI 23,427 bis 31,974); die Kaplan-Meier-Kurven zeigten ein geringeres Überleben bei CKD mit niedrigem Testosteron (p < 0,0001). Die Einheit ng/ml ist im Abstract so angegeben, die Größenordnung entspricht eher ng/dl und ist bei der Weitergabe zu prüfen. Stärken: sehr große repräsentative Stichprobe. Schwächen: überwiegend Querschnittsdaten (von den Autoren genannt), keine Kausalbelege; die Aussage im Abstract, eine zeitgerechte Korrektur habe vorbeugende und therapeutische Effekte, geht über die Daten hinaus; keine Fertilitätsdaten.
Zhao und Schooling 2020 und 2021: Mendelsche Randomisierung (Hongkong) [s83, s70]. In der UK Biobank (179 916 Männer mit 6016 CKD-Fällen, 212 079 Frauen mit 5958 Fällen) war genetisch vorhergesagtes bioverfügbares Testosteron bei Männern mit CKD assoziiert (OR 1,17 pro SD; 95-%-KI 1,03 bis 1,33; 125 Varianten), bei Frauen nicht (OR 1,02; 0,92 bis 1,14); die genetisch vorhergesagte eGFR beeinflusste das Testosteron nicht [s83]. Genetisch höheres SHBG war bei Männern mit niedrigerem CKD-Risiko verbunden (OR 0,78 pro SD; 0,65 bis 0,93; mit Testosteron-Adjustierung 0,61; 0,45 bis 0,82), nicht bei Frauen [s70]. Diese Arbeiten prüfen die Richtung Testosteron/SHBG zu CKD, nicht CKD zu Fertilität; der Abstract von [s83] verneint zudem einen Effekt der Nierenfunktion auf Testosteron, was sich vermutlich nicht auf Dialysepatienten oder Urämie übertragen lässt, da die Daten eine Allgemeinbevölkerung überwiegend weißer Briten betreffen.
Xuan et al. 2024 [s34] ist im Abschnitt zu CKD vor der Dialyse besprochen.
Zusammenschau der Beobachtungsstudien
Was mehrere unabhängige Studien übereinstimmend zeigen.
- Samenqualität unter Dialyse. Spermienzahl, Beweglichkeit und Morphologie sind bei Männern im Endstadium im Vergleich zu Kontrollen vermindert [s135, s127, s152, s168, s206, s113]; das Ausmaß wächst mit dem CKD-Stadium [s113] und der Dialysedauer [s127, s185]. Bei Xu konnten drei von 53 Patienten keine Probe abgeben, und in vier Proben fanden sich keine Spermien [s135]; der Fertilitätsindex lag bei 0,23 gegenüber 13,02 bei Kontrollen (Streuungsmaß unbenannt) [s152]. Die Studien sind klein, die Hangzhouer Arbeiten nicht unabhängig, und keine adjustiert für Alter, Diabetes oder Medikamente.
- Hormonelles Muster. Bei Niereninsuffizienz zeigt sich meist ein Muster aus erniedrigtem Testosteron, erhöhtem LH und teils FSH und erhöhtem Prolaktin [s127, s01, s116, s37, s53, s216, s205]. In der modernen, massenspektrometrisch gemessenen Studie lag die Prävalenz des Hypogonadismus bei 56,7 % gegenüber 13,3 % bei Kontrollen [s01]. Andere Studien finden deutlich niedrigere Raten abweichender Hormonwerte (Testosteron 18,6 % [s91], 17,1 % bis 20,9 % vor der Dialyse [s71], Gonadotropine meist normal [s79]); Grenzwerte, Messmethoden, Alter, Diabetes und Kollektive unterscheiden sich stark. Die Spanne von 17 % bis 66 % ist daher keine Unsicherheit über ein einheitliches Maß, sondern das Ergebnis verschiedener Fragestellungen.
- Nach Transplantation erholt sich die Leydig-Zell-Achse. Testosteron, LH, Prolaktin und Sexualfunktion bessern sich in den meisten Studien [s01, s116, s08, s60, s139, s38, s148, s133, s55, s101], und die Testosteronwerte Transplantierter liegen im Normbereich [s93, s43]. Die Spermienparameter bessern sich im Vergleich zu Dialysepatienten [s152, s164, s148], bleiben aber hinter denen Gesunder zurück, wie die Metaanalyse zeigt [s69].
- Vaterschaft nach Transplantation ist häufig möglich, aber nicht immer ohne Hilfe. Von 1332 Befragten hatten 17 % nach der Transplantation ein Kind, von diesen brauchten 27 % assistierte Reproduktion [s72]; in China zeugten 53 von 62 Männern mit aktivem Kinderwunsch nach Heirat ein Kind [s155]; in Belarus wurden nur 2 von 252 Männern nach der Transplantation Vater, bei fehlenden Angaben zum Kinderwunsch [s84]. Die Zahlen sind wegen der unterschiedlichen Bezugsgrößen nicht vergleichbar.
- Immunsuppressiva. Unter mTOR-Inhibitoren sind niedrigere Spermienzahlen und Schwangerschaftsraten beobachtet [s157], dazu eine Fallserie mit Erholung nach dem Absetzen [s141]; unter Valganciclovir verzögert sich die Verbesserung der Spermienkonzentration vorübergehend [s78]. Für Ciclosporin und Tacrolimus sind die Humanbefunde widersprüchlich [s199, s185, s163, s172]. Zu Mycophenolat gibt es Daten zur Vaterschaft ohne erkennbare Häufung von Fehlbildungen [s72, s62], aber keine kontrollierten Spermiendaten.
- Erbliche Nierenerkrankungen. Bei ADPKD sind abnorme Samenparameter häufig, auch bei erhaltener Nierenfunktion [s154, s106, s41, s94]; Zysten des Genitaltrakts und Flagellum-Anomalien sind beschrieben [s51, s44].
Wo die Befunde auseinandergehen.
- Testosteron nach Transplantation. Bei Hamdi blieb das Gesamt-Testosteron nach sechs Monaten bei 398 ng/dl und der Anteil Hypogonadaler bei 24,5 % [s116], während andere Studien einen Anstieg berichten [s08, s60, s139]. Die jüngste große Kohorte sieht einen grenzwertigen Anstieg des Gesamt-Testosterons (P = 0,0514) bei klar steigendem freiem Testosteron [s01]. Das spricht dafür, dass das gemessene Maß (gesamt oder frei) und das Kollektiv (Alter 37 gegenüber 60 Jahre) das Ergebnis mitbestimmen.
- Sertoli-Zell-Marker. Das Inhibin B fällt nach Transplantation in zwei unabhängigen Kohorten [s01, s116], während die Spermienparameter in Querschnittsvergleichen besser werden [s152, s164]. Der Widerspruch ist ungeklärt; denkbar ist, dass die Querschnittsvergleiche verschiedene Männer betrachten und der Verlauf am selben Mann etwas anderes zeigt, und beide Kohorten nennen Immunsuppressiva als mögliche Ursache (Tacrolimus plus Mycophenolsäure bei Hamdi). Das ist eine Beobachtung, kein Nachweis.
- Gonadotropine. Bei Hypogonadismus sind LH und FSH meist erhöht [s127, s01], bei Oueslati dagegen in 21 von 22 Fällen normal [s79], und bei Tokgöz zeigte sich ein normales Testosteron mit erhöhtem basalem LH [s176]. Das stützt eine Mischung aus testikulärer und zentraler Komponente [s136].
- Dialyseform. Die einzige Studie mit direktem Vergleich fand unter Peritonealdialyse höheres Testosteron [s73]; ein Beleg für einen Vorteil der Verfahren fehlt, und andere Studien fanden keinen Unterschied der Sexualfunktion zwischen den Verfahren [s173, s81].
- ADPKD. 20 von 22 Männern mit abnormen Samenparametern [s154] stehen Aussagen gegenüber, die Mehrzahl bleibe fertil [s131, s96]; beides sind Auswahlstichproben.
- Zeitverlauf der Erholung. Der Fertilitätsindex erreichte bei Xu zwei Jahre nach Transplantation annähernd den Wert gesunder Männer [s152, s156], während die Metaanalyse einen bleibenden Abstand findet [s69] und Delesalle von Veränderungen berichtet, die unter Immunsuppression bestehen bleiben könnten [s111].
Stärke der Evidenz (Einschätzung). Insgesamt niedrig. Es gibt keine Studie mit hoher Fallzahl, Randomisierung und Spermienendpunkten bei CKD oder Dialyse; die größte Spermienstudie zu CKD-Stadien umfasst 66 Männer [s113], die größten Spermienstudien bei Dialysepatienten 53 und 74 Männer [s135, s127]. Die größten Datensätze sind Befragungen [s72, s62] und Bevölkerungsstudien [s34, s32] ohne Spermiendaten. Die Gründe für die geringe Aussagekraft sind überall dieselben: Querschnitt statt Verlauf, fehlende Kontrollgruppen, kleine Gruppen, Zusammenfallen von Urämie, Dialyse, Medikamenten, Anämie, Diabetes und Alter, uneinheitliche Messmethoden, Selektion und die weitgehende Beschränkung auf Abstracts als Informationsquelle. Für die Frage der Dialyseform und des Dialysezeitpunkts gibt es keinen Beleg zugunsten eines Verfahrens; eine Studie fand keine Änderung des Testosterons durch eine Dialysesitzung [s213] und eine weitere einen Anstieg, den die Autoren als Hämokonzentration deuten [s20].
Lücken der Literatur.
- Keine Studie mit Spermienendpunkten und hoher Fallzahl bei Männern mit CKD vor der Dialyse.
- Kein Vergleich von Hämodialyse und Peritonealdialyse für Spermienparameter; der einzige Vergleich betrifft Hormone [s73].
- Nach Transplantation keine Studie, die Spermienparameter und Immunsuppressionsschemata prospektiv und mit ausreichender Fallzahl vergleicht.
- Keine Studie zur DNA-Fragmentierung oder Epigenetik der Spermien bei CKD außer als Nebenendpunkt bei McLeroth [s78].
- Keine Kohortenstudie zu Kindern von Vätern mit CKD vor der Transplantation oder unter Dialyse; zu Transplantierten gibt es nur Befragungen und beschreibende Reihen [s72, s62, s155, s119].
- Keine Daten zu Lebendnierenspendern im Material.
- Keine in arabischer Schrift veröffentlichte Studie, keine koreanische Spermienstudie und keine deutschsprachige Originalstudie mit abrufbarem Abstract gefunden; das ist ein Suchergebnis unter den genannten Zugangsgrenzen (gesperrte oder nicht auswertbare Datenbanken wie SciELO, LILACS, Cairn, CNKI und Wanfang), kein Beleg für das Fehlen solcher Arbeiten.
Grenzen dieses Abschnitts. Zahlen stammen überwiegend aus Abstracts; was dort fehlt (Gruppengrößen, Effektgrößen, Störgrößen), ist im Text als fehlend gekennzeichnet und wurde nicht ergänzt. Die Einschätzungen zu Stärken und Schwächen beruhen auf Studiendesign und Abstract; sie sind keine formale Qualitätsbewertung mit einem Bias-Werkzeug. Einheiten und Streuungsmaße sind in mehreren Abstracts offensichtlich fehlerhaft oder unbezeichnet (zum Beispiel [s56], [s151], [s93], [s163]) und werden wie gedruckt wiedergegeben. Ein Abgleich mit den Primärtexten könnte einzelne Angaben korrigieren.