Tierversuche
Tiermodelle der Niereninsuffizienz (5/6-Nephrektomie, Adenin-Diät, Glycerin-Modell) und der Immunsuppression liefern die einzigen Daten zur Hodenhistologie und zu Mechanismen. Nagetiere haben andere Spermatogenesezyklen, die Modelle erzeugen eine Urämie in Wochen statt in Jahren, viele Abstracts nennen keine Gruppengrößen, und die Übertragung auf den Menschen ist begrenzt.
Experimentelle Niereninsuffizienz bei der Ratte. Yamamoto, Sofikitis, Miyagawa 1996 [s187]: chronisches Nierenversagen durch 5/6-Nephrektomie bei Wistar-Ratten, Prüfung 7 bis 10 Wochen später; basales Serum-Testosteron und Testosteronantwort auf hCG waren niedriger, basale Gonadotropine erhöht, die Antwort auf GnRH unverändert, Prolaktin reagierte normal; androgenbindendes Protein, Nebenhoden-Spermiengehalt, Beweglichkeit und Fertilitätspotenzial waren signifikant niedriger. Yamamoto et al. 1997 [s184]: bei 48 Ratten mit zweizeitiger 5/6-Nephrektomie (6 Schein-operierte als Kontrolle) wurden nach sieben Wochen vier Gruppen gebildet (Kochsalz, Erythropoetin, Bromocriptin, Hydralazin); 17 Wochen nach der ersten Operation waren Zahl fertiler Ratten, Nebenhoden-Spermiengehalt und Beweglichkeit, In-vitro-Fertilisation, Testosteron und hCG-Antwort bei den Kontrollen und den mit Erythropoetin oder Bromocriptin behandelten Tieren signifikant höher (P < 0,05) als bei Kochsalz- und Hydralazin-Tieren; Prolaktin war in allen nephrektomierten Gruppen höher. Yamamoto et al. 1995 [s192] (Tagungszusammenfassung): 15 Ratten mit Nierenversagen gegen 10 Scheinoperierte; nach 8 Wochen waren Harnstoff, Kreatinin und Prolaktin erhöht, Stimulations- und Suppressionstests normal; Gewicht von Hoden, Nebenhoden, Samenbläschen und Prostata, Serum-Testosteron, Spermienzahl und Beweglichkeit waren signifikant niedriger; die Autoren leiten den Prolaktinanstieg aus verminderter renaler Metabolisierung ab. Yamamoto et al. 1996 [s186] (Tagungszusammenfassung): Nierenversagen bei 8 Wochen alten Wistar-Ratten (n = 12) gegen Scheinoperierte (n = 8); Nebenhodenspermien wurden zur In-vitro-Fertilisation mit je 10 reifen Eizellen verwendet; nach 18 Stunden zeigten 23 % gegen 82 % der Eizellen zwei Vorkerne, nach 36 Stunden wurden bei 13 % gegen 65 % Teilungsstadien gefunden. Das ist der einzige gefundene Funktionstest der Spermien im Nierenversagensmodell.
Steroidsynthese und Histologie. Adachi et al. 1998 [s179]: Adenin-Modell, 22 Ratten gegen 22 Kontrollen; an Tag 60 FSH höher, Testosteron erniedrigt, LH und relatives Hodengewicht unverändert; 17α-OH-Progesteron und Androstendion an Tag 30 erhöht, an Tag 60 nicht; der Abstract deutet auf eine Hemmung der 17β-Hydroxysteroid-Oxidoreduktase hin. Sasagawa et al. 1997 [s183]: bei zweizeitiger 5/6-Nephrektomie war bei einem Tag Abstand das LH signifikant erniedrigt und FSH erhöht, das Testosteron war bei allen stufenweise nephrektomierten Tieren signifikant niedriger. Adachi und Nakada 1999 [s177]: normotensive Tiere mit hohem 17α-OH-Progesteron und Androstendion bei niedrigem Testosteron, hypertensive Tiere mit aktiviertem Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, verminderter Hodendurchblutung und niedrigem Testosteron. Adachi et al. 1998 [s180]: bei stufenweise nephrektomierten und Adenin-behandelten Ratten waren Harnstoff und Kreatinin signifikant erhöht, aber Tubulusdurchmesser und Zellzahlen der Spermatogenese (A-Spermatogonien, präleptotäne und pachytäne Spermatozyten, Spermatiden pro 100 Sertoli-Zellen) unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht; die Autoren schließen, die Hodenhistologie werde im Rattenmodell nicht beeinflusst. Seval-Celik et al. 2014 [s117]: Resektion von mehr als 85 % der Nierenmasse; Hodenstruktur nicht verändert, VEGF-Färbung ähnlich, TGF-α in der CRF-Gruppe schwächer angefärbt, rein immunhistochemisch. Köksal et al. 2003 [s169]: fünf Gruppen männlicher Wistar-Ratten, Peritonealdialyse über 8 Wochen; der 5-Hydroxymethyl-2-furaldehyd-Gehalt (Maß für Glykationsendprodukte) war in den Gruppen 2 bis 5 gegenüber der Kontrolle signifikant erhöht, iNOS fand sich vor allem in Leydig-Zellen; 5-HMF und iNOS korrelierten (r = 0,698; p = 0,001); der Abstract widerspricht sich bei der Gewebeangabe („penis samples“). Tilavov und Khasanova 2026 [s09]: 140 Ratten (3, 6 und 9 Monate alt; Kontrolle n = 40, Nierenversagen nach der Glycerinmethode n = 50, Nierenversagen plus Wurzelaufguss von Ferula moschata n = 50); der Tubulusdurchmesser fiel von 178,1 ± 1,04 auf 151,62 ± 1,84 µm (6 Monate) und von 163,2 ± 1,1 auf 140,34 ± 2,19 µm (9 Monate); das Keimepithel war nach 3, 6 und 9 Monaten um 8,1 %, 25,5 % und etwa 30 % dünner; Ki-67 lag in den Kontrollen bei 35,9 %, 44,23 % und 23,2 % und sank unter Nierenversagen auf 18,1 %, 10,74 % und 2,94 %; der Pflanzenaufguss führte zu teilweiser Wiederherstellung (zum Beispiel Kanälchendurchmesser nach 6 Monaten 160,29 ± 2,24 µm). Das Glycerinmodell erzeugt eine akute toxische Nierenschädigung, die vom menschlichen chronischen Verlauf abweicht. Akarca Dizakar et al. 2026 [s07]: Kalorienrestriktion bei alternden Ratten, kein Nierenversagensmodell; nur eine Hypothese der Autoren verbindet oxidativen Stress in Niere und Hoden.
Mausmodelle der CKD. Tsao et al. 2020 [s82]: 66 C57BL/6-Mäuse in vier Gruppen (Schein plus normale Kost n = 14, CKD plus normale Kost n = 16, Schein plus Hochphosphat n = 16, CKD plus Hochphosphat n = 20; 0,6 % gegenüber 2 % Phosphor); die Autoren berichten, die beeinträchtigte Hodenfunktion und Samenqualität im CKD-Modell könnten aus erhöhtem oxidativem Stress mit Apoptose und Entzündung herrühren und die Hochphosphat-Kost verstärke die Hodenschäden; Zahlenwerte stehen nicht im Abstract. Tsao et al. 2021 [s67]: 36 Mäuse (Schein n = 18, CKD n = 18), über 8 Wochen Coenzym Q10 (10 mg/kg) oder Maisöl; Coenzym Q10 besserte die schlechte Samenqualität, steigerte Testosteron und die Enzyme der Testosteron-Biosynthese und milderte die Abnahme der antioxidativen Aktivität; ebenfalls ohne Zahlenwerte. Huang et al. 2025 [s16]: Adenin-CKD-Mausmodell mit einem Präparat der traditionellen chinesischen Medizin; keine Spermiendaten im Abstract, nur wegen des Modells aufgenommen.
Immunsuppressiva im Tiermodell. Grabowska et al. 2025 [s15]: männliche Wistar-Ratten über 6 Monate mit Schemata aus Ciclosporin A, Tacrolimus, Sirolimus, Mycophenolatmofetil und Prednison; in allen Gruppen Störungen im Aufbau des Keimepithels, kleinerer Tubulusdurchmesser und weniger Ki67-positive Keimzellen, mehr TUNEL-positive Keimzellen unter Ciclosporin- und Tacrolimusschema; die Umstellung auf Sirolimus senkte Tubulusgröße und Epithelhöhe zusätzlich, verminderte aber Ki67- und TUNEL-positive Zellen. Chen et al. 2013 [s123] (einseitig nephrektomierte Ratten): Ciclosporin und Sirolimus beeinträchtigten Hodenentwicklung und Achse mit tiefgreifenden histologischen Veränderungen, die Spermatogenese war schwer gestört; Tacrolimus verursachte nur eine leichte Minderung der Spermienzahl ohne histologischen Hodenschaden; Zahlenwerte stehen nicht im Abstract. Lin et al. 2019 [s85]: sieben Gruppen; Hodenkoeffizient, Spermienzahl und Beweglichkeit waren in den Behandlungsgruppen (außer Tacrolimus allein) niedriger als in Kontrolle und Nephrektomiegruppe (p < 0,05), am niedrigsten bei Ciclosporin plus Diltiazem, danach Ciclosporin allein; Diltiazem erhöhte die Blutspiegel von Ciclosporin und Tacrolimus. Alharbi et al. 2025 [s11]: Wistar-Ratten, 14 Tage; Agmatin erhöhte Testosteron und LH und milderte tacrolimusinduzierte histopathologische und oxidative Veränderungen; die Studie belegt vor allem, dass Tacrolimus im Rattenhoden oxidativen Stress und Entzündung erzeugte. Xiao et al. 2025 [s22]: Mausstudie; die Störung von FKBP12.6 milderte die FK506-induzierte männliche Infertilität durch Wiederherstellung von Beweglichkeit und mitochondrialer Funktion unreifer Spermien; der FK506-FKBP12.6-Komplex band bevorzugt an die spermienspezifische Calcineurin-Form (PPP3CC und PPP3R2); reine Grundlagenforschung ohne eigene Daten an Nierentransplantierten. Siervo et al. 2023 [s45]: Mäuse, niedrige Ciclosporindosis (10 mg/kg), 10 und 50 Tage; Kurzzeitbehandlung beeinträchtigte teilweise Spermienparameter und Trächtigkeitsrate, Langzeitbehandlung verminderte Spermienzahl, hyperaktivierte Beweglichkeit und Akrosomintegrität und senkte das Plasma-Testosteron, ohne die Reproduktionsergebnisse bei Verpaarung zu beeinträchtigen; alles kehrte 50 Tage nach Ende zurück. Kirsanov et al. 2020 [s77]: juvenile (P20) und adulte Mäuse erhielten 30 Tage Sirolimus oder Everolimus; Hoden-, Körper- und Samenbläschengewicht und Nebenhoden-Spermienzahl sanken, differenzierende Spermatogonien nahmen ab; eine Dosis, etwa sechsfach unter der klinischen Dosis für Krebspatienten, senkte nur Hodengewicht, Hoden/Körper-Verhältnis und Tubulusdurchmesser; nach der Erholungsphase war die Rückkehr zu Kontrollwerten je nach Parameter unterschiedlich, und alle Gruppen konnten Nachwuchs zeugen. Tiermodelle der Cystinose und ADPKD-Zellmodelle sind oben bei den Erbkrankheiten beschrieben [s64, s128, s44].
Was in der Studienlage fehlt
Keine Studie kombiniert Randomisierung, hohe Fallzahl und Spermienendpunkte bei CKD oder Dialyse; die größte Spermienstudie zu CKD-Stadien umfasst 66 Männer [s113]. Es fehlt ein Vergleich von Hämodialyse und Peritonealdialyse für Spermienparameter (die einzige Dialyseform-Studie misst Hormone [s73]). Es gibt keine Studie, die Spermienparameter und Immunsuppressionsschemata nach Transplantation prospektiv mit ausreichender Fallzahl vergleicht; die Humanevidenz zu Mycophenolat, Ciclosporin und Tacrolimus ist widersprüchlich oder fehlt, die zu Mycophenolat betrifft Nachkommen, nicht Spermien [s72, s62, s58]. Es gibt keine Daten zu Lebendnierenspendern, keine Kohortenstudie zu Kindern von Vätern unter Dialyse und keine Studie zur DNA-Fragmentierung oder Epigenetik der Spermien bei CKD außer als Nebenendpunkt [s78]. Aus Korea liegt keine Studie zu Spermien bei Nierenerkrankung vor (nur Fragebögen zur Sexualfunktion [s74, s138, s175]), aus dem arabischen Sprachraum keine in arabischer Schrift veröffentlichte Studie; aus dem deutschsprachigen Raum kam keine Studie mit abrufbarem Abstract, die aufgenommen werden konnte. Mehrere Titel (zum Beispiel Kreusser et al. 1978, Bererhi et al. 2003 zu Rapamycin-induzierter Oligospermie, Seethalakshmi et al. 1989 zu Ciclosporin und Hodenfunktion, Kheradmand und Javadneia 2003) waren nur als Titel erfasst; ohne Abstract wurden keine Inhalte übernommen. Die Zugangssperren bei SciELO, LILACS, Cairn, Dialnet, CNKI, Wanfang und DBpia bedeuten, dass portugiesische, spanische und chinesische Literatur vermutlich unterrepräsentiert ist.