Dialyse: Sexualfunktion und erektile Dysfunktion (Randbereich)
Die folgenden Studien erfassen Erektion, Verlangen oder Zufriedenheit. Sie sagen nichts über Spermienzahl, Beweglichkeit oder Zeugungsfähigkeit. Aufgenommen sind sie, weil sie in der Literatur den größten Anteil ausmachen und teils Hormonwerte mitliefern. Maße werden wie gedruckt berichtet.
Arslan et al. 2002 (Izmir, International Journal of Impotence Research) [s174]. 187 männliche Hämodialysepatienten; erektile Dysfunktion jeden Grades bei 80,7 % (unter 50 Jahren 74,5 %, ab 50 Jahren 86,6 %); 130 (69,5 %) hatten in den letzten vier Wochen 1 bis 2 Verkehrsversuche; nur 1 % hatte das Problem zuvor angesprochen. Schwäche: Querschnitt, Selbstauskunft, keine Hormone im Abstract.
Gorsane et al. 2016 (Tunesien) [s103]. 30 Hämodialysepatienten (mittleres Alter 49,1 Jahre); Prävalenz erektiler Dysfunktion 80 %, davon 33,3 % schwer; LH und FSH lagen im Normbereich bis auf einen Patienten mit erhöhtem LH, das Prolaktin war bei 4 erhöht; bei 8,4 % bestand die Störung vor dem Nierenversagen, bei 91,6 % zu Dialysebeginn. Das Thema wird im Abstract als Tabu bezeichnet. Schwäche: sehr kleine Stichprobe.
Nassir 2010 (Dschidda, Saudi-Arabien) [s146]. 52 Patienten bei Dialysebeginn (25 Hämodialyse, 27 Peritonealdialyse); nur 17,3 % waren potent, von den übrigen 71 % hatten eine schwere Störung; einziger signifikanter Risikofaktor war höheres Alter; 66,6 % wünschten eine Behandlung, keiner hatte sie bekommen. Schwächen: sehr kleine Stichprobe, Selbstauskunft, keine Hormone im Abstract.
Mekki et al. 2013 (Khartum, Sudan) [s124]. 146 Männer (106 unter Hämodialyse, 40 Transplantierte) beantworteten eine arabische IIEF-Fassung: Die Prävalenz betrug 83 % unter Hämodialyse und 67,5 % nach Transplantation; 43,7 % und 54,5 % der Angesprochenen antworteten nicht; eine frühere Erektionsstörung war der einzige gesicherte Zusammenhang. Schwäche: hohe Nichtantwortquote, daher Verzerrung durch Selbstauswahl wahrscheinlich.
Abdelaal et al. 2021 (Kairo) [s56]. 100 Hämodialysepatienten (48,77 ± 9,66 Jahre); der mittlere IIEF-Erektionsindex betrug 7,10 ± 4,62; freies und Gesamttestosteron 10,07 ± 7,69 und 2,93 ± 1,4 ng/dl; 67 % hatten abnorme Hormonwerte; eine arteriogene Störung bestand bei 71 %, eine venöse bei 19 %; der Index war niedriger bei Hypertonie (p = 0,002), Rauchen (p < 0,001) und abnormen Hormonwerten (p = 0,03). Freies Testosteron kann nicht höher sein als Gesamttestosteron; die Einheiten im Abstract sind offensichtlich fehlerhaft wiedergegeben.
Fu et al. 2024 (China) [s28]. 72 chinesische CKD-Patienten; erektile Dysfunktion bei 56,9 %, vorzeitiger Samenerguss bei 29,2 %. Schwäche: kleine Stichprobe, Einzelzentrum.
Suzuki und Kumamoto 1995, Fragebogen (Japan) [s191]. 205 Hämodialysepatienten (ohne Diabetes und schwere Anämie) wurden mit 3462 gesunden Männern verglichen. Eine verminderte Libido bestand bei 33,7 %, eine verminderte Potenz bei 44,4 %; ohne Geschlechtsverkehr waren in den Altersgruppen 30 bis 39, 40 bis 49, 50 bis 59 und 60 bis 69 Jahre 12,9 % gegenüber 3,5 %, 22,4 % gegenüber 3,0 %, 52,2 % gegenüber 7,5 % und 89,3 % gegenüber 18,0 % (Dialyse gegen Gesunde). Stärke: große Kontrollgruppe. Schwächen: Fragebogen; im Abstract keine Konfidenzintervalle und keine nähere Beschreibung der Gesunden.
Suzuki und Kumamoto 1995, Ursachenanalyse (Japan) [s190]. 32,2 % hatten eine schwere penile Neuropathie; das freie Testosteron war signifikant niedriger als bei Gesunden und korrelierte mit der nächtlichen Tumeszenz (r = 0,328), der Penisblutdruckindex ebenfalls (r = 0,387), das Prolaktin nicht. Die Varianzaufklärung der Tumeszenz betrug 30,7 % für die neurologische, 11,6 % für die endokrine und 4,2 % für die vaskuläre Störung. Die endokrine Ursache erklärt demnach im Vergleich zur Neuropathie nur einen kleineren Teil der Erektionsstörung.
Koreanische Fragebogenstudien (KCI, koreanische Originaltexte) [s74, s138, s175]. Park et al. 2002 (Universitätsklinikum Chonnam [s175]): 48 Hämodialysepatienten (Alter 57,9 ± 11,9 Jahre), alle mit erektiler Dysfunktion nach IIEF-5, schwer bei 54,2 %; unabhängig mit der schweren Form verbunden waren nur das Alter (OR 12,254; 95-%-KI 2,02 bis 74,32; p = 0,006) und die Gabe von Nitraten (OR 11,85; 1,06 bis 132,5; p = 0,045), beides mit sehr breiten Intervallen. Kim 2011 [s138]: 57 Hämodialysepatienten; Erektionsstörung bei 86,0 %, Störung des Verlangens bei 96,5 %, gestörte Gesamtzufriedenheit bei 96,5 %; in der multivariaten Analyse war nur die Depression unabhängig mit sexueller Aktivität verbunden. Han und Park 2020 [s74]: 134 Hämodialysepatienten; geringere Gesamtzufriedenheit ging mit höherem Depressionsgrad einher (r = −0,19; p = 0,028), höhere Depression mit schlechterer Schlafqualität (r = 0,60; p < 0,001). Gemeinsam sind kleine Einzelzentrum-Stichproben, Selbstauskunft, Fragebögen statt Samenanalyse und keine nierengesunde Kontrollgruppe. Es wurde keine koreanische Studie zu Spermien bei Nierenerkrankung gefunden; das ist ein Suchergebnis, kein Beleg für das Fehlen.
Kokado et al. 1998: Sexualfunktion und Hormone bei männlichen Nierentransplantierten (Osaka) [s181]. Befragung von 57 Transplantierten; bei 42 wurden zusätzlich LH, FSH, Prolaktin, Testosteron und freies Testosteron bestimmt. Die Koitusfrequenz war bei Hämodialysepatienten niedriger als bei Gesunden und besserte sich nach der Transplantation nicht signifikant, obwohl sich die Hormonprofile der Transplantierten denen Gesunder stark annäherten (LH 6,2 ± 3,8 mIE/ml, FSH 9,9 ± 6,6 mIE/ml, Prolaktin 5,9 ± 2,9 ng/ml, Testosteron 390 ± 110 ng/dl, freies Testosteron 16,5 ± 5,3 pg/ml). Zwischen Patienten mit und ohne Besserung der Sexualfunktion fanden sich keine Unterschiede in Kreatinin, Immunsuppressiva, Dialysedauer und Hormonen. Von neun impotenten Fällen wurden sechs, die vor dem 40. Lebensjahr transplantiert worden waren, nach der Transplantation potent. Die Autoren folgern, Faktoren jenseits der Hormone seien wichtig, und deuten an, eine Transplantation in jüngerem Alter sei bedeutsam. Schwächen: kleine Zahl; die Vergleichsgruppe der Hämodialysepatienten ist nicht beschrieben; 6 von 9 ist eine sehr kleine Basis. Der Befund einer normalen Hormonlage ohne Besserung der Koitusfrequenz zeigt, dass Hormonwerte allein die Sexualfunktion nicht erklären.
Nierentransplantation: Hormonachse
David et al. 2026: Case-Control and Longitudinal Study of Sex Steroids in Male Patients with CKD Before and After Kidney Transplantation (Kidney International Reports) [s01]. Fall-Kontroll-Studie mit Längsschnittteil. 120 Männer mit CKD der Stadien 1 bis 5 (Alter 65 Jahre, BMI 26,8) wurden 1:1 mit 120 nierengesunden Kontrollen gleichen Alters und BMI verglichen; zusätzlich wurden 50 Männer (Alter 60 Jahre) von der Transplantation bis 12 Monate danach beobachtet. Testosteron wurde mit Flüssigkeitschromatographie-Tandem-Massenspektrometrie gemessen, LH, FSH und Inhibin B mit Immunoassay; T/LH galt als Näherung der Leydig-Zell-Funktion, Inhibin B/FSH als Näherung der Sertoli-Zell-Funktion. Ergebnisse (Mediane, CKD gegenüber Kontrollen): Gesamt-Testosteron 426,00 gegenüber 541,00 ng/dl, Inhibin B 112,70 gegenüber 181,10 pg/ml, LH 9,10 gegenüber 5,35 IU/l, FSH 7,80 gegenüber 5,60 IU/l, T/LH 1,75 gegenüber 3,99 nmol/IU, Inhibin B/FSH 14,40 gegenüber 32,24 ng/IU (jeweils P < 0,0001, FSH P = 0,0003; Prolaktin und SHBG ohne Unterschied). Ein Hypogonadismus (alle Kategorien) bestand bei 56,7 % (n = 68) der CKD-Patienten gegenüber 13,3 % (n = 16) der Kontrollen. In den Stadien 4 und 5 waren nur 27,8 % (n = 15) eugonadal, bei den passenden Kontrollen 79,6 % (n = 43). Nach Transplantation stieg das freie Testosteron (Median 6,17 vor, 7,33 nach 3 und 8,43 ng/dl nach 12 Monaten; P < 0,0001), das Gesamt-Testosteron nur grenzwertig (421,20 ± 144,50; 439,70 ± 121,00; 470,10 ± 135,60 ng/dl; P = 0,0514), LH fiel (9,30; 7,50; 7,60 IU/l; P = 0,0002), und der Anteil Eugonadaler stieg von 42 % (n = 21) auf 62 % (n = 31) nach 3 und 72 % (n = 36) nach 12 Monaten. Inhibin B dagegen fiel von 190,10 auf 83,72 pg/ml nach 3 Monaten mit teilweiser Erholung auf 133,00 pg/ml nach 12 Monaten (P < 0,0001); das Inhibin-B/FSH-Verhältnis sank von 28,82 auf 7,10 und stieg auf 16,30 ng/IU. Die Autoren bezeichnen die männliche CKD als Zustand vorzeitiger testikulärer Alterung; die Leydig-Zell-Funktion erholte sich rasch, die Sertoli-Zell-Funktion verschlechterte sich vor allem früh nach der Transplantation. Stärken: moderne Testosteronmessung, Matching, Verlauf über 12 Monate, größte Hormonkohorte mit Sertoli-Zell-Markern. Schwächen: ältere Population (65 und 60 Jahre), also nur begrenzt auf Männer im fortpflanzungsfähigen Alter übertragbar; keine Samenanalyse; Mediane mit Interquartilbereich statt Konfidenzintervall; der Einfluss der Immunsuppression ist nicht getrennt ausgewiesen. Die Studie ist der deutlichste Beleg für das Nebeneinander von erholender Leydig-Zell- und sich verschlechternder Sertoli-Zell-Funktion nach Transplantation.
Hamdi et al. 2014: Dialyse und Transplantation, Hormone und Inhibin B [s116]. Prospektive Einzelzentrumsstudie an 53 Männern (mittleres Alter 37 Jahre) unter Dialyse und 6 Monate nach Transplantation, verglichen mit 46 fertilen Samenspendern (37 Jahre). Unter Dialyse waren LH (8,9 gegenüber 3,3 IU/l; P < 0,001) und FSH (7,7 gegenüber 3,7 IU/l; P = 0,001) erhöht, Testosteron (447 gegenüber 512 ng/dl; P = 0,12) und Inhibin B (145 gegenüber 149 pg/ml; P = 0,48) nicht unterschiedlich; 22,6 % der Patienten gegenüber 5,2 % der Spender waren hypogonadal. Sechs Monate nach Transplantation fiel LH auf 6,7 IU/l (P < 0,001; weiter über den Spendern), FSH stieg auf 11,3 IU/l (P < 0,001; 65,4 % über dem Grenzwert), Testosteron blieb bei 398 ng/dl (P = 0,12, aber signifikant unter den Spendern; hypogonadal 24,5 %), und Inhibin B sank signifikant auf im Mittel 93,6 pg/ml (P < 0,001), bei fast der Hälfte unter 80 pg/ml. Die Vor-Transplantations-Spiegel von Testosteron und Inhibin B waren nicht miteinander korreliert; 60 % blieben eugonadal, 9 % hypogonadal, 15,5 % verschlechterten und 15,5 % verbesserten sich im Testosteron, während 33,3 % im Inhibin B von normal auf niedrig fielen und nur ein Patient sich erholte. Die Kombination Tacrolimus plus Mycophenolsäure senkte das Inhibin B nach der Transplantation signifikant; ein niedriges Inhibin B vor der Transplantation sagte ein niedriges Inhibin B danach voraus (Sensitivität 77 %, Spezifität 92 %). Stärken: junges Kollektiv, Samenspender als Kontrolle, Hormonpaare. Schwächen: Einzelzentrum, nur 6 Monate Verlauf, keine Samenanalyse, der Immunsuppressionsvergleich ist explorativ. Den Befund fallenden Inhibin B bei bleibendem Testosteron bestätigt unabhängig die Studie von David [s01].
Sirisopana et al. 2026: Impact of kidney transplantation on sex hormone level and sexual function in end stage renal disease (Thailand) [s08]. Prospektive Kohorte (im thailändischen Studienregister registriert) mit 28 Männern (mittleres Alter 43,5 Jahre) vor Lebendspende-Transplantation sowie nach 1, 6 und 12 Monaten. Der IIEF-5 verbesserte sich nach 6 Monaten (18,5 ± 5,6 vor, 21,1 ± 4,5 nach 6 Monaten; p = 0,006) und blieb nach 12 Monaten bei 21,7 ± 4,2 (p = 0,001); eine Verbesserung zeigte sich vor allem bei einer Dialysedauer von ein bis drei Jahren (p = 0,019). Das biologisch verfügbare Testosteron stieg, das LH fiel; die Autoren deuten dies als Wiederherstellung der testikulären Funktion. Schwächen: kleines Kollektiv, Einzelzentrum, Endpunkt Sexualfunktion und Hormone statt Spermien.
El Hennawy et al. 2024 (Saudi-Arabien) [s27]. Nichtkonkurrente Kohorte mit 100 Männern mit erektiler Dysfunktion: 50 unter Hämodialyse oder Peritonealdialyse, 50 nach Transplantation. Nach Transplantation war das mittlere Testosteron höher (13,64 ± 3,21 gegenüber 10,26 ± 3,26 nmol/l); die Gruppen waren bis auf mehr Komorbidität in der Transplantiertengruppe vergleichbar (mittleres Alter 47,3 ± 7,01 gegenüber 56,8 ± 9,6 Jahre). Schwächen: nichtkonkurrentes Design, die Gruppen sind verschiedene Personen und unterscheiden sich im Alter um fast zehn Jahre.
Kazemeini et al. 2021 [s60]. 45 Patienten (24 Lebendspende, 21 Leichenspende): Das Testosteron stieg in der Lebendspendegruppe von 347,1 ± 64,9 auf 413,1 ± 25,9 und in der Leichenspendegruppe von 306 ± 56,2 auf 355,3 ± 56,9 sechs Monate nach der Transplantation (die Einheit nennt der Abstract nicht). Der IIEF-5 stieg von 17,2 ± 4,5 auf 24,6 ± 3,3 beziehungsweise von 10,8 ± 2,4 auf 13,9 % ± 4,1 % (so im Abstract; die Prozentangabe ist unplausibel für einen Punktwert). Die Verbesserung hing laut Autoren nicht von der Spenderart ab.
Teng et al. 2011: Improved erectile function and sex hormone profiles in male Chinese recipients of kidney transplantation (Clinical Transplantation) [s139]. 24 chinesische Patienten: Eine erektile Dysfunktion bestand bei 21 (87,5 %) vor und bei 11 (45,9 %) nach der Transplantation (Angaben so im Abstract; 11 von 24 entsprechen 45,8 %). Das Prolaktin fiel von 24,35 ± 11,62 auf 13,93 ± 7,16 ng/ml (p = 0,027), das Östradiol von 42,20 ± 15,04 auf 17,7 ± 7,15 pg/ml (p = 0,000), das Testosteron stieg von 3,07 ± 0,94 auf 6,54 ± 3,14 ng/ml (p = 0,004). Schwächen: 24 Patienten, kein Kontrollkollektiv.
Park et al. 2013 [s125]. 129 Männer (25 Transplantierte, 37 mit CKD, 67 Kontrollen): Die Transplantierten hatten ein höheres Testosteron und weniger Testosteronmangelsyndrom als CKD-Patienten und unterschieden sich nicht von den Kontrollen in Testosteron, Fragebögen und Prävalenz der erektilen Dysfunktion. Schwächen: Gruppen verschiedener Personen, nur 25 Transplantierte.
Balcázar-Hernández et al. 2023 (Jornal Brasileiro de Nefrologia) [s38]. 25 Transplantierte (53 % Männer, mittleres Alter 30,6 ± 7,7 Jahre): Der Hypogonadismus betrug 36 % nach einem Monat gegenüber 8 % nach 12 Monaten (p = 0,001), bei allen Männern bildete er sich zurück; der Insulinresistenz-Index HOMA-IR war nach einem Monat negativ mit Testosteron korreliert (r = −0,709; p = 0,049). Schwächen: sehr kleine Gruppe, die Männer machen nur etwas über die Hälfte aus.
Szypulska-Koziarska et al. 2021 [s66]. 121 Transplantierte mit stabiler Funktion: Unter Tacrolimus-Schemata fanden sich bei Männern ein höheres Testosteron (4,04 ng/ml) und FSH (6,9 mIU/ml); Vergleichsgruppen und Gruppengrößen nennt der Abstract nicht.
Gürlek Demirci et al. 2018: Handgriffkraft und Testosteron (Ankara, Experimental and Clinical Transplantation) [s93]. Querschnitt an 144 stabilen männlichen Nierentransplantierten. Das mittlere Testosteron betrug 588,0 (55,5) ng/dl; es korrelierte positiv mit der Handgriffkraft (r = 0,445; p = 0,033) und dem Albumin (r = 0,399; p = 0,05) und negativ mit CRP (r = −0,454; p = 0,05) und Alter; zwischen Testosteron und Transplantatfunktion bestand kein signifikanter Zusammenhang. Das mittlere Testosteron liegt im üblichen Normbereich. Schwächen: Das Streuungsmaß (55,5) ist für 144 Personen auffallend klein und möglicherweise ein Standardfehler; die Einheit der Handgriffkraft („mm²“) ist im Abstract unplausibel; die p-Werte von 0,05 liegen an der Grenze; nur Männer mit stabilem Transplantat.
Naga et al. 2023: Testosteron und Knochendichte (Alexandria, BMC Nephrology) [s43]. Querschnitt an 60 männlichen Nierentransplantierten (mittleres Alter 45,55 ± 13,58 Jahre). Gesamt- und freies Testosteron lagen bei 5,17 ± 1,4 ng/ml und 95,46 ± 28,24 pg/ml, alle Werte im Normbereich. Osteoporose und Osteopenie fanden sich lumbal bei 9 (15 %) und 30 (50 %), an der Hüfte bei 3 (5 %) und 36 (60 %), am Unterarm bei 21 (35 %) und 33 (55 %). Die lumbale Knochendichte korrelierte positiv mit freiem Testosteron, die Hüft-Knochendichte negativ mit Gesamttestosteron. Relevanz für die Fragestellung: normale Testosteronspiegel nach Transplantation, wie bei Gürlek Demirci [s93]. Schwächen: Querschnitt, Fokus Knochen, keine Samendaten.
Wang et al. 2010: Hormone, Samenanalyse und Vaterschaft (Shanghai) [s148]. Prospektive Verlaufsstudie in drei Teilen: Hormone vor und nach Transplantation bei 78 Patienten im Endstadium der Nierenerkrankung und 30 Gesunden; Samenproben vor und nach Transplantation bei 46 männlichen Empfängern und 15 männlichen Kontrollen; zusätzlich Nachbeobachtung von 100 verheirateten Transplantierten ohne Kinder über 3 Jahre. Prolaktin, LH, Testosteron und Östradiol kehrten schrittweise in den Normbereich zurück; Spermiendichte, Beweglichkeit, Vitalität und Morphologie besserten sich vier Monate nach erfolgreicher Transplantation signifikant (P < 0,05). Berichtet werden zudem 33 männliche Empfänger (55,93 %) mit wiedererlangter normaler Erektionsfunktion und 49 Empfänger (61,25 %), die innerhalb von drei Jahren Kinder hatten. Die Prozentangaben implizieren Nenner von 59 beziehungsweise 80, die im Abstract nicht erklärt werden. Stärken: Verlaufsdaten, Hormone, Samen und ein klinischer Endpunkt in einer Arbeit. Schwächen: keine Kontrollgruppe ohne Transplantation für die Vaterschaftsrate, unklare Nenner, kein Bericht über Verluste in der Nachbeobachtung; eine Teilüberlappung mit der Arbeitsgruppe um Xu ist nicht auszuschließen (ein Autor ist identisch).
Wang XL und Feng 2012 [s133] und Wang ZH et al. 2022 [s55] (China). Wang und Feng verglichen 35 Transplantierte mit 30 Hämodialysepatienten: erektile Dysfunktion 51,4 % gegenüber 73,3 % (P < 0,05); Testosteron 4,32 ± 1,37 gegenüber 2,53 ± 1,12 ng/ml, Östradiol 19,57 ± 2,29 gegenüber 43,38 ± 5,58 pg/ml, Prolaktin 8,59 ± 1,19 gegenüber 17,22 ± 3,31 mIE/ml (jeweils P < 0,05 zugunsten der Transplantierten). Wang ZH et al. verglichen je 80 Männer (25 bis 45 Jahre) unter Hämodialyse und nach Transplantation: Testosteron 17,75 ± 7,32 gegenüber 7,45 ± 3,54 nmol/l (P < 0,01), Östradiol 94,17 ± 40,79 gegenüber 151,37 ± 20,89 pmol/l (P < 0,01), FSH und LH ohne Unterschied, schwere erektile Dysfunktion 3,75 % gegenüber 16,25 % (P < 0,05). Schwächen beider: nicht randomisierte Zuteilung; wer transplantiert wird, ist oft gesünder.
Pan et al. 2024: Erektionsfunktion in vier Zeitabschnitten (China) [s33]. Beobachtungsstudie an 230 Transplantierten, die vier Zeitabschnitte erfasste. Der Anteil normaler Erektionsfunktion betrug 17,0 % in der Phase des Nierenversagens im Endstadium, 38,2 % früh nach Transplantation, 34,3 % vor und 23,0 % nach COVID-19. Schwäche: Der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle.
Nierentransplantation: Sexualfunktion
Esen et al. 2009 (Türk Üroloji Dergisi) [s150]. 46 Männer nach Transplantation (43,0 ± 8,5 Jahre): selbstberichtete erektile Dysfunktion 34,8 %, vorzeitiger Samenerguss 54,4 %; mittlerer IIEF 24,4 ± 5,8; nach IIEF bestand eine erektile Dysfunktion bei 47,8 %; die Hämodialysedauer vor der Transplantation war bei Betroffenen länger (19,9 ± 5,5 gegen 13,8 ± 2,6 Monate; p < 0,05); kein Unterschied zwischen Lebend- und Verstorbenenspende (42,9 % gegen 55,6 %; p > 0,05); verminderte Libido bei 8,7 %, gesteigerte bei 17,4 %.
Yavuz et al. 2013 (Ankara) [s126]. 100 Patienten (53 Transplantierte, 47 unter Hämodialyse) und 50 gesunde Männer: IIEF-5 19,5 ± 4,5, 16,4 ± 5,9 und 22,5 ± 3,4; erektile Dysfunktion (IIEF ≤ 21) bei 28 (52,8 %), 29 (61,7 %) und 12 (24 %); in der logistischen Regression war sie nicht mit dem Nierenersatzverfahren verbunden (OR 1,46; 95-%-KI 0,60 bis 3,57), wohl aber mit Alter (OR 1,1; 1,05 bis 1,2) und Depressionsscore (OR 1,1; 1,01 bis 1,13). Das Ergebnis widerspricht der Annahme, das Verfahren allein bestimme die Erektionsfunktion.
Kaya et al. 2021 (Adana) [s59]. 57 Hämodialysepatienten und 52 Transplantierte: Keine erektile Dysfunktion hatten 5 (8,8 %) der Hämodialysepatienten und 27 (51,9 %) der Transplantierten; die Transplantation war mit einem geringeren Risiko verbunden (OR 0,09; 95-%-KI 0,02 bis 0,30; p < 0,001). Schwäche: Selektion der Transplantierten.
Tekkarismaz et al. 2020 (Adana) [s81]. 51 Patienten (31 Hämodialyse, 20 Peritonealdialyse): IIEF 55 gegen 40 (p = 0,058), sexuelle Dysfunktion 12,9 % gegen 30 % (p = 0,163). Der Abstract schreibt dennoch, sexuelle Dysfunktion sei unter Peritonealdialyse häufiger, obwohl die Unterschiede nicht signifikant sind.
El Hennawy et al. 2022 (Saudi-Arabien) [s48]. 68 Patienten vor und ein Jahr nach Transplantation: 63 (92,6 %) hatten vorher eine erektile Dysfunktion; der IIEF-15 stieg von 46,8 ± 12,7 auf 55,5 ± 13 (p < 0,001); 46 (67,6 %) berichteten eine Besserung, 22 (32,4 %) keine Änderung, keiner eine Verschlechterung; bei unter 50-Jährigen sank die Häufigkeit von 83,8 % auf 22,6 %, bei Älteren von 100 % auf 86,5 %. Das Alter bestimmt demnach stark, ob sich die Erektionsfunktion erholt.
Jabali et al. 2020 (Duhok, Irak) [s75]. 59 Männer nach Transplantation (49,41 Jahre): Bei der Mehrzahl besserte sich die Erektionsfunktion (Teilwerte p = 0,015, 0,011, 0,023; Gesamtverbesserung p < 0,031; keine signifikante Änderung bei Selbstvertrauen und Zufriedenheit, p = 0,113 und 0,121); 1 Patient (1,7 %) verschlechterte sich schwer. Der Abstract nennt keine Messung vor der Transplantation außer dem IIEF; Erinnerungsverzerrung ist möglich.
Tian et al. 2007 (China) [s162]. 250 verheiratete Transplantierte (84,8 % Rücklauf): Erektile Dysfunktion vor und nach Transplantation 53,8 % gegenüber 44,3 % (P > 0,05); nach IIEF besserte sich die Erektionsfunktion bei 43,9 %, blieb bei 42,9 % gleich und verschlechterte sich bei 13,2 %; unabhängige Einflussfaktoren waren Alter (relatives Risiko 3,01), Hämoglobin (2,01), Diabetes (3,15), periphere Neuropathie (3,89) und Mehrfachtransplantation (2,67; Reihenfolge nach dem Abstract). Die Zuordnung der Zahlen zu den Faktoren ist im Abstract nicht ausdrücklich.
Xu et al. 2003 [s171], Wang SL et al. 2003 [s170], Zhang WD et al. 2003 [s173] (China). Xu: 86 Männer in drei Altersgruppen; potent nach Erkrankungsbeginn 28,6 %, 13,8 % und 9,1 % (jung, mittel, älter), potent nach Transplantation 88,6 %, 75,9 % und 63,6 %; retrospektive Befragung, Erinnerungsfehler möglich. Wang: 60 verheiratete Männer; Verschlechterung der Sexualfunktion nach dem Nierenversagen, Besserung nach Transplantation ohne vollständige Normalisierung. Zhang: Querschnitt in sechs Kliniken in Sichuan; Dialysierte (Hämodialyse wie Peritonealdialyse) unterschieden sich nicht, unbehandelte Patienten hatten mehr Libidoverlust und Leistungsangst, Transplantierte weniger erektile Dysfunktion als Unbehandelte und Dialysierte; die Fallzahl nennt der Abstract nicht.
Yoshikawa et al. 2023: Erleben von Schwangerschaft und Geburt durch männliche Transplantierte (Osaka) [s46]. Qualitative Interviewstudie mit sechs japanischen Männern (Alter bei Datenerhebung 40,3 ± 4,7 Jahre, bei Transplantation 34,7 ± 5,8 Jahre), die erst nach der Geburt eines Kindes ihrer Partnerin eine Nierentransplantation erhielten; Auswertung mit der KJ-Methode, sieben Symbole. Die Männer litten vor dem Eingriff unter der schweren Nierenerkrankung und waren unentschlossen, ob sie sich transplantieren lassen sollten; das Leben veränderte sich durch Transplantation und Kinder. Die verbesserte Sexualfunktion beeinflusste die Entscheidung zu heiraten. Die Autoren fordern, bei der Wahl des Nierenersatzverfahrens über die Erholung der Fruchtbarkeit zu informieren. Schwäche: sechs Teilnehmende, alle erst nach der Geburt transplantiert; die Studie sagt also nichts über Zeugung nach Transplantation.
Nierentransplantation: Samenparameter
Xu et al. 2009: Fertilitätsindex bei Urämie und nach Transplantation (Andrologia) [s152]. Querschnittsvergleich mit 40 Urämiepatienten, 40 Nierentransplantierten und 40 gesunden fertilen Männern; die Transplantierten wurden nach dem Intervall seit der Operation in Gruppe A (22 Männer, höchstens 2 Jahre) und Gruppe B (18 Männer, mehr als 2 Jahre) geteilt. Zielgröße war der Fertilitätsindex (FI) aus Spermiendichte, Beweglichkeit und Morphologie. Die Kontrollen erreichten 13,02 (14,26), Gruppe A 5,53 (8,30), Gruppe B 9,27 (22,49) und die Urämiepatienten 0,23 (0,76); die Angaben in Klammern sind im Abstract nicht näher bezeichnet. Beide Transplantiertengruppen lagen über der Urämiegruppe (P < 0,01); Gruppe A blieb unter den Kontrollen (P < 0,01), Gruppe B unterschied sich nicht von ihnen (P > 0,05). Die Autoren folgern, der FI erreiche zwei Jahre nach Transplantation annähernd das Niveau gesunder Männer. Schwächen: Querschnitt statt Verlauf an denselben Männern; die breiten Streuungen (Gruppe B: 22,49 bei Mittel 9,27) sprechen für schiefe Verteilungen, wodurch Mittelwerte nur eingeschränkt aussagekräftig sind; der Nicht-Unterschied von Gruppe B zu den Kontrollen kann bei n = 18 auch fehlende Teststärke sein.
Yu, Xu und Zhang 2005: Nierentransplantation verbessert die spermatogene Funktion bei Urämiepatienten (Shanghai, Zhonghua Nan Ke Xue) [s164]. Vorher-Nachher-Studie an 30 männlichen Urämiepatienten mit Samenanalyse und Ultrastruktur der Spermien vor und nach der Transplantation. Nach der Operation lagen Vitalität, Beweglichkeit und Geschwindigkeit höher als davor: Vitalität 70,08 ± 2,86 gegenüber 36,04 ± 8,01, Beweglichkeit (76,15 ± 3,75) % gegenüber (39,27 ± 4,14) %, Geschwindigkeit (16,80 ± 1,11) µm/s gegenüber (8,43 ± 2,01) µm/s, jeweils P < 0,01 (die Einheit der Vitalität ist im Abstract nicht angegeben). Sertoli-Zellen, Akrosom und Mitochondrien nahmen eine normalere Struktur an. Stärken: Vorher-Nachher-Design am selben Kollektiv, Ultrastruktur. Schwächen: Zeitpunkt der Nachuntersuchung und Immunsuppression im Abstract nicht genannt; keine Kontrollgruppe, daher lässt sich ein Behandlungs- oder Zeiteffekt nicht von einer Erholung durch andere Ursachen trennen.
Xu et al. 2003: Wirkung verschiedener Ciclosporin-A-Dosen auf die Samenparameter nierentransplantierter Patienten (Hangzhou) [s172]. 18 Transplantierte unter zwei Dosisbereichen (1,5 bis 3,0 und 3,1 bis 5,5 mg/kg/Tag) wurden mit 12 gesunden Freiwilligen verglichen. Die Hauptparameter unterschieden sich nicht signifikant von den Freiwilligen (P > 0,05), wohl aber der Anteil normaler Spermienmorphologie zwischen den beiden Dosisgruppen (P < 0,05). Die Autoren schließen, Ciclosporin beeinflusse die meisten Samenparameter nicht, wohl aber die Morphologie. Schwächen: wenige Patienten je Gruppe (nicht angegeben), Zeit seit Transplantation und Begleitmedikation im Abstract nicht beschrieben, keine Zahlenwerte im Abstract.
Cao et al. 2006: Wirkung verschiedener Immunsuppressiva auf die Spermienparameter von Nierentransplantierten (Hefei) [s163]. 15 gesunde fertile Männer und 37 Transplantierte, davon 20 unter Tacrolimus (FK506), Mycophenolatmofetil und Prednison und 17 unter Ciclosporin, Azathioprin und Prednison; computergestützte Spermienanalyse (CASA). Vitalität ((81,7 ± 5,7) %, (79,4 ± 6,8) % und (83,8 ± 6,0) % in der Reihenfolge Tacrolimus, Ciclosporin, Kontrolle), VCL und VAP unterschieden sich nicht (P > 0,05). Die Anomalierate war unter Tacrolimus niedriger ((67,8 ± 5,7) % gegenüber (80,1 ± 5,6) % unter Ciclosporin), die progressive Beweglichkeit höher ((46,4 ± 8,1) % gegenüber (33,3 ± 6,4) %), ebenso die geradlinige Geschwindigkeit VSL (15,4 ± 4,6 gegenüber 10,2 ± 2,4), jeweils P < 0,05. Die Autoren folgern, die Tacrolimus-Kombination könne Beweglichkeit und Morphologie verbessern. Schwächen: Zuteilung der Schemata nicht als randomisiert beschrieben; Unterschiede in Zeit seit Transplantation und Nierenfunktion nicht beschrieben; die Einheiten von VCL und VAP sind im Abstract mit Prozent angegeben, was für Geschwindigkeiten nicht plausibel ist (Fehler der Quelle); beide Gruppen hatten sehr hohe Anomalieraten (über 65 %). Das Ergebnis ist ein Hinweis, kein Beleg, dass Tacrolimus-Schemata die Spermien weniger beeinträchtigen als Ciclosporin-Schemata.
Xu et al. 2008: Zeitpunkt einer Zeugung bei männlichen Nierentransplantierten (Hangzhou) [s156]. 26 Transplantierte in drei Gruppen nach Zeit und Ciclosporin-Dosis: A (7 Männer, unter 6 Monate, 4,1 bis 6 mg/kg/Tag), B (11 Männer, 6 bis 24 Monate, 2,1 bis 4 mg/kg/Tag), C (8 Männer, über 24 Monate, 1,3 bis 2 mg/kg/Tag), verglichen mit 12 gesunden Freiwilligen. Beweglichkeit und Kopfdeformität der Spermien unterschieden sich signifikant zwischen A und C (P < 0,05), nicht aber pH, Volumen, Vitalität und Konzentration (P > 0,05). Die Autoren halten zwei Jahre oder länger nach der Transplantation für den geeignetsten Zeitpunkt einer Zeugung; das ist ihre Schlussfolgerung. Wichtig: Zeit und Dosis sind in der Gruppeneinteilung vermischt (die Dosis fällt mit der Zeit), sodass die Wirkung der Dosis nicht von der Erholungszeit getrennt werden kann; die Gruppen sind winzig.
De Celis und Pedrón-Nuevo 1999: Hormone und Samenparameter nach Transplantation [s178]. Querschnitt an 55 Männern, 1 bis 10 Jahre nach Transplantation (zuvor Peritonealdialyse). Die mittleren Hormonwerte betrugen LH 3,2 ± 2, FSH 6,3 ± 1,7 mIU/ml, Prolaktin 11,7 ± 1,5 ng/ml, Testosteron 23 ± 1,4 pg/ml (Einheit so gedruckt, wohl nicht dieselbe Messgröße wie in anderen Studien). Eine Libidoabnahme bestand bei 88 % innerhalb von 8 Monaten nach Transplantation. Normozoospermie fand sich bei 47,3 %, Asthenozoospermie bei 18,2 %, Oligozoospermie bei 14,5 %, der Rest hatte kombinierte Formen oder eine Azoospermie. 26 Patienten zeugten nach der Transplantation ein oder mehrere Kinder; 36,6 % dieser Kinder waren Frühgeburten, aber gesund. Dialysedauer, FSH, Spermienzahl, Morphologie und Beweglichkeit unterschieden sich zwischen später fertilen und infertilen Patienten. Stärken: Samenanalyse und Vaterschaftsdaten. Schwächen: keine Kontrollgruppe, nur Querschnitt, keine Dosisdaten zur Immunsuppression im Abstract.
Haberman et al. 1991: Fallserie unter Ciclosporin A [s199]. 9 junge Männer unter Ciclosporin A nach Nierentransplantation: Die Samenanalyse war bei 8 weitgehend normal, die Testosteronfunktion normal; von 4 Männern, die einen Kinderwunsch verfolgten, hatten 3 Erfolg. Sehr kleine Zahl, daher keine belastbare Aussage zur Sicherheit.
Eid et al. 1996: Spermienbewegung bei infertilen Nierentransplantierten (Mansoura, International Journal of Andrology) [s185]. Fall-Kontroll-Studie mit 65 Personen: 34 Nierentransplantierte (18 infertil, 16 fertil) und 31 Nichttransplantierte (15 infertil, 16 fertil). Methodik: Klinik, Gesamttestosteron, FSH, Ciclosporin-Talspiegel im Vollblut, Kreatinin, Hämoglobin, computergestützte Spermienanalyse (CASA) und Hodenultraschall. Bei infertilen gegenüber fertilen Transplantierten waren Spermienkonzentration, Anteil beweglicher Spermien, Geschwindigkeit der geraden Linie (VSL), Linearität (LIN) und mittlere Pfadgeschwindigkeit (VAP) signifikant niedriger (p < 0,05); Testosteron, FSH und Hodengröße unterschieden sich nicht (p > 0,05). Spermienkonzentration und VSL waren umgekehrt mit dem Ciclosporin-Talspiegel korreliert (p < 0,05); die Hämodialysezeit war umgekehrt mit dem Anteil beweglicher Spermien und der lateralen Kopfauslenkung korreliert (p < 0,05). Die Autoren nehmen an, dass ein Ciclosporin-Talspiegel im Zielbereich und die Korrektur einer Anämie die Fertilität verbessern könnten; das ist Vermutung der Autoren. Stärken: objektive Bewegungsanalyse, Vergleich mit Nichttransplantierten, Messung der Talspiegel. Schwächen: kleine Gruppen; Querschnitt, daher keine Aussage über den zeitlichen Verlauf; Hämodialysezeit, Ciclosporinspiegel und Anämie können sich überlagern; im Abstract keine absoluten Spermienwerte und keine Effektgrößen.
Bozzini et al. 2013: früh dialysierte, später transplantierte Männer (Andrologia) [s121]. 22 früher dialysierte Männer, transplantiert im Median mit 19 Jahren (Bereich 9 bis 30). Bei 17 fanden sich Nebenhodenverkalkungen (bei zwei zusätzlich Hodenverkalkungen), bei weiteren drei isolierte Hodenverkalkungen. Von 13 untersuchten Samenproben zeigten 12 Auffälligkeiten (5 Azoospermie, 7 Oligozoospermie, mit morphologischen Anomalien). Die Autoren raten zu Spermiogramm und Kryokonservierung vor Eintritt der terminalen Niereninsuffizienz (Empfehlung der Autoren). Schwächen: nur 13 Samenproben, Auswahl nicht beschrieben, keine Kontrollgruppe, der Abstract nennt keine Immunsuppression.
Koyun et al. 2009: Fortpflanzungsfunktion jugendlicher Männer nach Nierentransplantation (Antalya, Pediatric Transplantation) [s151]. Querschnitt, kleine Fallserie an 8 postpubertären Männern, die als Kinder Nierenversagen im Endstadium hatten und peripubertär transplantiert wurden; Gruppe I Transplantation vor dem 14. Lebensjahr, Gruppe II danach. LH, FSH und Testosteron waren bei allen bis auf einen normal. Das mittlere Alter bei Diagnose der CKD betrug 6 (Gruppe I) beziehungsweise 13 Jahre (Gruppe II), bei Transplantation 12 beziehungsweise 17,8 Jahre. Gruppe I hatte länger Prednison, Ciclosporin A und Azathioprin erhalten. Die Spermienzahl lag in Gruppe I bei 15,5 ± 15,7, in Gruppe II bei 82,3 ± 64,2 Millionen/ml, die Beweglichkeit bei 37,8 ± 30,9 gegenüber 57,8 ± 22,1 %. Nur ein Patient in Gruppe II hatte normale Spermaparameter; ein Patient aus Gruppe I hatte eine Azoospermie. Die Autoren schließen, je früher der Beginn und je länger die Urämie, desto stärker die Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfunktion, und die Dauer der Exposition gegenüber Kortikosteroiden oder Ciclosporin mit Azathioprin trage zur Spermiendysfunktion bei. Stärken: einzige Spermiendaten bei Jugendlichen nach Transplantation im Material; normale Hormonwerte bei gleichzeitig gestörter Spermienqualität zeigen, dass Hormone allein die Spermienqualität nicht abbilden. Schwächen: nur 8 Patienten, Gruppengrößen im Abstract nicht genannt, keine Kontrolle, kein statistischer Test; Alter bei Transplantation, Urämiedauer und Medikamentendauer sind miteinander verbunden; die Schlussfolgerung zur Ursache geht über die Daten hinaus; der Abstract bezeichnet die Streuungsmaße (Zeichen ±) nicht näher.
Pak et al. 1990: Ciclosporin im Ejakulat von Nierentransplantierten (Shiga) [s203]. Originaltitel: 腎移植患者の精液中のCiclosporin濃度の検討. Messstudie mit 12 Samenproben von 8 Empfängern (mittleres Alter 35, SD 9), die morgens vor der Einnahme nach mehr als fünf Tagen Karenz gewonnen und bei −80 °C eingefroren wurden; Ciclosporin wurde per HPLC in Vollblut und Ejakulat gemessen. Die Dosis betrug 3,7 bis 5,0 mg/kg, das Serumkreatinin 1,1 bis 2,9 mg/dl. Im Ejakulat wurden 27 bis 165 ng/ml gemessen, im Vollblut 51 bis 133 ng/ml; beide Werte waren linear verbunden (r = 0,68; p < 0,05). Die Autoren vermuten, Ciclosporin im Ejakulat könne eine ungünstige Umgebung für Spermien schaffen; Daten zu dieser Wirkung lagen nicht vor. Stärke: erste Messung dieser Art. Schwächen: nur 8 Patienten, 12 Proben von teils denselben Männern (nicht unabhängig), keine Samenqualitätsparameter erhoben.
Immunsuppressiva, antivirale Mittel und Zytostatika: Beobachtungsstudien
Zuber et al. 2008: Sirolimus und Spermien (Beobachtungsstudie bei männlichen Transplantierten) [s157]. Vergleichende Beobachtungsstudie an Männern von 20 bis 40 Jahren, transplantiert zwischen 1995 und 2005. Vollständige Angaben lagen von 95 der 116 Empfänger vor (Fragebogen per Post, Spermaanalyse angeboten). Patienten, die den gesamten Zeitraum nach der Transplantation Sirolimus erhielten, hatten eine deutlich niedrigere Gesamtspermienzahl (28,6 ± 31,2 × 10^6 gegenüber 292,2 ± 271,2 × 10^6; p = 0,006) und einen niedrigeren Anteil beweglicher Spermien (22,2 ± 12,3 % gegenüber 41,0 ± 14,5 %; p = 0,01). Die Rate gezeugter Schwangerschaften (pro 1000 Patientenjahre) betrug 5,9 (95-%-KI 0,8 bis 42,1) unter sirolimushaltigen und 92,9 (66,4 bis 130,0) unter sirolimusfreien Schemata (p = 0,007). Bei sechs Patienten, deren Sirolimus beendet wurde, besserten sich die Spermienparameter nur bei dreien deutlich. Stärken: Endpunkte Spermienzahl und gezeugte Schwangerschaften, Poisson-Modell für die Raten. Schwächen: nicht randomisierte Zuteilung (Sirolimus wird aus klinischen Gründen vergeben, sodass die Gruppen sich in der Grunderkrankung und Vorgeschichte unterscheiden können); Fragebogen; sehr kleine Sirolimusgruppe (das Konfidenzintervall der Rate reicht von 0,8 bis 42,1); Störgrößen im Abstract nicht ausgewiesen; die Streuung der Spermienzahl ist groß (Standardabweichung etwa so groß wie der Mittelwert), daher sind Mittelwertvergleiche mit Vorsicht zu lesen. Einordnung: Es ist die wichtigste Humanstudie zu mTOR-Inhibitoren im Material; ihre Richtung stimmt mit der Fallserie von Boobes [s141] und den Fallberichten überein.
Boobes et al. 2010: Sirolimus-assoziierte Infertilität (Fallserie, ein Zentrum) [s141]. Von 170 Transplantierten erhielten 9 (5,3 %; 6 Männer, 3 Frauen) Sirolimus. Die vier verheirateten Männer, die vor der Transplantation Kinder gezeugt hatten, entwickelten 5 bis 12 Monate nach der Transplantation eine Oligo- oder Azoospermie mit Infertilität; nach Absetzen von Sirolimus erholten sich alle vier und wurden wieder fertil. Beide verheirateten Frauen entwickelten eine Amenorrhoe. Nach Aussage der Autoren ist Sirolimus-bedingte Infertilität unterdiagnostiziert. Sehr kleine Zahl, aber ein Absetz-Wiederholungs-Muster, das für Kausalität spricht; ein Zufall oder die Wirkung anderer gleichzeitiger Faktoren sind bei n = 4 nicht auszuschließen.
McLeroth et al. 2020: Valganciclovir und Spermienparameter bei männlichen Nierentransplantierten [s78]. Prospektive multizentrische offene nichtrandomisierte Studie bei männlichen Nierentransplantierten; die Zuordnung erfolgte nach dem Bedarf einer Prophylaxe gegen Zytomegalievirus: Kohorte A (Valganciclovir) n = 38, Kohorte B (ohne) n = 21. Zu Beginn hatten in A 20 % (6 von 30) und in B 10 % (2 von 20) eine Azoospermie, eine normale Konzentration (mindestens 20 × 10^6/ml) 30 % beziehungsweise 40 %, eine Oligozoospermie je 50 %; die Dialysedauer vor der Transplantation betrug im Mittel 39,3 gegenüber 24,1 Monate. Die mittlere Dauer der Valganciclovir-Exposition betrug 118 ± 63 Tage. Modellbasiert war die Änderung der Konzentration vom Beginn bis zum Behandlungsende in A um 43,82 × 10^6/ml niedriger als in B (95-%-KI −72,48 bis −15,16; P = 0,0038): −11,13 (−29,79 bis 7,53) in A gegenüber +32,69 (9,67 bis 55,71) in B. Bis zum Ende der Nachbeobachtung (6 Monate nach Behandlung) betrug die Differenz −2,09 (−44,18 bis 40,00; P = 0,9193). Die Gesamtbeweglichkeit war zum Behandlungsende in A um 23,03 Prozentpunkte weniger gebessert (KI −44,02 bis −2,04; P = 0,0325), am Ende der Nachbeobachtung bestand kein Unterschied (−3,48; −22,03 bis 15,08). Von den Patienten mit normaler Ausgangskonzentration hatte keiner am Ende eine abweichende; 6 von 24 (25 %) in A und 1 von 14 (7 %) in B wechselten bis zum Behandlungsende von normal zu abweichend, alle erholten sich bis zum Ende der Nachbeobachtung. Von den acht Patienten mit Azoospermie zu Beginn erholte sich keiner zu normalen Werten, soweit Proben vorlagen. Samenvolumen, Morphologie, DNA-Fragmentierung und Hormone waren am Ende vergleichbar. Stärken: prospektiv, Modell mit Korrektur für Ausgangsunterschiede, Verlauf mit zwei Zeitpunkten, Konfidenzintervalle. Schwächen: nicht randomisiert; Kohorte A mit längerer Dialyse und mehr Azoospermie; wechselnde Fallzahlen je Zeitpunkt (n = 24 bis 9); kurze Exposition (18 Patienten unter 100 Tagen); die Autoren warnen selbst, dass rohe Mittelwerte keine Schlüsse erlauben. Einordnung: Valganciclovir verzögert die Verbesserung der Spermienkonzentration nach Transplantation vorübergehend; eine bleibende Schädigung zeigt die Studie nicht, ihre Dauer ist dafür aber kurz.
Kukhtevich et al. 1991: Pathospermie unter Immunsuppressiva bei Glomerulonephritis und rheumatoider Arthritis (Terapevticheskij Archiv) [s201]. Vergleichsstudie mit zwei kleinen Gruppen und Behandlungsverlauf bei Patienten im Alter von 16,5 bis 31 Jahren mit Pathospermie unter Immunsuppressiva, Gruppe I wegen Glomerulonephritis, Gruppe II wegen rheumatoider Arthritis. Bei 5 von 6 Patienten der Gruppe I und bei allen Patienten der Gruppe II bestand eine Azoospermie. Unter Zink (30 bis 90 mg elementares Zink pro Tag) und Parlodel (2,5 mg/Tag) über 2 bis 23 Monate besserte sich die Spermatogenese oder normalisierte sich bei 2 Patienten der Gruppe I und 2 Patienten der Gruppe II. Von den 8 nicht ansprechenden Patienten hatten 7 Glukokortikoide und Zytostatika erhalten, unter den Ansprechenden nur 2 von 4 Zytostatika; die Autoren diskutieren die gonadotoxische Dosis der Zytostatika. Stärken: Vergleich zweier Grunderkrankungen mit ähnlicher Immunsuppression, der die Frage nach der Rolle des Nierenleidens gegenüber der Medikation aufwirft. Schwächen: Gruppengrößen im Abstract nicht vollständig genannt (in Gruppe I mindestens 6, insgesamt anscheinend 12 Patienten), keine statistischen Tests, keine unbehandelte Kontrollgruppe, Zytostatika als Störgröße.
Kukhtevich und Kirpatovskij 1995: Azoospermie unter langjähriger Immunsuppression (Urologija i Nefrologija) [s188]. Fallserie mit Vorher-Nachher-Vergleich ohne Kontrollgruppe an 10 unfruchtbaren Männern im reproduktiven Alter, die zuvor wegen Nierenerkrankungen mit Immunsuppressiva behandelt worden waren. Die Azoospermie wurde mit Zinksulfat (30 bis 90 mg/Tag, 2 bis 12 Monate) behandelt, bei 6 Patienten danach durch Clomifencitrat (100 mg/Tag, 2 bis 6,6 Monate) ersetzt. Ein Ansprechen wurde nur bei einem Mann festgestellt; Zink löste eine subnormale Spermatogenese aus, die unter Clomifen weiter besser wurde, und der Patient wurde Vater. Bei den übrigen besserte sich die Azoospermie nicht. Die Hodenbiopsie bei 3 Patienten zeigte das Fehlen von Zellen des spermatogenen Epithels. Die Autoren leiten aus dem fehlenden Ansprechen eine schlechte Prognose der Azoospermie bei Patienten mit Nierenkrankheit unter Immunsuppressiva ab. Schwächen: nur 10 Männer; keine Kontrolle; im Abstract werden weder die Wirkstoffe der Immunsuppression noch die Nierenfunktion oder die Nierendiagnosen genannt; keine p-Werte, keine Konfidenzintervalle. Eine Zuordnung zur Nierenkrankheit oder zur Immunsuppression ist nicht möglich.
Weitere Befunde zu Immunsuppressiva. Ciclosporin im Ejakulat [s203], Ciclosporin-Dosis [s172], Tacrolimus gegen Ciclosporin [s163] und Talspiegel-Korrelation [s185] sind bei den Samenparametern besprochen. Die Kombination Tacrolimus plus Mycophenolsäure war bei Hamdi [s116] mit einem stärkeren Abfall des Inhibin B nach Transplantation verbunden. Szypulska-Koziarska [s66] fand unter Tacrolimus-Schemata bei Männern höhere Testosteron- und FSH-Werte.