Dieser Abschnitt behandelt alle gefundenen Arbeiten, die Primärstudien zusammenfassen: quantitative Metaanalysen, systematische Übersichten mit Suchstrategie und erzählende (narrative) Übersichten. Die Ordnung folgt der Belastbarkeit der Methode, nicht dem Erscheinungsjahr. Vorab drei Befunde, die für alle folgenden Einzelbesprechungen wichtig sind.
Erstens gibt es keine Metaanalyse, die Spermienzahl, Beweglichkeit oder Morphologie bei Männern mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) oder unter Dialyse gegen nierengesunde Männer poolt. Die einzige quantitative Zusammenfassung mit Samenparametern vergleicht Transplantierte mit Dialysepatienten und mit Gesunden und beruht auf fünf Studien [s69]. Zweitens stützen sich die Übersichten weitgehend auf dieselben kleinen Primärstudien (zum Beispiel die Hangzhouer Arbeiten um Xu, Ciclosporin-Studien der 1990er Jahre, die Studie von Zuber zu Sirolimus). Mehrere gleichlautende Übersichten sind deshalb keine unabhängigen Bestätigungen. Drittens beantwortet ein großer Teil der zusammenfassenden Literatur andere Fragen als die nach der Samenqualität: Erektionsfunktion, Hormone und Überleben. Diese Arbeiten sind hier aufgenommen, weil sie die hormonelle und sexuelle Umgebung der Spermatogenese beschreiben; sie werden jeweils ausdrücklich so eingeordnet. Randomisierte Einzelstudien, Tierversuche, Einzelfallberichte und Leitlinien sind nicht Gegenstand dieses Kapitels und werden an anderer Stelle der Gesamtstudie behandelt. Die Cochrane-Übersicht zu Behandlungen der sexuellen Funktion bei CKD wird hier wegen ihres Übersichtscharakters dennoch besprochen.
Quantitative Metaanalysen mit Samenparametern
Zhang et al. 2021: Kidney transplantation improve semen quality in patients with dialysis: A systematic review and meta-analysis (Andrologia) [s69]. Es handelt sich um die einzige Metaanalyse im Material, die Spermienparameter nach Nierentransplantation quantitativ bündelt. Die Autoren durchsuchten MEDLINE, PubMed und Web of Science von Beginn der Datenbanken bis März 2021. Extrahiert wurden Stichprobengröße, Merkmale der Teilnehmer, Samenqualität und Hormonspiegel; als Effektmaß diente die standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) mit 95-%-Konfidenzintervall. Eingeschlossen wurden fünf Studien. Die Ergebnisse im Einzelnen:
- Spermiendichte, Transplantierte gegenüber Dialysepatienten: SMD 1,58 (95-%-KI 0,02 bis 3,15).
- Beweglichkeit, Transplantierte gegenüber Dialysepatienten: SMD 3,26 (0,73 bis 5,79).
- Spermiendichte, Transplantierte gegenüber gesunden Männern: SMD −0,75 (−1,42 bis −0,07).
- Beweglichkeit, Transplantierte gegenüber gesunden Männern: SMD −0,50 (−0,80 bis −0,20).
Die Autoren folgern, die Transplantation verbessere die Samenqualität bei terminaler Niereninsuffizienz (Dichte und Beweglichkeit), die Samenqualität der Transplantierten bleibe aber hinter der gesunder Männer zurück. Stärken: Es ist die einzige gepoolte Aussage zum Thema, und sie enthält mit den Gesunden einen externen Bezugspunkt. Schwächen: Mit nur fünf Studien ist die Datengrundlage schmal. Die Konfidenzintervalle der Vergleiche mit Dialysepatienten sind sehr breit; die Untergrenze des ersten Intervalls liegt bei 0,02 und damit praktisch bei null. Standardisierte Mittelwertdifferenzen von über 3 für die Beweglichkeit sind für biologische Messgrößen ungewöhnlich groß und sprechen für erhebliche Unterschiede zwischen den Primärstudien. Angaben zur Heterogenität (I²), zur Verzerrungsbewertung und zur Prüfung auf Publikationsverzerrung stehen im abgerufenen Abstract nicht. Nach den Angaben im Abstract wurden keine chinesischen oder japanischen Datenbanken durchsucht, sodass ein Teil der dort veröffentlichten Arbeiten (siehe den Abschnitt zu Beobachtungsstudien) fehlen dürfte. Schwangerschaften oder Geburten sind kein Endpunkt. Einordnung: Die Richtung (Besserung nach Transplantation, aber keine Normalisierung) deckt sich mit den Einzelstudien; ihre Größe ist wegen der Unsicherheit nicht zuverlässig bezifferbar.
Hazir et al. 2026: The effects of kidney transplantation on sex hormones, sperm parameters, and fertility rate in males: A systematic review [s03]. Diese Arbeit ist eine systematische Übersicht nach PRISMA ohne Metaanalyse im Abstract. Durchsucht wurden Web of Science, MEDLINE (über PubMed) und Embase (über Scopus) für den Zeitraum Januar 1975 bis Dezember 2024. Eingeschlossen waren nur englischsprachige begutachtete Arbeiten; ausgeschlossen wurden Übersichten, Leitartikel, Buchkapitel, Kongressabstracts, Fallberichte und Fallserien bis vier Patienten. Von 2939 Treffern erfüllten 23 Studien mit zusammen 738 Patienten die Kriterien. Ergebnisse laut Abstract: Die meisten Studien berichteten einen signifikanten Anstieg des Testosterons 3, 6 und 12 Monate nach der Transplantation; LH und Prolaktin verliefen gegenläufig. Das LH war nach 1 und 12 Monaten signifikant niedriger, das Prolaktin zu allen untersuchten Zeitpunkten von 1 bis 12 Monaten. Das FSH schwankte und war zu keinem Zeitpunkt signifikant verändert. Hodenbiopsiebefunde und alle Kategorien der Spermienparameter besserten sich. Die Autoren schließen, die Transplantation verbessere Sexualhormone, Spermienparameter und Sexualfunktion, und fordern eine internationale Datenbank mit prospektiv erhobenen Daten. Stärken: PRISMA-konformes Vorgehen, drei Datenbanken, langer Zeitraum. Schwächen: keine quantitative Bündelung, im Abstract keine Effektgrößen, Konfidenzintervalle oder Angaben zur Verzerrungsbewertung; die Beschränkung auf die englische Sprache schließt die chinesisch-, japanisch- und russischsprachige Literatur aus, die einen großen Teil der Spermiendaten stellt; die Autoren benennen selbst die uneinheitlichen Methoden und Endpunkte der Primärstudien. Die zusammenfassende Aussage, alle Kategorien der Spermienparameter besserten sich, ist durch die Metaanalyse von Zhang [s69] nur teilweise gedeckt, die für gesunde Männer weiterhin höhere Werte findet.
Metaanalysen zu Sexualfunktion und Hormonen nach Transplantation
Die folgenden Arbeiten untersuchen nicht die Spermien. Sie sind für die Frage der Fertilität nur mittelbar bedeutsam, weil sie zeigen, wie sich Erektion und Hormonachse nach Transplantation ändern.
Kang et al. 2020: Erectile function after kidney transplantation: a meta-analysis (Tianjin) [s76]. Gesucht wurde in PubMed, Embase, Cochrane Library und Web of Science bis 31. Mai 2019. Als Kontrollgruppe dienten altersgleiche Dialysepatienten oder Patienten vor der Transplantation. Eingeschlossen wurden neun Artikel. Hauptzielgrößen waren die Prävalenz erektiler Dysfunktion und die Bereichswerte des International Index of Erectile Function (IIEF). Die Transplantierten hatten eine niedrigere Prävalenz erektiler Dysfunktion (OR 0,49; 95-%-KI 0,28 bis 0,86) und höhere Werte für Erektionsfunktion (SMD 0,53; 0,12 bis 0,94) und sexuelles Verlangen (SMD 1,19; 0,11 bis 2,27). Keine signifikanten Unterschiede bestanden bei Orgasmusfunktion (SMD 0,27; −0,10 bis 0,63), Zufriedenheit mit dem Geschlechtsverkehr (SMD 0,26; −0,10 bis 0,61) und Gesamtzufriedenheit (SMD 0,17; −0,21 bis 0,56). Bei den Hormonen hatten Transplantierte ein höheres Testosteron (SMD 1,20; 0,86 bis 1,54), ein niedrigeres Prolaktin (SMD −1,46; −2,22 bis −0,69) und ein niedrigeres LH (SMD −0,97; −1,39 bis −0,55). Die Autoren sehen die Besserung der Erektionsfunktion durch die Korrektur der hormonellen Störungen erklärt; diese Deutung ist eine Hypothese, denn die Metaanalyse prüft keinen Vermittlungsweg. Schwächen: nur neun Artikel; durchsucht wurden ausschließlich westliche Datenbanken; die Konfidenzintervalle sind teils sehr breit (sexuelles Verlangen: Untergrenze 0,11); die Kontrollgruppen sind uneinheitlich (altersgleiche Dialysepatienten oder dieselben Patienten vor der Operation); und wer transplantiert wird, ist im Mittel gesünder als wer an der Dialyse bleibt. Diese Auswahl allein kann einen Teil der Unterschiede erklären.
Miron et al. 2023: The impact of renal transplantation on sexual function in males with end-stage kidney disease: a systematic review and meta-analysis [s42]. Die Autoren durchsuchten MEDLINE (PubMed), Embase, Scopus, die Cochrane Library und clinicaltrials.gov bis August 2022 ohne Sprachbeschränkung. Eingeschlossen wurden nur Studien, die dieselben Patienten vor und nach der Transplantation mit dem IIEF untersuchten. Auswahl, Datenextraktion und Verzerrungsbewertung erfolgten durch Gutachter unabhängig und doppelt. Die Endanalyse umfasste 28 Kohortenstudien mit 2252 Teilnehmern; die Autoren berichten eine Besserung der erektilen Funktion nach Transplantation und „13 % Verbesserung“ der erektilen Dysfunktion. Welches Maß hinter dieser Prozentangabe steht und wie das Konfidenzintervall lautet, nennt der abgerufene Abstract nicht; sie sollte daher nicht als Risikoreduktion gelesen werden. Stärken: Vorher-Nachher-Design am selben Patienten, das den Auswahleffekt von Kang [s76] vermeidet; keine Sprachbeschränkung; doppelte Extraktion. Schwächen: nur der Abstract war verfügbar; Heterogenität, Nachbeobachtungsdauer und Wahl des Effektmaßes sind nicht bekannt; Fertilität wurde nicht untersucht.
Liu et al. 2025: The prevalence and risk factors of erectile dysfunction in kidney transplant recipients: A systematic review and meta-analysis (Medicine) [s18]. Die Metaanalyse bündelt Prävalenzen erektiler Dysfunktion bei Nierentransplantierten; durchsucht wurden unter anderem die chinesischen Datenbanken CNKI, Wanfang, VIP und CBM. Aufgenommen wurden 28 Studien mit 3520 männlichen Transplantierten; eingeschlossen waren Studien, die validierte Instrumente wie den IIEF verwendeten. Im frei zugänglichen Volltext steht: Die Prävalenz schwankte in den Einzelstudien von 26,0 % bis 75,5 %; die gepoolte Prävalenz betrug 53,0 % (95-%-KI 48,0 bis 57,9) bei einer Heterogenität von I² = 91,5 % (P < 0,001), weshalb ein Modell mit zufälligen Effekten gewählt wurde. Das Trichterdiagramm war asymmetrisch, der Egger-Test deutete auf einen Kleinstudieneffekt (t = −3,81; P = 0,008); eine Trim-and-fill-Analyse ergab keinen Bedarf für das Entfernen von Studien, und das Ergebnis blieb unverändert. Als Risikofaktoren aus multivariablen Analysen ergaben sich Diabetes (OR 3,80; 95-%-KI 2,0700 bis 6,9717) und, bei einer Grenze von 50 Jahren, ein höheres Alter (OR 7,22; 95-%-KI 1,0273 bis 50,7553). Das zweite Intervall ist so breit, dass der Punktwert praktisch nichts aussagt. Der Methodenteil nennt widersprüchlich sowohl einen Egger-Test als auch einen Begg-Test mit einem Ergebnis ohne Hinweis auf Verzerrung; im Ergebnisteil überwiegt der signifikante Egger-Test. Einordnung: Bei I² über 90 % ist der gepoolte Wert von 53 % eine grobe Orientierung, keine feste Größe; er sagt nichts über die Fruchtbarkeit der Männer aus.
Vecchio et al. 2010: Interventions for treating sexual dysfunction in patients with chronic kidney disease (Cochrane) [s147]. Die Übersicht durchsuchte im Oktober 2010 das Spezialregister der Cochrane Renal Group, CENTRAL, MEDLINE (ab 1966) und EMBASE (ab 1980) und schloss randomisierte und quasi-randomisierte Studien zu medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungen sexueller Funktionsstörungen bei Männern und Frauen mit CKD ein (vor der Dialyse, unter Dialyse, nach Transplantation). Zwei Autoren wählten Studien aus, extrahierten Daten und bewerteten die Qualität unabhängig; Effekte wurden als Risk Ratio, Mittelwertdifferenz oder standardisierte Mittelwertdifferenz mit 95-%-KI im Modell mit zufälligen Effekten zusammengefasst. Eingeschlossen wurden 15 Studien (8 parallele, 7 Crossover-Studien) mit 352 Patienten, nur eine Studie mit Frauen. Geprüft wurden Phosphodiesterase-5-Hemmer, Zink, Vitamin E, Vitamin D und Bromocriptin gegen Placebo. Phosphodiesterase-5-Hemmer erhöhten den IIEF-5-Gesamtwert (2 Studien, 101 Patienten, MD 10,65; 95-%-KI 5,34 bis 15,96) sowie alle Bereichswerte und den vollständigen 15-Fragen-IIEF (1 Studie, 41 Patienten, MD 2,64; 1,32 bis 3,96). Zink im Dialysat erhöhte das Testosteron am Behandlungsende nicht signifikant (2 Studien, 22 Patienten, MD 0,21 ng/ml; −2,14 bis 2,55), orales Zink dagegen schon (1 Studie, 20 Patienten, SMD 1,62; 0,58 bis 2,66). Plasma-LH und -FSH unterschieden sich unter Zink nicht. Zu Vitamin E, Bromocriptin und Dihydroxycholecalciferol lagen nur spärliche Daten vor; zu Injektionen, mechanischen Hilfen oder psychosexueller Therapie gab es bei CKD keine Studien. Stärken: Cochrane-Methodik, nur randomisierte Studien. Schwächen: sehr kleine Studien mit meist ein bis zwei Studien pro Vergleich, ein breites Konfidenzintervall bei der Zinkstudie, 16 Jahre Abstand zur Gegenwart, und Spermienparameter oder Fertilität sind keine Endpunkte. Hier wird ein Ergebnis berichtet, keine Behandlung empfohlen.
Metaanalyse zu Hormonen und Prognose bei CKD
Li et al. 2022: Low Testosterone Level and Risk of Adverse Clinical Events among Male Patients with Chronic Kidney Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis of Cohort Studies (Jiangsu) [s50]. Die Arbeit ist bei INPLASY (202250085) vorab registriert. Gesucht wurde bis 1. Mai 2022 in PubMed, Web of Science und Embase; 461 Treffer ergaben nach Entfernen von Doppelungen 226 Datensätze, 19 Volltexte wurden geprüft, 9 Kohortenstudien mit 5331 Patienten gingen ein. Die Qualität wurde mit der Newcastle-Ottawa-Skala bewertet. Je Abnahme des Gesamttestosterons um eine Standardabweichung stiegen die Gesamtmortalität (HR 1,27; 95-%-KI 1,16 bis 1,38), die kardiovaskuläre Mortalität (HR 2,00; 1,39 bis 2,86), kardiovaskuläre Ereignisse (HR 1,20; 1,04 bis 1,39) und Infektionsereignisse (HR 1,41; 1,08 bis 1,84). Für das freie Testosteron stieg das Risiko aller unerwünschten Ereignisse um 66 % (HR 1,66; 1,34 bis 2,05; I² = 0,0 %). Die Heterogenität war außer bei den Infektionsereignissen (nur eine Studie, daher I² = 100 % ohne Aussagekraft) gering (I² unter 50 %), und es wurden Modelle mit festen Effekten verwendet. Die Aussage zum freien Testosteron beruht nur auf drei Datenpunkten aus zwei Studien. Einordnung: Die Arbeit betrifft Prognose, nicht Fertilität. Bei Beobachtungsdaten lassen sich Ursache und Wirkung nicht trennen, denn ein niedriges Testosteron kann Ausdruck der Krankheitsschwere sein. Für die Frage dieser Studie ist sie vor allem ein Hinweis, dass niedriges Testosteron bei CKD häufig und klinisch bedeutsam ist.
Systematische Übersichten ohne quantitative Bündelung
Neuzillet et al. 2016: Andrologic consequences of chronic renal failure (Progrès en Urologie, französisch) [s105]. Titel übersetzt: Andrologische Folgen des chronischen Nierenversagens. Die Übersicht gehört zum jährlichen wissenschaftlichen Bericht der französischen Urologengesellschaft. Gesucht wurde in Medline und Embase mit Stichworten wie chronische Nierenerkrankung, Hypogonadismus, Nierentransplantation, testikuläre Dysfunktion und Testosteron. Berücksichtigt wurden Arbeiten der letzten zehn Jahre in englischer oder französischer Sprache. Von 383 Artikeln gingen 51 in den Text ein. Ergebnis: Die Prävalenz des Hypogonadismus bei CKD liege zwischen 24 % und 66 % und sinke nach der Transplantation nur teilweise. Als Ursachen werden ein primärer testikulärer Defekt, eine hypothalamisch-hypophysäre Dysregulation und eine Hyperprolaktinämie genannt; die Folgen seien nicht nur sexuell, sondern beträfen auch Anämie, Sarkopenie und Atherosklerose, und Hypogonadismus sei ein unabhängiger Risikofaktor für Mortalität. Die Korrektur des Hypogonadismus sei nur im Rahmen der Behandlung erektiler Dysfunktion validiert. Schwächen: Es gibt keine Bewertung der Studienqualität und keine Zusammenfassung von Effekten; die Spermienseite (Samenanalyse, Fertilität) kommt im Abstract nicht vor; und die Bezeichnung „hypogonadotroper Hypogonadismus“ steht im Gegensatz zu den meisten Primärstudien, die erhöhte Gonadotropine fanden [s127, s116]; auch Oueslati [s79] fand die Gonadotropine überwiegend normal. Der Begriff ist hier uneinheitlich benutzt.
Kleinclauss et al. 2016: Sexuality, fertility and pregnancy after kidney transplantation (Progrès en Urologie, französisch) [s104]. Titel übersetzt: Sexualität, Fertilität und Schwangerschaft nach Nierentransplantation. Auch diese Übersicht stammt aus dem Jahresbericht der französischen Urologengesellschaft. Gesucht wurde in Medline und Embase mit Stichworten wie erektile Dysfunktion, Impotenz, Sexualität, Schwangerschaft, Fertilität und Nierentransplantation. Es ergaben sich 706 Artikel, davon wurden 76 aufgenommen. Ergebnis: Die Prävalenz erektiler Dysfunktion sei bei CKD hoch und die Ursache meist multifaktoriell; die Transplantation bessere in der Regel die Sexualität, und die Behandlung erektiler Dysfunktion sei bei Transplantierten wie in der Allgemeinbevölkerung. Der Abstract widmet sich überwiegend der Schwangerschaft von Frauen nach Transplantation (gute Ausgänge ohne Risikofaktoren wie Schwangerschaft innerhalb eines Jahres nach Transplantation, unkontrollierten Bluthochdruck und verminderte Transplantatfunktion; Anpassung der Immunsuppression gegen Teratogenität). Der Schlusssatz, die Nierentransplantation verbessere Sexualität und Fertilität bei Männern und Frauen, ist für Männer im Abstract nicht mit Spermiendaten belegt. Schwächen: keine Qualitätsbewertung; im Abstract keine Zahlen zur männlichen Fertilität; die Aussage stützt sich damit bei Männern auf Sexualfunktionsdaten.
Jensen et al. 2021: A systematic overview of the spermatotoxic and genotoxic effects of methotrexate, ganciclovir and mycophenolate mofetil [s58]. Die Arbeit folgt PRISMA, durchsuchte MEDLINE und Embase und beschränkte sich auf englischsprachige Literatur, auf Tierstudien an Säugetieren in vivo und auf klinische Humanstudien. Gefunden wurden 102 Studien, davon 25 am Menschen und 77 am Tier. Ergebnisse: Für Methotrexat in immunsuppressiver Dosis zeigten Humanstudien vorübergehende Wirkungen auf die Samenqualität, die innerhalb von drei Monaten zu den Referenzwerten zurückkehrten; zur DNA-Schädigung der Spermien durch Methotrexat gibt es keine Humanstudien. Im Tier schädigen immunsuppressive und zytotoxische Dosen die Samenqualität und zeigen weit verbreitete genotoxische Schäden in verschiedenen Organen. Für Ganciclovir und Mycophenolatmofetil seien die Daten begrenzt und die Ergebnisse unbestimmt, weshalb spermatotoxische und genotoxische Wirkungen nicht ausgeschlossen werden könnten. Stärken: PRISMA, Tier und Mensch getrennt ausgewiesen, Genotoxizität (Erbgutschäden) als zweiter Endpunkt. Schwächen: Der Humananteil mit 25 Studien ist klein und umfasst Mischkollektive (Methotrexat wird bei rheumatischen und Hauterkrankungen gegeben); die Studien sind nicht auf Nierentransplantierte beschränkt; im Abstract fehlen Zahlen. Für die Nierenfrage ist der Befund zu Mycophenolat und Ganciclovir ein knappes ehrliches Fazit: nicht belegt, nicht ausgeschlossen.
Narrative Übersichten zur Fertilität bei Nierenversagen und nach Transplantation
Die folgenden Arbeiten haben keine oder keine nachvollziehbare Suchstrategie, keine Bewertung der Studienqualität und keine quantitative Zusammenfassung. Sie fassen den Stand aus Sicht der Autoren zusammen. Weil von den meisten nur der Abstract abgerufen wurde, sind hier nur die dort genannten Aussagen wiedergegeben; fehlende Zahlen wurden nicht ergänzt.
Lundy und Vij 2019 [s87]. Die Übersicht beschreibt Subfertilität und Infertilität bei Nierenversagen als Folge von Hypogonadismus, erektiler Dysfunktion und einer direkten Beeinträchtigung der Spermatogenese mit spätem Reifungsstopp. Die Transplantation behebe einen Teil dieser Defekte. Schwäche: keine Zahlen im Abstract, keine Angabe, welche Primärstudien den Reifungsstopp belegen.
Kuczera et al. 2022 [s49]. Nach dieser Übersicht nimmt die Prävalenz gestörter Fertilität mit dem Grad der Nierenfunktionsstörung zu und ist im CKD-Stadium 5 am höchsten. Bereits entstandene morphologische Schäden der Gonaden seien durch die Transplantation nicht vollständig rückgängig zu machen. Schwäche: Der Abstract nennt keine Quellen für diese Aussagen; die Behauptung der unvollständigen Rückbildung deckt sich mit den Metaanalyse-Befunden bei Transplantierten [s69], ist aber ein Rückschluss aus Funktionsdaten, kein histologischer Beleg.
Szymusik et al. 2020 [s80]. Die Autoren schätzen, dass etwa 20 % bis 30 % der Organtransplantierten im reproduktiven Alter sind und die Infertilitätsrate etwas höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. Die Schätzung steht ohne Primärquelle im Abstract; sie umfasst Organtransplantierte allgemein, nicht nur Nierentransplantierte.
Elahi et al. 2026 [s02]. Diese Übersicht (Reproductive Health After Kidney Transplantation: Insights Into Infertility and Assisted Technologies) hält Infertilität nach Transplantation für multifaktoriell. Daten zur assistierten Reproduktion stammten überwiegend aus Fallberichten. Das ist eine ehrliche Aussage über die Evidenzlage: Zur Wirksamkeit assistierter Verfahren bei Nierentransplantierten gibt es keine kontrollierten Daten.
Delesalle et al. 2015 (Gynécologie Obstétrique et Fertilité, französisch) [s111]. Die Übersicht zur Fortpflanzung nach Nierentransplantation (frei verfügbar über HAL) berichtet, dass sich Spermienparameter und Hormonfunktion innerhalb von zwei Jahren besserten und Spermienveränderungen unter Immunsuppressiva bestehen bleiben könnten. Nur sieben Autoren hätten assistierte Reproduktion bei Nierentransplantierten beschrieben. Schwäche: nur der Abstract war verfügbar; welche Primärstudien die Zwei-Jahres-Aussage tragen, geht daraus nicht hervor.
Atallah et al. 2015 (Journal Médical Libanais, französisch) [s108, s107]. Der Abstract nennt als Hyperprolaktinämie-Anteil 100 % bei chronischem Nierenversagen, 60 % unter Dialyse und 35 % nach Transplantation. Der Abstract betont die Frau (stärkere Wirkung bei Frauen wegen der Hyperprolaktinämie, mit Auswirkungen auf Zyklus, Libido und Wachstum). Dialyse und Transplantation stellten die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse wegen der verschiedenen Immunsuppressiva weniger sicher wieder her; bei guter Einstellung der Medikamente verbessere die Transplantation die Sexualfunktion deutlich. Die Quellenliste führt zwei Einträge (s108 und s107, jeweils mit identischen Prozentzahlen), die vermutlich dieselbe Arbeit betreffen; sicher bestimmt wurde das nicht. Schwächen: Die Prozentangaben stehen ohne Quelle und Kollektiv, und über Spermien enthält der Abstract keine Aussage.
Palmer und Clegg 2017 [s100], Iglesias et al. 2012 [s130], Deebel et al. 2025 [s12], Gou et al. 2025 [s14], Bilha et al. 2023 [s39], Zitzmann 2024 [s36]. Diese sechs Übersichten behandeln die Hormonachse. Palmer und Clegg beschreiben hypothalamisch-hypophysäre Störungen schon vor Beginn der Dialyse. Iglesias et al. nennen einen Testosteronmangel bei 26 % bis 66 % der Männer mit CKD. Gou et al. beschreiben eine zentrale Suppression bei gleichzeitiger peripherer Gonadenresistenz. Bilha et al. halten fest, dass die Fertilität trotz rascher Hormonerholung nach Transplantation nicht vollständig wiederhergestellt sei. Deebel et al. und Zitzmann behandeln den Testosteronmangel bei CKD und Transplantation einschließlich der Testosterontherapie; dieser Teil wird hier nicht wiedergegeben, weil die Gesamtstudie keine Therapieempfehlung ausspricht. Gemeinsame Schwäche: wenig Spermiendaten, überwiegend Zusammenfassung derselben Hormonstudien.
Huyghe et al. 2007: mTOR-Inhibitoren und männliche Gonadenfunktion [s159]. Die Übersicht durchsuchte PubMed für 1990 bis 2006. Unter mTOR-Inhibitoren sinke das Testosteron, das LH steige; die Spermatogenese erscheine gestört, das FSH steige. Als Mechanismus wird die Hemmung eines Stammzellfaktor/c-kit-abhängigen Prozesses in den Spermatogonien genannt. Die Autoren bewerten die Wirkung als vorläufig: schädlich für Hoden und Gonadenfunktion, deren Ausmaß aber unbekannt sei. Die Arbeit ist 19 Jahre alt; neuere Primärdaten im Material sind die Beobachtungsstudie von Zuber [s157] und die Fallserie von Boobes [s141].
Gajjar et al. 2015: Cyclophosphamid und Fertilitätserhalt bei Nierenkrankheiten [s112]. Die Übersicht beschreibt, dass Cyclophosphamid beim nephrotischen Syndrom und bei der Lupusnephritis trotz Gonadotoxizität wichtig bleibt; behandelt werden Dosisgrenzen und Fertilitätserhalt (Spermienbanking, Kryokonservierung) mit Zugangshürden bei Kindern und Jugendlichen. Spermienzahlen enthält die Übersicht nicht, und die Recherche fand keine kontrollierte Studie zu Spermienparametern nach Cyclophosphamid bei Nierenkrankheit.
Langman et al. 2024 [s29] und Reda, Veys und Besouw 2021 [s63]: Cystinose. Reda et al. fassen zusammen, dass die Mehrzahl der männlichen Cystinosepatienten wegen Azoospermie infertil sei, Frauen dagegen fertil; früher habe ein primärer Hypogonadismus im Vordergrund gestanden, unter der Behandlung mit Cysteamin eher die Azoospermie. Langman et al. behandeln das Fertilitätsmanagement als klinische Perspektive. Beide Übersichten betreffen eine seltene Erbkrankheit mit Nierenbeteiligung und nicht die erworbene CKD; eine Übertragung ist nicht begründet.
Cai, Shang und Huang 2015 [s110] und Shi und Xu 2018 [s96]: ADPKD und männliche Fortpflanzung (Zhonghua Nan Ke Xue, chinesisch). Cai et al. berichten bei Männern mit autosomal-dominanter polyzystischer Nierenerkrankung (ADPKD) schwere Oligoasthenozoospermie, Nekrozoospermie, unbewegliche Spermien und Azoospermie sowie Zysten von Nebenhoden, Bläschendrüsen und Spritzkanälen als mögliche Ursachen; als Erklärungen werden Strukturanomalien der Spermien, ein Polycystin-Defekt, PKD-Genmutationen und Mikrodeletionen der AZF-Region genannt. Assistierte Reproduktion könne die Schwangerschaftschance erhöhen, die Gesundheit der Nachkommen sei zu bedenken. Shi und Xu halten fest, dass die meisten männlichen PKD-Patienten fertil, einige aber nicht seien; assoziiert seien Bläschendrüsenzysten, Asthenozoospermie, Nekrozoospermie, Strukturanomalien des Spermienflagellums und das Endstadium der Nierenerkrankung. Beide Übersichten enthalten keine Zahlen und keine Suchstrategie.
Kinugasa, Tayama und Sato 1997 (Japan) [s182]. Diese japanische Übersicht hält fest, dass Infertilität, verminderte Libido und Potenz bei urämischen Männern häufig seien und sich oft trotz Hämodialyse verschlechterten. Das Hormonprofil zeige häufig einen hypergonadotropen Hypogonadismus als Hinweis auf eine primäre Leydig-Zell-Funktionsstörung; Hypotestosteronämie und Hyperprolaktinämie könnten teilweise beteiligt sein. Als Ursachen werden urämische Toxine, renale Anämie, Hyperparathyreoidismus, Zinkmangel, Gefäß- und Nervenveränderungen sowie psychische Faktoren genannt. Die Korrektur der Anämie mit Erythropoetin führe zuweilen zu besserer Potenz. Schwäche: erzählerische Übersicht ohne Zahlen und ohne beschriebene Suchstrategie.
Ermolenko et al. 1987 (Terapevticheskij Archiv, russisch) [s208]. Titel sinngemäß: hormonelles Ungleichgewicht bei Urämie. Nach dem Abstract handelt es sich um eine Übersicht mit eigenen Daten zu Pathogenese, klinischen und Laborzeichen und Korrekturmöglichkeiten endokriner Komplikationen der chronischen Niereninsuffizienz, darunter des Hypogonadismus. Schwäche: Der Abstract enthält keine Zahlen und keine Angaben zu Hodenfunktion oder Spermien.
Tjuzikov 2012 (Andrologija i Genital'naja Chirurgija, russisch) [s136]. Titel sinngemäß: Zusammenhänge zwischen Androgenmangel und Nierenerkrankungen. Die Literaturübersicht (Volltext gelesen) hält fest, dass bei chronischer Niereninsuffizienz Jugendlicher eine verzögerte Pubertät bestehe und bei Erwachsenen eine Hodenhypoplasie mit Abfall der Testosteronsynthese, Fruchtbarkeitsstörungen bis zur Azoospermie, Libidoverlust und Gynäkomastie. Als Mechanismen werden die Störung der hypothalamischen Regulation durch Urämietoxine, eine direkte toxische Wirkung auf das samenbildende Epithel und das Leydig-Gewebe, oxidativer Stress, sympathische Überaktivität mit Ischämie und Hypoxie im Hodengewebe, endotheliale Dysfunktion, renale Anämie und sekundäre Hyperprolaktinämie angeführt. Der urämische Hypogonadismus sei seiner Natur nach gemischt (sekundär hypothalamisch-hypophysär und primär testikulär); bis zu 47 % bis 67 % der Männer unter Hämodialyse hätten einen Hypogonadismus. Zitiert werden unter anderem 126 Männer unter Hämodialyse (Carrero 2009; Testosteron umgekehrt mit IL-6 und CRP verbunden; 65 Todesfälle, davon 58 % kardiovaskulär) und die türkische Studie an 239 Patienten (Yilmaz 2011), die die Übersicht als Patienten unter Hämodialyse bezeichnet. Das widerspricht dem Abstract der Originalarbeit [s140], in der es sich um Patienten ohne Dialyse handelt; Übersichten dieses Sprachraums geben Primärdaten also teils ungenau wieder. Schwächen: nicht systematisch, keine Suchstrategie, Zahlen aus Sekundärangaben.
Markova et al. 2024 (Problemy Endokrinologii, Moskau) [s30]. Die Übersicht zu Hypophysenstörungen bei terminaler Niereninsuffizienz hält fest, dass die chronische Nierenerkrankung zu erhöhtem Prolaktin, LH und FSH führe, während Wachstumshormon, IGF-1, TSH, ACTH und Vasopressin normal oder erhöht bleiben könnten. Die Nierenersatztherapie senke Prolaktin, LH und FSH nicht, während Wachstumshormon, IGF-1 und TSH zur Normalisierung neigten; eine Nierentransplantation korrigiere hormonelle Störungen in den meisten Fällen. Die Korrektur könne das klinische Ergebnis verbessern (Meinung der Autoren). Schwächen: keine Suchstrategie, keine Zahlen im Abstract; die russische Fassung des Originals wurde nicht abgerufen.
Güngör et al. 2017 (Seminars in Dialysis, Izmir) [s98]. Die Übersicht hält fest, dass Dialysepatienten häufig Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse mit veränderter Synthese und Clearance vieler Hormone zeigen und dass das hormonelle Ungleichgewicht, auch ohne Beschwerden, mit erhöhter Sterblichkeit verbunden sei. Fertilität ist nicht Gegenstand; im Abstract stehen keine Zahlen.
Ateş 2010 (Gülhane Tıp Dergisi, türkisch) [s143]. Die Übersicht zu den Auswirkungen von Niereninsuffizienz, Dialyse und Transplantation auf Sexual- und Fortpflanzungsfunktionen berichtet bei urämischen Männern hohes FSH und LH und niedriges Testosteron; nach erfolgreicher Transplantation komme das Testosteron in den Normbereich; bei etwa der Hälfte der Hämodialysepatienten kämen spermatogene Anomalien und Libido- und Potenzverlust mit einem Defekt der Testosteronbiosynthese vor; Libido und Potenz kehrten nach Transplantation zurück. Schwächen: keine Quellen oder Zahlen im Abstract; die Angabe „etwa die Hälfte“ ist nicht belegt.
İlbey et al. 2024 (Bezmiâlem Science, türkisch-englisch) [s35]. Die Übersicht zu Immunsuppression, männlicher Fertilität und väterlicher Exposition hält fest, dass nur begrenzte Information über mögliche nachteilige Wirkungen von Immunsuppressiva Nierentransplantierter auf die männliche Fertilität vorliege und Beobachtungsstudien nahelegten, dass auch väterliche Arzneimittelexposition zur Teratogenität beitragen könne. Die Autoren verlangen weitere Studien und raten bei Kinderwunsch und geplanter Immunsuppression, Möglichkeiten wie Spermabanking zu erwägen; das ist die Meinung der Autoren und hier nur zitiert. Schwäche: keine Zahlen im Abstract, und es wird nicht erkennbar, welche Studien die Aussagen tragen.
Mahmoud und Borgi 2021 (Seminars in Nephrology, Beirut) [s61]. Die Übersicht zu Ernährung sowie Stoffwechsel- und endokrinen Störungen bei CKD nennt als häufigste endokrine Auffälligkeiten den Mangel an Erythropoetin, Calcitriol, Trijodthyronin, Testosteron und Östrogen sowie die Anhäufung von Adiponektin, Leptin, Triglyzeriden und Prolaktin; mögliche klinische Folgen seien unter anderem Infertilität. Schwächen: keine Zahlen und keine Spermienbefunde im Abstract; Fertilität wird nur als Folge genannt.
El-Assmy 2012 (World Journal of Nephrology, Mansoura) [s129]. Die Übersicht zur erektilen Dysfunktion bei Hämodialyse nennt eine Prävalenz zwischen 20 % und 87,7 %. Die Ursachen seien multifaktoriell (Gefäßkrankheit, Neuropathie, hormonelle Störungen, Medikamente, psychische Belastung); nach Transplantation bleibe die Häufigkeit hoch. Die Übersicht nennt sich systematisch, im Abstract ist die Methodik aber nicht nachvollziehbar.
Zusammenschau der Übersichten und Metaanalysen
Die Übersichtsliteratur lässt sich in vier Aussagen verdichten, die jeweils unterschiedlich gut belegt sind.
- Nach Transplantation bessern sich Hormone und Sexualfunktion. Das ist die am besten belegte Aussage; sie steht in einer systematischen Übersicht über 23 Studien [s03], in zwei Metaanalysen zur Erektionsfunktion [s76, s42] und in vielen Primärstudien. Die Größe der Besserung ist nicht gesichert (Kang: Untergrenze des Konfidenzintervalls für das Verlangen bei 0,11; Miron: kein Maß im Abstract).
- Die Samenqualität bessert sich nach Transplantation, erreicht aber nicht das Niveau Gesunder. Das trägt ausschließlich die Metaanalyse von Zhang mit fünf Studien und breiten Konfidenzintervallen [s69]; die Übersicht von Hazir [s03] ist weniger vorsichtig formuliert.
- Für Immunsuppressiva ist die Beweislage dünn. Die einzige systematische Übersicht zu Mycophenolat und Ganciclovir kann Schäden weder belegen noch ausschließen [s58]; zu mTOR-Inhibitoren gibt es eine alte Übersicht mit Mechanismusvermutung [s159]. Die Primärdaten dazu stehen im Abschnitt zu Beobachtungsstudien.
- Niedriges Testosteron ist bei CKD häufig und mit schlechterer Prognose verbunden. Das belegt die Metaanalyse von Li für Mortalität und Ereignisse [s50], nicht für Fertilität.
Nicht vorhanden sind: eine Metaanalyse der Samenparameter bei CKD oder Dialyse im Vergleich zu Nierengesunden, eine Metaanalyse der Vaterschaftsraten, eine Metaanalyse zu Immunsuppressiva und Spermien und eine Leitlinie, die diese Fragen behandelt. Die Übersichten bestätigen sich überdies nicht unabhängig, denn sie zitieren weitgehend dieselben kleinen Studien. Die Evidenz auf Übersichtsebene ist insgesamt niedrig.